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	<title>wfang &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>wfang &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Mauern im Kopf</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/netzpolitik-im-reich-der-mitte/wissensgesellschaftchina1-shtml-2829/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[wfang]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 May 2003 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Netzpolitik im Reich der Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Filtersoftware]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrolle]]></category>
		<category><![CDATA[Autoritäres Regime]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer zensiert und kontrolliert besser? China oder der Westen? Nicht rechtfertigen, sondern "Entideologisierung" der Debatten über Zensur ist das Ziel von Dr. Weigui Fang.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wer zensiert und kontrolliert besser? China oder der Westen? Nicht rechtfertigen, sondern &#8220;Entideologisierung&#8221; der Debatten über Zensur ist das Ziel von Dr. Weigui Fang.<!--break--><br />
                    </p>
<p>
                    <strong>Eine Hypothese<br />
                    <br /></strong>Es ist landläufige westliche Praxis, die zentralen Kategorien von Karl Popper (Kategorie der offenen Gesellschaft) und Hannah Arendt (Begriff des Totalitären) auch bei der Diskussion der chinesischen Verhältnisse im Hinterkopf zu haben. Das heißt, die meisten westlichen Kritiker &#8211; wenn sie zum Beispiel die Frage der bereits beobachtbaren und/oder noch zu erwartenden Auswirkungen des Einstiegs in eine globale Kommunikationsgesellschaft seitens vieler, immer schneller hinzukommender chinesischer Internetnutzer zum Gegenstand der Forschung machen &#8211; würden ohne Zweifel als Eckdaten oder Bezugsrahmen explizit oder implizit die folgende Annahme einbauen: China ist keine offene Gesellschaft; China weist immer noch wesentliche Merkmale eines totalitären Staatswesens auf.</p>
<p>In diesem Kontext interessiert die dominanten Kräfte in den führenden think tanks des Westens (etwa in den USA) und ihre Berater mit Sicherheit das konkrete Tempo und Ausmaß sowie die beobachtbaren oder vermeintlichen Implikationen der soziokulturellen Aushöhlung des vorgeblich lange Zeit monolithischen &#8211; in den letzten Jahren dieser Auffassung zufolge aber zunehmend Risse aufweisenden &#8211; &#8220;chinesischen öffentlichen Bewusstseins&#8221;.</p>
<p>
                    <strong>Große Brandmauer<br />
                    <br /></strong>Dass die Hypothese, es gehe um das Thema der &#8220;Aushöhlung&#8221; oder Subversion einer gleichsam monolithischen, fremden kulturellen Bastion, nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt der Untertitel &#8220;Web surfers find cracks in wall of official China&#8221; der cover story der Tageszeitung USA TODAY vom 16. März 2000. Die über zwei Seiten verteilte, für das Blatt recht umfangreiche Story von Julie Schmit und Paul Wiseman mit dem Titel &#8220;Surfing the dragon&#8221; popularisiert vermutlich erste wissenschaftliche Ergebnisse. Die Metaphorik des Untertitels spricht für sich: das offizielle China hat sich mit einer &#8220;Chinesischen Mauer&#8221; umgeben, welche auswärtige kulturelle Einflüsse außen vor hält. Die wendigen Individuen, welche das Internet nutzen, verursachen Risse in dieser Mauer, durch die die unerwünschte Information &#8211; gleichsam als ein für jenes &#8220;erstarrte&#8221;, &#8220;offizielle&#8221; China gefährliches subversives Denken &#8211; hineinsickern kann. In diesem Zusammenhang sieht man in den westlichen Diskussionen oder Berichterstattungen über das Internet in China recht oft Themen wie &#8221;<br />
                    <a href="http://www.ijclp.org/4_2000/pdf/ijclp_webdoc_1_4_2000.pdf">Virtual Censorship in China: Keeping the Gate between the Cyberspaces</a>&#8220;, &#8221;<br />
                    <a href="http://www.cpj.org/Briefings/2001/China_jan01/Great_Firewall.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Great Firewall</a>&#8220;, &#8221;<br />
                    <a href="http://www.nzz.ch/dossiers/dossiers1999/china50/china960221mo.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">China verschärft die Kontrolle über das Internet</a>&#8220;. Oder auch umfangreiche Studien wie &#8221;<br />
                    <a href="http://www.stanford.edu/group/sjeaa/journal1/china1.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Taming the Dragon: China&#8217;s Efforts to Regulate the Internet</a>&#8220;. Besonders typisch für die Beobachtung auf diesem Gebiet sind selbstverständlich Artikel in (z.B.)<br />
                    <a href="http://dfn.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Digital Freedom Network</a>, oder auch<br />
                    <a href="http://www.rsf.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Reporters Without Borders</a>. Die meisten Artikel über die chinesische Internetzensur kommen &#8211; und das ist fast selbstverständlich &#8211; aus den USA. Derartige Studien oder Berichte sind auf jeden Fall wichtig, um z.B. einerseits die vom Internet ausgehende Möglichkeit und Macht sowie andererseits die um der Macht willen getroffenen Kontrollmaßnahmen der KP China kennenzulernen.</p>
<p>Ich möchte durchaus betonen, dass viele Forschungsbeiträge ziemlich informativ sind. Aber wenn man, sobald man über China spricht, sofort die &#8220;Mauer&#8221; vor Augen hat, oder wenn manche westlichen Beobachter anscheinend mit der zwar populären, doch abgegriffenen Metapher der &#8220;Mauer&#8221; nicht mehr zufrieden sind und nun &#8211; der packende Titel muss sein &#8211; &#8221;<br />
                    <a href="http://news.bbc.co.uk/1/hi/technology/2234154.stm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Behind China&#8217;s Internet Red Firewall</a>&#8221; nach Neuigkeiten suchen, ist das nicht unbedingt gut für die &#8216;Entideologisierung&#8217; d.h. flexible Betrachtungsweise. Die gewählten images sind geeignet, die Befürchtungen vermeintlich immer noch ausschlaggebender &#8220;Hardliner&#8221; zu bestätigen. Dabei bleibt (und bei einer mehr oder weniger aus dem Kalten Krieg stammenden Metapher &#8220;Mauer&#8221;) aber nicht unerforscht, wie &#8216;hart&#8217; viele dieser &#8211; dem amerikanischen Heteroimage des chinesischen Betonkopfs nachempfundenen &#8211; &#8220;Hardliner&#8221; eigentlich in der Frage des Ideenaustausches sind und welche Öffnung, welchen Import von Gedanken China bereits seit Jahren zulässt?</p>
<p>
                    <strong>Der Westen habe die besseren Internet-Regulierer<br />
                    <br /></strong>Eine Arbeit wie &#8221;<br />
                    <a href="http://www.lokman.nu/thesis/010717-thesis.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet in China: Big Mama is Watching You</a>&#8221; ist ebenfalls sehr informativ. Man sollte aber &#8211; wenn man objektiv und realistisch bleiben möchte &#8211; dabei auch einer Aussage von Sonja Zekri beipflichten (&#8220;Grau ist alle Utopie &#8211; Testfall China: Warum das Netz sein Heilsversprechen nicht erfüllt&#8221;, Süddeutsche Zeitung, 12. April 2002): &#8220;Doch weniger als die ausbleibende Demokratisierung der Schurkenstaaten fürchten Experten die Kontroll-Bemühungen zivilisierter Länder, die dem Kampf gegen Nazis, Päderasten, Terroristen gelten, aber auch Unschuldige treffen. [&#8230;] mit dem Überwachungssystem &#8216;Carnivore&#8217; durchkämmt das FBI zugleich die Emails Zehntausender Nutzer. [&#8230;] Die größten Überwacher aber sind Online-Händler, die unter dem Begriff &#8216;Personalisierung&#8217; das Surfverhalten ihrer Klientel ausspähen. [&#8230;]&#8221;</p>
<p>Nicht ohne Grund glaubt die chinesische Regierung, dass der Westen die besseren Internet-Regulierer hat. Und man gibt &#8211; als ironische Antwort auf westliche Kritik &#8211; ganz offen zu, dass es China auch nach Jahren des Aufbaus einer virtuellen Mauer rund um seine Surfer immer noch an Erfahrung bei der &#8220;Regulierung&#8221; des Internet mangele. &#8220;Einige westliche Länder behandeln das Internet viel restriktiver als wir&#8221;, erklärte ein<br />
                    <a href="http://heise.de/newsticker/result.xhtml?url=/newsticker/data/jk-22.10.02-000/default.shtml&amp;words=China%20Internet" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Regierungsbeamte</a>. Das Internet bietet nämlich nicht nur eine nie da gewesene Fülle von Möglichkeiten zur Informationsgewinnung an, sondern auch gerade durch die neueste Technologie und Filtersoftware zunehmende Möglichkeiten für Überwachung, Kontrolle und Zensur. China ist keine Ausnahme, scheint aber offenbar wegen seines autoritären Systems besonders geeignet zu sein, um als Paradebeispiel für staatliche Zensur und Kontrolle stellvertretend für andere an den Pranger gestellt zu werden. Daher ist es allzu verständlich, dass, nachdem Yahoo China sich dem &#8220;Selbst-Disziplin-Pakt&#8221; von Internet Society of China (ISC) angeschlossen hat, der Generalsekretär von &#8220;Reporter ohne Grenzen&#8221; geradezu aus reinem Pflichtgefühl heraus prompt einen &#8221;<br />
                    <a href="http://www.rsf.org/article.php3?id_article=2959." target="_blank" rel="noopener noreferrer">Open letter to the Yahoo! Chairman</a>&#8221; (de facto einen Protest) veröffentlichte.</p>
<p>Natürlich wissen die Informationsanbieter in China nur allzu gut, was als &#8216;system-destabilisierende, staatsgefährdende Komponente&#8217; gilt oder welche explizite Herausforderung für die politische Führung das schließlich bedeuten würde. Daher ist eine Art Selbstzensur sicherlich präsent, oder sogar informell manifestiert &#8211; wie bereits erwähnt &#8211; in Form eines &#8220;Selbst-Disziplin-Pakts&#8221;. Andererseits aber ist die geschickte und unauffällige Anpassung der um Konformismus bemühten, ja letztendlich um den Erhalt des Arbeitsplatzes besorgten &#8216;clerks&#8217; an den Chefredakteur bzw. an die &#8216;redaktionelle Linie&#8217; der Medienbesitzer auch nicht unbekannt in anderen Welten, um dies deutlich zu sagen. (Ein prominentes Beispiel hierzu ist die Entlassung des Starreporters Peter Arnett (NBC) während des Irak-Kriegs.) Nicht unbekannt ist es ebenfalls, und das nicht nur in China, dass der Anbieter die &#8220;unerwünschten&#8221; news bulletins aus dem Netz nimmt oder gar nicht erst ins Netz stellt.</p>
<p>
                    <strong>Warum wurden tausende Internet-Cafés geschlossen?<br />
                    <br /></strong>Eine tiefverankerte Vorstellung kann jederzeit entsprechende Assoziationen hervorrufen. Ein typisches Beispiel dafür stellen seit zwei Jahren die westliche Berichterstattung über die Schließung unzähliger Internet-Cafés in China dar: &#8221;<br />
                    <a href="http://heise.de/newsticker/result.xhtml?url=/newsticker/data/jk-27.12.02-002/default.shtml&amp;words=China%20Internet" target="_blank" rel="noopener noreferrer">3.300 Internet-Cafés in China geschlossen</a>&#8220;; &#8221;<br />
                    <a href="http://www.wired.com/news/politics/0,1283,52330,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Shanghai Cracks Down on Net Cafes</a>&#8220;; &#8221;<br />
                    <a href="http://www.cnn.com/2002/WORLD/asiapcf/east/06/16/beijing.fire/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beijing closes all cyber cafes</a>&#8220;. Eine Zeit lang war dies fast das einzige Thema über das Internet in China. Für die Leser, welche die eingangs erwähnten &#8220;Eckdaten&#8221; oder &#8220;Bezugsrahmen&#8221; im Kopf haben, sind allein die Schlagzeilen schon ausreichend, um alles mit Zensur und Kontrolle in Zusammenhang zu bringen. Nicht wenige Berichte ließen den wahren Grund unerwähnt bleiben oder haben ihn einfach als Vorwand abgetan: Seit mehr als drei Jahren ist das Internet-Café eines der florierendsten Geschäfte in China. Die meisten Internet-Cafés waren schwarze oder Untergrund-Internet-Bars &#8211; also ohne Lizenz, ohne genügende Sicherheitsvorkehrungen und Brandschutzmaßnahmen. (Viele sind es heute immer noch.) Der große Brand am 16. Juni 2002 in der nicht angemeldeten Internet-Bar mit dem Namen &#8220;Blaues Supertempo&#8221; in Peking forderte 25 Menschenleben. Die Schließung solcher Internet-Cafés war vor allem auf mangelnde Sicherheitsvorkehrungen, illegale Aktivitäten und nicht zuletzt auf Steuerhinterziehung zurückzuführen. In der Tat haben nicht wenige westliche Berichte, ohne zu erwähnen oder ohne zu wissen, dass viele der geschlossenen Internet-Cafés bloß eine andere Form von &#8220;Spielhalle&#8221; bzw. zum Teil auch das &#8220;Window&#8221; zu den pornographischen Internetangeboten sind, was in China gesetzlich verboten ist, die Aktion auf eine selbstverständliche Art und Weise mit Nachrichtenzensur und -kontrolle in Zusammenhang gebracht.</p>
<p>Der freie Informationsfluss oder die Quelle alternativer Informationen, welche die chinesischen Nutzer über Internet bekommen, ist sicher nicht durch Schließung der Internet-Cafés zu stoppen. Auch in Anbetracht der jüngsten, fraglos atemberaubenden quantitativen Entwicklung des Internet in China ist der dem Internet zuzuschreibende soziokulturelle impact, seine meinungsbildende Macht, sowie der mit seiner wachsenden Nutzung verbundene &#8220;spread&#8221;-Effekt nicht hoch genug einzuschätzen. Zudem ist allein wegen der Struktur des Internet und der Fülle der Informationen eine Zensur bzw. eine totale Kontrolle des Informationsflusses fast aussichtslos.</p>
<p>Gerade die Entwicklung von Kritikfähigkeit und die Gewinnung eines von Regierungskontrolle, von Manipulation und desinformativer Verfälschung befreiten Zugangs zu entscheidenen relevanten Informationen sind ganz wesentliche Momente eines realwerdenden Emanzipationsprozesses des lange Zeit als passiv geltenden Publikums. Auf der anderen Seite wissen wir aber, dass das Internet einen two-way channel bietet mit der Perspektive des gegebenenfalls möglichen Zugriffs der Lauscher des Staates bis in die individuellen home computers hinein. Die Frage &#8220;Who is watching your computer, when You&#8217;re not watching it?&#8221; gilt überall &#8211; in China so wie in Amerika.<br />
                    </p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 28.05.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></p>
<table cellspacing="0" cellpadding="2" width="390" border="0">
<tbody>
<tr>
<td align="middle">
                            <em><br />
                              <a href="mailto:redaktion@politik-digital.de?subject=Artikel:">Kommentieren Sie diesen Artikel!</a><br />
                            </em></p>
<p>                            <em><br />
                              <a href="/salon/diskussion/">Diskutieren Sie mit anderen in unserem Forum!</a><br />
                            </em><br />
                            
                          </td>
</tr>
</tbody>
</table>
<hr class="tidy-3" width="390" noshade="noshade" size="1" />
                    </p>
<p>
                      <strong>Weiterführende Artikel:</strong><br />
                      
                    </p>
<ul>
<li>
                        <a href="../../../../../../../Bert/C%20auf%20Server/Inetpub/wwwroot/poldi/netzpolitik/globalisierung/e_gov.shtml">Chinas mühsamer Weg zum E-Government</a><br />
                        
                      </li>
<li>
                        <a href="../../../../../../../Bert/C%20auf%20Server/Inetpub/wwwroot/poldi/netzpolitik/globalisierung/dissidenten.shtml">Surfen in der Freiheit</a><br />
                        
                      </li>
<li>
                        <a href="../../../../../../../Bert/C%20auf%20Server/Inetpub/wwwroot/poldi/netzpolitik/globalisierung/cyberwar.shtml">Ausweitung der Kampfzone</a>
                      </li>
</ul>
<p>
                    <strong>Links im Internet</strong>:<br />
                    </p>
<p>
                      
                    </p>
<ul>
<li>
                        <a href="http://www.sino.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Top Internetportal in China</a><br />
                        
                      </li>
<li>
                      <a href="http://www.cei.gov.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">China Economic Information Network</a><br />
                      </li>
<li>
                      <a href="http://www.ceip.org/files/Publications/wp21.asp" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Internet in Authorian Regimes</a> &#8212; Arbeitspapier des Carnegie Endowment for International Peace</li>
<li>
                        <a href="http://www.msnbc.com/news/602905.asp?cp1=1#BODY" target="_blank" rel="noopener noreferrer">China shuts down 2.000 Net Cafés</a>
                      </li>
<li>
                        <a href="http://www.stats.gov.cn//" target="_blank" rel="noopener noreferrer">China Statitic Information Network</a>
                      </li>
<li>
                      <a href="http://www.rsf.fr/uk/home.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internet: A Chronicle Of Repression</a> &#8212; Bericht der &#8220;Reporter ohne Grenzen&#8221;</li>
</ul>
<p>
                      
                    </p>
<p>
                      <!-- Content Ende --></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/netzpolitik-im-reich-der-mitte/wissensgesellschaftchina1-shtml-2829/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Besucherrekord im chinesischen Netz</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/kriegsgewinner-internet/netzkampagnenirak2-shtml-2417/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/kriegsgewinner-internet/netzkampagnenirak2-shtml-2417/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[wfang]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2003 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kriegsgewinner Internet?]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Online-News]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Internet-Nutzer]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Medienfrühling in China hat begonnen. Während des Irak-Kriegs offenbarte das chinesische Netz sein Potential. Ein kritischer Erfolgsbericht von Dr. Weigui Fang.
                    ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Medienfrühling in China hat begonnen. Während des Irak-Kriegs offenbarte das chinesische Netz sein Potential. Ein kritischer Erfolgsbericht von Dr. Weigui Fang.<br />
                    <br /><!--break--><br />
                    <br />Am 20.03.2003 gegen 5.30 Uhr Ortszeit (3.30 Uhr MEZ) schlugen mehrere Marschflugkörper vom Typ &#8220;Tomahawk&#8221; am Rande Bagdads ein. Der erste &#8220;Enthauptungsschlag&#8221; des Irak-Kriegs sprengt auch die Grenzen der bisherigen Parteipropaganda in China. An diesem frühen Donnerstagmorgen scheint auch ein neues Zeitalter der chinesischen Medien eingeläutet zu sein. Ausländische Journalisten und Geschäftsleute, welche aufmerksam das politische Klima in China verfolgen, sehen den Medienfrühling als ein &#8220;Signal&#8221;, das in der ganzen Welt eine Nachricht wert ist.</p>
<p>Die News-Quellen sind natürlich nicht nur Reuters, CNN, el-Dschasira, sondern man findet Berichte aus allen Ecken der Welt. Diese mediale Offensive ist ja auch der Hintergrund von Bemerkungen mancher westlichen Beobachter, die sinngemäß lauten: Der Krieg wird lange genug dauern, um die ganze Branche auf den Geschmack zu bringen. Die Medien-Welt ohne CNN-Bilder ist für die Chinesen ein für allemal untergegangen.</p>
<p>Ob das stimmt, bleibt noch abzuwarten. Es stimmt aber mit Sicherheit nicht, wenn diese Voraussage etwa suggerieren soll, dass die chinesische audience von den CNN-Bildern besonders begeistert oder fasziniert ist. Mindestens in den Internet-Chaträumen hören wir oft Bemerkungen wie: &#8220;CNN hat mir endlich ein Verständnis von Pressefreiheit gebracht&#8221; &#8211; dies selbstverständlich im ironischen Sinne. Die Zeit ist prädestiniert für Aussagen folgender Art bei vielen Chat-Teilnehmern: &#8220;BBC braucht Breitband.&#8221; Oder: &#8220;BBC ist wirklich schamlos: Der Videofilm von der Plünderung in der UN-Zentrale in Bagdad wurde schon zigmal gesendet; es heißt aber immer noch &#8216;live&#8217; .&#8221;</p>
<p>
                    <strong>In einer Stunde mehr als 100 Millionen Pageviews</strong><br />
                    <br />In China ist das Internet gerade dabei, die Art der Nachrichtenberichterstattung neu zu definieren. Wie der Rundfunk im Zweiten Weltkrieg und das Fernsehen während des letzten Golfkriegs im Jahr 1991, wird das Medium INTERNET® wegen seiner &#8220;grandiosen&#8221; Berichterstattung über den Irak-Krieg in die Mediengeschichte eingehen.</p>
<p>Der Newsticker von<br />
                    <a href="http://www.sohu.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sohu.com.cn</a> veröffentlichte diesmal nur eine Minute nach Kriegsbeginn schon die erste Nachricht vom Ausbruch der Feindseligkeiten. Wiederum eine Minute später erhielten schon hunderttausende Nutzer von &#8220;Sohu&#8221; per SMS dieselbe Nachricht. Innerhalb einer Stunde wurden mehr als 500 Nachrichten gesendet, 1,3 Millionen Nutzer angezogen; es gab mehr als 100 Millionen Pageviews. Fast zur gleichen Zeit hatte<br />
                    <a href="http://www.sina.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sina.com.cn</a> die erste Kriegsnachricht gesendet und auch per SMS hunderttausende Nutzer erreicht. In den ersten 2 Stunden sind als &#8216;feed back&#8217; bereits zigtausende BBS (Botschaften auf den bulletin boards) von den Sina-User veröffentlicht worden. Neben &#8220;Sina&#8221; gibt es noch einen anderen Provider, der behauptet, die erste Kriegsnachricht gesendet zu haben, um somit als Nummer Eins bei den Online-News gelten zu können:<br />
                    <a href="http://www.xinhua.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">xinhua.org</a>. Am ersten Tag des Irak-Kriegs ist die Zahl der Pageviews, die Besucherzahl und -häufigkeit bei &#8220;Xinhua&#8221; jeweils um 309 %, 402 % und 454 % gestiegen. In dem internationalen general ranking ist<br />
                    <a href="http://www.xinhua.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">xinhua.org</a> mit einem Schlag vom Platz 500 auf Platz 101 gesprungen.</p>
<p>Begehrt sind die Provider nicht nur bei den chinesischen Netizen, sondern auch bei den Nasdaq Anlegern. Die vier großen chinesischen Provider haben in den Tagen nach Kriegsbeginn durchschnittlich mehr als 10 % zugelegt, wobei &#8220;Sohu&#8221; sogar 26% zulegte. Fast alle nähern sich damit wieder ihrem historischen Höhepunkt &#8211; und dies in einer Zeit, wo die New Economy sich immer noch im Keller befindet. In der Tat haben die kommerziellen Provider, die u.a. Kriegsnachrichten rund um die Uhr im Sonderabo per SMS bieten, prächtig von dem Irak-Krieg profitiert. &#8220;Sohu&#8221; hat z.B. in den ersten 2 Stunden nach Kriegsbeginn 20.000 neue Kunden gewonnen, die über die Service-Angebote &#8220;Brennpunkt&#8221; und &#8220;Golfkriegsberichte&#8221; SMS-News bestellen möchten. Umgerechnet heißt das mehr als eine halbe Million Yuan (ca. 65.000 Euro) zusätzliche Einnahme in kürzester Zeit. Im Dunkel liegen noch die Einnahmen aus dem Kampf großer nationaler und internationaler Unternehmen um einen Platz für ihre Werbung in den dem Krieg gewidmeten Websites.</p>
<p>
                    <strong>Ein Kunstwerk aus Amerika</strong><br />
                    <br />Im Jahre 1996 gab es vermutlich 40.000 Internetnutzer in China; ein Jahr später war deren Zahl bereits auf 250.000 angewachsen. Als man damals die Prognose stellte, dass die Zahl der chinesischen Netizen im Jahr 2000 die Millionenmarke erreichen und überschreiten werde, basierte diese Voraussage zweifellos auf dem festen Glauben an einen sich vervielfachenden Zuwachs. Die Prognose allerdings, dass es bis Ende 2001 drei Millionen chinesische<br />
                    <br />Netizen geben werde, erschien wohl selbst denen, die sie lancierten, allemal atemberaubend. Die Ende 2001 dann tatsächlich erreichte Zahl betrug allerdings 33,7 Millionen. Nach der neuesten Statistik hat Ende 2002 die Zahl der Internet-Nutzer in China bereits erneut um rund 25,4 Millionen zugelegt: man spricht jetzt von 59,1 Millionen Menschen, die in China das Internet nutzen. Es sind dies zwar nur 4,6% der Gesamtbevölkerung Chinas. Und ohne Zweifel bleibt bislang das Fernsehen die wichtigste Informationsquelle für die meisten Chinesen. Denkt man aber an die weiterhin unglaublich schnelle Zunahme der Zahl der Internet-Nutzer, so ist unbestreitbar, dass unter allen Medien das Internet in China am deutlichsten an Bedeutung gewinnt, wobei allein wegen der Struktur des Internet und der Fülle der Informationen eine Zensur bzw. eine totale Kontrolle des Informationsflusses fast aussichtslos ist.</p>
<p>Das Internet bildet in einem offiziell noch kommunistischen Land wie China die wichtigste Quelle der &#8220;alternativen Informationen&#8221; und verändert, von der Form bis zum Inhalt, mehr oder weniger auch die traditionellen Medien &#8211; einschließlich dem Parteiorgan People&#8217;s Daily. Wesentliche Momente eines realwerdenden Emanzipationsprozesses des lange Zeit als passiv geltenden Publikums lassen sich feststellen. &#8220;Kann jemand mir sagen, wo es in Amerika so ein Forum wie unseres gibt. Ich möchte es gern inspizieren&#8221;, so fragte neulich ein Teilnehmer in einem Kriegsforum. Antwort: &#8220;Das hier ist das chinesische Vorzeichen.&#8221; Das Neue zeigt sich natürlich nicht nur in jener zum Teil ganz sarkastischen Artikulation, wie sie folgende Passage aus einem Chatroom-&#8220;Gespräch&#8221; bei<br />
                    <a href="http://www.people.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">people.com.cn</a> dokumentiert (20.03.2003, 17:16-17:19):</p>
<p>Schöne Bilder von al-Dschasira: So eine Feuersbrunst! Die Aufnahmen können sich mit den Bildern des 11. September messen. Ein Kunstwerk aus Amerika!</p>
<p>Hatschi&#8212;Hatschi&#8212; Nee&#8230;</p>
<p>Geh zur Seite, steck uns nicht an mit deiner Sars!</p>
<p>Sars&#8230; Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass es sich hier um einen Test einer amerikanischen Biowaffe handelt?</p>
<p>Man findet inzwischen auch die Artikulation von Meinungen, welche die eigene Regierung bis hinauf zum Parteichef attackieren. Zweifellos: neue Einflüsse lösen nicht zuletzt dank dem Internet die alten, als rigide und autoritär dekuvrierten ab. Obwohl die &#8220;Meinungsfreiheit&#8221; in China schon längst de facto weit größer ist als es das Gesetz vorsieht, muss man zugeben, dass &#8211; abstrakt betrachtet &#8211; der in China erreichbare Grad der &#8216;Information Accessibility&#8217; und vielleicht sogar der &#8216;Source Credibility&#8217; durch das Internet eine neue Qualität angenommen haben. Hinsichtlich der Themen, Schwerpunkte, des Stils usw. zeigen sich Unterschiede zwischen offiziellen und inoffiziellen Stellen, selbst wenn die offiziellen in mancher Hinsicht zusehends den inoffiziellen nacheifern &#8211; im heftigen Kampf um die Aufmerksamkeit der User.</p>
<p>
                    <strong>&#8220;Die Sachen bei CCTV heißen auch &#8220;News&#8221;?&#8221;</strong><br />
                    <br />In China gibt es hauptsächlich zwei Sorten von Online-News-Anbietern: Die Websites der traditionellen Printmedien, mit<br />
                    <a href="http://www.peopledaily.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">peopledaily.com.cn</a> als einem ihrer herausragenden Exponenten, und die kommerziellen Provider mit<br />
                    <a href="http://www.sina.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sina.com.cn</a> als führendem Markenzeichen. Was Online-News angeht, so zeigte schon eine Untersuchung aus dem Jahr 2000: Die Nummer Eins aus der Printmedien-Liga hat mit ihrer Online-Version &#8220;Peopledaily&#8221; durchschnittlich (in einem bestimmten Vergleichszeitraum) 1.890 Pageviews, während die privaten Provider deutlich höhere Werte erreichen: im Falle von &#8220;Sina&#8221; waren es 63.918, bei &#8220;Netease&#8221; 57.163, und bei &#8220;Sohu&#8221; 56.147 Pageviews. Mit anderen Worten: Die News-Besucherzahl von &#8220;Sina&#8221; betrug das 30fache des gleichzeitig bei &#8220;Peopledaily&#8221; verzeichneten Werts. Neue Untersuchungen haben ebenfalls gezeigt, dass die chinesischen Netizen vor allem die &#8220;alternativen Informationsquellen&#8221; bevorzugen. Nicht untypisch ist die folgende Diskussion in dem &#8220;Sina&#8221; Kriegs-Chatroom am 09.04.2003 (18:49 &#8211; 18:56):</p>
<p>Ach, wieder BBC. Wem kann man eigentlich noch glauben?!</p>
<p>·BBC ist nicht schlecht&#8230; aber nicht so gut wie Phönix [Hong Konger TV-Sender]. Natürlich viel schlechter als CCTV [China Central Television].</p>
<p>·Die Sachen bei CCTV heißen auch &#8220;News&#8221;?</p>
<p>·Die unterstützen doch nur die Diktatoren.</p>
<p>·Ja richtig! China und Rußland sind die Hauptdrahtzieher der Achse des Bösen.<br />
                    <br />·CCTV bietet nichts Wahres an. Wenn es doch mal was Authentisches ist, dann ist es auch schon lange überfällig.</p>
<p>·Nee nee, CCTV zeigt nicht wenig Authentisches, aber auch genau so viel Nonsens.</p>
<p>·Viel Nonsens! Viel Unwahrheit!!</p>
<p>·Gibt&#8217;s was Neues? Kucken wir mal den Sina-Newsticker&#8230;</p></p>
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