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	<title>fniedlich &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>fniedlich &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Don&#039;t cry, work?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/dont_cry_work-565/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[fniedlich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Dec 1999 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitnehmer]]></category>
		<category><![CDATA[Flexibilisierung]]></category>
		<category><![CDATA[IT-Branche]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Diskussion mit drei jungen Arbeitnehmern in der IT-Branche
<br />
</span>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Der Artikel
<a href="http://www.politik-digital.de/netzpolitik/arbeitswandel/flexibel">&#34;Flexibel in die Neue Ökonomie&#34;</a>
beleuchtet die Arbeitsverhältnisse in der Wissensgesellschaft. politik-digital fragte drei junge Arbeitnehmer
aus der IT-Branche, ob die im Artikel dargelegte Sichtweise ihren persönlichen Erfahrungen entspricht.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Diskussion mit drei jungen Arbeitnehmern in der IT-Branche<br />
<br />
</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Der Artikel<br />
<a href="http://www.politik-digital.de/netzpolitik/arbeitswandel/flexibel">&quot;Flexibel in die Neue Ökonomie&quot;</a><br />
beleuchtet die Arbeitsverhältnisse in der Wissensgesellschaft. politik-digital fragte drei junge Arbeitnehmer<br />
aus der IT-Branche, ob die im Artikel dargelegte Sichtweise ihren persönlichen Erfahrungen entspricht.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
M.S. arbeitet als Screendesignerin in einer grossen Multi- media-Agentur, die sich hauptsächlich mit der Konzeption<br />
und Erstellung von (kommerziellen) Websites befasst. Ihre Tätigkeit umfasst das Design von Websites, sowie<br />
teilweise Konzeption und Technik.<br />
S.B. ist Media Consultant in einer Unternehmensberatung für digitale Kommunikation, deren Dienstleistungen<br />
neben der Beratung den Aufbau von E-Commerce-Plattformen, die Optimierung von inner- und<br />
zwischenbetrieblichen Geschäfts- prozessen, den Aufbau von Start-up-Unternehmen und die Planung und<br />
Abwicklung von internationalen Roll-Out-Vorhaben umfassen. S.B. ist zuständig für die Konzeption von Web-Sites<br />
(Dramaturgie, Informationsgestaltung) und für den Markenaufbau und die Markenführung.<br />
M.P. arbeitet bei einem großen internationalen Software- Hersteller, der primär Programme entwickelt, die die<br />
Arbeits- und Produktionsprozesse innerhalb und zwischen Unternehmen optimieren sollen. Seine Aufgabe besteht<br />
vor allem in der Anwendung der Firmenprodukte innerhalb des eigenen Betriebs.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Inwiefern passt die im Artikel &quot;Flexibel in die Neue Ökonomie&quot;<br />
beschriebene Situation auf ihre persönlichen Erfahrungen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>M.S.:</b> Die Situation passt, von aussen betrachtet, auf jeden fall auf meine Situation. Auch aus meiner<br />
persönlichen Erfahrung kann man die Sachlage so sehen. Insgesamt finde ich diese allerdings zu wissenschaftlich,<br />
zu soziologisch betrachtet. Der Artikel sagt wenig über die tatsächlichen Auswirkungen für den einzelnen aus, das<br />
heißt darüber, was das eigentlich für die betroffenen bedeutet.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>M.P.:</b> Es trifft zu, dass das Arbeitspensum sehr hoch ist, wenn in einem Projekt gearbeitet wird. Arbeitet<br />
man dagegen in Entwicklungszyklen, kann es aber auch deutlich niedriger sein. In beiden Fällen sind die<br />
Arbeitszeiten sehr schwankend. Kleine Gruppen sind sehr förderlich für einen guten Info-Fluss und werden auch<br />
sehr gefördert. Die Verantwortung liegt auch in der Gruppe, aber in der letzten Instanz beim Chef. Dieser trägt auch<br />
alle Entscheidungen nach oben. Ich sehe die Verantwortung also nicht direkt bei der Gruppe. Das halte ich<br />
eindeutig für einen Management-Fehler.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>S.B.:</b> Trotz aller Widrigkeiten (lange Diskussionen, die zu Überstunden werden, immer wieder ins kalte<br />
Wasser springen, etc.) ziehe ich eine gewisse Selbstbestimmtheit beim Arbeiten den Organisationsformen<br />
der sogenannten &quot;alten Wirtschaft&quot; vor. Die selbstbestimmte Arbeit in den Unternehmen der &quot;neuen<br />
Wirtschaft&quot; hat sicher Vor- und Nachteile. Letztendlich wollen wir doch alle in einem Umfeld arbeiten, wo sich<br />
Autorität nicht aus Hierarchien sondern aus Kompetenz ergibt, wo festgefügte Arbeitsstrukturen durch<br />
Eigenverantwortlichkeit ersetzt werden. Wir wollen alle Raum für eigene Gestaltungsvorschläge, wollen nicht ein<br />
kleines Rädchen sein, dass nur mit der notwendigen Information versorgt wird, sondern den Überblick über das<br />
gesamte Firmengeschehen haben und sich auch für diese verantwortlich fühlen. Dazu braucht man natürlich auch<br />
Mitarbeiter, die bereit sind, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen. Und Teamarbeit ist erst<br />
einmal eine Frage von gegenseitigem Respekt. Dazu gehört auch, dass ein Projektmanager die Bedürfnisse und<br />
Belastung seines Teams und nicht nur die Dollarzeichen im Auge behält. Dazu gehört der Geschäftsführer, den<br />
nicht nur die Börse, sondern auch die Stimmung seiner Mannschaft interessiert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Überwiegen positive oder negative Aspekte in ihren jeweiligen<br />
Jobs?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>S.B.:</b> Schwer zu sagen. Ich fühle mich sehr wohl, da ich meine, sehr viel zu lernen. Sicher arbeite ich vor<br />
allem in den Endphasen der Projekte meist sehr viel. Ich habe aber auch das Gefühl, dass es meine eigenen<br />
Projekte sind und das kann sehr befriedigend sein.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>M.S.:</b> Im Prinzip stimme ich dem zu. Trotz der angesprochenen Probleme oder Schwierigkeiten<br />
überwiegen die Vorteile, beispielsweise freie Zeiteinteilung bei Projekten, Abwechslung, bereichsübergreifendes,<br />
kreatives Arbeiten, relativ lockerer Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten. Jedes Projekt stellt eine neue<br />
Herausforderung dar. Man ist als Screendesigner auch an der Konzeption und an der Produktion (Technik) beteiligt<br />
und eingebunden. Dadurch hat man unter anderem die Chance, innovative Projekt- Umsetzungen zu entwickeln.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>M.P.:</b> Auch für mich überwiegen die positiven Aspekte, aber ich denke das ist recht individuell. Wenn man<br />
einen &quot;9 to 5 Job&quot; möchte, ist man dort an der falschen Stelle. Will man einen abwechslungsreicehn Job mit jungen<br />
Kollegen und hoher Flexibilität, sieht die Sache anders aus: viel Arbeit, viel Spass, viel Freiheit, viel Verantwortung &#8211;<br />
mit den ganzen Nachteilen die dadurch entstehen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Unabhängig von Ihrer eigenen Person, finden Sie, dass der<br />
Artikel die Zustände in ihrer Firma allgemein widerspiegelt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>M.S.:</b>Ich sehe meine und die Situation im allgemeinen klar und tiefgreifend wiedergegeben. Trotzdem<br />
empfinde ich die Herangehensweise als zu wissenschaftlich und wenig spezifisch. Beispiele wären<br />
vielleicht sinnvoll. Man kann sich nicht so recht vorstellen, was das auf die Praxis bezogen genau bedeutet.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>M.P.:</b> Ich stimme der Darstellung des Artikels nur zum Teil zu. Kleine Gruppen sind keine Erfindungen der<br />
IT-Branche, es gab sie schon viel früher in der klassischen Industrie. Meine Firma ist keine Firma, die im<br />
klassischen Sinne Infos bearbeitet, wie etwa Call Center dies tun. Aber sie gehört wohl zu der Branche. Dass die<br />
innerbetrieblichen Einheiten ständig neu zusammengesetzt werden, trifft voll zu. Alle werden nach Belieben<br />
umstrukturiert ohne Rücksicht auf Verluste. Das liegt natürlich auch an der schnellebigen Welt der IT.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>S.B.:</b> Uns fehlt es vor allem an erfahrenen Projektmanagern, die Projekte so gut planen, dass jeder in<br />
Ruhe arbeiten kann (ohne Feiertage und Wochenenden in der Firma zu verbringen). Dazu kommt das über allem<br />
schwebende Damoklesschwert &quot;speed to market&quot;. Alle wollen, das ein Projekt möglichst gestern fertig wird.<br />
Schließlich hat man es den Investoren versprochen. Dazu braucht man eine Geschäftsführung (oder<br />
Projektmanager) die genügend Rückgrat haben, die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter auch bei den Kunden nicht zu<br />
vergessen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Sind die Arbeitnehmer in ihren Firmen (gewerkschaftlich)<br />
organisiert?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>M.S.:</b> Bei uns gibt es keine Gewerkschaften. Die Arbeitnehmer sind dazu angehalten, mit jedem noch<br />
so schwerwiegenden Problem auf die entsprechende Instanz direkt zuzugehen. Das ist in der Regel durch den<br />
lockeren Umgang auch gut möglich, birgt aber auch Probleme. Man muss genug Mut aufbringen und ist auf sich<br />
allein gestellt. Der Arbeitgeber oder die Vorgesetzten bemühen sich aber, durch regelmässige Meetings mit den<br />
Arbeitnehmern, in Gruppen oder einzeln, deren Zufriedenheit mit ihrem Job herauszufinden und gegebenenfalls<br />
Probleme zu lösen. Das funktioniert meistens gut. Darüber hinaus gibt es viele Freizeitorganisationen (Chor,<br />
Fussballverein, Squash, etc.). Insgesamt kann man sagen, dass man stark auf die eigene Initiative angewiesen ist.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>M.P.:</b> Auch in meiner Firma sind die Mitarbeiter nicht gewerkschaftlich organisiert. Ich glaube, dass<br />
erhebliche Unterschiede zwischen Betrieben bestehen, in denen die Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert<br />
sind, und denen ohne solche Strukturen. In den letzteren dürfte es der Betriebsleitung wesentlich leichter fallen,<br />
Umstrukturierungen vorzunehmen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>S.B.:</b> Gewerkschaften sollten sich überlegen, was sie den Arbeitern der neuen Wirtschaft noch an<br />
Mehrwert anbieten können. Im Moment erleben wir in diesem Bereich einen umgekehrten Arbeitsmarkt. Alle<br />
Firmen suchen Hände ringend Leute. Die Fluktuation ist hoch. Eine Firma, die Ihre Mitarbeiter schlecht behandelt<br />
oder nicht genügend Entfaltungsmöglichkeiten bietet, sieht sich bald einem Massenexodus gegenüber.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Wie sehen sich die Arbeitnehmer selbst in ihren Firmen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>S.B.:</b> Natürlich nörgeln alle. Ich glaube, dass im Moment viele verwöhnt sind, da sie tagtäglich spüren, wie<br />
viele Angebote es da draussen am Markt für sie gibt. Viele sehen gar nicht mehr, wie gut es uns heutzutage geht.<br />
Wenn da eine Firma ihren Mitarbeitern noch nicht einmal regelmäßige Massage anbietet und rauschende Parties<br />
feiert, ist das natürlich ein Grund sich woanders umzuschauen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>M.S.:</b> Ich denke, viele nehmen die angesprochenen Probleme in Kauf, weil ihnen ihre Arbeit<br />
Spass macht und meist ihren Vorstellungen von einem Job entspricht, der mehr als nur Arbeit für sie bedeutet.<br />
Darüber hinaus spielt sicherlich die Chance auf kreative und abwechslungsreiche Projekte, sowie die guten Berufs-<br />
und Karriereaussichten eine Rolle. Gerade in der Internetbranche bergen (fast) alle Tätigkeiten zusätzlich die<br />
Chance, innovative Lösungen zu finden, zu erlernen und anzuwenden. Die überwiegende Zahl der Arbeitnehmer ist<br />
stolz auf ihren Job, bildet sich was drauf ein und will den Zustand, trotz vieler Klagen darüber, im Grunde nicht<br />
anders haben. Sicherlich haben viele Arbeitnehmer aber auch große, psychische Probleme mit dieser Art Job. Man<br />
hat sehr wenig Zeit und Muße fürs Privatleben, arbeitet fast permanent unter Stress und Erfolgsdruck und verdient<br />
nicht besonders gut, vor allem, weil keine der vielen Überstunden bezahlt wird. Kommen leute extra für den Job in<br />
eine neue Stadt, ist es ihnen nur sehr schwer möglich, Leute über die Firma hinaus kennenzulernen. Sie werden<br />
dadurch auch noch stärker an die Firma gebunden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>M.P.:</b> Ich kann mich diesen Beschreibungen nur anschließen. Die meisten freuen sich der Freiheit und des<br />
guten Arbeitsklimas, welches unter anderem auch wegen der nicht vorhandenen Gewerkschaft möglich ist. Zwar<br />
klagen alle über die viele Arbeit, sie sind aber trotzdem sehr zufrieden und wollen am besten nichts ändern.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Vielen Dank für das Gespräch.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Die Diskussion leitete Florian Niedlich</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Klassentreffen für Eingeweihte</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/klassentreffen_fuer_eingeweihte-774/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/klassentreffen_fuer_eingeweihte-774/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[fniedlich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN Studienkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Leipzig]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/klassentreffen_fuer_eingeweihte-774/</guid>

					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>
In Leipzig trafen sich vergangene Woche Mitglieder der deutschen und internationalen Internet-Community zum
Workshop des <a href="http://www.icann-studienkreis.net/">ICANN-Studienkreises</a>. Neulinge konnten dabei
fast den Eindruck gewinnen, auf ein Ehemaligen-Klassentreffen geraten zu sein. Man kannte sich, man unterhielt
sich über alte Zeiten - und man stritt sich.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
In Leipzig trafen sich vergangene Woche Mitglieder der deutschen und internationalen Internet-Community zum<br />
Workshop des <a href="http://www.icann-studienkreis.net/">ICANN-Studienkreises</a>. Neulinge konnten dabei<br />
fast den Eindruck gewinnen, auf ein Ehemaligen-Klassentreffen geraten zu sein. Man kannte sich, man unterhielt<br />
sich über alte Zeiten &#8211; und man stritt sich.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Der Workshop des ICANN-Studienkreises am 30./31. März 2000 in Leipzig </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Auch wenn sich durchaus neue Gesichter im Tagungssaal des Marriott Hotels einfanden, machte die Konferenz<br />
eines deutlich: Diejenigen, die sich mit der Internet-Regulierungsorganisation<br />
<a href="http://www.icann.org/">ICANN</a> und der &quot;Governance&quot; des Internets befassen, sind zumeist auch<br />
professionell im Bereich Internet tätig. Der enge Kreis der Internet-Community wirkt wie eine eingeschworene<br />
Gemeinschaft, in der der einfache User kaum vertreten ist.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
Eine Klasse für sich?<br />
</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Dieses Erscheinungsbild ist nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass die Teilnahme an der Debatte ein<br />
erhebliches technisches Wissen voraussetzt. Siegmar Mosdorf, SPD, Parlamentarischer Staatssekretär im<br />
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, warnte daher davor, die Informationsgesellschaft mit einer<br />
informierten Gesellschaft gleich zu setzen. Und seine Parteigenossin, die Europa-Abgeordnete Erika Mann fügte<br />
hinzu: &quot;Die Diskussionen nehmen Eigendynamiken an, die Outsider nicht mehr nach vollziehen können.&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Wie eingefahren Strukturen und Beziehungen sind, illustrierte Siegfried Langenbach, Gründer von<br />
<a href="http://www.csl-gmbh.net/homepage.htm">Computer Services Langenbach</a> (CSL), einem deutschen<br />
Internet Service Provider, und Mitglied des <a href="http://www.icann.org/macbios.html">ICANN Membership<br />
Advisory Committee</a>. Er sei in die Arbeit des Committees involviert worden, so Langenbach, weil ihm ein<br />
Bekannter von der (prinzipiell jedem offen stehenden) Möglichkeit berichtet habe, sich in den Entstehungsprozess<br />
von ICANN einzubringen. Dass es scheinbar vor allem darauf ankomme, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu<br />
sein, um  Kenntnis von diesen Prozessen zu erlangen, habe ihn stutzig gemacht und sein Interesse geweckt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Langenbach ist kein Unbekannter in der Cyberwelt. Seit der Gründung von CSL 1972 ist er in der Computer- und<br />
Internetbranche aktiv. Er war an der Gründung der Domain Verwaltungs- und Betriebsgesellschaft<br />
<a href="http://www.denic.de/">DENIC</a> beteiligt und deren erster Aufsichtsratvorsitzender. Zudem ist<br />
Langenbach (als Person oder durch CSL) Mitglied des Réseaux IP Européens<br />
(<a href="http://www.ripe.net/">RIPE NCC</a>), des Internet Council of Registrars<br />
(<a href="http://www.corenic.org/">CORE</a>) und der Internet Engineering Task Force<br />
(<a href="http://www.ietf.org/">IETF</a>).<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Viele, die sich in der Netzpolitik engagieren, verfügen über ähnliche Lebensläufe, sei es in Verbänden oder in<br />
wirtschaftlichen Unternehmen. Allerdings bedeutet dies keinesfalls, dass sie alle mit Langenbachs Ansichten<br />
konform gehen würden. Der gehörte in Leipzig nämlich zu der eher kleinen Fraktion derer, die sich nicht<br />
bedingungslos für eine Selbstregulierung des Internet einsetzten und durchaus politische Aspekte in den<br />
technischen Entscheidungen von ICANN erkennen konnten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
Keine Sympathie für den Teufel<br />
</b><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Staatliche Eingriffe erscheinen vielen Internet-Aktivisten immer noch als Sakrileg. Denn zum  verbreiteten<br />
Selbstverständnis der Internet-Community gehört nach wie vor ein traditioneller Argwohn gegenüber Regierungen.<br />
Ihre Repräsentanz innerhalb von ICANN ist denn auch auf einen einzigen Schnittpunkt begrenzt: Das Governmental<br />
Advisory Committee (<a href="http://www.icann.org/gac/gac.htm">GAC</a>).<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Dieses Gremium nimmt im institutionellen Gefüge von ICANN eine Sonderstellung ein. Es stellt den einzigen Ort<br />
dar, an dem sich staatliche Vertreter bei ICANN einbringen können. Die Kompetenzen des GAC sind dabei eng<br />
auf beratende Tätigkeiten begrenzt. Es verfügt über keinerlei Handlungsbefugnisse für ICANN und darf sich lediglich<br />
zu regierungsrelevanten Angelegenheiten äußern. Das Gewicht der abgegebenen Ratschläge ist zudem völlig<br />
unklar.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Michael Leibrandt, Mitarbeiter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und Mitglied im GAC<br />
berichtete in Leipzig, mit welchem Mißtrauen das GAC zunächst zu kämpfen hatte. Einige Mitglieder der<br />
Internet-Community hätten anfangs wohl gedacht, das GAC bestehe aus kleinen roten Männchen mit Hörnern auf<br />
der Stirn und einem langem Schwanz, die hinter verschlossenen Türen darüber berieten, wie sie ICANN unter ihre<br />
Kontrolle bekommen könnten. Dass das GAC als einziges ICANN-Gremium gewöhnlich nicht-öffentliche Sitzungen<br />
abhält, hat die Vertrauensbildung sicherlich nicht gefördert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">ICANN selbst weist zur Rechtfertigung ihrer Unabhängigkeit stets auf ihr rein technisches Mandat hin.<br />
<a href="http://www.icann.org/biog/blokzijl.htm">Robert Blokzijl</a>, Mitglied im ICANN-Direktorium, wehrte sich<br />
wiederholt dagegen, aus der Organisation mehr zu machen als sie tatsächlich darstelle. Dies gelte sowohl für<br />
die Gegenwart als auch für die Zukunft. Soll heißen: Ihre Aufgabe ist eng begrenzt und so soll es auch bleiben.<br />
Dem stimmt zwar auch ICANN-Finanzchef<br />
<a href="http://www.icann.org/biog/mclaughlin.htm">Andrew McLaughlin</a> zu. Andererseits gesteht er aber<br />
ein, dass mit den anfallenden Aufgaben durchaus politische Implikationen einhergehen. Diese Fragen lägen aber<br />
nicht in der Zuständigkeit von ICANN, die keine politische Organisation werden dürfe und könne. Wenn man das<br />
Internet politisch regulieren wolle, müsse dies an anderem Orte geschehen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Konsens herrschte darüber, dass kein einzelner Akteur allein in der Lage ist, diese Aufgabe zu bewältigen. Das<br />
Internet zwinge zu rechtlicher Internationalisierung, notwendig sei daher eine einheitliche Gesetzgebung, so der<br />
Tenor. Diese hinke der technologischen Entwicklung bisher aber stets hinterher. Einige, wie etwa der Vertreter der<br />
Bertelsmann AG und Abgeordnete des Europäischen Parlaments Elmar Brok (CDU), zogen daraus die<br />
Konsequenz, staatliche Regulierung müsse auf ein Minimum zurückgeführt und durch privatwirtschaftliche<br />
Selbstregulierung ersetzt werden. Selbst Brok gestand aber zu, dass in der gegenwärtigen Situation<br />
technologische Entwicklung und demokratische Legitimierung teilweise nur noch schwer in Einklang zu bringen<br />
seien.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Damit werden sich die Nationalstaaten kaum einfach so abfinden. Erika Mann wies darauf hin, das die Frage, wie<br />
Internet-Governance aussehen könnte, durchaus auf der Tagesordnung bei internationalen Zusammenkünften<br />
stehe. So habe das Thema beispielsweise  auf dem WTO-Gipfel in Seattle Beachtung gefunden, wenn auch nur<br />
für den Bereich e-commerce. Auch im Rahmen der OECD diskutiere man darüber. Internationale Gesetzgebung<br />
sei aber ein mühsamer Prozess, der zudem fast ausschließlich zwischen Regierungsvertretern ablaufe.<br />
Parlamente fielen aus der Diskussion oft heraus.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Wer tatsächlich das Internet reguliere werde sich letztendlich wohl erst im Konfliktfall zeigen, prognostizierte<br />
Volker Leib vom <a href="http://www.mpi-fg-koeln.mpg.de/inhalt/index.html">Max-Planck-Institut für<br />
Gesellschaftsforschung</a> in Köln. Bis dahin darf munter weiter diskutiert werden. Hoffentlich nicht nur unter<br />
Insidern.<br />
</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Kompromisse in Kairo: Das ICANN-Meeting vom 7.-10. März 2000</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/kompromisse_in_kairo_das_icann_meeting_vom_7_10_maerz_2000-775/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/kompromisse_in_kairo_das_icann_meeting_vom_7_10_maerz_2000-775/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[fniedlich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>
Der große Wurf blieb aus. Auch die jüngste Konferenz des Internetregulierers
<a href="http://www.icann.org/">ICANN</a> (Internet Corporation for Assigned Names and
Numbers) in Kairo vom 7. bis 10. März hat keine Klärung entscheidender
Fragen gebracht. So war das Ergebnis der Tagung eine Mischung aus
Kompromissen und vertagten Entscheidungen.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
Der große Wurf blieb aus. Auch die jüngste Konferenz des Internetregulierers<br />
<a href="http://www.icann.org/">ICANN</a> (Internet Corporation for Assigned Names and<br />
Numbers) in Kairo vom 7. bis 10. März hat keine Klärung entscheidender<br />
Fragen gebracht. So war das Ergebnis der Tagung eine Mischung aus<br />
Kompromissen und vertagten Entscheidungen.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Im Kern ist ICANN eine Non-Profit-Organisation, die seit November 1998 im<br />
Auftrag des US-Handelsministeriums als eine Art Aufsichtsbehörde<br />
ausgewählte Funktionen der technischen Regulierung des Internets<br />
durchführt, die bisher von der US-Regierung erfüllt wurden. Dass es<br />
dabei um weit mehr als nur technische &quot;Details&quot; geht, hat die<br />
Kairo-Konferenz allerdings erneut deutlich gemacht, denn schon im Vorfeld<br />
hatte es Auseinandersetzungen um Inhalte und Verfahren gegeben.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Im Mittelpunkt der Debatte standen die Modalitäten für die erste<br />
weltweit durchgeführte Wahl von neun der 19 Mitglieder des<br />
<a href="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/direktorium.shtml">ICANN-Direktoriums</a>. Das<br />
Direktorium ist das geschäftsführende Gremium von ICAAN. Wer hier<br />
vertreten ist, hat entscheidenden Einfluß auf die &quot;Politik&quot; von ICANN &#8211;<br />
und damit auf die Regulierung des Internets.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In Kairo konnte man sich lediglich darauf einigen, daß fünf<br />
ICANN-Direktoren bis spätestens zum 1. November 2000 direkt vom<br />
&quot;Wahlvolk&quot;, und das ist nicht weniger als die globale Internetgemeinde, gewählt werden sollen.<br />
Für die Wahl der weiteren vier Direktoren entschied die Konferenz nur, dass sie<br />
im Jahr 2002 stattfinden soll (zum<br />
<a href="http://www.icann.org/minutes/prelim-report-10mar00.htm">vorläufigen ICANN-Report</a>).<br />
Wie dann das genaue Wahlverfahren aussehen wird, ist jedoch ebenso ungeklärt wie die Frage, welche<br />
bisherigen Direktoren ihre Funktion bis 2002 weiter ausfüllen, und wer<br />
seinen Platz nach der Wahl im Herbst räumt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Nach den ursprünglichen Vorstellungen sollten alle neun Direktoren bereits<br />
im September in einer indirekten Wahl ermittelt werden. Die registrierten<br />
ICANN-Mitglieder hätten nach diesem Modell ein 18-köpfiges Gremium ermittelt,<br />
den so genannten &quot;At-large Council&quot;, der im Namen der &quot;Community&quot; über die<br />
&quot;Volksvertreter&quot; im Direktorium entschieden hätte.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Allerdings hatten zahlreiche Organisationen, die die Entwicklungen im Internet kritisch überwachen,<br />
sogenannte &quot;watchdog groups&quot;, den Entwurf bereits im Vorfeld<br />
heftig kritisiert. Die Watchdog-Gruppen <a href="http://www.commoncause.org/">Common Cause</a> und das<br />
<a href="http://www.cdt.org/">Center for Democracy and Technology</a> (CDT) legten Anfang März eine gemeinsame<br />
<a href="http://www.commoncause.org/icann/study.htm">Studie</a> vor, die das ICANN-Direktorium aufforderte, das Verfahren für die Wahl<br />
des &quot;At-large Council&quot; neu zu gestalten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Sowohl Common Cause wie auch das CDT bemängelten vor allem, dass die<br />
Internet-Gemeinde nur mangelhaft über die Existenz und die Aufgaben von<br />
ICANN informiert sei. Seit ICANN vor gut zwei Wochen die Möglichkeit der<br />
<a href="http://members.icann.org/">Online-Registrierung</a> eingeführt hat, haben sich 6000 Mitglieder<br />
registrieren lassen. Nach den bestehenden ICANN-Regeln hätten bereits 5000 abgegebene Stimmen die Gültigkeit<br />
der Wahl zur Folge gehabt &#8211; doch nach Ansicht der &quot;virtuellen Wachhunde&quot; genügen diese<br />
Voraussetzungen bei weitem nicht, um bereits im September eine &quot;demokratische&quot; Wahl durchzuführen.<br />
Aus ihrer Sicht stellt die Verschiebung der Wahl daher bereits<br />
einen Erfolg dar. Endlich habe die ICANN-Spitze Wünsche der &quot;Basis&quot; berücksichtigt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Einzelheiten bleiben allerdings weiterhin unklar. So schreibt ein in den<br />
Statuten von ICANN festgeschriebener Schlüssel die Repräsentation aller<br />
fünf Weltzonen im Direktorium vor. Ob dieses Kriterium bereits<br />
durch die fünf zunächst zu wählenden Direktoren abgedeckt wird, blieb<br />
offen. Der leidige Proporz könnte auch in Zukunft Stein des Anstoßes<br />
bleiben. Von den 6000 registrierten ICANN-Mitgliedern stammen allein 60 Prozent aus<br />
Nordamerika, weitere 20 Prozent aus Europa. Gut die Hälfte der Registrierten besteht<br />
aus Männern im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. 60 Prozent halten einen eigenen<br />
Domain-Namen. Die Aufteilung entspricht zwar in etwa den allgemeinen Daten über<br />
Internetuser, wirft aber die grundsätzliche Frage auf, wer in den Prozeß der<br />
Entscheidungsfindung eingebunden werden sein sollte. Alle User? &quot;Erfahrene&quot; Anwender?<br />
Domain-Besitzer? Fragen über Fragen&#8230;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Kontroverse macht deutlich, das die Auffassungen darüber, wer mit<br />
welchem Gewicht das zukünftige Geschick von ICAAN lenken sollte, stark differieren.<br />
Das ICANN-Direktorium, das sich zurzeit noch weitestgehend aus Internet-Pionieren der ersten Stunde<br />
zusammensetzt, ist vor allem darauf bedacht, die Unabhängigkeit und die<br />
Kompetenz der Organisation zu gewährleisten. Die Beteiligung der<br />
ICANN-Mitglieder an der Entscheidung über die Zusammensetzung<br />
des Direktoriums geht einigen eigentlich schon zu weit. Wenn<br />
unqualifizierte Laien im Führungsgremium vertreten seien, so ihre<br />
Argumentation, könne nicht garantiert werden, daß ICANN zufriedenstellend funktioniere.<br />
Einzelne Stimmen forderten sogar die Abschaffung der allgemeinen Wahlen (siehe dazu auch<br />
den <a href="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/hill.shtml">Gastkommentar von Steven Hill</a>).<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Kritik der Watchdog-Gruppen kommt da aus einer ganz anderen<br />
Richtung: Zwar kritisieren auch sie das Wahlverfahren. Aber sie fordern<br />
ganz im Gegensatz zur Position des ICANN-Direktoriums, die Wahlen auf<br />
eine breitere demokratische Plattform zu stellen. Die meisten<br />
potentiellen Wähler seien nicht oder nicht ausreichend über die Tätigkeit von<br />
ICANN und die Chance, sich im Entscheidungsfindungsprozess einzubringen,<br />
informiert. Die bislang registrierten 6000 ICANN-Mitglieder bildeten keine<br />
ausreichende Basis, um unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen.<br />
Im Gegenteil erlaube dieser niedrige &quot;Grenzwert&quot; organisierten Gruppen,<br />
ihre Interessen durchzusetzen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Diskussion folgt einem Muster, das man schon in Debatten über andere<br />
internationale Organisationen beobachten konnte. Im Falle der<br />
Europäischen Union etwa wird des öfteren der Versuch unternommen, den<br />
Mangel an demokratischen Strukturen mit den Ergebnissen des politischen<br />
Entscheidungsfindungsprozesses zu rechtfertigen. Nach dieser Logik ist<br />
das Wirken einer technischen und administrativen Elite legitim, solange<br />
ihre fachliche Kompetenz &quot;sachlich richtige&quot; Entscheidungen liefert. Ein solches<br />
System legitimiert sich also über den &quot;Output&quot;, die Ergebnisse seiner Arbeit.<br />
Problematisch ist allerdings die Frage, wer nach welchen Maßstäben über<br />
die Qualität der Resultate entscheiden soll.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Das ICANN-Direktorium argumentiert im Sinne einer solchen<br />
&quot;Output-Legitimität&quot;, wenn es das notwendige Expertenwissen der<br />
Direktoren zum ultimativen Kriterium erhebt. Dem steht die<br />
Rechtfertigung über &quot;Input-Legitimität&quot; gegenüber, die von den<br />
&quot;Watchdogs&quot; vertreten wird. Hier findet die Legitimierung nicht über die<br />
Effizienz der Entscheidungen statt, sondern über die zugrundeliegenden<br />
Verfahren. Entscheidend ist aus dieser Sicht, dass der &quot;Input&quot; von<br />
demokratisch legitimierten Akteuren stammt, und dass das Verfahren allen<br />
demokratischen Gruppen Zugang zum Entscheidungsprozess erlaubt. Ein solches<br />
Verfahren wird nicht immer &quot;effizient&quot; in dem Sinne sein, dass es das &quot;sachlich beste&quot; Ergebnis produziert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Dieser Spagat zwischen &quot;Output-&quot; und &quot;Input-Legitimität&quot; wurde ICANN quasi<br />
mit in die Wiege gelegt. Gegründet auf Initiative der US-Regierung als<br />
private Organisation kalifornischen Rechts, ist ICANN bestenfalls<br />
mittelbar demokratisch legitimiert &#8211; zumal ICANN das Internet weltweit<br />
regulieren soll. Insofern rührt die Debatte über die Zusammensetzung des<br />
Direktoriums an der Frage nach dem Selbstverständnis der Organisation.<br />
Sie betrifft aber grundsätzlich auch alle Internetnutzer &#8211; denn die<br />
&quot;technischen Details&quot;, die ICANN festlegt, haben erhebliche Auswirkungen<br />
auf die zukünftige Struktur des Internet.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">So diskutierten die Konferenzteilnehmer in Kairo etwa darüber, neue<br />
länderübergreifende Endungen für Domain-Namen einzuführen. Zum einen<br />
ging es dabei darum, angesichts der starken Nachfrage nach solchen<br />
Endungen (&quot;generic Top-Level-Domains&quot;) durch die Schaffung von neuen<br />
Endungen wie .info oder .shop neue Alternativen zu schafffen. Zum<br />
anderen hatten für Konsumenteninteressen eintretende Gruppen wie das<br />
&quot;Consumer Project on Technology&quot; gefordert, Endungen wie .isnotfair oder<br />
.sucks einzuführen, die exklusiv Kritikern von bestimmten Gruppen oder<br />
Organisationen vorbehalten sein sollen. Zu beiden Punkten konnten<br />
allerdings keine Einigungen erreicht werden. Das Direktorium setzte<br />
stattdessen eine Kommission ein, die bis zum 20. April Vorschläge machen<br />
soll.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Schon bei vorausgegangenen Konferenzen hatten Details des<br />
institutionellen Aufbaus von ICANN immer wieder zu Verzögerungen<br />
geführt. Unter anderem ging es dabei um die Berücksichtigung<br />
nichtkommerzieller Interessen in den Gremien der &quot;Supporting<br />
Organizations&quot; von ICANN. Auch deswegen ist das ICANN-Direktorium<br />
bemüht, die endgültige Struktur der Organisation festzulegen. Dann<br />
könnte sich ICANN endlich ihrer eigentlichen Tätigkeit widmen. Bis dahin<br />
scheint es nach der Konferenz in Kairo noch ein langer Weg zu sein.<br />
</span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;ICANN musste sich vom ersten Tag an die Schuhe im Laufen zubinden&#034;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[fniedlich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Kairo]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Kleinwächter]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">
Ein Interview mit Prof. Wolfgang Kleinwächter, Mitglied des
ICANN-Studienkreises über die Eindrücke des ICANN-Meetings.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
Ein Interview mit Prof. Wolfgang Kleinwächter, Mitglied des<br />
ICANN-Studienkreises über die Eindrücke des ICANN-Meetings.</span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Wolfgang Kleinwächter ist Professor am Department for Media and Information Sciences der Universität<br />
Aarhus in Dänemark und Direktor des NETCOM Instituts der Medienstadt Leipzig e.V. Zuvor lehrte er<br />
Kommunikations- und Medienwissenschaften in Europa und den USA. Von 1994 bis 1997 war er Koordinator der<br />
Sächsischen Informationsinitiative und leitete das Management Committee der Inter-Regional Information Society<br />
Initiative der Europäischen Kommission. Seit Mitte der 90er Jahre verfolgt er die Entwicklung des Domain Name<br />
System und <a href="http://www.icann.org/">ICANN</a>, zudem beteiligt er sich selbst aktiv an diesem Prozess.<br />
Er ist Mitglied  der <a href="http://www.icann.org/at-large/call-1dec99.htm">ICANN Membership Implementation<br />
Task Force</a> für die Region Mittel- und Osteuropa und des ICANN-Studienkreises Leipzig. Als solches nahm<br />
er auch an der ICANN-Konferenz vergangene Woche in Kairo teil. politik-digital sprach mit Professor Kleinwächter<br />
über direkte Demokratie im Internet, die „digital divide“ und die zukünftige Entwicklung von ICANN.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/edemocracy/images/kleinwaechter.jpg" alt="Prof. Kleinwächter" align="left" border="1" height="155" width="130" /><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Herr Professor Kleinwächter, Sie sind Mitglied des<br />
ICANN-Studienkreises und haben vergangene Woche an der <a href="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/kairo.shtml">ICANN-Konferenz in Kairo</a><br />
teilgenommen. Bevor Sie uns Ihre Eindrücke schildern, erklären sie uns doch bitte kurz,<br />
was der ICANN-Studienkreis ist und was er tut.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Der ICANN Studienkreis ist eine lose Plattform von engagierten Experten aus<br />
der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Politik, vorrangig im deutschsprachigen Raum, die am Fortgang des<br />
ICANN Prozesses interessiert sind. Sinn und Zweck des Studienkreises ist es, den ICANN Prozess kritisch<br />
zu begleiten, Netzwerke zu knüpfen, persönliche Kontakte zu fördern und sich<br />
wechselseitig auf Ereignisse, Prozesse und Publikationen im Zusammenhang mit<br />
ICANN aufmerksam zu machen. Der <a href="http://www.icann-studienkreis.net/">Studienkreis</a> hat<br />
eine Website, einmal jährlich soll eine Tagung veranstaltet werden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Im Oktober soll ICANN die Arbeit endgültig aufnehmen.<br />
In Kairo wurde aber deutlich, daß noch viele Dinge ungeklärt sind. Ist der Zeitplan realistisch?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Wenn man davon ausgeht, mit welcher Geschwindigkeit sich ICANN bislang<br />
entwickelt hat, ist der Zeitplan nicht unrealistisch. Dabei ist ICANN wie<br />
das Leben: nichts ist perfekt und das einzig Beständige ist der Wandel. Vom<br />
ersten Tag an hat der ICANN Board lernen müssen, sich die &quot;Schuhe im Laufen<br />
zuzubinden&quot;. Das wird auch in der Zukunft so sein. Oktober 2000 heißt nicht,<br />
dass alles gelöst ist. Ich gehe aber davon aus, dass im Oktober 2000 ICANN<br />
voll operationsfähig ist.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Der wohl strittigste Punkt ist die geplante Wahl von neun der<br />
18 Mitglieder des ICANN-Direktoriums durch die At-large Mitglieder. Dabei geht es vor<br />
allem um die Frage, ob die neuen Direktoren direkt oder durch einen<br />
&quot;At-large Council&quot; gewählt werden sollen. Wie und zwischen wem verlaufen<br />
hier die Konfliktlinien?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Es handelt sich nicht eigentlich um einen Konflikt zwischen verschiedenen<br />
Gruppen, sondern um die gemeinschaftliche Suche nach einem optimalen<br />
Verfahren, das sowohl dem Zeitfaktor als auch den Ansprüchen an einen<br />
demokratisch breit legitimierten Prozess gerecht wird. Sowohl das direkte als<br />
auch das indirekte Wahlverfahren haben Vor- und Nachteile. Kompliziert ist die<br />
Situation, weil ICANN unter kalifornischen Recht inkorporiert ist. Nach der<br />
dortigen Rechtslage könnte eine direkte Wahl des Boards, auch wenn die Wahl<br />
auf globaler Ebene stattfindet, juristisch angefochten werden. Damit wäre es<br />
möglich, die Arbeit von ICANN durch ein kalifornisches Gericht lahmzulegen.<br />
Diese Konstellation spricht eher für ein Wahlmännergremium a la Membership<br />
Council. Ich selbst plädiere dafür, die Diskussion um &quot;direkte Demokratie im<br />
Internet&quot; mehr auf einen solchen &quot;At Large Membership Council&quot; zu<br />
konzentrieren und weniger auf den Board of Directors. Natürlich ist es<br />
Unsinn, so wie bislang vorgesehen, einen At Large Membership Council zu<br />
wählen allein zu dem Behufe, neun Direktoren zu wählen. Einem Membership<br />
Council könnten aber durchaus auch andere Aufgaben übertragen werden die,<br />
wie die Councils der drei Supporting Organisations, eine mehr politische<br />
Funktion haben. So könnte ein Membership Council zu einer Art Parlament der<br />
globalen Internet-Community werden, das all jene Fragen, die der ICANN Board<br />
zu Recht mit Hinweis auf sein technisches Mandat zurückweist, wie etwa<br />
Konsumentenschutz, Informationsinhalte und Netzsicherheit. Es könnte diskutieren und<br />
dem Board Empfehlungen geben, welche technischen Lösungen notwendig sind, um<br />
den legitimen politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Interessen der<br />
globalen Internet Gemeinschaft gerecht zu werden. Ein solcher Council müsste<br />
dann aber mehr als 18 Mitglieder haben, wenn er die ganze Welt<br />
repräsentieren soll. Es wurde ja schon diskutiert, ob die in Kairo gebildete<br />
&quot;Membership Implementation Task Force&quot; (MITF), die aus elf regionalen<br />
Gruppen mit 78 Mitgliedern besteht, nicht ein de-facto Membership Council<br />
ist. Aber dafür bedarf es noch gründlicherer Studien und die sind ja in<br />
Kairo auch beschlossen worden. Insofern war Kairo ein Schritt nach vorn.<br />
Inhalt ist eben wichtiger als der Prozess. Und niemand nimmt Schaden, wenn<br />
der Wahlzeitraum für die neun Membership-Direktoren jetzt etwas gestreckt<br />
wird.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Wie bewerten Sie den gefundenen Kompromiss, zunächst nur<br />
fünf neue Direktoren zu wählen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Ich finde das vernünftig: Das sichert auch Kontinuität und Wandel im Board.<br />
Wiewohl es in der Vergangenheit viel Wirbel um die Legitimation der neun<br />
Interims-Direktoren gab, hat die Praxis gezeigt, dass dieses so bunt<br />
zusammengewürfelte Gremium in der Lage war, im allgemeinen Interesse der<br />
Internet-Gemeinschaft zu agieren. <a href="http://www.icann.org/biog/crew.htm">Greg Crew</a> hat es<br />
in Kairo auf den Punkt gebracht als er sagte, dass wohl keiner der ICANN Interims-Direktoren eine<br />
persönliche Agenda verfolgt hat. Also warum sollen dann nicht vier der alten<br />
Direktoren noch ein Jahr weitermachen, wenn es dadurch möglich wird, das<br />
Wahlverfahren insgesamt zu optimieren und demokratischer zu gestalten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Eine Schwierigkeit bei den Wahlen liegt in der Bestimmung<br />
des &quot;Wahlvolkes&quot;. 80 Prozent der bisher registrierten Mitglieder stammen aus Nordamerika und<br />
Europa. Sollte ICANN nur die Internet-Gemeinde repräsentieren, wie es<br />
<a href="http://www.icann.org/biog/dyson.htm">Esther Dyson</a> fordert, oder die Weltbevölkerung insgesamt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Esther Dyson hat natürlich recht. Der ICANN Board kann nicht den Anspruch<br />
haben, eine Weltregierung zu sein und die Probleme dieses Globus zu lösen.<br />
Dennoch stimmt es natürlich, dass seine Entscheidungen in gewisser Hinsicht<br />
in die Weltpolitik der globalen Informationsgesellschaft eingreifen. ICANN<br />
wird sich seiner politischen und sozialen Verantwortung nicht entziehen<br />
können. Bezogen auf die Wahlen aber ist das eigentliche Problem nicht das<br />
Gefälle bei den jetzt registrierten ICANN Mitgliedern, sondern die globale<br />
Lücke bei den Internet-Nutzern. Die bisherige ICANN Mitgliedschaft spiegelt<br />
ja die weltweite &quot;digital divide&quot; wieder. Aber die digitale Spaltung der<br />
Gesellschaft ist, wie wir aus den Studien der NTIA in den USA wissen, ein<br />
Problem, das nicht in das alte Nord-Süd Schema passt sondern auch quer durch<br />
die entwickelten Industriegesellschaften geht. Und auch in Deutschland wird<br />
sich die &quot;digital divide&quot; an den &quot;arm-reich&quot; und &quot;gebildet-ungebildet&quot; Polen<br />
aufbauen. Die Regierungen dieser Welt müssen sich zusammen mit ICANN darüber<br />
Gedanken machen, wie sie den &quot;Rest der Welt&quot; online bringen. UN-Generalsekretär<br />
Kofi Annan hat bei der jüngsten ITU World Telecom in Genf in<br />
Erinnerung gerufen, daß die 200 Millionen Internet-Nutzer von heute ganze<br />
drei Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Zugang zum Internet wird aber<br />
einmal mit zu den &quot;basic needs&quot; gehören, auf die der Mensch nach der<br />
UN-Menschenrechtsdeklaration von 1948 einen natürlichen Anspruch hat.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Mehrere Teilnehmer der Konferenz haben die Befürchtung<br />
geäußert, einige Länder könnten auf Grund sprachlicher, technischer und kultureller Faktoren<br />
gehindert sein, (voll) am Prozess teilzunehmen. Was wird unternommen, um diesem Problem zu begegnen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Ein schwieriges Problem. Läßt man den Prozeß einfach laufen wie bislang,<br />
wird die Ausgrenzung von Sprach- und Kulturräumen voranschreiten. Man muß<br />
also bewusst gegensteuern. Ob dies ICANN alleine kann, sei dahin gestellt.<br />
Hier sind natürlich auch die betroffenen Länder, ihre Regierungen und<br />
Gesellschaften selbst gefordert. ICANN ist nicht wie oft fälschlicherweise<br />
dargestellt, ein geschlossener Club, sondern &quot;offen für alle&quot; wie einst die<br />
Nikolaikirche zu Leipzig vor der Wende 1989. Man muss nur hingehen um an der<br />
Revolution teilzuhaben. Mit der Bildung der aus elf regionalen Gruppen<br />
bestehenden &quot;Membership Implementation Task Force&quot; versucht ICANN zu tun,<br />
was notwendig ist. Ob dies hinreichend ist, und ob es funktioniert, ist aber<br />
unklar.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Einige Direktoriumsmitglieder zeigen mitunter ein elitäres<br />
Politikverständnis, wenn sie deutlich machen, dass sie am liebsten jeglichen<br />
Einfluß von außen &#8211; sei es durch die &quot;einfachen&quot; Mitglieder, sei es durch<br />
nationale Regierungen &#8211; vermeiden würden. Wie beurteilen Sie die Legitimität von ICANN?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b>Wolfgang Kleinwächter:</b> Manche amerikanische Kollegen verweisen gerne auf die Situation vor mehr als<br />
200 Jahren, als einige wenige brilliante Köpfe in der &quot;Hall of Independence&quot;<br />
in Philadelphia saßen und die Verfassung der USA ausarbeiteten. 90 Prozent<br />
der Bevölkerung sei damals ausgegrenzt gewesen oder hätten sich überhaupt<br />
nicht dafür interessiert. Sklaven war die Beteiligung an den Wahlen ganz<br />
verunmöglicht. Dennoch sei die US-Verfassung so etwas wie eine Bibel<br />
demokratischer Werte. Natürlich hinkt der Vergleich. Richtig ist aber, dass<br />
die Prinzipien und Strukturen, die jetzt im ICANN Prozess geschaffen werden,<br />
weitreichende Folgen haben für die zukünftige globale<br />
Informationsgesellschaft werden. Insofern ist die Frage der Legitimität von ICANN<br />
schon von erheblicher Bedeutung, vielleicht ist sie sogar die<br />
Schlüsselfrage. Ich persönlich plädiere für eine Art Mischung von<br />
repräsentativer und direkter Demokratie, von &quot;bottom-up&quot; und &quot;top-down&quot;.<br />
Juristisch betrachtet läuft das auf ein globales System von Ko-Regulierung<br />
hinaus, wo Regierung und Wirtschaft sich kooperativ abstimmen. Zukünftig<br />
wird weder &quot;governmental regulation&quot; noch &quot;industry self-regulation&quot; allein<br />
in der Lage sein, stabile, effektive und gerechte Verhältnisse zu schaffen.<br />
Es muss, zumindest beim gegenwärtigen Zustand der Welt, zu einer Kombination<br />
kommen. Und selbst dies ist eigentlich nicht hinreichend, weil der dritte<br />
Partner, der mündige, aktive und kritische Bürger (Citizen, Consumer, User),<br />
auch direkt (und nicht nur über die von ihm gewählte Regierung) einen<br />
Beitrag leisten können muß. Das Thema &quot;public self-regulation&quot; ist bisher<br />
kaum diskutierrt worden, eröffnet aber viele neue Denk- und<br />
Handlungshorizonte.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff9900">politik-digital:</span></b> Vielen Dank für das Gespräch.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Das Interview mit Wolfgang Kleinwächter führte Florian Niedlich</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Das ICANN-Direktorium</title>
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		<dc:creator><![CDATA[fniedlich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN-Direktorium]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">
Eine knappe Zusammenfassung der komplexen Organisationsstruktur des geplanten
ICANN-Führungsgremiums.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
Eine knappe Zusammenfassung der komplexen Organisationsstruktur des geplanten<br />
ICANN-Führungsgremiums.</span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Das ICANN-Direktorium&#8230;</b><br />
&#8230;ist das geschäftsführende Gremium von ICANN. Es setzt sich aus 19<br />
Mitgliedern zusammen. Die &quot;Unterstützenden Organisationen&quot; (&quot;Supporting<br />
Organizations&quot;) und die ICAAN-Mitglieder als Kollektiv bestimmen jeweils<br />
neun Direktoren. Das 19. Mitglied ist der Präsident.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b></b></span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Unterstützenden Organisationen sind beratende Gremien, deren Aufgabe es ist,<br />
dem Direktorium jeweils zu ihrem speziellen Gebiet Vorschläge zu<br />
Internet-Politik und -Struktur zu unterbreiten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">1. Die &quot;Address Supporting Organization&quot; (ASO) beschäftigt sich mit den IP-Adressen,<br />
also jenen Zahlenfolgen, die es den Computern erlauben, andere Computer im<br />
Internet zu identifizieren. Die ASO wird geführt von dem &quot;ASO Address Council&quot;,<br />
das sich aus je drei Vertretern des amerikanischen, des pazifisch-asiatischen<br />
und des europäischen  Internet-Registers zusammensetzt. Der Address Council<br />
ernennt drei ICANN-Direktoren.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">2. Die &quot;Domain Name Supporting Organization&quot; (DNSO) ist zuständig für das<br />
&quot;domain name system&quot; (DNS), d.h. das System, das die IP-Adressen für den<br />
Menschen verständlichen Namen zuordnet (wie etwa www.politik-digital.de). Die<br />
DNSO wird vom &quot;Names Council&quot; geführt, der auch für die Ernennung von drei<br />
ICANN-Direktoren zuständig ist. Der Names Council besteht aus Vertretern der<br />
sieben &quot;Constituencies&quot; der DNSO. Diese bestehen weitgehend aus Repräsentanten<br />
von Gruppen, die im technischen und wirtschaftlichen Bereich mit dem &quot;Domain<br />
Name System&quot; zu tun haben. Nicht-kommerzielle Interessen sind nur schwach<br />
vertreten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">3. Die &quot;Protocol Supporting Organization&quot; (PSO) ist zuständig für die Zuordnung<br />
von einzelnen Parametern für Internet-Protokolle, den technischen Standards,<br />
die den Austausch von Informationen zwischen Computern und die Kommunikation<br />
übers Internet regeln. Geschäftsführendes Gremium ist der Protocol Council, in<br />
das mehrere internationale Organisationen im Tätigkeitsbereich der PSO jeweils<br />
zwei Vertreter entsenden. Auch der &quot;Protocol Council&quot; benennt drei Direktoren.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Während die &quot;Supporting Organizations&quot; primär technische und kommerzielle<br />
Interessen berücksichtigen, sollen die anderen neun Direktoren von der Internet-<br />
Gemeinde als ganzes gewählt werden. Unklar ist bislang, in welcher Form dies<br />
geschehen könnte. Einig ist man sich lediglich darin, dass jeder an der Wahl<br />
teilnehmen kann, der sich auf der speziell für diesen Zweck eingerichteten<br />
Internet-Seite als ICANN-Mitglied registrieren läßt. Alles, was darüber<br />
hinausgeht, ist umstritten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Prinzipiell werden zwei Varianten diskutiert: Der ursprüngliche Vorschlag, der<br />
vor der Kairo-Konferenz vom amtierenden Direktorium unterstützt wurde, sieht<br />
eine indirekte Wahl vor. Nach diesem Entwurf wählen alle registrierten<br />
ICANN-Mitglieder ein 18-köpfiges Gremium, den sogenannten &quot;At-large Council&quot;.<br />
Dieser wählt dann auf Vorschlag der Mitglieder die &quot;Volksvertreter&quot; im Direktorium.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Voraussetzung ist jedoch, dass sich vorher mindestens 5000 Internetuser bei<br />
ICANN registrieren lassen. Seit ICANN vor gut zwei Wochen die Möglichkeit der<br />
Online-Registrierung schuf, haben sich allerdings bereits etwa 6000 Mitglieder<br />
eingetragen. Die Schwelle von 5000 Registrierungen ist aber selbst noch<br />
Gegenstand der Debatte. Dies gilt auch für die zweite Alternative, eine<br />
Direktwahl der neun Direktoren durch alle ICANN-Mitglieder. Sie wird mindestens<br />
ebenso kontrovers diskutiert wie eine indirekte Wahl.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Momentan scheint sich ein Kompromiß zwischen beiden Varianten abzuzeichnen. In<br />
Kairo einigte man sich zumindest darauf, fünf der neun Direktoren noch vor<br />
November des laufenden Jahres direkt wählen zu lassen. Dazu setzte das<br />
ICANN-Direktorium eigens ein Nominierungskomitee ein, das potentielle Kandidaten<br />
vorschlagen soll. Vorschläge können aber auch aus dem Kreis der Internetbenutzer<br />
kommen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die weiteren vier Direktoren könnten dann erst im Jahr 2002 bestimmt werden.<br />
Genug Zeit, so hoffen die Verantwortlichen, um eine endgültige Regelung zu<br />
finden. Die Internet-Gemeinde wird im Direktorium solange durch vier<br />
Übergangsvertreter (im englischen Sprachgebrauch sogenannte &quot;initial directors&quot;)<br />
vertreten werden &#8211; wie bisher auch.<br />
</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Top-Level-Domains</title>
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		<dc:creator><![CDATA[fniedlich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Top Level Domain]]></category>
		<category><![CDATA[ICANN]]></category>
		<category><![CDATA[Internet Governance]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">
Grundlegende Informationen zu Technik, Vergabe und Regulierungsbedarf
dieser wichtigen Internet-Ressource.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
Grundlegende Informationen zu Technik, Vergabe und Regulierungsbedarf<br />
dieser wichtigen Internet-Ressource.</span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Top-Level-Domains&#8230;</b><br />
&#8230;lassen sich in zwei Kategorien unterteilen. Zum einen gibt es die<br />
sogenannten &quot;generic Top-Level-Domains&quot; (gTLD). Dies sind weltweit verbreitete und bekannte<br />
Endungen wie etwa .com, .org. oder .net. Daneben vergibt jedes Land eigene<br />
nationale Endungen, zum Beispiel .de, .fr, .uk, die sich &quot;country code<br />
Top-Level-Domains&quot; (ccTDL) nennen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">ICAAN ist die höchste Instanz bei der Vergabe der gTLDs. Die Organisation hat<br />
diese Aufgabe seit ihrer Gründung im Jahr 1998 inne. Zuvor hatte das Unternehmen<br />
<a href="http://www.netsol.com/">Network Solutions Inc.</a> (NSI)<br />
die Domain-Namen im Auftrag der US-Regierung vergeben.<br />
Dabei nahm NSI faktisch eine Monopolstellung ein. Seit der Übernahme<br />
von ICANN sind jedoch marktwirtschaftlich orientierte Bedingungen eingeführt worden. ICANN<br />
erteilt die Lizenz, gTDLszu vergeben, an eine Gruppe eigens dafür akkreditierter<br />
Unternehmen, die sich &quot;Registrars&quot; nennen und zueinander in Konkurrenz stehen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Zur Zeit umschließt der Kreis dieser &quot;Registrars&quot; weltweit 30 akkreditierte<br />
Unternehmen, bei denen jedermann die Zuteilung eines Domain-Namens beantragen<br />
kann. Deutsche Unternehmen sind nicht vertreten. Daneben gibt es aber eine<br />
Gruppe von 61 bereits akkreditierten Unternehmen, die ihre Funktion allerdings<br />
noch nicht wahrnehmen, darunter drei deutsche: CSL Computer Service Langenbach<br />
GmbH, EPAG Enter-Price AG und Schlund+Partner AG. Sobald diese arbeitsfähig<br />
sind, können Interessierte Anträge auf gTLDs direkt in Deutschland einreichen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Vergabe von ccTLDs läuft dagegen seit eh und je auf nationaler Ebene ab.<br />
International koordiniert wird sie unter dem Dach der &quot;International Standards<br />
Organization&quot; (ISO), bei der alle nationalen Kürzel registriert sind. In<br />
Deutschland ist die <a href="http://www.denic.de/">DENIC eG</a> die zuständige Stelle.<br />
Sie ist eine eingetragene Genossenschaft von Internet Service Providern,<br />
kurz ISPs, die ihren Kunden lokale Zugänge zum Internet zur Verfügung stellen.<br />
DENIC betreibt die zentrale Datenbank für die TLD .de und vergibt bundesweit zentral<br />
Domain-Namen unterhalb dieser Endung.<br />
</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Big Trouble in Little Vienna</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/uncategorized/big_trouble_in_little_vienna-933/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/uncategorized/big_trouble_in_little_vienna-933/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[fniedlich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Big Brother]]></category>
		<category><![CDATA[Aktion]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländer]]></category>
		<category><![CDATA[Provokation]]></category>
		<category><![CDATA[Wien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>
Mit seinem Beitrag zu den Wiener Festwochen
<a href="http://www.auslaenderraus.at/">&#34;Bitte liebt Österreich!&#34;</a>,
bei dem die Zuschauer per Telefonwahl nach Big Brother-Manier über das
Schicksal von zwölf &#34;Asylbewerbern&#34; entscheiden können, inszeniert
Christoph Schlingensief sich selbst und die massen-<br />
mediale Politik gleichermaßen und hält Europa einen Spiegel vor.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
Mit seinem Beitrag zu den Wiener Festwochen<br />
<a href="http://www.auslaenderraus.at/">&quot;Bitte liebt Österreich!&quot;</a>,<br />
bei dem die Zuschauer per Telefonwahl nach Big Brother-Manier über das<br />
Schicksal von zwölf &quot;Asylbewerbern&quot; entscheiden können, inszeniert<br />
Christoph Schlingensief sich selbst und die massen-<br />
mediale Politik gleichermaßen und hält Europa einen Spiegel vor.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Show verfehlt ihre Wirkung<br />
nicht: 75 000 Zugriffe auf die Live-Bilder aus dem Asyl-Container<br />
allein in der ersten Nacht der Aktion erwiesen sich als zu viel für <a href="http://www.webfreetv.com/">webfreetv.com</a>,<br />
dessen Server dem Ansturm nicht gewachsen war. Die<br />
Feuilleton-Redaktionen schreiben sich die Finger wund, auch die<br />
Internet-Gemeinde diskutiert aufgeregt. Und eine &quot;ungenannte<br />
Privatperson&quot; hat nach Angaben der Staatsamwaltschaft Wien Anzeige<br />
gegen Schlingensief „und andere Personen“ wegen &quot;Verspottung des<br />
Staates&quot; erstattet.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In der Zwischenzeit üben sich die<br />
&quot;Opfer&quot; der Aktion in reflexhaften Abwehrversuchen. Nichts anderes als<br />
eine billige Politprovokation, befand die FPÖ. Das Projekt finde vom<br />
ÖVP-Stadtrat offensichtlich deswegen Duldung, weil er vor lauter<br />
Bemühen um Anerkennung in der linken Kulturschickeria alles<br />
unterstütze, was gegen die ÖVP und FPÖ gerichtet sei. Die<br />
Freiheitlichen kündigten an, eine Klage zur Entfernung der von<br />
Schlingensief verwendeten FPÖ-ähnlichen Embleme einzureichen. Gleiches<br />
ist von Seiten des Boulevardsblattes &quot;Kronen Zeitung&quot; zu vernehmen,<br />
dessen Logo bis Dienstag, wie das der FPÖ, neben einem Plakat mit der<br />
Aufschrift &quot;Ausländer raus&quot; am Container prangte. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Dazu werfen rechte Politiker<br />
(wieder einmal) die Frage auf, ob für solche Aktionen – der Begriff<br />
&quot;Kunst&quot; wird tunlichst vermieden – Steuergelder aufgewendet werden<br />
sollten – und liefern die Antwort selbstverständlich gleich mit. Einher<br />
geht diese Rhetorik mit verbalen Entgleisungen in Richtung der<br />
Initiatoren. Nun haben solche öffentlichen Äusserungen die Tendenz, auf<br />
ihren Urheber zurück zu fallen. Und weil Christoph Schlingensief dies<br />
weiß, wird es ihn kaum stören, dass der Wiener FPÖ-Chef Hilmar Kabas<br />
meint, er habe eine &quot;offensichtliche Verhaltensstörung&quot;. Im Gegenteil,<br />
er wird mit solchen oder ähnlichen Anfeindungen als Reaktion auf die<br />
&quot;Weltausstellung der Freiheit&quot; (Schlingensief über &quot;Bitte liebt<br />
Österreich&quot;) gerechnet haben. Denn der Provokationskünstler kennt das<br />
Mediensystem nicht nur genauestens, er lebt von ihm genauso sehr, wie<br />
die Medien von Leuten wie ihm. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Doch wer glaubt, Schlingensief<br />
inszeniere vor allem sich selbst, hat nur zum Teil recht. Natürlich<br />
geniesst er die Aufmerksamkeit, die ihm augenblicklich in Wien und<br />
darüber hinaus zu Teil wird. Sie kreiert für ihn das &quot;Spannungsfeld&quot;,<br />
in dem er am produktivsten arbeitet. Aber der Versuch der FPÖ,<br />
Schlingensief als verhaltensgestörten Politclown abzustempeln, kann die<br />
inhaltliche Auseinandersetzung mit der Aktion genauso wenig ersetzen<br />
wie der in die Kritik an der Spaßgesellschaft verpackte Verweis auf<br />
ihren &quot;Eventcharakter&quot;. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die bewußte Provokation,<br />
Schlingensiefs Markenzeichen, ist mehr als nur Selbstzweck. Der<br />
39-Jährige versteht es, in seinen Projekten die modernen<br />
Kommunikationsmecha-<br />
nismen für sich zu nutzen. Aber er konstruiert<br />
das Gegenüber nicht, um sich dann damit zu einigen. Es gehe um<br />
Aufrechterhaltung der Gegensätze und um Überlebenstrategien. Und auch<br />
um Strategien, wie man die Muster des Neuen Markts selbst möglichst<br />
unbeschädigt überstehe, sagt Schlingensief im <a href="http://derstandard.at/dynamic/aktuell/ressort_article.asp?channel=newsroom&amp;id=249816&amp;ressort=SCHLINGENSIEF">Interview</a> mit der österreichischen Zeitung <a href="http://derstandard.at/">&quot;Der Standard&quot;</a>.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Indem er selbst eigene Gegensätze<br />
&quot;lebt&quot;, hält Schlingensief der Gesellschaft ihre eigene Schizophrenie<br />
vor. Er karikiert die &quot;Schaumschlägerfabriken&quot; der Neuen Ökonomie, für<br />
deren Erfolg Schein oft wichtiger ist als Sein, indem er dem Betrachter<br />
seiner Container gerade so viel Einblick gewährt, das dieser eben nicht<br />
durchblickt. Er kritisiert die Ausrichtung von Politik und Medien am<br />
jeweils gerade aktuellen Trend – und passt sich mit seiner Big<br />
Brother-Imitation selber dem Trend an. Er beschwert sich über den Kult,<br />
der um seine eigene Person gemacht wird, personalisiert aber selbst die<br />
Auseinandersetzung mit dem Gegenüber mit plakativen Parolen wie etwa<br />
&quot;Tötet Schüssel!&quot;. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In diesem Sinne läßt sich<br />
durchaus von &quot;Verhaltensstörungen&quot; sprechen, allerdings scheinen diese<br />
eher pathologisch in der Gesellschaft angelegt zu sein. Und so trägt<br />
&quot;Bitte liebt Österreich&quot; die Diskussion auch eben dorthin zurück.<br />
Österreichs Künstler können jedenfalls, anders als im Falle eines<br />
&quot;Boykotts&quot; österreichischer Theaterhäuser, durch das Projekt wieder die<br />
aktive diskursive Auseinandersetzung suchen. Sie kommen denn auch in<br />
Scharen gelaufen, um ihre Unterstützung zu demonstrieren (neben den<br />
&quot;Eröffnungsrednern&quot; besucht täglich ein &quot;Gast&quot; die verbleibenden<br />
Containerbewohner). </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Und die österreichische Regierung<br />
kann sich, anders als im Falle der EU-Sanktionen, nicht in die Rolle<br />
des Opfers reden. Dafür hat Schlingensief schon allein dadurch gesorgt,<br />
dass er die &quot;Message&quot; seines Projekts gerade nicht auf die<br />
österreichischen Verhältnisse beschränkt wissen will. Die europäischen<br />
Staaten warnte er davor, im &quot;Wir wissen jetzt, wo der Nazi wohnt&quot;-Stil<br />
mit dem Finger auf Österreich zu zeigen und gleichzeitig Probleme mit<br />
Rassismus und Ausländerfeindlichkeit im eigenen Land schön zu reden.<br />
Denn eines ist für Schlingensief klar: &quot;Dieses Österreich, dass wir<br />
meinen, kann überall sein.&quot;<br />
</span></p>
]]></content:encoded>
					
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