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	<title>Jana Donat &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Gesellschaft und Ethik im digitalen Wandel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Oct 2016 10:00:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Seit langem führen wir über das Phänomen der Digitalisierung vielfältige Debatten. Die problemorientierte Betrachtung der digitalen Sphäre führt uns aber auch [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft wp-image-150390 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Die_Schule_von_Athen_bearbeitet_640x337-630x361.jpg" alt="Die Schule von Athen von Raffael, bearbeitet" width="630" height="361" />Seit langem führen wir über das Phänomen der Digitalisierung vielfältige Debatten. Die problemorientierte Betrachtung der digitalen Sphäre führt uns aber auch zu immer wiederkehrenden Diskursen und mehr Fragen als Antworten. Professor Dr. Claus Eurich, Technische Universität Dortmund, sieht uns, analog wie digital, gefangen in einem Labyrinth: Mal schaffe man es zwar um eine neue Ecke zu schauen, aber das große Ganze in Form einer Metaperspektive bleibe dabei auf der Strecke. Der Autor und Dozent setzt sich mit den großen Themen der Ethik, der gewaltlosen Kommunikation und Journalistik auseinander. In einem Interview sprechen ich mit ihm über genau diese Aspekte – bezogen auf den digitalen Wandel, der uns alle umgibt.</p>
<p><strong> politik-digital</strong>: Wenn wir die Themenkomplexe, Digitalisierung und Ethik, fassbar machen wollen: Was ist der erste Gedanke der Ihnen in den Sinn kommt, wenn Sie zunächst die Begriffe Digitalisierung und Gesellschaft miteinander verknüpfen?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Zum einen ist es eine rein technische Frage. Was ist Digitalisierung überhaupt, und wie löst sie die analogen Strukturen, die über Jahrhunderte gewachsen sind, allmählich auf? Dann gilt es, verschiedene Ebenen zu betrachten – für mich sind drei Ebenen wichtig: Digitalisierung hat erstens Auswirkungen auf einer infrastrukturellen Ebene, also im Bereich der Ökonomie, der Industrie, des Dienstleistungsbereichs, im Bereich des Verkehrs usw. Die zweite Ebene umfasst Medien, die Herstellung von Öffentlichkeit und das, was wir mit Vernetzung umschreiben. Das Dritte ist die persönliche Ebene: Da wo es den Menschen betrifft, seinen Umgang mit der digitalen Technik und das, was man vielleicht auch als Mensch-Maschine-Symbiose bezeichnen kann.</p>
<h3>Individualisierung und Ent-Persönlichung</h3>
<p><strong>politik-digital</strong>: Bleiben wir mal auf der dritten, der menschlichen, Ebene: Inwiefern glauben Sie, dass dieser Aspekt der Digitalisierung momentan starke Einflüsse auf die Gesellschaft ausübt?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Ich glaube, dass wir es im Moment bei der Digitalisierung mit einem Quantensprung in der menschlichen Entwicklung insgesamt zu tun haben – ohne, dass wir bisher eine angemessene Chance gehabt hätten, uns geistig, seelisch und emotional anzupassen. Dadurch ist ein unglaublicher Sog entstanden, der ambivalente Züge zeigt: Einerseits gibt es eine stärkere Vernetzung der Menschen miteinander, gleichzeitig aber auch eine starke Ent-Persönlichung mit verstärkter Individualisierung. Überall sehe ich, wie Menschen in grotesker Weise mit ihren Geräten verschmolzen sind. Und dann wird deutlich: Das ist mehr als nur der Austausch von Informationen und Bildern. Hier geht es auch um tiefe seelische Bedürfnisse, um Sehnsucht nach etwas, nach Begegnung, nach Vertrautheit. Diese Bedürfnisse werden nun projiziert, und sie können sich ausleben in diesen Geräten. Wohin uns das führt, halte ich im Ergebnis momentan noch für recht offen.</p>
<p><strong>politik-digital</strong>: Technische Veränderungen prägen nicht nur gesellschaftliche Prozesse, sondern werfen auch neue ethische Fragestellungen auf. Kann man auf menschlicher Ebene generell von einer Bewusstseinsänderung sprechen?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Unbedingt. Es ist ein Herausholen aus raumzeitlicher Enge, auch aus dem unmittelbaren Zusammensein und der direkten Kommunikation. Gleichzeitig ist es aber eben auch eine Entfremdung von der direkten Lebensumwelt, in der ich mich befinde. Ich begegne zum Beispiel kaum noch Menschen auf der Straße oder im öffentlichen Raum, die Augenkontakt suchen und halten, weil sie so sehr mit ihren Geräten beschäftigt sind, gleichsam ganz in sie aufgesogen sind. Auch das hat sehr viel mit Bewusstsein zu tun. Die Ethik dahinter ist nun ein ganz eigenes Thema: Wir brauchen bei dem Umgang mit Informationstechnologien keine eigene Informationsethik. Das wäre ein Verkennen der ethischen Grundanforderung! Denn: Das Ethos ist unabhängig von diesen Entwicklungen und meint, dass es immer, in jeder Situation und jeder historischen Phase bestimmte Grundsätze gibt, die es gilt, in das Leben zu integrieren und situativ anzuwenden.</p>
<h3>Kants Kategorischer Imperativ als digitale Handlungsmaxime</h3>
<p><strong>politik-digital</strong>: Wie können wir uns das jetzt genau vorstellen?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Nehmen wir zum Beispiel Immanuel Kant. Man kann seinen kategorischen Imperativ modern interpretieren als das Grundgesetz der Achtsamkeit im Leben. Und wenn ich das dann durchdenke in meinem Verhalten, beispielsweise bezogen auf den Umgang mit Smartphones und wie ich mich über Straßen bewege, und mir vorstelle: Das ist jetzt ein allgemeines Gesetz, dass sich alle Menschen so bewegen und sich so voneinander abwenden, dann wird mir vielleicht schnell einiges klar &#8211; vorausgesetzt ich bin bereit zur Selbstreflexion.</p>
<p><strong>politik-digital</strong>: Von dieser Verdinglichung, die Sie damit auch ansprechen, erzählen Sie ja auch in Ihrem neusten Buch „<a href="http://www.interbeing.de/aktuelles/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Aufstand für das Leben</a>“. Sie appellieren, dass es Zeit wird aufzuwachen. Die Zerstörung und die Besinnungslosigkeit, mit der wir dem Leben, nicht nur dem Menschlichen, begegnen, sollen ein Ende haben. Inwiefern finden wir destruktive Energien auch im Internet?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Das Internet enthält einfach alles, Helles und Dunkles. Hier ist keine pauschale Aussage möglich. Ich würde daher auch die vielen Formen der elektronischen Kommunikationsweisen als erstes unter dem Vorzeichen sehen, wie sie uns ablenken und aus der direkten Lebenszuwendung und Wahrnehmung von Problemen herausführen. Gleichzeitig machen sie uns auch auf ganz bestimmte Probleme erst aufmerksam. Ich glaube nicht, dass wir auch nur den Hauch einer Chance haben als Gattung zu überleben, wenn wir die globalen Probleme nicht auch auf einer globalen Weise angehen und dazu gehört sicherlich auch eine globale Form der Vernetzung. Sie sehen also, das Dunkle und das Notwendige hängen immanent zusammen. Es gibt kein Internet nur des Lichts oder nur des Schattens.</p>
<h3>Journalismus: Wir brauchen mehr Haltung!</h3>
<p><strong>politik-digital</strong>: Woran fehlt es uns nun in der Gesellschaft, um mehr Licht zu schaffen?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Es fehlt vor allem die Vision. Was halten wir für lebenswert? Diesen Diskurs vermisse ich in unserer Kultur. Dafür setzen wir unsere persönlichen Bedürfnisse einfach zu absolut. Wir haben verlernt über uns selber hinauszudenken. Dieser „Ego-Tunnel“, wie Thomas Metzinger es formuliert, in dem wir alle auf allen Ebenen stecken, scheint mir das Problem. Und genau da haben Informationstechnologien eine außerordentliche Kraft, dies auch noch zu verstärken.</p>
<p><strong>politik-digital</strong>: Diese Kraft muss auch einen enormen Einfluss auf den Journalismus selbst haben. Inwiefern glauben Sie, dass das Prinzip des Ego-Tunnels auch im Journalismus heutzutage Dinge und Prozesse aufwühlt?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Dem Journalismus kommt in diesen ganzen Prozessen eine Schlüsselverantwortung zu, die meiner Auffassung nach höher anzusiedeln ist als die von Politik und Ökonomie. Es ist der Journalismus, der die Weltbilder in den Menschen stiftet und auch das Nachdenken über Handlungsoptionen. Wir haben in Deutschland, gerade auch im internationalen Maßstab, neben allem Defizitärem einen ganz exzellenten Journalismus – auch auf einem sehr hohen, selbstreflexiven Level. Zweifellos lässt sich aber auch da noch immer eine ganze Menge verbessern. Ich würde da eher weniger an den Strukturen ansetzen, sondern vielmehr bei dem Journalist als Person. Denn Ethik heißt für mich in aller erster Linie „Haltung“: Haltung haben, Haltung bewahren und wirklich innere Werte in sich tragen, die mir heilig sind und hinter die ich nicht zurücktrete. Gleichzeitig müssen wir registrieren, dass der klassische professionelle Journalismus im Internetzeitalter und einer völligen Zugangsfreiheit, was Informationen betrifft, an Bedeutung verliert.</p>
<h3>Zeit für Entscheidungen: Der Kairos-Moment</h3>
<p><strong>politik-digital</strong>: Eine lösungsorientierte Perspektive nimmt auch der sogenannte Kairos-Moment in Ihrem aktuellen Buch ein. Was genau beschreibt der Kairos-Moment und befinden wir uns auch in der digitalen Welt in einem Moment des Entscheidens?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Ich würde nicht sagen, dass wir uns in der digitalen Welt in einem besonderen Moment des Entscheidens befinden, denn die digitale Welt ist ein Teil der Welt. Sie ist Teil der Handlungsmaxime und der -optionen, die wir auf allen Ebenen haben. Von daher können wir das nicht trennen. Als Kairos verstehe ich Geschichtsmomente, in denen sich Wege und Richtungen entscheiden. Kairos meint: In jedem Moment gibt es eigentlich immer alles an Optionen, die Möglichkeiten sind da – es entscheidet nur die Art und Weise, wie wir darauf schauen. Und wenn ich mal versuche eine Summe zu bilden aus den globalen Herausforderungen, die wir haben, dann glaube ich, stehen wir im Herzpunkt eines solchen historischen und globalen Kairos-Moments. Die Digitalisierung und die Möglichkeit, dass wir uns in hoher Geschwindigkeit und in hoher Zahl auf diesem Planeten vernetzen, das ist für mich der entscheidende Punkt, der das Digitale betrifft und in alles miteinbezieht. Das Gefühl der Vernetzung und der Solidarität im positiven Sinne sind dabei von größter Bedeutung.</p>
<p><strong>politik-digital</strong>: Dass wir und selbst eher als findende, lösungsorientierte Menschen wahrnehmen, spiegelt also eine Notwendigkeit wider, auch um im Digitalen den Kairos-Moment nicht zu verpassen. Bei einem <a href="http://www.evolve-magazin.de/radio/aufstand-fuer-das-leben/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Interview mit Radio evolve</a> bezeichnen Sie sich trotz der intensiven Auseinandersetzung mit destruktiven Energien, Krisen und Unheil dennoch als Optimist. Wie können Sie mir und den LeserInnen helfen, unseren Optimismus nicht zu verlieren oder gar wiederzufinden?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Wir haben gar keine andere Chance als optimistisch zu sein, denn sonst wird der Sog des Destruktiven auch in der Wahrnehmung einfach zu stark. Wenn ich das Leiden auf unserem Planeten immer in allen Dimensionen und Facetten an mich heranlassen würde, dann wäre das schlicht und einfach nicht auszuhalten. Optimismus meint, das zu integrieren und trotzdem weiterzugehen und ganz im Sinne der existenzialistischen Ethik, sich immer wieder neu zu entwerfen. Wir brauchen eine Vision vom Leben, die uns durch alle Katastrophen hindurchzieht und weiter aufrecht gehen lässt.</p>
<h3>Optimismus als einzige Chance, auch online</h3>
<p><strong>politik-digital</strong>: Um seinen Optimismus auch in den digitalen Sphären nicht zu verlieren, hat das<a href="http://www.digitale-ethik.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Institut für Digitale Ethik</a> der Hochschule für Medien in Stuttgart sogenannte <a href="http://www.digitale-ethik.de/beratung/10-gebote/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">10 Gebote </a>veröffentlicht. Sie sollen uns helfen, uns in der digitalen Welt zurechtzufinden durch Gebote wie „Messe deinen Wert nicht an Likes und Posts“ oder „Glaube nicht alles, was Du online siehst und informiere Dich aus verschiedenen Quellen“. Welche (digitale) Handlungsmaxime geben Sie uns mit auf den Weg?</p>
<p><strong>Claus Eurich</strong>: Mir liegt besonders am Herzen, ein eigenständiger Mensch zu sein und nicht zum Anhängsel oder Opfer einer Technik zu werden. Und wenn ich merke, hier läuft etwas ungut im Bereich der digitalen Nutzung, sollte ich mich in der Lage sehen, zu reagieren und auch andere Wege zu gehen. Im eigenständigen Denken und Entwickeln ethischer Maßstäbe beginnt für mich alles. Hier erst entsteht Menschsein. Und dann versuche deine Lebenswelt so zu gestalten, dass du wirklich das Gefühl hast: Es ist gut für mich und es dient dem Leben insgesamt. Einen anderen Ratschlag kann ich nicht geben.</p>
<p><strong>politik-digital</strong>: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Eurich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: Die Schule von Athen von Raffael, public domain, verändert</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Silicon Country Deutschland?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Sep 2016 10:45:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die SZ-Redakteure Ulrich Schäfer und Marc Beise haben mit ihrem Buch „Deutschland digital“ einen lesenswerten Beitrag zur Digitalisierungsdebatte beigetragen. Gestern [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_DeutschlandDigital.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-150349" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_DeutschlandDigital.jpg" alt="Buch-Cover: Deutschland digital" width="640" height="367" /></a>Die SZ-Redakteure Ulrich Schäfer und Marc Beise haben mit ihrem Buch „Deutschland digital“ einen lesenswerten Beitrag zur Digitalisierungsdebatte beigetragen. Gestern wurde es in der Factory Berlin vorgestellt. Anschließend debattierten Vertreter aus Wirtschaft und Politik über die Kernaussagen der frischen Publikation.</p>
<p><em> „Nirgends erlebt der Bürger den Staat so unmittelbar und handgreiflich wie auf dem Amt. Und genau so ist der Behördenalltag in Deutschland: hoffnungslos von gestern. Formulare, Formulare, Formulare, analoge Registratur, undurchsichtige Kompetenzen, knappe Öffnungszeiten, lange Schlangen: Für manchen Digital Native ist es ein negatives Entwicklungsszenario, wenn er mit 16 oder 18 das erste Mal mit dieser Welt konfrontiert wird, von der er gar nicht ahnte, dass es sie überhaupt noch gibt.“ </em>(Auszug: 228)</p>
<p>Die bildliche Schreibkraft der beiden Autoren Ulrich Schäfer und Marc Beise, Wirtschaftsredakteure der Süddeutschen Zeitung in München, prägt das komplexe Thema der Digitalisierung in ihrem Werk „Deutschland digital. Unsere Antwort auf das Silicon Valley“. Nicht nur die angestrebte Digitalisierung der Verwaltung, sondern auch die des Gesundheitssektors, der Politik und Wirtschaft sowie das Internet der Dinge porträtieren die beiden Autoren umfassend.</p>
<p>9.131,54 km trennen das Silicon Valley von der deutschen Hauptstadt in Luftlinie. Viele befürchten, dass die technische Entfernung der beiden Orte noch viel größer ist. Aus dem Grund haben sich die Buchautoren auf die Reise in das digitale Tal Amerikas gemacht, um herauszufinden, ob unsere Angst, in baldiger Zeit vom Silicon Valley wirtschaftlich und technisch verschlungen zu werden, berechtigt ist. Das Ergebnis: Die erste Runde der Digitalisierung haben wir verschlafen. Aber in der zweiten Runde haben wir die Chance aufzuwachen und mitzumischen &#8211; „vielleicht sogar ganz vorne“, so die Autoren.</p>
<h3>Silicon Country statt Silicon Valley: Produktion, Präzision, Perfektion</h3>
<p>Durch vielseitige Beispiele und Interviews im Silicon Valley und Deutschland zeigen die Herausgeber, dass auf der einen Seite der Technologievorsprung Amerikas existiert, aber andererseits die Stärken Deutschlands in Sachen Produktion, Präzision und Perfektion oft in Vergessenheit geraten. Die verschiedenen Kapitel zum „Angriff aus dem Silicon Valley“ und der möglichen Chancen Deutschlands in Form einer digitalen Transformation finden ihren Abschluss in einer Art Rat gebenden Wirtschaftsbibel – dem „Zwölf-Punkte-Plan“. Dieser Plan der Autoren lehrt uns u. a., auch mal Bewährtes infrage zu stellen, die digitale Bildung in Angriff zu nehmen sowie New und Old Economy miteinander zu kombinieren, während wirtschaftliche Innovationsstandpunkte innerhalb Deutschlands dezentral verteilt werden sollten. Heißt: Silicon Country statt Silicon Valley. Auch plädieren die Autoren für Werte und Regelungen, die es im Silicon Valley bereits gibt und in Deutschland bislang ausbleiben: schnelles Giga-Netz, finanzielle Privatinvestoren, kreatives Storytelling und inspirierende Vorbilder im Start-up-Bereich sowie unternehmerisches Denken.</p>
<p>Einen gefährlichen Allmachtsanspruch beobachteten Schäfer und Beise auf ihrer Reise in das Silicon Valley vor knapp anderthalb Jahren. Während das pulsierende Arbeitsleben am bedeutendsten IT-Standort der Welt sich selbst feiern lässt, habe Deutschland nun die Möglichkeit, seine bereits vorhandenen Stärken zu digitalisieren. Denn: Geschwindigkeit sei nicht alles, betonen die Autoren in ihrem Buch: „Tempo ist auch in der digitalen Welt nicht der entscheidende Maßstab.“ Neue Werte – wie Freiheit der MitarbeiterInnen, Kreativität und flache Hierarchien – sollen mit traditionellen deutschen Qualitäten Synergieeffekte erzielen: traditionelle Produktion trifft auf innovative Kreation. Hinzu komme dabei aber auch die in Amerika stärker beobachtbare Disruption, das unvermittelte Entstehen von etwas wirtschaftlich Neuem durch die Zerstörung der Konkurrenz: „Die digitalen Disrupter gehen dabei wie hungrige Wölfe vor“, heißt es im Buch. Die digitale Zukunft Deutschlands bleibt offen. „Tradition und Disruption“ lautet die Zauberformel der Autoren, durch die Deutschland auch selbst zum internationalen Angreifer in Sachen digitale Fabrik, Internet of Everything und Künstliche Intelligenz werden kann.</p>
<h3>Auf der Buchpremiere: Digitale Standpunkte zu Politik- und Kulturwandel</h3>
<figure id="attachment_150351" aria-describedby="caption-attachment-150351" style="width: 640px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/20160928_115440.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-150351" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/20160928_115440.jpg" alt="Im Panel v.l.n.r.: Moderatorin Inga Michler (Die Welt), SPD-Staatssekretär Matthias Machnig (BMWi), Valentin Stalf (CEO N26), Maximilian Viessmann (Chief Digital Officer der Viessmann Group), Udo Schloemer (CEO / Founder Factory Berlin), Ulrich Schäfer (Buchautor/Süddeutsche Zeitung)" width="640" height="312" /></a><figcaption id="caption-attachment-150351" class="wp-caption-text">Im Panel v.l.n.r.: Moderatorin Inga Michler (Die Welt), SPD-Staatssekretär Matthias Machnig (BMWi), Valentin Stalf (CEO N26), Maximilian Viessmann (Chief Digital Officer der Viessmann Group), Udo Schloemer (CEO / Founder Factory Berlin), Ulrich Schäfer (Buchautor/Süddeutsche Zeitung)</figcaption></figure>
<p>Deutschland als möglicher Gewinner und globaler Akteur – so sahen auch die Panelisten der Buchpremiere weitestgehend die, zumindest theoretisch, mögliche Zukunftsprognose Deutschlands. Vor der Diskussion positionierten sich die Autoren klar zur Digitalisierung im Allgemeinen: „Eigentlich sehen wir mehr Chancen als Risiken“, so Schäfer. Neben den bisher genannten Inhalten des Buches beschäftigte das durchgehend männliche Panel aber vor allem auch der Wunsch nach einer digitalen Regierung und nach einem Kulturwandel. Für letzteres sprach sich vor allem SPD-Staatssekretär Matthias Machnig (BMWi) aus, der noch schnell in Vertretung für Sigmar Gabriel anreiste. Machnig ist sich sicher: „Ein Kulturwandel ist in der Tat notwendig.“ Dieser Wandel sei nicht nur politisch zu verstehen, es sei auch mehr Mut für Fusionen mit Start-ups und hinsichtlich der großen Datenschutz-Debatte notwendig, so Machnig. Einen Nerv hatte der Staatssekretär damit besonders bei Udo Schloemer (CEO / Founder Factory Berlin) getroffen, der die Forderung nach einem Kulturwandel nun schon seit Jahren hört und Machnig eine Hausaufgabe mit auf den Weg gab: „Dann schaffen sie doch endlich mal eine neue Kultur.“</p>
<p>Große Kontroversen wurden in der Podiums-Diskussion nicht ausgetragen, stattdessen erklärten die Panelisten fast einträchtig nacheinander ihre digitalen Standpunkte. Auch die Frage nach einer politisch-operativen Handhabung der Digitalisierung stieß weitestgehend auf Konsens: Nicht ein digitaler Minister sei die Lösung, sondern ganze viele davon bzw. gleich eine gesamte digitale Regierung. So pflichtete auch Maximilian Viessmann (Chief Digital Officer der Viessmann Group) bei, dass ein Ministerium als Multiplikator dienen sollte. Machnig plädierte dabei – halb ernst, halb scherzhaft – für den Vorschlag einer „heiligen Vierfaltigkeit der Digitalminister“ zwischen den Bereichen Inneres, Sicherheit, Forschung und Wirtschaft. Wer dabei seiner Meinung nach die Führungsposition einnehmen könnte, liege auf der Hand, entgegnete Moderatorin Inga Michler süffisant. Das Wirtschafts-Panel sprach sich, abgesehen von kleinen Unstimmigkeiten, für die Vorteile und Potenziale Deutschlands als zukünftiges Silicon Country aus.</p>
<h3>Zurück zum Buch: Wie sieht es eigentlich mit der Digitalisierung der Gesellschaft aus?</h3>
<p>Durch zahlreiche szenische Einstiege sowie eine bildliche und verständliche Sprache gelingt es Beise und Schäfer, den LeserInnen einen unübersichtlichen Themenkomplex, anhand zahlreicher Geschichten großer und kleiner Unternehmen, in Form eines Puzzle-Stils näherzubringen. Jede einzelne Geschichte, jedes Interview und jede Idee, die im Buch porträtiert wird, erweitert das große Gesamtbild ein kleines Stück mehr. Eine gelungene sprachliche und journalistische Leistung: Unterhaltung trifft auf inhaltlichen Mehrwert. Auch wenn soziale Komponenten der Digitalisierung anfangs im Buch als eine Stärke Deutschlands skizziert werden, sucht man diese Facetten in ihrer notwendigen Ausführlichkeit jedoch vergebens. So ist leicht ersichtlich, aus welchem Ressort der Süddeutschen Zeitung beide Autoren stammen: Die wirtschaftliche Akzentuierung hat an den meisten Stellen ihre Berechtigung durch die thematische Verankerung selbst, jedoch liegt sie hin und wieder etwas fern von einer inter- bis transdisziplinären Denk- und Schreibweise. Nationale Identitäten mit ihren Stärken und Schwächen werden als absolut und gegeben dargestellt. Der ethische Gehalt hinter den großen Begriffen ‚Digitalisierung‘, ‚Fortschritt‘ und ‚deutsche Werte‘ wird nicht hinterfragt. Auch der Begriff der Modernisierung wird innerhalb des Buches lediglich ökonomisch und finanziell ausgelegt, wie auch an dieser Stelle deutlich wird: „Die Gesundheitskarte könnte so zu einem entscheidenden Faktor für die unvermeidliche Modernisierung unseres überteuerten Gesundheitswesens werden.“ Wie sieht nun aber der ‚moderne‘ Mensch dazu aus?</p>
<p>Generell sind begriffliche Konstrukte wie Innovation und Digitalisierung von einer stark positiven Konnotation umgeben. Auch wenn dies Anlass zu Kritik gibt, da die Betrachtung idealistisch und auch an mancher Stelle utopisch scheint – Nein: genau darum geht es in diesem Buch: „Think Positive!“ Und dieses Credo haben Schäfer und Beise wirklich stringent und überzeugend durch ihre Wortwahl transportiert, auch wenn die ein oder andere Forderung nach sehr fernliegender Zukunftsmusik klingt – wie allein die schnelle Schaffung des flächendeckenden Giga-Netzes. Die Digital-Optimisten Beise und Schäfer reißen einen mit in ihrem Gegenwerk zu all dem digitalen Pessimismus, der und sonst umgibt. Dennoch: Individuell kommen wir mit den Facetten einer digitalen Transformation der Gesellschaft auf sehr verschiedene Art und Weise zurecht. Gerade dieser Individualismus, der neben den genannten Werten Deutschlands – wie „Präzision und Perfektion, Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit, Ingenieurskunst und Industriewissen“ – in der Digitalisierung eine wichtige Rolle spielt, kommt in den universellen Ratschlägen und im absoluten Nationen-Denken noch etwas zu kurz.</p>
<h3>Fazit: Wirtschaftlich fokussierter Lesetipp für digitale Laien und bereits Transformierte!</h3>
<p>„<em>Dies ist kein Plädoyer für ein Laisser-faire, auch nicht dafür, einfach kritiklos zu übernehmen, was im Silicon Valley gang und gäbe ist. Wir brauchen in Deutschland nicht den digitalen Wilden Westen; was wir aber brauchen, das sind wohldosierte Reformen und kluge Maßnahmen, um die Früchte der Digitalisierung zu ernten, sie einzufahren, sie zu genießen.“ </em>(Auszug: 238)</p>
<p>Titelbild: Buch-Cover &#8220;Deutschland digital&#8221; von <a href="http://politik-digital.de/user/jdonat/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jana Donat</a> / <a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>, licenced <a href="http://i0.wp.com/politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY SA 3.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Nationales-Internet-Projekt des Iran: Zensur oder Schutz?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Sep 2016 05:23:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Iranische Browser, Suchmaschinen und E-Mail-Services gibt es schon seit ein paar Jahren. Dennoch bleiben die beliebtesten Online-Dienste in der iranischen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_Iran.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-150301" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_Iran.jpg" alt="Internet Halal, Iran" width="640" height="352" /></a>Iranische Browser, Suchmaschinen und E-Mail-Services gibt es schon seit ein paar Jahren. Dennoch bleiben die beliebtesten Online-Dienste in der iranischen Bevölkerung weiterhin zensierte Anbieter und Netzwerke aus dem Ausland – wie Facebook, YouTube und Twitter. Durch das nationale Datennetzwerk sollen Online-Sperren noch größere Auswirkungen auf den realen Alltag im Iran haben. Die kürzlich zelebrierte Einweihung des „nationalen Internet“ im Iran stößt auf internationalen Aufschrei – die universellen Menschenrechte der Informations- und Meinungsfreiheit seien in Gefahr.</p>
<p>Die erste Phase des nationalen Internet im Iran leitete der iranische Minister für Informations- und Kommunikationstechnologie, Mahmoud Vaezi, <a href="http://en.mehrnews.com/news/119304/Iran-launches-National-Information-Network" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ende August 2016</a> ein. Das auf den Iran beschränkte Datennetzwerk umfasst in dieser Phase Websites und Dienste von Regierungsstellen sowie von lokalen Behörden. Der Plan ist keineswegs neu: Seit 2010 arbeitet die iranische Regierung an dem Nationales-Internet-Projekt. Anfänglich ging die Regierung sogar von einer Implementierung bis 2015 aus. Heute wird ein nationales Datennetzwerk kaum mehr vor 2019 erwartet.</p>
<h3>Landesweit Surfen im Internet Halal</h3>
<p>Das unberechenbare World Wide Web soll an die digitale Leine genommen werden. Ein sauberes und reines Internet heißt die Maxime, kurz: Internet Halal. Das arabische Wort „Halal“ bedeutet so viel wie „zulässig“ und gestattet nur Online-Inhalte, die nach islamischem Recht erlaubt sind. Nicht nur Staatspräsident Hassan Rouhani, sondern vor allem auch Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei spricht sich für ein kontrollierbares Internet aus. Ein nationales, sicheres und reines Internet soll es also sein. Für die Regierung liegen die Vorteile auf der Hand: technisch gesehen bedeutet es, einen Zugewinn an <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Iran-stellte-erste-Phase-seines-nationalen-Internets-vor-3307868.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sicherheit</a> gegenüber Hacker-Angriffen sowie schnellere und preiswertere Breitbandverbindungen zu schaffen. Aber nicht nur der Technologiesektor, sondern auch die Wirtschaft schlage Profit, da durch die Unabhängigkeit zum World Wide Web mehr Arbeitsplätze in nationalen Projekten generiert werden können.</p>
<p>Dass manche Argumente auf Seiten der iranischen Regierung „nicht ganz ohne Substanz“ seien, meint auch Politikwissenschaftler Dr. Marcus Michaelsen. Seit Jahren forscht und publiziert er zum digitalen und politischen Wandel im Iran und hält fest: „Immerhin war der Iran Ziel eines der ersten internationalen Cyberangriffe auf eine zentrale staatliche Infrastruktur. Durch Sanktionen und Isolation des Landes hat die iranische Regierung die Bedeutung von eigenständiger Beherrschung von Technologie schätzen gelernt.“ Dass der Drang nach Sicherheit ein historisch gewachsenes Resultat der iranischen Regierung auf internationale Konflikte ist, bezweifelt auch der iranische Geflüchtete und Internetsicherheit-Forscher Amir Rashidi nicht. Amir Rashidi studierte Software Engineering im Iran, floh nach der umstrittenen Wahl 2009 als Aktivist nach Italien und arbeitet nun seit zwei Jahren in New York bei der Menschrechtsorganisation <a href="https://www.iranhumanrights.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">International Campaign for Human Rights in Iran</a>. Auf technischer Ebene sieht Rashidi das gesamte Projekt vielmehr als eine Art „nationales Intranet“, also wesentlich „kleiner dimensioniert im Sinne eines internen Netzes, das vor fremden Eingriffen geschützt werden soll.“ Auch Rashidi bestätigt den Vorteil der technischen Schnelligkeit und Kosteneinsparung, während er das Problem der virtuellen Kontrolle auf einer ganz anderen Ebene sieht: „Wir Iraner vertrauen der Regierung nicht.“</p>
<h3>Internetzensuren im Iran: technische Sicherheit vs. digitale Apartheid</h3>
<p>Auch wenn iranische Stimmen – wie die des ersten Vize-Präsidenten Irans, Eshagh Jahangiri – beteuern, dass das nationale Internet <a href="http://parstoday.com/de/news/iran-i14122-nationales_internet_in_iran_in_betrieb_genommen" target="_blank" rel="noopener noreferrer">keine Einschränkung</a> für den Informationszugriff bedeutet, sehen dies Menschenrechtsverteidiger anders. Für die britische Menschenrechtsorganisation <a href="https://www.article19.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Article 19</a> passen internationale Standards der Informations- und Meinungsfreiheit, nach <a href="http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Art. 19, UN Menschenrechtskonvention</a>, nicht zum Konzept eines nationalen Datennetzwerkes. In ihrem Anfang 2016 erschienenen <a href="https://www.article19.org/data/files/medialibrary/38315/The-National-Internet-AR-KA-final.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Report</a> zum nationalen Internet-Projekt sehen sie den Schutz der Online-Anonymität und das Recht auf Privatsphäre in Gefahr. Auch bei Reporter ohne Grenzen (<a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ROG</a>) steht der Iran auf der Liste der „<a href="http://12mars.rsf.org/wp-content/uploads/EN_RAPPORT_INTERNET_BD.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Feinde des Internet</a>“. ROG befürchtet seit Jahren ein zweigeteiltes Internet, eine Art „<a href="https://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/meldung/internet-experte-ohne-anklage-in-haft-rog-befuerchtet-digitale-apartheid/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">digitale Apartheid</a>“, in der die Bevölkerung lediglich Zugang zu gefilterten Online-Inhalten hat, während Regierung und religiöse Anführer, wie Ayatollah Ali Khamenei, keine Einschränkung haben.</p>
<p>Auch Michaelsen sieht Gefahren in dem Aufbau eines nationalen Datennetzwerks: „In jedem Fall birgt das Projekt Risiken für den freien Zugang zu Informationen, weil Verbindungen zum World Wide Web besser eingeschränkt, überwacht und gefiltert werden können.“ Kontrolle und Unterdrückung sind besonders aufgrund vergangener Menschenrechtsverletzungen im Iran ein brisantes Thema. So kam es bereits in der Vergangenheit zu Festnahmen von <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/deutsche-journalisten-in-iran-haft-fuer-die-pressefreiheit-1.1053773" target="_blank" rel="noopener noreferrer">JournalistInnen</a> und <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-05/iran-instagram-models-schleier-strafverfahren-festnahme" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Models</a>. Aufsehen erregte auch der Fall eines <a href="http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article107781865/Haeftling-soll-nationales-Internet-im-Iran-aufbauen.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">iranischen Internet-Experten</a>, der ohne Anklage inhaftiert wurde und im Gefängnis als Programmierer für die iranische Regierung arbeiten musste.</p>
<p>Amir Rashidi betont in dem Zusammenhang, dass die Regierung einfach Angst habe vor den westlichen Lebensweisen und Selbstinszenierungen, wie sie durch Instagram, Facebook und Co. ermöglicht werden. Aber wie kommt die Regierung erst an die Leute, die sie verhaften will? „Die Taktik und die gesamte Hacker-Technik der Regierung ist unglaublich simpel“, meint Rashidi. Ob erzwungene Informationen durch InformantInnen oder einfachste Hacking-Angriffe auf Accounts von Störenfrieden des „Halal“ Internet – „die Möglichkeiten der Regierung sind so unglaublich einfach, aber effektiv“, so Rashidi.</p>
<h3>Rouhani und der virtuelle Alltag im Iran</h3>
<p>In der Islamischen Republik Iran haben sich mit Amtswechsel auch virtuelle Regierungsziele verändert: unter Mohammad Chatami und Mahmud Ahmadinedschad wurden bereits Online-Inhalte in großem Umfang gefiltert. Michaelsen stellt aber den entscheidenden Unterschied nach den Wahlen 2009 fest: Nachdem die Bevölkerung soziale Netzwerke und digitale Kommunikation zur Protestförderung nutzte, „hat die iranische Regierung ihre Versuche, das Internet zu kontrollieren und zu überwachen, eindeutig verschärft.“ Nicht nur Amir Rashidi floh zu dieser turbulenten Zeit aus dem Iran, sondern <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/flucht-aus-iran-ueber-die-grenze-und-in-den-westen-a-663465.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tausende reformorientierte IranerInnen</a>. Für Rashidi „hat alles unter Ahmadinedschad begonnen. Die Regierung wurde immer nervöser“ &#8211; es ging schon lange nicht mehr nur um die Zensur von Pornographie und Religiösem. Die politische Online-Nutzung nahm ein neues Ausmaß an. Dabei erinnert sich Rashidi vor allem an ein Video, welches die Regierung möglichst schnell aus dem Netz nahm. Darin sah man inmitten der Aufstände eine tote Frau, die zur „<a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/tote-iran-demonstrantin-neda-die-ikone-des-protests-a-631670.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ikone des Protests</a>“ wurde.</p>
<p>Zur Wahl Rouhanis 2013 kamen vor allem bessere technische Möglichkeiten auf Regierungsseite zu tragen. Michaelsen berichtet, dass der Internetverkehr in „kritischen Momenten <a href="https://iranwire.com/en/features/1653" target="_blank" rel="noopener noreferrer">verlangsamt</a>“ wurde und Rouhani seitdem seinem „<a href="http://politik-digital.de/news/kurswechsel-im-iran-ein-tweet-in-richtung-freiheit-133173/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wahlversprechen</a> von mehr Informationsfreiheit im Internet“ nicht nachgekommen sei. Aus der Distanz betrachtet, stellen wir uns darunter extreme Einschränkungen im Alltag der iranischen Bevölkerung vor. Die deutschgebürtige Iranerin Zonai (25) berichtet aber, dass alle ihre Verwandten und Bekannten im Iran Instagram und Facebook haben. Dem Geo-Blocking im Iran lässt sich einfach über Virtual Private Networks (VPN) oder Tor entkommen. Diese technischen Lösungen sind aber im Gegensatz zu einer Mitgliedschaft in sozialen Netzwerken im Iran nicht erlaubt. Die Umgehung der Zensur via Proxys steht sogar <a href="http://www.heise.de/ct/artikel/Iran-Der-Machtkampf-um-Informationen-2566400.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unter Strafe</a>. „Über Sanktionen machen sich meine Verwandten keine Gedanken oder es ist ihnen auch gar nicht so bewusst“, erzählt Zonai. Um Kontakt zu halten, schreibt die Studentin keine E-Mails, sondern nutzt Instagram und chattet über die unzensierte App Telegram mit ihren Verwandten im Iran. Auch Rashidi freut sich, dass Telegram mittlerweile mit 20 Millionen NutzerInnen im Iran als populärste Messaging-App fungiert.</p>
<h3>Twitter Halal?</h3>
<p>Auch Twitter ist seit der Wahl 2009 für die iranische Bevölkerung ohne Umwege nicht mehr zugänglich. Repressionen und Propaganda waren die Folge der intensiven Nutzung von Twitter als Informations- und Organisationstool während der Proteste. Die Politiker bleiben aber unbeirrt: im Zuge ihrer eigenen Internetfreiheit twittern Rouhani, Khamenei und Co. – und das sogar über mehrere Accounts und Sprachen. Ausgerechnet die Gegner der virtuellen Welt führen mehrere Accounts auf verschiedenen Netzwerken, wobei sie damit doch theoretisch im Internet Halal niemand in ihrem eigenen Land erreichen dürften. Auch spielte <a href="https://smallmedia.org.uk/media/projects/files/IranVotes_2016.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Twitter in der Parlamentswahl 2016</a> eine wichtige Rolle, weshalb Rashidi der Auffassung ist: „Twitter wird die erste Plattform sein, die die Regierung wieder entblockt. Da bin ich mir sicher.“</p>
<p>Starke Interessendivergenzen bei zensierten Online-Diensten, die bekommt Zonai vor allem zwischen den Altersgenerationen mit: „Die jungen Leute wollen mehr Freiheiten haben, aber die Älteren haben einfach mehr Macht.“ Aber auch insgesamt kann sich Zonai nicht vorstellen, dass irgendwer im Iran ein nationales Intranet, geschweige denn Internet, begrüßen würde. Aus westlicher Perspektive scheinen die Einschnitte in die Menschenrechte alle anderen Vorteile in den Hintergrund zu drängen. Michaelsen betont aber auch, dass das ganze Projekt „von doppeldeutigen Zielstellungen geprägt“ sei, da die Datenspeicherung von Regierung und Administration innerhalb des eigenen Landes „auch ein legitimes Ziel“ ist. In einer Hinsicht gibt auch Rashidi zumindest eine kleine Entwarnung: „Rouhani weiß, dass es keine nationale Entkopplung geben kann, und er will auf keinen Fall eine digitale Isolation von der restlichen Welt – aber ja, Kontrolle will er schon.“</p>
<p>Titelbild: Internet Halal, Iran von <a href="http://politik-digital.de/user/jdonat/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jana Donat</a> / <a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>, licenced <a href="http://i0.wp.com/politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY SA 3.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Herbstkonferenz 2016: Die Breitbandinitiative und der datenängstliche Flatrate-Perfektionismus Deutschlands</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Sep 2016 16:30:20 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Bei der heutigen Herbstkonferenz der Deutschen Breitbandinitiative „Breitbandstrategie für die Gigabitgesellschaft“ in Berlin fanden nicht nur technische und politisch-ökonomische, sondern [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_Breitbandinitiative.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-150282" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_Breitbandinitiative.jpg" alt="titelbild_breitbandinitiative" width="638" height="377" /></a>Bei der heutigen Herbstkonferenz der Deutschen Breitbandinitiative „Breitbandstrategie für die Gigabitgesellschaft“ in Berlin fanden nicht nur technische und politisch-ökonomische, sondern auch gesellschaftliche Perspektiven ihren Platz. Mehrere Impulsvorträge und eine abschließende Paneldiskussion thematisierten die digitale Infrastruktur im internationalen Vergleich, die Zukunft der Breitbandtechnologie sowie die gesellschaftliche Notwendigkeit und Nutzungsmöglichkeiten einer Gigabit-Versorgung.</p>
<p>Zur Herbstkonferenz öffnete die Deutsche <a href="http://breitbandinitiative.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Breitbandinitiative</a>, ein Projekt der <a href="http://www.initiatived21.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Initiative D21</a> e.V., dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (<a href="http://www.bmvi.de/DE/Home/home_node.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BMVI</a>) und des <a href="https://www.bitkom.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BITKOM</a> e.V., im Fraunhofer IuK heute die Türen. Der Verlauf der Veranstaltung war bereits durch Statements in der Begrüßung vorgezeichnet. So veranschaulicht die Geschäftsführerin der Initiative D21, Lena-Sophie Müller, dass „die analoge Eisscholle immer kleiner wird.“ Die digitale Durchdringung nimmt zu und gerade deswegen bestätigte auch Dr. Hannes Ametsreiter, Präsidium des Bitkom, dass die Gigabit-Gesellschaft im Anmarsch sei. Die Planung und Umsetzung der Breitbandstrategie hinke seines Erachtens aber noch etwas hinter: „Es ist gut den Diskurs – wie heute – zu führen. Aber es müssen Taten folgen.“</p>
<h3>Stadt, Land, Breitband-Fluss?</h3>
<p>Ein Phänomen fand im Verlauf der Konferenz und im ersten Impulsvortrag bereits eine starke Akzentuierung: die Stadt-Land-Diskrepanz. Roland Schäfer, Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebunds (<a href="http://www.dstgb.de/dstgb/Homepage/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">DStGB</a>), warnte zu Beginn, dass „eventuell vielen nicht gefallen könnte“, was er zu sagen habe. Denn die Prioritäten in kleinen Orten und ländlichen Gegenden seien andere als möglichst schnelle Glasfaserverbindungen. Die digitale Kluft innerhalb Deutschlands verstärke sich, was auch an der enormen Land-Stadt-Migration liege, so Schäfer: „Wir stehen im Wettbewerb mit den großen Städten, auch was die Abwanderung anbelangt.“ Obwohl auch Schäfer „am liebsten nur Glasfaser“ in allen Gegenden verbreiten würde, sprach er sich für einen Technologiemix aus, der finanzierbarer scheint. Die möglichen Investitionen in Glasfaser statt Vectoring sieht Schäfer dagegen kritisch: „So gut und richtig der Gedanke ist – Wir müssen es erst bezahlen können.“</p>
<p>Nicht nur die Bezahlung ist ein Problem. Auch das digitale Interesse der Gesellschaft fehle in ländlicheren Gegenden oft, erklärt Ramona Schumann, Bürgermeisterin von Pattensen in der Region Hannover, im Interview. In der Kleinstadt Pattensen selbst ist davon aber kaum die Rede: „Was das Thema Breitbandausbau angeht, mindestens in einigen Bereichen Vectoring und zukünftig Glasfaser, sind wir auf einem ganz guten Weg.“ Mancherorts in Pattensen kann man nun, dank Förderbescheid über den Landkreis Hannover, mit 100 MBit surfen. Als starke Zuzugsregion sei der Bedarf am Breitbandausbau in Pattensen groß, erklärt Schumann, die sich davon einen „besseren Wettbewerbsvorteil“ erhofft: „Ich habe viele Anfragen von Firmen und wir sind auch schon lange dabei, das Gewerbegebiet stark zu erweitern.“ Die Probleme der Erweiterung liegen im Analogen, denn: nicht die Breitbandverbindung hindert die Bürgermeisterin an dem Vorhaben, sondern vielmehr der europäische Feldhamster, der unter Naturschutz steht.</p>
<h3>Breitband und die deutsche Flatrate-Mentalität</h3>
<p>Die Diskussion um Deutschlands schlechte Positionierung im internationalen Vergleich bei der Breitbandversorgung wird schon seit langer Zeit geführt. Redner der Impulsvorträge und Panellisten sind bei der Suche nach Ursachen immer wieder auf zwei Störenfriede gestoßen: die deutsche Flatrate-Kultur und die allgemeine Skepsis gegenüber der Digitalisierung wegen Big Data. Auch wenn die Sorge um die eigenen Daten nicht unbegründet ist, sprach sich bereits Dr. Tobias Miethaner, Abteilungsleiter des BMVI, in seiner Keynote für eine Neuauslegung aus: „Die Big Data-Debatte zielt sehr stark auf die Risiken ab. Es gibt aber auch nicht personenbezogene Daten.“ Die digitale Datenangst sollte für den Tag aber nicht der einzige Kritikpunkt an der deutschen Mentalität bleiben. So hieß es: Nicht nur wollen wir Deutschen immer, dass alles perfekt funktioniert – es soll dann auch noch möglichst umsonst sein. Das verärgerte auch Wilhelm Dresselhaus, Sprecher der Geschäftsführung von Nokia Solutions and Networks. Er sieht die Flatrate-Mentalität in Deutschland als Bremse des Breitbandausbaus und Mitverursacher der schlechten internationalen Aufstellung.</p>
<p>Auch im abschließenden Diskussionspanel wurde der deutsche Perfektionismus nochmals aus einer anderen Perspektive beleuchtet, als sich Bürgermeisterin Schumann für mehr digitale Bildung, aber auch gesellschaftliche Akzeptanz aussprach: „Wir akzeptieren viel zu wenig das Scheitern.“ Auf eine weitere Forderung Schumanns nach mehr „Durchschaubarkeit der Tarife“ entgegnete ihr aber Dr. Manfred Hauswirth, Institutsleiter des <a href="https://www.fokus.fraunhofer.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fraunhofer-Institut FOKUS</a>, mit einer weiteren Facette des deutschen Perfektionismus: „Wir müssen aus der Mentalität herauskommen, alles verstehen zu wollen, bevor wir es tun. Es passiert viel zu oft, dass uns jemand anders überholt – nicht nur im Technischen, auch im Gesellschaftlichen.“ Die allgemeinen Wünsche der Panellisten nach mehr Mut, inhaltlichen Debatten, gesellschaftlicher Akzeptanz und innovativer Waghalsigkeit zeigten, dass viele Hindernisse der Digitalisierung ganz tief im analogen datenängstlichen Flatrate-Perfektionismus Deutschlands liegen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: von <a href="https://www.flickr.com/photos/mtischendorf/5726831977/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">*m22 </a>via <a href="https://visualhunt.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Visualhunt</a>, licenced <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-NC-SA 2.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Beipackzettel: Electronic Health (eHealth)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Sep 2016 13:56:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Digital Health]]></category>
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					<description><![CDATA[Fragen Sie noch Ihren Arzt oder Apotheker? Lesen Sie sich diese Packungsbeilage zu eHealth sorgfältig durch. Sie enthält einen Überblick [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_eHealth.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-150178" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_eHealth.jpg" alt="titelbild_ehealth" width="640" height="310" /></a>Fragen Sie noch Ihren Arzt oder Apotheker? Lesen Sie sich diese Packungsbeilage zu eHealth sorgfältig durch. Sie enthält einen Überblick rund um Chancen und Risiken des digitalen Gesundheitswesens für Sie. Aktuelle digitale Produkte aus der Reihe eHealth sind ohne ärztliche Verschreibung erhältlich. Um einen bestmöglichen Behandlungserfolg zu erzielen, muss eHealth jedoch vorschriftsmäßig angewendet werden.</p>
<h3>1. Was ist eHealth und wofür wird es angewendet?</h3>
<p>Zur mehr oder minder akuten medizinischen Versorgung und allgemeinen Hilfe im Gesundheitswesen kann die Anwendung elektronischer Geräte dienen– kurz: eHealth. Mobile eHealth Lösungen, wie Gesundheitsapps, werden auch unter dem digitalen Tochterpräparat mHealth (Mobile Health) vermarktet. Die Angebotspalette eHealth ist unglaublich groß: die pure Informationssuche online zu Gesundheitsthemen, die Nutzung von Gesundheitsportalen sowie der Erfahrungsaustausch mit anderen und der gesundheitsbezogene E-Commerce spielen darin zentrale Rollen. Über elektronische Patientenakten, medizinische Vermessungen per App und Sensoren, Wearables (bspw. Fitnessarmbänder oder Smart Watches) sowie gesundheitlich- therapeutische Coaching-Apps bis zur schnellen online Bestellung bei der Apotheke und der Videosprechstunde mit dem Hausarzt reicht die Vorteilswelt des eHealth.</p>
<p>Eine verstärkte Wirkung von eHealth ist zu erwarten, wenn Sie zu den Leuten gehören, die immer eine gefühlte Ewigkeit in Wartezimmern von Ärzten verbringen. Ressourceneinsparung bei Zeit und Geld: die Digitalisierung des Gesundheitssektors kann helfen, analoge Probleme zu lösen. Den Mangel an Beratungs- und Gesprächszeit bei Ihrem Arzt können Sie nun durch Eigenrecherche und verbesserter Mitwirkung in Form von Selbstvermessung oder des Führens eines digitalen Schmerztagebuchs kompensieren. Digital Health erreicht aber auch eine zwischenmenschliche Ebene: vielleicht reicht eine kurze Online-Kommunikation mit Ihrem Arzt oder digital übermittelte Daten ihrerseits, um eine Ferndiagnose zu stellen oder im Notfall einen Termin mit Ihnen zu vereinbaren. Kosteneinsparungen und Effizienz auf Seiten der Medizin sind vor allem im Bereich der Forschung, aber auch durch die Vermeidung von Doppeluntersuchungen denkbar. Big Data bieten das große Potenzial, Betrugsfälle systematisch zu identifizieren, neue medizinische Erkenntnisse zu erlangen und diagnostisch präziser zu arbeiten. Denn: gesellschaftliche Krankheitsentwicklungen können durch eHealth in einer höheren Quantität verfolgt und verglichen werden.</p>
<h3>2. Was müssen Sie vor der Einnahme von eHealth beachten?</h3>
<p>Besondere Vorsicht bei der Einnahme von eHealth ist bei technischen Sicherheitslücken und der Weitergabe von Daten an Dritte erforderlich. Das mögliche Missbrauchspotenzial, dem Sie sich durch die Anwendung von eHealth-Produkten aussetzen, ist jedoch nicht klar erkennbar. Prozesse laufen hinter verschlossenen Türen ab und lassen die Stärke der Nebenwirkungen in der Welt der Big Data nicht genau bestimmen. Verschiedene eHealth-Präparate zeigen unterschiedlich starke Risiken: per App Blutzucker messen in Eigenregie, elektronisch die täglichen Kalorien und Schritte zählen sowie Erinnerungen für Medikamente und regelmäßige Workouts. Warum wollen manche Apps dafür Zugriff auf Ihren Standort, Medien, Kamera, Geräte-ID und und und?</p>
<p>Die Datensammlung geht meistens an die Urheber der Anwendungen zurück und wird dort gespeichert. Nicht selten landen Big Data aber auch bei Dritten, da Daten weiterverkauft werden. Zu diesem Zeitpunkt verlieren Sie als VerbraucherIn nun endgültig den Überblick über die Nutzung Ihrer eigenen Informationen in der großen weiten Datenökonomie. Fest steht: Um überhaupt theoretisch von eHealth profitieren zu können, müssen Ihre Messwerte zuverlässig erhoben werden. Auch die Aussagekraft dahinter muss im entsprechenden Kontext verstanden werden. Denn nur zu oft führt präventives Verhalten oder die Recherche der eigenen Symptome zu unnötiger Angst und Fehldiagnosen.</p>
<h3>3. Wie ist eHealth einzunehmen?</h3>
<p>Eine vorschriftsmäßige Nutzung von – was das genau bedeutet, hat auch der Sachverständigenrat für Verbraucherfragen (<a href="http://www.svr-verbraucherfragen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">SVRV</a>) in einer <a href="https://www.bmjv.de/DE/Ministerium/Veranstaltungen/SaferInternetDay/01192016_Digitale_Welt_und_Gesundheit.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3" target="_blank" rel="noopener noreferrer">diesjährigen Veröffentlichung</a> diskutiert und gibt dafür zwei Handlungsratschläge:  Die volle Wirkkraft von eHealth komme demnach nur zur Geltung, sobald einerseits transparente und verlässliche (evidenzbasierte) Verbraucherinformationen und andererseits, eine Stärkung der Alltagskompetenzen der VerbraucherInnen vorliegen. Die Einnahme von eHealth ist also je nach angemessenem Level an Transparenz auf Angebots- sowie Kompetenz auf Nachfrageseite zu dosieren. Falls Sie zu viel kommerzielles eHealth eingenommen haben, ist ein rückwirkender Entzug Ihrer Daten leider nicht möglich.</p>
<p>Bei der Einnahme von eHealth mit analog eingeholten Gesundheitstipps können Wechselwirkungen entstehen: Viel öfter müssen heutzutage Ärzte ihre eigenen Entscheidungen und Handlungen vor Patienten rechtfertigen. Digitale Patienten werden gerne mal selbst zum Arzt und haben sich vorab schon eine eigene Meinung über Diagnose und Zusammenstellung der Medikamente gemacht. So konstatiert der SVRV-Bericht, dass im EPatient Survey 2015 bereits 10% der Befragten angaben, die Dosis oder Zusammenstellung ihrer Medikamente selbst verändert zu haben. Die gesundheitlichen Risiken bei einer Selbstdiagnose sind bedenklich hoch.</p>
<h3>4. Zukunftsdiagnose eHealth?</h3>
<p>Zukünftige Aufbewahrungsbedingungen von eHealth korrelieren mit vielen gesellschaftlichen Entwicklungen: die Land-Stadt-Migration, der demographische Wandel, damit einhergehende steigende Kosten im Gesundheitssektor und Ärztemangel sowie geplante Gütesiegel auf Seiten der Wissenschaft und Politik. All diese Facetten beeinflussen die Chancen und Risiken des digitalen Gesundheitssystems. Für Menschen aus ländlichen Gegenden mit aufwändiger Anreise zum Arzt könnte eHealth zukünftig großes Potenzial bieten. Auch führen steigende Lebenserwartungen und die gesellschaftliche Alterung kurz- oder langfristig zu medizinischen Engpässen: Während aktuell schon jede fünfte Person mindestens 65 Jahre alt ist, prognostiziert das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (<a href="http://www.bib-demografie.de/DE/Home/home_node.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BiB</a>) im <a href="http://www.bib-demografie.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Broschueren/bevoelkerung_2016.pdf;jsessionid=8B448FDC54BF17CE9759B20F9563943F.2_cid321?__blob=publicationFile&amp;v=5" target="_blank" rel="noopener noreferrer">diesjährigen Bevölkerungsentwicklungsbericht</a> einen Anstieg auf jede dritte Person in Deutschland bis 2060.</p>
<p>Dennoch gilt es vor allem aus ethischer Perspektive den wissenschaftlichen Nutzen des eHealth-Angebots zu bezweifeln. Denn wir befinden uns in einer rechtlichen Grauzone des eHealth – einem ungeschützten Markt, in dem Sie zwischen spielerischen digitalen Gesundheitsangeboten und der kommerziellen Datenverwertung abwägen müssen. Mit dem Ziel, sich selbst besser unter Kontrolle zu haben, wird man eventuell umso mehr von außen kontrolliert. Der Bereich des Gesundheitssektors hat sich ausgedehnt: auch Themen aus Ernährung und Fitness finden großen Anklang in digitalen Gesundheitsangeboten. Die große Empfehlung zum Präparat eHealth heißt daher: keine unüberlegten Einnahmen und im Zweifel fragen Sie lieber Ihren analogen Arzt oder Apotheker – zumindest per E-Mail, Chat oder Videoanruf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: eHealth von <a href="http://politik-digital.de/user/jdonat/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jana Donat</a> / <a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>, licenced <a href="http://i0.wp.com/politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY SA 3.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Internet Governance Forum Deutschland 2016: zur Ethik der Digitalisierung</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/internet-governance-forum-deutschland-2016-zur-ethik-der-digitalisierung-150211/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Sep 2016 15:01:33 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Personalisiertes E-Shopping, selbstfahrende Autos und Fitness-Tracker: einen bequemeren Alltag können Algorithmen sicherlich ermöglichen. Der Preis dafür ist aber hoch. So [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_150213" aria-describedby="caption-attachment-150213" style="width: 640px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/DSC07712.jpg"><img decoding="async" class="size-full wp-image-150213" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/DSC07712.jpg" alt="Panel des Internet Governance Forum Deutschland 2016 &quot;Encoding Values&quot;" width="640" height="280" /></a><figcaption id="caption-attachment-150213" class="wp-caption-text">Im Panel (v.l.n.r.): Matthias Spielkamp (iRights/Algorithm Watch), Dr. Mirja Kühlewind (Transport AD/ETH Zürich, IETF), Constanze Bürger (Bundesministerium der Innern), Prof. Dr. Iris Eisenberger (BOKU Uni Wien), Dr. Benedikt Köhler (DataLion), Moderatorin Lena-Sophie Müller (Initiative D21)</figcaption></figure>
<p><strong>Personalisiertes E-Shopping, selbstfahrende Autos und Fitness-Tracker: einen bequemeren Alltag können Algorithmen sicherlich ermöglichen. Der Preis dafür ist aber hoch. So diskutierten letzten Freitag auch die TeilnehmerInnen des Panels „Encoding Values – zur Ethik von Protokollen“ des diesjährigen Internet Governance Forum Deutschland (IGF-D) über die Ethik digitaler Gesellschaften und die technische (Un)Kontrollierbarkeit von Algorithmen.</strong></p>
<p>Kontrovers diskutierten die Panellisten auf dem IGF-D 2016 über die Objektivität von Algorithmen und die Frage, ob die Einführung eines allgemein gültigen Wertekodexes eine Lösung darstelle. Einigkeit herrschte jedoch in einem anderen Punkt: „Wie es wirklich funktioniert, wissen wir, glaub ich, alle nicht“, konstatierte Dr. Benedikt Köhler (<a href="http://datalion.com/de/home_de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">DataLion</a>). Dr. Mirja Kühlewind von der Internet Engineering Taskforce (<a href="https://www.ietf.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IETF</a>) stellte fest, dass „seit Snowden“ die Frage „Wie können wir Werte schützen?“ in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt ist. Auch wenn die Ethik der Digitalisierung immer mehr zum Thema wird, so bleiben dennoch essentielle Fragen rund um die (Un)Kontrollierbarkeit von Algorithmen unbeantwortet.</p>
<h3>Kann ein Algorithmus überhaupt neutral sein?</h3>
<p>In der Debatte um die theoretische Möglichkeit digitaler Neutralität und Objektivität betonte Matthias Spielkamp (<a href="https://irights.info/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">iRights</a>/<a href="http://algorithmwatch.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Algorithm Watch</a>), dass (halb-)automatisierte Prozesse auch nicht unbedingt wertneutral seien. Als Beispiel führte Spielkamp die Nutzung einer Software in den USA an, die helfen sollte, zukünftige Kriminelle zu prognostizieren. <a href="https://www.propublica.org/article/machine-bias-risk-assessments-in-criminal-sentencing" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das Ergebnis</a>: technisch generierte Parteilichkeit durch Algorithmen. Menschen mit schwarzer Hautfarbe wurden automatisch als höheres Risiko eingestuft. Zugleich warf Spielkamp die Frage auf, inwiefern eine alternative Handhabung durch Menschen überhaupt weniger diskriminierend verlaufen könne.</p>
<p>Mehr Informationen preiszugeben als beabsichtigt – die Erfahrung hat auch Benedikt Köhler bereits gemacht, durch Algorithmen. Im Sinne einer <a href="http://blog.metaroll.de/wp-content/uploads/2007/09/blogrolls.PNG" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kartographie</a> der deutschsprachigen Blogosphäre stellte er Blogvernetzungen – d.h. ein Blog verlinkt einen weiteren Blog – graphisch dar. Letztendlich kontaktierten ihn kartographierte Blogger, warum sie denn als nah vernetzt zu privat-bekannten BloggerInnen dargestellt wurden, ohne jemals einen Link zu ihrem Blog gesetzt zu haben. Köhler betonte, einen „neutralen Algorithmus“ genutzt zu haben. Dennoch: lediglich ähnliche NutzerInnen zweier Blogs können bereits private Vernetzungen andeuten. So verbinde ein neutraler Algorithmus auch Dinge auf eine Weise, die niemand steuern kann, geschweige denn offenbaren will. Köhler zufolge „macht das der Algorithmus selbst“. Auch den transparenten Umgang mit Algorithmen erachtet Köhler daher als „notwendig“, aber „nicht hinreichend“. Das sah Professorin Dr. Iris Eisenberger (<a href="https://www.boku.ac.at/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BOKU Uni Wien</a>) anders, da sie bereits zuvor den entscheidenden Schritt in Richtung Neutralität ausmache. Für sie sei ein Algorithmus bereits wertend, sobald sich ein Unternehmen für einen speziellen Algorithmus entscheide.</p>
<h3>Die Lösung für „interdisziplinären Analphabetismus“: Transdisziplinarität</h3>
<p>Moderatorin Lena-Sophie Müller (<a href="http://www.initiatived21.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Initiative D21</a>) fragte in die Runde, wie die Ethik nun zu den richtigen AkteurInnen kommt sowie von ihnen gestaltet und verinnerlicht werden könne. Constanze Bürger (<a href="http://www.bmi.bund.de/DE/Home/startseite_node.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundesministerium des Innern</a>) stellte dazu fest, dass es einen allgemein gültigen Wertekodex bislang noch nicht gebe und sprach sich für einen internationalen Wertekatalog der digitalen Welt aus. Während die Regierungen derzeit keinen ethischen Gestaltungsrahmen setzen, sind nicht-staatliche Akteure schon einen Schritt weiter: Matthias Spielkamp berichtete, dass bei Algorithm Watch bereits ein <a href="http://algorithmwatch.org/das-adm-manifest-the-adm-manifesto/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kriterienkatalog</a> erstellt wurde. Nichtsdestotrotz bleibe in der ethischen Diskussion die Frage eine ganz andere, so Spielkamp: „Man sollte sich als Gesellschaft fragen, welche Innovationen überhaupt eingeführt werden sollten, wenn sie nicht kontrollierbar scheinen. Manche Dinge sollte man nicht zulassen.“</p>
<p>Mit diesem Statement saß Spielkamp nicht alleine im Panel. Auch Prof. Dr. Iris Eisenberger plädierte für „Regeln von Menschen für Maschinen“ und diagnostiziert in der heutigen Zeit einen „interdisziplinären Analphabetismus“. Viele Menschen wüssten gar nicht, dass sie Werte implementieren. Zu Beginn gelte es, eine riesige Kommunikationslücke zwischen verschiedenen Disziplinen zu schließen, so Eisenberger. Dem schloss sich Spielkamp an, indem er sich abschließend für eine transdisziplinäre Betrachtung aussprach, die es bald geben werde und müsse – „aber nicht nächste Woche.“</p>
<p>Titelbild: Panel des IGF-D 2016 &#8220;Encoding Values&#8221; von <a href="http://politik-digital.de/user/jdonat/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jana Donat</a> / <a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>, licenced <a href="http://i0.wp.com/politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY SA 3.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Kinderpatenschaften im Zeitalter der Digitalisierung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Aug 2016 13:43:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[In der Entwicklungszusammenarbeit ist nichts unumstritten – so blieb auch das Konzept der Kinderpatenschaften nicht von Kritik verschont. Traditionelle Strukturen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Online-Patenkindsuche.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-150067" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Online-Patenkindsuche.jpg" alt="Online Patenkindsuche" width="640" height="308" /></a>In der Entwicklungszusammenarbeit ist nichts unumstritten – so blieb auch das Konzept der Kinderpatenschaften nicht von Kritik verschont. Traditionelle Strukturen von Patenschaften haben sich, unter anderem durch die Digitalisierung, gewandelt. Neue und alte Fragen drängen sich dadurch auf: eine aktuelle Betrachtung von Kinderpatenschaften.</p>
<p>„Helfen Sie einem Kind in Not!“ fordert mich mein Desktop auf. Ich soll mich für Geschlecht, Kontinent und Land des Kindes entscheiden. Die Wahl fällt mir nicht leicht. Impulsiv wähle ich Mädchen, Asien, Kambodscha – „Patenkind finden“, Enter. Schon erscheint die 5-Jährige Lika auf meinem Bildschirm. In einem Video sehe ich das Mädchen, wie sie sich in ihrer Landessprache vorstellt. 16 Sekunden beobachte ich die junge Lika, wie sie in der Natur steht und redet. Hinter ihr läuft ein Huhn durch das Bild. Likas Sprache verstehe ich nicht. Unter dem Video werde ich gefragt: „Sie möchten ein anderes Patenkind finden?“ Ich entscheide mich dagegen und scrolle weiter runter. Nun geht es um meine Vorteile:</p>
<p><em>Keine vertragliche Bindung –  Steuerrechtlich absetzbar – Transparenz und Kontrolle</em></p>
<p>Nur ein Klick und ich kann Likas Patin werden, Enter. Nun geht alles ganz schnell: Monatlichen Hilfsgeldbetrag auswählen, persönliche Daten angeben, Bankverbindung eintragen, jährliche Zusatzspende festlegen – „Patenschaft übernehmen“, Enter?</p>
<h3>Online-Patenschaften bei World Vision – digitale Vorteile für Paten</h3>
<p>Das Online-Patenportal von World Vision Deutschland e.V. stellt seit knapp zwei Jahren eine Ausnahme zwischen den vielen Kinderhilfswerken dar. Informationen zum eigenen Patenkind, Bilder, Videos und Austausch mit anderen Paten sind hier online abrufbar. Seitdem wird von jedem neu registrierten Patenkind ein Video für den Online-Auftritt durch MitarbeiterInnen vor Ort gedreht. Die Leiterin des Online-Marketings bei World Vision Deutschland, Constanze Oelighoff, sieht das technische Alleinstellungsmerkmal des christlichen Hilfswerks als einen großen Schritt in der Weiterentwicklung der Digitalisierung: „Der Pate bekommt viel. Durch das Patenportal kann man sich täglich nochmal Fotos anschauen, manchmal auch Videos aus dem Projektgebiet.“ So schreiben auch Paten auf der Facebook-Seite von World Vision Deutschland e.V.:</p>
<p><em>„</em><em>Hallo, ich habe mir gerade die App heruntergeladen und dort ein Video von meinem Patenkind gefunden, das ich im Portal noch nicht gesehen hatte. Toll!“</em></p>
<p><em>„Wow, das ist richtig klasse, dass ich meinem Patenkind jetzt Mails schreiben kann! Zum Briefe schreiben war ich nämlich immer zu faul.“</em></p>
<p>Während der Patenschaft kann der Kontakt also schneller und intensiver sein als zuvor – das bestätigt auch Constanze Oelighoff, die seit der Einführung von Online-Patenportalen drei Mal so viele Nachrichten an Patenkinder auf Seiten der Paten verzeichnet. Wenn der Pate eine E-Mail versendet, wird diese vom Landesprojektbüro übersetzt und an das Patenkind übergeben. Der Leiter des Bereichs Info- und Spendenservice bei der Kindernothilfe e.V., Gerd Heidchen, sieht diesen Vorteil nicht. Für ihn geht dabei das Persönliche eines Briefes verloren. Aber vor allem im informativen Bereich sieht auch Gerd Heidchen technische Chancen und Möglichkeiten – wie etwa bei der digitalen Übermittlung von Daten. Für die Umsetzung sieht sich das Kinderhilfswerk aber technisch noch nicht ganz gewappnet. Trotzdem beäugt Gerd Heidchen Patenschaften im Zeitalter der Digitalisierung allgemein etwas kritisch: „Eine Online-Kommunikation zwischen Kind und Pate streben wir derzeit nicht an. Diese Art der Kommunikation kann sich übel verselbständigen.“</p>
<h3>Auf der Suche nach einem Patenkind, online</h3>
<p>Ein Kind pro Land und vier Kinder insgesamt – das sind die Limits bei der digitalen Patenkindsuche. Nachdem man sich auf der Website von World Vision vier Kinder per Video angeguckt hat, hört die Auswahl auf. Damit will World Vision verhindern, dass der Charakter eines Online-Katalogs entsteht, erklärt Constanze Oelighoff. Nichtsdestotrotz steht und fällt die Entscheidung für ein Patenkind u. a. mit dem Foto, Video und Vorstellungstext online. Von den ersten Eindrücken kann man sich schlecht lösen. Visuelles als Selektionsgrundlage zu nutzen empfindet Gerd Heidchen als problematisch: „Ein katalogmäßiges Aussuchen per Foto können wir uns nicht vorstellen. Die Kinder erscheinen auf diese Weise sehr schnell als Objekte unserer Hilfe.“ Anstelle von Objektivierung tritt bei World Vision das Argument des „näher dran sein und miterleben“. Auch sieht Constanze Oelighoff einen weiteren Vorteil für Patenkinder, die häufig zuvor noch nie eine Kamera gesehen haben: „Die Kinder werden nach und nach an die digitale Welt herangeführt. Uns ist es wichtig, den Kindern eine Stimme zu geben.“</p>
<p>Die Zugangsvoraussetzungen für Kinder haben sich, laut World Vision, dadurch nicht verändert. Allerdings werden bei den meisten Kinderhilfswerken auch nicht alle Kinder eines Projektgebiets in die Datenbank aufgenommen. Um strukturelle Ungleichheiten möglichst zu verhindern, arbeiten bereits viele Organisationen mit einem neuen Ansatz: Ein großer oder sogar der gesamte Teil des Patenschaftsgeldes fließt in das Projekt und die Gemeinde, in der das Kind lebt. Auch Gerd Heidchen sieht Projektarbeiten vor Ort als den ausschlaggebenden Faktor: „Die Patenschaft ist gar nicht das Mittel zur Armutsbekämpfung. Die Patenschaft schafft eine Verbindung, um den Prozess erlebbar zu machen.“</p>
<h3>Grenzen von (Online)-Kinderpatenschaften</h3>
<p>Auch die Hilfswerke selbst sehen allgemeine Risiken an dem Konzept der Patenschaft. „Beispielsweise gibt es so viele Kinder, die keine Post von ihren Paten bekommen – das kann Neid produzieren“, erklärt Gerd Heidchen. Auch in Bezug auf die digitale Weiterentwicklung hegt er Zweifel, da die technischen Erwartungen von Videoaufnahmen bis E-Mails sie überfordern könnten. Die digitale Zumutung für Patenkinder sieht Constanze Oelighoff bei World Vision jedoch nicht, da die Kinder einen Ausdruck der E-Mail erhalten und in Form eines Briefes antworten, welcher dann über das Landesbüro per Post an die Paten verschickt wird.</p>
<p>Auf technischer und datenschutzrechtlicher Seite berichtet Constanze Oelighoff jedoch über eine ganz andere Problematik: „Was teilweise eine Herausforderung ist – das System ist sehr komplex und wir müssen viele Daten bearbeiten. Technisch kann es auch mal zu Verwechslungen kommen.“ Irrtümer bei der Zuordnung von Daten gab es schon zuvor bei Kinderhilfswerken, aber die Digitalisierung von Kinderpatenschaften schafft eine neue Ebene an Komplexität und Transparenz. So berichten auch Paten auf der Facebook- Seite von World Vision über Verwechslungen:</p>
<p><em>„</em><em>Hallo World Vision Team, heute haben wir Post aus der Mongolei bekommen. Allerdings nicht von unserem Patenkind, sondern von einem anderen.“</em></p>
<h3>Online-Patenportale als Zukunft der Entwicklungshilfe?</h3>
<p>„Patenschaft übernehmen“, Enter? Um diese Entscheidung zu treffen, fehlt mir vor allem eins: authentische Einschätzungen und Meinungen der (Hilfs-)Geldempfänger. Eine Beziehung zu einem Kind, dessen kulturellen Hintergrund ich nicht kenne, klingt spannend. Aber helfe ich damit Lika aus Kambodscha wirklich? Bewege ich dadurch Gutes oder bediene ich lediglich meinen augenscheinlichen Altruismus in einer Höhe von 30€ im Monat? Es scheint ein schmaler Grat zwischen der Illusion des virtuellen, näheren Miterlebens und der Realität personalisierter Abhängigkeitsverhältnissen zu sein.</p>
<p>Neue und alte Kritiken über das Konzept der Kinderpatenschaften – angefangen bei neo-kolonialen Strukturen mit Missionierungscharakter über die Objektivierung des Kindes bis zu struktureller Ungleichheit – sagen aber nicht nur etwas über die Kinderhilfswerke, sondern auch über uns alle aus: Warum ist die Unterstützung eines einzelnen Kindes für uns erstrebenswerter als die eines Projektes? Wir wollen in dieser einen Person sehen, dass unser Geld ankommt und auch wirklich jemandem hilft. Einerseits ist dies ein lobenswerter und warmherziger Akt, aber andererseits müssen wir uns alle von der Personalisierung der Entwicklungshilfe sowie der erwarteten Dankbarkeit und Transparenz als Gegenleistung ein Stück weit lösen. Eine Selektion des Hilfsgeldempfängers darf nicht über visuelle Reize geschaffen werden. Die ethische Legitimation bröckelt – um Projekte und Kinder finanziell zu unterstützen, wird mit Aufnahmen von Kindern gelockt. Und: Es funktioniert. Während die Digitalisierung bei der Auswahl des zukünftigen Patenkindes also mit Vorsicht zu genießen ist, kann eine verstärkte (Online-)Kommunikation mit dem Patenkind – bei beidseitigem zwanglosem Interesse – eine Bereicherung sein.</p>
<p>Dennoch: Die Vorteile für Paten überwiegen die der Patenkinder selbst beim Online-Prozess. Spannend bleibt, inwiefern sich der Digitalisierungsprozess in dem Bereich auch zukünftig verstärken wird. Constanze Oelighoff kann sich gut vorstellen, dass andere Hilfswerke ihrem Online-Ansatz bald folgen werden: „Es ist der Lauf der Zeit und eine gute Möglichkeit, näher dran zu sein. Es kommt aber vor allem auf die Vernetzung vor Ort an.“ Noch kann die Kindernothilfe e.V. die personelle Mehrarbeit vor Ort nicht stemmen. Aber selbst wenn es möglich ist – auch in Zukunft will Gerd Heidchen per Brief Kontakt zu seinem Patenkind in Brasilien halten. Constanze Oelighoff hingegen hat die E-Mail-Funktion und das Online-Patenportal für sich und ihr Patenkind aus Malawi entdeckt.</p>
<p>Titelbild: Online Patenkindsuche von <a href="http://politik-digital.de/user/jdonat/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jana Donat</a> / <a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>, licenced <a class="external" href="http://i0.wp.com/politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY SA 3.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Digitale Hilfe auf der Flucht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Aug 2016 13:14:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Facebook und Viber – damit hat Zabi seine lange Reise aus Afghanistan nach Deutschland bewältigt. Ein eigenes Smartphone hatte der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_Apps-Flüchtlingshilfe-640px.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-149978" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Titelbild_Apps-Flüchtlingshilfe-640px.png" alt="Apps Flüchtlingshilfe" width="640" height="314" /></a>Facebook und Viber – damit hat Zabi seine lange Reise aus Afghanistan nach Deutschland bewältigt. Ein eigenes Smartphone hatte der 17-Jährige auf der Flucht nicht. Damit stellt Zabi, laut kürzlich veröffentlichter <a href="http://www.betterplace-lab.org/wp-content/uploads/ICT4Refugees-Report.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">ICT4Refugees-Studie</span></a>, keine große Ausnahme dar. Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (<a href="https://www.giz.de/de/html/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">GIZ</a>) und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (<a href="http://www.bmz.de/de/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">BMZ</span></a>) haben FeldforscherInnen von <a href="http://www.betterplace-lab.org/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">betterplace lab</span></a> und <a href="https://kiron.ngo/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">Kiron Open Higher Education</span></a> erstmals das digitale Nutzerverhalten von Menschen auf der Flucht untersucht – in Jordanien, Griechenland und der Türkei.</p>
<p><em>„Warum haben die denn alle Smartphones?“ </em>fragten sich manche Bürger zu Beginn der großen globalen Zufluchtssuche. Glücklicherweise verwandelten sich skeptische Blicke &#8211; in vielen Fällen &#8211; zu verständnisvollen Mienen. Schnell erkannten Initiativen, NGOs und die netzaffine Zivilbevölkerung: Smartphones für Geflüchtete sind einerseits notwendig und andererseits auch Potenzial für technische Innovationen. Eine bereits breite Angebotspalette an Apps und Websites für Zufluchtssuchende bereichert die digitale Welt heute. Nicht nur zur Integration in Deutschland, sondern auch zur Erleichterung der Flucht und der Arbeit in den weltweiten Camps sprudelte es an digitalen Ideen. Plattformen, welche Angehörige wieder zusammenbringen sollen – wie <a href="https://refunite.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">Refunite</span></a> oder <a href="http://familylinks.icrc.org/europe/en/Pages/Home.aspx" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">Trace the Face</span></a> des Roten Kreuzes sowie Online-Informationsportale – wie <a href="https://www.refugeeinfo.eu/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">refugeeinfo-org</span></a> oder die Initiative eines Syrers <a href="http://8rbtna.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">8rbtna</span></a> – sollen Menschen auf der Flucht helfen. Ohne Frage: auf der Flucht ist das Smartphone mehr als nur ein nützliches Werkzeug. Der emotionale Wert überwiegt. Das Smartphone ist oft die einzige Verbindung nach Hause sowie Schnittstelle zwischen Flüchtenden. So kann das vergebliche Warten auf eine Antwort von Angehörigen auf WhatsApp in manchen Fällen auch eine schleichende Hiobsbotschaft sein. Eine zusätzliche psychische Belastung, in die man sich von außen kaum hineinversetzen kann.</p>
<p>Nun verkündet die ICT4Refugees Studie: Smartphones sind auf der Flucht schon weit verbreitet, aber nicht jede Person besitzt eins. Schwankungen gebe es dort auch je nach materiellem Wohlstand eines Landes: Während der Smartphone-Besitz unter Geflüchteten aus Syrien nahezu Standard sei, sehe es bei AfghanInnen anders aus. Besonders bei Gruppen sei ein gemeinsames Smartphone pro Familie oder Freundeskreis auf der Flucht nicht unüblich. Jedoch nutzen nur Wenige neben privaten Messenger-Diensten andere Plattformen oder Apps. Das bestätigt auch Zabi: „Ich wusste nicht einmal, dass es Apps und Websites gibt, die Flüchtlingen helfen sollen.“</p>
<h3>Empfehlungen der ICT4Refugees-Studie: „Do no Harm“</h3>
<p>Für Engagierte, Fachleute und EntscheidungsträgerInnen im Rahmen der digitalen Entwicklungshilfe sprechen die beiden Autoren der ICT4Refugees-Studie einige Anregungen aus. Primär gilt es zu berücksichtigen, inwiefern Flüchtlingsgruppen Zugang zum Internet haben – und das nicht nur im technischen Sinne. Die Frage muss viel breiter gefasst werden: Haben Flüchtende auch kulturellen, sozio-ökonomischen, politischen und legalen Zugang? Problematisch wird digitale Innovation, sobald wir von unseren eigenen Nutzungsgewohnheiten und – kompetenzen ausgehen. Laut der ICT4Refugees-Studie seien vor allem ein verantwortungsvoller Umgang mit Datenschutz und niedrige Nutzerbarrieren wichtig. Freigegebene Informationen über die Identität einer flüchtenden Person können fatale Folgen für Einzelne haben. Der Schutz des Individuums sollte immer höchste Priorität haben.</p>
<p>Viele Apps können allein schon aus Gründen wie einem Mangel an Speicherplatz, Datenvolumen oder einer fehlenden E-Mail Adresse zur Registrierung scheitern. Nicht nur der Umgang mit E-Mails, auch das Konzept einer Website muss nicht jeder Person geläufig sein. So bestätigten viele in den Camps, die Banneraufschriften mit „refugeeinfo.org“ gar nicht als URL verstanden zu haben. Auch Zabi wusste von solchen Angeboten nichts und nutzte das Internet nicht in diesem Sinne als Informationsquelle. Manchmal ging er in Griechenland in ein Internetcafé, um Neues aus seinem Vertrautenkreis zu erfahren: „Ich war glücklich, dass ich über das Internet Kontakt zu Freunden halten konnte.“ Auch die ICT4Refugees-Studie bestätigt, dass viele Befragte ausschließlich eine private Eins-zu-Eins Kommunikation über ihre Smartphones nutzen: Textnachrichten über Chats und das Verschicken von Sprachnachrichten seien demnach üblich, alles darüber hinaus eher die Ausnahme.</p>
<p>Auch sind wir durch politisch-kulturelle Hintergründe alle auf verschiedene Arten mit Medien sozialisiert worden – das Level an Vertrauen in Nachrichten und Technologien kann sehr unterschiedlich sein.  Vielleicht haben sich auch deshalb private Messenger-Tools wie WhatsApp und Facebook als die meistgenutzten Plattformen herauskristallisiert. Die Autoren der Studie raten, diese als Grundlage für zukünftige Innovationen zu nutzen. So mache es bereits das <a href="http://www.yuva.org.tr/index.php?lang=EN" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline">Yuva Community Centre</span></a> in Gaziantep (Türkei): per Facebook und Telegram informieren sie und halten Kontakt zu Geflüchteten. Daher lautet das Credo im Bericht: Mit dem agieren, was es bereits gibt, anstatt dauernd das Rad neu zu erfinden. Wie wichtig auch eine gründliche Erfahrung der Gegebenheiten vor Ort ist, verbildlicht eine Anekdote der Studie: Auf der griechischen Insel Lesbos wartet man mit einer griechischen SIM-Karte oft vergebens auf Mobilfunksignal. Mancherorts liegt die Insel weniger als zehn Kilometer vom türkischen Festland entfernt. Geflüchtete und HelferInnen mit einer türkischen SIM haben auf der griechischen Insel manchmal eine höhere Signalstärke.</p>
<h3>Digitales Nutzerverhalten von Menschen auf der Flucht – Wie misst man das?</h3>
<p>Das individuelle Nutzerverhalten über Smartphones kann sicherlich nicht nach dem Herkunftsland der Flüchtlinge generalisiert werden. Die ICT4Refugees Studie hat aber versucht, Trends und Potenziale der „Information Communication Technology“ (ICT) in Flüchtlingscamps herauszufinden. Durch mehr als 100 qualitative Interviews mit Geflüchteten und HelferInnen vor Ort sowie Beobachtungen fanden sie viele Parallelen in Jordanien (Amman, Mafraq), Griechenland (Athen, Lesbos) und der Türkei (Istanbul, Gaziantep). Doch um wirklich bewerten zu können, wie sinnvoll manche Apps oder Info-Websites waren, fehlt vor allem immer noch eins: Feedback von Menschen wie Zabi – den Zufluchtssuchenden selbst.</p>
<p>Zur groben Planung der Route müssen Smartphone und Internet dennoch unerlässlich gewesen sein. Auch Zabi erinnert sich, dass manche „Google Maps und anderes“ auf ihrem Handy zur Routenplanung nutzten, „davon habe ich dann mit profitiert.“ Konkrete Websites extra für Flüchtlinge – darüber hatte Zabi aber auch von anderen nichts gehört. An dieser Stelle wird deutlich: nicht das digitale Angebot ist das Problem. Die wahre Hürde liegt in der Verbreitung und Koordination des vorhandenen, digitalen Hilfsangebots. Zu einem ähnlichen Resümee kam auch der digitale Flüchtlingsgipfel in Berlin Ende Juni, auf dem sich viele TeilnehmerInnen für mehr Koordination zwischen den vielen Initiativen aussprachen. Zugleich könnte dadurch auch die Finanzierung solcher Projekte nachhaltiger gestaltet werden. Damit von der ganzen technischen Mühe auch etwas bei den Geflüchteten in Camps und auf dem Weg ankommt, bedarf es aber vor allem der Kommunikation – zwischen den Initiativen und HelferInnen vor Ort sowie den Geflüchteten. Warum nicht technisch affine Geflüchtete in den Camps zu MultiplikatorInnen ermutigen? Vielleicht wäre das ein Anfang, um die digitale Kluft in den Camps langsam zu verkleinern und das technische Angebot auch wirklich an die Bedürfnisse der Zielgruppe anzupassen.</p>
<h3>Effektive Flüchtlingshilfe online oder digitales Durcheinander?</h3>
<p>Mittlerweile hat auch Zabi ein Smartphone von einem Freund bekommen und lernt das Internet seit seiner Flucht immer besser kennen: „Hier in Deutschland habe ich das Smartphone dann zum Deutschlernen genutzt. Das mache ich jetzt noch oft.“ Seit einem knappen Jahr wohnt der 17-Jährige jetzt in Deutschland. Noch ein Jahr geht Zabi zur Schule, bevor er eine Ausbildung anfangen will. Jetzt spricht und schreibt Zabi schon sehr gut Deutsch. Die Verständigung mit ihm ist einfach. Auf die Frage, mit welchen Apps und Seiten er lernt, verrät er: „Wenn ich im Internet Deutsch lernen will, dann schreibe ich einfach „Deutsch lernen“ und dann kommen viele Programme“.</p>
<p>Einmal mehr wird klar, dass wir umdenken müssen – auch technisch. Unsere eigenen Ansichten, Nutzungsverhalten und Vorstellungen engen uns oft gedanklich so sehr ein, dass wir trotz warmherzigen Engagements gegen eine digitale Wand laufen. Koordination zwischen den Projekten und Kommunikation mit den Geflüchteten sind hier die Zutaten für eine benutzerorientierte, digitale Flüchtlingshilfe. Beginnende <a href="http://politik-digital.de/news/digitale-fluechtlingshilfe-gemeinsam-sind-wir-staerker-149862/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kooperationen</a> von Initiativen, wie sie sich auf dem digitalen Flüchtlingsgipfel ergeben haben, zeigen immer mehr Potenzial zur Zusammenarbeit – erfreulicherweise auch immer öfter mit Geflüchteten zusammen. Denn, ohne die Zielgruppe aktiv miteinzubeziehen, werden wir es nicht schaffen, aus der digitalen Erschöpfung herauszuklettern und das Potenzial der Flüchtlingshilfe voll auszuschöpfen.</p>
<p>Titelbild: Screenshot Apps Flüchlingshilfe von <a href="http://politik-digital.de/user/jdonat/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jana Donat</a> / <a href="http://politik-digital.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">politik-digital.de</a>, licenced <a class="external" href="http://i0.wp.com/politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY SA 3.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft  wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Digitale Technologien sind da, analoge Rahmenbedingungen fehlen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jana Donat]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Aug 2016 13:40:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Sauberes Trinkwasser ist auf manchen Teilen der Welt schwieriger zu erreichen als ein Mobiltelefon. Die Weltbank macht in ihrem diesjährigen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/binary-1254502_1280.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-149928" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/binary-1254502_1280.png" alt="Welkarte, Binärcode" width="640" height="370" /></a></p>
<p>Sauberes Trinkwasser ist auf manchen Teilen der Welt schwieriger zu erreichen als ein Mobiltelefon. Die Weltbank macht in ihrem diesjährigen Weltentwicklungsbericht „<a href="http://www.worldbank.org/en/publication/wdr2016" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Digital Dividends</a>“ auf ein global-strukturelles Problem aufmerksam: Eine analoge Basis zur erfolgreichen Integration und Nutzung der Digitalisierung fehlt in vielen Bereichen. Digitale Technologien weiter auf der Welt zu verbreiten – das ist nicht die globale Herausforderung, mit der wir uns primär beschäftigen sollten.</p>
<p>Aktuell, aber nicht neu: Die notwendige Schaffung von Strukturen in einer Gesellschaft zur erfolgreichen „Modernisierung“ bildet keine revolutionäre Erkenntnis. Bereits 1962 beschrieb Modernisierungstheoretiker Shmuel N. Eisenstadt, dass Länder nicht in einen Modernisierungsprozess gestoßen werden dürften, solange die passenden Rahmenbedingungen in der Gesellschaft noch nicht etabliert seien. Auch wenn Eisenstadt vor über 50 Jahren noch nicht das Phänomen der Digitalisierung vor Augen hatte, strahlt die These Eisenstadts im Weltentwicklungsbericht 2016 in einem neuen – digitalen – Licht. Die aktuellen Daten des diesjährigen Berichts zeigen, laut Weltbank, durchaus beunruhigende Trends. Diese seien nicht auf fehlende Technologien, sondern vielmehr auf den global ungleich verteilten Zugang sowie die (Aus-)Nutzung der Digitalisierung zurückzuführen.</p>
<h3>Weltbank Report: zwischen analoger und digitaler Welt</h3>
<p>Nach wie vor sieht die Weltbank den Brückenschlag zwischen den Personen und Gesellschaften mit, und all jenen ohne, Zugang zu digitalen Technologien (<em>Digital Divide</em>) als wichtiges Ziel auf der Entwicklungsagenda. Allerdings sei die bisherige Herangehensweise in Form unermüdlicher technologischer Verbesserungsmaßnahmen nicht zielführend gewesen. Zuerst solle das Zusammenspiel von Regulierung, Kenntnissen und Institutionen in Einklang gebracht werden. Diese Aspekte fasst die Weltbank unter dem Stichpunkt der analogen Basis einer Gesellschaft zusammen. Je nach digitalem Transformationsstand stehen die Länder vor unterschiedlichen Herausforderungen. Konkret bedeutet das: neue Reformen zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit, rechenschaftspflichtige Institutionen und technische Kompetenzen. Nur wenn all dies gegeben sei, trage der Einsatz von Technologien zur Entwicklungswirkung einer Gesellschaft bei. In unserem komplexen Weltsystem bündeln digitale Technologien Chancen und Risiken – für Gruppen und Individuen. Ungleiche Lebensbedingungen weltweit bewirken unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten zu Technik. Aber auch der Zugang zur digitalen Welt ist kein Garant: Wie sieht es dazu auf individueller Ebene im analogen Bereich aus? Allein das Level der Nutzerkompetenzen variiert stark: Während manche wegen fehlender Alphabetisierung nicht an der Digitalisierung teilhaben können, sind andere mit der Bedienung verschiedener Plattformen überfordert.</p>
<h3>Chancen und Risiken der Digitalisierung</h3>
<p>Die Weltbank kommt in ihrer Studie zum Ergebnis: Chancen des digitalen Fortschritts bestünden vor allem in den potenziellen Förderungsmöglichkeiten von Inklusion, Effizienz und Innovation. Weltweit haben immer mehr Menschen Zugang zum Internet – nichtsdestotrotz bleiben global betrachtet noch immer knapp 60% der Menschheit offline. Auch führe eine verbreiterte Informationsbasis zu geringeren Transaktionskosten für Unternehmen und Regierungen sowie zu einer erweiterten Innovationspalette im Sinne des E-Commerce.</p>
<p>Wie so oft ziehen innovative Chancen im Digitalen auch neue Risiken und Rückschläge nach sich. So gesteht auch die Weltbank ein, dass die wachsenden globalen Zweige und digitalen Verästelungen innerhalb und zwischen Unternehmen keine Früchte trugen: eine erhöhte Produktivität blieb aus. Durch die starke finanzielle Akzentuierung im Weltentwicklungsbericht, wird die enorme Bevorteilung der Eliten durch digitale Technologien vornehmlich im politisch-ökonomischen Rahmen thematisiert. Äußerst plakativ zeigt dies vor allem ein Beispiel im Rahmen des E-Governance: technisch faire und freie Wahlen werden von Jahr zu Jahr seltener – und das, obwohl sich immer mehr Länder als Demokratien deklarieren.</p>
<h3>Digitale Kluft = soziale Kluft?</h3>
<p>Nur wenige Menschen weltweit profitieren von digitalen Technologien. Soziale Ungleichheiten verschärfen sich global – und zwar, innerhalb von Gesellschaften sowie zwischen ihnen. Theoretische Chancen der Digitalisierung greifen für die Mehrheit der Weltbevölkerung also nicht. Die Frage, inwiefern eine möglichst schnelle und effektive Digitalisierung wirklich in jedem gesellschaftlichen Kontext erstrebenswert ist, bleibt im Weltentwicklungsbericht 2016 unberücksichtigt. Auch bleibt die Frage, inwiefern technischer Fortschritt für jedes Land nachzuholen und wünschenswert ist, im Rahmen einer ethischen Debatte zur Digitalisierung offen. Obgleich die wirtschaftlichen Analysen des Berichts die globalhistorisch gewachsenen Machtbeziehungen in den Schatten stellen, liegt der Fokus zeitweilig auf dem Wechselspiel zwischen digitaler und sozialer Ungleichheit.</p>
<p>Auch der mögliche sozio-politische Mehrwert der Digitalisierung – wie man ihn in Form sozialer Bewegungen schon beobachten durfte – ist nicht zu unterschätzen. Umso deutlicher bilden eine gesellschaftlich verankerte analoge Basis, digitale Zugangsmöglichkeiten und Nutzerkompetenzen &#8211; global betrachtet &#8211; ein sehr hohes Privileg. Der tägliche Zugang zu Strom, Internet und einem Mobiltelefon erleichtert Kommunikation und Arbeitsprozesse enorm. Im Großen und Ganzen macht die Debatte um den Weltentwicklungsbericht herum aber implizit auf weitaus existentiellere Ungleichheiten aufmerksam: Ja, auch die 20% der Weltbevölkerung mit dem geringsten Einkommen besitzen nun zu 70% ein Mobiltelefon – aber: Nein, das bedeutet bei Weitem nicht, dass sich der Trinkwasserstrom in gleicher Reichweite verbreitet hätte.</p>
<p>Titelbild: <a href="https://pixabay.com/en/binary-random-numbers-digital-ones-1254502/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Globale Digitalisierung</a> von <a href="https://pixabay.com/en/users/GDJ-1086657/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">GDJ</a> via <a href="https://pixabay.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pixabay</a>, licenced <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 1.0</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-139428" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" alt="CC-Lizenz-630x1101" width="441" height="77" /></a></p>
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