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	<title>dboom &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>dboom &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Klein aber oho &#8211; &#034;Splitterparteien&#034; im Internet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[dboom]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Nov 1999 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
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		<category><![CDATA[Kleinpartei]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Wenn auf den deutschen Fernsehern im Vorfeld von Wahlen die Werbespots der sog. &#34;Splitterparteien&#34; flimmern, dann
provoziert dies im Regelfalle zwei mögliche Reaktionen: Ablehnung und Wut über die extremistischen Äußerungen vor allem
rechtsextremer Gruppierungen und Gelächter und Schadenfreude über die oft unbeholfenen Versuche gemäßigter Kleinparteien,
es in der Qualität ihrer Selbstdarstellung den großen gleich zu tun.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Wenn auf den deutschen Fernsehern im Vorfeld von Wahlen die Werbespots der sog. &quot;Splitterparteien&quot; flimmern, dann<br />
provoziert dies im Regelfalle zwei mögliche Reaktionen: Ablehnung und Wut über die extremistischen Äußerungen vor allem<br />
rechtsextremer Gruppierungen und Gelächter und Schadenfreude über die oft unbeholfenen Versuche gemäßigter Kleinparteien,<br />
es in der Qualität ihrer Selbstdarstellung den großen gleich zu tun.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Tatsächlich sind die demokratischen Kleinparteien in Deutschland in einer wenig beneidenswerten Lage, was die Verbreitung<br />
ihrer Programmatik, die Wahl- und Mitgliederwerbung sowie die allgemeine Selbstdarstellung angeht: Von den Medien ignoriert<br />
oder belächelt, bei Infoständen und Veranstaltungen von den Bürgern kaum besucht oder nur beschimpft, bewegen sich die<br />
Aktivisten von Kleinparteien in einem sehr schwierigen Umfeld. So ist es wenig verwunderlich, daß sie das Internet als<br />
Plattform zur Selbstdarstellung entdeckt haben und in einer oft sehr professionellen Art und Weise nutzen. Vor allem die<br />
Mehrzahl der nicht extremistischen Kleinparteien sieht darin eine Chance, mit vorgefaßten Meinungen aufzuräumen und<br />
Vorurteile zu bekämpfen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Die Unterschiede verwischen sich</b><br />
Während in den Wahlergebnissen, bei der Mitgliederzahl und beim politischen<br />
Einfluß die Unterschiede zwischen den etablierten Großparteien und ihrer &quot;kleinen<br />
Verwandtschaft&quot; im Null-Komma-Ghetto recht offensichtlich sind, verwischen sich<br />
diese in bezug auf die Webpräsenz. Im Internet, so muß man den Eindruck gewinnen,<br />
sind alle gleich &#8211; mehr als eine gut gestaltete und intelligente Homepage muß<br />
man nicht haben, um mit der großen Konkurrenz gleichziehen zu können. Viele<br />
der sonst unterprivilegierten Kleinparteien haben diese Chance sehr früh genutzt<br />
und können sich der Konkurrenz stellen. Die Vorteile sind eindeutig: Wer sich<br />
heute primär über das Internet informiert, um eine Wahlentscheidung zu treffen,<br />
bekommt ein relativ gleich gewichtetes, nicht durch den Filter mehr oder weniger<br />
gewogener Mediendarstellungen gesiebtes Bild vorgesetzt und hat in der Tat das<br />
Maß an Informationsvielfalt, das für eine demokratische Grundentscheidung notwendig<br />
ist. Vergleicht man die Internet-Angebote der großen und kleinen Parteien, so<br />
werden die Unterschiede geringer, nicht zuletzt deswegen konzentrieren viele<br />
Kleinparteien ihre oft bescheidenen Ressourcen auf eine einigermaßen gut gemachte<br />
Homepage. Die Online-Präsenz von Parteien wie der <a href="http://www.oedp.de/">Ökologisch-Demokratischen<br />
Partei</a> oder auch der <a href="http://www.pbc.de/">Partei Bibeltreuer Christen</a><br />
kann sich mit den Angeboten der großen Konkurrenz durchaus messen lassen. Doch<br />
selbst Kleinstgruppierungen wie die etwa 140 Mitglieder umfassenden <a href="http://www.liberale-demokraten.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Liberalen<br />
Demokraten</a>, die sich 1983 aus Frustration über den Koalitionswechsel von<br />
der FDP abgespalten haben, leisten sich eine möglichst umfassende und umfangreiche<br />
Homepage.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Das Minimax-Prinzip</b><br />
Die Vorteile liegen auch deswegen auf der Hand, weil Kleinparteien durch eine Internet-Präsenz Informationen, auch<br />
umfangreiche programmatische Aussagen und das notwendige Maß an Interaktivität bereitstellen können, für die normalerweise<br />
aufwendige Druckwerke, ständige Präsenz vor Ort und oft kaum zu erreichende Medienpräsenz notwendig wären. Für eine Partei<br />
mit einem nur kleinen, im Regelfalle ehrenamtlichen Mitarbeiterstab ist die Verankerung durch ein Internet-Angebot ein<br />
ideales Präsentationsverfahren, das maximalen Ertrag bei minimalem Aufwand verspricht. Diskussionsforen und Gästebücher<br />
sind dabei oft Schnittstellen zur Öffentlichkeit, die Anfragen und Bekundungen von Interesse für den Bürger ermöglichen,<br />
der sich sonst vielleicht scheuen würde, länger am Infostand &quot;so einer&quot; Partei zu verweilen. Da Kleinparteien in<br />
Deutschland oft mit dem Stigma der &quot;Verrückten&quot; und &quot;Extremen&quot; bedacht sind &#8211; obwohl die Verrückten und Extremen bei den<br />
über 90 Kleinparteien eindeutig in der Minderzahl sind  -, bietet die Internet-Präsenz einen Kanal zum politisch nach<br />
Alternativen suchenden Bürger, der auch psychologische Hemmschwellen abbaut. Dazu gehört auch, daß das Internet die<br />
Möglichkeit bietet, eine Parteigründung vorzubereiten und potentielle Interessenten anzuwerben: Das ist nicht gut gelungen<br />
bei der &quot;demokratischen europäischen partei für telekommunikation&quot; (d.e.p.t.), bei der es nie zu einer Parteigründung kam<br />
und deren Website dementsprechend wieder im elektronischen Nirwana versank, und wird zur Zeit von der<br />
<a href="http://www.foedpd.de/">Föderalistischen Partei Deutschlands&quot; (FÖDPD)</a> bzw. ihrem Gründungskomitee versucht.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Grenzen eines Konzepts</b><br />
Die Grenzen werden dann im Detail offenbar: Sind Internet-Angebote von Kleinparteien stark abhängig von einer Person, ist<br />
ihre Qualität fluktuierend und ihr Bestand manchmal gefährdet. Als nach dem internen Streit innerhalb des Bundes freier<br />
Bürger (BFB) die gemäßigte Fraktion um den ehemaligen Parteichef Manfred Brunner das sinkende Schiff verließ, ging die<br />
aufwendige und ansprechende Homepage der Partei gleich mit unter und wurde noch nicht durch eine Alternative ersetzt. Und<br />
dort, wo das notwendige Know-how entweder nicht vorhanden oder nur unzureichend genutzt wird, verbleiben die Websites auf<br />
dem Niveau plakativer Darstellungen von einfachen Aussagen, die das Informationsbedürfnis nur sehr oberflächlich befriedigen<br />
dürften. Die Websites der <a href="http://home.t-online.de/home/grauepanther/graue.htm">Grauen</a> sowie des<br />
<a href="http://www.efv-ag.de/lfd.htm">Liberalen Forum Deutschlands</a> sind eher einfach gestrickt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Neue Chancen durch das Internet?</b><br />
Damit bleibt die Frage, ob die aktive und beachtliche Internet-Präsenz der Kleinparteien ihren politischen Aspirationen<br />
größere und neue Chancen bereitet. Im Grunde sind die Hemmnisse und Rahmenbedingungen für Kleinparteien in Deutschland zu<br />
schwierig, um durch dieses eine Instrument die grundsätzlichen Probleme ihrer politischen Existenz zu lösen: Mißtrauen und<br />
Vorurteile in der Wahlbevölkerung, die begrenzten Ressourcen, Politik- und vor allem Parteienverdrossenheit, innere<br />
Probleme und Zerwürfnisse &#8211; die Liste ist sehr lang und nur wenige dieser Probleme können durch die Nutzung des Internet<br />
angegangen werden. Das neue Medium hat jedoch ohne Zweifel dazu beigetragen, die sonst oft nur &#8211; auch aus bloßer<br />
Unkenntnis &#8211; belächelten politischen Zwerge aus ihrem Ghetto etwas herauszuholen. Die Präsenz ihrer Aktivisten und<br />
Mitstreiter in politischen Foren und Newsgroups und die Besuchsfrequenz auf ihren Websites sprechen eine deutliche Sprache.<br />
Hier hat das Internet einen wichtigen und hilfreichen Beitrag zur Öffnung der politischen Diskussion in Deutschland<br />
geleistet, den man nicht unterschätzen sollte.<br />
</span>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Priv.-Doz. Dr. Dirk van den Boom, Politikwissenschaftler an der Universität des Saarlandes, ist Autor des Buches<br />
&quot;Politik diesseits der Macht?&quot;, das im August dieses Jahres erschienen ist und sich mit der Arbeitsweise, Stellung und<br />
Funktion von Kleinparteien in Deutschland auseinandersetzt.</span></p>
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