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	<title>Jan-Malte Hunfeld &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Die neuen Gatekeeper</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jan-Malte Hunfeld]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Oct 2020 10:57:30 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Online-Plattformen spielen in den vergangenen Jahren eine immer wichtigere Rolle dafür, welche Medieninhalte Bürger*innen angezeigt werden und letztendlich dadurch auch, welche Inhalte konsumiert werden. Doch was bedeutet die neue Rolle dieser Gatekeeper für die Verbreitung von Informationen, für die Medien als Institution und letztlich für unsere Demokratie?</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-1"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Der <a href="https://www.politik-digital.de/news/paradigmenwechsel-162874/">erste Text</a> dieser Reihe widmete sich dem Wechselverhältnis vom politischen zum Medienakteur. Der <a href="https://www.politik-digital.de/news/politik-als-inszenierung-162957/">darauf folgende Text</a> thematisierte die politische Kommunikation in der Mediendemokratie und wie sich diese durch das Internet und durch Soziale Netzwerke verändert. Der <a href="https://www.politik-digital.de/news/neue-digitale-oeffentlichkeit-163418/">dritte Text</a> ging der Frage nach, inwiefern dadurch klassische Öffentlichkeitsverständnisse noch angebracht sind. In diesem Text geht es nun um neue Formen der Gatekeeper.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Eine Funktion vom Journalismus ist es, Informationen aufzunehmen, zu selektieren, einzuordnen und weiter zu verbreiten. Vereinfacht ausgedrückt: Was in den Nachrichten gezeigt oder in der Zeitung abgedruckt wird, entscheiden die Medienvertreter*innen. Sie bestimmen über die Reichweite einer Nachricht.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Mit dem Aufkommen der neuen Medien kann nun eine direkte Interaktion des politischen Akteurs mit Nutzer*innen eingegangen werden. Mit dem eigenen YouTube Kanal oder dem Twitter Profil können eigene Botschaften verbreitet werden und die Rezipient*innen können auf diese direkt reagieren. Die Einbahnstraßen Kommunikation vom politischen Akteur über die Medienakteure hin zur Öffentlichkeit(en) ist nicht mehr der einzige Weg der Informationsverbreitung.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Jedoch ist mit der direkten Interaktion noch keine Reichweite gegeben. Um diese zu erhalten, müssen Nachrichten, Botschaften und Narrative einen gewissen Mehrwert für die Rezipient*innen enthalten. An dieser Stelle greifen neue Logiken. Anders, als bei der klassischen Informationsverbreitung, in der die Rezipient*innen die Informationen quasi passiv erreichen, müssen Sie in den Social Media-Weiten aktiv die Informationen und Informationsquellen suchen und sich eine Gruppe an “Zulieferern” (gefolgten Seiten, abonnierte Kanäle, etc.) selbst zusammenbauen. Proaktives Handeln ist Voraussetzung.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Dennoch erreichen auch im Digitalen Beiträge die Rezipient*innen, ohne das diese bewusst aktiv werden müssen. Beispielsweise erscheinen auf der Timeline auf Facebook Nachrichtenbeiträge von gefolgten Fanpages, auf Twitter lassen sich unter Hashtags Beiträge aus Medien entdecken, die man selbst nicht aufgesucht hätte und auf YouTube wird einem am Ende eines Videos bereits das nächste vorgeschlagen. Verantwortlich hierfür sind die den Portalen zugrundeliegende Algorithmen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Wie die Nutzer*innen Informationen und Inhalte präsentiert bekommen, was sie oder er sieht und was nicht, in welcher Reihenfolge etwas gezeigt wird und in welchen Kontext dies gebracht wird – all dies „entscheiden“ Algorithmen. Sie berechnen eine mögliche Relevanz von Inhalten und bestimmen anhand individueller Eigenschaften der Nutzer*innen, was ihnen angezeigt oder vorgeschlagen wird. Algorithmen sind eine neue Form der Gatekeeper.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Klassischerweise entscheiden Medienvertreter*innen anhand gewisser Kriterien über die Verbreitung und Einordnung von Inhalten. Ähnlich verhält es sich mit den Algorithmen. Auch diese “entscheiden” anhand von nicht-öffentlich einsehbaren Kriterien über Reichweite und Aufmerksamkeit. Diese Entscheidungen werden anhand nüchterner Berechnungen getroffen, können aber oftmals auch durch Targeting beeinflusst werden.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Problematisch daran ist, dass Algorithmen auch immer einer Filterfunktion gleichkommen, sie die Meinungsbildungsprozesse so beeinflussen und dass es große Konzerne wie beispielsweise Facebook oder Google sind, die diese Algorithmen entwickeln und kontrollieren. Als gewinnorientierte Unternehmen sind sie den Eigentümer*innen bzw. den Aktionär*innen verpflichtet. Diese verfolgen andere Interessen als vermeintlich „öffentliche“ Interessen. Jederzeit können auch die Eigentümer*innen der Plattformen wechseln oder sich die Nutzungsbedingungen ändern. Es besteht das Risiko, das dann auch die Algorithmen geändert werden. Dies relativiert sich aber wiederum dadurch, dass auch die meisten Medienbetriebe gewinnorientierte Unternehmen sind.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Zusammenfassend bedeutet dies, dass neben den Medienakteuren als klassische Gatekeeper mit<br />
den Algorithmen eine neue Form der Gatekeeper in Erscheinung getreten sind. So entscheiden nun auch neue Logiken über Reichweite und Aufmerksamkeit. Zudem war es nie so einfach mit politischen Akteuren in direkte Interaktion zu treten und die Gatekeeper zu umgehen. Die Möglichkeiten, wie uns Inhalte und Beiträge erreichen sind in den vergangenen Jahren deutlich vielfältiger geworden.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Was bedeutet dies nun für die Gesellschaft? Einerseits ist zu begrüßen, dass die politische Partizipation auch ressourcenschwache Akteure gefördert wird, solange diese in ihrer Außenkommunikation die Logiken der Algorithmen berücksichtigen &#8211; vorausgesetzt diese Logiken sind in Ansätzen bekannt. So können eigene Netzwerköffentlichkeiten gebildet werden. Andererseits sind so auch Radikalisierungsprozesse möglich. Die aus den USA mittlerweile auch in<br />
Deutschland angekommene verschwörungsidologische QAnon Bewegung ist ein warnendes Beispiel. Die Attentäter von Halle und Hanau können der Bewegung zugerechnet werden.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Auch hier zeigt sich, muss die Gesellschaft Lernprozesse durchmachen. In einer hoch durch Medien geprägten Gesellschaft ist Medienkompetenz eine nicht zu vernachlässigende Tugend. Das Internet im Allgemeinen und Soziale Netzwerke im Besonderen ändern demokratische und partizipative Spielregeln &#8211; und das nicht nur im positiven. Am Ende hängt es jedoch davon ab, wie und von wem diese neuen Kommunikations- und Austauschkanäle genutzt werden.</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-1" data-row="script-row-unique-1" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-1"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-2"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Photo by <a href="https://unsplash.com/@lifeofteej?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Thomas Charters</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-2" data-row="script-row-unique-2" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-2"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-4"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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		<title>Das Entstehen einer neuen, digitalen Öffentlichkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jan-Malte Hunfeld]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Sep 2020 08:00:58 +0000</pubDate>
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</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-5" data-row="script-row-unique-5" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-5"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-6"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Im <a href="https://www.politik-digital.de/news/paradigmenwechsel-162874/">ersten Text</a> dieser Reihe ging es um das Wechselverhältnis vom politischen zum Medienakteur<br />
in der Mediendemokratie. Es wurden vier Paradigmen aufgezeigt und anhand einer Social Media Sphäre erweitert. Der <a href="https://www.politik-digital.de/news/politik-als-inszenierung-162957/">zweite Text</a> befasste sich mit der politischen Kommunikation in der Mediendemokratie. Es zeigte sich, dass klassische Inzenierungsmechanismen und -strategien der<br />
Mediendemokratie auch in der durch das Internet immer stärker geprägten Gesellschaft nicht<br />
obsolet geworden sind. Beide Texte haben gemein, dass sie ein gewisses<br />
Öffentlichkeitsverständnis voraussetzen. Der dritte Text wird sich daher diesem Verständnis<br />
widmen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Bei dem Begriff ‘Öffentlichkeit’ handelt es sich um einen diffusen Themenkomplex. Bis heute wurde sich nicht auf eine einheitliche Definition geeinigt &#8211; auch da der Öffentlichkeitsbegriff je nach Kontext für sehr verschiedene Gegebenheiten herhalten muss.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Eine der verbreitetsten Verständnisse von ‘Öffentlichkeit’ stammt vom Soziologen und Philosophen Jürgen Habermas. In seiner Habilitationsschrift &#8216;Strukturwandel der Öffentlichkeit&#8217; beschreibt Habermas all jenes als “öffentlich”, was eine wie auch immer gestaltete Gruppe betrifft. Öffentlichkeit ist demnach durch die “Unabgeschlossenheit des Publikums” (Habermas) gekennzeichnet.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Eine wichtige Rolle spielen dabei die Medien: Klassische Massenmedien dienen als Teil der öffentlichen Sphäre dazu, die politische Sphäre zu überwachen und der Gesamtheit der Rezipient*innen zugänglich zu machen. Niklas Luhmann schrieb hierzu: „Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Medien“.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Im Kontext zu politischen Themen ist oft von politischer Öffentlichkeit die Rede. Der Begriff beschreibt ein kollektives Gut, welches nach einem Aushandlungsprozess zwischen mehreren Sprecher*innen als &#8216;herrschende&#8217; Meinung angesehen wird. Politische Öffentlichkeit ist jedoch nicht automatisch die Summe aller individuellen Meinungen der Bevölkerung. Erst, wenn Einstellungen zu gesellschaftlichen Fragen von bedeutenden Akteur*innen, Gruppen oder Institutionen als herrschende Meinung angesehen werden und diese ihre Verbreitung in den Massenmedien finden, wird von der Meinung der politischen Öffentlichkeit gesprochen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Nach diesem Verständnis sind Öffentlichkeit und (Massen-) Medien voneinander abhängig. ‘Die Öffentlichkeit’ verfügt über mehr oder weniger dieselben Wissensbestände &#8211; vorausgesetzt die oder der Einzelne informiert sich über das Tagesgeschehen. Das Einschalten der Tagesschau um 20 Uhr hatte so auch über Jahre eine rituell anmutende Tradition für viele Bundesbürger*innen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Mit dem Aufkommen des Internets im Allgemeinen und den sozialen Netzwerken im Besonderen änderte sich nun die Grundvoraussetzung. Prinzipiell jede*r kann heute auf Twitter, Facebook, YouTube und Co. einen Distributionskanal für eigene Botschaften finden und sich etwa mit politischen Gleichgesinnt*innen austauschen oder mit politischen Gegner*innen streiten. Ganz neue Mechanismen sind dafür verantwortlich, dass Informationen viral gehen, die in klassischen Medien keine Erwähnung finden. Gleichzeitig wird die Äußerung in den Sozialen Medien selbst zur Nachricht, wie besonders erfolgreich das “Zerstörungsvideo” des YouTubers Rezo gezeigt hat.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Aber auch für den politischen Akteur selbst ändert sich Grundlegendes. So ist der klassische Weg vom politischen Akteur über die Medienakteure zur Öffentlichkeit nicht mehr zwingend notwendig und einst übliche Verhaltensweisen verlieren vor einem digitalen Hintergrund ihren Sinn. Exemplarisch deutlich wurde dies mit dem Umgang der durch Rezo geäußerten Kritik. Auf ein Online-Video mit einem elfseitigem PDF zu reagieren, ein Antwortvideo und dessen Veröffentlichungszeitpunkt anzukündigen und diesen dann kommentarlos verstreichen zu lassen<br />
und den öffentlichen Überlegungen von Annegret Kramp-Karrenbauer Meinungsäußerungen im Internet möglicherweise einzuschränken zeigte die Überforderung der Union mit diesem neuen Phänomen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Dabei bringt das Internet auch ganz neue Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit mit sich. War es notwendig, Pressemeldungen zu veröffentlichen, um eigene Botschaften und Narrative zu verbreiten, kann dies heute beispielsweise von einem charismatischen Sprecher auch in eine Kamera gesagt und im Internet verbreitet werden. Teile der Öffentlichkeit sehen das Statement und verbreiten es gegebenenfalls weiter. Die Massenmedien können auch einen Anteil hierbei leisten. Sie sind jedoch nicht zwingend notwendig und können ohne weiteres Umgangen werden. Dies hat jedoch zur Konsequenz, dass die Öffentlichkeit deutlich heterogener wird. Es ist eine gesellschaftliche Fragmentierung in den sozialen Netzwerken zu beobachten. Die oder der Nutzer*in baut ihre oder sich seine eigene “Öffentlichkeit” aus ganz verschiedenen Quellen zusammen. So ergänzt sie oder er die eigenen Informationsquellen durch Distributionskanäle von<br />
beispielsweise Human Rights Watch oder Pro Asyl und verfügt so über andere Wissensbestände, wie ein andere*r Nutzer*in, die oder der Kanäle der Identitären Bewegung folgt.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Vor diesem Hintergrund scheint es angebracht, ein neues Öffentlichkeitsverständnis zu formulieren. Einige Autor*innen haben sich daran versucht. Bei zwei besonders brauchbaren Reformulierungen handelt es sich um die Netzwerköffentlichkeit und die persönliche Öffentlichkeit.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Das Konzept der Netzwerköffentlichkeit geht davon aus, dass sich im Internet Suböffentlichkeiten bilden, die als Gruppe über ganz eigene Wissensbestände verfügen. Es handelt sich dabei um einen weiteren Kommunikationsraum neben der massenmedial geprägten Öffentlichkeit. In den Netzwerköffentlichkeiten wird sich mit Gleichgesinnt*innen ausgetauscht und spezifische Informationen und Sichtweisen werden verbreitet. Besonders soziale Bewegungen wie beispielsweise Fridays For Future oder Ende Gelände bei Umweltthemen oder auch die Identitäre<br />
Bewegung bauen über Facebook, Twitter, Instagram, YouTube und Co. ihre eigenen Netzwerköffentlichkeiten auf und schaffen so auch Mobilisierungsräume.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Politische Akteure werden durch Netzwerköffentlichkeiten autarker. Technische und ökonomische Barrieren zum Publizieren sind durch das Internet und seinen Möglichkeiten um einiges niedriger, also noch vor einigen Jahren.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Während das Konzept der Netzwerköffentlichkeit den Schwerpunkt auf das neue Verhältnis zwischen politischem Akteur und Teil- bzw. Gegenöffentlichkeiten legt, konzentriert sich das<br />
Konzept der persönlichen Öffentlichkeit primär auf die Nutzer*in. Während in einer Vorinternetzeit sie oder ihn Informationen nach Kriterien der gesellschaftlichen Relevanz erreichten, sucht sie oder er sich im Internet Inhalte nach Kriterien der persönlichen Relevanz. Digital können Informationsquellen nach eigenen Bedürfnissen selbst zusammengestellt werden, indem man Zeitungen, Nachrichten oder Magazinen in den Sozialen Netzwerken folgt.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Gleichzeitig richtet sich die persönliche Öffentlichkeit an ein Publikum aus sozialen Kontakten, wie beispielsweise Freund*innen, Bekannte, Kollegen*innen oder Familienmitglieder. Diese können Familienmomente auf Facebook verfolgen, Online-Videos über die Interessen der Nutzer*in auf YouTube ansehen oder Meinungen auf Twitter nachlesen. Eine &#8216;große&#8217; Öffentlichkeit wird in der Regel nicht angestrebt, obwohl die technischen Voraussetzungen gegeben sind.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Zudem ist persönliche Öffentlichkeit durch einen wechselseitigen Austausch und durch Dialog gekennzeichnet. Nutzer*innen können miteinander kommunizieren, ohne sich zu kennen oder auch nur gesehen zu haben – etwa indem sie eigene oder fremde Inhalte kommentieren oder andere Reaktionen hierauf zeigen. Selbst Spitzenpolitiker*innen werden so für den*die Nutzer*in nahbarer, wenn sie etwa auf Kommentare zu eigenen Inhalten wiederum selbst eingehen. Somit verschwindet in der persönlichen Öffentlichkeit allmählich das massenmediale Sender-Empfänger-Modell.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>All dies bringt ganz neue gesellschaftliche Herausforderungen mit sich. Während Personen wie<br />
beispielsweise Ken Jebsen seit Jahren das Verbreiten von teils antisemitischen Verschwörungsmythen als Geschäftsmodell für sich entdeckt haben, schaffen es soziale Bewegungen, wie die Fridays For Future Bewegung, gewisse Kreise für abstrakte Entwicklungen<br />
und Folgen zu sensibilisieren. Das Angebot an möglichen Informationsquellen wird für alle größer und größer. Aber wie erreichen Informationen und Narrative eine Social Media Welt die Rezipient*innen? Damit befasst sich der <a href="https://www.politik-digital.de/news/neue-gatekeeper-163460/">nächste Teil</a> dieser Reihe.</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-6" data-row="script-row-unique-6" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-6"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-7"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Photo by <a href="https://unsplash.com/@simonshim?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Simon Shim</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-7" data-row="script-row-unique-7" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-7"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-9"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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		<title>Politik als Inszenierung? Von der Talkshow zum Vlog</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jan-Malte Hunfeld]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Sep 2020 09:00:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-10"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>Politische Wettkämpfe sind geprägt durch große Versprechungen für die Bevölkerung und für böse Unterstellungen gegenüber der politischen Gegner*innen. Gerade ist dies wieder besonders eindrucksvoll im amerikanischen Wahlkampf zu beobachten, in dem im Besonderen durch<br />
das Trump Team der Wettstreit um Wähler*innenstimmen und sogar Einschaltquoten wie eine Fernsehshow anmutete. Aber die Strategie, Politik oder politische Vorhaben zu inszenieren, war bereits zuvor Teil der politischen Sphäre.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Im <a href="https://www.politik-digital.de/news/paradigmenwechsel-162874/">vorherigen Beitrag</a> ging es um das Wechselverhältnis vom politischen Akteur zum Medienakteur und wie sich dieses durch die sozialen Netzwerke ändert. An dieser Stelle wird der Frage nachgegangen, wie sich politische Kommunikation allgemein durch die neuen Gegebenheiten wandelt.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Mit dem Aufkommen der sogenannten Mediendemokratie, circa ab den 1980er Jahren, wandelten sich auch die Kommunikationsbemühungen politischer Akteure gegenüber der Öffentlichkeit. Das über das Fernsehen ausgestrahlte Bewegtbild war schnell das bedeutendste Medium. Dabei transportiert das Fernsehen nicht lediglich Informationen, sondern dient auch der Unterhaltung. Es ist naheliegend, dass dies von Kommunikationsstrateg*innen wahrgenommen und berücksichtigt wurde. Mit dem Aufkommen verschiedener Ausprägungen der Mediendemokratie nahm auch die Bedeutung der öffentlichkeitswirksamen und unterhaltende Inszenierung von politischen Überzeugungen, Vorhaben und Narrativen zu. Solch eine Kombination von politischen Elementen mit Unterhaltungsaspekten wird als Politainment bezeichnet</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Am deutlichsten wird dies mit dem Format der Polit-Talkshow. Nicht ohne Grund beinhaltet das Wort den Begriff “Show”. Es geht darum zu streiten, zu debattieren und zu unterstellen. Fakten spielen eine untergeordnete Rolle, die Zuschauer*innen sollen unterhalten werden. Immer wieder äußern sich Personen, die sonst wenig Berührungspunkte mit politischen Rhetoriken bei öffentlichen Auftritten haben, irritiert über ihre Talkshowerfahrungen. Während vor der Kamera Politiker*innen leidenschaftlich aufeinander und gegeneinander einreden und nichts unversucht lassen, damit die Zuschauer*innen die politische Konkurrenz nicht vergisst, wandelt sich dieses Verhalten, sobald die Lichter und Kameras aus sind. Ohne Zuschauer*innen vor den Bildschirmen reden viel Akteure wie Politiker*innen sachlich und freundlich miteinander.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Ihr Hoch hatte das Format der Talkshow in Deutschland in den 1990er Jahren. Für den politischen Akteur versprachen die Sendungen Aufmerksamkeit, obwohl neue Publikumsschichten nur schwerlich zu erreichen waren. Vorteilhaft war, dass in der Talkshow getätigte Statements jedes Mal das Potenzial hatten und auch heute noch haben von Medienakteuren aufgegriffen zu werden und als Ausschnitt in TV-Magazinen oder als Zitat in Tageszeitungen wiederzufinden. Somit können im Nachhinein Personenkreise erreicht werden, die die Talkshow nicht eingeschaltet haben.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>War das Medium der 1980er und 1990er Jahre das Fernsehen, ist das Medium der Gegenwart mehr und mehr das Internet. Laut der ARD/ZDF-Medienstudie für das Jahr 2019 sind 90 Prozent der Bundesbürger*innen mittlerweile im Internet unterwegs &#8211; über 70 Prozent gar täglich. Zugleich sinken Zuschauerzahlen des linearen Fernsehens.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Einhergehend mit dem Aufkommen des Internets sind auch neue Möglichkeiten der (politischen) Inszenierung entstanden. Viele Spitzenpolitiker*innen verfügen heute über ein eigenes Twitter Profil (obwohl diese Profile nicht selten von Social Media Beauftragten bespielt werden) und kaum eine Initiative, die nicht mindestens eine Facebook Fanpage betreibt, über die Informationen und Botschaften bereitgestellt werden. Seltener existiert ein YouTube Kanal, über die jedoch teils sehr kreative Formate umgesetzt werden.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Die neuen Inszenierungsmöglichkeiten sind durch soziale Netzwerke weitreichend. Die grafisch aufbereitete Informationskachel oder das humorvolle Meme kann problemlos etwa auf Twitter oder Facebook hochgeladen und durch dessen Nutzer*innen weiter verbreitet werden. Auf Instagram<br />
kann das eigene Privatleben der Politiker*innen oder der reichweitestarken Aktivist*innen als Homestory<br />
präsentiert werden. YouTube bietet die Möglichkeiten Inzinierungslogiken des Bewegtbildes selbst anzuwenden und etwa im musikalisch untermalten Vlog die persönliche Meinung über das politische Tagesgeschehen zu äußern.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Ähnlich des Beispiels mit dem durch Medien aufgegriffenen Talkshow-Statement können auch Social Media Beiträge für Medienbeiträge verwertet werden. So lässt sich etwa ein Tweet zitieren oder gleich durch einen Einbettungscode in einem Online-Nachrichtenbeitrag präsentieren. Ähnliches bei dem Online-Video. Dieses kann in TV-Beiträgen eingearbeitet oder ebenfalls per Einbettungscode<br />
auf anderen Seiten präsentiert werden. Somit hat der politische Akteur ein starkes Interesse eigene Beiträge so zu gestalten, dass Medienakteure den Beitrag an sich für zitier- oder berichtenswert halten, oder der Beitrag von sich aus viral geht. Die Notwendigkeit politische Inhalte mit Unterhaltungsaspekten zu kombinieren, um Personen zu erreichen, hat sich seit der durch das TV-Gerät geprägten Mediendemokratie nicht gewandelt. Jedoch sind durch das Internet und durch die sozialen Netzwerke neue Distributionskanäle entstanden, die den Aspekt des Politainments womöglich noch stärker zu berücksichtigen haben.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Der YouTube Kanal beispielsweise von Aktion Mensch hat all dies souverän umgesetzt. Auf unterhaltsame weise präsentieren die Moderator*innen Aspekte aus dem Leben von Menschen mit Behinderungen und werden gleichzeitig als Influencer*innen aufgebaut. Die Zuschauer*innen fangen an sich mit den Moderatoren*innen zu identifizieren, sie werden auf YouTube-typische Art unterhalten und werden zeitgleich für das Thema sensibilisiert. Auch die drei SPD Politiker Lars Klingbeil, Tiemo Wölken und Kevin Kühnert treten des Öfteren mal gemeinsam, mal alleine vor die Kamera, um Stellung zu tagesaktuellen Themen zu nehmen. Für die Zuschauer*innen sind sie als Menschen nahbar. Sie informieren und unterhalten zugleich.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Für den politischen Akteur von Bedeutung ist es, beim Online-Politainment authentisch und seriös zu bleiben, aber dennoch locker aufzutreten. Andernfalls droht die Abstrafung durch die Zuschauer*innen. Als vor wenigen Monaten die CSU ihr Online-Video Format CSyou startete, war der Spott groß. Neben Fake News Vorwürfen von Faktenfindern wurden vor allem die das erste Video bestimmenden Negative Campaining Elemente und das massive Eigenlob kritisiert. Die schlecht gemachte Umsetzung, das enorme Zurückgreifen auf Soundeffekte und das als nicht-authentisch wahrgenommene Auftreten des Moderators und Social-Media-Managers der CSU „Armin“ nahmen dem Video und Botschaften ihre Seriosität. Dennoch: Das Format gibt es immer noch, die Reaktionen sind aber weiterhin überwiegend negativ.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Inzenierungsaspekte spielen in der politischen Kommunikation über das Internet und die sozialen<br />
Netzwerke eine elementare Rolle. Zentral dabei ist es authentisch aufzutreten und dennoch eine dem Thema gebührende Seriosität an den Tag zu legen, um die Öffentlichkeit auf die gewünschte Art und Weise zu erreichen. Jedoch hat sich in diesem Kontext die Zusammensetzung „der Öffentlichkeit“ seit der Mediendemokratie gewandelt. Diesem neuen Öffentlichkeitsverständnis widmet sich der nächste Beitrag.</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-10" data-row="script-row-unique-10" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-10"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-11"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Photo by <a href="https://unsplash.com/@mrrrk_smith?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">John-Mark Smith</a> on <a href="https://unsplash.com/photos/2aGqWIH49UA">Unsplash</a></p>
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</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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		<title>Wie die Digitalisierung die Demokratie und unsere Sicht darauf verändert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jan-Malte Hunfeld]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jul 2020 08:59:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-14"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p>In den vergangenen Jahren haben Medienvertreter*innen mit so manchem Vorurteil zu kämpfen. Von einer kleinen aber lautstarken Minderheit werden Vorwürfe, wie “Lügen-”, ”Pinocchio-”, “System-” oder “Relotiuspresse” skandiert. Eine Unterwürfigkeit der Medienakteure gegenüber politischen Akteuren wird dabei unterstellt. Zeitgleich existiert ein gewisses Misstrauen politischer Sphären gegenüber den Journalist*innen. Dieser, so eine weit verbreitete Annahme etwa unter Parlamentarier*innen, verfolgt bei seiner Arbeit seine eigene politische Agenda.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Auch die Politikwissenschaft hat sich mit dem vermeintlichen Wechselverhältnis von politischen<br />
Akteuren zu Medienakteuren beschäftigt &#8211; und ist dabei zu teils widersprüchlichen Ergebnissen gelangt. Es lässt sich dabei zwischen vier Modellen unterscheiden.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Das Gewaltenteilungsparadigma postuliert die Medien als vierte Gewalt im Sinne der Gewaltenteilungslehre nach Montesquieu. Jedoch wird dabei den konstituierenden Gewalten (Legislative,<br />
Exekutive und Judikative) keine vierte Gewalt an die Seite gestellt. Vielmehr übernehmen nach dieser<br />
Vorstellung die Medien eine Kontrollfunktion. Medien sind Gatekeeper im Sinne eines Wächteramtes.<br />
Es liegt in ihrem Ermessen, was die Öffentlichkeit auf welche Art und Weise erfährt und wie diese Information eingeordnet wird.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Das Instrumentalisierungsparadigma durch Medienakteure (in den Politikwissenschaften auch<br />
Dependenzthese oder Dependenz-Modell genannt) geht davon aus, dass politische Entscheidungen<br />
maßgeblich durch die Logiken der Medien beeinflusst werden. Medien haben einen gewissen Einfluss auf politische Akteure und nutzen diesen auch. Der politische Akteur unterwirft sich im Auftreten vermeintlicher Vorgaben und die eigene Autonomie geht verloren.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Instrumentalisierungsparadigma durch politische Akteure (auch Funktionalisiserungsthese) &#8211; nur mit verkehrtem Vorzeichen. Medien sind Verlautbarungsorgane der Politik. Durch einen wachsenden ökonomischen Druck und schwindende Ressourcen ist der oder die Journalist*in zunehmend auf die Quellen angewiesen und das Mächteungleichgewicht steigt.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Eine vermittelnde Position unter diesen Vorstellungen nimmt das Symbiose-Paradigma (Interdependenz-<br />
Modell oder auch Interdependenzthese) ein. Die politische und die Mediensphäre treten in eine gewisse Abhängigkeit, von der beide Seiten profitieren. Politische Akteure nutzen den Kontakt zu Medienvertreter*innen, um Präsenz in der Öffentlichkeit zu erlangen &#8211; Medienvertreter*innen nutzen ihre politischen Kontakte, um Zugang zu Informationen zu erhalten. Es handelt sich dabei um eine Tauschbeziehung: Information gegen Publizität &#8211; und umgekehrt.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Diese vier Paradigmen über das Wechselverhältnis politischer zu Medienakteuren haben die Mediendemokratie als Grundannahme. Demnach sind Medien zu einem bestimmenden Element in<br />
der Gesellschaft geworden. Ihren Ursprung haben diese Vorstellungen in der tiefgreifenden Transformation des Mediensystems, gekennzeichnet etwa durch das Herausbilden des dualisierten<br />
Rundfunks seit den achtziger Jahren und dem Wandel eines durch nächtliche Sendepausen unterbrochenen TV-Programms zu einem 24-Stunden-Programm.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Heute beobachten wir wieder tiefgreifende Veränderungen, ausgelöst durch die Digitalisierung,<br />
das Internet und die sozialen Medien. Die Vorstellungen von einst, ganz gleich welche man am überzeugendsten findet, bedürfen einer Reformulierung, um die neuen Gegebenheiten zu berücksichtigen.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Durch soziale Medien ist der politische Akteur nicht zwingend auf den Medienakteur angewiesen, um seine Botschaften zu vermitteln. Der eigene YouTube Kanal oder das eigene Twitter Profil sind potenzielle Verlautbarungsorgane, ohne dass Journalist*innen als Gatekeeper die Botschaft kritisch einordnet. Der direkte Austausch mit der Gesellschaft ist möglich, wo sonst die Medien als Mittler aufgetreten sind. Besonders profitieren von diesen neuen Gegebenheiten Positionen, deren Weg in die öffentliche Aufmerksamkeit sonst versperrt waren. Nach dem Gewaltenteilungsparadigma ist durch Social Media die Funktion der Medien stark eingeschränkt.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Betrachtet man vor diesem Hintergrund das Instrumentalisierungsparadigma durch Medienakteure, so bedarf auch diese antizipierte Rollenverteilung eine Reformulierung. Die diesem Paradigma eigene Ungleichverteilung des Einflusses wird durch die neuen Möglichkeiten stark abgeschwächt. Der Medienakteur kann zwar weiterhin seine gesellschaftliche Rolle wahrnehmen, jedoch hat der politische Akteur die Möglichkeit ein ganzes Stück autarker zu handeln. Je nach Zielgruppe der eigenen Botschaften entfällt die Notwendigkeit nach Mittlern. Dem eigenen “Nachrichtenformat” steht nicht viel im Weg.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Vertritt man doch eher die gegenteilige Meinung, also über ein Machtungleichgewicht zugunsten der politischen Akteure, so wird diese Mächteverteilung durch Social Media verstärkt. Waren Medien bereits vor dem Aufkommen sozialer Netzwerke auf den politischen Akteur als Stichwortgeber oder Quelle angewiesen, so steigt diese Abhängigkeit durch die schwindende Notwendigkeit der Medien. Eine Anbiederung oder wohlwollendes Berichten kann hier eine befürchtete Folge sein.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Auch Vertreter des Symbioseparadigmas müssen sich einer Reformulierung stellen. Der Wert der den Medien eigenen Ressource “Publizität” nimmt ab. Auch ohne die Medien haben politische Akteure die Möglichkeit die Öffentlichkeit zu erreichen. Dennoch bieten sich neue Gelegenheiten für das Tauschgeschäft: Ähnlich der Presseerklärung, aus der die Journalist*innen zitieren, kann beispielsweise das auf Video festgehaltene politische Statement ohne großen Aufwand durch Medienakteure in eigenen Beiträgen eingepflegt oder in Gänze verlinkt werden. Das kostenintensive Buchen und Aussenden eines Kamerateams ist nicht notwendig, Bewegtbild Material ist dennoch verfügbar. Egal, wie idealisiert der oder die Medienvertreter*in ihre gesellschaftliche Rolle versteht: Am Ende zählen doch allzu oft die Kosten.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Die klare Rollenverteilung zwischen politischer Sphäre und (Massen-) Medien scheint heute nicht mehr so gegeben zu sein, wie vor zehn oder 20 Jahren. Was einst die Parteien- oder Mitgliederzeitschriften waren, übernimmt heute der YouTube-Kanal oder das Twitter Profil. Sowohl Journalist*innen, als auch Kommunikationsstrateg*innen der politischen Akteure müssen sich auf ungewohntes Terrain bewegen und tun dies mit unterschiedlichem Erfolg. Auch die politik-interessierte Bevölkerung muss einen Lernprozess durchmachen. Das, was allgemein unter &#8216;Medienkompetenz&#8217; verstanden wird, erfährt einen enormen Bedeutungsgewinn. Quelleneinordnung ist wichtiger denn je.</p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p>Wie man das Wechselverhältnis vom politischen zum Medienakteur letztendlich beurteilt, ist eine Frage, die nicht ohne weiteres beantwortet werden kann. In diesem Beitrag wurden vier unterschiedliche Paradigmen vorgestellt und anhand der neuen Gegebenheiten, die wir durch das Netz und den sozialen Netzwerken erfahren, erweitert. Welche von den Ansätzen man am plausibelsten hält, ist eine Sache der eigenen Perspektive. Im nächsten Beitrag wird der Frage nachgegangen, inwiefern dies die politische Kommunikation der Akteure beeinflusst.</p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-14" data-row="script-row-unique-14" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-14"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-15"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Photo by <a href="https://unsplash.com/@imagoiq?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Loïc Fürhoff</a> on <a href="https://unsplash.com/photos/qeIaMQP_xQE">Unsplash</a></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-15" data-row="script-row-unique-15" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-15"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row styleptrl--cc-module has-bg need-focus style-color-gyho-bg limit-width boxed-row row-container" id="row-unique-17"><div class="row unequal col-no-gutter single-top-padding single-bottom-padding single-h-padding row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_left column_parent col-lg-4 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding  unradius-std" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Text: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC-BY-SA 3.0</a></p>
</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-17" data-row="script-row-unique-17" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-17"));</script></div></div></div>
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