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	<title>hworch &#8211; politik-digital</title>
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	<title>hworch &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Ich habe schlechte Erfahrungen gemacht mit einer großen Koalition&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hworch]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Aug 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Koalition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister 
des Landes Berlin, stellte sich am 29. August im tacheles.02 Live-Chat 
von tageschau.de und politik-digital.de den vielfältigen Fragen 
der Teilnehmer. Themen waren mögliche Koaltionen nach der Wahl, 
die Zusammenarbeit zwischen SPD und PDS in Berlin, aber auch Fragen 
der internationalen Politik</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister<br />
des Landes Berlin, stellte sich am 29. August im tacheles.02 Live-Chat<br />
von tageschau.de und politik-digital.de den vielfältigen Fragen<br />
der Teilnehmer. Themen waren mögliche Koaltionen nach der Wahl,<br />
die Zusammenarbeit zwischen SPD und PDS in Berlin, aber auch Fragen<br />
der internationalen Politik</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute der regierende Bürgermeister<br />
Berlins, Klaus Wowereit ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Eine<br />
Stunde lang wird er Ihre Fragen beantworten. Herr Wowereit, können<br />
wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ja, ich bin bereit.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Herr Wowereit, macht der Wahlkampf<br />
überhaupt Spaß bei den Umfragewerten?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Wahlkampf ist ein Kampf, und da<br />
muss man um jede Stimme kämpfen. Die Stimmung ist besser als<br />
die Umfragewerte, und die SPD-Leute vor Ort kämpfen, und deshalb<br />
macht es auch Spaß.
</p>
<p>
<b>gerol:</b> Herr Wowereit, glauben Sie, ein schlechtes<br />
Abschneiden der SPD würde auch Ihre Regierung beeinträchtigen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Nicht direkt, aber natürlich<br />
ist für Berlin auch wichtig, wer im Bund regiert. Und die Bundesregierung<br />
und wir haben gut zusammengearbeitet und deshalb schauen wir natürlich<br />
mit Spannung auf das Ergebnis.
</p>
<p>
<b>jhgfdjhf:</b> Wie genau wollen Sie als rot-rot-grüner<br />
Fan in Zukunft mit einer schwarz-gelben Bundesregierung kooperieren?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich bin kein Fan von rot-rot-grün<br />
sondern ein Fan von SPD-rot. Aber unabhängig von der parteipolitischen<br />
Zugehörigkeit müssen die Landesinteressen gegenüber<br />
der Bundesregierung vertreten werden.
</p>
<p>
<b>Musterknabe:</b> Welche Chancen räumen Sie der<br />
Linkspartei in der Bundestagwahl ein? Und halten Sie sie für<br />
koalitionsfähig mit den Grünen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Die Linkspartei wird zur Zeit<br />
in den Umfragen überschätzt. Sie wird verlieren bis zu<br />
den Bundestagswahlen. Wer den Parteitag der Linkspartei am Samstag<br />
verfolgt hat, konnte leicht feststellen, dass diese Partei überhaupt<br />
nicht regieren will, sondern den Menschen das Blaue vom Himmel verspricht,<br />
aber keine realistischen Politikantworten gibt.
</p>
<p>
<b>helles:</b> Sie werden ja gerade in der Presse auch<br />
als heimliches Vorbild für die SPD / für eine PDS-Grünen-SPD-Regierung<br />
auf Bundesebene ziemlich zerrissen. Macht ihnen das was aus?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Als Politiker muss man auch Zerreißproben,<br />
wenn sie denn da sein sollten, überstehen. In einer solchen<br />
befinde ich mich aber zur Zeit nicht. Wir leisten in Berlin eine<br />
gute Regierungsarbeit, was daran liegt, dass die PDS-Senatoren das<br />
Gegenteil von dem tun, was ihre Bundespartei fordert.
</p>
<p>
<b>Kennedy:</b> Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit<br />
mit der PDS in Berlin? Wo sehen Sie Erfolge, wo gab es die größten<br />
Schwierigkeiten? Kann man Erfahrungen aus der Koalition auf Landesebene<br />
auf den Bund überhaupt übertragen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Wir haben gut zusammen gearbeitet<br />
und werden dies auch weiter tun. Wir haben das, was Bundeskanzler<br />
Schröder für den Bund gefordert hat, nämlich die<br />
Systeme grundlegend zu reformieren, in Berlin in weiten Feldern<br />
umgesetzt. Dies war schwer, zeigt aber Erfolge. Man kann die Situation<br />
in Berlin nicht automatisch auf den Bund übertragen, da beispielsweise<br />
die ganze Thematik der Außenpolitik in Berlin einen anderen<br />
Stellenwert einnimmt als im Bund.
</p>
<p>
<b>Titus:</b> Haben Sie Lust, auch mal in der Bundespolitik<br />
aktiv zu werden?
</p>
<p>
<b>kasimir_gott:</b> Wäre für Sie eigentlich<br />
auch ein Amt als Bundesminister interessant?
</p>
<p>
<b>Super-Moderator:</b> Wollen sie Schröder beerben<br />
Herr Wowereit?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Als Quasi-Ministerpräsident<br />
ist man automatisch auch auf der Bundesebene präsent und natürlich<br />
werde ich die Interessen Berlins im Bund weiter mit Nachdruck vertreten.<br />
Ich bin nicht auf Jobsuche und mache das Amt des Regierenden Bürgermeisters<br />
gerne und kandidiere nächstes Jahr erneut für dieses Amt.
</p>
<p>
<b>Capitano:</b> Als noch einer der wenigen Sympathieträger<br />
der SPD: würde es für Sie in Frage kommen, in 4 Jahren<br />
als Kanzlerkandidat anzutreten? Wenn nein, weshalb?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Das ist eine schöne Frage,<br />
die von jedem Politiker wie folgt beantwortet wird: Ich bin Regierender<br />
Bürgermeister und will die Arbeit gut machen.
</p>
<p>
<b>engelebrt:</b> Finden Sie nicht, dass die SPD immer<br />
unglaubwürdiger wird, da Gerhard Schröder erst das Vertrauen<br />
absichtlich verloren hat, und dann wird er wieder Spitzenkandidat.<br />
Finden sie das nicht auch etwas komisch?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Das glaube ich nicht. Schröder<br />
hat Mut bewiesen, den Weg der Neuwahl zu gehen mit allen damit verbundenen<br />
Risiken. Er braucht und will ein erneutes Votum der Wähler,<br />
um die schwierige Arbeit fortzusetzen. Dies ist ein ganz klarer<br />
Weg.
</p>
<p>
<b>J.O.:</b> Wie beurteilen Sie die Möglichkeit<br />
einer großen Koalition, sollte schwarz-gelb keine Mehrheit<br />
haben? Gäbe es mehr Schwierigkeiten als Chancen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich habe schlechte Erfahrungen<br />
gemacht mit einer großen Koalition. Es ist ein Irrtum zu glauben,<br />
große Koalitionen lösen große Probleme. Eine große<br />
Koalition sollte man nicht anstreben, weil sie klare politische<br />
Konzepte verwässert.
</p>
<p>
<b>kalle55:</b> Sie werden es ja bestimmt nicht sagen<br />
wollen, aber was machen Sie, wenn Sie der Ruf zur Mitarbeit in einer<br />
Großen Koalition erreicht? Koalitionserfahren sind Sie ja<br />
genug.
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich bin Regierender Bürgermeister<br />
und kandidiere nächstes Jahr noch einmal zum Regierenden Bürgermeister.
</p>
<p>
<b>kobra:</b> Steuert die SPD auf einen großen<br />
personellen Umbruch zu? Wenn Schröder geht, geht dann auch<br />
Müntefering? Wer kommt dann?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich gehe davon aus, dass die SPD<br />
die Wahlen erfolgreich bestehen wird. Dementsprechend wird Gerhard<br />
Schröder Kanzler bleiben und Müntefering in seinen Ämtern.<br />
Aber selbstverständlich muss sich jede Partei erneuern und<br />
deshalb werden in der nächsten Legislaturperiode andere Personen<br />
eine wichtigere Rolle einnehmen, als es bislang der Fall war.
</p>
<p>
<b>Uwe Drahn:</b> Sie und Herr Platzeck gelten als neue<br />
Generation, als Kronprinzen in der SPD. Wie sehen Sie Ihre persönliche<br />
Zukunft in der SPD?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Platzeck und Wowereit werden als<br />
Ministerpräsidenten in der Bundespolitik stärker Gehör<br />
finden und gerade auch die besonderen Interessen Ostdeutschlands<br />
vertreten.
</p>
<p>
<b>Wowi:</b> Was halten Sie vom Comeback ihres ehemaligen<br />
Wirtschaftssenators Gregor Gysi?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit: </b>Dies ist schon sehr verwunderlich<br />
und zeigt, dass die PDS ohne Gysi nichts zu bieten hat. Gysi hatte<br />
die Chance, im Berliner Senat praktische Politik zu betreiben. Er<br />
hat hingeschmissen und damit gezeigt, dass es ihm mehr ums Reden<br />
als ums Handeln geht.
</p>
<p>
<b>Robin:</b> Wie schätzen Sie die Kompetenzen der<br />
CDU-Riege ein? Welche Konsequenzen fürchten Sie bei einem Wahlerfolg<br />
der Schwarzen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich denke, die CDU hat ein gänzlich<br />
anderes Gesellschaftskonzept als die SPD. Die SPD tritt für<br />
soziale Gerechtigkeit ein, bei der CDU hat man den Eindruck, dass<br />
nur der Starke sich durchsetzen wird. Deswegen sollte jeder gut<br />
überlegen, welche Gesellschaft er in Deutschland haben will:<br />
Eine solidarische oder eine egoistische.
</p>
<p>
<b>andreas82:</b> Was halten Sie vom Kirchhofschen Steuermodell?<br />
Und ganz allgemein: Halten sie das jetzige Steuersystem reformierbar<br />
oder meinen Sie nicht auch dass ein ganz Neues her muss?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit: </b>Ich bin sehr für Subventionsabbau,<br />
damit auch alle die unterschiedlichen Steuersätze zahlen müssen.<br />
Nur der Reiche kann viel von der Steuer absetzen, der Normalbürger<br />
kann dies nicht. Aber wir brauchen Geld in den öffentlichen<br />
Kassen, deshalb können wir uns zur Zeit Steuersenkungen nicht<br />
leisten. Aber Subventionsabbau ist notwendig, um mehr in Bildung<br />
und Wissenschaft zu investieren. Kirchhof hat keine Mehrheit in<br />
der CDU/CSU.
</p>
<p>
<b>wise:</b> Warum ist es keiner Partei möglich,<br />
konsequent Reformen umzusetzen? Sind die Politiker ihren Lobbies<br />
so sehr verpflichtet, dass es nicht möglich ist beispielsweise<br />
Subventionen zu kürzen? Was denken Sie?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Wir brauchen auch außerhalb<br />
der Politik ein gesellschaftliches Klima, das grundlegende Reformen<br />
ermöglicht. Wenn man sieht, wie die SPD für die Reformpolitik<br />
der Agenda 2010 bei den Landtagswahlen schlecht abgeschnitten hat,<br />
dann macht das nicht gerade Mut. Also vielmehr Unterstützung<br />
für Politiker, die bereit sind auch unangenehme Dinge zu sagen<br />
und zu verändern.
</p>
<p>
<b>carn123:</b> Herr Wowereit, die SPD hat ja in der<br />
letzten Legislaturperiode Reformen gemacht, die vielfach als unsozial<br />
bezeichnet wurden. Glauben sie, dass eine rot-grüne Regierung<br />
in den nächsten 4 Jahren noch mehr Reformen anpacken wird,<br />
die viele für unsozial halten oder ist es erst einmal genug?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Wir müssen noch weiter Reformen<br />
in der BRD umsetzen, z.B. die Fragen im Zusammenhang mit der Pflegeversicherung.<br />
Aber alle Reformen müssen sozial gerecht und ausgeglichen sein<br />
und es muss den Menschen erklärt werden, wozu sie notwendig<br />
sind.
</p>
<p>
<b>S. Haber:</b> Halten Sie eine hohe Kapitalsteuer für<br />
vertretbar?
</p>
<p>
<b>beefybiker:</b> Wer ist denn nach Ihrer Auffassung<br />
reich?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich denke, dass jemand, der &#8211;<br />
wie in unserem Wahlmanifest geschrieben &#8211; als Single 250.000 Euro<br />
und als Verheirateter 500.000 Euro Jahreseinkommen bezieht, durchaus<br />
als reich zu bezeichnen ist. Deshalb ist es auch vertretbar, dass<br />
diese hohen Einkommen stärker besteuert werden. Bei der Kapitalsteuer<br />
muss man die Summe der Belastungen für Unternehmen sehen. Sie<br />
dürfen Investitionen nicht verhindern aber große Gewinne<br />
nicht schonen.
</p>
<p>
<b>Musterknabe:</b> Wie sieht Ihre Politik der Familienförderung<br />
aus? Warum sollte ich mir bei der wirtschaftlichen Lage Kinder zulegen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Erstens ist die Frage nur sehr<br />
persönlich zu beantworten, d.h. jeder muss aufgrund seiner<br />
Lebenssituation die eigene Entscheidung treffen. Der Staat muss<br />
aber Rahmenbedingungen schaffen, dass Familien finanziell gut dastehen,<br />
dass Betreuungsangebote in Kita und Schule dem Bedürfnissen<br />
von Familien entsprechen und natürlich müssen Familien<br />
steuerlich begünstigt werden. Wir brauchen vor allem eine Ganztagsbetreuung<br />
in Schulen.
</p>
<p>
<b>wise: </b>Herr Wowereit, Sie schreiben &quot;alle<br />
Reformen müssen sozial gerecht &#8230; sein&quot;. Ich denke, dieser<br />
Aussage würde auch ohne Zögern ein Mitglied einer anderen<br />
Partei zustimmen. Die Frage ist doch, wo man eine Trennlinie ziehen<br />
kann und muss. Wie viel Sozialstaat können wir uns leisten?<br />
Denken Sie an die Renten. Ich bin 27 Jahre alt und glaube nicht,<br />
dass ich eines Tages eine (wenn überhaupt) tragfähige<br />
Rente erhalten werde. Wie könnte man die Rentenfrage also &quot;sozial<br />
gerecht&quot; anpacken?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Eine reiche Industrienation wie<br />
die Bundesrepublik Deutschland muss Vorsorge treffen, damit Menschen<br />
im Alter nicht in Armut leben müssen und auch für den<br />
Fall der Pflege menschenwürdige Bedingungen finanziert bekommen.<br />
Deshalb müssen heute die Systeme dem demographischen Wandel<br />
angepasst werden. Das bedeutet, dass Veränderungen notwendig<br />
sind. Wer heute nicht 5 % spart, wird zukünftig nicht mehr<br />
95 % bezahlen können.
</p>
<p>
<b>S. Haber:</b> Was halten Sie von einer Grundrente?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Das Rentensystem muss sich nach<br />
den bisherigen Beiträgen richten. Falls die erworbenen Ansprüche<br />
nicht ausreichen, muss die Sozialkasse die Ergänzungen vornehmen.
</p>
<p>
<b>genosse:</b> Herr Wowereit, in meinem Ortsverein (NRW)<br />
war man sehr verärgert darüber, dass Schröder und<br />
Müntefering noch am Wahlabend Neuwahlen angekündigt haben<br />
&#8211; wovon vorher niemand etwas wusste. Die Motivation, jetzt noch<br />
mal Wahlkampf zu machen, ist dementsprechend vielerorts im Keller.<br />
Glauben Sie nicht, Schröder hätte vorher wenigstens im<br />
Parteivorstand über Neuwahlen abstimmen lassen sollen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Es ist heute ganz schwierig, hinter<br />
verschlossenen Türen Gremien bei solchen Entscheidungen zu<br />
beteiligen. Ich glaube, dass in solch einer Situation die Partei<br />
dem Vorsitzenden und dem Kanzler so viel Vertrauen einräumen<br />
müssen, dass solch eine Frage auch ohne vorherige Beschlussfassung<br />
durch die Gremien als Weg der Öffentlichkeit präsentiert<br />
wird.
</p>
<p>
<b>Capitano:</b> Was sagen Sie zum Thema Föderalismus?<br />
Soll alles so bleiben wie es ist? Was würden Sie ändern?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Berlin tritt dafür ein, föderale<br />
Strukturen zu verändern, d.h. klare Verantwortlichkeiten zu<br />
schaffen. Wo die Kommune bessere Arbeit leisten kann, soll sie es<br />
tun. Wo es das Land tun kann, das Land und natürlich der Bund<br />
in seinen Kompetenzfeldern. Wir brauchen eine klarere Trennung der<br />
Zuständigkeiten, sonst ist die Neigung zur Blockade sehr groß.<br />
Dies kann sich die Republik nicht leisten. Ich selber bin für<br />
ein Zusammengehen von Berlin und Brandenburg, und auch andere Regionen<br />
sollten sich überlegen, ob der Zuschnitt der Bundesländer<br />
noch zeitgemäß ist.
</p>
<p>
<b>miesseler:</b> Herr Wowereit, die SPD muss langfristig<br />
auch im Bundesrat wieder Mehrheiten bekommen. Wie sehen sie die<br />
langfristige Entwicklung?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Es ist klar, dass wir unsere Stärke<br />
in der Kommunal- und Landespolitik wieder gewinnen müssen.<br />
Dementsprechend werden wir alles daran setzen, Länder wieder<br />
zurückzugewinnen.
</p>
<p>
<b>Ödipus:</b> Befürchten Sie, dass die SPD<br />
im Osten langfristig nur noch dritte Kraft sein wird? Was kann dagegen<br />
unternommen werden?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Die SPD ist eine Partei, die für<br />
ganz Deutschland da ist. Wir setzen nicht nur auf eine West- oder<br />
eine Ostkarte. Dies tun andere Partein bewusst. Wir müssen<br />
Lösungen für ganz Deutschland finden. Aber natürlich<br />
die besonderen Notwendigkeiten der Förderung in Ostdeutschland<br />
garantieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein paar Fragen zu Berlin:
</p>
<p>
<b>herbasveezer:</b> In Berlin sind die Schulen dramatisch<br />
unterbesetzt. Wie stellen sie sich die Einstellung neuer Lehrer<br />
oder die bessere Betreuung der Schüler vor?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Wir haben in diesem Schuljahr<br />
über 500 neue Lehrer eingestellt und die Betreuung ist damit<br />
sicher gestellt. Natürlich kann man mehr für Bildung fordern,<br />
aber es muss auch finanziert werden. Wir haben zum neuen Schuljahr<br />
viele auch kostenwirksame Reformen umgesetzt und werden deshalb<br />
eine verbesserte Situation in der berliner Schule in den nächsten<br />
Jahren beobachten können.
</p>
<p>
<b>groschen:</b> Werden Studiengebühren in Berlin<br />
kommen, wenn die PDS nicht mehr an der Macht ist?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Die SPD schließt sowohl<br />
auf Bundes- wie auch auf Landesebene Studiengebühren für<br />
das Erststudium aus. Aber man muss auch die Entwicklung in den anderen<br />
Bundesländern beobachten.
</p>
<p>
<b>Pythagoras:</b> Herr Bürgermeister, was hindert<br />
Sie, das Problem Bankgesellschaft offensiv anzugehen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Wir sind das Problem offensiv<br />
angegangen, die Bank ist auf einem guten Konsolidierungskurs. Wir<br />
haben versucht, die verantwortlichen Manager sowohl zivilrechtlich<br />
wie auch strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen.
</p>
<p>
<b>Pythagoras:</b> Der sozial ungerechteste Vorgang in<br />
Deutschland ist der Milliardenbetrug der Bankgesellschaft Berlin.<br />
Was haben Sie getan um das Geld wieder zurück zu holen?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Zur Zeit laufen die Strafprozesse.<br />
Wir haben mit einer Verstärkung der Staatsanwaltschaft von<br />
Anfang an versucht, die Verantwortlichen zu stellen. Juristisch<br />
sind die Verfahren nicht einfach zu führen, und wir haben leider<br />
auch schon einige Zivilprozesse verloren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zur internationalen Politik:
</p>
<p>
<b>acs: </b>Frau Merkel sagt auch mit der CDU hätte<br />
es keine Soldaten im Irak gegeben, glauben sie das?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Das glaube ich nicht. Sie hat<br />
in Washington deutlich gemacht, dass sie bedingungslos hinter Herrn<br />
Bushs Irakpolitik steht, und dies zeigt, dass die Entscheidung von<br />
Gerhard Schröder keine Soldaten in den Irak zu entsenden, richtig<br />
war.
</p>
<p>
<b>ProContra:</b> Was sagen Sie zu der Thematisierung<br />
der Türkei-Frage der Union?
</p>
<p>
<b>annonymus:</b> Wie stehen Sie zu einem möglichen<br />
Beitritt der Türkei zur EU? Insbesondere vor dem Hintergrund<br />
der Bevölkerungsstruktur Berlins?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich bin für einen Beitritt<br />
der Türkei, wenn die Aufnahmebedingungen erfüllt sind.<br />
Ich hoffe, dass keine Partei versucht, durch das Wecken von Ressentiments<br />
im Wahlkampf Stimmung gegen unsere türkischen Mitbürgerinnen<br />
und Mitbürger zu machen.
</p>
<p>
<b>Authentio:</b> Welche mittel- u. langfristigen nationalen<br />
Konsequenzen sehen Sie durch den Globalisierungs-Trend?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Globalisierung ist einerseits<br />
eine Chance, andererseits aber auch ein Risiko für nationale<br />
und lokale Interessen. Deshalb müssen gesamtstaatliche Organisationen<br />
wie die EU oder auch Weltorganisationen Mechanismen finden, um weltweite<br />
Fehlentwicklungen zu korrigieren. Insbesondere den ärmsten<br />
Ländern der Welt muss internationaler Schutz auch im ökonomischen<br />
Bereich geboten werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zur Türkei:
</p>
<p>
<b>JungerLiberaler:</b> Wie gehen Sie mit dem Unionsargument<br />
um, die Türkei habe eine völlig andere historische und<br />
kulturelle Entwicklung?
</p>
<p>
<b>elvy:</b> Empfinden sie es nicht so, dass die EU einfach<br />
zu groß wird durch den Türkei-Beitritt? Und dass die<br />
EU Bewohner übergangen werden? Die meisten sind doch gegen<br />
ein EU-Beitritt der Türkei.
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich glaube, dass es ökonomisch<br />
sinnvoll ist, aber auch für die Stabilität in Europa und<br />
in angrenzenden Regionen sehr wichtig ist, die Türkei bei ihrem<br />
Reformprozess weiterhin zu unterstützen. Wer sich die moderne<br />
Türkei von heute anschaut, der wird feststellen, dass vieles<br />
getan worden ist, aber natürlich vieles noch vor der Türkei<br />
liegt.
</p>
<p>
<b>ProContra:</b> Wann ist die EU vollständig? Im<br />
Sinne von: wie vielen Ländern.
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit: </b>Diese Frage müssen die Staaten<br />
der EU beantworten. Es ist klar, dass die Beitrittsverhandlungen,<br />
die jetzt laufen, von vielen skeptisch gesehen werden. Wichtig ist,<br />
dass die Aufnahmekriterien erfüllt werden.
</p>
<p>
<b>Roter Horst:</b> Was entgegnen Sie dem Vorwurf, Gerhard<br />
Schröder versuche beim Thema Iran eine Friedenskarte auszuspielen,<br />
obwohl eine militärische Option von keinem der Beteiligten<br />
(auch nicht von den USA) je ins Spiel gebracht wurde?
</p>
<p>
<b>Chef-Moderator:</b> Will die SPD mit Kriegsangst die<br />
Wahlen gewinnen??
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Es ist richtig, dass auch im Wahlkampf<br />
Friedensfragen thematisiert werden. Wir wissen, dass die CDU eine<br />
gänzlich andere Außenpolitik machen möchte. Es ist<br />
richtig und notwendig, dass der Bundeskanzler auch zum jetzigen<br />
Zeitpunkt die klare Position der Bundesregierung auch gegenüber<br />
unseren Bündnispartnern deutlich macht.
</p>
<p>
<b>Marcus (SPD):</b> Hallo. Wissen Sie, dass die Sozialdemokratie<br />
auf dem Demokratischen Sozialismus basiert (das steht u.a. in unserem<br />
Grundsatzprogramm)? Aber warum macht die SPD derzeit eine völlig<br />
entgegengerichtete Politik?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Reformpolitik im Rahmen der Agenda<br />
2010 ist notwendig, um soziale Sicherung auf zukünftige Generationen<br />
sicherzustellen und deshalb gibt es keine Alternative zu Reformen<br />
in sozialer Verantwortung.
</p>
<p>
<b>ruhrpott:</b> Sie wollen die besonderen Interessen<br />
Ostdeutschlands vertreten. Was ist denn dort besonders? Fahren Sie<br />
mal nach Gelsenkirchen, da gibt`s mehr Probleme als in manchen Städten<br />
in den neuen Bundesländern.
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit: </b>Es ist richtig, dass Regionen<br />
in der gesamten Republik, die strukturschwach sind, Hilfe von ihrem<br />
Land oder von der Bundesebene bekommen müssen. Aber unbestreitbar<br />
ist, dass die wirtschaftliche Situation in Ostdeutschland im Vergleich<br />
zu den alten Ländern deutlich schlechter ist. Deshalb braucht<br />
man dies nicht in Ost und West kategorisieren, sondern auch sagen,<br />
es muss dort geholfen werden, wo die Hilfe am notwendigsten ist.
</p>
<p>
<b>snudel:</b> Guten Tag &#8211; glauben Sie ernsthaft, dass<br />
sich nach den Neuwahlen etwas signifikant an der Lage Deutschlands<br />
ändern wird &#8211; obgleich welche Partei regieren wird?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Es muss sich vieles ändern,<br />
vieles ist erreicht worden, aber Deutschland muss sich weiterhin<br />
modernisieren. Sonst werden wir im internationalen Wettbewerb nicht<br />
mithalten können.
</p>
<p>
<b>BK:</b> Mal ehrlich: Wie viel Jahre geben Sie Deutschland<br />
noch, bevor uns die sozialen Lasten zusammenbrechen lassen? Immerhin<br />
können wir nicht endlos Schulden machen wie die USA.
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Wenn wir nichts tun, wird sich<br />
relativ deutlich zeigen, dass der Staat nicht mehr das leisten kann,<br />
was notwendig ist. Heute ist noch die Chance da, durch Veränderungen<br />
die Vorsorge zu treffen. Aber man muss es konsequent tun.
</p>
<p>
<b>Agamemna:</b> Glauben sie, dass es mit der Union an<br />
der Spitze Deutschland eine solch starke transatlantische Annäherung<br />
gibt, dass das zu Lasten der deutschen (französischen) EU-Politik<br />
geht?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich glaube, dass Deutschland gut<br />
beraten ist, das gute Verhältnis zu unseren direkten Nachbarn<br />
weiter zu pflegen. Dazu gehört natürlich Frankreich, aber<br />
auch Polen.
</p>
<p>
<b>groschen:</b> Was sagen Sie dazu, dass die Umweltpolitik<br />
im Wahlkampf der SPD so vernachlässigt wird? Sind der Atomausstieg<br />
oder die Verbraucherschutzpolitik nur Themen, die wir den Grünen<br />
zu verdanken haben ?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Nein, die SPD hat in ihrer Regierungsverantwortung<br />
klare Antworten zum Atomausstieg geben. Es ist aber immer schwierig,<br />
alle politischen Themen in die öffentliche Diskussion einzubringen.<br />
Gerade im Umwelt- oder Verbraucherschutz gibt es deutliche Unterschiede<br />
zur CDU/CSU, und die müssen im Wahlkampf heraus gestellt werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Zeit ist fast um. Eine letzte Frage:
</p>
<p>
<b>Pille90:</b> Schließen sie auch wie unser Bundeskanzler<br />
Gerhardt Schröder ein Linksbündnis auf jeden Fall aus<br />
?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Dies schließe ich für<br />
die nächste Legislaturperiode auf jeden Fall aus.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und danach?
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Ich will die Wählerinnen<br />
und Wähler, die heute den Linkspopulisten folgen, wieder zurückgewinnen.<br />
Dies ist die Aufgabe für die nächsten Jahre.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Unsere Zeit ist bereits um. Vielen<br />
Dank an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen<br />
sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Wowereit,<br />
dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript<br />
dieses Chats finden Sie in Kürze auf den Seiten der Veranstalter.<br />
Den nächsten Chat gibt es am Dienstag, den 6. September. Von<br />
13.00 bis 14.00 Uhr wird Grünen-Chef Reinhard Bütikofer<br />
auf Ihre Fragen antworten.
</p>
<p>
<b>Klaus Wowereit:</b> Vielen Dank für die vielen<br />
interessanten Fragen und hoffe auf weiterhin so viel Interesse an<br />
der Politik.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Glücklicherweise besteht der Mensch aus Ratio und Emotion&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hworch]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Aug 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Schönbohm]]></category>
		<category><![CDATA[Linkspartei.PDS]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Jörg Schönbohm, Innenminister 
des Landes Brandenburg, war am 26. August zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tageschau.de und politik-digital.de. Diskutiert wurde 
u.a. über die Emotionalisierung des Wahlkampfs, die Auseinandersetzung 
mit der Linkspartei und die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Jörg Schönbohm, Innenminister<br />
des Landes Brandenburg, war am 26. August zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tageschau.de und politik-digital.de. Diskutiert wurde<br />
u.a. über die Emotionalisierung des Wahlkampfs, die Auseinandersetzung<br />
mit der Linkspartei und die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute der Innenminister Brandenburgs,<br />
Jörg Schönbohm ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herr<br />
Schönbohm, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm: </b>Gerne. Ich freue mich<br />
drauf.
</p>
<p>
<b>Juventus:</b> Herr Schönbohm, glauben Sie, dass<br />
Ihre Äußerungen zu den mangelnden Werten, einer Wertedebatte<br />
in Deutschland, die ich durchaus für notwendig halte, nicht<br />
abträglich sind?</p>
<p><b>Jörg Schönbohm:</b> Ich habe mit meinen Äußerungen,<br />
die sich in Brandenburg auf das Wegsehen bei schwersten Straftaten<br />
und einer möglichen Erklärung hierzu eine breite Diskussion<br />
losgetreten. Ich habe dabei festgestellt, dass ich Menschen beleidigt<br />
habe und Menschen sich ihrer Lebensleistung beraubt fühlen.<br />
Dies war nicht meine Absicht und deswegen habe ich mich dafür<br />
entschuldigt. Ich denke, dass wir die Diskussion nach den Wahlen<br />
in einer sachlichen Diskussion weiterführen, weil es noch offene<br />
Fragen gibt. Ich hoffe, dass es trotz allen Ärgers gelingt,<br />
die Debatte in einem sachlichen Fahrwasser zu führen.
</p>
<p>
<b>Gottfried:</b> Rechnen Sie sich noch Chancen aus,<br />
bundespolitisch aktiv werden zu können, auch nachdem Frau Merkel<br />
Günther Beckstein für &quot;Inneres&quot; in ihr Kompetenzteam<br />
berufen hat?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Die Wählerinnen<br />
und Wähler müssen erst mal entscheiden, dass wir eine<br />
CDU/CSU und FDP Regierung bekommen. Ich setze mich dafür ein,<br />
dass dies gelingt und mache Wahlkampf in ganz Deutschland und in<br />
Brandenburg. Günther Beckstein ist ein erfahrener Landesminister<br />
und ich hoffe, dass er Bundesinnenminister wird. Das wäre gut<br />
für Deutschland.
</p>
<p>
<b>HansaII:</b> Herr Schönbohm, was sagen Sie zu<br />
Stoibers Aussagen zum ostdeutschen Wahlverhalten?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Stoiber hat sich mit<br />
seiner Aussage auf Oskar Lafontaine und Gregor Gysi bezogen, und<br />
da muss man sich noch mal in Erinnerung rufen: Oskar Lafontaine<br />
hat nach dem Fall der Mauer 1989 gesagt, dass die Ostdeutschen nicht<br />
in das westdeutsche Sozialsystem dürften. Er war dezidiert<br />
gegen die deutsche Einheit und hatte sich schon im März 1990<br />
mit Gregor Gysi dazu gemeinsam geäußert. Es ist schwer<br />
erklärbar und akzeptabel, dass diese beiden Hasardeure jetzt<br />
den Deutschen erklären wollen, wie die Einheit wirklich geht.<br />
Darauf zielten Stoibers Aussagen und da hat er Recht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie stark sehen Sie denn die Linkspartei<br />
am 18. September?</p>
<p><b>Jörg Schönbohm:</b> Es ist noch zu schwer<br />
vorherzusagen. Die hat ja schon abgenommen von Bundesebene von 11<br />
auf 9 Prozent. In den neuen Bundesländern sind CDU und Linkspartei<br />
in den Umfragen zur Zeit gleichauf. Wir haben noch drei Wochen Zeit,<br />
unsere Mitbürger davon zu überzeugen, dass die Wahl der<br />
Linkspartei Protest aber keine Lösung bedeutet. Wir wollen<br />
die Zukunft gestalten und gewinnen, und die Linkspartei möchte<br />
die Vergangenheit verwalten. Darum denke ich, wird die Linkspartei<br />
im weiteren Verlauf des Wahlkampfes weiter abnehmen.
</p>
<p>
<b>auslandsdeutscher:</b> Was halten Sie denn am &quot;Gefährlichsten&quot;<br />
an der Linkspartei?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Das Gefährliche<br />
an der Linkspartei ist, dass sie die schwierige Altlast aus der<br />
DDR verschweigt, die gemeinsam erzielte Aufbauleistung klein redet<br />
und den Menschen den Mut nimmt, sich für ihre eigene Zukunft<br />
stärker einzusetzen. Die Linkspartei verspricht ein Wahlprogramm,<br />
dessen Finanzierung vollkommen unklar ist und sie folgt einem Schuldenmodell,<br />
das die DDR zum Ende gebracht hat.
</p>
<p>
<b>Politicus: </b>Wie kann man vor allem in Ostdeutschland<br />
den Menschen vermitteln, dass die Linkspartei keine wirklichen politischen<br />
Lösungen hat?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Hierzu bedarf es eines<br />
andauernden und geduldigen Zuhörens bei den Menschen. Wir dürfen<br />
nicht vergessen, dass unsere Mitbürger in den letzten Jahren<br />
viele Veränderungen mitgemacht haben und wir dennoch ein hohes<br />
Maß an Arbeitslosigkeit zwischen 18 und 20 Prozent haben.<br />
Daraus ergeben sich Enttäuschungen, die die Linkspartei nutzt<br />
zur Emotionalisierung und zu Versprechungen, die nicht einlösbar<br />
sind. Darum müssen wir gegenüber den Mitbürgern die<br />
Schwierigkeit unserer Lage klar beschreiben und eine Perspektive<br />
zur Lösung der Probleme entwickeln und dabei klar machen, dass<br />
es noch Jahre dauert, bis wie das geschafft haben. Das ist ehrlicher,<br />
weil das Klarheit schafft.
</p>
<p>
<b>koellefornia:</b> In Deutschland ist es oft problematisch,<br />
unangenehme politische bzw. gesellschaftliche Wahrheiten bzw. Missstände<br />
deutlich zu formulieren und anzuprangern. Was meinen sie, woher<br />
das kommen kann?</p>
<p><b>Jörg Schönbohm:</b> Wir haben in der Tat<br />
in Deutschland eine Tendenz, bestimmte Bereiche zu Tabubereichen<br />
zu erklären. Aber die Wirklichkeit ist immer stärker als<br />
es die Tabuisierer sind. Das haben wir festgestellt bei dem Thema<br />
Integration und Zuwanderung. Das neue Zuwanderungsgesetz ist erst<br />
zustande gekommen, nachdem ich das rot-grüne &quot;Traumgesetz&quot;<br />
im Bundesrat verhindert habe. Jetzt haben wir ein Gesetz, das die<br />
Zuwanderung begrenzt, deutsche Interessen definiert und Integration<br />
fördert. Ich wünschte mir generell, dass wir in unserer<br />
Demokratie erkennen, dass es grundsätzlich möglich ist,<br />
über Unterschiede kontrovers zu diskutieren und dabei auch<br />
unangenehme Dinge anzusprechen. Wenn die politischen Parteien einen<br />
Teil der Wirklichkeit aus ihrer Politik ausblenden würden,<br />
stützte dies die Entwicklung von extremistischen Parteien.<br />
Und das kann nicht unser Interesse sein.
</p>
<p>
<b>mok:</b> Wie wollen Sie in Zukunft gegen den Rechtsextremismus<br />
in den neuen Ländern vorgehen?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> In Brandenburg habe<br />
ich mit den Mitteln der Polizei einen sehr starken Verfolgungsdruck<br />
aufgebaut. Wir haben besonders spezialisierte Polizeikräfte,<br />
die die Rechtsextremen persönlich kennen, sie gezielt ansprechen<br />
und auch Kontakt aufnehmen mit den Angehörigen und Arbeitgebern.<br />
Wir haben bei rechtsextremistischen Straftaten eine sehr hohe Aufklärungsquote.<br />
Die Polizei ist aber am Ende einer Fehlentwicklung und daher müssen<br />
wir an den Anfang dieser Fehlentwicklung kommen. Hierzu muss in<br />
den Schulen das Grundlagenwissen verbreitert werden, die Elternhäuser<br />
müssen ihre besondere Verantwortung erkennen. Die Arbeitgeber<br />
und gesellschaftliche Organisationen wie die Freiwillige Feuerwehr<br />
müssen bei Fehlentwicklungen auf die betroffenen Personen zugehen.
</p>
<p>
<b>kreta:</b> Herr Schönbohm, wie sehen Sie Ihre<br />
parteipolitische Zukunft?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Ich bin Landesfürst<br />
in der CDU, gewählt bis 2007, Mitglied des CDU-Präsidium,<br />
gewählt bis 2006 . Bis zu diesen Zeitpunkten werde ich mich<br />
entscheiden, wie lange ich in der Partei noch aktiv tätig bin<br />
&#8211; für Brandenburg habe ich angekündigt, dass ich bis 2009<br />
den Landesvorsitz behalten möchte.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen zusammengefasst:
</p>
<p>
<b>Politicus:</b> Können Sie sich eine Große<br />
Koalition vorstellen, wenn es für &quot;Schwarz-Gelb &quot;<br />
nicht reichen würde?
</p>
<p>
<b>HorstmannStuttgart:</b> Denken Sie, dass eine mögliche<br />
große Koalition im Bund die politischen Ränder auf beiden<br />
Seiten stärken könnte?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Eine große Koalition<br />
auf Bundesebene ist nach meiner Auffassung unter den jetzigen Bedingungen<br />
falsch. CDU/CSU und FDP haben gemeinsam ein hohes Maß an Übereinstimmung,<br />
um die wichtigen Fragen des Wirtschaftaufschwungs, des Schaffens<br />
von Arbeitsplätzen, des Abbaus der horrenden Staatsverschuldung<br />
und der Sicherung der Sozialsysteme.<br />
Darum kämpfen wir um eine Mehrheit für unsere künftige<br />
Koalition. Sollte es für eine schwarz-gelbe Koalition nicht<br />
reichen, dann hat rot-rot-grün die Mehrheit, und ich bin sicher,<br />
dass &quot;scham-rot-grün&quot; dann die Möglichkeit nutzt,<br />
unter Führung eines SPD-Kanzlers die Politik weiter zu gestalten.<br />
Wenn diese Möglichkeit eintritt, werden die Herren Müntefering<br />
und Schröder der Vergangenheit angehören und andere ehrgeizige<br />
&quot;Jungtürken&quot; werden die Führung übernehmen.<br />
Es besteht immer die Gefahr, dass eine große Koalition die<br />
extremistischen Ränder stärkt, von daher gesehen ist dies<br />
auch ein Grund, der gegen die große Koalition spricht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In einem Interview forderte Jörg<br />
Schönbohm jüngst einen &quot;emotionaleren Wahlkampf&quot;<br />
der CDU.
</p>
<p>
<b>PQ: </b>Glauben sie ernsthaft, dass Emotionen im Wahlkampf<br />
DIE Parteien glaubwürdiger erscheinen lassen oder denken Sie<br />
damit Ihre Politik dem Volk besser verkaufen zu können?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Ich halte die Frage<br />
für sehr weitreichend, ich will nur einige wenige Gedanken<br />
dazu äußern: Wir müssen die Bürger davon überzeugen,<br />
dass die Wahlen für sie wichtig sind und es sich für sie<br />
lohnt, wählen zu gehen. Das können sie nur über wichtige<br />
Themen erreichen, wie z.B. das Bekämpfen der Arbeitslosigkeit,<br />
Fehler der Bundesregierung anhand von Zitaten. Wie geht es weiter<br />
mit den Staatsausgaben, machen wir Schulden zu Lasten unserer Kinder<br />
und Kindeskinder, weil wir nicht sparen können, wollen wir<br />
den Beitritt der Türkei zur EU, mit der Folge, dass sich dann<br />
Freizügigkeit ergibt. Wobei wir wissen müssen, dass Berlin<br />
die größte türkische Stadt außerhalb der Türkei<br />
ist. Im Wahlkampf müssen also die Themen angesprochen werden<br />
,die für die Menschen wichtig sind und sie interessieren. Es<br />
darf aber nicht geschehen, dass unsere Mitbürger radikalisiert<br />
werden und sich ablenken lassen von dem kontroversen Diskurs in<br />
unserer Demokratie.
</p>
<p>
<b>Nachhilfeschüler:</b> &quot;Ehrgeizige Jungtürken<br />
&quot; &#8211; wieder ein schönes Fettnäpfchen, Herr Schönbohm
</p>
<p>
<b>AngMoKio:</b> Jungtürken? Erklären sie sich<br />
bitte.
</p>
<p>
<b>proletarisiert:</b> Wer bitte ist genau mit Jungtürken<br />
gemeint?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Es ist in der deutschen<br />
Politik der Begriff &quot;Jungtürke&quot; eingeführt wurden,<br />
als die SPD ihre Führung in Nordrhein-Westfalen und auf Bundesebene<br />
ausgetauscht hatte und jüngere die Partei übernommen haben.<br />
Der Begriff selber kommt aus der türkischen Geschichte und<br />
beschreibt die Machtübernahme von Kemal Atatürk und seinen<br />
Mitstreitern im Osmanischen Reich.<br />
Seit dieser Zeit wird der Begriff &quot;Jungtürke&quot; in<br />
diesem Zusammenhang häufig verwandt &#8211; dies ist kein Fettnäpfchen,<br />
sondern ein Sachverhalt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zurück zu den Emotionen:
</p>
<p>
<b>AngMo:</b> Finden sie nicht, dass Emotionen von der<br />
Sache ablenken? Emotionale Entscheidungen waren noch nie die Beste.<br />
Wie sehen sie das?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Glücklicherweise<br />
besteht der Mensch aus Ratio und Emotion. Ich selber kenne Menschen<br />
ohne jede Emotionalität, die man dann als gefühllos bezeichnet.<br />
Und dann gibt es den Gegensatz, dass sind jene Menschen, die aus<br />
ihrer Emotionalität heraus handeln und erst später denken.<br />
Beides ist die Ausnahme. Bei politischen Entscheidungen kommt es<br />
darauf an, dass Rationalität und Emotionalität in einem<br />
gewissen Gleichklang sind. Wenn Menschen emotional berührt<br />
sind, dann werden sie auch zur Wahl gehen und sich entscheiden.
</p>
<p>
<b>eljo:</b> Was meinen Sie bitte mit &quot;Freizügigkeit&quot;<br />
im Falle eines Türkeibeitritts zur EU?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Innerhalb der EU haben<br />
wir einen Raum des Rechts und der Freiheit und der Sicherheit. Das<br />
bedeutet, dass sich innerhalb der EU alle Bürger frei niederlassen<br />
können.<br />
Wenn die Türkei der EU mit allen Rechten beitreten sollte,<br />
wird sie nach einem Zeitraum, den ich jetzt nicht definieren kann,<br />
die gleichen Rechte haben wie die anderen Mitgliedstaaten auch,<br />
d.h. jeder Bürger aus der Türkei kann sich in der EU frei<br />
niederlassen.
</p>
<p>
<b>jf.berlin:</b> Ich habe eine weitere Frage: Wie wird<br />
die Ausländerpolitik der kommenden Bundesregierung aussehen?<br />
Werden straffällige Ausländer endlich schneller abgeschoben?<br />
Ist der Deutschunterricht endlich Pflicht? Was ist mit der doppelten<br />
Staatsangehörigkeit? Und was wollen Sie tun gegen die Verwahrlosung<br />
der jungen &quot;Ausländer &quot;?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Der entscheidende Punkt<br />
ist, dass wir zunächst einmal erkennen: In diesem Bereich gibt<br />
es noch erhebliche Probleme. In dem neuen Zuwanderungsgesetz, das<br />
maßgeblich von der CDU gestaltet wurde, können wir die<br />
Zuwanderung begrenzen und die Integrationsleistung verstärken.<br />
Wir müssen jedoch den hier auf Dauer lebenden und noch nicht<br />
integrierten Ausländern mehr Chancen einräumen, sich durch<br />
Angebote und eigene Leistungen stärker zu integrieren. Ein<br />
Beispiel hierzu ist die Entscheidung in Hessen, dass alle Kinder<br />
vor der Einschulung auf ihre deutsche Sprachfähigkeit getestet<br />
werden und sie gegebenenfalls noch Stützkurse bekommen. Wir<br />
müssen erreichen, dass gerade Migrantenkinder durch Sprach-<br />
und Schulkenntnisse eine Chance auf Ausbildung bekommen und so in<br />
Deutschland ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft zu werden.
</p>
<p>
<b>Politikinteressierter:</b> Und sie glauben, dass die<br />
Zuwanderungsquote von Türken im Falle eines EU-Beitrittes drastisch<br />
steigen würde?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Ja, das liegt in der<br />
Natur der Sache. Wir haben ein hohes Wohlstandgefälle zwischen<br />
der Türkei und Deutschland und es leben 2,4 Mio. türkische<br />
Mitbürger. Es ist klar, dass der Zuwanderungsdruck auf Deutschland<br />
viel größer wäre als bei anderen EU-Ländern.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Frau Merkel macht erneut gegen die<br />
Türkei mobil, melden Agenturen. Sie wirbt in einem Brief an<br />
konservative Regierungschefs in Europa um ihr Modell einer &quot;privilegierten<br />
Partnerschaft&quot;. Der richtige Weg im Wahlkampf?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Hier geht es nicht um<br />
Wahlkampf, sondern hier geht es um die zukünftige Entwicklung<br />
unserer Gesellschaft. Ich selbst bin einer großer Freund der<br />
Türkei und habe mit den türkischen Streitkräften<br />
als Soldat sehr eng zusammen gearbeitet. Ich habe mit der Türkei<br />
als Staatssekretär im Verteidigungsministerium viele gemeinsame<br />
Vorhaben voran gebracht und den Türken dabei geholfen als die<br />
Herren Struck, Scharping und andere strikt dagegen waren. Wir wollen<br />
diese Freundschaft mit der Türkei untermauern durch die besondere<br />
Beziehung von Deutschland und der Türkei. Wir glauben aber,<br />
dass die Lasten und Gefährdungen aus einem Türkeibeitritt<br />
die EU in ihrer Weiterentwicklung stark beeinträchtigen können.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zu einem Spezialgebiet Schönbohms,<br />
der Bundeswehr:
</p>
<p>
<b>R.Walter:</b> Wie beurteilen Sie als Ex-Generalstabsoffizier<br />
die Pläne von CDU/CSU, die Bundeswehr auch im Inland einzusetzen?<br />
Mir stellen sich hierbei ernorme verfassungsrechtliche Probleme<br />
und vor dem Hintergrund der jüngeren deutschen Geschichte in<br />
der Nazizeit und der DDR!
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Ihre Fragestellung ist<br />
berechtigt und wir müssen in Hinblick auf die Gefährdung<br />
darauf eingehen. Nach dem Anschlag vom 11. September 2001 in Amerika<br />
ist eine neue terroristische Gefährdung sichtbar geworden,<br />
deren Auswirkung auf die Sicherheit der Bürger noch gar nicht<br />
im Einzelnen abgeschätzt werden kann. Die Anschläge von<br />
Madrid und London haben gezeigt, dass dieser Terror auch auf Europa<br />
zielt. Darum bin ich dafür, dass alle Fähigkeiten des<br />
Staates genutzt werden, einen solchen Angriff zu verhindern oder<br />
die Schadensfolgen für die Bürger zu minimieren. Hier<br />
kann die Bundeswehr für den Schutz unseres Staatsgebietes gegen<br />
terroristische Organisationen, die völkerrechtlich kein Subjekt<br />
sind erhebliche Abwehrwirkungen erzielen, wie gegen Bedrohungen<br />
aus der Luft und von der See. Hierzu müssen die gesetzlichen<br />
Grundlagen verändert werden. Des weiteren muss im Fall eines<br />
erfolgten terroristischen Angriffs oder zur Vermeidung eines solchen<br />
die Bundeswehr eingesetzt werden können, wie z.B. beim Objektschutz,<br />
zur ABC-Abwehr oder zur sanitätsdienstlichen Unterstützung<br />
Hierfür sollten rechtlich einwandfreie Voraussetzungen geschaffen<br />
werden und dann können wir etwas erreichen was in unser aller<br />
Interesse sein sollte. Staatsbürger in Uniform helfen Staatsbürgern,<br />
die in Not sind. Dies ist keine Militarisierung der Gesellschaft,<br />
sondern ein Nutzen aller Möglichkeiten der staatlichen Mittel<br />
zum Schutz der Bürger.
</p>
<p>
<b>htronsberg:</b> Wie stehen Sie zu dem Wehrdienst?<br />
Ist das Ihrer Meinung nach noch zeitgemäß?
</p>
<p>
<b>nOsKiLl:</b> Wie stehen sie zur Abschaffung der Wehrpflicht<br />
bzw. der geplanten Abschaffung der Wehrpflicht?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Ich bin ein überzeugter<br />
Anhänger der Wehrpflicht und glaube, dass diese gut begründet<br />
ist, solange die Bundeswehr nicht ausschließlich für<br />
Interventionszwecke eingesetzt wird. Die Wehrpflicht gründet<br />
sich aus dem Gedanken des Heimatschutzes &#8211; und in diesem Bereich<br />
hat die Bundeswehr heute und künftig weiter Aufgaben. Deutschland<br />
kann sich auch dadurch verteidigen, dass Krisen außerhalb<br />
Deutschlands bekämpft werden. Aber wenn die Krisen nach Deutschland<br />
kommen und wir erhebliche Schwierigkeiten haben, dann wird die Bundeswehr<br />
hier gebraucht.
</p>
<p>
<b>R.Walter:</b> Thema Wehrgerechtigkeit und zunehmende<br />
Spezialisierung der Aufgaben der BW: Welche Rolle spielt der Wehrdienstleistende<br />
in der zukünftigen BW?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm: </b>Die Frage der Wehrgerechtigkeit<br />
wird sich in wenigen Jahren durch die abnehmende Geburtenzahl nicht<br />
mehr stellen. Unsere Wehrpflichtigen kommen zum Teil mit beruflichen<br />
Kenntnissen zur Bundeswehr, die sie dort in allen Bereichen vorzüglich<br />
einsetzen können. Sie werden zunächst in einer allgemeinen<br />
Grundausbildung den Umgang mit Waffen lernen, um dann in der Lage<br />
zu sein, Sicherungsaufgaben oder vergleichbare Aufgaben zu übernehmen.<br />
Sie können auch als Helfer im Sanitätsdienst, bei der<br />
ABC-Abwehr oder im technischen Dienst eingesetzt werden.
</p>
<p>
<b>Maik77:</b> Sind Wehrpflichtige demnach auch in der<br />
sog. Terrorbekämpfung einzusetzen?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Nein, es gibt eine klare<br />
Entscheidung des Verteidigungsministers, die ich entschieden unterstütze:<br />
Wehrpflichtige Soldaten sind nicht zu Auslandseinsätzen heranzuziehen,<br />
es sei denn, sie melden sich hierzu freiwillig. Die Soldaten können<br />
jedoch in der BRD beim Katastrophenschutz oder zur Hilfe bei Bürgern<br />
in den verschiedenen Bereichen eingesetzt werden.
</p>
<p>
<b>Nachhilfeschüler:</b> Herr Schönbohm, könnten<br />
Sie sich als Bundesverteidigungsminister vorstellen?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Ich habe eine reichhaltige<br />
Fantasie und kann mir vieles vorstellen. Aber jetzt wollen wir erst<br />
mal die Wahlen gewinnen und Angela Merkel zur Bundeskanzlerin wählen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine letzte Frage, die Zeit ist gleich<br />
um:
</p>
<p>
<b>reinform:</b> Herr Schönbohm. Viele Wähler<br />
misstrauen den Aussagen der Politiker. Können Sie dieses Misstrauen<br />
nachvollziehen? Was ändert sich aus Ihrer Sicht in den Köpfen<br />
der Politiker, um den Konsequenzen dieses Vertrauensverlustes entgegenzuwirken?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Es gibt viel enttäuschtes<br />
Vertrauen, weil nach der Wahl anderes gesagt wird. als vorher angekündigt.<br />
Dies war vor der Wahl 2002 besonders stark ausgeprägt, als<br />
der Abbau der Arbeitslosigkeit definitiv versprochen wurde und der<br />
Sicherheit der Sozialsysteme garantiert wurde.<br />
Nach der Wahl hat sich alles geändert und dann stieg die Staatsverschuldung<br />
sehr viel höher und die Agenda 2010 kam auf die Tagesordnung.<br />
Darum haben wir von der Union vor der Wahl gesagt, dass wir die<br />
Mehrwertsteuer anheben um die Lohnnebenkosten zu senken und uns<br />
festgelegt, wie wir die Steuerreform voranbringen und die Familien<br />
unterstützen. Wir haben auch eine unangenehme Wahrheit in das<br />
Wahlprogramm aufgenommen, weil wir um die Gefahr des Vertrauensverlustes<br />
wissen. Wenn sie unser Programm mit dem sog. Wahlmanifest der SPD<br />
vergleichen, können sie den Unterschied feststellen. Bei der<br />
SPD finden sie Versprechungen aber keine Hinweise, wie diese umgesetzt<br />
werden können. Bei uns finden sie Vorschläge, wie wir<br />
die Probleme meistern, aber keine Versprechen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Zeit ist bereits um. Vielen<br />
Dank an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen<br />
sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Schönbohm,<br />
dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript<br />
dieses Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten<br />
Chat gibt es am Montag, 29. August um 13 Uhr mit Berlins Regierendem<br />
Bürgermeister Klaus Wowereit.
</p>
<p>
<b>Jörg Schönbohm:</b> Ich bedanke mich für<br />
die zahlreichen, vielfältigen Fragen. Das war ein fairer und<br />
guter Chat &#8211; und ob rational oder emotional: Gehen sie zur Wahl.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Chat zum Thema &#8220;Tsunami-Frühwarnsystem&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat_zum_thema_quottsunamifruehwarnsystemquot-177/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[hworch]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Aug 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Jörn Lauterjung]]></category>
		<category><![CDATA[Naturkatastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Tsunami-Frühwarnsystem]]></category>
		<category><![CDATA[Tsunami]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Der Tsunami 2004 kam unerwartet 
und hinterließ eine Spur der Verwüstung: Breite Küstenregionen 
in Südostasien wurden zerstört – rund 220.000 Menschen 
kamen in den Fluten um. Was ist eigentlich ein Tsunami? Gibt es 
Schutz vor einem Tsunami? Wie funktioniert ein Frühwarnsystem? 
Am Freitag, den 26. August, stand Tsunami-Experte Dr. Jörn 
Lauterjung von 11 bis 12 Uhr für Fragen rund um das Thema Tsunami 
zur Verfügung – im Live-Chat des Bundesministeriums für 
Bildung und Forschung. Der Chat wurde von sueddeutsche.de und politik-digital.de 
unterstützt.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Der Tsunami 2004 kam unerwartet<br />
und hinterließ eine Spur der Verwüstung: Breite Küstenregionen<br />
in Südostasien wurden zerstört – rund 220.000 Menschen<br />
kamen in den Fluten um. Was ist eigentlich ein Tsunami? Gibt es<br />
Schutz vor einem Tsunami? Wie funktioniert ein Frühwarnsystem?<br />
Am Freitag, den 26. August, stand Tsunami-Experte Dr. Jörn<br />
Lauterjung von 11 bis 12 Uhr für Fragen rund um das Thema Tsunami<br />
zur Verfügung – im Live-Chat des Bundesministeriums für<br />
Bildung und Forschung. Der Chat wurde von sueddeutsche.de und politik-digital.de<br />
unterstützt.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
Es gibt keinen direkten Schutz vor den Flutwellen.<br />
Effektive Frühwarnsysteme sind im Falle eines Tsunamis die<br />
einzige Möglichkeit, Menschenleben zu schützen. Am Donnerstag,<br />
den 25. August, wurden die ersten Mess-Bojen des neuen deutsch-indonesischen<br />
Tsunami Early Warning System (TEWS) von Bundesministerin Edelgard<br />
Bulmahn und ihrem indonesischen Amtskollegen Kusmayanto in Hamburg<br />
präsentiert. Das System kommt ab Oktober 2005 in der geologisch<br />
kritischsten Zone des Indischen Ozeans zum Einsatz – dem Sunda-Bogen.<br />
Dr. Lauterjung ist Forscher am GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam.<br />
Das Zentrum ist maßgeblich an der Konzeption und am Aufbau<br />
des Tsunami-Frühwarnsystems für Indonesien beteiligt.
</p>
<p>
Hier sehen Sie das Transkript des Live-Chats:
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hallo und herzlich Willkommen beim<br />
Live-Chat des Bundesministeriums für Bildung und Forschung<br />
(BMBF) zum Thema &quot;Tsunami-Frühwarnsystem&quot;. Unser<br />
heutiger Gast ist Dr. Jörn Lauterjung, Forscher am GeoForschungsZentrum<br />
(GFZ) in Potsdam. Das Zentrum ist maßgeblich am Aufbau eines<br />
Frühwarnsystems für den Indischen Ozean beteiligt. Wir<br />
haben in den folgenden 60 Minuten Zeit, Herrn Lauterjung zu befragen.<br />
Die Moderatoren nehmen jetzt Ihre Fragen entgegen! Herr Lauterjung,<br />
sind Sie bereit für diesen Live-Chat?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Ja, natürlich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gestern wurden im Hamburger Hafen unter<br />
Beisein von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn und ihres<br />
indonesischen Amtskollegen Kusmayanto die ersten Komponenten eines<br />
neuen Frühwarnsystems übergeben. Das Projekt unter dem<br />
Namen &quot;Tsunami Early Warning System&quot;, kurz &quot;TEWS&quot;,<br />
basiert unter anderem auf einer besseren Mess-Infrastruktur. Die<br />
ersten neuen Mess-Bojen sind nun zur Verschiffung bereit gemacht<br />
worden. Herr Lauterjung, in welcher Weise hilft das GeoForschungsZentrum<br />
(GFZ) in Potsdam an der Einrichtung dieses Systems?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Zum einen koordinieren wir<br />
das gesamte Projekt. Das TEWS besteht aus mehreren Komponenten.<br />
Einmal aus einem landgestützten Seismometernetz zur Erkennung<br />
von Erdbeben und aus ozeanographischen Instrumenten zur Erkennung<br />
einer Tsunamiwelle im Ozean. Die Messbojen sind ein wesentlicher<br />
Teil der Ozeaninstrumentierung und wurden am GFZ Potsdam entwickelt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Mit einer verbesserten Messtechnik<br />
alleine ist es vermutlich nicht getan. Die Bundesregierung hat rund<br />
45 Millionen Euro für ein besseres Vorwarnsystem bereitgestellt.<br />
Wofür soll der Etat ausgegeben werden?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Der Etat wird zunächst<br />
ausgegeben für die Instrumentierung, den Aufbau eines Frühwarnzentrums<br />
in Jakarta und für Maßnahmen, die wir mit Capacity Building<br />
bezeichnen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und hier die erste Frage des Nutzers<br />
Jochen S.:
</p>
<p>
<b>Jochen S.:</b> Wiegt ein solches System die Menschen<br />
nicht in trügerischer Sicherheit? Ist nicht denkbar, dass ein<br />
Tsunami entsteht, der nicht durch das System erfasst werden kann?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Das System ist nicht ausgelegt,<br />
die Menschen in Sicherheit zu wiegen. Die Frage ist vielmehr eine<br />
andere. Die Katastrophe am 26. Dezember hat gezeigt, dass die Region<br />
um den Indischen Ozean überhaupt nicht auf eine solche Katastrophe<br />
vorbereitet war. Ein Frühwarnsystem, wie es jetzt aufgebaut<br />
wird, ist ein Teil einer Gesamtmaßnahme. Damit soll den Menschen<br />
bewusst gemacht werden, dass sie in einer geologisch gefährdeten<br />
Region leben und dass es Möglichkeiten gibt, sich darauf vorzubereiten.<br />
Das Frühwarnsystem selbst ist ein Teil dieser Gesamtmaßnahme,<br />
die im Wesentlichen zum Ziel hat, in der Region katastrophenvorbeugende<br />
Maßnahmen zu initiieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Hier eine Nachfrage zum gleichen Thema:
</p>
<p>
<b>Fisch:</b> Ist ein Warnsystem vor Ort, das die Menschen<br />
auf die Gefahr hinweist, ohne eine Panik auszulösen, nicht<br />
mindestens ebenso wichtig wie eine ausgeklügelte Infrastruktur,<br />
die den Tsunami früh anzeigt?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Beides ist gleich wichtig<br />
und soll im Laufe der nächsten Jahre erreicht werden.
</p>
<p>
<b>ertert:</b> Macht es Sinn, Warnungen per SMS oder<br />
Ähnlichem an die Gefährdeten zu übermitteln?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Ja, das macht Sinn. Es werden<br />
im Moment verschiedene Möglichkeiten diskutiert, wie Warnmeldungen<br />
verbreitet werden sollen. Wir nennen das „Das Problem der<br />
letzten Meile“. Hier werden neben SMS auch Möglichkeiten<br />
der Verbreitung über Radio, Fernsehen und die gute alte Sirene<br />
oder auch die Nutzung von Lautsprechern in Moscheen diskutiert.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zum System selbst. Hierzu<br />
sind bereits einige Fragen eingegangen, die nach der genauen Funktionsweise<br />
und den Vorteilen des neuen Systems fragen:
</p>
<p>
<b>waldschrat:</b> Guten Tag Herr Lauterjung, es gibt<br />
ja bereits ein Frühwarnsystem im Pazifik. Warum wurde dieses<br />
existierende Modell nicht für den Indischen Ozean übernommen?<br />
Weil es von Japanern und Amerikanern stammt? Was sind die Vorteile<br />
des neuen Modells?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Das Frühwarnsystem<br />
im Pazifik gibt es seit 30 Jahren und die Erfahrungen daraus fließen<br />
natürlich in das neue System ein. Trotzdem bietet das deutsche<br />
System eine Reihe von technischen Weiterentwicklungen gegenüber<br />
dem vorhandenen System im Pazifik.
</p>
<p>
<b>Klaus D.:</b> Das Warnsystem im Pazifik kann wohl<br />
etwa jeden fünften Tsunami registrieren und die betroffenen<br />
Gebiete warnen. Wie hoch wird die Quote beim TEWS sein?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Durch den Einsatz verschiedener<br />
Instrumente und einer Kombination dieser unabhängigen Messmethoden<br />
streben wir eine Fehlalarmquote von unter 20 Prozent an.
</p>
<p>
<b>ertert:</b> Welche Rolle spielt das Internet bei dem<br />
neuen Warnsystem?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Die Nutzung des Internets<br />
hängt stark von den vorhandenen Kommunikationsinfrastrukturen<br />
ab. Diese sind in Indonesien nicht mit Europa zu vergleichen. Trotzdem<br />
wird das Internet, wo vorhanden, zur Verteilung von Warnmeldungen<br />
eingesetzt.
</p>
<p>
<b>Werner:</b> Wie genau funktioniert das neue System<br />
überhaupt? Worin liegt der Unterschied zu bisherigen Systemen?<br />
Es gab doch eine Warnung der Amerikaner im Internet, die allerdings<br />
nicht registriert wurde. Wie sieht das amerikanische System aus?<br />
Warum wurde es nicht registriert?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Im Prinzip funktionieren<br />
alle Warnsysteme nach dem gleichen Grundsatz. Am Anfang steht die<br />
schnelle Lokalisierung eines Seebebens, das ein Tsunami auslösen<br />
könnte. Danach folgt die Messung ozeanographischer Parameter,<br />
um den Tsunami tatsächlich zu messen. Nach dieser Verifikation<br />
sprechen die Systeme dann eine Warnmeldung aus. D. h. das System<br />
besteht erst einmal aus einem dichten Seismometernetz zur schnellen<br />
Messung der Erdbeben. In Indonesien sollen 25 Stationen aufgebaut<br />
werden. Im Bereich der Ozeanographie sollen in den nächsten<br />
drei Jahren zehn Bojensysteme mit Ozeanbodendruckmessgeräten<br />
sowie 25 Küstenpegelstationen aufgebaut werden. Basierend auf<br />
den online übertragenen Daten dieser Instrumente wird eine<br />
Tsunami-Simulation berechnet, die die Grundlage für eine detaillierte<br />
Warnmeldung sein soll. Diese Warnmeldung soll die erwartete Wellenhöhe<br />
sowie den erwarteten Zeitpunkt des Eintreffens umfassen.
</p>
<p>
<b>Dörte:</b> Wie kann das Warnsystem einen Tsunami<br />
von einer &#8216;normalen&#8217; Flutwelle unterscheiden? Wie wird einer Verwechslung<br />
vorgebeugt?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Durch den Einsatz verschiedener<br />
Messverfahren an Land und im Wasser können Tsunamis von normalen<br />
Tiden, Sturmwellen oder sogar vom Durchzug einer Tiefdruckfront<br />
unterschieden werden. Erst die Kombination eines gemessenen Erdbebens<br />
und eines Wellenereignisses führt zu einer Warnmeldung.Moderator:<br />
Da schließt sich logisch folgende Frage an:
</p>
<p>
<b>PlanetErde:</b> Kann das System bzw. sein Zustandekommen<br />
eine Vorbildfunktion auch für die Entwicklung von Warnsystemen<br />
gegen andere Naturkatastrophen (z. B. Orkane) übernehmen?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Ja, das ist vorgesehen.<br />
Das Warnsystem besteht nicht nur aus speziellen Instrumenten, sondern<br />
umfasst eine komplette Warnkette. Wir planen, das System so auszulegen,<br />
dass auch andere Sensornetzwerke oder Messinstrumente integriert<br />
werden können, so dass die Warnkette auch für andere Naturkatastrophen<br />
genutzt werden kann, z. B. für Vulkanausbrüche, Landrutschungen,<br />
Sturmfluten, Waldbrände oder auch menschengemachte Katastrophen.
</p>
<p>
<b>Dörte:</b> Wie werden die Bojen vor Ort eigentlich<br />
in Stand gehalten?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Das deutsch-indonesische<br />
Projekt ist für fünf Jahre angelegt. Während dieser<br />
Zeit wird die Wartung sichergestellt. Wie ein zukünftiges Betreibermodell<br />
aussehen soll, befindet sich zurzeit in Diskussion.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommen wir zu einem anderen Thema.<br />
Tsunamis und Frühwarnsysteme sind nicht nur auf nationaler<br />
Ebene zu betrachten.
</p>
<p>
<b>Gabi Fürll:</b> Wer betreut den Aufbau des Systems<br />
vor Ort? Werden lokale Wissenschaftler eingebunden?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Das Frühwarnsystem<br />
soll im ersten Schritt in Indonesien aufgebaut werden. Wir haben<br />
dazu die lokalen Partnerorganisationen, die auch in Zukunft den<br />
Betrieb sicherstellen sollen, eingebunden. Wir beginnen bereits<br />
jetzt mit der Ausbildung indonesischer Wissenschaftler und Ingenieure<br />
hier in Deutschland. Diese Maßnahme ist Teil des Capacity<br />
Buildings und kann vielleicht unter den Begriff Training on the<br />
Job laufen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie ich gelesen habe, bieten Sie solche<br />
Kurse schon an?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Wir bieten seit über<br />
20 Jahren unter der Schirmherrschaft der UNESCO Trainingskurse für<br />
Seismologie und seismische Gefährdungseinschätzung an.<br />
Der diesjährige Trainingskurs, der Montag in Potsdam beginnen<br />
wird, schließt bereits die Tsunami-Thematik mit ein. Insgesamt<br />
sind sieben Teilnehmer aus Indonesien an dem Kurs beteiligt.
</p>
<p>
<b>Muhs:</b> Wie sind Ihre Erfahrungen bezüglich<br />
der Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Indonesien?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Deutschland hat seit über<br />
30 Jahren eine sehr gute wissenschaftlich-technische Kooperation<br />
mit Indonesien. Wir selber haben in den letzten zehn Jahren eine<br />
ganze Reihe von großen Projekten, u. a. den Aufbau eines Vulkanfrühwarnsystems<br />
auf dem Vulkan Merapi auf Java, erfolgreich durchgeführt.
</p>
<p>
<b>Löschzug:</b> Wie wichtig ist die internationale<br />
Kooperation zur Verhinderung von Tsunami-Katastrophen? Sollte man<br />
allgemein den weltweiten Katastrophenschutz nicht durch eine Aufwertung<br />
im Rahmen der UN verbessern?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Internationale Kooperation<br />
ist für den Erfolg unerlässlich. Deswegen hat die UN bereits<br />
Ende Januar 2005 die UNESCO damit beauftragt, die internationale<br />
Koordination für alle Frühwarnaktivitäten zu übernehmen.<br />
Auf vier bislang stattgefundenen Konferenzen wurden bereits konkrete<br />
Maßnahmen und Absprachen auf internationaler Ebene getroffen,<br />
um den Austausch von Daten und Warnmeldungen im Zusammenhang mit<br />
Naturkatastrophen zu organisieren. Dabei wird das Frühwarnsystem<br />
im indischen Ozean als Modellsystem herangezogen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch eine Bitte um Einschätzung<br />
der Möglichkeiten der internationalen Gemeinschaft:
</p>
<p>
<b>dk23:</b> Sollte es nicht einen Weltfond für<br />
die Errichtung solcher Systeme gerade in finanzschwachen Regionen<br />
geben?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Überlegungen zu solch<br />
einem Weltfond gibt es bereits. Es wurde ein sogenannter Multidonor<br />
Trust Fund eingerichtet. Die EU hat dafür 200 Millionen Euro<br />
bereit gestellt. Wichtiger als die Bereitstellung von Mitteln für<br />
die Installation ist allerdings die langfristige Bereitstellung<br />
von Mitteln für den Betrieb solcher Systeme.
</p>
<p>
<b>Ludger:</b> Herr Lauterjung, wie hoch waren die Kosten<br />
für die Entwicklung des Frühwarnsystems?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Die Bundesregierung hat<br />
Anfang 2005 einen Fluthilfetopf in Höhe von 500 Millionen Euro<br />
bereitgestellt. Aus diesem Geld wurden 45 Mio. Euro für das<br />
Tsunami Frühwarnsystem zur Verfügung gestellt. Das Projekt<br />
soll über einen Zeitraum von 5 Jahren laufen, wobei die technische<br />
Installation Anfang 2008 abgeschlossen sein soll.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal zur internationalen Koordination<br />
der Systeme:
</p>
<p>
<b>Gabi Fürll:</b> Grüße Sie Herr Lauterjung,<br />
wenn es mehrere Frühwarnsysteme im Pazifik gibt, wie werden<br />
die eigentlich koordiniert – stimmen die verschiedenen Länder<br />
sich ab?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung: </b>Die Frühwarnsysteme<br />
im Pazifik wurden vor 30 Jahren bereits auf Anregung der UNESCO<br />
ins Leben gerufen und werden seitdem von der UNESCO international<br />
eingebunden. Die internationale Abstimmung erfolgt also über<br />
die UNESCO, die auch in Zukunft die Koordinierung aller Frühwarnsysteme,<br />
die geplant sind, übernehmen soll.
</p>
<p>
<b>Muhs:</b> Welche umweltschutzpolitischen Maßnahmen<br />
müssten Ihrer Meinung nach von der Politik getroffen werden?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Grundsätzlich ist die<br />
Gefährdung durch solche Tsunamis wie im Dezember letzten Jahres<br />
nicht zu verhindern. Was wir im indischen Ozean gelernt haben, ist,<br />
dass der Abbau von Korallenriffen z. B. vor Sri Lanka oder das Fehlen<br />
von Mangrovenwäldern in Indonesien zu einer höheren Verletzlichkeit<br />
der Gesellschaft und der Infrastrukturen geführt hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Einige Fragen adressieren auch ganz<br />
allgemein das Thema Tsunami. Hier die erste Frage zu diesem Thema:
</p>
<p>
<b>dk23:</b> Die Anzahl der Naturkatastrophen häuft<br />
sich bedrohlich – bekommen wir jetzt die Quittung für<br />
unser Verhalten und unseren Umgang mit der Natur oder wäre<br />
es ohnehin so gekommen?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Die Anzahl der Naturkatastrophen<br />
häuft sich statistisch gesehen nicht. Was in den letzten Jahren<br />
deutlich angestiegen ist, ist die Gefährdung menschlicher Siedlungsräume<br />
und Infrastrukturen durch die zunehmende Nutzung der durch Naturgefahren<br />
bedrohten Regionen.
</p>
<p>
<b>Brucki:</b> Ist eine Tsunamie-Katastrophe auch in<br />
Europa denkbar?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Ja, nicht nur denkbar, sondern<br />
in der Vergangenheit auch passiert. In diesem Jahr jährt sich<br />
zum 250. Mal das große Erdbeben vor Lissabon, das einen hohen<br />
Tsunami ausgelöst hat und Lissabon vollständig zerstört<br />
hat. Wir wissen aus der jüngeren Vergangenheit, dass es im<br />
Mittelmeerraum immer wieder zu kleineren lokalen Tsunamis durch<br />
so genannte Hangrutschungen im Mittelmeer gekommen ist. Das ist<br />
auch der Grund, warum die EU erst die Idee diskutiert hat, ein Tsunami-Frühwarnsystem<br />
für den Mittelmeerraum zu installieren.
</p>
<p>
<b>Nick:</b> Besteht die Möglichkeit, dass auch<br />
deutsche Küsten von einem Tsunami überflutet werden?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Das ist sehr unwahrscheinlich.<br />
Der norddeutsche Raum liegt in einer seismisch sehr ruhigen Zone.<br />
Außerdem ist die Nordsee ein relativ flaches Meer, in dem<br />
nicht mit Hangrutschungen zu rechnen ist. Allerdings hat es vor<br />
etwa 10.000 Jahren an der Westküste von Norwegen einen großen<br />
Hangrutsch gegeben, der zu einem Tsunami geführt hat. Dieser<br />
hat die Ostküste von England und Schottland heimgesucht. Mir<br />
ist nicht bekannt, dass durch diesen Tsunami auch die Nordseeküste<br />
Deutschlands betroffen war.
</p>
<p>
<b>Franz-Joseph:</b> Für wie wahrscheinlich halten<br />
Sie Vermutungen, dass Mythen wie die Sintflut auf Tsunami-Katastrophen<br />
in der fernen Vergangenheit zurückzuführen sind?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Ganz auszuschließen<br />
ist eine solche Hypothese nicht. Ich würde sie für sehr<br />
unwahrscheinlich halten, weil die Überlieferungen der Bibel<br />
im Wesentlichen im östlichen Mittelmeerraum entstanden sind<br />
und dort solche verheerenden Tsunamis nicht festgestellt wurden.<br />
Der Mythos der Sintflut wurde in den letzten Jahren mit anderen<br />
Naturphänomenen, wie z. B. der Öffnung des Bosporus erklärt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir kommen bereits zur letzten Frage:
</p>
<p>
<b>Kabeljau:</b> Herr Dr. Lauterjung: Wie wird man eigentlich<br />
zu einem Tsunami-Experten?
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Sicherlich durch die intensive<br />
Beschäftigung mit dem Thema seit Anfang des Jahres. Das GFZ<br />
Potsdam hatte gemeinsam mit anderen Forschungseinrichtungen das<br />
Konzept des Frühwarnsystems entwickelt, das dann schließlich<br />
von der Bundesregierung akzeptiert wurde. Seit dieser Zeit bin ich<br />
Koordinator dieses Projektes und daher auch die intensive Beschäftigung<br />
mit dem Thema.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sehr geehrte Damen und Herren, liebe<br />
Chatter und Chatterinnen. Sehr geehrter Herr Dr. Lauterjung! Herzlichen<br />
Dank für Ihre Teilnahme an dem Chat des Bundesministeriums<br />
für Bildung und Forschung. Leider konnten in der kurzen Stunde<br />
nicht alle eingehenden Fragen beantwortet werden. Das Transkript<br />
dieses Chats sowie weitere Informationen zum Thema Tsunami-Frühwarnsystem<br />
finden Sie auf der Website des Ministeriums unter der Adresse www.bmbf.de.<br />
Wir wünschen allen Beteiligten einen schönen Tag!
</p>
<p>
<b>Jörn Lauterjung:</b> Informationen zum Tsunami<br />
gibt’s natürlich auch auf unserer Homepage unter <a href="http://www.gfz-potsdam.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.gfz-potsdam.de</a>.<br />
Dort finden sich bereits auf der ersten Seite die entsprechenden<br />
Links.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/chat_zum_thema_quottsunamifruehwarnsystemquot-177/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wir warnen vor Rot-Rot-Grün&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotwir_warnen_vor_rotrotgruenquot-178/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotwir_warnen_vor_rotrotgruenquot-178/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[hworch]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Aug 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CSU]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Söder]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotwir_warnen_vor_rotrotgruenquot-178/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Markus Söder, Generalsekretär 
der CSU, war am 19. August zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von 
tagesschau.de und politik-digital.de. Er zeichnete das Bild einer 
Entscheidungswahl zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Rot-Grün. Zur 
politischen Zukunft Stoibers wollte er sich nicht konkret äußern.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Markus Söder, Generalsekretär<br />
der CSU, war am 19. August zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de. Er zeichnete das Bild einer<br />
Entscheidungswahl zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Rot-Grün. Zur<br />
politischen Zukunft Stoibers wollte er sich nicht konkret äußern.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute der CSU-Generalsekretär<br />
Markus ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herr Söder, können<br />
wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Warum will Edmund Stoiber nicht nach<br />
Berlin?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Die Entscheidung, wo Edmund<br />
Stoiber arbeiten wird &#8211; ob in Berlin oder in München &#8211; wird<br />
erst nach der Wahl entschieden. Jetzt kommt es darauf an, dass wir<br />
die Wahlen gewinnen &#8211; darauf konzentrieren wir uns.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sowohl Jürgen Rüttgers als<br />
auch Friedrich Merz rechnen offenbar nicht mit ihm. Wie kommentieren<br />
Sie das?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Es bleibt dabei: Es wird nach<br />
der Wahl entschieden. Jetzt müssen wir gemeinsam gewinnen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das war keine Antwort auf die Frage.
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Doch. Denn wir müssen<br />
uns auf die Schwerpunkte konzentrieren. Und die sind nun einmal<br />
die Wahlen am 18. September, die Regierungsbildung kommt erst danach.
</p>
<p>
<b>Montanunion:</b> Ist die Ostschelte Stoibers nicht<br />
nur als Mittel gedacht, die CSU durch starke Mobilisierung in Bayern<br />
besonders stark zu machen, auch damit die CSU in einer möglichen<br />
Schwarz-Gelben Koalition in jedem Fall stärker ist als die<br />
FDP?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Es ging und geht darum, die<br />
PDS inhaltlich zu stellen und sich mit ihr auseinander zu setzen.<br />
Die neuesten Umfragen zeigen, dass die Linkspartei offenbar zurück<br />
fällt. Wir sollten die inhaltliche Auseinandersetzung mit Lafontaine<br />
und Gysi fortsetzen.
</p>
<p>
<b>CSUvoran:</b> Der Wahlkampfauftakt ist daneben gegangen<br />
&#8211; wann setzen sie endlich die richtigen Themen?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Da bin ich anderer Meinung.<br />
Unser Wahlprogramm ist ein Drehbuch für die Zukunft. Anstatt<br />
Umverteilung auf Pump wie SPD, Grüne und PDS betreiben, setzen<br />
wir auf ehrliche und effektive Konzepte.
</p>
<p>
<b>Ullu:</b> Glauben Sie wirklich ernsthaft, dass Edmund<br />
Stoiber in Berlin noch eine politische Zukunft hat?
</p>
<p>
<b>Markus Söder: </b>Ein CSU-Vorsitzender gestaltet<br />
stets die deutsche Politik mit. Ob in einem Kabinett in Berlin oder<br />
als Ministerpräsident im Bundesrat trägt Edmund Stoiber<br />
Verantwortung in Deutschland. Die Entscheidung wird aber in der<br />
Tat erst nach der Wahl getroffen.
</p>
<p>
<b>heinmueck:</b> Will die CSU den Außenminister<br />
stellen, wenn sie bei der Bundestagswahl mehr Stimmen bekommt als<br />
die FDP?
</p>
<p>
<b>Markus Söder: </b>Personalfragen werden erst<br />
nach der Wahl entschieden. Auch diese. Dabei bleibt es.
</p>
<p>
<b>sarra13:</b> Warum entscheiden Sie immer alles erst<br />
nach der Wahl?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Weil es den Menschen jetzt<br />
auf Inhalte und nicht auf Postenspekulationen ankommt. Wir brauchen<br />
einen Wechsel in Deutschland. Rot-Grün hat abgewirtschaftet.<br />
Deutschland muss aus der Krise kommen. Dabei zählen zuerst<br />
die Konzepte.
</p>
<p>
<b>alphachris: </b>Wieso stellt sich Stoiber keinem TV-Duell<br />
mit Lafontaine? Befürchten Sie, dass Lafontaine sich medial<br />
zu GUT verkaufen könnte?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Nein. Aber es soll vor allem<br />
die Kraft der inhaltlichen Argumente und nicht das Oberflächliche<br />
im Vordergrund stehen. Deswegen ist ein Printduell geeigneter.
</p>
<p>
<b>Franzensfeste_2:</b> Müssen wir uns jetzt alle<br />
den Spiegel kaufen, wenn wir das Streitgespräch zwischen Herrn<br />
Stoiber und Herrn Lafontaine verfolgen wollen?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Sieht so aus.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Aber wie soll das ankommen. Das Fernsehen<br />
erreicht doch viel mehr Wähler?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Es kommt auf Argumente an.<br />
Wir müssen die Linkspartei inhaltlich stellen. Das geht sehr<br />
gut in einem Printduell.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Warum dann nicht in der Süddeutschen,<br />
der FAZ oder taz? Oder allen zusammen? Wurde da Geld geboten?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Nein. Es gab das Angebot des<br />
Spiegels. Dies ist sicher eine geeignete Plattform.
</p>
<p>
<b>dfsdfsfs:</b> Wie ist das bei einem Printduell, Herr<br />
Söder &#8211; bekommen Sie die Stoiber-Textpassagen nach dem Gespräch<br />
zur Autorisierung? Und können dann Ausrutscher noch korrigieren?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Die genauen Modalitäten<br />
müssen noch geklärt werden. Insbesondere Lafontaine hat<br />
noch nicht endgültig zugesagt. Aber dies wird hoffentlich bald<br />
passieren.
</p>
<p>
<b>socke:</b> Wie wird das Printduell aussehen? Wird<br />
das ein gedrucktes Streitgespräch? Oder verfasst jeder der<br />
beiden langweilige Propaganda-Artikel?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Stoiber argumentiert, Lafontaine<br />
polemisiert. Rest siehe obige Antwort.
</p>
<p>
<b>Müller_ffm:</b> Was sagen Sie zur guten Beurteilung<br />
des Economist zum Zustand der deutschen Wirtschaft?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Dies war nur ein Teilaspekt.<br />
Nach Auffassung aller Menschen in Deutschland, der Wirtschaft und<br />
Wissenschaft und der EU ist Deutschland in der größten<br />
ökonomischen Krise der Nachkriegsgeschichte. Dafür stehen<br />
Rekordarbeitslosigkeit, Rekordarmut und Rekordschulden. Das muss<br />
sich ändern.
</p>
<p>
<b>lerchenbrink:</b> Herr Söder, bei allem Verständnis<br />
für die Wahlkampf-Situation: Bitte etwas konkretere Aussagen<br />
hier im Chat, genau das wird ja derzeit von allen Parteien vermisst.
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Wir sind sehr konkret. Unser<br />
Programm nennt klare Ziele und Maßnahmen. Das werfen uns die<br />
anderen ja gerade vor. Aber wir wollen nach der Wahl das tun, was<br />
wir vor der Wahl angekündigt haben. Anders als Schröder.
</p>
<p>
<b>fargo007:</b> Glauben sie wirklich, dass Stoibers<br />
plötzliche Kehrtwende in Bezug auf das Fernsehduell mit Lafontaine<br />
die Glaubwürdigkeit von Stoiber erhöht?
</p>
<p>
<b>Markus Söder: </b>Es war immer klar, das es ein<br />
Printduell war.
</p>
<p>
<b>Christoph R.:</b> Guten Tag Herr Söder, zurzeit<br />
kann ich bei den großen Parteien nur einen Visionär finden:<br />
Herrn Prof. Kirchhof. Da die CSU per se ein Koalitionspartner der<br />
CDU sein wird, deshalb die für mich wahlentscheidende Frage<br />
an Sie: Wird die CSU einen Finanzminister Paul Kirchhof und sein<br />
Steuermodell akzeptieren? Dazu die zweite Frage: Oder wird, um Herrn<br />
Stoiber zu paraphrasieren, Bayern entscheiden, wie die Finanzpolitik<br />
der Republik aussehen wird?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Erstens: Prof. Kirchhof ist<br />
ein großer Gewinn für das Kompetenzteam. Er bekennt sich<br />
ausdrücklich zu dem Wahlprogramm von CDU/CSU. Daher werden<br />
wir gemeinsam das Steuerrecht vereinfachen und gerechter gestalten.<br />
Zweitens: Wir haben unsere Ideen zur Steuerpolitik gemeinsam beschlossen<br />
und werden sie auch gemeinsam umsetzen.
</p>
<p>
<b>Christoph R.:</b> Konkret, akzeptieren Sie Herrn Kirchhof<br />
als Finanzminister?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Er wäre eine starke Lösung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie auch Herr Stoiber?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Jetzt wird es langweilig. Immer<br />
die gleiche Frage. Edmund Stoiber steht wie Angela Merkel 2002 als<br />
Parteivorsitzender für alle Politikbereiche. Das hat Angela<br />
Merkel ausdrücklich unterstützt.
</p>
<p>
<b>ibizenko:</b> Was will die CSU mit ihrem Plakat &quot;Lass<br />
dich nicht linken&quot; ausdrücken?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Wir warnen vor Rot-Rot-Grün,<br />
denn am 18. September um 18.00 Uhr ist Schröder Geschichte.<br />
Die Nachfolger wie Wowereit wollen eine linke Mehrheit. Dies ist<br />
nicht die neue Mitte, sondern die alte Linke. Deutschland darf aber<br />
nicht von Rot-Rot-Grün regiert werden. Denn das bedeutet Arbeitslosigkeit,<br />
Schulden und Armut.
</p>
<p>
<b>mawie:</b> Warum kritisiert Herr Seehofer Frau Merkel<br />
im Wahlkampf?
</p>
<p>
<b>kennydee:</b> Wie stehen sie zu der Kritik des Kollegen<br />
Seehofer am Kompetenzteam von Angela Merkel?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Das ist eine absolute Einzelmeinung,<br />
die CSU steht geschlossen hinter dem Kompetenzteam.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und wie beurteilen Sie diese Einzelmeinung?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Die Kritik ist überflüssig.<br />
Wir stehen zu unserem Kompetenzteam.
</p>
<p>
<b>klartext:</b> Sollte die CDU/CSU es nicht wie die<br />
Linkspartei machen und unter einem gemeinsamen Namen auftreten,<br />
um gegebenenfalls ebenso erfolgreich 10 zusätzliche Prozente<br />
zu holen?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Wir sind zwei Parteien in der<br />
Unionsfamilie. Wir kämpfen für eine bürgerliche Regierung<br />
der Vernunft. Unsere Namen sind bekannt und bewährt. Und anders<br />
als die Linkspartei brauchen wir keinen Etikettenschwindel: Denn<br />
die Linkspartei ist die alte, muffige PDS.
</p>
<p>
<b>Buerger-Herold:</b> Herr Söder, können Sie<br />
nicht die Langeweile durchbrechen, indem Sie mit Antworten sehr<br />
konkret werden?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Bin ich doch.
</p>
<p>
<b>TingelTangelBob: </b>Die Umfragen zeigen, dass es<br />
ein knappes Rennen wird. Würde eine große Koalition in<br />
Frage kommen?
</p>
<p>
<b>Markus Söder: </b>Wir wollen keine große<br />
Koalition. Zum einem kann man mit den Abgehalfterten wie Eichel<br />
oder Clement Deutschland nicht voran bringen. Zum zweiten wird die<br />
SPD nach Schröder am liebsten mit der PDS zusammen gehen. Wowereit<br />
ist dafür der Kronzeuge. Deswegen heißt die Alternative:<br />
Schwarz-Gelb oder Rot-Rot-Grün.
</p>
<p>
<b>Siggi Stardust: </b>Warum hat Edmund Stoiber schon<br />
vorab Namen aus dem Merkel-Kompetenzteam verraten?
</p>
<p>
<b>Markus Söder: </b>Es war allen klar, dass Günter<br />
Beckstein als erfolgreichster Innenminister in Deutschland für<br />
die Sicherheit in der gesamten Union gesetzt ist.
</p>
<p>
<b>Android:</b> Wird Horst Seehofer nach der Wahl wieder<br />
eine größere Rolle spielen in der CSU?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Er ist in der CSU stellvertretender<br />
Parteivorsitzender. Und das bleibt er auch.
</p>
<p>
<b>KiezKalle:</b> Worin begründen Sie eine Steuervergünstigung<br />
für Verheiratete? Ist es nicht sinnvoll diese abzuschaffen<br />
und mit dem Geld eine kinderfreundlichere Umgebung zu schaffen?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Wir halten an Ehe und Familie<br />
fest. Daher unterstützen wir die Familie durch einen Kinderbonus<br />
in der Rentenversicherung von 50 Euro und den Steuerfreibetrag je<br />
Kind von 8000 Euro. Damit setzen wir ein starkes Signal für<br />
Familien in Deutschland.
</p>
<p>
<b>Köth:</b> Verstehen sie die Menschen, die aufgrund<br />
16 Jahren Versagens seitens der Union und 7 Jahre katastrophaler<br />
Politik von rot-grün nun die Linkspartei wählen?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Ich verstehe die Enttäuschung<br />
über gebrochene Versprechen. Vor allem Gerhard Schröder<br />
persönlich hat die Menschen enttäuscht. Aber Protestwahl<br />
verbessert nichts. Überall wo die PDS mitregiert, geht es den<br />
Menschen schlechter. Überall dort, wo die Union regiert, geht<br />
es den Menschen besser. Wir brauchen den Wechsel. Das ist konstruktiv<br />
und hilft. Protest bringt keine Arbeitsplätze.
</p>
<p>
<b>T. Mayer:</b> Wie würde ein Einsatz der Bundeswehr<br />
im Inland konkret aussehen? Was versprechen Sie (und Herr Beckstein)<br />
sich davon?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Eine Erhöhung der Sicherheitslage.<br />
Dabei geht es z.B. um eine Entlastung der Polizei beim Objektschutz.
</p>
<p>
<b>Knopf:</b> Wieso wurde im Kompetenzteam von Angela<br />
Merkel niemand für den Bereich Umwelt oder Entwicklungshilfe<br />
benannt?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Umwelt ist benannt mit Gerda<br />
Hasselfeld. Der Bereich Entwicklungshilfe gehört zu dem großen<br />
Kompetenzbereich Außen- und Sicherheitspolitik und wird von<br />
Wolfgang Schäuble vertreten.
</p>
<p>
<b>Qualderwahl:</b> Warum schafft es Herr Stoiber zu<br />
keinem Zeitpunkt, den Eindruck zu erwecken, er unterstütze<br />
Angela Merkel als Kanzlerkandidatin voll und ganz? Das gefährdet<br />
die Chancen für einen klaren Wechsel, und das finde ich sehr<br />
ärgerlich.
</p>
<p>
<b>Markus Söder: </b>Wir wollen den Erfolg der Union.<br />
Die CSU wird dazu in Bayern einen überproportional großen<br />
Anteil bringen. Wir unterstützen Angela Merkel voll und ganz.
</p>
<p>
<b>sim_of:</b> Streben Sie persönlich einen Posten<br />
im Bundeskabinett von Frau Merkel an? Oder bleiben Sie CSU-Generalsekretär?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Ich bleibe CSU-Generalsekretär.<br />
Das ist mein Lieblingsjob.
</p>
<p>
<b>maan:</b> Was denken sie über ihre früheren<br />
Äußerungen, wie z.B. Nationalhymne singen zu Integrationszwecken?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Wir brauchen verbesserte Integration<br />
in Deutschland. Dazu gehört auch ein Bekenntnis zu unseren<br />
gemeinsamen Grundwerten der Verfassung. Vor allem die freiheitlich-demokratische<br />
Grundordnung ist die Basis des Zusammenlebens in Deutschland. Auch<br />
die gemeinsame Sprache ist ein zentrales Anliegen. Nicht jeder muss<br />
die Nationalhymne singen, aber jeder sollte sie verstehen können,<br />
der hier dauerhaft leben will.
</p>
<p>
<b>Qual der Wahl:</b> Als Medienprofi wissen Sie, dass<br />
der Eindruck zählt. Und der ist: Stoiber unterstützt Merkel<br />
nicht voll. Das sehe ich so, das sehen viele andere so. Also noch<br />
mal: Wann wird Herr Stoiber endlich den Eindruck erwecken, er stehe<br />
voll hinter der Kandidatin der Union?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Das sehe ich anders. Wir haben<br />
von Anfang an inhaltliche wie personelle Unterstützung gezeigt.<br />
Dabei bleibt es. Lassen Sie sich nicht von medialen Eindrücken<br />
zu sehr beeinflussen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Der Spiegel berichtete über einen<br />
Eklat zwischen Stoiber und Wulff. Stimmt das?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Was in internen Sitzungen besprochen<br />
wird, bleibt auch intern. An Medienspekulationen beteilige ich mich<br />
nicht.
</p>
<p>
<b>cornelius:</b> Könnten sie sich vorstellen, irgendwann<br />
einmal Ministerpräsident in Bayern zu werden?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Meine Vorstellung reicht im<br />
Moment vor allem bis zum 18. September, 18 Uhr. Dafür arbeite<br />
ich wirklich hart. Daher habe ich keine Zeit über die ferne<br />
Zukunft zu philosophieren.
</p>
<p>
<b>Caesar1809:</b> Herr Wulff hat diesen Eklat in einer<br />
Talkshow selbst bestätigt.
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Das ist die Sache von Christian<br />
Wulff. Es gibt wichtigeres als Talkshows.
</p>
<p>
<b>Shaggy:</b> Wieso will die CDU am Konzept der Wehrpflicht<br />
weiterhin festhalten? Gerecht finde ich dieses System nicht mehr,<br />
da nur noch etwa 10 Prozent meines Jahrgangs zum Bund mussten.
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Die Wehrgerechtigkeit ist in<br />
der Tat eine große Herausforderung. Dies muss in Einklang<br />
mit den Herausforderungen der Bundeswehr stehen. Ich stehe zur Wehrpflicht,<br />
weil damit die neuen Aufgaben von Landesverteidigung, Heimatschutz<br />
und Sicherheit am besten zu verwirklichen sind. Allerdings brauchen<br />
wir mehr Wachstum, um die Bundeswehr dafür auch entsprechend<br />
ausrüsten zu können. Eine Berufsarmee wäre teurer<br />
und würde ihre Bindung zu der Gesellschaft verlieren.
</p>
<p>
<b>BayerausUeberzeugung:</b> Ich finde, zu Zeiten von<br />
Franz Josef Strauß ist es der CSU besser gelungen, sich von<br />
der CDU abzuheben und eigenes Profil zu bewahren. Wie denken Sie<br />
darüber, Herr Söder?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Wir haben unser eigenes Profil.<br />
Das belegt die hohe Zustimmung der Bayern zur CSU. Jetzt kommt es<br />
aber auf den gemeinsamen Wechsel an. Das geht nur mit CDU und CSU.<br />
Das hat auch Franz Josef Strauß gewusst.
</p>
<p>
<b>Lupenrein: </b>Nimmt sich die CSU als bayerische Regionalpartei<br />
bundespolitisch nicht zu viel heraus? Die genauso große NRW-Landesgruppe<br />
zumindest tritt öffentlich nicht so protzig auf.
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Die CSU tritt immer bescheiden<br />
und zurückhaltend auf. Wir setzen auf Argumente und meistens<br />
können diese auch überzeugen.
</p>
<p>
<b>Wester:</b> Welche Rolle wird die CSU im Falle eines<br />
Wahlsiegs der Union spielen?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Eine positiv-konstruktive wie<br />
in jeder Unionsregierung bisher. Wir wollen, dass Deutschland wieder<br />
stärker wird.
</p>
<p>
<b>socke: </b>Wie hoch wird die Zahl der Arbeitslosen,<br />
sagen wir, im Jahr 2009 sein, wenn die Union am 18.9. die Wahl gewinnt?
</p>
<p>
<b>Markus Söder: </b>Eine genaue Festlegung hat<br />
wenig Sinn und wäre unseriös. Wir sind aber sicher, dass<br />
wir mit unseren Konzepten viele Arbeitsplätze schaffen können.
</p>
<p>
<b>Polizei:</b> Sind Sie der gleichen Meinung, wie Ihr<br />
Kollege Glos, dass Drogenabhängige in einer Gendatenbank erfasst<br />
werden sollten?
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Wir sind, anders als die PDS,<br />
gegen die Freigabe harter Drogen. Wir müssen Dealer bekämpfen<br />
und Abhängigen aus der Sucht helfen. Gerade Bayern ist bei<br />
der Suchttherapie besonders engagiert.
</p>
<p>
<b>alphachris:</b> Wie steht die CSU zu den Rechten von<br />
Lesben und Schwulen? Es gibt eine große Angst, dass die Toleranz<br />
dieser Minderheiten durch die Union zurückgedrängt wird.
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Wir respektieren die private<br />
Lebensentscheidung eines jeden Einzelnen. Wir glauben aber, dass<br />
aus Sicht der Gesamtgesellschaft die Familie besonders schützenswert<br />
ist.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Zeit ist bereits um. Vielen<br />
Dank an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen<br />
sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Söder,<br />
dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript<br />
dieses Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten<br />
Chat gibt es am 26. August von 12.30 bis 13.30 Uhr mit Brandenburgs<br />
Innenminister Jörg Schönbohm.
</p>
<p>
<b>Markus Söder:</b> Alles Gute und auf Wiedersehen.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Mir ist es wichtiger, ein Verfassungspatriot zu sein&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hworch]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Aug 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesverfassungsgericht]]></category>
		<category><![CDATA[Vertrauensfrage]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Schulz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Werner Schulz, MdB, war am 18. August 
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. 
Im Mittelpunkt der Chat-Diskussion stand die Klage von Schulz gegen 
die vorzeitige Auflösung des Bundestages vor dem Bundesverfassungsgericht. 
Schulz verteidigte sein Vorgehen als notwenig für die demokratische 
Kultur im Land.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Werner Schulz, MdB, war am 18. August<br />
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Im Mittelpunkt der Chat-Diskussion stand die Klage von Schulz gegen<br />
die vorzeitige Auflösung des Bundestages vor dem Bundesverfassungsgericht.<br />
Schulz verteidigte sein Vorgehen als notwenig für die demokratische<br />
Kultur im Land.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderatorin:</b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute der Grünen-Abgeordnete<br />
Werner Schulz ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herr Schulz, sind<br />
Sie bereit für den 60-Minuten-Chat mit unseren Usern?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Selbstverständlich.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Das Bundesverfassungsgericht wird<br />
diese Woche voraussichtlich nicht mehr über den Urteilstermin<br />
zur Bundestags-Neuwahl entscheiden. Haben Sie neue Wasserstandsmeldungen<br />
aus Karlsruhe in welche Richtung die Entscheidung geht?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Nein, ich habe keine Vorankündigungen,<br />
ich weiß nicht wann das Urteil verkündet wird und ich<br />
weiß auch nicht, wie das Urteil ausfallen wird. Ich hatte<br />
einen guten Eindruck bei der mündlichen Verhandlung, dass meine<br />
Argumente dort angekommen sind und verstanden wurden.
</p>
<p>
<b>Bürgerin:</b> Lieber Herr Schulz, geht es Ihnen<br />
wirklich um die Demokratie? Und falls ja, warum ist Ihr Umgang mit<br />
der Demokratie so wenig entspannt und selbstsicher?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Es geht mir ausschließlich<br />
um die demokratische Kultur. Tut mir leid, wenn man darum kämpft<br />
und möglicherweise auch angestrengt wirkt. Aber sie können<br />
wissen, das ist Engagement und keine Verkrampfung.
</p>
<p>
<b>Madkiss:</b> Herr Schulz, fürchten Sie nicht,<br />
als &#8216;Buhmann der Nation&#8217; zu gelten, sollte Ihre Klage vor dem BVerfG<br />
Erfolg haben?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Nein, davor habe ich keine Furcht.<br />
Mir ist es wichtiger, ein Verfassungspatriot zu sein, der nicht<br />
nur an Sonn- und Feiertagen das Grundgesetz lobt, um es sich dann<br />
am Freitag als Dietrich zurechtzubiegen für den Notausgang,<br />
um aus der Verantwortung zu flüchten.
</p>
<p>
<b>Torben22:</b> Wie hoch rechnen Sie sich Chancen aus,<br />
dass ihre Klage Erfolg hat?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Wenn man klagt, hofft man auf Erfolg.<br />
Die Frage ist, wie könnte der Erfolg aussehen. Ich will der<br />
Nation nicht die Lust auf Neuwahlen verderben aber ich möchte,<br />
dass solch ein krummer Weg, den Bundestag aufzulösen, nicht<br />
noch einmal beschritten werden kann.
</p>
<p>
<b>ChristophV:</b> Warum glauben Sie, dass das Verfassungsgericht<br />
anders entscheiden könnte als 1983? &#8216;fingiert &#8216; waren ja beide<br />
Vertrauensfragen ganz offensichtlich. Aber dieses Mal nicht mehr<br />
als damals.
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Weil das 83er Urteil eine Schwachstelle<br />
hat. Die heißt &quot;Ermessensspielraum des Kanzlers&quot;<br />
und ich hoffe, dass dieser Ermessensspielraum diesmal klar definiert<br />
wird, damit sich hier keine Willkür einschleichen kann. Denn<br />
Ermessen kommt von Messen, hat etwas mit Maßstab zu tun. Und<br />
wenn der fehlt, wird das ganze beliebig, kann der Bundeskanzler<br />
durch reinen Argwohn auf Verdacht, ihm könnte die Mehrheit<br />
fehlen, das Parlament nach Hause schicken. Das wäre ein Stück<br />
Weimar in Berlin.
</p>
<p>
<b>ClausM:</b> Wie erklären Sie sich, dass Sie fast<br />
Einzelkämpfer in dieser wichtigen Frage sind?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Wenn ein Einzelner wie der Bundeskanzler<br />
in einer einsamen Entscheidung der Meinung ist, den Bundestag aufzulösen,<br />
dann sollte es auch einem Einzelnen möglich sein, dagegen zu<br />
stimmen. Meine Lebenserfahrung aus langen Jahren der Opposition<br />
in der DDR lautet: Wenn einer es wagt in Übereinstimmungen<br />
mit seinen Überzeugungen zu leben, werden auch andere Mut bekommen<br />
und ein Stück ihrer Würde wiederfinden. In der bürgerlichen<br />
Gesellschaft, in der wir leben, heißt das Zivilcourage.
</p>
<p>
<b>Asdfre:</b> Es geht Ihnen um die demokratische Kultur. Demokratie geht<br />
vom Volk aus, dass Volk will Neuwahlen. Also, wo ist das Problem?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Wir haben eine parlamentarische<br />
Demokratie, der Abgeordnete ist Vertreter des ganzen Volkes, er<br />
ist vom Volk gewählt und nicht an Weisungen gebunden. So steht<br />
es in unserem Grundgesetz. Wie manipulierbar unsere Gesellschaft<br />
ist, können sie daran sehen und erkennen, dass auf die beiden<br />
Fragen &quot;Rechnen sie mit Neuwahlen&quot;, &quot;Wollen sie Neuwahlen,<br />
wenn rot-grün in NRW verliert&quot; bis zum 22. Mai, dem Tag<br />
der Landtagswahl, zwei Drittel der Deutschen mit &quot;Nein&quot;<br />
geantwortet haben. Erst als der SPD-Vorsitzende und der Bundeskanzler<br />
Neuwahlen für den Herbst 2005 ankündigten ohne zu sagen<br />
und zu wissen, wie das geht, haben zwei Drittel umgeschwenkt&#8230;und<br />
sind jetzt für Neuwahlen. Ich fürchte nur, es ist nicht<br />
die Lust auf Neuwahlen, sondern eher auf Abwahl und Protestwahl.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Sie behaupten, der Kanzler wusste<br />
nicht wie Neuwahlen funktionieren. Heißt das, Sie glauben,<br />
das war eine Spontanreaktion des Kanzlers?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Es war ein unüberlegter oder<br />
wenig durchdachter Schachzug. Vergleichbar mit denen, die man kennt,<br />
wenn man sich in einer bedrängten Situation empfindet, einen<br />
Befreiungszug durchführt, um den Gegner Schach zu bieten. Aber<br />
die nächsten drei Züge überschaut, in denen man Schacht<br />
matt gesetzt wird.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Es heißt, nur einer der acht<br />
Richter habe in der Verhandlung ausdrücklich Kritik geäußert,<br />
mindestens vier Richter scheinen dagegen die Entscheidung.
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Nein. Noch läuft die Auszählung<br />
und die Frage ist, was ist ein Sieg. Es haben allein 8 Verfassungsrichter<br />
zu entscheiden, ob es zu Neuwahlen kommt oder nicht, aber es ist<br />
so oder so keine Katastrophe. Die Probleme, die der Bundespräsident<br />
in seiner Erklärung genannt hat, hohe Staatsverschuldung, hohe<br />
Arbeitslosigkeit, alternde Gesellschaft, zu wenig Nachwuchs werden<br />
sich nicht durch eine Neuwahl lösen lassen.
</p>
<p>
<b>Lars08:</b> Inwieweit war Ihr Volkskammervergleich<br />
Polemik und inwieweit war er ernst gemeint?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Der war eine Provokation. Der genaue<br />
Satz lautete ja &quot;Wir sollten die Rückkehr der Geschichte,<br />
das ist ein aktueller Buchtitel des Außenministers nicht als<br />
ein Stück Volkskammer veranstalten&quot;. Hier schwingt die<br />
Sorge um die parlamentarische Demokratie mit. Die Volkskammer war<br />
ja nicht das Unterdrückungsinstrument der SED-Diktatur, sondern<br />
gespielte Demokratie, gespieltes Parlament, absurdes Theater. Aber<br />
hätte ich zu dieser fingierten Vertrauensfrage nur absurdes<br />
Theater gesagt, hätte es niemand groß aufgeregt. Daran<br />
hat man sich schon gewöhnt. Die Volkskammeranspielung schafft<br />
die Möglichkeit über den Zustand unserer Demokratie im<br />
Gespräch zu bleiben.
</p>
<p>
<b>eunice: </b>Ist diese Entscheidung des Bundeskanzlers<br />
das Grundgesetz in seinem Sinne zu interpretieren symptomatisch<br />
für heutiges Politikverständnis? Ist das nicht eine verbreitete<br />
Taktik jedes Wort im Gesetz je nach Wetterlage zu deuten?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz: </b>Da ist viel dran. Wir erleben eine<br />
Kanzlerdemokratie, die politische Begriffe in ihrem Interesse auslegt.<br />
Nicht erst seit heute. Die Vertrauenskrise der Politik hat leider<br />
einen langen Vorlauf und viele Mitverursacher.
</p>
<p>
<b>smatti: </b>Haben Sie keine Angst, mit dieser Klage<br />
und der daraus entstehenden Unübersichtlichkeit die Politikverdrossenheit<br />
zu erhöhen?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Im Gegenteil. Ich glaube, dass<br />
die Politikverdrossenheit steigt, wenn man die Wähler in immer<br />
kürzeren Abständen an die Wahlurnen ruft und sie erleben<br />
müssen, egal wen man wählt, dass sich nichts wesentliches<br />
ändert und verbessert.
</p>
<p>
<b>ganoven_ede: </b>Plädieren Sie für eine<br />
Änderung des GG und die Aufnahme eines Selbstauflösungsrechts<br />
des Bundestags?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Das wäre sicher die beste<br />
Lösung. Sie müssen wissen, ich habe 1989/90 am Verfassungsentwurfs<br />
des Runden Tisches mitgearbeitet. Dort hatten wir in Art. 55 Abs.<br />
3 ein Selbstauflösungsrecht des Parlamentes mit Zweidrittelmehrheit<br />
vorgesehen. Es wäre gut gewesen, man hätte diesen demokratischen<br />
Aufbruch aus dem Osten nicht nur als Systemzusammenbruch verkannt.
</p>
<p>
<b>GJHler: </b>Können sie sich mehr direkte Demokratie<br />
(Abschaffung der Parteilisten durch Direktkandidatenranking, Bürgerbegehren/Volksentscheide)<br />
vorstellen?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Ich bin ein großer Anhänger<br />
von direkter Demokratie. Schauen Sie, der Ruf &quot;wir sind das<br />
Volk&quot;, diese vier Worte bringen doch auf den Punkt, was der<br />
Anspruch der friedlichen Revolution war. Das ist der beste Ausdruck<br />
von direkter Demokratie, Mitbestimmung und Einmischung in die eigenen<br />
Angelegenheiten.
</p>
<p>
<b>bernd40:</b> Guten Tag Herr Schulz, ich kann es nicht<br />
nachvollziehen, dass Sie gegen die Entscheidung des Bundespräsidenten<br />
klagen. Selbst wenn Sie aus verfassungsrechtlicher Sicht berechtigte<br />
Zweifel haben, müssen Sie doch den Zustand unseres Landes sehen,<br />
Deutschland ist in der aktuellen politischen Situation doch völlig<br />
unregierbar geworden, was meinen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Das sehe ich anders. Der Bundeskanzler<br />
Gerhard Schröder könnte mit einer beherzten Entscheidung<br />
die verquickte Situation zwischen Bundestag und Bundesrat, diesen<br />
gordischen Knoten, auflösen. Die Föderalismusreform ist<br />
an einem strittigen Punkt gescheitert: Wer für die Bildungspolitik<br />
zuständig ist, der Bund oder die Länder. Bei der angewachsenen<br />
Mehrheit der CDU-regierten Länder im Bundesrat könnte<br />
der Bundeskanzler unter Verzicht auf den Anspruch, für die<br />
Bildung ist der Bund zuständig, sofort die Reform unserer föderalen<br />
Ordnung bekommen. Das heißt, nur noch 30 Prozent der Gesetze<br />
würde durch den Bundesrat laufen und der Zustimmung durch die<br />
Länder bedürfen. Das würde ihm und seiner Regierung<br />
weitaus mehr Kraft und Gestaltungsmöglichkeit geben, als eine<br />
noch so grandios gewonnene Bundestagswahl.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Es gäbe noch andere Möglichkeiten:
</p>
<p>
<b>GJHler:</b> Warum ist der Kanzler nicht einfach zurückgetreten?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Das frage ich mich auch. Das wäre<br />
die sauberste Lösung gewesen, hier hätte er vor allen<br />
Dingen nicht die Hilfe der Abgeordneten gebraucht, die er bei seiner<br />
Flucht aus der Verantwortung zu Fluchthelfern gemacht hat. Ein souveräner<br />
Bundeskanzler hätte durchaus eine Regierungserklärung<br />
abgeben können, nach dem Motto: &quot;Ich trete zurück,<br />
um den Weg für Neuwahlen frei zu machen. Das ist kein Aufgeben<br />
meiner Politik, sondern ein neuer Anlauf mit den Erkenntnissen was<br />
bisher gut lief, was falsch lief und was besser gemacht werden kann&quot;.
</p>
<p>
<b>regenrinne:</b> Herr Schulz, die Grünen waren<br />
mal als Bürgerrechtspartei angetreten. Seit sie regieren ist<br />
davon nicht mehr viel zu sehen? Warum sind die Grünen die besseren<br />
Bürgerrechtler als die FDP?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Wir sind mit Sicherheit nicht die<br />
besseren Menschen und im einzelnen muss sich das immer zeigen, wer<br />
die Bürgerrechte verteidigt und bewahrt. Es gibt durchaus Schnittmengen<br />
zwischen politischen Kräften, die eine liberale Grundüberzeugung<br />
haben, für die Freiheit ein hoher Wert ist. Der Unterschied<br />
zur FDP zeigt sich darin, dass die Grünen zumindest nach meiner<br />
Vorstellung Freiheit mit sozialer Verantwortung und sozialen Engagement<br />
verbinden.
</p>
<p>
<b>Zaunkönig:</b> Sie haben die zu enge Loyalität<br />
der Grünen gegenüber der SPD und zum Kanzler kritisiert.<br />
Wie hätte Ihrer Meinung nach eine klarere Abgrenzung in der<br />
Vergangenheit aussehen können? Oder wie kann sie in Zukunft<br />
aussehen, wenn Rot-Grün doch gewinnt?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Es gab viele Probleme, wo wir uns<br />
als der bravste Koalitionspartner erwiesen haben, seit es Koalitionen<br />
gibt. Zähneknirschen ist eben keine Konfliktbewältigung.<br />
Konflikte muss man austragen, damit die Bürger sehen, wie letztlich<br />
Kompromisse entstehen. Daran hat es gemangelt. Schauen sie, allein<br />
wie wir bei dem Neuwahl-Coup des Kanzlers vor die Koalitionstür<br />
gesetzt wurden.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Sie kandidieren in Berlin direkt<br />
für den Bundestag, nachdem Ihnen ein sicherer Platz auf der<br />
Landesliste der Grünen verwehrt blieb. Für die Direktkandidatur<br />
wurden sie nun jedoch mit großer Mehrheit gewählt. Fühlen<br />
Sie sich von Ihrer Partei insgesamt gut unterstützt?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Insgesamt habe ich diese Unterstützung,<br />
das zeigen die vielen Reaktionen und E-Mails, die mich von der Basis<br />
der Partei erreicht haben. Reibungen hat es mit dem grünen<br />
Establishment gegeben. Aber was wäre Politik ohne Meinungsstreit?<br />
Den möchte ich auf sachliche und vernünftige Art und Weise<br />
auch gerne weiterführen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Aber war er nicht eher persönlich:
</p>
<p>
<b>jetztred_I:</b> Wie wird Ihre politische Zukunft aussehen?<br />
Bei den Grünen sind Sie ja eher isoliert.
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Das kann ich so nicht erkennen.<br />
Frau Roth hat z.B. große Schwierigkeiten, in Bayern aufgestellt<br />
zu werden, weil ihre Kritik an meiner Bundestagsrede als überzogen<br />
empfunden wurde. Interessant ist ja, dass die Kritik vor allem von<br />
denen Mitgliedern der Fraktion kam, die sich bei der Vertrauensfrage<br />
enthalten hatten. Da war auch schlechtes Gewissen mit im Spiel.<br />
Und sie haben sich mit dieser überzogenen Kritik selbst keinen<br />
Gefallen getan.
</p>
<p>
<b>Daniel_Stuttgart:</b> Herr Schulz, wären Sie<br />
im Falle einer Neuwahl für ein Rot-Rot-Grünes Bündnis?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Mit einer Partei, die im Moment<br />
nur als Listenverbindung existiert, die noch keine innere Festigkeit<br />
vorweist, deren Richtung und Programm noch nicht klar ist, kann<br />
man keine Koalition eingehen. Insofern kommt nur Rot-Grün in<br />
Frage.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Und Schwarz-grün? Die Grünen-Fraktionsspitze<br />
hat Ihren Forderungen widersprochen, auch ein schwarz-grünes<br />
Bündnis nach der Bundestagswahl in Erwägung zu ziehen.<br />
Der Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker<br />
Beck, erklärte in Berlin: „Schwarz-Grün und Rot-Rot-Grün<br />
scheiden gleichermaßen aus!“ Finden Sie die Entscheidung<br />
engstirnig?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Die Weigerung ist sowohl in der<br />
CDU als auch im Grünen Establishment zu hören. Aber ich<br />
war schon immer der Auffassung, dass wir eine Äquidistanz zu<br />
beiden großen Volksparteien besitzen und auch den Mut haben<br />
sollten, über große Koalitionen hinaus zu denken. Denn<br />
diese ist kein Modell für die Zukunft.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Noch mal zu Rot-rot-grün:
</p>
<p>
<b>buerger: </b>Aus dieser Antwort ersehe ich, dass Sie<br />
so was nicht ausschließen würden Herr Schulz.
</p>
<p>
<b>Werner Schulz: </b>Es gilt ja der Grundsatz, dass<br />
alle demokratische Parteien koalitionsfähig sein sollten. Deswegen<br />
kann man die weitere Entwicklung der Linkspartei. PDS heute noch<br />
nicht einschätzen. Im Moment ist es eine Sammlungspartei, wo<br />
sich im Kern die PDS mit enttäuschten ehemaligen SPD-Mitgliedern<br />
und Gewerkschaftern aus dem Westen zusammen geschlossen hat. Ob<br />
daraus eine regierungsfähige Partei wird, entscheidet sich<br />
in dieser Partei. Es ist der zweite Versuch einer Westausdehnung<br />
der PDS, beim erstem Mal ist das gescheitert, hatten sich nur die<br />
Reste der Vierten Internationale für die PDS interessiert und<br />
führten zum Misserfolg der PDS bei der letzten Bundestagswahl.<br />
Um regieren zu können brauchen sie stabile innerparteiliche<br />
Verhältnisse. Das scheint mir bei der PDS im Moment nicht gegeben<br />
zu sein.
</p>
<p>
<b>Zurbriggr:</b> Herr Schulz, hoffen Sie auf ein Direktmandat?<br />
Ist Herr Thierse nicht ein zu starker Konkurrent?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Wolfgang Thierse ist als Spitzenkandidat<br />
der SPD sowieso im nächsten Bundestag. Ich finde, Pankow als<br />
Musterbezirk der deutschen Vereinigung, wo Ost und West zusammen<br />
gekommen sind, der mit dem Prenzlauer Berg den attraktivsten kulturellen<br />
Anziehungspunkt bietet, wo Leute wohnen, arbeiten, feiern und träumen<br />
wollen, sollte zwei starke Persönlichkeiten im Bundestag haben.<br />
Meine Devise lautet deswegen ‚Zwei für Pankow’.<br />
Wer Schulz wählt entscheidet sich nicht gegen Thierse.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Aber auch der CDU-Politiker Günter<br />
Nooke und der Berliner PDS-Chef Stefan Liebich stellen sich auch<br />
zur Wahl.
</p>
<p>
<b>BerlinRockt:</b> Herr Schulz, in Ihrem Wahlbezirk<br />
tummelt sich ja geradezu politische Prominenz der Parteien. Welche<br />
Chancen rechnen sie sich aus, sich dort durchzusetzen? Können<br />
sie dabei vom Vorbild Ströbele etwas lernen?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz: </b>Richtig. Die Chance ist da. Christian<br />
Ströbele hat bewiesen, dass die Bündnisgrünen in<br />
der Hauptstadt ein Direktmandant holen können. In seinem Wahlkreis<br />
ist die Hälfte des Prenzlauer Berges, die andere Hälfte<br />
ist in meinem Wahlkreis. Geteiltes Potential ist doppelter Erfolg.<br />
Das heißt, wir können zwei Direktmandate in der Hauptstadt<br />
erreichen.
</p>
<p>
<b>Franz Josef III:</b> Angesichts des glaubwürdigen<br />
aber einsamen Kampfes den Sie führen, was verbindet Sie eigentlich<br />
noch mit der Grünen Partei der heutigen Tage, insbesondere<br />
mit Joschka Fischer, der sich zu einem aalglatten Opportunisten<br />
der Macht gewandelt hat?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz: </b>Was mich mit den Bündnisgrünen<br />
verbindet, ist die ökologische Herausforderung in ihrer Gesamtheit.<br />
Diese Fragen entscheiden über unsere Zukunft. Also eine nachhaltige<br />
Gesellschaft, die nicht die Energiereserven dieser Erde sinnlos<br />
verbraucht, sondern auf erneuerbare Energien, auf nachwachsende<br />
Rohstoffe, auf Klima- und Umweltschutz und natürlich ganz wichtig<br />
auf den Nachwuchs unserer Gesellschaft, d.h. Kinder und Bildung,<br />
setzt. Das sind ökologische Ziele, unabhängig davon, ob<br />
sie Joschka Fischer noch im Kopf hat oder nicht.
</p>
<p>
<b>GJHler:</b> Sie blühen ja richtig auf, so als<br />
Wahlkämpfer, was passiert wenn sie es nicht schaffen, engagieren<br />
sie sich innerparteilich?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Ja, selbstverständlich. Ich<br />
bleibe Mitglied dieser Partei, die ich im ersten Namensteil, Bündnis<br />
90, ja mitbegründet habe. Politik spielt sich schließlich<br />
nicht nur im Bundestag ab.
</p>
<p>
<b>danielm2601:</b> Werden Sie ein Buch über diese<br />
Ereignisse der letzten Monate schreiben?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Über die letzten 15 Jahre<br />
am besten. Weil die Erfahrungen nach 1990 für mich sehr aufschlussreich<br />
waren und wenn man an der Weiterentwicklung unserer Demokratie und<br />
an der strategischen Neuausrichtung unserer Partei interessiert<br />
ist, dann muss man diese Gedanken zu Papier bringen.
</p>
<p>
<b>kasi:</b> Haben Sie nach Einreichung der Klage vor dem Bundesverfassungsgericht<br />
noch einmal persönlich mit dem Bundeskanzler gesprochen?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz: </b>Nein, er hat weder vor noch nach<br />
der Klage persönlich mit mir gesprochen. Ich glaube, er war<br />
‚not amused’.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Wann rechnen Sie nächste Woche<br />
mit der Entscheidung des Gerichts?
</p>
<p>
<b>Werner Schulz: </b>Das vermag ich nicht zu beantworten.<br />
Ich glaube, dass es im Laufe der nächsten Woche passieren wird.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Unsere Zeit ist bereits um. Vielen<br />
Dank an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen<br />
sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Schulz, dass<br />
Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript dieses<br />
Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten<br />
Chat gibt es Morgen ab 13.00 Uhr mit dem CSU-Generalsekretär<br />
Markus Söder. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch<br />
einen angenehmen Tag!
</p>
<p>
<b>Werner Schulz:</b> Herzlichen Dank für die vielen<br />
interessanten Fragen. Es hat mir viel Spaß gemacht und zeigt<br />
doch, wie lebendig und interessiert unsere Gesellschaft ist. Vielleicht<br />
täuschen wir uns manchmal über die Politikverdrossenheit.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ich halte nichts davon, einen spezifisch ostdeutschen Wahlkampf zu führen&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hworch]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Aug 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Ronald Pofalla]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Ronald Pofalla, Fraktionsvize der 
CDU/CSU-Bundestagsfraktions, war am 12. August zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Thematisiert 
wurden u.a. die Äußerungen Stoibers über die ostdeutschen 
Wähler, die Aussichten auf eine Schwarz-Gelbe Mehrheit nach 
der Wahl und das Verhältnis der CDU zu den Gewerkschaften</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Ronald Pofalla, Fraktionsvize der<br />
CDU/CSU-Bundestagsfraktions, war am 12. August zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Thematisiert<br />
wurden u.a. die Äußerungen Stoibers über die ostdeutschen<br />
Wähler, die Aussichten auf eine Schwarz-Gelbe Mehrheit nach<br />
der Wahl und das Verhältnis der CDU zu den Gewerkschaften</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute der Arbeitsmarktexperte<br />
der CDU, Ronald Pofalla ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herr<br />
Pofalla, können wir loslegen mit dem 60-Minuten-Chat mit unseren<br />
Usern?
</p>
<p class="normal">
<b>Ronald Pofalla:</b> Ich freue mich<br />
darauf.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator</b>: Die Union will Wahlkampf<br />
über Inhalte reden. Jetzt redet alles über Stoibers Ost-Äußerungen<br />
Macht Sie das sauer?
</p>
<p class="normal">
<b>Ronald Pofalla:</b> Nein, das macht<br />
mich nicht sauer. Durch die Klarstellungen von Stoiber ist die Sache<br />
glaube ich erledigt.<br />
Fabrikant: Wie will Merkel Ausfälle wie den von Stoiber künftig<br />
verhindern. Solche Äußerungen schaden auch dem Wirtschaftsklima<br />
erheblich!
</p>
<p class="normal">
<b>Ronald Pofalla:</b> Individuelle Antworten<br />
von Politikern in der CDU/CSU werden von der Bundesvorsitzenden<br />
der CDU weder kontrolliert und schon gar nicht genehmigt. Das ist<br />
gut so und sollte so bleiben.
</p>
<p class="normal">
<b>Heinzpeter:</b> Merkel hat sich von<br />
Stoiber distanziert &#8211; was bedeutet das für den weiteren Wahlkampf<br />
der Union?
</p>
<p class="normal">
<b>Ronald Pofalla:</b> Frau Merkel hat<br />
sich von Stoiber nicht distanziert. Sie hat deutlich gemacht, dass<br />
wir die Wahlen im Norden und im Süden, im Westen und im Osten<br />
und damit in ganz Deutschland gewinnen wollen.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Das heißt: Stoiber<br />
darf weitermachen wie bisher? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Das heißt, dass Edmund Stoiber<br />
nach wie vor selber für seine Aussagen verantwortlich ist.
</p>
<p class="normal">
<b>Herr K.:</b> Herr Pofalla, tun wir<br />
die Sache mit Stoiber nicht einfach so ab, sondern sagen mal klar<br />
und deutlich:  Er bringt sich gerade in Verruf mit seinen nahezu<br />
diskriminierenden Äußerungen. Würde was dagegen<br />
sprechen, wenn Sie Superminister für Wirtschaft und Arbeit<br />
würden? Wären sie geeignet?
</p>
<p class="normal">
<b>Ronald Pofalla:</b> Ob ich geeignet<br />
bin, sollen andere entscheiden. Angela Merkel wird am kommenden<br />
Mittwoch ihr Kompetenzteam vorstellen und dann werden wir sehen,<br />
wen sie für geeignet gehalten hat.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Bedauern Sie, dass<br />
Sie nicht als erste Wahl für den Job des Wirtschaftsfachmannes<br />
in Merkels Kompetenzteam gehandelt werden?
</p>
<p class="normal">
<b>Ronald Pofalla:</b> Nein, weil ich<br />
erst seit gut 8 Monaten in diesem Aufgabengebiet tätig bin,<br />
hatte ich nicht die zeitlichen Möglichkeiten, mich noch breiter<br />
der Öffentlichkeit darzustellen.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Noch mal zurück<br />
zu Stoibers Äußerungen:
</p>
<p class="normal">
<b>leonid:</b> Solche Äußerungen<br />
können wieder vorkommen? Damit stellt die CDU/CSU aber nicht<br />
gerade Kampagnenfähigkeit und Geschlossenheit unter Beweis!<br />
<b><br />
Ronald Pofalla:</b> Ich glaube, dass es kein besonderes Spezifikum<br />
der CDU ist, dass Äußerungen von CDU-Politikern gemacht<br />
werden, die die Öffentlichkeit beschäftigen. Die Heuschreckendebatte<br />
von Müntefering ist ein Beispiel, dass das auch in der SPD<br />
vorkommt. Der Voodoo-ökonomische Ansatz von Frau Künast<br />
am vergangenen Sonntag, wo sie zum Kauf von in Deutschland produzierten<br />
Waren aufgerufen hat, ist ein Beispiel für die Grünen.<br />
Lafontaine und Gysi sind ad personam ohnehin betroffen &#8211; es kommt<br />
also überall vor.
</p>
<p class="normal">
<b>postmaster:</b> Müssen Sie sich<br />
nicht noch stärker um Ostdeutschland kümmern?  </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Es wird ab dem kommenden Mittwoch<br />
deutlich werden, auch durch die Vorstellung des Kompetenzteams,<br />
dass eine von Angela Merkel geführte Bundesregierung sich ihrer<br />
Verantwortung gegenüber den neuen Bundesländern bewusst<br />
ist. Ich halte nur nichts davon, einen spezifisch ostdeutschen Wahlkampf<br />
zu führen. Wir haben doch gerade von 15 Jahren, Gott sei Dank,<br />
die Deutsche Teilung beendet.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Wie konnte es dann<br />
sein, dass Frau Merkel zunächst einen Ost-Wahlkampf führen<br />
wollte? War sie schlecht beraten worden? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Ich weiß nicht, woraus Sie<br />
ziehen, dass Angela Merkel einen Ostwahlkampf führen wollte?<br />
Nach meinem Kenntnisstand und den Gesprächen, die ich mit ihr<br />
immer wieder geführt habe, war das nicht beabsichtigt.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Nachfrage zu den Ambitionen<br />
von Herrn Pofalla bezüglich des Kompetenzteams:
</p>
<p class="normal">
<b>El Caballero:</b> Aber Sie erwarten<br />
eine Berufung?? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Ich werde mich zu der Frage des<br />
Kompetenzteams nicht äußern. Diese Entscheidung obliegt<br />
ausschließlich und richtiger Weise der Kanzlerkandidatin der<br />
Unionsparteien Angela Merkel.
</p>
<p class="normal">
<b>doro343:</b> Herr Pofalla, ich las<br />
heute in der Zeitung, Sie entdeckten den &quot;Merkel-Faktor &quot;.<br />
Was ist denn das?? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Der Merkel-Faktor ist, dass die<br />
Wirtschaftsindizes etwas nach oben gehen und deutlich wird, dass<br />
auf Strecke auch der Binnenkonsum anspringen kann. Ein Zusammenhang<br />
zur desaströsen Wirtschafts- und Finanzpolitik der aktuellen<br />
rot-grünen Bundesregierung kann ohnehin nicht hergestellt werden.<br />
Er ist deshalb für mich die Erwartung auf einen Regierungswechsel<br />
unter Angela Merkel.
</p>
<p class="normal">
<b>techdax:</b> Haben wir die Teilung<br />
wirklich beendet? Ich finde, Stoibers Sprüche weisen in die<br />
Gegenrichtung. Mir ist nicht ersichtlich, warum Sie hier vor einer<br />
eindeutigeren Positionierung zurückschrecken? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Dass wir landsmannschaftliche Unterschiede<br />
in Deutschland, beispielsweise zwischen Bayern und Hamburg haben,<br />
aber auch zwischen Pfälzern und Sachsen, wird von mir nicht<br />
bestritten. Das hat aber nichts mit der alten Os-West-Teilung zu<br />
tun.
</p>
<p class="normal">
<b>Clara:</b> Guten Tag, Herr Pofalla.<br />
Erst die Äußerung von Herrn Schönbohm und nun die<br />
von Herrn Stoiber und den unmögliche 45%-Wahlquote für<br />
die CDU &#8211; ist es etwa Kalkül, um die Wahl von Frau Merkel zur<br />
Bundeskanzlerin zu verhindern und somit die Partei in eine neue<br />
Richtung zu lenken, ohne Frau Merkel als Parteichefin? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Das halte ich für Quatsch.<br />
Wir brauchen am Schluss eine Zustimmung und eine Zustimmungsquote,<br />
die uns mit der FDP zusammen die absolute Mehrheit erbringt. Ob<br />
wir dann beispielsweise 42 % und die FDP 8 % oder wir 44 % und die<br />
FDP 6 % hat, ist dabei eine zu vernachlässigende Frage.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Mit CDU 38 und FDP<br />
12 können Sie auch leben?
</p>
<p class="normal">
<b>Ronald Pofalla:</b> Finde ich natürlich<br />
nicht so gut, halte ich auch nicht für realistisch. Die FDP<br />
wird nach meiner Einschätzung ein Wahlergebnis bekommen, das<br />
sie sicher in den Deutschen Bundestag bringt, dass das Projekt 18<br />
% aus der vergangenen Bundestagswahl zugleich als ein intellektuelles<br />
Anliegen unrealistischer Art darstellt.
</p>
<p class="normal">
<b>Arbeitnehmer:</b> Sehr geehrter Herr<br />
Pofalla, ich frage mich schon, wie Ihre Pläne zur radikalen<br />
Kürzung der Arbeitsförderung ist Ost mit ihrer angeblichen<br />
Fürsorge für Ost-Deutschland zusammenpassen? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Zunächst einmal ist festzustellen,<br />
dass wir für ganz Deutschland den Arbeitslosenversicherungsbeitrag<br />
um 2 % zum ersten Januar des Jahres 2006 im Falle eines Wahlsieges<br />
senken werden. Das bedeutet eine Entlastung von 14,5 bis 15 Milliarden<br />
Euro für die Menschen in Deutschland und damit auch in den<br />
neuen Bundesländern. Wir erhoffen uns von dieser Maßnahme<br />
einen beschäftigungspolitischen Schub und damit auch neue Arbeitsplätzen<br />
in den neuen Ländern. Die beabsichtigte Überprüfung<br />
der einzelnen Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit<br />
folgt dabei dem Grundsatz, dass ineffiziente Maßnahmen gestrichen<br />
und effiziente Maßnahmen weiter fortgeführt werden können.<br />
Wir wollen also die eingesetzten Finanzmittel der Bundesagentur<br />
effizienter für Arbeitslose einsetzen.
</p>
<p class="normal">
<b>kd:</b> Welche Vorstellungen haben<br />
Sie in Bezug auf das Kombi-Lohn-Modell?
</p>
<p class="normal">
<b>Ronald Pofalla:</b> Rund 39% der derzeitigen<br />
Arbeitslosen sind ohne jede Berufsausbildung. Diese Menschen werden<br />
immer größere Schwierigkeiten haben, in den ersten Arbeitsmarkt<br />
zurückzukehren. Deshalb wollen wir ein Aktivlohn-Modell auflegen,<br />
das aus einer Kombination von betrieblichen Lohnleistungen und staatlichen<br />
Transferleistungen, insbesondere diesen Arbeitslosen die Möglichkeit<br />
eröffnet in den ersten Arbeitsmarkt zurückkehren zu können.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Die Union will die<br />
Staatsfinanzen sanieren. Mehrere Wirtschaftsinstitute warnen jedoch,<br />
der Kombilohn könne öffentliche Haushalte stark belasten.<br />
Wie geht das zusammen?  </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Diese Langzeitarbeitslosen, die<br />
keinen Berufsabschluss haben, würden im Falle ihrer weiteren<br />
langjährigen Arbeitslosigkeit weiterhin Arbeitslosengeld II<br />
bekommen. Diese staatlichen Transferleistungen sind steuerfinanziert<br />
und wären damit vom Staat und den Bürgerinnen und Bürgern<br />
aufzubringen. Der Kombiteil des Aktivlohn-Modells ist allemal kostengünstiger,<br />
als über Jahre Arbeitslosengeld II weiter zahlen zu müssen.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator: </b>Die Rechnungen der<br />
Wirtschaftsinstitute sind also falsch? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Die Rechnungen der Wirtschaftsinstitute<br />
machen auf ein Problem aufmerksam, das es bei einer falschen Ausgestaltung<br />
eines Aktivlohn-Modells zu beachten gilt. Mitnahmeeffekte der Unternehmen<br />
müssen durch die nähere Ausgestaltung des Aktivlohn-Modells<br />
möglichst verhindert werden. Nach unserer Überzeugung<br />
ist daher der Kombilohnanteil nicht an das Unternehmen, sondern<br />
an den ehemaligen Langzeitarbeitslosen selber auszuzahlen. Durch<br />
diese, aber auch andere Ausgestaltungsmöglichkeiten kann man<br />
die Sorge der Institute erheblich minimieren.
</p>
<p class="normal">
<b>LiberalIstBesser:</b> Warum immer<br />
der alte Zopf vom Kombi-Lohn? Wenn man Menschen freiwillig Teilzeitarbeit<br />
anbietet, während andere auf einen Teil Arbeit verzichten und<br />
dafür einen Ausgleich vom Staat bekommen oder steuerliche Anreize? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Ich glaube, dass das ein Missverständnis<br />
ist. Das Missverständnis besteht ja gerade darin, dass wir<br />
diese Arbeitslosen als Vollzeitbeschäftigte in den ersten Arbeitsmarkt<br />
integrieren wollen.
</p>
<p class="normal">
<b>Cheffe:</b> Mein Favorit für<br />
die &quot;Wirtschaftsplanstelle &quot; im Kompetenzteam ist Herr<br />
Merz. Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass Herr Merz<br />
zu einer &quot;Rückkehr &quot; bereit ist &#8211; unter Frau Merkel?
</p>
<p class="normal">
<b>Ronald Pofalla:</b> Wir werden am<br />
kommenden Mittwoch sehen, wer es ist und wir sollten gelassen bleiben,<br />
bis dahin warten zu können.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Gerhard Schröder<br />
hat 1998 mit Jost Stollmann einen Mann der Tat und Quereinsteiger<br />
für die Wirtschaft geholt. Was sinnvoll ist dieser Ansatz jetzt<br />
für die Union? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Dieser Ansatz ist dann sinnvoll,<br />
wenn aus dem Bereich der direkten Politik kein geeigneter Bewerber<br />
zur Verfügung steht. Er ist dann sinnlos, wenn es einen Politiker<br />
gibt, der geeignet ist, diese Aufgabe wahrzunehmen.
</p>
<p class="normal">
<b>kd:</b> Wie werden Sie im Falle eines<br />
Wahlsiegs mit dem Widerstand der Gewerkschaften gegen die Reformen<br />
im Arbeits- und Tarifrecht umgehen? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Ich persönlich pflege selbst<br />
engste Kontakte zu den Einzelgewerkschaften des DGB und zum DGB<br />
selber Daran wird sich nach einem Wahlsieg überhaupt nichts<br />
ändern. Ich finde den Dialog zwischen der CDU und den Gewerkschaften<br />
wichtig, hier wird sich vieles klären lassen.
</p>
<p class="normal">
<b>Lassmichrein:</b> Guten Tag Herr Pofalla,<br />
wie begründen Sie eine mögliche Einschränkung der<br />
Macht/Kompetenz der Gewerkschaften? Was hoffen Sie dadurch zu erreichen?
</p>
<p class="normal">
<b>Ronald Pofalla:</b> Ich glaube, dass<br />
wir ein großes Interesse daran haben müssen, dass wir<br />
starke Gewerkschaften weiterhin haben. Zum Zeitpunkt der deutschen<br />
Einheit gab es 11 Millionen Menschen, die in den Gewerkschaften<br />
organisiert waren. Zurzeit sind es leider nur noch 6 Millionen.<br />
An dieser Entwicklung kann keiner Interesse haben. Starken Arbeitgeberorganisationen<br />
müssen starke Gewerkschaften gegenüber stehen. Deshalb<br />
geht es überhaupt nicht um die Schwächung der Gewerkschaften. </p>
<p><b>Moderator:</b> Sie werden also Herrn Westerwelle im<br />
Koalitionsfall bändigen müssen? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Im Falle einer Koalition mit der<br />
FDP &#8211; die ich für richtig halte und die ich will &#8211; wird immer<br />
noch &quot;der Hund die Bewegung des Schwanzes&quot; bestimmen.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen mit ähnlichem<br />
Tenor zum Thema Mehrwertsteuer:
</p>
<p class="normal">
f<b>rustierter_ossi2:</b> Aber hemmt<br />
nicht gerade die Mehrwertsteuer-Erhöhung die dringend benötigte<br />
Steigerung der Binnennachfrage?
</p>
<p class="normal">
<b>Karl-Heinz:</b> Sehr geehrter Herr<br />
Pofalla, da ich grundsätzlich mehr mit der CDU/CSU sympathisiere,<br />
fällt es mir schwer, die von der Union angestrebte Erhöhung<br />
der Mehrwertssteuer zu akzeptieren. Zwar senken sich dann die Lohnnebenkosten,<br />
aber das rechnet sich doch wohl niemals für den Otto-Normal-Verbraucher,<br />
oder?</p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Der vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer<br />
hat durch die Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrages eindeutig<br />
mehr als ihm durch die Erhöhung der Mehrwertssteuer um 2% abverlangt<br />
wird. Das hat unter anderem damit zu tun, dass die 2-prozentige<br />
Mehrwertsteuer-Erhöhung für wichtige Lebensbereiche gar<br />
keine Wirkung entfaltet.  So ist beispielsweise bei Mieten<br />
es so, dass darauf gar keine Mehrwertssteuer erhoben wird. Im Übrigen<br />
wird der einfache halbierte Mehrwertsteuersatz von 7% nicht erhöht.
</p>
<p class="normal">
<b>Eicki:</b> Sie sprachen eben von 14,5<br />
bis 15 Mrd. Entlastung durch die 2% Absenkung der Arbeitslosenversicherung<br />
&#8211; Wie sieht die Gegenfinanzierung aus? Könnten Sie außerdem<br />
etwas zu einem eventuell geplanten Subventionsabbaus sagen? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Die Gegenfinanzierung ist ganz<br />
einfach: Wir werden das Geld aus der Erhöhung der Mehrwertsteuer,<br />
das dem Bund zusteht, in die Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags<br />
einbringen. Der verbleibende Teil der Gegenfinanzierung wird im<br />
Wesentlichen durch Kürzungen und Umstrukturierungen bei der<br />
Bundesanstalt der Arbeit erreicht. Im Zuge der beabsichtigten Steuerreform<br />
und der Senkung des Spitzensteuersatzes wie des Eingangsteuersatzes,<br />
werden wir einen Großteil der steuerrechtlichen Sondertatbestände<br />
abschaffen. Schließlich wird eine unter Angela Merkel geführte<br />
Bundesregierung bereits kurz nach der Bundestagswahl mit der Landesregierung<br />
in NRW und der Ruhrkohle AG über die Kohlesubventionen und<br />
damit über den sozialverträglichen Auslaufbergbau verhandeln.<br />
Wir werden zwar betriebsbedingte Kündigungen verhindern, aber<br />
über einen mittelfristigen Prozess die Kohlesubventionierung<br />
beenden. </p>
<p><b>Moderator:</b> Noch mal zum Thema Kompetenzteam:
</p>
<p class="normal">
<b>Cheffe:</b> Sie sagen, dass es nur<br />
sinnvoll ist, jemanden Externen zu holen, wenn es aus der direkten<br />
Politik niemand anderen gibt. Ist der Grund dafür, dass es<br />
sonst Unmut innerhalb der direkten Politik gibt &#8211; oder geht es tatsächlich<br />
darum, dass Leute aus der direkten Politik mehr Gespür dafür<br />
haben, was sinnvoll ist? Ist eine Frau/ein Mann von außerhalb<br />
nicht auch sinnvoll in Hinblick auf Unabhängigkeit gegenüber<br />
Interessensgruppen? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Die Frage der Unabhängigkeit<br />
gegenüber Interessengruppen halte ich für wichtig. Dabei<br />
ist allerdings egal, ob jemand von der Politik oder von außen<br />
kommt. Ich bin der Auffassung, dass politische Ämter mit möglichst<br />
hoch qualifizierten Personen besetzt werden. Ob dabei jemand aus<br />
der Politik kommt oder von außen, halte ich nicht für<br />
entscheidend.
</p>
<p class="normal">
<b>LiberalIstBesser:</b> Herr von Pierer<br />
soll angeblich im Gespräch gewesen sein. Inwiefern sollte ein<br />
Politikfremder das Unionsprogramm umsetzen, obwohl dieser nicht<br />
einmal mitgearbeitet hat? Mehr PR als Politik? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Nun warten wir wirklich mal den<br />
kommenden Mittwoch ab. Da sind viele der gestellten Fragen überflüssig<br />
geworden.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Wie kommt es denn,<br />
dass jetzt diese Namen prominenter Manager genannt werden? Reine<br />
Medienerfindungen? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Journalisten sind kreativ, intelligent<br />
und immer auf der Suche. Ich halte es für legitim, dass sie<br />
so auch zu Personalspekulationen beitragen. Die Antworten werden<br />
aber am kommenden Mittwoch gegeben
</p>
<p class="normal">
<b>arthur:</b> Wie stehen Sie zur Forderung<br />
Ihres potenziellen Koalitionspartners FDP, die Bundesagentur für<br />
Arbeit müsse aufgelöst werden? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Ich halte diesen Ansatz für<br />
wenig hilfreich. Es geht doch vor allem darum, einer Institution<br />
die Fachkompetenz im Bereich der Arbeitsvermittlung zuzuweisen.<br />
Die Bundesagentur wird in diesem Jahr umfänglich und hoffentlich<br />
erfolgreich umorganisiert. Das Ergebnis sollten wir abwarten und<br />
dann entscheiden, ob gegebenenfalls weitere organisatorische Maßnahmen<br />
innerhalb der Agentur notwendig sind.
</p>
<p class="normal">
<b>Polizist:</b> Die Erhöhung der<br />
Mehrwertsteuer erhöht doch nur den Hang zur Schwarzarbeit.
</p>
<p class="normal">
<b>Ronald Pofalla:</b> Die Senkung des<br />
Arbeitslosenversicherungsbeitrages bewirkt aber genau das Gegenteil.<br />
Wenn wir die Lohnnebenkosten in Deutschland senken, wird Arbeit<br />
in Deutschland bezahlbarer. Wir werden über die beabsichtigte<br />
2-prozentige Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrages die<br />
kommende Legislaturperiode nutzen, um zu weiteren Senkungen bei<br />
den Lohnnebenkosten zu kommen. Das ist der richtige Weg.
</p>
<p class="normal">
<b>silbermondimweiher:</b> Ist das Modell<br />
der Vollzeitbeschäftigung nicht längst überholt?<br />
Gesamtwirtschaftliche Vollzeitbeschäftigung ist doch nicht<br />
mehr möglich, warum nicht Teilzeitarbeit? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Unser Kernproblem neben der hohen<br />
Arbeitslosigkeit in Deutschland ist, dass wir seit Jahren vollzeitbeschäftigungspflichtige<br />
Arbeitsverhältnisse verlieren. Täglich werden in Deutschland<br />
über 1000 Arbeitsplätze vernichtet. In den letzten 4 Jahren<br />
haben wir rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze verloren. Diese<br />
Entwicklung muss gestoppt und in das genaue Gegenteil umgesteuert<br />
werden. Ohne neue Arbeitsplätze werden wir unsere Probleme<br />
auf der Einnahmeseite des Staates wie in den Sozialversicherungssystemen<br />
auf Strecke nicht wirksam lösen können.
</p>
<p class="normal">
<b>Eicki:</b> Zunächst einmal vielen<br />
Dank für Ihre erfreuliche Antwort. Sie sprachen über Umstrukturierung<br />
der BfA &#8211; ist diese nicht gerade grundlegend umstrukturiert worden?<br />
Was hat das gebracht, bzw. was wollen Sie anders machen? Ich stimme<br />
allerdings zu, dass bei der BfA sicherlich schon viel am Prozess<br />
selbst gespart werden kann.<br />
arthur: Können Sie die geplante Umorganisation der Bundesagentur<br />
in einigen Punkten skizzieren? <br />
<b><br />
Ronald Pofalla:</b> Sie meinen sicher die Bundesagentur und<br />
nicht die BfA?! Der Umstrukturierungsprozess bei der Bundesagentur<br />
wird gegen Ende des Jahres erst abgeschlossen sein. Ziel dieses<br />
Umstrukturierungsprozesses war und ist es, vor allem die Vermittlungstätigkeit<br />
der Bundesagentur substantiell zu verbessern. So ist beispielsweise<br />
eines der Ziele, das Zahlenverhältnis zwischen Vermittler und<br />
Kunde der Arbeitsagentur deutlich zu verbessern. Das Ende des Umbauprozesses<br />
sollte abgewartet werden, um zu einer abschießenden Beurteilung<br />
zu kommen.
</p>
<p class="normal">
<b>Fux:</b> Zur Steuerpolitik: Wie soll<br />
eine Unternehmenssteuerreform aussehen, abgesehen von der Senkung<br />
des Körperschaftssteuersatzes? Soll auch das Umsatzsteuerrecht<br />
vereinfacht werden? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Über die Einzelheiten werden<br />
wir uns noch zu unterhalten haben. Bei der Körperschaftssteuer<br />
wollen wir in einem ersten Schritt von 25 % auf 22 % runter, weil<br />
wir dieses finanzieren können.
</p>
<p class="normal">
<b>vanDyck:</b> Wird Schwarz/Gelb die<br />
Ökosteuer und den Solidaritätszuschlag verringern? Damit<br />
wäre netto wirklich mehr in der Tasche? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Angesichts eines strukturellen<br />
Haushaltsdefizits von mindestens 40 Milliarden Euro haben wir in<br />
unserem Wahlprogramm die steuerpolitischen Vorstellungen auf die<br />
Teile konzentriert (Einstiegs- und Höchststeuersatz), die wir<br />
wirklich auch umsetzen können. Zum Solidaritätszuschlag<br />
und zur Öko-Steuer gibt es daher im Wahlprogramm der Union<br />
keine Aussage. </p>
<p><b>2g:</b> Stimmte es, dass in der CDU geplant wird, das<br />
BAföG abzuschaffen? </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Studienförderung ist eine<br />
wesentliche Voraussetzung dafür, um Bildungsgerechtigkeit zu<br />
ermöglichen. Im Zusammenhang mit der möglichen Einführung<br />
von Studiengebühren und deren Finanzierung durch die Studenten,<br />
gibt es eher Überlegungen, durch welche Instrumente diese Finanzierung<br />
ermöglicht werden kann. An die Abschaffung des Bafögs<br />
denkt bei uns keiner.
</p>
<p class="normal">
<b>kacperle:</b> Da es in den aktuellen<br />
Umfragen ja nicht unbedingt nach einer absoluten Mehrheit für<br />
Schwarz/Gelb aussieht &#8211; was halten Sie persönlich von einer<br />
Großen Koalition zusammen mit der SPD?
</p>
<p class="normal">
<b>Ronald Pofalla:</b> Es gibt keine<br />
einzige Umfrage bis heute, die nicht dem Bündnis aus CDU/CSU<br />
und FDP eine Mehrheit gibt. Von daher erübrigen sich Überlegungen<br />
zur Großen Koalition, die ich im Übrigen auch für<br />
falsch halte.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Widerspruch! Der Deutschlandtrend<br />
sieht zum zweiten Mal in Folge ein Patt zwischen Schwarz-Gelb und<br />
Rot-Rot-Grün. Beide liegen bei 48 Prozent.</p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Damit steht aber fest, dass es<br />
keine einzige Umfrage gibt, die eine Mehrheit gegen CDU/CSU und<br />
FDP ermöglicht. Sollten die ARD-Umfragen sich am 18. September<br />
als realistisch herausstellen, dann ist es unsere Aufgabe nur noch<br />
wenige tausend Stimmen zu gewinnen, damit es zu genau diesem Patt<br />
nicht kommt. Ich denke, dass uns das gelingt.
</p>
<p><b>Moderator:</b> Unsere Zeit ist bereits<br />
um. Vielen Dank an alle User für das große Interesse.<br />
Etliche Fragen sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank,<br />
Herr Pofalla, dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben.<br />
Das Transkript dieses Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter.<br />
Den nächsten Chat gibt es am Mittwoch, den 17. August, ab dreizehn<br />
Uhr mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Olaf Scholz. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen noch einen angenehmen Tag! </p>
<p><b>Ronald Pofalla:</b> Ich bedanke mich bei allen, die<br />
bei diesem interessanten Chat und dem damit verbundenen Dialog teilgenommen<br />
haben und würde mich über eine erneute Einladung der ARD<br />
sehr freuen. </p>
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