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	<title>asawall &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>asawall &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Mehr Demokratie via Internet?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[asawall]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Dec 1998 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerinitiative]]></category>
		<category><![CDATA[Direkte Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"><b>Bürger machen mobil im Netz, sie wollen direktere
Demokratie und Zugang zu den Massenmedien. Das Internet ist offen für alle, Webseiten sind
preiswert und weltweit rund um die Uhr erreichbar. Doch bringen die bunten Seiten im WWW
wirklich den ersehnten Zulauf für die Initiativen?</b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"><b>Bürger machen mobil im Netz, sie wollen direktere<br />
Demokratie und Zugang zu den Massenmedien. Das Internet ist offen für alle, Webseiten sind<br />
preiswert und weltweit rund um die Uhr erreichbar. Doch bringen die bunten Seiten im WWW<br />
wirklich den ersehnten Zulauf für die Initiativen?</b></span></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">&quot;Bundesweite<br />
Dienstagsproteste gegen den Krieg in Jugoslawien. Kommt jeden Dienstag<br />
um 17.30 Uhr zum Berliner Breitscheid-Platz an der Gedächniskirche. Das<br />
Mikrofon ist offen. Jeder kann sprechen!, &quot;stand auf der Homepage des<br />
Friedensnetzwerkes zu lesen. Während der Straßenproteste gegen den<br />
Krieg in Jugoslawien war der Aktionskalender auf der Internetseite eine<br />
viel genutzte Anlaufadresse für Menschen, die &quot;gegen das Bombardement<br />
der NATO aktiv werden wollten, &quot; wie Dr. Volker Hoffmann, einer der<br />
Initiatoren der Proteste in Berlin, es ausdrückt. &quot;Das Internet hat uns<br />
geholfen, so erfuhren wir auch von Proteste in anderen Ländern&quot;,<br />
resümiert er. Christian Goller, vom Friedensnetzwerk ist stolz. Pro Tag<br />
zählte er über 100 einzelne Zugriffe auf die Seite. &quot;Die Termine zum<br />
Thema Kosovo mußten wir auf eine Extraseite auskoppeln, weil es einfach<br />
zuviel wurde.&quot; Die Zugriffszahlen hatten sich verzehnfacht. </span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">Hundert Besucher am Tag, das wäre für eine große kommerzielle Homepage lächerlich wenig. Ein<br />
Authentifizierungssystem für Erwachsende, das vielen Pornoseiten vorgeschaltet ist, verzeichnet<br />
an einem Internet-Tag in Deutschland über 10000 Besucher. Dicht gefolgt von einem Hardwarehändler<br />
mit Discountpreisen. Für eine selbstorganisierte Seite ohne Werbeetat, die Menschen in ihrer<br />
Freizeit aufgebaut haben, ist ein Ranking von 100 aber schon ein Grund zum Feiern.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">Alle, alle sind sie da. Ob &quot;Ärzte gegen den Atomtod&quot;, &quot;Eltern gegen die Rechtschreibreform&quot;,<br />
&quot;Bürger für animierte Verkehrszeichen&quot;, oder &quot;Autonome Antifa-Nachrichten&quot;. Initiativen<br />
in allen Regenbogenfarben tragen ihr Anliegen vor. Auf vier bis fünf Millionen Seiten, so die<br />
groben Schätzungen von Experten, bringen sie es die Aktiven allein im deutschsprachigen Bereich<br />
des Internets. Die Tendenz ist stark steigend, trotz sinkender Wahlbeteiligung. Immer<br />
mehr Bürger machen so deutlich, daß sie alles andere als Politikverdrossen sind. Sie wollen<br />
unabhängig von den großen Parteien selbst Einfluß auf die Staatsangelegenheiten nehmen. Ob das<br />
neue Massenmedium Internet dabei hilft, hängt davon ob, ob die Webseiten auch ihr Publikum finden.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">&quot;Unsere Seite im Internet hat uns fast nichts gebracht,&quot; faßt Katja Adler, von der Ulmer<br />
Bürgerinitiative <a href="http://www.pro-stadtbahn.de/">pro Stadtbahn.de</a> ihre Erfahrungen in der digitalen Welt zusammen. Es gab im<br />
Hightech-Ländle nicht mehr als 10 &#8211; 20 Reaktionen auf die schön gestaltete Seite der Initiative.<br />
Das Bürgerforum hatte sich das Ziel gesetzt, für den Erhalt und Ausbau der schwäbschen Stadtbahn<br />
zu streiten. Ulm und Neu-Ulm sollten über die Schiene  zusammenwachsen. Schließlich ist die<br />
Bahn an Pünktlichkeit und Umweltverträglichkeit dem Bus allemal vorzuziehen, so die Meinung<br />
der Bürgerbewegten. Doch eine knappe Mehrheit favorisierte beim Bürgerentscheid am<br />
11. Juli den Bus. &quot;Uns fehlten nur knapp 800 Stimmen&quot;, knirscht Frau Adler, deren Sohn die<br />
Webseite aufgebaut hat. Trotzdem war der Einsatz nicht umsonst, hofft man. Denn dem Gemeinderat<br />
könne es jetzt nicht mehr egal sein, was so viele Bürger denken.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">Mit einer Webseite allein ist es eben nicht getan. Wenn nur Wenige von der Existenz der Homepage<br />
wissen, bleibt das Gästebuch meist leer. Jede Basisinitiative steht darum vor der Aufgabe,<br />
ihre Onlinepräsenz auch bekanntzumachen. Schließlich will man gefunden werden. Viele Surfer<br />
benutzen Suchmaschinen, die Inhaltsverzeichnisse des Internets, um sich zu orientieren. Doch<br />
auf Altavista und Co. ist auch kein Verlaß mehr. Eine aktuelle Studie schätzt die Gesamtzahl<br />
aller Seiten im Internet auf 800 Millionen. Keine der großen Suchmaschinen erfaßt mehr als 16<br />
Prozent dieser gigantischen Datenmenge, fanden die Informatik-Wissenschaftlern Steve Lawrence<br />
und C. Lee Giles am NEC Research Institute in Princeton, N.J. jüngst heraus.<br />
Was tun? &quot;Eine Email Adresse und eine Homepage reicht nicht&quot;, rät Dr. Gaby Hooffacker darum<br />
den Bürgerinitiativen im Internet. Viel wichtiges sei es, daß Aktivisten die Webseiten, die<br />
thematisch zusammenpassen, untereinander vernetzen, was mit einem sogenannten Link ganz<br />
einfach ist. Entscheidend sei auch, sich in den Verzeichnissen alternativer Medien einzutragen,<br />
und sich bei den Suchmaschinen selbst anzumelden, empfiehlt die Autorin verschiedener Bücher über<br />
vernetzte Politik von unten.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">Wie sich über das Internet die Massen mobilisieren lassen, haben Studenten bei ihrem Hochschulstreik<br />
im Winter 1997/98 vorgeführt. Die Mobilisierung zu den Sitzstreiks, Nacktdemos und Rathausbesetzungen<br />
lief über die Webseiten der verschiedensten studentischen Initiativen. Hier wurde offen und<br />
demokratisch diskutiert und Verabredungen getroffen. Per Email waren die Aktiven immer bestens<br />
informiert. Von den rund 335 deutschen Hochschulen befanden sich 112 teilweise oder ganz im<br />
Unterrichtsboykott. Über 500.000 Studenten beteiligten sich aktiv an den Protesten, um sich<br />
gegen überfüllte Hörsälen, Schuldenberge durch die Verzinsung des BAföG, drohenden Studiengebühren<br />
und Akademikerarbeitslosigkeit zu wehren. &quot;Wissenschaft ohne Internet ist heute undenkbar,&quot;<br />
erzählt Kai vom AstA der Uni Bochum, &quot;der Zugang ist für Studenten kostenlos&quot;. Die Strukturen,<br />
um sich für die Proteste zu vernetzen, waren darum schon vorhanden. Dazu kam ausreichende<br />
Erfahrung der jungen Leute mit dem Web. &quot;Vielleicht war das ja die erste große politische<br />
Internetkampagne in Deutschland&quot;, meint Maya, Jurastudentin in Berlin. Mit ihren 23 Jahren ist<br />
sie eine der Veteranin der digitalen Studentenbewegung. &quot;Mal sehen, was das nächste Jahrtausend<br />
bringt&quot;, lacht sie, klappt das Notebook zusammen und streicht sich die lila Haarsträhne aus<br />
dem Gesicht.<br />
</span></span></p>
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			</item>
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		<title>&#034;Ein Medium gegen staatliche Zensur&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[asawall]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Dec 1998 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Professor Dr. Claus Leggewie]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>
Professor Dr. Claus Leggewie, Professor für Politikwissenschaften und Experte für
neue Medien an der Justus-Liebig-Universität Gießen</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
Professor Dr. Claus Leggewie, Professor für Politikwissenschaften und Experte für<br />
neue Medien an der Justus-Liebig-Universität Gießen</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Warum gehen politisch aktive Menschen mit ihren Anliegen online?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Leggewie</b>: Sofern sie denn wirklich Zugang zum Internet haben, was ja keineswegs<br />
gang und gäbe ist, nutzen sie das Medium, weil sie mit ihm einfacher und kostengünstiger<br />
kommunizieren können als über die gängigen Massenmedien. Außerdem bevorzugen sie das<br />
Internet, weil seine Strukturen auf Interaktivität ausgelegt sind und Menschen sich in<br />
digitalen Diskussionsforen direkt miteinander austauschen können. Man nennt das horizontale<br />
Kommunikation.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Wie intensiv nutzt die Bürgerbewegung das Internet?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Leggewie</b>: De facto sehr wenig. Genutzt wird das Internet eher ergänzend zu<br />
den bestehenden Medien. Auch die politischen Foren im Internet frequentieren meist<br />
mehr jene Leute, die auch traditionelle Medien wie Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen<br />
schon sehr intensiv nutzen.  Surfen auf Spiegel-Online oder ZDF-Online dient also der<br />
Gewinnung von Zusatzinfos, abgesehen vom Aktualitätsvorsprung. Eine ganz eigene Form<br />
der politischen Kommunikation im Internet bietet dagegen der Chat, also das Plaudern<br />
per Tastatur und die Diskussionsforen. Hier ist wirklich horizontale Kommunikation möglich.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Wie denkt der typischen Netizen, der Netzbewohner, über Politik?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Leggewie</b>: In den USA ist der typische Netizen eher libertär ausgerichtet.  Offen für<br />
Themen wie Umweltschutz und Bürgerrechte, aber eher staats- und parteienfern.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Welche Strategie ist für Bürgerbewegungen im Internet erfolgversprechend?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Leggewie</b>: Das kann man so pauschal nicht beantworten. Sicher ist, daß das Online-<br />
Engagement eine Entsprechung außerhalb des Internet, also Offline haben muß.<br />
Eine bloße Präsenz im Internet kann nicht ausreichen, um ein Anliegen durchzusetzen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Gibt es da Ausnahmen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Leggewie</b>: Ja, der Hochschulstreik in Deutschland im Jahre 97/98.<br />
Dieser studentische Protest hat im wesentlichen über das Internet an Breite gewonnen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Kann das Internet die Macht des Establishments,<br />
wie gerne die herrschenden Kräfte in Staat und Gesellschaft genannt werden,<br />
über die Massenmedien brechen? Bricht mit der Vernetzung die weltweite Demokratisierung an?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Leggewie</b>: Mit Sicherheit nicht! Eher hat sich schon das politische Establishment<br />
des Internets bemächtigt. Softwareanbieter und Internet Provider bestimmen weitgehend<br />
seine Strukturen. Dennoch war und bleibt das Internet ein Medium der oppositionellen<br />
und der Gegenöffentlichkeit. Ich denke da an die serbische Opposition, die nicht erst<br />
seit jetzt, sondern seit Jahren im Internet aktiv ist. Oder an die Demokratiebewegung<br />
in China, die protestierenden Studenten im Iran, die sich über Zensur der staatlich<br />
gelenkten Medien hinwegsetzen und so als eine Art digitale Bürgerbewegung Aufmerksamkeit<br />
erlangen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital: </span></b>Vielen Dank für das Gespräch.<br />
<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Das Interview mit Prof. Claus Leggewie führte Achim Sawall.<br />
</span></p>
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