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	<title>jbell &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#8220;Wir wollen Rot-Grün fortsetzen. Wir haben das Land freier und weltoffener gemacht.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir-wollen-rot-gruen-fortsetzen-wir-haben-das-land-freier-und-weltoffener-gemacht-173/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jbell]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Sep 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Reinhard Bütikofer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Reinhard Bütikofer, Bundesvorsitzender 
von Bündnis '90/ Die Grünen, war am 5. September zu Gast 
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. 
Die hohen Öl- und Benzinpreise, die Zukunft der Wind- und Solarenergie 
sowie die Finanzierung der ökologischen Politik standen neben 
Atomkraft, Iran und Ökosteuer im Zentrum der Diskussion.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Reinhard Bütikofer, Bundesvorsitzender<br />
von Bündnis &#8217;90/ Die Grünen, war am 5. September zu Gast<br />
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Die hohen Öl- und Benzinpreise, die Zukunft der Wind- und Solarenergie<br />
sowie die Finanzierung der ökologischen Politik standen neben<br />
Atomkraft, Iran und Ökosteuer im Zentrum der Diskussion.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Reinhard Bütikofer,<br />
Bundesvorsitzender von Bündnis &#8217;90/ Die Grünen, war am<br />
5. September zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Die hohen Öl- und Benzinpreise, die<br />
Zukunft der Wind- und Solarenergie sowie die Finanzierung der ökologischen<br />
Politik standen neben Atomkraft, Iran und Ökosteuer im Zentrum<br />
der Diskussion.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderatorin:</b>  Liebe Duell-Liebhaber,<br />
liebe Politik-Interessierte, herzlich Willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Unsere Chat-Reihe ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de. Heute ist der Grünen-Vorsitzende<br />
Reinhard Bütikofer ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herzlich<br />
willkommen. Können wir beginnen?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:  </b>Gern.
</p>
<p class="normal">
<b><br />
Moderatorin:</b>  Wenn man sich die Wahlkampfberichterstattung<br />
ansieht: Die CDU hat Kirchhof, die SPD schlägt sich mit der<br />
Linkspartei rum. Von den Grünen hört man fast gar nichts.<br />
Haben Sie noch einen Joker in der Hand?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b> Von uns hören<br />
sie eine ganze Menge. Und zwar zu drei Themen, die alle aktuell<br />
den Leuten auf den Nägeln brennen. Hohe Energiekosten, Klimakatastrophen.<br />
Von uns hören sie eine Strategie, wie man das alles auf einen<br />
Nenner bringen kann. Wie man mit einer ökologischen Politik<br />
gegen die Klimaveränderungen wirken, die Ölabhängigkeiten<br />
reduzieren und dabei mit Innovationen neue Jobs schaffen kann. In<br />
einem Satz: nur mit weg vom Öl geht es wirklich weiter.</p>
<p><b>Danny-Uni-S:</b>  Wieso fehlen offensive Bekenntnisse<br />
zu Rot-Grün? Ist das ein Zeichen, dass die Grünen einen<br />
neuen politischen Weg suchen?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Wir haben bereits<br />
am ersten Tag nach der Neuwahlankündigung gesagt: Wir wollen<br />
Rot-Grün fortsetzen, wenn wir eine Mehrheit bekommen. Und wenn<br />
nicht, dann wollen wir als starke Oppositionspartei für den<br />
eingeschlagenen Weg weiterwirken. Die Unklarheiten liegen bei der<br />
SPD, die sich in wechselnde Koalitionsdebatten verwirrt.</p>
<p><b>Haller_tokyo: </b> Kann es sein, dass es eine<br />
Schwarz-Grüne Koalition geben wird?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Nein, das ist ausgeschlossen.<br />
Wir können doch als Grüne nicht mit denen koalieren, die<br />
die Laufzeit der Atomkraft-werke auf 60 Jahre verdoppeln wollen,<br />
die die erneuerbaren Energien in die Nische verdrängen wollen<br />
und die mit Kopfpauschale und Kirchhofs Kopfsteuer den Abschied<br />
vom Sozialstaatsprinzip betreiben.</p>
<p><b>Erlanger:</b>  Falls die Grünen sich nach<br />
dieser Wahl in der Opposition wieder finden, wird es dann eine ähnliche<br />
Blockade-Politik geben, wie die schwarz-gelbe der letzten Jahre?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer: </b> Das steht zu befürchten,<br />
dass dann eine große Koalition sich gegenseitig blockiert<br />
oder Schwarz-Gelb die richtigen Reformenentwicklungen blockiert,<br />
die wir in den letzten sieben Jahren eingeschlagen haben. Deswegen<br />
kämpfen wir ja dagegen an.<br />
<b><br />
Gizmo771:</b>  Welche Personen aus der Grünen Partei<br />
werden in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle spielen?<br />
Wo bleibt der grüne Nachwuchs?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer: </b> Wie jung muss er<br />
denn sein, der Nachwuchs? Bei uns dominieren in der Partei die 45<br />
&#8211; 55-Jährigen, in jeder anderen Partei wäre das die Jugend.<br />
Aber wenn man an Leute wie Katrin Göring-Eckardt und viele<br />
andere in den Ländern denkt. In Landesver-bänden wie in<br />
Hessen gibt es in der Führung schon niemanden mehr über<br />
40. Und die letzte Umfrage von Allensbach hat gezeigt, dass bei<br />
uns der Zustrom unter den Jüngeren nach wie vor überproportional<br />
hoch ist. Ansonsten machen wir ja 14 Tage vor der Wahl keine Personaldebatten.<br />
Dafür haben wir am 19. September immer noch Zeit.
</p>
<p class="normal">
<b>Danny-Uni-S:</b>  Wie sieht die<br />
Zukunft von Fischer aus, wenn Sie in der Opposition landen?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Das sollte man in<br />
erster Linie Joschka Fischer selber fragen. Wenn es nach mir geht,<br />
werden wir noch sehr lange mit Joschka Fischer gemeinsam die Republik<br />
umtreiben.</p>
<p><b>Haller_tokyo: </b> Wenn die grüne Partei<br />
Konkurrenz zur FDP sein will, wie unterscheidet sie sich in Bezug<br />
auf den Erhalt von Bürgerrechten in Zeiten der Terrorbekämpfung?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Die Frage finde<br />
ich merkwürdig. Seit wann ist die FDP Maßstab bei den<br />
Bürgerrechten. Das war mal vor 35 Jahren. Der große Lauschangriff,<br />
mit dem wir uns jetzt herumzuschlagen haben, ist von der FDP mit<br />
umgesetzt worden. Und wenn ich Guido Westerwelle zuhöre, dann<br />
besteht der Kern seiner Bürgerrechtspolitik darin, dass jeder<br />
Steuerhinterzieher auf jeden Fall durchs Bankgeheimnis geschützt<br />
bleiben muss. Das sehen wir auf jeden Fall anders.</p>
<p><b>Moderatorin: </b> Nachfragen zu Ihrer Antwort<br />
zu Fischers Zukunft<br />
Miarult:  Was sind die Grünen ohne Joschka wert?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer: </b> Die Frage ist schlicht<br />
dämlich, weil es eine Beleidigung von 45.000 Mitgliedern und<br />
4 Millionen Wählern ist, die gemeinsam grüne Erfolge durchgesetzt<br />
haben. Oder bildet sich Miarult ein, die Erfolge bei den regenerativen<br />
Energien hätte Joschka Fischer im Alleingang organisiert?</p>
<p><b>webnaex: </b> Viele werden später erst die<br />
Erfolge von Rot-Grün sehen. Doch, meinen Sie, dass eine Große<br />
Koalition auf den Erfolgen aufbauen könnte?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer: </b> Ich glaube, man<br />
kann heute schon wesentliche Erfolge von Rot-Grün sehen, zum<br />
einen im gesellschaftspolitischen Bereich. Da haben wir das Land<br />
freier und weltoffener gemacht. Zum Zweiten in der Außenpolitik:<br />
63% der Deutschen sagen, sie sind mit Joschka Fischers Außenpolitik<br />
zufrieden. Und nicht zuletzt in der Energiepolitik: Mit dem Atomausstieg<br />
und der Förderung der erneuerbaren Energien haben wir tatsächlich<br />
ein weltweites Vorbild gesetzt. Unsere progressive Energiepolitik<br />
wird in zahlreichen Ländern inzwischen kopiert &#8211; darauf bin<br />
ich besonders stolz. Ich fürchte, in allen drei Bereichen wären<br />
bei einer großen Koalition Rückschritte angesagt. Am<br />
Leichtesten würden sich SPD und CDU darauf einigen, dass Ökologie<br />
und Umwelt mal Sendepause haben. Die Garanten für die Priorität<br />
dieses Themas, das uns die Klimakatastrophen mit gebieterischer<br />
Kraft auf die Agenda schreiben, sind nun mal nur wir Grünen.</p>
<p><b>mad: </b> Haben Sie nicht Sorge, dass Ihre Partei<br />
in der gegenwärtigen Zuspitzung auf die beiden &quot;großen&quot;<br />
Parteien untergeht bzw. wenig Beachtung findet? Auch das TV-Duell<br />
ist so ein Beispiel.</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Tatsache ist, dass<br />
wir im August ein Drittel weniger Medienaufmerksamkeit hatten als<br />
im Durchschnitt der letzten drei Monate. Nicht, weil wir uns nicht<br />
angestrengt hätten, sondern weil es die von ihnen beschriebene<br />
Zuspitzung tatsächlich gibt. Ich sehe zwei Möglichkeiten,<br />
dem entgegen zu wirken: Die eine bedeutet, dass wir auf Joschka<br />
Fischer als Wahlkampflokomotive setzen. Er ist schließlich<br />
nach wie vor außerordentlich respektiert. Die zweite liegt<br />
in der Konzentration auf das Thema: Klimaschutz schafft Jobs, ökologische<br />
Innovation ist die Antwort auf unsere ökonomischen Probleme.</p>
<p><b>Moderatorin: </b> Werden wir mal konkret: Töpfer<br />
hat es angesprochen: Wir müssen unabhängig vom Erdöl<br />
werden. Das heißt doch auch, dass Atomkraftwerke doch länger<br />
laufen müssen? </p>
<p><b>Reinhard Bütikofer: </b> Das wäre die<br />
dümmste Antwort. Tatsächlich kommt es z.B. darauf an,<br />
dass die deutsche Automobilindustrie Wagen herstellt, die wesentlich<br />
weniger Sprit verbrauchen. Dann soll man dem Sprit mehr Biosprit<br />
beimischen. Außerdem geht es darum, im Altbau durch Wärmeisolierung<br />
die Heizaufwendung zu reduzieren. Im Neubau durch wesentlich effizientere<br />
Energiestandards so immense Heizbedarfe gar nicht erst entstehen<br />
zu lassen; bis 2020 25% unserer chemischen Grundstoffe aus nachwachsenden<br />
Rohstoffen zu gewinnen; bis 2020 25% unseres Energiebedarfes aus<br />
erneuerbaren Energien zu gewinnen; in allen unseren Branchen die<br />
Energieeffizienz wesentlich größer zu schreiben. D.h.<br />
es geht um eine Vielzahl von Innovationen, die nicht nur unsere<br />
eigene Ölabhängigkeit verringern, sondern uns zugleich<br />
die Produkte und Dienstleistungen für den Weltmarkt für<br />
Morgen liefern werden &#8211; und das heißt Jobs. Die Atomenergie<br />
liefert keine Jobs und sie hat Risiken, die nicht gesunken sind,<br />
sondern gestiegen&#8230; Stichwort &quot;Terrorismus&quot;.</p>
<p><b>Moderatorin: </b> Warum haben wir denn noch keine<br />
5-Liter-Autos? Sie waren doch 7 Jahre an der Macht?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer: </b> Wir waren 7 Jahre<br />
an der Regierung und nicht in den Vorständen von BMW oder VW<br />
oder Daimler. Und da wir keine Staatswirtschaft haben, können<br />
wir nicht per ordre de Mufti die Automobilvorstände zur Vernunft<br />
zwingen. Aber ich bin für jede Hilfe dankbar. Also z.B. dafür,<br />
dass sie ihre Selbstverpflichtung, die wir ihnen abgerungen haben,<br />
einhalten, bis 2008 den Flottenverbrauch für Benziner auf 5,5<br />
Liter und 5 Liter für Dieselautos zu begrenzen.</p>
<p><b>Hartmut: </b> Atomausstieg: deutsche Atomkraftwerke<br />
sind die sichersten der Welt. Wenn wir sie zu früh abschalten,<br />
könnten wir in die Verlegenheit kommen, Strom im Ausland einkaufen<br />
zu müssen. Wäre das nicht absolut gegen den Umweltschutz,<br />
unsichere, bspw. französische, Atomindustrie mit Einkäufen<br />
zu fördern?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Kein Atomkraftwerk<br />
in Deutschland ist gegen den Absturz einer Passagiermaschine sicher.<br />
Wovon reden wir?<br />
Pharaoh-han:  Wie denken sie, kann man die Autoindustrie dazu<br />
bringen sich verstärkt benzinsparender Motorentechnik zuzuwenden<br />
und diese auch auf den Markt zu bringen? Die Nachfrage besteht ja<br />
offenbar, das Angebot nur nicht.</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer: </b> Mittelfristig wird<br />
der Wettbewerb auch unsere Automobilhersteller dazu zwingen, denn<br />
die Nachfrage wird sich durchsetzen. Die Frage ist nur, ob wir bei<br />
der Entwicklung ökologisch effizienterer Produkte vorne weg<br />
laufen, indem die politischen und technischen Vorteile, die Deutschland<br />
hat, dabei nutzen. Oder ob solche Entwicklungen verschlafen werden,<br />
wie beim Dieselrußfilter oder beim Hybridauto, wo jetzt die<br />
Jobs und die Wertschöpfung in anderen Ländern zu finden<br />
sind. Sicherlich spielen auch politische Rahmenbedingungen eine<br />
Rolle. Wir Grünen wollen z.B. die Umrüstung auf Gasbetrieb<br />
bei Pkw staatlich fördern. Wir haben Erdgas als Energie für<br />
den Verkehrsbereich schon steuerlich gefördert.
</p>
<p>
<b>Yan:</b>  Wie will Rot-Grün gewährleisten,<br />
dass sich der Verbraucher die Energiekosten für Heizung, Strom,<br />
Auto etc. noch leisten kann?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Wer behaupten würde,<br />
er könne das gewährleisten, würde lügen. Der<br />
Benzinpreis hat sich binnen eines Jahres verdoppelt. Die meisten<br />
Experten gehen davon aus, dass er hoch bleiben oder steigen wird.<br />
Die Alternative, die wir haben, ist nur die: Reagieren wir auf gestiegene<br />
Energiepreise mit klugen Anpassungsstrategien und das erfordert<br />
ökologische Innovationen oder tun wir so wie die Union, die<br />
meint man könne diese Herausforderung durch populistische Steuersenkungsversprechen<br />
meistern. Mal konkret gesagt. die ganze Ökosteuer kostet weniger,<br />
nämlich 15 Cent, als der Benzinpreis letzte Woche innerhalb<br />
von 7 Tagen gestiegen ist. Da sieht doch ein Blinder, wo man ansetzen<br />
muss.</p>
<p><b>Moderatorin:  </b>Apropos ökologische Neuerung:</p>
<p><b>fgdm: </b> Ein Problem der Nutzung der regenerativen<br />
Energiequellen ist auch der niedrige Wirkungsgrad. Den zu verbessern<br />
wäre doch sicherlich Aufgabe der Wissenschaft und Forschung.<br />
Wie stehen die Grünen zu Investitionen im Bildungsbereich,<br />
speziell in den Universitäten?<br />
<b><br />
Reinhard Bütikofer: </b> Die rot-grüne Bundesregierung<br />
hat die Forschungsaufwendungen in den letzten Jahren um 30 % gesteigert.<br />
Und wir haben uns verpflichtet, den Anteil von Ausgaben für<br />
Technologieentwicklungen wieder auf mehr als 3% vom Bruttoinlandsprodukt<br />
zu steigern. Dafür müssen wir enorme Gelder freikämpfen.<br />
Das wollen wir tun durch Subventionsabbau, etwa in dem wir die Eigenheimzulage<br />
streichen. Leider wurde das gestern wieder einmal von der Opposition<br />
im Bundesrat blockiert. Für die Universitäten und Hochschulen<br />
hat die Bundesregierung gerade zusätzliche Mittel frei gemacht.<br />
Aber die Hauptverantwortung liegt da im Bildungsbereich bei den<br />
Ländern. Wofür wir Grünen kämpfen ist, dass<br />
nicht neue soziale Hürden aufgebaut werden, die den Zugang<br />
zu Bildung und Forschung erschweren. Deswegen lehnen wir Studiengebühren<br />
im Erststudium ab.</p>
<p><b>Moderatorin: </b> Bitte konkreter: Wie viel wurde<br />
denn speziell in die Forschung zu erneuerbaren Energien investiert?<br />
<b><br />
Reinhard Bütikofer: </b> Da bin ich überfragt,<br />
ich weiß die Steigerungsrate. Die war 30% aber die Absolutbeträge<br />
weiß ich nicht.<br />
Ventus2:  Wird das Konzept der &quot;Ökosteuer &quot;<br />
&#8211; eine Materialbesteu-erung &#8211; zur Entlastung der Lohnnebenkosten<br />
und gleichzeitiger Reduzierung des Verbrauchs von Rohstoffen/ Energien<br />
auf andere Bereiche ausgeweitet?</p>
<p><b>Moderatorin: </b> Wäre das eine Idee?<br />
Reinhard Bütikofer:  Gegenwärtig haben wir keine<br />
solche Vorstellung. Was meinen sie denn konkret?</p>
<p><b>Giga_Gans: </b> Warum weigern Sie sich, auf das<br />
Dilemma &quot;Atomstrom und Umweltschutz&quot; in Bezug auf die<br />
Förderung ausländischer Kernkraft einzugehen?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Das verzerrt doch<br />
die realen Zusammenhänge. Von Förderung ausländischer<br />
Kernkraft kann ja nicht ernsthaft die Rede sein. Wie sollen wir<br />
es denn machen? Hätten wir denn warten sollen bis die Franzosen<br />
vorausmarschieren. Wir tragen in erster Linie für Deutschland<br />
Verantwortung. Wir haben den Anfang gemacht. Auch wenn wir wissen,<br />
dass andere noch zögern. Aber in dieser Vorreiterrolle liegt<br />
eine Chance: Wenn alle, die jetzt über einen Neueinstieg in<br />
die Atomkraft nachdenken, erkennen, wir brauchen die Atomkraft nicht,<br />
um unsere Energiekosten zu decken. Und wenn wir bei den nachwachsenden<br />
Rohstoffen und erneuerbaren Energien ehrgeizig sind, dann werden<br />
wir das jetzt beginnende Umdenken nutzen können für einen<br />
technologischen Durchbruch, der Umwelt, Klima und Jobs gut tut.</p>
<p><b>TranceM:  </b>Wo sollen denn die 25% erneuerbarer<br />
Energien herkommen? Noch mehr Windräder oder Solarfelder?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Bei der Windkraft<br />
liegt die Zukunftsperspektive hauptsächlich im Offshore-Bereich<br />
und beim so genannten Repowering. Letzteres heißt, dass man<br />
im Schnitt drei alte Windräder durch ein effizienteres, neues<br />
ersetzt. Windkraft-Spitzenreiter ist zur Zeit Schleswig-Holstein,<br />
die haben einen Anteil von 28%. Mit Repowering und Offshore-Windräder<br />
könnten die auf 50% kommen. Auch Solar hat Ausbauperspektiven.<br />
Der Wirkungsgrad der Solarzellen erhöht sich mit enormer Geschwindigkeit.<br />
In wenigen Jahren sind Wirkungsgrade von 25 und mehr Prozent zu<br />
haben. Dann bleibt weiterhin die Wasserkraft. Aber das größte<br />
Potential können wir aus der Biomasse gewinnen. Da sind mehrere<br />
100.000 Arbeitsplätze möglich und eine enorme Wertschöpfung<br />
in unseren ländlichen Räumen.</p>
<p><b>DerOli:</b>  Wie stehen Sie zur Frage der Iran-Politik,<br />
dürfen die Iraner nach Ihrer Meinung (zivil) die Kernkraft<br />
nutzen? Was wäre ein Mittel zu verhindern, dass dies nicht<br />
bloß zivil geschieht?Reinhard Bütikofer:  Nach dem<br />
Atomwaffensperrvertrag, den der Iran unterzeichnet hat, steht ihnen<br />
die zivile Nutzung zu. Ich stelle das nicht in Frage. Ich habe aber<br />
Zweifel, dass das Atomprogramm, das der Iran verfolgt, ausschließlich<br />
zivile Ziele hat, denn ökonomisch macht es keinen Sinn. Die<br />
Frage nach Einflussmöglichkeiten ist sehr schwer zu beantworten.<br />
Nur in einem bin ich mir ziemlich sicher: die militärische<br />
Option, von der einige phantasiert haben, gibt es de facto nicht.<br />
Mir haben US-Experten im Februar gesagt, dass ein militärisches<br />
Vorgehen der USA ein iranisches Atomwaffenprogramm &#8211; wenn es das<br />
gibt &#8211; ein paar Jahre aufschieben könnte, aber nicht unmöglich<br />
machen. Also bleibt uns nur der schwierige und bis jetzt leider<br />
nicht erfolgreiche Weg, den Iran unter Einsatz der Mittel, die wir<br />
zu Verfügung haben, für eine Kooperation zu gewinnen.</p>
<p><b>Moderatorin: </b> Ventus hatte gefragt, ob sie<br />
die Ökosteuer ausweiten wollen. Sie hatten sie um Konkretisierung<br />
gebeten. Hier ihre Nachfrage:</p>
<p><b>Ventus2: </b> Konkret meine ich, z.B. auch Kohle,<br />
Gas und Uran zu besteuern. Dann werden die Energiekonzerne auch<br />
eher auf regenerative Energien umstellen, da diese nicht versteuert<br />
werden. Schließlich sollte nicht der Strom, sondern die Energiequelle<br />
und nicht das Endprodukt besteuert werden. Kann man auch gut auf<br />
Dinge wie Stahl (oder Eisenerz), Holz usw. ausdehnen, da dann auch<br />
Unternehmen anders kalkulieren und weniger Rohstoffe verschwenden.<br />
<b><br />
Reinhard Bütikofer:</b>  Es ist Teil des Atomkonsenses,<br />
der eben ein Kompromiss war, dass wir auf die Einbeziehung von Uran<br />
verzichtet haben. Solange sich die Wirtschaft an die geschlossenen<br />
Verträge hält, werden wir es auch tun. Grundsätzlich<br />
gebe ich Ihnen mit diesem Teil aber Recht. Es wäre sinnvoll,<br />
Kohle und Stahl mit einzubeziehen. Bei der Kohle dürfen sie<br />
dreimal raten, an wem das gescheitert ist. Die Ökosteuer auf<br />
eine ganze breite Palette von Rohstoffen zu erheben macht meines<br />
Erachtens weniger Sinn. Je mehr man das verbreitern würde,<br />
desto geringer wäre der Lenkungseffekt und desto mehr würde<br />
es einer zweiten Mehrwertsteuer gleich kommen.</p>
<p><b>Taifun-1: </b> Was ist wichtiger? Die Umwelt oder<br />
Jobs?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Das Schöne<br />
ist, dass das nicht mehr die Alternative ist. Guido Westerwelle<br />
verkündet zwar immer noch, wir könnten uns Umwelt nur<br />
leisten, wenn die Wirtschaft wächst. Ich setze aber dagegen,<br />
dass es nur ein vernünftiges Wachstum geben wird, wenn wir<br />
die Umwelt (und die sozialen Anliegen auch) einbeziehen. Fragen<br />
Sie mal bei der Münchner Rückversicherung nach. Die rechnen<br />
Ihnen sehr genau vor, was es in den nächsten 40 Jahren allein<br />
an Umweltschäden kosten wird, wenn wir Wirtschaftswachstum<br />
ohne Rücksicht auf die Umwelt betreiben wollten. Mit der Verdopplung<br />
der Jobs im Bereich der erneuerbaren Energien in den letzten Jahren<br />
haben wir ja gezeigt, wie es geht. Auch für die Automobilindustrie<br />
wird Öko-Innovation der Weg zum internationalen Wirtschaftserfolg<br />
sein.</p>
<p><b>Moderatorin:</b>  Zum Abschluss noch einmal zum<br />
Wahlkampf:</p>
<p><b>gelbgruen: </b> Wieso haben Sie &#8211; Ihrem Parteiprogramm<br />
zum Trotz – so wenig Bürokratie abgebaut? Und stattdessen<br />
mit der SPD viele bürokratische Monstren erschaffen wie die<br />
Praxisgebühr?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:  </b>Die Praxisgebühr<br />
war nicht unsere Erfindung. Das hat uns Schwarz-Gelb im Vermittlungsausschuss<br />
aufs Auge gedrückt, als Bedingung dafür, dass wir überhaupt<br />
einen Ansatz zur Gesundheitsreform hinbekommen. Und in anderen Bereichen,<br />
wo wir erfolgreich Bürokratie abgebaut haben, will Gelb-Schwarz<br />
sie wieder einführen, z.B. im Handwerk. Wir haben den Meisterzwang<br />
für 54 von 93 Gewerken beseitigt. Das hat zu einer enormen<br />
Zahl von Existenzgründungen geführt. Aber ich bin auch<br />
gern bereit offen darüber zu reden, wie wir mehr Verbraucherschutz<br />
und mehr Umweltschutz mit weniger Bürokratie hinkriegen können.<br />
Das heißt dann u.a. Haftungsrecht wie in den USA. Von mir<br />
aus gerne.</p>
<p><b>kremplin: </b> Wird nicht die Linkspartei in Zukunft<br />
der wahre Konkurrent der Grünen?</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:</b>  Nein. Die Linkspartei<br />
hat bis jetzt keine neue politische oder soziale Idee zustande gebracht.<br />
Sie konkurriert mit dem strukturkonservativen Flügel der SPD,<br />
aus dem sie zum erheblichen Teil stammt. Wir setzen auf solidarische<br />
und ökologische Modernisierung.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b>  Das war unsere Chat-Stunde,<br />
vielen Dank für Ihr Interesse. Herzlichen Dank Herr Bütikofer,<br />
dass Sie sich die Zeit genommen haben. Der nächste Chat findet<br />
am Donnerstag statt. Den Fragen stellt sich dann CDU/CSU-Fraktionsvize<br />
Wolfgang Schäuble. Der Chat beginnt um dreizehn Uhr und dauert<br />
wie immer eine Stunde. Liebe Chatter und Chatterinnen, herzlichen<br />
Dank für Ihre vielen Fragen. Wir haben uns wie immer bemüht,<br />
alle von Ihnen angesprochenen Themenfelder im Lauf der Chats anzusprechen.<br />
Aber auch heute blieben viele Fragen offen. Wir würden uns<br />
freuen, wenn Sie auch beim nächsten Mal wieder dabei sind!<br />
Am Donnerstag: Wolfgang Schäuble, dreizehn bis vierzehn Uhr,<br />
hier bei tagesschau.de in Kooperation mit politik-digital.de und<br />
tagesspiegel.de.</p>
<p><b>Reinhard Bütikofer:  </b>Ich höre, wir<br />
hätten noch für drei Stunden Fragen gehabt. Schade, dass<br />
nicht mehr Zeit zur Verfügung war. Ich bedanke mich und sage<br />
zum Schluss als Wahlkämpfer: Gehen Sie auf jeden Fall zur Wahl.</p>
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