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	<title>hneymanns &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8221; Die Auswertung der neuen Oberstufe zeigt, dass es keine schlechteren Noten im ersten Halbjahr im Landesschnit</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/die-auswertung-der-neuen-oberstufe-zeigt-dass-es-keine-schlechteren-noten-im-ersten-halbjahr-im-landesschnit-316/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Mar 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Landespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Baden-Württemberg]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Annette Schavan]]></category>
		<category><![CDATA[Gymnasiale Oberstufe]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="/salon/photos/aschavan1.gif" alt="Annette Schavan" align="left" height="58" width="100" />Chat 
des Kultusministeriums Baden-Württemberg und politik-digital.de mit 
der baden-württembergischen Kultusministerin Annette Schavan, am 19. März, 2003.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="/salon/photos/aschavan1.gif" alt="Annette Schavan" align="left" height="58" width="100" />Chat<br />
des Kultusministeriums Baden-Württemberg und politik-digital.de mit<br />
der baden-württembergischen Kultusministerin Annette Schavan, am 19. März, 2003.</b></span><!--break--><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
</b></p>
<p>
<b></b>
</p>
<p></span></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b></b></span></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Herzlich<br />
willkommen im Chatraum des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport<br />
Baden-Württemberg und politik-digital.de! Gemeinsam mit dem Kultusministerium<br />
laden wir Sie in den folgenden 60 Minuten zum Live-Chat ein! Unser Gast<br />
ist Kultusministerin und Landtagsabgeordnete Dr. Annette Schavan. Thema<br />
heute: &quot;Die Neue gymnasiale Oberstufe&quot;. Sie können Ihre<br />
Fragen an die Moderatoren stellen, die sie sammeln und dann an Frau Schavan<br />
weiterleiten.<br />
<b> </b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Nun aber erst einmal: Guten Abend nach Stuttgart! Sind Sie bereit, Frau<br />
Schavan?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:<br />
</b>Ja, ich bin bereit und wünsche einen guten Abend nach Berlin.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Danke.<br />
Auf Grund der angespannten weltpolitischen Situation und einiger Fragen<br />
dazu wollen wir kurz auf die Frage der Kriegsgefahr im Irak eingehen.<br />
Danach kommen wir aber zum eigentlichen Thema des heutigen Chats: die<br />
neue gymnasiale Oberstufe. Der Protest gegen einen Krieg im Irak hat auch<br />
Stuttgart erreicht. Friedensorganisationen, Gewerkschaften, sogar Schüler<br />
haben Aktionen angekündigt. Bekommen die Schüler unterrichtsfrei<br />
oder müssen sie die versäumten Stunden nachholen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Ich bin der Meinung, dass Demonstrationen in der unterrichtsfreien Zeit<br />
stattfinden können und gehe auch davon aus, dass sie zeitlich so<br />
geplant werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kultistufe:</b><br />
Schüler des Stuttgarter Heidehofgymnasiums wollen am Kriegstag um<br />
9.30 Uhr 300 blaue und weiße Luftballons vom Schulhof aufsteigen<br />
lassen. Wie finden Sie diese Aktion?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Ich finde, dass das ein gutes Zeichen ist, das dieses Schüler und<br />
Schülerinnen setzen, um ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>looser22:<br />
</b>Ich möchte gegen den Irakkrieg demonstrieren, wie viele<br />
meiner Klassenkameraden auch. Wird die Schule am Donnerstag oder wann<br />
auch immer ausfallen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Nein, die Schule wird nicht ausfallen. Demonstrationen sollten nach dem<br />
Unterricht stattfinden. Ansonsten wird es viel Unterrichtsausfall geben.<br />
Das finde ich nicht in Ordnung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pepe:</b><br />
Warum nur in der unterrichtsfreien Zeit. Der Krieg ist doch kein Freizeitthema?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:<br />
</b>Ich gehe davon aus, dass im Unterricht das Thema behandelt wird<br />
und umgekehrt gefragt: Warum soll für eine Demonstration Unterricht<br />
ausfallen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kirstin:</b><br />
Aber wie soll man dann gegen den Krieg demonstrieren, wenn die Schule<br />
nicht ausfällt, und nur dann Demonstrationen sind? Irgendwie muss<br />
man doch seinen Gefühlen Platz machen, und das geht am besten durch<br />
friedliche Demonstrationen, finden Sie nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Seinen Gefühlen Platz zu machen, ist doch keine Frage der Tageszeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>alisa5:</b><br />
Ich habe gehört, dass es für Schüler, die an Kundgebungen<br />
teilnehmen, Schulausschluss geben kann?!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:<br />
</b>Zunächst finde ich, dass in der Schule Spielregeln vereinbart<br />
werden sollten, an die sich alle halten. Über die Frage, wie reagiert<br />
wird, wenn sich jemand an die Spielregeln nicht hält, entscheidet<br />
die Schule vor Ort. Aber noch einmal: Eine Demonstration ist nicht weniger<br />
wirksam, wenn sie in der unterrichtsfreien Zeit liegt. Zumal doch sonst<br />
immer zu Recht so viel Wert darauf gelegt wird, dass der Unterricht immer<br />
stattfindet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Letzte Frage zu diesem Thema, dann zur „Neuen gymnasialen<br />
Oberstufe“:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gorgeus:</b><br />
Ich finde Unterrichtsausfall in diesem Fall sehr vertretbar um zu zeigen,<br />
dass die Schule dahinter steht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Demonstrationen und damit verbundene Gefühle sind immer eine Sache<br />
von Menschen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Eine Frage von einer Schülergruppe vermutlich:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Klasse 12:</b><br />
Wieso habe ich praktisch 5 LKs?! Da bleibt nur noch sehr wenig Zeit für<br />
andere Sachen! Und dazu noch Hausaufgaben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Die fünf vierstündigen Fächer sind keine Leistungskurse.<br />
Deshalb sind ja auch die Lehrpläne schlanker geworden. Spezialisierung<br />
wurde abgebaut und die fachliche Grundbildung soll gestärkt werden.<br />
Diese Regelung gibt es, weil der Stundenanteil in den Naturwissenschaften<br />
insgesamt gestärkt wurde, während der Ersatz der Gesellschaftswissenschaften<br />
zum Wegfall führen würde.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lisa:</b><br />
Warum muss man fünf vierstündige Kurse belegen, wenn doch nur<br />
vier davon geprüft werden? Warum kann die zweite Naturwissenschaft<br />
entfallen, wenn man einen naturwissenschaftlichen Seminarkurs belegt,<br />
während durch einen Gesellschaftswissenschaftlichen nichts wegfällt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:<br />
</b>Das 5. Fach ist eingeführt worden, um den Schülern<br />
die Möglichkeit zu geben, individuelle Schwerpunkte zu setzen und<br />
ihre Abiturfächer partiell selbst auszuwählen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Klasse 12:<br />
</b>Ich wollte nur mal loswerden, dass hier in meiner Stadt an Gymnasien<br />
mit verschiedenen Büchern gearbeitet wird. Manchmal sind es LK-Mathebücher<br />
und in einer anderen Schule nur GK, wie kann das sein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Beide Bücher sind vermutlich geeignet für den Stoff im Mathematik-Kurs.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Eine Nachfrage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Volker KGW:</b><br />
Warum aber müssen gerade die Naturwissenschaften gestärkt werden<br />
und nicht der gesellschaftswissenschaftliche Teil?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Der gesellschaftswissenschaftliche Fachbereich wird künftig bereits<br />
in der Mittelstufe gestärkt durch den neuen Fachbereich, Geographie,<br />
Wirtschaft, Gemeinschaftskunde. Außerdem ist immer wieder von Naturwissenschaftlern<br />
darauf hingewiesen worden, dass zum Abitur die Grundlagen in zwei Naturwissenschaften<br />
gehören. In der Abiturprüfung sind die Gesellschaftswissenschaften<br />
insofern gestärkt worden, dass im Unterschied zu früher nun<br />
zwei Gesellschaftswissenschaften gewählt werden können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Benjamin Lenz:</b><br />
Wieso müssen ALLE Mathe vierstündig haben, obwohl jeder weiß,<br />
dass die Begabten frustriert werden und die weniger Guten nicht mitkommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Mathematik ist die Sprache der Naturwissenschaften, die unverzichtbar<br />
zu einer vertieften Allgemeinbildung gehört. Es gehört deshalb<br />
zu den Kernfächern. Außerdem gehört Mathematik zu den<br />
drei Fächern für die Hochschuleingangsprüfung, die dort<br />
geprüft werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Beni:</b><br />
Wenn ein Schüler zwei Fremdsprachen wählen möchte, hat<br />
er mehr Wochenstunden als andere. Warum werden sprachbegabte Schüler<br />
benachteiligt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Das Sprachenprofil in Gymnasien hat auch früher schon mehr Stunden<br />
gehabt. Das ist eigentlich bislang eher als Benachteiligung für die<br />
Naturwissenschaften gesehen worden. Im Übrigen können jetzt<br />
drei Fremdsprachen gewählt werden, das konnte man früher nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Neues Thema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hauser: </b>Sehr<br />
geehrte Frau Schavan! Ich habe die Diskussionen über die NRO in den<br />
letzten Jahren verfolgt &#8211; war auch oft im Landtag. Finden Sie nicht, dass<br />
Sie die Anregungen der Schüler &#8211; durch den Landesschülerbeirat<br />
optimal gesammelt und ausgearbeitet zu wenig / überhaupt nicht beachtet<br />
haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Ich habe mit dem Landesschülerbeirat mehrfach über die neue<br />
Oberstufe beraten. Wir sind uns in einigen Punkten einig geworden, in<br />
anderen nicht. Im Übrigen ist interessant, dass die Schüler<br />
in den 70er Jahren auch große Vorbehalte gegen die damalige neue<br />
Oberstufe hatten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Smooth:</b><br />
Ich finde die neue Regelung gar nicht schlecht, jedoch muss ich bemängeln,<br />
dass durch den Verlust von LK und GK das Bildungsniveau nicht besser wird,<br />
sondern dass die Guten gut bleiben und die Schlechten schlecht bleiben.<br />
Wie sehen Sie das?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Das glaube ich nicht. Vielmehr werden für alle die fachlichen Grundlagen<br />
gestärkt. Die Auswertung der neuen Oberstufe zeigt, dass es keine<br />
schlechteren Noten im ersten Halbjahr im Landesschnitt gibt. Die Guten<br />
können auch den Schwächeren helfen, besser zu werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>LimpNora22:</b><br />
Ich gehe in die 12. Klasse eines Gymnasiums. Wenn ich heute meinen Stundenplan<br />
mit dem von den vorherigen 12ern vergleiche, fällt mir auf, dass<br />
ich im Durchschnitt 5-7 Stunden mehr habe! Dazu habe ich mehrmals die<br />
Woche bis 18 Uhr Unterricht. Wieso gibt es eine solch starke Veränderung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Wenn jemand 5-7 Stunden mehr hat, dann hat das damit zu tun, dass er besonders<br />
viele Angebote gewählt hat. Das ist eine große Chance. Im Schnitt<br />
führt die neue Oberstufe aber zu weniger Stunden als fünf bis<br />
sieben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Unterrichtszeit ist ein heißes Thema: 2 Fragen dazu:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>12er: </b>Das<br />
kann ich leider nur bestätigen mit den vielen Wochenstunden! Ich<br />
habe jeden Mittag Mittagsschule und insgesamt 35 Stunden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>solo:</b><br />
Finden sie nicht , damit kommen zu viele Stunden zusammen? Schließlich<br />
muss man noch lernen und bekommt HA&#8217;s (die meisten in unserer Klasse haben<br />
dann 40 Schulstunden).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Ein Jugendlicher im gleichen Alter, der in einer beruflichen Schule ist,<br />
hat zeitlich eine sehr viel höhere Belastung. Die Auswertung der<br />
neuen Oberstufe hat gezeigt, dass die meisten Schüler 32 Stunden<br />
haben. Nur 12,6 % der Schüler haben 34 Stunden, 6,8% haben 35 Stunden,<br />
3,8 % der Schüler haben 36, 37 oder mehr Stunden. Ich finde also,<br />
dass die große Mehrheit der Schüler zeitlich eher weniger belastet<br />
ist, als diejenigen in der beruflichen Schule.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>henry: </b>Sie<br />
können den Anspruch einer beruflichen Schule nicht mit dem Gymnasium<br />
vergleichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Umgekehrt kann ein Gymnasiast in der 12. Klasse aber auch nicht erwarten,<br />
deutlich weniger belastet zu sein. Das Abitur ist ein hoher Anspruch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>heizer:</b><br />
In der beruflichen Schule haben die Schüler aber mehr Praxisstunden<br />
und nicht, wie auf dem Gymnasium, nur trockene Theorie!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Das wäre schade, wenn im Gymnasium nur trockene Theorie vermittelt<br />
würde. Der Seminarkurs ist ein gutes Beispiel für neue Arbeitsformen<br />
und praxisbezogenes Lernen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch eine Fragen zu Unterrichtszeit und Freizeit:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Valley:</b><br />
Ich persönliche habe 36 Wochenstunden, o.k., vier gehen für<br />
Sonderkurse drauf, jedoch füllen diese nur Hohlstunden. Jedoch gibt<br />
es jeden Tag Hausaufgaben und fast wöchentlich Klausuren. Freizeit<br />
bleibt da keine. Braucht ein junger Mensch überhaupt Freizeit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:<br />
</b>Selbstverständlich braucht ein junger Mensch Freizeit. Dafür<br />
sorgen zum Beispiel die regelmäßigen Ferien.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tobias2:</b><br />
Außerdem wird Bildung nicht nur in der Schule vermittelt. Von uns<br />
Schülern wird heute immer mehr &#8216;social skills’ verlangt, dazu<br />
sollte auch außerschulisches Engagement beitragen können, für<br />
das häufig keine Zeit bleibt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Es kann durchaus Zeiten in der Schule geben, in denen die Schule die erste<br />
Priorität ist. Aber es ist doch wirklich so, dass mindestens 14 Wochen<br />
Ferien viele Möglichkeiten für außerschulisches Engagement<br />
und übrigens auch für Jobs geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch andere Sorgen beschäftigen unsere sehr zahlreichen Chatterinnen<br />
und Chatter:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>arbeitslos:</b><br />
Wieso sind in meiner Schule noch keine Bücher für den neuen<br />
Lehrplan verfügbar? Wir bekommen 1000 Blätter oder müssen<br />
die Bücher aus eigener Tasche bezahlen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Auch die bisherigen Schulbücher sind durchaus geeignet für den<br />
neuen Lehrplan.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Thema Noten:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lechpre:</b><br />
Die Statistik hinkt. Wenn behauptet wird, dass die Noten nicht schlechter<br />
geworden sind, steht nicht dabei, dass die Schüler mit einem wesentlich<br />
größeren Arbeitspensum die Noten zwar halten, aber trotz mehr<br />
Arbeit keine besseren Noten erzielen. Das ist frustrierend. Deshalb finde<br />
ich es unfair, solche Vergleiche heranzuziehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Der Vorwurf war doch aber, die Noten würden gravierend schlechter.<br />
Ich gebe zu, dass z.B. durch mehr Naturwissenschaften ein höheres<br />
Arbeitspensum entsteht. Dafür ist es aber eine gute Vorbereitung<br />
auf das Studium.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sebastian2701:</b><br />
Sie behaupten, eine Verschlechterung des Landesschnitts wäre nicht<br />
schlimm, da nur Landesschnitte bei der ZVS verglichen werden. Viele Unis<br />
haben aber bei der Studienzulassung lokale NCs und da werde ich als BWler<br />
mit einem z.B. niedersächsischen Gesamtschüler verglichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Die Kultusministerkonferenz hat gerade beschlossen, dass die Studienplätze<br />
künftig im wesentlichen durch Hochschuleingangsprüfungen vergeben<br />
werden. Da haben die Baden-Württemberger einen klaren Vorteil. Denn<br />
dadurch wird der lokale NC ersetzt und andere Kriterien, auf die unsere<br />
Schüler besonders vorbereitet sind, kommen zum Tragen, z.B. die Prüfung<br />
der fachlichen Grundbildung in den Kernfächern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Smooth:</b><br />
Wieso werden eigentlich solche Reformen nicht in Bundesländern durchgeführt,<br />
die in der Pisa-Studie schlecht abgeschnitten haben? Warum wird ein bildungsstärkeres<br />
Land eher reformiert wie ein anderes? Wird hier die Kluft zwischen den<br />
einzelnen Ländern unüberbrückbar groß?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:<br />
</b>Mir wäre auch lieber gewesen, alle Länder hätten<br />
eine solche Reform durchgeführt. Manche Länder tun das jetzt<br />
auch. Aber es gilt auch, dass wir im internationalen Vergleich besser<br />
werden müssen. Das ist z.B. wichtig, wenn man sich um ein Studium<br />
im Ausland bewirbt. Nicht jedes Abitur in Deutschland wird im Ausland<br />
anerkannt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>murkser: </b>Warum<br />
wurde die Notenskala in Mathe und Physik verschärft?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:<br />
</b>Das ist keine spezifische baden-württembergische Regelung,<br />
sondern hängt zusammen mit einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz<br />
(KMK) für alle Länder.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>annabell:</b><br />
Zur neuen Oberstufe: Warum ist es nicht möglich, den Seminarkurs<br />
im Abschnitt mit anzurechnen? Es steckt immerhin sehr viel Zeit und Arbeit<br />
drin.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:<br />
</b>Das Gesamtergebnis aus allen Kursen, auch aus dem Seminarkurs,<br />
geht in die Abiturbewertung ein, wenn die Schüler es wollen. Sogar<br />
mit vierfacher Berechnung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>LimpNora22:</b><br />
Wozu ist diese Reform denn nötig? Sollten Sie nicht lieber mal unsere<br />
Haupt- und Realschulen reformieren, die durch solche Studien eher heruntergezogen<br />
werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Die Haupt- und Realschulen haben die internationalen Studien nicht heruntergezogen.<br />
Es hat sich sogar gezeigt, dass 30% der Realschüler auf Gymnasialniveau<br />
sind. Im Übrigen gibt es aber auch Reformen an den Haupt- und Realschulen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>marc: </b>Es<br />
heißt immer, dass nach euren landesweiten Erhebungen die Notenschnitte<br />
sich nicht verschlechtert haben, das mag schon sein, allerdings haben<br />
sie sich bei uns an der Schule sehr wohl verschlechtert (Schnitt der ersten<br />
beiden Matheklausuren: 4,8 Punkte).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Die Reform war nötig, um zu einer besseren fachlichen Grundbildung<br />
für alle zu kommen, zu einer Stärkung der Naturwissenschaften<br />
und zur Einführung neuer Arbeitsformen und zur Wegnahme überflüssiger<br />
Spezialisierungen. In die Statistik sind alle Gymnasien und 20.000 Schüle<br />
rund Schülerinnen mit einbezogen worden. Natürlich schließt<br />
das nicht aus, dass im ein oder anderen Fall auch schlechtere Ergebnisse<br />
erreicht wurden. Das war in der bisherigen Oberstufe genauso. Im Übrigen<br />
gibt es auch Fächer, in denen im Durchschnitt bessere Ergebnisse<br />
erzielt werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sarah:</b><br />
Sollte Sport nicht ein Wahlfach werden? Oder zumindest nicht benotet werden?<br />
Gerade unsportliche Schüler fühlen sich durch die harte Notengebung<br />
zusätzlich gegängelt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Die Sportverbände legen großen Wert darauf, dass alle Schüler<br />
Sportunterricht haben, weil sich Kinder und Jugendliche in Deutschland<br />
immer weniger bewegen und das gesundheitliche Konsequenzen hat. Im Übrigen<br />
muss die Note in Sport nicht angerechnet werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Weiteres Thema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>DarkBlue:</b><br />
Warum werden nicht wie in Finnland mehr Lehrer eingestellt, um die Klassen<br />
klein zu halten? Dadurch wäre der Unterricht doch viel intensiver.<br />
Vielleicht wäre dann eine solche extreme Reform nicht nötig<br />
gewesen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
In Finnland sind die Klassengrößen ab Klasse 9 eher höher<br />
als in der gymnasialen Oberstufe. Die Statistik zeigt: 34% der Kurse umfassen<br />
17-20 Schüler, 24% 21-24, 21% 13-16, 13% 9-12, 7% der Kurse umfassen<br />
8 und weniger und nur 1% der Kurse mehr als 25 Schüler. Ich finde<br />
nicht, dass das große Kurse sind. Im Übrigen ist Baden-Württemberg<br />
das Land mit den meisten Lehrereinstellungen in Deutschland und den höchsten<br />
Bildungsausgaben im Landeshaushalt. Über 41 % werden nur für<br />
Bildung, Wissenschaft und Forschung ausgegeben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Benni:</b><br />
In Mathematik ist inzwischen auch der Einsatz eines neuen Graphiktaschenrechners<br />
erlaubt. Meinen Sie nicht, dass die Schüler davon zu technikabhängig<br />
werden? An meiner Universität ist bei Klausuren teilweise gar kein<br />
Taschenrechner gestattet!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Der Grafiktaschenrechner bietet neue Chancen, sich auf interessante mathematische<br />
Fragen zu konzentrieren, deshalb sagen uns die Fachleute, dass das für<br />
einen modernen Mathematik-Unterricht eine wichtige Hilfestellung ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sarah:</b><br />
Warum sind Sie so begeistert von der neuen Oberstufe, wo doch Schüler,<br />
Lehrer, Eltern, Schulleitung und GEW das Gegenteil behaupten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Das stimmt ja gar nicht. Die GEW ist dagegen. Sie ist fast gegen jede<br />
Reform. Aber im Übrigen gibt es viele, die diese Reform gewollt haben<br />
und sie auch richtig finden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>abischreck:</b><br />
Warum hält Baden-Württemberg mit Bayern als einziges Bundesland<br />
am Zentralabitur fest? Was sind die Vorteile was die Nachteile?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Die Pisa-Studie hat gezeigt, dass es in der Schule die Gefahr zu sehr<br />
unterschiedlichen Leistungsbewertungen bei gleichen Leistungen gibt. Das<br />
ist ungerecht. Dagegen helfen zentrale Klassenarbeiten und zentrale Abschlussprüfungen.<br />
Das Zentralabitur gibt es übrigens auch im Saarland, Thüringen<br />
und Sachsen. Andere Länder haben erkannt, dass das Zentralabitur<br />
besser ist und stellen jetzt um, z.B. Niedersachsen, Bremen, Hamburg und<br />
Berlin.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Zwei Fragen zur Beteiligung der Schüler an der Reform:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>HollerBe:</b><br />
Die Schüler haben diese Reform nicht gewollt. Wieso fragt die keiner?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lender:</b><br />
An unserer Schule wurden die Schüler nur schlecht bis gar nicht informiert<br />
über das neue System. Die Eltern hingegen mussten sich an mehreren<br />
Elternabenden alles anhören und verstanden nur wenig. Wäre es<br />
nicht sinnvoller die Schüler besser zu informieren? Zum Beispiel<br />
mit einem etwas ausführlicheren Leitfaden, der auch verständlich<br />
geschrieben ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:<br />
</b>Der Landesschülerbeirat als die Vertretung der Schüler<br />
war beteiligt. Er hat einigen Punkten zugestimmt, anderen nicht. Es ist<br />
aber sicher gewagt, zu sagen, dass alle Schüler die Reform nicht<br />
gewollt haben. Es ist schade, wenn an Ihrer Schule schlecht informiert<br />
wurde, denn die Reform ist über mehrere Jahre mit den Schulen gemeinsam<br />
vorbereitet worden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>per-aspera-ad-Abi:</b><br />
Wenn so viele für die Reform sind, wieso hat dann Reform so einen<br />
großen Zulauf und Schüler, Eltern und Lehrer schließen<br />
sich zusammen, um etwas dagegen zu unternehmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
Als in den 70er Jahren das Kurssystem eingeführt wurde, haben auch<br />
sehr viele dagegen protestiert. Am Anfang sind manche verunsichert, das<br />
kann ich gut verstehen, aber ich bin ganz sicher, dass die Vorzüge<br />
der neuen Oberstufe sich bald herumsprechen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wir kommen leider zur letzten Frage, trotz der vielen Fragen<br />
(vielen Dank):</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Swen Hekers:</b><br />
Was halten Sie vom finnischen Helfersystem, in dem schwächere Schüler<br />
von zusätzlichen Lehrkräften parallel zum Unterrichtsgeschehen<br />
begleitet werden? Wäre das nicht auch in BW denkbar?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Annette Schavan:</b><br />
In Finnland sind die Personalkosten für Lehrer sehr viel geringer<br />
als in Deutschland. Deshalb kann mit einem Anteil der Bildungsausgaben<br />
von 13% des Landes dennoch ein Helfersystem eingerichtet werden, das aber<br />
im Wesentlichen von den Kommunen bezahlt wird. Unsere Personalkosten lassen<br />
das leider nicht zu.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei.<br />
Herzlichen Dank Frau Schavan, dass Sie am Chat teilgenommen haben und<br />
vielen Dank an alle UserInnen für Ihr großes Interesse. Wir<br />
konnten leider nicht alle Fragen weiterleiten. &#8211; es waren sehr viele &#8211;<br />
danke. Ich hoffe, Ihnen allen hat der Chat Spaß gemacht. Das Transkript<br />
des Chats finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter www.kultusministerium.baden-wuerttemberg.de<br />
und politik-digital.de. Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf<br />
den Internetseiten des Kultusministeriums http://www.kultusministerium.baden-wuerttemberg.de/.<br />
Auf Wiedersehen und bis zum nächsten Mal.</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/die-auswertung-der-neuen-oberstufe-zeigt-dass-es-keine-schlechteren-noten-im-ersten-halbjahr-im-landesschnit-316/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Es ist kein völkerrechtswidriger Angriffskrieg.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/es-ist-kein-voelkerrechtswidriger-angriffskrieg-318/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Mar 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Friedbert Pflüger]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/fpflueger2.jpg" alt="Friedbert Pfüger" align="left" height="96" width="70" />Friedbert 
Pflüger, außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU, am 19. März 
2003 </b><b>zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und 
politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/fpflueger2.jpg" alt="Friedbert Pfüger" align="left" height="96" width="70" />Friedbert<br />
Pflüger, außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU, am 19. März<br />
2003 </b><b>zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de.</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Herzlich<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de.<br />
Heute ist Friedbert Pflüger, außenpolitischer Sprecher der<br />
CDU/CSU-Fraktion, ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Dieser Chat steht<br />
im Zeichen des drohenden Waffengangs im Irak.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herr Pflüger, Sie haben gesagt, dass Länder wie Deutschland<br />
und Frankreich verpasst haben, dem Irak klare Ultimaten zu setzen. Hätte<br />
das etwas am amerikanischen Vorgehen geändert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Jawohl! Ja, das hätte das amerikanische Vorgehen<br />
ändern können. Wenn sich Deutschland und Frankreich vor drei<br />
Wochen auf den kanadischen Kompromissvorschlag eingelassen hätten,<br />
der ein vierwöchiges Ultimatum vorsah, hätte es eine echte Chance<br />
gegeben. Die Uneinigkeit hat dagegen Saddam signalisiert, dass er weiter<br />
tricksen und täuschen kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Nina_K:</b><br />
Wie lässt sich der Irakkrieg völkerrechtlich vereinbaren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Statt Memoranden gegen Amerika zu verfassen, hätten<br />
wir die Amerikaner gemeinsam für die friedliche Entwaffnung gewinnen<br />
können. Die Völkerrechtler sind gespalten. Für mich ist<br />
eindeutig, dass ein militärisches Vorgehen kein Bruch des Völkerrechts<br />
bedeutet. Es hat 1991 einen Waffenstillstand mit dem Irak gegeben unter<br />
der Bedingung, dass er Auflagen von UN-Resolutionen zur Abrüstung<br />
befolgt. Er hat dies nicht getan, weshalb die Voraussetzung für den<br />
Waffenstillstand weggefallen sind. Ich teile die Auffassung der Bundsregierung,<br />
dass eine weitere UN-Resolution wünschenswert, aber völkerrechtlich<br />
nicht notwendig gewesen wäre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Simona:</b><br />
Herr Pflüger, zeigt nicht die gesamte Politik der amerikanischen<br />
Administration, welche Interessen sie in Wirklichkeit verfolgen, nach<br />
Weltherrschaft und Hegemonialmacht? Meint etwa Herr Bush, er dürfe<br />
sich am Völkerrecht vorbeibomben? Und über die Menschen, die<br />
im Irak sterben werden, spricht niemand.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Es geht den Amerikanern bei dem wahrscheinlichen<br />
Militärschlag nicht um Öl und Macht. Was sie treibt ist die<br />
Sorge vor einer Wiederholung des 11. September, diesmal mit Massenvernichtungswaffen.<br />
Was ihre Frage zum Völkerrecht angeht, so verweise ich auf meine<br />
vorherige Antwort. Und schließlich: keiner von uns macht es sich<br />
leicht. Wir hätten eine friedliche Entwaffnung vorgezogen. Aber es<br />
ist auch notwendig, über die Hunderttausende von Opfern zu reden,<br />
die Saddam bisher auf dem Gewissen hat. Würde man nichts tun, würden<br />
Unzählige dazukommen. Man macht sich schuldig mit einem Militärschlag,<br />
keine Frage, aber macht man sich nicht vielleicht noch schuldiger, wenn<br />
man den Aggressor und Massenmörder weitermachen lässt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>H.A.W.: </b>Ging<br />
es den USA wirklich um eine &quot;friedliche Entwaffnung&quot; des Irak?<br />
Ist dies nicht nur ein Vorwand um den schon länger angestrebten &quot;regime<br />
change&quot; legitimieren und eine &quot;Neuordnung&quot; des Nahen Ostens<br />
beginnen zu können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Was ist an der Neuordnung des Nahens Ostens so<br />
schlecht? Viele korrupte Diktatoren, nirgendwo eine Demokratie. Haben<br />
nicht gerade die jungen Leute in der Region auch ein Recht auf grundlegende<br />
Menschenrechte? Die vollständige friedliche Entwaffnung des Irak<br />
war das Ziel der Resolution 1441 der UN. Ihre Umsetzung hätte bedeutet,<br />
dass Saddam in die Knie gezwungen wäre &#8211; ein de facto regime change.<br />
Wenn wir klug gewesen wären, hätten wir die Amerikaner nicht<br />
an den Pranger gestellt, sondern sie für den militärischen Druck<br />
gelobt. Wäre es nicht der größte Sieg gewesen, die Entwaffnung<br />
durchzusetzen, ohne ein einziges Menschenleben zu riskieren? Einer meiner<br />
Vorwürfe an die Bundesregierung ist, dass man den USA jede Möglichkeit<br />
verbaut hat, bei einer friedlichen Lösung das Gesicht zu wahren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ThomasStgt:</b><br />
Ist Bush für Sie allen Ernstes noch glaubwürdig, wenn er erst<br />
sagt, wir geben Saddam und Söhnen 48 Stunden Zeit den Irak zu verlassen?<br />
Dann fände ein Militärschlag nicht statt. Stunden später<br />
sagt Bush, der Angriff findet auch dann statt, wenn Bush ins Exil geht.<br />
Beweist das nicht, dass Bush es nun wirklich auf einen Militärschlag<br />
anlegt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger: </b>Ich finde wahrlich nicht alles schlüssig,<br />
was in Washington geäußert worden ist. Das Ultimatum hatte,<br />
glaube ich, vor allem das Ziel, die Ernsthaftigkeit eines bevorstehenden<br />
Militärschlages zu verdeutlichen. Würde Saddam in den nächsten<br />
Stunden das Land freiwillig oder unfreiwillig verlassen, sähe ein<br />
militärisches Eingreifen jedenfalls anders aus.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedenstaube:</b><br />
Müsste man also jetzt den ganzen Nahen Osten besetzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Nein, natürlich nicht. Aber wir müssen<br />
endlich begreifen, dass der Nahe Osten aus Menschen besteht, die wie wir<br />
einen Anspruch auf Demokratie und Wohlstand haben. Der persische Golf<br />
ist mehr als unsere Tankstelle. Und ich finde es gut, wenn wir gerade<br />
den jungen Leuten eine andere Perspektive eröffnen als den islamistischen<br />
Extremismus. Viele finden die amerikanische Vision eines freiheitlichen<br />
Nahen Osten naiv, aber viel fanden es auch naiv, als Reagan vor dem Brandenburger<br />
Tor ausrief: Mr. President, tear down this wall. Die Menschenrechte im<br />
Nahen Osten, das geht nicht von heute auf morgen, aber auf das Ziel haben<br />
die Menschen ein Anrecht. Ich hoffe nur, dass die Amerikaner es auch ernst<br />
meinen damit: wir Europäer sollten sie beim Wort nehmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Galinha:</b><br />
Aber gibt dieser Krieg den fundamentalistischen Kräften in der Region<br />
nicht neues Feuer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Dieses Risiko sehe ich auch. Man kann es aber genau<br />
umgekehrt betrachten: Würde man Saddam weiter tricksen und täuschen<br />
lassen, auch dann könnten sich die Fundamentalisten ermutigt fühlen.<br />
Es gibt ernorme Risiken, aber auch z. B. die Chance, dass die Beseitigung<br />
der Diktatur im Irak eine friedliche Beilegung des Nah-Ost Konflikts erhöht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Landmine:</b><br />
Aber Neuordnung durch Gewalt bringt nichts, siehe Serbien, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Der militärische Einsatz auf dem Balkan hat<br />
nicht den stabilen Frieden gebracht, aber doch die schrecklichsten Auswüchse<br />
und Menschenrechtsverletzungen beseitigt. Der Krieg gegen Milosevic, der<br />
übrigens ohne UN Mandat erfolgte, war notwendig. Und es gibt viele<br />
Stimmen, die sagen, dass ein Eingreifen der USA und der NATO zu einem<br />
früheren Zeitpunkt auf dem Balkan unzählige Tote erspart hätte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herr Pflüger erwähnte die Verantwortung der Europäer. Dazu<br />
gibt es auch viele Fragen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Valentin:</b><br />
Sehr geehrter Herr Pflüger, meinen Sie nicht auch, dass es langsam<br />
an der Zeit ist für die CDU, zu erkennen, dass Europa den Amerikanern<br />
gemeinsam entgegentreten muss, um zu verhindern, dass diese illegale Art<br />
der Kriegsführung unterbunden werden kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Ich bin sehr für eine gemeinsame Haltung der<br />
Europäer. Aber gerade die gibt es heute weniger denn je und unser<br />
Bundeskanzler trägt mit seinen Vorfestlegungen im Wahlkampf daran<br />
eine große Mitschuld. Der Militärschlag gegen den Irak ist<br />
&#8211; siehe oben &#8211; nicht illegal, aber ich gebe Ihnen recht: Europa muss stärker<br />
werden, mit einer Stimme sprechen. Dann wird es auch in Amerika ernst<br />
genommen. Wir sollten weniger die Stärke Amerikas kritisieren als<br />
die Schwäche Europas.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>virus2:</b><br />
Man kann nur hoffen, dass Amerika jetzt umgehend seine angestrebte Leitfunktion<br />
für die Welt nachhaltig verliert. Wenn jede andere Nation mit der<br />
gleichen Berechtigung die neu geschaffenen Regeln übernimmt, gibt<br />
es nur noch Mord- und Totschlag in der Welt. Was halten Sie von dieser<br />
These ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Wollen Sie eine ehrliche Antwort? Ich halte das<br />
für abwegig! Ohne die Amerikaner gäbe es fast überall auf<br />
der Welt viel mehr Konflikte, Krisen und Kriege. Es ist unsinnig, die<br />
USA für die Probleme im Nahen Osten verantwortlich zu machen. Auch<br />
im Pazifik und in Europa könnte doch Völkerrecht ohne amerikanische<br />
Präsenz gar nicht durchgesetzt werden. Wer hat denn Völkerrecht<br />
auf dem Balkan durchgesetzt und das Massenmorden beendet? Europa war zu<br />
schwach dazu. Sowohl Israelis wie Palästinenser erhoffen sich eine<br />
stärkere amerikanische Rolle! Alle Welt lobt die Inspektoren im Irak.<br />
Ohne die Amerikaner wären sie nie ins Land gekommen. Leider kommen<br />
wir in dem Punkt nicht zusammen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>m.günnel:</b><br />
In ihren Augen ist ein Angriff auf den Irak ja mit dem Völkerrecht<br />
zu vereinbaren. Nur ist es für Sie auch legitim, dass ein Mitglied<br />
der Staatengemeinschaft alleine entscheidet? Wer hat in ihren Augen das<br />
Recht über Krieg und Frieden zu entscheiden? Der Stärkste, die<br />
USA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger: </b>Zunächst einmal: Amerika ist schon in einer<br />
Sondersituation nach dem 11. September. Es fühlt sich in seiner Sicherheit<br />
bedroht. Gerade weil Saddam immer wieder mit Terrorangriffen auf die USA<br />
gedroht hat. Die Resolution 1441 hat darüber hinaus dem Irak ernste<br />
Konsequenzen angedroht für den Fall, dass er nicht vollständig<br />
abrüstet. 1441 sah bewusst eine weitere Resolution nicht als zwingend<br />
erforderlich an, sondern lediglich eine weitere &quot;Befassung&quot;<br />
des Sicherheitsrates. Wäre der Krieg völkerrechtswidrig, dann<br />
müsste Herr Schröder sofort den USA die Überflugrechte<br />
entziehen und dürfte amerikanische Kasernen nicht durch Bundeswehrsoldaten<br />
bewachen. Die Bundesregierung selbst weiß genau, warum sie nicht<br />
von einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg spricht, und wo der<br />
Kanzler Recht hat, hat er Recht. Das kommt etwas selten vor in letzter<br />
Zeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Bleiben wir noch kurz in der Außenpolitik und gehen gleich in die<br />
Innenpolitik.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedenstaube:<br />
</b>Wird als nächstes Ziel der Achse des Bösen Nord-Korea<br />
von den Amerikanern angegriffen oder hat es dieser Staat durch die Entwicklung<br />
einer Atombombe geschafft, den Amerikanern zu widerstehen? Was für<br />
ein Vorbild für andere Staaten! Auf zum Wettrüsten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> In der Tat: Das Beispiel Nordkorea zeigt, dass<br />
die Weltgemeinschaft handeln muss, bevor eine grausame Diktatur Massenvernichtungswaffen<br />
hat. Gerade das Beispiel Nordkorea zeigt, wie wichtig es ist, den Irak<br />
jetzt zu entwaffnen. Nordkorea anzugreifen ist angesichts der Bewaffnung<br />
Nordkoreas heute so gut wie unmöglich. Und lernen wir nicht aus unserer<br />
eigenen deutschen Geschichte, wie gut es gewesen wäre, rechtzeitig<br />
zu handeln? Wäre man 1936 oder 1937 Hitler bei seinen ersten Völkerrechtsbrüchen<br />
entgegengetreten – wie viele Menschenleben hätten gerettet<br />
werden können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lucia:</b><br />
Herr Pflüger machen Sie sich doch nicht lächerlich, jeder seriös<br />
informierte Mensch weiß, dass Saddam nichts mit der Terrorwelle<br />
Al Kaida zu tun hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Zunächst einmal ist das eine unbewiesene Behauptung:<br />
Wir haben weder für das eine noch das andere einen Beweis. Dass Saddam<br />
und Al Kaida unterschiedliche ideologische Konzepte verfolgen, ist klar.<br />
Aber sie haben den gleichen Feind: Die westliche Zivilisation, und an<br />
der Spitze die USA. Saddam hat gerade in einer öffentlichen Zeremonie<br />
die Familien von Selbstmordattentätern palästinensischer Terroristen<br />
geehrt und beschenkt. Die Gefahr, dass seine Massenvernichtungswaffen<br />
in die Hände von Al Kaida Terroristen kommen, ist groß. Die<br />
Verbindung von Terrorismus und Massenvernichtungswaffen ist die zentrale<br />
Bedrohung von Frieden und Sicherheit bei uns. Das wird leider total unterschätzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dennis Beckers:</b><br />
Sehen Sie eine reelle Gefahr für Israel, wenn es zu einem Militärschlag<br />
gegen den Irak kommt? Oder denken Sie, dass der Irak zu einem Gegenschlag<br />
überhaupt nicht in der Lage sein wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Das ist eine große Gefahr für Israel<br />
und entsprechend reagieren die Israelis. Es ist gut, dass die Bundesregierung<br />
Israel Patriot-Abwehrsysteme geliefert hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Galinha:</b><br />
Warum geht Angela Merkel auf Schmusekurs nach Washington und widersetzt<br />
sich damit der Meinung der Bundesregierung und dem Großteil der<br />
Bevölkerung? Politischer Opportunismus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Wenn politischer Opportunismus die Motivation von<br />
Frau Merkel wäre, würde sie sich sofort in die sogenannte Friedensbewegung<br />
einreihen. Das ist doch zur Zeit so wahnsinnig populär. Sie hat dagegen<br />
den Mut, gegen öffentliche Stimmung die Grundsätze deutscher<br />
Außenpolitik der letzten 50 Jahre zu bewahren. Ich bin mit ihr in<br />
Washington gewesen, und habe von Schmusekurs nichts gemerkt &#8211; es sei denn,<br />
sie empfinden es bereits als Schmusen, wenn man miteinander redet. Finden<br />
Sie es gut, dass der Bundeskanzler in den letzten 6 Monaten gerade einmal<br />
ein 10-minütiges Telefonat mit George Bush geführt hat? Ist<br />
es gut, dass Angie diese Sprachlosigkeit überwunden hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Henne: </b>Herr<br />
Pflüger, sehr eindeutig ist der außenpolitische Kurs ihrer<br />
Partei auch nicht, oder??</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Ich finde unseren Kurs völlig eindeutig. Die<br />
vorherige Frage beweist es doch. Wir habe gestern bei nur 3 Gegenstimmen<br />
in einer fast 250 Abgeordnete umfassenden Fraktion das Ultimatum des amerikanischen<br />
Präsidenten unterstützt. Angesichts des derzeitigen Meinungsklimas<br />
finde ich das ein beeindruckendes Votum der Einigkeit und Entschlossenheit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Cruiser:</b><br />
Schröder will die Einsätze der AWACS Soldaten aus Deutschland<br />
vor dem Beginn eines Irak-Krieges vom Parlament nicht absegnen zu lassen.<br />
Wozu sollte er denn das tun?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Weil das die Verfassung so vorsieht und das Verfassungsgericht<br />
dies für den Fall eines Irakkriegs ausdrücklich vorschreibt.<br />
Mit dem Parlamentsvorbehalt sollte man nicht spielen, unsere Soldaten<br />
haben Anspruch auf eine saubere rechtliche Grundlage, wenn wir sie in<br />
Einsätze schicken. Sie sollten fragen, warum Herr Schröder nicht<br />
ins Parlament gehen will. Weil er keine eigene Mehrheit in seiner Koalition<br />
hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Aber lassen Sie in Bezug auf den AWACS-Einsatz nicht offen, ob<br />
Sie zustimmen wollen oder nicht? Wird es eine parlamentarische Abstimmung<br />
geben? Wie ist die Meinung in der Union?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Wir stimmen zu, wir erwarten vom Kanzler, dass<br />
er die Verfassung einhält, wir haben morgen Mittag eine Unterrichtung<br />
durch die Bundesregierung zu diesem Thema, der wir mit Interesse entgegensehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dancer: </b>Die<br />
CDU möchte also den Krieg mit ALLEN Konsequenzen?!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger: </b>Wir wollen die Entwaffnung des Irak, wie es der<br />
Weltsicherheitsrat in der Resolution 1441 einstimmig beschlossen hat.<br />
Wir hätten eine friedliche Entwaffnung vorgezogen. Sie ist an Saddam<br />
und der Uneinigkeit der Staatengemeinschaft gescheitert. Wir unterstützen<br />
das Ultimatum von George Bush mit seinen Konsequenzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>m.günnel:</b><br />
Wer entscheidet den nun in ihren Augen über die völkerrechtliche<br />
Konformität von gewaltsamen Auseinandersetzungen? Bitte keine ausweichende<br />
Antwort!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Finden Sie, dass ich bisher ausweichend war? Ich<br />
finde, dass ich ziemlich klar sage, was ich denke. Es gibt unterschiedliche<br />
Auffassungen über das Völkerrecht, und ich wiederhole: Ich teile<br />
in dieser Frage die Auffassung der Bundesregierung, die nicht davon ausgeht,<br />
dass es sich bei dem möglichen Militärschlag der Amerikaner<br />
und einer Reihe von Verbündeten, um einen völkerrechtswidrigen<br />
Angriffskrieg handelt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ThomasStgt:<br />
</b>Finden Sie es gut, dass wir zum alten Europa gehören, nur<br />
weil wir nein gesagt haben? Das Handeln Bushs, entweder du bist mein Freund<br />
( immer ja sagen) oder Feind , ist doch auch nicht richtig oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger: </b>Bei den Gesprächen, die Frau Merkel und ich<br />
in Washington geführt haben, hat kein einziger Gesprächspartner<br />
Gefolgschaft oder gar Vasallentreue eingefordert. Im Gegenteil: Selbst<br />
Politiker wie Cheney oder Rumsfeld haben klar gesagt, dass Meinungsunterschiede<br />
in einem Bündnis freier Länder zur Normalität gehören.<br />
Die Frage ist nur, wie man sie austrägt. Ob man im Bündnis darüber<br />
spricht, oder ob man die Amerikaner von Marktplätzen beschimpft.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Antikapitalist:<br />
</b>Der Einsatz von Bundeswehrsoldaten an Bord von AWACS-Flugzeugen<br />
verstößt gegen Art. 26 des Grundgesetzes, denn der Irak bedroht<br />
die Türkei nicht. Es handelt sich beim Krieg der USA und Großbritanniens<br />
also um einen Angriffskrieg. Für die Beteiligung oder Vorbereitung<br />
sieht der Art. 26 Freiheitsstrafe nicht unter 10 Jahren vor. Wie ist ihre<br />
Meinung dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedbert<br />
Pflüger:</b> Siehe oben. Es ist kein völkerrechtswidriger<br />
Angriffskrieg. Wäre er es, müsste Herr Schröder sofort<br />
die Überflugrechte entziehen und damit aufhören, amerikanische<br />
Kasernen durch deutsche Soldaten bewachen zu lassen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Liebe Chat-Freunde,<br />
unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei. Unseren Herzlichen Dank,<br />
Herrn Pflüger, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen sind. Vielen<br />
Dank auch an alle UserInnen für Ihr Interesse. Noch ein Terminhinweis:<br />
Nächste Woche kommt der Partei-Chef der Grünen, Reinhard Bütikofer,<br />
zum Chat. Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei sind. Die<br />
Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter<br />
tagesschau.de und politik-digital.de.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ohne Neuverschuldung geht es derzeit nicht.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Mar 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Jochen Dieckmann]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunalfinanzen]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/jdieckmann.jpg" alt="Jochen Dieckmann" align="left" height="103" width="85" /> 
Jochen Dieckmann, NRW-Finanzminister (SPD), ist am 13. März 2003 
zu Gast im tacheles.02-Live-Chat </b><b>von tagesschau.de und politik-digital.de</b><b>.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/jdieckmann.jpg" alt="Jochen Dieckmann" align="left" height="103" width="85" /><br />
Jochen Dieckmann, NRW-Finanzminister (SPD), ist am 13. März 2003<br />
zu Gast im tacheles.02-Live-Chat </b><b>von tagesschau.de und politik-digital.de</b><b>.</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Herzlich<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de.<br />
Wir haben eine Stunde Zeit, Herr Dieckmann sitzt in Köln und tippt<br />
selber. Kann es losgehen, Herr Dieckmann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:</b><br />
Ja, ich bin soweit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Herr Dieckmann, Sie waren von 1990 bis 1999 Hauptgeschäftsführer<br />
des Deutschen Städtetages und Geschäftsführer des Städtetages<br />
NRW. Sie kennen daher die schwierige Finanzlage der Städte und Gemeinden.<br />
Welchen Ausweg wollen Sie wählen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:</b><br />
Es wird darauf ankommen, die Einnahmen zu verstetigen und zugleich alles<br />
zu tun, um die Entwicklung der Ausgaben weiter &quot;im Griff zu halten&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andi_Hammer:<br />
</b>Ein Teil des Geldes für das Investitionsprogramm der Kommunen<br />
soll aus verbrauchten Flutopfer-Hilfen kommen sowie aus der geplanten<br />
Steuer-Amnestie für Schwarzgeld. Weitere 300 Mio. Euro sollen mit<br />
dem Gesetz zum Abbau von Steuervergünstigungen aufgebracht werden.<br />
Kritische Stimmen zweifeln, ob bei den letztgenannten Maßnahmen<br />
tatsächlich derartige Summen eingenommen werden. Wie sieht ihrer<br />
Einschätzung aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Einnahmen aus der<br />
&quot;Steueramnestie&quot; nicht präzise im Vorhinein ermitteln lassen.<br />
Jeder Euro ist willkommen. Aber man sollte keine überhohen Erwartungen<br />
haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mechtersheimer:</b><br />
Der Kanzler will ja nun angeblich die Kommunen mit billigen Krediten unterstützen.<br />
Wie soll das denn zum Beispiel in Duisburg gehen? Die Stadt ist vollkommen<br />
pleite. Die darf gar keine Kredite mehr aufnehmen. Was soll das bringen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ja. Deshalb reicht ein Kreditprogramm allein nicht aus. Dazu<br />
muss der Verzicht auf die Flutopferhilfe kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wenn Sie keine hohen Erwartungen haben, was schlagen Sie konkret<br />
vor?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Einen Mix: Verstetigung der Gewerbesteuer, Zusammenlegung von<br />
Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe, Steuervergünstigungsabbaugesetz<br />
(auch das hilft ja den Kommunen, weil sie an den Mehreinnahmen beteiligt<br />
sind!!).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Ist die Zusammenlegung in der SPD durchsetzbar?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Das wird zu diskutieren sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mechtersheimer:<br />
</b>Wie viel wird denn der Verzicht auf die Flutopferhilfe bringen.<br />
Ist das nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein &#8211; gerade in Nordrhein-Westfalen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Bundesweit bringt das einen 3stelligen Millionenbetrag, für<br />
NRW erfahrungsgemäss davon etwa 10%. Genaueres weiß man aber<br />
erst Ende Mai, weil bis dahin noch Anträge gestellt werden können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Accountability:<br />
</b>Mehr Geld für die Kommunen &#8211; also, den Kuchen zu vergrößern<br />
&#8211; das ist doch einfach nicht &quot;drin&quot;, maximal eine Rückführung<br />
auf das Einnahmeniveau von 2000. Wie sollen die Kommunen aus Ihrer persönlichen<br />
Sicht unter den gegebenen Rahmenbedingungen noch mehr sparen &#8211; und welche<br />
Rahmenbedingungen würden Sie ändern, damit Kommunen ihre Ausgaben<br />
noch mehr senken können (als bisher)?.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Wenn das Jahr 2000 der Bezugsrahmen wird, ist schon einiges erreicht.<br />
Rahmenbedingungen zu überprüfen, ist eine Aufgabe auf allen<br />
Ebenen. Die Landesregierung NRW hat vorgestern eine Aktion gestartet,<br />
alle Landesgesetze auf den Prüfstand zu stellen. Das kann auch den<br />
Kommunen nutzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Ist das Entbürokratisierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Auch. Im Kern ist das eine Aufgabenkritik. Wir müssen uns<br />
die Frage stellen, welche Aufgaben Staat und Kommunen in Zukunft unbedingt<br />
weiter erfüllen müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Welche stehen zur Diskussion?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Der Finanzminister hat da keine Vorgaben zu machen. Ich lade<br />
alle ein, ihrerseits Vorschläge zu machen. Man wird dann schnell<br />
sehen, wie schwer das ist. Es ist leichter, den Status quo zu verteidigen<br />
als an Einschnitte heranzugehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Nachfrage zu ihrer Rechnung von eben:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>z-werner:<br />
</b>Ein dreistelliger Millionenbetrag und davon zehn Prozent &#8211; das<br />
macht bestenfalls 99 Millionen Euro. Wie viel Schulden haben die Ruhrpott-Städte?<br />
Das bringt doch keinen Spielraum.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ich bin ja Realo. Man kann auch keine Wunder erwarten. Es kommt<br />
darauf an, jede Chance zu nutzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rg90: </b>Die<br />
kommunalen Steuereinnahmen brechen ein (2001 &#8211; 5,4 %, 2002 &#8211; 4,1 %). Das<br />
ist deutlich mehr als bei Bund (2002 &#8211; 1,6 %) und Ländern (2002 &#8211;<br />
0,2 %). Reichen da die Maßnahmen der Regierung und was planen Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Schwierige Frage. Die Einnahmen in einzelnen Ländern sind<br />
ja auch massiv eingebrochen. NRW musste seine Erwartungen wesentlich stärker<br />
zurückschrauben als 0,2 %. Wir haben für den Landeshaushalt<br />
2003 zweimal 1,4, Mrd. € ausgleichen müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Ist eine Neuverschuldung geplant?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ohne Neuverschuldung geht es derzeit nicht. Wir brauchen sie<br />
schon deshalb, weil nur sparen gleich &quot;kaputt sparen&quot; wäre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Letzte Frage zu dem Thema, danach zur morgigen Rede Schröders:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sfdfdg: </b>Haben<br />
die Kommunen nicht auch einfach über ihre Verhältnisse gelebt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Das mag im Einzelfall so sein. Das Gute an der kommunalen Selbstverwaltung<br />
ist, dass die Wähler und Wählerinnen darauf eine Antwort geben<br />
(können).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Die Erwartungen an die Rede Schröders sind hoch. Einige<br />
Fragen der UserInnen dazu:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>KleinHanna:<br />
</b>Bundeskanzler Gerhard Schröder soll in seiner Regierungserklärung<br />
am Freitag ein 17-Mrd.-Euro-Programm ankündigen. Sollte der Staat<br />
nicht, wie vom BDI gefordert, seinen Konsolidierungskurs fortsetzen, anstatt<br />
sich neu zu verschulden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:</b><br />
Er muss beides tun. Es gibt ja schon Einschnitte. Nur sparen bringt genauso<br />
problematische Ergebnisse wie eine unbedingte Kreditpolitik.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Aber die Gewichtung ist entscheidend. Wie soll er gewichten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Dafür gibt es kein Patentrezept oder eine mathematische<br />
&quot;Formel&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Aber ihre Meinung, die würde uns interessieren? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:</b><br />
Die Obergrenze für eine Kreditpolitik ist das Stabilitätsziel<br />
nach Maastricht. Den Rest muss eine Konsolidierung bringen. Ich erinnere<br />
daran, dass wir auch eine Verstetigung der Einnahmen brauchen. Wer einen<br />
leistungsfähigen Staat mit Lehrern, Justiz, Uni, Straßenbau<br />
und Kulturangeboten will, muss auch bereit sein, Steuern zu zahlen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Das sind die meisten Bürger auch, nur wollen sie nicht mehr<br />
Steuern zahlen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tut: </b>Wie<br />
kann Minister Eichel in einer Konjunkturkrise 48 Steuererhöhungen<br />
vorschlagen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Wir haben die niedrigste Steuerquote seit Jahren und so niedrig<br />
wie kaum ein anderes europäisches Land.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Trienkens:<br />
</b>Wir sind doch auch bereit ,Steuern zu zahlen. Aber die Verhältnismäßigkeit<br />
muss gewahrt werden. Sonst driftet man ab in die Schattenwirtschaft. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Die Steuerquote in USA liegt bei 22,7, in der Schweiz (!) bei<br />
22,6 und bei uns sind es 21,7.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Trienkens:<br />
</b>Warum empfinden die Menschen das ganz anders?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Es ist wohl wie beim Chill-Faktor beim Wetter. Die Politik hat<br />
sicher auch nicht alles getan, um über die Steuerentlastungen aufzuklären.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sonnenschein:<br />
</b>Wirtschaftsvertreter erwarten von der Regierungserklärung<br />
Schröders morgen einen radikalen Kurswechsel. Inwieweit wird Schröder<br />
einer solchen Forderung nachkommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:</b><br />
Da müssen Sie den Bundeskanzler fragen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Ihre Einschätzung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ich glaube nicht, dass es dazu kommt. Die Bereitschaft zu Radikalität<br />
ist in Deutschland nicht sehr entwickelt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sonnenschein:<br />
</b>Was halten Sie vom Vorschlag des IWF, den Stabilitätspakt<br />
zu verletzen, wenn die konjunkturelle Lage so schlecht wie jetzt ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Ist das radikal?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Nein, nicht radikal. Es ist mir zu einfach. Gerade die Deutschen<br />
haben auf dieses Limit hingewirkt. Das macht wenig Sinn, jetzt als erste<br />
dessen Aufhebung zu verlangen. Dieser &quot;Ausweg&quot; ist mir zu billig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Welchen Ausweg sehen Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Wir müssen die schon beschriebene &quot;Mischung&quot; von<br />
Konsolidierung, Kreditpolitik und Einnahmenverstetigung fortsetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Zu den Reformen im Einzelnen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Christian<br />
Legner: </b>Zur geplanten Lockerung des Kündigungsschutzes:<br />
Welche konkreten arbeitsmarktstimulierenden Impulse verspricht sich die<br />
Regierung davon?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Die Bereitschaft, mehr Arbeitnehmer einzustellen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gh***: </b>Aha.<br />
Und warum?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Weil die Arbeitgeber augenscheinlich manchmal zögern, sich<br />
dauerhaft zu binden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dortmund:<br />
</b>Können Personal-Service-Agenturen ihrer Meinung die Arbeitsämter<br />
entlasten? Ich habe von einem Fall gehört, in dem eine verschuldete<br />
Firma verschwunden ist, dann wieder mit der selben Geschäftsidee<br />
auftauchte?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ich bin sicher, dass die Agenturen eine wichtige Bereicherung<br />
sind. Es gibt aber nicht den einen Weg in der Arbeitsmarktpolitik. Andererseits:<br />
Man darf auch von einem schwarzen Schaf nicht auf die Farbe der ganzen<br />
Herde schließen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>S.Solomon:<br />
</b>Führt eine Lockerung des Kündigungsschutzes aber wirklich<br />
zur Bereitschaft mehr Arbeitnehmer einzustellen, wenn die Lohnnebenkosten<br />
dadurch nicht gesenkt werden? Denn an ihnen hängt es doch eigentlich,<br />
oder liege ich da falsch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ich sehe das Problem nicht nur in einer Ursache. Deshalb muss<br />
auch an der Senkung der Nebenkosten gearbeitet werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lordoftherings:<br />
</b>Mal ein ganz anderes Thema: Aus dem Bekanntenkreis höre<br />
ich von mittelständischen Unternehmern ganz ohne Jammerei herbe Kritik<br />
an den Flächentarifverträgen. Das ist für Leute, die fünf,<br />
sechs Menschen in einer schwierigen Branche (Verlag) beschäftigen,<br />
ein echtes Problem. Warum sind SPD und Gewerkschaften hier so unbeweglich?<br />
Das würde meines Erachtens mal wirklich Bewegung in den Arbeitsmarkt<br />
bringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Tarifverträge sind keine Entscheidungen von Parteien.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Aber auch der Länder, wo Berlin letztens ausgestiegen ist.<br />
Wollen Sie dem folgen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Nein. Eine Tarifgemeinschaft ist auch Schutz der Arbeitgeber<br />
&#8211; gegen punktuelle Arbeitskämpfe.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lordoftherings:<br />
</b>Wie sieht es denn mit der Mehrwertsteuererhöhung aus. Die<br />
ist doch nur eine Frage der Zeit, oder? Würden Sie eine Wette dagegen<br />
halten, dass sie nicht kommt &#8211; sagen wir mal bis 2006?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ausschließen kann und sollte man das nicht. Im übrigen:<br />
ich wette nie.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lordoftherings:<br />
</b>Wie viele SPD-Abgeordnete im Landtag in Düsseldorf sind<br />
in der Gewerkschaft? Wenn die SPD hier eindeutig Stellung beziehen würde,<br />
würde sich auch bei den Gewerkschaften in Sachen Flächentarifverträgen<br />
was ändern, oder glauben Sie etwa nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Eine Äußerung einer Partei würde &#8211; zu Recht &#8211;<br />
als Verletzung der Tarifautonomie (Art.9 GG) angesehen. Die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder<br />
kenne ich nicht. Das steht in www.landtag.nrw.de.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tut: </b>Drastische<br />
Steuersenkungen des Bundes scheuen die Länder wegen der Belastung<br />
ihrer Haushalt. Ein Konflikt zwischen Eichel und Ihnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Auch Herr Eichel weiß, dass die Länderhaushalte &quot;am<br />
Limit&quot; sind. Einige schon darüber hinaus.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Die Unionsmehrheit im Bundesrat hat angekündigt, dass so<br />
genannte Steuervergünstigungsabbaugesetz abzulehnen. Wie ist ihre<br />
Position zu dem Gesetz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ich bin grundsätzlich dafür. Wenn es in den Vermittlungsausschuss<br />
geht, wird man über Kompromisse reden müssen. Insgeheim sind<br />
ja auch die CDU-Länder vielfach dafür.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wer genau?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Eingeplant hat die Mehreinnahmen in Höhe von 140 Mio. €<br />
z.B. Hessen. Ich bin gespannt, wie Herr Koch sich verhält.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Zur aktuellen weltpolitischen Lage gibt es Fragen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>financialt**:<br />
</b>Welche Auswirkungen auf die Wirtschaft in NRW wären eigentlich<br />
mit einem Irak-Krieg zu erwarten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Genaues weiß man nicht. Jedenfalls wäre es sehr negativ.<br />
Zusätzlich zu der ohnehin schlechten Lage.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Im Falle eines Irak-Krieges hält jedoch Finanzminister Eichel<br />
ein erneutes Überschreiten der Drei-Prozent-Grenze durch Deutschland<br />
für denkbar. Im Falle eines Krieges werde man sich früher vom<br />
Versuch verabschieden, die drei Prozent einzuhalten. Das Ende des strengen<br />
Konsolidierungskurses?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Eine kriegerische Auseinandersetzung dieser Dimension ist immer<br />
eine Ausnahmesituation. Man darf sie aber nicht fest einplanen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Aber auch nicht nutzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Das ist doch nicht &quot;nutzen&quot;, wenn die Möglichkeiten<br />
durch Konjunktureinbruch geringer werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wie würden Sie gegensteuern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Dafür habe ich (noch) kein Rezept. Auch habe ich die letzte<br />
Hoffnung nicht aufgegeben, dass der Krieg vermieden wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lischen: </b>Was<br />
halten sie vom Irak-Kurs der Bundesregierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Der Kurs findet eine Unterstützung in der Bevölkerung,<br />
die mich beeindruckt und beruhigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pedropan:<br />
</b>Man muss aber inzwischen von so einer kriegerischen Auseinandersetzung<br />
ausgehen. Und als guter Planer haben Sie die Pflicht, worst- case-Szenarien<br />
in der Tasche zu haben. Dieser nähern wir uns gerade. Wie sieht das<br />
worst-case-Szenario aus, Herr Dieckmann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Ich halte es nicht für vertretbar, solche Szenarios, wenn<br />
man sie denn hätte, in der Öffentlichkeit auszubreiten. Das<br />
würde auch unzutreffenderweise den Eindruck erwecken, man hätte<br />
die Folgen eines Krieges &quot;im Griff&quot;. Das Gegenteil ist der Fall.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Nachfrage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Benebiene:<br />
</b>Aber als Mensch mit einer öffentlichen Aufgabe haben Sie<br />
auch die Pflicht, wahrheitsgemäß zu informieren und nicht Politikerspielchen<br />
zu spielen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>So allgemein ist das zutreffend. Politiker haben aber auch die<br />
Pflicht, nicht vordergründig mit Ängsten und Emotionen der Öffentlichkeit<br />
zu spielen.<br />
Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei. Herzlichen<br />
Dank, Herr Dieckmann, dass Sie am Chat teilgenommen haben und vielen Dank<br />
an alle UserInnen für Ihr Interesse. Vielen Dank auch für die<br />
Unterstützung durch unseren Partner in Köln www.europa-digital.de.<br />
Noch ein Terminhinweis: Am Mittwoch, den 19.März, werden wir mit<br />
Friedbert Pflüger, dem außenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion<br />
im Bundestag, sprechen. Der Chat findet wieder zwischen 17:00 und 18:00<br />
Uhr statt. Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei sind. Die<br />
Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter<br />
tagesschau.de und politik-digital.de.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jochen Dieckmann:<br />
</b>Auch ich sage Danke. Auf Wiedersehen! 8-):</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Vielen Dank und Tschüß!</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Es geht den Vereinigten Staaten um eine &#8216;Pax Americana&#8217; im Nahen Osten&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotes_geht_den_vereinigten_staaten_um_eine_039pax_americana039_im_nahen_ostenquot-321/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Mar 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Gernot Erler]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/gerler.gif" alt="Gernot Erler" align="left" height="103" width="87" /> 
Gernot Erler, Fraktionsvize der SPD, am 12. März, 2003 zu Gast im 
tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/gerler.gif" alt="Gernot Erler" align="left" height="103" width="87" /><br />
Gernot Erler, Fraktionsvize der SPD, am 12. März, 2003 zu Gast im<br />
tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Moderator: </b>Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr<br />
Erler. Herzlich willkommen im tacheles.02 Live-Chat. Unser heutiger Gast<br />
in Berlin ist der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende. Herr Erler,<br />
sind Sie bereit für sechzig Minuten Diskussion mit unseren Nutzern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:</b><br />
Ja</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Stichwort Irak: Gerhard Schröder ist zu Gesprächen mit dem britischen<br />
Premierminister Tony Blair in London eingetroffen. Thema: die Irak-Krise.<br />
Beide Politiker wollen bei dem Treffen erörtern, ob doch noch eine<br />
gemeinsame Haltung im UN-Sicherheitsrat möglich ist. Welche Vorschläge<br />
hat Schröder Blair zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ich glaube die Positionen sind soweit auseinander, dass sie nicht<br />
durch einen deutschen Vorschlag überbrückt werden können.<br />
Es geht darum zu zeigen, dass die Unterschiede nicht zu einem Bruch in<br />
den guten deutsch-britischen Beziehungen führen sollen und dass die<br />
führenden europäischen Staaten im Gespräch bleiben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Zwei Fragen zum gleichen Thema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sonnendeck:<br />
</b>Der wegen seines Irak-Kurses ums politische Überleben kämpfende<br />
Premierminister Tony Blair stellte nun einen Forderungskatalog vor. Ist<br />
das der richtige Weg?<br />
Krisenrat: Was halten Sie von den sechs Bedingungen aus London. Sind die<br />
erfüllbar, oder wird hier nur der Krieg legitimiert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Das Problem ist, dass auch bei diesen sechs Bedingungen, die<br />
im übrigen bis zum 17.3. gar nicht erfüllbar sind, es zu einer<br />
Umkehr des Vetos kommen soll. Das heißt, hinterher müsste der<br />
Sicherheitsrat sagen, wenn er einen Krieg verhindern will, Saddam hat<br />
alles erfüllt. Aber wer beurteilt das? Und warum sollte nicht Washington<br />
ein Veto einlegen, wenn alle anderen für gute Kooperation votieren?<br />
Das ist kaum konsensfähig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FreiburgBerliner:</b><br />
Inwiefern halten Sie einen Rückzug Blairs für möglich,<br />
falls der Druck auf ihn zur offenen Rebellion in Partei und Fraktion wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Darüber wird in England bereits offen spekuliert. Tony Blair<br />
braucht einen Kompromiss und eine Legitimation durch einen Sicherheitsratsbeschluss.<br />
Sonst wird ihm das britische Volk die Gefolgschaft verweigern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>redo: </b>Glauben<br />
Sie, dass es der USA um eine demokratische Nachkriegsordnung geht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Es geht den Vereinigten Staaten um eine &quot;Pax Americana&quot;<br />
im Nahen Osten, das heißt eine Neuordnung dieser sensiblen Region<br />
im Sinne amerikanischer Interessen. In der Vergangenheit hat Washington<br />
dabei auch mit Diktaturen und autoritären Regimes zusammen gearbeitet.<br />
Nichts weist darauf hin, dass sich daran etwas ändern würde.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Mal nachgefragt: der Nahe Osten ist nicht mehr in der Situation<br />
wie 1990/91. Könnte ein Sturz des irakischen Regimes nicht auch ein<br />
positive Wendung für einige Staaten dort bringen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Unsere Befürchtung ist, dass die Ohnmachtgefühle bei<br />
der arabischen Bevölkerung, wenn sie die Bilder von Opfern im Irak<br />
sehen, eher zu eruptiven Reaktionen führen werden, und damit die<br />
Existenz der moderaten arabischen Staaten der Region aufs Spiel setzen<br />
werden. Präsident Bush glaubt dagegen, dass ein Regime Change alle<br />
radikalen Kräfte in der Region abschrecken und zum verstummen bringen<br />
würde. Was halten Sie für das Wahrscheinlichere?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Ich habe nur den Eindruck, dass die Nahostexperten die Kraft<br />
der so genannten &quot;arabischen Straße&quot; äußerst<br />
unterschiedlich einschätzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ich stimme zu, es gibt verschiedene Einschätzungen, aber<br />
die meisten Experten erwarten eher eine Destabilisierung der Nahostregion<br />
nach einem Irak-Krieg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bernie: </b>Herr<br />
Erler, die Position der Bundesregierung verdient Anerkennung, aber sie<br />
macht sich offenbar keine Gedanken um die inhumanen Zustände im Irak.<br />
Haben wir kein Interesse die Menschen im Irak zu unterstützen? Wir<br />
wissen doch genau wie gefährlich und schrecklich diese Diktatur ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Das stimmt. Wir wissen das seit vielen Jahren, und leider wissen<br />
wir auch, dass die Maßnahmen der Vereinten Nationen im Sinne von<br />
Sanktionen weniger dem Clan von Saddam als den einfachen Menschen geschadet<br />
haben. Aber ein Krieg, das sagen auch die humanitären Hilfsorganisationen,<br />
hat den selben Effekt: die Eliten können sich schützen und verbergen,<br />
die einfachen Menschen sind dem Bombenhagel und den militärischen<br />
Aktionen ausgeliefert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>FreiburgBerliner:<br />
</b>Herr Erler, wie schätzen Sie das weitere Vorgehen der USA<br />
ein &#8211; nach einem Irak-Krieg- in Hinsicht ihrer &quot;axes-of-evil&quot;-Politik:<br />
also Iran?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Es gibt Anzeichen dafür, dass der Irak-Krieg exemplarisch<br />
die neue amerikanische Doktrin der nationalen Sicherheit umsetzen soll.<br />
In einer Weltordnung nach einem Irak-Krieg würde das heißen,<br />
dass wir mit weiteren Entwaffnungskriegen gegen anti-westliche Staaten<br />
mit gefährlichen Waffen rechnen müssten. Ich sage immer: in<br />
einer solchen Weltordnung möchte ich nicht leben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Akanesh: </b>Vorausgesetzt<br />
das derzeitige Kräfteverhältnis im UN-Sicherheitsrat würde<br />
auch in Zukunft bestehen bleiben und ein Kriegsautomatismus damit nicht<br />
legitimiert werden. Wenn überhaupt &#8211; wie könnten die USA ihrer<br />
Meinung nach ohne &quot;ihr Gesicht zu verlieren&quot; zu einem Konsens<br />
im Sicherheitsrat finden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ich halte das für die entscheidende Frage, wie man im letzten<br />
Moment Präsident Bush noch eine Brücke bauen kann. Ich glaube,<br />
es geht nur so: Amerika hat einen großen Erfolg erzielt, hat durch<br />
das Engagement auch im militärischen Bereich die Voraussetzung dafür<br />
geschaffen, dass Saddam jetzt tatsächlich abrüstet, und wir<br />
sollten uns wünschen, dass Präsident Bush dies als seinen Erfolg<br />
feiern kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kajsanka:</b><br />
Wie, denken Sie, wird die UN und die Bundesregierung reagieren, wenn es<br />
zu einem Krieg ohne UN Mandat kommt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Die Vereinten Nationen können von ihrer Struktur her nichts<br />
gegen ein Veto-Land unternehmen, eben weil dieses Land mit einem Veto<br />
auf jeden Beschluss der UN reagieren kann. Die Bundesregierung wird in<br />
jedem Fall bei ihrer Haltung bleiben: keine Beteiligung an einem Irak-Krieg,<br />
weder mit Geld noch mit Soldaten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Traube: </b>Wird<br />
sich Deutschland nach einem möglichen Irak-Krieg am &quot;nation<br />
building&quot; im Irak beteiligen und wenn ja, wie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Wir geben darauf bisher keine Antwort, weil wir es für unglaubwürdig<br />
halten, nein zum Krieg zu sagen, aber jetzt schon Zusagen für den<br />
erfolgten Kriegsfall zu geben. Ich finde es makaber, dass einerseits die<br />
Vereinten Nationen noch um den Frieden ringen, aber die amerikanische<br />
Administration bereits die Ausschreibungen für die Wiederaufbauarbeiten<br />
nach dem Krieg verteilt hat!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ghostman:</b><br />
Warum werden den USA in jedem Fall Überflugrechte gewährt? Bei<br />
einem Krieg ohne UN-Mandat wäre das eine Unterstützung eines<br />
völkerrechtswidrigen Angriffskrieges.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Die Bundesregierung kann nach unserer Verfassung in ihren Exekutiven<br />
eine solche Zusage machen und hat dies getan, um das transatlantische<br />
Verhältnis nicht dauerhaft zu beschädigen. An Spekulationen<br />
darüber, ob die Vereinigten Staaten das Völkerrecht verletzen<br />
werden, kann und sollte sich Berlin nicht beteiligen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ewd: </b>Der<br />
Irak und die USA buhlen beide um die Gunst der Russen. Sind sie der heimliche<br />
Gewinner?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Nein, die Russen sind in einer schwierigen Lage. Putins Politik<br />
will eine Partnerschaft mit dem starken Amerika, und will diese Partnerschaft<br />
wegen des Iraks nicht aufs Spiel setzen. Andererseits gibt es eine sehr<br />
starke Anti-Kriegshaltung in der russischen Bevölkerung, die im Moment<br />
zu einer anti-amerikanischen Haltung werden kann. Man sieht, dass Putin<br />
und Iwanow mit verteilten Rollen diese Gratwanderung zu bestehen versuchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rosiensche:<br />
</b>Was hätte Schröder eigentlich gemacht, wenn die anderen<br />
Länder nicht auch alle nach und nach gegen den Krieg argumentiert<br />
hätten? Dann wäre er jetzt wirklich ziemlich isoliert, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ja das stimmt. Das zeigt aber, dass es sich international nicht<br />
um eine populistische Position gehandelt hat, sondern um eine risikoreiche<br />
und eine, die mit Grundüberzeugungen zu tun hat. Wir waren von vornherein<br />
davon überzeugt, dass der Irak-Krieg den Kampf gegen den Terrorismus<br />
erschweren wird, dass er die Nahostregion und damit auch Israel unsicherer<br />
machen wird, und dass wir am Ende mit einem weltweiten Anwachsen des Anti-Amerikanismus<br />
rechnen müssen. Inzwischen gibt es auch immer mehr Amerikaner, die<br />
diese Risikobeurteilung teilen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mensch Gerd<br />
!:</b> Wenn Deutschland plötzlich an der Seite von Russland<br />
steht und sich gegen die USA stellt, was passiert dann mit unserer stark<br />
vom Export abhängigen Wirtschaft ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:</b><br />
Das gute deutsch-russische Verhältnis lag bisher immer auch im amerikanischen<br />
Interesse, und das wird auch so bleiben. Die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen<br />
sind stark und robust gegen diese Herausforderungen. Vor allem gibt es<br />
dabei ebenso deutliche amerikanische wie deutsche Interessen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bernie: </b>Im<br />
Bericht des Irak, wurde erwähnt, dass ca. 80 deutsche Firmen dem<br />
Irak bei der Aufrüstung halfen. Von denen hört man gar nichts<br />
mehr&#8230; geht dem keiner nach? Was wissen Sie darüber?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Es hat in dieser Frage mehrere Prozesse in Deutschland gegeben,<br />
bei denen auch Firmen bestraft wurden, die illegale Exporte durchgeführt<br />
haben. Die meisten dieser Fälle beziehen sich allerdings auf die<br />
80er und 90er Jahre. Die nach der Vorlage des Waffenreports von Saddam<br />
aufgetauchten Listen deutscher Firmen (übrigens auch amerikanischer<br />
Firmen) stammen aus der Zeit des 1. Golfkrieg (1980-88).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>nort: </b>Die<br />
nichtständigen Mitglieder im Sicherheitsrat: sind sie entscheidend<br />
oder nicht? Wenn nicht, zeigt das nicht, wie undemokratisch die UN derzeit<br />
ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Leider stimmt es, dass die Vereinten Nationen Unterschiede zwischen<br />
ihren Mitgliedsstaaten machen, eben solche zwischen Veto-Staaten und Nicht-Veto-Staaten.<br />
Insofern finde ich es eher beruhigend, dass in der gegenwärtigen<br />
Situation die eher &quot;kleinen&quot; Staaten Mexiko, Chile, Pakistan,<br />
Kamerun, Guinea, Angola quasi das Zünglein an der Waage darstellen.<br />
Ich habe Riesenrespekt vor diesen Staaten, die zum Teil wirtschaftlich<br />
und politisch abhängig von Washington sind, dass sie bisher dem enormen<br />
Druck nicht nachgegeben haben, und sich sogar zu einem eigenen inhaltlichen<br />
Vorschlag zusammen gefunden haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Zu einem anderen Thema: Der serbische Ministerpräsident<br />
wurde heute erschossen. Kannten Sie ihn gut?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ja, ich kannte Zoran Djindjic persönlich gut, vor allem<br />
auch aus seiner Zeit als einer der führenden Oppositionellen gegen<br />
Milosevic. Sein Tod wirft den serbischen Demokratisierungsprozess schwer<br />
zurück, und mit ihm ist eine Hoffnung für die ganze Balkanregion<br />
brutal ermordet worden. Ich bin persönlich erschüttert und sehr<br />
traurig heute.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>oasis:</b><br />
Droht Serbien in ein Chaos zu verfallen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:</b><br />
Das hängt von der Klugheit der anderen Verantwortungsträger<br />
im Lande ab. Die ersten Reaktionen auf den professionellen und brutalen<br />
Anschlag waren besonnen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Kennen Sie Gründe?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Nein, bisher tappt man bei der Suche nach den Hintergründen<br />
noch völlig im Dunkeln. Aber es gibt Spuren offenbar ins Milieu der<br />
Mafia, die stets gute Verbindungen des Milosevic-Regimes unterhalten hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bernie:</b><br />
Wie sehen sie die Situation im Kosovo? So richtig gut läuft das ja<br />
wohl auch nicht &#8211; immer wieder gibt es Schiessereien, Minderheiten haben<br />
nichts zu lachen, etc.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:</b><br />
Im Kosovo führt der Uno-Sonderbeauftragte Michael Steiner eine strenge<br />
Politik nach dem Motto, erst Standards, dann Status, durch. Die Uno benutzt<br />
den Wunsch der albanischen Kosovaren nach Status-Klärung, um sie<br />
dazu zu bringen, Minderheitenrechte im Kosovo zu respektieren. Uns helfen<br />
die schwierigen Erfahrungen aus Bosnien-Herzegowina. Ich persönlich<br />
bin optimistisch, dass bei einer Fortsetzung dieser Politik die Normalisierung<br />
im Kosovo schneller erfolgen wird als in Bosnien-Herzegowina, wo am Anfang<br />
zu viele Fehler gemacht wurden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ludi: </b>Zeigt<br />
Jugoslawien bzw. Kosovo nicht aber, was ohne die USA passiert wäre?<br />
Die EU war zum Eingreifen nicht bereit. Hier war auch die SPD für<br />
Krieg, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Es stimmt, dass sowohl in Bosnien als auch im Kosovo die europäische<br />
Politik im Sinne einer Kriegsprävention versagt hat, und letztlich<br />
auf die Autorität Amerikas zurückgreifen musste. In Mazedonien<br />
2002 allerdings war das anders: da funktionierte zum ersten Mal eine präventive<br />
europäische Politik und konnte einen Bürgerkrieg verhindern.<br />
Es ist eine Tragödie, dass in der Zeit nach dem 11. September und<br />
bei dem jetzigen Irak-Konflikt Europa in seiner Handlungsfähigkeit<br />
nicht an das positive Mazedonien-Beispiel anknüpfen konnte. Die Idee<br />
einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU hat durch<br />
die Risse im Irak-Konflikt einen schweren Rückschlag erlitten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>uit: </b>In<br />
Mazedonien war der Konflikt aber auch auf einer anderen Eskalationsstufe.<br />
Da hinkt doch der Vergleich, Herr Erler?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>In Mazedonien drohte eindeutig ein Bürgerkrieg, und die<br />
EU hat mit einer politischen Strategie und einem Friedensvertrag, der<br />
auch eine militärische Absicherung vorsah, diese Gefahr entschärfen<br />
können. Insofern bedauern wir nachträglich, dass bei den vier<br />
vorangegangenen Kriegen auf dem Balkan Europa nicht ähnlich gemeinsam<br />
und entschlossen gehandelt hat. Das hätte viele Menschenleben mitten<br />
in Europa retten können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ringläufer:<br />
</b>Fehlt in der deutschen Argumentation nicht ein klares Konzept<br />
wie mit der Hydra Hussein umgegangen werden soll?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Es gibt auf der Welt kein Kontroll- und Überwachungsregime,<br />
dass so rigide ist, wie das, das gegenwärtig gegen Saddam angewandt<br />
wird. Der irakische Diktator ist nicht mehr souverän: in seinem Luftraum<br />
fliegen die besten amerikanischen, französischen und demnächst<br />
auch russischen und deutschen Aufklärungssysteme, die Inspektoren<br />
dürfen überall hin, wo sie wollen, auch in Saddams Paläste,<br />
und er muss sich richtig abhetzen, um die fristenbewehrten Auflagen der<br />
Inspektoren zu erfüllen. Ich glaube, das ist das richtige Konzept<br />
im Umgang mit Saddam, was der Erfolg auch zeigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Zur Innenpolitik: Bundeskanzler Schröder will am Freitag<br />
eine Regierungserklärung zu seinen Reformplänen abgeben. In<br />
Berliner Politikkreisen wird befürchtet, dass der Kanzler wieder<br />
nur große Linien verkündet. Wird der Kanzler endlich mal konkret?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Die großen Linien sind notwendig und sie sind besser, als<br />
jeden Tag einen Einzelvorschlag durch die Landschaft zu jagen, der nach<br />
einer voraussehbaren Reaktion dann wieder vom Tisch genommen wird. Allerdings<br />
wird es auch konkrete Daten in der Rede des Bundeskanzlers geben. Es wäre<br />
sinnlos gewesen, die jetzt vorher schon bekannt zu machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
&#8230;wäre aber interessant. Vielleicht ein kleiner Hinweis?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Wir brauchen ein Gesamtkonzept für die großen Reformfelder<br />
Gesundheit, Arbeitsmarkt und Investitionen, an dem sich die konkrete Gesetzgebungsarbeit<br />
der nächsten Monate orientiert. Ich glaube der Kanzler wird einen<br />
solchen Rahmen so konkret bieten, dass für die parlamentarische Arbeit<br />
&#8211; und darauf lege ich als Bundestagsabgeordneter wert &#8211; noch genügend<br />
Spielraum bleiben wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Glauben Sie oder wissen Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:</b><br />
Ich habe sehr aufmerksam am Montag und am Dienstag dieser Woche Gerhard<br />
Schröder zugehört, und darauf stützt sich meine Erwartung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>framex: </b>Was<br />
halten sie von der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe? soll<br />
ein Arbeitsloser der bisher ca. 700 ? bekommen hat dann ins Obdachlosenasyl<br />
ziehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe ist beschlossene<br />
Sache, aber es kommt auf die Ausgestaltung an. Wir haben im Augenblick<br />
eine widersprüchliche Situation: <br />
Familien mit mehreren Kindern stellen sich besser mit Sozialhilfe, Einzelverdiener<br />
profitieren bei der Arbeitslosenhilfe. Das jetzige System ist nicht gerecht.<br />
Wir wollen es nicht abschaffen, sondern zukunftsfähig machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Ullrich,<br />
München: </b>Warum stellen Sie sich &#8211; als Vertreter der SPD<br />
Linken &#8211; seit Jahren nachhaltig gegen die von allen seriösen Fachleuten<br />
angemahnten Reformen? Haben Sie schon jemals die Politik verlassen und<br />
jemals auch nur einen Arbeitsplatz geschaffen? Woher nehmen Sie Ihre Weisheit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ich kann darauf hinweisen, dass ich 20 Jahre berufstätig<br />
war, unter anderem als Leiter eines Unternehmens und mit der Berechtigung<br />
zur Ausbildung, bevor ich beruflich in die Politik gegangen bin. Deswegen<br />
bilde ich mir ein, dass ich auch innenpolitische Fragen aus eigener Anschauung<br />
einschätzen kann. Ich wende mich nicht gegen Reformen, aber Vorschläge<br />
von &quot;Fachleuten&quot; sind immer auch Vorschläge von Leuten<br />
mit Interessen. Aus meiner Erfahrung werde ich mich gegen eine Entwicklung<br />
des Sozialstaats zu einem Sozialhilfestaat wenden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mensch Gerd<br />
!: </b>Es kann doch nicht die Rede von besser stellen sein! Es geht<br />
darum, dass die Menschen keine ARBEIT mehr haben!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Deswegen wird es auch um eine Stärkung der Gemeindefinanzen<br />
gehen und um ökologisch sinnvolle Investitionsprogramme, die neue<br />
Arbeitsplätze schaffen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>goo: </b>Sie<br />
gehören zum linken Flügel in der SPD. Haben Sie da nicht ein<br />
besonders gespaltenes Verhältnis zum Kanzler? In der Außenpolitik<br />
ein Friedensengel, in der Innenpolitik ein neoliberaler Sozialabbauer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gernot Erler:<br />
</b>Ich habe Vertrauen zu Gerhard Schröder, auch deswegen, weil<br />
er auf Ratschläge hört, auch wenn sie von Vertretern des linken<br />
Flügels der SPD kommen, wenn sie nur sachlich begründet sind.<br />
Die Politik des Bundeskanzlers wird kein neoliberaler Sozialabbau sein:<br />
das wollen in der jetzigen Situation die Vertreter der Opposition in Gemeinschaft<br />
mit den Arbeitsgeberverbänden. Aber genau dafür gibt es keine<br />
Mehrheit in der SPD-Bundestagsfraktion und damit auch nicht für die<br />
Bundesregierung!</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei.<br />
Herzlichen Dank, Herr Erler, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen<br />
sind und vielen Dank an alle UserInnen für Ihr Interesse. Jede Menge<br />
Fragen blieben unbeantwortet, ich denke wir müssen Herrn Erler noch<br />
einmal einladen. Noch ein Terminhinweis: Morgen kommt der nordrhein-westfälische<br />
Finanzminister, Jochen Dieckmann, zum Chat. Knapp eine Woche später,<br />
am 19.März, werden wir mit Friedbert Pflüger, dem außenpolitischen<br />
Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, sprechen. Beide Chats finden<br />
zwischen 17:00 und 18:00 Uhr statt. Wir würden uns freuen, wenn Sie<br />
wieder dabei sind. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie<br />
auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Gernot Erler hat übrigens einen eigenen Webauftritt: www.gernot-erler.de</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wie Bush diese Politik verkauft hat, ist eine Schande&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotwie_bush_diese_politik_verkauft_hat_ist_eine_schandequot-324/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Mar 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsch-Amerikanische Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Jeffrey Gedmin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/jgedmin.jpg" alt="Jeffrey Gedmin" align="left" height="103" width="87" /> 
Jeffrey Gedmin, Direktor des Aspen Instituts Berlin, ist am 4. März 
2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/jgedmin.jpg" alt="Jeffrey Gedmin" align="left" height="103" width="87" /><br />
Jeffrey Gedmin, Direktor des Aspen Instituts Berlin, ist am 4. März<br />
2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b><br />
Moderator: </b>Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Heute ist Jeffrey Gedmin, der Direktor des Aspen-Instituts<br />
in Berlin, ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Eine Stunde haben wir Zeit<br />
zum Chatten, kann es losgehen Herr Gedmin?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:</b><br />
Ja!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Ich gehe davon aus, dass Saddam Hussein Ende 2003 weg ist, haben Sie vor<br />
einigen Wochen gesagt. Das klingt nicht so, als gäbe es eine Alternative<br />
zum Krieg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:</b><br />
Ich glaube, dass der Krieg immer noch vermeidbar ist. Das liegt aber an<br />
Saddam Hussein. Wenn er bereit ist, alle Massenvernichtungswaffen aufzugeben,<br />
dann ist die Sache erledigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Friedensfalke:<br />
</b>Ist der Kampf gegen den Irak noch Kampf gegen den Terror? Wie<br />
viel Anteil hat das Ölinteresse der US-Regierung an diesem Konflikt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Wenn die Frage gestellt wird, haben wir, die Amerikaner, wirtschaftlich<br />
Interessen, dann ist die Antwort eindeutig: Ja! Interesse am Öl haben<br />
übrigens die Franzosen und Russen auch. Ist es aber unsere Priorität?<br />
Nein, das Ziel ist nach wie vor die Abrüstung Iraks.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>SaschaSiekmann:<br />
</b>Ich dachte es geht den USA um Regimewechsel und nicht mehr nur<br />
um Abrüstung. Zumindest war das das Ziel des gestrigen Tages, man<br />
kann da leicht den Überblick verlieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Das stimmt. Wie die Bush-Administration diese Politik verkauft<br />
hat, ist bis jetzt eine Schande gewesen. Für mich zumindest geht<br />
es um die Abrüstung und ich bin zu dem Schluss gekommen: Solange<br />
Saddam Hussein an der Macht ist, ist es nicht möglich, das Ziel mit<br />
friedlichen Mitteln zu erreichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zaphod: </b>Hi<br />
Jeff, wie dauerhaft ist das Verhältnis der USA und Deutschlands durch<br />
den aktuellen Streit über die Irak-Frage beschädigt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:</b><br />
Hi Zaphod! Auf der einen Seite ist das Verhältnis zwar nicht am Ende,<br />
es gibt nach wie vor viele Gebiete, wo wir eng miteinander zusammenarbeiten.<br />
Aber zugleich muss zugegeben werden: Es gibt auf beiden Seiten ein Problem<br />
der Glaubwürdigkeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Warlord: </b>Herr<br />
Gedmin, stellen Sie einen wachsenden Anti-Amerikanismus in Deutschland<br />
fest?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ja und Nein. Anti-Amerikanismus hat es doch immer gegeben, aber<br />
nicht nur in Deutschland. Ich würde aber folgendes sagen: Viele im<br />
heutigen Deutschland haben eine komplizierte Beziehung zu den USA. Die<br />
haben wir auch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Manche führen die deutsch-amerikanischen Probleme explizit<br />
auf die Tatsache zurück, dass US-Truppen und Alliierte Deutschland<br />
befreiten. Teilen Sie diese Meinung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Eine wichtige Frage. Ich bin mir nicht ganz sicher. Auf jeden<br />
Fall könnte es eine Rolle spielen, dass die Amerikaner nicht nur<br />
Deutschland befreit haben, sondern damals auch Deutschland besiegt haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hänschen:<br />
</b>Aber ist es nicht eigentlich verständlich, dass es einen<br />
Anti-Amerikanismus gibt? Bei der &quot;prominenten&quot; Rolle, die die<br />
USA international spielen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:</b><br />
Zum Teil ja. Ich habe z.B. als Amerikaner den Eindruck, bei manchen sei<br />
es völlig egal, was wir machen &#8211; es ist fast immer die Schuld der<br />
Amerikaner. Entweder sind wir zu stark, oder am nächsten Tag zu schwach<br />
und nicht bereit, zu handeln.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zaphod: </b>Noch<br />
mal zum Verhältnis: Ist das nicht sehr an den Personen Bush, Rumsfeld<br />
und Schröder orientiert &#8211; und ändert sich nicht ohnehin alles,<br />
wenn die Regierungen Bush bzw. Schröder einmal abtreten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Es wird bestimmt helfen, wenn die beiden &#8211; Schröder, Bush<br />
&#8211; weg sind, und ich gebe sofort zu: der arme George W. hat nicht die richtige<br />
Sprache, auch nicht die richtige Körpersprache für unsere Freunde<br />
in Europa.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>SaschaSiekmann:</b><br />
Hallo und einen schönen Tag. Herr Gedmin, halten Sie die Verquickung<br />
von Politik und Religion in den USA eigentlich für unproblematisch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:</b><br />
Das ist wirklich eine sehr komplizierte Geschichte! Die Religion mit allen<br />
Vor – und Nachteilen hat von Anfang an eine wichtige Rolle bei uns<br />
gespielt und das ist ein wesentlicher Unterschied zum heutigen Deutschland.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rawon: </b>Manche<br />
vergleichen den vermeintlich wachsenden Anti-Amerikanismus mit dem Antisemitismus.<br />
Was halten sie von solchen Parallelen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Der Antisemitismus ist natürlich ein sehr altes Phänomen,<br />
aber ich kann mir vorstellen, dass es bei manchen Menschen eine Verbindung<br />
gibt. Auf jeden Fall ist Israel der kleine Bruder von den USA.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Janek Albinsky:</b><br />
Wie steht die breite Masse der Bevölkerung der USA zum Krieg? Und<br />
was sind die &quot;Hawks?&quot;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Die Hawks, sogenannte Falken, sind die Bush-Berater, die in der<br />
Außenpolitik eine harte Linie vertreten und z.B. in der Irak-Frage<br />
meinen: &quot;Genug ist genug&quot;. Was die amerikanische Bevölkerung<br />
betrifft unterstützen heute etwa 70% eine Intervention im Irak, wollen<br />
aber zugleich, dass wir die Unterstützung des Sicherheitsrates haben/bekommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>arthur_dent:<br />
</b>Sie vergleichen bisweilen die Weigerung der Bush-Regierung, das<br />
Kyoto-Protokoll zu ratifizieren, mit Schröders striktem Anti-Kriegskurs.<br />
Hinkt dieser Vergleich nicht ein bisschen? Immerhin hat Bush in BEIDEN<br />
FÄLLEN große Teile der Weltöffentlichkeit gegen sich (wie<br />
die Demonstrationen gegen den Irak-Krieg belegen) – Und hat nicht<br />
Rumsfeld inzwischen durch seine kalkulierten Provokationen mehr Porzellan<br />
zerschlagen als Schröder und Bush zusammen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Rumsfeld ist kein Diplomat und seine Äußerungen haben<br />
mich amüsiert, aber ich weiß, dass sie in Deutschland nicht<br />
gut angekommen sind. Zur Analogie Kyoto-Irak: Für mich geht es darum,<br />
dass das Wesentliche ist, wie die beiden Themen von den jeweiligen Regierungschefs<br />
angesprochen wurden. Und das &quot;Wie&quot; ist vielleicht von höchster<br />
Bedeutung. Arrogant, dogmatisch und engstirnig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
So, wie groß ist der Anteil Schröders am deutsch-amerikanischen<br />
Scherbenhaufen: 50 Prozent? mehr? weniger?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Als Amerikaner würde ich sagen: Etwa 70%.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Janek Albinsky:<br />
</b>Mr. Gedmin, wie bewerten Sie die Rolle der deutschen und amerikanischen<br />
Medien für die politische Meinungsbildung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Das bezieht sich auf die Irak-Krise, nehme ich an…</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Die Rolle ist enorm: Und ich bedauere es manchmal. Wenn ich Deutscher<br />
wäre und jede Woche den &quot;Spiegel&quot; lesen würde, dann<br />
würde ich bestimmt kein guter Freund der USA sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>arthur_dent:<br />
</b>Nach dem 11.September waren die meisten Amerikaner verwirrt,<br />
weil sie offenbar nicht geahnt hatten, wie unbeliebt die USA in manchen<br />
Weltregionen sind, geschweige warum. Wissen die Amerikaner im Fall Irak,<br />
dass ihre eigene Regierung an der Aufrüstung des Landes maßgeblich<br />
beteiligt war?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ja. Wissen die meisten Deutschen, dass Deutschland auch damals<br />
Saddam Hussein stark unterstützt hat? Wir haben einen Fehler gemacht.<br />
Und ich hoffe, wir sind endlich bereit, den Fehler zu korrigieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Stephan: </b>Warum<br />
hat Herr Bush nun ausgerechnet ein Interesse daran, Saddam Hussein zu<br />
entmachten? Es gibt doch noch so viele Despoten auf dieser Erde. Ist der<br />
Konflikt im Irak also nur der Anfang eines nie vorher gesehenen &quot;Befreiungs-<br />
und Präventionsfeldzuges&quot; der USA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ich bin fest davon überzeugt, dass das Thema Saddam Hussein<br />
sowieso gekommen wäre. Für mich war es ein Fehler, dass wir<br />
damals &#8211; 1991 &#8211; nach der Befreiung Kuwaits aufgehört haben und ich<br />
glaube viele innerhalb der Bush-Administration haben das auch begriffen.<br />
Was nicht heißt, dass wir überall angreifen werden! Im Fall<br />
von Nord-Korea handeln wir diplomatisch und versuchen, das Problem multilateral<br />
zu lösen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Vorausgesetzt Nordkorea hat die Atomwaffen, die man dort vermutet<br />
&#8211; mit einem Land mit Atomwaffen verhandelt man aber eher, nicht wahr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Nordkorea ist ein ernstes Problem! Nuklearwaffen, 900.000 Soldaten<br />
und Seoul, die Hauptstadt von Südkorea eine Panzerstunde weg von<br />
der Grenze! Bedauerlicherweise ist unser Spielraum gering. Das ist natürlich<br />
auch ein Vorteil für das Regime in Nordkorea.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>DiveMaxx:<br />
</b>Sehr geehrter Herr Gedmin, der Irak ist offenbar im Begriff,<br />
die fraglichen Al-Samud2-Raketen zu zerstören. Dies scheint von amerikanischer<br />
Seite nicht weiter beachtet zu werden. Welche Forderungen müsste<br />
der Irak Ihrer Ansicht nach erfüllen, um die USA von einem Angriff<br />
abzuhalten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ich bin in dem Punkt der Meinung von Gerhard Schröder, der<br />
sagt: Es handele sich um die vollständige, bedingungslose Abrüstung.<br />
Oder wie Hans Blix das deutlich zum Ausdruck bringt: Wir brauchen Belege<br />
für die Abrüstung. Saddam Hussein hat alle möglichen gefährlichen<br />
Sachen gehabt. Er behauptet, das sei alles zerstört worden. Belege<br />
muss man haben. Kennen Sie das Zitat von Hans Blix: &quot;Senfgas ist<br />
keine Marmelade&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Stephan: </b>Herr<br />
Gedmin, ich möchte von Ihnen wissen, was nach einem Krieg in der<br />
Golfregion passieren soll und ob ein Krieg nicht zu einem zweiten &quot;Israel&quot;<br />
führt, wo Attentäter sich in die Luft sprengen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Für mich ist die erste Aufgabe nach dem Krieg, Stabilität<br />
zu schaffen. Wobei nicht vergessen werden darf: Alle Länder der Region<br />
haben Interesse daran. Die zweite Aufgabe ist, dass wir mit den Menschen<br />
im Irak eine gemäßigte Regierung aufbauen. Das wird eine harte<br />
Arbeit sein. Aber das halte ich auch für möglich. Wenn wir diese<br />
Ziele erreichen, dann kommt es nicht zur großen Katastrophe.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>musikantenstadl:<br />
</b>Zu Präsident Bushs Nachkriegs- oder Nach-Saddam-Plänen:<br />
Wie soll eine Region demokratisiert werden, wenn die Mehrheit ihrer Bevölkerung<br />
die Demokratie (oder zumindest die West-Variante davon) ablehnt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ich weiß, dass viele meinen: Wie kann man Menschen helfen,<br />
die Demokratie nicht kennen oder anstreben? Diese Meinung teile ich nicht.<br />
Ich glaube, dass die Mehrzahl der Bevölkerung im Irak diese Intervention<br />
als Befreiung begrüßen wird. Das Regime ist verhasst &#8211; was<br />
nicht heißt, das es einfach wird. Ich gebe aber zu, es wird nicht<br />
leicht sein, dort eine echte westliche Demokratie aufzubauen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wie sieht es aber mit der Bevölkerung in den Nachbarländern<br />
aus, die zwar auch nicht durch demokratische Regierungen aber doch moderatere<br />
&quot;Regimes&quot; geführt werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Es gibt 21 oder 22 Staaten in der Region und keine einzige echte<br />
Demokratie. Das ist ein Problem für uns alle und vor allem für<br />
die Menschen, die dort leben. Wo und wie fängt man an? Wie viel Einfluss<br />
haben wir eigentlich? Die Fragen sind nicht leicht zu beantworten, aber<br />
ich kann mir vorstellen, wenn wir das bekommen, was wir im Irak wollen,<br />
dann wird das als moralische Unterstützung für die demokratische<br />
Bewegung im Iran angesehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Der User Holger verweist darauf, dass es im Libanon eine parlamentarische<br />
Demokratie gibt und fragt weiter:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Holger 27:<br />
</b>Wie schätzen Sie die Folgen des Krieges für den gesamten<br />
Nahen Osten ein, wenn der Irak in bestimmte Bereiche zerfällt, die<br />
alle Machtansprüche signalisieren werden? Ich habe ein Jahr im Libanon<br />
studiert, wo mir Dozenten sagten, dass innerhalb kurzer Zeit, nachdem<br />
der Krieg begonnen hat, sich der Konflikt ausweiten und der Bürgerkrieg<br />
im Libanon z. B. wieder ausbrechen wird. Wie kann man einen Flächenbrand<br />
im Nahen Osten verhindern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Die drei Teile, die Holger anspricht sind: die Kurden im Norden,<br />
die Schiiten im Süden und ein &quot;Rest-Irak&quot; in der &quot;Mitte&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Die Frage ist gut. Und sicherlich hat diese Intervention Kosten,<br />
die enorm sein könnten. Die Antwort aber ist: Erfolg. Wir müssen<br />
einen einheitlichen Irak haben, wir müssen den Nachbarländern<br />
zeigen, dass es den Menschen endlich gut geht und dass sie, die Iraker,<br />
diesen Schritt begrüßt haben. Wenn der Krieg schlecht läuft<br />
oder wenn wir ernste Probleme danach haben, dann wird die Lage ernst.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>doris: </b>Wie<br />
lange wird ein Krieg wohl dauern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Keine Ahnung. Krieg ist natürlich immer eine schmutzige<br />
und gefährliche Arbeit. Ich hoffe darauf, dass das Regime in den<br />
ersten Wochen zusammenbricht. Und das halte ich für durchaus möglich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>KlausN: </b>Warum<br />
legen die Alliierten so viele Beweise vor, die sich später als falsch<br />
herausstellen? Die &quot;Terror-Zellen&quot; in Spanien und Italien sind<br />
beide aus der Haft entlassen worden. Anfangs hieß es, es gebe keine<br />
Zeit für Inspektionen, weil der Irak nur noch ein halbes Jahr für<br />
den Bau einer Nuklearwaffe bräuchte, die Geheimdienststudie des Tony<br />
Blair war die Studienarbeit eines Doktoranden usw. Man gewinnt den Eindruck,<br />
dass die USA und Großbritannien nicht ganz ehrlich sind zum Rest<br />
der Welt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Wir haben Fehler gemacht, sogar Tony Blair macht ab und zu einen<br />
Fehler. Aber man darf das wichtigste nicht aus den Augen verlieren. Das<br />
Problem ist nicht Blair, Bush oder gar Schröder &#8211; Saddam Hussein<br />
hat 1991 versprochen, seine Massenvernichtungswaffen aufzugeben und bis<br />
heute gibt es Katz und Maus-Spiele aber keine vollständige Abrüstung.<br />
Damit sind alle Länder des Sicherheitsrates einverstanden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gerald baars:<br />
</b>Ist es nicht ein Erfolg für Präsident Bush, wenn seine<br />
Militärdrohung am Ende zur freiwilligen Abrüstung im Irak führt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ja. Für Bush wäre das die beste Lösung, denn wenn<br />
der Krieg schlecht läuft, ist der arme George W. weg. Wenn Hans Blix<br />
morgen sagt: Der Irak hat die verlangte Abrüstung akzeptiert, dann<br />
würde George Bush das Ergebnis begrüßen und sagen: Es<br />
war die glaubhafte Bedrohung militärischer Gewalt. Unsere Strategie<br />
war die richtige.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Das ist eine eher unwahrscheinliche Variante. Wie könnte<br />
eine Lösung auch bei einer nicht 100-prozentigen Abrüstung (oder<br />
deren Nachweis) aussehen, bei der es keinen Krieg gibt und die USA bzw.<br />
Präsident Bush dennoch das Gesicht wahren können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Bush ist nicht wild entschlossen, einen Krieg zu führen.<br />
Er ist meiner Meinung nach aber absolut entschlossen, den Irak völlig<br />
zu entwaffnen. Es gibt einfach Dinge, die man braucht, nämlich die<br />
Belege für die Abrüstung. Und wenn Blix und seine Leute sagen:<br />
Die haben wir alle bekommen, dann müsste und würde Bush zufrieden<br />
sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>arthur_dent:<br />
</b>Eine Regierung Al Gore hätte sicher ebenfalls die Taliban<br />
entmachtet. Hätte eine Regierung Gore aber auch den Irak auf diese<br />
Art in die Ecke getrieben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Jeffrey Gedmin: Die<br />
Demokraten sagen, sie hätten in beiden Fällen ähnlich reagiert,<br />
hätten aber die Diskussion mit den Verbündeten klüger behandelt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>noch eine Nachfrage zu ihrer vorletzten Antwort: </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dirk:</b><br />
Meinen Sie, dass eine militärische Abrüstung als Kriegsprävention<br />
ausreichen würde, oder ist dies doch nur durch einen Regime Wechsel<br />
im Irak möglich?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass das Hauptproblem Saddam<br />
Hussein ist. Und solange er an der Macht ist, ist die vollständige<br />
Abrüstung unmöglich. Übrigens: Saddam Hussein schickt jetzt<br />
Wissenschaftler ins Ausland, und ich spekuliere, dass er vorhat, sie in<br />
ein paar Jahren wieder ins Land zu holen. Er denkt strategisch und nicht<br />
nur taktisch. Sein Ziel ist nach wie vor, Zeit zu gewinnen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Stephan: </b>Was<br />
passiert, wenn der Sicherheitsrat sich gegen einen Krieg im Irak entscheidet?<br />
Wird Herr Bush den Angriffsbefehl trotzdem geben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Ja. Und dann haben wir alle ein Problem. Von einem Alleingang<br />
kann nicht die Rede sein. Es gibt etwa 25 Länder, die die amerikanische<br />
Position unterstützen. Wenn wir aber die Unterstützung des Sicherheitsrates<br />
nicht bekommen, dann gibt es eine Spaltung innerhalb Europas. Die Nato<br />
wird schwächer sein und die Uno weniger relevant. Wie gesagt: Ein<br />
Problem für uns alle.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Sie sagen, &quot;weniger relevant&quot;, muss die Frage nicht<br />
wie von martinmartin gestellt lauten:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>martinmartin:</b><br />
wird die UNO dieses Machtspiel überleben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:</b><br />
Aus amerikanischer Sicht gibt es die Frage: Saddam Hussein hat im Laufe<br />
der letzten 12 Jahre 17 Resolutionen verletzt. Was bedeutet das für<br />
die Glaubwürdigkeit der UNO, wenn der Sicherheitsrat nicht bereit<br />
ist, die eigenen Resolutionen durchzusetzen?</p>
<p><b>bios: </b>Würden sie sagen, dass das Völkerrecht<br />
außer Kraft gesetzt ist, sollten die USA eine Angriffskrieg ohne<br />
UN-Mandat führen; das Völkerrecht ist doch zur Vermeidung von<br />
Angriffskriegen geschaffen worden…</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jammet: </b>Wird<br />
das Völkerrecht nach dieser Aktion überhaupt einen Wert haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeffrey Gedmin:<br />
</b>Wer Völkerrecht mag, muss auch bereit sein, es durchzusetzen.<br />
Und das ist mein Problem in der Irak-Frage. Übrigens haben wir alle<br />
im Kosovo ohne UN-Mandat gehandelt. Joschka Fischer und Gerhard Schröder<br />
waren auch dabei. Ich gebe zu, das war auf der einen Seite völkerrechtswidrig,<br />
aber zugleich war es das Richtige, denn Menschen wurden gerettet. Der<br />
Punkt, den Sie machen, ist ein wichtiger Punkt, vielleicht habe ich ein<br />
Problem wie das alles in der wirklichen Welt funktioniert.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei. Herzlichen<br />
Dank, Herr Gedmin, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen sind und<br />
vielen Dank an alle UserInnen für Ihr Interesse. Jede Menge Fragen<br />
blieben unbeantwortet, sorry, ich denke wir müssen Herrn Gedmin gelegentlich<br />
noch einmal einladen. Noch ein Terminhinweis: Am Donnerstag, 13. März,<br />
kommt der nordrhein-westfälische Finanzminister, Jochen Dieckmann,<br />
zum Chat. Knapp eine Woche später, am 19.März, werden wir mit<br />
Friedbert Pflüger, dem außenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion<br />
im Bundestag, sprechen. Beide Chats finden zwischen 17:00 und 18:00 Uhr<br />
statt. Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei sind. Die Transkripte<br />
aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter<br />
tagesschau.de und politik-digital.de.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Jeden Tag eine neue Parole macht die Basis ziemlich ratlos&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Feb 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Nahles]]></category>
		<category><![CDATA[IG Metall]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Irak-Konflikt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/anahles.jpg" alt="Andrea Nahles" align="left" height="113" width="87" /> 
SPD-Vorstandsmitglied Andrea Nahles, am 26. Februar 2003 </b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>ist 
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de 
</b></span><b>im ARD-Hauptstadtstudio</b>.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/anahles.jpg" alt="Andrea Nahles" align="left" height="113" width="87" /><br />
SPD-Vorstandsmitglied Andrea Nahles, am 26. Februar 2003 </b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>ist<br />
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
</b></span><b>im ARD-Hauptstadtstudio</b>.</span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02 ist ein Format von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de<br />
Heute ist Andrea Nahles, SPD-Vorstandsmitglied und Sprecherin des Forums<br />
Demokratische Linke 21 ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Eine Stunde<br />
haben wir Zeit, kann es losgehen Frau Nahles?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Ja, gerne.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zuckerpuppe:</b><br />
Liebe Frau Nahles: was machen Sie jetzt eigentlich genau, seitdem Sie<br />
aus dem Bundestag ausgeschieden sind? Ist das nicht bitter, jetzt in der<br />
zweiten Reihe zu stehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ich arbeite für die IG Metall in Berlin und arbeite weiter ehrenamtlich<br />
in der Politik. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Löns:<br />
</b>Warum besinnt sich Schröder in schwierigen &#8211; und für<br />
ihn unpopulären &#8211; Zeiten so oft auf die linke Tradition der SPD?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Es gibt zur Zeit eine große Verunsicherung in der eigenen Anhängerschaft.<br />
Hat man auch bei den Landtagswahlen gesehen. Deshalb versucht Schröder<br />
da sicher Vertrauenskapital aufzubauen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hillu: </b>Sie<br />
kritisieren die Wirtschaftspolitik von Minister Clement. Wie sehen ihre<br />
Vorschläge zur Reduzierung der Arbeitslosenzahlen aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Wir brauchen in erster Linie Investitionen &#8211; vor allem auf der kommunalen<br />
Ebene. Dafür ist es nötig, die Finanzpolitik umzustellen. Clement<br />
verzettelt sich in Einzelfragen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>In welchen Einzelfragen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Kündigungsschutz ist sicher die Prominenteste.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cle_home:</b><br />
Unterstützen Sie den Sparkurs von Hans Eichel oder sollte der Staat<br />
die Wirtschaft mit mehr Geld ankurbeln?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Sparen ist o.k., wenn die Konjunktur gut läuft. Zur Zeit würgen<br />
wir die Wirtschaft damit ab. Deshalb bin ich für eine vorübergehende<br />
Lockerung der Sparpolitik.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Wie lange soll die Lockerung denn dauern, eine Besserung der Wirtschaftslage<br />
ist ja nicht in Sicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Alle treten zur Zeit auf die Bremse: Die Konsumenten, der Staat,<br />
die Wirtschaft. Dann kommt mit Sicherheit nix in Gang. Deshalb müssen<br />
wir diesen Teufelskreislauf nach unten durchbrechen und jetzt im öffentlichen<br />
Bereich ankurbeln.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>irene_adler:</b><br />
Sie sagen, dass &quot;Die Kommunikation unserer Politik hat doch um ein<br />
Vielfaches zu wünschen übrig gelassen, es ist oft nicht so rüber<br />
gekommen, es gab zu viele Irritationen, da müssen wir einfach besser<br />
werden.&quot; Was hätte besser laufen können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Tatsache ist, dass wir zur Zeit jeden Tag eine neue Parole von der Parteispitze<br />
hören, das ist nicht mehr nachvollziehbar und macht die Leute an<br />
der Basis ziemlich ratlos. Man kann nicht Steuererhöhungen vorschlagen,<br />
die man im Bundesrat absehbar nicht durchbekommt, sich dafür öffentlich<br />
prügeln lassen und sich wundern, dass man Wahlen darüber verliert.<br />
Mist ist auch, dass es Kurswechsel gab bei der Vermögenssteuer, wo<br />
alle in der SPD dafür waren und einige Ministerpräsidenten das<br />
machen wollten und dann hat Schröder das in letzter Minute verhindert.<br />
Nicht glücklich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>&quot;Parole&quot; &quot;Mist&quot; &#8211; harte Worte für die<br />
eigenen Genossen &#8211; die SPD krebst in den Umfragen bei 30 Prozent herum,<br />
ist es da taktisch klug, als Parteilinke die eigene Regierung abzuwatschen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Wir haben hohe Solidarität im Wahlkampf 2002 und auch vor<br />
den Landtagswahlen gezeigt, aber das hat dann seine Grenze erreicht, wenn<br />
die Politik, die vorgegeben wird nicht erfolgreich verläuft und es<br />
Änderungen braucht. Im übrigen: Die SPD hat zwei Flügel,<br />
damit sie fliegen kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Noch mal zur Person und zur IG Metall:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zuckerpuppe:</b><br />
Was ist denn Ihre Aufgabe bei der IG Metall?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ich kümmere mich um die Kommunikation mit den politischen Entscheidungsträgern<br />
und mache politische Einschätzungen für Zwickel &amp; Co. und<br />
habe da noch so ein paar Sonderprojekte, die ich nicht unbedingt hier<br />
ausbreiten will :-))</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cle_home:<br />
</b>Wo ist für die IG Metall die Grenze der Reformen? Die Gewerkschaften<br />
wollen &quot;ohne Tabus&quot; und &quot;offen&quot; über alles reden.<br />
Aber wo ist beim Kündigungsschutz Schluss?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Einerseits werden wir in der Öffentlichkeit als totale Reformverweigerer<br />
gebrandmarkt, als Traditionalisten beschimpft. Andererseits gibt es natürlich<br />
Bereitschaft der Gewerkschaften zu Reformen, z.B. Gesundheitspolitik.<br />
Beim Kündigungsschutz sehe ich nicht viel Spielraum, da haben sich<br />
die Vorsitzenden der Gewerkschaften ja klar geäußert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>SPD-Fraktionschef Franz Müntefering liegt derzeit auf ihrer<br />
Linie. Er will beim Kündigungsschutz nichts verändern, allenfalls<br />
über die Abfindungen reden. Bei Wirtschaftsminister Clement sieht<br />
das anders aus. Sie haben erklärt, sie wollten sich nicht mehr &quot;erpressen&quot;<br />
lassen. Wie sah er denn aus, der Erpressungsversuch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Wenn ein Minister mit hoher Öffentlichkeitswirkung seine<br />
politische Glaubwürdigkeit an einem einzigen Punkt, der zu verhandeln<br />
ist, festmacht, dann ist das so, als würde er diejenigen, die das<br />
begründet anders sehen, in den Schwitzkasten nehmen. Dann wird jeder,<br />
der sachlich anderer Meinung ist zu jemanden, der ihm persönlich<br />
schadet. So kann eine Willensbildung nicht laufen. Ich habe mich auch<br />
deshalb geärgert, weil es längst auch vernünftige Gespräche<br />
gegeben hat, wie man da ohne Provokation vorgehen kann. Clement neigt<br />
leider zu heftigen Auftritten, das ist nicht immer hilfreich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sideshow:</b><br />
Finden Sie nicht, das Interessensgruppen (wie die IGM) in diesem Land<br />
viel zu sehr auf die Bremse treten und einen bedenklichen Kurs (mit Modellen,<br />
die den heutigen Herausforderungen nicht mehr gerecht werden) fahren,<br />
was das wirtschaftliche und gesellschaftliche Fortkommen behindert? Und<br />
das obwohl die Gewerkschaften nur noch einen kleinen Teil der Bevölkerung<br />
überhaupt vertreten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Die deutschen Gewerkschaften organisieren derzeit 6 Millionen<br />
Arbeitnehmer<br />
das ist keine Minderheit; oft ist das &quot;wording&quot; der Gewerkschaften<br />
ein wenig unzeitgemäß, so empfinde ich es jedenfalls, aber<br />
es ist völlig überzeichnet was da an Negativimage in der Presse<br />
über Gewerkschaften zu lesen ist. In den Betrieben vor Ort werden<br />
ungeheuer flexible und zeitgemäße Lösungen miteinander<br />
verabredet. Ich finde, dass die Gewerkschaften eine sehr gute Arbeit machen,<br />
was die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt angeht. Sie sind oft<br />
einfach eine Anlaufstelle und eine Stütze für die Interessen<br />
der Beschäftigten; wenn das diskreditiert wird, dann frage ich mich,<br />
welche Interessen dahinter stehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Haben Sie das Gefühl, dass die Gewerkschaften im Moment eine besonders<br />
&quot;schlechte Presse&quot; bekommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jüppchküsch:<br />
</b>Sie vertreten eher den linken, gewerkschaftsnahen Flügel<br />
in der SPD. IG-Metallchef Zwickel wir nachgesagt, dass er an der Übernahme<br />
von Vodafone bei Mannesmann persönlich kräftig mitverdient hat.<br />
Steinkühler musste vor einigen Jahren aufgrund von Aktien-Insiderwissen<br />
zurücktreten. Was meinen Sie: Jeder von uns bereichert sich doch<br />
mehr oder weniger, wenn er die Gelegenheit dazu bekommt. So hat der Sozialismus<br />
doch keine Chance oder sehen Sie das anders?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Zwickel hat nichts an der Übernahme verdient, er hat zugegeben, dass<br />
es besser gewesen, mit „Nein“ zu stimmen, als es um die hohe<br />
Abfindung von Esser ging. Aber er hat sich (als einziger übrigens)<br />
nur enthalten. Immerhin! Eine persönliche Bereicherung hat es zu<br />
keinem Zeitpunkt gegeben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Glaube ich gerne, aber eine Frage an die Insiderin: Wie ist das Feedback<br />
in der Gewerkschaft angesichts dieser immens hohen Abfindungen. Das sind<br />
für &quot;normale&quot; Arbeitnehmer ja schon Traumzahlen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Die Abfindungen sind lächerlich hoch und nicht zu rechtfertigen.<br />
Das ist auch die Grundstimmung in den Gewerkschaften</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Der Zauber<br />
von Madeira:</b> Was halten Sie denn konkret von Michael Sommer.<br />
mit der IG Metall ist der ja auch nicht immer auf einer Linie, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Michael Sommer macht seinen Job öffentlichkeitswirksamer<br />
und moderner als sein Vorgänger und das finde ich gut. Das er sich<br />
mit der Mehrwertsteuer an einer Stelle mal vergaloppiert hat, nun ja.<br />
Ansonsten sehe ich aber eine große Übereinstimmung zwischen<br />
DGB und IGM.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cle_home:</b><br />
Hans Eichel sagte im &quot;Wahlbetrugs-Ausschuss&quot;, dass in der Politik<br />
nicht um Fakten gehe, sondern um Meinungen und politische Entscheidungen.<br />
Teilen sie seine Ansicht von Politik?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Es geht nicht nur um Faktenhuberei. Es geht auch darum, ob man Tendenzen<br />
in die eine oder andere Richtung verstärkt. Wenn man in eine abschwächende<br />
Konjunktur auch noch mit Horrorzahlen reinhaut kann das den Abschwung<br />
befördern. Wirtschaft ist zu 50% Psychologie hat mal jemand Schlaueres<br />
gesagt als ich. Das heißt nicht, dass man frei erfinden sollte.<br />
Aber es heißt doch, dass es auch um Abwägungen geht</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wie ehrlich kann Politik dann noch sein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Politik wird von den Entwicklungen immer eingeholt und geprüft<br />
und in einer Demokratie steht sie immer im Kreuzfeuer der Demokraten.<br />
Sie hat die Verpflichtung zur &quot;Ehrlichkeit&quot;, aber das ist eben<br />
kein Begriff, der im privaten wie im politischen Spielräume von Entscheidungen<br />
ausschließen würde. Wo es Spielräume auszuloten gibt,<br />
gibt es auch Fehlentscheidungen, Irrtümer, bewusste Täuschungen,<br />
Ungenauigkeiten, oder man nennt das auch &#8211; LEBEN</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Welcher politischer Flügel schlägt ehrlicher, der rechte oder<br />
der linke?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Keiner von beiden, keine taugliche Kategorie.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sideshow:<br />
</b>Wie glauben Sie ist der &#8211; von allen Seiten unbestritten notwendige<br />
&#8211; Reformprozess nun anzupacken? Ist es nicht so, dass die politisch Verantwortlichen<br />
immer mehr Ihr Vertrauen verspielen, nicht den Mut haben, über Parteigrenzen<br />
hinweg endlich aktiv zu werden und gemeinsam das Land für die Zukunft<br />
fit zu machen? Und ganz konkret &#8211; da Sie ja nun nicht mehr ein Mandat<br />
der SPD-Bundestagsfraktion haben: Ist die aktuelle Regierung aus Ihrer<br />
Sicht gescheitert, wenn nicht bis zum Sommer endlich mehr passiert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ich bin zuversichtlich das wir einen guten Batzen Reformumsetzung bis<br />
zum Sommer haben werden. Ich finde aber auch, dass die Ungeduld sehr unpassend<br />
ist. Wir haben die mit Abstand größte arbeitsmarktpolitische<br />
Reform mit Hartz angepackt. In den Arbeitsämter ist derzeit ein Umbruch,<br />
ein Neuanfang wie noch nie. Davon habe ich mich erst letzte Woche selber<br />
überzeugt bei mir vor Ort. Und bevor überhaupt etwas sichtbar<br />
wird, etwas wirken KANN, schreien alle schon nach neuen Reformen. Demokratie<br />
und auch Reformen brauchen Zeit. Aktionismus &#8211; und danach scheint es manchmal<br />
zu gehen -hilft überhaupt nicht. Ich stimme Ihnen jedoch zu: es muss<br />
in der Gesundheitspolitik Strukturreformen geben. Da sind wir dran. Und<br />
wir brauchen auch neue Impulse bei der Investitionspolitik.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>irene_adler:</b><br />
Aber Hartz wurde doch &#8211; wie er selbst bemängelt – verwässert&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
&#8216;Tschuldigung. Aber Hartz ist nicht Buchstabe für Buchstabe umgesetzt<br />
worden. Da finde ich, dass der Manager etwas gekränkt reagiert hat.<br />
Die Kernpunkte Zeitarbeitsfirmen (PSA) und Mini-Jobs und Umbau der Bundesanstalt<br />
laufen doch auf vollen Touren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zu einem anderen Thema, beginnend mit einer &quot;Glaubens&quot;-Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>irene_adler:</b><br />
Glauben Sie, dass der Krieg kommt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Ja, leider.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Es gibt nur noch ein kleines Fenster für eine friedliche Lösung<br />
und daran arbeitet Deutschland im Verbund mit Frankreich auf Hochdruck.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>joe333:</b><br />
Halten sie einen US-Angriff auf den Irak ohne weitere UN-Resolution für<br />
völkerrechtswidrig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sozenfreund:<br />
</b>Frau Nahles, warum liefert die Bundesregierung nicht die Waffen<br />
an die Türkei, welche von der Nato angefordert wurden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Die UN-Resolution ist für einen Krieg die einzige legitime Grundlage.<br />
Die Türkei wird von uns materiell unterstützt um ihre Verteidigung<br />
aufrechtzuerhalten. Für mehr haben wir keine Kapazität da wir<br />
massiv im Kosovo, Bosnien und Afghanistan engagiert sind</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">j<b>oe333:</b><br />
Wie stehen sie zu den Überflug- und Nutzungsrechten der US-Truppen<br />
in Deutschland im Falle eines Angriffs auf den Irak ohne eine neue UN<br />
Resolution?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Die müssen und sollten wir gewährleisten. Deutschland hat mit<br />
seinem klaren Nein zu einer Beteiligung an dem Krieg und zu seiner konsequenten<br />
Diplomatie viele Chancen auf eine KRIEGSVERHINDERUNG ermöglicht.<br />
Da wiegt für mich diese Frage gering.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Trotzdem: Wäre es nicht völkerrechtlich konsequent,<br />
diese dann zu verweigern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Nein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sonnenlicht:</b><br />
Hat Frau Merkel in den USA mit ihrer Kritik an der Regierung einen Tabubruch<br />
begangen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ja, aber schlimmer ist, dass Frau Merkel sich an den Rockzipfel der Bush-Administration<br />
hängt</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zuckerpuppe:</b><br />
Was sagen Sie zu den Vorschlägen der CDU, wonach die Bundeswehr nun<br />
auch im Inneren eingesetzt werden soll?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Panikmache.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lunabar:</b><br />
Die Koalition der Antikriegsgegner ist ja einen ziemlich unhomogene Gruppe:<br />
Rechte treffen auf Linke, Antisemiten auf Philosemiten, Globalisierungsgegner<br />
auf Labelträger&#8230; ist es überhaupt eine Bewegung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ich glaube, dass es nicht eine so kohärente Bewegung ist wie in den<br />
80ern. Es sind auch keine rein pazifistischen Strömungen dominant.<br />
Es ist eine Koalition der Vernunft.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Sie unterstützen Schröders Kurs in der Irak-Frage in vollem<br />
Umfang. Keine Bedenken wegen des zerbrochenen deutsch-amerikanischen Porzellans?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Wir sollten nicht unnötig eskalieren, aber ich sage: Bush hat sich<br />
mit seiner Präventivschlag- Strategie sehr weit vom bisherigen vernünftigen<br />
außenpolitischen Konsens entfernt, dass da was dagegen gesetzt werden<br />
musste und muss. USA ist nicht gleich Bush-Administration.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Was passiert, wenn der irakische Diktator Saddam Hussein nicht<br />
wie vom Waffeninspektor Blix gefordert, seine El-Samud 2-Raketen vernichtet<br />
&#8211; und Blix die nötige Kooperation des Irak als nicht vorhanden feststellt<br />
&#8211; ist dann das &quot;letzte Mittel Gewalt&quot; nicht notwendig? Könnte<br />
das von der SPD nicht mitgetragen werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Im Memorandum, das Deutschland und Frankreich dem UN-Sicherheitsrat vorgelegt<br />
haben, ist als letztes Mittel Gewalt angeführt. Es ist aber doch<br />
so, dass es den Anschein hat, als sei die Gewalt schon beschlossene Sache<br />
für einen Teil des UN-Sicherheitsrat und die andere Seite versucht,<br />
die friedlichen Möglichkeiten auszuschöpfen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Das beantwortet nicht ganz meine Frage: Alle drücken sich<br />
gerne vor den „was-wäre-wenn“ &#8211; Szenarien, aber trotzdem<br />
muss man sich die Frage als Politiker doch mal stellen, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:<br />
</b>Deutschland wird sich nicht an einem Krieg beteiligen. Wie die<br />
genaue Abstimmungssituation ist &#8211; auch wenn das ausweichend klingt &#8211; kann<br />
ich nicht sagen. Es ist für mich nur klar, was Schröder erklärt<br />
hat, wird er auch halten: Eine den Krieg legitimierende Resolution wird<br />
Deutschland nicht zustimmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>peter_licht:</b><br />
Warum glauben Sie zieht Blair mit? Er hat davon keine innenpolitischen<br />
Vorteile &#8211; weder von den Bürgern, noch von der eigenen Partei. Was<br />
treibt ihn?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Es gibt sicher auch den seltenen Fall :-)), dass ein Politiker einfach<br />
das tut, was er für richtig hält. Das unterstelle ich Blair<br />
&#8211; obwohl ich seine Meinung nicht teile &#8211; durchaus. Es kommt Geltungsbedürfnis<br />
und mittelfristige – „Wir sind die besten Partner der USA<br />
in Europa“-Überlegungen dazu.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Noch eine „was-wäre-wenn“-Frage: Wie schätzen<br />
sie den Schaden ein, wenn die USA und Großbritannien ohne UNO-Mandat<br />
gegen Irak ziehen. Ist die UNO dann eine &quot;Ruine&quot;, wie es jüngst<br />
mehrfach in der Presse zu lesen war?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ich glaube im Gegenteil, dass sich die mangelnde Legitimation höchst<br />
negativ für die USA und Großbritannien auswirken werden. Meine<br />
Befürchtung ist, dass die Welt durch so ein Verhalten insgesamt unsicherer<br />
wird. Die UN ist allerdings ohne die USA immer in einer schwierigen Situation.<br />
Deshalb muss versucht werden, beieinander zu bleiben. Es kann aber nicht<br />
sein, dass die UN für die USA immer nur dann funktioniert, wenn sie<br />
die Meinung der USA voll umsetzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Noch mal zur Person:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hillu: </b>Wo<br />
sehen Sie denn Ihre politische Zukunft? wollen Sie 2006 wieder in den<br />
Bundestag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Ja, ich werde kandidieren. Ich bin weiter politisch sehr aktiv, es ist<br />
nicht so,<br />
dass ich da einen größeren Bruch ausmache.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Liebe Chat-Freunde, eine Stunde ist vorbei. Herzlichen Dank Frau<br />
Nahles, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen sind und herzlichen<br />
Dank an alle User/innen für das Interesse. Noch ein Terminhinweis:<br />
Am Dienstag, 4.März, kommt der Leiter des Aspen Institute, Jeffrey<br />
Gedmin, zum Chat. Das Aspen Institute ist vermutlich die wichtigste amerikanische<br />
Denkfabrik in Deutschland. Gedmin ist Experte für die deutsch-amerikanischen<br />
Beziehungen und den Nahen Osten. Wir würden uns freuen, wenn Sie<br />
wieder dabei sind. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie<br />
auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de<br />
sowie des Unterstützers tagesspiegel.de. Die Website von Andrea Nahles<br />
erreichen Sie unter http://www.andreanahles.de. Das tacheles.02-Team wünscht<br />
allen noch einen schönen Abend.</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotjeden_tag_eine_neue_parole_macht_die_basis_ziemlich_ratlosquot-325/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Mehr Service für Bildungsausländer</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/globallmamater/netzkampagnendaadhoffmann-shtml-2837/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Feb 2003 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Global@lmamater]]></category>
		<category><![CDATA[Website]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
		<category><![CDATA[Rolf Hoffmann]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/netzkampagnendaadhoffmann-shtml-2837/</guid>

					<description><![CDATA[Rolf Hoffmann leitet die Konzertierte Aktion "Internationales Marketing für den Bildungs- und Forschungsstandort Deutschland". Im Interview schildert er, was die Hochschulen an ihrem Web-Auftritt verbessern müssen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Rolf Hoffmann leitet die Konzertierte Aktion &#8220;Internationales Marketing für den Bildungs- und Forschungsstandort Deutschland&#8221;. Im Interview schildert er, was die Hochschulen an ihrem Web-Auftritt verbessern müssen.<!--break--><br />
                    </p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Herr Dr. Hoffmann, Sie leiten das Sekretariat Konzertierte Aktion (SKA) und die Geschäftstelle des Hochschulkonsortiums GATE-Germany. Was genau verbirgt sich dahinter?</p>
<p>
                    <strong>Rolf Hoffmann:</strong> Auf Initiative von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn haben sich in 2001 35 staatliche und nichtstaatliche Institutionen zur Konzertierten Aktion &#8220;Internationales<br />
                    <strong><br />
                      <img decoding="async" height="103" alt="Rolf Hoffmann" src="/edemocracy/netzkampagnen/images/hoffmann.gif" width="85" align="left" /><br />
                    </strong>Marketing für den Bildungs- und Forschungsstandort Deutschland&#8221;, zusammengeschlossen, um weltweit für den Bildungsstandort Deutschland zu werben und dessen Produkte zu verbessern.Das Sekretariat der Konzertierten Aktion ist zuständig für die Planung und Koordination der operativen Maßnahmen, d.h. die Konzeption und Koordination der weltweiten Imagekampagne &#8220;Hi! Potentials! International careers made in Germany&#8221;. In Ergänzung zur Konzertierten Aktion hat das von<br />
                    <a href="http://www.daad.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">DAAD</a> und<br />
                    <a href="http://www.hrk.de/" target="_self" rel="noopener noreferrer">HRK</a> gebildete Hochschulkonsortium<br />
                    <a href="http://www.gate-germany.de/index_ie.jsp" target="_blank" rel="noopener noreferrer">GATE-Germany</a> im gleichen Jahr seine Arbeit aufgenommen.GATE-Germany unterstützt seine 100 Mitgliedshochschulen bei ihrer eigenen internationalen Vermarktung und Positionierung im Ausland durch Werbeveranstaltungen im Ausland, Fortbildungsmaßnahmen, Medienunterstützung und individuelle Dienstleistungen für seine Mitglieder.</p>
<p>In den letzten 2 Jahren haben wir mit GATE-Germany und der Konzertierten Aktion bei mehr als 130 internationalen Bildungsveranstaltungen (Bildungsmessen, road shows, Leistungsshows deutscher Wirtschaftsunternehmen etc) den Studien- und Forschungsstandort Deutschland präsentiert. Wir haben bei diesen Veranstaltungen mittlerweile über 120.000 Interessenten im Ausland direkt ansprechen können, und wir wissen, daß die Hochschulen, die mitmachen, einen deutlichen Anstieg von Bewerbungen qualifizierter internationaler Studierender von dort erhalten haben, wo sie mit uns aufgetreten sind. Dies zeigt ja auch die allgemeine Statistik, die einen überproportionalen Anstieg ausländischer Studierender gerade aus den Zielländern der Konzertierten Aktion verzeichnet.<br />
                    <br />
                    <strong><br />
                    <br />politik-digital:</strong> Warum sollen denn Studierende aus dem Ausland nach Deutschland geholt werden? Die Hörsäle sind doch jetzt schon immer überfüllt.</p>
<p>
                    <strong>Rolf Hoffmann:</strong> Es ist nicht unser Anliegen, die Studierendenzahlen an deutschen Hochschulen undifferenziert zu steigern, sondern Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb qualitativ besser zu positionieren. Während insbesondere die englischsprachigen Länder wie die USA, Großbritannien und Australien schon seit Jahren um hochqualifizierte Studierende und Wissenschaftler konkurrieren, hat sich Deutschland mit der Konzertierten Aktion und GATE-Germany erst vor gut zwei Jahren in diesen Wettbewerb „um die besten Köpfe“ eingereiht. Weltweit gibt es annähernd zwei Millionen mobile Studierende, Graduierte und Nachwuchswissenschaftler, von denen die besten die zukünftigen Eliten ihrer Heimatländer bilden. In vielen ihrer Heimatländer &#8211; besonders in Asien &#8211; gibt es nicht ausreichende Ausbildungskapazitäten an den Hochschulen. Gleichzeitig stagniert, ja sinkt sogar in manchen Fächern in den Industrieländern &#8211; also auch bei uns &#8211; das Interesse an den klassischen Natur- und Ingenieurwissenschaften seit Jahren.</p>
<p>Beim Hochschulmarketing geht es aber nicht nur darum, internationales Wissen und fremde Kulturen in deutsche Hörsäle zu tragen, sondern auch um den Aufbau eines Netzwerkes ausländischer Nachwuchseliten, das wiederum den Grundstein für weitreichende, langfristige Kooperationen mit Deutschland in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft legt. Schließlich trägt die Präsenz Deutschlands auf dem internationalen Bildungsmarkt letztendlich auch zur Qualitätsverbesserung der deutschen Forschung und Lehre bei, wenn wir die Besten der Besten erreichen und nach Deutschland zu einem Studien- oder Forschungsaufenthalt einladen können.<br />
                    <br />
                    <strong><br />
                    <br />politik-digital:</strong> Wie steht Deutschland denn im internationalen Vergleich da?</p>
<p>
                    <strong>Rolf Hoffmann:</strong> Als Gastland rangiert Deutschland mit etwa 166.000 ausländischen Studierenden an dritter Stelle, hinter den USA und Großbritannien mit 453.785 bzw. 198.839 ausländischen Studierenden. Auch wenn sich die Zahl der Bildungsausländer an deutschen Hochschulen seit 1976 vervierfacht hat, hat Deutschland gegenüber den genannten Ländern durchaus Nachholbedarf. Hinzu kommt, daß die anderen europäischen Länder wie beispielsweise Frankreich und die Niederlande sich auf dem internationalen Bildungsmarkt ebenfalls zunehmend stärker präsentieren.</p>
<p>
                    <strong><br />
                    <br />politik-digital:</strong> Welche Rolle spielt das Internet aus Ihrer Sicht heute bei der Anwerbung der internationalen Studierenden?</p>
<p>
                    <strong>Rolf Hoffmann:</strong> Das Internet spielt eine wichtige Rolle bei der Anwerbung ausländischer Studierender und Wissenschaftler, was sich auch an den Userstatistiken des KA-Internetportals<br />
                    <a href="http://www.campus-germany.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.campus-germany.de</a> ablesen läßt:<br />
                    <br />Campus-Germany verzeichnet mit seinem umfassenden fünfsprachigen Informationsangebot mehr als eine Millionen Seitenabfragen pro Monat – und die Tendenz ist steigend.<br />
                    <br />Das Internet garantiert eine schnelle und aktuelle Aufbereitung wichtiger Informationen, die die ohnehin teureren Printmedien nicht zu leisten imstande sind. So konnte die unlängst modifizierte Arbeitszeitregelung für ausländische Studierende und Wissenschaftler aktuell über das Netz bekannt gegeben werden.<br />
                    <br />Das Internet unterstützt ausländische Studierende nicht nur bei ihrer Suche nach einer geeigneten Universität, sondern informiert sie auch über die für sie besonders wichtigen wissenschaftlichen communities und Freizeitaktivitäten.<br />
                    <br />Zu guter Letzt erreicht das Internet nahezu jeden Winkel der Erde und ist somit das perfekte Medium zur Ansprache unserer Zielgruppe weltweit.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Bislang finden ja immer noch real-life Reisen ins Ausland statt, um direkt für den Hochschulstandort Deutschland zu werben. Glauben Sie, dass das Internet große Teile dieser Aufgabe übernehmen kann? Wenn ja wie und gibt es bereits Beispiele?</p>
<p>
                    <strong>Rolf Hoffmann:</strong> Das Internet stellt eine wichtige Ergänzung unsere Werbeaktivitäten im Ausland dar, kann diese jedoch nicht ersetzen. Der persönliche Kontakt und die Möglichkeit einer individuellen Beratung machen das deutsche Studien- und Forschungsangebot für ausländische Interessierte greifbarer und authentischer als es das Internet vermag. Darüber hinaus integrieren wir einige unserer Auftritte in einen bestimmten thematischen Kontext (z.B. Wirtschaftsmessen, Fachmessen, Wissenschaftsausstellungen), die den Bezug zwischen Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft werbewirksam veranschaulichen.<br />
                    <br />Das Internet respektive campus-germany hilft uns jedoch, erfolgreich für unsere Veranstaltungen zu werben. Dies wäre mit anderen Medien durchaus schwieriger und kostenintensiver.<br />
                    <br />Darüber hinaus ergänzt campus-germany die am Informationsstand geführten persönlichen Beratungsgespräche um eine Fülle wichtiger Detailfragen und Zusatzinformationen. Die Adresse unseres Internetportals wird im übrigen auf unseren Standmaterialien beworben. Nicht selten finden Interessenten über unsere Broschüren wieder den Weg zu campus-germany.<br />
                    <br />
                    <strong><br />
                    <br />politik-digital:</strong> Die Studie Glob@lma Mater kommt ja zu dem Ergebnis, dass noch einiges zu tun ist, um das Internet adäquat zu nutzen? Wie wollen Sie das Potenzial voll entfalten, beziehungsweise was sind ihre Handlungsempfehlungen an die Hochschulen?</p>
<p>
                    <strong>Rolf Hoffmann:</strong> Es besteht in der Tat Verbesserungsbedarf hinsichtlich der Webauftritte vieler deutscher Hochschulen. GATE-Germany bietet mit entsprechenden Schulungen auch hier Hilfestellung an.<br />
                    <br />Die Studie Glob@lma Mater hat gezeigt, daß das Angebot deutscher Hochschulen für internationale Leser nicht immer durchgängig auf Englisch verfügbar ist. In diesem Punkt besteht also dringend Handlungsbedarf.<br />
                    <br />Da Universitäten ihre Websites mitunter dezentral gestalten, ist ihr Angebot häufig &#8211; besonders mit Bezug auf ausländische Zielgruppen &#8211; uneinheitlich und unübersichtlich, und hat sehr oft noch einen eher selbstdarstellerischen Charakter. Um ein größeres Maß an Nutzerfreundlichkeit zu erzielen, sollten Universitäten stärker auf die Einheitlichkeit ihres Webangebots achten, die Informationen gebündelt darstellen und vor allem daran denken, wer sie liest &#8211; eben nicht der informierte deutsche Universitätsangehörige, sondern jemand im Ausland, der in der Regel noch nie in Deutschland war, kein Deutsch kann, nichts über Deutschland, Universitäten hier oder Fachhochschulen da weiß und der zunächst schlicht Infos &#8211; und die eher in Englisch &#8211; will. Die meisten Websites behandeln ausländische Studierende und Wissenschaftler als eine homogene Gruppe, berücksichtigen also nicht deren unterschiedliche Herkunftsländer und Informationsbedürfnisse. Auch werden nur unzureichend die unterschiedlichen Rahmenbedingungen von lang- und kurzfristigen Studienaufenthalten dargestellt. Darüber hinaus sollte die für Ausländer besonders hilfreichen Hinweise auf wissenschaftliche Communities und Mentorenprogramme prominenter platziert werden. Der Empfehlung der Studie an die Hochschulen, ihr Internetangebot zielgruppenspezifischer zu gestalten, kann ich mich nur anschließen.</p>
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		<title>Why DMCA? Global village, people!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jan 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Digital Millennium Copyright Act]]></category>
		<category><![CDATA[Verbraucherschutz]]></category>
		<category><![CDATA[John Perry Barlow]]></category>
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		<category><![CDATA[Copyright]]></category>
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					<description><![CDATA[Interview 22-1-2003 mit John Perry Barlow]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Interview 22-1-2003 mit John Perry Barlow<!--break-->
                  </p>
<p>
                  <br />
                  <strong>John Perry Barlow ist Mitbegründer der<br />
                  <a href="http://www.eff.org/%7Ebarlow/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Electronic Frontier Foundation</a> (EFF) und Fellow am Berkman Center for Internet and Society der Harvard Law School. Außerdem war er Texter der Gruppe<br />
                  <a href="http://www.dead.net" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Grateful Dead</a>.</strong></p>
<p>
                  <strong><br />
                    <img decoding="async" height="113" alt="John Perry Barlow" src="/salon/photos/jbarlow.jpg" width="87" align="left" /><br />
                  </strong><br />
                  <strong>politik-digital:</strong> 1998 unterschrieb Bill Clinton den Digital Millennium Copyright Act (DMCA), gemäß den WIPO (World Intellectual Property Organization) -Verträgen. Wo liegen Ihrer Meinung nach die größten Fehler des DMCA, die größten Verletzungen von Freiheiten der Bürger?</p>
<p>
                  <br />
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Der größte Fehler des DMCA ist, dass die Verknüpfung von Gesetzgebung und technischem Fortschritt dort zu einer Monopolbildung führt, wo man gerade kein Monopol haben will – im demokratischen Prozess. Für den demokratischen Prozess ist es unverzichtbar, dass verschiedene Sichtweisen dargestellt werden können und eine einfache und offene Kommunikation möglich ist. Doch ein Gesetz wie DMCA bringt die großen Medienunternehmen in den Besitz alles Gedachten und Gesagten – und das betrifft auch jene Ideen, die schon längst frei zugänglich und nicht urheberrechtlich geschützt sind.<br />
                  <br />So wird eine faire Nutzung von Ideen und Informationen drastisch eingeschränkt, vor allem weil das Copyright auf Bereiche angewandt wird, für die es nicht vorgesehen war. IBM benutzt z.B. das Gesetz, um den Gebrauch und den Absatz ihrer Druckerpatronen zu schützen. Wenn jemand die Druckerpatronen von IBM nachbaut, macht er sich strafbar [Es dürfen also nur IBM-Patronen in die IBM-Drucker, Anm. d. Ü.]. Und das ist nur eines von vielen Beispielen. Das andere Problem des Gesetzes ist der Versuch, die Infrastruktur von Computern und Internet neu zu definieren.</p>
<p>
                  <br />
                  <strong>politik-digital:</strong> Es gab schon vor DMCA Copyright-Gesetze. Worin unterscheidet sich der DMCA von seinen Vorgängern?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Durch den DMCA werden Behälter ermöglicht, die man nicht legal öffnen kann. Gleichzeitig kann man Inhalte in diese Behälter bringen, die eigentlich schon im öffentlichen Raum stehen – eine Art plötzliche Privatisierung, die einen beträchtlichen Flankenschutz vom Gesetzgeber erhält. Erscheint beispielsweise Alice im Wunderland als elektronisches Buch – der Urheberschutz von Alice im Wunderland ist ja schon lange abgelaufen – und jemand will sich das Buch, dann muss er den Kopierschutz brechen. Hat man ein Tool, um den Kopierschutz zu brechen, dann landet man im Gefängnis wie der russische Programmierer, der in den Vereinigten Staaten inhaftiert wurde.</p>
<p>
                  <br />
                  <strong>politik-digital:</strong> Das Ganze erinnert ein bisschen an die Debatte über Verschlüsselung vor einigen Jahren. Da versuchte der Staat auch, Einschränkungen von Kryptographie vorzunehmen, in dem technische Schranken gegen die Verbreitung starker Verschlüsselungsverfahren eingeführt werden sollten. Im Endeffekt konnten die staatlichen Akteure ihre Position aber nur sehr begrenzt durchsetzen, oder?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Das erinnert mich ganz stark an die Debatte über Verschlüsselung, an der ich ja aktiv beteiligt war. Aber was die Copyright-Gesetze angeht, bin ich nicht halb so optimistisch. Denn in der Auseinandersetzung um die Verschlüsselung waren wir in der Lage zu zeigen, dass die Beschränkung der Verschlüsselung-Algorithmen ein direkter Eingriff in das Recht auf Redefreiheit war. Die Einschränkungen waren verfassungswidrig. Was den DMCA betrifft, scheinen sich die Richter entschieden zu haben, die Verfassung zu ignorieren. Bei allem, was wir vor Gericht gegen den DMCA vorgebracht haben, hat das Gericht die verfassungsrechtlichen Bedenken nicht einmal in Betracht gezogen.<br />
                  <br />Das ist ziemlich offensichtlich: Wir hatten z.B. einen Fall, wo der Beklagte auf seiner Website Links zu DeCSS gesetzt hatte, den Entschlüsselungscode für DVDs. Es waren nur Links! Er wurde verurteilt, gegen den DMCA verstoßen zu haben, für etwas, dass ich klar und deutlich Ausübung der Redefreiheit nennen würde.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Bei der Frage um Verschlüsselung spielte die American Civil Liberties Union (ACLU) einen wichtige Rolle. Gibt es eine Zusammenarbeit mit der ACLU gegen den DMCA?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Die ACLU beschäftigt sich nur äußerst widerwillig und langsam mit diesem Thema. Denn sie wissen, dass sie damit ihre traditionelle Basis gegen sich aufbringen, die Unterhaltungsindustrie. Ich habe einmal einen Preis von ACLU bekommen und es gab ein großes, festliches Hollywood-Dinner. Als ich den Preis entgegen nahm, wurde ich fast von der Bühne gebuht. Ich habe ihnen nämlich gesagt, dass sie – wenn ihnen wirklich etwas an der Redefreiheit liegen würde – sich noch einmal über das Copyright Gedanken machen müssten. Die Unterhaltungsindustrie ist immer so lange für die Redefreiheit, wie es ihren Geschäften nützt.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> In den USA ist der Teil der DMCA, der am meisten in der Kritik steht, in Überarbeitung, der Abschnitt 1201. Glauben Sie, dass die Fehler, die Sie gerade angesprochen haben, behoben werden können?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Ich weiß es nicht. Der Kongressabgeordnete Rick Boucher hat gerade eine Gesetzesvorlage eingebracht, die den Verbraucherschutz in Bezug auf den DMCA wieder herstellen will. Allerdings weiß ich nicht, ob der Entwurf verabschiedet wird oder nicht.</p>
<p>In der Zwischenzeit greift die Unterhaltungsindustrie hart durch und schafft neue technische Beschränkungen gegen die Redefreiheit und die Verbreitung von Informationen. Besonders beängstigend ist, dass Intel, Microsoft und einige Chiphersteller jetzt mit dem Model des „trusted computing“ aus der Deckung kommen, was soviel heißen soll, dass du deinem Computer trauen kannst. Es bedeutet aber nichts anderes, als dass Microsoft deinem Computer trauen kann und Hollywood deinem Computer trauen kann. Da findet Digital Rights Management (DRM) direkt in der Hardware und dem Betriebssystem statt!</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Wie sollten denn Digital Rights gesichert werden? Songwriter, Autoren und Sänger haben doch schließlich auch ein berechtigtes Interesse an Kopierschutz.</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Ich bin ja selbst Songwriter. Das derzeitige System hat doch riesige Tücken und Fehler. Heute werden einem professionellen Durchschnittsmusiker für Urheberrechte weniger als sechshundert Dollar pro Jahr gezahlt. Den Rest behalten die Musikkonzerne. Es ist also ein Trugschluss, dass dieses Gesetz die Rechte der Texter und Musiker schützt.<br />
                  <br />Meiner Meinung nach ist es in unserem Interesse, dass unsere Arbeit verbreitet wird. Für Musik und andere immaterielle Produkte im Allgemeinen gelten meiner Meinung nach auch andere Regeln als für materielle Produkte. Bei materiellen Produkten gibt es einen Zusammenhang zwischen Verfügbarkeit (Knappheit) und Wert: ein knappes Gut ist teurer. Bei Musik und Gedanken gibt es aber einen Zusammenhang zwischen Vertrautheit und Wert.<br />
                  <br />Das zeigt meine persönliche Erfahrung mit den Grateful Dead ganz deutlich. Wir haben unsere Arbeit auch kostenlos zugänglich gemacht, als wir anfingen, erfolgreich zu sein. Und interessanterweise verkauften sich alle unsere CDs äußerst gut, gerade weil wir Mitschnitte von unseren Konzerten erlaubten und frei zugänglich machten.<br />
                  <br />Was wir vor allem im Auge behalten müssen, sind die Rechte der Songwriter und Autoren, und nicht die der großen Institutionen. Denn die sind nur daran interessiert, die digitale Verbreitung abzuwürgen.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Aber ist das nicht eher ein moralisches Problem?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Es ist auch ein wirtschaftliches Problem. Philosophisch müssen wir den Begriff „geistiges Eigentum“ komplett neu überdenken, obwohl es ein noch junger Begriff ist. Vor vierzig Jahren gab es so etwas noch nicht. Bei der Einführung des Rechts auf und den Schutz des „geistigen Eigentums“ handelte es sich zunächst um einen Schutz der Idee für eine bestimmte, und zwar relativ begrenzte Zeit. Aber auch schon damals hat man geistiges Eigentum nicht wirklich besessen und ich halte es für irreführend zu glauben, dass man es jetzt besitzt. Das wäre, als würde man Freundschaften besitzen.<br />
                  <br />Es sind Dienstleistungen, und keine Produkte. Also müssen wir sie auch wie Dienstleistungen behandeln, denn man kann – wie schon gesagt – immaterielle Güter nicht als Produkte definieren. Tut man das aber, so führt das dazu, dass die Leute Tauschbörsen im Netz als ebenso kriminell ansehen wie den Ladendiebstahl. Da gibt es aber einen großen Unterschied. Wenn du in einen Laden gehst und ein Kleidungsstück klaust, ist es weg. Die Ware und ihr wirtschaftlicher Wert ist für das Geschäft verloren. Wenn du im Netz einen meiner Songs runterlädst, habe ich ihn immer noch. Er wird sogar wertvoller, wenn ihn mehr Leute haben.<br />
                  <br />Wir müssen also die wirtschaftlichen Regeln überdenken. Der bestehende Kopierschutz ist völlig ausreichend, so lange es das geistige Eigentum schützt, in dem es nur die Container, die Behälter des geistigen Eigentums, reguliert. Wenn es aber das reguliert, was die Wirtschaft Content nennt, ist das ein falsches Model. Denn Content hat keinen Container. Also müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen.</p>
<p>
                  <br />
                  <strong>politik-digital:</strong> Nehmen wir einen Verleger, der ein Buch druckt – das Buch ist hierbei der regulierte Container – und es später elektronisch zugänglich macht, sagen wir als pdf oder ebook. Welches Interesse hätte ein Verleger einen Autor zu veröffentlichen. Oder brauchen wir bald keine Verleger mehr?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Vielleicht werden die Verleger überflüssig. Ich glaube aber sie werden es nicht, denn momentan werden mehr Bücher verkauft als je zuvor. Und noch einmal, ich glaube, es gibt eine Symbiose zwischen dem Verkauf von diesen Containern und der Online-Verfügbarkeit ihres Inhalts. Nehmen wir die Filmindustrie. Ich kann jeden Film bekommen bevor er angelaufen ist und dennoch: Die Filmindustrie macht mehr Umsatz als je zuvor. Ich kann jede DVD umsonst bekommen, aber der DVD-Verkauf steigt weiter. Wieso? Ich denke, es gibt Interesse der Verleger, weiterhin Bücher in physischer Form zu veröffentlichen und sie dann online zugänglich zu machen. Denn ich glaube, niemand will ein Buch auf dem Computer lesen. Ich zumindest nicht!</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Und wenn sich elektronisches Papier durchsetzt…</p>
<p>John Perry Barlow: Lassen Sie uns über elektronisches Papier sprechen, wenn es wirklich auf dem Markt ist. Lassen Sie uns über Probleme sprechen, wenn sie sich abzeichnen, denn wir wissen nicht, ob alle Vorhersagen eintreffen. Viele Einschätzungen über den Einfluss des Internets haben sich als falsch herausgestellt.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Sie sagen also, der DMCA oder das deutsche Gesetz, sind auf eine völlig digitalisierte Welt zugeschnitten, eine Welt in der die Computer Bücher und Theater ersetzen?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Genau, aber so eine Welt existiert noch nicht und wird vielleicht niemals existieren. Und wenn man die gesamte Architektur des Informationssystems auf eine Situation zuschneidet, die vielleicht nie eintreten wird, ist das unmoralisch. Wir müssen als Gesellschaft für Experimente offen sein und so das effizienteste Geschäftsmodell finden. Die European Union Copyright Directive (EUCD) macht genau das Gegenteil. Sie verbaut die Möglichkeit für Experimente und spielt damit wenigen großen Medienunternehmen in die Hände. Diese Unternehmen haben die Direktive in der EU durchgedrückt und drücken jetzt sie in Deutschland, Frankreich und den anderen Mitgliedstaaten durch.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Sie engagieren sich vor allem global. Die DMCA und das deutsche Gesetz setzen die internationalen WIPO-Verträge um…</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Aber die WIPO-Verträge wurden von der Unterhaltungsindustrie in Hollywood diktiert…</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Sind die Nationalstaaten dann nicht der falsche Ansprechpartner? Die nationalen Gesetzgeber behaupten, die WIPO-Verträge und die EUCD ließen keinen Spielraum: „Es gibt diese Verträge und wir müssen sie in nationales Recht umsetzen…“</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Dass die Entscheidungen in den großen Institutionen wie WIPO und EUCD gefällt werden, ist ein Problem. Bisher habe ich noch niemand kennen gelernt, der für WIPO arbeitet und vorher nicht in der Medienindustrie oder dem Lizenzierungsgeschäft tätig war. WIPO und Medienindustrie sind ein und das selbe. Die Öffentlichkeit hat keine vernünftige Möglichkeit, diesen Prozess zu beeinflussen.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Sehen Sie hier einen Wandel? Die Diskussionen um eDemokratie fand in den neunziger Jahren immer auch auf globaler Ebene statt. Auch die Electronic Frontier Foundation (EFF) operiert global und erreicht mit relativ wenig Leuten ziemlich viel. Ist es unmöglich mit Bertelsmann und AOL Time-Warner zu konkurrieren?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Für eine so kleine Organisation wie die EFF, die sich mit der gesamten Industrie angelegt hat, schlagen wir uns sehr erfolgreich. Wir gewinnen öfter als wir verlieren.<br />
                  <br />Aber auf dem Level der EU ist es sehr schwierig, Einfluss auszuüben. Die einzige Möglichkeit für die Öffentlichkeit wieder in diesen Prozess einzutreten, ist die nationalstaatliche Ebene. Ich kann mir nicht vorstellen, die nötigen Ressourcen aus europäischer Ebene zu sammeln, die die EUCD in Brüssel hätten verhindern können. Aber ich kann mir so eine Koalition in Deutschland vorstellen oder in Frankreich. Und genau das versuchen wir.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Nehmen wir an, es gäbe keinen DMCA. Microsoft könnte immer noch technische Beschränkungen in die Software bauen wie etwa die Registrierung von Windows oder die Benachteiligung von Programmen von Drittanbietern. Können Marktkräfte dieses Problem lösen?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Es gab eine Zeit, da war jede Software kopiergeschützt, und es gab Firmen, die ganz legal Codes produziert haben, mit denen man den Kopierschutz knacken konnte. Die Firmen haben alle Codes geknackt und letztlich hat die Software-Industrie verstanden, dass die Leute keinen Kopierschutz wollen. Die Industrie hat das akzeptiert, denn trotz der Software-Piraterie verkauften sich die Programme sehr gut. Würde heute so etwas passieren, würde der Verkäufer von solchen Codes angeklagt. Das ist aber schlecht für den Wettbewerb und die technische Entwicklung.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Was ist ihr Ratschlag an die deutschen Gesetzgeber?</p>
<p>John Perry Barlow: Der deutsche Gesetzgeber sollte sich fragen, ob der wirtschaftliche Schaden so groß ist, dass es sich lohnt, solche riskanten Langzeit-Effekte in Kauf zu nehmen. Ich glaube nicht, dass eine Demokratie funktioniert, wenn eine kleine Interessengruppe alle Informationen besitzt. Wie Mussolini sagte: „Faschismus sollte Korporatismus heißen, weil es die effektive Vermischung von Kapitalgesellschaft und Staat ist.“</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> In Deutschland konzentriert sich die Diskussion auf das Thema „Privatkopie“. Trifft es die privaten Nutzer am Stärksten?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Wir wollen digitale Informationen effektiv nutzen und wir müssen in der Lage sein, uns zwischen verschiedenen Umgebungen zu bewegen. Wie viele Computer haben Sie gehabt? Nach 18 Monaten ist ein Computer veraltet. Wenn nur eine Kopie erlaubt ist, muss man sich beim nächsten Computer alles neu kaufen. Das ist eine sehr große wirtschaftliche Belastung für alle Computernutzer zugunsten einer kleinen Anzahl Herstellern.<br />
                  <br />Außerdem ist das Teilen und Tauschen für Menschen die natürlichste Sache der Welt. Das ist fundamental für menschliches Verhalten, den wir bereichern den Geist, indem wir kreative Arbeit teilen. Nur so blüht Kreativität. Ich meine, es gibt viele Gründe dafür, dieses Gesetz zu verhindern.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Gab es Fälle in den USA, in denen User, die eine Privatkopie gemacht haben, vor Gericht gestellt wurden?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Bis jetzt noch nicht. Bisher wurde der DMCA auf CDs und Software mit Kopierschutz angewandt. Die Musik und Bücher waren lange nicht kopiergeschützt. Das hat erst jetzt angefangen und so langsam bekommen die Menschen den wahren Druck des DMCA zu spüren. Anfangs konnte der Kopierschutz konnte mit einem einfachen Filzstift umgangen werden.</p>
<p>
                  <br />
                  <strong>politik-digital:</strong> Aber ist das nicht die Lösung: Kopierschutz kann größtenteils technisch umgangen werden, indem man den Kopierschutz mir Software oder einem Extra-Chip umgeht? Man kann doch schon jetzt Mikrochips kaufen und damit seine Playstation modifizieren und kopierte Spiele und DVDs abspielen. Wäre das die richtige Antwort auf ein falsches Gesetz?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Ich halte es für eine sehr schlechte Idee, Gesetze zu verabschieden, die dann von der Gesellschaft ignoriert werden. Daraus ergibt sich nur eine generelle Ablehnung des Rechtssystems. Und meiner Meinung nach hat die Gesellschaft schon gezeigt was sie von Kopierschutz hält.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Und die technische Lösung, die wir gerade angesprochen haben, bevorzugt diejenigen, die wissen, wo man solche Chips und Cracks bekommt.</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Das Gesetz benachteiligt die Alten und technisch Ahnungslosen und begünstigt die Jungen und technisch Bewanderten. Das sieht nicht aus wie eine gerechte Sache.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Es kommt zu einer neuen digitalen Spaltung…</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Ja, eine neue digitale Spaltung, die bisher größte Spaltung zwischen jung und alt, die ich kenne. Ich würde es sogar noch drastischer ausdrücken. Wir sollten uns nicht in der Hoffnung zurücklehnen, dass Anarchie wird das Problem schon lösen wird. Ich glaube nicht, dass Anarchie eine gute Lösung für irgend etwas ist.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Muss die Antwort auf technische Beschränkung nicht eine technische Antwort sein?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Das wäre der Idealfall. Doch hier liegt das Problem von DMCA und EUCD. Gesetz und Technologie entfalten gemeinsam eine ungeheure Macht.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Denken Sie an Lawrence Lessig’s „Code-is-law“, wo das Medium „Recht“ neben Infrastruktur und Marktkräften nur eines Regulierungsmitteln ist. Spielt „Recht“ wirklich noch eine so wichtige Rolle?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Als Larry diese Zeile geschrieben hat, war ich anderer Meinung, weil ich viel misstrauischer gegenüber Regierungen und Gesetzen bin als er. Aber ich war bereit zu glauben, dass wir das Medium „Recht“ brauchen, um das übereifrige Verhalten der Protektionisten zu korrigieren. Allerdings wurde „Recht“ dann zum Verbündeten der Protektionisten. Larrys Vorschlag wollte den technischen Zwang auflösen, hat ihn am Ende aber vergrößert. Es tut mir Leid, dass die Dinge mit Unterstützung des Rechts schlimmer geworden sind.<br />
                  <br />Auch in Deutschland wird sich die Lage mit diesem Gesetz verschlechtern. Aber es ist furchtbar schwierig, öffentliche Aufmerksamkeit für dieses Thema zu bekommen. Wenn du in einem Gespräch, das sich bis dato mit Fußball beschäftigt hat, anfängst über digitale Reche zu sprechen, wirst du kein beliebter Kerl.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> War die EFF in der Global Internet Liberty Campaign (GILC)?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Ja und sie ist es immer noch. Aber auch für eine Organisation wie die UN, die viel Geld von den Nationalstaaten bekommt, ist es schwierig eine globale Kampagne zu führen. Die einzigen globalen Kampagnen, die funktionieren, sind die von McDonalds und Nike.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Setzen Sie Hoffnungen in die World Summit of Information Society (WSIS)?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Nein, nicht wirklich. Ich kann mich irren, aber es sieht eher so aus, als ob das Ganze von den üblichen Verdächtigen auf die Beine gestellt worden ist. Das ist eine Veranstaltung der Medienunternehmen.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Und der Gipfel findet in der International Telecommunications Union (ITU) statt und das ist Big Business&#8230;</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Ja, die PTTs (Post, Telegrafen- und Telekomunikationsunternehmen, Anm. d. R.) sind dabei, und die sind einer Meinung mit den Medienunternehmen. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber für gewöhnlich sind ihre Interessen die selben.<br />
                  <br />Das aggressive Verhalten der Medienriesen stimmt mich aber auch optimistisch. Es erinnert mich an die letzten Tage des Kommunismus. Ich glaube, sie wissen, dass mehr und mehr Druck und Zwang nicht mehr funktionieren wird. Der Wind hat sich gedreht.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Der Plattenindustrie schwimmen also die Felle weg und deshalb klammern sie sich an den DMCA?</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Ihr Wirtschaftsmodell passt nicht mehr in die Umgebung, in der sie operieren. Die Vorstellung, eine Wirtschaft mit immateriellen Produkten, immateriellen Dienstleistungen könnte nicht gedeihen, ist lächerlich. Sie wird gedeihen! Mit welchem Wirtschaftssystem, das muss sich noch zeigen. Aber deswegen einfach am alten System festzuhalten ist dumm.</p>
<p>
                  <strong>politik-digital:</strong> Ihre Einschätzung lässt ein bisschen Hoffnung: Auch wenn Gesetze wie der DMCA verabschiedet werden, ist noch nicht alles platt gewalzt, denn in ein paar Jahren kann alles wieder ganz anders aussehen.</p>
<p>
                  <strong>John Perry Barlow:</strong> Dennoch sollten wir nicht die Zeit damit verschwenden, Fehler zu machen, die wir später korrigieren müssen, denn so kann dauerhafter Schaden entstehen.<br />
                  <br />Wenn erst einmal die Architektur des Internet im Sinne von DRM grundlegend geändert ist, ergibt das einen ausgezeichneten Überwachungs- und Kontrollmechanismus für Redefreiheit. Das bleibt für immer. Die Platten- und Filmindustrie kann ihr Geschäftsmodell vollständig ändern, aber wenn wir das Internet einmal in diesem Sinne umstrukturiert haben, dann kann man das nicht mehr rückgängig machen. Das ist die eine Sache.<br />
                  <br />Die andere Sache ist, dass die Medienkonzerne einen großen Teil unserer Geschichte löschen werden. Werke der letzten hundertfünfzig Jahre, die nicht mehr unter Copyright stehen, werden niemals digitalisiert werden. Wir werden einen großen Teil des menschlichen Wissens verlieren.</p>
<p>Mr. Barlow, vielen Dank für dieses Interview.</p>
<p>Das Interview führte: Dr. Harald Neymanns<br />
                  <br />Übersetzt von: Jens Mau<br />
                  <br />Der Titel wurde – als Content ohne Container – gestiftet von: Jan Engelmann, Journalistenbüro Acker 10, Berlin<br />
                  </p>
<p>
                    
                  </p>
</p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 30.01.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                    
                  </p>
<p>                  <!-- Content Ende --></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Chat mit Hessens SPD-Vorsitzenden Gerhard Bökel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jan 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Landespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Gerhard Bökel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/gboekel.gif" alt="Gerhard Bökel" align="left" height="113" width="87" /></b> 
</span> <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Moderator:</b> 
So, Herr Bökel ist nun da. Herzlich willkommen im<b> tacheles.02</b> 
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/gboekel.gif" alt="Gerhard Bökel" align="left" height="113" width="87" /></b><br />
</span> <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Moderator:</b><br />
So, Herr Bökel ist nun da. Herzlich willkommen im<b> tacheles.02</b><br />
<b>Live-Chat</b>. tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de.<br />
Heute ist der SPD-Spitzenkandidat und Chef der Hessen-SPD, Gerhard Bökel,<br />
unser Gast. Herr Bökel, die Zeit rennt. Sind Sie nun soweit? dürfen<br />
wir erfahren, warum Sie zu spät sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Na klar. Der Endspurt hat begonnen. Es wollen so viele Menschen beim Straßenwahlkampf<br />
etwas von mir wissen… Pardon für die Verspätung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Gute Entschuldigung, Herr Bökel, Umfragen sind Umfragen, aber in<br />
Ihrem Fall sind sie sehr deutlich. Wie unsere Chatter auch schon festgestellt<br />
haben, liegen Sie momentan, knapp zwei Wochen vor der Wahl, bei 32 Prozent.<br />
Welches Geheimrezept haben Sie nun noch gegen Roland Koch für den<br />
Wahlsonntag? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Ich persönlich liege besser. Unser Motto: kämpfen. Als alter<br />
Hammerwerfer weiß ich: es kommt nicht auf den Vorkampf, sondern<br />
auf den letzten Wurf an.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wizbaden:</b><br />
Fühlen Sie sich mit 33% in den Umfragen als Opfer der SPD-Bundespolitik?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Nicht als Opfer, aber als Betroffener. Ich hätte mir weniger Gegenwind<br />
gewünscht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hessenpower:</b><br />
Haben Sie nicht zu wenig auf die Schwächen der Union bzw. Roland<br />
Kochs hingewiesen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Haben wir. Nur die Medien müssen uns dabei auch helfen. Das ist keine<br />
Schuldzuweisung. Ich weiß natürlich aus eigener journalistischer<br />
Erfahrung, dass man sich an das halten muss, was die Menschen auch wirklich<br />
interessiert. Und da ist Irak und Bundespolitik offenkundig wichtiger.<br />
Bis zum Wahltag muss klar sein: Es geht um Hessen. Wer Koch stoppen will,<br />
muss wählen gehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Ob die Medien wirklich schuld sind? Zu Recht fragt „wessen“:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wessen:</b><br />
Wie kommt es, dass Koch trotz der ganzen Skandale so viel Rückhalt<br />
in der Bevölkerung hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Das hat mit der gesamten Stimmungslage zu tun. Die letzten Umfragen zeigen:<br />
ich bin für die Hessen glaubwürdiger und ehrlicher als der andere.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Borowski78:</b><br />
Den Slogan &quot;Erfolgsland Hessen&quot; scheinen die Leute aber anzunehmen,<br />
stimmt das denn nicht?<br />
<b>YaBasta:</b> Naja, vielleicht ist ein geringerer Bekanntheitsgrad<br />
positiver, als der Ruf, der dem werten Herrn Koch voraus eilt&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:<br />
</b>Der Koch hat ja das Problem, dass ihn alle kennen. Möllemann<br />
ist auch sehr bekannt! Und da ich sehr gute persönliche Werte habe,<br />
setze ich natürlich alles daran dass der Bekanntheitsgrad bis zur<br />
Wahl noch deutlich steigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>yueno:</b><br />
Herr Bökel, wie darf man Sie eigentlich einschätzen? Sind Sie<br />
ein Mann der Mitte oder eher jemand, der quasi auch CDUler sein könnte?<br />
Zumindest scheinen Sie ja nicht sehr traditionell zu sein, sprich die<br />
sog. deutschen Sekundärtugenden, wie z.B. Pünktlichkeit!?!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Also in die CDU passe ich sicher absolut nicht rein. Ich bin ein Mann<br />
der linken Mitte. Gegen Pünktlichkeit ist nichts einzuwenden &#8211; aber<br />
ich habe natürlich auch meine Schwächen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Nordhesse:</b><br />
Die CDU rühmt sich, dass unter ihr die Kriminalitätsrate gesunken<br />
ist. Heute lese ich, dass das Gegenteil der Fall ist. Was sagen Sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Koch sagt die Unwahrheit. Die Kriminalität ist im letzten Jahr um<br />
über 5% gestiegen. Übrigens: in meiner Zeit als Innenminister<br />
ist die Kriminalität jedes Jahr rückläufig gewesen. Deswegen<br />
ist es mal wieder unverfroren, wenn Herr Koch in Briefen an Tausende von<br />
Bürgern schreibt, bei seiner Regierungsübernahme sei Hessen<br />
ein Paradies für Kriminelle gewesen. Das ist auch eine Beleidigung<br />
für die Polizei.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>SmD: </b>Was<br />
soll gegen die Kriminalität unternommen werden. Ich hoffe das Ganze<br />
entwickelt sich nicht zu einer Art &quot;Polizeistaat“?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Bei uns geht Prävention vor Repression. Natürlich müssen<br />
Straftaten konsequent verfolgt werden, aber der Staat muss auch immer<br />
die Freiheitsrechte im Auge behalten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Südhesse:</b><br />
Auf CDU-Plaktaten liest man auch &quot;Unterrichtsgarantie erfüllt&quot;<br />
&#8211; Wie schätzen sie diese Aussage ein?<br />
yueno: Ich als Schüler würde ganz gerne wissen, wie sie unser<br />
Bildungsproblem in den Griff kriegen würden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Künftig keine Politik der Auslese. Unser Ziel ist die Förderung<br />
aller Begabungen. Wichtig ist die frühe Bildung, Stichwort „Vorschule<br />
für alle Kinder“. Außerdem brauchen wir Ganztagsschulen<br />
für die Kinder, deren Eltern es wünschen &#8211; aber nicht nur zur<br />
Verwahrung, sondern mit pädagogischem Profil. Auch für die Bildungspolitik<br />
muss gelten: Chancengerechtigkeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bibo:</b><br />
Warum soll es in Hessen Ganztagsschulen geben? Ist dieses Model nicht<br />
überholt?<br />
juistgo2: Das Abi in Hessen ist aber nicht sehr viel wert. Woran liegt<br />
das?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Ich war so frei und schick mal zwei.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Im Gegenteil, Bibo. Das ist Zukunft. Wegen besserer Qualität von<br />
Schule. Und wegen Vereinbarkeit von Familie und Beruf.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Südhesse:</b><br />
Nochmal meine Frage: Wie schätzen Sie den CDU-Slogan &quot;Unterrichtsgarantie<br />
erfüllt&quot; ein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:<br />
</b>Geht an der Realität vorbei. Täglich fällt Unterricht<br />
aus. Ich habe Angst, dass die Kultusministerin der CDU zur Lieblingspolitikerin<br />
meines kleine Enkels wird. Der kam jetzt mit einem Zettel an die Eltern<br />
nach Hause: „Morgen fällt der Unterricht komplett aus“<br />
(Kind freut sich, Mutter muss Betreuung organisieren).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>KP:</b><br />
Wo sollen die Stellen eingespart werden, die sie für die vielen Lehrer<br />
und Polizisten benötigen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:<br />
</b>Wie immer: Gute Frage. Aber es wäre vermessen zu sagen,<br />
das Personal für die Schulen könne generell eingespart werden.<br />
Also müssen wir noch mal drauflegen. Es geht um die Zukunft unserer<br />
Kinder.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hesse: </b>Ihre<br />
Partner, die Grünen, sind strikt gegen einen Ausbau des Frankfurter<br />
Flughafens. Was passiert mit dem Flughafen, wenn Sie die Wahl gewinnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:<br />
</b>Wir verhandeln auf der Basis des Mediationsergebnisses, d.h.<br />
absolutes Nachtflugverbot, Lärmreduzierungen tagsüber usw. Ausbau<br />
nur, wenn alle Kriterien vorher rechtsverbindlich abgesichert sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Immer wieder schön, wenn alle mitchatten, daher:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Möllemann:<br />
</b>Herr Bökel, wie halten Sie es eigentlich mit der Wahrheit?<br />
Sagen Sie dem Wähler vor der Wahl uneingeschränkt alles, was<br />
auf ihn zukommt, wenn Sie die Regierungsverantwortung in Hessen übernehmen<br />
würden? So wie Ihr Herr Schröder ;-))?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:<br />
</b>Polemik beiseite: Ich verspreche, was ich halten kann. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Apropos Möllemann: Sind sie der Parteifreund von Westerwelle?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Das hoffen wir natürlich immer, ich habe da aber so meine<br />
leisen Zweifel.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lynchwood:<br />
</b>Nach dem Spendenskandal der CDU und in Zeiten eines Lügenausschusses<br />
im Bundestag sind viele Leute politikverdrossen. Was sagen Sie denen,<br />
wenn Sie sie auf der Straße treffen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Was die Schwarzen zu verantworten haben, sollte man nicht allen Politikern<br />
in die Schuhe schieben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Der Möllemann ist ehrlich:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Möllemann:<br />
</b>Nein, es ist nur ein Alias!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:<br />
</b>Aber Möllemann lässt sich doch keine Gelegenheit entgehen…<br />
eigentlich…</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>relic:</b><br />
Ihre Partei plakatiert jetzt &quot;Kein Krieg im Irak&quot;. Wie soll<br />
Ihnen dieses doch eher außenpolitische Thema bei einer Landtagswahl<br />
helfen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Wir reden über das was die Menschen wirklich beschäftigt. Wenn<br />
die anderen den Berlinern einen Denkzettel ausstellen wollen, dann sage<br />
ich: Wer die Hessen-SPD wählt, stützt auch den Friedenskurs<br />
der Bundesregierung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Der Vorwurf des Populismus kommt dennoch:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kaktus:</b><br />
Auf der Homepage sprechen Sie sich strikt gegen eine Krieg im Nahen Osten<br />
aus. Ist das auch Populismus, s.o., was die Leute hören wollen? Inwiefern<br />
betrifft der Irak-Konflikt die Hessenwahl? Es ist doch eigentlich Bundespolitik.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Siehe vorige Antwort: Wer die Hessen-SPD wählt, unterstützt<br />
auch die Bundesregierung, die auch nach den Landtagswahlen alles daran<br />
setzen wird, dass keine deutschen Soldaten in den Irak geschickt werden.<br />
Der Krieg muss verhindert werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>verdorbener_brei:</b><br />
Wie stehen Sie zu der Aussage der US Regierung, dass Deutschland und Frankreich<br />
das „alte Europa“ sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:<br />
</b>Haben die das gesagt? Der Außenminister bestimmt nicht.<br />
George W. Bush würde ich das zutrauen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Das war Verteidigungsminister Rumsfeld.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:<br />
</b>Das passt. Überheblichkeit ist nicht angemessen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Südhesse:</b><br />
Herr Bökel, denken Sie nicht, dass Sie schon früher ins Rampenlicht<br />
gemusst hätten, so wie etwa Christian Wulff aus Niedersachsen schon<br />
früher bundespolitisch &quot;auf den Putz&quot; gehauen hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Wulff hat zweimal verloren, ich gewinne beim ersten Mal.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Eine letzte Frage ohne Vorhersage eines Wahlausgangs:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>butterchicken:<br />
</b>Hallo Herr Bökel, bisher kannte ich Sie nur aus dem hessischen<br />
Landtagswahlkampf, da hat mich Ihre Wadenbeißerei gegen den (unsympathischen)<br />
Roland Koch nicht überzeugt. Aber am Sonntag bei Christiansen haben<br />
Sie bei mir richtig gepunktet, der erste intelligente Politiker seit langem.<br />
Wenn Hessen schief geht, wäre dann die Bundespolitik ein Thema? Da<br />
wären Sie eine Bereicherung!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Ich will in Hessen gewinnen. Aber das Lob druck ich mir aus.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Sehr geehrter Herr Bökel, liebe Chatterinnen und Chatter,<br />
die Stunde ist vorbei. Ich danke Herrn Bökel für die Antworten<br />
und den Chat-Interessierten für die Fragen. Am Montag gibt es den<br />
nächsten Spitzenkandidaten-Chat: Dann mit Christian Wulff, dem CDU-Spitzenkandidaten<br />
in Niedersachsen. Ich hoffe, Sie sind wieder dabei! tagesschau.de, politik-digital.de<br />
und tagesspiegel.de wünschen noch einen schönen Abend!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerhard Bökel:</b><br />
Liebe Chatter und Chatterinnen, es hat mir Spaß gemacht. Schaut<br />
mal auf mein homepage: <a href="http://www.boekel.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.boekel.de</a>.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Der nächste Chat findet statt am <br />
27.1.2003 (Mo) 16.30-17.30 Uhr: Christian Wulff, Vorsitzender der CDU<br />
Niedersachsen!</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Be creative! Online-Wahlen und der Verlust der Wahlsymbole</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/evoting-creativ-shtml-2408/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/evoting-creativ-shtml-2408/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[hneymanns]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Jul 2002 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[E-Voting]]></category>
		<category><![CDATA[Wahl]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/evoting-creativ-shtml-2408/</guid>

					<description><![CDATA[Online-Wahlen sind nach wie vor ein Thema. Wenngleich die erste Euphorie verflogen ist, laufen weiterhin praktische wie politische Prozesse, die auf die Einführung von Online-Wahlen zielen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Online-Wahlen sind nach wie vor ein Thema. Wenngleich die erste Euphorie verflogen ist, laufen weiterhin praktische wie politische Prozesse, die auf die Einführung von Online-Wahlen zielen.<!--break--><br />
                      
                    </p>
<p>Mittlerweile liegen zahlreiche vielversprechende Erfahrungen aus Modellprojekten vor, die Fragen der technischen Sicherheit und der praktischen Machbarkeit von Online-Wahlen belegen. Damit sollen nicht pauschal alle technischen Bedenken gegen Online-Wahlen zerstreut werden. Die praktischen Versuche zeigen aber, dass sich die technischen Schwierigkeiten (Schutz vor Angriffen durch Hackern, Anonymisierung bei gleichzeitiger Eindeutigkeit etc.) gelöst sind oder bald gelöst werden können.</p>
<p>
                    <strong>Politische Einigkeit</strong><br />
                    <br />Auch von politischer Seite gibt es eine große Bereitschaft, sich den neuen technischen Möglichkeiten zu stellen und Online Wahlen &#8211; in welcher Form auch immer &#8211; einzuführen. Die<br />
                    <a href="http://www.staat-modern.de/infos/daten/r111001.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundesregierung</a> hat angekündigt, die Wahllokale bis zur Bundestagswahl im Jahr 2006 zu vernetzen. Dies wäre eine erster wichtiger Schritt zu Online-Wahlen auf politischer Ebene. Auch die Oppositionsparteien stehen Online-Wahlen nicht negativ gegenüber: In der laufenden 14. Wahlperiode stand das Thema bislang<br />
                    <a href="http://dip.bundestag.de/btp/14/14192.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">zweimal</a> auf der Agenda des<br />
                    <a href="http://dip.bundestag.de/btd/14/063/1406318.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deutschen Bundstags</a>. Dabei forderten die Oppositionsparteien die rot-grüne Bundesregierung auf, sich noch stärker für Online-Wahlen einzusetzen und diese konkret zu fördern. Ein möglicher Regierungswechsel im September würde die generell positive Einschätzung von elektronischen Wahlen daher kaum ändern.</p>
<p>
                    <br />
                    <strong>Anwendungsbereiche von Online-Wahlen</strong><br />
                    <br />Dabei ist aber zwischen den einzelnen Anwendungsbereichen zu unterscheiden. Einerseits können Online-Wahlen in Unternehmen eingesetzt werden, um den Betriebsrat zu bestellen oder um Abstimmungen auf Aktionärsversammlungen durchzuführen. Ein anderer Bereich liegt im engeren politischen Feld. Online-Wahlen können auch für die Wahl zum Deutschen Bundestag genutzt werden. Die zahlreichen Modellversuche fanden in der Regel für nicht-politische Wahlen statt. Erst vor wenigen Wochen wurde der Betriebsrat beim<br />
                    <a href="http://www.brandenburg.de/evoting/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Brandenburg</a> rechtsverbindlich elektronisch gewählt. Interessant ist vor allem die Ausgestaltung von Online Wahlen. Es sind verschiedene Modelle denkbar, die unterschiedlichen Einfluss auf das politische System und das Verständnis der Wahl haben.</p>
<p>                    <strong>Orte der Stimmabgabe und Symbolik der Wahl</strong><br />
                    <br />Die Stimmabgabe könnte bei Online Wahlen von verschiedenen Orten erfolgen. Denkbar sind:<br />
                    <br />· das Wahllokal,<br />
                    <br />· Abstimmungskiosk,<br />
                    <br />· die eigene Wohnung, oder<br />
                    <br />· mobile Abstimmungsgeräte, beispielsweise Mobiltelefone<br />
                    <br />In der Regel werden Online-Wahlen mit der Abstimmung von zu Hause gleichgesetzt. Diese Form der Abstimmung ist, ebenso wie die per mobilem Kommunikationsgerät, die politisch/politikwissenschaftlich Interessanteste. Denn bislang wird die Wahl bekanntlich im Wahllokal, oder &#8211; offiziell in begründeten Ausnahmefällen &#8211; per Brief durchgeführt. Zentral sind hierbei die Faktoren Öffentlichkeit und Geschwindigkeit. Die Wahl wird zwar geheim, aber doch an einem öffentlichen Ort durchgeführt, worin sich die Sichtbarkeit der öffentlichen Bedeutung manifestiert. Pointiert gesprochen: man geht in die Öffentlichkeit, um sein Interesse an der Gestaltung der Gesellschaft zu bekunden und daran mitzuwirken. Und über den Gang zum Wahllokal wird der Prozess der Stimmabgabe entschleunigt, so dass Zeit zur Reflektion über die anstehende Wahl bleibt. Beide Faktoren fielen bei einer Online-Wahl von zu Hause oder per Mobilgerät unter den Tisch. Neben rechtlichen Bedenken &#8211; vor allem der Wahlrechtgrundsatz der geheimen Wahl, so argumentiert Hubertus Buchstein, ist ein schwerwiegendes verfassungsrechtliches Problem, da die Pflicht zur Geheimhaltung vom Staat auf den Bürger übertragen wird &#8211; stellen &#8220;Öffentlichkeit&#8221; und &#8220;Geschwindigkeit&#8221; wichtige politische Faktoren dar, die bei der Einführung von Online-Wahlen verändert und damit den Grundcharakter von Wahlen beeinflussen würden.</p>
<p>Den Befürwortern von Online-Wahlen ist dieser Zusammenhang bewusst. Die einen sehen die Gefahr des Verlusts der im politikwissenschaftlichen Sinne republikanischen Werte als gering an, die anderen fürchten die Sinnentleerung der Wahl. Doch könnte es sein, dass die Bedenkenträger der Online-Wahl von zu Hause durch die Technologieentwicklung ins Hintertreffen geraten. In den meisten Modellversuchen wurde die Stimmabgabe bislang von einem zentralen Ort vollzogen. Es ist aber sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis sich die Versuche auch auf das heimische Arbeitszimmer ausdehnen. Bei Wahlen, bei denen der Aspekt der Gemeinschaft eher gering ist, ist dagegen sicherlich auch nichts einzuwenden. Doch was passiert, wenn sich die Bürger und Bürgerinnen bei vielen Gelegenheiten an die bequeme Stimmabgabe von zu Hause gewöhnt haben. Wie lässt sich plausibel machen, dass der Betriebsrat, die Vertreterversammlung bei Sozialwahlen etc. zeitsparend von zu Hause gewählt werden kann, während die Wahl zum Deutschen Bundestag weiterhin den lästigen Gang zum Wahllokal erfordert? Hier könnte die Politik durch die technische Weiterentwicklung in Bedrängnis kommen.</p>
<p>                    <strong>Gestaltet die Technik!</strong><br />
                    <br />Eine Lösung dieses Dilemmas könnte in der Ausgestaltung der Technik liegen. Bislang wird im elektronische Wahlakt der Aspekt des Kreuzens abgebildet. Wahlen sind aber mehr. Öffentlichkeit, Entschleunigung, die Gleichheit aller Bürger bei der Stimmabgabe, die durch den Gang in die Öffentlichkeit signalisiert wird, sind wichtige Faktoren, die in der bisherigen Ausgestaltung der elektronischen Wahlen bislang wegfallen. Teilweise können sie aber abgebildet werden. Hier sollte weiter experimentiert werden. Beispielsweise könnte versucht werden, den Aspekt der Öffentlichkeit auf die Technologie zu übertragen, indem die Geschwindigkeit herausgenommen wird (der us-amerikanische Politikwissenschaftler Benjamin Barber nennt dies democratic speed bumps).<br />
                    <br />Notwendig ist aber vor allem eine intensive politische Diskussion über die Ausgestaltung und Einsatzmöglichkeiten, die sich nicht von der technischen Machbarkeit unter Druck setzen lassen sollte. Kombiniert mit einem kreativen Umgang mit der Technologie werden Online-Wahlen dann sehr reizvoll für die Entwicklung der Demokratie sein.<br />
                    </p>
</p>
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<div class="tidy-2">Erschienen am 25.07.2002</div>
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