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	<title>malthaus &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>malthaus &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Wahlkampf ist ihr Business</title>
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		<dc:creator><![CDATA[malthaus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Politikberatung]]></category>
		<category><![CDATA[Spin Doctor]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Kampagne]]></category>
		<category><![CDATA[Präsidentschaftswahl]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>
Für die einen sind sie die Hexenmeister des
elektronischen Medienzeitalters, für die anderen die
Zuhälter des politischen Strichs. Für die einen sind sie wie
Jockeys im Pferderennen, für die anderen politische
Kopfgeldjäger und Söldner. Sie selbst sehen sich schlicht
als smarte Geschäftsleute, die ihr Handwerk gelernt
haben: die Wahlkampfberater in den USA.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
Für die einen sind sie die Hexenmeister des<br />
elektronischen Medienzeitalters, für die anderen die<br />
Zuhälter des politischen Strichs. Für die einen sind sie wie<br />
Jockeys im Pferderennen, für die anderen politische<br />
Kopfgeldjäger und Söldner. Sie selbst sehen sich schlicht<br />
als smarte Geschäftsleute, die ihr Handwerk gelernt<br />
haben: die Wahlkampfberater in den USA.</b></span><!--break--></p>
<table align="left" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" width="120">
<tbody>
<tr>
<td width="120"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/usa/images/altcover.gif" alt="Dr. M. Althaus: Wahlkampf als Beruf" heigth="190" aling="left" width="135" /></td>
<td rowspan="2"><spacer type="block" height="1" width="10"></spacer></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#e0e0e0"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial,Helvetica; color: #333333"><br />
			Verlag Peter Lang</span></td>
</tr>
<tr>
		</tr>
</tbody>
</table>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Mit den Parteitagen der Demokraten und Republikaner läuft die Wahlkampfmaschine auf Hochtouren.<br />
Sie in Schwung zu halten, ist längst keine Sache von Amateuren mehr. Es geht um ein Millionengeschäft, und<br />
Tausende von Polit-Profis beziehen ihr Einkommen dabei ausschließlich aus Wahlkampf-Aufträgen.<br />
Das Etikett <i>spin doctor</i> ist zwar griffig, verniedlicht aber den Markt und seine Teilnehmer. Um die<br />
sieben Milliarden Dollar, so schätzt das Washingtoner Fachblatt <a href="http://www.campaignline.com/">Campaigns &amp;<br />
Elections</a>, geben amerikanische Kandidaten in einem Wahlzyklus von vier Jahren aus. Gewählt wird genug:<br />
Mehr als 500.000 Ämter sind zu vergeben. Neben Präsident und Vize sind es in Washington 535 Sitze im<br />
Repräsentantenhaus und Senat, mehr als 13.000 Ämter in den 50 Einzelstaaten, dazu kommen 130.000 in den<br />
Landkreisen und 381.000 in Gemeinden. Vom Bürgermeister über den Polizeichef zum Mitglied der<br />
Schulaufsichtsbehörde.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Vor fünf Jahren war es noch ungewöhnlich, wenn ein umkämpftes Mandat im US-Repräsentantenhaus die<br />
Kandidaten mehr als eine Million Dollar kostete. Inzwischen liegen die Kampfetats bei schon rund 100 der<br />
435 Sitze in dieser Höhe. Im 100-köpfigen Senat sind die Budgets auf einen Durchschnitt von fünf bis fünfzehn<br />
Millionen hochgeschnellt. Und schon die Vorwahlen zur Nominierung der eigenen Partei können richtig teuer<br />
werden. Dieses Jahr wird die Wahlschlacht um Weißes Haus und Kongress insgesamt drei Milliarden Dollar<br />
kosten, schätzt die <i>Washington Post</i>, doppelt so viel wie 1996.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>1 Kandidat + 1 Firma = viele Wähler</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Im Gegensatz zu europäischen Wahlen kann sich keiner der Kandidaten auf effizient arbeitende Parteimaschinen<br />
verlassen. Die Wahlkampforganisation muss für jeden Urnengang neu aus dem Boden gestampft werden, als eine<br />
Firma nur für einen Kandidaten. Selbstständige Unternehmer, die <i>political consultants</i>, übernehmen die befristete<br />
Aufgabe gegen Honorar.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Den Kampagnen liegen umfangreiche Studien und Umfragen zugrunde. Demoskopen und Strategen analysieren<br />
Wahlkreise, testen Themen, Argumente, Werbemittel. Suchen die Zielgruppen. Daraus wird der Wahlkampfplan<br />
geformt. Ziel ist die bestmögliche Verwendung von Zeit, Talent, Organisation und Geld. In einem Land ohne<br />
nennenswerte öffentliche Wahlkampfzuschüsse (aber scharfen Obergrenzen und engen Regeln für Großspenden)<br />
sind Millionen von Kleinspenden zu sammeln. Die Werbeprofis entfesseln mit diesen Dollars und ausgetüftelten<br />
Strategien Multimedia-Materialschlachten um die öffentliche Meinung: mit Spots in TV und Radio, Anzeigen und<br />
Großplakaten, Verstopfen der Briefkästen mit zielgruppengerechter Werbepost, Telefonmarketing,<br />
Internet-Websites und inszenierten Pseudo-Ereignissen vor Ort. Auch der Nominierungskonvent der Partei wird<br />
ihrer Regie unterworfen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">So hat sich eine neue Profession herausgebildet. Der aus Schwarzweißfilmen bekannte zigarrenpaffende<br />
Parteiboss im schummrigen Hinterzimmer hat abgedankt. Dort summen heute Computer und tragbare<br />
Satellitenschüsseln, und mit der komplexen Technik und den großen Budgets sind modernes Management und<br />
Spezialistentum eingezogen. Die Profitruppe hinter den Kandidaten rekrutiert sich aus einer festen Berufsgruppe,<br />
einer <a href="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/usa/profile.shtml">Elite von Kampagnemachern</a>. Sie haben eigene Regeln, eigene Ausbildung, eigene Interessen.<br />
Sie sind Geschäftsleute. Ihr Professionalismus ist nicht mehr in der Partei zu Hause, auch wenn sich die meisten<br />
Berater ihrer Partei gegenüber loyal verhalten und selten die Seiten wechseln.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Berater arbeiten auf Vertragsbasis meist für mehrere Kandidaten und Organisationen in mehreren Staaten<br />
gleichzeitig, nur in Präsidentschaftskampagnen exklusiv für ein Team. Sie sind größtenteils Spezialisten. Ein<br />
Kandidat muss sich also erst ein Team von Beratern zusammenstellen. Drei bis fünf Wahlkampffirmen unter<br />
Vertrag zu haben ist dabei keine Besonderheit mehr, die sich nur Spitzenpolitiker leisten können. Im Gegenteil:<br />
Wer sich in die Bundespolitik wagt, für staatsweite Wahlämter kandidiert oder als Bürgermeister einer Großstadt,<br />
besitzt in den Augen von politischen Eliten, Journalisten und Geldgebern nur dann politische Glaubwürdigkeit,<br />
wenn bekannte Beraterfirmen mit an Bord sind. Auch von der eigenen Partei kann der Kandidat sonst in der<br />
Regel keine ernsthafte Unterstützung erwarten. Und: Je mehr Berater, desto besser. Das heißt nämlich auch:<br />
Es gibt genug Geld, um die Berater zu bezahlen. Schon im Vorfeld einer Wahl entscheiden die Berater so mit,<br />
wer eine Chance hat und wer nicht. So ist es kein Wunder, dass die Berater immer mehr selbst ins Rampenlicht<br />
geraten. Und manche Politikwissenschaftler raunten sogar, die USA hätten schon eine <i>consultant democracy</i>.<br />
Inzwischen ist die anfängliche Feindseligkeit von Parteifunktionären und freien Beratern enger Kooperation<br />
gewichen. Oft lassen sich die Berater von den Parteien bezahlen, um Dachkampagnen für ganze Regionen zu<br />
entwerfen und umzusetzen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Branche ist ein unübersichtlicher Tummelplatz von grob geschätzt 7000 Leuten im politischen<br />
Beratungsgeschäft, davon 1500 in von ihnen selbst geführten Firmen. Die Spitze des Eisbergs sind kaum<br />
40 Firmen mit rund 100 der bekanntesten Berater, denen die meisten Spitzenpolitiker ihre Wahl anvertrauen.<br />
Sie haben große, repräsentative Büros in Washington, New York und Kalifornien. Sie treten selbstsicher auf dem<br />
politischenParkett auf, haben Einfluss im Parteiapparat, sind wichtige Ansprechpartner der Journalisten und<br />
gelten als Königsmacher. Und sie werden reich dabei. Der im Frühjahr verstorbene legendäre Medienguru der<br />
Demokraten, Bob Squier, war zu seinen Bestzeiten bei einem Drittel des US-Senats unter Vertrag.<br />
Andererseits gibt es eine Vielzahl lokal und regional verankerter Kleinfirmen, die sich auch um den Stadtrat und<br />
die Wiederwahl des örtlichen Friedensrichters kümmern. Einige Berater sind Generalisten, die alles aus einer<br />
Hand anbieten; die meisten spezialisieren sich &#8211; schon aus technischen Gründen &#8211; auf Werbung, Demoskopie,<br />
Spendensammlung, Direkt- und Telemarketing oder noch kleinere Gebiete, zum Beispiel <i>opposition research</i>:<br />
Das Ausspionieren des Gegners ist für diese Polit-Detektive, die sich durch Datenbanken und öffentlich<br />
zugängliche Aktenschränke wühlen, Geschäftsgrundlage.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Das Computerzeitalter hat das <i>political consulting</i> stark verändert. Das begann mit der Computerisierung<br />
der Fernsehproduktion und den computergestützten Telefon-Blitzumfragen und setzt sich in der <i>e-campaign</i><br />
im Internet fort, auf die sich ganz neue Firmen wie etwa <a href="http://www.netcapitol.com/">Net.Capitol</a> spezialisieren.<br />
Zu den Zulieferbetrieben der Beratungsprofession gehören aber im Computerzeitalter auch Softwarefirmen, die<br />
sich auf <i>Power Tools for Politicians</i> spezialisieren, wobei die &quot;Werkzeuge&quot; der Verwaltung von<br />
Wähleradressen und Spenderlistenverwaltung sowie der Datenübermittlung an die Bundeswahlbehörde dienen.<br />
Angebote dieser Art machen etwa <a href="http://www.aristotle.org/">Aristotle</a> und<br />
<a href="http://www.electinc.com/">Elect Campaign Management Software</a>,<br />
<a href="http://www.votenet.com/">VoteNet</a> und <a href="http://www.geovoter.com/">GeoVoter</a>,<br />
die Republikanern das präzise Erfassen von demographischer Wählergruppen an ihren Wohnorten ermöglicht.<br />
Oder die <a href="http://www.cmagtracks.com/">Campaign Media Analysis Group</a>, die die Wirkung und<br />
Reichwerte politischer Werbung und PR verifiziert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Auf dem Weg zum akademischen Berufsstand</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Seit 1969 gibt es die überparteiliche Berufsorganisation <a href="http://www.theaapc.org/">American Association<br />
of Political Consultants</a> (AAPC). Der Verband bietet seinen Mitgliedern nicht nur erhebliche Vergünstigungen und<br />
Rabatte, er verleiht sogar eigene Preise, die Oscar-ähnlichen <i>Pollies</i> für die Besten und Kreativsten der<br />
Branche. Da gibt es den <i>Campaign Manager of the Year</i> und sogar eine <i>Hall of Fame</i>. Die AAPC<br />
mit gut 600 Mitgliedern bemüht sich auch um professionelle Verhaltensstandards durch einen Ehrenkodex für<br />
Wahlkampf und Umgang mit den Klienten und unterstützt die Entwicklung von Ausbildungsstandards.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Waren Berater früher eher verkrachte Parteisoldaten und Künstlertypen, überwiegt heute der Typ des<br />
akademisch hochqualifizierten Karrieristen. Inzwischen wagen viele junge Leute den Direkteinstieg als Berater,<br />
nachdem sie einen der neuen praxisnahen Studiengänge für politische Kommunikation und Management<br />
absolviert haben. Die renommierteste Juniorberaterschmiede ist die 1988 gegründete<br />
<a href="http://www.gwu.edu/%7Egspm">Graduate School of Political Management</a> an der George Washington<br />
University in Washington. Ähnliche Programme, die zum Beispiel zum <i>Master of Applied Politics</i> oder<br />
<i>Master of Arts in Campaign Management</i> führen, gibt es an der <a href="http://www.uakron.edu/polisci/bliss.html">University of Akron</a>/Ohio,<br />
der <a href="http://www.regent.edu/acad/schgov">Regent University</a>/Virginia Beach, der<br />
<a href="http://grove.ufl.edu/%7Ecampprog/index.html">University of Florida</a>, in Boston an der<br />
<a href="http://www.suffolk.edu/programs/government/MSPS.html">Suffolk University</a> und dem<br />
<a href="http://www.emerson.edu/gradapp/programs/policom.html">Emerson College</a>. Kommerzielle<br />
Seminaranbieter sorgen neben den Parteischulen für Weiterbildung und Kontaktbörsen, teilweise mit<br />
Hochschul-Kurzprogrammen wie dem <a href="http://www.american.edu/%7Eccps">Campaign Management Institute<br />
at American University</a>. Eigene Fachmagazine, Infodienste und dicke jährliche Branchenkataloge versorgen<br />
die Profis mit Klatsch und aktuellem Insiderwissen über Personal, Pläne und Personal von Freund und Feind.<br />
Und nach der Wahl werden die Ranglisten der Gewinnquoten verglichen: Denn jede Beraterfirma wird an Zahl und<br />
Prestige ihrer Siege und Niederlagen gemessen.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Buchtipp:<br />
Marco Althaus. Wahlkampf als Beruf: Die Professionalisierung der Political Consultants in den USA.<br />
Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main (1998, 350 Seiten).</span></span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Eisernes Dreieck&#034; vs. &#034;Attack Dog&#034; Die Berater-Teams von Bush und Gore</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/eisernes_dreieck_vs_attack_dog_die_berater_teams_von_bush_und_gore-823/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/eisernes_dreieck_vs_attack_dog_die_berater_teams_von_bush_und_gore-823/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[malthaus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[George Bush]]></category>
		<category><![CDATA[Präsidentschaftswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Al Gore]]></category>
		<category><![CDATA[Politikberatung]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>
Die sich immer weiter ausdifferenzierende Beraterbranche hat in den USA längst schon spezielle Jobprofile
hervorgebracht. Anhand der aktuellen Besetzung der Teams um George W. Bush und Al Gore erläutert
Marco Althaus die Besonderheiten dieser beraterischen Arbeitsteilung.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
Die sich immer weiter ausdifferenzierende Beraterbranche hat in den USA längst schon spezielle Jobprofile<br />
hervorgebracht. Anhand der aktuellen Besetzung der Teams um George W. Bush und Al Gore erläutert<br />
Marco Althaus die Besonderheiten dieser beraterischen Arbeitsteilung.</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Im Hauptquartier großer Wahlkampagnen führen hauptamtliche Manager das Kommando über eine Schar<br />
angestellter Assistenten, unbezahlter Helfer und zahlreichen externen Ratgebern aus Wissenschaft und<br />
Wirtschaft, darunter viele Lobbyisten und Anwälte. Manchmal wird ein Freund des Kandidaten an die Spitze<br />
gehoben, oft ein beurlaubter Mitarbeiter aus seinem Stab, falls er bereits ein öffentliches Amt besitzt. Der<br />
Manager dirigiert das Beraterteam; manchmal ist er allerdings selbst ein Veteran des politischen<br />
Beratungsgeschäfts. Beispiel: George W. Bush hat sein texanisches Beraterteam einer externen Mannschaft<br />
aus Washington vorgezogen. In Bushs &quot;Eisernem Dreieck&quot; sind Manager Joe Allbaugh, Chefstratege<br />
Karl Rove und Kommunikationsdirektorin Karen Hughes gleichberechtigt. Allbaugh ist ein Unternehmer,<br />
Hughes eine TV-Journalistin und Parteimanagerin, nur Rove ein Ex-Berater. Für Bush verkaufte Rove seine<br />
überregionale Beratungsfirma Rove &amp; Company nebst lukrativer Adressenlisten, die er an politische<br />
Spendensammler und Direktmarketingfirmen vermietet hatte.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Media Consultants: Die Werbestrategen</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Bis zu sieben von zehn Wahlkampfdollars investieren Kandidaten in elektronische Medien: Dutzende von Spots in<br />
Radio und Fernsehen lassen sie produzieren und senden, wobei die schnelle Reaktion auf die Attacke oder<br />
Behauptung der Gegenseite Routine ist. Ein laufender Dialog zwischen Kampagnen und Wähler entsteht.<br />
Spots sind nicht nur Beiwerk wie in Deutschland, sondern das Herz der Kampagnen. Und sie werden selten bis<br />
nie politisch unbeleckten Werbeagenturen überlassen. Der <i>media consultant</i> erzwingt die kommunikative<br />
Disziplin und formt das Image des Kandidaten, die Auswahl von Leitideen und Feindbild. Wie ein Maestro<br />
dirigiert und inszeniert er die öffentliche Seite der Kampagne. Er unterstützt den (angestellten) Pressesprecher,<br />
arbeitet als Redetrainer und Stilberater mit dem Politiker, der vor seiner Kamera steht. Das sichert ihm<br />
persönlichen Zugang. Lukrativ aber ist der Auftrag vor allem, weil ihm für die an TV-Stationen und andere Medien<br />
weitergereichten Summen ein bis sieben Prozent Kommission zusteht. Wer die Spots für eine<br />
Präsidentschaftskampagne mit 50 Millionen Dollar macht, hat vorerst ausgesorgt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Werbung für Al Gore produzieren die Washingtoner Berater Carter Eskew und Bob Shrum mit ihrer erst<br />
1999 gegründeten gemeinsamen Firma Century Media. Eskew gehörte zu Clintons Beraterteam 1992 und 1996.<br />
Aber er gilt auch als der Mann, der mit der PR-Agentur BSMG Worldwide für die Tabakkonzerne 1998 mit einer<br />
40-Millionen-Dollar-Kampagne die von Clinton geplante Gesetzesverschärfung durch den Kongress verhinderte.<br />
Shrum (Partner bei Shrum, Devine &amp; Donilon) gehört zum engen Zirkel der Imageberater und Redenschreiber um<br />
Clinton und den Kennedy-Clan. Er tritt selbst regelmäßig in Polit-Talkshows auf. Seine Negativ-Feldzüge in<br />
Staaten wie Texas, Maryland und Kalifornien verschafften ihm den Ruf eines <i>attack dog</i>; er half auch<br />
Premier Ehud Baraks Wahlkampfteam in Israel.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Bush lässt sich von Mark McKinnon dirigieren und filmen. McKinnon ersetzte den Republikaner Don Sipple<br />
(Firma: Sipple Strategic Communications), als ein Magazin enthüllte, dass Sipple seine Ex-Frauen geschlagen<br />
hatte. Sipple wurde für Bush untragbar und lieferte ein Beispiel dafür, wie leicht die prominenten Berater selbst<br />
zum belastenden Wahlkampfthema werden können. McKinnon hat bis zum Seitenwechsel vor allem Demokraten<br />
in Texas in Szene gesetzt &#8211; zum Beispiel Bushs Ex-Rivalin im Gouverneursamt Ann Richards. McKinnons Firma<br />
<a href="http://www.publicstrategies.com/">Public Strategies &amp; Research</a> in Austin betreut auch Kunden wie<br />
den Telefonriesen Southwest Bell oder Mexikos Regierung. McKinnons scharfen Spots gegen Bushs Rivalen<br />
McCain sorgten neben einer hervorragenden Organisation, die Karl Rove koordinierte, für den Sieg im<br />
Vorwahlkampf. Neben dem Texaner McKinnon dreht der Washingtoner Polit-Filmemacher Stuart Stevens<br />
(Firma: <a href="http://www.stevens-schriefer.com/">Stevens &amp; Schriefer Group</a>) Spots für Bush.<br />
Stevens arbeitete in der Präsidentschaftskampagne von Bob Dole 1996. McKinnon und Stevens konzentrieren<br />
sich auf die Produktion, den komplizierten Einkauf der Werbezeiten verantwortet die Washingtoner<br />
Firma <a href="http://www.natmedia.com/">National Media Inc.</a> um den republikanischen Berater<br />
Alex Castellanos.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Pollsters: Auge und Ohr</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Im strategischen Zentrum jeder Kampagne stehen repräsentative Meinungsumfragen. Sie ermöglichen<br />
Entscheidungen über Botschaft, Themenwahl und Budgets, taktische Manöver. Nicht nur Zahlen und eine<br />
Momentaufnahme der öffentlichen Meinung liefern die Demoskopen, die <i>pollsters</i>. Sie helfen,<br />
Wenn-dann-Modelle des Wahlverhaltens zu entschlüsseln, etwa: Für jeden zehnprozentigen Zuwachs an<br />
Wählern, die den Standpunkt unseres Gegners zur Rentenkürzung kennen, bekommt unser Klient fünf<br />
Prozentpunkte mehr in der Wahlpräferenz. Zum Ende einer Kampagne laufen die Blitzumfragen praktisch täglich.<br />
Zum qualitativen Arsenal gehören Gruppendiskussionen mit Moderatoren (<i>focus groups</i>),<br />
computergestützte Inhaltsanalysen von wörtlichen Äußerungen in Telefonumfragen oder auch Publikumstests,<br />
bei denen einer Zuschauergruppe elektronische Drehregler in die Hand gegeben wird, mit denen die<br />
Spannungspunkte eines TV-Spots oder einer Rede auf Video geprüft werden. Als Augen und Ohren, Denker und<br />
Analytiker sind die Demoskopen unersetzlich für jede Kampagne, die nicht im Blindflug gesteuert werden will.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Gores Chefdemoskop ist Harrison Hickman (Firma: Hickman-Brown Research Inc.), ein national und international<br />
erfahrener Washingtoner Berater, der 1988 und 1992 die Präsidentschaftsanläufe des Demokraten Bob Kerrey<br />
betreute. Hickman kennt den Süden wie seine Westentasche und sorgte dafür, dass Gores Konkurrent<br />
Bill Bradley dort keinen Fuß auf den Boden bekam.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Bush lässt sich die Zahlen von Frederick Steeper deuten. Seine Firma<br />
<a href="http://www.marketstrategies.com/1pp.htm">Market Strategies</a> in Southfield, Michigan, gehört zu<br />
den ganz alten, etablierten und größten Forschungsinstituten der Republikaner, die aber überwiegend<br />
kommerzielle Kunden betreut. Steepers Kollege ist Jan van Lohuizen von Voter Consumer Research im<br />
Washingtoner Vorort Bethesda, Maryland. Lohuizen steckte hinter der Kampagne zu einer Volksabstimmung<br />
1991, mit der Kommunalsteuern zur Finanzierung des Baseballstadions der Texas Rangers erhöht wurden.<br />
Bush war damals Manager und Miteigentümer der Rangers.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Ein Saisongeschäft mit Ausbauchancen</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Für alle, große wie kleine Firmen, Generalisten und Spezialisten, ist Wahlkampfberatung ein Saisongeschäft:<br />
Große Honorare, viele Mitarbeiter im Wahljahr. Aber im <i>off year</i> schrammen viele am Konkurs vorbei. Zumal<br />
gescheiterte Kandidaten oft zahlungsunfähig sind. Doch wer einen Wahlkampf erfolgreich machen kann, ist<br />
auch in der Wirtschaft gefragt. Nicht etwa, um Seife zu verkaufen, sondern die Position von Lobbyisten und<br />
Unternehmen bei teuren Medienkampagnen um die häufigen Volksbegehren, vor allem im plebiszitfreundlichen<br />
Westen. In Kalifornien ist das Staatsparlament durch die vielen Referenda schon fast ausgeschaltet. Der<br />
Wähler macht die Gesetze. In 27 von 50 Staaten gibt es Instrumente der direkten Demokratie &#8211; eine Einladung<br />
für organisierte Interessen und gutbezahlte Kampagnenprofis.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Kalifornien ist das Zukunftslabor der Branche, und dort liegt auch ihr Gründungmythos. Dort konnte in den<br />
Dreißiger Jahren erstmals eine PR-Agentur ausschließlich von Polit-Aufträgen leben, weil die Macht der damals<br />
korrupten Parteibosse und Zirkel über die Kandidatenaufstellung gebrochen wurde. Die Vorwahlen wurden<br />
überparteilich demokratisiert und geöffnet, die Wahlkampfzeit um Monate verlängert. Andere Staaten übernahmen<br />
das System. Der Siegeszug des Fernsehens in den Sechziger Jahren und die Reform der Wahlkampffinanzierung,<br />
die die Finanzverantwortung in den Schoß des einzelnen Kandidaten legte, sorgten für den Quantensprung in der<br />
Beraterbranche: Die Partei ist ersetzbar, sie kann den Wahlkampf ihrer Kandidaten nur noch unterstützen, aber<br />
nicht mehr selbstständig führen. Alles, was der Parteiapparat früher leistete, war nun auch privat möglich &#8211; und<br />
technisch oft perfekter. Allerdings auch teurer.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Buchtipp:<br />
Marco Althaus. Wahlkampf als Beruf: Die Professionalisierung der Political Consultants in den USA.<br />
Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main (1998, 350 Seiten).</span></span></p>
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