<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>jbergmeister &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/author/jbergmeisterpolitik-digital-de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Mon, 27 Mar 2006 23:00:00 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>jbergmeister &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>&#8220;Weniger Streit, wie von allen gefordert, führt zu weniger Wahlbeteiligung&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/weniger-streit-wie-von-allen-gefordert-fuehrt-zu-weniger-wahlbeteiligung-150/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/weniger-streit-wie-von-allen-gefordert-fuehrt-zu-weniger-wahlbeteiligung-150/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Schäuble]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball-Weltmeisterschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Einbürgerungstest]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/weniger-streit-wie-von-allen-gefordert-fuehrt-zu-weniger-wahlbeteiligung-150/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Dienstag, den 28.März 
2006, war <span style="font-size: x-small">Wolfgang Schäuble,</span> Bundesinnenminister 
(CDU), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. 
</span></b><b><span style="font-size: x-small">Er beantwortete Fragen zum 
Ausgang der Landtagswahlen, zum umstrittenen hessischen Einbürgerungstest 
und zu einem möglichen Einsatz der Bundeswehr bei der bevorstehenden 
Fußball-WM.</span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Dienstag, den 28.März<br />
2006, war <span style="font-size: x-small">Wolfgang Schäuble,</span> Bundesinnenminister<br />
(CDU), zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de.<br />
</span></b><b><span style="font-size: x-small">Er beantwortete Fragen zum<br />
Ausgang der Landtagswahlen, zum umstrittenen hessischen Einbürgerungstest<br />
und zu einem möglichen Einsatz der Bundeswehr bei der bevorstehenden<br />
Fußball-WM.</span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Heute begrüßen<br />
wir im ARD-Hauptstadtstudio Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble.<br />
Herr Schäuble hat zuletzt besonders zu den Themen Zuwanderung<br />
und den Einsatz der Bundeswehr bei der bevorstehenden Fußball-WM<br />
Stellung bezogen. Selbstverständlich ist unser Chat auch heute<br />
wieder für Fragen aus anderen Themenbereichen offen. Herr Schäuble,<br />
können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Bitte, ja.
</p>
<p>
<b>Musgries:</b> Herr Schäuble, nach knapp vier<br />
Monaten der neuen Bundesregierung werden nun langsam auch die Themen<br />
angegangen, die für Konflikte innerhalb der großen Koalition<br />
sorgen. Welche Themen gehören dazu und wo sehen Sie die größten<br />
Differenzen gegenüber der SPD?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Wir haben ja die Gesundheitsreform<br />
bei den Koalitionsverhandlungen zurückgestellt, weil wir dort<br />
große Unterschiede haben. In dieser Woche beginnen die Gespräche<br />
zwischen CDU/CSU und SPD. Außerdem müssen wir den Arbeitsmarkt<br />
weiter flexibilisieren und in absehbarer Zeit muss der Finanzminister<br />
mit den Arbeiten an der Unternehmenssteuerreform beginnen.
</p>
<p>
<b>Uli12: </b>Hallo Herr Schäuble. Wie bewerten<br />
Sie den Ausgang der Landtagswahlen am Sonntag?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> In Baden-Württemberg<br />
gut, in Sachsen-Anhalt auch gut, in Rheinland-Pfalz sind wir natürlich<br />
traurig. Aus der Sicht der Bundesregierung wird man allerdings sagen<br />
können, dass alle drei Landtagswahlergebnisse eher eine Bestätigung<br />
der Politik von Angela Merkel sind.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Auch wenn Rot und Schwarz hat in absoluten<br />
Zahlen verloren haben?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> In absoluten Zahlen haben<br />
alle verloren, weil die Wahlbeteiligung so traurig niedrig ist.<br />
Aber das hat wohl auch damit zu tun, dass weniger Streit, der von<br />
allen immer gefordert wird, im Ergebnis zu weniger Wahlbeteiligung<br />
führt.
</p>
<p>
<b>Lennox:</b> Sehr geehrter Herr Schäuble, verstehen<br />
Sie, warum es eine Opposition zur Einführung von Einbürgerungstests<br />
gibt? Sollte das nicht eines der normalsten Dinge sein?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Dass es unterschiedliche<br />
Auffassungen, also Opposition gibt, ist völlig normal. Dass<br />
man vor Erwerb der Staatsangehörigkeit etwas davon wissen sollte,<br />
was diese Staatsangehörigkeit ausmacht, scheint mir auch normal<br />
zu sein. Für viele Dinge müssen wir unsere Fähigkeiten<br />
nachweisen, warum nicht für den Erwerb der Staatsangehörigkeit.
</p>
<p>
<b>E-Woman:</b> Hallo Wolfgang, durch die Möglichkeit<br />
des Trainierens von Antworten ist der Einbürgerungstest doch<br />
wenig aussagekräftig. Wo wird da die Geisteshaltung geprüft?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Auch mit dem Trainieren<br />
von Antworten lernt der Bewerber etwas über unser Land. Und<br />
das ist der Sinn der Sache.
</p>
<p>
<b>S.Haber:</b> Können Sie mir zwei deutsche Mittelgebirge<br />
nennen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Den Harz und den Schwarzwald.
</p>
<p>
<b>pompardine:</b> Hallo Herr Schäuble! Ich halte<br />
die Einbürgerungstests ja an sich für eine gute Idee,<br />
aber wenn man sieht, dass nicht mal Deutsche, vor allem Schüler,<br />
diese Fragen zum größten Teil beantworten können,<br />
fange ich an zu zweifeln! Was denken Sie darüber?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die Vorbereitung auf einen<br />
solchen Test führt dazu, dass man etwas lernt, was man bisher<br />
nicht weiß. Auf die Weise bekommt man Kenntnisse von unserem<br />
Land, die jemand, der hier geboren und aufgewachsen ist, so nicht<br />
nachzuweisen braucht.
</p>
<p>
<b>michael schäfer:</b> Ich komme aus Berlin und<br />
mich bewegt die mögliche Abschiebung der Familie Aydin. Die<br />
Familie lebt schon lange hier und ist gut integriert. Die 17-jährige<br />
Tochter Hayriye wurde letzte Woche sogar von Bundespräsident<br />
Horst Köhler für ihr soziales Engagement ausgezeichnet.<br />
Gibt es für diese Familie noch Hoffnung?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Zuständig für<br />
die Entscheidung ist das Land, nicht die Bundesregierung. Deswegen<br />
muss ich mich etwas zurückhalten. Das Problem liegt darin,<br />
dass die Eltern, soweit ich es verstanden habe, früher falsche<br />
Angaben gemacht haben. Ob man deshalb ein Kind, das hier lange aufgewachsen<br />
ist, abschieben muss, das ist genau das Problem.
</p>
<p>
<b>CDUwähler:</b> Wäre ein Bewerbungsgespräch,<br />
in dem entsprechende Fragen gestellt werden, nicht geeigneter um<br />
eine richtige Haltung gegenüber unseren Werten zu überprüfen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das ist der Weg, den zurzeit<br />
Baden-Württemberg geht. Nun müssen die Länder ihre<br />
Erfahrungen austauschen, um zu einer gemeinsamen Position zu kommen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist Deutschland nun eigentlich ein<br />
Einwanderungsland oder nicht?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble: </b>Ich kann mit dem Begriff<br />
nicht viel anfangen, weil unterschiedliches darunter verstanden<br />
wird. Natürlich findet ständig Einwanderung nach Deutschland<br />
statt. Aber klassische Einwanderungsländer sind solche, die<br />
sich die Menschen aussuchen, die zu ihnen kommen dürfen. Und<br />
das war bisher nicht die Situation in Deutschland.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch einmal zur niedrigen Wahlbeteiligung:
</p>
<p>
<b>Werner11:</b> Welche Ursachen hat diese Politikverdrossenheit?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich weiß nicht,<br />
ob es Politikverdrossenheit ist. Man könnte ja auch unterstellen,<br />
die Leute seien mit den Verhältnissen so zufrieden, dass sie<br />
nicht einmal zur Wahl gehen wollen. Das ist dasselbe Problem, wie<br />
die Debatte über Streit oder Konsens. Auf der einen Seite sagen<br />
die meisten, die Parteien sollten nicht so viel streiten sondern<br />
mehr an einem Strang ziehen. Aber wenn sie dann in einer großen<br />
Koalition zusammenerarbeiten wird gesagt, mangels Alternativen sei<br />
es ja langweilig.
</p>
<p>
<b>Student-xy:</b> Guten Tag! Andere Staaten haben bereits<br />
Einbürgerungstests, in wie weit kann Deutschland auf die Erfahrung<br />
dieser für sich selber zurückgreifen beziehungsweise sich<br />
mit diesen Staaten austauschen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wir tun das. Und in der<br />
Tat berufen sich die Befürworter von Tests auf die positiven<br />
Erfahrungen anderer Länder.
</p>
<p>
<b>Monne:</b> Oftmals verlassen Politiker die Diskussionsrunde,<br />
wenn Rechtsradikale anfangen zu reden. Wann gibt es endlich eine<br />
Offensive, in welcher dem Radikalismus inhaltlich die Argumente<br />
genommen werden und zwar spürbar in der ganzen Bundesrepublik?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble: </b>Ich finde, die Wahlergebnisse<br />
vom letzten Sonntag zeigen, dass wir in der Bekämpfung des<br />
Rechtsradikalismus erfolgreich sind. Entgegen manchen Befürchtungen<br />
sind sie überall klar an der 5 Prozent-Grenze gescheitert.<br />
Und das ist der beste Weg, Rechtsradikale zu bekämpfen: Dafür<br />
zu sorgen, dass sie keine Unterstützung in der Bevölkerung<br />
finden.
</p>
<p>
<b>Wenzel:</b> So bekämpfen wir sie auf der politischen<br />
Schiene, aber wie wollen sie rechtsradikale Jugendliche von ihrem<br />
falschen Weg abbringen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Durch Argumente, durch<br />
Vermittlung von politischen Inhalten, die nicht radikal sind und<br />
durch öffentliche Ächtung von Rechtsradikalismus.
</p>
<p>
<b>admiralitaet:</b> Welche Legitimation hat eine Landesregierung<br />
bei unter 50 Prozent Wahlbeteiligung?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wahlen sind Wahlen. Wer<br />
nicht wählt, trifft auch eine Entscheidung &#8211; und akzeptiert,<br />
dass die Mehrheit der anderen verbindlich ist. Das ist das Grundgesetz<br />
der Demokratie. Im Übrigen müssen diejenigen, die nicht<br />
wählen, sich die Frage stellen, wie es mit ihrem Demokratieverständnis<br />
steht.
</p>
<p>
<b>TKS: </b>Hallo Herr Schäuble. Ich würde<br />
Sie gerne fragen, ob es nicht auch andere Möglichkeiten gibt,<br />
um zu &quot;messen&quot;, wie gut sich eine eingewanderte Person/Familie<br />
in unserer Gesellschaft integriert (hat)?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Natürlich gibt es<br />
viele Möglichkeiten. Bei vielen stellt sich die Frage gar nicht.<br />
Aber bei denjenigen, die eben nicht mit dem deutschstämmigen<br />
Teil der Bevölkerung kommunizieren ist es schon richtig, ein<br />
bisschen genauer danach zu schauen, ob sie denn überhaupt mit<br />
uns zusammen leben wollen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was halten Sie vom Vorschlag Stoibers,<br />
sich am Modell USA zu orientieren, sprich: Interviews mit anschließenden<br />
Prüfungen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das ist eine Möglichkeit,<br />
die sich ja nicht nur in den USA gut bewährt.
</p>
<p>
<b>B. Wunden:</b> Zur Einwanderung: Wäre es nicht<br />
besser, einen europäischen &quot;Verteilungsschlüssel&quot;<br />
einzuführen? Denn schließlich halten Italien und Spanien<br />
mit ihrer Arbeit illegale Einwanderer auch davon ab nach Deutschland<br />
zu kommen.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Es gibt eben Menschen,<br />
die möchten nach Finnland und nicht nach Portugal. Und deswegen<br />
wird es mit einem europäischen Einwanderungsschlüssel<br />
nicht ganz einfach sein. Aber diejenigen, die aus Verfolgung Zuflucht<br />
suchen, die könnten schon solidarisch in Europa verteilt werden.<br />
So wie wir das auch in Deutschland zwischen den Bundesländern<br />
machen.
</p>
<p>
<b>jsmo: </b>Wie stellen sie sich den Bevölkerungsschutz<br />
in 5-10 Jahren vor?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das ist eine etwas umfassende<br />
Frage, denn die Bedrohungen &#8211; sei es durch Naturkatastrophen, sei<br />
es durch neue Epidemien oder auch durch den internationalen Terrorismus<br />
&#8211; sind ungeheuer vielfältig. In einer Zeit, in der sich durch<br />
die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen alle Verhältnisse<br />
rasend schnell ändern, müssen wir immer daran arbeiten,<br />
optimalen Schutz auch gegen neue Bedrohungen zu gewährleisten.<br />
Aber konkret kann man das für die nächsten zehn Jahre<br />
nicht vorhersagen, weil letzten Endes die Zukunft immer ungewiss<br />
ist.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Zwei Fragen mit ähnlichem Tenor:
</p>
<p>
<b>Heitmann: </b>Herr Schäuble, muss ich bei einem<br />
Bundeswehreinsatz zur Fußball-WM etwa an schwer bewaffneten<br />
Soldaten vorbei ins Stadion gehen?
</p>
<p>
<b>PeterPan: </b>Wird die Bundeswehr während der<br />
WM im Inland eingesetzt werden? Ist das wirklich nötig?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Kein Mensch hat je daran<br />
gedacht, die Fußballstadien durch die Bundeswehr zu schützen.<br />
Worum es geht ist, dass die Bundeswehr bestimmte Fähigkeiten,<br />
die nur sie hat, etwa im ABC-Schutz, für den Notfall bereit<br />
hält und zur Verfügung stellt. Darüber hinaus könnte<br />
die Bundeswehr die Polizei an anderer Stelle soweit entlasten, dass<br />
wir notfalls mehr Polizisten für den Schutz der Stadien aber<br />
auch der öffentlichen Plätze, an denen Fernsehübertragungen<br />
stattfinden, zur Verfügung haben.
</p>
<p>
<b>Zweiniger: </b>Wie kann eine ohnehin schon unterdurchschnittlich<br />
finanzierte, nicht polizeilich ausgebildete Bundeswehr während<br />
der Fußballweltmeisterschaft die Polizeiorgane sinnvoll unterstützen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Auf dem Balkan tut sie<br />
das auch, und in Afghanistan ebenso. Warum soll sie das nicht auch<br />
in Deutschland können?
</p>
<p>
<b>Sonne:</b> Wie sicher ist die Fußball-WM, vor<br />
allem das Public Viewing? Was passiert, wenn dort jemand eine Bombe<br />
zündet?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Nach menschlichem Ermessen<br />
ist die Fußball-WM gut geschützt. Aber die Herausforderung<br />
ist angesichts der vielen Public-Viewing Veranstaltungen riesengroß.<br />
Wir müssen alles tun, um zu verhindern, dass eine Bombe gezündet<br />
wird. Aber hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.
</p>
<p>
<b>FLo7: </b>Wie sehen Sie derzeit das Problem der Rechtsradikalität<br />
im Fußball?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Nicht besonders. Schließlich<br />
sind im Fußball so viele Stars aus anderen Kontinenten &#8211; auch<br />
in der Bundesliga &#8211; eingesetzt. So dass die Gefahr von Nationalismus<br />
und Rassismus nicht groß sein kann.
</p>
<p>
<b>syrakuse: Thema Fußball-WM:</b> Wie steht es<br />
um die IT-technische Ausstattung der Polizeien in Bund und Ländern?<br />
Datenaustausch gewährleistet? Insbesondere bei Einsatz an &quot;offenen&quot;<br />
Versammlungsplätzen (Big Screens)?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble: </b>Die Polizeien von Bund<br />
und Ländern sind fortlaufend dabei, ihre technischen Ausstattungen<br />
weiter zu entwickeln. Angesichts der rasanten Entwicklung in der<br />
Informationstechnologie ist man da nie am Ende. Aber für die<br />
Fußball-WM sind wir gut vorbereitet.
</p>
<p>
<b>jsmo: </b>Wenn Bundeswehr zur WM eingesetzt werden<br />
soll, so heißt das, dass die Möglichkeiten und Strukturen<br />
des Schutzes der Bevölkerung in ihrer aktuellen Form nicht<br />
ausreichen &#8211; trifft dies zu und wie soll hier Abhilfe geschaffen<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die Bundeswehr wird nur<br />
das tun, was sie nach dem Grundgesetz darf. Aber das wird sie auch<br />
tun. Da die Fußball-WM Sicherheitsherausforderungen in einer<br />
bisher nicht gekannten Größenordnung stellt &#8211; insbesondere<br />
beim Public Viewing &#8211; ist es ja nur vernünftig, dass alle Verantwortlichen<br />
sich bemühen, das menschenmögliche an Vorkehrungen zu<br />
leisten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Im Zusammenhang mit der Diskussion<br />
um den Einsatz der Bundeswehr bei der WM war oft davon die Rede,<br />
worauf Sie angeblich hinaus wollen: Es war die Rede vom „amerikanischen<br />
Modell“ oder von der Bundeswehr als „stiller Reserve<br />
der Polizei“. Trifft das zu?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die Aufgaben von Polizei<br />
und Bundeswehr sind unterschiedlich. Das bleibt auch in der Zukunft<br />
so. Aber die Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit<br />
sind durch die Entwicklungen in der globalisierten Welt sehr fließend<br />
geworden. War der elfte September 2001 ein Fall der inneren oder<br />
der äußeren Sicherheit? Die UNO hat ihn jedenfalls als<br />
&quot;kriegerischen Akt&quot; gemäß der Charta der Vereinten<br />
Nationen gewertet.
</p>
<p>
<b>Finity: </b>Sind Sie der Meinung, man sollte die Bundeswehr<br />
auch nach der WM in Bereichen der inneren Sicherheit einsetzen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> In dem Sinne, dass die<br />
Bundeswehr dort tätig sein muss. Wo die Möglichkeiten<br />
der Polizei erschöpft sind, halte ich es für richtig,<br />
dafür die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen.
</p>
<p>
<b>pompardine:</b> Wie sicher ist das Verfahren zur Einstellung<br />
der Sicherheitskräfte zur WM hinsichtlich der Herausfiltrierung<br />
von Rechtsradikalen und Hooligans ohne bekannte Vorbestrafung?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Auf bitten des Organisationskomitees<br />
werden diejenigen, die im Stadionbereich tätig sind, anhand<br />
vorhandener Karteien überprüft. Aber wer bisher nicht<br />
auffällig geworden ist, kann dabei auch nicht erkannt werden.
</p>
<p>
<b>Levent: </b>Herr Schäuble, glauben Sie nicht,<br />
dass ein Militäraufgebot zur WM in Deutschland, ein &quot;falsches&quot;<br />
Bild der Deutschen vermittelt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Nein. Es gibt kein Land,<br />
in dem der Einsatz der Armee im Inneren so begrenzt ist wie in Deutschland.<br />
Wenn wir also tun, was alle anderen machen, schaffen wir kein falsches<br />
Bild.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei ähnliche Fragen:
</p>
<p>
<b>UKvsD:</b> Warum wird nicht endlich in Deutschland<br />
eine Berufsarmee eingeführt? Brauchen wir den ganzen Block<br />
von Pflichtdienst und alternativem Zivildienst? Mit einer Berufsarme<br />
würden doch ganz andere Qualitätsmaßstäbe freigesetzt.
</p>
<p>
<b>Browser:</b> Warum gibt es nicht die Berufsarmee?<br />
Ist das bisherige System nicht längst überholt angesichts<br />
neuer Herausforderungen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Im internationalen Vergleich<br />
kann sich die Bundeswehr mit der Mischung aus Berufs- und Zeitsoldaten<br />
und Wehrpflichtigen durchaus sehen lassen. Durch die Wehrpflicht<br />
finden viele überdurchschnittlich qualifizierte Bewerber auch<br />
den Weg in die Laufbahn des Berufs- oder Zeitsoldaten. Im Übrigen<br />
ist durch die Wehrpflicht die Armee in unserer demokratisch verfassten<br />
Gesellschaft gut verankert.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zu den Unruhen in Frankreich:
</p>
<p>
<b>Regierungsinspektor:</b> Welche Maßnahmen können<br />
wir in Deutschland ergreifen, damit solche brenzligen Situation<br />
in Bezug auf die Jugendlichen nicht auch bei uns vorkommen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich glaube die Situation<br />
in Deutschland ist mit der Lage in den französischen Banlieus<br />
nicht zu vergleichen. Aber auch wir werden alles tun müssen,<br />
um die Menschen ausländischer Abstammung möglichst gut<br />
zu integrieren. Was die aktuellen Auseinandersetzungen um die französische<br />
KündigungsschutzGesetzgebung angeht, sehe ich keine Parallelen<br />
zu Deutschland. Im Übrigen haben wir ja die Möglichkeit<br />
von zweijährigen Probezeiten, was Frankreich jetzt einführen<br />
möchte.
</p>
<p>
<b>gengenbach:</b> Überwachungskameras schützen<br />
nicht vor Verbrechen! Dass haben wir ja jetzt bei der Überwachung<br />
der Kanzlerwohnung gesehen. Wie stehen sie dazu?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich habe bisher nicht<br />
gehört, dass in der Kanzlerwohnung ein Verbrechen verübt<br />
worden sei. Im Übrigen haben Videokameras manchmal schon eine<br />
abschreckende Wirkung. Vermutlich wäre etwa die Zahl der Ladendiebstähle<br />
durchaus größer, wenn es keine Videoüberwachung<br />
gäbe.
</p>
<p>
<b>nk: </b>Wie schätzen Sie die Diskussion über<br />
die Abgeordnetengehälter ein? Kollege Merz hat sich ja ausdrücklich<br />
dagegen ausgesprochen.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Friedrich Merz wehrt sich<br />
dagegen, dass Abgeordnete andere Einkünfte offen legen sollen.<br />
Darüber wird das Verfassungsgericht entscheiden müssen.
</p>
<p>
<b>alleswasrechtist: </b>Wie sieht die Zukunft des Beamtentums<br />
aus?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wir werden auch in Zukunft<br />
für die Erfüllung hoheitlicher Aufgaben ein leistungsfähiges<br />
Beamtentum brauchen, mit dem wir in der Vergangenheit gut gefahren<br />
sind. Das schließt eine Modernisierung, die im Übrigen<br />
auch immer stattgefunden hat, natürlich nicht aus.
</p>
<p>
<b>nele:</b> Herr Schäuble, ist Bürokratieabbau<br />
für Bürger und Verwaltung noch Ihr Thema?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ja, für die Bürger<br />
schon deswegen, weil sie sich über zuviel Bürokratie zu<br />
recht ärgern. Und deshalb bemühen wir uns auch in der<br />
Verwaltung, möglichst viel Bürokratie abzubauen.
</p>
<p>
<b>Fewnaf: </b>Rente: Wie viel Sinn macht private Vorsorge?<br />
Wenn jemand als Vorsorge fürs Alter ein Haus kauft, kann es<br />
ihm wieder weggenommen werden, wenn er arbeitslos wird. Finden Sie<br />
einen solchen Eingriff des Staates rechtens? Betriebswirtschaftlich/bürokratisch<br />
ist eine solche Maßnahme auf jeden Fall unsinnig, da der Staat<br />
das Haus zwar einkassiert, aber dem arbeitslosen Vorbesitzer Miete<br />
zahlen muss (evtl. sogar für ein anderes Haus).
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich denke, dass das Prinzip<br />
richtig ist, dass die Gemeinschaft der Steuerzahler einem Menschen<br />
nur dann hilft, wenn er selbst nicht in der Lage ist, sich zu helfen.<br />
Deswegen ist private Vorsorge für das Alter durchaus richtig.<br />
Denn es geht ja darum, die gesetzliche Rente zu ergänzen und<br />
dabei wird dann Erspartes nicht angerechnet.
</p>
<p>
<b>sebastian80:</b> Sie wissen, dass das Renten- und<br />
das Krankenversicherungssystem in Deutschland definitiv kollabieren<br />
werden. Die &quot;Korrekturen&quot;, die momentan geplant sind,<br />
verzögern den Zusammenbruch nur. Warum handelt die Politik<br />
seit über 30 Jahren nicht entsprechend? Was kann getan werden,<br />
um die Politik in Deutschland handlungsfähiger und -williger<br />
zu gestalten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Politik handelt fortlaufend,<br />
um unsere gesetzlichen Sicherungssysteme an die demografische Entwicklung<br />
anzupassen. Das ist das eigentliche Problem, dass der Anteil älterer<br />
Menschen &#8211; vor allem auch durch steigende Lebenserwartung &#8211; größer<br />
und der Anteil jüngerer kleiner wird. Gegen diese Veränderung<br />
beziehungsweise die sich daraus ergebenden Konsequenzen gibt es<br />
in der Öffentlichkeit viel Widerstand, weshalb mutige Reformkonzepte<br />
oft vom Wähler nicht belohnt werden. Wenn man entschlossenere<br />
Reformen will, muss man sich mit den politischen Debatten und bei<br />
den Wahlen dafür entsprechend engagieren. Einen anderen Weg<br />
gibt es in der Demokratie nicht.
</p>
<p>
<b>Florian Bott:</b> Noch eine Frage zum Gesundheitssystem:<br />
Welche Reaktion würde die Bundesregierung zeigen, wenn die<br />
Mehrheit der deutschen Ärzte ihre Kassenzulassung zurückgeben<br />
wird, falls den Ärzte-Streik-Forderungen nicht nachgegeben<br />
würde?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich denke, es wir immer<br />
genügend Ärzte geben, die bereit sind, kranken Menschen<br />
zu helfen. Man sollte im Übrigen die Probleme von Ärzten<br />
immer auch ein wenig vergleichen mit den Nöten von Menschen,<br />
die keinen Arbeitsplatz haben.
</p>
<p>
<b>Don_Mulli:</b> Lieber Herr Schäuble, der Spiegel<br />
berichtete kürzlich über die von der damaligen Bundesregierung<br />
zurückgewiesene Überführung des so genannten &quot;Bremer<br />
Taliban&quot; aus Guantanamo. Kann ich mir sicher sein, dass unter<br />
Ihrer Führung die Geheimdienste und das Innenministerium anders<br />
entschieden hätten?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Wir haben uns für<br />
die Freilassung von Herrn Kuraz eingesetzt und auch erklärt,<br />
dass er nach Deutschland zurückkehren kann, obwohl er nicht<br />
die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Ich denke, dass das<br />
bald der Fall sein wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was heiß bald?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das kann ich so genau<br />
jetzt nicht sagen. Aber die Bundeskanzlerin hat ja auf ihre Bitte<br />
nach Freilassung eine positive Reaktion der amerikanischen Seite<br />
erfahren.
</p>
<p>
<b>Marcel_Goette:</b> Sehr geehrter Herr Dr. Schäuble,<br />
es gibt Diskussionen, nach denen die Legislaturperiode des Bundestags<br />
auf fünf oder mehr Jahre verlängert werden soll. Halten<br />
Sie dies für richtig?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich persönlich finde<br />
vier Jahre ausreichend, aber fünf Jahre ist auch okay. Von<br />
einer längeren Zeitspanne habe ich nicht gehört.
</p>
<p>
<b>olivares:</b> Werden während der WM Mannschaftsquartiere<br />
wie USA, Iran, Saudi-Arabien besonders geschützt?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Alle Mannschaftsquartiere<br />
werden besonders geschützt. Und natürlich gibt es besonders<br />
gefährdete Mannschaften, zu denen die von Ihnen genannten gehören.<br />
Auf diese wird dann besonders aufgepasst, hoffentlich.
</p>
<p>
<b>Helmuth Bohl:</b> Sehr geehrter Herr Dr. Schäuble,<br />
wird es in Deutschland je eine Vereinfachung des Steuersystems geben?<br />
Können Sie eine Schätzung in Jahrzehnten abgeben, bis<br />
wann damit gerechnet werden kann?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich hoffe noch in diesem<br />
Jahrzehnt.
</p>
<p>
<b>Debattant:</b> Sehr geehrter Herr Bundesminister Dr.<br />
Schäuble. Seit der Ablehnung der EU-Verfassung bei den Referenden<br />
in Frankreich und den Niederlanden steckt Europa in der Krise. Welche<br />
Perspektive hat der europäische Integrationsprozess? Sollte<br />
Ihre Idee eines Kerneuropas wiederbelebt werden?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das kann sein, dass es<br />
dazu kommt. Ich denke, wir müssen uns nach der Einführung<br />
der europäischen Währung in den nächsten Jahren vor<br />
allem darauf konzentrieren, in der Außen- und Sicherheitspolitik<br />
neue europäische Gemeinsamkeit zu entwickeln. Wenn die Menschen<br />
in Europa begreifen, dass europäische Einigung für unser<br />
aller Sicherheit notwendig ist, werden wir auch wieder mehr Zustimmung<br />
für das europäische Projekt bekommen und so die gegenwärtige<br />
Krise überwinden können. Das wird allerdings auch notwendig<br />
sein, dass sich die europäische Ebene nicht in alle Bereiche<br />
einmischt. Vermutlich, werden auf diesem Weg einige europäische<br />
Länder voran gehen in der Hoffnung, dass die anderen später<br />
nachfolgen. Das kann man dann, wenn man will, als Kerneuropa bezeichnen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum möglichen Kongo-Einsatz:
</p>
<p>
<b>JFK:</b> Die Bundesrepublik steht finanziell sehr<br />
schlecht da. Warum müssen ausgerechnet wir den größten<br />
Teil der Soldaten stellen? Wer trägt die Kosten? Kann nicht<br />
die Weltpolizei Großbritannien sich auch beteiligen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Das ist ein gemeinsamer<br />
europäischer Einsatz, bei dem wir keinen größeren<br />
Anteil tragen, als unserem Verhältnis in Europa entspricht.<br />
Die Briten machen übrigens in Afghanistan sehr viel mehr als<br />
wir.
</p>
<p>
<b>Regierungsinspektor:</b> Energiepolitik: Wir streben<br />
in Europa eine gemeinsame Energiepolitik an, wie sieht dann der<br />
faktische Verzicht von Atomstrom aus?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich halte davon wenig.<br />
Weil ja die anderen Länder überall auf der Welt nicht<br />
auf die friedliche Nutzung der Kernenergie verzichten wollen. Insofern<br />
ist ein nationaler Alleingang immer problematisch. Aber in der Frage<br />
haben die beiden Partner der großen Koalition unterschiedliche<br />
Vorstellungen.
</p>
<p>
<b>UN-Beobachter:</b> Kann die EU langfristig ein Instrument<br />
der kollektiven Sicherheit darstellen, das der NATO Aufgaben abnehmen<br />
kann (auch operativ)? Eigentlich sollte die NATO als Verteidigungsbündnis<br />
keine Krisenbewältigung durchführen. Ist das eine Lücke<br />
für die EU?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die EU kann teilweise<br />
Aufgaben wahrnehmen, die sonst auch die NATO machen könnte.<br />
Auf dem Balkan tut sie das schon. Aber auch die NATO werden wir<br />
zur Krisenbewältigung brauchen, weil in der NATO Europäer<br />
und Amerikaner zusammengeschlossen sind. Mit dem Ende des Kalten<br />
Kriegs haben sich die Bedrohungslage und damit auch die Einsatznotwendigkeiten<br />
für die NATO grundlegend verändert.
</p>
<p>
<b>s:</b> Herr Schäuble, WM, Kongo, Afghanistan,<br />
Balkan: Stößt die Bundeswehr nicht langsam an ihre Grenzen?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die Bundeswehr ist durch<br />
die vielen Einsätze stark belastet. Aber beispielsweise in<br />
Kongo ist nur ein kleines Kontingent vorgesehen, von nur vier Monaten.
</p>
<p>
<b>Horace T. West:</b> Laut „Spiegel“ hat<br />
die Bundesrepublik im Korruptionsranking weiter an Boden verloren.<br />
Welche Maßnahmen gedenkt der Innenminister zu ergreifen, um<br />
der Korruption in unserem Land Einhalt zu gebieten? Abgesehen davon,<br />
dass es oft bei uns als Kavaliersdelikt angesehen wird, ist ja wohl<br />
das wichtigste Problem, dass man hierzulande nicht mit allzu intensiver<br />
Strafverfolgung rechnen muss.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die Strafverfolgungsbehörden<br />
der Länder, die dafür zuständig sind, verfolgen Korruption<br />
mit großem Nachdruck und wachsendem Erfolg. Wir haben die<br />
Gesetze zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität allgemein<br />
verstärkt und das ist auch nicht ohne Wirkung geblieben.
</p>
<p>
<b>Browser:</b> Herr Schäuble, wie unterstützt<br />
die deutsche Bundesregierung die Opposition in Weißrussland?<br />
Welche Maßnahmen sind ihrer Meinung nach nötig, um ein<br />
auf den Menschenrechten basierendes System zu forcieren?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Die europäische Union<br />
hat ja Sanktionen gegen Weißrussland, wegen der Wahlmanipulation<br />
und der Unterdrückung der Opposition, beschlossen. Daran beteiligt<br />
sich die Bundesrepublik Deutschland. Und es ist auch richtig, dass<br />
wir solche Maßnahmen nicht im nationalen Alleingang, sondern<br />
im europäischen Verbund treffen.
</p>
<p>
<b>JFK:</b> Glauben Sie, unsere Mannschaft wird Weltmeister?
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Als Fußballfan hofft<br />
man immer auf den Erfolg der eigenen Mannschaft. Wunder gibt es<br />
immer wieder und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Viele interessante Fragen sind eingegangen, die wir leider nicht<br />
alle berücksichtigen konnten. Dennoch vielen Dank an alle,<br />
die mitgemacht haben. Besonderen Dank auch an Sie, Herr Schäuble,<br />
dass Sie heute Zeit für unsere User hatten. Nächster Gast<br />
bei uns ist Konrad Schily. Er ist MdB der FDP und wird am Donnerstag,<br />
den 6. April zum tagesschau-Chat ins ARD-Hauptstadtstudio kommen.<br />
Beginnen werden wir pünktlich um 13 Uhr.
</p>
<p>
<b>Wolfgang Schäuble:</b> Ich bedanke mich für<br />
das Interesse und für viele interessante Fragen. Jedenfalls<br />
ist es besser zu diskutieren, als nicht zur Wahl zu gehen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/weniger-streit-wie-von-allen-gefordert-fuehrt-zu-weniger-wahlbeteiligung-150/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Wahlentscheidung fällt bei der gegen-wärtigen politischen Situation schwer&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_wahlentscheidung_faellt_bei_der_gegenwaertigen_politischen_situation_schwerquot-151/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_wahlentscheidung_faellt_bei_der_gegenwaertigen_politischen_situation_schwerquot-151/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Landespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsen-Anhalt]]></category>
		<category><![CDATA[Baden-Württemberg]]></category>
		<category><![CDATA[Rheinland-Pfalz]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Schönenborn]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotdie_wahlentscheidung_faellt_bei_der_gegenwaertigen_politischen_situation_schwerquot-151/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Montag, den 27. März 
2006, war <span style="font-size: x-small">Jörg Schönenborn,</span> Chefredakteur 
des WDR Fernsehens und ARD-Wahlexperte, zu Gast im tagesschau-Chat 
in Kooperation mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen zu 
den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anahlt. 
<span style="font-size: x-small">Er gab Auskunft über die neuesten Methoden der 
Wahlforschung und analysierte die Ergebnisse.</span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small">Am Montag, den 27. März<br />
2006, war <span style="font-size: x-small">Jörg Schönenborn,</span> Chefredakteur<br />
des WDR Fernsehens und ARD-Wahlexperte, zu Gast im tagesschau-Chat<br />
in Kooperation mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen zu<br />
den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anahlt.<br />
<span style="font-size: x-small">Er gab Auskunft über die neuesten Methoden der<br />
Wahlforschung und analysierte die Ergebnisse.</span></span></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Wähler und<br />
Wahl-Interessierte, willkommen zum Tagesschau-Chat. Ihre Fragen<br />
beantwortet heute aus Köln Jörg Schönenborn, Chefredakteur<br />
des Westdeutschen Rundfunks und langjähriger ARD-Wahlexperte.<br />
Einen schönen guten Tag nach Köln und vielen Dank, dass<br />
Sie Zeit für uns haben. Alle kleinen technischen Widrigkeiten<br />
sind beseitigt. Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Ja.
</p>
<p>
<b>Edmund:</b> Sehen Sie durch die gestrigen Wahlergebnisse<br />
die &#8216;Ehre&#8217; der Sonntagsfrage gerettet?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Die war gar nicht<br />
in Frage gestellt. Leider ist da nach der Bundestagswahl viel Falsches<br />
geschrieben worden. Die Prognose von infratest dimap damals war<br />
eine der genauesten, die es bei Bundestagswahlen gab.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Landtagswahlen sind aber häufig<br />
schwieriger. Haben die Meinungsforscher dazugelernt? Die Vorhersagen<br />
waren diesmal &#8211; Umfragen wie Prognosen &#8211; sehr genau.
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn: </b>Wir haben vor zwei<br />
Jahren gemerkt, dass die Sache nicht mehr wirklich gut läuft.<br />
Das war nach der Europawahl. Damals haben wir von der ARD unser<br />
Institut gebeten, methodisch neue Wege zu suchen. Unter anderem<br />
werden für die Prognosen jetzt vier bis fünfmal so viele<br />
Interviews am Wahltag durchgeführt wie vorher. Das Ergebnis<br />
ist für mich als Nicht-Statistiker verblüffend. So auch<br />
gestern. Das schlechteste war, dass bei der CDU in Baden-Württemberg<br />
zwischen Prognose und Ergebnis 0,8 Prozentpunkte liegen. Da kann<br />
man nicht meckern.
</p>
<p>
<b>Student_Berlin:</b> Wurde die Methodik bei Umfragen<br />
geändert?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gibt es auch andere Fragebögen<br />
heute?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Ja, das gilt aber<br />
nur für die Wahltagsbefragung.
</p>
<p>
<b>Obermeyer:</b> Sind Ihre Umfragen im &#8216;Deutschlandtrend&#8217;<br />
wissenschaftlich anfechtbar? Wissenschaftlich fundierte Umfragen<br />
dauern doch Wochen oder Monate?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Nein, für Telefonumfragen<br />
gelten 1000 Interviews als repräsentativ. Es wird sogar viel<br />
veröffentlicht, was eine geringere Basis hat. Wichtig ist aber,<br />
dass die Interviews je nach Stimmungslage über zwei bis vier<br />
Tage verteilt sind. Sonst hätten wir wirklich eher Zufallstreffer.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Zwei mal ähnlich:
</p>
<p>
<b>Coolman:</b> In wie weit beeinflussen die Veröffentlichung<br />
von Prognosen die Wahlbeteiligung? Gibt es dazu Untersuchungen?
</p>
<p>
<b>Makay: </b>Wie sehr können Ihre Umfragen die<br />
Wähler beeinflussen?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Gute Frage. Mich würde<br />
wundern, wenn es nicht viele Wähler gäbe, die die Umfragen<br />
angucken und dann taktisch wählen. Untersuchung darüber<br />
kenne ich nicht. Aber es gibt einen Punkt, der mir immer sehr wichtig<br />
ist: Vor Wahlen macht nicht nur das Fernsehen Umfragen, sondern<br />
auch alle Parteien. Mit dem Unterschied, dass nur unsere veröffentlicht<br />
werden. Bei den Parteien sind die Umfragen aber oft Grundlage politischer<br />
Forderungen und da finde ich es wichtig, dass wir Transparenz herstellen.<br />
Wir veröffentlichen, was die Parteien intern wissen, aber nicht<br />
sagen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Frage nach der persönlichen<br />
Taktik:
</p>
<p>
<b>Sorglos Kunderlund:</b> Haben sie schon mal aufgrund<br />
ihrer eigenen Umfrageergebnisse ihre Wahlentscheidung verändert?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Ja, glaube schon.<br />
Zumindest habe ich daran gedacht.
</p>
<p>
<b>Chatter: </b>Halten Sie es für sinnvoll, noch<br />
eine Woche vor der Wahl (vor allem bei Bundestagswahlen) Umfragewerte<br />
herauszugeben?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Ich gehöre zu<br />
denen, die es für wichtig halten, dass es eine Frist gibt,<br />
in der nichts mehr veröffentlicht wird. Es sind ja nur ARD<br />
und ZDF, die eine Woche vorher Schluss machen. Andere Medien veröffentlichen<br />
manchmal noch freitags oder samstags. Weil Umfragen aber immer einen<br />
Fehlerbereich haben, möchte ich die Verantwortung nicht übernehmen,<br />
mit einer vielleicht extremen Stimmungsschwankung dann die Wahl<br />
beeinflusst zu haben.
</p>
<p>
<b>Ballack:</b> Die Wahlbeteiligung war bei allen Wahlen<br />
erschreckend niedrig. Den Grund dafür sehe ich in den Meinungsumfragen.<br />
Die Wähler glauben zu wissen, wie das Ergebnis aussieht. Ihre<br />
individuelle Beteiligung sehen sie als sinnlos. Wie sehen Sie das?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Mag im Einzelfall<br />
so sein. Aber dann wäre nicht zu erklären, warum die Beteiligung<br />
bei der Bundestagswahl so hoch war. Ich kann die Nichtwähler<br />
aber verstehen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zweimal zum Alter der Nichtwähler:
</p>
<p>
<b>Christian24:</b> Mit knapp über 50 Prozent ist<br />
die Wahlbeteiligung 2006 relativ niedrig &#8211; ist dies in allen Altersgruppen<br />
so oder gibt es eine Altersgruppe, die besonders wenig gewählt<br />
hat?
</p>
<p>
<b>emc2: </b>Die Wahlbeteiligung war ja sehr niedrig,<br />
in Sachsen-Anhalt erreichte sie ein Rekordtief. Haben Sie Werte<br />
darüber, inwieweit junge Leute (nicht) gewählt haben?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Auch ich täte<br />
mich im Moment sehr schwer zu wählen. Ich weiß noch nicht,<br />
was ich von der gegenwärtigen politischen Situation halten<br />
soll. Die Alten sind offenbar Wahltreuer. Aber dafür gibt es<br />
noch keine sicheren Daten.
</p>
<p>
<b>lucie_60: </b>Sollte man nicht auch einmal bei den<br />
Nichtwählern nachfragen, weshalb sie es nicht für notwendig<br />
erachten, zur Wahl zu gehen?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Haben wir gemacht.<br />
Die Vorwahlumfragen richten sich ja nicht an Wähler, sondern<br />
an alle. Hauptgründe waren: &quot;ich kann ja sowieso nichts<br />
verändern&quot; und &quot;ich interessiere mich nicht für<br />
Politik&quot;. Es ist schwer, dem nachzugehen.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Lassen sich bei diesen Umfragen die<br />
Nichtwähler nicht nach Alter aufschlüsseln?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Nein, denn die Daten,<br />
die wir gestern hatten, sind ja in den Wahllokalen erhoben worden.<br />
Das ist das Problem. Wir können nur schätzen, ob besonders<br />
viele Alte oder Junge dabei waren. Muss ja jeweils mit der Bevölkerungsstruktur<br />
abgeglichen werden. Und das geht nicht wirklich verlässlich.<br />
Aber dazu gibt es in ein paar Wochen Daten von den Wahlämtern.
</p>
<p>
<b>FanvonJ?ch?born:</b> Würden Sie sagen, die große<br />
Koalition ist von den Wählern bestätigt worden?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Nein, ganz und gar<br />
nicht. Wenn man SPD und CDU zusammennimmt, haben sie in Rheinland-Pfalz<br />
und Baden-Württemberg verloren. Und wenn man mal rechnet, welcher<br />
Anteil der Wahlberechtigten für die beiden Parteien gestimmt<br />
hat, dann waren es bei der Bundestagswahl noch 60 Prozent und gestern<br />
je nach Land zwischen 25 Prozent und 40 Prozent. Das ist aus meiner<br />
Sicht keine Bestätigung. Rechenhilfe: Bundestagswahl SPD 34<br />
Prozent und CDU Prozent, zusammen 69 Prozent. Bei über 80 Prozent<br />
Wahlbeteiligung sind das mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigten.<br />
So aus dem Kopf. Das war es dazu. Sorry.
</p>
<p>
<b>JohannesHB:</b> Glauben Sie, dass es durch die große<br />
Koalition in Berlin künftig keinen klassischen &#8216;Midterm-Effekt&#8217;<br />
mehr geben wird, also eine &#8216;Abstrafung&#8217; der Bundesregierungsparteien<br />
durch die Wähler an Landtagswahlterminen? 1998-2002 hatten<br />
wir das ja in vielen Landtagswahlschlappen der SPD gesehen.
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Schwer zu sagen. Übersetzt<br />
würde das ja heißen, dass PDS, Grüne und FDP stärker<br />
werden müssten. Die sind aber keine Volksparteien mit weit<br />
geöffneten Armen, wo jeder mal Unterschlupf finden kann. Wird<br />
ein enttäuschter, eingefleischter Christdemokrat mit sozialer<br />
Ader wirklich eine der Parteien wählen können? Wir werden<br />
sicher neue Effekte haben. Aber wer weiß schon, ob es zwischen<br />
Rot und Schwarz so harmonisch bleibt!
</p>
<p>
<b>Postina:</b> Sie sprachen gestern davon, dass Wahlen<br />
bei niedriger Wahlbeteiligung stärker der Beliebigkeit ausgesetzt<br />
sind. Die Radikalen haben allerdings nicht wirklich hinzugewinnen<br />
können. Wie haben Sie das gestern gemeint?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Was ich meine ist:<br />
Wenn es einen Mobilisierungsfaktor gibt, also ein Thema oder eine<br />
starke Person oder Protest gegen eine Regierungsentscheidung, dann<br />
zieht man damit in der gegenwärtigen Situation mehr Wähler<br />
als früher. Es gibt für viele Wähler keine Barrieren<br />
mehr zwischen Union und SPD. Diesen Effekt gab es gestern vor allem<br />
bei Kurt Beck. Jemand wie er kann unter anderen Umständen in<br />
einem Land wie Rheinland-Pfalz keine absolute Mehrheit bekommen!<br />
Nachtrag: Die DVU war vermutlich erfolglos, weil sie kein Mobilisierungsthema<br />
hatte. Mal angenommen, es gäbe demnächst weitere harte<br />
soziale Einschnitte und die DVU würde das im Herbst in Berlin<br />
oder Mecklenburg-Vorpommern zum Thema machen, dann &#8211; fürchte<br />
ich &#8211; wäre es ein leichtes für sie, einiges an Wählern<br />
einzusammeln.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal in Sachen Kurt Beck: Also<br />
gibt es das Südwest-Landesvater-Phänomen?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Absolut. Wie aus einer<br />
anderen Zeit.
</p>
<p>
<b>Ginfizz: </b>Wie erklären Sie sich den Einbruch<br />
der FDP in Sachsen-Anhalt?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Cornelia Pieper hatte<br />
vor der letzten Wahl mit riesigen Plakaten versprochen, im Land<br />
zu bleiben. Das hat sie nicht getan. Und darüber gab es in<br />
Sachsen-Anhalt große Enttäuschung. Außerdem scheinen<br />
viele dort nach dem Motto zu wählen: &quot;Alles mal probieren&quot;.<br />
Nirgendwo in den Neuen Ländern ist die Parteibindung so gering.<br />
Und beim letzten mal fanden viele die Pieper gut und haben gesagt,<br />
ich probiere das mal.
</p>
<p>
<b>Ossi: </b>Wann haben meine Landskollegen in Sachsen-Anhalt<br />
dass dann durch und was machen sie danach?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Ich glaube, die sind<br />
Trendsetter. Im Westen gibt es immer mehr, die das genauso sehen.<br />
Und noch ein Nachsatz zu den Nichtwählern. Früher war<br />
das eine feste Gruppe: Niedrige Bildung, kein politisches Interesse.<br />
Heute gibt es vor allem &#8211; aber nicht nur im Osten &#8211; viele Nichtwähler,<br />
die nach reiflicher Überlegung fernbleiben. Nichtwählen<br />
als Wahlentscheidung!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gibt es für die besonders geringe<br />
Wählerbindung in Sachsen-Anhalt einen besonderen Grund? Schlechte<br />
Erfahrungen oder so etwas?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Vielleicht Aussichtslosigkeit.<br />
In unseren Umfragen vor der Wahl wurde klar, dass viele überhaupt<br />
keine Chance sehen, dass das Land etwa bei den Arbeitsplätzen<br />
Anschluss findet. Wenn mir das aber am allerwichtigsten ist, und<br />
wenn ich keiner Partei zutraue, da was zu reißen, was mache<br />
ich dann? Zuhause bleiben kann da eine sehr rationale Entscheidung<br />
sein.
</p>
<p>
<b>Gmorrk: </b>Ergänzung zu meiner Frage „West-Ost<br />
Gefälle“ Land-Bundestagswahl, West = Personenwahl, Ost<br />
= Programmatik, Themenwahl? Existiert so etwas?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn</b>: So etwas existiert<br />
nach meiner Überzeugung. Aber mir ist nicht aufgefallen, ob<br />
das in Ost und West jeweils anders ist. Meine These: 1998 war eine<br />
Stimmungswahl, neu und jung gegen alt und abgenutzt, eine Generationenfrage.<br />
2002 war vor allem eine Personenwahl &#8211; Schröder gegen den Rest<br />
der Welt und 2005 war eine Themenwahl. Wer sorgt für Arbeit?<br />
Egal, wer da später den Kanzler macht. Nachtrag: Auch im Osten<br />
gab es Personenwahlen: Platzeck in Brandenburg ist nicht wegen der<br />
SPD gewählt worden, sondern weil die Leute ihn dort mögen.
</p>
<p>
<b>Gauss:</b> Herr Schönenborn, bei der BTW hieß<br />
es noch, die Bedeutung der großen Volksparteien würde<br />
abnehmen und eine sich diversifizierende Parteienlandschaft (wie<br />
beispielsweise in Italien) wäre die Zukunft für Deutschland.<br />
Wie ist Ihre Meinung dazu?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Langfristig glaube<br />
ich daran. 1976 haben zusammen genommen über 90 Prozent SPD<br />
oder CDU gewählt, zuletzt noch knapp 70 Prozent. Volksparteien<br />
haben die Eigenschaften, Positionen vom einen Ende bis fast zum<br />
anderen des Meinungsspektrums zu vertreten. Das funktioniert in<br />
einer Zeit, wo der politische und gesellschaftliche Status Quo sich<br />
kaum verändert und Veränderungen immer im Kompromiss erreicht<br />
werden. Ich habe Zweifel, dass unser Land heute, mit solchen Entscheidungen<br />
noch weiterkommt. Deshalb laufen auch die Volksparteien Gefahr,<br />
dass ihre jeweilige Mitte immer breiter wird und die Ränder<br />
verloren gehen.
</p>
<p>
<b>Gast2: </b>Würden Sie sagen, dass die großen<br />
Volksparteien ein Auslaufmodell sind?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Das fände ich<br />
übertrieben. Ich finde ja auch, dass sie wichtig sind. Sie<br />
leisten eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Sie sind ein Forum,<br />
in dem sich Meinungen reiben können. Das braucht Politik! Sie<br />
sind gefährdet, aber wir sprechen über einen Prozess,<br />
der in Jahrzehnten und nicht in Jahren spielt.
</p>
<p>
<b>DoktorM:</b> Ihre Eingangsfrage hat mich nachdenklich<br />
gemacht. Woran orientiert sich der &#8216;gemeine Wähler&#8217;? An irgendwelchen<br />
Versprechungen der Parteien oder am sympathischen &#8216;Äußeren&#8217;<br />
der Kandidaten? Ich bin normalerweise nicht ängstlich, aber<br />
ich sehe keine glasklaren Strukturen, für die man sich entscheiden<br />
soll. Ob das das Problem ist?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Ich glaube ja, dass<br />
wir als Wähler so ticken, wie im Leben auch. Es gibt Figuren,<br />
die für uns wichtig sind, die wir mögen, bewundern. Auch<br />
wenn wir nicht immer sagen können, warum. Ganz sicher brauchen<br />
Parteien Personen, die überzeugen. Ob wir dann am Ende die<br />
X-Partei wählen, weil uns Frau Y sympathisch ist, oder weil<br />
sie kluge Argumente hat, weiß man das immer?
</p>
<p>
<b>Engelbert:</b> Würden Sie zustimmen, dass die<br />
&#8216;Typen&#8217; wie Strauss oder Wehner den Wählern heute abgehen?<br />
Glauben Sie, die Wähler wollen den Einheitspolitiker wirklich<br />
oder sehnt sich der Wähler nach kantigen Persönlichkeiten?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Jede Zeit hat ihre<br />
Typen. Strauß zum Beispiel wäre heute angesichts seiner<br />
dubiosen Geschäftsmethoden und seines Alkoholkonsums in der<br />
Politik undenkbar. Politiker haben es schwerer, heute zu bestehen,<br />
weil das Fernsehen sie jeden Tag verfolgt. Aber ich kenne schon<br />
Politiker, die mich auch nach langer zeit noch überzeugen.
</p>
<p>
<b>Micha84:</b> Herr Schönenborn, welches Ergebnis<br />
hat sie gestern am meisten überrascht?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Klingt jetzt blöd,<br />
aber eigentlich war ich nicht sooo überrascht. Ich hätte<br />
vielleicht mit der absoluten Mehrheit für Öttinger noch<br />
gerechnet.
</p>
<p>
<b>augenring-alarm:</b> Wie beurteilen Sie das Abschneiden<br />
der Rechtsextremen in den Landesparlamenten? Ist der politische<br />
Extremismus auf dem Rückzug?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Würde ich so<br />
nicht sagen. Es gibt da viele Gründe. Einer ist, dass viele<br />
Wähler noch wissen, dass die DVU im Landtag nichts gebracht,<br />
nicht mal gearbeitet hat. Ein anderer &#8211; hab ich oben schon gesagt<br />
-, dass es kein Protestthema gab. Das letzte Mal waren Republikaner<br />
und DVU erfolgreich dank Hartz IV. So was kann wiederkommen.
</p>
<p>
<b>Bild_nichtleser:</b> Guten Tag. Welche Auswirkung<br />
hat die Berichterstattung der BILD-Zeitung über Diäten<br />
und Altersbezüge von Politikern sowie angeblicher &#8216;Abzocke&#8217;<br />
der Bürger auf die Stimmung unter den Wählern. Kann man<br />
das erheben?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Schwer, so etwas zu<br />
erheben. Es trägt zu einer Grundstimmung bei: „Die sind<br />
alle gleich und stopfen sich die Taschen voll“ (was ich überhaupt<br />
nicht so sehe!!). Wenn sie drauf hinaus wollen, ob viele Leute deshalb<br />
zuhause bleiben: Kann ich Ihnen wirklich nicht verlässlich<br />
sagen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Im Chat mit Peter Harry Carstens kam<br />
vergangene Woche von mehreren Usern der Vorwurf, die Union setze<br />
das Thema Einbürgerungstests vor den Wahlen bewusst, um am<br />
rechten Rand Stimmen zu fischen. Funktioniert so etwas?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Da ist was dran. Die<br />
haben damit eine Stimmung getroffen. Und dass das vor den Wahlen<br />
kam, ist kein Zufall. Aber das Thema zieht nicht nur am rechten<br />
Rand (wo man sicher härtere Forderungen stellt), sondern im<br />
Südwesten auf jeden Fall auch in der bürgerlichen Mitte.<br />
Knapp 70 Prozent finden Fragebögen für Moslems in Baden-Württemberg<br />
richtig.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zweimal Grüne spezial:
</p>
<p>
<b>Molly: </b>Wissen Sie eine mögliche Erklärung<br />
dafür, warum die Grünen es in Rheinland–Pfalz nicht<br />
in den Landtag geschafft haben?
</p>
<p>
<b>Gast2: </b>Wie kann man zum Beispiel das starke Abschneiden<br />
der Grünen in Baden-Württemberg erklären?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn:</b> Die sind dort sehr<br />
bürgerlich und hatten ein Thema: Sie sind gegen längere<br />
Nutzung der AKW, wovon es dort sehr viele gibt. Zu Rheinland-Pfalz:<br />
Kollegen aus Mainz sagen, dass die Spitzenkandidatin nicht sehr<br />
stark gewesen sei und Beck ist als alter Gewerkschafter für<br />
viele Grüne gut wählbar. Außerdem: keine noch so<br />
ferne Regierungsperspektive für die grünen in Rheinland-Pfalz.<br />
Das schreckt Realos ab.
</p>
<p>
<b>Ossi: </b>Herr Schönenborn. Geben Sie dem Bündnis<br />
von PDS und WASG eine Chance?
</p>
<p>
<b>Jörg Schönenborn: </b>Wenn ich richtig im<br />
Bilde bin, wird es daraus wohl nix &#8211; oder? Liebe Chatter, es ist<br />
halb vier. Muss leider Schluss machen. Danke, spannende Fragen.<br />
Hat mir Spaß gemacht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Zeit ist um. Vielen Dank für<br />
Ihr Interesse und Dank an Herrn Schönenborn für den Chat!<br />
Das Protokoll des Chats finden Sie wie gewohnt in Kürze auf<br />
tagesschau.de und politik-digital.de. Morgen stellt sich Bundesinnenminister<br />
Wolfgang Schäuble ab 13.45 Uhr der Diskussion über großkoalitionäre<br />
Politik, Einbürgerungs- und Sicherheitsfragen. tagesschau.de<br />
und politik-digital.de wünscht allen Beteiligten noch einen<br />
schönen Tag!
</p>
<p><b>Jörg Schönenborn:</b> Danke und Tschüß. </p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_wahlentscheidung_faellt_bei_der_gegenwaertigen_politischen_situation_schwerquot-151/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ein bundeseinheitlicher Einbürgerungstest ist sinnvoll&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/ein-bundeseinheitlicher-einbuergerungstest-ist-sinnvoll-152/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/ein-bundeseinheitlicher-einbuergerungstest-ist-sinnvoll-152/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Einbürgerungstest]]></category>
		<category><![CDATA[Föderalismusreform]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Harry Carstensen]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/ein-bundeseinheitlicher-einbuergerungstest-ist-sinnvoll-152/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Dienstag, den 21. März 2006, war 
Peter Harry Carstensen</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b> 
Ministerpräsident von Schleswig-Holstein</b><b>, 
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> 
Er beantwortete Fragen zum hessischen Einbürgerungstest, zur 
Föderalismusreform, zu den anstehenden Landtagswahlen und zu 
Studiengebühren und Bildungspolitik.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Dienstag, den 21. März 2006, war<br />
Peter Harry Carstensen</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b><br />
Ministerpräsident von Schleswig-Holstein</b><b>,<br />
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span><br />
Er beantwortete Fragen zum hessischen Einbürgerungstest, zur<br />
Föderalismusreform, zu den anstehenden Landtagswahlen und zu<br />
Studiengebühren und Bildungspolitik.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Verehrte Politik-Interessierte, herzlich willkommen zum tagesschau-Chat.<br />
Heute stellt sich Peter Harry Carstensen, Ministerpräsident<br />
von Schleswig-Holstein, Ihren Fragen. Sie können Ihre Fragen<br />
jederzeit stellen, wir sammeln und schauen, wie viele wir schaffen.<br />
Peter Harry Carstensen chattet aus Kiel. Einen guten Tag, Herr Ministerpräsident<br />
nach Kiel und die Frage: Können wir beginnen?
</p>
<p class="normal">
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Moin, natürlich<br />
können wir beginnen! Freue mich auf den Chat. Hier war bis<br />
eben gutes Wetter, jetzt fängt es an zu schneien. Ich hoffe,<br />
dass es woanders gut bleibt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das Schöne am Chat: alles wetterunabhängig,<br />
Hauptsache die Strommasten bleiben stehen: beginnen wir damit:
</p>
<p>
<b>isi: </b>Ist ein Fragebogen auf hohem Niveau als Einbürgerungstest<br />
wirklich sinnvoll?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen: </b>Es ist schon notwendig,<br />
dass eine Einbürgerung etwas schwieriger sein wird, als Mitglied<br />
eines Vereins zu sein und ich bin schon dafür, dass es richtig<br />
ist, auch Hürden aufzubauen, um deutlich zu machen, dass man<br />
wirklich den Schritt auch überlegt. Deutsch zu werden heißt,<br />
Teil einer Gesellschaft zu werden, die besondere Werte und Traditionen<br />
hat und pflegt. Es muss auch deutlich gemacht werden, dass man das<br />
will. Ob es nun richtig ist, dass dies ein Test mit 100 Fragen ist,<br />
das kann und sollte man diskutieren.
</p>
<p>
<b>Hansi88:</b> Ich finde, dass Einbürgerungstests<br />
doch nur dann helfen, wenn unsere Politiker selbst diesen Fragen<br />
gewachsen sind?
</p>
<p>
<b>m.d.: </b>Herr Carstensen, können Sie alle Fragen<br />
des hessischen Einbürgerungstests aus dem Stegreif beantworten?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Aus dem Stegreif könnte<br />
ich sie nicht beantworten, aber mit etwas Vorbereitung bekomme ich<br />
das hin. Es geht aber nicht darum, dass man das aus dem Stegreif<br />
beantworten kann, sondern dass man sich mit der Kultur, mit der<br />
Geschichte, mit der Politik des Landes beschäftigt und das<br />
kann man in der Vorbereitung auch tun.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Zweimal zum gleichen Thema:
</p>
<p>
<b>Thommy:</b> Meiner Meinung nach ist der Einbürgerungstest<br />
ja sehr sinnvoll. Aber was bringt der gleiche noch, wenn man eh<br />
schon alles Fragen zuhause vorbereiten kann? Stellt das nicht direkt<br />
den gesamten Sinn dieses Tests in Frage?
</p>
<p>
<b>Minas: </b>Glauben Sie wirklich an den Sinn von Einwanderungstest<br />
in der Form dieses Fragenkatalogs, wenn man bedenkt, dass man schlichtweg<br />
100 Antworten auswendig zu lernen braucht? Wäre die Möglichkeit<br />
individueller Entscheidung (&#8216;Auswahlgespräche&#8217;) nicht besser<br />
als Grundlage?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Also erst einmal habe<br />
ich gesagt, dass man sich bei der Vorbereitung auch mit der Kultur<br />
und der Geschichte eines Landes beschäftigt. Das ist ja auch<br />
Sinn des Tests, dass man sich nicht so einfach anmelden kann wie<br />
bei einem Verein. Aber über das Verfahren sollte sicherlich<br />
noch mal gesprochen und diskutiert werden.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Kommentar von:
</p>
<p>
mulfi: Ich lebe in Kanada und erlebe tagtäglich Einwanderung<br />
in seiner buntesten Form. Deutschland kann sich meiner Meinung nach<br />
endlich mal erlauben, auch die eigenen Wünsche auszudrücken<br />
und durchaus kontrollieren, wen sie ins Land lassen. Ich finde den<br />
Einbürgerungstest absolut in Ordnung.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> und Frage von:
</p>
<p>
<b>Eberhard:</b> Ist es nicht sinnvoller, Sprachkenntnisse<br />
abzufragen?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Das ist eine Voraussetzung.<br />
Es ist nicht so, dass man an der Grenze stehen kann und sagen kann,<br />
ich will Deutscher werden. Schon heute gibt es Voraussetzungen,<br />
nämlich: acht Jahre Aufenthalt, selbst für das Einkommen<br />
sorgen zu können, die Sprache zu beherrschen. Also, es ist<br />
jetzt auch nicht von heute auf morgen möglich, die deutsche<br />
Staatsbürgerschaft anzunehmen und das ist auch gut so. Im Übrigen<br />
stimme ich dem zu, was Mulfi gesagt hat: Wer Deutscher werden will,<br />
hat auch gewissen Ansprüchen zu entsprechen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und noch mal im Doppelpack:
</p>
<p>
<b>Peter: </b>Ich denke, die Tests sind in Ordnung, die<br />
Auswahl der Fragen aber unglücklich. Völlig unverständlich<br />
bleibt aber, warum jedes Bundesland seinen eigenen Katalog aufstellt.<br />
Hier zeigt sich doch nur wieder, wie verwaltungsintensiv der Föderalismus<br />
ist, oder?
</p>
<p>
<b>Schneemann:</b> Sollte so ein Fragebogen nicht Aufgabe<br />
der Bundesregierung sein? Wieso bearbeiten einzelne Länder<br />
dieses Thema?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Im Moment wird das Thema<br />
von einzelnen Ländern aufgegriffen. Es ist aber sinnvoll, dort<br />
ein gemeinsames, abgestimmtes Verfahren zu finden. Es wäre<br />
ja unsinnig, die Staatsbürgerschaft in Rheinland-Pfalz zu beantragen,<br />
weil es dort vielleicht einfacher wäre um dann anschließend<br />
nur über den Rhein zu gehen und in Hessen zu wohnen. Das kann<br />
es ja wohl nicht sein.
</p>
<p>
<b>Janosch:</b> Als zusätzliche Hürde vor der<br />
Einwanderung finde ich den Test nicht schlecht. Wie viel Fragen<br />
in Prozent sollte man denn als Einbürgerungskandidat Ihrer<br />
Meinung nach richtig haben?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Jetzt muss ich den Test<br />
wohl selbst noch mal machen, damit ich selbst weiß, was ich<br />
als Deutscher jetzt schon beantworten kann. Ich habe ja gesagt,<br />
dass man über den Test, über die Art eines Tests sicher<br />
noch einmal diskutieren muss.
</p>
<p>
<b>Lucas: </b>Der beste Zugang zu einer Gesellschaft<br />
ist doch die Sprache. Mir erscheint es so, als wolle die Politik<br />
mit dem Wissenstest den Zugang zur deutschen Staatsbürgerschaft<br />
erschweren. Wer durchfällt ist dann selber Schuld und die Politik<br />
ist fein raus, da sie kein weiteres Geld für Integration und<br />
Deutschunterricht aufwenden muss.
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Das ist nicht der Fall.<br />
Wir werden in Schleswig-Holstein schon im Kindergarten Sprachtests<br />
einführen. Sprache hat etwas mit Integration zu tun. Aber Integration<br />
ist ein Weg, eine Sache von zwei Seiten. Man muss zulassen, dass<br />
integriert wird, man muss helfen, dass integriert werden kann und<br />
man muss Integration auch wollen. Wer nicht Deutsch spricht und<br />
nicht Deutsch sprechen will, zeigt, dass er sich auch nicht integrieren<br />
will.
</p>
<p>
<b>mulfi: </b>In Kanada gibt es Provinzen, wo es einfacher<br />
ist, einzuwandern. Das liegt aber an der wirtschaftlichen Lage der<br />
einzelnen Provinzen. Man versucht in einwohnerschwachen Regionen,<br />
eher zu unterstützen, so dass nicht alle Neuankömmlinge<br />
nach Toronto oder Vancouver gehen. Könnten Sie sich das nicht<br />
auch für Deutschland vorstellen?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen: </b>Das Grundgesetz sieht<br />
eine Freizügigkeit für jeden Deutschen vor. Wer Deutscher<br />
geworden ist, hat das Recht auf diese Freizügigkeit und das<br />
ist auch gut so. Wenn ich richtig informiert bin, ist Kanada etwas<br />
größer als Deutschland. Hier ist das keine Lösung.
</p>
<p>
<b>OW: </b>Schauen wir uns mal zwei Szenarien an. Zum<br />
einen ein &#8216;reicher&#8217; Einwanderer, der in das Land investieren möchte<br />
und zum anderen ein &#8216;Otto-Normal&#8217; Einwanderer, der sich hier eine<br />
Existenz aufbauen will. Könnte es dort Unterschiede geben?<br />
Wie stehen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> In Kanada sind die Investitionen, die<br />
der Einwanderer mitbringt, wohl von Bedeutung. Oder es war so.
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen: </b>Nein, da gibt es überhaupt<br />
keine Unterscheide, weil es hier nicht um Einwanderung geht, sondern<br />
um den Erwerb der Staatsbürgerschaft, die &#8211; wie schon erwähnt<br />
&#8211; auch an andere Voraussetzungen gebunden ist, wie einen achtjährigen<br />
Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gut, vielleicht steht die Einbürgerung<br />
am Ende einer Einwanderung. Aber steht dieses Thema Fragenkatalog<br />
nicht genau für den Umgang mit der Einwanderung?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Nein, das glaube ich nicht.<br />
Hier geht es darum, denjenigen, die hier schon lange leben auch<br />
die Möglichkeit zu geben, auch die deutsche Staatsbürgerschaft<br />
zu erwerben.
</p>
<p>
<b>Porthos: </b>Was ist mit den ausländischen Jugendlichen/Kindern,<br />
wenn die Eltern sich entschließen, die deutsche Staatsbürgerschaft<br />
anzunehmen? Müssen diese dann auch einen Test machen?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Das ist eine schwierige<br />
Frage. Hat sicherlich etwas mit dem Alter zu tun und ob sie hier<br />
zur Schule gehen und unsere Kultur, Wirtschaft und Politik im Unterricht<br />
kennen lernen.
</p>
<p>
<b>krawallier:</b> Wieso muss sie noch erschwert werden,<br />
wenn es sowieso keinen &#8216;Run&#8217; auf die deutsche Staatsbürgerschaft<br />
gibt?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Das hat nichts mit &quot;run&quot;<br />
oder Nachfrage zu tun, sondern mit einem Selbstverständnis<br />
und Selbstbewusstsein der deutschen Nationalität zu tun.
</p>
<p>
<b>Chris1: </b>Welche Probleme hat es denn bisher gegeben,<br />
so dass plötzlich die Einführung von Einbürgerungstests<br />
erwogen wird?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Es geht um Integration.<br />
Und Integration insbesondere dann, wenn auch noch die deutsche Staatsbürgerschaft<br />
angestrebt werden soll. Dann sind Voraussetzungen zu erfüllen.<br />
Und diese Voraussetzungen haben zu tun mit der deutschen Sprache<br />
und der Gesellschaft in die jemand reingehen will. Ich will deutlich<br />
machen, dass es hier nicht um einen Vereinsbeitritt geht, sondern<br />
hier werden Rechte und Pflichten, die sich aus unserem Grundgesetz<br />
ergeben, übernommen.
</p>
<p>
<b>Frühling:</b> Wie sehr kann die Demographie bei<br />
der Diskussion eine Rolle spielen? Es werden immer mehr Kinder geboren.<br />
Wäre da nicht die Alternative ausländischen Bürgern<br />
die Staatsbürgerschaft zu erleichtern, um sie an Deutschland<br />
zu binden?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Leider werden immer weniger<br />
Kinder geboren. Aber ich glaube, das Problem wird noch nicht so<br />
richtig erkannt. Es geht nicht um ein Erschweren oder Erleichtern,<br />
sondern es geht um eine Einbürgerung, um eine Staatsbürgerschaft,<br />
um ein Identifizieren mit dieser Gesellschaft und mit diesem Staat.<br />
Und ich bin doch der Meinung, dass dieses auch abgeprüft werden<br />
muss.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eindeutige Gegenposition von:
</p>
<p>
<b>Hakki Cavus:</b> Der Test hat nichts mit Sprache zu<br />
tun, vielmehr ist enthält es Elemente einer Aufdoktrinierung<br />
einer Gesinnung. Wo bleibt die ach so propagierte Meinungsfreiheit,<br />
die insbesondere bei den Verunglimpfungen eines religiösen<br />
Wertes so sehr gepriesen wurde?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Dann habe ich einen anderen<br />
Test gelesen. Diese Meinung kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.<br />
Ich bin im Übrigen der Meinung, dass wir auch in Deutschland<br />
andere Probleme haben und staune so über den Stellenwert dieser<br />
Diskussion. Ich gehe davon aus, dass in der nächsten Woche<br />
die Diskussion auf einer ganz anderen Basis geführt werden<br />
kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Aus welchem Grund? Weil die Landtagswahlen<br />
dann vorbei sind?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Sicherlich auch.
</p>
<p>
<b>Lilith und Kain:</b> Herr Carstensen, warum ist das<br />
Thema &#8216;Der Ausländer&#8217; für die CDU vor Wahlen so interessant?
</p>
<p>
<b>angie: </b>Was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass Sie<br />
mit Ihren Plänen zu einem Einbürgerungstest am rechten<br />
Rand des politischen Spektrums fischen?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Das ist Unsinn. Gerade<br />
dieser Chat und die Fragen zeigen doch, dass es hier sehr unterschiedliche<br />
Meinungen gibt und die haben nichts mit dem rechten Rand des politischen<br />
Spektrums zu tun. Ich bin hier doch nicht in einem rechten Chat.
</p>
<p>
<b>Wahlausgag:</b> Herr Carstensen. Welche Rolle spielt<br />
der Wahlausgang am kommenden Sonntag für die große Koalition<br />
in der Bundespolitik?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Überhaupt keine.<br />
Die große Koalition ist ein Bündnis der Vernunft, in<br />
Berlin genauso wie in Schleswig-Holstein. Wer sich in Verantwortung<br />
um die Probleme in Deutschland und auch in Schleswig-Holstein kümmert,<br />
der lässt sich<br />
von den Wahlergebnissen überhaupt nicht beeinflussen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Als Landesvater und Großkoalitionär<br />
in Kiel: Was ist der wichtigste Tipp, den Sie Angela Merkel gegeben<br />
haben – oder geben?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Erst einmal dafür<br />
zu sorgen, dass man menschlich miteinander arbeiten kann. Zweitens<br />
dafür zu sorgen, dass die wichtigen Probleme in Verantwortung<br />
und in der richtigen Reihenfolge abgearbeitet werden können.<br />
Drittens den Rücken gerade halten, weil es bei der Lösung<br />
großer Probleme auch Gegenwind geben wird.
</p>
<p>
<b>unknown:</b> Herr Carstensen, eine Frage zur Bildungspolitik:<br />
Die Kompetenz dafür soll vollständig an die Länder<br />
übergeben werden. Macht es wirklich Sinn angesichts von PISA<br />
und Globalisierung gerade auf diesem Gebiet Kleinstaaterei zu betreiben?<br />
Sind Sie der Meinung, dass die Bürger (auch die Schüler)<br />
mit dieser Dezentralisierung der Bildung einverstanden sind?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Es gibt ja die Kultusministerkonferenz,<br />
die die Aufgabe hat, die Bildungspolitik der Länder zu koordinieren.<br />
Aber Kultur ist natürlich in den Ländern unterschiedlich.<br />
Und dem gerecht zu werden und die Vorteile unterschiedlicher Kulturen<br />
herauszuarbeiten, dient die Kulturpolitik der Länder.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und was sagen Sie zum Vorwurf der Kleinstaaterei?<br />
Schließlich ist ein Umzug mit zwei Kindern in unterschiedlichem<br />
Schulalter von Berlin nach München heute schon ein echtes Abenteuer.<br />
Das kann viel Nachhilfeunterricht kosten.
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Das kann ein Problem sein<br />
und diese Probleme müssen minimiert werden. Das hat aber nichts<br />
damit zu tun, ob die Länder ihre Kulturhoheit wahrnehmen oder<br />
nicht. Wenn Sie in Bayern von der Oberpfalz ins Allgäu ziehen,<br />
wenn Sie in Schleswig-Holstein von Nordfriesland nach Stormarn ziehen,<br />
gibt es auch Probleme. Die Länder haben auch ein Interesse<br />
daran, ihre eigenen Bildungsstandards hochzuhalten und nicht gleichmachen<br />
zu lassen. Wettbewerb <br />
kann hier belebend wirken.
</p>
<p>
<b>Migi: </b>Führt diese Kompetenzverteilung nicht<br />
dazu, dass in den Ländern bei einem Regierungswechsel die Schulpolitik<br />
immer wieder neu orientiert und den Vorstellungen der Regierungspartei/<br />
-koalition angepasst wird?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Die Gefahr gibt es in<br />
allen Politikbereichen. Aber ich glaube, wir tun der Schulpolitik<br />
keinen Gefallen, wenn wir weiter an ideologischen Grabenkämpfen<br />
festhalten. Diese werden auf dem Rücken von Schülerinnen<br />
und Schülern ausgetragen. Wir sollten uns vielmehr die demografische<br />
Entwicklung in unseren Regionen ansehen und werden dann feststellen,<br />
dass der Mangel an Schülern uns vor ganz andere Probleme stellen<br />
wird. Und die haben wir pragmatisch zu lösen.
</p>
<p>
<b>manu: </b>Zur Föderalismusreform: Soll die Föderalismusreform<br />
so umgesetzt werden wie sie jetzt ist? Trotz Ihrer Mängel vor<br />
allem im Umweltbereich? Schaffen Sie dadurch nicht &#8216;verfassungswidriges<br />
Verfassungsrecht&#8217;? Es gibt dann zum einen den Rechtsgrundsatz &#8216;Bundesrecht<br />
bricht Landesrecht&#8217; zum anderen die &#8216;Abweichungsgesetzgebung&#8217; der<br />
Länder.
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Wenn die &quot;Abweichungsgesetzgebung&quot;<br />
der Länder im Grundgesetz festgeschrieben ist, dann ist das<br />
natürlich nicht verfassungswidrig. Schleswig-Holstein ist nicht<br />
über alle Regelungen, die vorgeschlagen sind, begeistert und<br />
das haben wir auch deutlich gemacht. Aber es ist notwendig, dass<br />
wir eine Neuordnung der bundesstaatlichen Ordnung bekommen. Es muss<br />
deutlich werden, wer für welche Politikbereiche verantwortlich<br />
ist und wir haben Verantwortlichkeiten in letzter Zeit außerordentlich<br />
stark verwischt.
</p>
<p>
<b>ichdasich:</b> Entschuldigen sie die Zwischenfrage,<br />
aber wo sie gerade so motiviert über Schulpolitik reden &#8211; wann<br />
waren sie das letzte Mal in einer?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Ich habe häufiger<br />
hier Schulklassen hier bei mir und es ist auch erst wenige Wochen<br />
her seit ich eine Schule besucht habe. Aber man muss auch nicht<br />
krank gewesen sein, um zu wissen, wie Gesundheitspolitik gemacht<br />
wird.
</p>
<p>
<b>Guest1617:</b> Erfahrungsgemäß wird jährlich<br />
das Bildungsbudget in den neuen Bundesländern gekürzt.<br />
Ist es aus dieser Sicht sinnvoll, den einzelnen Ländern weitere<br />
Befugnisse zuzusichern?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Ich weiß nicht,<br />
ob die erste Aussage stimmt. Ich kann nur für mein Land reden:<br />
Für uns ist die Bildungspolitik Schwerpunktpolitik. Sie fängt<br />
übrigens nicht erst in der Schule an, sondern sie beginnt schon<br />
im Kindergarten, insbesondere im letzten Kindergarten-Jahr.
</p>
<p>
<b>DerDude:</b> Wäre es nicht auch Konsequent, einige<br />
Bundesländer zusammenzulegen, in Hinblick auf Kosten, demografische<br />
Entwicklung, ausufernde Verwaltung? Haben die Stadtstaaten, z.B.<br />
Bremen und Hamburg heutzutage noch ein Existenzrecht als eigenes<br />
Bundesland?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Unsere Zusammenarbeit<br />
mit Hamburg ist exzellent. Wir tun alles, um noch enger zusammen<br />
zu arbeiten. Aber einen Zusammenschluss <br />
müssen die Bürgerinnen und Bürger entscheiden.
</p>
<p>
<b>endgegner:</b> Was für Änderungen würden<br />
sie noch an der Föderalismusreform vornehmen?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Wir haben Probleme mit<br />
der Neuordnung des Beamtenrechts, mit dem Strafvollzug, den die<br />
Länder übernehmen sollen und wir haben natürlich<br />
Sorgen, dass wir bei der Hochschulförderung den Kürzeren<br />
ziehen könnten.
</p>
<p>
<b>der Wilde:</b> Apropos, was halten sie von der teilweisen<br />
Privatisierungen von Justizvollzugsanstalten wie sie in Hessen teilweise<br />
stattfindet?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Ich halte viel von Privatisierungen.<br />
Aufgabe des Staates ist, für die Sicherheit zu sorgen und auch<br />
für den Strafvollzug zu sorgen. Länder müssen nicht<br />
Eigentümer von Gefängnissen sein, sie müssen dafür<br />
sorgen, dass es Gefängnisse gibt.
</p>
<p>
<b>Fischer:</b> Herr Ministerpräsident, bremst sich<br />
die große Koalition in Kiel nicht manchmal selbst? Sicher,<br />
Sie hätten lieber mit der FDP regiert, aber nehmen interne<br />
Konflikte nicht zu?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Nein. Kommen Sie: Wir<br />
laden Sie ein, diese Koalition einmal zu beobachten. Wer in der<br />
Lage gewesen ist, Haushaltseckwerte im Kabinett zu beschließen,<br />
die einen intensiven Sparhaushalt beschreiben, wie wir das in der<br />
letzten Woche gemacht haben, bei dem kann man nicht von Konflikten<br />
sprechen natürlich haben wir unterschiedliche politische Auffassungen,<br />
aber das Land hat riesige Probleme, die wir auch gemeinsam lösen<br />
können und müssen. Das tun wir.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Da fällt mir ein: Heide Simonis<br />
hat erklärt, sie wisse, wer der &quot;Heide“-Mörder<br />
ist. Wissen Sie es auch?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Nein, ich weiß es<br />
nicht. Und ich gebe gerne zu, mich interessiert es auch außerordentlich<br />
wenig. Bei uns geht es nicht darum, einen Dolch zu suchen, sondern<br />
Hacke und Spaten in die Hand zu nehmen und für das Land zu<br />
arbeiten.
</p>
<p>
<b>Wahlausgag:</b> Der Wahlausgang in Baden-Württemberg<br />
scheint relativ klar an die CDU zu gehen. In RLP bleibt wahrscheinlich<br />
Herr Beck an der Regierung. Welchen Wahlausgang prognostizieren<br />
Sie für Sachen-Anhalt?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Prognosen sind deswegen<br />
immer so schwer, weil sie in die Zukunft gerichtet sind. Deshalb<br />
wage ich mich da nicht ran. Und was ich von Demoskopen halte, sage<br />
ich nach der Wahl in Schleswig-Holstein lieber nicht.
</p>
<p>
<b>tach: </b>Welche Ratschläge geben Sie &#8211; nach<br />
Ihren eigenen Erfahrungen &#8211; Christoph Böhr in Rheinland-Pfalz<br />
auf den Weg?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Siegen wollen und arbeiten<br />
bis zum letzten Tag, bis zur letzten Stunde.
</p>
<p>
<b>timo111:</b> Herr Ministerpräsident: Was halten<br />
sie von dem Vorschlag, Kindergartenplätze umsonst zu Verfügung<br />
zu stellen? Ich bin selbst Gemeinderat und weiß, dass die<br />
Kommunen am Ende wieder die Zahler sind. Was will die Politik noch<br />
alles auf die unterste Ebene abschieben?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Ich halte Kindergartenplätze<br />
gerade in Hinsicht auf die Schulpolitik für außerordentlich<br />
wichtig. Es wäre schön, wenn wir uns das leisten könnten,<br />
insbesondere das letzte Kindergartenjahr für die Eltern kostenfrei<br />
zu gestalten. Mir ist aber sehr bewusst, dass wir uns das als Land<br />
und die meisten Kommunen derzeit nicht leisten können.
</p>
<p>
<b>nordmann:</b> Sind Sie für Studiengebühren<br />
in Schleswig-Holstein und wenn ja, glauben Sie diese mit der SPD<br />
durchsetzen zu können?
</p>
<p>
<b>IngoKiel:</b> Ich bin Student aus der Landeshauptstadt<br />
Kiel und würde gerne kurz und prägnant Ihre Meinung zum<br />
Thema Studiengebühren in Schleswig-Holstein lesen!
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Ich halte Studiengebühren<br />
für dringend geboten. Wir werden allerdings, so steht es im<br />
Koalitionsvertrag, keinen Alleingang machen, aber auch keine Insellösung<br />
zulassen, wenn Studiengebühren in den Nachbarländern eingeführt<br />
werden. Studiengebühren müssen den Universitäten<br />
zugute kommen und dienen nicht dazu, Haushaltslöcher zu füllen.<br />
Voraussetzung ist ein vernünftiges Darlehensystem und ein System<br />
von Stipendien. Keiner darf durch Studiengebühren abgehalten<br />
werden, zu studieren. Kann mir mal jemand verraten, warum Studiengebühren<br />
von Bösem sein sollen? Wohingegen jeder erwartet, dass Kindergartenplätze<br />
durch Eltern finanziert werden müssen?
</p>
<p>
<b>Oskar:</b> Herr Carstensen, ich war enttäuscht,<br />
dass Sie angetreten sind, um Schulden abzubauen und die Staatsverschuldung<br />
brutal erhöht haben. Woher kommt die Füllhornausschüttungslust,<br />
wenn man erst an der Macht ist?
</p>
<p>
<b>Peter Harry Carstensen:</b> Ich weiß nicht,<br />
woher Sie diese Informationen haben. Sie haben sich sicherlich nicht<br />
über Schleswig-Holstein informiert.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine Stunde tagesschau-Chat ist vorbei.<br />
Vielen Dank, Herr Ministerpräsident, dass Sie sich Zeit für<br />
den Chat genommen haben! Es sind noch jede Menge Fragen vorhanden,<br />
aber wir beschränken uns ja auf 60 Minuten. Vielen Dank an<br />
alle interessierten Chatter und noch der Hinweis: Am kommenden Montag<br />
chatten wir am Tag nach der Landtagswahl um 14.30 Uhr mit dem ARD-Wahlexperten<br />
Jörg Schönenborn. Am Dienstag stellt sich dann Bundesinnenminister<br />
Wolfgang Schäuble ab 13.45 Uhr der Diskussion. Das Protokoll<br />
dieses Chats gibt’s in Kürze zum Nachlesen auf den Seiten<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de. Wir wünschen allen<br />
noch einen schönen Tag!
</p>
<p><b>Peter Harry Carstensen:</b> Danke für die Fragen<br />
und die Möglichkeit zu antworten. Beste Grüße aus<br />
Kiel.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/ein-bundeseinheitlicher-einbuergerungstest-ist-sinnvoll-152/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kommentierte Linkliste zur Landtagswahl</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/presseschau/wahlkampflinklistelandtagswahlen060316-shtml-2782/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/presseschau/wahlkampflinklistelandtagswahlen060316-shtml-2782/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Mar 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Landtagswahlen 2006]]></category>
		<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Website]]></category>
		<category><![CDATA[Landespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsen-Anhalt]]></category>
		<category><![CDATA[Baden-Württemberg]]></category>
		<category><![CDATA[Rheinland-Pfalz]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/wahlkampflinklistelandtagswahlen060316-shtml-2782/</guid>

					<description><![CDATA[Die kommentierte Linkliste bietet Ihnen eine Übersicht der Online-Angebote zu den Landtagswahlen 2006. Die einzelnen Bundesländer werden in dieser Reihenfolge aufgeführt: Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Hinweise auf weitere Online-Angebote nehmen wir gerne per 
                            eMail entgegen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Die kommentierte Linkliste bietet Ihnen eine Übersicht der Online-Angebote zu den Landtagswahlen 2006. Die einzelnen Bundesländer werden in dieser Reihenfolge aufgeführt: Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Hinweise auf weitere Online-Angebote nehmen wir gerne per<br />
                            <a href="mailto:redaktion@politik-digital.de">eMail</a> entgegen.</p>
<p><!--break--></p>
<p>
                              <a href="#baw%C3%BC"><br />
                                <strong>Baden-Württemberg</strong><br />
                              </a>
                            </p>
<p>
                              <a href="#rlp"><br />
                                <strong>Rheinland-Pfalz</strong><br />
                              </a>
                            </p>
<p>
                              <a href="#sachsen"><br />
                                <strong>Sachsen-Anhalt</strong><br />
                              </a>
                            </p>
<p class="fett">
                              <a name="bawü" id="bawü">Baden-Württemberg</a>
                            </p>
<p>
                            <a href="http://www.bpb.de/methodik/C2ZLZC,,0,Willkommen_beim_WahlOMat.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Wahl-O-Mat: Baden Württemberg</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Der Wahl-O-Mat, der zur Bundestagswahl 2005 über 5 Millionen Mal gespielt wurde, steht auch für die Landtagswahl in Baden-Württemberg zur Verfügung.</p>
<p>                            <a href="http://www.gesundheitspanel.de/4496_landtagswahlen.php?SES=b05d6590ca6a97a56c1f4ff295b68543" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Wahl-Barometer: Baden Württemberg</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Das Wahl-Barometer für Baden-Württemberg legt dem User zu fünf Themenbereichen Aussagen vor. Die Aussagen sind den Wahlprogrammen der fünf großen Parteien entnommen. Als Ergebnis erhält man eine Graphik, inwieweit man mit den Programmen der verschiedenen Parteien übereinstimmt.</p>
<p>                            <a href="http://www.politik-visuell.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Politik Visuell – Wahlplakate bewerten</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Auf dieser Seite kann der User Wahlplakate zu den Landtagswahlen in Baden-Württemberg mit Schulnoten versehen und kommentieren. Daraus wird eine Top-Ten Hitliste erstellt und das Top-Plakat gekürt.</p>
<p>
                            <a href="http://isic.dm.fh-furtwangen.de/index.php?article_id=159" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Das Auge entscheidet &#8211; Wahlplakten bewerten</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Hier kann man Wahlplakate aus Baden-Württemberg bewerten und hat die Möglichkeit, an einer Forumsdiskussion zu ausgewählten Wahlplakaten teilzunehmen.</p>
<p>
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wahlkampf/wahlchecker_ltw060226.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Wahlchecker zur Landtagswahl in Baden-Württemberg</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Auf dieser Seite kann man die Ergebnisse früherer baden-württembergischer Landtagswahlen schätzen. Anschließend bekommt man ein Ergebnis, um wie viele Prozentpunkte man daneben liegt.</p>
<p>                            <a href="http://www.bpb.de/methodik/V2A7Y4,0,0,Wer_steht_zur_Wahl.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Wer steht zur Wahl?</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Auf dieser Seite der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es Links zur Homepage der Landeswahlleiterin, zur Homepage des Landtages von Baden-Württemberg und einen Link zum Landesamt für Verfassungsschutz.<br />
                            <a href="http://openpr.de/news/75615.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"></p>
<p>                              <strong>Wahlprüfsteine zu Entwicklungs- und Integrationspolitik des Landes</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Auf dieser Seite kann man den Kandidaten zur Landtagswahl in Baden-Württemberg Fragen stellen.</p>
<p>                            <a href="http://www.kandidatenwatch.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Kandidatenwatch</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Auf dieser Seite sind alle Politiker, die für die Landtagswahlen in Baden-Württemberg aufgestellt sind, vertreten, und man kann via E-Mail Kontakt zu ihnen aufnehmen.</p>
<p>                            <a href="http://www.landtagswahl-baden-wuerttemberg.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Auf dieser Seite gibt die Landeszentrale für politische Bildung umfangreiche Informationen zu den Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Unter anderem:<br />
                            <br />
                            <a href="http://www.landtagswahl-baden-wuerttemberg.de/partei/wahlprogramm.php3" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>&#8211; Wahlprogramme</strong><br />
                            </a> der in Baden-Württemberg zur Landtagswahl antretenden Parteien<br />
                            <br />
                            <a href="http://www.landtagswahl-baden-wuerttemberg.de/partei/wahlwerbung.php3" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>&#8211; Wahlplakate</strong><br />
                            </a> der in Baden-Württemberg zur Landtagswahl antretenden Parteien<br />
                            <br />
                            <a href="http://www.landtagswahl-baden-wuerttemberg.de/wahlergebnisse/historie.php3" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>&#8211; Flash-Animation zu den Landtgaswahlen von 1952 bis 2001<br />
                              <br /></strong><br />
                            </a><br />
                            <strong><br />
                              <a href="http://www.landtagswahl-baden-wuerttemberg.de/quiz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8211; Jugendquiz</a><br />
                            </strong> Hier kann man seinen Wahltipp für Baden-Württemberg abgeben und bei richtiger Prognose sogar gewinnen, z.B. einen Besuch im Landtag von Baden-Württemberg.</p>
<p>
                            <a href="http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Wahlen/Landesdaten/#Lwahl" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Statistiken zur Landtagswahl in Baden-Württemberg</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Auf der Seite des statistischen Landesamtes Baden-Württemberg findet man Daten zu Landtagswahlen seit 1952.<br />
                            <br />
                            <a href="http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Wahlen/Landtagswahl_2006/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <br />
                              <strong>Tabellen, Schaubilder und Analysen zu den Landtagswahlen</strong><br />
                              <br />
                            </a>Am Wahlabend kann man auf dieser Seite die vorläufigen Endergebnisse der Landtagswahlen in Baden-Württemberg abrufen. Die Seite bietet Tabellen, Schaubilder, interaktive Karten, Analysen und Vergleichsergebnisse.</p>
<p>                            <a href="http://wahl06.jugendnetz.de/index.php?id=35" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Online-Jugendwahl Baden-Württemberg</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren können hier können hier ihren Landtag wählen. (Wählbar sind die gleiche Parteien, Wählervereinigungen und Personen wie bei der richtigen Landtagswahl.) Man erhält ein Passwort und darf anschließend einmal abstimmen. Das Ergebnis der Jugendwahl wird am Wahltag 18.00 Uhr mit Schließung der Wahllokale veröffentlicht.</p>
<p>
                            <a href="http://www.jugendwahl-bw.de/Rat.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Informationen zur Jugendwahl in Baden-Württemberg</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Auf dieser Seite kann man Fragen zum Ablauf der Jugendwahlen in Baden-Württemberg stellen.</p>
<p>
                            <a href="http://landtagswahl.kaywa.ch/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Blog des Südkuriers zum Thema Landtagswahlen in B.-Württemberg</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Auf dieser Seite führt die Redaktion des Südkuriers ein Weblog, in dem die Redaktion selbst und baden-württembergische Politiker Einträge verfassen.</p>
<p>
                            <a href="http://kuechenkabinett.org/archives/2006/03/03/stell_dir_vor_e.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Stell Dir vor, es ist Wahlkampf und keiner bemerkt’s</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Politblog zur Lantgaswahl in Baden-Württemberg.</p>
<p class="fett">
                              <a name="rlp" id="rlp">Rheinland-Pfalz</a>
                            </p>
<p>
                            <a href="http://www.bpb.de/methodik/JO3WCU,,0,Willkommen_beim_WahlOMat.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Wahl-O-Mat: Rheinland-Pfalz</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Der Wahl-O-Mat, der zur Bundestagswahl 2005 über 5 Millionen Mal gespielt wurde, steht auch für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz zur Verfügung.</p>
<p>
                            <a href="http://www.gesundheitspanel.de/4496_landtagswahlen.php?SES=b05d6590ca6a97a56c1f4ff295b68543" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Wahl-Barometer: Rheinland-Pfalz</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Das Wahl-Barometer für Rheinland-Pfalz legt dem User zu fünf Themenbereichen Aussagen vor. Die Aussagen sind den Wahlprogrammen der fünf großen Parteien entnommen. Als Ergebnis erhält man eine Graphik, inwieweit man mit den Programmen der verschiedenen Parteien übereinstimmt.</p>
<p>
                            <a href="http://www.rlp-news.de/wahlmaschine/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Die Wahlmaschine</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />RLP-News.de bietet eine sogenannte virtuelle &#8220;Wahlmaschine&#8221; an. Dem User werden zu 20 verschiedenen Themengebieten Zitate aus den Wahlprogrammen (SPD, CDU, FDP, Bündnis 90 / Die Grünen, WASG) präsentiert. Am Schluß gibt eine ausführliche Auswertung Auskunft darüber, mit welcher Partei der Nutzer summa summarum am ehesten übereinstimmt.</p>
<p>                            <strong><br />
                              <a href="http://www.politik-visuell.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Politik Visuell – Wahlplakate bewerten</a><br />
                            </strong><br />
                            <br />Auf dieser Seite kann der User Wahlplakate zu den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz mit Schulnoten versehen und kommentieren. Daraus wird eine Top-Ten Hitliste erstellt und das Top-Plakat gekürt. </p>
<p>                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wahlkampf/wahlchecker_ltw060226.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Wahlchecker zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz</strong><br />
                            </a><br />
                            <a href="http://www.anna-luehrmann.de/blog/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <br />
                            </a>Auf dieser Seite kann man die Ergebnisse früherer rheinland-pfälzischer Landtagswahlen schätzen. Anschließend bekommt man ein Ergebnis, um wie viele Prozentpunkte man daneben liegt.</p>
<p>                            <a href="http://www.kandidatenwatch.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Kandidatenwatch</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Auf dieser Seite sind alle Politiker, die für die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz aufgestellt sind, vertreten, und man kann via E-Mail Kontakt zu ihnen aufnehmen.</p>
<p class="fett">
                              <a name="sachsen" id="sachsen">Sachsen-Anhalt</a>
                            </p>
<p>
                            <a href="http://www.bpb.de/methodik/NS41UX,,0,Willkommen_beim_WahlOMat.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Wahl-O-Mat: Sachsen-Anhalt</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Der Wahl-O-Mat, der zur Bundestagswahl 2005 über 5 Millionen Mal gespielt wurde, steht auch für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zur Verfügung.</p>
<p>
                            <a href="http://www.gesundheitspanel.de/4496_landtagswahlen.php?SES=b05d6590ca6a97a56c1f4ff295b68543" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Wahl-Barometer</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Das Wahl-Barometer für Sachsen-Anhalt legt dem User zu fünf Themenbereichen Aussagen vor. Die Aussagen sind den Wahlprogrammen der fünf großen Parteien entnommen. Als Ergebnis erhält man eine Graphik, inwieweit man mit den Programmen der verschiedenen Parteien übereinstimmt.</p>
<p>
                            <a href="http://www.politik-visuell.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Politik Visuell – Wahlplakate bewerten</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Auf dieser Seite kann der User Wahlplakate zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalten mit Schulnoten versehen und kommentieren. Daraus wird eine Top-Ten Hitliste erstellt und das Top-Plakat gekürt.</p>
<p>
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/wahlkampf/wahlchecker_ltw060226.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Wahlchecker zu den Landtagswahlen 2006</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Auf dieser Seite kann man die Ergebnisse früherer Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt schätzen. Anschließend bekommt man ein Ergebnis, um wie viele Prozentpunkte man daneben liegt.</p>
<p class="tidy-3">
                            <a href="http://www.kandidatenwatch.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Kandidatenwatch</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Auf dieser Seite sind alle Politiker, die für die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt aufgestellt sind, vertreten, und man kann via E-Mail Kontakt zu ihnen aufnehmen.</p>
<p class="tidy-3">
                            <a href="http://www.bildung-lsa.de/db_data/2530/JWahl06.pdf"><br />
                              <strong>Juniorwahl des Landtages in Sachsen-Anhalt</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Auf dieser Seite findet man eine Anmeldung zur Juniorwahl in Sachsen-Anhalt.</p>
<p class="tidy-3">
                            <a href="http://www.wahlfieber.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
                              <strong>Wahlbörse zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt</strong><br />
                            </a><br />
                            <br />Auf dieser Seite findet man ein Ranking, wie es um die einzelnen Parteien kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht. Man kann dort für seine bevorzugte Partei stimmen und verfolgen, wie die anderen User abstimmen.</p></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/presseschau/wahlkampflinklistelandtagswahlen060316-shtml-2782/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Untersuchungsausschüsse sind eines der wichtigsten Mittel für die Opposition&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotuntersuchungsausschuesse_sind_eines_der_wichtigsten_mittel_fuer_die_oppositionquot-153/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotuntersuchungsausschuesse_sind_eines_der_wichtigsten_mittel_fuer_die_oppositionquot-153/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[BND-Affäre]]></category>
		<category><![CDATA[Untersuchungsausschuss]]></category>
		<category><![CDATA[Kongo]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg van Essen]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehreinsatz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotuntersuchungsausschuesse_sind_eines_der_wichtigsten_mittel_fuer_die_oppositionquot-153/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 15. März 2006, war 
Jörg van Essen</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b> 
MdB und Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion</b><b>, 
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> 
Er beantwortete Fragen zum anstehenden Untersuchungsausschuss zur 
BND-Affäre und zu einem möglichen Bundeswehreinsatz im 
Kongo.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 15. März 2006, war<br />
Jörg van Essen</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b><br />
MdB und Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion</b><b>,<br />
zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span><br />
Er beantwortete Fragen zum anstehenden Untersuchungsausschuss zur<br />
BND-Affäre und zu einem möglichen Bundeswehreinsatz im<br />
Kongo.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Liebe Freunde und Gegner von FDP und BND-Ausschuss, willkommen zum<br />
Tagesschau-Chat. Ins ARD-Hauptstadtstudio ist heute Jörg van<br />
Essen gekommen, der Parlamentarische Geschäftsführer der<br />
FDP-Fraktion, in allen Oppositionsfragen mit Sicherheit gut informiert.<br />
Wie immer sind Fragen zu allen Themen möglich, von BND-Affäre<br />
über Tarifstreit und Kongo-Einsatz der Bundeswehr bis zur Landtagswahl.<br />
Wir sortieren ein bisschen und dann gehen Sie an Jörg van Essen.<br />
Los geht’s:
</p>
<p class="normal">
<b>Kaja: </b>Haben Sie aus dem Visa-Ausschuss<br />
und u.a. dem unsäglichen Lügenausschuss immer noch nichts<br />
gelernt? Ihre Untersuchungsausschüsse nimmt doch keiner mehr<br />
ernst!
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Die Untersuchungsausschüsse<br />
sind eines der wichtigsten Mittel für die Opposition. Der Visa-Ausschuss<br />
hat das Bild des damaligen Außenministers Fischer dramatisch<br />
verändert. Ich finde, der Untersuchungsausschuss zu den jetzigen<br />
Fragen (CIA, El-Masri) ist wichtig, weil die Bundesregierung ihre<br />
Chance, aus eigener Kraft aufzuklären, nicht genutzt hat.
</p>
<p>
<b>annett:</b> Herr van Essen, wie stehen Sie zu dem<br />
Vorwurf, dass ein Untersuchungsausschuss zur BND-Affäre das<br />
Verhältnis zu den USA erneut belasten würde?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Die Befürchtung muss<br />
man ernst nehmen, aber ich teile sie im Endeffekt nicht. Der wissenschaftliche<br />
Dienst im Bundestag hat uns aufgelistet, wie offen und streng das<br />
amerikanische Parlament mit seinen Geheimdiensten umgeht.<br />
Von daher erwarte ich Verständnis dafür, dass auch wir<br />
das tun. Geheimdienste, die aus Fehlern gelernt haben, können<br />
besser zusammen arbeiten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nun hat man nach den Geheimdienst-Vorlagen<br />
für den Irak-Krieg aber nicht unbedingt den Eindruck, dass<br />
die US-Geheimdienste gut kontrolliert werden.
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe dazu keine Erkenntnisse,<br />
wie die Qualität der Kontrolle ist. In aller Regel versuchen<br />
Geheimdienste, sich der Kontrolle zu entziehen. Umso wichtiger ist<br />
es, dass wir notwendige Konsequenzen ziehen. Einige liegen schon<br />
auf der Hand. Wir werden deshalb als FDP-Fraktion einen Gesetzentwurf<br />
für eine Reform des Parlamentarischen Kontrollgremiums des<br />
Bundestags vorlegen.
</p>
<p>
<b>Marcus: </b>Ich glaube schon, dass ein Untersuchungs-Ausschuss<br />
sinnvoll ist. Aber warum geben Sie den Grünen und insbesondere<br />
den Linken hier eine Steilvorlage? Bei einer Schröder-Schelte<br />
bin ich immer dabei, aber damit schaden Sie doch auch der großen<br />
Koalition und damit der CDU, mit denen Sie doch eigentlich koalitionsfähig<br />
und -willig sind, oder?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Zunächst einmal: Der<br />
Untersuchungsauftrag kann nur gemeinsam von der Opposition formuliert<br />
werden. Wir sind damit mit Grünen und der Linken in einer ähnlichen<br />
Zwangsehe wie CDU/CSU und SPD. Uns geht es natürlich um die<br />
politische Verantwortung. Ich bin froh, dass wir uns da gegen die<br />
Grünen durchsetzen konnten, die ihren Auftrag nach dem Motto<br />
formuliert hatten: „die Kleinen hängt man, die Großen<br />
lässt man laufen“. Wir sehen als bürgerliche Opposition<br />
unsere Pflichten und haben deshalb einen Ermittlungsbeauftragten<br />
vorgeschlagen, der bei dieser sensiblen Materie hilfreich ist und<br />
außerdem zur Beschleunigung der Untersuchung beitragen kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wer soll diesen Job übernehmen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Wir haben bisher keinen Vorschlag<br />
gemacht. Ein Ermittlungsbeauftragter muss von einer Zweidrittel-Mehrheit<br />
der Mitglieder des Untersuchungsausschusses gewählt werden,<br />
damit er über Vertrauen verfügt. Wir denken an Kandidaten,<br />
mit denen wir aber noch nicht sprechen konnten. Deshalb wäre<br />
es unfair, ihre Namen schon zu nennen.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Nachfrage zur Erweiterung der Kompetenzen<br />
des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG):
</p>
<p>
<b>georg: </b>Wie soll ihrer Meinung nach denn eine erweiterte<br />
Kontrolle aussehen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Eine der Ideen, die wir diskutieren,<br />
ist ein Vorschlag des ehemaligen Präsidenten für Verfassungsschutz,<br />
Werthebach, ähnlich wie beim Wehrbeauftragten des Bundestages<br />
einen Geheimdienst-Beauftragten zu installieren, der das Parlament<br />
in seinen Aufgaben unterstützt. Wir werden im Übrigen<br />
mit Sicherheit vorschlagen, dass die Mitglieder des PKG die Fraktionsvorsitzenden<br />
unterrichten, um politisch brisante Fragen mit diesen diskutieren<br />
zu können. Derzeit steht unser einziges Mitglied, Max Stadler,<br />
bei allen Fragen ohne die Möglichkeit einer Rücksprache<br />
und Diskussion da. In der gleichen Situation sind auch die Vertreter<br />
von Linksfraktion und Grünen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist denn inzwischen klar, wer ihr Obmann<br />
im BND-Ausschuss wird? Max<br />
Stadler ziert sich ja noch ein bisschen.
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Ja, das ist richtig. Max<br />
Stadler hat darum gebeten nach Möglichkeit nicht Mitglied zu<br />
werden. Wir haben mehrere gute Bewerbungen aus der Fraktion und<br />
wollen mit diesen Bewerbern noch Gespräche führen. Diese<br />
Zeit haben wir aber auch noch, da der Ausschuss frühestens<br />
in der letzten Märzwoche eingesetzt wird und erst in der ersten<br />
Aprilwoche seine Arbeit aufnimmt.
</p>
<p>
<b>Kaja: </b>Zur Reform des Parlamentarischen Kontrollgremiums:<br />
Sind da nicht irgendwann zu viele Köpfe involviert? Lähmt<br />
das nicht die Arbeit des BND?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Es müssen zwei Ziele<br />
unter einen Hut gebracht werden: Einmal wirksame Kontrolle, die<br />
auch dem BND dient, weil jeder vermiedene Fehler die Arbeit des<br />
BND stärkt. Und auf der anderen Seite nicht zu viele Personen,<br />
die damit befasst sind, weil sonst Geheimhaltung schwieriger wird.<br />
Die Neigung zu plaudern &#8211; besonders gegenüber den Medien &#8211;<br />
nimmt mit der Zahl der Mitglieder zu. Aus diesem Grunde ist dem<br />
Ermittlungsbeauftragten im Gesetz ausdrücklich verboten, öffentliche<br />
Erklärungen abzugeben.
</p>
<p>
<b>Herr der Ringe:</b> Warum hat sich Ihre Fraktion doch<br />
für einen Untersuchungsausschuss ausgesprochen? Anfangs zögerten<br />
Sie doch!
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Zu den Zögernden habe<br />
ich auch selbst gehört. Mich haben zwei Dinge letztendlich<br />
überzeugt: Einmal hatte Wolfgang Gerhardt die Chance, den geheimen<br />
Teil der Bundesregierung zu studieren und war entsetzt, wie wenig<br />
die Bundesregierung die Chance genutzt hat, klar begangene Fehler<br />
einzugestehen &#8211; z.B. die Nichtunterrichtung des Parlamentarischen<br />
Kontrollgremiums über die Entsendung der BND-Mitarbeiter nach<br />
Bagdad. Zweitens hat unser Mitglied Max Stadler, dem ich sehr vertraue<br />
und den ich als exzellenten Juristen schätze, in der Fraktion<br />
erklärt, dass er weitere Fragen habe. Dies hat sich im Übrigen<br />
auch bei meinen Verhandlungen mit den anderen Oppositions-Fraktionen<br />
bestätigt, wo wir bei jeder der Fragen abgeklopft haben, ob<br />
diese noch offen sind und das jeweils von den anwesenden PKG-Mitgliedern<br />
Stadler, Neskovic und Ströbele bestätigt wurde.
</p>
<p>
<b>Billy@SPD:</b> Wäre die Wahl 2002 zu Gunsten<br />
der Union und FDP ausgegangen, hätte die FDP doch sicher kein<br />
Problem damit gehabt, den BND mit den USA zusammenarbeiten zu sehen.<br />
Wieso kritisieren Sie es also an der alten Regierung?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Hauptkritikpunkt ist für<br />
uns das Bild, das die alte Regierung in der Öffentlichkeit<br />
gezeigt hat &#8211; nämlich strikt gegen den Krieg zu sein &#8211; und<br />
das Bild, das sich jetzt zeigt, dass über die bekannten Dinge,<br />
wie Überflugrechte, Bewachung von Kasernen hinaus, intensiv<br />
kriegswichtiger Gedankenaustausch betrieben wurde. Im Übrigen<br />
hat die FDP den Irakkrieg immer aus politischen und rechtlichen<br />
Gründen für falsch gehalten. Wir haben aber unsere Kritik<br />
gegenüber den Amerikanern als Freunde vorgetragen und haben<br />
im Gegensatz zu Schröder und Fischer für unsere Kritik<br />
deshalb offene Ohren gefunden.
</p>
<p>
<b>Ludwig:</b> Hat die FDP einen weitergehenden Untersuchungsauftrag<br />
verhindert, wie es die Grünen suggerieren?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das Gegenteil ist der Fall.<br />
Die Grünen hatten nur zwei Fragen zu El-Masri und überhaupt<br />
keine Fragen zu den Vernehmungen unter Folterumständen formuliert.<br />
Und die politische Verantwortlichkeit zu all dem was geschehen ist,<br />
hat sie auch nicht interessiert. Die FDP hat durchgesetzt, dass<br />
alles dies geschehen kann. Im Übrigen haben wir auch keinerlei<br />
Generalabrechnung mit Rot-Grün beabsichtigt, wie es mein Kollege<br />
Volker Beck immer wieder behauptet. Wir wollten einen Untersuchungsausschuss<br />
zu politisch brisanten Fragen und keinen historischen Ausschuss<br />
zur Regierungszeit von Rot-Grün.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zweimal in der gleichen Sache:
</p>
<p>
<b>Richard:</b> Sind die Handlungen des BND unrechtmäßig<br />
gewesen?
</p>
<p>
<b>Michi: </b>War das Vorgehen des BND gesetzlich korrekt?<br />
Wenn ja, handelt es sich dann nicht um einen politischen Untersuchungsausschuss?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ob rechtliche Grenzen überschritten<br />
worden sind, soll der Untersuchungsausschuss gerade klären.<br />
Da der Krieg gegen den Irak ohne völkerrechtliches Mandat geführt<br />
wurde, war es der Bundesregierung und ihren Organen, darunter dem<br />
BND, untersagt, aktiv diesen Krieg zu unterstützen. Deshalb<br />
ist die Frage, ob beispielsweise Zielkoordinaten geliefert wurden<br />
von enormer Bedeutung. Hier muss der Untersuchungsausschuss noch<br />
Aufklärungsarbeit leisten. Dass der BND zwei Mitarbeiter zur<br />
Aufklärung dorthin entsandt hat, um der Bundesregierung ein<br />
eigenes Lagebild zu ermöglichen, ist allein für sich rechtlich<br />
und politisch nicht zu beanstanden.
</p>
<p>
<b>Hunger:</b> Was wären den die rechtlichen Grenzen?<br />
Ist der Informationsaustausch illegal?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das ist in der Allgemeinheit<br />
schwer zu sagen. In der NATO gibt es ein gut funktionierendes Nachrichtenwesen,<br />
das sicherlich auch in diesem Zusammenhang zu einem Informationsaustausch<br />
geführt hat. Es kommt auf die einzelne Nachricht an, die bewertet<br />
werden muss. Dinge die unmittelbar zu militärischen Reaktionen<br />
geführt haben im Krieg, sind wegen der Rechtswidrigkeit des<br />
Krieges höchst problematisch.
</p>
<p>
<b>Markus R: </b>Der Jugoslawien-Krieg wurde doch auch<br />
ohne völkerrechtliches Mandat durchgeführt, da gab es<br />
aber keinen Untersuchungsausschuss?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Richtig. Zunächst einmal:<br />
Die Problematik hatten wir auch beim Jugoslawien-Krieg. Die Entscheidung<br />
ist mir aus diesem Grund damals sehr schwer gefallen. Es gibt aber<br />
einen wesentlichen Unterschied: Wegen des andauernden Völkermordes<br />
im Kosovo war nach der Meinung aller Demokratien dringendes Handeln<br />
angesagt und man scheiterte an einem angedrohten Veto einer Diktatur,<br />
der Volksrepublik China. Man hatte im Übrigen alle Möglichkeiten<br />
ausgeschöpft, die die UN-Charta bietet. Ich habe damals deshalb<br />
mit einem nicht guten Gefühl eine ähnliche Situation wie<br />
bei einem innerstaatlichen, übergesetzlichen Notstand gesehen.<br />
Alle diese Voraussetzungen treffen auf den Irak nicht zu. Es ist<br />
mit getürkten Geheimdienstmeldungen gearbeitet worden. Auch<br />
viele Amerikaner haben das Gefühl, man hätte sich ein<br />
paar Wochen mehr Zeit geben sollen, um über die Richtigkeit<br />
des Vorgehens nachzudenken.
</p>
<p>
<b>Martin: </b>Rechtwidrigkeit des Krieges? Das klang<br />
ja vor vier Jahren noch etwas anders. Oder hat nicht die FDP damals<br />
im Wahlkampf die SPD für ihre Stellungnahmen gegenüber<br />
den USA verurteilt?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das ist völlig falsch.<br />
Wir haben unsere rechtlichen und politischen Bedenken immer geltend<br />
gemacht. Wir haben die SPD aber zu Recht kritisiert, dass sie das<br />
wichtige Verhältnis zu dem USA durch das törichte Verhalten<br />
des Bundeskanzlers und des Bundesaußenministers beschädigt<br />
hat. Mit der Konsequenz, dass die deutsche kritische Stimme in Washington<br />
nicht mehr gehört wurde. Bei einem Besuch von Wolfgang Gerhardt<br />
und mir haben wir unsere Kritik klar und eindeutig vorgetragen und<br />
uns ist gesagt worden, wenn Schröder und Fischer uns gesagt<br />
hätten, sie wären unsere Freunde und nicht unsere Feinde,<br />
würden wir ernsthafter mit ihnen diskutieren. Das hat uns nicht<br />
gefallen und das kritisieren wir zu Recht.
</p>
<p>
<b>Volker: </b>Und das stellen Sie erst jetzt fest (falsche<br />
Geheimdienstberichte)? Hat die FDP 2002 nicht auch das Regime im<br />
Irak verurteilt und vor der Gefahr des internationalen Terrorismus<br />
gewarnt und somit die Ängste in der Bevölkerung geschürt?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Wir hatten damals schon,<br />
wie viele, Zweifel an den Geheimdienstberichten. Trotz des politischen<br />
Fehlers des Krieges ist doch aber nicht zu übersehen, dass<br />
es sich bei Saddam Hussein um einen besonders gewalttätigen<br />
Mörder handelt, der für viel tausendfachen Tod verantwortlich<br />
ist. Ich erinnere nur an die Giftgasangriffe auf schiitische Dörfer.<br />
Wir haben deshalb den politischen Kampf gegen Saddam Hussein unterstützt.<br />
Er steht zu Recht vor Gericht.
</p>
<p>
<b>Newroz:</b> Herr Jörg van Essen, ich bin ein<br />
irakischer Staatsbürger, meine Frage: Wir wissen jetzt alle,<br />
dass Deutschland sich an den irakischen Krieg beteiligt hat. Ist<br />
jetzt nicht der Zeitpunkt gekommen, dass die Deutschen jetzt beim<br />
Aufbau des Iraks helfen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Das tun sie doch bereits<br />
in vielfältiger Form, beispielsweise durch finanzielle Mittel<br />
aber auch durch Ausbildungshilfe. Unser Wunsch ist ein demokratischer<br />
Irak und ein friedliches Zusammenleben von Schiiten, Sunniten und<br />
Kurden in diesem Land. Die Hilfe wird natürlich erschwert,<br />
wenn deutsche Staatsbürger, die als Helfer kommen, entführt<br />
und mit dem Tode bedroht werden.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Müsste mehr getan werden? Vielleicht<br />
auch um das Ansehen Deutschlands wieder zu verbessern? In der arabischen<br />
Welt dürfte das durch die BND-Affäre vermutlich auch beschädigt<br />
sein.
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe noch keine gesicherten<br />
Erkenntnisse, ob das deutsche Ansehen in der arabischen Welt, welches<br />
immer sehr hoch gewesen ist, wirklich geschädigt worden ist.<br />
Eine solche sichere Feststellung kann man derzeit noch nicht feststellen.<br />
Die FDP hat allerdings vorgeschlagen, für den Nahen Osten eine<br />
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit einzurichten,<br />
die in der gegenwärtigen Krisensituation sowohl im Irak als<br />
auch in Palästina besonders hilfreich sein könnte.
</p>
<p>
<b>Extremleber:</b> Warum stellt sich die Union denn<br />
quer, wenn es um das Thema Untersuchungsausschuss geht? Liegt es<br />
wirklich daran das die Union mit nicht mit einer Partei koalieren<br />
kann, wenn es rauskommt, dass die SPD in der Frage nicht ganz die<br />
Wahrheit gesagt hat?!
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe das Gefühl,<br />
dass genau das der Grund ist. Unter der Hand kommen immer wieder<br />
Kollegen aus der Union auf einen zu und sagen: Der Untersuchungsausschuss<br />
ist doch genau richtig. Schade, dass wir soviel Ärger in der<br />
Koalition haben, dass wir jetzt auch schon in dieser Frage Rücksicht<br />
auf die SPD nehmen müssen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zu der vorgeschlagenen Konferenz:
</p>
<p>
<b>lagavulin:</b> Wer sollte Ihrer Meinung nach an einer<br />
derartigen Konferenz teilnehmen? Wer die Leitung innehaben?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Natürlich die beteiligten<br />
Länder der Region, einschließlich Israel. Im Übrigen<br />
die EU, die Vereinigten Staaten und Russland. Also eine Zusammensetzung<br />
wie sie erfolgreich ja auch bei der Konferenz über Sicherheit<br />
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) schon einmal erprobt worden<br />
ist und zum Zusammenbruch des Ostblocks geführt hat.
</p>
<p>
<b>Inge: </b>Sehr geehrter Herr Essen, ich selbst komme<br />
aus Sachsen-Anhalt. Vor einigen Tagen habe ich in der Zeitung gelesen,<br />
dass die FDP in ihrem neuen Haushaltsplan schon die Mehrwertsteuererhöhung<br />
eingeplant hat, obwohl in diesem Wahlkampf sie damit werben, die<br />
Mehrwertsteuer nicht zu erhöhen. Wie ist das zu erklären?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ein kluger Kaufmann stellt<br />
sich auf unangenehme Entwicklungen sicherheitshalber ein. Ob wir<br />
als FDP das bei unserem Haushalt getan haben, ist mir gar nicht<br />
bekannt, weil ich nicht sehen kann, wo wir als Partei überhaupt<br />
Mehrwertsteuer zu zahlen hätten. Das ändert aber nichts<br />
an unserer klaren politischen Haltung gegen die Mehrwertsteuererhebung,<br />
die zu konjunkturellen Einbrüchen in der Wirtschaft und damit<br />
zum Verlust von Arbeitsplätzen führen wird. Es wäre<br />
schade, wenn Sachsen-Anhalt, das bei den Arbeitslosen bei der rot-roten<br />
Regierung das Schlusslicht der Bundesrepublik war, und unter der<br />
jetzigen schwarz-gelben Regierung diese Position verloren hat, wieder<br />
mehr Arbeitslose haben würde.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Mehrwertsteuererhöhung bringt<br />
viele Milliarden auf einen Schlag. Selbst wenn man ihren Vorschlägen<br />
zur Subventionskürzungen folgen würde, wäre das im<br />
kommenden Jahr noch nicht zu realisieren. Sollte Finanzminister<br />
Steinbrück also lieber noch mal den EU-Stabilitätspakt<br />
reißen?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Nein, das kann er gar nicht,<br />
weil eben in diesen Tagen von den EU-Finanzministern deutlich gemacht<br />
worden ist, dass man einen weiteren Verstoß gegen die Maastricht-Kriterien<br />
nicht hinnehmen wird. Die FDP hat es sich schon im vergangenen Jahr<br />
bei den Haushaltsberatungen nicht leicht gemacht. Wir haben nämlich<br />
nicht, wie andere Oppositionsparteien, kräftige Ausgabenerhöhungen<br />
gefordert, sondern ein dickes Sparbuch vorgelegt, um die Maastricht-Kriterien<br />
zu erfüllen und eine Mehrwertsteuererhöhung überflüssig<br />
zu machen. Das werden wir bei den diesjährigen Haushaltsberatungen<br />
wieder ähnlich tun.
</p>
<p>
<b>Jürgen:</b> Herr van Essen, bei einem Neujahrsempfang<br />
in Göttingen haben Sie sich gegen einen Bundeswehreinsatz im<br />
Kongo ausgesprochen. Jetzt scheint ein solcher Einsatz aber bevorzustehen.<br />
Wie verhält sich die FDP in dieser Frage?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich bin weiterhin strikt<br />
dagegen und freue mich sehr, dass heute der Bundeswehrverband in<br />
ähnlicher Weise Stellung genommen hat. Die Frage z.B., ob die<br />
Soldaten der EU im Kongo wirklich willkommen sind, ist von der EU<br />
bis heute nicht geklärt. Auch der mögliche Auftrag für<br />
die deutschen Soldaten liegt im Nebel. Unsere Kollegen aus dem Verteidigungsausschuss,<br />
die in der letzten Woche in Brüssel waren, kamen entsetzt über<br />
den Stand des Planungsergebnissen zurück. Nach meiner Auffassung<br />
darf die Bundeswehr in diesen Abenteuer nicht geschickt werden.<br />
Ich halte die Zusage der Bundeskanzlerin für einen schweren<br />
Fehler.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul<br />
hat den Einsatz angesichts von drei Millionen Toten im Kongo im<br />
tagesschau-Chat als &quot;wichtiges politisches Signal&quot; bezeichnet.<br />
Und Kinshasa ist derzeit kein Kampfgebiet, betont sie. Ist das für<br />
Sie kein Argument?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Überhaupt nicht. Denn<br />
diese Millionen Toten sind ja eben nicht in Kinshasa zu beklagen<br />
gewesen. Wenn man an der Situation in den Bürgerkriegsgebieten<br />
nichts ändert, darf man mit diesen Zahlen nicht operieren.<br />
Die Ministerin ist im Übrigen erschreckend blauäugig.<br />
Seit langem kann man lesen, dass die Konfliktparteien derzeit intensiv<br />
Kindersoldaten in die Region Kinshasa bringen.
</p>
<p>
<b>richard:</b> Haben sie nicht vor ein paar Minuten<br />
(Irak) die internationale Verantwortung angemahnt und ist die Ermöglichung<br />
von friedlichen Wahlen nicht Aufgabe der internationalen Gemeinschaft?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen: </b>Das ist so, aber nur dann,<br />
wenn durch die Wahlen tatsächlich eine Änderung der Situation<br />
erreicht werden kann. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Wahlen<br />
im Kongo die Demokratie in diesem Land voranbringen und zu einem<br />
Ende des Bürgerkrieges beitragen. Im Übrigen müssen<br />
Sicherheitsprobleme nach meiner Erfassung zunächst einmal in<br />
der Region gelöst werden. Hier im Herzen Afrikas ist deshalb<br />
zunächst einmal die Organisation Afrikanischer Staaten (OAU)<br />
gefragt. Bevor Deutschland auf den Plan tritt, sind nach m.A. zunächst<br />
einmal die ehemaligen Kolonialstaaten in der Verantwortung, die<br />
diese Länder ausgebeutet haben und in vielen Fällen zu<br />
den heutigen Problemen im Wesentlichen beigetragen haben. Es ist<br />
ein Fehlglaube, wenn man meint, durch die Entsendung deutscher Soldaten<br />
in der Welt für Frieden sorgen zu können. Es ist für<br />
mich eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz deutscher<br />
Militärs, dass deutsche Interessen betroffen sind. Das sehe<br />
ich im Kongo nicht.
</p>
<p>
<b>HIT: </b>Herr van Essen, ist das Argument, dass nur<br />
in reicheren Regionen Interventionen Erfolgen (Schutz von Eigeninteressen<br />
vs. Risiko) nur paranoid oder ist da was dran?
</p>
<p>
<b>Jörg van Essen:</b> Ich habe gerade schon gesagt,<br />
dass eigene Interessen eine Rolle spielen dürfen und müssen.<br />
Trotzdem sind wir selbstverständlich in der Verpflichtung überall<br />
auf der Welt die Situation der Menschen zu verbessern und Freiheit<br />
und Demokratie zu stärken. Aber wie gesagt, ich halte es für<br />
einen Fehlglauben, wenn Deutschland wieder meinen sollte, das sei<br />
seine militärische Aufgabe.
</p>
<p><b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat<br />
mit Jörg van Essen. Vielen<br />
Dank, Herr van Essen, dass Sie zum Chat gekommen sind. Das Protokoll<br />
gibt’s zum Nachlesen auf tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Der<br />
nächste fest geplante Chat findet am 21. März statt. In<br />
der Woche<br />
vor den Landtagswahlen diskutieren Sie und wir mit dem<br />
Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Peter Harry Carstensen<br />
(CDU). Dieser Chat beginnt ein wenig später als üblich<br />
– um<br />
sechzehn Uhr. tagesschau.de und politik-digital.de wünschen<br />
Ihnen noch einen schönen Tag.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotuntersuchungsausschuesse_sind_eines_der_wichtigsten_mittel_fuer_die_oppositionquot-153/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;EU-Militäreinsatz im Kongo als politisches Signal&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quoteumilitaereinsatz_im_kongo_als_politisches_signalquot-154/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quoteumilitaereinsatz_im_kongo_als_politisches_signalquot-154/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Kongo]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Heidemarie Wieczorek-Zeul]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehreinsatz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quoteumilitaereinsatz_im_kongo_als_politisches_signalquot-154/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 8. März 2006, war 
Heidemarie Wieczorek-Zeul</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b> 
Bundesministerin für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit 
(SPD)</b><b>, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in 
Kooperation mit politik-digital.de.</span> Sie beantwortete Fragen 
zur aktuellen Diskussion über einen EU-Militäreinsatz 
im Kongo und der Schwierigkeit, in Zeiten terrorristischer Bedrohungen, 
Entwicklungspolitik zu betreiben.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 8. März 2006, war<br />
Heidemarie Wieczorek-Zeul</b><b><span style="font-size: x-small">,</span></b><b><br />
Bundesministerin für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit<br />
(SPD)</b><b>, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in<br />
Kooperation mit politik-digital.de.</span> Sie beantwortete Fragen<br />
zur aktuellen Diskussion über einen EU-Militäreinsatz<br />
im Kongo und der Schwierigkeit, in Zeiten terrorristischer Bedrohungen,<br />
Entwicklungspolitik zu betreiben.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Herzlich Willkommen zum tagesschau-Chat aus dem ARD-Hauptstadtstudio.<br />
Heute diskutiert mit Ihnen Heidemarie Wieczorek-Zeul, Ministerin<br />
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Vielen<br />
Dank, Frau Ministerin, dass Sie Zeit für den Chat haben. Ihre<br />
Fragen können Sie jederzeit stellen, nichts geht verloren,<br />
alles kommt in den großen Fragentopf. Beginnen wir damit:
</p>
<p class="normal">
<b>Klapauzius:</b> Ist es richtig, dass<br />
viele gegenwärtige Probleme in Afrika auf die Kolonisation<br />
durch die Europäer und ihre schonungslose Ausbeutung wie auch<br />
willkürlichen Handlungen gegenüber der afrikanischen Kultur<br />
zurückzuführen sind?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Ein<br />
großer Teil der Probleme Afrikas hängt sicher mit der<br />
kolonialen Vergangenheit zusammen, z.B. die Fixierung auf Rohstoffausbeutung.<br />
Aber es gibt natürlich auch die Eigenverantwortung der afrikanischen<br />
Völker selbst.
</p>
<p class="normal">
<b>herbert</b>: Ich frage mich, wie aktiv<br />
die EU in politischen Fragen im Kongo eingreift oder ob sie lediglich<br />
passiv als Schützer der kommenden Parlamentswahl fungieren<br />
soll. Vielen Dank.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Ich<br />
plädiere dafür, dass sich möglichst viele Mitgliedstaaten<br />
der EU an einem Kontingent beteiligen, das zum Schutz der Wahlen<br />
im Kongo sein sollte. Diesen Schutz der Wahlen halte ich für<br />
zentral, damit der Friedensprozess voran kommt und die Gewalt ein<br />
Ende findet. Denn in den Auseinandersetzungen der letzten Jahre<br />
sind dort drei Millionen Menschen gestorben. Deshalb gibt es auch<br />
die europäische Verantwortung, zu helfen.
</p>
<p class="normal">
<b>QN_Eisenmann:</b> Warum tragen Frankreich<br />
und Deutschland bei einem eventuellen Kongo-Einsatz die Hauptrolle?<br />
Deutschland entsendet genauso wie Frankreich jeweils ca. 400 Soldaten.<br />
Warum können nicht die anderen europäischen Staaten ihren<br />
Beitrag zu einem Kongo-Einsatz beisteuern? Liegt es an der Tatsache,<br />
dass Deutschland und Frankreich der &#8216;EU-Motor&#8217; sind?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Das<br />
Ziel soll ja auch sein, möglichst viele EU-Staaten zu beteiligen.<br />
Daher ist die Entscheidung noch nicht endgültig getroffen.<br />
Aber die größeren Länder haben natürlich auch<br />
die größere Verantwortung.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Nachfrage zum Schutz<br />
der Wahlen:
</p>
<p class="normal">
<b>Georg: </b>Schutz ist aber immer ein<br />
relativer Begriff. Erinnern wir uns an Ruanda oder Somalia! Wie<br />
weit kann und darf dieser Schutz gehen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Mit<br />
dem Kontingent von geplant 1500 europäischen Soldaten ist ein<br />
politisches Signal verbunden. Und zwar das Signal, dass wir wollen,<br />
dass die Wahlen tatsächlich stattfinden und sie auch den Friedensprozess<br />
voranbringen. Es geht nicht um einen Kampfeinsatz, denn in der schwierigsten<br />
Region &#8211; dem Osten des Kongo &#8211; ist bereits eine sehr große<br />
Zahl von UN-Friedenstruppen vorhanden, die so genannten MUNUC. Insgesamt<br />
befinden sich 16.500 Soldaten im Kongo. Es geht also um das politische<br />
Signal.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> &quot;Was sollen deutsche<br />
Soldaten im Kongo?&quot; &quot;Was haben wir da verloren?&quot;<br />
&quot;Die Hölle Kongo muss nicht auch noch sein!&quot; &#8211; so<br />
texten die Kommentatoren einiger Zeitungen heute. Haben Sie mit<br />
Ihrer Position hier einen schweren Stand?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Mancher<br />
macht natürlich auch Berichterstattung mit dem Fernstecher.<br />
Ich selbst war im Kongo. Die Situation ist so, dass die Menschen<br />
aus der Zivilgesellschaft, mit denen ich gesprochen habe, sagen:<br />
&quot;Wir wollen, dass die Wahlen stattfinden und wir wollen denen<br />
auch das Handwerk legen, die in dieser Region Gewalt ausüben&quot;.<br />
Wenn wir dazu beitragen können, dass wir in dieser Region,<br />
die größer ist als ganz Europa &#8211; der Region der großen<br />
Seen &#8211; einen Prozess des Friedens voranbringen, dann hätten<br />
wir in der Region so etwas ähnliches bewirkt, wie es der Prozess<br />
für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa erreicht hat. Afrika<br />
ist unser Nachbarkontinent und alle Probleme, die in der Welt stattfinden,<br />
können auch uns erreichen. Daher gibt es aus meiner Sicht eine<br />
humanitäre und auch eine sicherheitspolitische Begründung.
</p>
<p class="normal">
<b>M:</b> Wurde denn überhaupt daran<br />
gedacht, was nach den vier Monaten Bundeswehreinsatz kommt? Oder<br />
wird das wieder ein Abenteuer ohne Ende wie auf dem Balkan?
</p>
<p class="normal">
<b>samir: </b>Wie lange sollte denn ihrer<br />
Meinung nach eine EU-Truppe intervenieren? Geht es ihnen um die<br />
Absicherung der anstehenden Wahlen oder wird ein längerfristiger<br />
Einsatz angestrebt?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Es geht<br />
darum, die Bedingungen für den Einsatz des Kontingentes festzulegen.<br />
Die Bedingungen &#8211; die ich auch teile &#8211; sind Stationierungen in der<br />
Hauptstadt Kinshasa und im Umland. Zeitlich befristet. Möglicherweise<br />
ein Zeitraum von vier Monaten und möglichst breite Beteiligung<br />
von Europa. Nach den Wahlen wird es vor allem darauf ankommen, dass<br />
die Wirtschaft voran kommt und dass vor allem die Nutzung der Ressourcen<br />
im Kongo für die Bekämpfung der Armut eingesetzt und der<br />
Ausplünderung der Ressourcen entgegengearbeitet wird.
</p>
<p class="normal">
<b>SaiSai:</b> Ich frage mich, ob das<br />
politische Signal nicht auch falsch verstanden werden kann, gerade<br />
von der lokalen Bevölkerung. Die Wurzeln der Konflikte liegen<br />
oft in der Kolonialvergangenheit. Kann da eine &quot;Einmischung&quot;<br />
durch Nationalstaaten &#8211; und nicht die UNO &#8211; nicht falsch verstanden<br />
werden?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Wenn<br />
es ein solches Kontingent gäbe, kann das nur mit einem UN-Auftrag<br />
versehen werden.
</p>
<p class="normal">
<b>Maiglöckchen:</b> Wozu sollen<br />
Wahlen im tribalistischen Kongo führen? Durch eine aufgesetzte<br />
Demokratie werden doch keine Probleme gelöst.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Manchmal<br />
hat man den Eindruck, dass wir den anderen erzählen sollen,<br />
was sie machen sollen. Die Menschen, mit denen ich im Kongo gesprochen<br />
habe &#8211; auch im Osten des Kongo &#8211; sagen: &quot;Wir wollen mit den<br />
Wahlen dazu beitragen, dass die, die Gewalt anwenden, sanktioniert<br />
werden, mit unserer Stimme&quot;. Das ist einer der Gründe,<br />
warum ich in dieser Frage so eine entschlossene Position habe.
</p>
<p class="normal">
<b>bndagent_koeln:</b> Sollte sich nicht<br />
Belgien viel mehr im Kongo engagieren? Schließlich ist Belgien<br />
als ehemalige Kolonialmacht doch für den Schlamassel mitverantwortlich.
</p>
<p class="normal">
<b>Fleischer:</b> Welche Staaten waren<br />
denn im Besitz von Kolonien im momentanen Kongo gebiet? Sollte es<br />
nicht zu deren Aufgaben gehören das angerichtete Unheil wieder<br />
auszubaden?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Das<br />
teile ich überhaupt nicht. Es ist gerade so, dass Deutschland,<br />
gerade weil es nicht ehemalige Kolonialmacht in dem Gebiet ist,<br />
eher geeignet ist, sich zu engagieren. Wenn wir eine gemeinsame<br />
Außen- und Sicherheitspolitik der EU wollen, können wir<br />
doch nicht sagen, dass sollen die ehemaligen Kolonialmächte<br />
machen.
</p>
<p class="normal">
<b>barita:</b> Wie soll in Zukunft die<br />
Zusammenarbeit zwischen Entwicklungszusammenarbeit und Militär<br />
aussehen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Eine<br />
wirklich zentrale Frage: Auf keinen Fall darf Entwicklungszusammenarbeit<br />
militärischen Belangen untergeordnet werden. Aber eines ist<br />
auch klar: Ohne Frieden gelingt Entwicklung nicht. Und es braucht<br />
auch auf Dauer Entwicklung, damit der Frieden gelingt. Das heißt,<br />
bezogen auch auf den Kongo und viele andere sogenannte &quot;failing<br />
states&quot; &#8211; oder möglicherweise &quot;failed states&quot;<br />
&#8211; zu erreichen, dass die staatlichen Strukturen wieder aufgebaut<br />
werden und dazu beitragen, dass Rebellengruppen entwaffnet werden<br />
und dass Zukunftsperspektiven bei Bildung, Gesundheit und in der<br />
Wirtschaft für die Menschen existieren. Beide Bereiche, Entwicklungspolitik<br />
und Sicherheitspolitik und militärische Aktionen, finden unter<br />
der jeweils eigenen Verantwortung statt. Das zeigen wir ja auch<br />
bezogen auf ein Land wie Afghanistan.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Sie waren auch bereits<br />
vor 2001 Entwicklungsministerin. Die Anschläge vom 11.September<br />
und die Krise in Irak haben die Welt verändert. Ist Entwicklungspolitik<br />
heute schwieriger?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Insgesamt<br />
würde ich sagen, dass Entwicklungspolitik generell nicht nur<br />
seit 2001 schwieriger ist, weil wir diese Tendenz &#8211; die ich vorhin<br />
schon angesprochen habe &#8211; zu &quot;failing state&quot; sehr stark<br />
haben. Und damit auch das Vorherrschen von Bürgerkriegs-Auseinandersetzungen<br />
innerhalb von Staaten. Darauf muss sich Entwicklungspolitik einstellen.<br />
Aber insgesamt gilt auch, dass dem Terrorismus nicht auf Dauer durch<br />
Krieg der Boden entzogen wird, sondern dass wir den Nährboden<br />
für Terrorismus in Form von Armut, von Ohnmacht, austrocknen<br />
müssen. Dasa heißt auch, Schwerpunkt in Bezug auf die<br />
Bekämpfung von Armut, in Bezug auf gerechte Gestaltung der<br />
Globalisierung und das heißt auch, die zahlenmäßigen<br />
Gewichte zu verschieben. Weltweit werden wieder eine Billion US-Dollar<br />
für Rüstung ausgegeben, davon die Hälfte Rüstungshaushalt<br />
der USA und nur 78 Milliarden US-Dollar für Entwicklungszusammenarbeit.<br />
Hier müssen die Gewichte verschoben werden.
</p>
<p class="normal">
<b>hugo: </b>Müsste Europa in der<br />
Entwicklungspolitik nicht verstärkt auf Bildung setzen (z.B.<br />
Entsendung von Lehrern, Gründung von Schulen/Hochschulen etc.),<br />
um religiösen Fanatismus einzudämmen und die Ideen einer<br />
aufgeklärten Gesellschaft zu verbreiten?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Sie<br />
haben absolut Recht. Weil wir sehr lange über den Kongo gesprochen<br />
haben, haben wir nicht über die Schwerpunkte von Entwicklungszusammenarbeit<br />
gesprochen. Sie haben völlig Recht, öffentliche Schulen<br />
statt Koranschulen, Erziehen zu Dialog und Verständigung, das<br />
fördern wir &#8211; zumal in vielen islamisch geprägten Ländern.<br />
Ein Erfolg durch den Schuldenerlass für ärmste, hochverschuldete<br />
Entwicklungsländer und die Verbindung mit der Bekämpfung<br />
von Armut hat dazu geführt, dass z.B. ein Land wie Tansania<br />
heute statt 800.000 Schüler und Schülerinnen, seine Zahl<br />
auf 1,6 Millionen verdoppelt hat.
</p>
<p class="normal">
<b>Leila:</b> Worin sehen Sie die Ursachen<br />
für die so unterschiedlichen Entwicklungen Afrikas und Asiens<br />
nach dem zweiten Weltkrieg? Beide Kontinente haben eine koloniale<br />
Vergangenheit und dienten den Industrieländern als Rohstofflieferanten.<br />
Während Asien floriert, scheitern in Afrika fast alle Demokratisierungsversuche<br />
an der Unfähigkeit der Revolutionäre, die von ihnen erkämpfte<br />
Macht nicht für eigene (Stammes-)Interessen zu missbrauchen.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Eines<br />
ist richtig: Afrika ist in der Globalisierung an den Rand gedrängt<br />
worden. Aber ich warne auch vor einer pauschalen Bewertung der afrikanischen<br />
Länder. Afrika ist auch Ghana, Botswana, Tansania, Südafrika<br />
&#8211; um positive Beispiele zu nennen. Aber es ist auch Simbabwe, um<br />
das schlimmste Beispiel zu nennen.<br />
Wenn man nach den Ursachen für die unterschiedlichen Entwicklungstrends<br />
fragt, sehe ich eher zwei mögliche Erklärungsansätze.<br />
Der Eine: Afrika ist nicht der große Markt &#8211; oder noch nicht<br />
&#8211; wie ihn ein Teil asiatischer Länder darstellen. Und die asiatischen<br />
Länder haben sich weniger an die früheren verfehlten Empfehlungen<br />
der internationalen Finanzinstitutionen gehalten.
</p>
<p class="normal">
<b>demos:</b> Geht nicht ein guter Teil<br />
der Entwicklungshilfe durch Korruption verloren? Was gedenken Sie<br />
dagegen zu tun?</p>
<p><b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Das, was wir an Entwicklungszusammenarbeit<br />
leisten, fließt nicht in korrupte Kanäle oder Regime.<br />
Das stellen wir sicher über Kontrolle nach Projektfortschritt,<br />
aber auch durch die Stärkung der Kontrolle der Zivilgesellschaft<br />
in den betroffenen Ländern. Dazu arbeiten wir eng mit Transparency<br />
International zusammen.<br />
Ein Beispiel, wie Korruption am besten verhindert werden kann: Dazu<br />
beitragen, dass Öleinkommen in afrikanischen Ländern nach<br />
dem Muster transparent gemacht werden: &quot;publish what you pay<br />
and publish what you receive&quot;. D.h. die ölfördernden<br />
Unternehmen müssen ihre Zahlungen offen legen und die Entwicklungsländer<br />
die Verwendung der Einnahmen in ihren Haushalten offen legen.
</p>
<p class="normal">
<b>bndagent_koeln:</b> Aber in Palästina<br />
ging doch ein großer Teil der Entwicklungshilfe nicht an die<br />
Bevölkerung, sondern an korrupte Funktionäre der Fatah.<br />
Das war doch mit ein Grund dafür, dass die Hamas so stark geworden<br />
ist.
</p>
<p class="normal">
<b>Tristan: </b>Frau Wieczorek-Zeul, glauben<br />
Sie, dass sich die entwicklungspolitische &#8216;good governance&#8217; Theorie<br />
mit einer finanziellen Unterstützung der Hamas vereinbaren<br />
lässt?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Also<br />
zunächst mal, was wir an Entwicklungszusammenarbeit in den<br />
palästinensischen Gebieten machen, umfasst folgende Bereiche:<br />
Beschäftigungsprogramme für Jugendliche und verbesserte<br />
Wasser- und Abwasserversorgung.<br />
Wir finanzieren von unserer Seite aus die palästinensische<br />
Autonomiebehörde nicht über Budgethilfe. Die Ursachen<br />
für den Wahlerfolg sind sicher vielfältig, z.B. die Korruption<br />
im Fatah-Bereich, aber auch dass es über lange Zeit nicht gelungen<br />
ist, das Recht des palästinensischen Volkes auf einen eigenen<br />
Staat an der Seite Israels zu verwirklichen. Es bleiben die Anforderungen<br />
an die Hamas, als gewählte Regierungspartei sich in den Friedensprozess<br />
einzufügen und die Prinzipien der so genannten Road-Map zu<br />
verfolgen. Ich plädiere dafür, diesen Prozess mit Nachdruck<br />
voran zu bringen.<br />
Ob eine Isolierungsstrategie, die die US-Regierung verfolgt, wirklich<br />
den gewünschten Erfolg bringt, oder nicht erst recht eine Solidarisierung<br />
mit Hamas zur Konsequenz hat, ist die große Frage.
</p>
<p class="normal">
<b>sunshine:</b> Ich bin gerade seit einem<br />
Monat in Kenia und frage mich doch, wie man bei einer Regierung,<br />
die aufgrund ihrer korrupten Politik schon von der Bevölkerung<br />
nicht ernst genommen wird, denn sicher gehen kann dass Gelder nicht<br />
veruntreut werden. Oder geht nichts an die Regierung von der Entwicklungshilfe?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Grundsätzlich<br />
noch einmal: Wir unterstützen nicht Regierungen, sondern Menschen<br />
in den beteiligten Ländern. Zwei Beispiele für Kenia:<br />
Wir unterstützen Grundschulbildung von Kindern und wir haben<br />
Mittel aus der Entwicklungszusammenarbeit umgewidmet, um Hilfe für<br />
die hungernde Bevölkerung in bestimmten Regionen Kenias zur<br />
Verfügung zu stellen. Wir dürfen ja nicht die Menschen<br />
für ihre schlechten Regierungen bestrafen.
</p>
<p class="normal">
<b>Kolping:</b> Ich selbst habe lange<br />
in Kenia gelebt und erlebt wie Nichtregierungsorganisationen mit<br />
gleichen Aufgaben nebeneinander herarbeiten. Sollte nicht das Bundesministerium<br />
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung koordinierend<br />
wirken, um Synergieeffekte zu nutzen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Es kann<br />
natürlich nicht &#8211; wie der Name schon sagt &#8211; Aufgabe der Regierung<br />
sein, die Aufgaben von Nichtregierungsorganisationen zu koordinieren.<br />
Unabhängig davon macht es aber Sinn, dass die staatlichen Geber,<br />
die in einem Entwicklungsland tätig sind, sich mit Nichtregierungsorganisationen<br />
konzertieren, um Doppelarbeit zu vermeiden.
</p>
<p class="normal">
<b>zacharias:</b> Welche Rolle spielen<br />
Public-Private-Partnerships für Sie im Kontext der internationalen<br />
Entwicklungszusammenarbeit? Sehen sie das als Chance oder Risiko<br />
(Verlust von Kontrolle etc)?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Ich<br />
betrachte es als große Chance. Wir haben eine Initiative schon<br />
im Jahr 1999 gestartet, die wir Entwicklungspartnerschaft mit der<br />
Wirtschaft nennen. Derartige Entwicklungspartnerschaften mit der<br />
Wirtschaft umfassen mittlerweile rund 1.600 Projekte. Und wir mobilisieren<br />
mit dem Einsatz von einem Euro jeweils zwei Euro aus dem Bereich<br />
der privaten Wirtschaft. In der globalen Welt braucht es möglichst<br />
viele Beteiligte, um die Milleniums-Entwicklungsziele zu erreichen.
</p>
<p class="normal">
<b>ichsachrheingau&#8230;:</b> Wäre es<br />
nicht eine hübsche Idee, und außerdem viel besser für<br />
Frieden und Sicherheit, den Etat Ihres Hauses mit dem des Verteidigungsministers<br />
zu tauschen?
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul: </b>Spannende<br />
Perspektive. Aber Spaß beiseite. Wir haben uns als Bundesregierung<br />
auf einen Aktionsplan zur Steigerung der Entwicklungshilfe festgelegt.<br />
In diesem Jahr werden wir 0.33 Prozent des BNP erreichen. Im Jahr<br />
2010 0,51 und spätestens im Jahr 2015 0,7 Prozent. Dieses Ziel<br />
werden wir auch erreichen.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Ministerin Wieczorek-Zeul<br />
hat einen vollen Terminplan, daher superpünktlicher Schluss<br />
heute. Das war unser tagesschau-Chat mit Entwicklungsministerin<br />
Heidemarie Wieczorek-Zeul. Vielen Dank, Frau Ministerin für<br />
diesen interessanten Chat, vielen Dank an alle Leserinnen und Leser<br />
für Ihr Interesse und die zahlreichen Fragen rund um die Entwicklungspolitik.<br />
Das Protokoll des Chats finden Sie zum Nachlesen auf tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Unsere nächsten Chats sind am 15. März<br />
und 21. März. Dann stellen sich Jörg van Essen, Parlamentarischer<br />
Geschäftsführer der FDP und Peter Harry Carstensen (CDU),<br />
Ministerpräsident von Schleswig-Holstein der Diskussion. Die<br />
Chats beginnen um dreizehn bzw. sechzehn Uhr. tagesschau.de und<br />
politik-digital.de wünschen Ihnen noch einen angenehmen Tag.
</p>
<p class="normal">
<b>Heidemarie Wieczorek-Zeul:</b> Bleiben<br />
Sie der Entwicklungspolitik gewogen!</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quoteumilitaereinsatz_im_kongo_als_politisches_signalquot-154/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Das Virus lässt sich nicht auslöschen&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdas_virus_laesst_sich_nicht_ausloeschenquot-155/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdas_virus_laesst_sich_nicht_ausloeschenquot-155/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Feb 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Pandemie]]></category>
		<category><![CDATA[Vogelgrippe]]></category>
		<category><![CDATA[Michael F.G. Schmidt]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Schmidt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotdas_virus_laesst_sich_nicht_ausloeschenquot-155/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Sonntag, den 26. Februar 2006, war Professor 
Michael F.G. Schmidt, Leiter des Institut für Immunologie und 
Molekularbiologie am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität 
Berlin, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation 
mit politik-digital.de.</span> Der Virologe beantwortete Fragen 
zur Vogelgrippe und zur Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer 
Pandemie.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Sonntag, den 26. Februar 2006, war Professor<br />
Michael F.G. Schmidt, Leiter des Institut für Immunologie und<br />
Molekularbiologie am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität<br />
Berlin, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation<br />
mit politik-digital.de.</span> Der Virologe beantwortete Fragen<br />
zur Vogelgrippe und zur Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer<br />
Pandemie.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Liebe Bericht-aus-Berlin-Zuschauer, liebe tagesModerator: Liebe<br />
Bericht-aus-Berlin-Zuschauer, liebe tagesschau.de-Leserinnen und<br />
Leser, herzlich willkommen zum tagesschau-Chat zum Bericht aus Berlin.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich Professor Michael<br />
F.G. Schmidt, Leiter des Institut für Immunologie und Molekularbiologie<br />
<br />
am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität<br />
Berlin. Vielen Dank, Herr Schmidt, dass Sie sich heute die Zeit<br />
genommen haben. Starten wir hiermit:
</p>
<p>
<b>Sonntag:</b> Besteht die Chance, den Virus weltweit<br />
auszulöschen oder müssen wir ab heute ständig mit<br />
der Gefahr leben.
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Der Virus, oder: das Virus,<br />
lässt sich nicht auslöschen. Wir werden bestimmt einige<br />
Jahre damit zu tun haben. Die Hoffnung besteht, dass es mit der<br />
Zeit an Aggressivität verlieren wird, denn auch zu früheren<br />
Zeiten hat es ähnliche Seuchen gegeben, die sich mit der Zeit<br />
moderiert haben.
</p>
<p>
<b>AlexP: </b>Guten Tag Hr. Dr. Schmidt, ist es denn<br />
sinnvoll sich für zu Hause für den Fall einer Pandemie<br />
mit Mundschutz der Klasse FFP1 oder mehr auszurüsten?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das ist zunächst Unsinn.<br />
Ich rate davon ab, in diese Richtung Investitionen zu tätigen,<br />
weil völlig offen ist, ob wirklich und wann eine Pandemie zu<br />
erwarten ist.
</p>
<p>
<b>Delia: </b>Wie ist ein Rhythmus von ca. 30 Jahren<br />
für Pandemien zu erklären?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Dafür gibt es keine<br />
wissenschaftliche Erklärung. Dieser zeitliche Rhythmus basiert<br />
einzig und allein auf den Beobachtungen von durch Influenza-Viren<br />
verursachten Seuchen im letzten Jahrhundert. Die bekanntesten Pandemien<br />
sind 1890, 1918, 1957, 1968 und 1977 gewesen. Das ist alles was<br />
wir hierzu wissen.
</p>
<p>
<b>sebastian-glas-m?: </b>Guten Tag, ich sehe einerseits<br />
die Feuerwehrleute, die in weißen Overalls und mit Atemschutz<br />
Tiere abtransportieren, aber gleichzeitig heißt es, man könne<br />
bedenkenlos am Strand spazieren gehen. Angenommen, quasi alle Vögel<br />
wären H5N1 infiziert, besteht dann ein erhöhtes Risiko,<br />
durch Kot an den Schuhsohlen, der in die Wohnung getragen wird?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Man muss sich vorstellen,<br />
dass das Virus nur an ganz wenigen Stellen in unserem Land auftreten<br />
wird. Das Virus ist zudem sehr labil, es wird nach wenigen Stunden,<br />
bzw. Tagen (abhängig von der Temperatur) inaktiviert. Die Schutzanzüge<br />
der Sicherheitskräfte vor Ort dienen dazu, Tröpfcheninfektionen<br />
oder Infektionen mit Staubpartikeln zu verhindern, die beim Hantieren<br />
mit diesen toten Tieren in unmittelbarer Nähe des eigenen Körpers<br />
theoretisch möglich ist. Vom Kot geht nur Gefahr aus, wenn<br />
man unglücklicherweise eine größere Menge dieses<br />
Materials in den Nasen-Rachenraum befördern würde.
</p>
<p>
<b>Honesty:</b> Kann das Medikament Tamiflu den Virus<br />
bekämpfen oder verringert es nur die Vermehrung der Viren im<br />
Körper?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Beides ist richtig. Dadurch,<br />
dass Tamiflu die Vermehrung bei dem Budding-Prozess der neu gebildeten<br />
Virus-Partikel inhibiert, wird die Anzahl theoretisch verbreitbarer<br />
Viruspartikel drastisch reduziert und damit dem Virus die Ausbreitung<br />
blockiert.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Was bedeutet Budding-Prozess?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Budding ist die Ausschleusung<br />
von Viruspartikeln aus der infizierten Zelle. Man muss sich vorstellen,<br />
dass eine von einem Viruspartikel infizierte Zelle der Lungenschleimhaut<br />
in der Lage ist, bis zu 5.000 neue Viruspartikel zu bilden. In Gegenwart<br />
von Tamiflu sind diese 5.000 Viruspartikel in der infizierten Zelle<br />
gefangen und können dem umliegenden Gewebe keinen Schaden mehr<br />
zufügen.
</p>
<p>
<b>Andreas G: </b>Hallo, man nennt es immer Geflügelpest<br />
&#8211; kann dieses Virus nach jetzigem Erkenntnisstand auf alle Vogelarten<br />
übergreifen? Wenn ja, wäre eine Verbreitung auf dem großen<br />
Festland (Asien und Europa) gar nicht mehr zu stoppen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Interessanterweise kann<br />
sich das H5N1-Virus nicht in allen Vogelarten gleichermaßen<br />
vermehren. Zum Beispiel wächst es in Tauben außerordentlich<br />
schlecht. Das H5N1 ist vor allen Dingen auf Wasservögel spezialisiert,<br />
die das Virus allerdings auch auf Hausgeflügel übertragen<br />
können. Im Gegensatz zum Wassergeflügel, das das Virus<br />
sehr oft tolerieren kann ohne zu erkranken, hat das Virus im Hausgeflügel<br />
fatale Folgen &#8211; es bringt das Hausgeflügel (insbesondere Hühner)<br />
innerhalb von 24 bis 48 Stunden um.
</p>
<p>
<b>Tobias H:</b> Es gibt doch seit vielen Jahren großes<br />
Vogelsterben / Geflügelpest! Theoretisch hätten diese<br />
Viren damals auch mutieren können. Warum lenkt man jetzt so<br />
eine große Aufmerksamkeit auf die diesjährige Welle?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Das liegt einfach daran,<br />
dass das jetzt verbreitete H5N1-Geflügelpest-Virus unglücklicherweise<br />
sehr viel leichter in der Lage zu sein scheint, auch auf Menschen<br />
übergehen zu können. Frühere Geflügelpest-Viren<br />
waren in der Natur ebenso weit verbreitet und haben auch je nach<br />
ihrer genetischen Zusammensetzung zu empfindlichen Schäden<br />
in der Geflügelwirtschaft geführt.
</p>
<p>
<b>JpH: </b>Wie wahrscheinlich ist denn mit einer Übertragung<br />
des Virus auf den Menschen zu rechnen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Die Vergangenheit hat gezeigt,<br />
dass das Virus prinzipiell in der Lage ist, auch in den Menschen<br />
einzudringen, dies ist allerdings nur möglich, wenn die Betroffenen<br />
einer sehr hohen Virusdosis ausgesetzt waren.
</p>
<p>
<b>Shanghai:</b> Warum sind die in der Türkei erkrankten<br />
Kinder verstorben? Haben sie keinen Zugang zu Medikamenten? Ist<br />
Ihnen in der Sache etwas bekannt?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Es ist zu vermuten, dass<br />
in diesen Fällen zu spät erkannt worden ist, woran diese<br />
Kinder erkrankt waren und zudem ist anzunehmen, dass Tamiflu kaum<br />
verfügbar war oder zu spät gegeben wurde.
</p>
<p>
<b>moritz-cm:</b> Da auch jetzt tote Vögel im oder<br />
am Bodensee gefunden worden sind, wollte ich fragen, ob das auch<br />
Auswirkungen auf die Wasserversorgung haben kann?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das ist gänzlich ausgeschlossen,<br />
weil zu einer Infektion Milliarden von Viruspartikeln des Typs H5N1<br />
erforderlich wären. Solche Virusmengen sind nur in unmittelbarer<br />
Nähe infizierter Tiere möglich. Im Seewasser wären<br />
etwaige Viruspartikel derart verdünnt und infolge ihrer Instabilität<br />
schon nach kurzer Zeit zerstört.
</p>
<p>
<b>Rita Koch: </b>Kann man unbedenklich in Gewässern<br />
baden, wenn dort kranke Tiere gefunden wurden?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das ist absolut möglich.<br />
Es gibt keinerlei Infektionsrisiko, wenn man den Badefreuden nachgeht.
</p>
<p>
<b>Anton Weigl:</b> Wenn ich im Geschäft Eier kaufe,<br />
so haftet an diesen gelegentlich noch etwas Kot, manchmal auch kleine<br />
Federn. Besteht hieraus ein Infektionsrisiko?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das ist nur eine rein theoretische<br />
Möglichkeit, die aber in der heutigen Praxis ausgeschlossen<br />
werden kann, denn erstens legen infizierte Tiere keine Eier mehr,<br />
zweitens gibt es ohnehin keinerlei H5N1 in unseren Geflügelbeständen.
</p>
<p>
<b>FranziskaFranke:</b> Wie kann es denn sein, dass nun<br />
plötzlich das Virus hier auftritt, obwohl die Zugvogelsaison<br />
noch gar nicht begonnen hat? Oder ist die Vogelgrippe schon länger<br />
im Land, ohne dass es jemand bemerkt hätte?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Das Virus ist nach Rügen<br />
eingetragen worden von Vogeltrupps, die vorzeitig aus dem Baltikum<br />
und aus Westrussland ein Ortsverlagerung vorgenommen haben. Über<br />
diese &#8211; wahrscheinlich Singschwäne und Möwen &#8211; ist diese<br />
Infektion in den Wildvogelbestand dieser Region getragen worden<br />
und hat sich, dort langsam weiter verbreitet. Ein weiterer Eintrag<br />
von H5N1-Viren durch den beginnenden Vogelzug ist keineswegs ausgeschlossen.<br />
Deshalb sollte niemand überrascht sein, wenn dies Virus in<br />
den nächsten Wochen und Monaten an weiteren Stellen unseres<br />
Landes, oder der Nachbarländer, nachgewiesen wird.
</p>
<p>
<b>Tyrael: </b>Stimmt die Vermutung, dass eine für<br />
uns gefährliche Mutation eher im asiatischen Raum auftreten<br />
wird?
</p>
<p>
<b>flyaway: </b>Ich habe gehört, dass das Virus<br />
nur in der Schleimhaut von Atemwegen von Schweinen so mutieren kann,<br />
dass es für Menschen gefährlich werden kann und dass daher<br />
die gemeinsame Haltung von Geflügel und Schweinen, wie sie<br />
in Asien weit verbreitet ist, besonders kritisch ist. Stimmt das<br />
und wenn ja, warum?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Zur ersten Frage: Es ist<br />
anzunehmen, dass eine potentielle Pandemie ihren Ursprung in Südostasien<br />
nehmen wird, weil nur dort die sozio-ökonomischen Gegebenheiten<br />
eine häufigere Infektion von Menschen ermöglichen. Dass<br />
sich in unserem Land jemand mit H5N1 infizieren wird, halte ich<br />
für extrem unwahrscheinlich, weil wir nicht mit infizierten<br />
Hühnern in der Küche zusammenleben. Zur zweiten Frage:<br />
Schweine scheinen bei dem H5N1-Virus keine Rolle zu spielen. Vielmehr<br />
müssen wir befürchten, dass die entscheidenden Mutationen<br />
nur auftreten werden, wenn das Virus in einem Menschen, der sich<br />
unglücklicherweise infiziert hat, Gelegenheit zur Vermehrung<br />
erhält, wobei (wie bei Influenza A-Viren immer der Fall) hier<br />
ein Übungsfeld für erfolgreiche Mutationen gegeben ist.<br />
Wenn eine Mutation erfolgt, die dem Virus erlaubt, bei einer erneuten<br />
Infektion Menschen viel leichter zu befallen als anfangs, ist möglicherweise<br />
der erste Schritt zur Pandemie gelungen. Wegen dieses Zusammenhangs<br />
ist es immens wichtig, jegliche Infektionen von Menschen auszuschließen.<br />
Das gelingt in unseren Regionen sicher leichter als in der Osttürkei,<br />
in China oder in Thailand.
</p>
<p>
<b>sorge:</b> Meine Schwester hat schon im November Tamiflu<br />
für die ganze Familie besorgt. Damals sagte mir die Hausärztin,<br />
dass Tamiflu ungeeignet sei, weil das Virus doch anders aussehen<br />
werde bei einer Pandemie. Jetzt fällt der Name Tamiflu in den<br />
Medien und die Bevölkerung soll damit versorgt werden. Was<br />
ist richtig?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Tamiflu funktioniert bei<br />
allen Influenza-A-Viren, so auch beim H5N1-Virus, oder daraus abgeleiteten<br />
Formen, oder Mutanten. Nur wenn Tamiflu sehr lange genutzt worden<br />
ist, und viele Leute es eingenommen haben, könnte es passieren,<br />
dass das Virus beginnt, sich daran zu gewöhnen und sich wiederum<br />
langsam so verändert, dass Tamiflu immer schlechter wirkt und<br />
das Virus resistent gegen Tamiflu wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das heißt konkret: Tamiflu sollte<br />
man nicht auf eigene Verantwortung nehmen, sondern nur auf Anweisung<br />
eines Arztes?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Das ist richtig. Tamiflu<br />
sollte nur auf ärztliche Anordnung genommen werden. Wichtig<br />
ist, dass man bei gravierenden Grippe-Symptomen möglichst bald<br />
den Arzt aufsucht. Nicht prophylaktisch nehmen.
</p>
<p>
<b>mick1723:</b> Ist die ganze Sache mit der Vogelgrippe<br />
nicht einfach nur reine Panikmache der Medien, genauso wie bei BSE,<br />
nach einem Jahr wird keiner mehr darüber sprechen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Es ist zu hoffen, dass der<br />
Zuschauer die Berichterstattung in den Medien nicht in erster Linie<br />
als Panikmache versteht, sondern daraus lernt, was tatsächlich<br />
durch dieses Virus bewirkt werden kann und wie man sich sinnvollerweise<br />
gegen eine Infektion mit H5N1 schützen kann. Weiterhin ist<br />
es wichtig, aus der Berichterstattung zu lernen, dass im Moment<br />
für den Menschen in Deutschland keinerlei Bedrohung besteht,<br />
dass vor allen Dingen Geflügelprodukte und Eier ebenso gut<br />
sind, wie sie es immer waren und es also keinerlei Infektionsrisiko<br />
gibt, wenn man solche Produkte verzehrt. Es ist sehr wichtig, dass<br />
man sich dies zu Herzen nimmt, denn, wer auf die Berichterstattung<br />
mit solcherlei Panik reagiert, schadet unserer Wirtschaft und sich<br />
selbst auf empfindliche Weise.
</p>
<p>
<b>Sonntag:</b> Reagiert &quot;die Politik &quot; Ihrer<br />
Meinung nach richtig auf die momentane Situation?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Ich finde die Politik hat<br />
hervorragend reagiert, ob nun SPD oder CDU-regierte Bundesländer<br />
betroffen waren oder sind. Die positiven Ergebnisse sprechen für<br />
sich: obwohl das Virus in Rügen gehäuft aufgetreten war,<br />
ist es gelungen, eine massenhafte Verseuchung der umliegenden Gegenden<br />
und Länder zu verhindern und vor allen Dingen sicher zu stellen,<br />
dass Wirtschaftsgeflügelbestände bisher nicht betroffen<br />
sind. Glücklicherweise gibt es auch keine Infektionen von Menschen<br />
mit dem H5N1, was bestimmt auch darauf zurückzuführen<br />
ist, dass die Menschen aus der Berichterstattung gelernt haben,<br />
infizierte, verendete Tiere nicht zu berühren oder gar erkrankte<br />
Tiere zur Pflege mit nach Hause zu bringen.
</p>
<p>
<b>Thomas2006: </b>Wird die Verbreitung des Erregers<br />
H5N1 in den wärmeren Monaten im Frühjahr und Sommer zurückgehen<br />
bzw. der Erreger verschwinden?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Davon ist auszugehen. Deshalb,<br />
und nicht nur deshalb, hoffen wir alle möglichst bald auf frühlingshafte<br />
Temperaturen.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Welche Temperaturen werden für<br />
das Virus kritisch?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Schon bei Raumtemperatur<br />
von ca. 22 Grad Celsius verliert das Virus rapide an Infektionskraft.<br />
Ich scheue mich, hier genaue Zahlen zu nennen, weil dies von der<br />
genauen Umgebung der Viruspartikel abhängt (PH-Wert, Ionen,<br />
Detergenz).
</p>
<p>
<b>caburger:</b> Wieso hat sich der Erreger im Süden<br />
von Asien so gut halten können, wo es doch dort noch deutlich<br />
wärmer ist als bei uns?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das Virus hat sich in der<br />
Wildvogelpopulation, insbesondere in Wasservögeln gehalten.<br />
Es hält sich nicht etwa isoliert auf im Erdreich, oder in Seen<br />
oder im Wasser, sondern es hält sich in der Region innerhalb<br />
der Wasservögel und Wildvögel und wird von infizierten<br />
Tieren vor allen Dingen im direkten Kontakt an nicht-infizierte<br />
Tiere weitergegeben. Und hier tritt die Infektion insbesondere in<br />
Erscheinung wenn Wirtschaftsgeflügel &#8211; vor allen dingen Hühner<br />
&#8211; infiziert wurde, weil diese nach kurzer Zeit sterben.
</p>
<p>
<b>Jens M:</b> Ist davon auszugehen, dass der Virus im<br />
nächsten Winter wiederkommt?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Das ist durchaus möglich,<br />
weil das H5N1 in Wasservögeln relativ weit verbreitet zu sein<br />
scheint.
</p>
<p>
<b>Kleiber:</b> Bin grippegeimpft. Schützt mich<br />
das gegen das Virus?
</p>
<p>
<b>jörg heyn:</b> Ist es sinnvoll, sich jetzt noch<br />
gegen Grippe impfen zu lassen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Die Grippeimpfung ist unter<br />
allen Umständen ratsam, denn sie reduziert die Chance, dass<br />
sich im Falle einer Mischinfektion (normales Grippe-Virus plus H5N1-Virus)<br />
ein<br />
neuer Stamm bilden kann, der unter Umständen in der Lage ist,<br />
von Mensch zu Mensch überzuspringen. Die Grippeimpfung schützt<br />
natürlich nicht direkt vor einer Infektion mit H5N1, weil bei<br />
letzterem Virus völlig andere antigene Strukturen wirken als<br />
beim herkömmlichen humanen Grippevirus, gegen das wir mit Hilfe<br />
der Impfung einen Antikörperschutz verleihen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es wird unterschieden zwischen „hoch-pathogenem“<br />
und „niedrig-pathogenem“ H5N1-Virus. Können Sie<br />
uns den Unterschied kurz erklären?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Ich will es nicht molekular<br />
erklären. Aber man kann einfach sagen, dass das nicht pathogene<br />
Virus lediglich im Rachenraum leben kann und dort Schäden verursachen<br />
kann, wohingegen das hoch pathogene Virus sich im gesamten Körper<br />
ausbreiten kann und sogar das Gehirn befallen kann.
</p>
<p>
<b>David22:</b> Wie unterscheidet sich der Krankheitsverlauf<br />
einer &quot;H5N1-Grippe&quot; beim Menschen von einer normalen Grippe?<br />
Anders gefragt: Muss es erst zu einem Todesfall gekommen sein, bis<br />
das Virus nachgewiesen wird oder gibt es bereits vorher Anzeichen,<br />
die einen Arzt misstrauisch machen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Ich bin kein Humanmediziner<br />
und möchte denen nicht in die Parade fahren. Man sollte dazu<br />
die Homepage des Robert-Koch Instituts konsultieren. Als Nicht-Mediziner<br />
kann ich immerhin sagen, dass eine H5N1-Infektion zu gravierenden<br />
Veränderungen der Lunge führt, was eine furchtbare Lungenentzündung<br />
verursacht und dass sich das Virus auch in weiteren inneren Organen<br />
ausbreitet und dort Schäden verursacht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Und noch sehr konkret:
</p>
<p>
<b>uwoltma:</b> Direkt über meinem Schlafzimmerfenster<br />
befinden sich mehrere Schwalbennester. Könnte das gefährlich<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt:</b> Kann nicht gefährlich<br />
werden. Bisher sind noch keine H5N1-infizierten Schwalben festgestellt<br />
werden.
</p>
<p>
<b>goofer: </b>Welche anderen Tiere außer Vögel<br />
können sich denn infizieren?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Prinzipiell können<br />
mit H5N1 eine ganze Reihe von Säugetieren infiziert werden.<br />
Dies ist allerdings vor allen Dingen in Laborexperimenten gelungen.<br />
Aus der Natur gibt es praktisch keine Belege für eine natürliche<br />
Infektion, beispielsweise von Katzen oder Hunden mit dem H5N1-Virus.
</p>
<p>
<b>Scrat: </b>Was fehlt dem H5N1-Virus noch, um von Mensch<br />
zu Mensch zu Mensch überspringen zu können? Und wie groß/klein<br />
ist dieser Schritt?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Das kann man nicht quantifizieren<br />
und man kann es auch nicht werten. Das ist ein Spiel der Natur,<br />
die über die verschiedensten Mutationen an den elf Genprodukten<br />
(Eiweißen) unter Umständen ein fatales Virus hervorbringen<br />
könnte. Einen Punkt kann man vielleicht doch spezifizieren:<br />
Grundvoraussetzung für die Menschengängigkeit eines solchen<br />
neuen Pandemie-Virus ist das Erlernen eines effizienten Andockens<br />
an den beim Menschen typischen Rezeptor, der sich zum Glück<br />
vom entsprechenden Rezeptor der Vögel unterscheidet.
</p>
<p>
<b>gert: </b>Immer mehr tote Vögel werden gefunden.<br />
Ist denn noch Laborkapazität vorhanden, all diese Funde ordnungsgemäß<br />
zu untersuchen?
</p>
<p>
<b>Michael F.G. Schmidt: </b>Sehr gute Frage. Es ist<br />
ein großes Problem, alle Tiere zu untersuchen. In der Tat<br />
werden im Wesentlichen Wasservögel angeschaut, die als Hauptüberträger<br />
des Virus gelten. Andere Vogelarten müssen erst einmal in die<br />
Warteschleife, weil es nicht genügend Personal für die<br />
aufwändigen Untersuchungen gibt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren unsere 60 Minuten Chat zum<br />
Thema Vogelgrippe. Herzlichen Dank an Sie, Professor Schmidt, dass<br />
Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Protokoll des<br />
Chats finden Sie zum Nachlesen auf www.tagesschau.de, www.berichtausberlin.de<br />
und www.politik-digital.de. Der nächste Chat ist für den<br />
Montag, dreizehnten März geplant. Dann stellt sich ab dreizehn<br />
Uhr Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul Ihren Fragen.<br />
Wir wünschen allen Beteiligten noch einen angenehmen Sonntagabend!
</p>
<p>Heute Abend hatten unsere Moderatoren mit sehr vielen Fragen zu<br />
tun. Leider konnten nicht alle an Herrn Prof. Schmidt weitergeleitet<br />
werden. Wir möchten jedoch auf das aktuelle Dossier zum Thema<br />
auf tagesschau.de hinweisen, wo auch eine Info-Hotline des Landwirtschaftsministeriums<br />
genannt wird. Zudem fragten sehr viele Nutzer nach Gefahr für<br />
Hund und Katze und mögliche Übertragungswege. Diese Frage<br />
wurde auch bereits im ersten unserer Chats mit Prof. Wieler ausführlich<br />
behandelt, ich empfehle das Transkript des Chats vom vergangenen<br />
Mittwoch. </p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdas_virus_laesst_sich_nicht_ausloeschenquot-155/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Ansteckungsgefahr für den Menschen ist sehr, sehr gering&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_ansteckungsgefahr_fuer_den_menschen_ist_sehr_sehr_geringquot-156/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_ansteckungsgefahr_fuer_den_menschen_ist_sehr_sehr_geringquot-156/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Feb 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Pandemie]]></category>
		<category><![CDATA[Vogelgrippe]]></category>
		<category><![CDATA[Lothar Wieler]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotdie_ansteckungsgefahr_fuer_den_menschen_ist_sehr_sehr_geringquot-156/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 22. Februar 2006, war Professor 
Dr. Lothar Wieler, Geschäftsführender Direktor des Instituts 
für Mikrobiologie und Tierseuchen an der Freien Universität 
Berlin, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation 
mit politik-digital.de.</span> Der Experte beantwortete Fragen zur 
Ausbreitung der Vogelgrippe </b><b>und möglichen 
Gefahren der Seuche für den Menschen.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, den 22. Februar 2006, war Professor<br />
Dr. Lothar Wieler, Geschäftsführender Direktor des Instituts<br />
für Mikrobiologie und Tierseuchen an der Freien Universität<br />
Berlin, zu Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation<br />
mit politik-digital.de.</span> Der Experte beantwortete Fragen zur<br />
Ausbreitung der Vogelgrippe </b><b>und möglichen<br />
Gefahren der Seuche für den Menschen.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator</b></span></span></span>:<br />
Liebe Leserinnen und Leser, User und Nutzer von tagesschau.de, herzlich<br />
willkommen beim tagesschau-Chat. Unser Gast im ARD-Hauptstadtstudio<br />
ist heute Professor Dr. Lothar Wieler vom Institut für Mikrobiologie<br />
und Tierseuchen an der Freien Universität Berlin. <br />
Können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler :</b> Ja.
</p>
<p>
<b>Tristan:</b> Wie würden Sie die Situation einschätzen?<br />
Haben wir es in den Medien, wenn dort von einer Pandemie gesprochen<br />
wird, mit Panikmache zu tun?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Die Möglichkeit einer Pandemie<br />
kann nicht vollständig ausgeschlossen werden. Es ist sehr wichtig,<br />
dass man gerade in der Politik und in den Behörden viele Möglichkeiten<br />
theoretisch vordenkt.
</p>
<p>
<b>A Volbracht:</b> Weiß man wie das Virus nach<br />
Rügen gelangte? Entdeckt wurde das Virus vor einigen Tagen,<br />
ist es vielleicht aber schon länger auf Rügen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Man weiß nicht, wie das<br />
Virus dorthin gelangt ist. Man überprüft aber schon seit<br />
mehreren Jahren stichprobenartig inzwischen über 4.000 Wildvögel<br />
auf H5N1 und hat bis letzte Woche nie dieses Virus gefunden. Es<br />
ist jetzt die Stunde der Epidemiologen in Wusterhausen (Friedrich<br />
Löffler Institut), die nun Untersuchungen durchführen<br />
um die Herkunft des Virus herauszufinden.
</p>
<p>
<b>Der_Gockel:</b> Wozu raten Sie eher: Den Ball flach<br />
halten, um die Bevölkerung nicht in Panik zu versetzen, oder<br />
rückhaltlose Aufklärung mit der Gefahr der Panikmache?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Panik ist immer ein schlechter<br />
Berater. Ich glaube, dass eine transparente, seriöse Aufklärung<br />
sehr wichtig ist, damit alle Mitbürger sich selber ein richtiges<br />
Bild machen können.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Ganz konkret:
</p>
<p>
<b>Anette: </b>Meine neunjährige Tochter will im<br />
April nach Rostock fahren. Kann ich sie unbesorgt fahren lassen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Zurzeit geht einzig und allein<br />
eine Infektionsgefahr von infizierten Wildvögeln aus. Darum<br />
muss jeder Mitbürger und eben auch jedes Kind sich schlichtweg<br />
von toten Wildvögeln und von Wildvögelkot fern halten.<br />
Wenn diese Verhaltensmaßregeln konsequent eingehalten werden,<br />
besteht kein Infektionsrisiko für die Menschen. Deshalb sollte<br />
Ihre Tochter nach Rostock fahren und sich entsprechend verhalten.
</p>
<p>
<b>klausdieter: </b>Gibt es eine Erklärung warum<br />
gerade die Schwäne so stark befallen sind?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Bislang gibt es nur Spekulationen.<br />
Die Fragen werden zukünftig von Epidemiologen beantwortet.<br />
Folgende Möglichkeiten bestehen prinzipiell: Erstens, Schwäne<br />
sind sehr empfänglich für das Virus. Zweitens, Schwäne<br />
haben sich nach dem langen Winter an wenigen Wasserstellen mit anderen<br />
Wildvögeln intensiv getroffen und sich dort, bei diesen Wildvögeln<br />
angesteckt, die nicht erkrankt sind, aber das Virus tragen.
</p>
<p>
<b>Jessika: </b>Guten Tag Herr Prof. Dr. Wieler, in den<br />
Nachrichten hörte ich, dass der Vogelgrippevirus auch Mäuse<br />
infiziert. Wie ist hier das Gefährdungspotential für Menschen;<br />
denn Mäuse finden sich wohl überall dort, wo Lebensmittel<br />
auf Vorrat gehalten werden &#8211; also auch in Supermärkten?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Unter natürlichen Bedingungen<br />
wurden bislang nie Mäuse gefunden, die mit dem Vogelgrippevirus<br />
infiziert waren. Im Labor ist es möglich, solche Tiere mit<br />
den Viren zu infizieren. Das tut man aus Forschungszwecken, um mehr<br />
über diese Viren zu lernen. Für die Verbreitung des Vogelgrippevirus<br />
spielen Mäuse aber derzeit keine Rolle.
</p>
<p>
<b>Consystor: </b>Wie lange dauert es, bis bei einem<br />
infizierten Vogel der Tod eintritt bzw. bei wie viel Prozent der<br />
infizierten Vögel tritt der Tod überhaupt ein?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Diese Frage ist sehr schwer<br />
zu beantworten, weil es sehr viele verschiedene Vogelarten gibt.<br />
Niemand weiß, wie bei jeder dieser Vogelarten die Virusinfektion<br />
abläuft. Hühner sterben innerhalb von ein bis zwei Tagen<br />
nach der Infektion. Ebenso Puten. Tauben werden nur infiziert, erkranken<br />
aber gar nicht. Das sind zwei Beispiele, die für uns wichtig<br />
sind. In der Zukunft werden wir sicherlich auch noch mehr darüber<br />
erfahren, warum Schwäne an der Infektion erkranken, aber Enten<br />
weniger. Das sind sehr wichtige Fragen, die wir hoffen zukünftig<br />
zu beantworten; die wir auch beantworten müssen, um eine Risikoeinschätzung<br />
seriös vornehmen zu können.
</p>
<p>
<b>mb: </b>Wie lange kann der Virus an der frische Luft<br />
bzw. in geschlossenen Räumen überleben?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Das hängt immer von dem<br />
Klima, der Luftfeuchtigkeit, der Temperatur und vielen anderen Faktoren<br />
ab. Wir wissen, dass das Virus in trockenem Hühnerkot bei 4°C<br />
bis zu vier Wochen überleben kann. Wir wissen, dass das Virus<br />
im Wasser (kaltem Wasser) ebenfalls viele Tage überleben kann.<br />
Da aber alle diese äußeren Faktoren immer variieren,<br />
kann man nicht für jede Situation die genaue Überlebensfähigkeit<br />
einschätzen. Klar ist, dass zum Beispiel im Sommer das Virus<br />
im Wasser viel kürzere Zeit überleben kann.
</p>
<p>
<b>sphenoid: </b>Ist der Übertragungsweg des Virus<br />
geklärt? Sprechen wir von einer reinen fäkal-oralen Infektion,<br />
oder könnte auch eine Tröpfcheninfektion in Frage kommen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Ich gehe davon aus, dass es<br />
bei der Frage um Tiere geht. Tiere stecken sich über trockenen<br />
Kot an, das heißt eben fäkal-oral, und sie atmen auch<br />
Staubpartikel ein, die Virus enthalten. Wasservögel stecken<br />
sich zum Beispiel darüber an, dass infizierte Wasservögel<br />
in der Regel ins Wasser ausscheiden, und dann nehmen sie den Erreger<br />
vor allen Dingen oral auf.
</p>
<p>
<b>Amanda12:</b> Ich frage mich, wie groß die Übertragungsgefahr<br />
ist, wenn man z.B. am Strand barfuß in Kontakt mit Kot von<br />
betroffenen Vögeln kommt?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Der Mensch kann sich nur anstecken,<br />
wenn er entweder den Erreger einatmet oder den Erreger isst.
</p>
<p>
<b>Adrian: </b>Stirbt der Virus, der sich z.B. in Fleisch<br />
oder Eiern befindet durch Braten oder Kochen ab?
</p>
<p>
<b>bastian123de:</b> Sterben die Bakterien ab, wenn infiziertes<br />
Fleisch gekocht wurde?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Erhitzen tötet die Viren<br />
sehr schnell und effizient ab. Das heißt, Braten und Kochen<br />
ist ein hundertprozentiges Mittel, um die Viren abzutöten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie hoch muss die Temperatur sein?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Die Temperatur muss 70°<br />
für etwa 5 Minuten sein, dann ist das Virus sicher abgetötet.
</p>
<p>
<b>Joswiss: </b>Muss dazu das Fleisch auch gut durchgebraten<br />
sein?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Man sollte das Fleisch gut durchbraten.
</p>
<p>
<b>Florian0706: </b>Wenn man sich ansteckt, indem man<br />
den Erreger isst, würde das ja bedeuten, dass man sich beim<br />
Baden im Badesee anstecken könnte, wenn man ‚aufgelösten<br />
Kot’ zu sich nimmt?
</p>
<p>
<b>Nabeln: </b>Könnte eine Ansteckung durch das<br />
Baden in einem betroffenen See geschehen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler :</b> Gute Frage. Man steckt sich<br />
mit Viren nur dann an, wenn eine bestimmte Menge an Virus aufgenommen<br />
wird &#8211; es gibt keine 100prozentige „attack rate“. Das<br />
heißt, sollte im Sommer virushaltiger Kot im Badegewässer<br />
vorhanden sein, dann ist nicht davon auszugehen, dass die Viruskonzentration<br />
so hoch ist, dass ein Mensch sich anstecken kann. Weiterhin stirbt<br />
im Sommer das Virus viel schneller ab, weil das Wasser viel wärmer<br />
ist als im Winter.
</p>
<p>
<b>marsian:</b> An welchen Symptomen erkenne ich, ob<br />
ich vom Federvieh besser die Finger lassen sollte?
</p>
<p>
<b>Tristan:</b> Wie kann man erkennen, dass ein Tier<br />
infiziert ist? Äußere Merkmale etc.?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Zunächst einmal würde<br />
ich mich generell von Federvieh fern halten, wenn ich nicht beruflich<br />
damit zu tun habe. Hühner werden teilnahmslos, die Eierqualität<br />
lässt nach, sie bewegen sich nicht mehr so viel, und sie sterben<br />
innerhalb von 1-2 Tagen. Auch bei anderen Vögeln steht im Vordergrund,<br />
dass das allgemeine Wohlbefinden reduziert ist und die Tiere schlichtweg<br />
nicht mehr so aktiv sind, wie man es von ihnen gewohnt ist. Sie<br />
sind schwach, bewegen sich nicht mehr von der Stelle und sterben<br />
dann.
</p>
<p>
<b>brushless:</b> Was bringt eigentlich das Keulen von<br />
gesunden Tieren?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Wenn man eine Tierseuche wirklich<br />
effektiv bekämpfen will, dann muss man alles tun, damit der<br />
Erreger sich nicht mehr vermehren kann. Dazu gibt es prinzipiell<br />
zwei Möglichkeiten: die eine ist die, dass man Medikamente<br />
gibt, die eine Virusvermehrung verhindern. Diese Möglichkeit<br />
haben wir in der Tierseuchenbekämpfung nicht. Die zweite Möglichkeit<br />
ist die, dass man den Viren ihren Wirt wegnimmt. Viren können<br />
sich nur in Wirten vermehren, nicht aber in der Umwelt. Wenn man<br />
Vögel vorsorglich tötet, hat das Virus keine Chance, sich<br />
in ihnen zu vermehren.
</p>
<p>
<b>Leon:</b> Kann sich mein Hund, der gerne Vögel<br />
jagt, anstecken? Bzw. kann er das Virus dann auf den Menschen übertragen?
</p>
<p>
<b>LeKa:</b> Kann der Virus auf Hauskatzen übertragen<br />
werden und von Katze auf Mensch?
</p>
<p>
<b>fritz2006:</b> Darf mein Kanarienvogel Hansi nun auch<br />
nicht mehr raus, und was mach ich mit dem Futter in meinem Vogelhäuschen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Derzeit wissen wir Folgendes:<br />
Erstens: Katzen können sich anstecken, wenn sie ein Huhn oder<br />
einen Vogel fressen, der an H5N1 verstorben ist. Zweitens: Hunde<br />
wurden bisher noch nie als H5N1-empfänglich beschrieben. Drittens:<br />
Kanarienvögel können sich mit H5N1 anstecken. Das heißt,<br />
lebt man in einem Gebiet, in dem H5N1-gefährdete Vögel<br />
vorkommen, sollte man Hunde unbedingt an die Leine nehmen, und Katzen<br />
sollten möglichst im Haus bleiben. Dass Katzen den Menschen<br />
anstecken könnten, ist unwahrscheinlich, denn sie müssten<br />
dazu den Menschen sehr intensiv beißen. Generell &#8211; unabhängig<br />
von der H5N1-Infektion &#8211; sollte man Vogelhäuschen immer feucht<br />
reinigen, damit kein Staub entsteht, den man eventuell einatmen<br />
könnte. Zurzeit sollte man darüber hinaus Vogelhäuschen<br />
in Desinfektionsmittel einweichen. Diese gibt es in jeder Apotheke<br />
zu kaufen.
</p>
<p>
<b>Hallo Wieler: </b>Frau Höhn fordert eine Impfung<br />
aller gefährdeten Tiere. Was halten sie davon?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Das ist kompliziert. Erstens:<br />
Es gibt keinen Impfstoff, der eine Infektion mit dem Virus verhindern<br />
kann. Zweitens: Geimpfte Tiere sind vor der Krankheit geschützt,<br />
aber eben nicht vor der Infektion. Daraus folgt, dass ich zwar mit<br />
einer Impfung Tiere vor der Krankheit schützen kann, und auch<br />
die Virus-Vermehrung in diesen Tieren verringern kann, ich kann<br />
damit aber nicht das Virus ausrotten. Deshalb hängt der Einsatz<br />
von Impfstoffen von der jeweiligen Seuchen-Situation ab. In Deutschland<br />
haben wir bislang keine H5N1-Seuche in Nutztierbeständen. Deshalb<br />
ist zurzeit eine Impfung nicht indiziert. Sollten wir in der Zukunft<br />
vermehrt Ausbrüche in Nutz-Geflügelbeständen haben,<br />
dann wird die Impfung sicher eine Option werden, auf die man zurückgreifen<br />
muss. Denn dann will man die Virusvermehrung aufhalten.
</p>
<p>
<b>Joswiss:</b> Wenn der bestehende Impfstoff bei Tieren<br />
dazu führt, dass die Krankheit nicht ausbricht, warum kann<br />
man diesen Impfstoff dann nicht auch für Menschen einsetzen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Zurzeit geht von dem H5N1-Virus<br />
eine sehr, sehr geringe Ansteckungsgefahr für den Menschen<br />
aus. Bislang sind weltweit über 90 Menschen an dieser Infektions-Krankheit<br />
verstorben. Aber es ist sicher, dass viel mehr Menschen mit diesem<br />
Virus Kontakt hatten. Das heißt, eine Impfung gegen ein Virus,<br />
das nur so wenige Menschen infiziert, ist sinnlos. Darum wird zurzeit<br />
kein Impfstoff dagegen produziert. Alle Experten fürchten,<br />
dass es irgendwann einmal zu einer Pandemie kommen kann. Das Virus,<br />
das diese Pandemie auslöst, ist aber nicht bekannt. Es ist<br />
erst dann bekannt, wenn die Pandemie begonnen hat. Dann muss man<br />
mit diesem Virus einen Impfstoff herstellen.
</p>
<p>
<b>happyfranz: </b>Sollte man sich doch angesteckt haben,<br />
wie ist der genaue Krankheitsverlauf?
</p>
<p>
<b>mathilda: </b>Welches sind die ersten Symptome für<br />
eine Ansteckung beim Menschen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das bezieht sich wohl auf den bisher<br />
bekannten Virus H5N1.
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Es ist sehr wichtig zu wissen,<br />
dass man sich nur anstecken kann, wenn man ganz intensiven Kontakt<br />
mit H5N1-erkrankten Vögeln hat. Die Symptome sind sehr vergleichbar<br />
mit den typischen Grippesymptomen: Abgeschlagenheit, Fieber, Gliederschmerzen.<br />
Lediglich die Symptome von Seiten des Atemtraktes, Husten und Atemnot,<br />
sind stärker ausgeprägt als bei der normalen Grippe.
</p>
<p>
<b>miles: </b>Kann das Virus auch von geimpften Tieren<br />
übertragen werden?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Ja. Genau das ist der Grund,<br />
warum wir mit der Impfung so sorgfältig umgehen müssen.<br />
Es ist wichtig zu wissen, dass trotz Impfung Viren das Tier infizieren<br />
können und sich das Virus im Tier auch vermehren kann. Allerdings<br />
ist die Virusmenge wesentlich geringer als in einem nicht-geimpften<br />
Tier. Deshalb wird weniger Virus ausgeschieden und entsprechend<br />
können auch weniger andere Tiere angesteckt werden.
</p>
<p>
<b>gast3487520: </b>Sie haben vorhin erwähnt, dass<br />
Tauben das Virus zwar aufnehmen und übertragen, aber nicht<br />
daran erkranken. Geht dann nicht eine große Gefahr von den<br />
vielen Stadttauben aus? Gerade wenn das Virus mutieren sollte?
</p>
<p>
<b>Berliner: </b>Muss das Übertragungsrisiko des<br />
Virus über Tauben, Katzen und Hunde nicht auch ernsthaft diskutiert<br />
werden und konsequent &#8211; nach dem Vorsichtsprinzip &#8211; in konkrete<br />
Prophylaxemaßnahmen bzw. Aufklärungskampagnen einbezogen<br />
werden? Zurzeit gibt es dazu offenbar in den Bundesländern,<br />
laut Tagesspiegel, auf Fachministerebene gravierende widersprüchliche<br />
Einschätzungen und Verlautbarungen. Was sage Sie dazu, Herr<br />
Professor W.?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Also, zunächst mal zu den<br />
Tauben: Die Tauben scheiden nach unserem heutigen Wissen den Erreger<br />
nicht aus! Deshalb spielen nach unserer Ansicht Tauben keine Rolle<br />
bei der Übertragung des Virus. Bezüglich der Hunde und<br />
Katzen können wir das Risiko nicht gänzlich ausschließen.<br />
Deshalb kann ich nur an alle Hunde- und Katzenbesitzer in den betroffenen<br />
Gebieten (in denen H5N1 in Wildvögeln nachgewiesen wurde) appellieren,<br />
ihre Katzen möglichst im Haus zu lassen. Vor allen Dingen aber<br />
ihre Hunde bitte anzuleinen. Diese sehr einfachen Maßnahmen,<br />
insbesondere bzgl. der Hunde (denn Katzen sind natürlich nicht<br />
immer einfach im Haus zu halten), sollten von den Mitbürgern<br />
schlichtweg als vorbeugende Maßnahme durchgeführt werden.
</p>
<p>
<b>hu :</b> Sind für die Abtötung des H5N1-Virus<br />
im Gesundheitswesen (Arztpraxis) formaldehydbasierte Desinfektionsmittel<br />
(Robert-Koch-Institut-gelistet) erforderlich, oder reichen auch<br />
die DGHM (Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie<br />
)-gelisteten Mittel aus?</p>
<p><b>Lothar H. Wieler:</b> Influenza-A-Viren sind sehr empfindlich<br />
in der Umwelt. Jedes gängige, zugelassene Desinfektionsmittel,<br />
das nach Herstellerangaben eingesetzt wird, tötet das Virus<br />
sicher ab.
</p>
<p>
<b>Grisu2001 :</b> Verringert eine herkömmliche<br />
Influenzaimpfung das Risiko einer Vogelgrippeinfektion beim Menschen,<br />
oder könnte dadurch eine Mutation sogar noch begünstigt<br />
werden?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Die Frage nach der Impfung ist<br />
sehr schön, sie freut mich. Jedes Jahr sterben in Deutschland<br />
mehrere tausend Mitbürger in Folge einer Grippeinfektion, weil<br />
sie sich nicht haben impfen lassen. Wir würden also viele tausend<br />
Menschenleben retten können, wenn sich die Menschen impfen<br />
ließen. Zu Ihrer Frage bezüglich der Impfung und H5N1:<br />
ein Szenario, das vorstellbar ist, ist dass das H5N1-Virus einen<br />
Menschen infiziert, der schon mit einem anderen Influenza-Virus<br />
infiziert ist. Dann könnten diese beiden Viren Gene austauschen.<br />
Und daraus könnte sich ein Pandemie-Virus entwickeln. Wenn<br />
sich also möglichst viele Menschen gegen die herkömmliche<br />
Grippe impfen lassen, dann reduzieren sie diese Möglichkeit.<br />
Das heißt, dass eine Impfung immer positiv zu bewerten ist.
</p>
<p>
<b>Dany:</b> Sind die Eindämmungsversuche der Bundeswehr<br />
überhaupt sinnvoll? Ist es nicht so, dass die Vögel einfach<br />
über diese Desinfektionsbecken hinweg fliegen? Oder wird hier<br />
nur versucht einen Übertragungsweg auszuschalten?
</p>
<p>
<b>manimax:</b> Was bringen eigentlich die Desinfektionsmatten,<br />
durch die die Autos fahren müssen?
</p>
<p>
<b>Hein Bloed:</b> Welchen Sinn haben die Seuchenmatten<br />
auf Rügen, wenn die Person an sich, nicht desinfiziert wird<br />
und Vögel sowieso ungestört hinfliegen wo sie wollen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Das ist eine sehr gute Frage.<br />
Klar ist, dass wir die Wildvögel nicht kontrollieren können.<br />
Das einzige, was wir tun können, ist Kadaver so schnell wie<br />
möglich unschädlich zu entsorgen. Was wir aber tun können,<br />
ist die anderen Verbreitungswege zu unterbinden. Und da sind Desinfektionsmaßnahmen<br />
und Sperrmaßnahmen die probaten und wichtigen Mittel. Deshalb<br />
ist es zurzeit vor allen Dingen wichtig, dass alle Geflügelhalter<br />
sich sehr genau an die vom Friedrich-Löffler-Institut herausgegebenen<br />
Richtlinien halten. Sie finden diese Richtlinien auf der Website<br />
des Friedrich-Löffler-Instituts. Natürlich wäre es<br />
ebenso wichtig, auch das Schuhwerk zu desinfizieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ihre Schätzung:
</p>
<p>
<b>ViVa: </b>Wie lange wird es dauern, bis sich die Vogelgrippe<br />
auf ganz Deutschland ausgebreitet hat?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Da kann ich keine Einschätzung<br />
abgeben. Ich glaube aber, dass über die Wildvögel eine<br />
weitere Verbreitung stattfindet. Darum ist es wichtig, dass alle<br />
Landkreise, die mit Wildvögelzug in Zusammenhang stehen, jetzt<br />
schon alle Maßnahmen im Voraus vorbereiten, damit jeder Wildvogel-Kadaver<br />
so schnell wie möglich eingesammelt und unschädlich beseitigt<br />
wird. Mit H5N1-infizierte Tiere sind die wichtigste Verbreitungsquelle.<br />
Deshalb müssen alle Maßnahmen darauf ausgerichtet sein,<br />
diese Quelle so schnell wie möglich zu schließen.
</p>
<p>
<b>Dany: </b>Eine Ausbreitung ist also, selbst durch<br />
den größten menschlichen Aufwand nicht zu verhindern,<br />
oder sehe ich das falsch?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Die Wahrscheinlichkeit einer<br />
weiteren Ausbreitung ist hoch. Wir können Wildvögel nicht<br />
kontrollieren, und deshalb sollten alle Menschen diese Möglichkeit<br />
vor Augen haben und sich entsprechend von toten Vögeln fern<br />
halten und die jeweiligen Behörden (Polizei und Feuerwehr)<br />
umgehend informieren, damit die Kadaver eingesammelt werden.
</p>
<p>
<b>markm:</b> Als Helfer im THW interessiert mich, welche<br />
Schutzausrüstung für die Bergung eines toten Vogels sinnvoll<br />
sind?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Es wird generell angeraten,<br />
dass man Ganzkörper-Schutzanzüge trägt. Dies ist<br />
eine Vorsichtsmaßnahme, damit die Personen in keinster Weise<br />
mit dem Virus in Kontakt kommen können. Damit auch der sehr<br />
unwahrscheinliche Fall einer aerogenen Infektion vermieden wird,<br />
sollen auch Atemmasken getragen werden.
</p>
<p>
<b>GrippeSchwan: </b>Wie sieht es mit dem Infektionsrisiko<br />
aus, wenn man das Virus in offene Wunden bekommt? Wenn z.B. ein<br />
Helfer, der tote Vögel trägt sich die Hand aufreißt.
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Hier ist eine Infektion nicht<br />
auszuschließen. Aber jeder Helfer, der sich eine Wunde zuzieht,<br />
wird diese sofort desinfizieren, so dass die Infektion umgehend<br />
beendet wird.
</p>
<p>
<b>Florian0706 :</b> Hallo Herr Prof. Dr. Lothar H. Wieler,<br />
falls es dazu kommen sollte, dass sich jemand mit der Vogelgrippe<br />
ansteckt, muss er dann zwingend behandelt werden, oder ist es auch<br />
möglich, dass man auch wie bei einer anderen Grippe, „von<br />
selbst“ wieder auf die Beine kommt?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Es gibt bisher rund 200 infizierte<br />
Personen, von denen sind über 90 gestorben, das heißt,<br />
dass mehr als die Hälfte die Infektion überlebt haben.<br />
Also besteht diese Möglichkeit, dass eine Infektion durchgestanden<br />
wird. Da aber viele Infizierte versterben, sollte man sich natürlich<br />
zwingend einer ärztlichen Behandlung unterziehen.
</p>
<p>
<b>Chris123:</b> Ich habe gehört, dass es erste<br />
Resistenzen gegen Tamiflu gibt. Stimmt das? Wie weit ist die Entwicklung<br />
anderer antiviraler Mittel?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Influenza-Viren haben ein hohes<br />
Potential zu mutieren. Es gibt tatsächlich einzelne Berichte<br />
von einzelnen Virusisolaten, die gegen Tamiflu weniger empfindlich<br />
sind. Es gibt weiterhin verschiedene Arbeitsgruppen, die an weiteren<br />
antiviralen Mitteln arbeiten. Meines Wissens ist eine Marktreife<br />
aber erst in frühestens 1-2 Jahren zu erwarten.
</p>
<p>
<b>A.Doan: </b>Guten Tag Herr Wieler! Wie hoch ist die<br />
Wahrscheinlichkeit, dass das Virus so mutiert, dass es auch zwischen<br />
Menschen übertragbar ist und was glauben sie wie schnell diese<br />
Mutationen auftreten könnten? Vielen Dank. A.Doan
</p>
<p>
<b>VolumePro: </b>Die WHO (Weltgesundheitsorganisation)<br />
spricht davon, dass wir näher an einer weltweiten Pandemie<br />
sind als je zuvor. Wie schätzen Sie das ein?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler: </b>Die Wahrscheinlichkeit kann<br />
kein Mensch einschätzen. Wir wissen, dass es in bestimmten<br />
Abständen zu Pandemien kommt, weshalb sich alle Regierungen<br />
auf eine Pandemie einzustellen haben. Kein Mensch kann sagen, wann<br />
diese Pandemie kommt und kein Mensch kann sagen, ob sie durch das<br />
H5N1-Virus kommt. Aber wir Menschen haben noch nie so viele Ausbrüche<br />
weltweit durch ein Influenzavirus in Geflügelbeständen<br />
miterlebt. Und das H5N1-Virus ist eben auch in der Lage, Menschen<br />
zu infizieren. Deshalb ist die Einschätzung der WHO gerechtfertigt.
</p>
<p>
<b>Tristan:</b> Ist die Angst der Urlauber für die<br />
kommende Saison begründet? Würden sie auf Rügen Urlaub<br />
machen?
</p>
<p>
<b>schlauchboot: </b>Wenn ich Sie einladen würde:<br />
Würden Sie morgen mitkommen zum Urlaub auf dem Bauernhof nach<br />
Rügen?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler:</b> Liebes Schlauchboot: Ich würde<br />
natürlich nach Rügen mitkommen, schon weil ich seit Jahren<br />
an der Ostsee sehr gerne Urlaub mache! Wenn Sie und ich uns von<br />
Vogelkadavern fern hielten, dann wäre der Urlaub genau so schön<br />
wie er vor drei Wochen gewesen wäre. Wir würden jedoch<br />
mehr Militär, und Menschen in Schutzanzügen sehen. Ich<br />
kann verstehen, dass manche Menschen in ihrem Urlaub diesen Anblick<br />
nicht unbedingt schön finden. Aber eine Gefahr (erhöhte<br />
Gefahr) für den Menschen sehe ich nicht.
</p>
<p>
<b>Ulla:</b> Ich arbeite in einer Praxis und es wird<br />
bereits gefragt, wie es mit Obst und Gemüse ist, das durch<br />
Kot der Vögel verunreinigt ist und aus dem Ausland zu uns gebracht<br />
wird. Nach Abwaschen unbedenklich? Überhaupt Bedenken?
</p>
<p>
<b>Lothar H. Wieler :</b> Eine sehr hypothetische Frage.<br />
Erstens: Wie wahrscheinlich ist es, dass virushaltiger Kot auf Obst<br />
ist? Zweitens: Selbst wenn virushaltiger Kot drauf wäre, dann<br />
würde durch den längeren Transport das Virus abgestorben<br />
sein. Selbst wenn dann noch Virus auf dem Obst wäre, wäre<br />
die Menge so gering, dass sich kein Mensch anstecken kann.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Stellvertretend für viele andere<br />
auch:
</p>
<p>
<b>mondrian: </b>Das waren sehr aufschlussreiche Informationen!<br />
Danke! Und: Bleiben Sie gesund!
</p>
<p><b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Herzlichen Dank, Professor Wieler, dass Sie sich Zeit für den<br />
Chat genommen haben. Wie immer geht das hier gesagte nicht verloren.<br />
Das Protokoll des Chats finden Sie zum Nachlesen auf tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Vielen Dank für das große Interesse,<br />
das wird sicher nicht der letzte Chat zur Vogelgrippe gewesen sein,<br />
Der nächste Chat ist für den Montag, 13. März 2006<br />
geplant. Dann stellt sich ab dreizehn Uhr Entwicklungsministerin<br />
Heidemarie Wieczorek-Zeul Ihren Fragen. tagesschau.de und politik-digital.de<br />
wünschen allen noch einen angenehmen Tag!</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_ansteckungsgefahr_fuer_den_menschen_ist_sehr_sehr_geringquot-156/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Der Staat hat kein Recht, Menschen vorsätzlich zu töten&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotder_staat_hat_kein_recht_menschen_vorsaetzlich_zu_toetenquot-157/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotder_staat_hat_kein_recht_menschen_vorsaetzlich_zu_toetenquot-157/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jbergmeister]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Feb 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheitspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehreinsatz]]></category>
		<category><![CDATA[Luftsicherheitsgesetz]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotder_staat_hat_kein_recht_menschen_vorsaetzlich_zu_toetenquot-157/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Donnerstag, den 16. Februar, war Sabine 
Leutheusser-Schnarrenberger, die stellvertretende Vorsitzende der 
FDP Bundestagsfraktion und ehemalige Bundesjustizministerin, zu 
Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span> 
Die rechtspolitische Sprecherin der FDP beantwortete Fragen zum 
Urteil des Bundesverfassungsgerichts über das Luftsicherheitsgesetz, 
zu Bundeswehreinsätzen im Inneren und zu den Mohammed-Karikaturen.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Donnerstag, den 16. Februar, war Sabine<br />
Leutheusser-Schnarrenberger, die stellvertretende Vorsitzende der<br />
FDP Bundestagsfraktion und ehemalige Bundesjustizministerin, zu<br />
Gast im tagesschau-Chat <span style="font-size: x-small">in Kooperation mit politik-digital.de.</span><br />
Die rechtspolitische Sprecherin der FDP beantwortete Fragen zum<br />
Urteil des Bundesverfassungsgerichts über das Luftsicherheitsgesetz,<br />
zu Bundeswehreinsätzen im Inneren und zu den Mohammed-Karikaturen.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<span class="fett"><span class="fett"><span class="fett"><b>Moderator:</b></span></span></span><br />
Heute begrüßen wir im ARD-Hauptstadtstudio Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.<br />
Sie war Bundesjustizministerin und ist derzeit rechtspolitische<br />
Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion. Zuletzt hat sie in der Diskussion<br />
um die innere Sicherheit und den Einsatz der Bundeswehr im Inneren<br />
dezidiert Stellung bezogen. Selbstverständlich ist unser Chat<br />
auch heute wieder für Fragen aus anderen Themenbereichen offen.<br />
Frau Leutheusser-Schnarrenberger, können wir loslegen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Aber sofort.<br />
Ich freue mich auf die Diskussion und diesen Chat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Frau Leutheusser-Schnarrenberger, wie<br />
können wir dafür sorgen, dass die Fußball-WM in<br />
unserem Land wirklich sicher abläuft?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Dazu ist<br />
es zuerst ganz notwendig, dass die Bundespolizei und die Polizeien<br />
der Länder gut ausgerüstet sind, es ausreichend Polizisten<br />
gibt und natürlich genaue Einschätzungen möglicher<br />
Gefahren vorliegen.
</p>
<p>
<b>hkrapp: </b>Ich halte die Diskussion für überzogen.<br />
Um den notwendigen Schutz leisten zu können, kann man gerne<br />
Personal anderer Staatsorgane hinzuziehen. Die vorgebrachten Bedenken<br />
sind eher verwaltungstechnisch, aber man kann ja Soldaten kurz einen<br />
Eid auf die Landesverfassung leisten lassen und sie dann der Polizei<br />
unterstellen (als Ehrenbeamte ggf.). Wo liegt da das Problem?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Bundeswehrsoldaten<br />
dürfen nach unserer Verfassung nicht allgemeine Polizeiaufgaben<br />
wahrnehmen. Sie sollen Deutschland verteidigen, aber nicht Störer<br />
und Kriminelle bekämpfen. Und außerdem sind sie dafür<br />
nicht ausgebildet. Ich will keine Wehrpflichtigen in die Auseinandersetzung<br />
mit Hooligans schicken.
</p>
<p>
<b>annett: </b>Reicht es &#8211; gerade im Hinblick auf mögliche<br />
Terroranschläge bei der Fußball WM &#8211; aus, lediglich die<br />
Polizei zu stärken?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Es gibt starke<br />
Bundespolizei- und Landespolizeikräfte. Sie sind für genau<br />
diese Gefahren ausgebildet, und deshalb sind sie die entscheidende<br />
Sicherheitsgarantie in Deutschland.
</p>
<p>
<b>mando:</b> Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen<br />
nach einem Terroranschlag bei der WM vorgehalten wird, dass dies<br />
durch eine entsprechende Grundgesetzänderung und Kompetenzerweiterung<br />
der Bundeswehr verhindert hätte werden können?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Dieser Vorhalt<br />
wäre natürlich unbegründet, denn mögliche Terroranschläge<br />
können nur durch erfahrene Polizisten und eventuell unsere<br />
Sicherheitsdienste im Vorfeld aufgespürt werden. Die Bundeswehr<br />
könnte Terroranschläge nicht verhindern.
</p>
<p>
<b>k.gustav: </b>Hallo! Warum ist die FDP so zurückhaltend<br />
beim Bundeswehreinsatz. Es ist doch nicht wirklich eine Militarisierung<br />
der Gesellschaft zu befürworten, wenn Soldaten irgendwo zusätzlich<br />
vor einer Botschaft am Zaun stehen.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Soldaten<br />
sind nicht dafür da, irgendwo an einem Zaun zu stehen und Wehrpflichtige<br />
sind nicht dafür da, in Schießereien bei der Verteidigung<br />
dieses Zaunes verwickelt zu werden. Die Bundeswehr ist doch nicht<br />
Lückenbüßer für die Polizei.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie bezahlen wir eine gut oder gar<br />
besser ausgerüstete Polizei?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Bund und<br />
Länder müssen die Polizisten gut bezahlen und auch das<br />
Geld für modernste Ausstattung bereithalten. Das ist die wichtigste<br />
Staatsaufgabe und dafür muss Geld da sein.
</p>
<p>
<b>endederfahnenstange:</b> Polizei und Bundeswehr dürfen<br />
Ihrer Meinung nach nichts miteinander zu tun haben, zur Not müssten<br />
die Polizeien der Länder verstärkt werden. Aber da werden<br />
immer mehr Stellen gekürzt? Wie soll das gehen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Da brauchen<br />
wir einen Politikwechsel. Es ist unverantwortlich, dass Innenminister<br />
Stellen kürzen, und dann nach der Bundeswehr rufen. Das Geld<br />
für die Polizisten ist da, wenn man die richtigen Prioritäten<br />
setzt.
</p>
<p>
<b>moti:</b> Könnte der Ursprung der Diskussion<br />
vom Einsatz der Bundeswehr nicht darin liegen, dass man festgestellt<br />
hat, dass die Polizei eben nicht genug ausgerüstet und vorbereitet<br />
ist?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Der Ursprung<br />
für die Diskussion liegt darin, dass die CDU/CSU seit Jahren<br />
den Bundeswehreinsatz im Innern fordert, um eine Konzentration der<br />
Sicherheitsaufgaben auf Bundesebene zu erreichen. Sie wollen die<br />
Bundeswehr zu mehr Einsetzen als nur zum Objektschutz.
</p>
<p>
<b>aurel24: </b>Ich sitze hier mit einer 10. Klasse Hauptschule.<br />
Könnten Sie die Bedeutung des Urteils für uns noch einmal<br />
zusammenfassen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Gerne. Das<br />
Urteil ist so bedeutend, weil der Schutz der Menschenwürde<br />
in Artikel 1 Grundgesetz gestärkt und als absolut bewertet<br />
wird. Es darf keine Abwägung zwischen Menschenleben geben.<br />
Es darf also keine vollbesetzte Passagiermaschine mit einigen Terroristen<br />
an Bord abgeschossen werden, um einen Anschlag am Boden zu verhindern.<br />
Menschen sind nicht Objekte.
</p>
<p>
<b>Citizen Schmidt:</b> Ein Flugzeug fliegt direkt auf<br />
ein Atomkraftwerk zu, aber die Luftwaffe darf nicht eingreifen.<br />
Wie steht es mit der Menschenwürde der Bewohner?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Und wie steht<br />
es mit der Menschenwürde der 500 unbeteiligten Passagiere?<br />
Es muss eben alles getan werden, um ein Flugzeug vorher abzudrängen<br />
oder noch besser, durch Verschärfung der Bodenkontrollen dürfen<br />
Terroristen nicht mehr an Bord gelangen.
</p>
<p>
<b>Kopfmensch: </b>Wird die ganze Debatte nicht zu hoch<br />
gehängt? Hier werden Fälle diskutiert, die total unwahrscheinlich<br />
sind. Nur den Parteien nutzt das zur Profilierung.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Ich teile<br />
Ihre Einschätzung. Am unwahrscheinlichen Ausnahmezustand wollen<br />
einige Politiker ihre Sicherheitsvorstellung durchsetzen. Deshalb<br />
brauchen wir eine ruhige und keine populistische Diskussion.
</p>
<p>
<b>niels:</b> Die Menschenwürde muss doch neben<br />
einem Individualgut auch einen allgemeinen Charakter haben. Wie<br />
kann es angehen, dass ein Atomkraftwerk-Fallout 500.000 Menschen<br />
verseucht, da man 500 Menschen nicht sterben lassen wollte?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Der Staat<br />
hat kein Recht, Menschen vorsätzlich zu töten. Und auch<br />
im Flugzeug werden sie nicht zu einer anonymen Masse. Aber der Staat<br />
muss alles tun, um diese Gefahrensituation zu verhindern. Bei besseren<br />
Bodenkontrollen wären die Terroristen in Amerika nicht in die<br />
drei Flugzeuge am 11. September 2001 gekommen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Für bessere Bodenkontrollen soll<br />
ja nun gerade das Luftsicherheitsgesetz sorgen.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Das Luftsicherheitsgesetz<br />
ist gerade in diesen Teilen verfassungskonform und ungeheuer wichtig.<br />
Es gilt nach wie vor und muss mit allem Nachdruck umgesetzt werden.
</p>
<p>
<b>Regolabin: </b>Wie stehen Sie zu den Schäuble-Plänen<br />
einer Grundgesetz-Änderung?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Ablehnend!<br />
Und ich hoffe, dass es jetzt keinen Schnellschuss für eine<br />
GG-Änderung von der CDU geben wird.
</p>
<p>
<b>D@ndy: </b>Werden Sie Verfassungsbeschwerde gegen<br />
den evtl. Bundeswehreinsatz der Bundeswehr bei der WM einreichen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Es wird ohne<br />
Grundgesetz-Änderung keinen Einsatz geben. Das kann ein Innenminister<br />
nicht verantworten. Zulässig ist es, die Bundeswehr mit ihren<br />
Sanitätern einzusetzen und mit ihren technischen Mitteln gegen<br />
ABC-Waffen. Deshalb wird keine Klage notwendig werden, hoffe ich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Darf man da noch einen heißen<br />
Tanz mit der Union &#8211; immerhin ihr Wunschkoalitionspartner &#8211; erwarten?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Es wird eine<br />
heiße Auseinandersetzung in den nächsten Monaten geben.<br />
Die Union wollte mit uns in der Koalition bis 1998 schon immer eine<br />
Grundgesetz-Änderung für den Einsatz der Bundeswehr in<br />
Angriff nehmen. Das haben wir immer verhindert.
</p>
<p>
<b>Detlef_1967:</b> Sie erwähnen oft Wehrpflichtige<br />
als Ablehnungsgrund. Würden Sie der Vorlage zustimmen, wenn<br />
Wehrpflichtige &#8211; wie auch bei Auslandseinsätzen &#8211; vom Einsatz<br />
ausgeschlossen wären?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Ohne Wehrpflichtige<br />
ist die Bundeswehr gar nicht in der Lage, Einsätze im Inneren<br />
vorzunehmen. Die Bundeswehr ist mit den derzeitigen Auslandseinsätzen<br />
schon überfordert. Das sagt ja auch der Verteidigungsminister.
</p>
<p>
<b>realampsycho:</b> Hallo. Ich verstehe die Diskussion<br />
nicht so ganz: Bei einer Geiselnahme wird doch auch nicht spekuliert,<br />
in wie fern man Menschenleben gegeneinander aufrechnen kann.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Bei einer<br />
Geiselnahme, z.B. in einer Sparkasse, darf als letzte Möglichkeit<br />
der Geiselnehmer von der Polizei erschossen werden, aber nicht die<br />
Geisel. Die Situation ist nicht vergleichbar.
</p>
<p>
<b>OberG: </b>Wie ist ihre Meinung bezüglich den<br />
provozierenden Äußerungen iranischer Politiker? Wie lange<br />
wird sich die westliche Welt das noch anhören?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die westliche<br />
Welt darf sich nicht provozieren lassen. Sie muss hart in der Sache<br />
antworten, sie muss alles tun, damit es nicht zu einer Eskalation<br />
im Nahen Osten kommt.
</p>
<p>
<b>taolie: </b>Die Frage Bundeswehr-Einsatz WM 2006 wäre<br />
auch früher erkennbar gewesen; warum wird das erst kurz vor<br />
dem &quot;Tore Schießen&quot; thematisiert. Aus meiner Sicht<br />
ist das unredliche Salamitaktik bestimmter Interessengruppen auf<br />
dem &quot;Sicherheitsspielfeld“. Wie sehen Sie das?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Das ist eine<br />
sehr kluge Einschätzung. Wenn die Bundesregierung der Auffassung<br />
gewesen wäre, dass die Sicherheit zur WM nicht mit Polizeikräften<br />
gewährleistet werden kann, hätte sie sich doch gar nicht<br />
für die WM beworben.
</p>
<p>
<b>Jan80: </b>Welches Instrument wäre überhaupt<br />
geeignet gegen Terroristen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Am wichtigsten<br />
ist die Arbeit im Vorfeld, also die Arbeit die Sicherheits- und<br />
Nachrichtendienste. Es gibt sehr viele Maßnahmen gegen Terroristen,<br />
z.B. auch die Identifikation über Pässe mit biometrischen<br />
Merkmalen. Ein Patentrezept gibt es nicht.
</p>
<p>
<b>moti: </b>Ist es nicht fast schon eine amerikanische<br />
Tradition der Angstschürung, die hier betrieben wird?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Den Eindruck<br />
habe ich auch manchmal. Je größer das Schreckensszenario<br />
gezeichnet wird, desto mehr kann politisch durchgesetzt werden.<br />
Deshalb: Ruhe und Sachlichkeit ist jetzt erste Pflicht der Politiker.
</p>
<p>
<b>Regolabin:</b> Ist die FDP der SPD in rechtspolitischen<br />
Fragen nicht viel näher als der Union?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Als Schily<br />
Innenminister war, traf das überhaupt nicht zu. Die SPD hat<br />
bisher immer den Bundeswehreinsatz im Innern abgelehnt. Darin unterstützen<br />
wir sie.
</p>
<p>
<b>reisbaby: </b>Die Krawalle der Islamisten, ausgelöst<br />
durch die Mohammed-Karikaturen, sind auch Angriffe auf unsere freiheitlich-demokratische<br />
Grundordnung. Wie können wir diese gegen diese Wut und diesen<br />
Hass schützen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Zunächst<br />
dürfen wir nicht mit gleicher Münze heimzahlen, also nicht<br />
mit Hass reagieren. Aber wir dürfen auch nicht zurückweichen<br />
bei der Verteidigung der Meinungsfreiheit. Wir haben nur eine Chance,<br />
wenn es Dialog mit den vernünftigen Muslimen gibt.
</p>
<p>
<b>Raven_MI:</b> Was war ihre Hauptaufgabe als Justizministerin<br />
oder was empfanden sie als das Wichtigste?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> In meiner<br />
Amtszeit stand die Verbesserung der Stellung der Kinder im Vordergrund,<br />
Stichwort Kindschaftsreform. Aber am wichtigsten war mir immer,<br />
die Bedeutung unseres Rechtstaats und unserer Grundrechte öffentlich<br />
deutlich zu machen. Viele wissen gar nicht, was für ein Schatz<br />
das ist.
</p>
<p>
<b>marvin: </b>Von wem geht für unsere freiheitlich-demokratische<br />
Grundordnung ihrer Meinung nach eine größere Gefahr aus:<br />
von Terrorosten oder von denen, die im Rahmen des &#8216;Kampfes gegen<br />
den Terror&#8217; die Grundrechte immer weiter reduzieren?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Natürlich<br />
sind Terroristen und aggressive autoritäre Regime eine Gefahr.<br />
Aber für mich ist die Gefahr noch größer, wenn wir<br />
als Reaktion unsere rechtsstaatliche Ordnung aufgeben. Dann haben<br />
die Terroristen ihr Ziel erreicht.
</p>
<p>
<b>Anton: </b>Sind Ihrer Meinung nach die Nachrichtendienste<br />
nach der Personalkürzung in der Lage, die Bundesrepublik rechtzeitig<br />
vor Terroranschlägen zu schützen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die Nachrichtendienste<br />
haben in den letzten Jahren ein Schwergewicht ihrer Tätigkeit<br />
auf die Beobachtung der terroristischen Gefahren gelegt. Das ist<br />
gut. Mit über 6.000 Beamten des Bundesnachrichtendienstes sind<br />
wir gut ausgestattet.
</p>
<p>
<b>Frager1:</b> Weshalb bleibt bei der Bundeswehreinsatzdiskussion<br />
die Frage eines sinnvollen Einsatzes schon vorhandener Ressourcen<br />
im Hintergrund?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Es wird zuwenig<br />
von den Matadoren der Grundgesetz-Änderung betont. Vorhandene<br />
Ressourcen sind eben die gesamte Sanitätsversorgung und die<br />
Spezialausstattung gegen chemische und biologische Waffen. Das alles<br />
darf natürlich genutzt werden.
</p>
<p>
<b>Witzel: </b>Warum sollen biometrische Merkmale in<br />
Pässen helfen? Selbstmordattentäter sind meist mit den<br />
eigenen echten Pässen gereist und nicht mit gefälschten.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Mit einem<br />
biometrischen Merkmal kann man gerade bei schwierigen Namen mit<br />
unterschiedlicher Schreibweise die Identifizierung sicherstellen.<br />
Ein Allheilmittel ist es natürlich nicht. Aber ein Baustein.
</p>
<p>
<b>Tigerchen:</b> Wieso versucht Herr Schäuble die<br />
Wertungen des Grundgesetzes zu umgehen, indem er das Militär<br />
mit Objektschutz betreuen will?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Herr Schäuble<br />
will eine Grundgesetz-Änderung für den Objektschutz. Er<br />
will sich eben davor drücken, seine eigene Bundespolizei für<br />
die WM aufzustocken.
</p>
<p>
<b>mando: </b>Für wie wahrscheinlich halten Sie<br />
Terroranschläge während der WM?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die Fachleute<br />
für die Einschätzung der Sicherheitslage sehen keine akute<br />
Gefahr. Ich selbst habe keine zusätzlichen Erkenntnisse.
</p>
<p>
<b>Wähler: </b>Warum habe ich dann einen Pass, wenn<br />
mein bisheriger das nicht sicherstellt?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die technischen<br />
Neuerungen in den letzten Jahren sollen eben gerade bisherige Schwächen<br />
hinsichtlich einer Fälschung beseitigen. Aber im Ernst: Das<br />
betrifft ja immer nur wenige Menschen und mit Sicherheit nicht die<br />
allergrößte Mehrheit der Deutschen.
</p>
<p>
<b>marvin:</b> Fraglos geben Großveranstaltungen<br />
besondere Ziele ab. Warum kann man nicht im Rahmen der EU die Partnerländer<br />
um Unterstützung ersuchen, wenn die Ressourcen nicht reichen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Das kann<br />
man natürlich, wenn die Innenminister in Deutschland meinen,<br />
dass die eigene Polizei nicht ausreicht. Dann können wir Hilfe<br />
von Österreich, Holland, Belgien und auch Frankreich erbitten.<br />
Es wäre aber ein gewisses Armutszeugnis für die deutschen<br />
Innenminister.
</p>
<p>
<b>D@ndy: </b>Was sehen Sie als die wichtigsten Dinge<br />
an, die wir als Schutz vor Angriffen von außen verbessern<br />
müssen? Und wie sehen Sie die Umsetzungsmöglichkeiten?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Wenn sie<br />
Terroranschläge meinen, dann muss die Sicherheitskontrolle<br />
am Boden, sprich an den Flughäfen, in Häfen und in Flugzeugen<br />
noch deutlich verbessert werden. Und natürlich müssen<br />
öffentliche Plätze mit einer Ansammlung von tausenden<br />
von Menschen optimal mit der Polizei geschützt werden. Hooligans<br />
sind schon vor den Stadien abzufangen und gegebenenfalls in Arrest<br />
zu nehmen.
</p>
<p>
<b>JanKrugelmann: </b>Finden Sie nicht, dass bezüglich<br />
einer Grundgesetzänderung nicht das Bundesverfassungsgericht<br />
sondern die parlamentarische Zweidrittelmehrheit in jedem Fall das<br />
letzte Wort haben sollte? Die Ewigkeitsgarantie ist über Artikel<br />
1 Grundgesetz ja auf jeden Artikel anwendbar! Könnte man gegebenenfalls<br />
Abwägungen im Rahmen des Luftsicherheitsgesetzes nicht über<br />
die allgemeinen Rechtfertigungstatbestände im Einzelfall durchführen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Sie haben<br />
natürlich Recht, eine Grundgesetz-Änderung müssen<br />
der Bundestag und der Bundesrat mit Zweidrittelmehrheit beschließen.<br />
Eine Abwägung ist nicht zulässig, wenn es um den Schutz<br />
von Menschen und den Schutz ihrer Menschenwürde geht. Das hat<br />
das Bundesverfassungsgericht sehr klar gesagt.
</p>
<p>
<b>hoping:</b> Was halten Sie von der US-Politik im Zusammenhang<br />
mit dem Irak und den Iran?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Ehrlich gesagt<br />
sehr wenig. Der nach meiner Einschätzung falsche Krieg im Irak<br />
hat die Terrorgefahr deutlich erhöht. Gegenüber dem Iran<br />
müssen USA, EU, UN und Nato mit einer Stimme sprechen.
</p>
<p>
<b>bloodhand:</b> Wer steckt ihrer Meinung nach hinter<br />
der Aufhetzung von Teilen der islamischen Bevölkerung gegen<br />
den Westen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Das sind<br />
militante Gruppen im Iran, auch in anderen Staaten des Nahen Ostens.<br />
Das sind die Gruppen, die den Heiligen Krieg vertreten. Leider gibt<br />
es davon sehr viele.
</p>
<p>
<b>Jan80: </b>Ich halte es für dumm, die Karikaturen<br />
zu veröffentlichen. Ein &#8216;Recht haben&#8217; und es auch &#8216;auszuüben&#8217;,<br />
sind zwei verschiedene Sachen. Die westlichen Länder sollten<br />
zumindest &#8216;gute Gewinner&#8217; sein und nicht noch andere Gefühle<br />
verletzen.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Ich teile<br />
Ihre Meinung, dass trotz Meinungsfreiheit immer auch überlegt<br />
werden sollte, wie Karikaturen denn auf die Adressaten wirken. Ich<br />
halte es aber für falsch, jetzt alle Karikaturen, wie z.B.<br />
im Tagesspiegel, nicht mehr zu veröffentlichen. Die iranische<br />
Regierung testet derzeit, wie weit sie mit Morddrohungen gehen kann.
</p>
<p>
<b>Frager1: </b>Bundespolizei aufstocken hieße<br />
ja noch höhere Kosten und eine weiterhin viel zu teure Bundeswehr,<br />
die quasi nur &#8216;zum Spaß &#8216; vorhanden ist.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die richtige<br />
Ausstattung der Bundespolizei darf nicht an Kosten scheitern. Die<br />
Bundeswehr gehört grundlegend reformiert. Zum Spaß ist<br />
sie nicht da, sondern sie nimmt wichtige Aufgaben, beispielsweise<br />
auch im Balkan wahr.
</p>
<p>
<b>Austa: </b>Bisher wurden immer die wichtigen Aufgaben<br />
der Bundeswehr im Ausland erwähnt. Wann wird die Bundeswehr<br />
für diese Aufgaben endlich speziell aufgestellt, sprich Abschaffung<br />
der Wehrpflicht, die ja momentan keine &#8216;richtige &#8216; Aufgabe haben<br />
und momentan eh keine Wehrgerechtigkeit herrscht. Das ist doch ein<br />
großes Unrecht in unserem sogenannten &#8216;Rechtsstaat&#8217;.
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die FDP fordert<br />
seit mehreren Jahren die Aussetzung der Wehrpflicht als ersten Schritt.<br />
Leider lehnen CDU und SPD das ab. Die Bundeswehr muss nach Auffassung<br />
der FDP noch besser spezialisiert werden für internationale<br />
Einsätze. Das geht nicht mit Wehrpflichtigen.
</p>
<p>
<b>18%: </b>Bundeswehrsoldaten könnten im Inneren<br />
eben solche Aufgaben wie z.B. im Kosovo wahrnehmen, zu denen sie<br />
sehr wohl ausgebildet sind! Ich denke da insbesondere an Kontrollen<br />
von Personen und Kraftfahrzeugen auf dem Weg zu Großveranstaltungen.<br />
Würde das nicht die Polizei entlasten?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die Bundeswehr<br />
ist für diese Aufgaben eben generell nicht ausgebildet. Sie<br />
nimmt diese Aufgaben im Ausland nur vorübergehend und mit Unterstützung<br />
von internationalen Polizeikräften wahr. Außerdem will<br />
ich nicht, dass Uniformierte Soldaten Autos kontrollieren. Das muss<br />
allein bei der Polizei bleiben.
</p>
<p>
<b>roflkopter: </b>Wie kann es sein, dass Deutschland<br />
und die EU den Palästinensern nicht sofort den Geldhahn zugedreht<br />
haben, nachdem die Hamas an die Macht gekommen ist?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Zu Recht<br />
überlegt die EU, wie mit einer künftigen Regierung in<br />
den palästinensischen Gebieten umgegangen wird. Wir wissen<br />
ja noch gar nicht, wie eine solche Regierung aussehen wird. Sollte<br />
die Hamas die Forderungen nach Absage an Gewalt und Anerkennung<br />
Israels anerkennen, kann man mit ihnen auch in Regierungsverantwortung<br />
sprechen und verhandeln.
</p>
<p>
<b>miskle: </b>Was halten Sie von den Bestrebungen des<br />
Bundesministeriums der Justiz zur Änderung des Urhebergesetzes?<br />
Hier wir doch das Potenzial gelegt, um Urheber und Verlage und damit<br />
letztlich Arbeitnehmer zu gefährden?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Ich halte<br />
einige Vorschläge des Bundesjustizministeriums für gut.<br />
Zum Beispiel die bessere Stellung bei unbekannten Nutzungsarten.<br />
Verhandelt werden muss dringend über die Verwendung von Privatkopien<br />
und über die sogenannte Bagatellregelung. So darf das Gesetz<br />
jedenfalls nicht bleiben.
</p>
<p>
<b>oportugues:</b> Die FDP lehnt eine Rente mit 67 mit<br />
Verweis auf ihr Rentengesamtkonzept ab. Können Sie einmal kurz<br />
erläutern, wie dieses aussieht?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> In Stichworten:<br />
Verkürzung der Ausbildung und damit früherer Beginn der<br />
Arbeit. Stärkung der privaten Vorsorge und der betrieblichen<br />
Rente. Entwicklung der gesetzlichen Rente langfristig zur Grundsicherung.
</p>
<p>
<b>MIMUEX: </b>Will die FDP mit einem Untersuchungsausschuss,<br />
der ein eventuelles Fehlverhalten der Regierung Schröder durchleuchtet,<br />
bei der CDU/CSU als &#8216;Partner aus der Opposition&#8217; punkten?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Parteipolitische<br />
Überlegungen spielen dabei wirklich nicht die Rolle. Eine Aufklärung<br />
über die Verschleppung deutscher Staatsangehörige und<br />
die Rolle deutscher Sicherheitskräfte ist im allgemeinen Staatsinteresse<br />
und im Interesse der Bürger. Ich hoffe, dass die Bundesregierung<br />
in ihrem Bericht in der nächsten Woche umfassend Stellung bezieht<br />
und es dann keinen Untersuchungsausschuss mehr geben müsste.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Also ist die FDP aus pragmatischen<br />
Gründen erst mal auf die Linie der Grünen umgeschwenkt?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die Grünen<br />
sind leider von der Linie der FDP abgeschwenkt, als es Ende letzten<br />
Jahres um die Einrichtung eines U-Ausschusses ging. Jetzt bleibt<br />
nichts anderes übrig, als zunächst auf den Bericht der<br />
Bundesregierung zu warten.
</p>
<p>
<b>roflkopter: </b>Würde Deutschland sich an einem<br />
eventuellen Iran-Krieg beteiligen?
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Die Frage<br />
stellt sich im Moment nicht, aber ich kann es mir nicht vorstellen.
</p>
<p>
<b>pawlik: </b>Wieso wird von den Bürgern eigentlich<br />
immer mehr abverlangt, etwa längere Arbeitszeiten, Rente erst<br />
mit 67! Wir haben doch genug Arbeitslose, wenn diese Leute alle<br />
die Mehrarbeit der anderen übernehmen würden, hätte<br />
man doch viele Probleme gelöst. Meiner Meinung nach gibt es<br />
nicht zu wenig Arbeit in Deutschland, sondern viel mehr ist die<br />
vorhandene Arbeit ungerecht verteilt!
</p>
<p>
<b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Leider ist<br />
es nicht so einfach, da die freien Arbeitsplätze zunehmend<br />
nicht von den zurzeit Arbeitslosen besetzt werden können, wegen<br />
anderer Qualifikationen, fehlender Fachkenntnisse. Ich halte es<br />
nicht für überzogen, 40 Stunden die Woche zu arbeiten.<br />
Wir brauchen in den nächsten Jahren viel mehr Fachkräfte,<br />
da gibt es jetzt schon einen Mangel.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat.<br />
Viele interessante Fragen sind eingegangen, die wir leider nicht<br />
alle berücksichtigen konnten. Dennoch vielen Dank an alle,<br />
die mitgemacht haben. Besonderen Dank auch an Sie, Frau Leutheusser-Schnarrenberger,<br />
dass Sie heute Zeit für unsere User hatten. Nächster Gast<br />
bei uns ist die Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul.<br />
Sie wird am Mittwoch, den 13.März zum tagesschau-Chat ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
kommen. Beginnen werden wir auch dann pünktlich um 13 Uhr.
</p>
<p><b>Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: </b> Es hat mir<br />
riesigen Spaß gemacht. Warum geht es eigentlich nicht zwei<br />
Stunden lang?</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotder_staat_hat_kein_recht_menschen_vorsaetzlich_zu_toetenquot-157/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
