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	<title>jmau &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>jmau &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Spam: Schutz vor der Schnelldiät</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Sep 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Werbemails sind nicht nur lästig, sondern verursachen auch immense Kosten. Die Methoden der Spammer sind bekannt und es gibt verschiedene Wege, seinen PC vor der Spam-Flut zu bewahren.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Werbemails sind nicht nur lästig, sondern verursachen auch immense Kosten. Die Methoden der Spammer sind bekannt und es gibt verschiedene Wege, seinen PC vor der Spam-Flut zu bewahren.<!--break-->
                    </p>
<p>Vor zwei Jahren war Spam noch so etwas wie der kleine Bruder der Briefkastenwerbung – genauso unnötig, aber mit zwei, drei Klicks auch genauso leicht zu entsorgen. Jetzt haben die elektronischen Werbemails – kurz Spam – ein neues Ausmaß erreicht. Ungewollte Reklame segelt fast in jeden Posteingang und einige User bekommen täglich über 40 Spam-Mails. Das Suchen nach der eigentlichen Post wird so zum Spießrutenlauf. Was Ausmaß und Ärger betrifft hat Spam der Briefkastenwerbung längst den Rang abgelaufen. Der Grund liegt auf der Hand. Bei der Briefkastenwerbung entstehen Kosten für Material und Versand, Spam ist für den Absender umsonst.</p>
<p>Der digitale Werbeschrott ist mittlerweile ein anerkanntes Problem, das zeigt schon die steigende Zahl der Studien, Schätzungen und Prognosen über Spam. Neun von zehn Nutzern haben bereits Spam-Mails erhalten, ergab eine Online-Umfrage der Universität Bonn. 700 Werbemails bekommt der deutsche Durchschnitts-User dieses Jahr (USA: 2500), errechnete der Spiegel. 500 Millionen-Spam-Mails sind in Deutschland pro Woche unterwegs, sagt der Bundesverband der Verbraucherzentrale. Das<br />
                    <a href="http://www.heise.de/ix/artikel/2003/05/058/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IT-Magazin IX zitiert Experten</a>, nach deren Meinung sich das Spam-Volumen alle sechs Monate verdoppeln würde. 2001 lag der Spam-Anteil an allen verschickten eMails noch unter zehn – dieses Jahr bei 30 Prozent, berechnete das Marktforschungsinstitut<br />
                    <a href="http://de.netvalue.com/index.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Net Value</a> . Jede dritte eMail ist demnach Werbung und der<br />
                    <a href="http://www.eco.de/servlet/PB/menu/1206752/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verband der Deutschen Internetwirtschaft eco</a> schätzt sogar, jede zweite Mail im Umlauf sei Spam.</p>
<p>Nicht nur Verbraucherschützer prangern Spam an, auch die Wirtschaft ist erbost und der eco-Verband hat dem Werbeschrott den Rang eines<br />
                    <a href="http://www.eco.de/servlet/PB/menu/1206556/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„volkswirtschaftlichen Problems“</a> verliehen. Eine<br />
                    <a href="http://europa.eu.int/comm/internal_market/privacy/index_en.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EU-Studie</a> beziffert den jährlich durch Spam entstehenden Schaden in den Mitgliedsländern auf zehn Milliarden Euro, die<br />
                    <a href="http://www.brightmail.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">US-Wirtschaft</a> spricht von acht bis zehn Milliarden Dollar Verlust . Die Berechnung basiert auf der Verschwendung von Bandbreite, der Belastung der Server und der Vernichtung von Arbeitszeit. Die Firma Ferris Research hat errechnet, dass ein User im Durchschnitt 4,5 Sekunden für das Löschen einer Mail benötigt. Außerdem wird mit den Bergen von Spam häufig freundliche Post mitgelöscht.</p>
<p>
                    <strong>Wer wird zum Adressat für Schnelldiät und Viagra?</strong><br />
                    <br />Das Ausmaß von Spam ist je nach User ziemlich unterschiedlich. Einige bekommen fast gar kein Spam, andere sitzen jeden Morgen vor einem Berg von Werbemails. Einen prototypischen Empfänger von Angeboten für Schnelldiät, Viagra oder Sonnenbrillen gibt es aber nicht.</p>
<p>Bei der Jagd nach Adressen nutzen die Spammer zum Teil bekannte Methoden. Sie kaufen Adressen oder locken die User mit angeblichen Preisausschreiben und Gratisangeboten. Aber es gibt auch internetspezifische Methoden: Spammer suchen die Websiten im Internet mit Suchprogrammen (spidern oder robots) nach Adressen ab. Die Suchprogramme registrieren die Adressen und fügen sie in eine Mailinglist ein. In einer Studie hat das<br />
                    <a href="http://www.cdt.org/speech/spam/030319spamreport.shtml%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Center for Democracy &amp; Technology (CDT)</a> mehrere hundert eMail-Adressen über sechs Monate beobachtet. Den meisten Spam bekamen die Adressen, die sichtbar auf einer Website standen. Ebenfalls ein gefundenes Fressen sind Newsgroups, wo die Spammer bei den Postings der Teilnehmer ein leichtes Spiel haben.</p>
<p>Neben der systematischen Suche nach Adressen im Netz starten Spammer immer häufiger Server-Angriffe (Server attacks oder dictionary attacks). Bei dieser Methode senden Spammer innerhalb einer Domain (z.B. @politik-digital.de) Werbung an alle möglichen Buchstabenkombinationen oder an bekannte Namen und Wörter (z.B. peter@politik-digital.de, pschmidt@politik-digital.de, webmaster@politik-digital.de, etc).</p>
<p>
                    <strong>Spam vermeiden: Vorbeuge</strong><br />
                    <br />Es ist ratsam, sich mindestens zwei eMail-Adressen zuzulegen; eine nur für privaten Postverkehr mit guten Freunden und eine zweite, für Newsgroups oder Web-Services, die man nicht so gut kennt. Registrierungen im Internet sind angesichts des lauernden Spams in Verruf geraten – sie sind aber nicht unmöglich. Die Studie von CDT hat gezeigt, dass auf Internetseiten, wo man bei der Registrierung gefragt wird, ob man Produktwerbung erhalten will, bei einem entsprechenden Nein auch keine Werbung zugestellt bekommt. Ist sich der User bei einer Online-Registrierung unsicher kann er sich mittlerweile auch eine eMail-Adressen mit Verfallsdatum http://www.spamgourmet.com/ einrichten. Diese Methode ist aber nur in Ausnahmen hilfreich. Angesichts der zunehmenden Server-Attacken ist es in jedem Fall ratsam, sich kein allzu kurzes Alias wie etwa „peter@domain.de“ oder „peters@domain.de“ zuzulegen.</p>
<p>Betreibern einer Homepage rät CTD, die sichtbare eMail-Adresse, z.B. „example@domain.com“, durch eine für Spider nicht registrierbare, z.B. „example at domain dot com“, zu ersetzen.</p>
<p>
                    <strong>Spam filtern: Sind eMail-Filter die Lösung des Problems?</strong><br />
                    <br />Neben diesen vorbeugenden Maßnahmen haben sich eMail-Filter als hilfreiche Spam-Abwehr bewährt. Ein Teil der Netzgemeinde sieht in den Filtersystemen sogar die Lösung des Spam-Problems. Mittlerweile bieten alle großen Provider ein Filtersystem an, denn der Spam-Umlauf ist für die Provider teuer geworden. Man kann sich den Filter aber auch direkt in das Mailprogramm installieren. Hier eine Kurzbeschreibung der vier gängigsten Filtermethoden, die die Provider oft in Mischform anbieten.</p>
<p>
                    <strong>Verifizierung nicht bekannter Absender:</strong><br />
                    <br />Bei dieser Methode legt das Filterprogramm eine sogenannte Whitelist an. Nur Adressen, die auf dieser Liste stehen, werden an den Empfänger zugestellt. Befindet sich ein Absender nicht auf der Liste, wird ihm eine Mail geschickt, die er nur beantworten muss. Wenn der Absender das macht, wird seine ursprüngliche Mail zugestellt und er kommt auf die Whitelist. Handelt es sich um einen Spammer, gibt es zwei Möglichkeiten. Ist die Absenderadresse falsch, kann der Spammer nicht antworten. Ist die Adresse (was unwahrscheinlich ist) echt, hat der Spammer voraussichtlich so viel Beschwerden im Postkasten, dass er kaum antworten wird. In beiden Fällen wird die Mail nicht zugesandt. Für private eMails ist diese Möglichkeit attraktiv, für geschäftliche Post eher abträglich, weil potenzielle Kunden abgeschreckt werden. Mehr über die Technik hier http://tmda.sf.net/.</p>
<p>
                    <strong>Spam-Mails anhand typischer Eigenschaften oder Inhalte erkennen:</strong><br />
                    <br />Diese Technik sucht nach typischen Merkmalen in Absenderadresse, Betreff und Text einer Spam-Mail. „Viagra“, „Money back guarantee“ oder auch der „UCE-Mail Act“ (US-Richtlinie für Werbemails) können solche Suchbegriffe sein. Außerdem verfügen diese Programme über eine Datenbank mit registrierten Spam-Mails. Treffen mehrere Merkmale auf eine Mail zu, sortiert sie das Programm als Spam aus. Bei dieser Technik besteht die Gefahr, dass ungewollt eMails als Spam aussortiert werden. Allerdings kann der User einstellen, wie viele Eigenschaften auf eine Mail zutreffen müssen, damit sie als Spam registriert wird. Reichen schon wenige Merkmale aus, ist die Gefahr größer, dass eine Mail fälschlicherweise als Spam erkannt wird. Wird eine größere Zahl an Merkmalen vorausgesetzt, kommt mehr Spam durch den Filter.<br />
                    <br />Informationen und Downloads finden man unter anderem bei<br />
                    <a href="http://spamassassin.taint.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">spamassassin</a>,<br />
                    <a href="http://razor.sf.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">razor</a> und<br />
                    <a href="http://www.dcc-servers.net/dcc/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">dcc-servers.</a></p>
<p>
                    <strong>Statisches erkennen von Spam,<br />
                    <a href="http://bogofilter.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">lernender Filter</a>:</strong><br />
                    <br />Dieser Filter muss zuerst trainiert werden. Er lernt, welche Wörter in erwünschten und welche in unerwünschten Mails vorkommen. Auf Grund dieser Erkenntnisse errechnet der Filter eine Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei einer eMail um Spam handelt.</p>
<p>
                    <strong>Blockade von Dailup-Internet-Zugängen:</strong><br />
                    <br />Größtenteils verschicken Spammer Werbung nicht über eigene Mailserver, sondern über Server mit Dialup-Internet-Zugängen. Diese Server kann jeder auch mit gefälschter Adresse benutzen. Internet-Serverprovider können Post von Mailservern mit Dialup-Internet-Zugängen blockieren. Dieser Filter kann nicht vom User, sondern nur direkt vom Serviceprovider (z.B. gmx, aol, web.de, etc.) eingesetzt werden.<br />
                    <a href="http://mail-abuse.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Die Technik</a> ist bereits bei einigen Serviceprovidern als Standard konfiguriert.</p>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Zu spät gegen Spam</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/econsumer-spam-doss1-shtml-3153/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Sep 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Deutschland wird die EU-Richtlinie gegen Spam verspätet umsetzen, sagt die CDU. Kritiker halten das Gesetz für machtlos. Die Regierung sollte SPAM zum Thema des UN-Gipfels zur Informationsgesellschaft machen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Deutschland wird die EU-Richtlinie gegen Spam verspätet umsetzen, sagt die CDU. Kritiker halten das Gesetz für machtlos. Die Regierung sollte SPAM zum Thema des UN-Gipfels zur Informationsgesellschaft machen.<!--break-->
                    </p>
<p>Ein US-User bekommt im Durchschnitt gut dreimal soviel unerwünschte Werbemails wie ein deutscher User. Und dass, obwohl es in mehreren Bundesstaaten der USA Anti-Spam-Gesetze gibt. In Virginia, dem Bundesstaat mit den schärfsten Gesetzen, wird Spam als Einbruch in den Computer angesehen, strafrechtlich verfolgt und kann zu mehrjährigen Haftstrafen führen.</p>
<p>In Deutschland gibt es bisher kein Spam-Gesetz. Bis Ende Oktober müsste Deutschland eigentlich die<br />
                    <a href="http://www.dud.de/dud/documents/eu-15396d-020121.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">EU-Richtlinie</a> zum Datenschutz für elektronische Kommunikation vom 12. Juli 2002 umsetzen. Die darin festgelegte Opt-in-Regelung wäre eine neue Grundlage in der Rechtssprechung. Bei Opt-in darf ein Versender nur mit vorheriger Erlaubnis des Empfängers Werbung verschicken. Nach der bisherigen Opt-out–Regelung darf das Unternehmen Werbung versenden bis der Empfänger die Werbesendung ausdrücklich abbestellt oder um Unterlassung bittet. Anfang Mai hat die Bundesregierung eine<br />
                    <a href="http://www.bmj.bund.de/ger/themen/wirtschaft_und_recht/10000709/?sid=3b9468b1b92dd9a88af9de4a236c4d30" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Neufassung</a> des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) vorgelegt, in der die EU-Richtlinie umgesetzt werden soll. Dass das Gesetz fristgemäß in Kraft tritt, darf bezweifelt werden. Martina Krogmann, IT-Expertin der CDU: &#8220;Eine verzögerte Umsetzung ist absehbar, zumal noch eine Anhörung des Rechtsausschusses zu Einzelfragen des UWG erfolgen soll.&#8221; Das Gesetz wird wohl frühestens Anfang nächsten Jahres rechtskräftig.</p>
<p>Regierungsparteien und Opposition befürworten das Gesetz grundsätzlich, ringen aber noch um Feinheiten. Renate Künast, deren Verbraucherschutzministerium an der UWG-Novelle beteiligt war, ist gegen eine Strafverfolgung wie es in Virginia der Fall ist. Die CDU fordert diese strafbewehrte Ahndung von Spam-Mails und die Einrichtung einer zentralen Melde- und Beschwerdestelle. Doch mit einer Entlastung der Posteingänge ist auch dann kaum zu rechnen. Das neue UWG ist ein erster Schritt in den digitalen Verbraucherschutz, aber kein Bollwerk gegen Spam.</p>
<p>Das UWG verbessert das Wettbewerbsrecht und damit vor allem die Rechtssituation von Unternehmen, deren Konkurrenten spammen. Private Spam-Opfer können nach wie vor nur mit einem<br />
                    <a href="http://www.recht-im-internet.de/themen/spam/urteile.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">aufwendigem Prozedere</a> gegen ihre Peiniger vorgehen. Eine mögliche Methode: Das Spam-Opfer fordert den Versender zu einer strafbewehrten Unterlassungserklärung auf. Darin muss sich der Unterzeichner verpflichten, die Belästigung zu unterlassen. Bei Verstoß drohen bis zu 5000 € Strafe.</p>
<p>
                    <strong>Provider tanzen auf zwei Hochzeiten</strong><br />
                    <br />Nicht zu Spam im rechtlichen Sinne zählen auch nach dem UWG Werbe-Mails von Unternehmen, mit denen der Empfänger bereits in geschäftlichem Kontakt gestanden hat. Dazu gehört die – ebenfalls häufig unerwünschte – Werbung von Providern wie YAHOO, AOL, GMX oder WEB.DE. Der als Cajun-Spammer bekannte Richard Scelson wirft den Providern deshalb nicht zu unrecht Heuchelei vor. Tatsächlich tanzen die Provider auf zwei Hochzeiten. In der Anti-Spam-Bewegung stehen sie an forderster Front. Sie spüren Spammer auf, bieten eMail-Filter an und stellen Aktionsseiten wie<br />
                    <a href="http://www.antispamday.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.antispamday.de</a> ins Netz. Denn ihre Server ächzen unter der Last des Spam – und sie haben ein ehrliches Interesse daran, sich vom Spam zu befreien. Andererseits schicken sie ihren Kunden selbst fast täglich unerwünschte Mails und verdienen damit gutes Geld. Opt-in ändert daran nichts, weil es sich um eine bestehende Geschäftsbeziehung handelt.</p>
<p>
                    <strong>Spammer sind Global Player und durch Netzrecht kaum zu beeindrucken</strong><br />
                    <br />Machtlos bleibt das Gesetz gegen die zwei Hauptprobleme im Kampf gegen Werbemails: Die meisten Spammer bleiben anonym und der Großteil des Spam kommt aus dem nicht europäischen Ausland. Wer in Asien oder den USA sitzt und Spam anonym an eine deutsche Domain schickt, ist mit deutschem oder europäischem Recht nicht zu beeindrucken.</p>
<p>Die Industrie setzt deshalb auf eine technische Lösung. Der Verband der Internetwirtschaft eco begrüßt zwar die Gesetzesnovelle der Bundesregierung und<br />
                    <a href="http://www.eco.de/servlet/PB/menu/1206752/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">fordert eine schnelle Umsetzung</a>. Er will das Problem aber – wie die US-Kollegen auch – durch Filtersysteme für eMails beheben. Dafür hat eco extra eine Anti-Spam-Task-Force eingerichtet. Denn „nationale Anti-Spam-Gesetze oder Rechtsprechungen sind gegen das globale Spam-Problem bisher weitgehend machtlos“, sagt Sven Karge, Koordinator der eco-Task-Force. Dr. Werner Ruether, Kriminologe an der Universität Bonn, pflichtet ihm bei: Was fehle, sind „weniger nationale, sondern vor allem supra-nationale Rechtsnormen“. Es handelt sich also um ein bekanntes Dilemma: nationalstaatliche Lösungen bleiben im globalen System wirkungslos.</p>
<p>Martina Krogmann von der CDU fordert: „Die Bundesregierung muss handeln und sich zum Vorreiter auf internationaler Ebene machen.“ Eine gute Chance sei der Ende des Jahres stattfindende<br />
                    <a href="http://www.gipfelthemen.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">UNO-Weltgipfel zur Informations- und Wissensgesellschaft</a> . Dort müsse Deutschland darauf hinwirken, „dass in den USA – entgegen der sich aktuell abzeichnenden Tendenz – ebenfalls eine Opt-In-Regelung getroffen wird“.</p>
<p>
                    <strong>Spam-Profite einkassieren</strong><br />
                    <br />Den Kopf müssen die nationalen Gesetzgeber trotzdem nicht in den Sand stecken. Man könne, so Kriminologe Ruether, zumindest auf die deutschen Spammer Einfluss nehmen, indem man ihre „bisher eindeutig positive Kostenbilanz in Zukunft negativer gestaltet“. Statistisch kommen auf 100.000 Spam-Mails 100 Rückfragen der User. Diese Quote von 0,1 Prozent rechnet sich für die Spammer, ihr Aufwand ist gleich Null. Verbraucherschutz-ministerin Renate Künast hat deshalb angekündigt, dass Gewinne die unter Verletzung der neuen Opt in-Regelung erzielt werden, demnächst eingezogen und dem Bundeshaushalt zugeführt würden. Dieser „Gewinnabschöpfungsanspruch“ ist Teil des neuen UWG-Entwurfes und resultiert aus der Tatsache, dass wettbewerbswidriger Spam zwar vielen schadet, es aber kaum zur Anklage kommt, weil die Schadenshöhe für den Einzelnen gering bleibt.</p>
<p>Was bleibt unterm Strich in der Mailbox? Die eco-Task Force, die Ende Mai 2003 ins Leben gerufen wurde, versichert in einem Schreiben: „90 Prozent des Spam kann durch Filtersysteme abgefangen werden“. Die Provider versprechen mit ihren Filterangeboten ähnliche Erfolgsquoten. Gesetze gegen Spam werden von allen begrüßt, aber keiner erhofft sich viel davon. Der eco-Verband fürchtet in<br />
                    <a href="http://www.eco.de/servlet/PB/menu/1206752/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">seinem Schreiben</a> , Spam werde in den nächsten Monaten und Jahren eher noch ansteigen. Wir dürfen uns also auf amerikanische Verhältnisse gefasst machen und sind gespannt, ob die Politik geeignete Mittel gegen Spam findet.<br />
                    </p>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Siedlungen sind nicht der Dreh- und Angelpunkt des Konflikts&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_siedlungen_sind_nicht_der_dreh_und_angelpunkt_des_konfliktsquot-306/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_siedlungen_sind_nicht_der_dreh_und_angelpunkt_des_konfliktsquot-306/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Apr 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Palästinenser]]></category>
		<category><![CDATA[Friedensprozess]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Shimon Stein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/sstein.jpg" alt="Shimon Stein" align="left" border="0" height="85" width="80" />Shimon 
Stein</b><b>, Israelischer Botschafter in Berlin, </b><b>war 
am 28. April 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und 
politik-digital.de</b></span>.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/sstein.jpg" alt="Shimon Stein" align="left" border="0" height="85" width="80" />Shimon<br />
Stein</b><b>, Israelischer Botschafter in Berlin, </b><b>war<br />
am 28. April 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de</b></span>.<!--break--> </p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Moderator:</b><br />
Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Stein. Herzlich willkommen<br />
im tacheles.02 Live-Chat. Unser heutiger Gast ist der Botschafter des<br />
Staates Israels in Deutschland, Shimon Stein. Herr Stein, sind Sie bereit<br />
für sechzig Minuten Diskussion mit unseren Nutzern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:</b><br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Der Lösung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern<br />
wird immer wieder eine Schlüsselrolle für den Frieden im Nahen<br />
Osten zugeschrieben. Welche Chancen sehen Sie in einer Zusammenarbeit<br />
mit dem designierten palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud<br />
Abbas (alias Abu Mazen)?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:<br />
</b>Die Nominierung des Ministerpräsidenten Mahmud Abbas eröffnet<br />
neue Möglichkeiten, um den Friedensprozess, der durch den Terror<br />
abgebrochen wurde, wieder aufzunehmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>davjid: </b>Die<br />
Kabinettsbildung war Bedingung für die Veröffentlichung des<br />
neuen Nahost-Friedensplanes von USA, EU, UNO und Russland. Was erwarten<br />
sie von einem neuen Plan?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:</b><br />
Es handelt sich hier nicht um einen neuen Plan. Es handelt sich hier um<br />
einen Fahrplan, der noch nicht veröffentlicht worden ist. In der<br />
Tat, nach der Entscheidung des palästinensischen Parlaments über<br />
den Vorschlag des Ministerpräsidenten Abbu Mazen wird die so genannte<br />
„Road Map“ veröffentlicht werden. Allerdings ist für<br />
uns die Rede des amerikanischen Präsidenten vom 24. Juni 2002 wichtig,<br />
wo er seine Vision unterbreitete. Denn dort hat der amerikanische Präsident<br />
die Weichen für die Lösung des palästinensischen-israelischen<br />
Konflikts gestellt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>falfel:</b><br />
Ich habe gelesen, dass Washington Wert darauf lege, dass Israel vertrauensbildende<br />
Maßnahmen im Sinne des „Fahrplans&quot; vornimmt, ohne auf<br />
palästinensische Vorleistungen zu warten. Stimmt das und was sagen<br />
sie zu diesen Forderungen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:<br />
</b>Washington hat noch nicht offiziell Forderungen im Vorfeld der<br />
Veröffentlichung des Planes gestellt. Wichtig in diesem Zusammenhang<br />
ist &#8211; und hier verweise ich auf die Rede des amerikanischen Präsidenten<br />
vom Juni letzten Jahres &#8211; dass der Terror eingestellt werden muss, dass<br />
es zu einer neuen palästinensischen Führung kommen muss, und<br />
dass es zu durchgreifenden Reformen innerhalb der palästinensischen<br />
Behörden kommen muss. Wenn diese Voraussetzungen implementiert werden,<br />
wird Israel seinen Beitrag zur Deeskalation leisten. Ich wiederhole, dass<br />
für uns Israelis die Einstellung des Terrors von herausragender Bedeutung<br />
ist und wenn der neue Ministerpräsident die Entschlossenheit, den<br />
Terror zu bekämpfen, zeigen wird, dann wird er auf der anderen Seite<br />
den israelischen Ministerpräsidenten finden, der seine Bereitschaft<br />
zu schmerzhaften Kompromissen erklärt hatte, finden, um mit ihm den<br />
Friedensprozess wieder in Gang zu setzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Nachfrage: Gestern Abend hat die israelische Armee eine erste jüdische<br />
Kleinsiedlung südlich von Hebron im Westjordanland geräumt.<br />
Mit den Räumungen kommt die Regierung von Ministerpräsident<br />
Ariel Scharon der US-Regierung und dem neuen palästinensischen Ministerpräsidenten<br />
Abbas entgegen. Kann man das nicht als Forderung sehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:</b><br />
Ich würde es nicht als Forderung bezeichnen. Denn die Entscheidung<br />
des israelischen Kabinetts, illegale Vorposten abzubauen, steht schon<br />
seit langer Zeit fest. Aber wenn man die Entscheidung der israelischen<br />
Regierung von gestern als eine Geste sehen möchte, dann um so besser.<br />
Ich werde in dem Zusammenhang dies auch zum Anlass nehmen, auch das Thema<br />
&quot;Siedlungen&quot; anzusprechen: Es ist uns klar, dass die Siedlungen<br />
ein umstrittenes Thema sind und die Palästinenser die israelischen<br />
Siedlungen auf dem Verhandlungstisch stellen werden – allerdings<br />
gehören die Siedlungen zu den Themen, die zum Endstatus der Gespräche<br />
zählen und deshalb gemeinsam mit Themen wie Jerusalem, Grenzen, Sicherheitsvorkehrungen<br />
behandelt werden. Darüber hinaus &#8211; das ist meine Überzeugung<br />
&#8211; sind die Siedlungen nicht der Dreh- und Angelpunkt des Konflikts. Ich<br />
möchte daran erinnern, dass in Camp David im September 2000 der damalige<br />
Ministerpräsident Barak bereit war, die große Mehrheit der<br />
Siedlungen abzubauen, sich aus fast 96% des Gebietes zurück zuziehen<br />
und trotzdem hat der auf dieses Angebot eine negative Antwort von Arafat<br />
bekommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>perter: </b>Wann<br />
wird der Fahrplan des Nahost-Friedensprozesses veröffentlicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:</b><br />
Sobald das palästinensische Parlament die Regierung von Abbu Mazen<br />
bestätigt hat, wird die so genannte Road Map veröffentlicht<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>t52: </b>Wird<br />
Außenminister Powell bald in die Region kommen und mit Abbas und<br />
Sharon reden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:</b><br />
Aus der Presse haben wir erfahren, dass ein Besuch des amerikanischen<br />
Außenministers in der Region bevorsteht. Wann genau der Besuch stattfinden<br />
wird und welche Länder der Außenminister besuchen wird, steht<br />
noch nicht fest.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>erer: </b>Übt<br />
Washington verstärkt Druck auf Sie aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:<br />
</b>Washington hat keinen Anlass, Druck auf Israel auszuüben,<br />
denn Ministerpräsident Sharon hat mehrfach verkündet, dass er<br />
voll hinter der Vision des amerikanischen Präsidenten vom Juni letzen<br />
Jahres steht und das Israel bereit ist, schmerzhafte Entscheidungen zu<br />
treffen &#8211; und darüber hinaus gibt es eine volle Übereinstimmung<br />
der beiden Personen, den Terror zu bekämpfen. Deshalb gibt es meiner<br />
Meinung nach zur Zeit keinen Anlass, Druck auf Israel auszuüben.<br />
Wenn es einen Anlass Druck auszuüben gibt, dann soll er auf die Kräfte<br />
innerhalb der arabischen Welt und der Terrororganisationen ausgerichtet<br />
sein, die entschlossen sind weiter den Terror als Mittel für ihre<br />
politischen Zwecke zu benutzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Nachfrage zu &quot;Illegale Vorposten“.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rufus: </b>Was<br />
sind &quot;illegale Vorposten&quot; nach der Definition des israelischen<br />
Parlamentes? Verstehen sie darunter alle Siedlungen in den besetzten Gebieten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:</b><br />
Nein, illegale Vorposten sind so genannte Siedlungen, die ja ohne die<br />
Genehmigung der Regierung aufgebaut wurden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gagarin: </b>Wird<br />
die israelische Regierung die Arbeiten an der Errichtung von Zaunanlagen,<br />
mit denen Sicherheitskorridore zwischen Israel und den Siedlungen geschaffen<br />
werden und die viele palästinensische Siedlungen im Westjordanland<br />
zu Enklaven macht, fortführen oder einstellen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:<br />
</b>Die Arbeiten an dem Zaun werden als Reaktion auf den Terror fortgesetzt.<br />
Es ist kein politischer Zaun, denn die Entscheidung über die endgültigen<br />
Grenzen zählen zu den Endstatus-Fragen, von denen ich gesprochen<br />
habe.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Praitorianer:<br />
</b>Warum lehnt es Israel es ab, eine Art Friedenstruppen ins Land<br />
zu lassen, die gerade an Übergängen und Konfliktpunkten kontrollieren?<br />
Wäre es nicht sinnvoll und logisch, hier unbeteiligte Länder<br />
zu nehmen, die nicht den Konflikt weiter anheizen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:</b><br />
Israel lehnt die Internationalisierung des Konflikts ab. Die theoretische<br />
Frage, nach der Notwendigkeit von internationalen Truppen, wird im Rahmen<br />
der Endstatusverhandlungen verhandelt werden und nicht vorher und auch<br />
nicht einseitig, sondern in Abstimmung mit den Konfliktparteien.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Chata: </b>Wäre<br />
nun eine Forderung Abbu Mazens, keine andere Stadt als Jerusalem als Hauptstadt<br />
des zukünftigen palästinensischen Staates zuzulassen, käme<br />
die Jerusalemfrage schneller auf die Agenda, als von Israel gewünscht.<br />
Wie würden Sie diese Forderung beantwortet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:</b><br />
Jerusalem zählt zu den schwierigsten Fragen des Konflikts, allerdings<br />
möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass Ministerpräsident<br />
Barak in Camp David im Rahmen seines Angebots bereit war, Jerusalem zu<br />
teilen. Sein Angebot ist abgelehnt worden, was uns dazu veranlasste, die<br />
Frage zu stellen: Geht es unter anderem um die Teilung von Jerusalem oder<br />
gehen die palästinensischen Ziele über die Teilung von Jerusalem<br />
hinaus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Medorac: </b>Was<br />
meinen sie mit &quot;Endstatus&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:</b><br />
Endstatus bedeutet die letzte Phase der Verhandlungen, die Phase, wo die<br />
herausragenden Fragen diskutiert und entschieden werden. Dazu zähle<br />
ich u.a. Fragen wie Jerusalem, Grenzen, Siedlungen, Sicherheitsvorkehrungen,<br />
das Rückkehrrecht etc.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Können Sie die Antwort zu Jerusalem konkretisieren? Was glauben Sie,<br />
was die palästinensische Seite beabsichtigt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:</b><br />
Nachdem Scheitern von Camp David fragen wir uns, was wollen die Palästinenser<br />
am Ende des Tages? Denn auch wenn es banal klingt, wir haben weder von<br />
den Palästinensern noch von den arabischen Staaten bis heute die<br />
Anerkennung des jüdischen Staates Israel bekommen bzw. die Legitimität<br />
des jüdischen Staates ist sowohl für die Palästinenser<br />
als auch die arabischen Staaten eine offene Frage. Deshalb habe ich auf<br />
die Frage so geantwortet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>goldstein:</b><br />
Glauben Sie, dass Jassir Arafat einen eigenen Staat, wie er jetzt vorgesehen<br />
ist, überhaupt will?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:<br />
</b>Bis heute hat uns Arafat keine Antwort auf die Frage, die in<br />
Deutschland und anderswo in Europa schon längst beantwortet ist,<br />
gegeben, nämlich ob er anerkennt, dass es ein jüdisches Volk<br />
gibt und das dieses Volk ein Recht auf Selbstbestimmung hat. Deshalb haben<br />
wir Israelis &#8211; und zwar die Mehrheit der Israelis, Anlass zum Zweifeln<br />
bezüglich des politischen Endziels von Arafat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wie wird das politische Endziel sein? Kein Staat Israel in ein<br />
paar Jahrzehnten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:<br />
</b>Der amerikanische Präsident spricht in seiner Rede vom Juni<br />
über die Vision von zwei Staaten, nämlich Israel und ein palästinensischer<br />
Staat. Der israelische Ministerpräsident steht voll hinter dieser<br />
Vision. Die Einzelheiten bzw. die Implementierung dieser Vision soll Gegenstand<br />
der politischen Verhandlungen zwischen uns und der neuen Führung<br />
der Palästinenser sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>malaka: </b>Wie<br />
schätzen sie die Rolle der EU, Russland und vor allem der UNO nach<br />
dem Irak Krieg? Sind sie für Israel noch relevant?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:<br />
</b>Federführend und zentral für die Implementierung des<br />
sogenannten Road Map werden die Vereinigten Staaten sein. Kein Weg geht<br />
an Washington vorbei. Das wissen alle, nicht nur die Israelis, sondern<br />
auch die Palästinenser und die arabischen Staaten. Die Europäische<br />
Union wird auch eine Rolle spielen, allerdings eine ergänzende Rolle.<br />
Was Israel und die EU anbelangt, muss ich leider sagen, dass es ein großes<br />
Vertrauensdefizit gibt. Und dieses Defizit geht aus einer unausgewogenen<br />
europäischen Politik aus. Um dieses Defizit abzubauen, was in unserem<br />
Interesse ist, muss die EU vertrauensbildende Maßnahmen herstellen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Wurde dadurch auch Außenminister Fischers Einfluss im Nahost-Konflikt<br />
beeinträchtigt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:<br />
</b>Außenminister Fischer genießt hohes Ansehen in Israel<br />
und über Israel hinaus. Innerhalb der EU bemüht er sich, Einfluss<br />
auf die gemeinsame EU-Haltung bezüglich Israel zu nehmen. Wir danken<br />
ihm für seine Bemühungen, die ja nicht immer erfolgreich sind.<br />
Wir freuen uns über seinen Einsatz und wir wollen hoffen, dass er<br />
weiter engagiert bleibt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>polanski:</b><br />
Waren sie entsetzt über die anti-amerikanischen und anti-semitischen<br />
Tendenzen von großen Teilen der Friedensbewegung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:<br />
</b>Es handelt sich hier nicht um Entsetzen oder nicht. Ich habe<br />
nur festgestellt &#8211; und das als Beobachter -, dass die Friedensbewegung<br />
nicht den richtigen Feind zum Ziel hatte, sondern den Amerikaner als Hauptziel<br />
der Kritik, als ob die Amerikaner für die Ursachen der Krise verantwortlich<br />
wären. Bedauerlicherweise habe ich auch antisemitische Hintertöne<br />
bei manchen Demonstranten registriert. Eine Tatsache, die ich sehr bedauere.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>polanski:<br />
</b>Ist Deutschland mit seiner Haltung gegen die USA ein Freund der<br />
Araber geworden und hat die deutsch-israelischen Beziehungen belastet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:<br />
</b>Die deutsch-israelischen Beziehungen sind fest. Deutschland hat<br />
sich über die Jahre hinweg zur Sicherheit des Staates Israel bekannt<br />
und zum Existenzrecht des jüdischen Staates ebenfalls. Ich bin der<br />
Auffassung, dass die gegenwärtigen Meinungsunterschiede zwischen<br />
Deutschland und den Vereinigten Staaten die deutsch-israelischen Beziehungen<br />
nicht beeinträchtigt. Ich bin der Auffassung, dass die Ursachen für<br />
die deutsch-israelischen Beziehungen besonders sind. Beziehungen, die<br />
ja auf den Hintergrund der Geschichte basieren und momentan nicht von<br />
der Verstimmung der deutsch-amerikanischen Beziehungen beeinflusst sind.<br />
Selbstverständlich werden wir gute und reibungslose Beziehungen zu<br />
Deutschland und den Vereinigten Staaten begrüßen. Ich möchte<br />
der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass Deutschland und die USA zu einem<br />
ernsthaften Meinungsaustausch über die gegenwärtigen Bedrohungen<br />
und die dementsprechend politischen Schlussfolgerungen, die daraus entstehen<br />
auch kommen, denn eine gemeinsame Haltung des Westens ist für uns<br />
alle von großer Bedeutung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>johannes:<br />
</b>Wie finden Sie die Berichterstattung in den deutschen Medien<br />
über Israel und den Friedensprozess? Auch nach der Möllemann-Affäre<br />
und dessen Antisemitismus, der ja bedauerlicherweise Zustimmung bekommen<br />
hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:<br />
</b>Das ist eine gute Frage, die eine lange und differenzierte Antwort<br />
verlangt, dich ich jetzt nicht geben kann. Allerdings kann ich im Großen<br />
und Ganzen sagen, dass ich mir wünsche, dass die Berichterstattung<br />
objektiv und ausgewogen sein muss, doch dass ist leider in vielen Fällen<br />
nicht der Fall.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>petermann25:</b><br />
Auch wenn alle sagen, dass sie den Friedensprozess wollen, warum stockt<br />
er dann so?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:</b><br />
Auch eine gute Frage. Meine kurze Bemerkung dazu ist, dass, solange die<br />
arabische Welt die historische Tatsache, die demnächst 55 Jahre jung<br />
sein wird bzw. die Existenz des Staates Israel nicht zur Kenntnis nimmt,<br />
wird es nicht zur Beilegung des arabisch-israelischen Konflikts kommen.<br />
Israel ist bereit und hat es auch über die Jahre hinweg bewiesen<br />
&#8211; die Bereitschaft zu einer politischen Lösung zu kommen. Wir wollen<br />
hoffen, dass die Palästinenser, die in der Vergangenheit keine Möglichkeit<br />
verpasst haben, eine Möglichkeit zu verpassen, werden die Möglichkeit,<br />
die ja bevorsteht, konstruktiv benutzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>mölleman_tadler:<br />
</b>Hoffen Arafat bzw. seine Leute auf einen demographisch schwaches<br />
Israel, dass einem starken Bevölkerungswachstum seitens der Palästinenser<br />
gegenübersteht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:</b><br />
Es gibt auch innerhalb der palästinensischen Führung einige,<br />
die solche Überlegungen befürworten und deshalb unterstützen<br />
sie auch den Terror, und das ohne Rücksicht auf das Leiden des palästinensischen<br />
Volkes. Andererseits gibt es Leute wie der Ministerpräsident Abu<br />
Mazen, die ja anderer Auffassung sind und deshalb befürworten sie<br />
die Einstellung des Terrors &#8211; dementsprechend auch eine politische Lösung.<br />
Ich hoffe, dass diese Schule sich letzten Endes durchsetzen wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Kommen wir zum Schluss und damit zu einer letzten, persönlichen Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dipidolor:</b><br />
Herr Stein, wie gefällt es Ihnen und Ihrer Familie persönlich<br />
in Berlin?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:</b><br />
Hervorragend!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei. Herzlichen<br />
Dank, Herr Stein, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen sind, um<br />
mit uns zu chatten. Und vielen Dank an alle UserInnen für Ihr Interesse.<br />
Jede Menge Fragen blieben unbeantwortet. Vielleicht ergibt sich noch einmal<br />
die Gelegenheit, Herrn Stein zum Chat einzuladen. Wir würden uns<br />
freuen, wenn Sie dann wieder dabei wären. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats<br />
finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shimon Stein:<br />
</b>Ich bedanke mich bei tagesschau.de und politik-digital.de für<br />
die Möglichkeit, mit Ihnen chatten zu dürfen. Ich hoffe, dass<br />
ich zur Aufklärung der komplexen Fragen beigetragen habe und würde<br />
mich freuen, mit Ihnen noch einmal mit der Hilfe von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de zu chatten.</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_siedlungen_sind_nicht_der_dreh_und_angelpunkt_des_konfliktsquot-306/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die arabischen Staaten sind in der Syrien-Frage eindeutig zusammengerückt&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_arabischen_staaten_sind_in_der_syrienfrage_eindeutig_zusammengeruecktquot-307/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Palästinenser]]></category>
		<category><![CDATA[Friedensprozess]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Syrien]]></category>
		<category><![CDATA[Arabische Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Rainald Becker]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/rbecker.jpg" alt="Rainald Becker" align="left" border="0" height="65" width="80" />Rainald 
Becker</b><b>, ARD-Korrespondent in Ägypten während des 
Irak-Kriegs, </b><b>war am 24. April 2003</b></span> <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>zu 
Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/rbecker.jpg" alt="Rainald Becker" align="left" border="0" height="65" width="80" />Rainald<br />
Becker</b><b>, ARD-Korrespondent in Ägypten während des<br />
Irak-Kriegs, </b><b>war am 24. April 2003</b></span> <span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>zu<br />
Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span><!--break--></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Moderator:</b><br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02 ist ein Format von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de.<br />
Heute begrüßen wir Rainald Becker, ARD-Korrespondent in Kairo/<br />
Ägypten. Wir haben eine Stunde Zeit. Sind Sie bereit und kann es<br />
losgehen? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:</b><br />
Ja, Hallo und Grüße vom Nil</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herr Becker, Sie waren in den vergangenen Tagen für eine Stippvisite<br />
in Syrien. Ihr Ziel war es, sich einen Eindruck über die Lage vor<br />
Ort verschaffen. Wie waren denn Ihre Eindrücke?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:</b><br />
Das leben in Syrien verläuft auf den ersten Blick völlig normal,<br />
aber unter der Decke, wenn man mit den Menschen spricht, ist Spannung<br />
und Unsicherheit zu spüren. Jeder fragt sich hinter vorgehaltener<br />
Hand, wie es politisch weitergeht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marie: </b>Wie<br />
waren ihre Arbeitsbedingungen in Syrien?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Okay, aber jedes Drehvorhaben, vor allem die sensiblen, wie z.B.<br />
Aufnahmen an der Grenze zum Irak müssen genehmigt werden. In meinem<br />
Fall wurde die Anfrage abgelehnt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Werden Sie es noch mal versuchen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:</b><br />
Na, für den kommenden Weltspiegel ist es zu spät, aber natürlich<br />
werden wir Syrien und die politische Entwicklung nicht aus den Augen verlieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Eine Nachfrage zur Ablehnung der Aufnahmegenehmigung von Marie:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marie:</b><br />
Mit welcher Begründung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:</b><br />
Die Begründung ist in solchen Fällen immer die gleiche: nicht<br />
im Interesse des Landes und zu unsicher für Journalisten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rzeznik: </b>Als<br />
wie real schätzt die syrische Bevölkerung die Gefahren eines<br />
drohenden Krieges ein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Derzeit als nicht real, aber für die weitere Zukunft des<br />
Landes will sich niemand wirklich festlegen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jule: </b>Besitzt<br />
Syrien tatsächlich Massenvernichtungswaffen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Gute, aber schwer zu beantwortende Frage. Es gibt Berichte &#8211;<br />
nicht bestätigt &#8211; über Chemiewaffen &#8211; Tests vor einigen Jahren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rzeznik: </b>Wie<br />
unabhängig berichten die syrischen Medien über die Situation<br />
im Irak und über die Spannungen zwischen USA und ihrem Land?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>So unabhängig wie Medien in arabischen Ländern sind,<br />
d.h. die meisten Zeitungen, das Fernsehen und der syrische Rundfunk, sind<br />
entweder staatsnah oder gar von regierungstreuen Managern geleitet. Im<br />
Mittelpunkt steht immer das syrische und das arabische Interesse.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Iberischer<br />
Halbpinsel: </b>Wie sieht die Zukunft in Syrien aus, ist mit einem<br />
demokratischen System mit oder ohne militärische Intervention zu<br />
rechnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>In absehbarer Zeit sicherlich nicht. Das würde einen radikalen<br />
Regimewechsel voraussetzen, und dazu ist die syrische Bevölkerung<br />
weder bereit noch in der Lage. Wir reden hier von einem Regime, dass sich<br />
mit Hilfe einer Einheitspartei und Geheimdiensten an der Macht hält,<br />
und das seit 30 Jahren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Eine Frage von Wetzel zum Regimewechsel:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wetzel: </b>Kann<br />
es sein, dass manche die Ablösung der Baath-Regierung in Syrien begrüßen<br />
würden, auch wenn es die Amerikaner tun?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:</b><br />
Sicher gibt es manche, die das begrüßen würden, aber offen<br />
sagen will das keiner, und zu viele profitieren auch vom Regime.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wer würde das denn begrüßen? Dazu passt auch<br />
die Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rinder wahn:<br />
</b>Was macht die syrische Opposition, gibt es sie und wo sitzt sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Die syrische Opposition, die, die sich offen als solche bezeichnet,<br />
sitzt im Ausland in Europa, den USA. Im Land ist eine offen geäußerte<br />
Opposition mit dem Ziel eines Regimewechsels nicht möglich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Micha: </b>In<br />
den letzten Wochen sah es Medienberichten zufolge so aus, als würde<br />
bald ein Angriff der USA auf Syrien erfolgen. Jetzt bemühen sich<br />
die Amerikaner um Beschwichtigung. Wie kam es zu diesem Meinungswechsel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Offensichtlich Einsicht in das derzeit nicht Mögliche. Für<br />
einen Angriff auf Syrien gibt es bisher keine bestätigte Rechtfertigung,<br />
und ein solcher Akt würde die ganze arabisch-islamische Welt endgültig<br />
gegen die USA aufbringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Assembly:<br />
</b>Hat der Druck der USA auf Syrien schon Auswirkungen auf die Politik<br />
des syrische Staatschefs Assad gehabt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Ja, denn die arabischen Staaten sind in der Syrien-Frage eindeutig<br />
zusammengerückt und Assad hat sich sofort auch europäischer,<br />
insbesondere französischer Unterstützung vergewissert. Auch<br />
die Russen sind gegen jede Aktion gegen Syrien. Zudem hat Syrien bei den<br />
Vereinten Nationen eine Resolution eingebracht, mit dem Ziel, den gesamten<br />
Nahen Osten WMD (Massenvernichtungswaffen-) frei zu bekommen, also auch<br />
Israel.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sms: </b>Was<br />
ist das syrische Interesse im Irak-Konflikt und der Nachkriegszeit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>In erster Linie Ruhe an der Grenze, keine Verbindungen mit dem<br />
Saddam &#8211; Regime deutlich werden zu lassen, und sich selbst so demokratisch<br />
wie möglich nach außen zu präsentieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gabriel: </b>Hat<br />
Bashar Assad knapp drei Jahre nach dem Tod seines Vaters die von der Bevölkerung<br />
Syriens in den jungen Herrscher gesetzten Erwartungen erfüllt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Nur teilweise, denn die alten Weggefährten seines Vaters<br />
ist er nicht losgeworden. Der Außen- und der Verteidigungsminister<br />
beispielsweise regieren ganz sicher im Sinne des Vaters weiter. Zaghafte<br />
Liberalisierungsversuche sind inzwischen weitgehend im Sande verlaufen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wie verlassen kurz Syrien und kommen zu einem anderen Konfliktherd:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MatthiasA.:<br />
</b>Ich habe eine Frage: Was ist eigentlich mit den Kurden? Geraten<br />
sie wieder in Vergessenheit? Man hat den Kurden immerhin einen Kurdenstaat<br />
versprochen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Die Kurden werden im Nachkriegsirak sicher eine Rolle spielen,<br />
die Frage ist nur welche. Ein Kurdenstaat ist nicht im Interesse zum Beispiel<br />
der Türkei, aber auch nicht des Iran. Und bei den USA ist man wohl<br />
noch dabei, die Meinung zu finden. Im Moment spricht vieles dafür,<br />
dass man erst mal eine Art weitgehender Autonomie zugestehen wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>StWeber: </b>Meinen<br />
Sie, dass der Irak-Krieg die Friedenschancen in Israel eher erhöht<br />
oder verringert hat? Wird es zu einer weiteren Radikalisierung der extremen<br />
Moslems kommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:</b><br />
Das kann man nie ausschließen, aber für Frieden mit Israel<br />
ist vor allem die politische Entwicklung der palästinensischen Selbstverwaltung<br />
entscheidend. Das neue Kabinett wird wesentlich dazu beitragen können<br />
und müssen, dass der Friedenplan des sogenannten Quarttets wirklich<br />
eingesetzt werden kann. Der sieht ja bekanntlich die Gründung eines<br />
Palästinenserstaates 2005 vor.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wie ist denn in der arabischen Welt die Reise von Außenministern<br />
Fischer und sein Treffen mit Arafat aufgenommen worden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Die deutsche Rolle im Friedensprozess wird hier grundsätzlich<br />
positiv gesehen, zumal nach der deutschen Haltung zum Irak-Krieg, aber<br />
die Wirkung einer solchen Reise ist nicht wirklich und unmittelbar zu<br />
messen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JoGRA: </b>Warum<br />
engagiert sich Außenminister Fischer nicht noch stärker im<br />
Friedensprozess und übernimmt sogar eine ECHTE Vermittlerrolle?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Das ist so nicht möglich aus zwei Gründen: 1. Das besondere<br />
deutsche Verhältnis zu Israel und 2. eine Lösung sollte auch<br />
nach den Vorstellungen der arabischen Staaten von ihnen selbst kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Regine: </b>Wird<br />
das aktuelle palästinensische Attentat Auswirkungen auf den Friedensprozess<br />
in Israel haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Wie bei jedem Attentat &#8211; so zynisch das klingen mag &#8211; hat es<br />
kurzfristig hemmende Wirkung, mittel- und langfristig aber keine, denn<br />
es gibt selbst nach Einschätzung der Beteiligten keine Alternative<br />
zum Friedensprozess.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JoGRA: </b>Welchen<br />
Einfluss wird Präsident Arafat noch auf die weitere Entwicklung des<br />
Nahost-Friedensprozesses haben? Welche Macht hat Abbas?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:</b><br />
Arafats Einfluss ist zwar noch zu spüren, aber zunehmend weniger.<br />
Selbst bei seinen arabischen Gesprächspartnern gilt er als Auslaufmodell.<br />
Sein Einfluss stirbt langsam, und das ist für die Entwicklung nur<br />
gut. Abbas muss jetzt beweisen, dass er seinem Ruf als gemäßigter<br />
Reformer auch Taten folgen lässt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Auch wenn wie sie sagen, dass alle den Friedensprozess wollen,<br />
warum stockt er dann so?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Gute Frage, die Antwort darauf wäre der Schlüssel zur<br />
Lösung. Er stockt, weil die Motoren des Prozesses, also die USA,<br />
Europa, Vereinte Nationen u.a. jetzt den Focus auf Irak gerichtet hatten<br />
und er stockt, weil Sharon nur Reformen bei den Palästinensern fordert,<br />
selber bei seinen Siedlern aber so gut wie nicht aktiv wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Danke für die Blumen, eine weitere Frage zum Friedensprozess:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edasimi: </b>Kann<br />
man überhaupt von Friedenprozess sprechen, ohne dass zu einer vollständigen<br />
Räumung der Siedlungen und einer Lösung für beide Parteien<br />
in Jerusalem?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Was sie beschreiben, ist der angestrebte Zustand. Derzeit verlieren<br />
sich die Politiker im Gerangel um den Weg dahin, wie es gehen kann und<br />
welche Forderungen auf dem Tisch liegen, wurde schon vor vielen Jahren<br />
im Oslo-Vertrag beschrieben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JoGRA: </b>Inwieweit<br />
ist Ministerpräsident Scharon überhaupt bereit, einen Palästinenserstaat<br />
zu akzeptieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:</b><br />
Die Frage hat er für meine Begriffe nie wirklich klar beantwortet.<br />
Er zieht sich immer zurück auf die Sicherheitsinteressen Israels<br />
und sichere Grenzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Themenwechsel hin zu einem anderen Land in der Region:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MatthiasA.:<br />
</b>Was für eine Rolle spielt die Türkei in der Nachkriegszeit</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Die Türkei hat vielfältige Interessen, zum einen kann<br />
ihr nicht an einem kurdischen Nachbarstaat gelegen sein, zum anderen darf<br />
sie eine starke Islamisierung an ihren Grenzen nicht zulassen. Das gefährdet<br />
ihre Einbindung in westliche Bündnisse wie Nato und eine mögliche<br />
Mitgliedschaft in der EU. Sie darf aber auch durch zu restriktive Politik<br />
nicht die islamischen Bruderstaaten verprellen &#8211; eine Gratwanderung für<br />
die türkische Regierung in der kommenden Zeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Im Rundflug zurück nach Ägypten, wo Sie sich ja gerade befinden:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Beto: </b>Hat<br />
sich der Zorn der Ägypter über den Einmarsch der Amerikaner<br />
im Irak etwas gelegt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Rainald Becker:<br />
</b>Ja, das hat er zum Teil von selbst durch die doch kürzer<br />
als erwartete Kriegsdauer. Zum anderen ist er auch rigoros gelegt worden<br />
durch extreme Sicherheitsmassnahmen und konsequente Verhaftungen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pete: </b>Wie<br />
beurteilt die öffentliche Meinung in Kairo den Krieg der USA gegen<br />
Irak?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Der Krieg wird nach wie vor als illegal betrachtet und abgelehnt,<br />
aber er ist ja inzwischen auch ein Fakt. Viel wird jetzt davon abhängen,<br />
wie sich die Amerikaner im Irak verhalten, bezogen auf Öl, Nachkriegsordnung<br />
und schnellen Abzug.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pink: </b>Wie<br />
betrachten die Staaten des Nahen Ostens Europa, eher als Verbündeten<br />
gegen die Supermacht oder eher als Verbündeten der Supermacht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Man kennt seine Freunde wie zum Beispiel Deutschland und Frankreich,<br />
die durch ihre Haltung zum Krieg hier sicherlich Punkte gesammelt haben.<br />
Aber man verurteilt interessanterweise auch England nicht pauschal, hofft<br />
da eher auf den positiven Einfluss von Deutschland und Frankreich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Beto:</b><br />
Mal angenommen, die Amerikaner attackieren weitere arabische Länder,<br />
glauben Sie, dass sich das arabische Volk auf die Dauer im Zaum halten<br />
lässt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Ich könnte jetzt diplomatisch abgewogen antworten, aber<br />
kann es angesichts der Radikalität der Frage auch kurz machen: Sie<br />
wären dann wohl nicht mehr ruhig zu halten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Würde das den Regierungen schaden, etwa in Ägypten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:</b><br />
In jedem Fall würde es ihnen schaden, im Extremfall könnte es<br />
sie sogar in ihrer Existenz gefährden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Vorletzte Frage: </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pilot_Pirx:</b><br />
Bekommen wir jetzt als Folge des Krieges eine panarabische Bewegung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Damit rechne ich nicht, dazu sind die Araber untereinander zu<br />
zerstritten. Der letzte Versuch einer panarabischen Bewegung unter Gamal<br />
Abdel Nasser ist auch nach relativ kurzer Zeit gescheitert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pilot_Pirx:<br />
</b>Was kann die US-Regierung tun, um ihr Standing in der arabischen<br />
Welt jetzt zu verbessern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Kurz und klar geantwortet: die Soldaten schnell abziehen, aber<br />
ausreichend Dollars und technisches Know-how dalassen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Jetzt die letzte Frage: Wie lange bleiben sie noch in Ägypten und<br />
wann sehen wir sie in der ARD?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Nun, am Wochenende kehre ich zurück auf meinen angestammten<br />
Arbeitsplatz als politischer Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio in<br />
Berlin, am Sonntag kommt mein Weltspiegel-Beitrag über Syrien, und<br />
danach sehen sie mich wieder aus Berlin. Der arabischen Welt und Politik<br />
bleibe ich aber verbunden, vielleicht führt mich der Weg nach Berlin<br />
ja wieder hierher.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei.<br />
Herzlichen Dank, Herr Becker, dass Sie mit uns gechattet haben und vielen<br />
Dank an alle UserInnen für Ihr Interesse. Danke für die sehr<br />
spannenden Antworten, Herr Becker und alles gute für Ihre Rückreise.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainald Becker:<br />
</b>Ich danke auch. Tschüß vom Nil.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>maxim2003:</b><br />
Vielen Dank, dass sie Zeit für uns hatten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Noch ein Terminhinweis: Am Montag, 28. April 2003, ist Shimon<br />
Stein, israelischer Botschafter in Deutschland, von 17.30 bis 18.30 Uhr<br />
Gast im tacheles.02 Live-Chat. Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder<br />
dabei sind. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den<br />
Webseiten der Veranstalter www.tagesschau.de und www.politik-digital.de.<br />
Tschüß aus Berlin!<br />
</span><span style="font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> </span>
</p>
<p>
&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_arabischen_staaten_sind_in_der_syrienfrage_eindeutig_zusammengeruecktquot-307/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ich persönlich glaube, dass der Irak das Potenzial hatte, Massenvernichtungswaffen herzustellen, dass er aber ge</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotich_persoenlich_glaube_dass_der_irak_das_potenzial_hatte_massenvernichtungswaffen_herzustellen_da-308/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Apr 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Kriegsberichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Klug]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/rklug.jpg" alt="Richard Klug" align="left" border="0" height="65" width="80" />Richard 
Klug</b><b>, ARD-Korrespondent in Katar während des Irak-Kriegs, 
</b><b>war am 10. A</b><b>pril 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/rklug.jpg" alt="Richard Klug" align="left" border="0" height="65" width="80" />Richard<br />
Klug</b><b>, ARD-Korrespondent in Katar während des Irak-Kriegs,<br />
</b><b>war am 10. A</b><b>pril 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span><!--break--></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <br />
<b>Moderator: </b>Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Heute begrüßen wir Richard Klug, ARD-Korrespondent<br />
in Doha/Katar. Wir haben eine Stunde Zeit, Herr Klug sitzt im Pressezentrum.<br />
Sind Sie bereit, kann es losgehen? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Herr Klug, wie sah denn ihr Tag heute aus? Wie haben wir uns<br />
denn den Arbeitstag eines Korrespondenten in einem Krisengebiet vorzustellen?<br />
Dazu passt auch die Frage von Milka:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Milka: </b>Eine<br />
persönliche Frage: Was haben Sie heute alles gemacht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Der Arbeitstag begann um 2 Uhr nachts, beim Nachtmagazin, die<br />
wollten auch gerne eine Live-Schaltung nach Doha haben und heute morgen<br />
ging es dann um halb acht deutscher Zeit weiter. Seither sitzen wir im<br />
Pressezentrum.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sister: </b>Wie<br />
lange werden Sie voraussichtlich noch in Katar bleiben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Wenn es schnell geht, bis zum Kriegsende, so zynisch das auch<br />
klingen mag. Wenn es lange dauert, werden wir sicherlich abgelöst.<br />
Das muss man dann aber kurzfristig entscheiden bei der ARD in Hamburg<br />
und beim SWR in Stuttgart, meinem Sender.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Babs: </b>Was<br />
bewegt einen als Journalist dazu, aus einem gefährlichen Kriegsgebiet<br />
zu berichten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Hier ist kein gefährliches Krisengebiet. In Doha gibt es sicherlich<br />
ein höheres Anschlagsrisiko, aber richtig gefährlich ist es<br />
nicht. Es gehört einfach zum Job eines Journalisten in einer Auslandsredaktion,<br />
diese Arbeit auch zu machen. Es wurde uns aber freigestellt, uns zu weigern,<br />
an der Irakberichterstattung mitzumachen, doch dafür sah ich keinen<br />
Grund.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Cinderella:<br />
</b>Hätten Sie auch einen Einsatz in Bagdad zugestimmt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Nein. Ich habe Familie, und dieses Risiko wäre ich nicht<br />
eingegangen, es sind ja bereits leider ein paar Kollegen von mir ums Leben<br />
gekommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Altes Europa:<br />
</b>Wie geht man als Journalist mit Propaganda-Bildern um? Kürzlich<br />
sah ich einen amerikanischen Soldaten mit einem irakischen Kind &#8211; sah<br />
sehr liebevoll aus, aber die Mutter ist zuvor im Kugelhagel gestorben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Ich benutze diese Bilder nicht. Die sind hauptsächlich für amerikanische<br />
Sender gedacht, die eine ganz andere Herangehensweise an das Thema haben.<br />
Sie haben den Eindruck, dass sie dabei eine objektive Berichterstattung<br />
machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>danman224:<br />
</b>Haben Sie es als deutscher Journalist leichter in der Berichterstattung,<br />
sind die Menschen z. B. auskunftsfreudiger wegen der deutschen Haltung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Das Pressezentrum ist eines der Amerikaner und Briten, anfangs<br />
war es genau umgekehrt, da wurden Journalisten aus kriegskritischen Ländern<br />
geschnitten. Das hat sich aber jetzt geändert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Leila: </b>Haben<br />
Journalisten denn im Irak-Krieg überhaupt die Möglichkeit, unabhängiges<br />
Bildmaterial zu bekommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Ja. Aber es ist nicht leicht. Die so genannten &quot;eingebetteten<br />
Journalisten&quot; sind von den Amerikanern abhängig, die unabhängig<br />
im Irak Arbeitenden bis gestern noch von den Iraker. Ich bin gespannt,<br />
ob die Berichterstattung jetzt freier werden kann oder ob die US-Truppen<br />
weiterhin zwar keine Zensur, aber doch gewisse Einschränkungen machen<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pro: </b>Kommen<br />
Ihnen nicht manchmal Zweifel, ob diese vielen Schaltungen Sinn machen?<br />
Dauernd aktuell berichten zu müssen und offensichtlich immer nur<br />
wenig zu wissen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Anfangs stimmte das sicherlich, da haben wir uns nur gegenseitig<br />
bestätigt, dass wir nichts wissen und haben dieses Nicht-Wissen dann<br />
bewertet. Mittlerweile aber ist das anders und wir bekommen viele Informationen,<br />
längst noch nicht alle notwendigen, aber mit denen, die wir bekommen,<br />
können wir substantiell etwas anfangen. Und da Pressekonferenzen<br />
bildmäßig ohnehin langweilig sind, machen wir es eben mit Schaltungen.<br />
Ich finde das gerechtfertigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hatto: </b>Glauben<br />
deutsche Reporter auch, dass sie die Ablehnung der deutschen Bevölkerung<br />
gegenüber dem Krieg in ihrer Berichterstattung reflektieren müssen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Nein. Hans Joachim Friedrichs, ein ehemaliger Tagesthemen-Moderator,<br />
hat gesagt, man solle sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht<br />
mit einer guten, deswegen ist mein Bestreben, so objektiv und umfassend<br />
wie möglich zu berichten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Hier ein Kommentar zu den Schaltungen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bettina:</b><br />
Kennen Sie die Witze von Harald Schmidt über diese sinnvollen Live-Schaltungen?<br />
Wir melden uns wieder, wenn es nichts Neues aus Köln-Deutz gibt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Können Sie darüber lachen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Das war anfangs, nicht wahr? Ich weiß nicht, ob er es jetzt<br />
noch macht. Ich habe ihn natürlich hier nicht gesehen, aber es würde<br />
mich doch interessieren, wie er den Krieg jetzt thematisiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pro: </b>Guter<br />
Journalismus zeichnet sich durch gute Kenntnis und Einordnung aus. Fühlen<br />
Sie sich wirklich nah dran? Und wenn ja, warum?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, über diesen<br />
Krieg zu berichten. Die politische Einordnung (Berlin, Washington etc.)<br />
und hier in Doha die militärische Einordnung. Ich bin hier im Hauptquartier<br />
der Alliierten. Das, was sie sagen wollen, sagen sie hier und ich kann<br />
versuchen, herauszufinden, was sie nicht sagen wollen und dann versuchen,<br />
es ihnen zu entlocken, daher ist hier doch ein guter, interessanter Ort<br />
für Berichterstattung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>STR: </b>Hat<br />
sie die Informationspolitik der Amerikaner nicht gründlich genervt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Es nervt einen Journalisten immer, wenn er nicht genug Informationen<br />
bekommt. Ich habe versucht zu ergründen, warum sie diese Informationspolitik<br />
gemacht haben, anfangs. Und ich denke, sie waren sich unsicher, wie sie<br />
mit den Journalisten umgehen sollen, wo es doch zum ersten Mal möglich<br />
ist, mit den Truppen zu gehen und direkt bei Kampfhandlungen zuzusehen.<br />
Das war auch für das Militär ungewöhnlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>barbara: </b>Gibt<br />
es Neuigkeiten zum Aufenthaltsort bzw. Lebenszeichen von Saddam?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Es gibt nur Gerüchte, angeblich ist er geflohen, versteckt<br />
sich in den Bergen. Angeblich ist er nach Syrien oder Iran. Wir wissen<br />
es nicht, die Amerikaner behaupten, es auch nicht zu wissen. Jetzt wollen<br />
sie eine DNA-Analyse der Toten in diesem Haus in Bagdad machen, das vor<br />
zwei Nächten heftig bombardiert worden ist, um herauszufinden, ob<br />
er nicht doch noch in diesem Haus war und ums Leben kam. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Harry: </b>Weiß<br />
man was über seine Söhne?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Es gibt genau die gleichen Gerüchte, wie über ihn.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Elegon: </b>Woher<br />
haben die Amis denn DNA-Proben von Hussein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Es gibt ja eine Leiche vor Ort und die wird dann mit Erkenntnissen verglichen,<br />
zum einen aus Geheimdienstkreisen, die zum Beispiel etwas von einem Arzt<br />
erfahren haben, der Saddam Hussein mal behandelt hat oder auch von einem<br />
seiner Cousins, die nach dem Golfkrieg von 1991 nach den USA geflohen<br />
waren, dort den Westen unterrichteten, plötzlich aber wieder, es<br />
ist unklar, warum genau, in den Irak zurückkehrten und prompt ermordet<br />
wurden. Erkenntnisse dieser Art. Da gibt es eine Fülle.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Clarissa:</b><br />
Glauben Sie persönlich, dass sich Hussein noch im Irak aufhält?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Er gehört nicht zu denen, die sich aufopfern. Er wird auf<br />
jeden Fall versuchen, zu entkommen, wenn man ihn lässt. Ich habe<br />
eher das Gefühl, dass er zu lange in Bagdad geblieben ist und der<br />
US-Vormarsch ihn in seiner Schnelligkeit überrascht hat. Das würde<br />
bedeuten, dass er noch in Bagdad ist, aber ich kann mich natürlich<br />
sehr täuschen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Cebo:</b><br />
Halten Sie es für wahrscheinlich, dass Saddam Hussein von Leuten<br />
aus seiner engsten Umgebung ausgeliefert wird (nachdem die Kontrollstrukturen<br />
gekippt sind)?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Auf jeden Fall. Diese Menschen hält nichts zusammen, außer<br />
die gemeinsame Lust an der Macht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>nicki@blue:<br />
</b>Wie schätzen sie die Lage der Kurden im Nordirak ein, wird<br />
es eine Splittung von der Türkei geben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Die Kurden sind in allen Konflikten des Mittleren Ostens im vergangenen<br />
Jahrhundert und bis jetzt immer die Verlierer gewesen. Meine Einschätzung<br />
ist, dass sie es auch diesmal sein werden, wenn auch nicht in der gleichen<br />
Dramatik wie 1991. Ich kann mir vorstellen, dass ihnen eine gewisse Autonomie<br />
gegeben wird, kulturell und regionalpolitisch. Innerhalb des neuen Staates<br />
Irak einen eigenen Kurdenstaat werden die Türken unbedingt vermeiden<br />
wollen, und die Türkei bleibt immer noch ein strategisch wichtiger<br />
Partner der USA.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mephisto:<br />
</b>Rechnen sie damit, dass die Amerikaner den Irak besetzt halten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Es wird sicherlich zuerst eine Militärregierung geben. Wie<br />
lange, wird von der Sicherheitslage abhängen. Wir haben hier gehört,<br />
dass schon seit 6 Monaten an einer neuen Verfassung für den Irak<br />
gearbeitet wird. Diese Verfassung wird dann in einem Referendum der irakischen<br />
Bevölkerung vorgelegt werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Esco: </b>Gibt<br />
es schon genaue Pläne wer eine Übergangsregierung stellt??</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Es gibt leider zu viele Pläne. Das Pentagon verfolgt andere,<br />
wie das US-Außenministerium.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Das wird noch ein Machtkampf werden. Ich denke, dass zur Zeit,<br />
wegen der militärischen Erfolge, das Pentagon die Nase vorne hat.<br />
Dann käme das auf den Irakischen Nationalkongress zu. Ja, wir hören<br />
das auch. Es soll vier getötete „Marines“ geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Ein anderer Sender meldet gerade ein Selbstmordattentat nahe<br />
dem Palestine-Hotel.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Nein. Das Oberkommando lässt sich immer etwas Zeit, uns solche Meldungen<br />
zu bestätigen, zu dementieren, auf jeden Fall zu erläutern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jons: </b>Wie<br />
lange werden diese Attentate weitergehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Solange es noch Menschen gibt, die verzweifelt genug sind über die<br />
amerikanische Präsenz in ihrem Land, die auch erbost genug sind,<br />
um ihr eigenes Leben zu opfern, für ein Zeichen gegen die, aus ihrer<br />
Sicht, Besatzungsmacht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lekubu: </b>Rechnen<br />
die Amis mit Selbstmordattentaten in den USA &#8211; sozusagen als letztes Aufbegehren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Damit rechnen sie seit dem 11. September 2001. Ich glaube, dass<br />
es ein erhöhtes Sicherheitsbewusstsein der USA seither gibt und dass<br />
einer der Gründe für diesen Krieg in diesem Gefühl der<br />
Verwundbarkeit liegt, ob nun ausgerechnet so ein Krieg die Situation leichter<br />
macht, wage ich zu bezweifeln.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jons:</b><br />
Haben sie persönlich in Katar etwas zu befürchten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Es gibt ein erhöhtes Anschlagsrisiko. Die Sicherheitsvorkehrungen<br />
beim Betreten des Oberkommandos sind sehr groß. Es gibt auch Al-Kaida-Sympathisanten<br />
in diesem Land, aber derzeit scheinen sie unter Kontrolle zu sein, ausschließen<br />
darf man hier aber nichts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bubi: </b>Wie<br />
ist eigentlich die Stimmung in Katar selbst &#8211; eher USA-freundlich oder<br />
feindlich?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>In der Bevölkerung gespalten. Katar ist seit Jahren amerikafreundlich.<br />
Die Erdgasproduktion des Landes geht vornehmlich in die USA, aber kulturell<br />
haben sie große Vorbehalte. Die Regierung versucht eine Gratwanderung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>danman224:</b><br />
Wo sind denn eigentlich die ganzen chemischen Waffen hin &#8211; hat Hussein<br />
die mitgenommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Wir fragen das hier jeden Tag, bei jedem Briefing und ein englischer<br />
Journalist fragte vorgestern spitz, ob wir denn davon ausgehen könnten,<br />
dass dieser Krieg der erste sei, den man ohne jeden Grund geführt<br />
habe. Dazu heißt es hier immer nur lapidar, dass man zuversichtlich<br />
sei, diese Waffen noch zu finden. Ich persönlich glaube, dass der<br />
Irak das Potenzial hatte, Massenvernichtungswaffen herzustellen, dass<br />
er aber gerade keine großen Vorräte hatte. Ich lasse mich überraschen,<br />
wenn es anders wäre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lekubu: </b>Es<br />
hieß doch immer, die Iraker könnten Massenvernichtungswaffen<br />
(Chemie&#8230;) einsetzen, wenn Sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Lagern<br />
sie die Waffen womöglich in Tikrit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Möglich ist es. Tikrit ist seine Heimatstadt und es hatte<br />
immer geheißen, dass er Tikrit besonders erbittert verteidigen wird.<br />
Es hatte aber auch geheißen, dass er Bagdad erbittert verteidigen<br />
wird und da drängt sich doch die Frage auf, ob er dazu überhaupt<br />
in der Lage war. Und ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Themenwechsel: 2 Fragen &#8211; gleiche Richtung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MoonlightLord:<br />
</b>Glauben Sie, dass der Anschlag auf das Journalisten-Hotel in<br />
Bagdad von den Amerikanern eine einschüchternde Wirkung haben sollte?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Laif: </b>Halten<br />
sie die Ermordung der Journalisten durch die USA Armee für ein Kriegsverbrechen,<br />
wie es auf der Seite Reporter-ohne-Grenzen gemutmaßt wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Ich glaube eher an eine Entscheidung eines örtlichen US-Kommandeurs<br />
auf Platoon-Ebene, der sich durch irgendetwas bedroht fühlte, was<br />
aus der Richtung des Hotels kam. Es heißt zum Beispiel, dass er<br />
das Objektiv eines Fotografen, das Teleobjektiv, für eine Waffe gehalten<br />
haben mag und deswegen die schnelle Fehlentscheidung traf, zu schießen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Kurze Nachfrage: was ist eine Platoon-Ebene?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Zwanzig, dreißig Mann, drei, vier Panzer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Danke.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Esco: </b>Der<br />
Finger sitzt locker am Abzug? Sind die Soldaten sehr nervös?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Die Soldaten sind für den Straßenkampf nicht ausgebildet,<br />
nicht gut genug jedenfalls, vor allem die Amerikaner, die Briten mit ihrer<br />
Nordirland-Erfahrung sind da erfahrener, und deswegen stelle ich mir die<br />
Soldaten zum Teil sehr nervös vor. Es sind ja zum großen Teil<br />
Jungs von 20 bis 25 Jahren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>War der Beschuss des Hotels ein Kriegsverbrechen? Der Teil der<br />
Frage ist noch offen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Wenn er absichtlich war, war er eines, jedenfalls wenn man nachweisen<br />
kann, dass es eindeutig keine Bedrohung aus Richtung des Hotels gegeben<br />
hat. Das wird aber kaum zu machen sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pro: </b>Herr<br />
Klug, glauben Sie das wirklich? Immerhin hieß es einmal, aus der<br />
Lobby wurde geschossen, dann vom Dach, tatsächlich schoss der Panzer<br />
aber in den 15. Stock. Schießen die Amis mit ihren Hightech-Waffen<br />
so schlecht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Das mit der Lobby war nur eine Version. Die kam von General Brooks<br />
hier in Doha, der aber gleich darauf zurückruderte. Die Linse eines<br />
Fotografen auf dem Dach des Hotels ist eine andere Version. Ich entschuldige<br />
den Beschuss damit keineswegs und eine Präzisionswaffe ist, glaube<br />
ich, nicht eingesetzt worden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lasse: </b>Werden<br />
Kriegsverbrechen in diesem Krieg aufgeklärt und geahndet werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Zum Teil. Ich bin da eher sehr skeptisch. Die Amerikaner erkennen<br />
den internationalen Strafgerichtshof ja nicht an. Iraker werden sicherlich<br />
vor Gericht gestellt werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lekubu: </b>Entscheidender<br />
ist doch die Frage nach dem Beschuss der arabischen Fernsehsender! Wie<br />
denken Sie darüber?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Wir waren zum Zeitpunkt des Beschusses gerade im Sender Al Dschasira<br />
für das ARD-Morgenmagazin. Wir haben das eins zu eins mitbekommen<br />
und es war sehr nahegehend. Al DSchasira vermutet, dass Absicht zumindest<br />
nicht auszuschließen ist. Sie klagen aber offiziell nicht an, sie<br />
sind auch vorsichtig, gegenüber den USA. Wir dürfen auch nicht<br />
ausschließen, dass ein einzelner Pilot einen Fehler, oder einen<br />
absichtlichen Beschuss gemacht bzw. verursacht hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Esco: </b>Werden<br />
sie von amerikanischen Offizieren unter Druck gesetzt, gewisse Bilder<br />
nicht zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Hier nicht. Die so genannten &quot;eingebetteten Journalisten&quot; bekommen<br />
Verhaltensregeln, sie beziehen sich darauf, die Positionen der US-Truppen<br />
im Kampfgebiet nicht sichtbar zu machen, dass Journalisten daran gehindert<br />
wurden, inhaltlich kritisch zu berichten, ist mir nicht bekannt. Aber<br />
die meisten &quot;Eingebetteten&quot; sind Amerikaner oder Briten. Übermäßig<br />
Kritisches habe ich von denen nicht gehört, aber ich komme auch nicht<br />
dazu, allzu viel fernzusehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Vorletzte Frage &#8211; leider &#8211; aber die Zeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JanUllrich:<br />
</b>Wie schätzen Sie die Auswirkungen auf die umliegenden Regionen<br />
wie Ägypten etc., wo es ja harte Demonstrationen gegen den Krieg<br />
gab, ein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Es wird zu schweren Zeiten im Nahen und Mittleren Osten kommen.<br />
Ich teile die Einschätzung nicht, dass dieser Krieg die Region ruhiger<br />
machen wird. Er wird sie noch unruhiger machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MoonlightLord:<br />
</b>Halten Sie es für wahrscheinlich, dass die Amerikaner, wenn<br />
sie denn schon mal da sind, sich gleich auch noch um Syrien und den Iran<br />
&quot;kümmern&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Neokonservative Kreise fordern dies schon lange. Ich hoffe, dass<br />
realpolitische Erwägungen jetzt erst einmal überwiegen und dass<br />
man nicht glaubt, Krieg könne ab jetzt zum Mittel der Tagespolitik<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Abschließende Frage: Wie ist der Kontakt und das Verhältnis<br />
zu anderen Kolleginnen und Kollegen? Und wie lang müssen sie heute<br />
noch arbeiten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:<br />
</b>Zum ersten: exzellent, das ist in solchen Fällen aber auch<br />
üblich, wenn viele Journalisten zusammen einem wenig auskunftsfreudigen<br />
&quot;Gegner&quot; gegenüberstehen und ich denke, dass ich heute<br />
bis 10 Uhr deutscher Zeit arbeite, aber man weiß ja nie, was passiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Hier ein Kommentar, dem wir uns alle gerne anschließen,<br />
Herr Klug:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Esco: </b>Vielen<br />
Dank für ihre Zeit, die Sie uns zur Verfügung gestellt haben<br />
und passen sie auf sich auf!!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Richard Klug:</b><br />
Danke. Und danke für die rundum guten Fragen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei.<br />
Herzlichen Dank, Herr Klug, dass Sie mit uns gechattet haben und vielen<br />
Dank an alle UserInnen für Ihr Verständnis und Ihr Interesse.<br />
Viele Fragen blieben leider unbeantwortet. Noch ein Terminhinweis: Am<br />
Montag, 28. April 2003, ist Shimon Stein, israelischer Botschafter in<br />
Deutschland, von 17.30 bis 18.30 Uhr Gast im tacheles.02 Live-Chat.. Wir<br />
würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei sind. Die Transkripte aller<br />
tacheles.02-Chats finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.<br />
Danke für die sehr spannenden Antworten!</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotich_persoenlich_glaube_dass_der_irak_das_potenzial_hatte_massenvernichtungswaffen_herzustellen_da-308/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Einen EU-Außenminister halte ich für erforderlich &#8211; allerdings darf er nicht im luftleeren Raum schweben&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quoteinen_euaussenminister_halte_ich_fuer_erforderlich_allerdings_darf_er_nicht_im_luftleeren_raum_sch-309/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Apr 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Hoyer]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinte Nationen]]></category>
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		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quoteinen_euaussenminister_halte_ich_fuer_erforderlich_allerdings_darf_er_nicht_im_luftleeren_raum_sch-309/</guid>

					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><a href="http://www.ifsh.de/mitarbeiter/showProfile.php?sUserName=johannsen" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/whoyer.jpg" alt="Margret Johannsen" align="left" border="0" height="106" width="70" /></a>Werner 
Hoyer</b><b>, FDP-Fraktionsvize und außenpolitischer Sprecher, 
</b><b>war am 8. April 2003zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><a href="http://www.ifsh.de/mitarbeiter/showProfile.php?sUserName=johannsen" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/whoyer.jpg" alt="Margret Johannsen" align="left" border="0" height="106" width="70" /></a>Werner<br />
Hoyer</b><b>, FDP-Fraktionsvize und außenpolitischer Sprecher,<br />
</b><b>war am 8. April 2003zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></span><!--break--></p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator:</b> Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter<br />
Herr Hoyer! Herzlich willkommen im tacheles.02 Live-Chat. Unser heutiger<br />
Gast in Berlin ist der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende und Außenexperte<br />
seiner Partei. Herr Hoyer, sind Sie bereit für sechzig Minuten Diskussion<br />
mit unseren Nutzern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Na klar, dafür bin ich ja hier.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Herr Hoyer, der Irak-Krieg dauert leider noch immer an, dennoch<br />
wird schon über die Nachkriegszeit debattiert. Ihr Parteichef hat<br />
gestern gesagt, Deutschland habe eine „mitmenschliche Verpflichtung<br />
zum Wiederaufbau.“ Sollten die Gelder nicht unter dem Dach der UN<br />
zu Stande kommen, müsse es sie trotzdem geben. Das hätte auch<br />
„Signalwirkung“ in Richtung arabische Welt. So wichtig Hilfe<br />
ist, schwächt das nicht schon wieder die Position der UN?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Uns wäre es natürlich am liebsten, die Vereinten Nationen<br />
(VN) würden das in die Hand nehmen. Darauf müssen wir auch gemeinsam<br />
als Europäer drängen. Allerdings können die Opfer im Irak<br />
sicherlich nicht so lange warten, bis sich der europäische Hühnerhaufen,<br />
die Vereinigten Staaten und der Rest der Welt über Zuständigkeitsfragen<br />
geeinigt haben. Zumindest die humanitäre Hilfe muss sofort anlaufen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Benno: </b>Ist<br />
der Sicherheitsrat der VN überhaupt die geeignete Institution, um<br />
internationale Konflikte zu lösen? Sollte sich die UNO nicht besser<br />
auf humanitäre Maßnahmen beschränken?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ich finde, er allein ist legitimiert in Konfliktsituationen,<br />
die anderweitig nicht lösbar sind, gegebenenfalls auch die Anwendung<br />
von Gewalt zu ermöglichen. Das er im humanitären Bereich hilfreich<br />
sein kann, steht außer Frage. Allerdings unterhält die UN hierfür<br />
spezielle Unterorganisationen, die das alles viel besser umsetzen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Benjamin:</b><br />
Ist es sinnvoll, wenn Europa seine gemeinsame Verteidigungs- und Sicherheitspolitik<br />
ausweitet? Oder ist dies eine unnötige Doppelung der NATO-Strukturen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Doppelungen sind auf jeden Fall unnötig und müssen deshalb vermieden<br />
werden. Dennoch bedarf Europa, wie wir jetzt gerade schmerzhaft feststellen,<br />
dringend einer wirklichen gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik,<br />
die dann auch Verteidigungsfragen einschließt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>grafer: </b>Zum<br />
Wiederaufbau: Die FDP sagt, dass Deutschland seine Verpflichtungen einzuhalten<br />
hat. Welche, wem gegenüber und will die Bundesregierung das nicht<br />
auch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>An der humanitären Verpflichtung kann sicherlich kein Zweifel<br />
bestehen. Bei dem Aufbau rechtsstaatlicher und demokratischer Strukturen<br />
geht es nicht zuletzt darum, die Lage des Irak und der Region zu stabilisieren;<br />
das ist in unserem eigenen Interesse.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>möölle:<br />
</b>Herr Hoyer, Sie sagen, dass die Möglichkeiten der nicht<br />
militärischen Konfliktlösungen noch nicht voll ausgeschöpft<br />
waren. Gibt der Kriegsverlauf den USA denn nicht in allen Punkt Recht?<br />
Chemiewaffen wurden gefunden und ein relativ einfacher militärischer<br />
Sieg, der Saddam entmachtet. Hat Bush Recht behalten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ich würde mich ja sehr freuen, wenn ich mich geirrt hätte. Gegenwärtig<br />
ist es aber viel zu früh, um eine Bilanz zu ziehen. Dafür ist<br />
die Informationslage trotz tausender Kriegsberichterstatter viel zu unübersichtlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marie: </b>Im<br />
bisherigen Kriegsverlauf konnten noch keine Massenvernichtungswaffen gefundnen<br />
werden. Macht das Fehlen dieser Massenvernichtungswaffen den Krieg nicht<br />
hinfällig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ich habe bisher keinen Zweifel daran gehabt, dass wir von der Existenz<br />
von Massenvernichtungswaffen ausgehen müssen. Ich fürchte, das<br />
wird sich auch bestätigen. Ich hoffe allerdings vor allem, dass Saddam<br />
Hussein sie vor seinem endgültigen Sturz nicht einsetzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>genschman:<br />
FDP: </b>&quot;Die Vereinten Nationen müssen gestärkt werden.<br />
Sie sind der Ort für internationale Konfliktlösungen.&quot;<br />
Was sagen sie der &quot;war princess Rice&quot; oder Herrn Rumsfeld?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ich fürchte, unsere amerikanischen Freunde werden noch schmerzlich<br />
feststellen müssen, dass sie die Probleme dieser Welt bei noch so<br />
guter Absicht nicht alleine werden lösen können. Sie werden<br />
erstens Freunde und zweitens eine stabile Rechtsordnung in der Welt brauchen.<br />
Auch die USA brauchen die Vereinten Nationen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>uli55:</b><br />
Kann der Irak als US-Protektorat zur Demokratie geführt werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ich kann mir nicht vorstellen, dass Protektoratslösungen<br />
durch die Siegermächte zur Befriedung und zur Stabilität beitragen.<br />
Wenn schon, dann muss die UNO den Rahmen setzen. Allerdings halte ich<br />
es für naiv, davon auszugehen, eine militärische Präsenz<br />
der USA wäre kurzfristig verzichtbar.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>drts: </b>Hat<br />
die USA denn nicht Recht, einen Regimewechsel im Irak herbeizuführen,<br />
anstatt einen Diktator zu unterstützen? Das haben ich von Ihnen nicht<br />
gelesen, dass sie Saddam stürzen wollen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Saddam Hussein ist der letzte, dem ich eine Träne nachweinen werde.<br />
Allerdings berufen sich die Vereinigten Staaten auf eine Fülle von<br />
UN-Resolutionen, in denen von Entwaffnung und nicht von &quot;regime change&quot;<br />
gesprochen wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>solaris:</b><br />
Aber brauchen die USA die UN, dass ist doch die Frage? Die USA haben ein<br />
Veto, wir nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ich bin wie gesagt davon überzeugt, dass auch die einzig verbliebene<br />
Weltmacht eine stabile Rechtsordnung in der Welt braucht. Da ist die UNO<br />
alternativlos, allerdings halte ich die UNO auch für dringend reformbedürftig.<br />
Gegenwärtig bildet die UNO die Situation der Welt im Jahre 1945 ab,<br />
nicht die im Jahr 2003. Das gilt vor allem für den Weltsicherheitsrat<br />
mit seinen fünf ständigen Mitgliedern einschließlich ihres<br />
Veto-Rechts. Das beinhaltet übrigens nicht nur enorme Rechte, sondern<br />
auch sehr, sehr große Verantwortung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Gramse:<br />
</b>Lässt sich die UNO denn wirklich reformieren? Ich halte<br />
dies für ein Unterfangen, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt zum<br />
Scheitern verurteilt ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>fdp_geldwaescher:<br />
</b>Wollen sie das Vetorecht abschaffen lassen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Leider ist ihre Skepsis nicht ganz unbegründet. Die 50-Jahr-Feier<br />
der Vereinten Nationen ist leider nicht genutzt worden, die beachtlichen<br />
Reformanstrengungen auf den Punkt zu bringen. Mitten in der Krise wird<br />
man jetzt bei diesem Prozess sicher nicht vorankommen, aber eine solche<br />
Krise kann auch wie ein Katalysator wirken. Was bei diesem Reformprozess<br />
aus dem Veto-Recht wird, kann keiner vorhersagen. Natürlich sehe<br />
ich überhaupt nicht ein, dass z. B. die europäische Union kein<br />
Veto-Recht haben soll, andere hingegen schon. Aber schon bei unseren Freunden<br />
in Paris und London werden wir auf Granit beißen, wenn wir von vornherein<br />
nicht nur die Reform und z.B. den EU-Sitz verlangen, sondern auch noch<br />
die Abschaffung des Veto-Rechts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Gramse:</b><br />
Für die Verwirklichung eines europäischen Vetorechts bräuchte<br />
man erst einmal eine gemeinsame politische Haltung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Genau.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>drts: </b>Sie<br />
sollen ja auch nichts voraussagen, aber ihre Meinung zur UN Reform steht<br />
noch aus, wie die politisch umsetzbar ist und wie die FDP die Bundesregierung<br />
unterstützen bzw. herausfordern will?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Der Weltsicherheitsrat braucht ganz sicher eine neue Zusammensetzung.<br />
Dabei muss eine immer stärker integrierte und demnächst mit<br />
einer Verfassung ausgestattete Europäische Union vertreten sein &#8211;<br />
übrigens ebenso wie Vertreter der Dritten Welt, die gegenwärtig<br />
in der Generalversammlung eine sehr starke, im Weltsicherheitsrat aber<br />
eine nur marginale Rolle spielen. Was die Bundesregierung angeht, wäre<br />
ich ja schon froh, wenn sie den UN-Reformprozess aktiver betreiben würde<br />
und die UN &#8211; wie auch die EU &#8211; durch völlig unnötige Vorfestlegungen<br />
nicht immer wieder lähmte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Noch mehr Fragen zur Politik der deutschen Regierung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pax christi:<br />
</b>Es sei die eigentliche Aufgabe der deutschen Politik, die Stärkung<br />
Europas in den Vereinten Nationen voranzubringen, sagen Sie. Macht Fischer<br />
das nicht ausreichend?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Nein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Warum?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Deshalb nicht, weil die Haltung der Bundesregierung, die sie im letzten<br />
Herbst aus wahltaktischen Gründen angenommen hat, zu der unsäglichen<br />
Spaltung der EU-Mitgliedsstaaten kräftig beigetragen hat. Das ist<br />
übrigens neben den beklagenswerten Opfern des Krieges der vielleicht<br />
größte Schaden, der hier angerichtet worden ist. Der europäische<br />
Integrationsprozess wird zurückgeworfen &#8211; es sei denn, meine Hoffnung<br />
auf den Katalysatoreffekt gälte auch hier.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>blogger: </b>Aber<br />
die FDP glänzt ja nun wirklich nicht mit klaren Aussagen zur deutschen<br />
Außenpolitik? Sie haben da kaum Profil. Sie sind halb SPD/Grün,<br />
aber nicht wie Merkel klar dagegen. Mir fehlt da eine klare Linie liberaler<br />
Außenpolitik a la Genscher?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Wir sind da in der klaren Kontinuität der Genscherschen<br />
Politik. Die nimmt allerdings für sich auch in Anspruch, dass schwierige<br />
Fragen nicht immer mit simplen, erst recht nicht mit populistischen Antworten<br />
zu lösen sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Fabian Wendenburg:<br />
</b>Lieber Herr Hoyer! Glauben Sie, dass eine Verbesserung des Verhältnisses<br />
zwischen den USA und Deutschland überhaupt möglich ist, solange<br />
bei uns die Schröder-Regierung und in Washington die Bush-Administration<br />
an der Macht ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ein guter Freund in New York hat mir neulich gemailt: „It takes<br />
regime change, both in Washington and Berlin.“ Damit meine ich natürlich<br />
nicht die Mittel und will mich auch nicht in die amerikanische Innenpolitik<br />
einmischen. Ich fände, es wäre schon mal ein guter Anfang, wenn<br />
dies so bald wie möglich in Berlin beginnen würde.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>friedemann:<br />
</b>Aber Genscher wäre doch eher Merkel Kurs, d.h. Solidarität<br />
mit den USA wie zu Zeiten des Kalten Krieges? Haben sie die neuen Zeichen<br />
der Zeit nicht erkannt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Doch, aber Sie missverstehen offenbar Genschers Außenpolitik.<br />
Denken Sie z.B. an das Thema der Stationierung nuklearer Kurzstreckenraketen<br />
Ende der achtziger Jahre. Da gab es fundamentale Meinungsverschiedenheiten<br />
zwischen Washington und Bonn. Genscher hat da immer die deutschen Interessen<br />
klar gegenüber den USA vertreten, aber der vertrauensvolle Dialog<br />
ist nie abgerissen. Der Ton macht eben die Musik, und das haben Schröder,<br />
Fischer und Däubler-Gmelin außer Acht gelassen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>freiesocke:<br />
</b>Genscher und Kinkel waren doch gegenüber den USA auf &quot;Schmusekurs&quot;,<br />
das waren doch ganz andere Zeiten. Die Weltpolitik hat sich verändert.<br />
Wo ist das neue Konzept der Liberalen zu erkennen? Gerhardtsche und Hoyersche<br />
Konzepte fehlen!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ich schicke Ihnen das gestern vom Bundesvorstand der FDP auf<br />
meinen Vorschlag hin beschlossene Positionspapier gerne zu. Mailanfrage<br />
bitte an http://www.werner.hoyer@bundestag.de.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Können Sie uns Kernpunkte trotz Post- bzw.- Mailsendung<br />
nennen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Lieber per E-Mail, wir sind eine arme Partei. Aber im Ernst:<br />
Deutschland muss aufhören, in den Kategorien alter Machtpolitik zu<br />
denken und handeln zu wollen &#8211; das ist angesichts durchaus bescheidener<br />
Machtmittel auch eher lächerlich. Deutschland muss seine Außenpolitik<br />
immer konsequent einbetten in die europäischen Strukturen, in die<br />
nordatlantische Sicherheitsgemeinschaft und in die Systeme kooperativer<br />
Sicherheit, also OSZE auf europäischer und UNO auf globaler Ebene.<br />
Der &quot;deutsche Weg&quot; führt in die Irre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Gramse:<br />
</b>Was sollte sich an der Regierungspolitik Ihrer Meinung nach ändern,<br />
damit ein politisches Gewicht entsteht, so dass man die USA zügeln<br />
kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Das geht nur über eine gemeinschaftliche europäische<br />
Anstrengung. Wir sollten doch nicht glauben, dass Europa in Washington<br />
kein Gewicht und keinen Einfluss hätte. Nur darf Europa sich dabei<br />
nicht selber auseinander dividieren. Frankreich und Deutschland dürfen<br />
nicht glauben, wenn sie einer Meinung sind, wäre das schon die europäische<br />
Position.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Was sagen Sie dazu, dass Schröder und Fischer nun Anstrengungen in<br />
eine europäische Verteidigungsunion legen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Tun sie das? Ich fürchte, die Anstrengungen zu einer Verteidigungsunion<br />
ausgerechnet mit Belgien, Frankreich und Luxemburg könnten eher die<br />
europäische Spaltung vertiefen. Wenn das aber ein Konzept ist, das<br />
ein ernstes Angebot an alle gegenwärtigen und zukünftigen EU-Mitglieder<br />
ist, kann ich mir das gut vorstellen. Ich bin davon überzeugt, dass<br />
man eines Tages nicht nur von besserer Rüstungszusammenarbeit, sondern<br />
auch von integrierten Streitkräften und von Arbeitsteilung zwischen<br />
Teilstreitkräften und Waffengattungen der einzelnen EU-Länder<br />
reden wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>genschman:<br />
</b>Und wenn Polen und Blair einer Meinung sind, ist das EU-ropäischer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Ganz sicher nicht, Genschman, aber der unerfreuliche Brief von acht alten<br />
und neuen EU-Staaten war natürlich nicht zuletzt eine Reaktion auf<br />
das unsensible Verhalten von Paris und Berlin.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rababer: </b>Soll<br />
es einen EU-Außenminister geben? Ist das ein Ziel der neuen EU-Verfassung,<br />
die im EU-Konvent beschlossen werden sollte?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ja, das halte ich für erforderlich &#8211; allerdings darf er<br />
nicht im luftleeren Raum schweben, sondern muss sowohl in der Kommission<br />
als auch im Rat Gewicht haben. Außerdem fällt mir auf, dass<br />
kein Mensch über den erforderlichen europäischen Auswärtigen<br />
Dienst spricht. Ein Außenminister ist doch keine Solo-Nummer. Fischer<br />
wird von 8500 Mitarbeitern unterstützt &#8211; weltweit. Das kann die Bürokratie<br />
der Kommission niemals leisten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pax christi:<br />
</b>Mittlerweile wurden militärische Entscheidungsstrukturen<br />
etabliert und kostenintensive Rüstungsprogramme vereinbart. Zivilmacht<br />
Europa ade?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Natürlich sträubt sich in mir alles, Europa nicht als Zivilmacht<br />
zu sehen. Aber ich bin auch ein überzeugter Anhänger der wehrhaften<br />
Demokratie. Deshalb stehe ich zur Notwendigkeit leistungsfähiger<br />
und demokratisch kontrollierter Streitkräfte. Die Leistungsfähigkeit<br />
zu steigern, muss Ziel der Zusammenarbeit in Europa sein. Sonst verplempern<br />
wir zuviel Geld.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rolfer: </b>Hat<br />
Verteidigungsminister Struck Recht, wenn er sich zum Wiederaufbau zurückhaltend<br />
äußert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ich kann ja verstehen, dass Peter Struck nicht laut &quot;hier&quot;<br />
schreit, wenn Geldgeber gesucht werden. Ich fürchte, man wird schon<br />
früh genug darauf kommen, auch Deutschland zur Kasse zu bitten. Andererseits<br />
halte ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt manche Detaildiskussionen darüber,<br />
wer was an welchem Ort wie und mit welchem Geld finanziert und aufbaut,<br />
für ein bisschen verfrüht. Klar ist, dass Deutschland sich nicht<br />
wird verweigern können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>h.graeser:<br />
</b>Welche Rolle spielt in den nächsten Jahrzehnten ein überaltertes<br />
Deutschland politisch sowie wirtschaftlich innerhalb der EU und weltweit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Deutschlands Rolle wird politisch stärker sein, wenn es<br />
wirtschaftlich gesundet. Und das heißt, wir müssen unsere Sklerosen<br />
endlich durch mutige Reformpolitik überwinden. Politisch werden wir<br />
innerhalb Europas und der Welt um so mehr bewegen können, je mehr<br />
wir uns in die europäische Union und in die globalen multilateralen<br />
Strukturen einbetten, vor allem in UNO und WTO. Der deutsche Weg muss<br />
immer der europäische Weg sein, alles andere führt in die weltpolitische<br />
und weltwirtschaftliche Irrelevanz Deutschlands.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>freiesocke:<br />
</b>Deutschland ist doch pleite. Wie soll Herr Eichel denn den Wiederaufbau<br />
finanzieren? Aus der Fluthilfe zur Irakhilfe?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:<br />
</b>Ich habe eben bewusst darauf hingewiesen, dass man einen wesentlichen<br />
politischen Einfluss nur zur Geltung bringt, wenn man auch wirtschaftlich<br />
leistungsfähig ist. Die zusätzlichen Belastungen, die jetzt<br />
auch noch auf uns zukommen können, machen die Überwindung der<br />
strukturellen Schwächen der deutschen Wirtschaft noch wichtiger.<br />
Nur wenn der Wirtschaftsmotor wieder anspringt, klingelt es bei Hans Eichel<br />
auch wieder in der Kasse.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei.<br />
Herzlichen Dank, Herr Hoyer, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen<br />
sind und vielen Dank an alle UserInnen für Ihr Interesse. Viele Fragen<br />
blieben leider unbeantwortet. Noch ein Terminhinweis: Am Donnerstag, 10.<br />
April, ist der ARD-Korrespondent Richard Klug im Chat, der live aus Katar<br />
Ihre Fragen beantworten wird. Im Anschluss an die Tagesschau um 17:15<br />
Uhr steht er für den Chat zur Verfügung. Wir würden uns<br />
freuen, wenn Sie wieder dabei sind. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats<br />
finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Werner Hoyer:</b><br />
Herzlichen Dank, hat Spaß gemacht.</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quoteinen_euaussenminister_halte_ich_fuer_erforderlich_allerdings_darf_er_nicht_im_luftleeren_raum_sch-309/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Um die Amerikaner beeinflussen zu können, müssen wir uns auf die amerikanische innenpolitische Debatte einlasse</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotum_die_amerikaner_beeinflussen_zu_koennen_muessen_wir_uns_auf_die_amerikanische_innenpolitische_de-313/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotum_die_amerikaner_beeinflussen_zu_koennen_muessen_wir_uns_auf_die_amerikanische_innenpolitische_de-313/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Mar 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinte Nationen]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Philipp Müller]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/pmueller.jpg" alt="Philipp Müller" align="left" height="96" width="70" /></b><a href="http://www.swp-berlin.org/mitarb/mlp.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><b>Dr. 
Philipp Müller</b></a><b>, leitender Koordinator des transatlantischen 
<a href="http://www.cpogg.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netzwerks</a> Critical 
Perspectives on Global Governance</b>,<b> war am 27. März 2003 
</b><b>zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/pmueller.jpg" alt="Philipp Müller" align="left" height="96" width="70" /></b><a href="http://www.swp-berlin.org/mitarb/mlp.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><b>Dr.<br />
Philipp Müller</b></a><b>, leitender Koordinator des transatlantischen<br />
<a href="http://www.cpogg.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netzwerks</a> Critical<br />
Perspectives on Global Governance</b>,<b> war am 27. März 2003<br />
</b><b>zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02 wird veranstaltet<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von<br />
tagesspiegel.de. Heute ist Dr. Philipp Müller ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen. Er ist leitender Koordinator des transatlantischen Netzwerks<br />
Critical Perspectives on Global Governance. Wir haben eine Stunde Zeit,<br />
kann es losgehen Herr Müller?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Herr Müller,<br />
stellen Sie uns doch mal kurz das Netzwerk (http://www.cpogg.org) vor.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Das Forschungsnetzwerk CPOGG oder &quot;Critical<br />
Perspectives on Global Perspectives&quot; ist ein Projekt der Brookings<br />
Institution und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.<br />
Wir beschäftigen uns mit Global Governance Fragen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea:</b><br />
Welche wahren Beweggründe haben die Amerikaner zur Militäraktion<br />
gegen den Irak bewogen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller:</b> Eins kann man ausschließen. Es ging nicht<br />
hauptsächlich ums Öl.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Welche weiteren Gründe gibt es denn?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Es gibt verschiedene Erklärungsansätze.<br />
Es gibt in der Bush-Administration eine Gruppe von Außenpolitikern,<br />
die seit Mitte der neunziger Jahre einen &quot;Regime-Wechsel&quot; im<br />
Irak befürwortet. Diese haben die Gunst der Stunde nach dem 11. September<br />
genutzt, um dafür zu plädieren. Eine interessante Website dieser<br />
Gruppe ist: www.newamericancentury.org</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wie wird in der US-Bevölkerung der Vorwurf aufgenommen,<br />
es gehe bei dem Krieg nur ums Öl? Oder anders gefragt: Was glauben<br />
die Amerikaner, ist der wirkliche Grund, den Irak anzugreifen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Die amerikanische Bevölkerung ist ähnlich<br />
verwirrt, wie die deutsche. Mit dem Unterschied, dass sie sich mit Kriegsbeginn<br />
hinter ihren Präsidenten stellen. Das nennt man &quot;rallye around<br />
the president&quot; oder &quot;rallye around the flag&quot;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>ein Kommentar von:<br />
l<b>ogoset: </b>Mit der Fahne werden erst die Gehirne verhüllt<br />
und dann die Särge der Gefallenen!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wie ist das Phänomen zu erklären, dass alle kritischen<br />
Stimmen verstummen, sobald die ersten Soldaten den Krieg ziehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Ich würde sagen, mit dem amerikanischen Patriotismus.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tollkühner<br />
Schleim: </b>Was braucht es, damit in der öffentlichen Meinung<br />
der USA die Stimmung umschlägt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Die Stimmung ist schon jetzt &quot;wackeliger&quot;<br />
als es in manchen Medien den Anschein hat. Wenn sich der Krieg lange hinzieht,<br />
viele amerikanische Soldaten fallen, irakische Zivilisten betroffen sind,<br />
kann die Stimmung relativ schnell umschlagen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator: </b>ein weiterer Kommentar:<br />
<b>Ute:</b> Darf ich dem Moderator eine Antwort geben als in<br />
Amerika lebende Deutsche? Für die Amerikaner in meiner Umgebung ist<br />
es tatsächlich außer Frage, dass man den Irak entwaffnen will,<br />
weil es offenbar Beweise für Massenvernichtungswaffen und chemische<br />
Waffen gibt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Ich denke, dass sie das glauben, aber nicht 100%<br />
überzeugt sind, dass der Irak das größte Problem für<br />
die USA ist. Die neuesten Umfragen zu dem Thema gibt es bei www.gallup.com.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>alex: </b>Welchen<br />
Einfluss hat Ihrer Meinung nach George Bush auf das Geschehen oder ist<br />
er nur die Marionette von Cheney, Rumsfeld, Rice&#8230;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller:</b> Die Präsidentschaft G.W. Bush versteht man<br />
am besten mit dem CEO- Modell: Der CEO oder Chief Executive Officer einer<br />
amerikanischen Firma trifft strategische Entscheidungen überlässt<br />
die Implementierung aber seinen Untergebenen. Im Fall der Bush Administration<br />
ist das so: Bush lässt seine Berater diskutieren, Vorschläge<br />
machen und entscheidet dann. Nachzulesen im Buch &quot;Bush at War&quot;<br />
von Bob Woodward.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>War das bei Bill Clinton auch so?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller:</b> Nein, da war das anders. Clinton war ein sogenannter<br />
&quot;policy wonk&quot;. D.h. er saß bis tief in die Nacht mit seinen<br />
Beratern zusammen und kaute die Themen durch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ralf Leiteritz:<br />
</b>Warum ist Colin Powell plötzlich die Fronten zu den &#8216;Falken&#8217;<br />
gewechselt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Ich denke, die Geschichte mit der Enttäuschung<br />
über das Verhalten der Franzosen in der UNO hat einen gewissen Wahrheitsgehalt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Welchen Einfluss hat Powell denn noch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Das ist im Moment nicht ganz klar. Der Einfluss<br />
von Powell ist aber in Krisen-Situationen immer am größten<br />
und man kann davon ausgehen, dass nach dem Irak-Krieg, wenn es notwendig<br />
wird, eine Koalition für den Wiederaufbau zusammenzustellen, Powell<br />
wieder eine exponiertere Rolle spielen wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ringmaster:</b><br />
Wie viel und wo haben denn die ganzen Geldgeber der amerikanischen Parteien<br />
Einfluss auf deren Politik?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Das kann so allgemein nicht beantwortet werden.<br />
Das amerikanische politische System zeichnet sich dadurch aus, dass man<br />
durch Stimmen und auch Geld Einfluss nehmen kann und das machen NGO&#8217;s<br />
wie Greenpeace und die Nuclear Threat Reduction Campaign genauso, wie<br />
die Öl-Lobby&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Nachfrage zu Powell und dem Verhalten der Franzosen im Sicherheitsrat:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>eu-friend:<br />
</b>Ich nehme bezug auf das Statement von gerade: Ich würde<br />
dann doch gerne diesen &quot;Wahrheitsgehalt&quot; erfahren und das nicht<br />
nur als plakative Behauptung im Raum stehen lassen!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Powell hat mit viel Einsatz versucht Bush davon<br />
zu überzeugen, zur UNO zu gehen und geht davon aus, dass die Resolution<br />
1441 den Amerikanern tatsächlich das Recht gibt, im Irak zu intervenieren.<br />
Er war dann enttäuscht (wobei man das auch als politisches Manöver<br />
bezeichnen kann).</p>
<p><b>Moderator: </b>noch mal ein Kommentar:<br />
<b>Ute: </b>Ich glaube, Powell hat nicht wirklich einen Einfluss.<br />
Er erscheint mir eher wie ein Anhänger, der nur die Wahl sah, sich<br />
entweder ganz zurückzuziehen oder sich Bush anzuhängen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Bernd24: </b>Wie<br />
wichtig sind bei Bushs Entscheidungen Ihrer Meinung nach &#8216;fundamentalchristliche&#8217;<br />
Motive? Fühlt er sich tatsächlich als Kreuzritter?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Die Frage kann man auf verschiedenen Ebenen beantworten:<br />
<br />
(a) Der Begriff &quot;Crusade&quot; oder Kreuzzug ist ihm tatsächlich<br />
nur &quot;rausgerutscht&quot;. Das sollte man nicht so hoch hängen.<br />
(b) Bush hatte eine persönliche &quot;Wiedergeburtserfahrung&quot;,<br />
d.h. wenn er das Wort Gott in den Mund nimmt, meint er das Ernst&#8230;<br />
(c) Es gibt in den USA eine sehr große Gruppe von &quot;evangelical<br />
Christians&quot;, die die Bibel wörtlich nehmen und danach Außenpolitik<br />
gestaltet sehen wollen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Berti: </b>Konkret:<br />
welchen Einfluss haben die konservativen Think Tanks auf die Bush-Administration?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller:</b> Einen sehr großen<br />
(a) Wichtigster Think Tank ist das American Enterprise Institute (www.aei.org),<br />
von dort kommen Leute wie Richard Perle.<br />
(b) großen Einfluss hat auch Heritage (www.heritage.org), <br />
(c) Viele Demokraten glauben, dass ihre Misserfolge darauf zurückzuführen<br />
sind, dass sie keine wirklichen Pendants zu diesen Institutionen haben&#8230;und<br />
überlegen einen neuen zu gründen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>eu-friend:</b><br />
Sehen viele Amis die UNO als überflüssig an &#8211; so wie Mr. Perle?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Nein, die amerikanische Bevölkerung wollte<br />
explizit eine UNO-Sanktionierung des Irak-Krieges (www.gallup.org). Es<br />
gibt aber auch Gruppen, die glauben die UNO werden die Macht übernehmen,<br />
&quot;mit schwarzen Helikoptern&quot; 🙂</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>julia: </b>Wie<br />
kann die Position der UNO so gestärkt werden, dass man sich nicht<br />
einfach über ihre Beschlüsse hinwegsetzen kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Sehr gute Frage. Ich denke, man muss unterscheiden<br />
zwischen zwei Funktionen der UNO:<br />
(a) Kollektive Sicherheit / Sicherheitsrat: vielleicht ist das einfach<br />
nicht das geeignete Gremium um globale Probleme zu lösen.<br />
(b) Die Funktion, die die UNO im Bereich humanitäre Sicherheit, nachhaltige<br />
Entwicklung, etc. übernimmt. Das kann sie gut .<br />
Man muss also zwischen den beiden unterscheiden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wildathard:<br />
</b>Es wurde zuletzt viel über Deutschland und seine außenpolitische<br />
Wirkung gestritten: Was kann Deutschland tun, damit Europa eine stärkere<br />
Stimme in der Außenpolitik bekommt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller:</b> Es ist klar, dass Deutschland in und mit Europa<br />
klarer darstellen muss, wie wir uns Weltordnung vorstellen. Wir können<br />
uns nicht mehr alleine auf den Begriff &quot;Multilateralismus&quot; beziehen,<br />
sondern sollten mit dem Begriff Global Governance &#8211; also problemorientierte,<br />
multisektorale (Regierungen, Unternehmen, Zivilgesellschaft) &#8211; Institutionen<br />
arbeiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Nachfrage zur Ihrer Ansicht zur Funktion der UNO:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>alex: </b>Ach<br />
so, ein unilaterales Vorgehen der USA ist Ihrer Meinung nach also der<br />
bessere Weg?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller:</b> Nein. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Ich schiebe noch eine weitere Nachfrage dazu:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>XO7: </b>Wenn<br />
der Sicherheitsrat nicht das richtige Gremium zum Lösen internationaler<br />
Probleme ist, welches Gremium ist es denn dann? Oder wie müsste solch<br />
ein Gremium aussehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Wir müssen aber eine vernünftige und glaubwürdige<br />
Alternative zu dem amerikanischen Ansatz der &quot;Coalition of the Willing&quot;<br />
anbieten, d.h. wir brauchen eine transatlantische Debatte über Weltordnung.<br />
Und wie sieht der europäische Ansatz aus? Um die Amerikaner beeinflussen<br />
zu können, müssen wir uns auf die amerikanische innenpolitische<br />
Debatte einlassen &#8211; und jetzt zum europäischen Ansatz: Wir sollten<br />
grundsätzlich mit dem Begriff Global Governance arbeiten (www.cpogg.org).<br />
Was heißt das?<br />
Problem-orientiert globale Institutionen bauen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>war_pig: </b>Was<br />
ist denn diese innenpolitische amerikanische Debatte? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Die inneramerikanische Debatte findet in den großen<br />
amerikanischen Zeitungen, den Think Tanks und den Sonntags-Talk Shows<br />
statt. Wenn man die Möglichkeit hat, in diesen Foren Ideen zu präsentieren,<br />
kann man erfolgreich &quot;Weltpolitik als amerikanische Innenpolitik&quot;<br />
machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>kleiner Kommentar:<br />
Miriam: Es wird wohl nie eine Weltordnung geben die JEDEM passt</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller:</b> Das ist richtig, allerdings gibt es globale Probleme<br />
wie Klima, failed states, Terrorismus, die adressiert werden müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>alex: </b>Aber<br />
der Sicherheitsrat ist doch eine &quot;problem-orientierte globale Institution&quot;.<br />
Wie kann denn eine Alternative aussehen, wenn die USA nur darauf drängen,<br />
dass andere Nationen sich ihrer Meinung unterordnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Das sieht aus der Sicht der USA anders aus. Dort<br />
hat man das Gefühl, sich durchaus auf andere Länder einzulassen.<br />
Irgendwie sind sie halt doch &quot;Elefanten im Porzellan-Laden&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>logoset: </b>Thema<br />
Medien: Die Medien sind bezüglich des Kriegs einer Zensur wie noch<br />
nie unterworfen. Wird diese Strategie halten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Das kann man auch anders sehen. Die Journalisten-<br />
Pools, die im letzten Golfkrieg eingerichtet wurden, ließen noch<br />
weniger freie Berichterstattung zu und mit Camcordern und Internet wird<br />
die Möglichkeit der Berichterstattung immer einfacher. Aber, die<br />
Frustration hat Rumsfeld in einer Pressekonferenz gestern sehr gut ausgedrückt.<br />
Er sagte, &quot;wir sehen den Krieg nur scheibenweise&quot;, wenn wir<br />
die Bomben in Bagdad verfolgen, oder auf dem Panzer mit den &quot;embedded&quot;<br />
Journalisten mitfahren. Aber das ist wohl Krieg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Auge: </b>Wieso<br />
werden die Folgen (Tote und Verletzte), die durch den Krieg entstehen,<br />
nicht der amerikanischen Bevölkerung gezeigt. Sie haben ein gutes<br />
Recht zu erfahren, was da passiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Es gibt dazu eine sehr gute Webseite: www.iraqbodycount.org.<br />
Aber zur Frage:<br />
(a) die Genfer Konventionen besagen, dass Kriegsgefangene nicht gezeigt<br />
werden sollen. Deshalb zeigen amerikanische Medien diese nicht.<br />
(b) Sonst wird meinem Empfinden nach schon darüber berichtet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>beobachter:<br />
</b>Warum werden in den USA so viele Demonstranten verhaftet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Das ist im Prinzip hauptsächlich ein Bann-Meilen-Problem,<br />
auf jeden Fall in Washington. Man sollte auf jeden Fall nicht an eine<br />
Verschwörung der Bush-Adminstrations-Anhänger glauben. Solche<br />
Entscheidungen werden von den lokalen Polizeibehörden gemacht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>frogX: </b>Haben<br />
sie eigene Erfahrungen mit der Stimmung in den USA? Auf einer Anti-Kriegskundgebung<br />
berichtete ein Redner, dass es sich bei der Pro-Kriegsstimmung um ein<br />
Wunschbild der Regierung handelt</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Das kann man so oder so sehen :-), also:<br />
(a) Es gab vor dem Krieg eine sehr große Minderheit, die gegen den<br />
Krieg war.<br />
(b) Im Westen der USA gibt es mehr Kriegsgegner als im &quot;Heartland&quot;,<br />
der Mitte der USA.<br />
(c) Mit Kriegsbeginn haben sich aber die meisten Amerikaner hinter die<br />
Administration gestellt (rallye around the flag).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Liebe Chat-Freunde, leider ist unsere Zeit vorbei. Vielen Dank<br />
Herr Müller, dass sie zu uns gekommen sind. Vielen Dank an alle UserInnen<br />
für Ihr Interesse. Es sind noch viele Fragen offen, wir werden uns<br />
weiter mit dem Thema beschäftigen. Noch ein Terminhinweis: Dr. Margret<br />
Johannsen, Friedensforscherin an der Universität Hamburg stellt sich<br />
am Donnerstag, 3. April zwischen 17:00 und 18:00 Uhr Ihren Fragen. Wir<br />
würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei sind. Die Transkripte aller<br />
tacheles.02-Chats finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de<br />
und politik-digital.de sowie des Unterstützers tagesspiegel.de. Das<br />
tacheles.02-Team wünscht allen noch einen schönen Abend.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dr. Philipp<br />
Müller: </b>Danke!!! Ciao&#8230;</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotum_die_amerikaner_beeinflussen_zu_koennen_muessen_wir_uns_auf_die_amerikanische_innenpolitische_de-313/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Unsere Politik heißt: Wenn die Türkei Kriegspartner wird, ziehen wir die AWACS ab.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/unsere-politik-heisst-wenn-die-tuerkei-kriegspartner-wird-ziehen-wir-die-awacs-ab-314/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/unsere-politik-heisst-wenn-die-tuerkei-kriegspartner-wird-ziehen-wir-die-awacs-ab-314/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Mar 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[AWACS]]></category>
		<category><![CDATA[Reinhard Bütikofer]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinte Nationen]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/buetikofer.gif" alt="Reinhard Bütikofer" align="left" height="106" width="80" />Reinhard 
Bütikofer, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/ Die Grünen, 
war am 25. März 2003zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/buetikofer.gif" alt="Reinhard Bütikofer" align="left" height="106" width="80" />Reinhard<br />
Bütikofer, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/ Die Grünen,<br />
war am 25. März 2003zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></span><!--break-->
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02 ist ein Format von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de.<br />
Der Grünen-Bundesvorsitzende Reinhard Bütikofer ist heute zum<br />
Chat ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Eine Stunde haben wir Zeit, kann<br />
es losgehen, Herr Bütikofer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ja, mal los!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herr Bütikofer, die Debatte um den Einsatz deutscher Soldaten in<br />
AWACS-Aufklärungsflugzeugen über der Türkei wird inzwischen<br />
vor dem Verfassungsgericht geführt. Gleich was dabei herauskommt,<br />
heißt nicht die Devise von Rot-Grün derzeit: Lieber nicht so<br />
genau auf das Völkerrecht schauen, um den Schaden im Verhältnis<br />
zu den USA und Großbritannien nicht noch größer zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
So kann man das nicht sagen. Aber es stimmt schon, dass wir da einen Spagat<br />
auszuhalten haben. Einerseits führen zwei unserer Verbündeten<br />
einen Krieg, den wir völlig ablehnen und in den wir uns nicht völlig<br />
reinziehen lassen wollen, andererseits wollen wir über diesen aktuellen<br />
Konflikt nicht das Bündnis insgesamt zersplittern sehen. Deswegen<br />
unser Kurs, zu dem es nur zwei jeweils absurde Alternativen gäbe,<br />
die schlimmer wären.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Max:</b><br />
Aber mit dem AWACS-Einsatz unterstützen Sie ganz klar einen völkerrechtswidrigen<br />
Angriffskrieg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Wir unterstützen diesen Krieg nicht. Die AWACS, die mit deutscher<br />
Beteiligung den türkischen Luftraum sichern, sind an der Kriegsführung<br />
nicht beteiligt. Sie unterstehen dem Saceur in Belgien und nicht dem amerikanischen<br />
Kommando Centcom am Golf. Sie werden &#8211; das ist Bestandteil der Verabredungen<br />
über ihren Einsatz &#8211; keine Feuerleitfunktionen ausüben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
P.S.: Saceur = Oberkommandierender der NATO</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Fritzchen:<br />
</b>Wo ziehen sie die Grenze zwischen &quot;Luftraum sichern&quot;<br />
und „Beteiligung an einem Krieg“?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Beteiligung an einem Krieg hieße wie gesagt, z.B. teilnehmen an<br />
der Koordination der Luftangriffe. Das bleibt ausgeschlossen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>f3f:</b><br />
Militärexperten sagen aber, die Trennung zwischen Angriff- und Defensiv-Einsatz<br />
ist unklar?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Die Experten haben insofern recht, als sich die Trennung nicht einfach<br />
technisch durchführen lässt. Die AWACS besitzt beide Fähigkeiten.<br />
Entscheidend sind die Rules of Engagement (Verabredung darüber, was<br />
gemacht wird und was nicht), und die sind eindeutig. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sweetheart:</b><br />
In der FAZ ist zu lesen, dass die rot-grüne Regierung bei einer Bundestagsabstimmung<br />
zu den deutschen AWACS-Einsätzen über der Türkei „erhebliche<br />
außenpolitische Irritationen“ befürchtet. Warum ist Schröder<br />
dann nicht konsequent und zieht die AWACS ab?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Wir haben die AWACS im Rahmen unserer Bündnisverpflichtung zur Sicherung<br />
des Nato-Partners Türkei dorthin entsendet. Das gehört mit zu<br />
den Bündnisverpflichtungen. Wie gesagt: Es gäbe viel klarere<br />
Lösungen. Aber das würde entweder heißen, wir lassen uns<br />
in den Krieg hineinziehen &#8211; und das wollen wir nicht &#8211; oder wir tragen<br />
dazu bei, das Bündnis praktisch aufzulösen. Und das hätte<br />
gerade angesichts der Gefahr künftiger Alleingänge verschiedener<br />
Mächte erhebliche friedenspolitische Gefahren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Blausocke:</b><br />
Wie sieht es denn mit den AWACS und einer deutschen Beteiligung aus, wenn<br />
die Stützpunkte, an denen die USA Truppen sammelt, in der Türkei<br />
angegriffen werden? Wie sieht da die deutsche Politik aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:<br />
</b>Unsere Politik heißt: Wenn die Türkei Kriegspartner<br />
wird, ziehen wir die AWACS ab. Die Türkei hat aber versichert, dass<br />
sie die Grenze einhalten wird, die für uns wichtig ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Heißt die Gleichung also: Wenn die Türkei angegriffen wird,<br />
ist sie Kriegspartei?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ich halte das für eine unrealistische Spekulation. Ich glaube, das<br />
irakische Regime hat an anderen Fronten schwere Probleme und ich rechne<br />
nicht damit, dass es gegen Kurden und Türken im Norden losschlägt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Realistisch ist, dass die ABC-Spürpanzer der Bundeswehr in Kuwait<br />
gebraucht werden könnten &#8211; auch im Irak. Sollten die Deutschen den<br />
US-Truppen diesen Schutz gewähren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Die Spürpanzer haben ein klar begrenztes Mandat des Bundestages.<br />
Ich habe auch zur Kenntnis genommen, dass mehrere Oppositionspolitiker<br />
sie gerne in den Irak schicken würden, um so eine deutsche Kriegsbeteiligung<br />
durch die Hintertür herbeizuführen. Ich halte das für verantwortungslos,<br />
das werden wir nicht tun.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wrdgre:</b><br />
Wie geht es weiter im deutsch-amerikanischen Verhältnis? Die USA<br />
haben eine klare Vorstellung , wie der internationale Terrorismus oder<br />
Massenvernichtungswaffen zu bekämpfen sind? Welche haben Sie und<br />
die Regierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Die USA haben eine entschiedene Vorstellung. Ob diese auch sehr klar ist,<br />
möchte ich bezweifeln. Probleme der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen<br />
lassen sich nicht durch Abrüstungskriege lösen. Genauso wenig<br />
wie der Kampf gegen den internationalen Terrorismus alleine militärisch<br />
gewonnen werden kann. Ein Problem der Bush Administration besteht gerade<br />
darin, dass sie Sicherheitsfragen auf militärische Fragen verkürzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Kommentar von:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Henne:</b><br />
Ich glaube, man sollte warten, bis die USA wieder demokratisch handlungsfähig<br />
sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Susi:</b><br />
Stimmen aus der CDU sagen, dass der Krieg durch eine einheitliche Drohkulisse<br />
hätte verhindert werden können. Was meinen Sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Mindestens ein Teil der amerikanischen Regierung wollte nach meiner Überzeugung<br />
von vornherein den Sturz des Regimes von Saddam und nicht die Abrüstung.<br />
Für die Herren Cheney und Rumsfeld und andere war die Debatte um<br />
die Abrüstung leider nur ein taktisches Manöver, um die Völkergemeinschaft<br />
für einen Krieg zu gewinnen, den diese zu Recht ablehnte. Im Übrigen<br />
will ich festhalten: Den Weg, den wir in der UNO gegangen sind, ist nicht<br />
gescheitert. Die Erfahrung mit den Waffenkontrolleuren hat praktisch bewiesen,<br />
dass eine Abrüstung ohne Krieg möglich gewesen wäre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>azizis:</b><br />
Abrüstung durch Sturz ist doch okay. Sie wollten in Serbien das doch<br />
auch!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Sturz von Saddam ist sehr o.k. Das wäre schon längst fällig<br />
gewesen. Die Frage ist wie, zu welchem Preis und zu welchen Gefahren.<br />
Den Kriegskurs, den die USA eingeschlagen haben, droht nicht nur die gesamte<br />
Situation in der Region zu destabilisieren, sondern auch die Koalition<br />
gegen den Terrorismus massiv zu schwächen. Darüber hinaus wird<br />
das Völkerrecht schwer beschädigt. Wie wollen wir in Zukunft<br />
ohne verbindliches Völkerrecht Konflikte lösen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rg90:</b><br />
Aber die UN-Sanktionen gegen den Irak waren doch erfolglos?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Tatsache ist, dass die Sanktionen, so wie sie angelegt waren, eher das<br />
Volk im Irak trafen als den Diktator. Hans von Sponek, der früher<br />
in der UNO für diese Fragen zuständig war, hat schon seit langem<br />
darauf hingewiesen, dass das Sanktionsregime geändert werden müsse,<br />
um den Diktator zu treffen. Leider wurde er nicht gehört.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>altrosa:</b><br />
Ich lese: „Die USA und Großbritannien müssen nach Auffassung<br />
von Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul den Großteil<br />
der Kosten für den Wiederaufbau Iraks nach dem Krieg übernehmen.&quot;<br />
Aber das machen die doch gerne, besonders, weil ihnen das Öl in die<br />
Hände fällt. Eine weltfremde Sicht, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ich finde, dass auch Deutschland sich nicht aus der Verantwortung davonstehlen<br />
kann. Schließlich haben auch aus unserem Land mehr als 80 Firmen<br />
bei der Aufrüstung geholfen und den Diktator stabilisiert. Deswegen<br />
haben wir eine Verpflichtung gegenüber dem irakischen Volk.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Also plant Rot-Grün schon mal mit Millionen im nächsten Haushalt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:<br />
</b>Wenn Millionen reichen würden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Beantwortet die Frage nicht: Also wird mit Milliarden geplant?<br />
Im Ernst, der Etat ist eng.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Im laufenden Hauhalt wurden die Mittel auf ungefähr 40 Millionen<br />
verdoppelt. Nach Kalkulation amerikanischer Stellen wird der Aufbau Hunderte<br />
Milliarden kosten. Ich kann an dieser Stelle nicht beantworten, wie das<br />
finanziert werden könnte. Die Unklarheit darüber, wie es nach<br />
dem Krieg weitergehen soll, war für uns einer der Gründe, vor<br />
diesem Krieg zu warnen. Aber es ist wohl im Augenblick zu früh, jetzt<br />
haushälterische Überlegungen anzustellen. Im Moment geht es<br />
ja noch darum, den Krieg möglichst schnell zu beenden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Blausocke:</b><br />
Tony Blair hat gesagt, dass die Gelder aus den Ölförderungen<br />
in einen Fonds fließen sollen, der dem Irak, bzw. dem irakischen<br />
Volk zu gute kommen soll. Widerspricht das nicht der vorherrschenden Meinung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ich fände es gut, wenn Blair zur Kenntnis nähme, dass nicht<br />
er zusammen mit George Bush, quasi privat, über die Zukunft des Iraks<br />
entscheidet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tb_hamburg:</b><br />
Guten Tag, ich bin gerade in den Chat gekommen, evtl. wurde meine Frage<br />
schon gestellt: Welche Möglichkeiten sehen sie, die &quot;Koalition<br />
der Willigen&quot; für die Missachtung des UN-Sicherheitsrates (Krieg<br />
ohne Mandat) zu sanktionieren? Ein Krieg ohne Mandat der Völkergemeinschaft<br />
ist doch wohl kein Kavaliersdelikt mehr, oder sehe ich das falsch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Die Frage nach Sanktionen wurde nicht gestellt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Die Realität ist brutal. Das Rechtsgefühl, das hier das Völkerrecht<br />
verletzt sieht, hat keine Instanz, an die es sich wenden könnte.<br />
Maximal könnte die UNO-Generalversammlung eine Resolution verabschieden,<br />
die das Vorgehen der USA kritisiert. Die entscheidende Frage ist für<br />
mich, ob wir in diesem Konflikt die Vorraussetzungen dafür schaffen,<br />
dass sich diese Vorgehensweise nicht wiederholen kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Dieter Deiseroth, Richter am Bundesverwaltungsgericht, hat gegenüber<br />
tagesschau.de vorgeschlagen, die Frage der Zulässigkeit des Irak-Kriegs<br />
vor dem Internationalen Gerichtshof klären zu lassen. Gute Idee?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Dazu wird es, wenn ich recht sehe, nicht kommen, weil die USA, wie ich<br />
sehe, die Zuständigkeit dieses Gerichtes nicht anerkennen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zwei Fragen mit ähnlicher Zielrichtung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>altrosa:</b><br />
Absolute Gewaltfreiheit war ein unverrückbarer Grundsatz der Grünen?<br />
Woher kommt der Sinneswandel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tgerg:</b><br />
Inwieweit beeinflusst die pazifistische Tradition der Grünen noch<br />
die Politik? Bei einem zweiten UN Mandat wären Sie doch für<br />
einen Krieg gewesen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Wir wären auch bei einem zweiten Mandat nicht für den Krieg<br />
gewesen. Wir haben unsere Gründe dafür wiederholt dargelegt.<br />
Absolute Gewaltfreiheit war eine grüne Parole, als auf dem Höhepunkt<br />
des Kalten Krieges Nuklearpazifismus die einzige vernünftige Position<br />
war. Seit dem Ende der Blockkonfrontation in Europa haben wir erleben<br />
müssen, dass der Krieg mit aller Brutalität auch nach Europa<br />
zurückkam. In unserer grünen Debatte war die Erfahrung des Völkermordes<br />
1995 in Srebrenica ausschlaggebend. Unter den Augen der UNO wurden Tausende<br />
von Menschen einfach umgebracht. Daraus haben wir die Schlussfolgerung<br />
gezogen, dass es Situationen geben kann, in denen es richtig ist, z.B.<br />
Völkermördern, auch mit Waffengewalt entgegentreten zu können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch mal zwei Fragen zusammen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MBO: </b>Spielt<br />
die UN überhaupt noch eine aktive Rolle in diesem Konflikt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sweetheart:</b><br />
Welche Funktion hat die UNO überhaupt noch, wenn man sich über<br />
ihre Beschlüsse so einfach hinwegsetzen kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:<br />
</b>Es wäre falsch zu sagen, dass die UNO gescheitert sei. Die<br />
UNO hat einen praktikablen Weg zur Abrüstung im Irak aufgewiesen.<br />
Die UNO hat sich als die entscheidende Institution erwiesen für alle,<br />
die nicht wollen, dass einzelne Mächte alleine die Welt bestimmen.<br />
Ohne das Zusammenwirken im Sicherheitsrat der UNO wäre es den kleinen<br />
afrikanischen Ländern oder Mexiko und Chile viel schwerer gefallen,<br />
den Pressionen der USA zu widerstehen. In der UNO haben sie großen<br />
Mut gezeigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Blausocke:</b><br />
Zum Thema UNO: Wäre es nicht an der Zeit, eine grundlegende Reform<br />
oder Neuerung der UNO durchzusetzen, die sich nicht mehr am überholten<br />
Blocksystem orientiert? Insbesondere z.B. das Veto-Recht im Sicherheitsrat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Eine UNO-Reform, die das Veto-Recht abschaffen wollte, wird am Veto scheitern.<br />
Das liegt ja auf der Hand. Aber man könnte an anderer Stelle die<br />
Rolle der Nicht-Veto-Mächte stärken. Darüber muss sicherlich<br />
nach diesem Krieg mit hoher Priorität nachgedacht werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rita:</b><br />
Angenommen, der Irak wird durch die USA besiegt, wie soll es dann weitergehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Das hängt nicht zuletzt davon ab, was sich die USA dann vornehmen.<br />
Kommt dann der Iran als nächstes Land in der Achse des Bösen<br />
dran, oder Syrien? Wird Amerika einen Militärmachthaber einsetzen<br />
oder das Land selber regieren wollen? Werden die USA bereit sein, für<br />
Nation-Building die Verantwortung zu übernehmen, die sie in anderen<br />
Fällen bislang immer abgelehnt haben? Wir wissen es nicht. Nach meinem<br />
Eindruck weiß es die US-Administration heute auch noch nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Zur von vielen Experten befürchteten Destabilisierung der Region<br />
durch den Irak-Krieg fragt:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wahrheit:</b><br />
Was ist denn so schlecht an einer Destabilisierung der arabischen Welt.<br />
Sind doch eh tyrannische Regime?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Die Frage ist, wodurch diese Regime abgelöst werden. Durch den plötzlichen<br />
Ausbruch der Demokratie wie Neokonservative in den USA hoffen? Oder durch<br />
eine Machtübernahme islamischer Fundamentalisten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch mal:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wahrheit:</b><br />
Was will denn die UNO, dass nach einem &quot;Sieg&quot; geschieht? Was<br />
will denn Deutschland, was sind denn &quot;unsere&quot; deutschen Interessen?<br />
Müssten wir nicht beginnen, nationale Interessen zu diskutieren,<br />
oder muss das verpönt bleiben in der Öffentlichkeit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ich bin dafür, offen über unsere &quot;nationalen&quot; Interessen<br />
zu sprechen. Ich vermute, in der Regel sind es weniger &quot;nationale&quot;<br />
als „europäische“ Interessen. Mir käme es darauf<br />
an, dass aus diesem Konflikt die EU gestärkt und einiger hervorginge.<br />
Jedes einzelne europäische Land ist ohnehin zu schwach, Deutschland<br />
eingeschlossen, alleine Weltpolitik zu machen. Die EU als europäischer<br />
Verbund könnte im Sinne von mehr internationaler Gerechtigkeit, mehr<br />
Nachhaltigkeit, mehr Demokratie und Menschenrechte Einfluss nehmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Als weitestgehend nichtbeteiligter Staat wäre Deutschland für<br />
einen Wiederaufbau in Irak doch ideal, oder? Können Sie sich vorstellen,<br />
dass deutsche Blauhelme bei einem Wiederaufbau im Irak stehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Diese Blauhelmdebatte halte ich für verfrüht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Das klingt aber nicht gerade nach sehr offener Debatte über die nationalen<br />
Interessen. Ist es nicht auch im nationalen Interesse, so etwas zu diskutieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Wenn Deutschland sich am Wiederaufbau des Irak nach dem Krieg beteiligen<br />
soll, dann nicht um nationale Öl- oder Wirtschaftsinteressen zu vertreten<br />
und auch nicht in eigener Regie, sondern nur im Rahmen der Vereinten Nationen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franzchen:</b><br />
Kann es sein, dass die Überberichterstattung zum Irakkrieg bei der<br />
Bevölkerung zu einer gewissen Übersättigung geführt<br />
hat? 20.000 Antikriegsdemonstranten in Berlin sind ja nicht die Welt!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ich habe den Eindruck, dass die Demos gegenwärtig gerade dort besonders<br />
groß sind, wo die Regierung im Gegensatz zu großen Teilen<br />
der Bevölkerung steht, in Italien zum Beispiel. Aber richtig ist,<br />
dass man manche Berichterstattung mit längst ausrangierten Obristen,<br />
Generälen und Admirälen sich kaum ansehen kann. Da findet eine<br />
Banalisierung und auch eine Ästhetisierung des Krieges statt, die<br />
widerlich ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>maxiking:</b><br />
Wie kriegen wir die amerikanischen Medien dazu, alle Seiten des Krieges<br />
zu zeigen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Damit die Mainstream-Medien in den USA halbwegs ausgewogen berichten,<br />
muss wohl der Protest dort deutlich lauter werden. Aber es gibt ja trotz<br />
allem auch unabhängige Stimmen in den amerikanischen Medien, wie<br />
z. B. Bill Maher. Das kann man nicht über einen Kamm scheren. Aber<br />
ich sehe zu viel oberflächliche Faszination von Waffensystemen, die<br />
die Berichterstattung über die drohende humanitäre Katastrophe,<br />
die es durchaus auch gibt, zuzudecken droht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>iraqchat:</b><br />
Wie würde SPD/Grüne reagieren, sollten die USA weitere Ambitionen<br />
in Richtung Iran entwickeln? Würden wir dann deutsche Armee-Bases<br />
schließen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Wir sollten mal aufhören, immer nur auf die USA zu reagieren und<br />
anfangen als Europäer zu agieren. Konkret eine europäische Politik<br />
entwickeln, um den Iran zu überzeugen, seine Sicherheitsbedürfnisse<br />
ohne das Vertrauen auf Massenvernichtungswaffen und atomare Bewaffnung<br />
zu gewährleisten. Solange Europa nicht eigene Konzepte entwickelt<br />
und entsprechend handelt, drohen wir auch in künftigen Konflikten<br />
bestenfalls in der Rolle des Kritikers an der Seitenaußenlinie zu<br />
enden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Noch ein kleiner Kommentar zu der Medienfrage eben:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>iraqchat:</b><br />
maixiking, es gibt Hoffnung: Sogar die New York Times brachte einen Artikel<br />
darüber, wie die Bush Regierung nationale Berichterstattung über<br />
PRO-War- Demos unterstützt, nicht jedoch Anti-War-Demos.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Die New York Times hat sich in der Tat eher rühmlich verhalten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Nicola:</b><br />
In der Süddeutschen Zeitung war heute zu lesen, dass Sie die Vorgehensweise<br />
der Türkei im Nordirak an die Aufnahme in die EU koppeln wollen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ich habe im wesentlichen das selbe gesagt, wie die EU-Kommission. Die<br />
Türkei muss wissen, dass ihr Weg in die EU nicht unabhängig<br />
von inneren Reformen und unabhängig von Außenpolitik erfolgreich<br />
sein kann. Ende 2004 wird die EU-Kommission einen entsprechenden Bericht<br />
vorzulegen haben. Gegenwärtig habe ich eher die Befürchtung,<br />
dass der Irak-Krieg zu einem Rückschlag für die Reformer wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wahrheit:</b><br />
Europäische Konzepte: Das beinhaltet doch auch klare eigene wirtschaftliche<br />
Interessen und eigene militärische Möglichkeiten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Europäische Konzepte müssten sich meiner Meinung nach vor allem<br />
dadurch auszeichnen, dass sie die Verengung von Sicherheitsfragen auf<br />
das Militärische überwinden. Die Frage des gerechten Zugangs<br />
zu Wasser in den nächsten Jahrzehnten hat doch mit Militär gar<br />
nichts zu tun. Die Frage der Armut wird doch nicht militärisch gewonnen.<br />
Ich bin dafür, dass die EU nicht dasselbe macht wie die USA, nur<br />
unter eigener Flagge.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Muss man nicht, um unabhängig zu sein, auch eigene militärische<br />
Möglichkeiten haben? Außenminister Fischer hat schon angedeutet,<br />
dass eine Stärkung der militärischen Fähigkeiten Europas<br />
wünschenswert wäre. Auch ihre Meinung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Ja. Dabei sind ja in den letzten Jahren schon Schritte in Richtung auf<br />
mehr Zusammenarbeit in der europäischen Sicherheit- und Verteidigungspolitik<br />
unternommen worden, allerdings bis jetzt ungenügende.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lauscher:</b><br />
Ist Europa überhaupt schon in der Lage eigene Konzepte durchzusetzen?<br />
Es ist schwer vorstellbar, dass eine europäische Armee in so kurzer<br />
Zeit eine Drohkulisse (die ja erst zu den Inspektionen geführt hat)<br />
aufzustellen (mit politischer Legitimation).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Die Irak-Krise führt auch die europäische Politik in eine entscheidende<br />
Position: Entweder wir schaffen es wie in der Vergangenheit, eine Krise<br />
durch verstärkte Integration, durch mehr Europa zu überwinden,<br />
oder wir fallen zurück. Ich sehe die Chancen, den Konvent über<br />
einen europäischen Verfassungsvertrag zu nutzen, um mehr Europa gerade<br />
auch in der Außenpolitik in den Zielen und den Institutionen abzusichern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Auch für ein stärkeres militärisches Europa, mit europäischer<br />
Eingreiftruppe etc.?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Reinhard Bütikofer:</b><br />
Europa braucht auch die Möglichkeit, z.B. auf dem Balkan, konkret<br />
etwa in Mazedonien, mit Militär für Stabilität zu sorgen.<br />
De facto haben wir dort schon mit Militär in Verbindung mit wirtschaftlicher<br />
und politischer Hilfe einen Bürgerkrieg verhindert. Europa braucht<br />
auch die Fähigkeit, im Auftrag der UN tätig zu werden. Europa<br />
sollte sich davor hüten, der Chimäre einer eigenen militärisch<br />
handelnden Supermacht nachzulaufen. Europa sollte auch nicht die EU und<br />
das transatlantische Verhältnis gegeneinander ausspielen.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Liebe Chat-Freunde, es liegen noch zahlreiche Fragen vor, leider ist unsere<br />
Zeit vorbei. Herzlichen Dank, Herr Bütikofer fürs Kommen, vielen<br />
Dank an alle UserInnen für Ihr Interesse. Noch ein Terminhinweis:<br />
Am Donnerstag, 27. März, kommt der USA-Experte Dr. Philipp Müller<br />
zum Chat. Dr. Müller ist Koordinator des transatlantischen Netzwerks<br />
Critical Perspectives on Global Governance. Der Chat findet zwischen 17:00<br />
und 18:00 Uhr statt. Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei<br />
sind. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats finden Sie auf den Webseiten<br />
der Veranstalter tagesschau.de und politik-digital.de sowie des Unterstützers<br />
tagesspiegel.de. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen schönen<br />
Abend.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>Elektronischer Protest vom Schreibtisch</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/krieg-im-irak/netzkampagnenvmarch-shtml-2626/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Mar 2003 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Krieg im Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Friedensbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Kampagne]]></category>
		<category><![CDATA[Protest]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Kampagne]]></category>
		<category><![CDATA[Irak-Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein „Virtual March“ hat in den USA die Leitungen im Weissen Haus lahm gelegt. In Deutschland bestehen Vorbehalte gegen Online-Protestformen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein „Virtual March“ hat in den USA die Leitungen im Weissen Haus lahm gelegt. In Deutschland bestehen Vorbehalte gegen Online-Protestformen.<!--break-->
                    </p>
<p>Am 15. Februar hat die Friedensbewegung über die ganze Welt verteilt 11,5 Millionen Menschen gegen den Krieg mobilisiert. Der Protest auf der Straße wäre ohne Internet kaum möglich gewesen. Die Friedensgruppen stecken virtuell die Köpfe zusammen, stellen Informationen ins Netz und mobilisieren online.</p>
<p>Als Aktionsmedium nutzt die Friedensbewegung das Internet auch, aber eher selten. Geschehen ist das am 26. Februar in den USA mit der Aktion &#8220;Virtual March&#8221;. Gut organisiert, zur verabredeten Zeit, legten Friedensaktivisten durch massenhaft eMails, Telefonanrufe und Faxe die Sekretariate des Senats und des Weißen Hauses lahm – ein medienwirksamer Protest. Die Aktion wurde von<br />
                    <a href="http://www.moveon.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.moveon.org</a> koordiniert und u. a. von Greenpeace, Pax Christi und dem National Council of Churches unterstützt. Tom Andrews, ehemaliger Kongress-Abgeordneter und Mit-Initiator des<br />
                    <a href="http://www.winwithoutwarus.org/html/press_2.19.2003.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Virtual March</a>, ist von der neuen Protestform überzeugt: „We knew that so many people who don’t participate in demonstrations would take the opportunity, by letting their fingers do the marching, to send a clear message to their Senators and the President.&#8221; Protest aus dem Schreibtischstuhl – die moderne Sitzblockade spart Zeit, verhindert kalte Füße und ist dennoch effektiv.</p>
<p>
                    <strong>Ist ein Mausklick zu wenig?</strong><br />
                    <br />Manfred Stenner von der<br />
                    <a href="http://www.friedenskooperative.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Friedenskooperative</a> begrüßt solche Aktionen, begleitet sie aber mit Skepsis. Eigentlich, so Stenner, sei es ihm lieber, die Leute gingen auf die Straße. „Ein Mausklick ist mir zu wenig“, erklärt er. In Deutschland gehört die Friedenskooperative zu den größten Netzwerken der Friedensbewegung und wie die übrigen Organisationen konzentriert sich das Netzwerk eher auf den<br />
                    <a href="/edemocracy/netzkampagnen/protest.shtml">Straßenprotest</a>. Zwar gibt es bei der Friedenskooperative die Idee, einen Virtual March zu organisieren – bei dem die britischen und US-amerikanischen Militärstützpunkte in Deutschland mit eMails und Anrufen lahm gelegt werden sollen. Doch meistens, so Stenner, machen Unterstützer solche Vorschläge in der Annahme, die Friedenskooperative würde so etwas umsetzen. Dazu fehlen aber die Kapazitäten und das Know-how. Auch<br />
                    <a href="http://www.attac.de/index.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">attac Deutschland</a> hat keine Aktionen geplant, die nur im Netz ablaufen.</p>
<p>Bleiben noch die Experten des Internets: Der<br />
                    <a href="http://www.ccc.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Chaos Computer Club Deutschland</a> (CCC) lässt verlauten, man beschäftige sich momentan mit anderen Themen als dem Irak-Krieg. Hacks gegen den Krieg sind nicht geplant. Allerdings sind Hacks meistens spontane Angelegenheiten. „Wenn eine Seite offen ist, hackt man sie und macht es schnell öffentlich“, erklärt Lars Weiler vom CCC. In den USA geraten die Regierungsseiten derzeit schon ins<br />
                    <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/politik/0,1518,240717,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Visier</a> von einzelnen Computerfreaks und ganzen Hackergruppen.</p>
<p>
                    <strong>Hindernisse der Online-Petitionen</strong><br />
                    <br />Wer kein Hacker ist, kann sich im Netz bei kleinen Projekten engagieren. Auf den zahlreichen<br />
                    <a href="http://www.gegen-irak-krieg.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Webseiten</a> gegen den Krieg finden sich<br />
                    <a href="http://www.jungewelt.de/2003/03-08/010.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Aufrufe</a>, eMails an den Bundeskanzler und den Außenminister zu schicken oder die Leitungen der US-Botschaft mit eMails, Faxen und Anrufen zu verstopfen. Abgestimmte Aktionen, die von mehreren Organisationen getragen werden, gibt es kaum. Deshalb werden die Aktionen selten außerhalb des Internets bekannt.</p>
<p>Auch die Adressaten der eMail-Petitionen können den Friedensorganisationen einen Strich durch die Rechnung machen:<br />
                    <a href="http://www.amnesty.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Amnesty International Deutschland</a> hatte eigentlich eine eMail-Petition in den nächsten Tagen geplant. Aber dann kamen schlechen Nachrichten von<br />
                    <a href="http://www.amnesty.org.uk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Amnesty International Großbritannien</a>. Die Kollegen aus London hatten eine<br />
                    <a href="http://public.amnesty.org.uk/iraq" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Petitionsvorlage</a> ins Netz gestellt, die der User ausfüllen und direkt an Tony Blair schicken sollte. Doch der britische Premier hatte kurzerhand seine eMail-Adresse geändert und die Mails gingen ins Leere. Daraufhin hat Amnesty Deutschland die Online-Petition abgeblasen. &#8220;Da die eMail-Adressen der Regierungen so leicht zu ändern sind, haben wir uns für eine klassische Petition mit Fax und Brief entschieden&#8221;, sagte Annette Hartmetz, Koordinatorin von Kampagnen und Aktionen bei Amnesty International Deutschland.</p>
<p>                    <strong>Petitionen mit Joschkas und Gerhards</strong><br />
                    <br />Ein weiteres Hindernis für wirksame Netzaktionen sind die User selbst. Es gibt einige erfolgreiche Online-Petitionen. Doch die Skepsis ist größer als bei Offline-Petitionen: Viele Protestler sind nicht bereit, Namen und persönliche Daten im Netz preiszugeben. Klas Roggenkamp, der mit<br />
                    <a href="http://www.schattenwerfer.de/convince_me" target="_blank" rel="noopener noreferrer">convince_me</a> eine Mischung aus Debatten- und Petitonsseite online gestellt hat, beklagt: „Die Kommentare, die wir bekommen, sind durchweg positiv, begeistert, voll der Unterstützung. Aber das Prinzip der Seite, die abgewandelte Form einer Online-Petition, scheint den meisten Probleme zu bereiten.“ Die Herausgabe der eMail-Adresse ist für viele tabu.</p>
<p>Die Unlust der Friedensbewegung das Internet als Protestmedium zu nutzen, liegt auch an der gebeutelten Glaubwürdigkeit von eMail-Aktionen. In den vergangen Wochen ist eine Welle von<br />
                    <a href="/edemocracy/netzkampagnen/mailmassaker.shtml">Kettenmails</a> durch das Netz geschwemmt, die angeblich als Petition zur UNO gelangen sollten. Dabei haben sich dutzendweise Joschka Fischers, Gerhard Schröders und George Bushs eingetragen. Die Euphorie war kurz, die Verwirrung groß. Am Ende sind die eMails in die Papierkörbe der User gesegelt und haben nur noch für Kopfschütteln gesorgt. Die „Kettenbriefgeschichten“, sagt Manfred Stenner verärgert, seien „größtenteils Enten“ gewesen.<br />
                    </p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 20.3.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                      
                    </p>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kaum Kundschaft in britischen Online-Ämtern</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/egovernment-international-britonline-shtml-2763/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jmau]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jan 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Website]]></category>
		<category><![CDATA[E-Government]]></category>
		<category><![CDATA[Großbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Nutzerverhalten]]></category>
		<category><![CDATA[Akzeptanz]]></category>
		<category><![CDATA[Hedra]]></category>
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					<description><![CDATA[Kundschaft in britischen Online-Ämtern]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Kundschaft in britischen Online-Ämtern<!--break--></p>
<p>
                  <strong>Eine neue Studie über die Nutzung des eGovernment in Großbritannien hat ernüchterende Ergebnisse geliefert. Auf der Insel denkt man über neue Anreize nach</strong>.</p>
<p>In europäischen Studien über E-Government liegt Großbritannien immer auf den vorderen Plätzen. Über zwei Drittel des Königreichs sind online, es gibt mehr als 3000 Regierungssites im Netz und die staatliche Unterstützung der Online-Verwaltung beträgt sechs Milliarden Pfund bis 2005. Die virtuellen Amtsstuben auf der Insel gelten als beispielhaft. Bis 2005 will Großbritannien, genauso wie Deutschland, alle online-fähigen Dienstleistungen des Staates im Netz verfügbar gemacht haben.</p>
<p>Doch jetzt hat eine Studie der britischen Verwaltung die Stimmung verhagelt.<br />
                  <a href="http://www.hedra.co.uk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">HEDRA</a>, eine IT-Consulting-Agentur, die eng mit der Regierung zusammen arbeitet, stellte mittels einer Telefonumfrage fest, dass bisher weniger als ein Drittel der Briten die staatlichen Seiten besucht hat. 41 Prozent der 1006 Befragten gaben an, sie würden lieber eine Behörde aufsuchen und dort ihre amtlichen Angelegenheiten abwickeln. 29 Prozent wählten das Telefon als bevorzugtes Kommunikationsmittel und nur 14 Prozent das Internet. Keiner von den Befragten, die das E-Government nutzen, ist älter als 65. Das magere Ergebnis verrät: Auch in Großbritannien führen Amtsgänge kaum durch den Cyberspace.</p>
<p>
                  <br />
                  <strong>Kein Netz für soziale Randgruppen</strong><br />
                  <br />In einer<br />
                  <a href="http://hedra.co.uk/content-170" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Presseerklärung</a> lässt HEDRA deshalb kein gutes Haar am Online-Auftritt Großbritanniens. Die Hälfte der Ausgaben für E-Government sei rausgeworfenes Geld, konstatiert HEDRA. Das Design der Regierungssites sei schlecht und die Navigation zu undurchsichtig. Die Umfrage hat ergeben, dass über die Hälfte der Befragten das Angebot nutzen würden, wenn es einfacher zu handhaben wäre. Hierin liege, so HEDRA in der Presseerklärung, der Hauptgrund für die schlechte Auslastung der britischen Online-Ämter. Vor allem hätten es die Online-Verwaltungen nicht geschafft, soziale Randgruppen, die stark auf staatliche Zuwendung und damit auf Amtsverkehr angewiesen sind, für die Online-Nutzung zu gewinnen. Zudem werden die staatlichen Seiten fast ausschließlich als Informationsmedium genutzt, nur fünf Prozent der Befragten wickeln auch amtliche Vorgänge (Transaktionen) über das Netz ab. Gerade das muss die britischen Verwaltungssites schmerzen, denn die sogenannten E-Services – Verwaltungsdienstleistungen auf elektronischem Wege – stehen im Vordergrund ihrer Web-Auftritte.</p>
<p>
                  <strong>Zerkratztes Vorbild</strong><br />
                  <br />Auch Deutschland setzt vor allem auf E-Services. Welche Schlüsse lässt also die HEDRA-Studie zu? In Deutschland sind die User-Zahlen der Verwaltungssites geringer als in Großbritannien, das bestätigt eine repräsentative<br />
                  <a href="http://www.emind.emnid.de/downloads/studien/20021171GO2002Germany.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Emnid-Umfrage</a>. Aber der Unterschied ist nicht groß. Vor allem das Online-Angebot der Briten galt im Vergleich zu Deutschland jedoch als vorbildlich und besonders ausgefeilt. Dieses Bild hat die Umfrage von HEDRA etwas zerkratzt.<br />
                  <br />Nun kann man dieses Ergebnis in zwei Richtungen auslegen: Entweder ist das Online-Angebot in Großbritannien mangelhaft oder das Online-Angebot erreicht die Bürger noch nicht. Beides ist richtig. E-Government hat sich in wenigen Jahren zu einem beachtlichen Faktor in der Verwaltung entwickelt. Doch Geburtsfehler und mangelnde Transparenz gehören zu den Begleitern einer Innovation. Bisher gibt es wenig Studien über Auslastung der staatlichen Online-Seiten. Vielleicht hat die HEDRA-Studie die britischen Verwaltung deshalb besonders verschreckt.</p>
<p>
                  <strong>Warum schrecken die Bürger zurück?</strong><br />
                  <br />Ziel des E-Government ist eine Verbesserung und Erweiterung des staatlichen Leistungsangebots. Die Online-Angebote sollen die Ämter entlasten und zur Kundenfreundlichkeit beitragen. Dieses Projekt erfordert neben der Vereinfachung von Verwaltungsstrukturen auch die Schulung des Personals und die Zusammenarbeit zwischen Behörden. Das britische Beispiel unterstreicht, dass dieser Wandel in der Verwaltung nicht von heute auf morgen funktioniert. Das britische Beispiel zeigt aber auch, dass dort, wo die internetgestützte Aufnahme und Bearbeitung von Anliegen (E-Services) angeboten wird, noch viele Bürger vor einer Nutzung zurückschrecken. Dafür gibt es mehrere Gründe: Softwareprobleme (hohe Fehlerquote und Störanfälligkeit), komplizierte Verfahren, fehlende Anreize für die Erprobung neuer Anwendungen, fehlende Leistungsmerkmale der Neuen Medien oder Angst vor Missbrauch von Daten. In Deutschland etwa ist die Angst des Datenmissbrauchs besonders groß. Bei der Emnid-Umfrage von 2002 äußerten 81 Prozent der Befragten große Sicherheitsbedenken und lagen damit 18 Prozent über dem internationalen Durchschnitt.</p>
<p>                  <strong>Billiger mit E-Government?</strong><br />
                  <br />Die Studien von Emnid und HEDRA bestätigen, dass sich die Bürger mittlerweile gerne Informationen aus dem Netz ziehen. Den Schritt zum E-Service machen aber nur wenige. Der Erfolg von E-Services erfordert Kompetenz und Aufmerksamkeit auf beiden Seiten: beim Bürger und beim Staat. Dabei kann der Staat die Online-Verwaltung nicht nur durch ein gutes Angebot, sondern auch durch Anreize schmackhaft machen. In Deutschland wird darüber kaum diskutiert. Stuart James, Vize-Vorsitzender von HEDRA, greift eine Idee aus der Privatwirtschaft auf, um den Verkehr auf den Verwaltungsseiten zu steigern: Der Staat könnte steuerliche Vergünstigungen für diejenigen anbieten, die ihre Amtsgeschäfte über das Netz abwickeln. Schließlich gaben 81 Prozent der Befragten Briten an, sie würden das Internet mehr nutzen, wenn sie dadurch Vergünstigungen einstreichen würden.</p>
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