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	<title>tmann &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<item>
		<title>Onliner sollen Politik gestalten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tmann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Aug 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussion]]></category>
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		<category><![CDATA[E-Demokratie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<b>Der emeritierte Architekturprofessor Thorbjoern Mann beschäftigt sich damit, wie man politische Entscheidungen und Diskussionen besser planen oder designen kann. Der Autor stellt einen Beitrag zur Diskussion, der sich mit den oftmals chaotischen Argumentationen im Internet auseinander setzt und bittet um Reaktionen.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<b>Der emeritierte Architekturprofessor Thorbjoern Mann beschäftigt sich damit, wie man politische Entscheidungen und Diskussionen besser planen oder designen kann. Der Autor stellt einen Beitrag zur Diskussion, der sich mit den oftmals chaotischen Argumentationen im Internet auseinander setzt und bittet um Reaktionen.</b><!--break-->
</p>
<p>
Ich möchte in diesem Forum eine Frage zur Diskussion stellen,<br />
die mich seit langem im Rahmen der Theorie des Design und der Planung<br />
interessiert. Auf den ersten Blick scheint das ein für die<br />
Politik im Ganzen zu enger Rahmen. Ich vermute aber, dass meine<br />
Überlegungen dazu weit über diesen Rahmen Bedeutung haben,<br />
vor allem angesichts der Möglichkeiten, die heute das Internet<br />
bietet.
</p>
<p>
<b>Am Anfang steht die Diskussion</b>
</p>
<p>
Das Thema ist keineswegs neu. Es geht darum, dass Planungsentscheidungen<br />
&#8211; und damit auch politische Entscheidungen &#8211; unter Berücksichtigung<br />
der Anliegen, Bedenken und Bedürfnisse der von den Entscheidungen<br />
Betroffenen gefasst werden sollten. Der Idealfall ist natürlich,<br />
dass der Plan für alle Betroffenen besser als der vorherige<br />
Zustand, mindestens aber akzeptabel sein sollte. Letztendlich kann<br />
aber nur das berücksichtigt werden, was in die Diskussion des<br />
Plans eingebracht wird. Meistens geschieht das in Form von Argumenten<br />
nach dem Schema „Für und Wider“. Dementsprechend<br />
sollten Planungs- und politische Fragen auf Grund der „besseren<br />
Argumente“ entschieden werden. Dass dies viele als naiv ansehen,<br />
hat viele Ursachen. Eine davon ist die Schwierigkeit festzustellen,<br />
wer im jeweiligen Fall die Betroffenen sind. Problematisch ist außerdem<br />
die Betroffenen dann anzuregen, ihre Anliegen in den Diskurs einzubringen<br />
und dann so zu „verarbeiten“, dass sie auch angemessen<br />
berücksichtigt werden können.
</p>
<p>
Hier handelt es sich, etwas oberflächlich betrachtet, um eine<br />
technische Frage. Eigentlich sollte man annehmen, dass die globale<br />
Revolution des Informationsaustauschs, ermöglicht durch das<br />
Internet und die Computertechnik, dazu positiv beigetragen hätten.<br />
Wie hat sich diese Entwicklung auf die Qualität des politischen<br />
Diskurses ausgewirkt?
</p>
<p>
Die Antwort darauf ist bei weitem nicht so ermutigend wie man erwarten<br />
sollte. Wenn man untersucht, wie Wahlkämpfe geführt und<br />
gewonnen werden, und wie dann politische Entscheidungen fallen,<br />
so sticht besonders die Rolle der unglaublich vereinfachenden 30-Sekunden<br />
Wahlkampfparolen ins Auge. Außerdem ist das Gewicht, das dem<br />
Charakter und dem Charisma der Kandidaten zukommt, bemerkenswert.<br />
Nicht zuletzt wird dies durch deren öffentliche Verunglimpfung,<br />
üble Nachrede oder Beschimpfungen, sogar Rufmord, deutlich.<br />
Auch die Rolle von Meinungsumfragen ist nicht zu unterschätzen.<br />
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sachliche Argumente<br />
eine eher untergeordnete Rolle spielen. In TV-Spots etwa werden<br />
sie zumeist gar nicht benutzt. Im Falle von Umfragen ist problematisch,<br />
dass diese zwar in größerem Umfang als das früher<br />
möglich war, die Meinung der Bevölkerung ausloten, sie<br />
aber meist auf die Zustimmung oder Ablehnung der anstehenden Frage<br />
im Ganzen gerichtet sind. Es geht demnach nicht um die Argumente,<br />
die jeweils diese Zustimmung oder Ablehnung beeinflussen.
</p>
<p>
<b>Inhalt und Technik gleichermaßen wichtig</b>
</p>
<p>
Man könnte meinen, dass die gestiegene Beteiligung der Bevölkerung<br />
am gesellschaftlichen Diskurs mittels Foren, Blogs und E-Mail-Leserbriefen<br />
zu einer argumentativen Bereicherung im Meinungsaustausch geführt<br />
hat. Bei näherer Betrachtung fällt aber an dieser Art<br />
Diskurs deutlich auf, dass er unglaublich chaotisch ist und ständig<br />
die gleichen Argumente gebraucht, deren Begründung durch glaubwürdige<br />
Fakten oft sehr zu wünschen übrig lässt. Viele solcher<br />
Blogs enden ferner schon nach wenigen Austauschrunden in Schimpfworttiraden<br />
und gegenseitigen Beleidigungsorgien. Mit einem demokratiewürdigen<br />
Diskurs hat das nichts mehr zu tun. Das führt letztendlich<br />
dazu, dass viele Politiker stolz darauf verweisen, dass sie sich<br />
weder von Umfragen noch von „Chattern’“ in Blogs<br />
und Foren beeinflussen lassen (Vor allem dann, wenn diese ins Negative<br />
abgleiten&#8230;)
</p>
<p>
All das bedeutet, dass Technik allein nicht ausreicht, um das demokratische<br />
Anliegen des politischen Diskurses umzusetzen. Dazu wäre es<br />
unerlässlich, sich mehr um die inhaltliche Organisation und<br />
Darstellung sämtlicher jetzt verfügbarer Informationen<br />
Gedanken zu machen und dafür bessere Verfahren zu entwickeln.
</p>
<p>
Zum Beispiel könnte man in der Planung und in der Politik<br />
mehr Verfahren wie rechnergestützte „Expertensysteme“<br />
einsetzen, um mit den oben genannten Problemen fertig zu werden.<br />
Das mag in der Tat &#8211; vor allem in der Planung, wo immer noch viele<br />
Entscheidungen von “Sachzwängen” bestimmt werden,<br />
vielfach eine Option sein. Wenn man aber verstehen will, wie solche<br />
Systeme funktionieren und was sie leisten sollten, wird einem bewusst,<br />
dass die Bedingungen unter denen Expertensysteme sinnvoll sind,<br />
in Planung und Politik nur teilweise zutreffen. Das gilt insbesondere<br />
für die wesentlichen Soll-Fragen, nämlich: „Was<br />
sollen wir tun? Wie soll der Plan aussehen? und Wie wollen wir leben?”.<br />
Hier sind fundamentale Fragen im Spiel, die bisher nur unvollständig<br />
durchdacht und gelöst worden sind.<br />
Planung als ein argumentativer Vorgang<br />
Ich arbeitete vor Jahren mit einer Gruppe unter der Leitung von<br />
Prof. H. Rittel (†) daran, bessere Informationssysteme für<br />
Entwurf und Planung zu entwickeln. Rittel schlug dafür das<br />
argumentative Modell der Planung vor. Streitfragen zu Plänen<br />
werden aufgeworfen, zu denen dann die Beteiligten ihr “Für”<br />
oder ‘”Wider” mit Argumenten verteidigen. Prototyp<br />
der Informationssysteme auf dieser Basis war das ‘Streitfragen-orientierte<br />
Informationssystem’ &#8211; IBIS (“Issue Based Information<br />
System”) beziehungsweise APIS: “Argumentatives Planungs-Informations-System”.<br />
Vor allem die unausgesprochene Annahme, dass die Argumente schließlich<br />
die Entscheidung bestimmen würden, verdient eine vertiefende<br />
Diskussion.
</p>
<p>
Ich beschloss, die Frage zu untersuchen, wie denn genau solche<br />
Argumente “bewertet” und schließlich in die Begründung<br />
der Entscheidung umgesetzt werden: Für die gängige Forderung<br />
an den Entscheider, “Für und Wider” eines Plans<br />
gewissenhaft “abzuwägen”, konnte ich keine befriedigende<br />
Erklärung finden. Schon gar nicht dafür, wie es transparenter<br />
und nachvollziehbarer gemacht werden könnte.
</p>
<p>
Leider entsprechen die meisten Argumente, die wir täglich<br />
in Planung, Design, und Politik benutzen, nicht der Logik. Sowohl<br />
die Analyse als auch die Entwicklung von Bewertungsverfahren solcher<br />
Für- und Wider-Argumente stützen sich kaum auf die Logik.<br />
Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Menschheit mindestens<br />
ebensoviel über Sollfragen diskutiert, wie über die aristotelische<br />
Aufgabe der Erkenntnis der Wahrheit.
</p>
<p>
Diese Einsicht erklärt, warum zum Beispiel Expertensysteme<br />
in der Planung fragwürdig sind. Sie liefern nur in dem Maß<br />
zuverlässige Resultate, in dem sie zuverlässige (wahre)<br />
Daten als Prämissen in gültige Argumentationsmuster einsetzen<br />
können. Das bedeutet, dass sie für die nicht-gültigen<br />
Argumentationsmuster in Planungsfragen einfach nicht geeignet sind.<br />
Damit will ich nicht sagen, dass Expertensysteme und mathematische<br />
Modelle in der Planung nutzlos sind &#8211; im Gegenteil &#8211; aber ihre Resultate<br />
als maßgebend für die Entscheidung von Soll-Fragen in<br />
Planung und Politik anzubieten, ist entweder Selbsttäuschung<br />
oder bewusster Betrug. Vielen Leuten gehen diese Behauptungen sicher<br />
zu weit. Ich bin deshalb gerne bereit, dies eingehender zu erläutern.<br />
(Mein Buch „The Fog Island Argument“ bietet dazu nähere<br />
Informationen)<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b><br />
Eine Einladung zur Diskussion</b>
</p>
<p>
Ich habe einen Ansatz entwickelt, die vielen Argumente „Für<br />
und Wider“ zu einem Planungsvorschlag oder einer Streitfrage<br />
zu bewerten. Eingebettet ist das Ganze in ein Verfahren, das aufzeigt,<br />
wie Planungsentscheidungen auf Grund solcher systematischen und<br />
transparenten Bewertungen von Argumenten getroffen werden könnten.<br />
Der Ansatz ist als Verfahren beschrieben, also als methodologisches<br />
Konzept. Es ist klar, dass eine sinnvolle praktische Anwendung für<br />
größere Projekte oder politische Fragen nur mit Hilfe<br />
des Internets und der Computertechnik möglich sein wird. Dafür<br />
sind technische- und Software-Entwicklungen nötig, wofür<br />
mir die Kenntnisse fehlen. Aus diesem Grund wäre ich für<br />
Hinweise dankbar, wo und wie solche Beiträge zu finden sind,<br />
beziehungsweise wie sie erarbeitet werden können.
</p>
<p>
Auch diese Frage sollte diskutiert werden: Als ein Hauptproblem<br />
für Partizipation bei der Planung hat sich die Frage der Übersicht<br />
erwiesen. Es ist wichtig den Beteiligten nicht nur die Gesamtheit<br />
eines vorgeschlagenen Plans mit allen Teilen verständlich zu<br />
machen. Ebenso wichtig ist es, in einer Übersicht die Vielzahl<br />
der im Diskurs aufgeworfenen Fragen sowie die entsprechenden Argumente<br />
aufzuzeigen. Dazu ist die Präsentation auf Folien, die aufeinanderfolgen,<br />
wenig geeignet. Eine Simultandarstellung (alle Folien gleichzeitig<br />
auf großen Wänden) kann viel effektiver und schneller<br />
Übersicht und Verständnis erzeugen. Selbst mit großen<br />
modernen PC-Monitoren ist das jedoch nur schwer erreichbar. Es ist<br />
fraglich, ob für eine erfolgreiche Planung nicht doch ein „wirklicher“<br />
Ort notwendig ist &#8211; ein Ort, an dem sich Leute treffen, diskutieren,<br />
und sich über den fortschreitenden Diskurs informieren können,<br />
sprich, wo alle Beiträge auf der Wand festgehalten werden und<br />
wo Planung ein wirkliches (nicht nur virtuelles) Ereignis des Lebens<br />
werden kann.
</p>
<p>
Daran schließt sich die folgende Überlegung an:<br />
Der Planungsprozess ist immer auch Bestandteil des Planungsergebnisses.<br />
Als solcher wirft er die Frage auf, inwieweit er ebenfalls als „zu<br />
planen“ angesehen werden muss. Wenn die Betroffenen wirklich<br />
an der Planung teilnehmen, wird der Prozess ein Teil ihres Lebens.<br />
Sie sind darum berechtigt, mitzugestalten und die Frage zu stellen:<br />
Ist er ein sinnvolles, ihrem Selbstverständnis und Lebensstil<br />
angepasstes Ereignis oder Erlebnis? Und wenn er ebenfalls als zu<br />
gestaltender Bestandteil des neuen Plans zur Diskussion steht, inwieweit<br />
kann er dann als „vorgefertigter“, mit allen für<br />
die breite („globale“) Anwendung notwendigen Konventionen<br />
und Regeln festgelegter Prozess standardisiert werden?
</p>
<p>
Ich wäre froh, wenn über diese Fragen eine Diskussion<br />
entstehen würde. Viele Aspekte dieser Überlegungen müssen<br />
genauer erläutert und beschrieben werden &#8211; vielleicht in einer<br />
Folge weiterer Beiträge. Ich hoffe auf Beiträge von Lesern,<br />
die dazu bessere Kenntnisse haben. Vielleicht ist es sogar möglich,<br />
in diesem Forum gemeinsam die großen Züge eines Plans<br />
zu erarbeiten, wie ein besserer politischer Diskurs mit Hilfe der<br />
Technik und des Internets aussehen könnte?</p>
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