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	<title>Carlotta Duken &#8211; politik-digital</title>
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		<title>eHealth: der wachsende Markt der mobilen Gesundheitslösungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carlotta Duken]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Sep 2016 08:46:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Der eHealth Markt boomt. Um 10% wachsen jährlich die Angebote für online und mobile Gesundheits- und Medizinangebote in Europa. Die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/14445634744_816f9db8b2_z.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-150240" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/14445634744_816f9db8b2_z.jpg" alt="NEC-Medical-137" width="638" height="346" /></a>Der eHealth Markt boomt. Um 10% wachsen jährlich die Angebote für online und mobile Gesundheits- und Medizinangebote in Europa. Die Digitalisierung des Gesundheitsmarkts birgt rechtliche, finanzielle und praktische Herausforderungen. Investieren lohnt sich dennoch, denn am Ende profitieren alle.</p>
<p>Der Zukunftsmarkt des 21. Jahrhundert liegt weder in Aktien oder Immobilien, sondern in unserer Gesundheit. <a href="http://www.bmg.bund.de/themen/gesundheitssystem/gesundheitswirtschaft/gesundheitswirtschaft-im-ueberblick.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Laut Bundesministerium für Gesundheit</a> investiert kein anderer Sektor so viel in Forschung und Entwicklung (F&amp;E) wie die Gesundheitsbranche. Im Jahr 2014 führte die Branche der Medizintechnik die Rangliste aller europäischen Patentmeldungen an. Neben neuen Technologien im Praxen- und Krankenhausbetrieb geht es um Gesundheits-Apps, die durch verschiedene Angebote dem Nutzer auf seinem Weg zu einem gesünderen oder fitteren Leben assistieren sollen.</p>
<p>Die rasante Vergrößerung der eHealth Branche erklärt das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage: während auf der einen Seite neue Innovationen in Medizin und Technik und eine immer digitalisiertere Gesellschaft entstehen, gibt es durch demographische Alterung und einem erhöhten gesellschaftlichen Bewusstsein für Gesundheit gleichzeitig mehr Bedarf für ein digitales Gesundheitsangebot. Insbesondere die wachsende Nachfrage und Notwendigkeit für mobile Gesundheitslösungen lässt den eHealth Markt stetig wachsen.</p>
<h3>Apple erobert den digitalen Gesundheitsmarkt</h3>
<p>Laut einer <a href="https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Gemeinsame-Presseinfo-von-Bitkom-und-BMJV-Fast-ein-Drittel-nutzt-Fitness-Tracker.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie der BITKOM</a> nutzen bereits 30% aller Smartphone-Besitzer Gesundheits-Apps. Die Funktion der Anwendungen variiert stark: Informationsquelle, Schmerztagebuch, Messgerät für Vitalwerte. Die Selbstvermessung von Körperfunktionen wie Atemfrequenz, Blutdruck oder Körpertemperatur funktioniert über sogenannte „Wearables“, also tragbare Sensoren in Kleidung oder Smartphone, die verschiedene Vitalwerte aufzeichnen können. Inzwischen gibt es mehr als 100.000 dieser Anwendungen. Viele Start-Ups und Webdienste haben das Potenzial erkannt und investieren in die digitalen Gesundheitsangebote.</p>
<p>Zu den prominentesten Anbietern und Investoren in diesen Markt gehört Apple. Das Unternehmen spricht auf seiner <a href="http://www.apple.com/lae/ios/health/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Website</a> von einer „Gesundheitsrevolution“. Mit seinem Team für digitale Gesundheit entwickelte Apple bereits „Health“, „ResearchKit“ und „CareKit“. Mit der eigenen Gesundheits-App „Health“ kann jeder iPhone-Nutzer beispielsweise seine Fitness per Schritt- und Kilometerzähler überprüfen, Körpermesswerte eintragen oder den eigenen Schlaf analysieren lassen. Die Open Source-Frameworks „ResearchKit“ und „CareKit“ erlauben hingegen das Sammeln und Zusammentragen von Daten, mit deren Hilfe Apps entwickelt werden, die die Erkenntnisse über Krankheiten und deren Bekämpfung voranbringen. Seit 2015 ermöglicht „ResearchKit“ die einfache Erstellung und Teilnahme an medizinischen Tests und Studien. Seit diesem Jahr gibt es „CareKit“, eine Software mit der der eigene Gesundheitszustand verwaltet werden kann: der Nutzer kann seine Körperwerte, Symptome oder Auswirkungen der Medikation dokumentieren und überwachen und gegebenenfalls die Informationen an seinen Arzt oder Klinikum weiterschicken.</p>
<p>Die bisherige Resonanz auf Apple’s Gesundheitsinnovationen ist sowohl von Verbraucher– als auch von Ärzteseite sehr positiv: <a href="http://www.golem.de/news/healthkit-immer-mehr-krankenhaeuser-nutzen-apples-gesundheits-app-1502-112175.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">In den USA wird die App &#8220;Health&#8221; schon von vielen Krankenhäuser verwendet</a>, um den Gesundheitszustand von Patienten aus der Distanz zu kontrollieren und gegebenenfalls präventiv Komplikationen zu verhindern. Mit Hilfe des „CareKit“ <a href="http://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Erste-Gesundheits-Apps-setzen-auf-Apples-CareKit-3192272.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">entstanden bereits zahlreiche Apps</a> wie „One Drop“ für Diabetiker oder „Start“ gegen Depressionen.</p>
<h3>Zukunftsmarkt eHealth: Wer profitiert?</h3>
<p>Lautet das Allheilmittel gegen zukünftige Erkrankungen also Big Data? Wie wir bereits berichteten, eröffnet der digitale Gesundheitsmarkt große Chancen für eine effizientere und kostengünstigere Gesundheitsversorgung, die auch eine Lösung für den demographischen Wandel und Ärztemangel auf dem Land darstellen können. Das Interesse an neuen Online-Angeboten und Apps liegt sowohl bei Patienten als auch bei Anbietern – Ärzten, Krankenhäusern, Krankenkassen und Unternehmen.</p>
<p>Im Idealfall profitieren von dieser Revolution des Gesundheitssystems also alle Beteiligten. Der Patient, der schneller, besser und individualisierter versorgt und therapiert werden kann. Das Krankenhaus, das digitalisierte und zentralisierte Patientendaten und Möglichkeiten der Telemedizin nutzt. Der Staat und die Privatwirtschaft selbst, die durch Innovation neue Jobmöglichkeiten schaffen und Investitionen generieren. Weltweit könnten so bis 2018 <a href="http://www.deutsche-gesundheits-nachrichten.de/2015/02/04/konsumenten-treiben-entwicklung-des-e-health-marktes-voran/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">200 Milliarden Euro gespart</a> werden, berichten die „Deutsche Gesundheitsnachrichten“.</p>
<h3>eHealth und Datenschutz in Deutschland</h3>
<p>Neben all den Vorzügen einer digitalen Gesundheitswelt sind aber vor allem Datenschützer alarmiert. Gesundheitsdaten sind besonders sensibel und bedürfen hoher Sicherheitsstandards, um nicht in den falschen Händen zu landen. Anwendungen, die den Gesundheitszustand einer Person regelmäßig vermessen und dokumentieren, sind wertvolle Daten, an denen insbesondere Krankenkassen und Pharmaunternehmen interessiert sind. Krankenkassen locken bereits mit Prämien für besonders gesunde Lebensweisen ihrer Kunden.</p>
<p>In Deutschland trifft der elektronische Gesundheitssektor auf eine hoffnungsvolle Ausgangssituation. Laut der diesjährigen Veröffentlichung des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen nutzen in Deutschland etwa 45 Millionen Menschen Smartphones. Auch bedienen sich fast alle Krankenhäuser und Arztpraxen einer digitalen Datenverarbeitung. Trotz wachsenden Markts blieb der große Boom von eHealth in Deutschland bisher aus. Das liegt einerseits daran, dass die Digitalisierung in Krankenhäusern und Arztpraxen im internationalen Vergleich weiterhin Verbesserungspotenzial hat, also beispielsweise im elektronischen Datenaustausch zwischen Krankenhäusern oder der Digitalisierung von internen Abläufen. Ein zweiter <a href="https://ehealthblog.de/linktipps/deutschland-nutzt-e-health-potenzial-nicht-aus/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Grund</a> liegt darin, dass viele Start-Ups und innovative Unternehmen durch die unsicheren rechtlichen Rahmenbedingungen abgeschreckt werden. Insbesondere beim Thema Datenschutz werden Sachverhalte teilweise in verschiedenen Bundesländern unterschiedlich ausgelegt und stellen so eine Unsicherheit für Unternehmen dar.</p>
<h3>Rechtlicher Rahmen in Deutschland und der EU</h3>
<p>Um in seiner medizinischen Digitalisierung nicht von Ländern wie den USA abgehängt zu werden, rüstete Deutschland letztes Jahr mit dem <a href="http://www.bmg.bund.de/themen/krankenversicherung/e-health-gesetz/e-health.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">E-Health Gesetz</a> auf: Bis 2018 sollen alle Arztpraxen und Krankenhäuser mit einer Telematik-Infrastruktur verbunden sein und jeder Patient über eine elektronische Patientenakte verfügen. Einfacher Datenverkehr zwischen Krankenhäusern, Fachaustausch über Videokonferenzen und Televisiten von Patienten würden so zum Alltag jedes Arztes und Pflegekraft gehören. Im Zentrum des Gesetzes steht der Ausbau der digitalen Infrastruktur, die für eine bessere Vernetzung und Vereinfachung des Datenaustausches notwendig ist.</p>
<p>Auch auf europäischer Ebene bildet eHealth ein zentrales Element der Digitalen Agenda, die 2010 von der Europäischen Kommission vorgestellt wurde. Eine verstärkte und effizientere Nutzung von Technologien soll zu höheren Gesundheitsleistungen beitragen, deren Kosten senken und gleichzeitig neue Jobs schaffen.</p>
<h3>Herausforderung der Finanzierung</h3>
<p>Viele Bereiche des eHealth Sektors wie Gesundheits-Apps oder -Software werden sich in den nächsten Jahren weiter vergrößern. Die Finanzierung der Telematik-Infrastruktur bleibt wohl die größte Herausforderung. Denn die Umstellung von analog auf digital ist teuer und auf große Investitionen angewiesen – Geld, das viele Krankenhäuser nicht haben. Langfristig werden sich die Investitionen auszahlen, denn das Einsparpotenzial von eHealth ist groß: eine bessere digitale Verwaltung und Vernetzung von Daten bedeutet unter anderem weniger Arztbesuche, individueller zugeschnittene Therapien, weniger Verdopplung von Arbeit und Untersuchungen. Die gesteigerte Effizienz des Krankensystems, beispielsweise durch Ferndiagnosen oder Online-Rezeptausstellungen, würde die Gesamtkosten der pro-Kopf-Krankenkassenbeiträge senken.</p>
<p>Um das ganze Potenzial von eHealth auszuschöpfen, müssen Nutzer bereitwillig ihre Daten an Ärzte und Krankenhäuser weitergeben. Im Krankheitsfall sind dazu sogar 75% aller Deutschen bereit, berichtet die <a href="https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Gemeinsame-Presseinfo-von-Bitkom-und-BMJV-Fast-ein-Drittel-nutzt-Fitness-Tracker.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BITKOM</a>. Um das Vertrauen weiter zu steigern, braucht es mehr Sicherheit und Transparenz bezüglich der Speicherung und Verwendung von Daten der digitalen Apps oder Programme. Außerdem verlangt es nach entsprechenden Rahmenbedingungen, um den Standort Deutschland für Investoren attraktiver zu machen. Das eHealth-Gesetz bildet eine gute Grundlage für Deutschlands digitalen Gesundheitsmarkt; aber nur bei konsequenter Umsetzung der neuen Richtlinien hat Deutschland eine Chance, im internationalen Vergleich aufzuholen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: <a href="https://www.flickr.com/photos/neccorp/14445634744/in/photolist-o1vDW1-qY4yxc-9biVkj-751pp6-dx9hXw-d52ED3-98TizC-e3vXtG-7dFXR9-fGGWse-xmtLD-7x6SsM-xXe7P-pc7k2u-9HUs18-aYPRFc-e6ozvb-nJ7P9M-7JekWW-8NV3hH-fGZyeE-hRLTUV-pxCj6J-kzwq5P-cp4c1Q-iR1sAE-giLQdY-5Efiwa-7p8CH1-pcuLz-d2TmHm-6LyK5M-aiqKtD-jnppze-fGZAY3-e19V5J-fGH3uD-q6bu3C-hL15ix-ctvCkC-nB5JZn-8VENMy-bv4Mv6-6y5h3e-cc59Sw-53RKPh-aexHoJ-dzXg3D-8uKeGF-aBnCE3/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NEC-Medical-137</a> von <a href="https://www.flickr.com/photos/neccorp/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">NEC Corporation of America</a> via <a href="https://www.flickr.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">flickr</a>, licenced <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 2.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Europas Meilenstein zur Netzneutralität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carlotta Duken]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Aug 2016 15:22:02 +0000</pubDate>
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<p>Es war ein langer Weg zu einheitlichen Netzneutralitäts-Regeln in Europa. Seit April 2016 ist die Verordnung zur Netzneutralität zwar in Kraft, aber bis gestern arbeitete das Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (GEREK) an den Umsetzungs-Richtlinien für die Verordnung. Wie steht es nun um Netzneutralität in Europa?</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><strong> </strong><a href="http://politik-digital.de/news/faktencheck-netzneutralitaet-gleiches-internet-fuer-alle-145130/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Was bisher geschah</a>: nach mühsamen Trilog-Verhandlungen zwischen Europarat, Kommission und Parlament einigten sich die Institutionen im Oktober 2015 auf die erste Europäische Verordnung zur Netzneutralität. Die Bestimmungen waren jedoch so schwammig und unpräzise, dass sie sowohl für als auch gegen Netzneutralität interpretiert werden konnten. Die GEREK (engl. BEREC) sollte deswegen die praktische Umsetzung der Verordnung für nationale Regulierungsbehörden erarbeiten, die im Juni 2016 vorgestellt wurde. Im Anschluss startete die letzte Phase der Konsultation, in der sich die EU-Bürger im Internet zu dem Entwurf der GEREK äußern durften. Nach Auswertung und Einbeziehung der Kommentare wurde gestern die endgültige Fassung der Umsetzungs-Richtlinien präsentiert.</p>
<h3>GEREK-Richtlinien zur Umsetzung von Netzneutralität in Europa</h3>
<p>Kritik an der Verordnung zur Netzneutralität stammte sowohl aus dem Lager der Zivilgesellschaft und Netzneutralitäts-Befürworter als auch von Seiten der Telekommunikationsindustrie. Für das erste Lager waren die neuen Regeln zu lasch, um ein neutrales Netz zu sichern, für das zweite zu restriktiv. Zwar verbot die Verordnung grundlegende Verletzungen von Netzneutralität, wie das willkürliche Blockieren von Internetseiten oder die Forderung von Zusatzgebühren für schnellere Verbindungen durch Internet-Service-Provider (ISP), aber der Spielraum für die Telekom-Industrie in der Umgehung von Regeln blieb bestehen.</p>
<p>Seit gestern stehen die Ergebnisse der Richtlinien fest: Die Netzneutralität in Europa scheint nun weitestgehend gesichert. Umso zufriedener zeigt sich Grünen Politiker und EU-Abgeordneter Jan Philipp Albrecht über die Ergebnisse der GEREK Richtlinien: „Im Vergleich zum Gesetzestext ist nun klarer, dass es Spezialdienste mit Sonderbehandlung nur in wirklich seltenen und objektiv notwendigen Ausnahmenfällen geben kann, und dass eine Diskriminierung des Datenstroms nach Anwendungen und Anbietern praktisch ausgeschlossen sein wird.“ Sonder-Deals zwischen Telekommunikationsunternehmen und einzelnen Onlinedienst-Anbietern werden so eingedämmt. Spezialdienste bleiben in bestimmten Fällen erlaubt, zum Beispiel bei Diensten wie der Telemedizin, für die eine garantierte Übertragungsqualität notwendig ist. Unklar bleibt der genaue Umgang mit Zero-Rating Angeboten, die es für einzelne Dienste und Anwendungen weiterhin geben soll. Der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Dies bevorzugt die Telekommunikationsunternehmen sowie finanzstarke Inhalte- und Dienstanbieter und kann den Wettbewerb verzerren. Nun müssen die nationalen Regulierungsbehörden die Rechtmäßigkeit von Zero-Rating-Angebote im Rahmen von Einzelfallentscheidungen beurteilen.“</p>
<h3>Rolle der Zivilgesellschaft und Telekommunikationsindustrie</h3>
<p>Die Bürgerbeteiligung an den öffentlichen Konsultationen über „<a href="http://www.savetheinternet.eu/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Save The Internet</a>“ war mit mehr als 500.000 Kommentaren erstaunlich hoch. Sechs Wochen lang konnten EU-Bürger den Leitlinien-Entwurf kommentieren und kritisieren, um so die Regulierungsbehörden von einem offenen Internet zu überzeugen. Jan Philipp Albrecht schreibt der Zivilgesellschaft eine maßgebende Rolle für den Erfolg der Konsultationen zu: „Der sehr massive Einsatz der Zivilgesellschaft war hier entscheidend, denn er hat die Netzregulierer stetig daran erinnert, dass es um die Interessen der Endkunden geht und darum, dass auch in Zukunft ein offenes Internet Innovation und neue Entwicklungen möglich macht.“</p>
<p><em> </em>Aber auch die Telekommunikationsbranche versuchte den Ausgang der Konsultationen zu beeinflussen. Mit den „<a href="https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/news/commissioner-oettinger-welcomes-5g-manifesto" target="_blank" rel="noopener noreferrer">5G Manifest</a>“ forderten die 17 größten Telko-Konzerne Europas, unterstützt von Digitalkommissar Günther Oettinger, eine Abschwächung der Netzneutralitäts-Bestimmungen von GEREK und <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/5G-Telcos-machen-mobil-gegen-Netzneutralitaet-3263379.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">drohten damit, den Ausbau der 5G-Infrastruktur einzuschränken</a>. Die Deutsche Telekom begrüßt so zwar, dass eine europäische Harmonisierung zu Netzneutralitäts-Regeln erzielt werden konnte, kritisiert aber die restriktive Auslegung der GEREK: „Dadurch werden innovative Geschäftsmodelle – insbesondere für den industriellen Anwendungsbereich – gefährdet. Erst die konkreten Einzelfallprüfungen der nationalen Regulierungsbehörden werden zeigen, inwieweit innovative Geschäftsmodelle möglich bleiben und ob die angestrebte EU-weite Harmonisierung der Anwendung gelingt.“</p>
<h3>Netzneutralität in Deutschland</h3>
<p>Im <a href="http://europe.newsweek.com/how-net-neutrality-working-countries-have-it-269632?rm=eu" target="_blank" rel="noopener noreferrer">internationalen Vergleich</a> steht Deutschland nicht als Vorreiter eines freien und gleichberechtigten Netzes da. Als erstes Land verschrieb sich Chile 2010 den Prinzipien der Netzneutralität, gefolgt von den Niederlanden, Slowenien, Brasilien, den USA und Indien. Laut Verbraucherzentrale Bundesverband gab es in Deutschland in der Vergangenheit viele Beispiele von Sonder-Deals: „In den vergangenen Jahren behandelten viele Internetanbieter in Deutschland eigene Dienste bevorzugt, schlossen die Nutzung konkurrierender Dienste (wie Voice-Over-IP oder Instant Messaging) in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen vertraglich aus oder drosselten technisch die dafür verfügbare Bandbreite.“ Der Beschluss zu neuen Spielregeln zur Netzneutralität in der EU hatte also Konsequenzen für Deutschland: Im August antwortete die Bundesregierung bereits auf die neue EU-Verordnung mit einem <a href="http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/G/tkg-aenderungsgesetz,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Entwurf zur Änderung des Telekommunikationsgesetzes (TKG)</a>.  Demnach gibt es zukünftig hohe Bußgelder für Anbieter, die gegen die Gleichbehandlung von Daten verstoßen. Bei der Beschränkung von Datenverkehr liegen die Strafen bei bis zu 500.000 Euro, bei Drosselung des Datenvolumens bei bis zu 100.000 Euro. Auch die Deutsche <a href="http://www.golem.de/news/netzneutralitaet-telekom-fuehrt-drosselung-fuer-spotify-ein-1603-119994.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Telekom reagierte auf die neuen Regeln zur Netzneutralität</a> und beendete im April die bevorzugte Behandlung von Spotify, dessen Nutzung bis dato nicht in das normale Datenvolumen mit einberechnet wurde.</p>
<h3>Netzneutralität: Utopie der Internetfreiheit?</h3>
<p>Für Prof. Dr. Walter Brenner, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen, ist die allgemeine Debatte zur Netzneutralität oft zu idealistisch: „Die Diskussion rund um das Thema Netzneutralität muss entmystifiziert werden“. Es habe schon immer Netzwerke gegeben, die höhere Dienste und Übertragungsgeschwindigkeiten brauchten, wie zum Beispiel Computerspiele. Gerade in Bereichen wie dem automatisierten Fahren sei eine Priorisierung von Daten sogar überlebenswichtig. Auch Dr. Roland Bless vom KIT ist der Auffassung, dass die absolute Gleichbehandlung sämtlicher Daten technisch keinen Sinn macht: „So sollten z.B. für eine gute Gesprächsqualität Voice-over-IP-Daten schneller durch das Netz transportiert werden als WWW-Daten, aber das sollte für alle VoIP-Dienstleister gleichermaßen der Fall sein und nicht nur für den VoIP-Dienst des Internetzugangsdienstleisters.“ Bless fände es gerecht, wenn Verbraucher selber festlegen, welche Daten wie behandelt werden sollen, weil es „durchaus subjektiv und situationsabhängig ist, was dem Verbraucher wichtig bzw. dringlich ist. Dazu fehlen jedoch technisch derzeit noch passende Schnittstellen, die auch für den Verbraucher einfach verständlich und nutzbar sind.“</p>
<p>Brenner hält auch die Angst für unbegründet, dass Kleinunternehmer und Startups ohne eine garantierte Netzneutralität keine Überlebenschance hätten. Im Gegenteil: Unternehmen werden sich an die neuen Bedingungen anpassen und beispielsweise Gebühren für bevorzugten Transport zahlen, um dann bessere Dienstleistungen anbieten zu können. „Die Telekommunikations-Industrie wird die Infrastruktur weiter ausbauen. Es bleibt eine unternehmerische Entscheidung, in 5G einzusteigen oder nicht. Es gibt Dienstleistungen, die 5G brauchen und für die Kunden bereits sind zu zahlen“, so  Brenner. Die Umsetzung und Finanzierung des Ausbaus der Netzinfrastruktur liegt demnach nicht allein bei der Telko-Industrie, sondern wird genauso von großen Webdiensten wie Google oder YouTube, aber auch vom Endnutzer selbst bestimmt werden.</p>
<h3>Ausblick: Mehr oder weniger digitaler Europäischer Binnenmarkt?</h3>
<p>Trotz dieser technischen und wirtschaftlichen Argumente gegen eine absolute Gleichbehandlung von Daten bleibt das Prinzip der Netzneutralität elementar, um Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in einem freien Internet zu sichern. Die Basis für Netzneutralität in Europa wurde mit der EU-Verordnung gelegt und von den Umsetzungs-Richtlinien definiert. Mit der gestrigen Entscheidung geht die EU so einen weiteren, entscheidenden Schritt in Richtung digitaler Europäischer Binnenmarkt. Die Regeln zu Netzneutralität sind auf europäischer Ebene vereinheitlicht und konkretisiert, auch wenn weiterhin Schlupflöcher für die Bevorzugung von Daten bestehen bleiben. Die Umsetzung der Verordnung liegt nun bei nationalen Behörden, in Deutschland ist das die Bundesnetzagentur. Laut dem Bundesverband der Verbraucherzentralen müssen nun erst bestehende Praktiken und Geschäftsmodelle der Telekommunikationsunternehmen überprüft und gleichzeitig deren Maßnahmen zum Netzwerkmanagement kontrolliert werden. Die Schlüsselrolle in der Realisierung eines freien, gleichberechtigten Netzes liegt also bei den nationalen Behörden, die sich in Zukunft gegen Sonder-Deals und Wettbewerbsverzerrung durchsetzen müssen.</p>
<p>Titelbild: EU Netzneutralität von politik-digital</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Online-Bildung weltweit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carlotta Duken]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Aug 2016 12:47:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Computerboote in Bangladesh, Englisch per Skype in Uruguay und Internetbusse in Rwanda. Das Angebot an Online-Bildung auf der Welt wächst [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/One-Laptop-Per-Child.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-150079" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/One-Laptop-Per-Child.png" alt="One Laptop Per Child" width="640" height="301" /></a>Computerboote in Bangladesh, Englisch per Skype in Uruguay und Internetbusse in Rwanda. Das Angebot an Online-Bildung auf der Welt wächst stetig und kennt in seiner Kreativität keine Grenzen. Eine Auswahl an Initiativen und Projekten, die in benachteiligten Regionen das Lernen übers Internet ermöglicht, zeigt diese Weltkarte.</p>
<p>Die UN-Initiative „Education for All“ wollte bis 2015 alle Kindern auf der Welt zur Grundschule schicken. Trotz mehr Budget für Schulen und einem Zuwachs von Grundschülern bleibt dieses Ziel weit verfehlt. Immer noch mangelt es vielen Regionen dieser Welt an finanziellen Mittel und der richtigen Infrastruktur, oder aber Familien können es sich nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Während die Bildungsschere in vielen Ländern immer weiter auseinander geht, besteht Hoffnung, dass die benachteiligten Teile der Welt vom Internet und neuen Technologien für mehr Emanzipation und Bildung profitieren können.</p>
<p><iframe src="https://www.google.com/maps/d/embed?mid=1MtAYpYv3-saI74bTd_2b4dbprtw" width="640" height="480"></iframe></p>
<h3>Digitalisierung: Emanzipation in der Bildungslandschaft?</h3>
<p>Das Potenzial der Digitalisierung ist groß: der diesjährige Entwicklungsbericht der Weltbank beschäftigte sich mit dem Thema „Digital Dividends“, also mit dem Nutzen von digitalen Technologien für die Entwicklung und Wachstum von Ländern. Die weltweiten Zahlen von Handy-Besitzern und Internetanschlüssen boomen. Laut Weltbank haben derzeit mehr Menschen Handys als Elektrizität im Haus. Selbst bei den ärmsten 20% der Welt besitzen sieben von zehn Personen ein Mobiltelefon. Und doch gibt es wie mit der Bildung ein digitales Gefälle in der Gesellschaft zwischen den Menschen, die neue Medien besitzen und bedienen können, und denen, die es nicht tun. Dieser „digital divide“ zieht sich nicht nur zwischen Ländern und Kontinenten, sondern kann genauso im eigenen Land bestehen. Somit bleiben 60% der Menschheit „offline“; in manchen Regionen wie der Sub-Sahara Afrika sind es sogar 73%.</p>
<p>Wie helfen das Internet und neue Technologien, die digitale Kluft zu verringern und mehr Bildungschancen zu eröffnen? Es gibt viele Initiativen und Projekte weltweit, die zeigen, wie das funktioniert. Das Projekt „One-Laptop-Per-Child“ (OLPC) erreicht seit 2007 die ärmsten Schulkinder der Welt zwischen 6 und 12 Jahren mit über 22 Millionen sogenannte „xo Laptops“ in mehr als 42 Ländern. Aber auch große Tech-Firmen wie Microsoft oder Dell starten länderübergreifende Initiativen, die zusammen Millionen von benachteiligten Schülern den Zugang zu Computern ermöglichen. Dass dies sogar relativ umweltfreundlich und nachhaltig passieren kann, beweist Dell mit insgesamt 11 solarangetriebenen digitalen Klassenräumen, die meisten davon in Südafrika. Auf dem universitären Level gibt es „MOOCs“ (Massive Open Online Courses), über die wir bereits berichteten. Und schließlich gibt es viele nationale und regionale Lösungen, von denen einige hier vorgestellt werden. Gerade ländliche und benachteiligte Regionen, in denen es an Fachkräften und Materialen mangelt, profitieren vom Internet als Plattform für Online-Bildung.</p>
<h3>Grenzen der digitalen Bildungschancen</h3>
<p>Trotz Innovation und Nachhaltigkeit, die vieler der oben dargestellten Online-Bildungsinitiativen verkörpern, führen sie weniger zur Beseitigung der eigentlichen Probleme der Schulsysteme: ein multifunktioneller Computer ersetzt keinen Lehrer und auch der Mangel an grundlegenden Materialen wie Bücher, Stiften und Papier wird nicht behoben. Digitales Lernen bleibt ein wichtiges Werkzeug, von dem besonders ländliche Regionen der Welt profitieren können. Angepasst an lokale Bedürfnisse, eröffnen die Initiativen neue Bildungsmöglichkeiten für benachteiligte Teile der Gesellschaft. Und doch: es braucht strukturelle Veränderungen wie höhere Etats für Schulen, besser ausgebildete Lehrer und einfacheren Zugang zu grundlegender Bildung, die zu besseren Bildungschancen führen &#8211; nicht ein iPad oder Smartphone.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://www.flickr.com/photos/carlagmo/5494518129/in/photolist-9nwQPc-4rV6t3-4YoxxW-4eE2Vh-5ocPHe-4gwcq1-4YjhKF-45QURm-4pi6m5-4rR1RM-xxq8z-5BSv3H-5nUy8m-anD7us-5rgHAw-c5bepm-4XxwLw-4rV3B5-9nzUZG-77tge4-4Yji1v-9nzWxU-ayQr68-9nwD7z-4rV4Nu-4SeSxY-4Xy4m3-8gGnas-4Xy4ky-4Yoxub-75wcV4-6vvKyM-4rV2j7-9nwLFr-9nzThJ-4XyCtQ-9nwBpn-2WyjG1-54vBRx-4zXEc7-54zQBC-4gwcB3-4YjhNK-8gD57M-5s8BUD-aG3Dh-4rR29B-8gGmaN-4rV6xA-4rV5N3" target="_blank" rel="noopener noreferrer">P1010877</a> von <a href="https://www.flickr.com/photos/carlagmo/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Carla Gomez Monroy </a>via <a href="https://www.flickr.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">flickr</a>, licensed <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 2.0</a></p>
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		<title>Crowdsourcing: Digitaler Aktivismus gegen Korruption und Gewalt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carlotta Duken]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Aug 2016 13:19:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Welle]]></category>
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					<description><![CDATA[Über Crowdsourcing können weltweit Daten und Ideen gesammelt und geteilt werden. Viele digitale Initiativen beweisen, wie diese Synergien zu mehr Meinungs- [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ushadihi-Annual-Meetup-Kopie.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-150015 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ushadihi-Annual-Meetup-Kopie.png" alt="Jahrestreffen Ushahidi" width="633" height="420" /></a>Über Crowdsourcing können weltweit Daten und Ideen gesammelt und geteilt werden. Viele digitale Initiativen beweisen, wie diese Synergien zu mehr Meinungs- und Informationsfreiheit führen. Die Open-Source-Software „Ushahidi“ wurde bereits in 90.000 Projekten eingesetzt und zeigt anhand von vielen Beispielen, wie sich normale Bürger online für mehr Transparenz und Sicherheit einsetzen und so zu digitalen Aktivisten werden.</p>
<p><strong> </strong>Nach den arabischen Revolutionen stellte sich die Welt vor, wie soziale und digitale Medien in Zukunft Autokratien zu Demokratien umwandeln könnten. Etwa fünf Jahre später wissen wir, dass das so nicht stimmt. Eine digitalisierte Gesellschaft bedeutet zunächst, dass mehr Menschen auf Informationen zugreifen und sich selbst aktiver mitteilen können. In Ländern, wo traditionelle Medien von wenigen, einflussreichen Personen kontrolliert werden, ermöglichen digitale Wege alternative Informationskanäle, die jedoch auch von undemokratischen Regierungen für eigene Zwecke missbraucht werden können. Unzensiert Meinungen teilen, kritisieren und Proteste organisieren – ohne soziale Medien hätten die demokratischen Bestrebungen in Ländern wie Ägypten, Tunesien oder Jemen wohl trotzdem kaum ihre ganze Kraft entfalten können.</p>
<h3>„Ushahidi“: digitales Krisenmanagement</h3>
<p>Crowdsourcing ist ein Schlüsselbegriff für dieses neuen Informationszeitalter. Der Begriff steht für die Bündelung von Wissen und Ideen von vielen Menschen über das Internet. Es ist eine Art moderne Arbeitsteilung, die zunächst vor allem in der Wirtschaft genutzt wurde. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von gesellschaftlichen und sozialen Projekten, die von der sogenannten „Schwarmintelligenz“ profitieren.</p>
<p>Auf der Open-Source-Software „<a href="https://www.ushahidi.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ushahidi</a>“ basieren viele Crowdsourcing-Plattformen. Die Software wurde wegen der blutigen Auseinandersetzungen nach den kenianischen Präsidentschaftswahlen 2007 ins Leben gerufen, bei denen etwa 1.500 Menschen ums Leben kamen. Per E-Mail und SMS konnten Augenzeugen melden, wo gerade Gewalt stattfand.</p>
<figure id="attachment_150043" aria-describedby="caption-attachment-150043" style="width: 207px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Sinsai-OpenStreetMap-nach-Japan-Erdbeben.png"><img decoding="async" class=" wp-image-150043" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Sinsai-OpenStreetMap-nach-Japan-Erdbeben.png" alt="crisis mapping" width="207" height="222" /></a><figcaption id="caption-attachment-150043" class="wp-caption-text">Kriseninformationen nach Erdbeben in Japan</figcaption></figure>
<p>Die Meldungen wurden zunächst von Mitarbeitern verifiziert, meist in Kooperation mit lokalen Journalisten und NGOs, und anschließend in einer Karte bei Google Maps eingefügt und für jeden sichtbar gemacht. Das Ziel: mehr Transparenz und Sicherheit. Mehr als 45.000 Kenianer nutzen die Software, um Gefahrenzonen zu melden.</p>
<p>Spätestens seit dem Einsatz während des Erdbebens in Haiti in 2010 ist „Ushahidi“ international bekannt. Die Software ist kostenfrei, wurde inzwischen in etwa 90.000 Projekten weltweit verwendet und erreichte mit 6.5 Millionen Beiträgen etwa 20 Millionen Menschen. Das sogenannte „Mapping“ ist ein einfaches Werkzeug mit großer Wirkung: Vorfälle oder Missstände, die oft im Nichts verlaufen würden, werden dokumentiert, kartographiert und veröffentlicht. Unter anderem wurden nach dem Erbeben in <a href="http://www.sinsai.info/?l=de_DE" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Japan 2011 auf einer Karte Kriseninformationen</a> veranschaulicht und Hilfe koordiniert sowie bei den Wahlen 2015 in <a href="https://www.ushahidi.com/blog/2011/03/30/using-the-ushahidi-platform-to-monitor-the-nigeria-elections-2011" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nigeria Augenzeugenberichte zu Wahlbetrug</a> erfasst.</p>
<h3>Drei Initiativen für mehr Meinungs- und Informationsfreiheit</h3>
<p>In einer im April veröffentlichten Studie der Deutschen Welle (DW) Akademie zum Thema „<a href="http://www.dw.com/en/study-advancing-freedom-of-expression/a-19117154" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Advancing Freedom of Expression</a>“ werden 16 Initiativen vorgestellt, die digitale Technologien benutzen, um Meinungs- und Informationsfreiheit zu verbessern.  Viele dieser Initiativen basieren auf Crowdsourcing und nutzen die Software Ushahidi. Sie beweisen, dass digitaler Aktivismus zu mehr Transparenz, öffentlicher Debatte und Beteiligung führen kann.</p>
<p>Eine der Initiativen ist „<a href="http://www.followthemoneyng.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Follow the Money</a>“ aus Nigeria. Seit 2012 nutzt sie datenjournalistische Formate, um Hilfsgelder zu verfolgen und Korruption zu bekämpfen. Um sicher zu gehen, dass Hilfsgelder von der Regierung vergeben und ihr Ziel erreichen, arbeitet „Follow the Money“ auf digitalen und traditionellen Wegen. Im engen Kontakt mit Gemeinden informiert sie die ländliche Bevölkerung über versprochene Gelder und recherchiert über deren Einsatz. Die Ergebnisse der Recherchen &#8211; Interviews, Fotos und kurze Videos – werden direkt auf die „Follow the Money“ Website gestellt und anschließend in sozialen Medien geteilt. Seit ihrer Gründung konnte die Initiative in vielen Orten Nigerias dafür sorgen, dass Hilfsgelder dort ankommen, wo sie dringend benötigt werden. Einer der größten Erfolge gelang nach der schweren Bleivergiftung im Staat Zamfara im Norden Nigerias in 2010, wo „Follow the Money“ sicherstellte, dass das <a href="http://www.followthemoneyng.org/how-we-tracked-700-million-ngn-to-savebagega/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">versprochene Budget von umgerechnet 2.65 Millionen US-Dollar für die Säuberung der Umwelt und Gesundheitsversorgung von Kindern eingesetzt wurde</a>.</p>
<p>Für mehr Transparenz und Gerechtigkeit im Gesundheitssystem setzt sich die Initiative „<a href="http://meraswasthyameriaawaz.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mera Swasthya Meri Aawaz</a>“ (My Health My Voice) in Indien ein. Im Staat Uttar Pradesh im Norden Indiens müssen Frauen in Entbindungskliniken oft Gebühren für eine Behandlung zahlen, obwohl diese laut Gesetz kostenlos ist. Über eine kostenlose Handynummer können Betroffene ihren Fall anonym melden. Das interaktive Sprachausgabesystem ist direkt mit Ushahidi verbunden – so werden die Fälle der Frauen direkt auf einer Karte sichtbar gemacht.  Eine Zeitleiste und Karte visualisiert, wo und für welchen Service nach wie viel Geld gefragt wurde. Diese Informationen dienen nicht nur den Frauen selbst als Hilfe gegen Abzocke in der Klinik, sondern werden als Kontrollinstanz von Gemeindeorganisationen, Frauenverbänden und Regierungsbeamten wahrgenommen. Illegale Geldforderungen in der Region sind seit der Gründung zurückgegangen.</p>
<figure id="attachment_150042" aria-describedby="caption-attachment-150042" style="width: 960px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Mera-Swasthya-Meri-Aawaz“.png"><img decoding="async" class="wp-image-150042 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Mera-Swasthya-Meri-Aawaz“.png" alt="Karte von Mera Swasthya Meri Aawaz" width="960" height="434" /></a><figcaption id="caption-attachment-150042" class="wp-caption-text">Karte von Mera Swasthya Meri Aawaz</figcaption></figure>
<p>Ein letztes Beispiel, die „<a href="http://harassmap.org/en/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">HarrasMap</a>“ in Ägypten, zeigt seit 2010, wie Online-Aktivismus gegen sexuelle Belästigung und Gewalt vorgeht. Via E-Mail, SMS oder Twitter können Menschen direkt melden, wo es zu einer sexuellen Belästigung oder einem Übergriff gekommen ist. Die Meldungen sind anonymisiert und werden direkt auf einer <a href="http://harassmap.org/en/what-we-do/the-map/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Karte</a> markiert. Neben digitalem Engagement lebt die Initiative von seinen über 1.500 Freiwilligen, die auf den Straßen Ägyptens für mehr Bewusstsein gegen sexuelle Übergriffe eintreten. Mit der „HarassMap“ wird so ein praktisches Werkzeug geschaffen, sogenannte „Safe Areas“ aufzuzeichnen. Allerdings geht es den Initiatoren um mehr: als gesellschaftliches Kollektiv ein Zeichen gegen sexuelle Gewalt setzen und somit soziale und legale Konsequenzen von Belästigung bewirken. Während im ersten Jahr noch 42 Meldungen pro Monat eingingen, waren es zwischen 2014 und 2015 nur noch 50 Meldungen pro halbes Jahr.</p>
<h3>Digitale Wege für mehr Aktivismus?</h3>
<p>Drei Initiativen, die gegen Korruption und Gewalt kämpfen. Drei Beispiele, wie normale Bürger zu digitalen Aktivisten werden können. Die Initiatoren haben Wege gefunden, mit lokalen Herausforderungen umzugehen. Zwar boomt die Zahl von Handy-Nutzern im globalen Süden, jedoch bleiben Internetzugänge rar. Da in Nigeria nur 15% der Bevölkerung Internetzugang haben, half sich „Follow the Money“ mit einem Radiosender und gedruckten Materialien in lokale Sprachen, um mehr Menschen mit ihren Informationen zu erreichen.</p>
<p>Sowohl „Follow the Money“ als auch „HarassMap“ gehen direkt auf Menschen auf der Straße zu und sensibilisieren sie für Themen wie Korruption und sexuelle Gewalt. „Mera Swasthya Meri Aawaz“ berücksichtigt die hohe Zahl an Analphabeten unter Frauen und arbeitet mit einem interaktiven Sprachausgabesystem, bei dem die Anrufer weder lesen noch schreiben können müssen.</p>
<p>Es gibt viele Dinge, die digital einfacher funktionieren: die Vernetzung von Menschen, das Teilen und Veranschaulichen von Informationen oder das Erreichen eines internationalen Publikums. Trotzdem kämpfen viele Initiativen mit ähnlichen Problemen: es braucht ausreichend mobile Geräte vor Ort, die Menschen müssen von dem Projekt wissen und eine Motivation haben, den Service langfristig zu nutzen. Für den Benutzer ist es wichtig, dass Informationen schnell und vereinfacht abrufbar sind, trotzdem müssen Meldungen sorgsam und besonnen auf Richtigkeit überprüft werden. Ein Thema bleibt auch die Reichweite der Initiativen. Der Durchschnittsnutzer der Angebote ist laut Deutsche Welle zwischen 15 und 35 Jahren, männlich und lebt in der Stadt.</p>
<h3>Fazit: Reichweite vergrößern</h3>
<p>Crowdsourcing ist das Inbild von modernem Informationsmanagement. Viele Stimmen und Meldungen fügen sich online zu einem großen Informationspool zusammen. In Krisen- und Katastrophensituation kann das „Mapping“ von Gefahrenzonen viele Leben retten. Andere Initiativen bekämpfen so ein korruptes System, in dem sie mit gesammeltem Wissen mehr Transparenz und Druck auf ihre Regierungen erzeugen. Die hohe Zahl von Menschen ohne Internetzugang zeigt jedoch auch, dass es weiterhin traditionelle Wege braucht, um Menschen zu informieren und mobilisieren. Das Informationspotenzial dieser Initiativen ist also enorm, jetzt braucht es Ideen, um mehr Menschen den Zugang zu ihnen zu ermöglichen.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://www.flickr.com/photos/whiteafrican/6789923767/in/photolist-bm18Ma-7G1Kkb-5W3yr5-9GxMUL-5W3zK9-5rX2ED-5W3zAw-6BNJ1r-8oPG6V-82QhyU-6BSQ9J-69skFf-69sbwG-69oiJM-5VYfkx-5VYNDa-8ohd2F-69ofVF-dZuK5D-agJtTE-5VYg6r-8Pwpaa-agFF1t-8NXR8R-69sdMW-6BNHAR-8PwjfK-5W3yBA-dy9Vap-69s7FA-agFFwt-nTdrVE-5VYgbF-4TkmUh-6BNHFV-7mioKu-7wKUQQ-69ssKh-oazcS5-8Pwj1z-8Pznch-e2jdfQ-5VYeQT-7G1Knh-9eVaA1-69o6HP-9aEkmp-dM7nLr-69nSzR-agJtYo" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ushahidi 2012 Annual Meetup</a> von <a href="https://www.flickr.com/photos/whiteafrican/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Erik (HASH) Hersman</a> via <a href="https://www.flickr.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">flickr</a>, licenced <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY 2.0 </a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Soziale Medien als Krisenmanager</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carlotta Duken]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Aug 2016 15:30:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Es ist eine Hassliebe: Twitter und Facebook, die uns in Krisensituationen zeigen, dass unsere Freunde und Familie in Sicherheit sind [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/PaixPourParis.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-149951 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/PaixPourParis.png" alt="Trauer nach dem Paris-Anschlag" width="640" height="384" /></a>Es ist eine Hassliebe: Twitter und Facebook, die uns in Krisensituationen zeigen, dass unsere Freunde und Familie in Sicherheit sind und gleichzeitig vor Fehlinformationen überlaufen. Sie vergewissern und verunsichern &#8211; und sind inzwischen fester Bestandteil von modernem Krisenmanagement.</p>
<p>Dass Twitter und andere Instant-Messenger uns im Sekundentakt über jede neue Entwicklung in Krisensituationen wie Anschlägen oder Naturkatastrophen auf dem Laufenden halten, ist nicht neu. Mit Kurznachrichten von maximal 140 Zeichen, die jeder von überall verschicken kann, setzen sich in Gefahrensituationen oft Lawinen von Augenzeugenberichten, Spekulationen und Meinungen im Netz frei. Diese Tweets enthalten häufig Informationen, von denen JournalistInnen und andere Medien noch gar nichts wissen. Neu ist also nicht die Tatsache, dass soziale Medien für moderne Berichterstattung essenziell geworden sind &#8211; jedoch aber die Debatte über die Risiken und Herausforderung ihrer Nutzung, die seit Nizza und München neu entfacht ist.</p>
<h3>ReputatioLab: So twittert die Welt während eines Terroranschlags</h3>
<p>In einer detaillierten Analyse untersuchte das französische “<a href="http://www.reputatiolab.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ReputatioLab</a>“, wie sich Krisenmeldungen über Twitter entfalten und wie dabei Gerüchte und Falschmeldungen entstehen. Das „ReputatioLab“ steht unter der Leitung des Kommunikationswissenschaftlers <a href="http://www.reputatiolab.com/nicolas-vanderbiest-2/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nicolas Vanderbies</a>t. Für die Analyse wertete der Forscher sämtliche Tweets aus, die während und nach den Attentaten von Charlie Hebdo, Paris, dem Thalys Zug und Nizza veröffentlicht wurden. Die Auswertungen zeigen, dass sich der Informationsfluss und die Stimmungslage der Twitter-Nutzer in sechs verschiedene Phasen einteilen lassen.</p>
<p>In der ersten Phase besteht ein recht neutraler Informationsaustausch. Kurz nach den ersten Schüssen oder einer Explosion weiß noch niemand, was gerade passiert. Es geht um Fakten, keine Spekulationen. Zum Beispiel von <a href="https://twitter.com/BWBreaking" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BW Breaking News</a> in Nizza: „<a href="https://twitter.com/BWBreaking/status/753734832908369920" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mindestens 60 Tote und mehr als 100 Verletzte auf der Promenade der Engländer</a>“. In der zweiten Phase folgen emotionale Beiträge. Nach den Paris-Anschlägen lautete ein Tweet von <a href="https://twitter.com/BayouSarr" target="_blank" rel="noopener noreferrer">@Bayou Sarr</a> „<a href="https://twitter.com/BayouSarr/status/665325087109726210?ref_src=twsrc%5Etfw" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Un Carnage &#8230; Choqué , écœuré, abasourdi et triste …#Catastrophique</a>“ (Ein Blutbad…schockiert, angewidert, benommen und traurig…#Katastrophal). Die dritte Phase nennt sich „Transitionsphase“ und zeigt eine Vermengung der ersten beiden Phasen: faktische und emotionsgeladene Tweets. Informationen und neue Meldungen fließen schneller als zuvor.</p>
<p>In der vierten Phase findet eine Rationalisierung der Geschehnisse statt: die Menschen fangen an, das Ausmaß des Schreckens zu begreifen. Oft gibt es inzwischen verifizierte Informationen von der Polizei oder anderen offiziellen Stellen. Die Menschen fangen an, sich zu organisieren. In Paris, Nizza und München wurde der Hashtag #offenetür geteilt. Diese Phase charakterisiert sich also meistens durch ein positives Gefühl von Zusammenhalt und Solidarität. In der fünften Phase mischen sich verschiedene Interessen ins Geschehen. Einerseits Interessen an den genauen Umständen und Hintergründen zu den Gewalttaten: wer, was, warum und mit welchen Konsequenzen? Leider gibt es aber auch genug Menschen, die diesen Moment im Eigeninteresse nutzen: zum Beispiel tweeten Leute unter den umlaufenden Hashtags, um die eigene Follower-Anzahl zu erhöhen und sich selbst zu vermarkten. Zuletzt folgt eine Phase der „Desorganisation“, in der Gegenmeinungen laut werden. Nach Charlie Hebdo war das in der sechsten Phase „JeNeSuisPasCharlie“ oder nach Nizza wurde das #PrayforNice als zu religiös kritisiert. Auch Verschwörungstheorien nehmen zu, wie vom Nutzer <a href="https://twitter.com/La_Pollice" target="_blank" rel="noopener noreferrer">@La_Pollice</a>, der die Amerikaner, die durch ihr beherztes Eingreifen ein Massaker im Thalys-Zug verhindern konnten, als <a href="http://www.apple.com/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spione</a> bezeichnete.</p>
<h3>Sind wir auf Twitter alle Journalisten?</h3>
<p>Die Analyse von ReputatioLab zeigt: trotz des Wankelmuts von sozialen Medien scheint es Muster zu geben, die sich in der Kommunikation von Krisensituationen wiederholen. Welchen Mehrwert haben Twitter und Co. aber für die Verbesserung von Krisenmanagement?  Laut Bundesinnenministeriums gibt es vier Grundsätze in der <a href="http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2008/Krisenkommunikation.pdf?__blob=publicationFile" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Krisenkommunikation</a>: Schnelligkeit, Wahrhaftigkeit, Verständlichkeit und Konsistenz. Abgesehen vom Tempo der Meldungen, die im Fall von Terroranschlägen im Minutentakt veröffentlicht werden, erfüllen Soziale Medien diese Kriterien kaum. Im Gegenteil: nach dem Terrorakt von Nizza und dem Amoklauf in München wurde besonders viel Kritik an der Masse der Falschinformationen und Inkonsistenz der Aussagen laut. Jeder kann das Netz mit Informationen fluten. Das ist Segen und Fluch zugleich.</p>
<p>Normale BürgerInnen werden auf Twitter zu AktivistInnen, die Stellung beziehen und sich engagieren. Bei dem Paris-Attentat startete ein 15-Jähriges Mädchen den Hashtag <a href="https://twitter.com/recherchepariis" target="_blank" rel="noopener noreferrer">#RechercheParis</a>, um die Suche nach Vermissten zu organisieren. Im Fall des verhinderten Attentats im Thalys Zug im August 2015 waren es die Meldungen eines Unbeteiligten, der die Welt über Neuigkeiten der Ereignisse auf dem Laufenden hielt. Der Twitter-Nutzer <a href="https://twitter.com/FreedomFilmLLC" target="_blank" rel="noopener noreferrer">@FreedomFilmLLC</a> saß selbst nicht im Zug, aber hatte einen mitreisenden Freund, von dem er Informationen erhielt, die er dann über Twitter &#8211; sozusagen per Livestream &#8211; teilen konnte. Erst nachdem der Zug am Bahnhof von Arras angehalten wurde, erschien eine erste Stellungnahme des Thalys und Berichte von Journalisten. Die Überwältigung des Attentäters war da bereits passiert und von @FreedomFilmLLC mit Fotos auf Twitter öffentlich gemacht.</p>
<h3>Gerüchte, Falschmeldungen und Katzenbilder</h3>
<p>Aber nicht alles ist gut und hilfreich, was in Ausnahmesituationen über Twitter und Facebook geteilt wird. Die meisten Hashtags sind sehr kurzlebig; innerhalb weniger Stunden kommen neue dazu und alte werden ersetzt. Den Überblick zu behalten ist manchmal gar nicht so leicht. In Nizza war es nach kurzer Zeit schwierig, Informationen über #Nice zu finden. Stattdessen wurden Informationen unter #AttentateNice oder #NiceAttentat weiter verbreitet. Gerade in Nizza und München gab es außerdem große Probleme mit Falschmeldungen, die im Netz kursierten. In Nizza war fälschlicherweise die Rede von Geiselnahmen im Buffalo Grill Restaurant und Meridian Hotel. In München spekulierte man über drei Täter und weitere Schüsse in der Innenstadt, was wiederum bei vielen Menschen Panik auslösten. ReputatioLab spricht in diesem Zusammenhang über einen Ansteckungseffekt. Mit nur einem Klick teilt man den Tweet einer anderen Person, den dann wiederum die eigenen Follower sehen und weiter teilen können. Das ist einfacher, schneller, aber auch oft unüberlegter als Mundpropaganda. Aus Annahmen und einzelnen Spekulationen über Schüsse werden im Netz schnell vermeintliche Tatsachen, obwohl der Ursprung eines Gerüchts oft auf wenige Personen zurückgeführt werden kann.</p>
<p>Falschinformationen, die im Netz kursieren, sind gefährlich. Für die Menschen selbst bedeuten sie Verunsicherung und Angst oder können sogar zu Fehlverhalten führen, beispielsweise die falschen Plätze zu meiden oder Massenpaniken zu erzeugen. Polizeiarbeit wird durch Gerüchte behindert, da sie aktiv dagegen steuern müssen, um weiteres Chaos zu verhindern. Städte, die von einem Attentat getroffen werden, befinden sich bereits im Ausnahmezustand. Wenn mehrere Polizeifahrzeuge zu einem Einsatz ausrücken, der sich als falsch herausstellt, könnten diese Kräfte an einer entscheidenden Stelle fehlen. In München laufen seit dem Amoklauf <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/amoklauf-in-muenchen--taeter-erschoss-sich-schon-um-20-30-uhr---kontakt-mit-polizisten-6977208.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ermittlungen</a> gegen die möglicherweise bewusste Streuung von Gerüchten, sowohl im Netz als auch per Anruf bei Polizeistationen. Jedoch ist nicht nur das Teilen von Falschmeldungen gefährlich, sondern auch die Verbreitung von echten Informationen kann die Ermittlungen der Polizei erschweren oder sogar benachteiligen. Um Diskussionen über aktuelle Ermittlungsstände zu vermeiden und den Attentätern nicht in die Hände zu spielen, wurden im Anschluss an die Brüssel-Anschläge unter dem Hashtag #BrusselsLockdown kurzerhand tausende <a href="http://www.bbc.com/news/world-europe-34897645" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Katzenbilder</a> von Twitter-Nutzern geteilt.</p>
<h3>Wie man mit den neuen Herausforderungen umgeht</h3>
<p>Zwar scheinen Behörden und Staat zunächst machtlos gegen diese Informationswut im Netz, aber inzwischen haben sie auch etwas entgegenzusetzten. Um Falschmeldungen im Keim zu ersticken, rief die Polizei München unmittelbar auf Twitter dazu auf, keine Gerüchte weiterzuverbreiten und <a href="https://twitter.com/polizeimuenchen/status/756862894147592192" target="_blank" rel="noopener noreferrer">drohte mit Konsequenzen</a>. Generell wurde die Arbeit der Münchner Polizei an diesem Abend hoch gelobt &#8211; im analogen und digitalen Sinne. Mit regelmäßigen Nachrichten für die Bürger sorgte sie dafür, Chaos und Panik zu begrenzen. Alle Meldungen wurden in verschiedenen Sprachen übersetzt.</p>
<p>Dennoch bleibt die Informationsverarbeitung in soziale Medien in Krisensituationen schwierig. Informationen sollen schnell fließen, aber dennoch glaubhaft sein. Twitter kann dabei vieles, was konventionelle Nachrichtenportale nicht können. Zum Beispiel Zusammenhalt beweisen, indem man mithilfe von Hashtags Solidarität mit möglichen Opfern, Angehörigen und Menschen vor Ort bekundet. Auch kann Twitter organisieren und koordinieren, was die Suche nach Vermissten oder nach Unterkünften in Paris, Nizza und München zeigte. Zuletzt nutzen wir das Netzwerk als schnelle Informationsquelle, das oft noch vor anderen Online-Medien Neuigkeiten bietet. Allerdings steht jeder Nutzer vor der Herausforderung, richtige von falschen Informationen zu unterscheiden und selbst verantwortungsvoll mit Hinweisen umzugehen.</p>
<p>Die meisten Menschen halten sich auch heute noch an traditionelle Medien, wie die Tagesschau, wenn sie sich gewissenhaft informieren wollen. Aber auch hier spielen soziale Netzwerke eine immer größere Rolle in der Nachrichtenverarbeitung und Verbreitung und auch das birgt Probleme in sich. Im Zuge des Attentats in München, wurde die teilweise ungefilterte und schnelle Verbreitung von Informationen aus sozialen Netzwerken durch traditionelle Medien im Nachhinein scharf kritisiert. In jedem Fall braucht es neben der Möglichkeit sich über soziale Medien zu informieren weiterhin Alternativen in der Krisenkommunikation, die möglichst schnell und effektiv viele Menschen, erreichen können. Und doch wird Twitter eine Schlüsselrolle in zukünftiger Krisenkommunikation spielen, als schneller, direkter und authentischer Informationskanal, auf den alle Menschen zugreifen können.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://www.flickr.com/photos/the_apex_archive/22427762543/in/album-72157661209640592/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">15115_025 &#8220;Paix pour Paris&#8221;</a> von <a href="https://www.flickr.com/photos/the_apex_archive/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Apex Archive</a> via <a href="https://www.flickr.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">flickr</a>, licenced <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-NC-ND 2.0 </a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Digitale Flüchtlingshilfe: Gemeinsam sind wir stärker</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carlotta Duken]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jul 2016 13:46:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[digital]]></category>
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		<category><![CDATA[Helfer-Allianz]]></category>
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					<description><![CDATA[„GoVolunteer“, „ichhelfe.jetzt“ und „HelpTo“ sind die derzeit größten Initiativen der digitalen Flüchtlingshilfe, die Projekte und Freiwilligenarbeit zwischen Helfern und Hilfesuchenden [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Helfer-Allianz-1.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-149863 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Helfer-Allianz-1.jpg" alt="" width="636" height="388" /></a></p>
<p><strong>„GoVolunteer“, „ichhelfe.jetzt“ und „HelpTo“ sind die derzeit größten Initiativen der digitalen Flüchtlingshilfe, die Projekte und Freiwilligenarbeit zwischen Helfern und Hilfesuchenden vermitteln. Um Ressourcen besser zu bündeln und besser voneinander  zu lernen, soll es in Zukunft die „Helfer-Allianz“ geben. Im Interview erklären Malte Bedürftig (GoVolunteer), Mandy Pearson (ichhelfe.jetzt) und Daniel Wetzel (HelpTo) welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen</strong></p>
<p><strong>politik-digital: </strong>Wie ist eure Bilanz über das letzte Jahr in der digitalen Flüchtlingshilfe? Wie haben sich Angebot und Herausforderungen geändert?</p>
<p><strong>Malte: </strong>Die Situation ist jetzt anders, als sie letzten Sommer war. Damals herrschte eine sehr große Euphorie und eine riesige Hilfsbereitschaft mitzumachen, was für uns (GoVolunteer) eine Initialzündung war. Diese wollten wir dafür nutzen, Freiwilligenarbeit auf eine große Basis zu stellen. Diese Mission hat sich eigentlich nicht für mich geändert. Heutzutage hat sich vielleicht die Stimmung geändert und der „Alles-wird-gut“ Traum, den viele damals hatten, hat sich in mehr Realismus verwandelt. Allerdings ist das nicht nur schlecht. Gerade in der Freiwilligenarbeit ist es so, dass sich auch im letzten Jahr eine Menge Leute so sehr hereingestürzt haben, dass man tatsächlich so etwas hatte wie „Helfer-Burnouts“ und Menschen auch an ihre Grenzen gestoßen sind. Insofern glaube ich, dass es im Prinzip sogar für diesen Bereich eine Art Gesundung ist, wenn man sagt jetzt können alle mal gucken, ob sie das balanciert in ihren Alltag einbauen können. Und wir haben eben auch das Ziel dabei, das auf mehr Schultern zu verteilen.  Mein Eindruck: die Leute, die damals Hilfsbereitschaft gezeigt haben, die sind auch jetzt noch dabei, auch wenn diese Energie vielleicht nach außen nicht mehr so sichtbar ist.</p>
<p><strong>Daniel: </strong>Hilfe war zunächst unkoordiniert: Sachspenden wurden irgendwo abgegeben, wo sie überhaupt nicht gebraucht wurden oder Leute nicht wussten, wo sie sich engagieren können. HelpTo hatte das Ziel, diese Hilfe besser zu koordinieren. Wir haben von Anfang an gesagt, dass Integration mehr als eine Sachspende ist:  Da geht es um Arbeit, um Wohnraum, um Begegnungsmöglichkeiten – es ist ein relativ breites Themenspektrum. Integrationsspezifische Themen werden nun wichtiger, Nachfragen nach Sachspenden gehen eher zurück oder werden konkreter.  Es gab also eine Veränderung. Bei uns wurden aus einem Portal, das sich auf nur eine Stadt bezog, insgesamt 79 Einzelportale. Der Bedarf ist also nach wie vor da – auch wenn es eher nicht mehr um die schnelle Flüchtlingshilfe geht, sondern um integrationsbegleitende Themen.</p>
<p><strong>politik-digital: </strong>Wie und wann genau fing die Kooperation zwischen „<a href="https://govolunteer.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">GoVolunteer</a>“,<a href="https://ichhelfe.jetzt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">“ichhelfe.jetzt“</a> und „<a href="http://helpto.de/de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">HelpTo</a>“ an?</p>
<p><strong> Malte: </strong>Im November letzten Jahres gab es bereits erste Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit. Es ging darum, zu verstehen, was der andere genau macht und ob es Möglichkeiten der konkreten Zusammenarbeit gibt. Bei uns dreien gab es sowohl eine inhaltliche Übereinstimmung, als auch den Willen und Bedarf, gemeinsam Kräfte zu bündeln.  Man hat nicht immer sofort die Kapazität das in die Tat umzusetzen. Jetzt wollen wir nicht zum fünften Mal dieselben Gespräche führen, sondern auch mal Taten folgen lassen. Beim Digitalen Flüchtlingsgipfel im Juni 2016 in Berlin haben wir dann einen Workshop zusammen gemacht. Dabei wurde nochmal sichtbar, dass es Bedarf und Nachfrage nach Zusammenarbeit gibt. Außerdem war klar, dass wir für unser Projekt Unterstützer brauchen, und es einen Synergieeffekt hat, wenn man noch mehr Leute dazu holt. Wir wollten also kein Exklusivitätsbündnis aufmachen, sondern wollten es für andere offen halten.</p>
<p><strong>politik-digital: </strong>Was sind die derzeitigen Herausforderungen in der Vermittlung des digitalen Ehrenamts und wie könnte eine Zusammenarbeit hier helfen?</p>
<p><strong> Malte</strong>: Grundsätzlich haben wir alle die Botschaft verinnerlicht, dass das hier kein Konkurrenzgeschäft ist. Es geht darum, möglichst viel Transparenz zu schaffen und den guten Projekten, den Leuten, die Hilfe brauchen und Hilfe anbieten, möglichst viel Reichweite zu bieten – das können wir zu dritt einfach besser als alleine.</p>
<p><strong> Daniel</strong>: Unsere Plattformen sind alle drei etwas unterschiedlich, haben alle ihre Stärken. Deswegen war für uns interessant zu gucken, wie man diese integrieren kann. Bei uns ist es relativ einfach: es gibt entweder eine Nachfrage nach einer bestimmten Dienstleistung, Hilfe oder Sachspende oder es gibt sie eben nicht. Nach diesem Nachfrage-Angebot Prinzip können Außenstehende gut sehen, wo Hilfe gebraucht wird. Wenn es aber das Bedürfnis von Leuten gibt, sich an einem bestimmten Ort zu engagieren, empfehlen wir diese aber gerne gezielt an „ichhelfe.jetzt“ weiter. Genauso haben wir kein Problem, jemandem GoVolunteer vorzuschlagen oder deren Projekte vorzustellen, wenn jemand sich stärker an die Organisation binden möchte und nach einem Community-Erlebnis sucht. Das wären zunächst die ersten konkreten Schritte der Zusammenarbeit.</p>
<p><strong>Mandy: </strong>Für uns war es seit Anfang des Jahres ganz wichtig, mit Organisationen direkt zusammenzuarbeiten, um herauszufinden was sich über die Zeit verändert hat. Am Anfang brauchten die Geflüchteten Kleidung oder Essen, jetzt sind es zum Beispiel spezielle Sach- und Zeitspenden wie Waschmaschinen und Integrationshilfen , die gesucht werden. In unserem Fall  haben wir uns mit Organisationen hingesetzt und haben geschaut, welche Unterstützung benötigt wird, vor allem von der technischen Seite, um die richtigen Helfer zu finden. Bei „Ichhelfejetzt“ stellen Ehrenamtliche ihre Hilfe ein und Organisationen fragen diese ab. Für uns ist wichtig, dass diese Abfrage sehr einfach funktioniert, weil sonst die Helfer nicht in Anspruch genommen werden, die warten und helfen wollen.</p>
<p><strong>politik-digital: </strong>Wie schafft man es, möglichst viele Menschen mit eurem Angebot zu erreichen? Zum Beispiel die ältere Generation, die gerne helfen und über Zeit verfügen, aber nicht mit dem Internet vertraut sind?</p>
<p><strong> Mandy: </strong>Die Nutzung von Internet und Smartphones in der älteren Generation steigt stetig. Wir wollen die Nutzbarkeit und  Einstellung als Helfer so einfach wie möglich gestalten, sodass das auch die Älteren navigieren können. Jeder Smartphone-User kann auf „Ich-helfe-jetzt“ ganz einfach zugreifen und ihre Hilfe einstellen, ohne großen Aufwand. Wir arbeiten aber auch mit Organisationen zusammen, die schwarze Bretter benutzen –  nutzen also auch lokale Wege.</p>
<p><strong>Malte</strong>: Als Online-Plattform kommen manchmal auch Anfragen, die wir als GoVolunteer nicht direkt abdecken, aber bei denen wir gerne weiterhelfen: Soll zum Beispiel ein Flüchtling abgeschoben werden und sucht nach Rechtsbeistand,  leiten wir ihn zu <a href="http://angehoert.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">angehört.org </a>weiter. Und so ist das zum Beispiel auch bei älteren Menschen oder Leuten, die im Digitalen noch nicht so viel Erfahrung haben &#8211; da hilft man ein bisschen nach. Ansonsten gibt es auch viele Leute, die bereits sehr stark im kontinuierlichen Ehrenamt drin sind. Da muss man sich einfach fragen: brauchen die uns überhaupt? Unsere Mission ist natürlich besonders auf Leute zuzugehen, die gerne was machen würden, aber bis jetzt noch nichts tun, weil die Hemmschwelle mangelnde Transparenz war oder sie einfach nicht wussten, wie man anfängt.</p>
<p><strong>Mandy</strong>: Diese Hemmschwelle zu überwinden ist ein wichtiger Punkt. Wir wollen die Menschen überzeugen, die helfen wollen, aber sich noch nicht überwunden haben. Für diese Menschen soll es einfach sein, zu finden, nach was sie suchen. Bei uns ist das so: der Helfer muss stellt einfach seine Fähigkeiten ein, und wird dann direkt selbst kontaktiert. Aus der Perspektive der Helfenden ist diese Hemmschwelle so sehr weit unten angesetzt.</p>
<p><strong>politik-digital: </strong>Eure gemeinsame Vision ist also, sich zunächst besser miteinander zu vernetzen und dann langfristig eine gemeinsame Plattform zu gestalten, die „Helfer-Allianz“. Wie sehen die nächsten Schritte in der Zusammenarbeit aus?</p>
<p><strong> Malte: </strong>Das ist noch ziemlich weit weg und man muss natürlich überlegen, was aus Nutzerperspektive Sinn macht. Wenn man tatsächlich komplementäre und unterschiedliche Angebote hat, macht es keinen Sinn, alles zusammen zu packen und es wird dadurch unübersichtlicher. Sondern man muss natürlich einen zentralen Zugangsweg haben – wie der genau technisch aussieht, wissen wir noch nicht genau.</p>
<p><strong>Daniel</strong>: Dafür ist es wichtig, sich mit anderen Menschen weiter auszutauschen. Wir haben heute bereits gesehen, wo die ersten Anknüpfungspunkte liegen. Es muss überlegt werden: kann man das realisieren und welche Ressourcen muss man dafür einsetzten. Es ist nicht das Ziel, dass es am Ende eine Plattform gibt, die alle anderen ersetzt. Es gibt verschiedene Angebote, die vielleicht in bestimmten Regionen etwas stärker engagiert sind und die einen bestimmten Fokus haben, und das soll auch weiterhin parallel existieren. Die meisten Initiativen in der digitalen Flüchtlingshilfe sind Vereine, die alle mit keinem großen Budget arbeiten und auf Unterstützung angewiesen sind. Wir glauben aber, dass es Sinn macht, an dieser Stelle zu überlegen: Welche Sachen kann man an irgendeiner Stelle vielleicht gemeinsam machen. Wenn man sich gut versteht und das gleiche Ziel hat, vielleicht gibt es am Ende eine gemeinsame Plattform – oder zumindest eine teilintegrierte. Das muss man einfach mal schauen, wie sich das entwickelt. Aber vorstellbar ist es auf jeden Fall. Für den Nutzer ist das an verschiedenen Stellen sinnvoll.</p>
<p><strong>politik-digital: </strong>Eine Zukunftsprognose: Wie relevant wird die digitale Flüchtlingshilfe in der Zukunft sein?</p>
<p><strong> Daniel: </strong>Am Ende macht unser Angebot einiges einfacher und hat konkrete Bewandtnis. Ich glaube schon, dass es auch in Zukunft sinnvoll ist, so etwas zu haben, da es regional unterschiedlich ja auch Angebote gibt, wo sich Leute vernetzen können. Man hat 1 Millionen Menschen in Deutschland aufgenommen. Zwar werden es dieses Jahr nicht ganz so viele, aber trotzdem ist es eine riesige Herausforderung und es geht um Fragen wie Integration. Auch wissen wir nicht, wie es weitergeht und ob es bald eine nächste Welle geben wird.</p>
<p><strong>Malte</strong>: Gerade in Deutschland gab es immer viel Ehrenamt und vieles was über Freiwilligenarbeit getragen wird. Allerdings hat es bisher noch nicht so einen automatischen Stellenwert, im alltäglichen Leben, wie es zum Beispiel in den USA der Fall ist, wo man bereits in der High School verpflichtende Ehrenamtsstunden ableisten muss. Diese Alltäglichkeit ist auch ein Ziel, dass wir alle verfolgen: Freiwilligenarbeit in der Kultur zu verankern und dass Ehrenamt etwas Selbstverständliches ist, das man auch mit seinem normalen Job vereinbaren kann. Das zu ermöglichen ist nicht einfach, gerade wenn diese Strukturen noch nicht so etabliert sind. Wenn wir also gemeinsam die Vision der „Helfer-Allianz“  verfolgen wollen, braucht es mehr Transparenz und einfache digitale Wege. Es ist eine unglaubliche Chance.</p>
<p>Titelbild: Die &#8220;Helfer-Allianz&#8221; von <a href="https://govolunteer.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">GoVolunteer</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Spanien: Digitalisierung in der Krise</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carlotta Duken]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Jul 2016 08:47:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalstrategie]]></category>
		<category><![CDATA[Fachkräftemangel]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>
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					<description><![CDATA[Das politische Klima in Spanien ist gereizt: Ohnmacht im Parlament, Korruptionsvorwürfe gegen die Politik, Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen und  eine Generation [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/König-Felipe-Digital.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-149799 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/König-Felipe-Digital.jpg" alt="The King of Spain Felipe VI, (C) and Catalan President Artur Mas (L) listen to explanations in the Orange stand during the opening of MWC 2015. Mobile World Congress 2015 by  Jordi Boixareu, CC BY-NC-ND 2.0" width="634" height="359" /></a>Das politische Klima in Spanien ist gereizt: Ohnmacht im Parlament, Korruptionsvorwürfe gegen die Politik, Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen und  eine Generation von jungen Spaniern, die keine Arbeit mehr im eigenen Land findet. Der Höhepunkt der Wirtschaftskrise liegt bereits sechs Jahre zurück, die Folgen sind aber immer noch spürbar, auch in der schleppenden Digitalisierung spanischer Unternehmen.</p>
<h3>„España 4.0“: Digitalisierung  trotz Krise</h3>
<p>Wie geht es weiter mit einem Land, das sich nicht so recht von seiner wirtschaftlichen und politischen Flaute erholen zu scheint? Spaniens Regierung und führende Unternehmen haben große Ambitionen mit dem Krisenland: „España 4.0“, eine neue Digitalstrategie, die im Rahmen der europäischen Digitalen Agenda im Jahr 2013 vorgestellt wurde. Bis 2025 sollen etwa 120 Milliarden Euro mit der digitalen Transformation verdient und Kosten bis zu 20% gesenkt worden sein. In Zukunft sollen tausende neue Arbeitsplätze entstehen, diese Zukunftsberufe nennen sich unter anderem  „social manager“ oder „intelligence manager“.</p>
<p>Digitalisierung wird gerne missverstanden und auf rein technische Innovationen reduziert. Allerdings umschließt die digitale Transformation die gesamte Unternehmensstruktur und betrifft somit sämtliche Bereiche eines Betriebs – von der Administration bis zu verbesserten Produktionstechniken. Die in diesem Jahr veröffentlichte <a href="https://w5.siemens.com/spain/web/es/estudiodigitalizacion/Documents/Estudio_Digitalizacion_Espana40_Siemens.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie</a> von Siemens und Roland Berg ist die erste seiner Art, die sich mit der digitalen Transformation Spaniens in den verschiedenen Wirtschaftssektoren befasst.</p>
<h3>Finanzielle und strukturelle Defizite</h3>
<p>Die Ergebnisse der Studie legen ein erhebliches Verbesserungspotenzial des Landes offen. Zwar machen fast alle Unternehmen von digitalen Medien wie E-Mail und eigener Website Gebrauch, nur ein geringer Teil verfügt jedoch über Kompetenzen, die über diese digitalen Grundstandards hinausreichen.  Diese digitale Kluft zwischen dem, was technisch bereits möglich ist, und dem, was angewandt wird, ist besonders groß in den Bereichen Gesundheit und Technik (75%) und Energie (51%). Ein Viertel der Unternehmen haben weiterhin keinen Zuständigen für Digitales. Weniger als ein von drei Betrieben hat überhaupt eine Digitalstrategie. Wie kommt das?</p>
<p>Die Studie trifft auf einen Paradox: obwohl Spanien an Platz 14 der Weltrangliste der Länder steht, die den größten Anteil ihres BIPs in Digitalisierung investiert, schafft es das Land nur auf Platz 45 in der digitalen Entwicklung. Mangelt es also an den Mitteln oder an der richtigen Strategie? Die Antwort ist: an beidem. Die Kombination aus fehlenden Ressourcen und mangelnden Investitionen, vor allem in Forschung und Entwicklung (F&amp;E), führt zu einer chronischen Unterfinanzierung des digitalen Wandels in der Wirtschaft.  Laut Eurostat investierte Spanien so nur 1,2% seines GDP in F&amp;E, verglichen mit 3% in Deutschland und 2% in den USA. Ein weiteres Manko entsteht durch die Schwächen in den Bildungsmöglichkeiten. Obwohl die Zukunftsrichtung der Wirtschaft digital ist, gibt es kaum digitale Fachkräfte. Die rasant steigende Nachfrage nach IT-Experten und Social Media Managern übersteigt das Angebot an Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten. Momentan besitzen nur etwa die Hälfte aller Spanier grundlegende Kenntnisse im Umgang mit neuen Medien.</p>
<h3>Auf dem Weg in eine digitale Zukunft</h3>
<p>Es entsteht ein Teufelskreis: weniger Innovation führt zu weniger Investitionen führt zu weniger Geld für Bildung führt zu weniger Innovation. Mit dem digitalen Wandel, der immer mehr qualifizierte Arbeitskräfte fordern und geringqualifizierte aussortieren wird, ist die Nachfrage nach Fachkräften höher denn je. Eine digitale Zukunft braucht digitale Talente. Viele junge Spanier verlassen bereits ihr Land, um ihre Zukunftsmöglichkeiten im Ausland zu verbessern. Und doch: Spanien befindet sich auf einem Weg, der optimistisch stimmt. Laut <a href="https://ec.europa.eu/digital-single-market/desi" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Digital Economy and Society Index (DESI)</a> hat Spanien im letzten Jahr innerhalb der EU am meisten Potenzial im Digitalen entwickelt: es gibt immer mehr Studienabschlüsse in digitalen und technischen Studiengängen und bei der Nutzung elektronischer Services wie „eInvoice“ in der öffentlichen Verwaltung steht Spanien sogar auf Platz 5 im EU-Vergleich.</p>
<p>Entscheidend ist, wie die neue Regierung die Pläne der „Digitalen Agenda 2013“ umsetzten wird. Nur wenn sich mehr Menschen den neuen Technologien zuwenden und mehr Geld in digitale Bildung fließt, wird Spanien den Sprung in eine digitalisierte Zukunft schaffen.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://www.flickr.com/photos/jobopa/16074619154/in/photolist-6A9sTs-qusCf7" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mobile World Congress 2015 </a> via flickr von <a href="http://jobopa.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jordi Boixareu</a>,<br />
<span class="licensetpl_attr">licenced <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-NC-ND</a></span></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Digitale Diplomatie: Außenpolitik im Wandel</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/digitale-diplomatie-aussenpolitik-im-wandel-149718/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Carlotta Duken]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Jul 2016 13:26:42 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Schweden und Dänemark trollen sich auf Twitter, Israel schickt Snapchats und Finnland kreiert eigene Emojis –Digitalisierung trifft auf Diplomatie. Während [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/auswärtiges-amt-hellblau.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-149719 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/auswärtiges-amt-hellblau.jpg" alt="Auswärtiges Amt" width="640" height="280" /></a><br />
Schweden und Dänemark trollen sich auf Twitter, Israel schickt Snapchats und Finnland kreiert eigene Emojis –Digitalisierung trifft auf Diplomatie. Während „eDiplomacy“ mehr Möglichkeiten für Transparenz und Dialog mit der Bevölkerung eröffnet, stellt es Staaten auch vor neue Herausforderungen und Risiken.</p>
<p>Diplomatie galt bislang als Kunst des bedachten Verhandelns und Vermittelns. Diplomatisches Geschick im 21. Jahrhundert bedeutet jedoch auch, Schritt zu halten mit dem Tempo gesellschaftlicher Veränderungen, die sich nun einmal überwiegend online abspielen. Lässt sich deutsche Außenpolitik in 140 Zeichen erklären? Wahrscheinlich nicht. Doch obwohl wichtige Gespräche und Verhandlungen weiterhin hinter verschlossenen Türen stattfinden, ergänzen soziale Medien nun die Palette diplomatischer Werkzeuge.</p>
<p>Unter „Digital Diplomacy“ oder „eDiplomacy“ versteht man die Nutzung neuer Kommunikationswege, um diplomatische Ziele zu erreichen. Die Studie <a href="http://twiplomacy.com/blog/twiplomacy-study-2016/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Twiplomacy&#8221;</a> (2016)  fand heraus, dass Twitter als beliebtestes Medium insgesamt 793 Twitter-Accounts von Regierungen und Staatschefs umfasst, die sich auf 173 Länder verteilen. Weitere beliebte Netzwerke sind Facebook, genutzt von 169 Ländern, gefolgt von YouTube, Instagram und anderen Plattformen wie Google+, LinkedIn oder Snapchat.</p>
<p>Kein Land kann es sich leisten, das Potenzial von Social Media für außenpolitische Zwecke zu ignorieren. Als erstes Land erkannten das die USA, die bereits früh in digitale Technologien ihrer Auslandsvertretungen investierten. Als Pioniere der digitalen Diplomatie brachte das amerikanische Außenministerium im Jahr 2006 ein eigenes „Diplopedia“ auf den Weg, eine komprimierte Online-Sammlung von diplomatischem Wissen, das den Austausch und die Erweiterung von Informationen erleichterte und beschleunigte.  Auch das Auswärtige Amt verstärkt seine Präsenz im Netz und zählt derzeit etwa 365,000 Twitter-Anhänger. Seit diesem Jahr hat es sogar einen Instagram Account, der von Frank-Walter Steinmeier mit einem <a href="http://www.shz.de/deutschland-welt/netzwelt/freshness-ist-alles-frank-walter-steinmeier-wird-hip-auf-instagram-id13910057.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Video</a> und den Begrüßungsworten „Hey Ladies and Gentlenerds“ eingeweiht wurde.</p>
<h3>Was Digitale Diplomatie wirklich verändert</h3>
<p>Wie wirksam ist eDiplomacy tatsächlich? Für Außenministerien und Diplomaten bedeutet eine Social Media Präsenz zunächst, die eigene Sichtbarkeit und somit Relevanz für den Normalbürger zu erhöhen. Wenn also der derzeitige deutsche Botschafter in London über Twitter der Wimbledon Gewinnerin Serena Williams gratuliert oder wenn Barack Obama zu einer „Ask Me Anything“ Session auf Reddit einlädt, macht sie das nicht nur sympathisch, sondern beweist auch Mediengeschick und Bürgernähe. Neben ihrer traditionellen Rolle als Regierungsbeauftragte werden Diplomaten durch neue Medien zu Bürgerbeauftragten. Es entsteht ein Dialog mit der Zivilgesellschaft, den die konventionelle Diplomatie nicht kennt.</p>
<p>Letztendlich profitieren – im Idealfall &#8211; beide Seiten von diesem Dialog: Bürger können mitdiskutieren, kritisieren und vielleicht sogar politischen Einfluss nehmen; Botschaften verstehen eher die Sorgen und Bedenken der jeweiligen Landesbevölkerung und können eigene Informationen effektiver verbreiten, ohne den Umweg über die Presse zu nehmen. Die Nutzweise digitaler Medien variiert dabei stark: während einige Länder vor allem das eigene Land bewerben und kulturelle Botschaften verbreiten, propagieren andere die politische Sichtweise der Regierung. Allerdings gibt es noch andere Situationen, in denen sich Plattformen wie Twitter und Facebook bezahlt machen können. In Krisensituationen wie zum Beispiel 2012 bei dem Hurrikane Sandy machten viele Botschaften von sozialen Medien Gebrauch, um mit der Diaspora ihres Landes Kontakt aufzunehmen, und dessen Wohlbefinden zu überprüfen.</p>
<p>Fraglich bleibt, wie viel mehr Kommunikation und Interaktion durch diese neuen Formen der digitalen Diplomatie geschaffen werden. Zwar kann jetzt jedermann dem Außenminister seine Meinung tweeten, unklar ist aber, ob dies politische Auswirkungen hat. Viel mehr verdienen soziale Medien ihren Wert für die Diplomatie in ihrer Rolle als Stimmungsbarometer der Gesellschaft. Sowohl im außenpolitischen als auch im nationalen Kontext hat die Netzmeinung Bedeutung, zum Beispiel, um sozial-politisches Konfliktpotenzial bereits im Vorfeld zu analysieren. Im Gegenzug können Staaten jedoch auch das undemokratische Potenzial der neuen Medien nutzen, um Propaganda und Falschinformationen zu verbreiten oder Meinungen zu unterdrücken.</p>
<h3>Neue Herausforderungen: schnell, authentisch, präzise</h3>
<p>Die Nutzung neuer Medien verlangt auch Anpassungsfähigkeit: Gilt traditionelle Diplomatie doch als Kunst der besonnenen Worte, verlangen Twitter und Co. hingegen nach Schnelligkeit und Schlagfertigkeit. Michael Roth, der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, sagte in einem Interview auf <a href="http://blog.telekom.com/2015/12/17/diplomatie-braucht-trotz-internet-geschuetzte-raeume/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netzgeschichten</a>, dass er „viel stärker als früher mit Wünschen, Forderung und Kritik konfrontiert wird“. Dass die Möglichkeit der schnellen Reaktionsfähigkeit auch neue Herausforderungen mit sich bringt, bewies der unglückliche Fehler der Russischen Botschaft aus London, die im Mai diesen Jahres als Foto für einen <a href="https://twitter.com/russianembassy/status/730701444823826432" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tweet</a> über einen mit chemischen Waffen geladenen Lastwagen der Extremisten in Aleppo ein Screenshot aus einem Computer-Spiel verwendeten und anschließend viel Spott dafür ernteten.</p>
<p>Neue Medien bedeuten auch eine neue, junge Zielgruppe mit anderen Interessen und Sprachgebrauch. Der Grat zwischen hipp, authentisch und doch präzise und politisch korrekt ist schmal. Nach dem Brexit erhielt folgender Tweet  des Auswärtigen Amts vor allem positive Reaktionen: „<a href="https://twitter.com/AuswaertigesAmt/status/746422386598223872?ref_src=twsrc%5Etfw" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wir gehen jetzt in einen irischen Pub und betrinken uns. Ab morgen arbeiten wir dann wieder für ein besseres <span style="text-decoration: line-through;">#</span>Europa. Versprochen!</a>“</p>
<p>Noch aber befinden sich die meisten Länder im Frühstadium ihrer digitalen Kommunikation. Das derzeitige Online-Angebot ausländischer Vertretungen ist bereits riesig, aber dadurch oft unübersichtlich. Während manche Botschaften mit eigenen Accounts arbeiten, sind es in anderen Fällen spezifische Programme oder Einzelpersonen der Regierung, die auf Twitter oder Facebook auftreten. Auch an den richtigen Medienstrategien mangelt es so manchen Botschaften, da verschiedenen Plattformen ihre eigenen Zielgruppen haben und damit einhergehend daher auch individuelle Taktiken verlangen. In der Nutzung neuer digitaler Plattformen für Auslandsvertretungen ist Deutschland im Ländervergleich nur Mittelmaß und liegt hinter den skandinavischen Ländern und Großbritannien. Laut Anja Türkan, der Digital Diplomacy Expertin des Auswärtigen Amts, hängt das schlechte Abschneiden unter anderem mit den relativ strikten Hierarchien im Auswärtigen Amt zusammen, die den digitalen Wandel in Deutschlands Außenpolitik entschleunigen.</p>
<h3>Risiken und Zukunft der eDiplomacy</h3>
<p>Ganz ohne Risiken funktioniert die digitale Reform der Diplomatie leider nicht. Die Öffentlichkeit im Netz verlangt nach schnellen Reaktionen und klaren Antworten. Das ist Neuland für die konventionelle Diplomatie, die sonst höchstüberlegt und unter vier Augen über die Bühne geht. Dass man sich in ungewohntem Terrain auch schneller Fehler leistet, zeigen Beispiele diplomatischer Fauxpas im Internet, wie der erwähnte Tweet der Russischen Botschaft oder aber das per Photoshop bearbeitete <a href="http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/asia/india/12032546/Narendra-Modi-photoshopped-image-of-Chennai-floods-visit-goes-viral.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Twitter-Bild des Indischen Premieministers</a>. Gleichzeitig besteht die Gefahr für Staaten, Opfer von Datenleaks zu werden, zum Beispiel durch Enthüllungsseiten wie WikiLeaks, die bereits 2010 für die Veröffentlichung von mehr als 250.000 sensibler diplomatischer Aufzeichnungen der USA verantwortlich war.</p>
<p>Und eine Frage bleibt natürlich: wie genau misst man nun den Erfolg digitaler Diplomatie? Das amerikanische Außenministerium beeindruckt mit etwa 3 Millionen Followern im internationalen Vergleich, folgt selbst aber nicht mehr als 450. Ist die Zahl der Follower oder die Menge der Verknüpfungen ein besserer Maßstab für gute eDiplomacy? Momentan scheint es zu früh, um die Ergebnisse und Folgen digitaler Diplomatie abzusehen. Das Grundwesen der Diplomatie bleibt nichtöffentlich und diskret – daran konnten auch Twitter und Facebook nichts ändern. Jedoch wird auch die Außenpolitik sich dem digitalen Wandel nicht entziehen können und twitternde Botschafter sind wohl nur der Anfang.</p>
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<p><span class="licensetpl_attr">Titelbild: Auswärtiges Amt by </span><a href="http://politik-digital.de/"><span class="licensetpl_attr">politik-digital.de</span></a><span class="licensetpl_attr"> licenced <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA</a><br />
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<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Social Media: Politik bleibt „offline“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Carlotta Duken]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jul 2016 15:20:38 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Soziale Medien politisieren – das war zumindest die Erwartung an soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter, die unsere politische Informationsgesellschaft [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/social-media.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-149686 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/social-media-630x295.jpg" alt="" width="630" height="295" /></a>Soziale Medien politisieren – das war zumindest die Erwartung an soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter, die unsere politische Informationsgesellschaft revolutionieren sollten. Die Ergebnisse einer neuen Studie deuten auf das Gegenteil hin: trotz steigender Nutzerzahlen im Netz bleibt Politik zunächst „offline“.</p>
<p>Die Möglichkeiten der „neuen Medien“ für die Politik scheinen zunächst außerordentlich: unmittelbare Nähe zum Wähler, geringe finanzielle Aufwendung für Kampagnen und vor allem die Möglichkeit, auch die Politikverdrossenen zu erreichen, die sonst um Parteistände einen großen Bogen machen. Das Forschungsprojekt <a href="http://www.bapp-bonn.de/files/BAPP_Politische_Kommunikation_in_Zeiten_von_Social_Media_Web_Final.pdf">„Politische Kommunikation in Zeiten von Social Media“</a> von Thorsten Faas, Professor für Politikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, und dem Meinungsforschungsinstitut YouGov untersuchte die Rolle sozialer Netzwerke in der politischen Informationsbeschaffung von Bürgern. Insgesamt 704 Personen wurden zwischen 2013 und 2015 zu ihrem politischen Verhalten in Sozialen Netzwerken befragt.  Die Online-Befragung erfolgten zu fünf verschiedenen Zeitpunkten, um Tendenzen im Zusammenhang  mit politischen Ereignissen wie der Bundestagswahl 2013 oder der Europawahl 2014 festzustellen.</p>
<h3>Schauplatz politischer Diskussion bleibt „offline“</h3>
<p>Immer mehr Deutsche nutzen Facebook und Twitter. Ihre politische Bildung beziehen sie aber lieber weiterhin aus konventionellen Medien, wie Fernsehen, Radio, Tageszeitungen oder Online-Nachrichtenportalen. Facebook und Twitter werden hingegen „selten“ bis „nie“ zur Informationsbeschaffung genutzt. Die Nutzer, die sich tatsächlich via Facebook und Twitter über aktuelle politische Ereignisse informieren oder sogar aktiv online verbreiten und diskutieren, bilden eine Minderheit im Netz. Es sind vor allem die politikinteressierten und jüngeren Nutzer: im Jahr 2015 waren es  17,9% der 18 bis 40-Jährigen und nur 8,3% der 40 bis 60-Jährigen.</p>
<p>Auch die hohe Beliebtheit von Facebook und Twitter ist kein Allheilmittel gegen Politikverdrossenheit. Mehr als zwei Drittel aller Facebook Nutzer haben noch nie einen politischen Artikel verfasst, geteilt oder „geliked“. Nur ein Drittel der Befragten gibt an, bei Facebook auf neue Informationen zu stoßen. Ein reger politischer Austausch fand dort während des Studienzeitraums nur in politisierten Zeiten statt. So konnte die Studie zur Bundestagswahl 2013 und zum Beginn der Flüchtlingskrise 2015 eine Zunahme politischer Kommunikation in  Sozialen Medien nachweisen. Tweeten, liken und kommentieren dienen also weiterhin primär dem Unterhaltungswert. Trotz der leicht steigenden Tendenz von Nutzern, die sich „häufig“ oder „sehr häufiger“ politisch auf Facebook oder Twitter informieren, bleibenn Gespräche mit Familie, Freunden oder auch Kollegen und Nachbarn die primäre Diskussionsform.</p>
<h3><strong>Zwischen Demokratie und Unglaubwürdigkeit</strong></h3>
<p>Fazit ist: Der Mehrwert sozialer Medien für eine demokratische Informationsgesellschaft bleibt vorerst gering. Warum ist das so? Die Studie zeigt, dass das Problem sozialer Medien wohl gerade in ihrer Demokratiefähigkeit liegt. Die uneingeschränkte Möglichkeit der Partizipation bedeutet für die Mehrzahl der Nutzer auch weniger Glaubhaftigkeit der online verbreiteten Informationen und Meldungen. Im Durchschnitt wurden soziale Medien als „eher unvertrauenswürdig“ eingestuft, während die traditionellen Medien erneut besser abschneiden. Eine weitere Einschränkung im Nutzwert neuer Medien bleibt die sinkenden, dennoch bedeutende Zahl von Nicht-Nutzern: im Jahr 2015 nutzten 54% der deutschen Bevölkerung Facebook und 11,8% Twitter.</p>
<p>Besorgniserregend erscheinen außerdem die sogenannten „Filterbubbles“, in denen sich Nutzer bewegen. Die meisten Menschen suchen auch online nach politisch-ideologisch Gleichgesinnten. Bei Facebook funktioniert das durch eigenes Selektieren, wie zum Beispiel dem Folgen bestimmter Personen und Parteien oder dem Hinzufügen und Löschen von Freunden, aber auch durch eine fremdbestimmte Auswahl durch Algorithmen, die einem möglichst passende Seiten und Artikel vorschlagen soll. Der Anteil der Facebook-Nutzer, die bereits Kontakte blockiert oder gelöscht haben, weil diese zu viele politische Beiträge veröffentlicht oder eine andere politische Meinung im Netz vertreten haben, hat sich zwischen 2013 und 2015 deutlich vergrößert. Die entstehenden „“Informationsblasen“ verzerren das Bild von Meinungsvielfalt im Netz und verringern die kritische Auseinandersetzung mit anderen Ansichten.</p>
<p>Das alles bedeutet nicht, dass soziale Medien nicht politisieren können. Seiten wie Facebook und Twitter haben die Möglichkeiten politischer Kommunikation grundlegend verändert – nur scheinen vor allem die Menschen daraus Nutzen zu ziehen, die bereits politisch interessiert und aktiv sind. Neben den politisch Desinteressierten sorgen die hohe Zahl der Nicht-Nutzer sowie Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit der Netzwerke dafür, dass die politische Informationskultur in Deutschland derzeit weitgehend den traditionellen Medien überlassen bleibt.</p>
<p><span class="licensetpl_attr">Titelbild: <a href="https://unsplash.com/photos/HAIPJ8PyeL8" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Smartphone</a> by </span><span class="licensetpl_attr">freestocks.org</span><span class="licensetpl_attr"> via <a href="https://unsplash.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unsplash </a>licenced <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en">CC0</a><br />
</span></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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