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RSS-NewsfeedPolitik und Mitmach-Web - eine internationale Konferenz
24. April 2008 - 17:00
Dass die Universität den Namen der englischen Metropole tragen darf, verwundert. Denn anders als zum Beispiel die London School of Economics liegt sie weit außerhalb Londons, genauer gesagt eine 45minütige Zugfahrt von der Stadtmitte entfernt. Der Campus der ehemaligen Mädchenschule ist dafür traumhaft schön.
In dieser einzigartigen Atmosphäre kamen 180 Teilnehmer, vorwiegend Geisteswissenschaftler, zusammen. 120 Papers wurden vorab eingereicht, bei dieser Anzahl an Teilnehmern ein guter Schnitt - vielleicht zu gut: Die Auswahl unter den Veranstaltungen war riesig, zum Teil fanden bis zu sechs Panels gleichzeitig statt. Darin ging es um Themen wie Parteien, Wahlen, Kampagnen über Web 2.0-Plattformen, Macht und Politik bis hin zum Bürgerjournalismus. Der Veranstalter, die New Political Communication Unit der Royal Holloway University, hatte sich scheinbar vorgenommen, alle Themenbereiche rund um das Mitmach-Web zu bestücken. Das führte zu einer Themenbreite , die teils nichts mehr mit politischen Verfahren („Politics") wie Wahlverfahren, Abstimmungen, aber auch Lobbyismus und Öffentlichkeitsarbeit zu tun hatte - was Veranstalter und Teilnehmende aber offensichtlich in Kauf nahmen. Diese offene Ausrichtung gab der Konferenz jedoch einen teilweise unstrukturierten Beigeschmack. Die bunte Zusammenwürfelung von Themen unter Kategorien wie „Governance" (Regierungsführung), Citizen Journalism (Bürgerjournalismus), Digital Divide (Digitale Spaltung) und vielen anderen stiftete eher Verwirrung als Klarheit.
Geisteswissenschaftler und das Mitmach-Internet
Die Qualität der Vorträge war sehr durchmischt. Während einige praktisch nur ihr eingereichtes Paper oder die Powerpointpräsentation über alte Themen vorlasen, überzeugten andere die Teilnehmer mit ihrem Inhalt und ihrer Präsentationsweise. Herauszuheben sind dabei die Referenten, die sich mit politischen Kampagnen beschäftigt haben - zum Beispiel Wahlkampagnen oder Kampagnen zur politischen Meinungsbildung. Besonders zu betonen sind die Vorträge einzelner Schwergewichte rund um die wissenschaftliche Untersuchung der politischen Dimension des Internets, die zwischen den Panels stattfanden. Stephen Coleman, Professor für politische Kommunikation an der Universität Leeds, Helen Margetts, Professorin für Gesellschaft und Internet am Oxford Internet Institute (OII) und Michael Turk, ehemaliger eCampaign Director des US-amerikanischen republikanischen Komitees, sind nur drei der sechs hochkarätigen Sprecher, die auf dem Podium rundum überzeugen konnten.
Ungewöhnlich hoher Frauenanteil
Dass keiner der teilnehmenden Wissenschaftler für diese Konferenz ein eigenes Forschungsprojekt machen würde, war klar. Doch teilweise waren die vorgestellten Projekte schon ein Weilchen her und betätigten nur das, was eigentlich alle wussten. Aber das ist ja bekanntlich auch eine Erkenntnis. Im Gegensatz dazu gaben viele andere Vorträge Einblick in gerade erst beginnende Forschungsvorhaben, was zum Teil für interessante Diskussionen sorgte, zum anderen aber einfach nicht dem Niveau einer internationalen Konferenz angemessen war. Hier hätte man sich etwas mehr Auswahl seitens des Veranstalters gewünscht, was auch die Auswahl für die Besucher etwas leichter gemacht hätte.
Beachtlich an dieser Konferenz war vor allem der hohe Frauenanteil. Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen kamen hier auf zwei Teilnehmer immerhin eine Teilnehmerin. Neben den für eine internationale Konferenz verhältnismäßig vielen deutschen Teilnehmern waren auch fast alle andere großen OECD-Staaten vertreten. Nur Osteuropa, Asien und die Nicht-OECD-Welt waren gefühlt unterrepräsentiert.
Wissenschaft hinkt Netzentwicklung hinterher
Fazit: Wirklich neues konnte man der Veranstaltung nicht abgewinnen. Eines aber machte die Konferenz klar deutlich: Die Wissenschaft hinkt der aktuellen und schnelllebigen Entwicklung scheinbar hinterher. Bei dem Tempo der Netzentwicklung und der Zeit, die für empirische Forschung benötigt wird, ist das fast verständlich. Dennoch konnte man einen guten Einblick gewinnen in die Bandbreite an aktueller Forschung in den Bereichen Politik, Internet und Öffentlichkeit.
Letztendlich waren es die Gespräche zwischen den einzelnen Workshops, die dieser Konferenz einen wirklichen Mehrwert beschert haben. Es war interessant zu erfahren, wie die anderen 30 Länder das Thema Politics und Web 2.0 wissenschaftlich auswerten. Dem Veranstalter muss jedoch zu gute gehalten werden, dass es die erste Veranstaltung dieser Art war und dass sie dafür hervorragend organisiert war.
Trotz der riesigen Themenvielfalt wurden jedoch zwei Themen komplett ausgelassen. Die rechtlichen Grundlagen für nutzergenerierte Inhalte (User Generated Content) im Web 2.0 und das Thema Datenschutz und Datensicherheit. Auch eine kritische Hinterfragung, was für Gründe oder was für ein Bedürfnis es gibt, das Phänomen Web 2.0 zu erforschen, fand nicht statt. Stattdessen forderten die Hauptredner, schon mal einen Blick auf Web 3.0 zu werfen, - obwohl man den Eindruck gewinnen konnte, dass einige von Ihnen nicht mal das Web 2.0 verstanden haben.
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Schade, dass es von 120
Schade, dass es von 120 Vorträgen kein einziger mit seinen Inhalten in den Artikel geschafft hat. So bleibt der Text gefangen auf der Meta-Eben – eine eigenwillige Rezension einer vielleicht ebenso eigenwilligen Konferenz. Hängen bleibt die nicht neue Erkenntnis: "Letztendlich waren es die Gespräche zwischen den einzelnen Workshops, die dieser Konferenz einen wirklichen Mehrwert beschert haben." - ach.Hallo Kai, leider konnte
Hallo Kai,leider konnte ich von den 120 Vorträgen ja auch rund 20 besuchen, da bis zu 6 Panels mit 3-4 Vorträgen gleichzeitig stattfanden. Eine größere Auswahl seitens des Veranstalters hätte da Wunder bewirken können. In den Panels die ich besucht habe, wurde nichts gesagt, was an anderer Stelle nicht schon 100 mal gesagt wurde.
Falls dich der genaue Inhalt dennoch interessiert kannst du dir unter:
Lieben Gruß, Christian
Wobei die Politik (bzw. das
Wobei die Politik (bzw. das Wahlverhalten der meisten Bürger) noch nicht ganz im Web 2.0 angekommen zu sein scheint. Das legt zumindest das "Schicksal" von Ron Paul nahe, der diesen Internet-Hype um sich nicht zu zählbaren Vorwahlergebnissen manifestieren konnte. Vgl. auch http://politik-digital.de/der-web-20-kandidatDa stimme ich dir nur
Da stimme ich dir nur teilweise zu. Ein Beispiel: Guckt man sich sich z.b. die Zahlen in Facebook von Barack Obama (799.722 Anhänger), Hillary Clinton (152.248 Anhänger) und John McCain (119.453 Anhänger) an, sind diese schon gut, aber vergleicht man sie mit den der Anzahl aller Wahlberechtigten (etwa 200 Millionen) sind das nur knapp mehr als 0,5 Prozent der Stimmberechtigten. Mal ganz davon abgesehen, das die Zahlen mal genauer betrachtet werden müssten, auch in anderen Netzwerken.Die Möglichkeiten die der (Wahlkampf)-Web 2.0 bietet um direkten Einfluss auf Individuen auszuüben wird also vielleicht überschätzt, sollte aber in seinem indirekten Einfluss nicht unterschätzt werden. Social Communities bieten eine solide Grundstruktur und Tools, die man nur zu nutzen wissen muss. Sie können die Grundlage für eine aus dem Netz gelenkte Mobilisierung bilden, die sich fernab von klassischer, direkter Parteiarbeit und vielleicht auch fernab vom Web 2.0 abspielt, aber letztendlich trotzdem die Wahlentscheidungen von vielen Menschen (auch ohne Facebookprofil) beeinflusst.
Aber auch dazu gab es kaum etwas auf der Konferenz, leider.
LG, Christian
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