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	<title>cahlert &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>cahlert &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Was regiert das Netz?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cahlert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Internetrecht]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
		<category><![CDATA[Lawrence Lessig]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
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					<description><![CDATA[Lawrence Lessig ist Berkman Professor für Verfassungsrecht an der Harvard Universität.
Zusammen mit Charles Nesson hat er dort das Berkman Center für Internet &#38; Gesellschaft aufgebaut und
momentan stellt er ein Buch mit dem Titel "Code" and other Laws of Cyberspace" fertig.
Außerdem schreibt er regelmässig über Internet und Recht im Zentralorgan der digitalen Gesellschaft <a href="http://www.wired.com/">Wired</a>
und in der New York Times.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Das Netz als Herausforderung für eine<br />
funktionierende Demokratie</b><br />
</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Lawrence Lessig ist Berkman Professor für Verfassungsrecht an der Harvard Universität.<br />
Zusammen mit Charles Nesson hat er dort das Berkman Center für Internet &amp; Gesellschaft aufgebaut und<br />
momentan stellt er ein Buch mit dem Titel &quot;Code&quot; and other Laws of Cyberspace&quot; fertig.<br />
Außerdem schreibt er regelmässig über Internet und Recht im Zentralorgan der digitalen Gesellschaft <a href="http://www.wired.com/">Wired</a><br />
und in der New York Times.</span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<table align="left" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" width="120">
<tbody>
<tr>
<td width="120"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/archiv/koepfe/lessig/images/lessig.jpg" alt="Lawrence Lessig" border="1" height="144" hspace="0" vspace="0" width="120" /></td>
<td rowspan="2"><spacer type="block" height="1" width="10"></spacer></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#e0e0e0"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial,Helvetica; color: #333333"><br />
			Lawrence Lessig</span></td>
</tr>
<tr>
		</tr>
</tbody>
</table>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Besondere Aufmerksamkeit haben seine Ideen über den Zusammenhang der technischen Struktur des Internet<br />
und der Durchsetzung von Recht und Gesetz im Cyberspace hervorgerufen. Lessig ist der Meinung, daß<br />
Codes &#8211; technische Standards und der Softwarecode &#8211; den Cyberspace regieren. Das Berkman Center<br />
ist dementsprechend auch der <i>think-tank</i>,<br />
der die Entstehung der &quot;Internet Corporation for Assigned Names<br />
Numbers&quot; (ICANN) begleitet. ICANN wird die Vergabe der Internetadressen<br />
weltweit regulieren. Viele Kritiker befürchten, daß auf diese Art und<br />
Weise eine zentrale Regierung für das Netz entsteht, die zum einen<br />
US-amerikanisch dominiert ist, und zum anderen vor allem Kontrolle über<br />
alle Bereiche des Internets ausüben wird. <br />
Am Berkman Center wird zur Zeit heftig diskutiert wie ICANN eine sinnvolle und gerechte<br />
<a href="http://cyber.law.harvard.edu/rcs/">Repräsentationsstruktur</a> der unterschiedlichen User-Interessen entwickeln kann.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Herr Lessig, Sie sind einer der renomiertesten Beobachter der Entwicklung von Recht und Gesetz im Internet.<br />
Sie haben zahllose Artikel über den Cyberspace, und wie eine sinnvolle Rechtsprechung dort möglich ist, geschrieben.<br />
Wie sind sie eigentlich dazu gekommen, ein Cyberlaw Experte zu werden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Lawrence Lessig:</b> Ich unterrichte &quot;Gesetze des Cyberspace&quot; seit 1995, habe aber lange vor dieser Zeit<br />
damit begonnen, die Evolution von Recht und Gesetz im Internet zu studieren. Eigentlich liegt meine<br />
hauptsächliche Expertise im Verfassungsrecht und im internationalen Vergleich von Verfassungsrecht.<br />
Aus meiner Sicht ist das aber genau das, was &quot;Cyberlaw&quot; ist.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Niemand weiß so recht wie das Internet als globales Medium effektiv<br />
regiert werden soll. Man hört immer wieder, das der Gesetzgeber das Internet nicht regulieren kann.<br />
Besonders in der Internetgemeinde scheint die Meinung zu bestehen: Im Netz herrsche Anarchie.<br />
Sie haben sich in Ihren Arbeiten immer wieder mit der Frage beschäftigt, wer das Netz regiert.<br />
Zu welchen Schlüssen sind Sie gekommen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Lawrence Lessig:</b> Die bessere Frage wäre &quot;Was&quot; regiert den Cyberspace. Aus meiner Sicht ist die<br />
übergeordnete Regierungsstruktur des Internet dezentral organisiert, eine &quot;von-unten-nach-oben-Regierung&quot;.<br />
Das läßt natürlich sehr wenig Kontrolle von oben nach unten zu. Dies ist also ein fester<br />
Bestandteil des Internetdesigns. Auch wenn standardsetzende Organisationen &#8211; einige sind schon älter, andere neueren<br />
Datums &#8211; technische Protokolle und Standards entwickeln und unterstützen, die das Design des<br />
Netzes bestimmen, so sind diese Protokolle und Standards keine Werkzeuge die für eine Kontrolle im Netz von oben nach<br />
unten. Sie sind Werkzeuge um miteinander in Verbindung treten zu können und um zu kommunizieren.<br />
Ich habe darüber auch einen kurzen Artikel geschrieben. Er heißt <a href="http://cyber.law.harvard.edu/lessig.htm"><br />
&quot;The Limits in Open Code&quot;.</a><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Sie sind also der Meinung, daß nicht Recht und Gesetz im herkömmlichen<br />
Sinne das Verhalten der Menschen im Netz bestimmen, sondern der &quot;Software-Code&quot; entscheidend ist.<br />
Werden wir also von Nullen und Einsen regiert? Können Sie bitte noch mal genauer erklären warum<br />
technische Standards die Möglichkeiten des regierens im Cyberspace bestimmen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Lawrence Lessig:</b> Versetzen Sie sich in die Rolle eines souveränen Staates in der realen Welt. Reale<br />
Regierungen müssen, wenn sie das Benehmen von Menschen im Cyberspace kontrollieren wollen, die Möglichkeit<br />
besitzen herauszufinden, wer die jeweilige Person ist. In der ursprünglichen Architektur des<br />
Netzes war die Identität nicht bekannt oder man konnte sie zumindest sehr schwer herausfinden.<br />
In diesem Sinn ermöglicht der ursprüngliche Code keine Regulation durch reale Regierungen.<br />
Aber der Code kann natürlich verändert werden. Digitale Unterschriften zum Beispiel würden vielmehr<br />
Kontrolle ermöglichen.<br />
Und wenn dann also die Architektur anderen Prinzipien folgt, würde es viel mehr Möglichkeiten geben<br />
das Benehmen im Netz zu kontrollieren. Es ist also der Code, in diesem Sinn, der teilweise dafür<br />
verantwortlich ist, Regulation zu ermöglichen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Also ist eine Regierung für den Cyberspace eigentlich eine Organisation, die<br />
dessen technische Architektur bestimmt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Lawrence Lessig:</b> Natürlich sind mit Standardsetzung Steuerungsfragen verbunden. Die Entstehung<br />
einer Organisation wie ICANN läßt zumindest die Möglichkeit zu, daß in koordinierter Art und Weise<br />
strategische Standards durchgesetzt werden, die es erleichtern das Verhalten im Cyberspace zu steuern.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Wie werden denn nun diese Regeln implementiert?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Lawrence Lessig:</b> Diese Regeln werden teilweise durch den Code des virtuellen Raumes bestimmt<br />
werden, aber auch durch traditionelle Strukturen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Stimmen Sie zu, daß &#8211; wie es in einem Titel eines Artikels in der New<br />
York Times hieß &#8211; das ICANN: &quot;A Kind of Constitutional Convention of the Internet&quot; sei.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Lawrence Lessig:</b> Ja, das ist sicherlich eine faire Beschreibung. ICANN hat zwar nur eine limitierte<br />
Jurisdiktion, aber so ist es bei allen Verfassungsregierungen. Am Anfang haben sie immer eine<br />
begrenzte Möglichkeit der Rechtssprechung.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Denken Sie, daß das ICANN die sehr unterschiedlichen Interessen der Menschen,<br />
die einen immer größeren Teil ihres Lebens im Cyberspace verbringen in ausreichender repräsentiert?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Lawrence Lessig:</b> Naja, momentan bestimmen ausschließlich die Mitglieder von ICANN was die Organisation macht.<br />
Aus meiner Sicht, ist das zwar ein wertvoller Versuch, aber auch extrem schwierig durchzuhalten.<br />
Wir haben am Berkman Center mit einigen Modelle deliberativer Umfragen experimentiert.<br />
Solche Methoden könnten die Mitgliedsstruktur ergänzen. Ich denke, der Schlüssel zur Lösung des<br />
Problemes liegt darin, daß man kreativ darüber nachdenken muß wie man in ausreichendem Maße<br />
input in die Organisation hinein bekommt, ohne das eine Gruppe die zu mächtig wird.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Sollen also nicht nur Internet-shareholders sondern auch stakeholders<br />
die Entscheidungen von ICANN beeinflussen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Lawrence Lessig:</b> Stakeholders sollten natürlich Einfluß haben, aber jeder ist ein stakeholder. Ich halte<br />
nichts von Konzepten, die Regierung durch stakeholder wollen, aber stakeholders ausschließlich<br />
als solche definieren die bereits Investoren sind.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Was halten Sie eigentlich von den Befürchtungen der Europäern,<br />
daß ICANN von US-amerikanischen Interessen dominiert wird?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Lawrence Lessig:</b> Das ist natürlich eine berechtigte Sorge, aber ich denke, daß sich ICANN dazu<br />
verpflichtet hat eine Balance zwischen den verschiedenen Interessen herzustellen.<br />
Es wird jedoch wesentlich schwieriger sein ICANN als wirklich internationale Organisation<br />
zu etablieren. Die Frage ist jedoch, ob dies dann die USA und Europa wirklich mögen werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Wie stellen sie sich also ein funktionierendes Modell zur Internetregierung vor?<br />
Was sind die entscheidenden Punkte?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Lawrence Lessig:</b> Es muß ein ganz neuartiges Regierungsverständnis sein &#8211; nicht eines indem nur die<br />
Insider Kontrolle haben oder wo es nur so aussieht als würde es Demokratie geben, aber in Wirklichkeit<br />
business as usual herrscht. Das Netz ist eine neue Herausforderung und bietet neue Möglichkeit<br />
für eine funktionierende Demokratie. Es wird jedoch nicht funktionieren, wenn es ein Modell<br />
alter Demokratie sein wird.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600"><br />
politik-digital:</span></b> Vielen Dank für das Gespräch.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Das Interview mit Lawrence Lessig führte Christian Ahlert.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Eine Regierung für das Internet</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/eine_regierung_fuer_das_internet-779/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/eine_regierung_fuer_das_internet-779/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[cahlert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
<b>
Wer regiert das Internet? Eine gängige Antwort auf diese
hypothetische Frage verneint jegliche Regierbarkeit, da es keinen
zentralen Steuerungspunkt gäbe, von dem Kontrolle über das Internet ausgeübt
werden könne. Diese weitverbreitete Meinung sieht das Internet als einen
eigentlich anarchischen Raum an. Aber was wäre, wenn es eine globale
Internet-Regierung gäbe...?</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><br />
Wer regiert das Internet? Eine gängige Antwort auf diese<br />
hypothetische Frage verneint jegliche Regierbarkeit, da es keinen<br />
zentralen Steuerungspunkt gäbe, von dem Kontrolle über das Internet ausgeübt<br />
werden könne. Diese weitverbreitete Meinung sieht das Internet als einen<br />
eigentlich anarchischen Raum an. Aber was wäre, wenn es eine globale<br />
Internet-Regierung gäbe&#8230;?</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Eine Antwort auf diese, die Zukunft des Netzes bestimmende Frage, wurde Ende Mai<br />
in Berlin bei der Tagung der <a href="http://www.icann.org/">Internet Corporation for Assigned Names and Numbers </a><br />
gegeben. ICANN soll unter anderem die wichtigste virtuelle Resource neu organisieren: Die weltweite<br />
Vergabe der Internet-Adressen. Doch befürchten Kritiker &#8211; und insbesondere die Anarchie liebende Internetgemeinde &#8211;<br />
die Entstehung einer zentralen Regierung für das Netz, die ihre Macht mißbrauchen könnte. Denn das neu geschaffene<br />
Selbstverwaltungsorgan des Internet, soll nicht nur die Namensvergabe im Netz regeln wird.<br />
Selbst die sonst zurückhaltende <a href="http://www.nytimes.com/">New York Times </a><br />
titelte über ICANN: &quot;A Kind of Constitutional Convention for the Internet&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">ICANN wurde letztes Jahr als Non-Profit Organisation nach den <a href="http://www.nia.org/">Vorstellungen der US-Regierung </a><br />
gegründet. Die Organisation soll ab September 2000 das DNS-System (Namensvergabe-System)<br />
im Internet koordinieren, die Vergabe der IP-Adressen neu regeln, neue Standards für Internet Protokolle<br />
entwickeln und das Root-Server System im Netz organisieren. All diese Aufgaben wurden vorher<br />
von der US-Regierung gesteuert. Es handelt sich zwar auf den ersten Blick um zutiefst technische Fragen,<br />
doch haben diese natürlich sehr viel mit &quot;Politik&quot; zu tun. Momentan verfügt zum Beispiel allein die amerikanische<br />
Eliteuniversität Stanford über mehr IP-Adressen als ganz China. Und da jeder Computer, der über das Internet kommuniziert eine<br />
eigene IP-Adresse benötigt, kann man eine ungleiche Verteilung der Adressen leicht ausrechnen, da es z.B. eindeutig<br />
mehr Chinesen als Studierende in Stanford gibt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In den Root-Servern sind die<br />
Informationen gespeichert, die zu jeder IP-Adresse auf der Erde, also<br />
zu jedem Internet-Benutzer, führen. ICANN hat also die Kontrolle über<br />
die Wurzeln der virtuellen Welt und könnte die Vergabe von Adressen in<br />
Zukunft bestimmten Regeln unterwerfen oder den Zugang zum Netz<br />
verbieten. David Post, Rechtsprofessor an der Temple-University,<br />
formuliert die Problematik dieser Machtkonzentration von ICANN sogar<br />
noch viel härter: &quot;Das ist das elektronische Äquivalent zur<br />
Todesstrafe&quot;. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Zwar betont die Internet-Unternehmerin, Autorin und Chefin von ICANN, <a href="http://www.edventure.com/">Esther Dyson </a><br />
immer wieder: &quot;Wir unterliegen nicht der Kontrolle durch eine<br />
Regierung, und wir wollen auch keine sein&quot;, doch hat bei der Entstehung von ICANN die US-Regierung<br />
alleine und übermächtig die entscheidende Rolle gespielt (siehe dazu auch das <a href="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/dyson.shtml">Interview mit Esther Dyson</a>).<br />
Im Oktober letzten Jahres hatte sie nämlich entschieden, die alleinige<br />
Kontrolle über die weltweite Vergabe der Internet-Adressen<br />
(Domain-Namen), und der technischen Organisation des Netzes aus der<br />
Hand zu geben und an ICANN zu übertragen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Zuvor hatte die Internetgemeinde unisono mit der Europäischen Union, der <a href="http://www.itu.org/"><br />
International Telecommunications Union (ITU)</a> und der <a href="http://www.wipo.org/">World Intellectual Property Organization </a>,<br />
vorgeschlagen der ITU die Kontrolle über die Namensvergabe zu übertragen. Doch die<br />
US-Regierung setzte sich über diese Proteste erfolgreich hinweg. Nach Willen der Clinton-Administration<br />
soll ICANN &quot;das Management&quot; des Internet übernehmen. Bezeichnenderweise wurde die neue,<br />
global operierende Selbstverwaltungsorganisation als amerikanisches Unternehmen mit Sitz in<br />
Kalifornien gegründet und unterliegt somit auch kalifornischen Recht.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Bis dato hatte die Firma <a href="http://www.networksolutions.com/">Network Solutions </a> einen<br />
Exklusiv-Vertrag mit der US-Regierung über die Vergabe der sogenannten top-level-domains wie<br />
.org, .com oder .net gehabt. Diese bilden die oberste Hierarchieebene im Namenssystem des Netzes.<br />
Und gerade die wichtigsten Netznamen, deren Adressen auf .com enden werden aufgrund der damit verbundenen Reputation<br />
und Aufmerksamkeitssteigerung knapp, da besonders Aufmerksamkeit in diesem Zusammenhang als knappstes und damit<br />
wichtigstes Gut in der Informationsflut des Internet gilt. Daneben gibt es die weniger<br />
beliebten, da nur primär national bekannten, zweistelligen Länderkennungen. (de, fi, it, uk<br />
etc.)  Aber auch bei diesen national verwalteten Kennungen werden die beliebten Namen knapp.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Auf den ersten Blick sieht ICANN wie eine der vielen Ingenieursvereinigungen aus, die<br />
technische Vorgänge, wie die Namensvergabe im Internet regelt. Doch ICANN<br />
ist viel mehr. Wir sind Zeugen der Geburt einer Regierung, meinen viele der Journalisten und<br />
Wissenschaftler, die sich als Beobachter des virtuellen Raumes einen Namen gemacht haben.<br />
So sagt zum Beispiel <a href="http://www.politik-digital.de/archiv/koepfe/lessig/">Lawrence Lessig</a>, Professor für Recht an der Harvard University und Leiter<br />
des Berkmann Center for Internet and Society : &quot;ICANN ist eine Art Verfassungskonvent für<br />
das Netz.&quot; Weiter ist er der Überzeugung: &quot;Nicht traditionelle Gesetze werden das Netz regieren,<br />
sondern technische Standards.&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ein Beleg für sein These ist, das ICANN unter anderem auch die Datenbank reguliert,<br />
die momentan noch von Network Solutions verwaltet wird. Diese Datenbank enthält Millionen von<br />
Kontaktinformationen der Domainnamenbesitzer. Besonders Lobbyisten der Industrie wollen nun neue<br />
Standards einführen, die die eindeutige Identifikation der Namensbesitzer in Zukunft erleichtern.<br />
So wird der Grundstein zu rechtlichen Kontrollmöglichkeiten im Netz gelegt. Denn nur die<br />
positive Identifikation von Internetbenutzern bildet die Grundlage zur effektiven Umsetzung von<br />
Recht und Gesetz im Internet. Die steigende Bedeutung ökonomischer Transaktionen, die über das<br />
Netz laufen, unterstützen natürlich diesen Trend. Der Ruf der Wirtschaft nach gesicherten<br />
Standards zur Identifikation von Nutzern wie Namensbesitzern wird immer lauter. Ein anderes<br />
Beispiel dafür ist der Wunsch, die Netzarchitektur so umzubauen, daß Besteuerung via Internet möglich<br />
sein wird. So warnt unter anderem die <a href="http://www.oecd.org/dsti/sti/it/index.htm">OECD </a><br />
in Paris davor, das Nationalstaaten Systeme über das Namensystem des Netzes (DNS) implementieren<br />
wollen, die die Erhebung von Steuern technisch möglich machen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Es hat in der Geschichte des<br />
Internet und der internationalen Organisationen keine mit ICANN<br />
vergleichbare Institution gegeben. Eine internationale Organisation,<br />
die Regierungsaufgaben erfüllt, um ein gemeinnütziges, globales Gut zu<br />
verwalten, aber im wesentlichen von der privaten Wirtschaft gesteuert<br />
ist und dabei nicht einmal der Kontrolle nationaler Regierungen<br />
unterliegt. Dementsprechend fällt es der Organisation schwer<br />
internationale Anerkennung und damit Legitimation für ihre zukünftigen<br />
Entscheidungen zu gewinnen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Auch aus diesem Grund trafen sich im Berliner Adlon-Hotel die vorläufigen Wählerschaften, die künftig die Mitglieder<br />
des ICANN-Direktoriums wählen sollen. Einige vertraten eher kommerzielle Interessen, während andere für<br />
die Allgemeinheit der Netzbewohner sprechen sollten. Angesichts der kaum zu überschauenden Vielzahl der<br />
Interessengruppen, die repräsentiert sein wollten, gestaltete sich die Zusammensetzung dieser Wählerschaften<br />
natürlich schwierig. Natürlich wollen auch nationale Regierungen ihren Einfluß auf den<br />
Cyberspace nicht verlieren, dennoch sind sie aber bisher nur in einer Beratungsgruppe vertreten. In Berlin<br />
kam auch das Problem der Ausgewogenheit regionaler Interessen zur Sprache. &quot;Asiatische und afrikanische Interessen<br />
sind bisher kaum in den Wählerschaften oder im Direktorium von ICANN vertreten&quot;, betont <a href="http://www.interq.ad.jp/">Richard Lindsay </a>,<br />
Direktor einer Internet Beratungsfirma in Tokio.<br />
In diesem Zusammenhang soll deshalb künftig eine Grundlage für Partizipationsmöglichkeiten geschaffen werden, die<br />
einem der UNO vergleichbaren System entspricht<br />
(die Ergebnisse der Tagung in Berlin finden Sie <a href="http://www.icann.org/berlin/berlin-resolutions.html">hier</a>.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ob und wie ICANN es schaffen<br />
wird, eine demokratischen Prinzipien verpflichtete Institution zu<br />
werden, die eine wirkliche internationale Repräsentationsstruktur<br />
besitzt und die es zugleich ermöglicht handlungsfähig zu bleiben, wird<br />
den Erfolg der ersten &quot;Internet-Regierung&quot; bestimmen. So versichert<br />
auch Esther Dyson im <a href="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/dyson.shtml">politik-digital-Interview</a>:<br />
&quot;Wir machen keine Gesetze, sondern koordinieren nur technische Standards.&quot;<br />
</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Wir wollen keine Regierung sein&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cahlert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Esther Dyson]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/wir_wollen_keine_regierung_sein-780/</guid>

					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
Wieviel Staat und wieviel Markt verträgt das Internet? Esther
Dyson leitet die neue Organisation <a href="http://www.icann.org/">&#34;ICANN&#34;</a>, die nach dem Willen der
amerikanischen Regierung die Internetadressen für die ganze Welt vergeben soll.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Wieviel Staat und wieviel Markt verträgt das Internet? Esther<br />
Dyson leitet die neue Organisation <a href="http://www.icann.org/">&quot;ICANN&quot;</a>, die nach dem Willen der<br />
amerikanischen Regierung die Internetadressen für die ganze Welt vergeben soll.</span><!--break-->
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/edemocracy/images/dyson.jpg" alt="Esther Dyson" align="left" border="1" height="155" width="114" /><br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Sie haben die US-Regierung beraten, Sie erklären auf den<br />
Wirtschaftsforen in Davos den Spitzenmanagern und Politikern aus aller Welt, warum das Internet eine Revolution<br />
ist. Wie sind Sie Vorsitzende von ICANN, der Internet Corporation for Assigned Names und Numbers<br />
geworden?<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Esther Dyson:</b> Ganz einfach. Die Gründungsmitglieder wurden in einen Raum gesperrt, und ich war die<br />
einzige, die sich als Freiwillige gemeldet hat. John Postel, der zuvor die Internet Assigned Numbers Authority<br />
personifizierte und das gesamte Adressen-System für das Internet entwickelt und organisiert hatte, suchte in den<br />
USA, Europa und in der ganzen Welt nach Personen für eine neue Organisation, die das Management des<br />
Internets übernehmen sollte. Sein Anwalt hat mir eine E-Mail geschickt, in der stand, daß ich Mitglied des<br />
Direktoriums werden sollte. Ira Magaziner, der Internetbeauftragte der Clinton-Regierung, hatte mir zwar schon<br />
vorher von ICANN erzählt, die Initiative jedoch ging auf John Postel zurück. Ich weiß nicht, wie es in Europa war,<br />
aber in den USA hat die Regierung alles getan, um sich aus diesem Prozeß herauszuhalten. Natürlich war sie<br />
immer sichtbar, aber nur in Form von Vorschlägen &#8211; zum Guten, oder zum Schlechten. Einige glauben ja, daß die<br />
Regierung eine größere Rolle hätte spielen sollen. Ich weiß, daß genau das die Europäer nervös macht.<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Haben sie dazu nicht allen Grund? ICANN wird die<br />
Internetadressen verteilen und allein schon dadurch den Zugang zum Netz weltweit kontrollieren. Wollen Sie das<br />
Netz regieren?<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Esther Dyson:</b> Das hängt davon ab, was man unter Regieren versteht. Sicherlich stand für uns am Anfang<br />
im Vordergrund, welche Rolle technische Standards spielen. Oder Fragen wie: Sollen kommerzielle Aktivitäten<br />
überhaupt erlaubt werden? In wieweit sind Meinungsfreiheit und Datenschutz betroffen? Unsere unmittelbare und<br />
wichtigste Aufgabe ist es heute, bei der Namensvergabe im Netz Wettbewerb zu schaffen. In den Bereichen von<br />
.com, .net, .org hat es bisher keinen freien Wettbewerb gegeben. Schwierig wird vor allem sein, ein effektives<br />
System zu schaffen, das Konflikte bei der Namensvergabe löst. Auf längere Sicht müssen wir uns auch mit der<br />
Frage befassen, ob es neue top-level-domains geben wird, zum Beispiel .firm oder .shop.<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Ihr Buch &quot;Release 2.0&quot; vermittelt den Eindruck, daß Regierungen in jedem Fall die Finger<br />
vom Internet lassen sollten. Die New York Times hat ICANN aber als &quot;Verfassungsgebende Versammlung des<br />
Internet&quot; bezeichnet, und die Kritiker befürchten, daß damit genau eine jener schwerfälligen, bürokratischen<br />
Institutionen entsteht, vor denen die freie Unternehmerin Dyson immer gewarnt hat.<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Esther Dyson:</b> Wer zum erstenmal von ICANN hört, denkt immer gleich an eine Weltregierung. Aber wir<br />
wollen keine Regierung sein. In Wirklichkeit soll sich ICANN überhaupt nicht mit Datenschutz und der Regulierung<br />
bestimmter Inhalte befassen. ICANN soll nur die technische Infrastruktur des Netzes regeln und die Adressen und<br />
Protokolle organisieren. Wenn jemand aus politischen Gründen eine Seite im Internet schließen will, dann wollen<br />
wir nicht, daß er damit zu uns kommt. Wir wollen gar nicht soviel Macht, und schon gar nicht wollen wir das<br />
Werkzeug für diejenigen sein, die uns zu einer Macht machen wollen, die das Netz kontrolliert.<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Wie wollen Sie das vermeiden? ICANN wird die Datenbank von<br />
Network Solutions kontrollieren, in der Millionen von höchst persönlichen Daten gespeichert sind.<br />
Industrielobbyisten haben schon gefordert, daß ein System für die positive Identifikation der Internetnutzer<br />
entwickelt werden muß.<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Esther Dyson:</b> Was ich über Datenschutz denke, und was ICANN macht, sind zwei verschiedene Paar<br />
Schuhe. ICANN soll damit nichts zu tun haben. Wir befassen uns nicht mit Millionen von E-Mails, die jeden Tag<br />
über dasNetz gehen, sondern mit den Menschen, denen eine Internetadresse gehört.<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Wer befaßt sich denn nun wirklich mit ihnen?<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Esther Dyson:</b> Viele verschiedene Personen. Im Netz sollte es unterschiedliche Regeln geben. Wer ein<br />
Geschäft im Internet eröffnet, sollte anderen Regeln unterliegen als der normale Benutzer. Er sollte stärker<br />
verpflichtet sein, offenzulegen, wer er ist, und was er macht. Er sollte verantwortlich und identifizierbar sein. Wer<br />
dagegen nur bestimmte Internetseiten besucht, sollte das Recht haben, dies anonym zu tun.<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Wird sich die US-Regierung jetzt mit der UNO und<br />
Industrielobbyisten an einen Tisch setzen, um über den Datenschutz im Netz reden?<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Esther Dyson:</b> Ich hoffe nicht. Ich persönlich werde mich immer dafür stark machen, daß das Individuum<br />
wählen kann, ob und wann es seine Identität offenlegt. Das Individuum muß wählen können, wo es im Netz hingeht.<br />
Es ist nicht notwendig, daß wir dafür eine einzige Regelung haben. Die Internetseiten werden vielleicht ein Siegel<br />
oder einen Hinweis darauf enthalten, wie die jeweiligen Besitzer persönliche Daten behandeln. Es wird<br />
unterschiedliche Jurisdiktionen dafür geben, die nicht notwendigerweise weltweit gelten, und es werden auch nicht<br />
notwendigerweise Regierungen sein, die diese Regeln machen und durchsetzen. Es wird Regulierungsagenturen<br />
geben, die aber wiederum nicht zwingend an einen Staat gebunden sein müssen.<br />
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<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<!--<b><font color=#ff9900>politik-digital:</font></b> Hat die US-Regierung die Kontrolle über das Internet aus der
Hand gegeben? In Europa glauben wir, daß Regierungen gemeinschaftliche Güter verwalten sollten, da sie sonst
vom freien Markt ausgebeutet werden.


<p>
<b>Esther Dyson:</b> Manche amerikanische Kollegen verweisen gerne auf die Situation vor mehr als 200 Jahren,
als einige wenige brilliante Köpfe in der "Hall of Independence" in Philadelphia saßen und die Verfassung der USA
ausarbeiteten. 90 Prozent der Bevölkerung sei damals ausgegrenzt gewesen oder hätten sich überhaupt nicht
dafür interessiert. Sklaven war die Beteiligung an den Wahlen ganz verunmöglicht. Dennoch sei die US-Verfassung
so etwas wie eine Bibel demokratischer Werte. Natürlich hinkt der Vergleich. Richtig ist aber, dass die Prinzipien
und Strukturen, die jetzt im ICANN Prozess geschaffen werden, weitreichende Folgen für die zukünftige
globale Informationsgesellschaft haben werden. Insofern ist die Frage der Legitimität von ICANN schon von erheblicher
Bedeutung, vielleicht ist sie sogar die Schlüsselfrage. Ich persönlich plädiere für eine Art Mischung von
repräsentativer und direkter Demokratie, von "bottom-up" und "top-down". Juristisch betrachtet läuft das auf ein
globales System von Ko-Regulierung hinaus, wo Regierung und Wirtschaft sich kooperativ abstimmen. Zukünftig
wird weder "governmental regulation" noch "industry self-regulation" allein in der Lage sein, stabile, effektive und
gerechte Verhältnisse zu schaffen. Es muss, zumindest beim gegenwärtigen Zustand der Welt, zu einer
Kombination kommen. Und selbst dies ist eigentlich nicht hinreichend, weil der dritte Partner, der mündige, aktive
und kritische Bürger (Citizen, Consumer, User), auch direkt (und nicht nur über die von ihm gewählte Regierung)
einen Beitrag leisten können muß. Das Thema "public self-regulation" ist bisher kaum diskutierrt worden, eröffnet
aber viele neue Denk- und Handlungshorizonte.


<p>
--><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Vielen Dank für das Gespräch.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Das Interview mit Esther Dyson führte Christian Ahlert.</span></p>
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