<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>bbergevoet &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/author/bbergevoetpolitik-digital-de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Wed, 06 Dec 2006 23:00:00 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>bbergevoet &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>&#8220;Erwachsene Politiker haben keine Lust mehr auf Cowboy-Diplomatie&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/erwachsene-politiker-haben-keine-lust-mehr-auf-cowboy-diplomatie-117/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/erwachsene-politiker-haben-keine-lust-mehr-auf-cowboy-diplomatie-117/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Dec 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Nahost-Politik]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[George Bush]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Baker-Kommission]]></category>
		<category><![CDATA[Christiane Meier]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/erwachsene-politiker-haben-keine-lust-mehr-auf-cowboy-diplomatie-117/</guid>

					<description><![CDATA[Am 7. Dezember war Christiane Meier, ARD-Korrespondentin in Washington, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Sie diskutierte mit den Nutzern über US-Präsident Bush, den Bericht der Baker-Kommission, und die Reaktionen in den US-Medien.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 7. Dezember war Christiane Meier, ARD-Korrespondentin in Washington, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Sie diskutierte mit den Nutzern über US-Präsident Bush, den Bericht der Baker-Kommission, und die Reaktionen in den US-Medien.<br />
<!--break--> </p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen zu 45 Minuten tagesschau-Chat. Unser Gast ist heute die ARD-Korrespondentin in Washington, Christiane Meier. Sie wird aus der Hauptstadt der Vereinigten Staaten mit uns chatten. Der Anlass ist hochaktuell: Wir wollen über eine mögliche Wende in der Nahost-Politik der USA sprechen, nachdem in diesen Tagen der Bericht der Baker-Kommission vorgelegt wurde. Frau Meier, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Allzeit bereit, also auch jetzt!
</p>
<p>
<b>GvD2:</b> Guten Tag Frau Meier, die Baker-Kommission stellte gestern ihre Ergebnisse vor. Was glauben Sie? Wird Präsident Bush seine Irak-Strategie ändern und in welche Richtung wird es gehen?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Präsident Bush muss sich auf jeden Fall zu der Studie verhalten, denn er bekommt enormen Druck aus der eigenen Partei. Allerdings wird er erst noch abwarten, wie die Studien aus dem Pentagon und dem State Department ausfallen. Was er dann tun wird, ist völlig offen.
</p>
<p>
<b>Opensuse:</b> Welche Rolle/Bedeutung nimmt Herr Baker denn in den USA ein? Ist er auch sonst ein politischer Gegner Bushs?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> James Baker ist im Gegenteil ein alter Freund der Familie und hat bei der ersten Wahl &#8211; Sie erinnern sich, „hanging chats“ &#8211; Bush gerettet. Auch diesmal soll er Bush Jr. helfen, aus der verfahrenen Situation herauszukommen. Aber da er ein Freund seines Vaters ist, reagiert Bush skeptisch. Sie wissen schon, die Rivalität zwischen Vater und Sohn.
</p>
<p>
<b>Sonnenfirnis:</b> Ist der Bericht der Baker-Kommission Ihrer Meinung nach das offizielle Dokument für das politische Versagen von Präsident Bush?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> So zumindest legt es die Opposition aus und man muss sagen, dass auch die Mehrzahl der Reaktionen in diese Richtung geht. Schließlich war dies eine überparteiliche Kommission, die politischer Vorteilsnahme unverdächtig ist.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es gibt in den US-Medien aber doch auch scharfe Kritik. Ich hörte, es sei von einem &quot;warmen Aufguss&quot; die<br />
Rede?!
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Vielen geht die Kommission nicht weit genug. Ein alter Hase in der Politik sagte zynisch, der Berg habe eine Maus geboren. Andererseits gibt es auch viel Kritik für die Forderung nach einem diplomatischen Ansatz unter Einbeziehung von Syrien und Iran, also Kritik von beiden Seiten und das ist ja meist<br />
kein schlechtes Zeichen.
</p>
<p>
<b>Iraqi Freedom:</b> Inwieweit dringt es bei der amerikanischen Bevölkerung durch, dass Bush mit der Irak-Studie einen ziemlich harten Schlag ins Gesicht bekommen hat?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Es ist nicht zu überhören und zu übersehen, denn die amerikanischen Fernsehsender sowie sämtliche Zeitungen berichten ausführlichst darüber.
</p>
<p>
<b>Niller:</b> Welche Konsequenzen kann ein solcher Bericht realistischer Weise nach sich ziehen?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Zumindest muss der Präsident, der ja auch der Oberkommandierende der Truppen ist, der Realität ins Auge sehen und seine optimistischen Durchhalteparolen sind jetzt obsolet. Andererseits eröffnet dies einen überparteilichen Dialog und den hat es hier in ernsthafter Form lange nicht mehr gegeben.
</p>
<p>
<b>lukas.h.l.:</b> Kann Bush die Kommission einfach ignorieren, was meinen Sie?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Theoretisch ja, denn die Kommission hat nur beratende Funktion. Aber die politische Realität erzwingt hier in Washington eine durchdachte Reaktion, denn sowohl Senat wie Abgeordnetenhaus beschäftigen sich jetzt damit.
</p>
<p>
<b>kuscheltier:</b> Die Baker-Kommission schlägt vor, dass die US-Truppen sich zurückziehen sollen. Aber ist das nicht gerade der Fehler? Man kann doch so ein zerrüttetes Land nicht einfach so sich selbst überlassen!
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Das ist auch nicht der Plan. Der Vorschlag geht im Kern eher dahin, die irakischen Truppen zu unterstützen und die Kampftruppen zu reduzieren. Davon verspricht man sich wohl, die Provokation herunterzufahren und die Verantwortung an die irakischen Truppen und die irakische Regierung weiterzugeben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen mit gleicher Richtung im Doppelpack:
</p>
<p>
<b>Mximus:</b> Wie bewerten denn die Medien den Bericht? In welche Richtung gehen sie?
</p>
<p>
<b>georg123:</b> Wie setzen sich die großen (CNN, FOX, ABC&#8230;) mit dem Bericht auseinander? Wird kritisch argumentiert oder einfach nur patriotisch salutiert?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Gute Frage! Die Medien berichten weitgehend objektiv und laden derzeit sämtliche Mitglieder der Kommission zu weitergehenden Diskussionen ein. Patriotisch salutiert wird in letzter Zeit deutlich weniger. Außer vielleicht bei FOX, die in dieser Hinsicht konstant sind.
</p>
<p>
<b>matsche:</b> Frau Meier, werden Sie als Deutsche angesprochen, dass Schröder mit seiner Haltung doch Recht behalten hat?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Das liegt schon zu lange zurück. An Schröder erinnert man sich kaum noch, aber ich habe schon während des Irakkriegs viele Reaktionen von Amerikanern erlebt, die sich bei Deutschland für die ablehnende Haltung bedankt haben. Und es liegt mir wirklich am Herzen mal zu sagen, dass wirklich viele &#8211; vielleicht die Hälfte der Amerikaner &#8211; keineswegs mit diesem Krieg einverstanden waren &#8211; ganz anders, als es in Deutschland manchmal wahrgenommen wird. Aber das &quot;andere Amerika&quot; war frustriert<br />
und manchmal zu still.
</p>
<p>
<b>maeper:</b> Was bringen eigentlich die Gegner des Baker-Berichts der Kommission entgegen? Welche Argumente haben sie?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Kommt drauf an, von welcher Seite sie kommen. Die Konservativen sind entsetzt, dass man jetzt mit Syrien und Iran verhandeln soll, die ja aus der Sicht von Bush zur Achse des Bösen gehören. Und die Demokraten fürchten, dass der Plan zu spät kommt und noch immer zu halbherzig ist.
</p>
<p>
<b>ichbinsschonwieder:</b> Ist Bush überhaupt gewillt sich anzupassen, da er doch nicht wieder gewählt werden kann?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Wer weiß das schon. Aber inzwischen muss er sich ja um seine Legacy, sein Vermächtnis, kümmern. Er will sicher nicht als gescheiterter Präsident in die Geschichte eingehen. Deshalb könnte es sein, dass er versucht, möglichst gesichtswahrend einen Ausstieg zu finden. In der Deckung der Baker-Kommission.
</p>
<p>
<b>ElGrande:</b> Wie kann es sein, dass die Kommission erst jetzt, Jahre nach dem Einzug in den Irak, so viel Aufmerksamkeit erregt? Stand Bush nicht schon unlängst vorher unter Handlungsdruck?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Stimmt, aber diesmal sind es eben die weisen alten Männer und eine Frau, deren Glaubwürdigkeit außer Frage steht und die Kommission ist eben überparteilich. Außerdem haben viele lange die Augen vor der Wirklichkeit verschlossen. Schließlich hat ihnen ja die Regierung gesagt, dass alles gut ist.
</p>
<p>
<b>Werderfan:</b> Welchen Einfluss haben die &quot;Europäer&quot; auf Bush? Wird nur Blair ernst genommen?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Blair ist natürlich der engste Verbündete und deshalb automatisch ernst zu nehmen. Aber auch die anderen werden jetzt wieder gehört, denn man braucht Europa dringend. Und außerdem hat das State Department ohnehin andere Prioritäten. Dort ist der Gesprächsfaden zu Europa nie abgerissen. Dennoch: Am Ende entscheidet Amerika über amerikanische Interessen und ganz ohne das zu verbrämen.
</p>
<p>
<b>Werderfan:</b> Was verlangen die USA von Deutschland im Bezug auf den Irak?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Am Liebsten mehr! Aber sie wissen, dass es von deutscher Seite keine Kampftruppen gibt. Deshalb richten sich die Begehrlichkeiten eher auf zivile Aufbaumaßnahmen und Geld. Aber diese Frage kann sicher Minister Steinmeier gut beantworten. Der trifft sich ja morgen mit Condi Rice.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal ein Doppelpack:
</p>
<p>
<b>Hans Albers:</b> Sind die USA und die Briten jetzt eigentlich immer noch so gut befreundet?
</p>
<p>
<b>zusch@uer:</b> Wie steht es denn jetzt um das Verhältnis zwischen Großbritannien und den USA?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Bush und Blair halten zusammen. Müssen sie auch, denn sie haben das ja gemeinsam begonnen. Dennoch gibt es eben Unterschiede, wie man mit der Situation umgeht. Blair scheint der Kommission sehr zuzuneigen. Er wurde im Vorfeld auch befragt. Vielleicht will er jetzt nicht mehr Bushs Pudel sein. Mal sehen, was die beiden gleich in der Pressekonferenz zu sagen haben.
</p>
<p>
<b>noneed4names:</b> Sehen die Neocons eigentlich Ihr Konzept der neuen Weltordnung und des Krieges gegen den Terror als gescheitert an oder den Irak lediglich als Problem der Umsetzung?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Die Neocons haben sich aus der Öffentlichkeit so ziemlich verabschiedet. Seit sie gesehen haben, dass es nicht so gut läuft. Aber ihr Argument ist, dass die Idee stimmt, nur die Umsetzung dilettantisch war.
</p>
<p>
<b>zuvielglühwein:</b> Ist diese ganze Baker-Geschichte nicht ein reines PR-Spektakel? Auch die Diskussion um den Rückzug der Truppen? Nach dem Wahldebakel muss Bush ja schließlich sein Image ändern &#8211; die Wahl hat ja gezeigt, dass viele Amerikaner den Rückzug fordern.
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Glaube ich nicht. Die Situation ist ja nun mal wirklich dramatisch. Erwachsene Politiker haben keine Lust mehr auf Cowboy-Diplomatie, wie die Kritiker das nennen. Jetzt sehen auch die Republikaner die Zeit gekommen, echte Lösungen zu finden. Anderenfalls müssen sie nämlich um ihre Wiederwahl und die Macht fürchten.
</p>
<p>
<b>JohnDillinger:</b> Inwieweit wird jetzt schon wieder Wahlkampf im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen 2008 getrieben?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Ich suche nach einer guten Beschreibung. Der Wahlkampf ist nämlich schon so richtig in Gang. Die Präsidentschaftskandidaten versuchen sich zu sortieren und ihre Chancen abzuschätzen. Schließlich muss man jetzt schon Geld sammeln. Also: Ja, der Wahlkampf hat begonnen.
</p>
<p>
<b>James75:</b> Gibt es einen potenziellen republikanischen Bush-Nachfolger? Also einen vermeintlichen Erben?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> McCain sieht sich wohl in dieser Rolle. Aber ob er eine Chance hat, ist noch gar nicht abzusehen. Giuliani scheint ebenfalls nachzudenken. Einen richtigen Favoriten kann man noch nicht erkennen.
</p>
<p>
<b>bufdi:</b> Mal eine allgemeinere Frage: Schätzen Sie Gates eigentlich als gute Besetzung als Verteidigungsminister ein? Oder nur eine Marionette in Bushs Kabinett? Mit seinem Kommissionsbericht hat er ja eigentlich sehr viel Selbstbewusstsein, wenn man das so nennen kann, bewiesen.
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Er gilt als recht unabhängiger Kopf und hat bei seinen Anhörungen offenbar einen guten Eindruck auch auf die politischen Gegner gemacht. Die Demokraten haben große Hoffnungen, dass er sich nicht zur Marionette machen lässt. Schließlich hat er ja auch schon seine Meinung zum Krieg gesagt: Er ist nicht zu gewinnen. Also ein Ansatz, der im Gegensatz zu Bushs Einschätzung steht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Bitte die Antwort auf Deutsch:
</p>
<p>
<b>gudstm:</b> What do you believe are Hillary Clinton&#8217;s chances of becoming the first US female President?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Sie hat sicher große Chancen innerhalb der demokratischen Partei. Allerdings scheint die republikanische Seite extrem skeptisch zu sein und auch die wichtigen Wähler der Mitte sind eher vorsichtig. Sie polarisiert sehr stark, aber ist nicht völlig chancenlos.
</p>
<p>
<b>Bubbi:</b> Verliert die Christliche Rechte in Amerika an Einfluss?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Ja. Aber auch deshalb, weil sie das so will. Man fühlt sich von Bush nicht gut genug behandelt und sogar als Stimmvolk benutzt, seit ein Insider darüber berichtet hat, wie das Weiße Haus über sie denkt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Letzte Frage, noch mal zu Hillary Clinton.
</p>
<p>
<b>noneed4names:</b> Bezieht sich diese Skepsis auf eine Frau oder diese Frau?
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> Diese Frau. Für die Demokraten ist sie großartig und die Skandale mit Bill zählen nicht. Für die Republikaner ist Bill Clinton ein großer Ballast. Sie wollen einfach nie wieder einen oder eine Clinton im Weißen Haus.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unser tagesschau-Chat für heute. Wir bedanken uns bei allen, die mitgemacht haben. Unsere Bitte um Verständnis an jene, die wir mit ihrer Frage nicht berücksichtigen konnten. Unser besonderer Dank gilt Christiane Meier, die sich für uns Zeit zum Chatten genommen hat. Ihnen allen wünschen wir noch einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Christiane Meier:</b> War mir ein Vergnügen!
</p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/erwachsene-politiker-haben-keine-lust-mehr-auf-cowboy-diplomatie-117/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Gefahr, dass Heterosexuelle Aids nicht ernst nehmen, besteht tatsächlich&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_gefahr_dass_heterosexuelle_aids_nicht_ernst_nehmen_besteht_tatsaechlichquot-118/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_gefahr_dass_heterosexuelle_aids_nicht_ernst_nehmen_besteht_tatsaechlichquot-118/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Nov 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Kampagne]]></category>
		<category><![CDATA[Hilfsorganisation]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Aids]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche AIDS-Stiftung]]></category>
		<category><![CDATA[Ulrich Heide]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotdie_gefahr_dass_heterosexuelle_aids_nicht_ernst_nehmen_besteht_tatsaechlichquot-118/</guid>

					<description><![CDATA[<b><span style="font-size: x-small">Am 
<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Welt-Aids-Tag</span></span>, 1<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">. 
Dezember 2006, war Dr. Ulrich Heide, geschäftsführender 
Vorstand der deutschen Aids-Stiftung, zu Gast im tagesschau-Chat in 
Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern 
über Aufklärung, Kampagnen, und die Betreuung der Patienten</span></span></span></b>.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b><span style="font-size: x-small">Am<br />
<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Welt-Aids-Tag</span></span>, 1<span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">.<br />
Dezember 2006, war Dr. Ulrich Heide, geschäftsführender<br />
Vorstand der deutschen Aids-Stiftung, zu Gast im tagesschau-Chat in<br />
Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern<br />
über Aufklärung, Kampagnen, und die Betreuung der Patienten</span></span></span></b>.<!--break--> </p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich Willkommen<br />
zum tagesschau-Chat am Welt-Aids-Tag. 49.000 Menschen sind in Deutschland<br />
derzeit mit dem HI-Virus infiziert; jeden Tag kommen etwa sieben<br />
neue Fälle dazu. Weltweit steigt die Zahl der HIV-infizierten<br />
teils dramatisch. Was können Politik, Hilfsorganisationen und<br />
die Bürger gegen Aids tun? 60 Minuten wird uns heute Dr. Ulrich<br />
Heide, der geschäftsführende Vorstand der Deutschen Aids-Stiftung,<br />
für Fragen im Chat zur Verfügung stehen. Vielen Dank,<br />
Herr Heide, dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben<br />
und die Frage nach Bonn: Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Ja gern.
</p>
<p>
<b>gupsi:</b> Ein Freund von mir hat Angst, seinen Eltern<br />
zu erzählen, dass er HIV-infiziert ist. Ich weiß nicht,<br />
wie ich ihm weiterhelfen soll. Was würden Sie ihm für<br />
Tipps geben?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Ich würde ihm empfehlen, zu<br />
einer örtlichen Beratungsstelle zu gehen, also beispielsweise<br />
einer Aids-Hilfe in seinem Wohnort und sich mit dem Berater sehr<br />
konkret auf das Gespräch mit seinen Eltern vorzubereiten. Die<br />
Adressen von Aids-Hilfen und anderen Beratungsstellen sind über<br />
die Homepage der Stiftung www.Aids-stiftung.de auffindbar.
</p>
<p>
<b>norisknofun:</b> So wahnsinnig viele Menschen sterben<br />
doch gar nicht an Aids. Da ist es doch gefährlicher auf einer<br />
Autobahn unterwegs zu sein. Warum wird gerade dieses &quot;Lebensrisiko&quot;<br />
so hoch gehängt?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Erstens gilt die Aussage, dass nicht<br />
so viele Menschen sterben nur für Deutschland und nicht für<br />
die weltweite Situation, denn weltweit werden in diesem Jahr über<br />
drei Millionen Menschen an Aids sterben &#8211; alle elf Sekunden ein<br />
Toter. Für Deutschland rechnen wir in diesem Jahr mit 600 bis<br />
700 Todesfällen durch Aids, weil seit zehn Jahren Medikamente<br />
zur Verfügung stehen, die das Leben Infizierter und Erkrankter<br />
deutlich verlängern können. Die Zahl der Neuinfektionen<br />
mit dem HI-Virus ist in den letzten Jahren bei uns aber deutlich<br />
gestiegen und die Infektion ist ja leicht zu vermeiden, im Wesentlichen<br />
durch Kondomnutzung. Darum ist es wichtig, immer wieder auf diesen<br />
Schutz hinzuweisen, wie im Straßenverkehr auf das Anlegen<br />
des Sicherheitsgurtes.
</p>
<p>
<b>konzentrat:</b> Wieso denkt eine steigende Anzahl<br />
Jugendlicher, Aids spiele für sie keine Rolle?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Dafür gibt es wohl mehrere<br />
Gründe. Der erste Grund: Aids ist in Deutschland nicht zu einer<br />
solchen Katastrophe geworden, wie wir sie in anderen Ländern,<br />
insbesondere in Afrika, sehen. Damit hat die Aufmerksamkeit für<br />
das Thema und das Risiko einer Infektion und Erkrankung deutlich<br />
abgenommen. Zweitens: Viele verwechseln Behandelbarkeit und Lebensverlängerung<br />
durch neue Medikamente mit Heilung oder hoffen, dass der medizinische<br />
Fortschritt in wenigen Jahren eine Heilung ermöglichen wird.<br />
Hierfür gibt es aber keine Anhaltspunkte. Von daher sollte<br />
sich jeder weiterhin in riskanten Situationen, also zum Beispiel<br />
beim Sex außerhalb von langfristigen, festen Partnerschaften,<br />
vor dem Virus schützen. Drittens: In vielen Ländern der<br />
Welt, insbesondere in Afrika, ist Aids zu einer gigantischen gesellschaftlichen<br />
Katastrophe geworden. Das verleitet uns oft dazu, Aids nur noch<br />
als ein Problem der Entwicklungsländer anzusehen.
</p>
<p>
<b>Amadeus:</b> Welche Formen von Aufklärung über<br />
Aids gibt es? Gibt es das schon in der Schule?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Für die Aufklärung von<br />
Jugendlichen und insgesamt der Allgemeinbevölkerung ist in<br />
Deutschland vor allem die Bundeszentrale für gesundheitliche<br />
Aufklärung (BZgA) zuständig. Die Bundeszentrale für<br />
gesundheitliche Aufklärung hat etliche Broschüren für<br />
Jugendliche entwickelt und Materialien für die Arbeit in der<br />
Schule. Diese Informationen können über www.bzga.de abgefragt<br />
oder bestellt werden.
</p>
<p>
<b>HarryPotter:</b> Wie erfolgreich sind die Anti-Aids-Kampagnen<br />
(mit Promis) tatsächlich? Welche Resultate gab es, und was<br />
sind die Ziele für die neue Kampagne &quot;Gemeinsam gegen<br />
Aids&quot;?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Alle Kampagnen haben unterschiedliche<br />
Methoden für unterschiedliche Zielgruppen. Bei den Kampagnen<br />
wie &quot;Gemeinsam gegen Aids&quot; und bei der Arbeit mit Prominenten<br />
geht es uns vor allem darum, überhaupt Öffentlichkeit<br />
für das Thema HIV und Aids herzustellen und damit Aufmerksamkeit<br />
für die weiterhin bestehende Risikosituation zu schaffen. Gleichzeitig<br />
haben die Kampagnen und die Arbeit von Prominenten eine wichtige<br />
Funktion, wenn es um die Verhinderung der Diskriminierung von Menschen<br />
mit HIV und Aids geht. Um wirkliche Verhaltensänderungen wie<br />
die Nutzung von Kondomen in riskierten Situationen zu erreichen,<br />
brauchen wir andere Methoden. Wir setzen aber auch andere Methoden<br />
ein. Vor allem direkte Beratung und das persönliche Gespräch<br />
in Beratungsstellen oder auch durch Streetworker, die z.B. Bars<br />
und Kneipen aufsuchen. Deutschland hat eine der niedrigsten Infektionsraten<br />
weltweit. Beispielsweise ist die Infektionsrate in der Schweiz dreimal<br />
höher, in Italien viermal höher und in Spanien sogar siebenmal<br />
höher als bei uns. Dies belegt, dass die Präventionsarbeit<br />
in Deutschland insgesamt sehr erfolgreich war und ist, auch wenn<br />
es uns Sorge machen muss, dass die Neuinfektionszahlen in den letzten<br />
Jahren steigen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ich weiß nicht, ob jemand schon<br />
mal so eine Wahrscheinlichkeitsrechnung aufgestellt hat, aber man<br />
hat ja häufig den Wunsch, nach schönen klaren Zahlen:
</p>
<p>
<b>Samira:</b> Herr Heide, mal ganz konkret: Wie hoch<br />
ist die Gefahr, wenn ich in einer deutschen Großstadt ausgehe<br />
und mich abschleppen lasse, mich zu infizieren?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Das hängt von sehr unterschiedlichen<br />
Dingen ab. In Deutschland sind es nach wie vor vor allem Männer,<br />
die Sex mit Männern haben, die bedroht sind. Vor allem, weil<br />
innerhalb dieser Gruppe der prozentuale Anteil der Infizierten weit<br />
höher ist als im heterosexuellen Teil der Bevölkerung.<br />
Eine statistisch geringe Wahrscheinlichkeit einer Infektion schützt<br />
im Einzelfall aber natürlich gar nicht und man sieht bei demjenigen,<br />
von dem man sich abschleppen lässt ja auch nicht, welche sexuelle<br />
Vorgeschichte man mit ins Bett nimmt.
</p>
<p>
<b>Andi0110:</b> Gibt es Unterschiede wo man sich in<br />
Deutschland befindet? Nord versus Süd oder Berlin im Vergleich<br />
mit Frankfurt?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Ja, die Mehrzahl der Menschen mit<br />
HIV und Aids leben in den sehr großen Städten. Ca. 50%<br />
aller Betroffenen leben allein in den sechs Großstädten<br />
München, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Hamburg und<br />
Berlin. Oft sind sie aber erst nachdem ihnen die Infektion bekannt<br />
geworden ist in eine der Großstädte gezogen, weil dort<br />
die Beratungssituation und oft auch die medizinische Versorgung<br />
besser ist als auf dem &quot;flachen Land&quot;.
</p>
<p>
<b>Andreas_:</b> HIV wird in der westlichen Welt häufig<br />
immer noch direkt mit Homosexualität in Verbindung gebracht.<br />
Selbst die Ärztekammer schließt Homosexuelle generell<br />
vom Blutspenden aus, statt einfach nur nach häufig wechselnden<br />
Sexualpartnern oder ungeschütztem Verkehr zu fragen. Neben<br />
der Frage der Diskriminierung ist hier möglicherweise auch<br />
die Gefahr zu sehen, dass Heterosexuelle für sich keine Gefahr<br />
sehen. Was meinen Sie?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Die Gefahr, dass Heterosexuelle<br />
HIV und Aids nicht ernst nehmen, besteht tatsächlich. Dabei<br />
ist weltweit gesehen HIV eine ganz überwiegend durch heterosexuellen<br />
Verkehr übertragene Infektion. In Afrika sind inzwischen mehr<br />
Frauen als Männer infiziert, aber auch bei uns nimmt die Zahl<br />
der heterosexuellen Übertragungen von HIV zu. Obwohl in Deutschland<br />
tatsächlich die Mehrzahl der Neuinfektionen auf Männer,<br />
die Sex mit Männern haben, entfallen.
</p>
<p>
<b>Drumma:</b> Vor welchen Infektionsmöglichkeiten<br />
sollte ich mich (abgesehen von Sexualkontakten, bin verheiratet)<br />
schützen und wie mache ich das?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Im Wesentlichen wird die HIV-Infektion<br />
durch Blut-zu-Blut-Kontakt wie beispielsweise beim Benutzen nicht<br />
steriler Spritzbestecke weitergegeben. Andere Risiken (neben ungeschützten<br />
Sexualkontakten) bestehen in Deutschland kaum, da seit vielen Jahren<br />
Blut und Blutprodukte auf das Virus kontrolliert werden.
</p>
<p>
<b>micc:</b> Eine Gruppe, unter welcher die HIV-Prävalenz<br />
überdurchschnittlich hoch ist, ist die der Migranten. Was denken<br />
sie, wie kann man diese Gruppe am besten erreichen?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Migranten sind in Deutschland genau<br />
wie die deutsche Bevölkerung ja keine heterogene Gruppe. Untersuchungen<br />
zeigen zum Beispiel, dass Migrantinnen und Migranten aus Afrika<br />
besser über HIV und Aids informiert sind als Migranten aus<br />
Osteuropa. Beide Gruppen sind aber schlechter aufgeklärt als<br />
der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Dies müssen<br />
wir dringend ändern. Wir brauchen dazu die Hilfe von Menschen<br />
aus den jeweiligen Migrantengruppen, die einerseits den Zugang haben,<br />
die andererseits aber auch den soziokulturellen Hintergrund kennen<br />
und daher in der Lage sind, Präventionsbotschaften und Informationen<br />
so zu formulieren und weiterzugeben, dass sie akzeptiert werden<br />
können und dadurch wirksam sein können. Die deutsche AIDS-Stiftung<br />
hat zum Beispiel gerade mit einer Gruppe von jugendlichen Migrantinnen<br />
und Migranten aus Afrika einen Präventionsspot für Jugendliche<br />
Migrantinnen und Migranten produziert.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen zum Thema Osteuropa:
</p>
<p>
<b>Stanislaw:</b> Wie kommt es, dass gerade in Osteuropa<br />
die Zahl der HIV-Neuinfizierten in den letzten Jahren steigt? Was<br />
ist dort anders als in Deutschland? Schlechtere Aufklärung?
</p>
<p>
<b>Ariane:</b> Sehr geehrter Herr Heide, ich befinde<br />
mich im Moment in Litauen und bin doch sehr enttäuscht, dass<br />
es keine gute Aufklärungsarbeit gibt. Viele scheuen sich auch,<br />
Kondome zum Schutz zu kaufen. An dieser Stelle möchte ich Sie<br />
fragen, ob es auch Abkommen oder besser gesagt gemeinsame Projekte<br />
mit den neuen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gibt?<br />
Vielen Dank!
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Osteuropa und hier vor allem Estland,<br />
die Ukraine und Russland sind die Länder, in denen im Augenblick<br />
weltweit die Neuinfektionszahlen am schnellsten steigen. Es fehlt<br />
und es fehlte vor allem in den zurückliegenden Jahren an der<br />
Bereitschaft der Regierung und der Gesellschaft, offen über<br />
HIV und Aids und die Möglichkeiten, sich zu schützen,<br />
zu informieren. In Osteuropa ist die Bereitschaft gerade der Regierungen<br />
wohl auch deshalb so gering gewesen, weil insbesondere junge männliche<br />
Drogennutzer, die gemeinsam nicht sterile Spritzbestecke benutzt<br />
haben, die Hauptbetroffenengruppe stellen &#8211; und damit neben HIV<br />
und Aids immer auch illegaler Drogenkonsum und zum Teil Kriminalität<br />
angesprochen werden müsste. Die Bundesregierung und die Europäische<br />
Union bemühen sich seit einigen Jahren darum, dass der HIV-Prävention<br />
auch in Osteuropa mehr Aufmerksamkeit beigemessen wird. So wird<br />
im Rahmen der deutschen EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr<br />
2007 eine Konferenz der europäische Gesundheitsminister zur<br />
Rolle von Regierungen und Zivilgesellschaft in der HIV/Aids-Prävention<br />
in Bremen stattfinden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wissen Sie, was da beschlossen werden<br />
soll?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Zentrales Thema soll vor allem die<br />
Notwendigkeit des Zusammenwirkens von Regierung, Selbsthilfe und<br />
Zivilgesellschaft in der Prävention von HIV und Aids sein.<br />
Aus meiner Sicht eine sehr gut gewählte Themenstellung, weil<br />
die relativ guten Erfolge in der Prävention von HIV in Deutschland<br />
maßgeblich auf das langjährige und insgesamt gute Zusammenspiel<br />
von Regierung, Selbsthilfe und Zivilgesellschaft zurückzuführen<br />
sind. Insoweit ist die deutsche AIDS-Politik durchaus vorbildlich<br />
und kann Anregungen für die Arbeit zu diesem Thema in anderen<br />
Ländern leisten.
</p>
<p>
<b>John Doe:</b> Was für großen Aktionen gibt<br />
es im Rest der Welt? Macht Afrika zum Beispiel auch mit?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Aids ist zurzeit die weltweit größte<br />
gesundheitliche Bedrohung. Darum gibt es natürlich und glücklicherweise<br />
in fast allen Ländern Anstrengungen zur Prävention und<br />
zur Hilfe für bereits infizierte und erkrankte Menschen. So<br />
gibt es auch etliche afrikanische Staaten wie beispielsweise Kenia,<br />
Uganda und Ruanda, in denen es aufgrund intensiver Präventionsanstrengungen<br />
gelungen ist, die Neuinfektionsraten gerade bei Jugendlichen zu<br />
senken. Es gibt aber auch andere Länder wie die Republik Südafrika,<br />
in denen die Regierung eine sehr indifferente Haltung zu HIV und<br />
Aids einnimmt. So wird beispielsweise immer wieder von der südafrikanischen<br />
Gesundheitsministerin bezweifelt, dass HIV Aids auslöst und<br />
dass antiretrovirale Medikament helfen. Das führt trotz großer<br />
Anstrengungen von Selbsthilfegruppen und internationalen Organisationen<br />
dazu, dass in Südafrika noch keine entscheidenden Fortschritte<br />
bei der Senkung der Neuinfektionsrate erreicht wurden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Thema Osteuropa noch ein Kommentar<br />
von:
</p>
<p>
<b>micc:</b> Die Deutsche Gesellschaft für Technische<br />
Zusammenarbeit implementiert in den Baltischen Staaten ein angepasstes<br />
deutsches Instrument zur HIV-Prävention. Es ist vor allem an<br />
die dort lebende deutsche Minderheit gerichtet, erreicht aber auch<br />
deren Umfeld. Es gibt also auch gemeinsame Projekte mit Deutschland.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ich weiß nicht, ob dies zu den<br />
Aufgaben eines geschäftsführenden Vorstands der Aidsstiftung<br />
gehört:
</p>
<p>
<b>saldi:</b> Wann waren Sie zum letzten Mal in einer<br />
der Aids-Stationen in Nigeria, Südafrika etc.?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Die deutsche Aids-Stiftung unterstützt<br />
seit sechs Jahren auch Projekte im Ausland, im Augenblick vor allem<br />
im südlichen Afrika in den Ländern Namibia, Südafrika,<br />
Mosambik und Tansania. Ich selbst war vor zwei Jahren in Tansania<br />
und Südafrika. Mein Vorstandskollege vor einem Jahr in Namibia<br />
und ich werde voraussichtlich Anfang nächsten Jahres nach Mosambik<br />
und Tansania fahren. Wir versuchen, die Kommunikation mit den von<br />
uns geförderten Projekten im Ausland zwar nicht nur über<br />
zeit- und auch kostenintensive Reisen sicherzustellen. Aber es ist<br />
trotzdem sehr wichtig, immer wieder auch den persönlichen Kontakt<br />
und die persönliche Anschauung von der Entwicklung der Projekte<br />
zu haben.
</p>
<p>
<b>pandora:</b> Arbeiten Sie auch mit den (katholischen)<br />
Kirchen zusammen und wenn ja: Wie muss man sich das vorstellen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein weiterer User fragt dazu nach Ihrer<br />
Einschätzung, wenn der Papst das Kondomverbot lockert. Was<br />
würde das Ihrer Ansicht nach für die AIDS-Aufklärung<br />
und die Kampagnen vor allem in den katholischen Ländern bedeuten?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Wir arbeiten mit kirchlichen Einrichtungen<br />
in Namibia, Südafrika und Mosambik zusammen. Unsere Erfahrung<br />
zeigt, dass die Gemeinden an der Basis auf Grund ihrer Erfahrung<br />
und aufgrund der Größe des Problems sich längst<br />
von bestimmten Vorstellungen des Vatikans verabschiedet haben. Selbstverständlich<br />
informieren auch von katholischen Gemeinden getragene Projekte über<br />
die Nutzung von Kondomen. Teilweise stellen sie sie sogar zur Verfügung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Drei Fragen stellvertretend für<br />
viele mehr zum Thema Bekämpfung der Erkrankung selbst:
</p>
<p>
<b>Schnuffelino:</b> Wie weit ist die Wissenschaft? Wann<br />
gibt es Ihrer Schätzung nach so etwas wie einen Impfstoff oder<br />
ein Gegenmittel?
</p>
<p>
<b>stefanscheerer:</b> Mich würde mal interessieren,<br />
wie der Stand der Forschung/Entwicklung von Medikamenten derzeit<br />
ist. Man liest/hört immer, dass geforscht wird. Gibt es greifbare<br />
Ergebnisse?
</p>
<p>
<b>hans84:</b> Wie weit ist eigentlich der Forschungsstand<br />
in Sachen Aids-Bekämpfung? und wie sieht es mit staatlicher/nichtsstaatlicher<br />
Unterstützung zur Aids-Forschung aus?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Im Bereich der Entwicklung neuer<br />
Medikamente gibt es laufend Fortschritte, die aber auch dringend<br />
nötig sind, um mit den Mutationen des Virus und der Resistenzbildung<br />
Schritt zu halten. Ohne diese Fortschritte stünden die Therapieerfolge<br />
der letzten 10 Jahre sofort in Frage. Es gibt aber bisher keine<br />
große Wahrscheinlichkeit auf eine Heilung von Aids in einem<br />
überschaubaren Zeitraum. Ein weiteres großes Thema für<br />
die Forschung ist die Entwicklung eines Impfstoffes &#8211; aus meiner<br />
Sicht die einzige Option, um Aids tatsächlich mittelfristig<br />
weltweit deutlich zurückzudrängen oder günstigstenfalls<br />
zu besiegen.
</p>
<p>
Seit einigen Jahren wird weltweit intensiver nach Impfstoffen gesucht.<br />
Es besteht aber kaum eine realistische Hoffnung, in den nächsten<br />
zehn bis zwölf Jahren einen wirksamen und marktfähigen<br />
Impfstoff zur Verfügung zu haben. Gleichwohl muss intensiv<br />
geforscht werden. Denn ohne Forschung hätten wir auch in 15<br />
Jahren nicht die Chance auf eine wirksame Substanz. Bei der Entwicklung<br />
von Impfstoffen fehlt es bislang an einer Unterstützung der<br />
Bundesregierung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die User fragen: Hilft schocken, statt<br />
aufklären?
</p>
<p>
<b>AngelOfLove:</b> Viele junge Menschen in Deutschland<br />
haben keine Sensibilität für die Krankheit Aids. In Großbritannien<br />
gibt es eine tolle Kampagne durch Fernsehspots, die grade die Jugend<br />
ansprechen. Warum nicht auch in Deutschland? Die Fernsehspots finde<br />
ich eher langweilig. Bringen Schocker im Fernsehen noch etwas?
</p>
<p>
<b>Richard5:</b> Sehr geehrter Herr Dr. Heide, ich bin<br />
in der Versicherungsbranche tätig und würde als ein neues<br />
Gegen-Aids-Konzept das Prinzip der Angst vorschlagen, weil es sehr<br />
effektiv ist. Ich selbst verhüte immer mit Kondom und spreche<br />
offen über das Thema. Jedoch denke ich, dass man mehr Menschen<br />
erreichen kann, wenn man ihnen vor Augen führt, was mit ihnen<br />
passiert, sollten sie sich anstecken. Versicherungen werden effektiv<br />
mit Angstmache verkauft.
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Sehr viele Untersuchungen haben<br />
gezeigt und zeigen weiterhin, dass Angst nur kurzfristig wirksam<br />
ist. Es geht aber bei der HIV-Prävention um eine mittel- und<br />
langfristig stabile Verhaltensänderung, nämlich um die<br />
ständige Nutzung von Kondomen in riskanten Situationen. Und<br />
hier wirkt Angst nicht. Sondern nur eine durch sachliche Information<br />
erzielte stabile Haltung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage zum vieldiskutierten Thema:<br />
Wer bezahlt die Aids-Bekämpfung in Afrika:
</p>
<p>
<b>Hans FR:</b> Das hört sich toll an! Leider können<br />
sich fast keine Menschen in Afrika diese Medikamente leisten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Müssen sich die westlichen Länder<br />
mehr engagieren?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Das Hauptproblem bei der dringend<br />
notwendigen Ausweitung von Therapieprogrammen in Afrika (bislang<br />
haben nur ca. 15 Prozent der Menschen, die behandelt werden müssten,<br />
in Afrika Zugang zu Therapien) ist im Augenblick nicht so sehr der<br />
Preis der Medikamente. Denn einerseits stellen viele Pharmaunternehmen<br />
Produkte für die Entwicklungsländer kostenfrei oder zu<br />
extrem abgesenkten Preisen zur Verfügung, andererseits haben<br />
fast alle großen Hersteller Lizenzen für die Generikaherstellung<br />
erteilt. Somit stehen Medikamente in Afrika zu Preisen zur Verfügung,<br />
die zwar nicht direkt von den Menschen bezahlt werden könnten,<br />
die im Rahmen internationaler Hilfsprogramme &#8211; vor allem durch den<br />
Global Fund &#8211; aber bezahlbar sind. Das Hauptproblem bei der Ausweitung<br />
dieser Programme ist im Moment die schlechte Infrastruktur und vor<br />
allem der Mangel an ausgebildetem Personal (Ärzte und Pflegekräfte).
</p>
<p>
<b>Schnuffelino:</b> Wenn Sie in Ihrer Position drei<br />
Wünsche frei hätten, welche wären das?
</p>
<p>
<b>Ulrich Heide:</b> Weltweit eine offene und intensive<br />
Informationsarbeit über die Gefahren von HIV und Aids und die<br />
Möglichkeit, sich vor diesen Gefahren zu schützen. Weltweit<br />
die Verhinderung der Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen<br />
mit HIV und Aids und weltweit den Zugang zu qualitativ guten Therapieprogrammen<br />
für alle Infizierten und Erkrankten, die der Medikation bedürfen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unserer tagesschau-Chat bei<br />
tagesschau.de und politik-digital.de. Vielen Dank für Interesse<br />
und vielen Dank an Herrn Dr. Heide. Das Protokoll des Chats ist<br />
in Kürze zum Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de zu finden. Das tagesschau-Chat-Team wünscht<br />
noch einen schönen Tag und ein schönes erstes Adventswochenende.
</p>
<p><b>Ulrich Heide:</b> Ich bedanke mich für Ihr Interesse<br />
und wünsche ebenfalls ein schönes Wochenende. Für<br />
weitere Informationen empfehle ich die Homepage der deutschen AIDS-Stiftung<br />
www.Aids-stiftung.de.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_gefahr_dass_heterosexuelle_aids_nicht_ernst_nehmen_besteht_tatsaechlichquot-118/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Das Problem ist, dass e-Learning nicht oben auf der Agenda von Bologna steht&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdas_problem_ist_dass_elearning_nicht_oben_auf_der_agenda_von_bologna_stehtquot-122/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdas_problem_ist_dass_elearning_nicht_oben_auf_der_agenda_von_bologna_stehtquot-122/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Oct 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[E-Learning]]></category>
		<category><![CDATA[Birgit Hennecke]]></category>
		<category><![CDATA[Bologna-Prozess]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschulreform]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotdas_problem_ist_dass_elearning_nicht_oben_auf_der_agenda_von_bologna_stehtquot-122/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Freitag, 27. Oktober, 
war Birgit Henneke, Expertin für die Einführung von Bachelor 
und Master-Studiengängen in Deutschland, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a> 
Live-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. 
Sie sprach mit den Nutzern über den Bologna-Prozess und die 
Rolle, die e-Learning dabei spielt.</span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Freitag, 27. Oktober,<br />
war Birgit Henneke, Expertin für die Einführung von Bachelor<br />
und Master-Studiengängen in Deutschland, zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a><br />
Live-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.<br />
Sie sprach mit den Nutzern über den Bologna-Prozess und die<br />
Rolle, die e-Learning dabei spielt.</span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Nutzerinnen und<br />
Nutzer von e-teaching.org, willkommen zum e-teaching.org Live-Chat.<br />
Zu Gast ist Birgit Hennecke, Expertin für die Einführung<br />
von Bachelor und Master-Studiengängen in Deutschland. Einen<br />
schönen guten Tag Frau Hennecke und vielen Dank, dass Sie Zeit<br />
für uns haben. Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, gerne und herzlichen Dank<br />
für die Einladung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Können Sie uns erklären,<br />
was sich hinter dem Begriff des Bologna-Prozesses verbirgt?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Der Bologna-Prozess zielt ab<br />
auf die Harmonisierung des europäischen Hochschulraumes, d.h.<br />
die Mobilität von Studierenden und Lehrenden soll verbessert<br />
werden, die Studiengänge und -abschlüsse an europäischen<br />
Hochschulen sollen vergleichbarer werden. Die Vision ist, dass Studierende<br />
problemlos innerhalb ihres Studiums von Oslo bis nach Barcelona<br />
und von London bis nach Bukarest ihren Studienplatz wechseln können<br />
und die Studienleistungen überall gleichermaßen anerkannt<br />
werden.
</p>
<p>
<b>Z_P1a/8Xy:</b> Seit wann gibt es die Initiative?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Seit 1999. Im Juni 1999 haben<br />
sich damals Bildungsministerinnen und -Minister aus noch 29 Ländern<br />
in Bologna zusammen gefunden und haben die gemeinsame Erklärung<br />
unterschrieben. Hier wurde auch schon die Zeitvorgabe der Umsetzung<br />
des Prozesses bis 2010 festgelegt. Heute sind es übrigens 46<br />
Länder.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wird es nach dem Jahr 2010 ein Nachfolgeprojekt<br />
geben?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Es wird sicherlich nötig<br />
sein, aber ich weiß es nicht. Ich hoffe es.
</p>
<p>
<b>Kurator:</b> Wer ist in der Politik verantwortlich<br />
für die Einhaltung der hochschulpolitischen Rahmenvorgaben<br />
in Bezug auf den Bologna-Prozess?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Einige Rahmenvorgaben (Zugänge<br />
und Abschlüsse) sind beim Bundesministerium für Bildung<br />
und Forschung angesiedelt. Die wesentliche Gestaltung obliegt aber<br />
den Kultusministern der Länder.
</p>
<p>
<b>Z_P1a/8Xy: </b>Welche politischen Absichten stehen<br />
hinter dem Vorhaben Bologna-Prozess?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Vorrangig die Internationalisierung<br />
der Hochschullandschaft, die Herstellung von Mobilität von<br />
Studierenden und Lehrenden, mehr Transparenz der Studiengänge<br />
und -abschlüsse.
</p>
<p>
<b>europeunited: </b>Ist der Bologna-Prozess ursprünglich<br />
für die Schaffung einer europäischen Harmonisierung gedacht<br />
gewesen oder spielt dieser Gedanke hier überhaupt eine Rolle?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, das ist das wesentlichste<br />
Element.
</p>
<p>
<b>Aford:</b> Von welchen Ländern wird die Harmonisierung<br />
der Hochschullandschaft denn mitgetragen?<br />
<b><br />
Birgit Hennecke:</b> Das sind wie gesagt 46 mehr oder weniger<br />
europäische Länder von Island bis Russland, von Norwegen<br />
bis Zypern.
</p>
<p>
<b>Heurist:</b> Eines der Ziele des Bologna-Prozesses<br />
ist die internationale Mobilität auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.<br />
Haben Sie hierzu Zahlen, inwieweit sich die Bereitschaft der Absolventen<br />
geändert hat?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Es gibt noch relativ wenig statistische<br />
Angaben zu Bachelor-Absolventen und deren Verhalten in Bezug auf<br />
den ausländischen Arbeitsmarkt. Das wird sicher noch einige<br />
Jahre dauern.. Ich gehe aber davon aus, dass sich durch eine stärkere<br />
internationale Ausrichtung des Studiengangs auch die Motivation<br />
von Studierenden, die vielleicht schon Auslandspraktika gemacht<br />
haben, erhöhen wird, auch im Ausland zu arbeiten.
</p>
<p>
<b>anna:</b> Wie sieht die Umsetzung von Bologna in der<br />
Realität aus? Wie kommen Hochschulen, Lehrende und Studierende<br />
damit zurecht?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Immer besser. Aber es gibt noch<br />
viele Herausforderungen. Viele Hochschulen müssen mehrere Aspekte<br />
der Reform gleichzeitig bewältigen. Zum Beispiel müssen<br />
die Prüfungsverwaltungen viel mehr Aufgaben übernehmen.<br />
Die Studierendenverwaltung verändert sich, die Curriculumsentwicklung<br />
verändert sich komplett. Und auch die Lehrenden sind mit neuen<br />
Aufgaben konfrontiert. Da all dies gleichzeitig passieren muss,<br />
ohne dass die Hochschulen zusätzliche Mittel oder Personal<br />
bekommen, bewegt sich manches langsamer, als es vielleicht 1999<br />
gewünscht war.
</p>
<p>
<b>Next one please: </b>Welche Fortschritte und Erfolge<br />
hat es denn bisher gegeben?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Es sind bis zu diesem Wintersemester<br />
ca. 45 % aller deutschen Studiengänge in die Bachelor- und<br />
Masterform überführt worden und die Tendenz ist steigend.<br />
Alle deutschen Hochschulen haben einen Bologna-Koordinator/Koordinatorin,<br />
der sich vor Ort um die Herausforderungen des Bologna-Prozesses<br />
kümmert. Die Reform ist mittlerweile auf der operativen Ebene<br />
angekommen.
</p>
<p>
<b>anna:</b> Wie können die Studierenden sich in<br />
den Bologna-Prozess einbringen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Das ist eine gute Frage. Über<br />
den Weg von studentischen Organisationen wie den FZS oder ESIB,<br />
die sehr aktiv den Prozess mitgestalten. Und vor Ort an den Hochschulen<br />
hören wir eigentlich immer wieder die Klage, dass bei dem Wunsch<br />
von Fachbereichen, ihre Studierenden bei der Curriculumsentwicklung<br />
zu beteiligen, sie häufig auf Desinteresse stoßen. Ansprechpartner<br />
wären hier z.B. die Studiendekane, die sich sicher über<br />
interessierte Studierende freuen.
</p>
<p>
<b>e-learnerin:</b> Wieso heißt der Prozess eigentlich<br />
&#8216;Bologna&#8217;?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Weil er 1999 in der italienischen<br />
Stadt Bologna angestoßen wurde.
</p>
<p>
<b>korea:</b> In Deutschland ist Bildung Ländersache<br />
&#8211; ist das ein Hindernis für den Bologna-Prozess? In anderen<br />
Ländern ist man da durch zentralistische Regierungen doch sicher<br />
schneller handlungsfähig, oder?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Wir hoffen sehr auf die gute<br />
Zusammenarbeit der Kultusministerkonferenz nach der Föderalismusreform.
</p>
<p>
<b>Möhnke:</b> Bologna ist ein bürokratisches<br />
Monster, das schwer vermittelbar ist. Was tut die Hochschulrektorenkonferenz,<br />
um die guten Ansätze des Prozesses öffentlichkeitswirksam<br />
zu promoten?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Die Hochschulrektorenkonferenz<br />
hat extra zwei Projekte dafür angestoßen &#8211; die Servicestelle<br />
Bologna und das Kompetenzzentrum Bologna, um den Prozess aktiv zu<br />
unterstützen. Diese Projekte sind zuständig für die<br />
persönliche Beratung von Fragenden aus der Hochschule, für<br />
die Veranstaltungsorganisation zum Thema, für die Herausgabe<br />
von Publikationen und für die Vernetzung der verschiedenen<br />
Akteure im Bologna-Prozess. Das sind unter anderem die schon genannten<br />
Bologna-Koordinatoren. Im Kompetenzzentrum sind zudem 21 Beraterinnen<br />
und Berater koordiniert, die an 21 Hochschulstandorten nur für<br />
die Umsetzung des Bologna-Prozesses delegiert sind.
</p>
<p>
<b>anna:</b> Werden die Lehrenden bei der Umsetzung von<br />
Bologna ausreichend unterstützt?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Da gibt es verschiedene Aspekte.<br />
Viele Lehrende fühlen sich mit der zusätzlichen Arbeit,<br />
die auf sie zukommt, ziemlich allein gelassen. Aber es gibt auch<br />
Hochschulen, die sehr aktive Unterstützungsangebote für<br />
ihre Lehrenden institutionalisiert haben, sei es kurzfristig zusätzliches<br />
Personal in den Studierenden- und Prüfungsverwaltungen oder<br />
jene genannten Bologna-Beraterinnen und –Berater,<br />
die den Lehrenden unter die Arme greifen. Die schon genannten Projekte<br />
der Hochschulrektorenkonferenz bieten ebenso ihre Unterstützung<br />
vor Ort an. Aber es bräuchte sicher weitaus mehr Fortbildungsangebote<br />
und strukturelle Maßnahmen und auch zusätzliches Geld.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage vom Nutzer &#8216;frager&#8217;<br />
auf die Frage von Möhnke:
</p>
<p>
<b>frager:</b> Das hört sich alles eher bürokratisch<br />
an, da hat Möhnke schon recht. Was ist der Output?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Der Output sind geschultere Lehrende,<br />
wissendere Curriculumsentwickler, sensibilisierte Hochschulleitungen,<br />
viel mehr Berücksichtigung von didaktischen Fragen in der Curriculumsentwicklung<br />
wie z.B. die sogenannte Kompetenzorientierung, ein viel stärkeres<br />
Interesse an Qualitätsentwicklungsfragen an den Hochschulen<br />
und zum Teil das Angehen von lange anstehenden Problemen.
</p>
<p>
<b>e-learnerin:</b> Wie wird eigentlich den Personen<br />
mit Diplom Rechnung getragen? Gibt es hier eine Regelung, die besagt,<br />
dass das Diplom dem Master entspricht (im Ausland wird es nur als<br />
Bachelor anerkannt)?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, es gibt eine Regelung. In<br />
der ländergemeinsamen Strukturvorgaben der Kultusministerkonferenz<br />
gibt es eine klare Aussage zur Gleichwertigkeit der Abschlüsse.<br />
Hier wird allerdings unterschieden nach Diplomabschlüssen an<br />
Fachhochschulen und Universitäten: „Bachelor-Abschlüsse<br />
verleihen grundsätzlich dieselben Berechtigungen wie Diplomabschlüsse<br />
an Fachhochschulen. Masterabschlüsse verleihen dieselben Berechtigungen<br />
wie Diplom- und Magisterabschlüsse an Universitäten und<br />
gleichgestellten Hochschulen.&quot;
</p>
<p>
<b>Boschlektor Mostar:</b> Gibt es speziell zur Kompetenzorientierung<br />
interessante Publikationen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, es gibt einige. Hier verweise<br />
ich auf die Bibliothek der Hochschulrektorenkonferenz, die auch<br />
von Nicht-HRK-Mitgliedern benutzt werden kann. Man kann die Bibliothek<br />
anmailen oder anrufen, die Nummer finden sie unter http://www.hrk.de.
</p>
<p>
<b>Helga Maria Schneide:</b> Wie wird die Initiative<br />
Bologna denn von den Nichtteilnehmenden Ländern bewertet? Gibt<br />
es in anderen Ländern der Welt ähnliche Projekte?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, gibt es. In Lateinamerika<br />
wird der Bologna-Prozess sehr intensiv beobachtet und freundlich-kritisch<br />
begleitet. Auch asiatische Hochschulen stehen in einem intensiven<br />
Austauschprozess. Zudem sind viele ehemalige Sowjetrepubliken in<br />
intensivem Austausch zum Bologna-Prozess, u.a. auch mit der Internationalen<br />
Abteilung der Hochschulrektorenkonferenz.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zum Thema e-Learning im<br />
Bologna-Prozess:
</p>
<p>
<b>tmennig-FU-Berlin:</b> Wie viel e-Learning braucht<br />
Ihrer Ansicht nach Bologna?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Bologna kann e-Learning sehr<br />
gut gebrauchen, meiner Meinung nach. Das Problem ist nur, dass e-Learning<br />
nicht weit genug oben auf der Agenda von Bologna steht. Es gibt<br />
ja viele gemeinsame Berührungspunkte zwischen e-Learning und<br />
den Bologna-Notwendigkeiten.
</p>
<p>
<b>e-learnerin:</b> In welchem Zusammenhang stehen e-Learning<br />
und Bologna?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Wie schon gesagt, gemeinsame<br />
Ziele sind die Förderung von Mobilität und Internationalisierung,<br />
die Selbststeuerung des Lernens, die Orientierung an den Kompetenzen,<br />
die die Studierenden erwerben können und das &quot;automatische&quot;<br />
Erwerben von zusätzlichen Kompetenzen von den Studierenden<br />
neben dem eigentlichen Fachwissen. Für beide gemeinsam gilt<br />
die Basis des Paradigmenwechsels &quot;vom teaching zum learning&quot;.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei ähnliche Fragen:
</p>
<p>
<b>StephanMosel:</b> Wo und wie sehen Sie die Rolle von<br />
e-Learning im Bologna-Prozess?
</p>
<p>
<b>veronika:</b> Welche Bedeutung hat nun eigentlich<br />
tatsächlich e-Learning bei &#8216;eBologna&#8217;?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ganz konkret bei der Unterstützung<br />
von Joint-Degrees oder Joint-Programs, d.h. gemeinsame Studiengänge<br />
an Hochschulen verschiedener Nationen,<br />
oder auch bei der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen.
</p>
<p>
<b>Katrin Windolf:</b> Inwieweit wird die Bedeutung und<br />
Rolle von e-Learning bei den Entscheidungsträgern erkannt und<br />
gefördert?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ich glaube, dass die Potentiale<br />
hier noch nicht ausgeschöpft sind. <br />
Die Probleme von Bologna bewegen sich noch so sehr an den Wurzeln,<br />
dass über e-Learning bisher noch nicht viel diskutiert wurde.
</p>
<p>
<b>e-learnerin:</b> Mich interessiert, inwieweit Bologna<br />
Dozenten dazu motivieren kann, e-Learning in der Lehre einzusetzen,<br />
und ob es dazu Bestimmungen gibt im Bologna-Verfahren.
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Soweit ich weiß gibt es<br />
keine Bestimmungen. Aber die Motivation kommt vielleicht durch den<br />
erhöhten Druck, der auf Lehrende durch viele zusätzliche<br />
Aufgaben zukommt, indem sie sich z.B. durch e-Teaching Tools bei<br />
den studienbegleitenden Prüfungen Erleichterung verschaffen.
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ein Beispiel wären digitale<br />
Lernertagebücher statt Abschlussprüfungen.
</p>
<p>
<b>Bernhard Hiegl:</b> Wie sehen Sie die Notwendigkeit<br />
und den Einsatzrahmen sogenannter E-Portfolios?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> E-Portfolios als von den Studierenden<br />
selbst gesteuerte Lerninstrumente finde ich ein ausgezeichnetes<br />
Instrument. Es gibt keine Vorgaben und Bestimmungen, da ist der<br />
gestalterische Spielraum der Lehrenden gefragt.
</p>
<p>
<b>Müller:</b> Welche Formen des e-Learning werden<br />
an den Hochschulen, die den Bachelor eingeführt haben, praktiziert?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Dazu gibt es noch keine generelle<br />
Erhebungen oder Untersuchungen. Ich weiß nur von der anderen<br />
Seite, dass es häufig Probleme gibt bei der Akkreditierung<br />
von e-Learning-Modulen. Diese Form des Lernens und Lehrens wird<br />
von den Akkreditierern häufig nur dem Fernstudium oder Weiterbildungsmastern<br />
zugeordnet. In grundständigen Bachelorn führen sie noch<br />
häufig zu Irritationen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage von e-learnerin:
</p>
<p>
<b>e-learnerin:</b> Nachfrage: Ist irgendwo festgelegt,<br />
dass die neuen Studiengänge e-Learning Veranstaltungen enthalten<br />
müssen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Nein.
</p>
<p>
<b>jokerle:</b> Vom „teaching zum learning“<br />
heißt mehr Eigenverantwortlichkeit der Lernenden. Wie ist<br />
das mit Verschulungstendenz bei Bologna vereinbar?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Dies ist ein hervorragendes Instrument<br />
gegen die Verschulungstendenz. Dieser sogenannte Paradigmenwechsel<br />
setzt aber auch eine wirkliche Curriculumsveränderung voraus,<br />
eine Bereitschaft der Lehrenden, von der bisher normalen Input-Orientierung<br />
wegzugehen und sich stärker an dem zu orientieren, was als<br />
Kompetenzen bei den Lernern heraus kommen kann. Dies setzt auch<br />
voraus, dass Lehrende neue Lehrformen ausprobieren.
</p>
<p>
<b>Katrin Windolf:</b> Wie hoch ist Ihrer Erfahrung nach<br />
die Akzeptanz dieses Lernmediums bei den Studenten?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Die Akzeptanz der Studierenden<br />
hängt sehr stark von der Vermittlung der Lehrenden ab. Ist<br />
e-Teaching für die Lehrenden selbstverständlich, so akzeptieren<br />
dies auch die Studierenden.
</p>
<p>
<b>jokerle:</b> Bologna ist Mehrarbeit, e-Learning ist<br />
Mehrarbeit. Gibt es ein Anreizsystem, sich da zu engagieren?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Mehr Anreizsysteme wären<br />
sicherlich wünschenswert, in beiderlei Hinsicht. Vor allem<br />
für die Lehrenden. Dies ist vor allen Dingen Hochschulsache.<br />
Einige Hochschulleitungen fördern den Bologna-Prozess sehr<br />
stark an ihrer Hochschule und schaffen z.B. Anreizsysteme, indem<br />
sie die Akkreditierungsprozesse aus zentralen Mitteln bezahlen und<br />
dies nicht den Fachbereichen überlassen. Es gibt auch entsprechende<br />
pekuniäre oder ideelle Anreizsysteme an Hochschulen im Bereich<br />
e-Learning. Aber es ist der Autonomie der einzelnen Hochschule überlassen,<br />
diese beiden Bereiche mit noch mehr Anreizsystemen zu versehen.
</p>
<p>
<b>Katrin Windolf:</b> Womit hat diese Verkennung des<br />
e-Learning-Potenzials denn Ihrer Meinung nach zu tun?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Mit der Gleichzeitigkeit von<br />
unglaublich vielen Prozessen und Herausforderungen, die die Hochschulen<br />
förmlich überrollen. Sie müssen sich mit den Auswirkungen<br />
der Föderalismusreform beschäftigen, mit Globalhaushalten<br />
und Zielvereinbarungen. Gleichzeitig sollen sie die Systeme für<br />
die Auswahl von Studierenden entwickeln. Sie müssen sich mit<br />
der Verwaltung der Studiengebühren beschäftigen und gleichzeitig<br />
ihre gesamten Curricula verändern. Da ist e-Learning eben nur<br />
ein kleiner Bereich von sehr vielen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gibt es gerade im Bereich e-Learning<br />
und Bologna internationale Best-Model Practice-Kooperationen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja. Mir fällt das Kompetenznetz<br />
Skandinavistik ein, das an den Universitäten Basel, Freiburg,<br />
Straßburg und Tübingen angesiedelt ist. Mit ihrem blended<br />
learning-Konzept können sie die kleinen Skandinavistiklehrstühle<br />
an allen Hochschulen erhalten. Es gibt noch weitere Joint-Degree-Programme,<br />
die e-Learning benutzen. Z.B. ein Joint-Degree-Masterstudiengang<br />
an der Fachhochschule Frankfurt. Genaueres finden Sie auf der Internetseite<br />
http://www.fh-frankfurt.de/.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier noch ein Kommentar zum Thema e-Learning:
</p>
<p>
<b>e-teacher:</b> Zur Frage der e-learnerin: Meine Erfahrungen gehen dahin,<br />
dass e-Learning bislang weder in den Hochschulleitungen noch bei<br />
den Lehrenden als wichtiges Element des Selbststudiums erkannt und<br />
begriffen wurde.
</p>
<p>
<b>master:</b> Ist denn e-Learning nicht auch im Weiterbildungsbereich<br />
wirtschaftlich interessant für die Hochschulen? Gibt es Anreize,<br />
sich da zu engagieren (z.B. finanzielle Hilfen, wenn ein e-Learning-Programm<br />
aufgesetzt wird)?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ja, das ist auch der Bereich,<br />
in denen die Hochschulen e-Learning als neues Potenzial erkennen<br />
werden. Durch die Möglichkeit, auch Weiterbildungsmaster anbieten<br />
zu können, wachsen die Potentiale der wissenschaftlichen Weiterbildung<br />
enorm. Da die Zielgruppen hier fast immer berufstätig sind,<br />
ist e- oder blended-Learning ein notwendiges Instrument. Mir sind<br />
zur Zeit keine Anreize bekannt. Aber ich bin sicher, dass sich hier<br />
Hochschulen einen lukrativen Markt erobern werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es gibt noch eine Nachfrage nach den<br />
Kooperationen im Bereich e-Learning:
</p>
<p>
<b>Boschlektor Mostar:</b> Existieren Kooperationen auch<br />
mit Osteuropa und speziell mit Germanistik-Lehrstühlen?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Für konkrete Nachfragen<br />
verweise ich auf die internationale Abteilung der Hochschulrektorenkonferenz,<br />
z.B. Herrn Smolarczyk oder Frau Assenmacher. Die können ganz<br />
konkrete Projekte in diesem Bereich benennen.
</p>
<p>
<b>Ellen Fetzer:</b> Der Prozess führte ja teilweise<br />
zu einer Reduktion von Lehrinhalten. Wäre e-Learning eine Chance,<br />
europäische Kooperationen zu fördern, so dass auch selten<br />
gelehrte Inhalte eine Zukunftschance haben?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Zum Teil. Die Lehrenden spezifischer<br />
Inhalte müssten bereit sein, mit e-Learning und e-Teaching<br />
umzugehen. Grundsätzlich sehe ich aber die großen Chancen<br />
von e-Learning bei der Unterstützung von europäischen<br />
Kooperationen. Welche selten gelehrten Inhalte sind denn gemeint,<br />
Ellen Fetzer?
</p>
<p>
<b>Bernhard Hiegl:</b> Welche konkreten Nachteile haben<br />
Hochschulen langfristig zu erwarten, die sich bewusst gegen e-Learning<br />
entscheiden, weil sie es zwar aus Gründen der Personalknappheit<br />
für nötig aber aus didaktischer Sicht für schlechter<br />
als klassische Lehrformen halten?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ich glaube, dass sie zur Zeit<br />
keine Nachteile haben, dass sie perspektivisch aber gerade im Bereich<br />
der internationalen Kooperationen strukturell schlechter gestellt<br />
sind.
</p>
<p>
<b>schröder: </b>Noch mal zu Forschungs- und Bildungsmarketing:<br />
Wer muss eigentlich für den Bildungsstandort werben: Der Bund,<br />
die Länder oder die Hochschulen selbst?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Durch die zunehmende Autonomie<br />
der Hochschulen ist dies primär Aufgabe der Hochschulen selbst.<br />
Diese stehen ja auch im Wettbewerb miteinander. Für die Präsentation<br />
der deutschen Hochschulen insgesamt sind auch die Länder und<br />
der Bund zuständig. Hier sind natürlich auch Wissenschaftsorganisationen<br />
wie die Hochschulrektorenkonferenz gefragt.
</p>
<p>
<b>trier:</b> Die Engländer, Amerikaner, aber auch<br />
die Australier machen uns vor, wie man Ausländer an Hochschulen<br />
lockt. Dabei vermute ich, dass das oft nicht mit Qualität der<br />
Lehre, sondern mit selbstbewusstem Auftreten der Unis und Marketing<br />
zu tun hat. Machen die Hochschulen hier da alles richtig?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Da würde ich ihre Vermutung<br />
teilen. Zumindest hängt sicherlich einiges auch von den Marketingstrategien<br />
ab. Aber z.B. durch das Gate-Projekt, das bei der Hochschulrektorenkonferenz<br />
und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) angesiedelt<br />
ist, entwickeln die deutschen Hochschulen ja eine Marketingstrategie.<br />
Etwas mehr Bewusstsein für ihre Repräsentation nach außen<br />
täte den deutschen Hochschulen sicherlich ganz gut.
</p>
<p>
<b>veronika:</b> Durch die Modularisierung kommen immer<br />
mehr Prüfungen auf die Lehrenden zu. Sind &#8216;e-Prüfungen&#8217;<br />
nicht auch ein wichtiger Bestandteil? Was sagen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Sie wären sicherlich eine<br />
Entlastung. Darauf bin ich oben bereits zum Teil eingegangen. Die<br />
Möglichkeiten hier sind vielfältig. Hier könnten<br />
digital gestützte Tests geschrieben werden oder studienbegleitend<br />
kleine Prüfungen, z.B. durch Multiple Choice, vereinfacht werden.<br />
Wichtig ist hier die Bereitschaft der Lehrenden, die Prüfungen<br />
wirklich studienbegleitend (!) durchzuführen und nicht ausschließlich<br />
am Ende eines Moduls.
</p>
<p>
<b>anna: </b>Welches Potenzial steckt für die Hochschulen<br />
in Europa als Markt für den Export von &#8216;Bildungsdienstleistungen&#8217;?
</p>
<p>
<b>Geophys:</b> e-Learning war Ihr Schwerpunktthema.<br />
Was mich interessieren würde: Welche Ausmaße hat das<br />
im Hochschulbereich inzwischen angenommen? Ich erinnere mich an<br />
Prognosen, dass der Bereich ein milliardenschwerer Markt (für<br />
die Anbieter) werden sollte. Ist dem so?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> e-Learning ist noch kein milliardenschwerer<br />
Markt geworden. Allerdings beschleunigt der Bologna-Prozess die<br />
Notwendigkeit der hochschulweiten digitalen Vernetzung an der Schnittstelle<br />
von Studierendenverwaltung und Lehre. Ich glaube, dass dies eine<br />
zukunftsträchtige Branche sein könnte. Natürlich<br />
kann Bologna auch den europaweiten Export von Bildungsdienstleistungen<br />
beschleunigen. Dies ist zur Zeit aber noch kein Spielfeld für<br />
die Haupt-Bologna-Akteure, soweit ich weiß.
</p>
<p>
<b>gido: </b>Wie sieht der typische Arbeitstag einer<br />
Bologna-Beraterin aus?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ich bin keine Bologna-Beraterin<br />
im Wortsinne. Der Begriff ist &quot;belegt&quot; mit den schon benannten<br />
21 Delegierten an ausgewählten Modellhochschulen. Wenn Sie<br />
meinen Arbeitstag meinen, besteht er häufig in der Beantwortung<br />
von E-Mails, in der Entwicklung von Evaluationsverfahren, in der<br />
Vorbereitung von Vorträgen und in der Projektierung von Veranstaltungen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zur letzten Frage für<br />
unseren heutigen e-teaching.org Live-Chat:
</p>
<p>
<b>haerka:</b> Wo sind eigentlich die Grenzen von e-Learning?<br />
Man kann doch nicht alle Curricula damit abdecken?
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Stimmt. Es geht sicherlich grundsätzlich<br />
um die Ergänzung von Curricula mit e-Learning-Modulen. Ich<br />
würde auch eher für blended-Learning, also für eine<br />
Mischung von e-Learning und Präsenzlehre, plädieren. Das<br />
macht zumindest für die meisten deutschen Hochschulen mit einem<br />
hohen Anteil von Präsenzlehre mehr Sinn.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 90 Minuten e-teaching.org<br />
Live-Chat. Unsere Zeit ist um. Vielen Dank für Ihr Interesse<br />
und Dank an Frau Hennecke für den Chat! Das Protokoll des Chats<br />
finden Sie in Kürze auf http://www.e-teaching.org. Unsere Bitte<br />
um Verständnis an jene, die wir heute mit ihrer Frage nicht<br />
berücksichtigen konnten. Unter der URL http://www.e-teaching.org/community<br />
können Sie weiter über dieses Thema diskutieren. Der nächste<br />
e-teaching.org Live-Chat findet am 20. November ab 10.00 Uhr statt.<br />
Dann stellt sich Wolfgang Coy, Professor für Informatik, Ihren<br />
Fragen zum Thema &quot;Open Access und Open Content&quot;. e-teaching.org<br />
wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Tag!
</p>
<p>
<b>Birgit Hennecke:</b> Ich danke allen Beteiligten für<br />
ihre rege Teilnahme und für die interessanten Fragen. Mir hat<br />
es sehr viel Spaß gemacht und Sie haben mich ganz schön<br />
auf Trab gebracht. Falls Sie noch weitere Fragen haben, können<br />
Sie sich auch gerne unter meiner E-Mail-Adresse hennecke@hrk.de<br />
an mich wenden. Ich danke für die Einladung zum Chat und für<br />
die gute Moderation und wünsche noch einen schönen Tag.
</p>
<p class="normal">
</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdas_problem_ist_dass_elearning_nicht_oben_auf_der_agenda_von_bologna_stehtquot-122/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Reinhard Bütikofer, Grünen-Vorsitzender</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/reinhard-buetikofer-gruenen-vorsitzender-123/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/reinhard-buetikofer-gruenen-vorsitzender-123/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Oct 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Reinhard Bütikofer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/reinhard-buetikofer-gruenen-vorsitzender-123/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am 
Dienstag, 24. Oktober, <span style="font-size: x-small">war <b>Reinhard Bütikofer</b>, 
Bundesvorsitzender der Grünen, zu Gast im tagesschau-Chat in 
Kooperation mit politik-digital.de.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am<br />
Dienstag, 24. Oktober, <span style="font-size: x-small">war <b>Reinhard Bütikofer</b>,<br />
Bundesvorsitzender der Grünen, zu Gast im tagesschau-Chat in<br />
Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern<br />
über die Jamaika-Koalition, die Politik der Grünen und<br />
ihre Rolle als Opposition.</span></span></span></span></b>
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen zu 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist heute Grünen-Parteivorsitzender<br />
Reinhard Bütikofer. Vielen Dank, dass Sie gekommen sind, Herr<br />
Bütikofer. Unsere Leser werden Ihnen Fragen aus allen Politikbereichen<br />
stellen. Können wir beginnen?
</p>
<p class="normal">
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Schönen guten Tag,<br />
schießen sie los!
</p>
<p>
Hope: In der Opposition hört man zu den politischen Entwicklungen<br />
gar nicht so sehr unterschiedliche Kritik von Seiten der FDP und<br />
seitens der Grünen! Man hat den Eindruck, da sind eine Reihe<br />
von Gemeinsamkeiten &#8211; warum nicht der Versuch, als Jamaika das umzusetzen,<br />
was konsensfähig ist. ALLES ist besser als der jetzige Zustand!<br />
Die CDU mit Gelb und Grün unter einem Kanzler Schäuble<br />
oder einem der derzeitigen CDU-Ministerpräsidenten könnte<br />
sicher etwas bewegen!
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich glaube, man muss, wenn man es wirklich<br />
ernst meint, schon genauer hinschauen. Ein großes Streitthema<br />
ist gegenwärtig die Gesundheitsreform, da gehen die Positionen<br />
in Wirklichkeit diametral auseinander. Wir wollen eine Bürgerversicherung.<br />
Die FDP will eine gesetzliche Krankenversichtung ganz abschaffen,<br />
das passt nicht zusammen. Große Differenzen gibt es z.B. auch<br />
in der Arbeitsmarktpolitik und in der Energiepolitik. Deswegen kommt<br />
mir das Gerede über Jamaika manchmal etwas feuilletonistisch<br />
vor.
</p>
<p>
<b>Somasoma:</b> Was verbindet Ihre Partei mit den anderen<br />
Oppositionsparteien? Reicht das aus, um gemeinsam einen Gegendruck<br />
aufzubauen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Gemeinsam haben wir uns z.B. für<br />
einen Untersuchungsausschuss eingesetzt, als die Vorwürfe im<br />
Fall Mazri oder Kurnaz bekannt wurden. Gemeinsam versuchen die Oppositionsparteien<br />
zu verhindern, dass die Regierungsparteien Entscheidungen ohne jede<br />
öffentliche Debatte einfach nur durchziehen. Aber die Große<br />
Koalition hat zahlenmäßig ein solches Übergewicht,<br />
dass die parlamentarische Opposition alleine meistens wenig ausrichten<br />
kann. Deswegen kommt es entscheidend auf die aktive Teilhabe der<br />
Zivilgesellschaft an.
</p>
<p>
<b>KofiButanan:</b> Wie schätzen Sie die Entscheidung<br />
von Bundespräsident Köhler ein, die Flugsicherung nicht<br />
zu privatisieren?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Soweit ich das in aller Kürze heute<br />
nachvollziehen konnte, hat mir die Entscheidung eingeleuchtet und<br />
die Mehrheit im Bundestag wird die Frage zu beantworten haben, ob<br />
sie das Grundgesetz an dieser Stelle ändern will.
</p>
<p>
<b>NierenBlasentee:</b> Wie stehen Sie zu den angeblichen<br />
Vorkommnissen um Herrn Murnaz, die ja schließlich auch unter<br />
Ihrer Regierung geschehen sind?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Nun, wenn das zutrifft, dann muss das<br />
unbedingt politische Konsequenzen haben. Bis jetzt war es leider<br />
so, dass immer, wenn Herr Kurnaz etwas sagte, abgewiegelt wurde<br />
und sich dann herausstellte, dass mehr dran war als man am Anfang<br />
zugeben wollte. Deswegen fordern wir eine vollständige Aufklärung<br />
ohne Ansehen der Person.
</p>
<p>
<b>Tzu:</b> Wie können diese Konsequenzen aussehen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Das ist zu diesem Zeitpunkt spekulativ.<br />
Aber die Aufklärung beinhaltet auch die Frage, wer dafür<br />
gegebenenfalls die Verantwortung hatte und dementsprechend dann<br />
die politische Verantwortung zu übernehmen hätte.
</p>
<p>
<b>Keetenheuve1:</b> Wenn ich Grüne im Fernsehen<br />
sehe, dann schalte ich nur noch bei Frau Höhn und Herrn Ströbele<br />
NICHT ab. Warum, glauben Sie, haben die Grünen ein derart großes<br />
Charisma-Problem?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Die Themen, für die man einmal stand,<br />
sind doch eigentlich immer noch aktuell. Die Themen, für die<br />
man einmal stand, für die steht man als Grüner immer noch.<br />
Deswegen haben wir auch überhaupt kein Problem, Mitglieder<br />
für uns zu mobilisieren. Was die Mitgliederzahlen betrifft,<br />
wachsen wir im Unterschied zu anderen Parteien. Wir gewinnen Wahlen.<br />
Wir haben heute mehr Unterstützung als vor fünf oder sechs<br />
Jahren. Aber wenn Sie nun mal Frau Höhn oder Herrn Ströbele<br />
vorziehen, dann schalten Sie halt ein, wenn die dran sind. Ich halte<br />
ihren Charisma-Vorwurf für müßig. Meine Erfahrung<br />
ist, dass unsere Wählerinnen und Wähler sehr genau auf<br />
Inhalte achten.
</p>
<p>
<b>crossgolfer:</b> Wie nehmen sie dazu Stellung, dass<br />
die Grünen immer mehr eine Partei der Besserverdienen wird<br />
und der Kampf um soziale Gerechtigkeit mehr und mehr in den Hintergrund<br />
gerät?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Das ist schlicht und ergreifend grottenfalsch.<br />
Es waren wir Grüne, die das Konzept einer solidarischen Bürgerversicherung<br />
eingebracht haben. Wir Grüne haben das Konzept einer solidarischen,<br />
bedarfsorientierten Grundsicherung eingebracht. In diesem Sommer<br />
haben wir uns mehr als andere für eine ausreichende Zahl von<br />
Ausbildungsplätzen eingesetzt. Auch für den Kritiker gilt:<br />
Am besten fängt man mit der Betrachtung der Wirklichkeit an.
</p>
<p>
<b>Wiesbaden-Grün:</b> Wie wollen Sie der sogenannten<br />
&#8216;Unterschicht&#8217; grüne Politik näher bringen? Ist grüne<br />
Politik in der Lage, die Armut in Deutschland zu bekämpfen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich halte den Begriff Unterschicht für<br />
stigmatisierend. Aber wenn wir nicht wollen, dass eine wachsende<br />
Zahl von Menschen in Ausgrenzung und Armut gefangen werden, dann<br />
kommt es insbesondere auf zwei Weichenstellungen an: erstens einen<br />
Zugang zum Arbeitsmarkt und zweitens, perspektivisch vielleicht<br />
noch wichtiger, einen fairen Zugang zum Bildungssystem. Für<br />
beide Herausforderungen haben wir in der Tat klare Vorschläge.<br />
Das gilt beim Arbeitsmarkt etwa für unser Progressivmodell<br />
oder unsere Vorschläge zum Mindestlohnmodell. Das fängt<br />
in der Bildungspolitik bei unseren Vorschlägen zur frühkindlichen<br />
Bildung an.
</p>
<p>
<b>Ebi:</b> Warum bekommen die Grünen im Osten keinen<br />
Fuß auf den Boden?
</p>
<p class="normal">
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Wir haben bei allen Wahlen<br />
seit 2004 im Osten jeweils zugelegt, aber von bescheidenem Niveau<br />
aus. Wir waren Ende der 90er Jahre im Osten zur Diaspora-Partei<br />
geworden. Jetzt gelingt es uns, insbesondere in den Städten,<br />
den Fuß auf den Boden zu bekommen. Das dauert noch eine Weile<br />
und ist ein steiniger Weg, aber die Entwicklung geht nach oben.<br />
Ich glaube, entscheidend für diesen Weg wird sein, durch glaubwürdige<br />
grüne Vertreter und Vertreterinnen in der Kommunalpolitik Vertrauen<br />
zu gewinnen. So gelang auch der Weg im Westen.
</p>
<p>
<b>bambi:</b> Die Rechten von NPD und DVU sitzen in drei<br />
ostdeutschen Landtagen. Die Grünen nur in Sachsen wenn ich<br />
richtig informiert bin. Wie wollen Sie die Bevölkerung überzeugen,<br />
wenn anscheinend radikale Parolen von Rattenfängern auf so<br />
fruchtbaren Boden stoßen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich glaube, dass die Situation in manchen<br />
Landstrichen inzwischen so ist, dass es einer ganz neuen Art von<br />
Zusammenarbeit der demokratischen Kräfte &#8211; nicht nur der Parteien,<br />
auch der Gewerkschaften, zivilgesellschaftlichen Organisationen<br />
bis hin zu Kirchen bedarf, wenn jahrelang in Ostdeutschland erst<br />
insbesondere durch die Union unhaltbare Versprechungen gemacht wurden.<br />
Ich erinnere an Kohls blühende Landschaften. Wenn dann jahrelang<br />
durch die PDS hemmungsloser Populismus von links durch die Lande<br />
wehte, dann verwundert es mich nicht mehr, dass sich teilweise Zynismus,<br />
Abgrenzung und Verhetzung ausbreiten. Aber es nützt ja nichts,<br />
alte Rechnungen noch einmal aufzuwärmen. Es braucht jetzt ein<br />
stärker vernetztes demokratisches Engagement im Alltag. Nicht<br />
nur ab und zu eine kleine Kampagne, wenn in Halbe oder anderswo<br />
ein paar Nazis Flagge zeigen wollen.
</p>
<p>
<b>HohlefelderJr: </b>Was sagen Sie zu der These, dass<br />
die Linkspartei/Ostdeutschland das Parteiensystem auf den Kopf gestellt<br />
hat bzw. keine klaren Mehrheiten von Zweierkoalitionen möglich<br />
sind?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Das gilt erkennbar auf Landesebene nicht.<br />
Das scheint im Moment eine zutreffende Lagebeschreibung für<br />
den Bund, die große Koalition natürlich einmal ausgenommen.<br />
Ob sich das dauerhaft so stabilisiert, kann man meiner Meinung nach<br />
derzeit nicht sicher voraussagen. Was die Stabilität der beiden<br />
Volksparteien betrifft sind große Fragezeichen gerechtfertigt.<br />
Über die Perspektiven von FDP, Linkspartei oder Grünen<br />
wäre es ein Jahr nach der Wahl auch vorschnell, etwas Verbindliches<br />
sagen zu wollen.
</p>
<p>
<b>Michael K.:</b> In Tübingen hat am vergangenen<br />
Sonntag Herr Palmer die Wahl zum Oberbürgermeister gewonnen,<br />
unterstützt von CDU-Prominenz. Schon bei der Wahl in Stuttgart<br />
hat sich Herr Palmer für den späteren CDU-Sieger ausgesprochen.<br />
Tendieren die Grünen in Zukunft mehr zur CDU bei Koalitionen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Nein. Das wird jeweils nach dem Maßstab,<br />
wie wir mehr grüne Politik durchsetzen können, zu entscheiden<br />
sein. In Tübingen ist Boris Palmer mit einem profilierten astreinen<br />
ökologischen Programm Oberbürgermeister geworden. Liberale<br />
aus der Union haben ihn unterstützt. Der andere Unionsflügel<br />
(Stefan Mappus) kriegt deswegen jetzt anscheinend Pickel. Ich glaube,<br />
es gibt dafür keinen Generalnenner. In Berlin z.B. wären<br />
wir nie auf die Idee gekommen, nach der Abgeordnetenhauswahl mit<br />
der CDU zu koalieren, weil die einfach unterhalb jeder Kritik ist.
</p>
<p>
<b>Jakob S.:</b> Vor kurzem war in der &quot;tageszeitung&quot;<br />
ein Artikel darüber wie &#8216;Die Linke&#8217; jetzt versucht, grüne<br />
Mitglieder abzuwerben. Ist es vielleicht nötig, dass sich die<br />
Grünen wieder ganz klar links positionieren?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Dieser Artikel in der &quot;tageszeitung&quot;<br />
war eine Posse. Da hat ein ehemaliger Grüner, der jetzt bei<br />
der Linkspartei ist, ein oberschlaues Strategiepapier geschrieben,<br />
was jedenfalls außer der &quot;tageszeitung&quot; niemanden<br />
beeindruckt hat, mich jedenfalls nicht. Eine Linkspartei, die gleichzeitig<br />
die wahren Sozialisten, die bessere SPD und die richtigen Grünen<br />
sein wollen, das ist ein Witz. Wer hinsieht stellt fest, dass die<br />
Linkspartei für Grünenwähler wenig zu bieten hat<br />
und bei den Kommunalwahlen etwa in Hessen oder Niedersachsen in<br />
diesem Jahr gab es wenige Erfolge der Linkspartei im grünen<br />
Milieu.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Drei Fragen, eine Richtung:
</p>
<p>
<b>Wiesbaden-Grün:</b> Die Grünen sind in keiner<br />
Landesregierung vertreten. In Berlin kam eine Koalition mit der<br />
SPD nicht zustande. Ist dies ein Signal für die zukünftige<br />
Koalitionsbereitschaft der SPD auf Bundesebene? Sollten sich die<br />
Grünen nicht gerade deshalb für eine Jamaikakoalition<br />
öffnen? Zumal junge Grüne einer Koalition mit der FDP<br />
und Union nicht abgeneigt sind.
</p>
<p>
<b>ZoranHGW:</b> Wie sehen Sie die Chancen einer Regierung<br />
unter Angela Merkel unter Beteiligung der Grünen und der FDP?<br />
Unstimmigkeiten bezüglich Atomkraft können ja beiseite<br />
geschoben werden, wie wir dies bei der Regierung sehen können.<br />
Abgesehen von diesen energiepolitischen Unterschieden sind solche<br />
der Ausländerpolitik usw. trotz verschiedener Grundhaltungen<br />
durchaus vereinbar. Oder wie sehen Sie das?
</p>
<p>
<b>EgonAlias:</b> Sehen Sie inhaltliche Gemeinsamkeiten<br />
mit der FDP auf Landes- und Bundesebene?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Natürlich gibt es auch mit der FDP<br />
in manchen Gebieten Gemeinsamkeiten, etwa was Datenschutz betrifft.<br />
Dieses urliberale Thema hatte die FDP zwar lange vergessen, aber<br />
in letzter Zeit hat sie sich dem wieder genähert und das finde<br />
ich gut, weil es einfach im Sinne der Freiheit besser ist, wenn<br />
wir nicht alleine dafür kämpfen müssen.
</p>
<p>
Und dann gibt es natürlich Persönlichkeiten in der FDP,<br />
die ich mir jederzeit als Partner vorstellen könnte, Leutheusser-Schnarrenberger<br />
zum Beispiel. Aber solche Persönlichkeiten gibt es natürlich<br />
auch bei der CDU, Heiner Geißler zum Beispiel wäre ein<br />
schöner Partner für die Grünen oder der CSU-Umweltpolitiker<br />
Göppel. Aber es wäre Selbstbetrug, sich das jetzt schön<br />
zu lügen, so als wären das die Personen, die den Ausschlag<br />
geben, oder als wäre damit Übereinstimmung in den für<br />
die Reformrichtung entscheidenden Fragen gesichert. Die FDP ist<br />
nach wie vor eine marktradikale Partei und wir sind der Antipode<br />
in dieser Position. Und das die FDP zum ersten Mal seit 15 Jahren<br />
mit den Umweltverbänden überhaupt gesprochen hat ist auch<br />
noch kein Beweis, dass man umweltpolitisch mit ihr Staat machen<br />
kann.
</p>
<p>
Ich sage nicht, dass ich mich darüber freue, dass wir mit<br />
denen so wenig Schnittmengen haben. Besser wäre es, es gäbe<br />
mehr Schnittmengen, dann könnten wir mehr bewegen. Aber ich<br />
sage, dass ich mir die Wirklichkeit nicht zurechtlügen will<br />
und ich mache auch in Zukunft die Inhalte zum Maßstab für<br />
Bündnisse. Das gilt gegenüber der SPD wie gegenüber<br />
der Union und allen anderen.
</p>
<p>
<b>EgonAlias:</b> Anschlussfrage: Für welche Wirtschaftsrichtung<br />
stehen die Grünen denn dann?
</p>
<p class="normal">
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Unser Leitbegriff heißt:<br />
&quot;Grüne Marktwirtschaft&quot; und darunter verstehen wir<br />
eine ordnungsliberale Grundposition, die soziale und ökologische<br />
Standardsetzungen für den Markt für richtig hält<br />
und nicht wie die Neoliberalen das tun dem Kinderglauben anhängt,<br />
dass der Markt für sich alles regelt.
</p>
<p>
<b>drjung:</b> Herr Bütikofer, wie sehen sie die<br />
Situation unserer Soldaten in Afghanistan? Was halten sie von einem<br />
Abzug?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Die Situation wird schwieriger und gefährlicher.<br />
Ich bin nicht für einen Abzug. Ich bin für ein Überdenken<br />
der Politik in Afghanistan. Es ist ja bemerkenswert, dass im Norden,<br />
wo deutsche Truppen die Verantwortung haben, mehr Stabilität<br />
möglich ist und größere Fortschritte erzielt werden<br />
als im Süden und Osten, etwa wo insbesondere die USA im Rahmen<br />
der Operation &quot;Enduring Freedom&quot; aktiv sind. Die entscheidende<br />
Frage, die über den Erfolg den Ausschlag geben wird, heißt:<br />
Begreift die afghanische Bevölkerung die internationalen Truppen<br />
als Partner im Wiederaufbau des Landes oder als Besatzungsmacht?<br />
Diese Frage ist nicht entschieden. Unser Engagement muss dahin gehen,<br />
sie für die erste Alternative zu entscheiden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wissen Sie eigentlich genau, was die KSK in Afghanistan<br />
macht bzw. gemacht hat? Ist das Parlament in jedem Fall ausreichend<br />
informiert worden?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich weiß es nicht genau und ich<br />
fürchte, es gibt fast niemanden, der es genau weiß. Und<br />
das ist gerade das Problem. Früher gab es wenigstens eine gewisse<br />
Information der Obleute des Verteidigungsausschusses durch Minister<br />
Struck. Seit der Minister Jung heißt gab es das nicht mehr.<br />
Die Vorwürfe, die gegen das KSK im Fall Kurnaz erhoben worden<br />
sind, müssen vollständig aufgeklärt werden, bevor<br />
von einem neuen Mandat für die KSK in Afghanistan die Rede<br />
sein kann. Und es müsste schon auch sicher gestellt werden,<br />
dass das KSK nicht in die Rolle einer Hilfstruppe für US-Einheiten<br />
gebracht wird, denen die neueste amerikanische Gesetzgebung leider<br />
auch solche Verhörmethoden erlaubt, die in Europa als Folter<br />
gelten würden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Haben sich die Grünen als ehemalige Regierungspartei<br />
im Fall Kurnaz nicht auch Versäumnisse vorzuwerfen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich wüsste keine.
</p>
<p>
<b>Michael K.: </b>Was sagen sie dazu, dass Deutschland<br />
in der Liste der Pressefreiheit auf Platz 23 weltweit abgerutscht<br />
ist? Ich finde das erschreckend.
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich kann es nicht kommentieren, ich habe<br />
das nur als Meldung zur Kenntnis genommen. Ich müsste erst<br />
wissen, woran das gelegen hat.
</p>
<p>
<b>Joschka Fischer:</b> Ich erbitte eine Bewertung der<br />
Schröder-Memoiren.
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Lieber Herr Fischer, warum wollen Sie<br />
sie nicht selber lesen? Der ehemalige Kanzler hat &#8211; damit das Buch<br />
sich besser verkauft &#8211; jetzt schnell ein paar Stinkbömbchen<br />
gezündet. Ob das deswegen ein interessantes Buch ist oder eines,<br />
das Einblicke erlaubt, das weiß ich nicht.
</p>
<p>
<b>Kleingemüse:</b> Welche Kritik üben Sie<br />
heute an der Politik Gerhard Schröders?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Es gibt eine Hauptkritik an der Politik<br />
Gerhard Schröders, die etwas zu tun hat mit seinem Umgang mit<br />
den notwendigen Reformen im Bereich Sozialpolitik, Arbeitsmarktpolitik<br />
und Wirtschaftspolitik. Schon bei der Regierungsbildung 1998 erzwang<br />
die SPD mit Schröder und Lafontaine, dass man sich bei der<br />
Rente etwa gegen den grünen Willen vom demographischen Faktor,<br />
der kurz zuvor eingeführt worden war, wieder verabschiedet.<br />
Später musste Schröder eingestehen, dass das ein großer<br />
Fehler war. Als die ersten rot-grünen Erfolge dann eintrafen<br />
verabschiedete Schröder sich mit der Politik der ruhigen Hand<br />
von notwendigen weiteren Reformen. Wir Grünen haben ihn damals<br />
davor gewarnt.
</p>
<p>
Bei der Bundestagswahl 2002 hat die SPD und auch Schröder<br />
unrealistische Erwartungen geweckt und nach der Wahl, als sich herausstellte,<br />
dass die Realität eine ganz andere ist, dann deswegen unglaublich<br />
viel Enttäuschung, Wut und Opposition geerntet. Und als Schröder<br />
dann 2003 mit der Agenda 2010 kurzfristig versucht hat, das Ruder<br />
herumzureißen ist es ihm nicht gelungen, den SPD-Anhängern<br />
dies als Politik im Sinne sozialdemokratischer Grundwerte zu erklären.<br />
Der damalige schwedische Ministerpräsident hat einmal davon<br />
berichtet, wie es ihm gelang, seine politische Basis für tiefgreifende<br />
Reformen zu gewinnen: Nämlich indem er dass er deutlich machte,<br />
dass auch starke Schultern ihren Teil der Last zu tragen haben.<br />
Das hat Schröder nie hinbekommen.
</p>
<p>
<b>Papa:</b> Glauben Sie, dass Angela Merkel bis zum<br />
Ende der Legislatur Kanzlerin bleibt bzw. die große Koalition<br />
so lange bestehen bleibt?
</p>
<p>
<b>Robotx22:</b> Für wie wahrscheinlich halten Sie,<br />
dass die jetzige Regierung die Legislaturperiode überlebt?<br />
Was könnten die gefährlichsten Untiefen sein, die auf<br />
sie zukommen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Gegenwärtig sind beide Partner der<br />
großen Koalition schwach, und so lange diese beiderseitige<br />
Schwäche plus die beiderseitige Orientierungslosigkeit anhält,<br />
hält auch die Koalition. Denn im Fall einer Wahl müssten<br />
SPD und CDU sofort befürchten, in der Wahlkabine drastisch<br />
abgestraft zu werden. Erst dann, wenn entweder SPD oder Union die<br />
Hoffnung haben, von einem Koalitionsbruch massiv zu profitieren,<br />
könnte eine Seite es vielleicht praktisch erwägen. Das<br />
sehe ich im Moment für die nächsten anderthalb Jahre jedenfalls<br />
nicht voraus, zumal die politischen Leistungen beider Koalitionspartner<br />
ja niemanden überzeugen. Die Unterstützung in dieser Koalition<br />
feiert einen Minusrekord nach dem anderen. Selbst die oft gescholtene<br />
rot-grüne Regierung war zu ihren schwächsten Zeiten nie<br />
so unbeliebt wie diese Große Koalition.
</p>
<p>
<b>tom2:</b> Nach einem Bericht des &quot;Stern&quot;<br />
wussten deutsche Bundesbehörden schon vor Jahren von Geheimgefängnissen<br />
der CIA in Europa. Wie konnte gerade Grün es so weit kommen<br />
lassen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ob dieser Bericht des &quot;Stern&quot;<br />
zutrifft, weiß ich nicht. Deswegen kann ich die Frage nicht<br />
beantworten. Die Frage unterstellt den Bericht des &quot;Stern&quot;<br />
als Fakt und unterstellt, dass wir die Verantwortung dafür<br />
hatten. Wir hatten aber nicht das Innenministerium. Vielleicht sollte<br />
mal jemand Otto Schily fragen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und wenn es zutreffen sollte, was der &quot;Stern&quot;<br />
schreibt? Die Grünen waren ja nun mal Teil der Regierung.
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Wir waren Teil der Regierung, aber wir<br />
hatten nicht die Exekutivverantwortung für alle Ressorts und<br />
die Verantwortung für das Innenministerium hatten wir nicht.<br />
Jürgen Trittin und Renate Künast als Verbraucherministerin<br />
und Joschka Fischer als Außenminister hatten ihre eigenen<br />
Verantwortungsbereiche. Und hätte es damals eine öffentliche<br />
Diskussion über CIA-Gefängnisse gegeben, weiß ich,<br />
wo wir gestanden hätten. Aber es gab beides nicht.
</p>
<p>
<b>tom2:</b> Anschlussfrage &#8211; Sie haben also bis die<br />
Gefängnisse öffentlich bekannt wurden nie davon gehört?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>Düsseldorf:</b> Ab wann werden sich die Grünen<br />
lautstark für eine Verbesserung der Nichtraucherschutzgesetze<br />
einsetzen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Die Frage muss in der Vergangenheitsform<br />
wiederholt werden. Insbesondere die vorher gelobte charismatische<br />
Bärbel Höhn setzt sich als zuständige Sprecherin<br />
der Bundestagsfraktion dafür seit langem ein.
</p>
<p>
<b>Somasoma:</b> Wie schätzen Sie die konjunkturelle<br />
Zukunft der deutschen Wirtschaft ein?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich glaube, dass die Mehrwertsteuererhöhung<br />
zum 1. Januar 2007 und die Beitragserhöhungen bei Rente, Gesundheit<br />
und Pflege, die auf uns zukommen und weitere Preissteigerungen inklusive<br />
eines dauerhaft hohen Ölpreises dazu führen werden, dass<br />
die Wachstumsraten 2007 wieder auf ein Niveau absinken, dass zum<br />
Beschäftigungsaufbau nicht reicht. Das ist einer der Gründe,<br />
warum ich insbesondere die Mehrwertsteuererhöhung für<br />
einen schwerwiegenden wirtschaftspolitischen Fehler halte.
</p>
<p>
<b>bo:</b> Wie stehen die Grünen zur Föderalismusreform?<br />
Was halten Sie von dem Vorstoß des Bundesfinanzministeriums,<br />
in die Finanzautonomie der Länder einzugreifen?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Die erste Hälfte der Föderalismusreform,<br />
die wir hinter uns haben, hat leider in einigen uns wichtigen ökologischen<br />
und sozialen Bereichen &#8211; Stichwort Umwelt und Heimrecht, Strafvollzug<br />
&#8211; zu einer föderalen Kompetenzzersplitterung geführt.<br />
Grundsätzlich ist aber die stärkere Trennung der Gesetzgebungsmaterien<br />
zwischen Bund und Ländern richtig. In der zweiten Phase der<br />
Föderalismusreform, bei der es ums Geld gehen soll, sehe ich<br />
noch kein Land. Es ist lächerlich, wenn ein Ministerpräsident<br />
wie Herr Rüttgers sagt, er regiere einen selbstständigen<br />
Staat und man habe ihm nicht ins Handwerk zu pfuschen.
</p>
<p>
Die Bundesländer haben über den Bundesrat den Maastrichtvertrag<br />
mit beschlossen. Die Länder können sich da ihrer eigenen<br />
Verantwortung nicht entledigen. Im Übrigen geht es da nicht<br />
darum, dass das Bundesfinanzministerium in Zukunft zur Kommandozentrale<br />
des Föderalismus ausgebaut wird, aber es braucht Regeln, die<br />
dafür sorgen, dass die Länder ihre Eigenständigkeit<br />
im Rahmen einer finanzpolitischen Nachhaltigkeit ausüben. Außerdem<br />
sollten reine Landessteuern in Zukunft durch Landesgesetzgeber beschlossen<br />
werden, nicht durch den Bund.
</p>
<p>
<b>Papa:</b> Es verlagerten 2005 erhebliche viele junge,<br />
gutausgebildete Menschen ihren Wohnsitz ins Ausland. Was schlagen<br />
die Grünen vor, wie das gestoppt werden kann?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich habe nichts dagegen, dass gut ausgebildete<br />
junge Leute ins Ausland gehen. Wenn wir gleichzeitig dafür<br />
sorgen, dass andere zu uns kommen. Das kann Teil eines fruchtbaren<br />
internationalen Austausches sein. Schlimm wird es nur, wenn wir<br />
es nicht schaffen, einem allgemeinen Braindrain zu entgehen. Da<br />
geht es dann sehr konkret um die Frage, ob in Deutschland endlich<br />
begriffen wird, dass wesentlich mehr Geld in Bildung, Wissenschaft<br />
und Forschung gesteckt werden muss. Da geht es konkret um die Frage,<br />
ob der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Wettbewerbsfähigkeit<br />
diese aus meiner Sicht untrennbaren zwei Seiten der Modernisierungsmedaille<br />
wirklich Leitmaßstab sind oder ob wir zulassen, dass Wettbewerbsfähigkeit<br />
und Gerechtigkeit gegeneinander ausgespielt werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine letzte Frage:
</p>
<p>
<b>Steffen Ardia:</b> Was ich schon immer mal wissen<br />
wollte: Wenn ich Ihnen einen Brief mit Kritik oder Verbesserungsvorschlägen<br />
sende, wer liest das dann? Sie können doch sicher nicht jeden<br />
Tag Ihre ganze Post lesen&#8230;? Kriegen Sie davon überhaupt etwas<br />
mit?
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich kriege alle Briefe, die an mich geschrieben<br />
werden, auf meinen Schreibtisch. Manchmal dauert es eine Weile,<br />
bis ich sie lese. Aber ich gebe mir Mühe. Die meisten Briefe,<br />
die aus meinem Büro beantwortet werden, beantworte ich selbst.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war unser tagesschau-Chat für heute. Wir bedanken<br />
uns bei allen, die mitgemacht haben. Unsere Bitte um Verständnis<br />
an jene, die wir mit ihrer Frage nicht berücksichtigen konnten.<br />
Unser besonderer Dank gilt Reinhard Bütikofer, der sich die<br />
Zeit genommen hat, zum Chatten ins ARD-Hauptstadtstudio zu kommen.<br />
Ihnen allen wünschen wir noch einen schönen Tag. Der nächste<br />
tagesschau-Chat findet am 9. November ab 13.00 Uhr statt. Dann stellt<br />
sich der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD,<br />
Johannes Kahrs, Ihren Fragen. Wir würden uns freuen, wenn Sie<br />
dann wieder dabei sind.
</p>
<p>
<b>Reinhard Bütikofer:</b> Ich danke ihnen für die vielen Fragen<br />
und das lebhafte Interesse. Wünsche Ihnen noch für heute<br />
weiterhin viel Sonne und ansonsten viel Optimismus.
</p>
<p class="normal">
</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/reinhard-buetikofer-gruenen-vorsitzender-123/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Keine Eliteunis in Ostdeutschland</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/keine-eliteunis-in-ostdeutschland-124/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/keine-eliteunis-in-ostdeutschland-124/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Oct 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschen Forschungsgemeinschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst-Ludwig Winnacker]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Exzellenzinitiative]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/keine-eliteunis-in-ostdeutschland-124/</guid>

					<description><![CDATA[Am Montag, 16. Oktober, war Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern über die Exzellenzinitiative für deutsche Hochschulen.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Montag, 16. Oktober, war Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern über die Exzellenzinitiative für deutsche Hochschulen.<br />
<!--break--></p>
<p>
Herzlich willkommen zu 60 Minuten tagesschau-Chat. Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist heute Ernst-Ludwig Winnacker. Er ist Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).<br />
Sein Name steht &#8211; wie der seiner Organisation &#8211; für den Elitewettbewerb, der zwei Hochschulen in München und einer in Karlsruhe jüngst Fördermittel in Millionenhöhe eingebracht hat. Mit am Tisch sitzt auch der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Peter Strohschneider. Herr Winnacker, können wir beginnen?
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>coulomb:</b> Warum waren an der Entscheidung zur Exzellenzinitiative 90 Prozent ausländische Wissenschaftler beteiligt? Hätten nicht viel mehr deutsche Wissenschaftler, die die beengten Möglichkeiten deutscher Universitäten kennen, stärker in die Begutachtung eingebunden werden müssen? Amerikanische Verhältnisse können aufgrund der vorgegebenen deutschen Rahmenbedingungen doch gar nicht erreicht werden!
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es waren 60 Prozent Europäer, 30 Prozent aus Übersee und zehn Prozent Deutsche. Hätten wir mehr Deutsche verwendet, wären diese befangen gewesen &#8211;<br />
sie hätten über sich selbst entscheiden müssen. Das halte ich für undenkbar. Außerdem ging es nicht über beengte Verhältnisse, sondern um wissenschaftliche Qualität.
</p>
<p>
<b>carell:</b> Ich habe Herrn Winnacker in der Tagesschau gesehen, wo er sehr dafür angegriffen wurde, dass die Preise nur nach Süddeutschland gegangen sind. Ich fand, dass Herr<br />
Winnacker zu weich und ausweichend geantwortet hat. Er hätte mehr die Kompetenz der internationalen Gutachter mit Ihrer Fachkompetenz in die Waagschale legen sollen und ganz klar zum Ausdruck bringen sollen: Wer Spitzenleistungsuniversitäten will, der darf nicht nach dem Proporz gehen.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Einverstanden.
</p>
<p>
BrainDrain2007: Ich gehe, wie viele meiner Kollegen, ins Ausland. Dort rekrutieren Top-Universitäten auf Lebenszeit, während hier mittelmäßige Universitäten mit Zweijahresverträgen locken. Wann stellen sich die deutschen Universitäten dem globalen Wettkampf und führen ein Research Assessment Exercise (RAE) ein wie in Großbritannien? Hier freuen sich Universitäten, wenn Professuren für einige Jahre unbesetzt bleiben &#8211; das würde in Großbritannien sofort mit Ranking-Verlust bestraft.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Exzellenzinitiative ist die RAE, von der Sie sprechen. Außerdem gibt es seit Jahren ein Förderranking der DFG, das die Qualitätsunterschiede der deutschen Universitäten seit langem dokumentiert.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Herr Winnacker, Sie haben Aachen, Heidelberg und Freiburg gute Chancen für die zweite Runde der Exzellenzinitiative eingeräumt. Aber auch andere Universitäten, etwa in Berlin, machen sich große Hoffnungen. Wollen Sie eine Art Nervenkrieg entfachen oder sind solche Aussagen bereits eine Vorankündigung?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich habe nur gesagt, dass sie automatisch in die zweite Runde kommen. Das sieht der Wettbewerb so vor.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Diese Universitäten können, wenn sie wollen, mit ihren Anträgen dabei sein. Das wird dann sicher nicht zu einem Nervenkrieg führen, aber doch zu einer Schärfung des Wettbewerbs. Und das ist gewollt mit der Exzellenzinitiative.
</p>
<p>
<b>bvogler:</b> Ich bin selbst Professor an einer amerikanischen Universität und würde über alles dem deutschen System den Vorzug geben. Der ständige Zwang &quot;Geld zu jagen&quot; führt sicherlich zu extremen Verzerrungen. Die Ausbildung in Deutschland war zu meiner Zeit sehr viel besser als das, was amerikanische Universitäten heute leisten. Ein Problem: Massen-Uni, hier viel mehr als in Deutschland. Ich bin seit fünf Jahren hier.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es gibt in Amerika eine viel größere Differenzierung der Universitäten. Es gibt ca. 4500 Universitäten und darunter etwa 100 Forschungsuniversitäten, während es in Europa 2500 Universitäten gibt, die alle den Anspruch erheben, Spitzenuniversitäten zu sein. Das führt notwendigerweise zu einer Verwässerung der Ressourcen.
</p>
<p>
<b>albrecht möller:</b> Peinlich, peinlich; seit 1984 ist Prof. Winnacker mit München innig verbunden, jetzt sorgt er mit Forschungsmillionen für seine bayrische Kamarilla.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Völlig abwegig. Der Präsident der DFG hat in keinem Förderverfahren eine Stimme, auch in diesem nicht. Außerdem haben DFG und Wissenschaftsvorsitzende extrem strikte Befangenheitsregeln in allen Stufen des Verfahrens. Und so haben Prof. Strohschneider und ich an keinen Beratungen über München teilgenommen.
</p>
<p>
<b>Dr. Schorsch:</b> Wie kann man den politischen Druck in weiteren Runden, doch noch die &quot;Gießkanne&quot; zu zücken, abwehren? Kann es auch eine Runde (bei den &quot;Eliteunis&quot;) ohne Sieger geben?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es kann in einem solchen Wettbewerb natürlich nicht ohne &quot;Sieger&quot; und &quot;Verlierer&quot; abgehen. Die Politik hat sich auf ein strikt wissenschaftsgeleitetes Verfahren festgelegt und genau so haben wir es auch durchgeführt.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Das wird auch so bleiben.
</p>
<p>
<b>cycologist: </b>Wann wird es in Deutschland endlich Auswahlverfahren für Studierende geben? &quot;Eliteuniversitäten&quot; wie Harvard, Yale oder Princeton sichern ihren Bestand vor allem aus der Rekrutierung der besten Bewerber die über den S.A.T. und andere Eingangstests ausgewählt werden. Diese Auswahl soll dem Ideal einer Meritokratie dienen, in der die Bildungselite nicht nach Abstammung, Staatsangehörigkeit, oder Wohlstand ausgewählt wird, sondern nach Eignung.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Gibt es längst. Es gibt zahllose Bachelor &#8211; und Masterstudiengänge, in denen Studierende im Wettbewerb ausgewählt werden.
</p>
<p>
<b>markus76: </b>Kann es sein, dass abgesehen von finanziellen und politischen Problemen in Deutschland vor allem auch ein kulturelles Problem dafür sorgt, dass die deutsche Forschung international nicht anschlussfähig ist? Ich war einige Jahre Teil des deutschen Systems und beobachte es jetzt aus Nordamerika. Im Vergleich hat man das Gefühl, dass das mittelalterliche Ständesystem sich in die Universitäten zurückgezogen hat.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die deutsche Forschung ist durchaus anschlussfähig, in vieler Hinsicht. In diesen Bereichen sind die auch die Hierarchien längst abgeschafft.
</p>
<p>
<b>elitestudent:</b> Warum gibt es kein Geld für &quot;arme Unis&quot;? Die brauchen es doch am meisten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Entscheidung wurde nicht nach Armut und Reichtum der Universitäten getroffen, sondern nach der wissenschaftlichen Qualität ihrer Anträge. Es zahlt sich eben jetzt aus, wenn man über Jahrzehnte hinweg in die Forschung in den Universitäten investiert hat.
</p>
<p>
<b>moechtegernphd:</b> Heißt Förderung der Spitzenuniversitäten gleichzeitig Vernachlässigung der anderen Universitäten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Nein, überhaupt nicht. Ich habe immer das Bild einer Pyramide im Blick, mit einer breiten soliden Basis, aber mit einer Spitze. Die Spitze haben wir in der Vergangenheit vernachlässigt.
</p>
<p>
<b>unitrier:</b> Wie sehen die Konzepte aus, damit in Zukunft kleinere und abgelegenere Universitäten nicht zu reinen Ausbildungsstätten verkommen, sondern auch dort weiterhin qualitative Forschung betrieben werden kann?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Exzellenzinitiative ist ein Instrument, ein ganz bestimmtes Problem zu bearbeiten: Das Fehlen der Spitzen.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Die Initiative ist kein Instrument zur Lösung aller und jeder Probleme im deutschen Wissenschaftssystem, insbesondere nicht der Unterfinanzierung.
</p>
<p>
<b>ExInt_Fan:</b> Herr Prof. Winnacker, warum versuchen<br />
wir in Deutschland, die amerikanischen Universitäten wie Stanford,<br />
Harvard oder das MIT krampfhaft zu kopieren? Haben wir nicht andere<br />
Stärken, die wir umsetzen sollten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Tun wir das wirklich? Es gibt viele Wege<br />
nach Rom. Und diese haben wir im Laufe der ersten Runde auch kennen<br />
gelernt.
</p>
<p>
<b>Björn:</b> In Deutschland fehlt es nicht an guten<br />
Ideen oder qualifizierten Akademikern. Eine Möglichkeit, mehr<br />
Forschungsgelder zu erhalten, sehe ich in der stärkeren Zusammenarbeit<br />
zwischen Hochschulen und der Industrie und die dadurch beschleunigte<br />
Entwicklung marktreifer Produkte. Welche Möglichkeiten sehen<br />
sie diese Zusammenarbeit auszubauen? Was muss die Politik der Länder<br />
und des Bundes tun?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das Ergebnis zeigt genau, dass mit sehr<br />
unterschiedlichen Modellen &#8211; durchaus nicht nur mit solchen, die<br />
sich an wenigen amerikanischen Universitäten orientieren &#8211;<br />
in der Exzellenzinitiative erfolgreich sein kann. Auch das war oder<br />
ist in der Exzellenzinitiative vorgesehen. Dafür gibt es gute<br />
Beispiele.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Vor allem auf der Ebene der Cluster.
</p>
<p>
<b>thomas1962: </b>Lieber Herr Winnacker, was mich an<br />
Deutschland immer so irritiert, ist diese Fixierung auf bestimmte<br />
Lebensplanungen. Man muss bis 35 angekommen sein, sonst wird es<br />
schwierig. Ich bin gerade dabei, aus den USA zurückzukehren.<br />
Dort habe ich eher das Gefühl, es kommt darauf an &quot;can<br />
he/she do the job?&quot; Und nicht &quot;ist der/die nicht schon<br />
über 40?&quot;
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich denke, dass der Reichseinheitsbrei<br />
des deutschen Hochschulsystems längst passé ist und<br />
auch vielleicht auch so nie existiert hat. Inzwischen sind Altersgrenzen<br />
weithin abgeschafft.
</p>
<p>
<b>Webmaster5:</b> Darf es sich Deutschland denn erlauben,<br />
keine Elite-Universität in der Hauptstadt zu bieten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Natürlich darf es das.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Deutschland ist aus vielen Gründen ein<br />
föderaler, dezentraler Staat und es steht viel kultureller<br />
und intellektueller Reichtum darin, dass es so ist.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Außerdem haben die<br />
Berliner Unis noch eine zweite Chance.
</p>
<p>
<b>PP: </b>Bringt die Exzellenzinitiative denn überhaupt<br />
so viel Geld pro Universität? Die Ludwig-Maximilians-Universität<br />
München zum Beispiel erhält doch gerade mal zehn Prozent<br />
ihres bisherigen Budgets extra?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> 15 Prozent, wie ich gehört habe und<br />
das ist natürlich schon ein beachtlicher Freiraum.
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Es gibt ein hartes sachliches Argument: Man<br />
muss die Mittel aus der Exzellenzinitiative nicht nur zu den Gesamtetats<br />
in ein Verhältnis setzen, sondern zu dem, worüber die<br />
Uni frei disponieren kann. Und diese Beträge in den Haushalten<br />
werden durch die Exzellenzinitiative dramatisch gesteigert
</p>
<p>
<b>Kai Jennrich: </b>Fakultäten an Hochschulen ohne<br />
das &quot;Elite&quot;-Prädikat, die aber über anerkannt<br />
hervorragende Lehrreputation verfügen und deren Absolventen<br />
sollten nicht Opfer eines undifferenzierenden Etiketten-Wettbewerbs<br />
in der Öffentlichkeit werden &#8211; nach dem Motto: &quot;Elite&quot;-Kleider<br />
machen Leute. Ist diese Besorgnis begründet? Auf welche Weise<br />
wirkt die Deutsche Forschungsgemeinschaft einer solchen verallgemeinernden<br />
und fatalen Fehlentwicklung entgegen?
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Durch Differenzierung in der Exzellenzinitiative.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Außerdem wird dieses Label nicht<br />
auf Ewigkeit verliehen, sondern muss sich immer wieder neu erarbeitet<br />
werden. Aber eines ist auch klar: Es wird in Deutschland Universitäten<br />
mit eher regionaler Bedeutung geben oder mit internationaler Bedeutung.<br />
Daran werden wir uns gewöhnen müssen.
</p>
<p>
<b>a-j-k85:</b> Herr Winnacker, auf welche Art können<br />
sich Universitäten beim Ranking der Exzellenzinitiative hervortun?<br />
Auch durch bessere Bedingungen in der Lehre oder nur durch Programme<br />
für die Forschung?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Zukunftsperspektiven beziehen sich<br />
im Wesentlichen auf die Forschung, aber gute Forschung ist in der<br />
Regel von guter Lehre nicht zu trennen. Deswegen wird am Ende auch<br />
die Lehre von diesen Entscheidungen profitieren.
</p>
<p>
<b>Phelps:</b> Wie kommt es zu dieser Konzentration von<br />
Eliteuniversitäten ausschließlich im Süden der Bundesrepublik<br />
Deutschland?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weil man Jahrzehntelang in die Forschung<br />
und die Hochschulen insgesamt investiert hat. Und weil dies auch<br />
zu einer Ansammlung von außeruniversitärer Forschung<br />
geführt hat.
</p>
<p>
<b>biologisch: </b>Müsste der Bundesetat für<br />
Bildung und Forschung nicht der allergrößte Etatposten<br />
eines Landes sein, das angeblich die Ressource &quot;Wissen&quot;<br />
stärken möchte?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Natürlich.
</p>
<p>
<b>Merlin:</b> Soll sich die Politik wirklich in die<br />
Entscheidung dieser Initiative einmischen dürfen?
</p>
<p>
<b>Peter Strohschneiderr:</b> Die Politik hat sich auf ein strikt wissenschaftsgeleitetes<br />
Gefahren festgelegt. Dafür sind wir sehr dankbar. Und sie hat<br />
sich auch an diese Festlegung gehalten
</p>
<p>
<b>ziggeding:</b> Wie vertragen sich Forschungsqualität<br />
und Studiengebühren, die nicht an die Universitäten gehen?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Überhaupt nicht. Ich bin immer davon<br />
ausgegangen, dass Studiengebühren an die Universitäten<br />
gehören.
</p>
<p>
<b>ringo star:</b> Wenn man Eliteuniversitäten in<br />
anderen Ländern betrachtet, findet man sowohl in den Ländern,<br />
als auch bei den Universitäten eine &quot;Kultur&quot; der<br />
Eliteuniversitäten. Glauben sie, dass &quot;künstlich&quot;<br />
benannte Eliteuniversitäten, wie im Rahmen der Exzellenzinitiative,<br />
wirklich einen vergleichbaren Status sowohl national als auch international<br />
erlangen können? Wenn ja, in welchem Zeitraum?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Ernennung einiger der Unis zu Spitzen-Universitäten<br />
ist erst der Anfang. Die entsprechenden Kulturen müssen sich<br />
erst noch entwickeln. Hoffen wir, dass in zehn Jahren die erste<br />
der geförderten Unis in den internationalen Ranglisten ganz<br />
vorne auftauchen.
</p>
<p>
<b>seltmann:</b> Bundesministerin Schavan hatte im Bewilligungsausschuss<br />
ja die Zustimmung der Politik an die Bedingung geknüpft, in<br />
der zweiten Runde das Verfahren abzuändern, damit die Politiker<br />
mehr Einfluss auf die Entscheidungen nehmen können. Wie wollen<br />
sie diesmal verhindern, dass sich die Wissenschaft dem Druck der<br />
Politik beugt?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Weder hat sich die Wissenschaft der Politik<br />
noch hat sich die Politik der Wissenschaft gebeugt, sondern beide<br />
der Sache, nämlich der wissenschaftlichen Exzellenz. Ich bin<br />
überzeugt, dass sich daran nichts ändern wird. Was nicht<br />
heißt, dass die Politik noch frühzeitiger informiert<br />
wird. Es war ja das erste Mal, dass wir so was deutschlandweit gemacht<br />
haben. Wir haben bei dem Verfahren viel gelernt und wir werden das<br />
sicher in Einzelheiten optimieren.
</p>
<p>
<b>Trude: </b>Im Ausland (USA) ist die Spitze der deutschen<br />
Forschung meist als Max-Planck-Institut bekannt. Wäre es nicht<br />
von Vorteil, diese im Ausland bekannte Spitze so zu fördern,<br />
dass auch Topwissenschaftler aus den USA nach Deutschland gehen<br />
würden? Das ist das wahre Geheimnis der Elite-Unis in den USA:<br />
Es werden oftmals sehr gute Professoren weltweit abgeworben.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das ist ja das Problem. In der Max-Planck-Gesellschaft<br />
ist der Anteil ausländischer Wissenschaftler sehr viel höher<br />
als bei den Universitäten. Genau das sollte die Exzellenzinitiative<br />
verbessern. Und verbessert es hoffentlich auch.
</p>
<p>
<b>kajac: </b>Ich bin Professorin an einer kleineren<br />
Universität. Für mich scheint sich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft<br />
der Universitäten anzubahnen: Die großen machen die Forschung,<br />
die kleinen die Lehre.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das ist nicht meine Beobachtung. Wir haben<br />
auch Cluster an kleineren Universitäten eingerichtet. Aber<br />
natürlich bedarf es in vielen Fällen für Spitzenforschung<br />
auch der kritischen Masse.
</p>
<p>
<b>sophie:</b> Das einzige Kriterium bei dem Verfahren<br />
soll doch &quot;wissenschaftliche Exzellenz&quot; sein. Kann ein<br />
in der ersten Runde abgelehnter Antrag, der automatisch in die zweite<br />
Runde geht, dann überhaupt in der zweiten Runde genehmigt werden?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Wir reden hier von einem sehr hohen Niveau.<br />
Es ist durchaus denkbar, dass die antragstellenden Wissenschaftler<br />
ihre Anträge dann auch noch modifizieren. Im Januar wird ja<br />
nur über Antragsskizzen entschieden, über Anträge<br />
erst in einem Jahr.
</p>
<p>
<b>TA:</b> Sie haben gesagt, der Titel der Exzellenzinitiative<br />
kann einer Hochschule auch verlustig gehen. Für wie lange wird<br />
er verliehen?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Die Förderdauer ist zunächst<br />
auf fünf Jahre festgelegt. Die Bundesministerin Frau Annette<br />
Schavan hat angekündigt, den Wettbewerb verstetigen zu wollen.<br />
Schon aus diesem Grund, also der Möglichkeit, auch anderen<br />
eine neue Chance zu geben, begrüße ich das sehr.
</p>
<p>
<b>pi-nutzz:</b> Sie waren ja bereits selbst als Forscher<br />
in Amerika. Gibt es etwas, dass sie an den Unis dort besonders beeindruckt<br />
hat, das Sie sich auch für unsere Unis wünschen würden?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Was mich dort vor allem beeindruckt ist<br />
die frühe Selbständigkeit der jungen Wissenschaftler,<br />
die ganz selbstverständlich auf Augenhöhe respektiert<br />
werden. Das habe ich versucht, in meiner Arbeit bei der Deutschen<br />
Forschungsgemeinschaft möglich zu machen.
</p>
<p>
<b>tecker: </b>Spitzenforschung sollte dort gefördert<br />
werden, wo sie ist. Aber wenigstens eine Uni im Osten und im Norden<br />
sollte doch zumindest dahingehend gefördert werden, Spitzenforschung<br />
leisten zu können &#8211; oder?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Das war aber nicht die Aufgabe des Exzellenzwettbewerbs.<br />
Die Voraussetzungen für Exzellenz müssen die Länder<br />
schaffen, die ausschließlich für die Hochschulen zuständig<br />
sind. Die Hochschulen in Ostdeutschland hatten bisher nur wenig<br />
Zeit, sich zu entwickeln. Dennoch gibt es wunderbare Beispiele für<br />
Spitzenforschung in Ostdeutschland, denken sie nur an Dresden oder<br />
denken sie nur an die wunderbaren Max-Planck-Institute in Ostdeutschland.<br />
40 Jahre Misswirtschaft sind eben nicht von heute auf morgen zu<br />
beseitigen.
</p>
<p>
<b>Titanmond:</b> Im Tagesspiegel werden Sie zitiert<br />
mit den Worten: &quot;Es waren nicht mehr gute Anträge da&quot;.<br />
Ist es dann realistisch, dass in der zweiten Phase mehr als drei<br />
weitere Universitäten Exzellenzzentren werden und wenn ja,<br />
was stimmt Sie so optimistisch?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Neues Spiel, neues Glück. Und außerdem<br />
werden alle Beteiligten ihre Anträge noch einmal anschauen<br />
und gegebenenfalls überarbeiten. Dazu ist auch noch genügend<br />
Zeit.
</p>
<p>
<b>pede:</b> Warum werden ganze Universitäten gefördert.<br />
Wäre es nicht sinnvoller, einzelne Teilgebiete hervorzuheben,<br />
die wirklich auch international mithalten können?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Es geschieht beides. Bei den Hochschulen<br />
und den Exzellenzclustern werden nur bestimmte Fachgebiete gefördert.<br />
Auch die Mittel der dritten Säule werden nicht nach dem Gießkannenprinzip<br />
verteilt werden, sondern auf bestimmte Gebiete der Universitäten.
</p>
<p>
<b>Evam:</b> Was ich sehr bedenklich an dem ganzen Verfahren<br />
finde ist, dass es ein so deutliches Übergewicht an naturwissenschaftlichen<br />
und technischen Anträgen, die gefördert wurden, gibt.<br />
Wenn ich das richtig sehe, gibt es lediglich eins von 18 Exzellenzclustern<br />
aus den Geisteswissenschaften. Ich glaube nicht, dass die naturwissenschaftlichen<br />
Anträge einfach besser waren und ich finde eine solche Förderpolitik<br />
skandalös. Wie können Sie das ändern?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich denke, dass auf die Dauer sich der<br />
Anteil der Geisteswissenschaften erhöhen wird. An sich sind<br />
Exzellenzcluster auch ideale Instrumente für die Geisteswissenschaften,<br />
wenn sie denn richtig verstanden würden, das heißt als<br />
ein großes Dach unter dem Vieles Platz hat. Auf jeden Fall<br />
hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft viele andere Förderinstrumente,<br />
die auf die Bedürfnisse der Geisteswissenschaften vielleicht<br />
besser zugeschnitten sind. Bei den Graduiertenschulen übrigens<br />
ist die Lage schon sehr viel besser: Bei den Anträgen waren<br />
es noch 27 Prozent, was höher ist als der übliche Anteil<br />
der Geisteswissenschaften an der Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft.<br />
Wir werden unser bestes tun, die Gutachtergruppen noch besser auf<br />
die kulturellen Unterschiede der verschiedenen Fächer einzustimmen.
</p>
<p>
<b>Sarah:</b> Wieso gibt es keine bessere Förderung<br />
hochbegabter Studenten?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Eine gute Frage. Seit Mitte ca. 1850 gibt<br />
es in Bayern die Einrichtung des Maximilianeums, in dem Personen<br />
mit einem Einser-Abitur, was aber nicht einmal ausreicht, aufgenommen<br />
werden. Die bayerische Staatsregierung hat schon 2002 mit dem Ausbau<br />
sogenannter Elitenetzwerke begonnen &#8211; auch hier geht es um nichts<br />
anderes als die Förderung besonders begabter Studierender.<br />
Außerdem gibt es die Studienstiftung des Deutschen Volkes<br />
und die Begabtenförderung, die das, was sie gefordert haben,<br />
ebenfalls leisten. Es ist eindrücklich, wie oft die Leibnitz-Preisträger<br />
der Deutschen Forschungsgemeinschaft auch Studienstifter waren.<br />
Auch die auskömmliche Finanzierung der Begabtenförderung,<br />
insbesondere der Studienstiftung, sollte auf Dauer gesichert werden.
</p>
<p>
<b>MKno:</b> Was kann ich als Student an der Ludwig-Maximilians-Universität<br />
(Diplom-Geographie) nun konkret von der Ernennung meiner Universität<br />
zur Elite-Universität erwarten? Wird sich die Förderung<br />
überhaupt in den Studienbedingungen bemerkbar machen?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich hoffe es, weiß allerdings nichts<br />
über die Einzelheiten, die die Universität nun zu fördern<br />
beabsichtigt. Vielleicht entwickeln sie selbst ein paar Vorschläge<br />
aus bester Kenntnis vor Ort, die sie dem Rektorat übermitteln.<br />
Das wäre doch ein guter Aufhänger. Als Rektor würde<br />
ich mich über so was freuen.
</p>
<p>
<b>Schwertsik:</b> Herr Prof. Winnacker, mir ist nicht<br />
ganz klar, was denn nun das Ergebnis des Auswahlverfahrens ist.<br />
Haben wir nun tatsächlich &quot;Elite-Universitäten&quot;<br />
oder nicht doch eher &quot;Elitestrukturen&quot; bzw. &quot;Elite-Institute&quot;?<br />
Gibt es ein Gesetz, eine Vereinbarung, ab wann sich eine Universität<br />
offiziell Elite-Universität nennen darf?
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Nein, das wird eine Abstimmung mit den<br />
Füßen klären. Es wird am Ende darauf ankommen, wie<br />
weit die nun geförderten Universitäten international sichtbar<br />
werden und wie weit es ihnen gelingt, die besten Studierenden und<br />
Lehrenden anzuziehen.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Das waren 60 Minuten tagesschau.de-Chat. Wir bedanken<br />
uns bei allen, die mitgemacht haben. Unsere Bitte um Verständnis<br />
an jene, die wir heute mit ihrer Frage nicht berücksichtigen<br />
konnten. Unser besonderer Dank gilt Herrn Winnacker und Herrn Strohschneider,<br />
dass Sie sich für uns Zeit genommen haben. Der nächste<br />
Chat findet am kommenden Mittwoch, den 18. Oktober, mit der CDU-Bundestagsabgeordneten<br />
Anette Widmann-Mauz statt. Los geht’s um dreizehn Uhr. Das<br />
letzte Wort gehört Ihnen, Herr Winnacker.
</p>
<p>
<b>Ernst-Ludwig Winnacker:</b> Ich bedanke mich für diese interessanten<br />
Fragen. Es war eine spannende Zeit, die wir hinter uns haben. Ich<br />
drücke die Daumen für alle Beteiligten und für das<br />
System, dass es wirklich besser wird.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/keine-eliteunis-in-ostdeutschland-124/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Geschlossenheit und Loyalität zur Fuhrung sind entscheidend&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/geschlossenheit-und-loyalitaet-zur-fuhrung-sind-entscheidend-125/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/geschlossenheit-und-loyalitaet-zur-fuhrung-sind-entscheidend-125/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Oct 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitsreform]]></category>
		<category><![CDATA[große Koalition]]></category>
		<category><![CDATA[Dieter Althaus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/geschlossenheit-und-loyalitaet-zur-fuhrung-sind-entscheidend-125/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am 
Mittwoch, 9. Oktober, <span style="font-size: x-small">war <b>Dieter Althaus:</b>, 
Ministerpräsident von Thüringen, zu Gast im tagesschau-Chat 
in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern 
über die Gesundheitsreform, die Koalition, und Demokratie.</span></span></span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am<br />
Mittwoch, 9. Oktober, <span style="font-size: x-small">war <b>Dieter Althaus:</b>,<br />
Ministerpräsident von Thüringen, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern<br />
über die Gesundheitsreform, die Koalition, und Demokratie.</span></span></span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich Willkommen<br />
zu 60 Minuten tagesschau-Chat. Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist<br />
heute der Ministerpräsident von Thüringen, Dieter Althaus.<br />
Es gibt Ärger in der großen Koalition und damit haben<br />
nicht unwesentlich die Ministerpräsidenten der Union zu tun.<br />
Dieter Althaus ist deshalb, aber nicht nur aus diesem Grund, ein<br />
hoch interessanter Gesprächspartner für uns. Guten Tag,<br />
Herr Althaus, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Jawohl, wir können beginnen.
</p>
<p>
<b>ciao:</b> Ganz direkt: Sind die schlechten Umfrageergebnisse<br />
der Anfang vom Ende der großen Koalition?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Nein, ich denke nicht. Wir haben schwierige Probleme<br />
zu lösen und wir sind jetzt mittendrin, das erste Problem Gesundheitsreform<br />
zu lösen. Die große Koalition wird halten und wird auch<br />
den vorbesprochenen Weg gehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Althaus, laut ARD-Deutschlandtrend ist die Union<br />
bei der Sonntagsfrage um 5 Punkte auf 30 Prozent abgerutscht. Ihre<br />
Partei liegt demnach 3 Punkte hinter der SPD. Wie erklären<br />
Sie sich das?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Es gab eine Anfangseuphorie nachdem in der großen<br />
Koalition unter Bundeskanzlerin Merkel die Union nach der Bundestagswahl<br />
stand, und die Debatten der letzten Tage haben sicher auch Vertrauensverlust<br />
mit sich gebracht. Aber im Grundsatz stehen beide großen Volksparteien<br />
ähnlich da wie im letzten Jahr zur Bundestagswahl. D.h. Arbeit<br />
an den Problemen in Deutschland ist angesagt und im Jahr 2009 muss<br />
es dann auch wieder in den profilierten Wahlkampf gehen.
</p>
<p>
<b>Shaber:</b> Warum kann die SPD zulegen? Vielleicht<br />
weil Sie geschlossener auftritt?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Die SPD ist im Grundsatz immer eher eine zentralistische<br />
Partei. Wir sind eine föderale Partei und außerdem hat<br />
die SPD erhebliche Führungsprobleme in den letzten Jahren bewältigen<br />
müssen, so dass sie auch daraus ein hohes Maß an aktueller<br />
Geschlossenheit entwickelt. Aber es ist drittens die Aufgabe für<br />
beide Volksparteien, das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit<br />
der Politik zurückzugewinnen. Dabei dürfen wir nicht so<br />
sehr auf die Umfragen schauen sondern uns an den Arbeitsaufgaben<br />
orientieren.
</p>
<p>
<b>dawei:</b> Wieso bekommt man den Eindruck, dass die<br />
CDU beim Thema Gesundheitsreform keine geschlossene Position beziehen<br />
will / kann?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Die Gesundheitsreform ist eine der schwierigsten<br />
Reformen. Das haben wir auch in den letzten Jahren gemerkt. Es gibt<br />
zwei ganz unterschiedliche Positionen zwischen der Union und der<br />
SPD. Mit dem jetzt gefundenen Reformkompromiss kann sowohl die Zukunftsfähigkeit<br />
des Systems ermöglicht werden als auch durch mehr Transparenz<br />
und Wettbewerbsfähigkeit bei weiteren Reformschritten gesichert<br />
bleiben. Hierzu wird die Unionsführung auch in den nächsten<br />
Wochen stehen.
</p>
<p>
<b>lucky:</b> Sehr geehrter Herr Althaus! Was soll man<br />
zu diesem Jahrhundertwerk, der Gesundheitsreform sagen? Die richtigen<br />
Ansätze sind da, aber zuviele Lücken im Detail. Vielleicht<br />
sollte man sich überlegen, die Reform von ganz Neuem zu starten.<br />
Wie man sieht, bringen die Kompromisse der SPD und ihrer Partei<br />
nur Streitereien. Auch die acht Euro? Und noch mal ein Prozent vom<br />
Gehalt zusätzlich. Das ist ganz schön viel Geld für<br />
die neuen Bundesländer.
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Zum letzten: Die acht Euro sind nicht Additiv zu<br />
dem einen Prozent zu sehen sondern die acht Euro gelten als Grundbeitrag<br />
ohne die ein Prozent-Prüfung. Selbstverständlich bleibt<br />
es darüber hinaus bei der Ein-Prozent-Deckelung. Die SPD will<br />
die Bürgerversicherung und damit eher eine Gesundheitspolitik,<br />
die sich über die Staatsmedizin definiert und die Union möchte<br />
die solidarische Gesundheitsprämie. D.h. durch Transparenz<br />
und Wettbewerb sowohl die Sicherung der Leistung für alle gewährleisten,<br />
aber auch mehr Effizienz ermöglichen. Deshalb muss der Kompromiss<br />
vermitteln. Das gefundene Ergebnis ist unter den gegebenen Umständen<br />
akzeptabel und eröffnet Zukunft.
</p>
<p>
<b>Börries:</b> Sehr geehrter Herr Althaus, wieso<br />
redet die große Koalition immer noch über die umständliche<br />
Gesundheitsreform und wieso wird Ihr guter Vorschlag des bedingungslosen<br />
Grundeinkommens, welches die Fragen der Gesundheitsreform beinhaltet,<br />
nicht diskutiert? Hierzu noch die Frage: Haben Sie sich schon einmal<br />
mit dem Wirtschafter Götz Werner (dm-Drogeriemarkt) über<br />
Ihre Ideen verständigt? Und: herzlichen Dank für Ihre<br />
Idee des Grundeinkommens!
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Ich bin persönlich überzeugt, dass durch<br />
das Bürgergeld sowohl die Arbeitsmarktprobleme als auch die<br />
Sozialstaatsprobleme besser lösbar sind und viele Gespräche<br />
mit Wissenschaftlern, Unternehmern, Gewerkschaftern und weiteren<br />
bestätigen mich dabei. Auch mit Götz Werner sind wir im<br />
Gespräch. Derzeit gibt es aber auch im Besonderen bei Union<br />
und SPD Vorbehalte gegen eine so umfassende und grundsätzliche<br />
Reform. Viele hoffen noch im System der bestehenden Regeln wieder<br />
mehr Wachstum zu erreichen. Ich werbe für das Bürgergeld<br />
und bin sicher, es wird auf der Tagesordnung bleiben. Ich bin auch<br />
sicher, dass die Durchsetzungsfähigkeit eines solchen Modells<br />
in den nächsten Jahren weiter steigt.
</p>
<p>
<b>Weißwurst: </b>Wie kann es eigentlich sein,<br />
dass Herr Stoiber immer eine Extrawurst für seine Extrapartei<br />
beansprucht?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Die Geschichte der Union ist die Geschichte der<br />
zwei Parteien. Das erhöht den Abstimmungsbedarf. Aber es erhöht<br />
auch die Chance, erfolgreich in den Landschaften Deutschlands Politik<br />
zu gestalten. Aber wie für die CDU gilt auch für die CSU,<br />
wir können nur gemeinsam erfolgreich sein. Und das heißt<br />
Geschlossenheit und Loyalität zur Führung und zu den gefundenen<br />
Kompromisslinien sind entscheidend.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie gelten als absolut Merkeltreu &#8211; die jüngsten<br />
Unternehmungen des Herrn Stoiber können Ihnen nicht gefallen.
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: In der Politik geht es nicht nach Gefallen und<br />
Nichtgefallen. Ich muss mit öffentlichen Äußerungen<br />
leben. Mein Eindruck ist, wir müssen alle sehr viel mehr dafür<br />
tun, damit das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Politik<br />
gesteigert wird. Das gilt im Übrigen nicht nur für Deutschland.<br />
Dazu haben alle ihren Beitrag zu leisten und ich rufe auch alle<br />
Kollegen ausdrücklich dazu auf.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Auch Ihre Parteikollegen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Das gilt für alle. Für die CDU, die CSU.<br />
Aber ich meine in der heutigen Verfasstheit der deutschen Demokratie<br />
gilt das auch für alle anderen demokratischen Parteien. Die<br />
Demokratieakzeptanz ist nicht nur in den neuen Ländern rasant<br />
gesunken und diese Warnsignale sollten wir alle ernst nehmen.
</p>
<p>
<b>Name888: </b>Geht Ihnen Herr Stoiber &#8211; wenn man das<br />
mal so unverschämt formulieren darf &#8211; nicht gehörig auf<br />
die Nerven mit eben diesen Sonderwünschen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Gelassenheit ist eine der wichtigen Eigenschaften,<br />
die ich in meiner Funktion haben muss.
</p>
<p>
<b>Schnickschnack: </b>Welche Rolle spielt Frau Ulla<br />
Schmidt eigentlich noch in der Findung einer Lösung bei der<br />
Gesundheitsreform?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Sie ist die zuständige Ministerin und wird<br />
jetzt auch die Detailarbeit, die zu leisten ist, verantworten.
</p>
<p>
<b>Meppen06: </b>Auf Geschlossenheit einzuschwören<br />
ist doch eigentlich ein sicherer Indikator, dass einiges im Argen<br />
liegt?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Die Welt ist sehr viel komplexer und die Probleme<br />
deutlich mehr als dass nicht auch offene Inhaltsdiskussionen um<br />
den richtigen Weg notwendig wären. Häufig wird das leider<br />
gleich als Streit tituliert. Wenn ich von Geschlossenheit rede,<br />
dann meine ich das Stehen zu einer nach Diskussion gefundenen Linie.
</p>
<p>
<b>Erfurt:</b> Ich habe den Eindruck, dass in diesem<br />
Reformwahn nur die Finanzen betrachtet werden, aber die Bürger<br />
vergessen werden. Sind die zukünftigen Reformen wirklich noch<br />
sozial?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Was ist sozial? Die BRD lebt seit vielen Jahren<br />
über ihre Verhältnisse und finanziert das Soziale damit<br />
auf dem Rücken der Zukunft. Es muss uns wieder darum gehen,<br />
dass jeder einzelne die Chancen zur Beteiligung am Wirtschaftsleben<br />
und an der für ihn notwendigen Solidarität erhält.<br />
Und das heißt, der Staat muss die Regeln für das Wirtschaftsleben<br />
und die Sozialordnung ändern. Dieses tun auch alle Nachbarn<br />
in Europa. Die einen erfolgreicher, die anderen weniger erfolgreich<br />
und Deutschland muss an dieser Stelle deutlich engagierter vorangehen.<br />
Dazu ist die große Koalition aufgerufen und genau auf diesem<br />
Weg befindet sie sich jetzt.
</p>
<p>
<b>lucky:</b> Was geschieht eigentlich, wenn sich die<br />
Krankenkassen gegenüber der Politik quer stellen und diese<br />
Reform ablehnen beziehungsweise nicht umsetzen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Sie müssen sie umsetzen, wenn die Gesetzeskraft<br />
vorhanden ist. Sie haben dann etwa anderthalb Jahre Zeit, sich auf<br />
den Gesundheitsfond einzustellen. Durch den Einstieg in Wettbewerbsstrukturen<br />
und durch mehr Transparenz wird es auch bei den Kassen zu Veränderungen<br />
kommen, die den Patienten dienen.
</p>
<p>
<b>StefanH:</b> Die Gesundheitsreform ist wichtig, ja.<br />
Aber mir kommt es so vor, als wenn sich die Große Koalition<br />
an diesem Punkt geradezu aufhängt. Dabei gibt es wichtigere<br />
Probleme, wie z.B. das des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft. Ging<br />
man die Probleme des Landes vielleicht in der falschen Reihenfolge<br />
an?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Es ist in drei Problemkreisen derzeit dringender<br />
Handlungsbedarf: Wir müssen den Staatshaushalt sanieren, wir<br />
müssen für mehr Wachstum und einen zukunftsfähigen<br />
Sozialstaat reformieren und wir müssen in wesentliche Zukunftsbereiche<br />
wie Bildung, Forschung und Ausbildung noch mehr investieren. In<br />
der großen Koalition gibt es die Verabredung, dass in all<br />
diesen Bereichen durch kleine Schritte positive Veränderungen<br />
erreicht werden Auch die Gesundheitsreform wird Auswirkungen auf<br />
den Arbeitsmarkt haben, z.B. durch die langfristige Abkopplung der<br />
Dynamik der Gesundheitskosten von den Arbeitsmarktkosten. Und außerdem<br />
ist der Gesundheitsmarkt einer der größten Arbeitsmärkte<br />
in Deutschland also auch ganz konkret ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor.
</p>
<p>
<b>Shaber:</b> Wird es in der nächsten Legislaturphase<br />
eine neue Gesundheitsreform geben?
</p>
<p>
<b>Rosenflies:</b> Wann muss denn der Entwurf der Gesundheitsreform<br />
zum ersten Mal nachgebessert werden?
</p>
<p>
<b>Pfeil-Magazin:</b> Wird diese Reform beim nächsten<br />
Regierungswechsel nicht eh wieder abgesetzt und eine neue kommt?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Nach meiner Kenntnis gab es elf Reformen seit der<br />
Wiedervereinigung und sicher wird auch nach dieser Reform weiterer<br />
Reformbedarf bestehen. Wichtig ist, dass mit der Weichenstellung,<br />
die jetzt vorgenommen wird, die Effizienz des Gesundheitssystems<br />
deutlich gesteigert wird und dass die Rahmenbedingungen für<br />
Leistungserbringer Ärzte, Apotheken, Krankenhäuser und<br />
die Versicherten stabil sind. Beide Parteien, Union und SPD gehen<br />
davon aus, dass sie später auf diesem Kompromiss aufbauend<br />
ihre gesundheitspolitischen Vorstellungen umsetzen können.
</p>
<p>
<b>hubiffm:</b> Ich bin privat krankenversichert, aber<br />
ich denke, die gesetzliche Krankenversicherung und die PKV vermischen<br />
zu wollen (Annahmezwang in der PKV), das geht doch überhaupt<br />
nicht zusammen. Entweder man entzieht der PKV die Daseinsberechtigung<br />
gänzlich oder alles bleibt beim Alten und man nimmt Änderungen<br />
bei Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung vor.
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Wir wollen gerade nicht als Union die private Krankenversicherung<br />
in ihrem Bestand und in ihrer positiven Wirkung gefährden.<br />
Das war ein wichtiger Inhaltspunkt in der Auseinandersetzung mit<br />
der SPD. Durch die jetzt gefundenen Kompromisse wird im Gegenteil<br />
das Beispiel der privaten Krankenversicherung auch zum Orientierungspunkt<br />
für die gesetzliche Krankenversicherung.
</p>
<p>
<b>AngelaEngel:</b> Weshalb haben die Bürger Deutschlands<br />
den Eindruck, dass die SPD die Führung in der großen<br />
Koalition übernommen hat? Und warum ist unsere CDU/CSU dem<br />
Anschein nach so ins Hintertreffen geraten?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Angela Merkel trägt die Gesamtverantwortung<br />
für die Bundesregierung und muss in diesen schwierigen Politikfeldern<br />
am Ende vermitteln und auch das Ergebnis konsequent umsetzen. Der<br />
neue Bundesvorsitzende der SPD ist nicht in die Bundesregierung<br />
integriert und hat als Ministerpräsident die Möglichkeit<br />
einer anderen, manchmal auch differenzierteren Betrachtungsweise.<br />
Am Ende kommt es aber darauf an, dass die große Koalition<br />
insgesamt Erfolg hat und wenn sie einen Erfolg für Deutschland<br />
organisieren kann, dann wird das auch ein Erfolg für die Union<br />
und Angela Merkel sein.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Mit anderen Worten: Beck hat keine Verantwortung zu<br />
tragen und kann sich deshalb besser profilieren &#8211; auf Kosten der<br />
großen Koalition und der Union?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Das mag so sein. Am Ende ist es aber wichtig, dass<br />
hier nicht parteipolitisches Kalkül im Mittelpunkt steht, sondern<br />
das Wohl des Landes.
</p>
<p>
<b>Shaber:</b> Die FDP hat Umfrageergebnisse wie noch<br />
nie. Könnte es nach der nächsten Bundestagwahl rot-gelb<br />
heißen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Ich hoffe nicht. Die Enttäuschungen über<br />
die Kompromissschritte, die gegangen werden, sind natürlich<br />
insbesondere bei den bürgerlichen Wählern festzustellen.<br />
Es bleibt aber dabei: Die Union will im Besonderen die Reformen<br />
für mehr Wirtschaftsdynamik voranbringen und das ist im Ergebnis<br />
dann auch die Vorraussetzung, um den Sozialstaat zukunftsfähig<br />
zu erhalten. Leider gibt es in Deutschland noch Parteien, die lieber<br />
mit populär klingenden Aussagen den Eindruck vermitteln, als<br />
könnte der Sozialstaat rhetorisch gesichert werden, er muss<br />
aber von seinen Grundlagen her erarbeitet werden. Und das heißt:<br />
mehr Freiheit für den Einzelnen und auch mehr Freiheit für<br />
die Wirtschaft.
</p>
<p>
<b>Philipp1984:</b> Werden Sie bei der nächsten<br />
Landtagswahl erneut als Ministerpräsident kandidieren oder<br />
haben Sie bundespolitische Ambitionen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Nein, ich werde 2009 wieder als Kandidat für<br />
das Amt des Ministerpräsidenten antreten und hoffe auf Erfolg.
</p>
<p>
<b>Tante: </b>Warum hat die NPD Ihrer Meinung nach keine<br />
Chance, in den Landtag von Thüringen gewählt zu werden?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Wir müssen dafür arbeiten, dass sie nicht<br />
gewählt wird. Das heißt, wir müssen deutlich machen,<br />
dass diese rechtsradikale Partei weder ein Inhaltsprofil für<br />
eine freiheitliche Gesellschaft noch Personen hat, die glaubwürdig<br />
für die Demokratie stehen. Die NPD schadet der Demokratie und<br />
schadet dem Ruf eines Landes und wenn Wählerinnen und Wähler<br />
ihren Protest über die aktuelle Politik ausdrücken wollen,<br />
dann sollten sie die Alternativen im demokratischen Parteienspektrum<br />
nutzen oder sollten sich vor der Wahl &#8211; auch jetzt schon &#8211; in der<br />
Debatte mit uns über ihre Vorstellungen und unsere Möglichkeiten<br />
in der Politik austauschen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stimmen Sie mir zu. Insbesondere im Osten verlieren<br />
derzeit viele Menschen den Glauben an die Demokratie?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Das ist leider so. Zum Teil gibt es dafür<br />
persönliche Erfahrungsgründe: Lange Zeit arbeitslos zu<br />
sein erhöht nicht das Vertrauen in die handelnde Politik, aber<br />
genau da muss unsere gemeinsame Verantwortung über Parteigrenzen<br />
hinweg wahrgenommen werden. Die Demokratie ist wohl die schwierigste<br />
Staatsform, aber die einzige Staatsform, die dauerhaft Freiheit<br />
und soziale Gerechtigkeit sichern kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie kommt es in diesem Zusammenhang an, wenn Herr Tiefensee<br />
um weitere 15 Jahre Geduld bittet, was die Angleichung der Lebensverhältnisse<br />
im Osten an den Westen anbelangt?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Um Geduld zu bitten ist, so denke ich, für<br />
die Politik kein geeignetes Mittel. Politik muss Perspektiven aufzeichnen<br />
und muss durch konkretes Handeln die Menschen ermutigen und gleichzeitig<br />
ihnen ermöglichen, diese Perspektiven zu erreichen. Wir brauchen<br />
junge Menschen in diesem Land und durch langfristige Negativszenarien<br />
erreichen wir nicht, dass sich genau diese jungen Menschen hier<br />
einbringen.
</p>
<p>
<b>muc:</b> Wäre der erfolgreichere Weg, den Rechten<br />
das Wasser abzugraben, nicht eine Bundespolitik, die klare Perspektiven<br />
bietet und keinen Reform-Kompromiss-Hickhack, der alles noch schlimmer<br />
macht?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Klare Politikperspektiven sind wichtig, aber genau<br />
da liegt das Problem. Die Wählerinnen und Wähler haben<br />
im Jahr 2005 eben keine klare Entscheidung gefällt. Weder Union<br />
noch SPD können so ihre Programmatik eins zu eins umsetzen.
</p>
<p>
<b>SaschaDerichs:</b> Sind Sie für einen neuen Versuch,<br />
die NPD verfassungsrechtlich zu verbieten?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Ich bin kein Jurist. Ich denke, die politische<br />
Auseinandersetzung steht im Mittelpunkt und wenn eine juristische<br />
Auseinandersetzung erneut angestrengt werden soll, müsste der<br />
Erfolg gesichert sein. Sonst geht die NPD indirekt gestärkt<br />
aus einem solchen Verfahren hervor. Zu allererst muss die Demokratie<br />
lernen, mit den Gegnern der Demokratie durch politische Auseinandersetzung<br />
erfolgreich zu bleiben.
</p>
<p>
<b>Trollo:</b> Warum ziehen Sie gegen das Bürgerbegehren gegen das<br />
thüringische Erziehungsgesetz gerichtlich zu Felde? Glauben<br />
sie nicht an den mündigen Bürger?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Noch ist erstens die Entscheidung nicht gefällt<br />
und zweitens ist die Aussage des Verfassungsgerichtshofes sehr eindeutig:<br />
Volksbegehren sind nur möglich, wenn sie nicht deutlich in<br />
die Landeshaushaltsgesetzgebung eingreifen. Genau das wird geprüft<br />
und morgen wird entschieden. Es ist besser, die Rechtsfragen vor<br />
einem Volksbegehren zu beantworten als danach. Darin waren sich<br />
SPD, PDS und Union in der letzten Legislaturperiode einig.
</p>
<p>
<b>Mowo:</b> Was sagen Sie als ehemaliger Lehrer, Direktor<br />
und Kreisschulrat zur Diskussion um die &quot;Verwahrlosung&quot;<br />
der Schule in Deutschland? Und inwieweit ist es überhaupt möglich,<br />
an die Elternhäuser der &quot;Problemkinder&quot; heranzukommen?<br />
Denn viele Probleme würden doch durch mehr Kontrolle und Fürsorge<br />
durch die Eltern gelöst, oder?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Die Eltern zu stärken, ihnen zu helfen und<br />
sie auch zu fordern, ihre Erziehungspflicht wahrzunehmen, ist ganz<br />
entscheidend. Und deshalb ist es auch wichtig, dass in Deutschland<br />
dem Thema Erziehung wieder ein wichtiger Stellenwert zukommt. Über<br />
Jahrzehnte ist Eltern und auch Lehrern von bestimmten politischen<br />
Gruppen ausgeredet worden, als Autoritäten aktiv zu sein. Erziehung<br />
beginnt immer durch das konkrete Vorbild und deshalb brauchen wir<br />
auch eine enge Partnerschaft zwischen Lehrern und Eltern. Dort aber,<br />
wo die Eltern oder Alleinerziehende ihre Pflicht überhaupt<br />
nicht erfüllen, muss der Staat handeln, damit am Ende nicht<br />
die Kinder oder Jugendlichen die Leidtragenden sind. Außerdem<br />
ist es wichtig, dass wir im Besonderen dort, wo eine große<br />
Anzahl von ausländischen Mitschülerinnen und Mitschülern<br />
vorhanden sind, mehr für die Integration getan wird.
</p>
<p>
<b>Sagenhaft:</b> Stichwort Atomkraft: werden Sie es<br />
schaffen, das Wahlversprechen der SPD zu brechen und damit der Stromlobby<br />
entgegenzukommen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Deutschland ist mit Technologieführer auf<br />
diesem Gebiet und hat die modernsten und sichersten Atomkraftwerke.<br />
Es muss uns gelingen, dass in den nächsten Jahren und Jahrzehnten<br />
die regenerativen Energien stärker genutzt werden können,<br />
um damit sowohl die fossilen Energieträger als auch später<br />
die Atomenergienutzung einzuschränken und zu überwinden.<br />
Aus technischer Sicht ist die Diskussion in Deutschland nicht zu<br />
verstehen. Sie begründet sich fast ausschließlich ideologisch.
</p>
<p>
<b>AndreasKrug:</b> Eine Länderfrage: Die Union<br />
ist in Thüringen im Sturzflug, die SPD gewinnt an Boden. Glauben<br />
Sie an eine erneute absolute Mehrheit 2009, Herr Althaus?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Ich glaube nicht nur daran sondern ich arbeite<br />
dafür und wir stehen mitten in den notwendigen Umsetzungen<br />
unserer Politik. Ich denke heute nicht schon an Wahlen, sondern<br />
meine ganze Aufmerksamkeit dient dem Land und seiner weiteren positiven<br />
Entwicklung.
</p>
<p>
<b>Mage81:</b> Also ich finde, dass die &quot;Wähler&quot;<br />
eine klare Entscheidung getroffen haben, denn wir hatten ca. 50%<br />
Nichtwähler. Aber von den Politikern wurde dies wieder mal<br />
nicht als Problem erkannt.
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Doch. Das Problem der Nichtwähler ist genauso<br />
erkannt wie das Problem, dass sich die Wähler nicht entschieden<br />
haben. Nur die Konsequenz der Politik kann eben nicht sein, dass<br />
wir uns zurückziehen. Sondern wir müssen aus dem schwierigen<br />
Wahlergebnis eine handlungsfähige Mehrheit bilden und das ist<br />
jetzt die große Koalition. Alle Bürger in Deutschland<br />
tragen Verantwortung für die Demokratie auch für ihr Tun<br />
oder Lassen müssen sie sich rechtfertigen.
</p>
<p>
<b>E-tutor:</b> Herr Althaus, wie stehen Sie zu dem heute<br />
vorgenommen Atomwaffentest durch Nordkorea? Welche Konsequenzen<br />
wird dieses nach Ihrer Einschätzung haben?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Die internationale Staatengemeinschaft hat klare<br />
Absprachen getroffen, denen Nordkorea zuwider handelt. Die UNO und<br />
der Sicherheitsrat müssen sich deshalb mit diesen Atomwaffentests<br />
beschäftigen und einen Weg suchen, wie auch Nordkorea sich<br />
an diese internationale Abmachungen hält.
</p>
<p>
<b>hartes-hartz:</b> Sie wollen ja jetzt beim Arbeitslosengeld<br />
II die Bedingungen für die Arbeitsaufnahme verschärfen.<br />
Unterstützen Sie das? Wie viele Millionen Euro Einsparung versprechen<br />
Sie sich denn davon?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Im Gegenteil, wir wollen nicht die Bedingungen<br />
für die Arbeitsaufnahme verschärfen sondern wir wollen<br />
die Anreize für die Arbeitsaufnahme verstärken. Das gelingt<br />
auch dadurch, dass wir uns bemühen, dem Grundsatz zu folgen,<br />
dass diejenigen, die zumutbare Arbeit ablehnen, Sanktionen erhalten.<br />
Dies ist auch deshalb fair, weil viele in Deutschland für ihren<br />
Lebensunterhalt hart arbeiten und das häufig auch im Niedriglohnbereich.<br />
Es mag sein, dass der Ausgangspunkt der Diskussion auf Bundesebene<br />
die gestiegenen Ausgaben sind. Für mich ist es vielmehr die<br />
Frage, wie wir wieder mehr Menschen in reguläre Arbeit bekommen.<br />
Es kann uns nicht egal sein, wenn immer mehr Menschen ohne Möglichkeit,<br />
durch eigene Arbeit die Existenz zu sichern, letztlich in eine vollkommene<br />
Abhängigkeit von der öffentlichen Hand geraten.
</p>
<p>
<b>Philipp1984: </b>Von Seiten der SPD (Struck, Beck)<br />
wird oft gegen Frau Merkel gestichelt und Ihre Autorität in<br />
der Partei in Frage gestellt. Warum stärken die Unions-Ministerpräsidenten<br />
ihr nicht demonstrativ den Rücken, um Geschlossenheit zu demonstrieren?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Ich bin da sicher der Falsche, der diese Frage<br />
beantworten muss, weil ich die Auffassung teile, dass wir Angela<br />
Merkel in ihrer schwierigen Aufgabe den Rücken stärken<br />
müssen. Ich sage das nicht nur wegen Angela Merkel und ihrer<br />
Funktion, sondern im Besonderen wegen der schwindenden Akzeptanz<br />
der Demokratie und ihrer Verfahren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Teilen Sie denn den Befund, dass ihr von den Ministerpräsidenten<br />
nicht demonstrativ der Rücken gestärkt wird?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Nein, die Sozialdemokraten haben ja das Pech &#8211;<br />
oder das Glück aus ihrer Sicht, dass sie kaum Ministerpräsidenten<br />
haben und deshalb ist es ein besonderer Wert, dass die Union in<br />
Berlin die Hauptverantwortung trägt aber dazu auch noch in<br />
elf Ländern. Und es hat in den letzten Monaten seit Bestehen<br />
der Bundesregierung nicht ein einziges Bundesratsverfahren gegeben,<br />
das Ministerpräsidenten nicht im Sinne der Bundesregierung<br />
entschieden hätten.
</p>
<p>
<b>Baumann:</b> Herr Ministerpräsident, hat die<br />
Bundeskanzlerin als ostdeutsche Politikerin eine ganz besondere<br />
Aufgabe zu erfüllen, der sie eigentlich gar nicht gerecht werden<br />
kann?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Sie trägt die Erfahrungen aus der DDR-Zeit<br />
und auch aus der Wendezeit mit sich. Und sie wirkt im Besonderen<br />
auch für das Zusammenwachsen in Deutschland. Es ist ein Beweis<br />
für den Fortschritt bei der deutschen Einheit, dass in der<br />
Union sowohl die Führung der Partei als auch die Kanzlerschaft<br />
durch eine Ostdeutsche wahrgenommen wird. Hier haben andere Parteien<br />
noch erheblichen Nachholbedarf.
</p>
<p>
<b>Trollo:</b> Wo wird Deutschland am Ende der Legislaturperiode wirtschaftlich<br />
und gesellschaftlich stehen?
</p>
<p>
<b>Dieter Althaus:</b>: Schwere Frage. Ich hoffe, dass wir durch die Reformen<br />
den jetzt sichtbaren Wirtschaftaufschwung Rückenwind verleihen<br />
können. So dass die Arbeitslosigkeit weiter sinkt, die Zukunftsfähigkeit<br />
der Sozialsysteme verbessert ist und der Standort Deutschland international<br />
und national, das heißt auch für junge Menschen wieder<br />
attraktiver wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Wir bedanken uns bei allen, die mitgemacht haben. Unsere Bitte um<br />
Verständnis an jene, die wir heute mit ihrer Frage nicht berücksichtigen<br />
konnten. Unser besonderer Dank gilt Dieter Althaus, der sich für<br />
uns Zeit genommen hat. Der nächste Chat findet am Montag, dem<br />
16. Oktober statt. Unser Gast ist dann ab 16.00 Uhr der Präsident<br />
der Deutschen Forschungsgesellschaft, Ernst-Ludwig Winnacker. Das<br />
letzte Wort gehört Ihnen, Herr Althaus.
</p>
<p><b>Dieter Althaus:</b> Es waren spannende und vielfältige<br />
Fragen, die beweisen, wie viele Menschen interessiert sind an den<br />
aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen. Ich ermuntere sie auch<br />
weiterhin: Bleiben sie aktiv, die Demokratie, wir alle brauchen<br />
sie. Vielen Dank.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/geschlossenheit-und-loyalitaet-zur-fuhrung-sind-entscheidend-125/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Das &#8220;Wie&#8221; und nicht mehr nur das &#8220;Was&#8221; des Lernens&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdas_quotwiequot_und_nicht_mehr_nur_das_quotwasquot_des_lernensquot-126/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdas_quotwiequot_und_nicht_mehr_nur_das_quotwasquot_des_lernensquot-126/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Sep 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[E-Learning]]></category>
		<category><![CDATA[Social Software]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsblog]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Mosel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotdas_quotwiequot_und_nicht_mehr_nur_das_quotwasquot_des_lernensquot-126/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Montag, 25. September, 
war Stephan Mosel, eTeaching Experte und Betreiber des Bildungsblogs, 
zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a> 
Live-Chat<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Er 
sprach mit den Nutzern über Social Software und neue Möglichkeiten 
des Lernens.</span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Montag, 25. September,<br />
war Stephan Mosel, eTeaching Experte und Betreiber des Bildungsblogs,<br />
zu Gast im <a href="http://www.e-teaching.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Teaching.org</a><br />
Live-Chat<span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de. Er<br />
sprach mit den Nutzern über Social Software und neue Möglichkeiten<br />
des Lernens.</span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Nutzerinnen und<br />
Nutzer von E-Teaching.org, willkommen zum E-Teaching.org Live-Chat.<br />
Zu Gast ist Stephan Mosel, Social Software-Experte und Betreiber<br />
des Bildungsblogs. Einen schönen guten Tag nach Tübingen<br />
und vielen Dank, dass Sie Zeit für uns haben. Können wir<br />
beginnen?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Ja ich bin soweit.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Einstieg eine grundsätzliche<br />
Frage: Was genau ist eigentlich Social Software?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Social Software ist ein relativ<br />
weiter Begriff. Im weitesten Sinne ist es Software, die die Kommunikation<br />
und Interaktion zwischen UserInnen ermöglicht. In einer etwas<br />
engeren Definition dient sie auch der gegenseitigen Vernetzung und<br />
macht diese Netzwerke die entstehen können auch sichtbar.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Welche Formen, die man im Netz beobachten<br />
kann, zählen dazu?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Im weiteren Sinne ist Social Software<br />
auch E-Mail, Instant Messaging, VoIP usw. Im engeren Sinne handelt<br />
es sich dabei beispielsweise um Wikis, Weblogs, Social Bookmark<br />
Manager, Photo-Sharing Plattformen oder Social Networking Portale.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Inwiefern grenzt sich denn Social Software<br />
gegenüber normaler Software ab?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Wenn man jetzt von der engeren<br />
Definition ausgeht, steht die Interaktion und Community-Bildung<br />
im Vordergrund. Und es ist möglich, die Netzwerke zu visualisieren,<br />
also die Zugehörigkeit zu einer Themengruppe oder Community.
</p>
<p>
<b>Bussy65:</b> Ist Social Software nicht eigentlich<br />
nur ein Hype? Was ist wirklich essentiell neu?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Bis zu einem gewissen Grad bezeichnet<br />
der Begriff in der Tat Dinge, die schon da waren oder auch den ursprünglichen<br />
Charakter des Internets ausmachen. Denken Sie zum Beispiel an die<br />
Möglichkeit, in Forschungseinrichtungen Informationen weitergeben<br />
zu können. Oder an das Usenet. Neuartig erscheint mir dabei,<br />
dass es für immer mehr NutzerInnen möglich wird, Social<br />
Software zu nutzen, ohne dass sie HTML beherrschen müssen oder<br />
wissen, wie man eine Webseite erstellt. Das wird durch Personal<br />
Publishing Systeme, Weblogs, Wikis, Social Bookmark Manager usw.<br />
bedeutend einfacher.
</p>
<p>
<b>Alexander B.:</b> Was unterscheidet Social Software<br />
zu früherer Kommunkationssoftware wie Newsgroups, IRC, Bulletinboards?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Der Unterschied liegt darin, dass<br />
die Relationen zwischen UserInnen sichtbarer werden und zur Entstehung<br />
mehr oder minder loser Netzwerke führen. Denken Sie zum Beispiel<br />
an die gegenseitige Vernetzung durch Blogrolls oder mittels Social<br />
Networking Portalen. Weiterhin geben viele Tools die Möglichkeit,<br />
eine personengebundene virtuelle Präsenz zu etablieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die nächste Frage kommt im Doppelpack:
</p>
<p>
<b>lummerland:</b> Kommen Social Software Apologeten<br />
nicht langsam in Zugzwang? Alle reden drüber, aber zu sehen<br />
gibt es nicht wirklich viel.
</p>
<p>
<b>Hasenchart</b>: Warum wurde der Begriff Social Software<br />
jetzt erst entdeckt? Die meiste Software die genannt wurde gibt<br />
es doch schon länger.
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Ich denke das Social Software eine<br />
neue Art und Weise, wie das Internet auch von einer nun größeren<br />
Zahl von UserInnen genutzt wird, bezeichnet. Gerade im Bereich von<br />
Weblogs, Wikis, Social Networking Sites usw. reden wir von einem<br />
Phänomen, das in der Breite der Nutzung noch so alt nicht ist.<br />
Die Nutzung nimmt nach wie vor stark zu. So ist zwar die Wikipedia<br />
relativ vielen NutzerInnen bekannt, andere Wikis werden aber noch<br />
eher selten verwendet.
</p>
<p>
<b>patricia:</b> Welche Kompetenzen braucht man um Social<br />
Software erfolgreich bedienen zu können. Soziale E-Kompetenz?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Ja. Ich denke, dass sich diese<br />
nach und nach herausbildet. Die Nutzung von Social Software und<br />
die dafür erforderlichen Kompetenzen scheinen da in einer Art<br />
Wechselwirkung zueinander zu stehen.
</p>
<p>
<b>Dosenfutter:</b> Was hat Social Software mit Bildung<br />
zu tun? Können Sie ein praktisches Beispiel nennen?
</p>
<p>
<b>Dieter Horn:</b> Wie hoch schätzen Sie den pädagogischen<br />
Nutzen dieser Software für das E-Teaching ein?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Im Bildungsbereich werden momentan<br />
meist eher geschlossene Course Management Systeme genutzt. Diese<br />
sind eng an eine Veranstaltung mit einem geschlossenen Personenkreis<br />
und einem bestimmten Thema verbunden. Social Software hingegen macht<br />
es einfacher, auch außerhalb dieser geschlossenen Räume<br />
zu lernen und orientiert sich eher an Personen und Themen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Können Sie noch einmal kurz auf<br />
den Zusammenhang von Social Software und Bildungsarbeit eingehen?
</p>
<p>
<b>Dunja:</b> Lässt sich diese Art von Software<br />
auch für Lernprozesse einsetzen?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Social Software kann dem kooperativen<br />
Lernen dienen, welches auch außerhalb einer bestimmten Veranstaltung<br />
stattfindet. So wird es möglich, Netzwerke mit einem dauerhaften<br />
Interesse an bestimmten Themen zu bilden. Der (virtuelle) Seminarraum<br />
ist kein geschlossener Raum mit einer festen Teilnehmergruppe mehr<br />
und definiert sich nicht mehr durch die Form einer geschlossenen<br />
Veranstaltung.
</p>
<p>
<b>joker:</b> Wie vertragen sich dann &quot;offene Tools&quot;<br />
und &quot;offene Räume&quot; mit &quot;vorstrukturierten&quot;<br />
Lehrformen?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Da muss man unterscheiden, wie<br />
die vorstrukturierten Lehrformen denn genutzt werden und was ihr<br />
Ziel ist. Im Falle von Zertifizierung oder abstrakten Inhalten ist<br />
Social Software nicht von so großer Bedeutung. Sie hat ihren<br />
Stellenwert bei längerfristigem Interesse an einem Thema oder<br />
Themenkomplex.
</p>
<p>
<b>Olafski:</b> Sehen Sie Möglichkeiten, beide Komponenten<br />
(Social Software und geschlossene Gruppen) miteinander zu verbinden?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Das ist eine schwere Frage. Ich<br />
denke es ist dann sinnvoll, wenn beispielsweise im Rahmen einer<br />
Einführung ein Thema behandelt wurde, mit dem sich die Teilnehmerinnen<br />
und Teilnehmer auch in Zukunft noch beschäftigen werden, auch<br />
wenn die Veranstaltung schon lange vorbei ist.
</p>
<p>
<b>Dunja: </b>Kann Social Software denn für informelles<br />
Lernen genutzt werden?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Darin scheint mir eine besondere<br />
Stärke von Social Software zu liegen! Gerade wenn wir von Wissensinhalten<br />
und Lernprozessen sprechen, die einen sozialen Charakter in dem<br />
Sinne haben, dass es weniger um absolut richtig oder falsches Wissen,<br />
als auch um Einschätzungen und Rezeption von Inhalten geht.<br />
Dies ist oft ein sozialer Prozess der Bedeutungsfindung.
</p>
<p>
<b>Dunja:</b> Wie lässt sich denn Social Software<br />
ganz konkret integrieren? Also zu jeder Lehrveranstaltung am besten<br />
ein Gruppen-Weblog? Oder Fakultäten-Blogs? Oder lieber auf<br />
die Selbstorganisation der Studierenden setzen?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Konkret erscheint es mir nicht<br />
so sinnvoll, Social Software allzu eng an einzelne Lehrveranstaltungen<br />
zu binden. Interessanter ist da die Etablierung von Communities<br />
of Practice zu einem bestimmten Interesse oder Themenkomplex als<br />
zu einer bestimmten Veranstaltungsform.
</p>
<p>
<b>ieasy:</b> Gibt es bei den großen deutschen<br />
Bildungsinstitutionen eher wohlwollende Haltung gegenüber Onlinebildung<br />
oder Vorbehalte?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Ich habe den Eindruck, dass E-Learning<br />
bzw. blenden Learning vermehrt eingesetzt wird. Oft handelt es sich<br />
aber wie erwähnt eher um geschlossene Course Management Systeme<br />
zu einer bestimmten Veranstaltung, welche hierarchisch organisiert<br />
sind.
</p>
<p>
<b>mschiefner:</b> Verändert Ihrer Meinung nach<br />
Social Software &#8211; vor allem Blogs &#8211; das Kommunikationsverhalten?<br />
Wie genau können partizipative Diskurse angeregt werden, ohne<br />
dass ein Teil der Menschen nur zu den &quot;Lurkern&quot; gehört?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Ich denke das Kommunikationsverhalten<br />
ändert sich erheblich, da man die Erfahrung macht, eben nicht<br />
mehr nur Rezipient von Informationen im Web zu sein. Sondern mittels<br />
Weblogs und Wikis auch sehr leicht selbst zum Autor werden und etwas<br />
beitragen kann. Dass es mehr Lurker als Content-ProduzentInnen gibt,<br />
finde ich da nicht so schlimm.
</p>
<p>
<b>rik: </b>Ist es ein Merkmal von Social Software, dass<br />
sie vom User auch als solche wahrgenommen werden muss oder &quot;wirkt&quot;<br />
sie auch dann, wenn sich der User quasi &quot;verweigert&quot;,<br />
also zum Beispiel zwar ein Blog führt, aber keine Blogroll?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Eine Blogroll ist ja nur eines<br />
von vielen Merkmalen der gegenseitigen Vernetzung mittels Weblogs.<br />
Ich halte sie nicht für zwingend erforderlich. Natürlich<br />
können Weblogs aber auch geführt werden ohne dass man<br />
ein erhebliches Interesse an gegenseitiger Vernetzung hat.
</p>
<p>
<b>mschiefner:</b> Wie sehen Sie die Möglichkeiten,<br />
mit Social Software auch Soft Skills zu vermitteln? Ist dies mit<br />
Software möglich, oder braucht es den direkten menschlichen<br />
Kontakt?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Also muss die Commnuity beziehungsweise<br />
die NutzerInnen selbst eine Etiquette etablieren. Oft kommt es ja<br />
auch zu Treffen im realen Raum, die aufgrund gemeinsamer Interessen,<br />
die aus dem Networking mittels Social Software hervorgingen.
</p>
<p>
<b>eiger:</b> Muss sich für solche Communities of<br />
Practice nicht erst eine &quot;Kultur&quot; entwickeln, also ein<br />
längerer Lernprozess stattfinden?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Ich denke das bedingt sich gegenseitig.<br />
Der Wandel der Lernkultur in diesem Bereich geht parallel einher<br />
mit der Nutzung von Social Software.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen zur Motivation, an Social<br />
Software teilzuhaben:
</p>
<p>
<b>joker: </b>Hm, wenn wir über Einsatz in Lehrveranstaltungen<br />
reden, sind dann alle Studien willens &quot;Autoren&quot; zu werden.<br />
Wie schaffe und erhalte ich dazu die Motivation?
</p>
<p>
<b>Oska:</b> Viele Schüler sind ja nicht grade motiviert,<br />
zu lernen. Können Onlinemedien Ihrer Meinung hier Abhilfe schaffen?<br />
Durch welche Motivation?
</p>
<p>
<b>Katja:</b> Ich habe den Eindruck, dass sich eigentlich<br />
nicht so viel ändert: zwar ist Social Software leicht zu bedienen,<br />
aber es ist immer noch nur ein winziger Prozentsatz, der zum Beispiel<br />
an Wikis mitschreibt. Wie motiviere ich also zum Beispiel auch gerade<br />
im Bildungsbereich zur aktiven (!) Nutzung?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Die Motivation ist nicht über<br />
Nacht &quot;einfach da&quot;. So kann man dies zum Beispiel in kleineren<br />
Schritten lernen. Einen kurzen Blogeintrag zu schreiben oder einen<br />
Satz in einem Wiki zu ergänzen beispielsweise. Wichtig erscheint<br />
mir, dass der/die NutzerIn selbst einen Vorteil von der Nutzung<br />
erfährt und sie daher nicht als reine Belastung oder Zwang<br />
erlebt.
</p>
<p>
<b>Suppenkasper: </b>Wie sind die Lehrer denn gegenüber<br />
den Möglichkeiten der Bildung mit Hilfe Neuer Medien eingestellt?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Lehrer im Bezug auf Schule wenden<br />
soweit mir bekannt ist bislang wenig Social Software an. Das kann<br />
einerseits daran liegen, dass da noch nicht die erforderlichen Kompetenzen<br />
und Ressourcen zur Verfügung stehen. Andererseits scheint mir<br />
Social Software auch dann von eher geringer Bedeutung, wenn es um<br />
feste Lehrpläne und Curricula geht, die dann mit einem Test<br />
und einer Note abgeschlossen werden. Die Stärke von Social<br />
Software kommt dann zum Tragen, wenn es auch um das &quot;Wie&quot;<br />
und nicht mehr nur um das &quot;Was&quot; des Lernens geht.
</p>
<p>
<b>maho: </b>Gibt es über die Altersstruktur von<br />
Social-Software-Anwendern bereits Erfahrungswerte bzw. empirische<br />
Studien? Ist dies nicht nur etwas für die sogenannte „Digital<br />
Natives“ (insbesondere bezogen auf Blogs, Wikis, Podcasting<br />
etc.)?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Soweit mir bekannt ist, sind NutzerInnen<br />
von Social Software in der Tat bei eher jüngeren NutzerInnen<br />
anzutreffen. Ob sich das Konstrukt von &quot;Digital Natives&quot;<br />
allerdings halten lässt, erscheint mir fraglich.
</p>
<p>
<b>Bussy65:</b> Wie kann man Social Software als Bildungsinstrument<br />
in Firmen benutzen?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Dies könnte man beispielsweise<br />
nutzen, indem Berichte oder Kontakte zwischen Mitarbeitern nicht<br />
nur in eher isolierten Word-Dokumenten festgehalten werden. Sondern<br />
eben im Intranet eine Möglichkeit finden, diese beispielsweise<br />
dort abzulegen und auch gegenseitig zu kommentieren.
</p>
<p>
<b>gastmart:</b> Wie sehen sie den Zusammenhang von Medienkompetenz<br />
und Social Software?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Social Software erfordert ein gewisses<br />
Verständnis der kooperativen Produktion von Inhalten und Wissen.<br />
Diese aber kann sich letztendlich erst durch die Nutzung und auch<br />
das herumexperimentieren mit Social Software etablieren.
</p>
<p>
<b>eiger:</b> Gibt es eine Art „Best Practice Toolkit“<br />
für den Einsatz im Bildungswesen? Wie findet man heraus, was<br />
am besten für den eigenen Bedarf geeignet ist? Gerade wenn<br />
das nötige technische Verständnis nicht vorhanden ist?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Das ist sehr fall-spezifisch. Zunächst<br />
müsste geklärt werden, ob es eher um die Produktion gemeinsamer<br />
Inhalte geht oder die Etablierung von Netzwerken. So kann man zum<br />
Beispiel eine Social-Networking-Plattform wie OpenBc zur Vernetzung<br />
nutzen oder aber man setzt eben ein eigenes Wiki oder Weblog auf,<br />
um Texte zu produzieren.
</p>
<p>
<b>Dunja:</b> Halten Sie es für sinnvoll, wenn Social<br />
Software-Komponenten wie Weblogs oder Wikis als Add-on Funktionalität<br />
in geschlossenen Lern-Management-Systemen angeboten werden?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Dies kann zu Beginn der Auseinandersetzung<br />
mit Social Software durch die Teilnehmenden sinnvoll sein. Denn<br />
so kann man eher mal rumtesten und ausprobieren, ohne eine potentiell<br />
weltweite Leserschaft zu haben. Die breiteste Wirkung entfaltet<br />
Social Software aber dann, wenn sie allgemein über das Internet<br />
einer möglichst großen Gruppe von Interessenten gegenüber<br />
offen ist.
</p>
<p>
<b>Peter:</b> Was ist das Erfolgsrezept, um Social Software<br />
zu etablieren. Was ist die &quot;kritische Teilnehmermasse&quot;?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Das kann man so absolut nicht beantworten.<br />
Je spezifischer ihr Interesse ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit,<br />
auf möglichst großen, offenen Plattformen Personen mit<br />
ähnlichen Interessen zu finden.
</p>
<p>
<b>Suppenkasper:</b> Spielt E-Learning für Deutschland<br />
eine große Rolle? Wie sieht die Nutzung in unseren europäischen<br />
Nachbarstaaten aus?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Zum Stand des E-Learning allgemein<br />
im europäischen Vergleich kann ich nur wenig sagen. Bei der<br />
Nutzung von Weblogs scheint Deutschland im Vergleich eher klein<br />
dazustehen, aber die deutsche Wikipedia ist beispielsweise die größte<br />
regionalisierte Wikipedia, also mit einer anderen Sprache als englisch.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In Bezug auf den Bildungssektor:
</p>
<p>
<b>Dosenfutter:</b> Was kann &quot;online&quot;, was<br />
&quot;offline&quot; nicht vermag?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Online können Sie Personen<br />
mit ähnlichen spezifischen Interessen finden, die es in ihrem<br />
direkten Umfeld vielleicht nicht gibt. Ebenso können Sie durch<br />
die Transparenz dieser Netzwerke dann Bekannte von Bekannten im<br />
Web finden, die ähnliche Ambitionen haben. Social Software<br />
kann auch im Bezug auf die schiere Fülle von Information im<br />
Web eine Art Filterfunktion haben. So finden Sie dann eher das,<br />
was sie auch interessiert. Ein Link-Tipp kann da zum Beispiel unter<br />
Umständen ergiebiger sein als eine Suche mit Suchmaschinen.
</p>
<p>
<b>Dunja:</b> Wenn Social Software neue Freiheitsgrade<br />
eröffnet, gibt es doch sicher auch neue Probleme. Was kann<br />
denn schief gehen?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Das alte Problem lautet natürlich<br />
Spam. Je offener eine Plattform ist, desto eher wird dort auch versucht,<br />
Spam abzuladen. Weiterhin muss Personen an den Inhalten messen die<br />
von ihnen sichtbar werden, was aber dem zugrunde liegende Motive<br />
nicht unbedingt sichtbar macht. Last but not least gibt es nur wenig<br />
inhaltliche Kontrolle. Sie müssen User-generierte Inhalte also<br />
stets kritisch prüfen.
</p>
<p>
<b>Raffael Noer:</b> Mittlerweile finde ich, dass durch<br />
Social Software zu viele (nicht brauchbare) Informationen produziert<br />
werden. Wie kann man die Inhaltsqualität erhöhen?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Wenn Sie NutzerInnen von Personal-Publishing-Systemen<br />
mit usergenerated Content haben, ist dies ein zwangsläufiger<br />
Effekt. Hier kommen dann eben die Filterfunktionen von zum Beispiel<br />
Social Bookmark Managers oder Weblogs zum Tragen. Oder aber Site<br />
wie Slashdot oder digg.com, die Ihnen anzeigen, welche Inhalte andere<br />
UserInnen als besonders relevant erachten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen zu Wikis als Social Software:
</p>
<p>
<b>__Must__: </b>Welche Rolle spielen Wikis in der Bildung?<br />
Gibt es Ihrer Meinung nach Bereiche, in denen Wikis im Bildungsbereich<br />
nicht geeignet sind?
</p>
<p>
<b>Fragensteller:</b> Macht Social Software auch dann<br />
Sinn, wenn es sich um Willensbildungsprozesse handelt? Wie kann<br />
man hier mit Hilfe von Wikis auf ein &quot;richtiges&quot; Ergebnis<br />
kommen?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Wikis scheinen mir dann wenig geeignet,<br />
wenn es darum geht, auch die Identitäten der NutzerInnen sichtbar<br />
zu machen. So lassen sich Inhalte in Wikis eher mühsam einzelnen<br />
AutorInnen zuschreiben. Sinnvoll sind Wikis dann, wenn gemeinsam<br />
Inhalte gesammelt werden, die sich aus vielen kleineren Fragmenten<br />
zusammensetzen. Die Frage nach den Willensbildungsprozessen habe<br />
noch nicht ganz verstanden.
</p>
<p>
<b>Nuch:</b> Gibt es nennenswerte staatliche Förderprogramme<br />
für E-Learning, oder wer sind die Hauptakteure?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Da bin ich gerade überfragt.<br />
E-Learning an Unis wird forciert, und die Unis müssen hierfür<br />
Gelder investieren. Social Software und E-Learning sind aber zwei<br />
verschiedene Dinge, so kommt ja beileibe nicht in jedem E-Learning<br />
Szenario auch Social Software zum Einsatz.
</p>
<p>
<b>Bussy65:</b> Wagen Sie eine Prognose für die<br />
Konsequenzen im Bildungssystem, die aus der Einführung von<br />
Social Software resultieren werden? Wie sieht das elektronische<br />
Bildungssystem in Deutschland in zehn Jahren aus?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Zehn Jahre sind eine lange Zeit.<br />
So scheinen mir die Entwicklungen im Bereich der Social Software<br />
in den letzten drei Jahren schon erheblich. Zu hoffen bleibt, dass<br />
die Entwicklung mehr in Richtung offener, nachhaltiger Netzwerke<br />
geht, welche nicht an eine feste Veranstaltungsform gebunden sind.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie sind ja als Betreiber des Bildungsblogs<br />
auch mit der Praxis gut vertraut. Hierzu ein paar konkrete Fragen:
</p>
<p>
<b>ieasy: </b>Welche Funktionen können Weblogs denn<br />
in der Bildung einnehmen?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Weblogs dienen der Etablierung<br />
einer virtuellen Präsenz und machen ihre AutorInnen als Personen<br />
sichtbar. Weiterhin kann das Schreiben von Weblogs einen reflexiven<br />
Charakter haben, und man begegnet relativ schnell vielen Menschen<br />
mit ähnlichen Interessen. Das BildungsBlog ist da ja als Community-Blog<br />
eine Besonderheit, da es eine Art Sammelpunkt für verschiedene<br />
Personen ist und durch Link-Hinweise eine Filterfunktion ausübt<br />
und vielleicht ein gutes &quot;Sprungbrett&quot; zu themenrelevanten<br />
Inhalten im WWW ist.
</p>
<p>
<b>Dunja: </b>Was war für Sie das Motiv, mit dem<br />
Bloggen anzufangen?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Ich glaube das war eine Mischung<br />
aus Langeweile vor den etablierten Medien im Netz, den großen<br />
Portalen und statischen Seiten. Durch das Bloggen habe ich dann<br />
in relativ kurzer Zeit viel Feedback bekommen und viele Kontakte<br />
zu Menschen mit ähnlichen Interessen geknüpft.
</p>
<p>
<b>Dunja:</b> Wie ist denn die Geschichte vom Bildungsblog?<br />
Hat es als Einzelaktivität angefangen? Und ab wann haben andere<br />
Personen angefangen, sich dafür zu interessieren bzw. selbst<br />
mitzuschreiben?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Das ist eigentlich aus reinem Zufall<br />
entstanden. Als der Weblog-Hoster twoday.net in Österreich<br />
im Beta-Betrieb gestartet ist, habe ich eben ein Weblog zum Testen<br />
angelegt. Und es sollte ein Themen-Weblog sein, da ich schon ein<br />
persönliches Blog hatte. Nur waren damals deutschsprachige<br />
Hoster noch eher selten. Dann habe ich da gesehen, dass es die Möglichkeit<br />
gibt, das Bildungsblog jedem als Autor zugänglich zu machen,<br />
und war von dieser Funktion sofort begeistert. Es sollte auch so<br />
ein Einstiegspunkt für Leute sein, die kein eigenes Blog haben,<br />
aber wohl etwas interessantes zu sagen haben, das auch von anderen<br />
gehört werden sollte.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage von aGog:
</p>
<p>
<b>aGog: </b>Sie sagten, Sie haben schnell Kontakt zu<br />
anderen Menschen bekommen &#8211; lag das daran, dass Sie sehr früh<br />
dran waren, oder würde das genauso auch heute noch klappen?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Das ist eine gute Frage! Ich glaube<br />
der Zeitpunkt war schon recht günstig. Heute erscheint es mir<br />
aufgrund der Menge an Weblogs etwas schwieriger. Dennoch denke ich,<br />
dass dauerhaftes Bloggen auf jeden Fall so oder so relativ schnell<br />
zu Kontakten mit ähnlichen Interessen führt. Man macht<br />
sich beim Lesen eines Weblogs recht schnell Gedanken zur dahinter<br />
stehenden Person, so meine Erfahrung.
</p>
<p>
<b>joker: </b>Wen beziehungsweise wie viele erreichen<br />
Sie denn damit?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Das ist nur schwer messbar. Soweit<br />
mir bekannt ist, dürften es im Falle des BildungsBlogs vielleicht<br />
einige wenige hundert Menschen sein, die dort mehr oder minder regelmäßig<br />
hereinschauen. Im Falle meiner anderen Weblogs sind es mehr. Aber<br />
diese haben weniger eng umrissene Themen, die nicht fachlicher Natur<br />
sind.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Für wie wichtig halten Sie die<br />
Persönlichkeit, die in die Blogbeiträge einfließt,<br />
für den Erfolg des Weblogs?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Um dauerhaft gelesen zu werden,<br />
erscheint mir das recht wichtig. Ein Weblog ist ja eher selten ein<br />
Community-Blog. Die meisten Blogs haben einen Autor. Da macht man<br />
sich natürlich auch ein Bild von der Person hinter dem Computer.
</p>
<p>
<b>Dunja:</b> Was ist das Besondere an einem Gruppenblog?<br />
War von Anfang an klar, dass das Bildungsblog kein Einzelkämpfer-Projekt<br />
werden sollte?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Ja, das war von Anfang an klar.<br />
Ein offenes Gruppenblog hat den Vorteil: Man kann auch etwas einstellen,<br />
wenn man gar kein eigenes Blog hat oder haben möchte. Und falls<br />
man schon eines hat, erreicht man mit dem BildungsBlog vielleicht<br />
noch mal ganz andere Leute als die Leserschaft des eigenen Blogs.
</p>
<p>
<b>Dunja:</b> Welche Vorteile hat für Sie das Netzwerken<br />
über das Bildungsblog?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Erst einmal ist ein Vorteil, dass<br />
die Inhalte quasi zu mir kommen:) Es macht Spaß Neues im eigenen<br />
Blog zu lesen. Weiterhin trifft man eben recht schnell auf neue<br />
Kontakte mit ähnlichen Interessen.
</p>
<p>
<b>patricia:</b> Wie wichtig ist, wenn man mit Blogs<br />
Erfolg haben möchte, die Stilfrage? Muss man dazu erst einmal<br />
das Schreiben lernen?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Wenn man Blogs im Kontext des Lernens<br />
und Netzwerkens einsetzen möchte, erscheint mir eine gewisse<br />
Stilsicherheit unabdingbar! Dafür ist ein Mindestmaß<br />
an „Digital Literacy“ erforderlich.
</p>
<p>
<b>Dunja:</b> Mit welchen Fallen und Hürden müssen<br />
Neulinge rechnen, die sich in der Blogosphäre umtun wollen?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Zunächst einmal muss man etwas<br />
herumexperimentieren, um den eigenen Stil zu finden. Weiterhin kann<br />
Kritik durch andere Weblog-AutorInnen mitunter etwas heftig ausfallen.
</p>
<p>
<b>ReGina:</b> Sie schrieben vorhin, dass Weblogs im<br />
Vergleich zur Wikipedia bei weitem nicht so angenommen werden. Haben<br />
Sie dafür eine Erklärung?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Nicht wo wirklich. Man sollte sich<br />
da hüten, von &quot;typisch deutsch&quot; zu sprechen. Vielleicht<br />
erleben sich aber die AutorInnen von Weblogs etwas exponierter als<br />
in Wikis, und haben Bedenken Fehler zu machen.
</p>
<p>
<b>patricia:</b> Was sind die Erfolgsfaktoren von Blogs?<br />
Fleiß, das richtige Network, das richtige Thema zur richtigen<br />
Zeit?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Mir scheint es wichtig, dass man<br />
relativ regelmäßig etwas schreibt, und sich mit Gleichgesinnten<br />
durch gegenseitige inhaltliche Bezüge wie auch durch Blogrolls<br />
u.ä. vernetzt.
</p>
<p>
<b>Dunja:</b> Was sind die spannendsten Aspekte der Blogosphäre?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Das spannendste scheint mir zu<br />
sein, dass es eben für immer mehr Personen immer leichter wird,<br />
selbst Inhalte zu transportieren, die auch von anderen gefunden<br />
und gelesen werden. Eine redaktionelle Kontrolle findet nicht mehr<br />
statt.
</p>
<p>
<b>Raffael Noer:</b> Wie viele aktive, offene Blogs und<br />
Wikis gibt es eigentlich schätzungsweise im Bildungsbereich?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Da fehlen mir die Zahlen. In Deutschland<br />
scheint die Szene noch relativ überschaubar zu sein. Unlängst<br />
wurde im WeiterbildungsBlog eine Liste mit 20 deutschsprachigen<br />
Edu-Blogs veröffentlicht, die mir ein guter Einstiegspunkt<br />
zu sein scheint.
</p>
<p>
<b>Backenfutter:</b> Es gibt doch dieses neue Modewort<br />
Edublogging. Könnten Sie mir das mal bitte erklären?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Edublogging ist letztendlich nichts<br />
anderes als der Versuch, Weblogs im Bildungsbereich nutzbar zu machen.<br />
Das können Sie unterscheiden zwischen Weblogs die *über*<br />
Bildung und Lernen schreiben, und Weblogs, die direkt im Umfeld<br />
eines Kurses o.ä. *zum* Lernen verwendet werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gibt es dafür ein paar prominente<br />
Beispiele?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Weblogs über Lernen und Bildung<br />
habe ich ja schon genannt. Im Umfeld eines Kurses können sie<br />
beispielsweise als Lerntagebuch eingesetzt werden.
</p>
<p>
<b>Dunja:</b> Wie eng ist die Vernetzung per Blogroll<br />
tatsächlich? Entstehen darüber persönliche Beziehungen?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Das können sie, müssen<br />
sie aber nicht zwingenderweise. Aber man sieht, welche Weblogs es<br />
vielleicht zu ähnlichen Themen noch gibt. Auf jeden fall wird<br />
derjenige, den Sie mittels einer Blogroll verlinken dies früher<br />
oder später auch wahrnehmen.
</p>
<p>
<b>patricia:</b> Wie lange halten sich Weblogs, beziehungsweise<br />
ist die Kurzlebigkeit sozusagen vorprogrammiert?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Da das Phänomen der breiteren<br />
Nutzung von Weblogs noch relativ jung ist, lässt sich darüber<br />
wenig sagen. Nur relativ wenige Weblogs sind älter als drei<br />
Jahre.
</p>
<p>
<b>rrrArrr:</b> Gibt es eine zentrale Plattform, wo alle<br />
Bildungsblogs gelistet sind? Einen Wegweiser?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Nicht das ich wüsste. Letztendlich<br />
ist das auch eine Definitionsfrage, wo ein EduBlgo aufhört<br />
und ein persönliches oder thematisch offeneres Weblog beginnt.<br />
Die bereits erwähnte Liste mit 20 relativ prominenten deutschen<br />
Edu-blogs scheint mir aber ein guter Einstiegspunkt zu sein. Den<br />
Link finden Sie im BildungsBlog oder direkt bei WeiterbildungsBlog.de
</p>
<p>
<b>Raffael Noer: </b>Gibt es eigentlich auch Blog-Fights<br />
in der Blogosphäre der Edublogger? Oder alles heile Welt?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Grundsätzlich scheint es mir<br />
in fachlich beziehungsweise thematisch orientierten Weblogs weniger<br />
Streitigkeiten als in thematisch offeneren, persönlichen Blogs<br />
zu geben. Aktuell sind mir jedenfalls keine Konflikte bekannt.
</p>
<p>
<b>CC3: </b>Das unleidige Thema Privacy: Gibt’s<br />
damit Probleme im Bildungsbereich?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Wie viel Sie von sich im Web preisgeben<br />
können Sie ja selber entscheiden. Im Bezug auf Social Networking<br />
Sites scheint es da aber in der Tat Bedenken zu geben, wie viel<br />
Daten man von sich preisgeben will. Im Bezug auf einen inhaltlichen<br />
Beitrag in einem Weblog oder Wiki scheint mir das weniger Gewicht<br />
zu haben.
</p>
<p>
<b>G&amp;G: </b>Und wie sieht es mit &quot;Unterwanderung&quot;<br />
durch größere Anbieter aus, die ihre eigenen Angebote<br />
in Edublogs unterzubringen versuchen? Gab es damit schon Probleme?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Ja, gerade in Community-Blogs kann<br />
die Grenze zur Werbung leider fließend sein. Die muss dann<br />
im Einzelfall entschieden werden. Durch die Kommentarfunktion ist<br />
es ja jedem Leser möglich, sich zu den Inhalten zu äußern.<br />
Plumpe Werbung geht also sehr schnell nach hinten los.
</p>
<p>
<b>Alexander B.:</b> Um immer auf dem neuesten zu sein:<br />
wie viele Blogs abonnieren Sie zur Zeit?
</p>
<p>
<b>rik: </b>Welche Blogs lesen Sie denn eigentlich regelmäßig<br />
und warum?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Ich habe momentan sehr wenig Zeit<br />
und komme nicht so viel zum Lesen wie ich möchte. In meinem<br />
Feedreader finden sich ca. 300 Feeds, aber mehr als 30 davon lese<br />
ich momentan kaum regelmäßig.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Letzte Frage: Wird E-Learning in Deutschland<br />
in den kommenden zehn Jahren zu entscheidenden Änderungen im<br />
Bildungssystem führen?
</p>
<p>
<b>Stephan Mosel:</b> Ich glaube nicht, dass die Technologie<br />
per se das Bildungswesen revolutionieren wird. Denkbar ist aber<br />
schon, dass gerade durch den Einsatz von Social Software im E-Learning<br />
offenere Lernformen gefunden werden, welche weniger an den kursorischen<br />
Charakter einer Veranstaltung anknüpfen als dies derzeit der<br />
Fall ist.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Zeit ist um. Vielen Dank für<br />
Ihr Interesse und Dank an Herrn Mosel für den Chat! Das Protokoll<br />
des Chats finden Sie in Kürze auf www.E-Teaching.org. Unsere<br />
Bitte um Verständnis an jene, die wir heute mit ihrer Frage<br />
nicht berücksichtigen konnten. Unter der URL <a href="http://uc.iwm-kmrc.de/uc/socialsoftware" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://uc.iwm-kmrc.de/uc/socialsoftware</a><br />
bitten wir alle Teilnehmer des Chats um Feedback zu den Community-Events<br />
von E-Teaching.org.
</p>
<p>
Der nächste E-Teaching.org Live-Chat findet am 27. Oktober<br />
ab 14.00 Uhr statt. Dann stellt sich Birgit Hennecke, Referentin<br />
im Kompetenzzentrum Bologna der Hochschulrektorenkonferenz, Ihren<br />
Fragen zum Thema &quot;Wie viel E-Learning braucht Bologna?&quot;<br />
E-Teaching.org wünscht allen Beteiligten noch einen schönen<br />
Tag!
</p>
<p>
Zum Thema &quot;Social Software&quot; können Sie in der E-Teaching.org-Community<br />
weiter diskutieren &#8211; wir haben hierzu ein <a href="http://www.e-teaching.org/community/etforum/et_newsShowEntry?entryid=blogentry.2006-09-25.9293532486&amp;catfilter=id3" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Forum</a><br />
eingerichtet. Bitte beachten Sie, dass Sie in der Community eingeloggt<br />
sein müssen, um selbst Beiträge verfassen zu können!
</p>
<p>
<b><b>Stephan Mosel:</b></b> Vielen Dank für<br />
Ihre Fragen und Ihr Interesse!
</p>
<p class="normal">
</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdas_quotwiequot_und_nicht_mehr_nur_das_quotwasquot_des_lernensquot-126/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Unser Problem ist, die Mittel wirklich auf die zu konzentrieren, die Unterstützung und Hilfe brauchen.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/unser-problem-ist-die-mittel-wirklich-auf-die-zu-konzentrieren-die-unterstuetzung-und-hilfe-brauchen-127/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/unser-problem-ist-die-mittel-wirklich-auf-die-zu-konzentrieren-die-unterstuetzung-und-hilfe-brauchen-127/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[bbergevoet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Sep 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitsreform]]></category>
		<category><![CDATA[Mindestlohn]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Laurenz Meyer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/unser-problem-ist-die-mittel-wirklich-auf-die-zu-konzentrieren-die-unterstuetzung-und-hilfe-brauchen-127/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am 
Donnerstag, 21. September, <span style="font-size: x-small">war Laurenz Meyer, wirtschaftspolitischer 
Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, zu Gast im tagesschau-Chat 
in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern 
über die Gesundheitsreformen, Mindestlöhne und Energiepolitik.</span></span></span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am<br />
Donnerstag, 21. September, <span style="font-size: x-small">war Laurenz Meyer, wirtschaftspolitischer<br />
Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte mit den Nutzern<br />
über die Gesundheitsreformen, Mindestlöhne und Energiepolitik.</span></span></span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
Herzlich willkommen zu 60 Minuten tagesschau-chat.<br />
Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist heute der CDU-Bundestagsabgeordnete<br />
und wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Laurenz Meyer.<br />
Vielen Dank, dass Sie gekommen sind, Herr Meyer. Ihr Feld ist die<br />
Wirtschaftspolitik, Sie sind aber Generalist genug, um auch Fragen<br />
aus anderen Bereichen beantworten zu können. Können wir<br />
beginnen?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer</b>: Ja.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Thema Gesundheitsreform: Die SPD beharrt auf der<br />
Ein-Prozent-Regelung, über die die Union neu verhandeln möchte.<br />
Geht es hier schon um das Überleben der großen Koalition?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Nein, es handelt sich um ein wichtiges Detail der<br />
Gesundheitsreform, was möglicherweise den Wettbewerb unter<br />
den Krankenversicherungen sehr stört und auch nicht praktikabel<br />
erscheint. Deshalb sind wir dafür, eine solche Begrenzung nicht<br />
einzuführen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die SPD beharrt aber auf den schon verhandelten Eckpunkten<br />
&#8211; eine schwierige Situation.
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Ich gehe davon aus, dass das Funktionieren eines<br />
möglichst konsequenten Wettbewerbs unter den Krankenversicherungen<br />
die einzige Möglichkeit ist, für die Versicherten die<br />
Kosten in diesem Wachstumsmarkt Gesundheit in erträglichen<br />
Grenzen zu halten. Das muss oberste Priorität haben. Wenn sich<br />
also im Nachhinein Details herausstellen, die nicht praktikabel<br />
sind, muss man darüber auch vor der Verabschiedung eines Gesetzes<br />
reden können.
</p>
<p>
<b>malota:</b> Wie weit wird sich die Gesundheitsreform<br />
Ihrer Meinung nach noch verzögern?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Hier gilt der Grundsatz Qualität vor Schnelligkeit.<br />
Nach den bisherigen Zeitvorgaben gehe ich nicht von einer weiteren<br />
Verzögerung über den 1.4.2007 hinaus aus.
</p>
<p>
<b>robotics45:</b> Hallo Herr Meyer, die Umfragen sind<br />
so schlecht &#8211; da können Sie sich ein Platzen der Koalition<br />
doch gar nicht leisten, oder? Dann landen Sie beide bei 30 Prozent.
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Wichtig ist, dass wir am Ende der Legislaturperiode<br />
in der Beurteilung der Wähler vernünftige Ergebnisse vorzuzeigen<br />
haben. Zwischenzeitliche Umfragen zu einem Zeitpunkt wie jetzt sollten<br />
uns nicht in dieser Absicht verunsichern. Wir haben zurzeit eine<br />
Vielzahl von Reformprojekten in Arbeit. In solchen Zeiten wird immer<br />
ein gewisses Maß an Unsicherheit bei den Wählern aufkommen.<br />
Das lässt sich leider nicht vermeiden.
</p>
<p>
<b>Jay:</b> Beide Volksparteien haben vor der Bundestagswahl<br />
sehr unterschiedliche Vorschläge zur Reform des Gesundheitssystems<br />
gemacht. Glauben Sie, dass eine Mischung aus beiden Vorschlägen<br />
überhaupt eine effektive und langfristige Lösung darstellen<br />
kann?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Die Gesundheitspolitik ist, wenn man die Vorgaben<br />
aus den Wahlprogrammen betrachtet, sicher einer der schwierigsten<br />
Punkte für eine Einigung unter den Parteien der großen<br />
Koalition. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir den Wettbewerb<br />
unter den Versicherungen und bei den Anbietern im Gesundheitsmarkt<br />
vernünftig gemeinsam regeln können, wenn alle das wirklich<br />
wollen. Die Frage des heutigen Beitragssystems, das ich für<br />
die Durchschnittseinkommensbezieher in Deutschland für sehr<br />
ungerecht halte, werden wir in der großen Koalition nicht<br />
lösen können und haben es deshalb ausgeklammert.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen im Doppelpack:
</p>
<p>
<b>Hanne Behn:</b> Brauchen wir überhaupt so viele<br />
verschiedene Kassen, die das Geld unter sich ständig umverteilen<br />
müssen und dabei unnötige Verwaltungskosten erzeugen?
</p>
<p>
<b>zweiling:</b> Weshalb wird die Zahl der Krankenkassen<br />
nicht deutlich reduziert? Wie werden künftig chronisch Kranke<br />
zumutbar finanziell belastet? Wer wird als chronisch krank eingestuft?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Es ist nicht Aufgabe des Staates, die Zahl der Kassen<br />
zwangsweise zu reduzieren. Es kann durchaus sein, dass kleinere<br />
Kassen für ihre Versicherten bessere Leistungen erbringen als<br />
große Kassen. Von einer Einheitskasse halte ich gar nichts.<br />
Das Beispiel des Telekommunikationssektors sollte jedem zeigen,<br />
dass Wettbewerb unter den verschiedenen Anbietern die beste Lösung<br />
ist für die Verbraucher. Das gilt auch für die Versicherten<br />
bei den Krankenversicherungen. Zur Frage der chronisch Kranken:<br />
Jede Versicherung, die sich an dem Wettbewerb im Gesundheitsbereich<br />
beteiligen will, muss sich verpflichten, jeden unabhängig von<br />
seinem Alter, seinem Einkommen und seinem Gesundheitszustand zu<br />
gleichen Konditionen zu versichern. Das ist Grundvoraussetzung.
</p>
<p>
<b>Hermann:</b> Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft<br />
der privaten Krankenkassen aus?
</p>
<p>
<b>marhal75:</b> Sind noch maßgebliche Änderungen<br />
in Bezug auf die privaten Kassen zu erwarten? Immerhin fördern<br />
die doch durch die deutlich höheren Arzthonorare das gesamte<br />
System.
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Marhal75 hat recht. Wir wollen die privaten Krankenkassen<br />
erhalten und auch hier den Wettbewerb unter den privaten Kassen<br />
stärken. Zum Beispiel dadurch, dass man Altersrückstellungen<br />
beim Wechsel der Krankenkasse mitnehmen kann. Heute ist ein Wechsel<br />
im Bereich der privaten Krankenkassen nur zu verschlechterten Versicherungsbedingungen<br />
möglich, wenn man etwa zehn Jahre oder länger in einer<br />
privaten Krankenkasse versichert war. Richtig ist aber, dass wir<br />
bei der SPD noch einige ideologische Vorbehalte gegen private Krankenkassen<br />
korrigieren müssen vor Verabschiedung eines Gesundheitsreformgesetzes.
</p>
<p>
<b>kurt_funk:</b> Ich kenne kein anderes Politikfeld,<br />
das so von hochbezahlten Interessenverbänden durchsetzt ist<br />
wie das Gesundheitswesen. Wie hält man das als Parlamentsmitglied<br />
eigentlich aus, wenn man andauernd von hochbezahlten Lobbyisten<br />
mit wohlmeinenden Vorschlägen angegangen wird? Halten Sie das<br />
auch für das zentrale Strukturproblem des Gesundheitswesens?<br />
Wie unabhängig sind da unsere Politiker, sind Sie?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Bei Lobbyisten weiß man als Parlamentarier,<br />
welche Position sie vertreten. Lobbyisten haben nach meiner Meinung<br />
auf Dauer überhaupt nur Einfluss, wenn sie einem wichtige aber<br />
auch nachprüfbare Informationen liefern. Vieles von dem, was<br />
Lobbyisten, die nur beeinflussen wollen liefern, landet sicher bei<br />
den allermeisten Kollegen im Papierkorb. Wir erleben bei der Gesundheitsreform<br />
jetzt allerdings, wie schwer es ist, Strukturen, in denen sich die<br />
Betroffenen wohlgefühlt haben, aufzubrechen. Solche Verbände<br />
und Interessenvertretungen wehren sich naturgemäß gegen<br />
Veränderungen. Davon dürfen wir uns bei unserer Entscheidungsfindung<br />
aber nicht beeinflussen lassen.
</p>
<p>
<b>SPDmensch:</b> Wird in Deutschland tatsächlich<br />
schleichend Sozialabbau betrieben? Warum fallen Kürzungen (auch<br />
im Gesundheitswesen) immer zu Lasten der ohnehin schon Benachteiligten?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Ich kann in Deutschland aus den Haushaltsentwicklungen<br />
unseres Landes keinen Sozialabbau feststellen. Der Sozialhaushalt<br />
ist in keinem Land Europas größer als bei uns. Unser<br />
Problem ist, die Mittel wirklich auf die zu konzentrieren, die Unterstützung<br />
und Hilfe brauchen. Die wirklich Benachteiligten dürfen aus<br />
meiner Sicht nicht gekürzt werden.
</p>
<p>
<b>321..meins:</b> Gibt es Ihrer Meinung nach bereits<br />
ein Gesundheitssystem, das Deutschland als Vorbild dienen kann?<br />
In welchem Land?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> In den Niederlanden ist man nach den Veränderungen<br />
von vor ca. zwei Jahren in eine Richtung gegangen, die nahe an dem<br />
ist, was ich für sinnvoll halte.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zur Ein-Prozent-Regelung: Welchen Kompromiss<br />
halten Sie für denkbar?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Dazu werden wir wirklich die Verhandlungen der kommenden<br />
Tage vielleicht Wochen abwarten müssen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Aber es wird einen geben?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Da bin ich sicher.
</p>
<p>
<b>Hanseat:</b> In wieweit kann auf die Forderung des<br />
bayerischen Ministerpräsidenten nach regionalspezifischen &quot;Rabatten&quot;<br />
für den Gesundheitsfonds eingegangen werden? Gefährdet<br />
die CSU damit absichtlich eine schnellere Einigung der Koalitionspartner?<br />
Wie sehen die anderen Unions-Landeschefs diesen Vorschlag?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Die Lage in den einzelnen Bundesländern ist<br />
bedingt durch die Einkommenshöhe aber auch &#8211; Beispiel Sachsen<br />
&#8211; durch politisches Handeln und Erfolge der Landesregierung durchaus<br />
unterschiedlich. Wir werden aber solche Unterschiede in einem System,<br />
in dem nicht die Länder, sondern Versicherungen im Wettbewerb<br />
stehen sollen, nur sehr begrenzt berücksichtigen können.
</p>
<p>
<b>Herr A.: </b>Man hätte auch mal aber die Pharmaindustrie<br />
zur Kasse bitten können, diese Gruppe verdient am meisten an<br />
den Patienten!
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Solche Eingriffe des Staates auch im Bereich der<br />
Pharmaindustrie hat es in der Vergangenheit mehrfach gegeben. Meine<br />
Grundüberzeugung ist, dass wir vom grünen Tisch in den<br />
Ministerien in Berlin den Gesundheitsmarkt durch Regulierung oder<br />
&quot;zur Kasse bitten&quot; niemals in den Griff bekommen können.<br />
Die Krankenversicherungen müssen in die Lage versetzt werden,<br />
mit den einzelnen Gruppen in diesem Markt Verträge zu schließen,<br />
also mit der Pharmaindustrie, mit Ärzten, Apothekern, Krankenhäusern.<br />
Dann sehen die Versicherten an den Versicherungsbeiträgen,<br />
wie erfolgreich ihre Versicherung gewesen ist. Das ist Markt und<br />
das ist im Interesse der Versicherten.
</p>
<p>
<b>hannah_arendt:</b> Wie sehen Sie das Spannungsverhältnis<br />
zwischen den Pflichten des Staates und der Verantwortung der Wirtschaft<br />
im Bereich des Gesundheitswesens, insbesondere der Krankenkassen,<br />
aber auch der Arbeitgeber?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Es ist in unserem System Pflicht des Staates, für<br />
ein Gesundheitswesen zu sorgen, das jedem unabhängig von Alter<br />
und Einkommen die bestmögliche Gesundheitsversorgung sichert.<br />
Die Arbeitgeber haben sicher in ihrem Bereich &#8211; Stichwort Arbeitsschutz,<br />
Arbeitsmedizin &#8211; spezifische Aufgaben. Außerdem beteiligen<br />
sie sich über die Sozialversicherungsbeiträge an den Kosten<br />
des Gesundheitssystems.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir wechseln das Thema: Zum Mindestlohn. Die SPD will<br />
Mindestlöhne einführen, die Union lehnt dies ab. Aber<br />
was wollen sie für jene tun, die Vollzeit arbeiten, aber nicht<br />
davon leben können?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Genau um den letzten Satz ihrer Frage geht es. Wir<br />
brauchen Mindesteinkommen für die Familien und nicht Mindestlöhne,<br />
die möglicherweise Hunderttausende von Arbeitsplätzen<br />
kosten könnten. Wer arbeitet und dabei nicht genügend<br />
verdient, um seine Familie ernähren zu können, sollte<br />
zusätzlich staatliche Transferleistungen bekommen. Das verstehen<br />
wir unter dem Stichwort Kombilohn. Wir müssen immer den ganz<br />
einfachen Satz beherzigen &quot;Wer arbeitet, soll mehr in der Tasche<br />
haben, als wenn er nicht arbeitet.“
</p>
<p>
<b>kl:</b> Sind Sie nicht auch der Auffassung, dass der<br />
Preis, den die Union für diese Koalition zahlt, zu hoch ist?<br />
Wo sind die mutigen Beschlüsse von Leipzig hin? Ich bin 27<br />
Jahre und habe große Hoffnungen in den Reformmut der Union<br />
gehabt.
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Da ich an den Beschlüssen von Leipzig nicht<br />
unwesentlich beteiligt war, freue ich mich über Ihre Stellungnahme.<br />
Die Beschlüsse von Leipzig sind aus meiner Sicht nach wie vor<br />
wegweisend und zielbestimmend für die CDU. Wir müssen<br />
jetzt in dieser großen Koalition dafür kämpfen,<br />
dass Teile dieser Politik umgesetzt werden können. Auch wenn<br />
uns vielleicht an manchen Stellen nur 30-40 prozent des Weges sind,<br />
den wir uns vorgenommen haben. Was wir demgegenüber vermeiden<br />
müssen, ist, Schritte in die falsche Richtung zu tun. Dafür<br />
sehe ich allerdings bisher kaum Ansatzpunkte.
</p>
<p>
<b>Hossa: </b>Hallo Herr Meyer, einen Mindestlohn wollen<br />
Sie nicht, von der Globalisierung profitieren aber nachweislich<br />
nur die Firmen. Wäre hier nicht ein Ausgleich angebracht?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Von der Globalisierung profitieren nicht nur die<br />
Firmen. Millionen von Arbeitsplätzen in Deutschland wären<br />
ohne freien Welthandel gar nicht denkbar. Stichwort Exportweltmeister.<br />
Wir müssen aber auch sehen, dass wir eben in manchen Bereichen<br />
nicht auf einer Insel leben, wo man sich abschotten kann, sondern<br />
unsere Bedingungen in allen Bereichen immer wieder überprüfen,<br />
ob wir unsere Wettbewerbsfähigkeit aufrecht erhalten können.<br />
Soziale Probleme müssen dann über Sozialpolitik gelöst<br />
werden, für die eine funktionierende Wirtschaft erst die Voraussetzungen<br />
schafft.
</p>
<p>
<b>Georg Frankl:</b> In Österreich gibt es nun seit<br />
sechs Monaten einen Kombilohn. Mit der ersten Halbjahres-Bilanz<br />
entpuppte sich das Projekt laut Einschätzung des Chefs der<br />
oberösterreichischen Arbeitsagentur jedoch als &quot;Rohrkrepierer&quot;,<br />
da mit den 15 Millionen Euro statt der erwarteten 5 000 Jobs nur<br />
ca. 180 geschaffen wurden.
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Wir haben auch in Deutschland schon einige Kombilohnmodelle<br />
gehabt, die nicht immer besonders erfolgreich gewesen sind. Trotzdem<br />
ist für mich das größte Problem unseres Arbeitsmarktes,<br />
dass bei sinkender Arbeitslosenzahl die Zahl der Langzeitarbeitslosen<br />
kaum zurückgeht. Insbesondere Menschen ohne Schulausbildung<br />
und Berufsabschluss werden es auf Dauer bei den heute vorhandenen<br />
Lohnstrukturen sehr schwer haben, neue Arbeit zu finden. Deshalb<br />
wollen wir jetzt versuchen, zumindest für die unter 25-jährigen<br />
und die über 50-jährigen neue Anreize der Beschäftigung<br />
über Kombilohnmodelle zu schaffen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Der Siemens-Vorstand will seine Gehälter um 30<br />
Prozent erhöhen. Die Belegschaft wird gleichzeitig zum Lohnverzicht<br />
aufgefordert. Ist das die Art und Weise, wie unser Wirtschaftssystem<br />
funktioniert?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Der Siemensvorstand sollte sich darüber im<br />
Klaren sein, dass in dieser Kombination die Öffentlichkeit<br />
Gehaltserhöhung für den Vorstand nicht versteht. Eine<br />
solche Botschaft passt auch nicht zusammen mit dem Bild, was ich<br />
in der Vergangenheit von der Siemens AG gewonnen habe.
</p>
<p>
<b>Sc: </b>Guten Tag Herr Meyer, wieso arbeiten Sie nur<br />
mit diesen Worthülsen? Alles bekannte Stellungnahmen, aber<br />
wann folgen Taten? Ich bin auch 27 Jahre alt und habe keine Zeit<br />
mehr nur diesen Politstillstand zu erleben. Reformieren Sie und<br />
sprechen Sie dann von Reformen, wenn diese auch das Wort Reform<br />
verdienen. Wieso treibt die Politik uns Junge in die Arme rechter<br />
Gestriger?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Nach meiner Überzeugung gab es bisher keine<br />
einzige Periode in der deutschen Politik, in der so grundsätzliche<br />
Reformen in solcher Vielzahl angegangen worden sind wie gerade jetzt.<br />
Wir werden uns in diesem Herbst mit der Reform der Gesundheitsvorsorge,<br />
der Unternehmenssteuer, der Erbschaftssteuer, mehr Wettbewerb und<br />
Kontrolle am Energiemarkt, der Kohlefinanzierung, der weiteren Kernenergienutzung,<br />
mit Fehlentwicklungen bei Hartz IV, mit Kombilöhnen, mit dem<br />
Grundthema Bürokratieabbau und einer Vielzahl von weiteren<br />
Projekten, z.B. Beteiligung Privater an der Deutschen Bundesbahn<br />
auseinander zusetzen haben. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man<br />
davon &quot;nur Reden&quot; sprechen kann. Ich bin allerdings überzeugt,<br />
wir werden an den Ergebnissen gemessen und nicht an Ankündigungen.
</p>
<p>
<b>erwinperwin: </b>Wie viel Freiraum will die Politik<br />
den großen Stromkonzernen eigentlich noch lassen?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Richtig ist, dass der Wettbewerb unter den großen<br />
Stromkonzernen nur unvollkommen funktioniert. Erste Änderungen<br />
sind bereits erfolgt, weil die Regulierungsbehörde, die neu<br />
eingerichtet wurde, die Kosten für die Stromnetze bereits gesenkt<br />
hat. Der Wirtschaftsminister hat darüber hinaus vor, die Möglichkeiten<br />
des Kartellamtes gegen Machtmissbrauch von Energiekonzernen zu verstärken.<br />
Die CDU/CSU-Fraktion unterstützt den Wirtschaftsminister in<br />
seinem Vorhaben.
</p>
<p>
<b>RPG:</b> Wie sehen Sie die Zukunft der deutschen Steinkohle?
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Die deutsche Steinkohle ist für die Stromerzeugung<br />
nach wie vor sehr viel teurer als Importkohle. Deshalb wird der<br />
Weg, die Steinkohlesubventionen abzubauen, fortgesetzt werden. Wir<br />
werden in diesem Herbst darüber entscheiden müssen, ob<br />
und in welchem Jahr ein Enddatum für den Abbau deutscher Steinkohle<br />
festgesetzt wird. Darüber hinaus werden wir Anfang nächsten<br />
Jahres über neue Strukturen und einen eventuellen Börsengang<br />
der Teile der heutigen RAG entscheiden, die nicht Kohle sind. Wichtig<br />
für die im Bergbau Betroffenen ist, dass alle Verantwortlichen<br />
zugesagt haben, den Abschmelzungsprozess sozialverträglich<br />
ablaufen zu lassen.
</p>
<p>
<b><b>Moderator:</b></b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Wir bedanken uns bei allen, die mitgemacht haben. Unsere Bitte um<br />
Verständnis an jene, die wir heute mit ihrer Frage nicht berücksichtigen<br />
konnten. Unser besonderer Dank gilt Laurenz Meyer, der sich für<br />
uns Zeit genommen hat. Der nächste Chat findet am 9. Oktober<br />
statt. Unser Gast ist dann ab dreizehn Uhr der Ministerpräsident<br />
von Thüringen, Dieter Althaus. Das letzte Wort gehört<br />
Ihnen, Herr Meyer.
</p>
<p>
<b>Laurenz Meyer:</b> Allen Teilnehmern noch einen guten Tag. Mir hat<br />
der Chat wieder neue Erkenntnisse gebracht. Die direkte Art von<br />
Fragen und Antworten beim Chat ist bei den großen Reformfragen<br />
manchmal schwierig, zwingt aber auch, sich gedanklich kurz zu fassen.<br />
Falls es an der einen oder anderen Stelle zu kurz war, tut es mir<br />
leid. Tschüss!
</p>
<p><!-- #EndEditable --></p>
<p>
<!-- Content --><br />
<span style="font-size: x-small"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/unser-problem-ist-die-mittel-wirklich-auf-die-zu-konzentrieren-die-unterstuetzung-und-hilfe-brauchen-127/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
