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	<title>cleggewie &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>cleggewie &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Demokratie auf der Datenautobahn</title>
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		<dc:creator><![CDATA[cleggewie]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Dec 1999 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Wie weit geht die Zivilisierung
des Cyberspace? Die virtuelle Gesellschaft, die mit dem Vordringen
computervermittelter Kommunikationstechnologien entsteht, wird auch
den politischen Prozeß verändern. Claus Leggewie ist
Professor für Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität
Gießen.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Wie weit geht die Zivilisierung<br />
des Cyberspace? Die virtuelle Gesellschaft, die mit dem Vordringen<br />
computervermittelter Kommunikationstechnologien entsteht, wird auch<br />
den politischen Prozeß verändern. Claus Leggewie ist<br />
Professor für Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität<br />
Gießen.</span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> Die virtuelle Gesellschaft,<br />
die mit dem Vordringen computervermittelter Kommunikationstechnologien<br />
entsteht, wird auch den politischen Prozeß verändern, und zwar auf allen<br />
Ebenen von der Grundinformation über die Meinungs- und Willensbildung<br />
bis zur kollektiv bindenden Mehrheitsentscheidung. Das Internet ist nicht<br />
für ihn geschaffen worden, sondern als Markt- und Spielplatz. Der Bürger<br />
fährt auf der Datenautobahn mit, aber bislang nur auf der Kriechspur.<br />
Business und Entertainment haben ihn überholt und bestimmen die Verkehrsordnung.<br />
Politische Materien bilden im Netz nur eine kleine Nische, wobei der größte<br />
Teil noch aus Expertenkommunikation innerhalb der politischen Klasse,<br />
also unter Ministerialbürokratien, Parteien und Journalisten, besteht<br />
&#8211; mehr Intranet als Bürgerforum. Die wohl unausweichliche Transformation<br />
des Internet vom pull- zum push-Medium kann horizontale Bürgerkommunikation<br />
und ihre Rückkoppelung in die Zentren politischer, ökonomischer und kultureller<br />
Macht weiter marginalisieren. Große Hoffnungen auf einen qualitativen<br />
Sprung von der Zuschauer- in die Beteiligungsdemokratie waren übertrieben;<br />
oft wurden sie auch nur geweckt, um das fortbestehende Oligopol der traditionellen<br />
Top-Agenturen der Meinungs- und Willensbildung zu kaschieren. Das Internet<br />
wird zum Angebotsmarkt, dessen Gestaltung wesentlich den großen Telekommunikations-<br />
und Medienkonzernen überlassen bleibt, weil die Forderung nach informationeller<br />
Grundversorgung vernachlässigt wurde. Diese Einäugigkeit war der größte<br />
Fehler der bisherigen Technologiepolitik, die sich zu stark der Wirtschaftsförderung<br />
und Sicherheitspolitik widmet und &#8211; zum eigenen Schaden &#8211; das demokratische<br />
Potential ignoriert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> Nur dank einer &quot;List der Vernunft&quot;<br />
kann der Igel den Hasen einholen. Gut informierte, deliberationsfähige<br />
und beteiligungswillige Bürger werden mehr Raum im Cyberspace bekommen,<br />
wenn sich das Internet, ähnlich wie das Fernsehen seit den 50er Jahren,<br />
zum Massenmedium entwickelt, und wenn sie die niemals ganz zu verschließenden<br />
Spielräume nutzen. Dazu müssen sie sich als Konsumenten organisieren und<br />
zugleich als Netizens artikulieren. Politische Öffentlichkeiten waren<br />
stets Angelegenheit einer Minderheit von Aktivbürgern und wurden nur erweitert<br />
unter dem Druck sozialer Bewegungen. Das technische Potential der Netze<br />
liegt bereit, um einen eventuellen Beteiligungsschub von unten zu fördern<br />
und die Repolitisierung des Internet einzuleiten. Geschieht dies nicht,<br />
blieben faszinierende Möglichkeiten größerer Beteiligung, intelligenter<br />
politischer Kommunikation und direkter Demokratie brach liegen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> Ebenso übertrieben<br />
wie die Hoffnungen ins Internet waren auch die Befürchtungen bezüglich<br />
der systemsprengenden Wirkung der neuen Risikotechnologien. Weder beeinträchtigen<br />
sie als solche die Regulierungsfunktion staatlicher Institutionen, noch<br />
bewirken sie automatisch die Zerfaserung der politischen Öffentlichkeit,<br />
und erst recht nicht führt ausgerechnet der im Netz praktizierte Anspruch<br />
auf mehr Mitwirkung zur Aushöhlung der repräsentativen Demokratie. Diese<br />
Institutionen stehen seit langem unter einem Druck, der vor allem durch<br />
Globalisierung der Kapitalmärkte ausgelöst worden ist und in Reaktion<br />
darauf populistischer und autoritärer Politik Vorschub leistet. Man schlage<br />
folglich nicht den Sack, wenn man den Esel meint &#8211; das Medium ist nicht<br />
die Botschaft. Das Internet ist vielmehr, so oder so, ein Medium der &quot;realexistierenden&quot;<br />
Weltgesellschaft, und insofern ist es unter günstigen Umständen geeignet,<br />
neue, netzwerkartige Regulierungsmuster zu generieren, wie sie im Telekommunikationsmarkt<br />
exemplarisch (und ausgesprochen verbesserungsfähig!) entwickelt wurden.<br />
Besser als jedes anders Medium ist es geeignet, lokale Öffentlichkeiten<br />
zu verdichten und grenzüberschreitende Arenen der Meinungsbildung herzustellen,<br />
und so kann es schließlich dazu dienen, den politischen Prozeß insgesamt<br />
wieder mit größerer Legitimität auszustatten. Bürger gelten im Netz weitgehend<br />
als Störenfriede. Das sollten sie sich nicht zweimal sagen lassen. </span></p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Das Internet als Wahlkampfarena</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/das_internet_als_wahlkampfarena-597/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[cleggewie]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Sep 1998 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Kampagne]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Eine Herausforderung für die Parteien: Gerade
jetzt bietet das neue Medium ungeahnte Chancen
politischer Information</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Eine Herausforderung für die Parteien: Gerade<br />
jetzt bietet das neue Medium ungeahnte Chancen<br />
politischer Information</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Manche Leute sind über den Mangel an Qualität des<br />
nunmehr in seine heiße Phase tretenden<br />
Wahlkampfes so verbittert, daß sie zur Strafe nicht<br />
wählen werden. Zwar würde ihnen niemals in den Sinn<br />
kommen, Supermärkte zu meiden, weil ihnen deren<br />
billige Wurfsendungen auf die Nerven gegangen sind.<br />
Aber bei den Produkten Kohl und Schröder sind sie<br />
pingelig schlechte Werbung, keine Stimme. So rächt<br />
sich, daß Wahlkampagnen heute von politisch<br />
desinteressierten Werbeagenturen und für jeden<br />
Nonsens verwendbaren spin doctors ohne inhaltliche<br />
Pointe geführt werden. Zu Staats-, Demokratie- und<br />
Politikverdrossenheit kommt Wahlverdrossenheit. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Die Dinge einfach darstellen<br />
Aber wie würde das Wahlvolk auf den immer<br />
geforderten argumentativen Wahlkampf reagieren, der<br />
ihnen die anstehenden politischen Entscheidungen und<br />
Regelungen tatsächlich so komplex und differenziert<br />
darbieten würde, wie sie nun einmal sind? Politiker<br />
werden, sagen sie, vom Publikum gezwungen,<br />
komplizierte Dinge einfach darzustellen  sonst<br />
langweilen sich die Leute und schalten ab. In dieser<br />
Linie ist es nur konsequent, wenn der Wahlkampf<br />
amerikanisiert wird, also leicht kommunizierbare und<br />
polarisierungsfähige Formeln verwendet und Personen<br />
in den Vordergrund stellt. Daß Politik personifiziert und<br />
Personen politisiert werden, ist freilich keine Erfindung<br />
der Amerikaner. Schon Konrad Adenauer und auch<br />
Willy Brandt gewannen Mehrheiten mit Reduktion von<br />
Inhalt und der Vermarktung ihrer Person in<br />
Überlebensgröße. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Da nun Amerikanisierung schon als Ursache<br />
ausgemacht ist, wird das abgeneigte Publikum schwer<br />
davon zu überzeugen sein, zu Wahlkampfzeiten mal<br />
ins Internet zu schauen und im dortigen politischen<br />
Angebot zu surfen. Oder ist der Verdruß am<br />
Wahlkampf gar nicht so verbreitet? Immerhin haben<br />
laut Umfragen fast zwei Drittel der Stimmbürger<br />
bekundet, den laufenden Wahlkampf mit Spannung<br />
oder Interesse zu verfolgen. Wie dem auch sei: Auf die<br />
nächste Stufe der Amerikanisierung deutscher oder<br />
anderer europäischer Wahlkämpfe kann man sich<br />
schon einstellen, denn Cybercampaigning (zu deutsch:<br />
Wahlkampf im Internet) gewinnt auch in der<br />
Bundesrepublik langsam an Bedeutung. Keine Partei,<br />
von den großen Volksparteien bis zu Splittergruppen<br />
wie der Partei Bibeltreuer Christen, verzichtete 1998<br />
darauf, Wahlkampfseiten ins Netz zu legen. Für die<br />
Kleinen ist diese Art politischer Werbung sogar<br />
besonders attraktiv, denn nichts ist billiger. Auch<br />
Spitzenkandidaten  siehe schroeder98.de,<br />
guido-westerwelle.de oder joschka.de  unterhalten<br />
aufwendige Kandidatendomains, Quereinsteiger (wie<br />
jost-stollmann.de) pflegen ihre personality pages. Der<br />
Kanzler profitiert indes vom Amtsbonus unter<br />
bundeskanzler.de und hat sich am 18. September gar<br />
zu einem zweistündigen Online-Chat mit den<br />
Netzbürgern in der virtuellen Parteizentrale (cdu.de)<br />
verabredet. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Braucht der gut informierte Bürger diesen<br />
Schnickschnack? Blicken wir nach Amerika und<br />
England, wo bei den letzten Präsidentschafts- und<br />
Kongreßwahlen oder den Wahlen zum Unterhaus das<br />
Internet erstmals auf breiter Front als Wahlkampfarena<br />
aufgetaucht ist. Dort wurden erste Erfahrungen mit dem<br />
neuen Medium gemacht und Eindruck geschunden,<br />
also alle verfügbaren technischen Mittel eingesetzt, das<br />
heißt: Es blinkte und flimmerte gewaltig auf dem<br />
Bildschirm. Interaktive Gimmicks und Gewinnspiele,<br />
Audio- und Videodateien, Java-Applets und dergleichen<br />
wurden angeboten, um Aufmerksamkeit zu erzeugen<br />
und Passanten, die das Internet normalerweise als<br />
Spiel- und Marktplatz nutzen, zu beeindrucken.<br />
Ausgefuchste Nutzer messen die Quallität der<br />
politischen Seiten an ihrem technischen Mehrwert und<br />
der ästhetischen Oberfläche, und ihnen gegenüber<br />
müssen die Parteizentralen und Kandidaten gewisse<br />
Standards und Innovationsfähigkeit unter Beweis<br />
stellen. Da Präsenz im Internet Modernität<br />
symbolisiert, machen Parteizentralen und<br />
Einzelbewerber überhaupt ein virtuelles Angebot.<br />
Technische Hochrüstung und simulierte Interaktivität in<br />
Form von Gewinnspielen und Chats allein machen die<br />
Kampagne noch nicht besser als konventionelle<br />
Wahlwerbung. Und sie entscheiden auch keine<br />
Wahlen, wie das amerikanische Beispiel gezeigt hat.<br />
Dafür ist schon die aktuelle Zahl der regelmäßigen<br />
Nutzer politischer Angebote im Netz zu klein und zu<br />
wenig repräsentativ. Trotz dieser Begrenzung stellen<br />
sie für die politischen Wettbewerber eine interessante<br />
Zielgruppe dar, die sie nicht vernachlässigen dürfen.<br />
Denn unter ihnen sind eine Menge hochgebildeter,<br />
einkommensstarker Wechselwähler, die unterm Strich<br />
Wahlen eher entscheiden können als die schrumpfende<br />
Stammwählerschaft, die auch auf postalische<br />
Massenwurfsendungen oder den Stand in der<br />
Fußgängerzone verzichten können. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Anders als es ein zähes Vorurteil besagt, sind<br />
Internet-Kunden politisch durchaus interessiert. Und für<br />
sie ist das Netz ein pull-Medium, also eine<br />
Informationsquelle und ein Kommunikationsraum, den<br />
sie gezielt nach eigenen Wünschen aufsuchen, nicht<br />
das push-Medium, als das insbesondere das<br />
Fernsehen angesehen werden kann. Gewiß liegt auch<br />
im Netzwerk der Netzwerke eine Menge unbrauchbarer<br />
Informationsmüll. Aber die Aktivität des gut informierten<br />
Bürgers zu steigern, darin liegt das eigentliche<br />
Potential des Internet-Wahlkampfes und der<br />
wesentliche Unterschied zu konventionellen<br />
Kampagnen von oben nach unten, bei denen es kaum<br />
eine Rückkopplung gibt. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Nicht allein technische Reife, Erscheinungsbild oder<br />
raffinierte Spielerei, sondern wirkliche Interaktivität zu<br />
steigern, ist also die Herausforderung. Wenn sich<br />
Parteien und Kandidaten ihr stellen, besteht die<br />
Chance, Richtungs- und Detailalternativen zu<br />
versachlichen. Wer lediglich per Mausklick im Weißen<br />
Haus bei Bill &amp; Hillary Clinton vorbeischaut, kommt<br />
nicht einmal als Voyeur auf seine Kosten; wer sich<br />
aber einmal die Mühe macht, auch in lokale<br />
Wahlkämpfe in Minnesota oder Massachussets<br />
Einblick zu nehmen, bekommt eine Kostprobe davon,<br />
wie differenziert die politische Argumentation im Netz<br />
sein kann.<br />
An diesen Ansprüchen gemessen, enttäuscht der<br />
deutsche Internet-Wahlkampf, der mit der Leipziger<br />
Oberbürgermeisterwahl und der Niedersachsenwahl<br />
eingeläutet und nun flächendeckend ausgeweitet<br />
worden ist. Seine Veranstalter nutzen die neuen<br />
Medien noch wie alte Massenmedien, in die sie zum<br />
größten Teil digitales Glanzpapier legen, also mehr<br />
vom selben und eine Zweitverwertung dessen, was<br />
jeder Bürger auch offen in die Hand gedrückt bekommt.<br />
Das Internet fungiert zumeist noch als digitaler<br />
Schatten  man bildet das übliche Bild des<br />
Parteivorsitzenden ab, das Parteiprogramm, Adressen<br />
und Termine. Damit lassen sich viele Wähler nicht<br />
mehr abspeisen. Sie erobern sich den virtuellen<br />
Diskussionsraum, indem sie sich an den auch<br />
angebotenen Foren und Online-Chats beteiligen. Mit<br />
anderen Worten: Das Internet ist als politische Arena<br />
immer nur so gut und demokratisch, wie es die<br />
vernetzten Stimmbürger machen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Dabei können Anbieter, die nicht parteipolitisch<br />
gebunden sind und den Wahlkampf als Periode<br />
erhöhter politischer Aufmerksamkeit nutzen, helfen,<br />
intelligente Wählerbildung zu betreiben. Dazu zählen<br />
Angebote wie wahlatlas.de der Friedrich-Ebert-Stiftung,<br />
eine simulierte Abstimmung in einem Online-Wahlkreis<br />
(wahlkreis329.de) oder die sehr informative und<br />
gründliche Hintergrund-Seite wahlen-98.de. Zu<br />
erwähnen sind auch die Online-Ableger von<br />
Tageszeitungen, Wochenmagazinen sowie Rundfunk-<br />
und Fernsehstationen, die sich erfreulich von der<br />
bloßen Verdoppelung ihres Materials im Netz<br />
entfernen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Hier bestimmen die üblichen Verdächtigen (spiegel.de,<br />
focus.de, stern.de) das Bild, aber auch agile<br />
Kleinanbieter wie zum Besipiel die Koblenzer<br />
Rhein-Zeitung mit wahltag.de machen auf sich<br />
aufmerksam. Ebenso findet man jene<br />
Wahlkampf-Elemente, die sich originär im Internet<br />
entwickelt haben: zum Beispiel die<br />
Online-Nachrichtenzentrale wahlkampf98.de, die<br />
Wahl-Leitfäden der populären Suchmaschinen Yahoo<br />
oder Lycos, die Wahlberichterstattung des arrivierten<br />
Online-Magazins telepolis.de oder die<br />
Börsensimulation Wahl$treet (wahlstreet.de). Der dort<br />
abgewickelte Handel mit Parteiaktien stellt ein recht<br />
zuverlässiges Prognoseinstrument für den<br />
Wahlausgang dar. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Am Wahlabend werden die meisten Wähler wie üblich<br />
von 17.58 Uhr an vor der Mattscheibe sitzen und<br />
Prognosen, Hochrechnungen und Elefantenrunden<br />
verfolgen. Ein kleiner, aber feiner Teil der Wählerschaft<br />
wird jedoch auf den PC-Monitor blicken und die<br />
Onlive-Übertragung betrachten. Damit geht ein erster<br />
Testlauf über neue Möglichkeiten politischer<br />
Kommunikation zu Ende, der in vieler Hinsicht zur<br />
herkömmlichen Zuschauerdemokratie paßt, in mancher<br />
Hinsicht aber schon Wege in die<br />
Beteiligungsdemokratie weist. Zugleich markiert dieses<br />
Ende aber auch einen Neuanfang, denn die im<br />
Internet-Wahlkampf erweiterte und stabilisierte Arena<br />
politischer Kommunikation bleibt auch nach dem 27.<br />
September bestehen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               In virtuellen Ortsvereinen <br />
Die zahlreichen Vernetzungen zwischen<br />
Nachrichtendiensten und Parteien sorgen dabei für eine<br />
größere Offenheit der politischen Information; die<br />
Angebote liegen bei einer guten Verweisstruktur immer<br />
nur einen Mausklick voneinander entfernt. Für die<br />
Parteien bedeutet das, daß sie immer stärker wie<br />
Nachrichtenzentralen und Diskussionsforen agieren<br />
müssen, wenn sie ein anspruchsvolles Publikum<br />
erreichen wollen. Am deutlichsten zu beobachten ist<br />
dies bei virtuellen Ortsvereinen, in denen sich das<br />
Verhältnis zwischen Parteiführung und -basis zu<br />
drehen beginnt und Nicht-Mitglieder an Einfluß<br />
gewonnen haben. </span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Wenn die Parteien ihren eigentlichen<br />
Verfassungsauftrag, an der Meinungs- und<br />
Willensbildung mitzuwirken, ernster nehmen wollen, ist<br />
das Internet ein ideales Feld, übrigens auch zur<br />
Rekrutierung von Anhängern und Sympathisanten, die<br />
sich den virtuellen Ortsvereinen ursprünglich eher durch<br />
technische Motivation denn aufgrund einer<br />
vorgegebenen Parteiidentifikation angenähert haben. Da<br />
diese ohnehin rasant schwindet, wären die Parteien gut<br />
beraten, ihre aufwendige Internet-Ausstattung für eine<br />
intelligentere Betreuung ihrer Funktionäre, Mitglieder<br />
und Anhänger zu nutzen. Parteien haben (genau wie<br />
die alten Medien) mit dem Internet jedenfalls einen<br />
potentiellen Rivalen bekommen. Deshalb sollten sie<br />
sich als kommunikative Knoten im Netz positionieren<br />
und ihre Online-Erfahrungen an Reformdiskussionen<br />
koppeln, die offline laufen, um nicht bald schon als<br />
wenig bemerkte Randerscheinungen im Abseits zu<br />
landen digital und analog.</span></p>
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