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	<title>Charlie Rutz &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Charlie Rutz &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Politik und Twitter: Informativer Mehrwert oder digitale Schwatzbude?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Mar 2012 14:36:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Netzstandpunkte]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[Dorothee Bär]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p><a href="http://politik-digital.de/politik-und-twitter-informativer-mehrwert-oder-digitale-schwatzbude/obama_twitter/" rel="attachment wp-att-13044"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-13044 alignleft" title="Obama zwitschert" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/obama_twitter.png" alt="" width="305" height="248" /></a>Schon längst haben einzelne Politiker den Microblogging-Dienst Twitter für sich entdeckt und zwitschern ihre Botschaften in 140 Zeichen. Während viele Mitglieder der Piratenpartei sich dort seit langem wie ein Fisch im Wasser bewegen, nutzen in den anderen Parteien vor allem Netzpolitiker diese Möglichkeit des Dialogs. Zu ihnen gehört Dorothee Bär von der CSU. Sie nutzt Twitter intensiv und kritisiert, dass viele Politiker Social Media als Bedrohung sehen. Für den CDU-Politiker Ansgar Heveling ist ein Tweet dagegen nicht mehr als ein „Pieps“.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Können Parteien es sich heute noch leisten, Twitter vollkommen zu ignorieren? Nach wie vor sträuben sich viele Politiker gegen diese Form der Echtzeitkommunikation. Der amtierende Regierungssprecher Steffen Seibert gehörte einst zu den Verweigerern, erlebte aber schon bald einen Sinneswandel und kam schließlich zu der Erkenntnis: „Ich mag die Reduzierung auf die absolute Essenz einer Nachricht, einer politischen Botschaft“. Genau das, also das Verpacken einer aussagekräftigen Nachricht in 140 Zeichen, gehört zur Kunst des Twitterns. Im Gegensatz zu Seibert, der auf Twitter vor allem als offizielles Sprachrohr der Bundeskanzlerin in Erscheinung tritt, nutzen Politiker wie die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär das Medium weitaus persönlicher und weniger formlos, um mit Nutzern und Wählern auf Tuchfühlung zu gehen. Die Vorsitzende von <a href="http://www.csu.de/csunet" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CSUnet</a> ist überzeugt, dass politische Themen sich auf Twitter spannend und authentisch diskutieren lassen. Etwas anders sieht das der vor einigen Wochen mit seinem Schlachtruf in Richtung „Netzgemeinde“ <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/posse-um-cdu-politiker-heveling-wie-boese-ist-das-internet-1.1271331" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bekannt gewordene</a> CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling. Er warnt vor einer Überhöhung des Internets und bekennt, dass er Twitter zu seiner täglichen Information oder Meinungsbildung nicht brauche.</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-1"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="vc_row row-internal row-container"><div class="row unequal row-child"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_child col-lg-10 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light animate_when_almost_visible alpha-anim" data-speed="400"><div class="uncoltable"><div class="uncell single-block-padding style-color-662086-bg unshadow-sm unradius-sm" ><div class="uncont" ><div class="uncode-single-media styleptrl--quote--top text-left"><div class="single-wrapper" style="max-width: 100%;"><div class="tmb tmb-light  tmb-img-ratio tmb-media-first tmb-media-last tmb-content-overlay tmb-no-bg"><div class="t-inside"><div class="t-entry-visual"><div class="t-entry-visual-tc"><div class="uncode-single-media-wrapper"><div class="fluid-svg"><span id="icon-119724" style="width:62px" class="icon-media"><img decoding="async" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2019/11/icon-quotes-99.svg" alt=""></span></div></div>
					</div>
				</div></div></div></div></div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h3 class="h3 font-weight-600" ><span>Pro-Standpunkt Dorothee Bär</span></h3></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode_text_column" ><p><strong>Betreuungsgeld und Sachertorten – #TwitterNutzenUndVerstehen</strong></p>
<p>Das Phänomen der digitalen Spaltung wurde in den letzten Wochen mehrmals benannt und als Problem erkannt. Die Politik hat die Aufgabe, zu helfen, eben dieser Spaltung zu begegnen und die „digital gap“ langfristig möglichst klein zu halten. Fairerweise muss man zugeben, dass die Volksparteien sich bei der Bewältigung dieser Aufgabe in der Vergangenheit nicht immer besonders geschickt angestellt haben. Zahlreiche Innenpolitiker weisen immer wieder auf die Bedrohungen des Internets hin, die es natürlich gibt, das ist uns allen klar. Allerdings vergessen sie dabei leider viel zu häufig die Chancen und Möglichkeiten. Zu jenem Internet-Bashing gehört immer wieder die Marginalisierung von Social Media-Kanälen wie Facebook oder Twitter.</p>
<p>Lehrer sehen die Onlinekommunikation ihrer Schüler häufig als Privatvergnügen an, und in regelmäßigen Abständen schallen einem, wenn man sich als Twitter-User outet, Fragen entgegen wie: „Was interessiert mich, was irgendjemand, den ich kaum kenne, gerade eingekauft hat, oder welchen Cocktail er gerade trinkt“. Selbst Politiker, die aktiv twittern, lassen sich zu einer solchen Argumentation hinreißen, wie ich selbst als Betroffene zur Kenntnis nehmen musste, als der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag mir in seinem Blog vorgeworfen hatte, meine Themen handelten nur von Sachertorten und anderem Trivial-Irrelevanten. Offensichtlich hat er eine zu überladene Timeline und nimmt die dort aufgeführten Tweets nur sehr selektiv wahr.</p>
<p>Dass seine Ausführungen zu kurz greifen, und wie spannend und authentisch politische Themen auf Twitter diskutiert werden können, zeigte dagegen die Debatte um das Betreuungsgeld, die sich nach meinem Redebeitrag im Deutschen Bundestag im November 2011 entwickelt hat. Hier wurden parteiübergreifend Meinungen ausgetauscht: Piraten debattierten mit Grünen, Sozialdemokraten und meinen Kollegen aus den Unionsparteien teilweise sehr emotional über Kita und Kiga, finanzielle Unterstützung durch den Staat und verschiedene Familienkonzepte. Besonders an diesem Beispiel wurde mir erneut klar: Einen authentischeren Eindruck von der Rezeption politischer Standpunkte und deren Auslegung und die Unterschiedlichkeit der Weltbilder, die sich aus vielen Beiträgen ableiten lässt, kann man über die traditionellen Kommunikationswege nicht annähernd erhalten.</p>
<p>Viele Politiker sehen im Wesen von Social Media und Microblogs hauptsächlich Gefahren und schrecken vor der Nutzung zurück. Ich hingegen möchte auf die Chancen dieser Kanäle sicher nicht mehr verzichten: So bieten diese wie kein anderes Medium die Möglichkeit des Themensettings und der damit verbundenen Einholung eines Meinungs- oder Stimmungsbildes. Ich finde die Marginalisierung von Facebook, Twitter und Co. aber auch deshalb bedenklich, weil ich auch an Ereignisse wie die arabische Revolution des vergangenen Jahres oder die „London Riots“ denke. Hier haben Menschen über Twitter etwas bewegt, haben politische Systeme verändert und Gemeinschaftsleistungen vollbracht, wie sie früher nicht oder wesentlich schwieriger möglich gewesen wären. Man braucht heute keine großen Expertenteams oder Organisationsapparate mehr, um seine Nachrichten und Botschaften weltweit zu verbreiten. Dies zeigt auch: Social Media ist die beste Werbung für Demokratie!</p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_child col-lg-2 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light animate_when_almost_visible alpha-anim" data-delay="400" data-speed="800"><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode-single-media  text-left"><div class="single-wrapper" style="max-width: 120px;"><div class="tmb tmb-light  img-circle tmb-bordered tmb-img-ratio tmb-media-first tmb-media-last tmb-content-overlay tmb-no-bg"><div class="t-inside"><div class="t-entry-visual"><div class="t-entry-visual-tc"><div class="uncode-single-media-wrapper img-circle img-thumbnail"><div class="dummy" style="padding-top: 100%;"></div><img decoding="async" class="wp-image-162772" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2012/03/dbaer-87.png-uai-177x177.jpeg" width="177" height="177" alt=""></div>
					</div>
				</div></div></div></div></div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h4 class="h4" ><span>Dorothee Bär</span></h4><div><p>Die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär ist u.a Vorsitzende von CSUnet sowie Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.</p>
</div></div><div class="clear"></div></div></div></div></div></div></div></div></div></div><div class="empty-space empty-single" ><span class="empty-space-inner"></span></div>
<div class="vc_row row-internal row-container"><div class="row unequal row-child"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_child col-lg-10 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light animate_when_almost_visible alpha-anim" data-speed="400"><div class="uncoltable"><div class="uncell single-block-padding style-color-662086-bg unshadow-sm unradius-sm" ><div class="uncont" ><div class="uncode-single-media styleptrl--quote--top text-left"><div class="single-wrapper" style="max-width: 100%;"><div class="tmb tmb-light  tmb-img-ratio tmb-media-first tmb-media-last tmb-content-overlay tmb-no-bg"><div class="t-inside"><div class="t-entry-visual"><div class="t-entry-visual-tc"><div class="uncode-single-media-wrapper"><div class="fluid-svg"><span id="icon-152989" style="width:62px" class="icon-media"><img decoding="async" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2019/11/icon-quotes-99.svg" alt=""></span></div></div>
					</div>
				</div></div></div></div></div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h3 class="h3 font-weight-600" ><span>Contra-Standpunkt Ansgar Heveling</span></h3></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode_text_column" ><p>Für viele Internetnutzer ist Twitter Bestandteil ihrer täglichen Kommunikation und Information im Netz. Ich gehöre zu denen, die Twitter weder für das eine noch das andere nutzen. Für den Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern, zum Meinungsaustausch sowie zur Informationsbeschaffung verwende ich andere Mittel und Plattformen, teils analog, teils im Internet. Es ist meiner Ansicht nach durchaus möglich, politische Botschaften in 140 Zeichen zu transportieren. Jedoch geschieht dies meist nicht. Die Mehrzahl der Tweets, oftmals auch von Politikern, bildet eher unbedeutende Mitteilungen. Zu meiner täglichen Information oder Meinungsbildung brauche ich das nicht.</p>
<p>Nun sind wir alle heutzutage einer riesigen Flut von Informationen ausgesetzt, die wir zu verarbeiten kognitiv oftmals gar nicht imstande sind. Das haben Wissenschaftler wiederholt gezeigt. Noch nie mussten wir das Wichtige aus so vielen verschiedenen Informationsquellen filtern. Offensichtlich sind viele damit überfordert. Das wundert nicht. Der amerikanische Zukunftsforscher David Gelernter schrieb unlängst im „Tagesspiegel“: „Die Pulsfrequenz des virtuellen Worts strebt Richtung Kontrollverlust. […] Die Cybersphäre beschießt uns mit Informationen, ohne Rücksicht auf unsere Grenzen.“ (Der Tagesspiegel, 27.02.2012, Titel: „Die Würde des Worts ist angetastet“) Viele lassen Tag für Tag den ununterbrochenen Strom an Neuigkeiten und Informationen auf sich hereinprasseln und wissen nichts mit sich anzufangen, sobald der Strom abreißt. Das ist gefährlich.</p>
<p>Natürlich kann man Twitter dafür nutzen, sich zu informieren und mit anderen in Kontakt zu treten. Genauso wie andere Plattformen im Internet kann es eine nützliche Ergänzung im Alltag sein. Doch dürfen wir nicht vergessen: „Digitale Information ist Wegwerfinformation“, wie David Gelernter treffend in seinem Artikel schreibt. Twitter dient eben immer nur einer Momentaufnahme, einer schnelllebigen Diskussion, einem kurzfristigen Austausch. Die Flut digitaler Information taugt nicht zur Nachhaltigkeit – wer fragt noch nach den Tweets von gestern und vorgestern, wer erinnert sich daran?</p>
<p>Ich meine: Twitter sollte nicht zum Lebensinhalt werden. Wenn jemand dies für sich entscheidet, habe ich Verständnis dafür. Wenn aber auf diesem Wege versucht wird, damit unserer Gesellschaft eine neue Ordnung zu verpassen, stoße ich an die Grenzen meines Verständnisses. Das Internet ist ein Medium, ein Tool, und so sollten wir es auch benutzen. Wir sollten es nicht überhöhen. Das gilt ebenso für Twitter. Denn ganz wie die wörtliche Bedeutung des englischen „tweet“ sagt – es ist nicht mehr als ein „Pieps“.</p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_child col-lg-2 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light animate_when_almost_visible alpha-anim" data-delay="400" data-speed="800"><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode-single-media  text-left"><div class="single-wrapper" style="max-width: 120px;"><div class="tmb tmb-light  img-circle tmb-bordered tmb-img-ratio tmb-media-first tmb-media-last tmb-content-overlay tmb-no-bg"><div class="t-inside"><div class="t-entry-visual"><div class="t-entry-visual-tc"><div class="uncode-single-media-wrapper img-circle img-thumbnail"><div class="dummy" style="padding-top: 100%;"></div><img decoding="async" class="wp-image-162776" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2012/03/aheveling-88.png-uai-241x241.jpeg" width="241" height="241" alt=""></div>
					</div>
				</div></div></div></div></div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h4 class="h4" ><span>Ansgar Heveling</span></h4><div><p>Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling ist u.a. Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft sowie Mitglied des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages.</p>
</div></div><div class="clear"></div></div></div></div></div></div></div></div></div></div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-1" data-row="script-row-unique-1" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-1"));</script></div></div></div>
</div>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Mehr Transparenz durch Abgeordnetenwatch?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/netzstandpunkte/mehr-transparenz-durch-abgeordnetenwatch-12270/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Feb 2012 11:37:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Netzstandpunkte]]></category>
		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>
		<category><![CDATA[Abgeordnetenwatch]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Joachim Hasemann-Trutzel]]></category>
		<category><![CDATA[Volker Wissing]]></category>
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					<description><![CDATA[Auf der Internetplattform abgeordnetenwatch.de können Bürger Politiker öffentlich zu ihrer politischen Arbeit befragen. Trägt Abgeordnetenwatch damit zu mehr Transparenz in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong><img decoding="async" class="aligncenter wp-image-162788 size-full" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2012/02/abgeordnetenwatch.png" alt="" width="620" height="474" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2012/02/abgeordnetenwatch.png 620w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2012/02/abgeordnetenwatch-300x229.png 300w" sizes="(max-width: 620px) 100vw, 620px" /></strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>Auf der Internetplattform abgeordnetenwatch.de können Bürger Politiker öffentlich zu ihrer politischen Arbeit befragen. Trägt Abgeordnetenwatch damit zu mehr Transparenz in der Politik bei? Ja, meint der Bundestagsabgeordnete Volker Wissing und bezeichnet die Plattform als Antworten-Inkasso der Bürger. Der Wiesbadener CDU-Stadtverordnete Hans-Joachim Hasemann-Trutzel bestreitet das.</strong></p>
<p>Bereits seit vielen Jahren ermöglicht die Internetplattform <a href="http://www.abgeordnetenwatch.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.abgeordnetenwatch.de</a> jedem Bürger, in Kontakt mit deutschen Parlamentariern in ihrem Wahlkreis oder auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene zu treten und sie zu ihrer Politik zu befragen. Dazu legt Abgeordnetenwatch eigenständig die Profile der jeweiligen Amtsträger an und liefert Informationen über deren parlamentarisches Abstimmungsverhalten.</p>
<p>Gegründet wurde die Plattform mit dem Ziel, einen direkten Draht zwischen Bürgern und Politikern herzustellen und durch einen öffentlichen Dialog Transparenz zu schaffen. Die Politiker selbst sind nicht dazu verpflichtet, auf der Plattform aktiv zu sein. Allerdings müssen sie mit der Kritik leben, Anfragen der Bürger zu ignorieren. Angela Merkel beantwortet die Fragen auf abgeordnetenwatch.de nicht, während beispielsweise  der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion Thomas Oppermann in der laufenden Legislaturperiode fast alle Bürgerfragen beantwortet hat (Stand 28.2.12: 64 Fragen/61 Antworten).</p>
<p>Für Aufsehen hatte Ende vergangenen Jahres <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,801021,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eine Ankündigung</a> von 25 der 27 CDU-Stadtverordneten im Wiesbadener Rathaus gesorgt, Abgeordnetenwatch zu verklagen, falls nicht die Bitte respektiert werde, die Aufnahme in das Portal rückgängig zu machen. Der Wiesbadener CDU-Stadtverordnete und Rechtsanwalt Hans-Joachim Hasemann-Trutzel, der zu den Unterzeichnern des Briefes an Abgeordnetenwatch gehört, bezweifelt, dass die Plattform für mehr Transparenz in der Politik sorgt: Die Ansammlung von Daten schaffe Verwirrung und verzerre das Bild der Politiker, argumentiert er. Anders sieht das der FDP-Abgeordnete Dr. Volker Wissing, der zuletzt in einem <a href="http://blog.abgeordnetenwatch.de/2011/08/09/282x-sehr-gut-64x-ungenugend-so-antworten-unsere-abgeordneten-auf-offentliche-burgerfragen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">von Abgeordnetenwatch erstellten Ranking</a> Platz 1 in der Antwortbilanz aller Bundestagsabgeordneten erreichte. Aus seiner Sicht macht die Internetplattform die Demokratie direkter, einfacher und verständlicher &#8211; ein Gewinn für die Demokratie.</p>
<h2>Pro-Standpunkt Dr. Volker Wissing</h2>
<p><strong>Abgeordnetenwatch &#8211; das Antworten-Inkasso der Bürgerinnen und Bürger</strong></p>
<p>Seit jeher erhalten Abgeordnete Anfragen zu zahllosen Themen. Abgeordnetenwatch bietet Politikerinnen und Politikern die Möglichkeit, Fragen zu beantworten und ihre Meinung vielen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich zu machen. Die Struktur der Seite verhilft Interessierten dazu, schnell und einfach ihren Wahlkreisabgeordneten ausfindig zu machen und dessen Meinung zu bestimmten Themen zu erfragen. Das ermöglicht eine weit bewusstere politische Willensbildung,  da es für den Bürger möglich wird, die persönliche politische Sichtweise seines Abgeordneten zu erfragen.</p>
<p>Das heißt nicht, dass der Politiker nicht auf Formschreiben seiner Partei zurückgreifen darf, schließlich ist es auch legitim, wenn jemand mit der offiziellen Meinung seiner Partei oder Fraktion vollständig übereinstimmt. Auch das ist ein Signal an die Bürgerinnen und Bürger. Wähle ich einen Abgeordneten, der stets die Meinung seiner Partei vertritt, oder gebe ich jemandem den Vorzug, der auch mal von der Meinung abweicht, im Umkehrschluss aber auch für mich als Wählerin oder Wähler schwieriger einzuschätzen ist?</p>
<p>Abgeordnetenwatch macht die Demokratie direkter, einfacher und verständlicher. Schließlich handelt es sich bei dem Gros der Anfragen nicht um politische Fangfragen, sondern um ganz konkrete Sachfragen. Dabei ist es auch für den Abgeordneten spannend, sich mit Themen vertieft zu beschäftigen und sich in die Lage zu versetzen, die Frage des Bürgers zu beantworten. Und selbst wenn ein Abgeordneter mal eine Frage nicht beantworten möchte, hat er die Freiheit, dem Fragenden dies offen mitzuteilen.</p>
<p>Der Frage-Antwort-Prozess, der sonst unter Ausschluss der Öffentlichkeit zwischen Bürger und Politiker stattfindet, wird transparent gemacht. Für wen sollte das von Nachteil sein? Jeder Abgeordnete ist bemüht, Anfragen zu beantworten, die an ihn gerichtet werden, sei dieses via Mail, Post oder auf anderem Wege. Wenn er nun die Chance hat, mit einem Schreiben die Fragen zahlreicher Bürgerinnen und Bürger zu beantworten, ist das ein Vorteil.</p>
<p>Abgeordnetenwatch ist das Antworten-Inkasso der deutschen Politik. Aber so wie ein reguläres Inkassounternehmen nur berechtigte Forderungen eintreiben sollte, fordert Abgeordnetenwatch nur legitime Rechte der Bürgerinnen und Bürger ein: nämlich Antworten auf Fragen. Abgeordnetenwatch erleichtert die politische Arbeit, indem es dem Politiker ein Forum verschafft, in welchem er auf eine Frage antworten und viele Menschen auf einmal erreichen kann. Transparenz ist hier keine Gefahr, sondern eine Arbeitserleichterung und ein Gewinn für die Demokratie.</p>
<h2>Contra-Standpunkt Hans-Joachim Hasemann-Trutzel</h2>
<p>Die Beantwortung der Frage, ob Abgeordnetenwatch für mehr Transparenz in der Politik sorgt, hängt von den Leistungen von Abgeordnetenwatch wie auch dem Transparenzverständnis ab. Die Idee, Politik transparent zu gestalten, ist so alt wie der Gedanke an Demokratie und die Idee der Wahl der Besten zur Vertretung des Volkes. Gegenstand der Politik ist indes die  Steuerung von Staat und Gesellschaft im Ganzen.</p>
<p>Wenngleich Entscheidungen häufig emotional begleitet werden, so ist Politik von der Aufgabenstellung her themen- bzw. sachbezogen. Will man tatsächlich Transparenz – Durchsichtigkeit und Verständlichkeit – schaffen, dann ist das Aufbereiten der Sachthemen, die Darstellung der Hintergründe, das Aufzeigen alternativer Entscheidungsmöglichkeiten wie letztlich die Erklärung, warum gerade eine ganz bestimmte Entscheidung getroffen wurde, zentrales Element. Abgeordnetenwatch leistet das nicht!</p>
<p>Der Bundestag, 8 von 16 Landtagen sowie 40 von 11.289 Gemeinden (vgl. <a href="http://www.gemeindeverzeichnis.de/dtland/dtland.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.gemeindeverzeichnis.de/dtland/dtland.htm</a>) nehmen teil. Abgeordnetenwatch geriert sich als neutraler Mittler. Abstimmungsverhalten, Mitgliedschaften, Einkünfte etc. werden erfasst, nach einem selbst generierten Kodex geprüfte Fragen werden an Teilnehmer weitergeleitet. Fragen und Antworten bleiben dauerhaft abrufbar. Wer was warum fragt, bestellt oder nicht, ist offen.</p>
<p>Zudem bietet Abgeordnetenwatch jedem Politiker die Möglichkeit, gegen Entgelt eine Profilerweiterung zu hinterlegen. Die Ansammlung individueller Fragen und Antworten schafft ein Mehr an Daten, Verwirrung, Unübersichtlichkeit und Verzerrung. Inhalte werden dadurch nicht überschaubarer, es entsteht dadurch keineswegs ein Mehr an Transparenz, Verständlichkeit oder Teilhabe. Abgeordnete sind alle im Netz erreichbar, vielfach auch über Facebook und Twitter.</p>
<p>Bundestag und Landtage stellen alle von Abgeordnetenwatch erhobenen Sach- und Personendaten allgemein zur Verfügung. Ein Zusatznutzen ist nicht erkennbar. Sachentscheidungen werden in der Regel durch Experten der Regierungen, in Fraktionen und Gremien erarbeitet und vorbereitet. Individuelle und völlig sachfremde Einflüsse sind zwar nicht ausgeschlossen, werden aber durch persönliche Antworten auch nicht offenbar. Eine Plattform mit der Möglichkeit des persönlichen Zurschaustellens – Profilerweiterungen, bestellte Fragen -, einem „body counting“ durch Auszählen beantworteter, offener und Standard-Antworten, der Darstellung der Antwortfrequenz nach Parteizugehörigkeit leistet keinen Beitrag zur Durchsichtigkeit der Politik &#8211; eher einen ab-wat(s)ch.</p>
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		<title>Anonymous: Fluch oder Segen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Feb 2012 14:41:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Netzstandpunkte]]></category>
		<category><![CDATA[Anonymous]]></category>
		<category><![CDATA[Emanuel Schach]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Eisel]]></category>
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					<description><![CDATA[Aktivisten der Anonymous-Bewegung sorgten in der Vergangenheit für Furore: So führten sie Angriffe gegen Unternehmen und Institutionen wie CIA, Mastercard [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_11959" aria-describedby="caption-attachment-11959" style="width: 320px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/anonymous-fluch-oder-segen/anonymous/" rel="attachment wp-att-11959"><img decoding="async" class=" wp-image-11959 " title="Anonymous" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/anonymous.png" alt="" width="320" height="175" /></a><figcaption id="caption-attachment-11959" class="wp-caption-text">Foto by Vincent Diamante / Lizenz: CC BY-SA 2.0</figcaption></figure>
<p><strong>Aktivisten der Anonymous-Bewegung sorgten in der Vergangenheit für Furore: So führten sie Angriffe gegen Unternehmen und Institutionen wie CIA, Mastercard oder Sony durch und pressten erfolgreich ein Mitglied frei. Doch sind ihre Aktionen sehr umstritten. Der CDU-Politiker und Autor Stephan Eisel hält die Methoden von Anonymous für inakzeptabel. Der IT-Anwalt Emanuel Schach hebt positive Aspekte der auf Aufmerksamkeit und Transparenz zielenden Aktionen hervor.</strong></p>
<p>In dieser Woche erschien das von den Journalisten Ole Reißmann, Christian Stöcker und Konrad Lischka herausgegebene Sachbuch „We are Anonymous“. <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2012-02/we-are-anonymous-rezension/komplettansicht" target="_blank" rel="noopener noreferrer">In einer Rezension</a> schreibt Patrick Beuth von Zeit Online dazu: „Anonymous und seine zahlreichen Teil-, Splitter- und Trittbrettfahrergruppen, das betonen die Autoren immer wieder, wollen oft vor allem eines: sogenannte lulz. Sie wollen Spaß haben. Sie tun dafür Dinge, die man fragwürdig bis bösartig finden kann und die auf keinen Fall mit der Hackerethik vereinbar sind.“ Ist diese Hacker-Bewegung nun Fluch oder Segen? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte.</p>
<p>Was aber spricht für oder gegen Anonymous?</p>
<p>Der CDU-Politiker Dr. Stephan Eisel kritisiert, dass sich die Anonymous-Bewegung eines digitalen Faustrechts und des größten Feindes der Freiheit bediene: der Angst. Ihre Methoden seien in einer Demokratie inakzeptabel. Dagegen hält der Anwalt Emanuel Schach die Aktionen von Anonymous für eine Form des politischen Protests und eine Art virtuelles Pendant zu den Demonstrationen auf der Straße, die sich gegen Regulierung und Kontrolle der Datenströme im Netz richten.</p>
<h2>Pro-Standpunkt Emanuel Schach</h2>
<p>Anonymous ist keine Gruppe im klassischen Sinn, sie hat keine feste Struktur, keine festen Mitglieder. Anonymous ist ein Phänomen, das zugleich seine eigene Lebensvoraussetzung beschreibt: ein freies, unkontrolliertes und unzensiertes Netz. Klassische Anonymous-Aktionen richten sich vor allem gegen Institutionen oder Gruppierungen, die versuchen, eine Regulierung und Kontrolle der Datenströme im Netz zu erreichen. Aber auch gegen rechtsradikale Gruppierungen oder Foren von Pädophilen geht Anonymous vor. Mit diesen Aktionen zielt Anonymous vor allem auf Aufmerksamkeit und Transparenz. Zumeist erreichen sie dieses Ziel auch. Kritiker werfen ihnen regelmäßig vor, letztlich nichts anderes zu sein als kriminelle Hacker, die sich hinter der Anonymität ihrer (virtuellen) Masken verstecken, um Straftaten zu begehen. Verkannt wird dabei allerdings der politische Charakter, der den Aktionen dieser Idee bzw. Bewegung häufig beikommt. Anonymous ist Protest, eine Art virtuelles Pendant zu den Demonstrationen auf den Straßen unserer Städte. Und ebenso wie diese Demonstrationen etwa den Straßenverkehr behindern, behindert Anonymous mit seinen Aktionen den Datenverkehr: vorübergehend und ohne bleibende Schäden für die Betroffenen. Bei Straßen-Demonstrationen ist allgemein anerkannt: Je mehr Menschen damit konfrontiert werden, je zentraler und öffentlicher sie stattfinden, umso effektiver sind sie. Nicht trotz, sondern wegen der damit einhergehenden temporären Behinderung für die nicht teilnehmende Umwelt. Ein DDoS-„Angriff“ auf eine Webseite, die letztlich nur dazu führt, dass diese temporär von außen nicht erreicht werden kann, ist kein Hack, weil nicht in das EDV-System eingegriffen wird. Es ist eine Art virtuelle Sitzblockade, die sich zudem ohne Zutun von Polizei oder sonstigen Ordnungskräften wieder auflöst. Und die zum Ziel hat, Missstände bei dem Betroffenen aufzuzeigen. Was nicht heißt, Anonymous-Aktionen seien generell gutzuheißen. „Einbrüche“ in Datenbänke mit Veröffentlichung so gewonnener Daten gehen weit über das hinaus, was hingenommen werden kann. Umgekehrt erlauben uns solche Fälle nicht, alle anderen Aktionen zu verurteilen. Vielmehr sollte „Anonymous“ Anlass sein, über die Berechtigung und eventuell auch Regeln eines solchen Protests, solcher digitaler Demonstrationen zu diskutieren. Nicht über deren generelles Verbot. Protest ist Teil und Ausdruck einer vitalen Demokratie. Auch im Netz.</p>
<h2>Contra-Standpunkt Dr. Stephan Eisel</h2>
<p>Man kann die Ziele des Internet-Kollektivs „Anonymous“ teilen oder auch nicht, aber seine Methoden sind in der Demokratie inakzeptabel. Die Bewegung nimmt nämlich für sich in Anspruch: Der Zweck heiligt die Mittel. Dieser machiavellistische Grundsatz ist das Gegenteil von freiheitlicher Demokratie. Anonymous kämpft gegen Internetzensur mit den Mitteln der Zensur, indem durch Hackerangriffe systematisch Internetangebote unliebsamer Anbieter lahmgelegt werden. Man ist gegen „Netzsperren“, um selbst nach Gutdünken im Internet zu sperren, was nicht behagt. Anonymous propagiert nicht nur, sondern lebt das digitale Faustrecht im Internet. Auf der deutschen Anonymous-Homepage finden sich Slogans wie: „Da niemand weiß, was richtig ist, kann niemand beurteilen, was falsch ist.“ Oder „Alles ist erlaubt!“ Angeblich um die Freiheit des Internets zu schützen, bedient sich Anonymous des größten Feindes der Freiheit: der Angst. Aus dem Lehrbuch des Totalitarismus könnten Anonymous-Slogans stammen wie: „Identität ist unwichtig, wenn du weißt, dass es uns gibt.“ oder „Wir sind viele, aber Du weißt nicht wer; wir sind überall, doch du weißt nicht wo.“ In Diktaturen schützt Anonymität vor Verfolgung, in der Demokratie gehört sie zur Grundausstattung der Gegner der Freiheit: Rechts- und Linksextremisten vermummen sich, religiöse Fundamentalisten agieren aus dem subversiven Untergrund. Wer im Schutz der Anonymität nicht nur Internetseiten lahmgelegt, sondern auch Kreditkartendaten stiehlt oder persönliche Daten veröffentlicht, bedient sich der gleichen Methoden. Der Glaube an die Überzeugungskraft eigener Argumente kommt darin jedenfalls nicht zum Ausdruck, eher die Feigheit dafür einzustehen. Die Anonymous-Bewegung ist so widersprüchlich wie die grinsende Maske von Guy Fawkes, hinter der sich ihre Anhänger gerne verstecken. Fawkes wollte 1605 mit mehr als zwei Tonnen Schwarzpulver das englische Parlament in die Luft sprengen. 2008 machte der Film „V wie Vendetta“ nach der gleichnamigen Comicserie das Gesicht des gescheiterten Terroristen bekannt, weil es der anarchistische Titelheld bei seinen Anschlägen als Maske trug. Die Rechte an Comic und Film liegen beim Medienkonzern Time Warner, einem der Feindbilder der Anonymous-Bewegung. Die von ihr benutzte Fawkes-Maske gehört zu den Merchandise-Produkten des Konzerns. So verdient der internationale Medienkonzern an jeder Maske, die seine Gegner im Kampf gegen ihn tragen&#8230;</p>
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		<title>Live-Interview mit Angela Merkel</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/politik-digital-de-im-gespraech-mit-der-bundeskanzlerin-10584/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Feb 2012 13:50:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunftsdialog]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesregierung]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[E-Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeskanzlerin]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerdialog]]></category>
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					<description><![CDATA[Live-Interview mit der Bundeskanzlerin: politik-digital.de sprach mit Angela Merkel über ihren Bürgerdialog und die Zukunft von Online-Bürgerbeteiligungsverfahren. Die Kanzlerin startete [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_10605" aria-describedby="caption-attachment-10605" style="width: 275px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class=" wp-image-10605 " src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/merkel_zukunftsdialog.png" alt="" width="275" height="194" /><figcaption id="caption-attachment-10605" class="wp-caption-text">Quelle: Bundesregierung / Bergmann</figcaption></figure>
<p><strong>Live-Interview mit der Bundeskanzlerin: politik-digital.de sprach mit Angela Merkel über ihren Bürgerdialog und die Zukunft von Online-Bürgerbeteiligungsverfahren.</strong></p>
<p>Die Kanzlerin startete am 1. Februar ihren Bürgerdialog über Deutschlands Zukunft unter dem Motto „Menschlich und erfolgreich“. Darin will sie Antworten geben auf die Vorschläge von Bürgern zu gesellschaftspolitischen Themen: Wie lässt sich Bürgerbeteiligung besser organisieren? Welche Werte sollten im Alltag vermittelt werden? Welche Bedeutung hat das Internet?</p>
<p style="text-align: left;">Diese Initiative der Bundeskanzlerin nahm politik-digital.de zum Anlass, um über die Ziele des von ihr gestarteten Online-Bürgerdialogs und die Zukunft von Online-Beteiligungsverfahren in der Politik zu sprechen. Das Gespräch führte der Mitgründer und Geschäftsführer von politik-digital.de Steffen Wenzel am 9. Februar mit Angela Merkel in der Bibliothek des Bundeskanzleramts.</p>
<p style="text-align: center;"><iframe src="https://www.youtube.com/embed/fL9Ov23t8Ik" width="640" height="360" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><br />
<strong>Steffen Wenzel im Interview mit der Bundeskanzlerin</strong></p>
<p style="text-align: left;">Im Vorfeld des Interviews konnten Fragen zum Thema Online-Bürgerbeteiligung gestellt werden. Die drei am höchsten bewerteten Fragen flossen in das Gespräch zwischen Angela Merkel und Steffen Wenzel mit ein. Die Bundeskanzlerin machte im Interview deutlich, dass der Bürgerdialog <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/live-interview-der-buergerdialog-ist-keine-philosophische-diskussion/6191824.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">keine philosophische Diskussion</a> sei, sondern konkrete Ergebnisse zum Ziel habe. Dies ist wohl als Reaktion auf Kritik und Skepsis von Bürgern und Medien zu verstehen, die bemängelt hatten, dass es sich um eine „Scheindebatte“ handele.</p>
<p style="text-align: left;">Auf die Top 1 &#8211; Frage eines Nutzers, inwieweit unsere Gesellschaft, insbesondere mit Blick auf die Verfügbarkeit von IT-Ressourcen und die Internetkompetenzen älterer Mitbürger für den Umstieg von der klassischen Bürgerbeteiligung hin zur neuartigen Online-Beteiligung bereit sei, stellte Merkel u.a. fest: &#8220;Was wir beachten müssen, ist, dafür Sorge zu tragen, dass jeder auch Zugang zu den technischen Voraussetzungen hat. Wir wollen bis 2014 dann soweit sein, dass jeder auch Zugang zum Breitband-Internet hat.&#8221; Man müsse darauf achten, dass gerade im ländlichen Raum nicht hunderttausende Haushalte abgeschnitten sind.</p>
<p>Ob sie die Abstimmungsergebnisse für glaubwürdig halte, wollte ein Nutzer von der Kanzlerin wissen. Darauf erwiderte Merkel, dass es bis jetzt lediglich einen Manipulationsversuch gegeben habe. Natürlich wisse man, dass nur ein Teil der Bevölkerung am Zukunftsdialog teilnehme bzw. Gruppen, die sich einem bestimmten Ziel verschrieben haben. Insgesamt würden aber Fragen aufgeworfen, die durchaus die breite Öffentlichkeit interessieren. &#8220;Ich hoffe, dass möglichst viele, die gemeinsame Ziele haben, auch zueinander finden.&#8221; Die Kosten von mehreren 100.000 Euro für die Durchführung des Bürgerdialogs hält Merkel für verhältnismäßig.</p>
<p>Man müsse sehen, „wie viele Chancen wir damit geben und wie viele Menschen wir damit auch erreichen können, wie viele Zugriffe wir schon hatten und dass wir jetzt schon über 4.000 Vorschläge haben“. Wenn man das berücksichtige, sei das Geld gut eingesetzt.&#8221; Merkel widersprach der Vermutung, diese Initiative könne schon der Wahlkampfauftakt für die Bundestagswahl 2013 sein, insbesondere um Bürgernähe zu simulieren.</p>
<p>Außerdem machte die Bundeskanzlerin deutlich, dass Online-(Bürger-)Beteiligungsverfahren via Internet zwar ein &#8220;Mehr&#8221; an direkter Kommunikation zwischen Politik und Bürger ermöglichten, aber noch nicht eine völlig neue Form der Entscheidungsfindung bedeuten. Demokratische Entscheidungen seien noch immer auf repräsentative Resultate angewiesen, so dass jeder Bürger die Chance habe, mitzumachen. &#8220;Selbst wenn Hunderttausende mitmachen, bleibt es immer noch so, dass Deutschland 80 Millionen Einwohner hat.&#8221; Merkel ist aber davon überzeugt, dass die Politik gerade bei größeren Infrastrukturprojekten wie bei Stuttgart21 oder dem Bau von Autobahnen – überall dort also, wo bestimmte Bevölkerungsgruppen direkt betroffen sind – über solch einen Bürgerdialog ein gutes Meinungsbild erhalten könne.</p>
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		<title>Brauchen wir ein Fach Medienkompetenz?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/netzstandpunkte/brauchen-wir-ein-fach-medienkompetenz-10955/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 16:28:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Netzstandpunkte]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[Dr. Alexander Dix]]></category>
		<category><![CDATA[Dr. Bernd Althusmann]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-2"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Über die Notwendigkeit der Vermittlung von Medienkompetenz an Schulen gibt es mittlerweile eine breite Übereinstimmung in Politik und Wissenschaft. Uneinigkeit herrscht noch über die Art und Weise der Umsetzung. Soll es ein separates Fach Medienkompetenz an den Schulen geben, wie es der Berliner Datenschutzbeauftragte Dr. Alexander Dix fordert, oder ist vielmehr eine fächerübergreifende Lösung zielführender, die Niedersachsens Kultusminister Dr. Bernd Althusmann anstrebt?</p>
<p>Bei der <a href="http://www.didacta-hannover.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">diesjährigen didacta</a>, die als europaweit größte Bildungsmesse gilt und vom 14. – 18. Februar in Hannover stattfinden wird, steht bei vielen Veranstaltungen auch wieder die Vermittlung von Medienkompetenz sowohl an Lehrer als auch die von ihnen betreuten Schüler ganz oben auf der Agenda. Um den Herausforderungen und Erfordernissen des digitalen Zeitalters gewachsen zu sein, ist es insbesondere für Heranwachsende wichtig, sich selbstbestimmt und sicher durch das Internet bewegen zu können, also einen kompetenten Umgang mit dem Medium zu lernen. Die Frage ist dabei, wie dies am sinnvollsten vermittelt werden soll.</p>
<h2>Pro-Standpunkt Dr. Alexander Dix</h2>
<p>In den 1990er Jahren veröffentlichte der Amerikaner Clifford Stoll mit dem Buch „Log out“ einen Appell für die Verbannung von Computern aus dem Schulunterricht. Heute gehört der Umgang mit Computern im Allgemeinen und mit dem Internet im Besonderen zu einer Kernkompetenz. Ein Verzicht auf sie ist mit dem Verlust von Entfaltungschancen verbunden, der keinem Menschen zugemutet werden darf. Zudem statten Unternehmen wie die Deutsche Telekom immer mehr Schulen mit Rechnern aus. Das aber genügt nicht. Zum einen muss die Hard- und Software so administriert werden, dass sie jederzeit über aktuelle Virenscanner und Firewalls verfügen. Das setzt kompetentes Personal voraus, für das die Schulträger sorgen müssen. Entscheidend aber ist die Vermittlung der nötigen Kompetenz zum Umgang mit diesen neuen Medien. Schülerinnen und Schüler, die häufig schon zuhause und vor der Einschulung Kontakt mit Computern haben, sollten lernen, welche Chancen, aber auch welche Risiken das Internet birgt. Suchmaschinen kann man nur sinnvoll nutzen, wenn man auch weiß, was dabei gespeichert wird und wie etwas aus dem Cache einer Suchmaschine gelöscht werden kann. Wer bei Facebook ein Profil anlegt, sollte sich zunächst die Frage stellen, ob er einem Unternehmen vertraut, das wiederholt die eigenen Zusagen zum Umgang mit den Nutzerdaten über Nacht geändert hat, ohne die Nutzer zu fragen. Er sollte auch in der Lage sein, mit dem permanenten Zwang zur Verwaltung der eigenen Reputation (reputation management) umzugehen. Wer sich bei Google registriert hat, um verschiedene Dienste im Vertrauen auf die – inzwischen widerrufene &#8211; Zusage dieses Unternehmens zu nutzen, die verschiedenen Nutzungsdaten nicht zu einem Profil zusammen zu fassen, sollte jetzt in der Lage sein, seine Registrierung zu löschen und vergleichbare Dienste verschiedener Konkurrenten zu nutzen, um der Profilbildung zu begegnen. Auch sollte jede Schülerin und jeder Schüler wissen, dass sie oder er sich mit dem Hochladen von Bildern von Freunden ohne deren Einwilligung strafbar macht. Dies sind nur einige Elemente der Medienkompetenz (die noch ganz andere, weiter gehende Elemente hat), die in Schulen möglichst in einem eigenen Unterrichtsfach vermittelt werden sollte. Bisher geschieht dies – wenn überhaupt – erst zu spät und nur in vereinzelten Unterrichtsfächern wie Informatik oder Politik. Dadurch wird der Stellenwert der Medienkompetenz aber nicht angemessen berücksichtigt. Ein eigenes Unterrichtsfach ist auch deshalb dringend erforderlich, um Jugendlichen die Fähigkeit zu vermitteln, wie mit Cybermobbing effektiv umzugehen ist. Das Anprangern und Herabwürdigen von Jugendlichen im Netz hat schon vereinzelt zu Suiziden geführt. Die Kultusministerkonferenz ist auch deshalb aufgefordert, für ein eigenes Fach „Medienkompetenz“ den Weg frei zu machen.</p>
<h2>Contra-Standpunkt Dr. Bernd Althusmann</h2>
<p>Beim Erwerb von Medienkompetenz geht es nicht darum, sich mit Medien um der Medien Willen auseinanderzusetzen. Vielmehr geht es darum, die Chancen und Risiken der Mediennutzung und des Medieneinsatzes am konkreten Lerngegenstand zu erfahren &#8211; also anhand von geeigneten Beispielen im Fachunterricht. Ob dabei vielleicht die Tageszeitung im Deutschunterricht, der PC im Mathematikunterricht oder das Internet-Videoprojekt im Politikunterricht in geeigneter Weise zum Einsatz kommt, liegt im Ermessen der Lehrkräfte. Auch datenschutzrelevante Medienkompetenzen wie der sichere Umgang mit sozialen Netzwerken oder mit Urheberrechten sollten Bestandteil des fachbezogenen Unterrichts sein, z. B. im Bereich der politischen Bildung, Werte und Normen oder Deutsch, da es hier konkrete Gesprächsanlässe gibt. Die fächerintegrative Einbindung von Medienbildung ist zudem besser dazu geeignet, den Erwerb von Medienkompetenz in den allgemeinen Bildungs- und Erziehungsauftrag von Schule einzubeziehen. Hinzu kommt: Die inhaltliche wie auch die technische Entwicklung der Medien führen dazu, dass sie ohnehin in jedem Unterrichtsfach Bestandteil des Lernens sind. Dies zeigt auch die Erweiterung und Überarbeitung der Lehrpläne in zahlreichen Bundesländern. So werden wir in Niedersachsen dafür Sorge tragen, dass Medienbildung verbindlich in die Lehrpläne und in schulische Entwicklungskonzepte aufgenommen wird. Dies ist nur ein Aspekt des Gesamtkonzepts <a href="http://www.medienkompetenz-niedersachsen.de">„Medienkompetenz in Niedersachsen – Meilensteine zum Ziel“</a> der Niedersächsischen Landesregierung. Das Konzept zeigt einen Weg auf, wie der Erwerb von Medienkompetenz nachhaltig in der nieder­sächsischen Bildungsarbeit verankert werden kann &#8211; von der frühkindlichen Bildung bis in die berufliche Weiterbildung. Dies hat auf vielen Ebenen Vorteile: Schulentwicklung und die Verbesserung der Unterrichtsqualität bedingen ohnehin zunehmend projektorientiertes und fächerübergreifendes Lernen. Hier bietet der Medieneinsatz vielfältige Möglichkeiten eigenständigen, kreativen und individuellen Lernens. Ein eigenständiges Fach Medienbildung wäre kontraproduktiv: Es geht nicht darum, ein neues Fach obendrauf zu satteln &#8211; es geht darum, anders und verstärkt mittels Medien zu lernen. Unabdingbar ist dabei natürlich, dass auch die Vermittler von Medienkompetenz, also unsere Lehrerinnen und Lehrer, die entsprechenden Kenntnisse und Fertigkeiten mitbringen. Sie sind auch in stärkerem Maße gefordert, beispielsweise schuleigene Konzepte zur Vermittlung von Medienkompetenz zu erarbeiten &#8211; somit fördert Medienbildung auch Prozesse der inneren Schulentwicklung. Wir werden in Niedersachsen hierzu die Nachhaltigkeit von Fortbildungen erhöhen. All dies wird dazu beitragen, dass Medienbildung in unseren Bildungsinstitutionen mehr und mehr zum selbstverständlichen Bestandteil des Bildungskanons wird &#8211; ganz ohne ein eigenes Schulfach.</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-2" data-row="script-row-unique-2" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-2"));</script></div></div></div>
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		<title>Krystian Woznicki: Netzpionier als Autodidakt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 08:58:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Krystian Woznicki]]></category>
		<category><![CDATA[Autodidakt]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpionier]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Journalist, Buchautor und Netzaktivist Krystian Woznicki ist schon viel um den Globus gereist und dabei am stärksten mit der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/krystian-woznicki-netzpionier-als-autodidakt/krystian_woznicki_slider/" rel="attachment wp-att-10942"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-10942" title="Krystian Woznicki" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/krystian_woznicki_slider.png" alt="" width="630" height="317" /></a>Der Journalist, Buchautor und Netzaktivist Krystian Woznicki ist schon viel um den Globus gereist und dabei am stärksten mit der Kultur Japans in Berührung gekommen – ganze sieben Jahre lebte er dort. Im Gespräch mit dem „Berliner Gazette“-Herausgeber kristallisiert sich heraus, dass es für ihn keine Heimat oder Nationalität im klassischen Sinne gibt.</p>
<p>Der Einstieg in das Gespräch mit dem Gründer der „<a href="http://berlinergazette.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Berliner Gazette</a>“ verläuft nicht ganz glatt. In den Redaktionsräumen seiner Online-Zeitung im Prenzlauer Berg auf seine polnischen Wurzeln angesprochen, ist Krystian Woznicki anzumerken, dass er die Frage für überflüssig hält. Woznicki fühlt sich zuerst als Weltbürger, nicht als Pole oder Deutscher. Die politischen Unruhen in Polen und die daraus hervorgehende Solidarność-Bewegung Anfang der 1980er Jahre erlebte der 1972 in dem polnischen Dorf Kłodzko Geborene und Aufgewachsene nur am Rande. Zumal er in eben diesem historischen Moment im Alter von acht Jahren nach Deutschland übersiedelte: ins hessische Bad Pyrmont. Das Leben auf dem Dorf habe ihn geprägt. Seine Liebe zu ländlichen Gebieten – zu Stille, Natur und der Konzentration auf das Lokale – rührt daher. Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen der Landbewohner, die intimer und weniger anonym seien als im Stadtleben, sind etwas, was er am Leben auf dem Land schätze und in einem Kiez wie dem Prenzlauer Berg in der urbanen Variante wiederfinde, ohne sich dabei auf den lokalen Horizont festzulegen. Gerade im Netz finde er den nötigen Ausgleich: eine weitgehend offene, teils anonyme Form der weltweit verzweigten Kommunikation.</p>
<p><strong>20 Jahre selbst erlebte Netz-Geschichte</strong></p>
<p>Auch auf die stereotype Rolle des „Netzaktivisten“ habe er sich nie reduzieren lassen wollen, denn bei seinem Schaffen geht es Woznicki um eine ganzheitliche und gesamtkulturelle Perspektive. Inzwischen hat er jedoch kein Problem mehr damit, als Internet-Experte oder Netzpionier bezeichnet zu werden. Schließlich sei das Internet längst auch ein gesamtgesellschaftliches Thema. Wenn es etwas wie ein Kontinuum oder einen roten Faden in seiner Arbeit gibt, dann ist es nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit den digitalen Medien: „Für mich ist das auch deshalb wichtig, weil ich das seit bald 20 Jahren mache und die ganze Entwicklung selbst erlebt habe, die die digitale Welt seit den 1990er Jahren durchlief. Vor diesem Hintergrund weiß ich auch, dass die Dinge, die jetzt passieren, keineswegs aus dem Nichts kommen und es schon so einige Hypes rund ums Netz gegeben hat.“ Mit diesem mittlerweile historischen Wissen ließe sich auch besser verstehen, was das Besondere an dem jeweiligen aktuellen Internet-Hype sei. Beispielsweise seien Überwachung und Kontrolle von oben schon vor der Vernetzung aller Haushalte durch Firmen wie AOL ein Thema gewesen und von Intellektuellen wie Bruce Sterling angeprangert worden. Das Neue der gegenwärtigen Entwicklung bestehe laut Woznicki nicht nur darin, dass dieses Thema kein Randphänomen in gesellschaftlichen Debatten sei, wie etwa die Causa des &#8220;Staatstrojaner&#8221; zeige, sondern dass nicht mehr nur Leit-Intellektuelle mitreden, sondern alle, die es auch betrifft: die Masse. Dass es in der Debatte um „totale Transparenz“ keine einfachen Lagerbildungen gäbe, kein einfaches Pro und Contra, müsse als Errungenschaft gesehen werden. Wo viele mitreden, gäbe es auch viele Meinungen, und, so hofft Woznicki, auch neue Horizonte, die gesamtgesellschaftlich angesteuert werden können – jenseits alter Holzschnittschemata.</p>
<p><strong>Der Einstieg ins Digitale</strong></p>
<p>Krystian Woznicki ist Autodidakt. Er agiert gerne selbstbestimmt: „Ich brauche kein Lehrbuch, um eine Zeitung im Internet zu machen.“ Die Formel „Learning by doing“ bringt seine Motivation sehr gut auf den Punkt. Dieses Lebensmotto hat er auch mit dem Sammelband „<a href="http://www.panama-verlag.de/programm/modell-autodidakt/index.html">Modell Autodidakt</a>“ aufgegriffen, das er zusammen mit der Journalistin und Medienwissenschaftlerin Magdalena Taube im Sommer 2011 herausgegeben hat. Die Anthologie versammelt Texte von Philosophen, Journalisten, Künstlern und Architekten, die das selbstbestimmte Lernen an ihrer eigenen Person kritisch reflektieren. Das erste Mal loggte sich Woznicki Anfang der 1990er Jahre im Internet ein. Nachdem er im Technologie- und Elektronikviertel der Stadt Tokio in einem Second-Hand-Laden ein <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/PowerBook_100" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Apple Powerbook</a> erworben hatte, begann er, das sich eben erst entwickelnde Web zu nutzen – anfangs rein beruflich. Damals war er am Anfang seiner journalistischen Laufbahn. Von Tokio aus schrieb er für das Kulturmagazin Spex, das Netzmagazin Telepolis sowie die Japan Times und Wired Japan zu Themen im Spannungsfeld von Kultur, Gesellschaft und Internet. Seine bevorzugten Interviewpartner waren Philosophen und Künstler, darunter der Filmemacher Takeshi Kitano und der Komponist David Grubbs. Zur selben Zeit startete Woznicki auch seine ersten Webprojekte: 1995 wirkte er aktiv an der von <a href="http://www.medienkunstnetz.de/kuenstler/u.gabriel/biografie/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medienkünstlerin Ulrike Gabriel</a> entwickelten Online-Plattform „Views“ mit, auf der Persönlichkeiten aus Kultur und Medien ihre Gedanken und Beiträge veröffentlichten und sich untereinander vernetzten, darunter der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Volker_Grassmuck" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sozialwissenschaftler Volker Grassmuck</a> oder der japanische <a href="http://www.t0.or.at/0ntext/tokyogas.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kulturtheoretiker Sawaragi Noi</a>. Die Inhalte und Texte wurden digital visualisiert – als Kartographie der Gedanken und Ideen.</p>
<p><strong>Die Berliner Gazette: Nur die Leser dürfen reinreden</strong></p>
<h5><a href="http://politik-digital.de/krystian-woznicki-netzpionier-als-autodidakt/berliner-gazette-team/" rel="attachment wp-att-10884"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-10884 alignnone" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/berliner-gazette-team-305x214.png" alt="" width="305" height="214" /><br />
</a><a href="http://berlinergazette.de/ueber-uns/was-ist-die-berliner-gazette/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Team der Berliner Gazette</a></h5>
<p>Sein verstärktes (netz-)politisches Engagement verbindet Woznicki mit der Gründung der Berliner Gazette. Er hob die Online-Zeitung im Jahre 1999 aus der Taufe – von seinem damaligen Home Office in der Schönhauser Allee im Prenzlauer Berg. Der Ideengeber und Initiator war von Anfang an auch Chefredakteur der digitalen Zeitung, bis 2009 <a href="http://berlinergazette.de/author/magdalena-taube/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Magdalena Taube</a> die Funktion übernahm; seitdem agiert Woznicki in erster Linie als Herausgeber: Projekte entwickeln, Fundraising betreiben, etc. Die Idee hinter der Gründung der Berliner Gazette sei ganz banal gewesen: „Wir wollten damals herausfinden, ob und wie man mithilfe des Mediums Internet eine neue Form des Vermittelns von Inhalten kreieren kann.“ Eine der Prämissen war damals, dass die journalistische Arbeit ergebnis- und zeitoffen sein sollte – politisch wie ökonomisch. Von Anfang an unabhängig von wirtschaftlichen Überlegungen und gegen die Launen des Mainstreams gerichtet war die Haltung, die Berliner Gazette ohne Druck und Erwartungen von außen zu entwickeln. Getreu dem Motto: „Wir lassen uns hier nicht reinreden!“ Ausgenommen davon waren natürlich die Leser. Im ersten Jahr ihrer Existenz wurde die digitale Zeitung ausschließlich per E-Mail verbreitet. Die Kommunikation mit den Lesern war sehr direkt. „Da hast du sofort das Leser-Feedback gehabt, das mich teilweise auch sehr hart, weil vollkommen ungeschützt traf.“ Im Fokus der thematischen Ausrichtung stand damals Berlin: „Es ging anfangs immer um kritische Diskurse rund um Berliner Themen, zum Beispiel Stadtentwicklung, Gentrifizierung, Festivalisierung der Kultur. Dabei ging es stets darum, das mit der digitalen Interaktivität verbundene Versprechen einzulösen, in einen Dialog mit den Lesern zu treten.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/krystian-woznicki-netzpionier-als-autodidakt/berliner-gazette-international/" rel="attachment wp-att-10897"><img decoding="async" class="size-large wp-image-10897 alignnone" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/berliner-gazette-international-630x304.png" alt="" width="630" height="304" /></a></p>
<h5 style="text-align: center;">Die Grafik zeigt das internationale Netzwerk der Berliner Gazette<br />
im Jahre 2006: je dichter die Kreise, desto dichter das Netzwerk</h5>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die weltweit immer größere Verbreitung des Internet sorgte dafür, dass die Berliner Gazette auch international wahrgenommen wurde. Die Redaktion erhielt Leserbriefe aus Marseille, war im Dialog mit Kulturschaffenden aus Russland und führte Online-Interviews mit Intellektuellen aus New York. Bis heute seien rund 800 Autorenprofile in der Berliner Gazette angelegt worden, mit Beiträgen aus so gut wie allen Kontinenten. Inspiriert von der eigenen Erfahrung, startete die Berliner Gazette im Jahre 2006 „<a href="http://berlinergazette.de/feuilleton/jahresthemen/mcdeutsch2006" target="_blank" rel="noopener noreferrer">McDeutsch</a>“ &#8211; ein interdisziplinäres Projekt zur Kartierung der deutschen Sprache und deren Globalisierung.</p>
<p><strong>Lektionen aus Japan: „Auch das Geistige ist Boulevard“</strong></p>
<p>Ganz anders als seine Kindheit in Polen habe ihn das Leben in Japan geprägt, bekräftigt Woznicki. Beispielsweise seien seine Sensibilität und auch das Bewusstsein für das in Japan hoch entwickelte Alltagsdesign größer geworden. Es gehöre zur dortigen Kultur, auch auf kleine Dinge zu achten – ob nun im eigenen Haushalt oder im Stadtbild. „Wo gestaltet werden kann, wird kaum etwas dem Zufall überlassen“, so Woznicki. Er habe insbesondere erfahren, was man aus wenig Platz machen könne: So lebte er mit seiner damaligen Partnerin in einer 25 Quadratmeter kleinen Wohnung, was in etwa die durchschnittliche Wohnungsgröße für eine japanische Familie in Tokio sei. „Man überlegt sich sehr genau, was man aus den Mitteln macht, die einem zur Verfügung stehen. Man nutzt Dinge multifunktional. Beispielsweise ist es üblich, dass es keine Schlafzimmer im eigentlichen Sinne gibt, sondern die Betten aus dem Schrank geholt werden“. Diese Philosophie sei auch in seine Arbeit als Macher der Berliner Gazette eingeflossen. Wie bei Low-Budget-Produktionen in Film und Theater müsse der Herausgeber Woznicki auch bei seiner digitalen Zeitung immer genau überlegen, wie er mit begrenzten Mitteln möglichst ökonomisch und effizient arbeitet und dabei zugleich seinen Qualitätsansprüchen gerecht wird.</p>
<p>In Japan habe er auch gelernt und erfahren, dass intellektuelle Fragen nicht nur einer Elite vorbehalten sein müssen. Dort können auch Philosophen mit sehr existenziellen und komplexen Themen ein Massenpublikum erreichen, was hierzulande – wie im Fall Peter Sloterdijk – noch ein Ausnahme-Phänomen darstelle. „Es gibt in Japan eine Massenkultur, auch Philosophen und Denker im Mainstream wahrzunehmen. Jemand wie der sehr von mir geschätzte Dietmar Dath, der hierzulande vielleicht noch vielen Menschen als zu elitär vorkommen mag, könnte in Japan ein Massenpublikum erreichen.“ So sei es auch nicht verwunderlich, dass es in Japan mit Hiroki Azuma derzeit einen sehr populären Intellektuellen gibt, der eine Art „Mischung aus Sascha Lobo, Peter Sloterdijk und Daniel Kehlmann“ ist. Woznicki hat in den 1990er Jahren mit ihm zusammengearbeitet und kann sehr gut den literarischen, medialen und philosophischen Horizont dieser gesellschaftlichen Resonanz nachvollziehen: „Auch das Geistige ist Boulevard“.</p>
<p>In Reaktion auf die Katastrophe von Japan im März 2011 hat er im vergangenen Herbst das internationale Symposium „<a href="http://berlinergazette.de/symposium/learning-from-fukushima" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Learning from Fukushima</a>“ in Berlin organisiert. Dabei ging es primär um die Frage, wie in Krisenzeiten eine kritische (Netz)Öffentlichkeit entsteht. Spätestens seitdem kann wohl auch Krystian Woznicki selbst die Bezeichnung Netzaktivist nicht mehr von sich weisen.</p>
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		<title>Volksabstimmungen per E-Voting?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 17:27:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Netzstandpunkte]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Purgathofer]]></category>
		<category><![CDATA[Rüdiger Grimm]]></category>
		<category><![CDATA[E-Voting]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Wahlen]]></category>
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					<description><![CDATA[In einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts wurde der Einsatz von Wahlcomputern 2009 für verfassungswidrig erklärt. Bedeutet dies, dass Volksabstimmungen per E-Voting [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts wurde der Einsatz von Wahlcomputern 2009 für verfassungswidrig erklärt. Bedeutet dies, dass Volksabstimmungen per E-Voting auch in naher Zukunft ausgeschlossen sind? Prof. Dr. Peter Purgathofer von der Uni Wien bejaht dies, während sich Prof. Dr. Rüdiger Grimm von der Uni Koblenz-Landau die technische Realisierung solcher Online-Wahlen vorstellen kann.</p>
<p>Im digital sehr umfassend vernetzten Estland können die Wähler ihre Stimme bei den landesweiten Parlamentswahlen bereits <a href="http://politik-digital.de/online-wahlen-vorbild-estland" target="_blank" rel="noopener noreferrer">seit 2007 auch per E-Voting abgeben</a>. Hierzulande wird solch einer Praxis nicht nur mit größerer Skepsis begegnet, sondern auch mit verfassungsrechtlichen Bedenken. Das Bundesverfassungsgericht erklärte die bei der Bundestagswahl im Jahre 2005 eingesetzten Wahlcomputer sowie die Bundeswahlgeräteverordnung <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/cs20090303_2bvc000307.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zuletzt für verfassungswidrig</a>, da nach dem damaligen Verfahren nicht sichergestellt werden konnte, dass eine abgegebene Stimme unverfälscht und nachvollziehbar erfasst wird. Es reiche nicht aus, dass die Bürger dem System lediglich vertrauen, sie müssten seine Funktionsfähigkeit auch überprüfen können (Stichwort: Richtigkeitskontrolle). Auch der Chaos Computer Club (CCC) <a href="http://wahlcomputer.ccc.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zeigt sich ablehnend</a> gegenüber dem E-Voting bei Volksabstimmungen.</p>
<p>Parlamentswahlen per E-Voting könnten eine ortsunabhängige Wahl ermöglichen: sei es für im Ausland lebende Deutsche, für körperlich eingeschränkte Menschen oder Bürger, die ihre Stimme lieber im eigenen Wohnzimmer statt in der Wahlkabine abgeben. Wenn die technische Zuverlässigkeit des Systems garantiert wäre, könnte die elektronische Stimmabgabe auch einer Wahlmanipulation und einer Fehlauszählung entgegenwirken. Der gesamte Wahlprozess wäre unbürokratischer, unkomplizierter und kostensparender. Doch vor allem auf technischer Ebene gibt es noch viele berechtigte Bedenken. Diese werden auch von unseren beiden Autoren geteilt, mit dem feinen Unterschied, dass Prof. Grimm äußerst optimistisch auf die Informatik setzt, während Prof. Purgathofer ein grundsätzliches Problem mit dem E-Voting bei Volksabstimmungen hat.</p>
<h2>Pro-Standpunkt Prof. Dr. Rüdiger Grimm</h2>
<p><strong>Online-Wahlen – eine positive Perspektive</strong></p>
<p>Nach dem gegenwärtigen Stand der Technik und aufgrund unserer Anforderungen an die Sicherheit und Beherrschbarkeit müssen wir heute parlamentarische Online-Wahlen ausschließen. Das Internet ist zwar ein Alltagsmedium unserer Kommunikation geworden, von sozialen Netzen über Online-Einkauf bis hin zum Homebanking. Aber die Sicherheitsrisiken von Online-Wahlen sind insofern nicht zu beherrschen, als wir noch kein bequem handhabbares Instrument haben, mit dem alle Nutzer die korrekte Durchführung von Wahlen unabhängig vom Online-System und unabhängig von ihren Betreibern prüfen können. Denn die innere Funktionalität eines IT-Systems – und ist es noch so sicher implementiert – erscheint der breiten Laienöffentlichkeit undurchschaubar. Auf deren Kontrolle kommt es aber gerade an, wie das Bundesverfassungsgericht am 3. März 2009 festgestellt hat. Nun kann man auf diese Lage reagieren, indem man auf ewig die Finger von Online-Wahlen lässt. Man kann aber die Forderung des Bundesverfassungsgerichts zur zuverlässigen Überprüfung einer Wahl durch die Öffentlichkeit produktiv annehmen. Dieser zweite Weg stellt die folgenden beiden Aufgaben an die Informatik: erstens das so genannte TÜV-Modell, d.h. die Sicherheitsüberprüfung des Gesamtsystems durch Fachexperten vor seiner Nutzung; zweitens die öffentliche Kontrolle jederzeit während und nach der Wahl, wodurch auch nicht technisch versierte Nutzer die korrekte Durchführung der Wahlhandlung einschließlich der Stimmabgabe, der Speicherung der Stimmen in der Urne und der Auszählung feststellen können. Die Kontrollinstrumente müssen Alltagsinstrumente sein, die auch in anderen Anwendungen zuverlässig erprobt sind und die von unabhängigen Herstellern frei auf dem Markt angeboten werden, so wie der Kugelschreiber zum Ausfüllen papierner Stimmzettel ein erprobtes Alltagsgerät ist. Ich halte beide Aufgaben nicht nur für erfüllbar, sondern die Informatik ist auf diesem Wege bereits erheblich fortgeschritten, so dass sie guten Gewissens in Aussicht stellen kann, Online-Wahlsysteme zu entwerfen, die sicherer, durchschaubarer und besser in ihrer korrekten Ausführung kontrollierbar sind als herkömmliche Papier-und-Urne-Wahlen. Sie erhöhen das Prinzip der Allgemeinheit der Wahl sogar noch besser als die Briefwahl, da das Internet keine Orts- und Zeitbeschränkungen mehr kennt. Zu ihrer Ausführung wird uns das Alltagsinstrument Internet eines Tages so selbstverständlich sein wie heute der Umgang mit Papier und Kugelschreiber.</p>
<h2>Contra-Standpunkt Prof. Dr. Peter Purgathofer</h2>
<p>Schon 2009 hat das deutsche Bundesverfassungsgericht den Einsatz von Wahlcomputern für verfassungswidrig befunden. Auch das österreichische Verfassungsgericht hat in einem Urteil vom 13. Dezember 2011 dem Einsatz von Online-Votingsystemen eine klare Absage erteilt. Für mich gibt es viele Gründe, gegen Online-Voting aktiv zu sein. Das dem österreichischen Urteil zugrundeliegende Argument der Intransparenz solcher Systeme ist dabei ein wesentliches, ein ebenso gewichtiges Problem sehe ich jedoch ganz allgemein im Prinzip von Distanzwahlverfahren, mit dem die Verantwortung für die geheime und unbeeinflusste Stimmabgabe an den Wähler/die Wählerin abgetreten wird, ohne dass garantiert werden kann, dass diese/r die Verantwortung wahrnehmen kann (geschweige denn will). Wir müssen aber leider davon ausgehen, dass die geheime und unbeeinflusste Stimmabgabe zurzeit weder sozial noch technologisch sichergestellt werden kann. Das Abtreten dieser Verantwortung ist daher schlicht verantwortungslos &#8211; das haben Verfassungsrechtler auch schon wiederholt festgehalten. Ein wesentlich grundlegenderes Argument gegen die elektronische Stimmabgabe bei geheimen Wahlverfahren – also auch bei Volksabstimmungen – ist für mich jedoch die Unmöglichkeit, die Trennung von Stimme und Identität nachvollziehbar und verständlich zu machen. Das liegt nicht an den grundsätzlichen mathematisch-kryptographischen Verfahren, die das schon garantieren würden, es liegt in der Notwendigkeit, der Umsetzung dieser Verfahren vertrauen zu müssen. Ein kurzer Blick auf die Trennung von Identität und Wählerwille bei der Papierwahl zeigt uns ein ebenso einfaches wie elegantes Verfahren: Die Identität der Wählerin wird zuerst per Ausweis von einer Wahlkommission festgestellt. Dann tritt die Wählerin mit ihrem Stimmzettel in eine Wahlzelle, macht dort ihr »Kreuzerl« und steckt den Stimmzettel in ein anonymes Kuvert, das sie in weiterer Folge, wieder vor den Augen der Wahlkommission, in eine Wahlurne wirft. In diesem Moment werden Wählerwille und Identität nachvollziehbar und unwiderruflich getrennt (vorausgesetzt, die Zahl der Wähler/innen ist groß genug). Dieser Vorgang ist für jede Wählerin/jeden Wähler, jeden Beobachter/jede Beobachterin verständlich und nachvollziehbar. Wesentlich dabei ist, dass zu keinem Zeitpunkt in diesem Verfahren irgendwer (außer der Wählerin) sowohl Identität als auch Wählerwille gleichzeitig kennt. Genau das kann mit elektronischen Wahlsystemen niemals garantiert werden. Das System bzw. der Rechner, an dem wir unsere Stimme abgeben, muss nämlich sowohl unsere Identität überprüfen als auch unsere Stimme übertragen. Es gibt also im Gegensatz zu Papierwahlen eine Instanz außerhalb der Wählerin, die beides kennen kann. Hier helfen weder bessere Kryptographie, sicherere Systeme noch Open Source: Es gibt zurzeit (und vermutlich auch in der Zukunft) keinen Weg, für alle verständlich, nachvollziehbar und glaubwürdig zu zeigen, dass diese beiden Informationen nicht zusammengeführt und dann gespeichert oder übertragen werden. Dabei muss nicht einmal die Wahlsoftware selbst zuschlagen &#8211; es reicht ein beliebiges Stück passender Schadsoftware, und unser geheimes Wahlrecht ist kompromittiert. Ich lehne daher jede Form von elektronischen Wahlen mit geheimer Stimmabgabe ab.</p>
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		<title>Brauchen wir einen Internetminister?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 20:30:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Netzstandpunkte]]></category>
		<category><![CDATA[Jimmy Schulz]]></category>
		<category><![CDATA[Juliane Witt]]></category>
		<category><![CDATA[Internetminister]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Internet durchdringt immer mehr Lebensbereiche und ist längst zum Lebensraum für viele Menschen geworden. Sollte die Politik darauf mit [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Internet durchdringt immer mehr Lebensbereiche und ist längst zum Lebensraum für viele Menschen geworden. Sollte die Politik darauf mit der Berufung eines Internetministers reagieren? Unbedingt, meint der FDP-Netzpolitiker Jimmy Schulz. Die Berliner Stadträtin Juliane Witt (DIE LINKE) dagegen hält die Schaffung eines solchen Amtes für absurd.</p>
<p>Außer Frage steht wohl, dass sich die Politik lange Zeit geradezu stiefmütterlich den Erfordernissen des digitalen Zeitalters annahm und nicht gerade mit Sachverstand glänzte. Doch insbesondere auch die Achtungserfolge der Piratenpartei katapultierten das Thema zuletzt ganz nach oben auf die politische Agenda. Sollte dieser gewachsenen Bedeutung netzpolitischer Belange mit einem eigens dafür geschaffenen Amt bzw. Ressort Rechnung getragen werden?</p>
<h2>Pro-Standpunkt Jimmy Schulz</h2>
<p>Die Netzpolitik hatte lange einen schweren Stand. Als neues Thema musste sie sich an bestehende Strukturen anpassen. Das Ergebnis ist, dass heute eine Vielzahl von Gremien um die Lufthoheit ringen. Es streiten sich die Ministerien Wirtschaft, Innen, Familie sowie Landwirtschaft &amp; Verbraucherschutz um Zuständigkeiten, von den Ausschüssen und Gremien im Bundestag ganz zu schweigen. Als Parlamentarier halte ich deswegen einen eigenen Ausschuss Netzpolitik – sozusagen als institutionalisierter Nachfolger der Enquetekommission – nicht nur für wünschenswert, sondern vielmehr für unbedingt notwendig. Aber auch in der Exekutive wäre eine Abbildung der Relevanz des Themas richtig. Ich kann mir sehr gut die Einrichtung des Postens eines Internetministers vorstellen. Wohlgemerkt: nicht die Einrichtung eines Internetministeriums. Ein unnötig aufgeblähter Apparat wäre gerade im schnellen, zukunftsorientierten Bereich Internet kontraproduktiv. Aber: Es wäre durchaus sinnvoll, die unterschiedlichen und teils gegenläufigen Aktivitäten innerhalb der Bundesregierung zu koordinieren und zu bündeln. Analog zur Rolle des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien könnte ein „Staatsminister Internet“ bei der Bundeskanzlerin also mit einem direkten Zugang zu den politischen Schaltstellen angesiedelt werden. Eine solche Position kann einen Ansprechpartner nach innen und nach außen sein. Vor vielen Jahren hat Henry Kissinger nach der „Telefonnummer Europas“ gefragt. Eine solche Nummer fehlt in der deutschen Netzpolitik bis heute. Gerade ein föderales Land wie die Bundesrepublik benötigt mitunter Instanzen, die die Arbeit der unterschiedlichen Behörden und Einrichtungen in den Ländern zusammenführt und ihre Ergebnisse mit Sachkenntnis und Verve vertritt. Ebenso braucht die überaus engagierte und aktive Netzgemeinde in Deutschland einen Ansprechpartner. Mit dem Ausschuss Netzpolitik und einem kompetent besetzten Staatminister Internet wären Legislative wie auch Exekutive gut für die netzpolitische Zukunft aufgestellt.</p>
<h2>Contra-Standpunkt Juliane Witt</h2>
<p><strong>Die netzpolitische Zukunft ? … können nur wir alle sein</strong></p>
<p>Natürlich habe ich jahrelang dafür geworben, dass Netzpolitik ein anerkanntes Politikfeld sein möge. Und natürlich ist es Anerkennung und Genugtuung, dass es im Land Berlin nunmehr ein deutliches Bekenntnis gibt, dies auch in Person und Geschäftsverteilung des Landes zu verdeutlichen. Aber ist dies ein Votum für einen Internetminister? Nein! Wenn nun im Sinne eines Beauftragten jemand etwas von dem auf seine Schultern lädt, was man selbst ungern tragen mag, ist das für eher hierarchisch strukturierte Gemüter immer eine erleichternde Sache. So ein Verantwortlicher muss natürlich ganz oben angebunden sein, sonst wird das in solch staatsgläubiger Welterzählung nichts, schließlich muss er „das Ohr“ der Mächtigen haben… Jemand kann die Lobbyistenrolle annehmen, und wir sind entlastet. Doch schon bezogen auf all die vorhandenen Beauftragten ist dies eine seltsame, unemanzipatorische Haltung. Beim Thema Internet stößt dieser Ansatz, „einer werde es schon richten“, ins absolut Absurde vor. Natürlich kann ich mir, da die Auswahl eines solchen Beauftragten nach mindestens einem Jahr einen Stab, eine Behörde, ein Ministerium, drei Pförtner nach sich ziehen würde, eine Reihe potentieller Mitarbeiter vorstellen. Aber es ist das Allerletzte, was wir brauchen. Eine Behörde, die dieses Internet irgendwie abbilden, beforschen, lenken, koordinieren oder auch nur im Blick haben will, ist ebenso skurril wie die Gesamtillusion, das Web und seine täglich sich erweiternden Optionen seien steuerbar. Es ist eben nicht nur eine andere Art der Produktion entstanden – sondern auch eine andere, schnellere Art des Reagierens, die quer durch alle Gesellschaftsschichten, Ressorts, Themen und Familien reicht. Da geht es um ein verändertes Demokratieverständnis, um eine Kommunikationsethik, die Offenheit neu definiert, ein Einlassen auf eine prozesshafte Politik. Das höhlt zum Teil auch die gewählten Vertreter der Demokratie aus. Das kann auch mal zu Ungerechtigkeit und neuer Einseitigkeit führen und manchmal eine sich selbst zerstörende Dynamik haben. All das stimmt, es ist ein Prozess und wir alle sind daran beteiligt. Braucht dieser Prozess einen Minister? Nein. Was er braucht, sind stattdessen mündige, kluge und engagierte Bürgerinnen und Bürger, wohlgemerkt: nicht nur in den Metropolen, nicht nur bis 35 und ohne soziale Ausgrenzung. Dafür sollten wir streiten.</p>
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		<title>Post Privacy vs. Privatsphäre</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/netzstandpunkte/pro-contra-post-privacy-vs-privatsphaere-5908/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Jan 2012 17:58:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Netzstandpunkte]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Privatsphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Schaar]]></category>
		<category><![CDATA[Post Privacy]]></category>
		<category><![CDATA[Sebastian Westermayer]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="/sites/politik-digital.de/files/netzstandpunkte-privatsphaere.png" width="480" height="200" /><br />
Gehören private Daten im Internet der Vergangenheit an? Ja, meinen die Vertreter der Post Privacy-Bewegung. Wie Sebastian Westermayer, der Privatsphäre im Netz für eine Illusion hält. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar widerspricht vehement: Auch in Zeiten von WikiLeaks sei eine Vielzahl von Informationen schützenswert.
<p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Gehören private Daten im Internet der Vergangenheit an? Ja, meinen die Vertreter der Post Privacy-Bewegung. Wie Sebastian Westermayer, der Privatsphäre im Netz für eine Illusion hält. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar widerspricht vehement: Auch in Zeiten von WikiLeaks sei eine Vielzahl von Informationen schützenswert.</p>
<p>Nach Einschätzung von Christian Heller von der datenschutzkritischen Spackeria, einer Gruppe von Post Privacy-Vertretern, ist Privatsphäre ein Auslaufmodell und Datenschutz ein Kampf gegen Windmühlen. Warum das so sei, legt er in seinem kürzlich veröffentlichten Buch „Post Privacy &#8211; Prima leben ohne Privatsphäre“ dar, das <a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/lesart/1646266/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gestern bei dradio.de</a> vorgestellt wurde. Prominente Vertreter der Spackeria wie Julia Schramm <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,749831,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zeigen sich davon überzeugt</a>, dass Privatsphäre und Datenschutz in unserer vernetzten Welt nicht mehr zu schützen sind. Datenschützer sind ihnen ein Dorn im Auge: Sie halten sie schlicht für überflüssig.</p>
<h2>Pro-Standpunkt von Sebastian Westermayer</h2>
<p>Das Internet wurde erschaffen, um Daten zu teilen und sich zu verbinden. Von Anfang an war die Kommunikation im Internet eine öffentliche, prinzipbedingt. Selbst in den von Milliarden von Menschen genutzten sozialen Netzwerken ist Privatsphäre eine Illusion, denn der Diensteanbieter kann immer mitlesen, aber auch staatliche Behörden, potenziell sogar die ganze Welt, wie zahllose Datenleaks beweisen. Dazu kommt ein weiterer Aspekt: Betrachtet man die Entwicklung der Computerisierung und ihren Einfluss auf unsere Gesellschaft, erkennt man leicht, dass die Digitalisierung unseres Lebens immer weiter voranschreitet. In jedem Smartphone stecken heute schon unzählige, mit dem Internet verbundene Sensoren. Die Sensorendichte und -qualität wird stetig zunehmen, parallel zu der exponentiellen Entwicklung der Speicherkapazität, Bandbreite und Prozessorleistung. In absehbarer Zukunft wird sich dem niemand mehr entziehen können, weder durch Verschlüsselung, noch durch Datenvermeidung oder Nichtteilnahme. Doch für den Zulauf sozialer Netzwerke und die Beliebtheit von Apps, die die öffentlich verfügbaren Daten &#8211; auch die intimsten &#8211; für uns nutzbar machen, gibt es einen Grund: Der Mehrwert, den wir aus der Nutzung ziehen, ist vielfältig. Sie helfen uns, persönliche soziale Bedürfnisse zu befriedigen. Aus der Entwicklung ergeben sich auch gesamtgesellschaftliche Vorteile: Je informierter wir sind, desto besser können wir agieren, beispielsweise Gefahren identifizieren und abwehren. Freie Daten bedeuten eine Beleuchtung der Machtverhältnisse und ein Ende des Herrschaftswissens. Wissen wird demokratisiert und geteilt. Auf zwischenmenschlicher Ebene schwindet die Angst vor dem unbekannten Gegenüber. Kenne ich die Schwächen, Ängste und Unsicherheiten des Anderen &#8211; und er meine -, sind wir einander nicht mehr fremd und müssten uns nicht fürchten, wir sind verbunden. Selbst wenn wir mit einigen anderen Menschen nicht zurechtkommen, finden wir durch Offenlegung unserer Interessen Gleichgesinnte, sei es für ein seltenes Hobby oder für eine Revolution. Nicht zuletzt ist das Netz eine Gedächtnis- und Geisteserweiterung, die mit sozialen Komponenten &#8211; also öffentlichen und verknüpften Daten &#8211; erst ihre volle Kraft entfaltet. Sammeln und Auswerten von Daten sind Grundlage und Treibstoff all dieser Dynamiken, und vor der Idee der Privatsphäre macht die Entwicklung nicht halt.</p>
<h2>Contra-Standpunkt von Peter Schaar</h2>
<h3>Prima leben ohne Privatsphäre?</h3>
<p>„Die Privatsphäre ist weg! Machen wir das Beste daraus“ – das ist die Botschaft von Post Privacy. Damit klammern sich die Postprivatisten an die Annahme, dass Daten, die einmal digital erfasst wurden, stets unkontrollierbar seien und öffentlich werden – ob der Betroffene dies wünscht oder nicht. Ein wenig erinnert mich diese Argumentation an die (vulgär)marxistische These, dass sich Gesellschaften zwangsläufig entwickeln und es den Menschen nur noch an der „Einsicht in die Notwendigkeit“ mangele. Diese behauptete Zwangsläufigkeit gibt es aber nicht. Auch wenn die Speicherungsmöglichkeiten heute ungleich größer sind als in Zeiten analoger Datenverarbeitung lassen sich auch digitale Informationen schützen, sei es durch neuartige Verschlüsselungs- und Datenseparierungskonzepte oder traditionellen Zugriffsschutz. Auch in Zeiten von WikiLeaks sind vielfältige Informationen (zum Glück) rechtlich schützenswert und technisch geschützt. Falsch ist auch die Annahme, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung sei rein negativ konzipiert, gar ein ‚Recht auf Verstecken’. Dabei blenden die Postprivatisten konstruktive Datenschutzkonzepte völlig aus, etwa die technologisch orientierten Ansätze des „Privacy by Design“ und des „Privacy by Default“. Und wohin soll Post Privacy eigentlich führen? Christian Heller führt in seinem Buch „Post-Privacy. Prima leben ohne Privatsphäre“ etwa aus, dass sich mit ‚datenschützerischem Duckmäusertum’ und der Flucht ins Verborgene keine Freiheit verteidigen lasse. Im Umkehrschluss hieße das: Nur wer totale Transparenz anvisiert, verteidigt die Freiheit. Die damit einhergehende Überwachung wird heruntergespielt, ihre Folgen verharmlost. Gerade umfassende Registrierung, Profilbildung und Durchrasterung führt zum Duckmäusertum, nicht der Schutz davor. Post Privacy ist deshalb nicht nur naiv, sondern auch gefährlich. Pressemeldungen über Überwachungsstaaten lassen nur erahnen, in welchem Ausmaß Datenströme kontrolliert, zensiert und manipuliert werden können. Offensichtlich haben sich deren Apparate bereits darauf eingerichtet, die Informationen, die Facebook, Twitter und Co. liefern, zu nutzen und Oppositionelle noch gezielter zu unterdrücken. Transparenz führt in solchen Staaten nicht zur Freiheit, sondern in die totale Unterdrückung.<strong><strong><br />
</strong></strong></p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Urheberrecht: Three Strikes auf Prüfstand</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/urheberrecht-three-strikes-auf-pruefstand-5940/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Charlie Rutz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 13:56:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Netzsperren]]></category>
		<category><![CDATA[Three-Strikes]]></category>
		<category><![CDATA[Sebastian Dosch]]></category>
		<category><![CDATA[Tobias Keber]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>
		<category><![CDATA[ACTA]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="/sites/politik-digital.de/files/eu-rat-logo.png" height="206" width="300" />
<br />
Am 16. Dezember beschloss der Rat der Europäischen Union das zwar reichlich entschärfte, jedoch weiterhin umstrittene ACTA-Abkommen. politik-digital.de fragte zwei Rechtsexperten, welche Bedeutung das in diesem Zusammenhang diskutierte „Three Strikes“-Modell zur Sperrung von Internetzugängen bei Urheberrechtsverletzungen haben könnte.
<p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft" src="/wp-content/uploads/eu-rat-logo.png" alt="" width="300" height="206" />Am 16. Dezember beschloss der Rat der Europäischen Union das zwar reichlich entschärfte, jedoch weiterhin umstrittene ACTA-Abkommen. politik-digital.de fragte zwei Rechtsexperten, welche Bedeutung das in diesem Zusammenhang diskutierte „Three Strikes“-Modell zur Sperrung von Internetzugängen bei Urheberrechtsverletzungen haben könnte.</p>
<p><a href="http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/en/agricult/127031.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Auf der letzten Seite eines Berichts</a> des EU-Rats für Landwirtschaft und Fischerei vom letzten Freitag findet sich ein Beschluss zur Umsetzung des „<a href="http://ec.europa.eu/trade/creating-opportunities/trade-topics/intellectual-property/anti-counterfeiting" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Anti-Counterfeiting Trade Agreement</a>“ (kurz: ACTA). Ein Schelm, wer Böses ob des gewählten, wenig öffentlichkeitswirksamen Ortes der Bekanntgabe denkt. Als nächste Instanz muss nun das EU-Parlament zustimmen. Doch dort regt sich Widerstand. Grüne und liberale EU-Abgeordnete wollen das Anti-Piraterieabkommen vom Europäischen Gerichtshof <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Parlamentarier-wollen-ACTA-gerichtlich-pruefen-lassen-1399183.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">prüfen lassen</a>. Vor allem die Film- und Musikindustrie hatte in der Vergangenheit immer wieder Druck auf die Politik ausgeübt, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um effektiv gegen Raubkopierer (insbesondere in punkto Filesharing) vorgehen zu können. Zur Untermauerung ihrer Position berufen sich diese Branchen regelmäßig auf <a href="https://www.gema.de/nl/092011/branchennews/neue-gfk-studie-73-prozent-der-filesharer-kaufen-keinerlei-musik.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">selbst in Auftrag gegebene Studien</a> und <a href="http://www.lto.de/index.php/de/html/nachrichten/5062/pro-und-contra-warnhinweismodell-ein-streit-ueber-den-umgang-mit-filesharern/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">fordern beispielsweise ein Warnhinweismodell</a>. Wenn sie nicht ins Bild passt, kann solch eine Studie aber auch schon mal <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2011-07/gfk-studie-downloads" target="_blank" rel="noopener noreferrer">weggeschlossen werden</a>. In Deutschland wird derzeit noch über die Optionen für konkrete Sanktionen bzw. Alternativen zu der weit verbreiteten (Massen-)Abmahnpraxis gegen Filesharer diskutiert. Der Bundestagsabgeordnete Siegfried Kauder brachte gar <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2011-09/kauder-three-strikes-netzsperre" target="_blank" rel="noopener noreferrer">die Sperrung des Internetzugangs</a> für Raubkopierer ins Spiel, ruderte aber kürzlich mit seiner Forderung <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Musikindustrielle-und-Napster-Chef-werben-fuer-Internetsperren-1394902.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wieder zurück</a>. In Frankreich dagegen wurde die Möglichkeit der Sperrung von Internetzugängen nach dem „Three Strikes“-Modell <a href="http://www.conseil-constitutionnel.fr/conseil-constitutionnel/root/bank_mm/anglais/2009_580dc.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">mit dem „Hadopi“-Gesetz</a> bereits 2009 geschaffen. Alsbald könnten erste Sanktionen <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/6/151066" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gerichtlich geprüft werden</a>. politik-digital.de hat die auf IT-Recht spezialisierten Anwälte Sebastian Dosch und Dr. Tobias Keber gebeten, das rund um ACTA diskutierte „Three Strikes“-Modell aus nationaler und internationaler Perspektive auf dessen Rechtmäßigkeit zu überprüfen. Für Dosch wäre die Sperrung von Internetzugängen nicht verhältnismäßig. Er plädiert dafür, das Urheberrecht in seiner Gesamtheit zu überdenken und den heutigen Gegebenheiten anzupassen. Tobias Keber unterstreicht, dass bei Urheberrechtsverletzungen im Internet ein Interessenausgleich herzustellen ist – alle betroffenen Parteien (wie Access-Provider, Internetnutzer und Rechteinhaber) also eingebunden werden müssen.</p>
<p><strong><br />
ACTA aus nationaler Perspektive<br />
</strong></p>
<p>von <a href="http://klawtext.blogspot.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sebastian Dosch</a></p>
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<p><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/sebastian_dosch.png" alt="" width="138" height="196" /></p>
<p>Jeder hat das Recht, sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten, so steht es im Grundgesetz. Es gibt Gründe, aus denen dieses elementare Grundrecht auf Informationsfreiheit eingeschränkt und Menschen der Zugang zum Internet und damit zu Informationen verweigert werden kann. Doch diese Gründe müssen schwer wiegen, so wie beispielsweise der Schutz der nationalen Sicherheit. Einzelinteressen von Lobbyverbänden hingegen können niemals ausreichen, eine so weitgehende Einschränkung der Grundrechte zu rechtfertigen. Nur um Urheberrechte zu verteidigen, darf man Menschen nicht den Zugang zum Internet sperren – denn das ist schlicht nicht mehr verhältnismäßig. Aber genau das soll mit dem Modell der Three Strikes erreicht werden.</p>
<p>Zudem trifft diese Maßnahme auch zahlreiche Personen, die nicht selbst Urheberrechte verletzt haben: Nicht einem konkreten Menschen wird nämlich der Zugang zum Internet verwehrt, sondern einer IP-Adresse. Wer genau diese jedoch zum Zeitpunkt der Urheberrechtsverletzung tatsächlich genutzt hat, ist häufig nicht klar – nur wer seinerzeit den entsprechenden Internetanschluss inne hatte, kann nachvollzogen werden. Und derjenige muss von der Tat nicht einmal wissen, geschweige denn sie gutheißen. Es wird also eine ganze Familie, eine WG, ein Hotel dafür haftbar gemacht, dass der Sohn, ein Mitbewohner, ein Gast eine Urheberrechtsverletzung begangen hat. Oder war es gar ein unbekannter Dritter, der die IP-Adresse unbefugt genutzt hat? Getroffen wird vom Internetausschluss aber nur einer: der Anschlussinhaber.</p>
<p>Darüber hinaus dürfte die Zugangsbeschränkung auch kaum praktisch durchzusetzen sein: Wer hindert den Ausgeschlossenen daran, über einen neu beantragten eigenen Internetzugang, über den Internetanschluss Dritter oder über öffentliche Zugänge weiter das Internet zu nutzen? Und wer entscheidet über diese Einschränkung der Grundrechte? Bei einem derart schwerwiegenden Eingriff müsste das eigentlich ein Richter sein. Doch stattdessen sollen die Internet-Provider diese Aufgabe – als verlängerter Arm der Rechteinhaber – übernehmen. Diese würden so zu Überwachern der von ihnen nur vermittelten Inhalte, was jedoch mit Datenschutzgrundsätzen oder dem Fernmeldegeheimnis nicht zu vereinbaren ist. Der vermeintliche Vorteil der Three Strikes ist reine Augenwischerei: Es heißt, die allseits kritisierten teuren Abmahnungen würden so verhindert.</p>
<p>Doch diese sind ja nach dem vorgesehenen System überhaupt nicht ausgeschlossen: Gerade durch das Herauslösen der Three Strikes aus einer umfassenden Änderung des Urheberrechts (des so genannten Dritten Korbs) verbliebe ja in dieser Hinsicht alles beim Alten. Die Betroffenen sähen sich dann sowohl mit einer Internetsperre als auch mit einer teuren Abmahnung konfrontiert. Denn die durch § 97a Abs. 2 UrhG geschaffene Möglichkeit, bei erstmaligen Verstößen die Abmahnkosten auf 100,- Euro zu beschränken, wird von den Gerichten nicht genutzt und ist daher zumindest bei Abmahnungen im Filesharing-Bereich unwirksam geblieben. Dass der verfassungsrechtlich höchst bedenkliche Vorschlag der Three Strikes von gestandenen Juristen ins Spiel gebracht und unterstützt wird, ist befremdlich. Dass ein Nebenschauplatz aus dem Gesamtzusammenhang gerissen und losgelöst von den übrigen zahlreichen ungelösten Problemen geregelt werden soll, die das Urheberrecht angesichts der Entwicklungen der neuen Medien hat, ist – gelinde gesagt – eine schlechte Idee.</p>
<p>Das Urheberrecht muss in seiner Gesamtheit überdacht und den heutigen Gegebenheiten und auch der internationalen Lage angepasst werden. Ein Herumdoktern an einzelnen Fragen kann niemals zu einem der Komplexität der Sache gerechten Ergebnis führen.</p>
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ACTA aus internationaler Perspektive<br />
</strong></p>
<p>von <a href="http://www.jura.uni-mainz.de/fink/179.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dr. Tobias O. Keber</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" src="/wp-content/uploads/tobias_keber.png" alt="" width="138" height="196" /></p>
<p>Nicht nur in Frankreich, sondern auch in weiteren Staaten (Großbritannien, Irland, USA) existieren unterschiedlich ausgestaltete „Three Strikes“-Modelle. Regelungstechnisch geschieht dies entweder durch gesetzliche Anordnung oder dadurch, dass die Provider mittels freiwilliger Verpflichtung eingebunden werden. Das wirft die Frage auf, wie weit diese Ansätze mit Vorgaben des Unionsrechts und internationalem Recht vereinbar sind.</p>
<p>Das Übereinkommen zur Bekämpfung von Produkt- und Markenpiraterie (kurz: ACTA) das Anfang Oktober 2011 von acht Staaten (darunter Australien, Neuseeland, Kanada, USA) gezeichnet wurde (auch die EU war unter den Verhandlungspartnern, sie hat bis dato aber noch nicht gezeichnet), enthält in seiner finalen Fassung keine Verpflichtung der Mitgliedstaaten, ein „Three Strikes“-Modell im nationalen Recht einzuführen. Ein anderslautender Vorentwurf war nach massiver Kritik in der Öffentlichkeit nicht mehr konsensfähig. In der Europäischen Union wurde die Übernahme des französischen Modells im Rahmen der Novellierung des Regulierungsrahmens für Telekommunikationsnetze diskutiert. Eine Pflicht, entsprechende Mechanismen einzuführen, enthalten die schlussendlich verabschiedeten Regelungen aber ebenso wenig, wie sie es kategorisch ausschließen, dass auf nationaler Ebene ein „Three Strikes“-Modell eingeführt wird. Die Rahmenrichtlinie für elektronische Kommunikationsnetze und -dienste (Richtlinie 2009/140/EG) sieht lediglich vor, dass den Zugang zu elektronischen Kommunikationsnetzen einschränkende Maßnahmen verhältnismäßig sein müssen und den Nutzern ein faires und unparteiisches Rechtsschutzverfahren zu garantieren ist, das auch der Unschuldsvermutung und dem Recht auf Schutz der Privatsphäre Rechnung trägt.</p>
<p>Der Sonderbeauftragte der UNO für Meinungs- und Pressefreiheit, Frank La Rue, kommt <a href="/un-bericht-klare-kritik-an-netz-zensur" target="_blank" rel="noopener noreferrer">in seinem Bericht vom Mai 2011</a> zu dem Ergebnis, dass Sperren von Internetanschlüssen, ganz gleich welche Gründe angeführt werden (ausdrücklich benennt er auch Sperren wegen Verletzungen des geistigen Eigentums), unverhältnismäßig sind und daher gegen Artikel 19 Absatz 3 des internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (International Covenant on Civil and Political Rights, ICCPR) verstoßen (Report, Ziffer 78). Zwar entfaltet der La Rue-Report keine rechtliche Bindung. Inhaltlich liegt er aber ganz auf der Linie des Menschenrechtsausschusses. Dieses Gremium, das unter bestimmten Voraussetzungen in einem quasigerichtlichen Verfahren Verletzungen des ICCPR durch einen Mitgliedstaat feststellen kann, veröffentlichte im September 2011 General Comment No. 34. Auch in diesem Text, der den Inhalt von Artikel 19 ICCPR konkretisiert, heißt es, die Komplettsperrung eines Informationssystems sei unverhältnismäßig (General Comment No. 34, Ziffer 43).</p>
<p>Sehr differenziert ist die Rechtsprechung des EuGH. Dieser entschied im November 2011, dass eine allgemeine Verpflichtung der Access-Provider, ein Filter- und Sperrsystem einzuführen, das den Datenverkehr seiner Kunden laufend überwacht, mit europäischem Recht nicht vereinbar ist (EuGH, Scarlet Extended Rs. C‑70/10). Dass damit jegliche Form einer wie auch immer gearteten Inpflichtnahme der Access Provider ausgeschlossen ist, ist dem Urteil allerdings auch nicht zu entnehmen. Vielmehr verweist das Gericht auf seine Rechtsprechung, wonach Vermittler unter bestimmten Umständen künftige Verletzungshandlungen verhindern müssen (EuGH, L&#8217;Oréal, Rs. C-324/09). In seiner Rechtsprechung unterstreicht der EuGH weiter, dass bei Urheberrechtsverletzungen im Internet ein Interessenausgleich herzustellen ist (EuGH, Promusicae, Rs. C-275/06). Dieser Ausgleich ist mehrdimensional und muss den Schutz des Rechts am geistigen Eigentum der Rechteinhaber (Art. 17 Abs. 2 Grundrechtecharta) ebenso berücksichtigen, wie der unternehmerischen Freiheit der Access-Provider (Art. 16 Grundrechtecharta) sowie der Informationsfreiheit der Nutzer (Artikel 11 Grundrechtecharta) und dem Schutz ihrer personenbezogener Daten (Artikel 8 Grundrechtecharta) Beachtung zu schenken ist. Im Ergebnis überlassen die Luxemburger Richter diese hochkomplexe Abwägung den Mitgliedstaaten.</p>
<p>Kurz gesagt verpflichten europäische und internationale Regeln im Lichte der betroffenen Rechtspositionen dazu, einen sachgerechten Interessenausgleich vorzunehmen. Unzulässig wäre jedenfalls ein Konzept, das eine der zu berücksichtigenden Rechtspositionen (sei es die der Access-Provider, die der Nutzer oder die der Rechteinhaber) gänzlich ausblendet.</p>
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