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	<title>jtauss &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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		<title>Der &#034;vernetzte&#034; Politiker</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jtauss]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Dec 1999 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"><b>Die virtuelle Diskussion stärkt die Kompetenz.</b></span></span>]]></description>
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<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"><b>Die virtuelle Diskussion stärkt die Kompetenz.</b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">Als Politiker, der die<br />
neuen Medien als Herausforderung einer intensiveren politischen<br />
Kommunikation begreift und täglich mit diesen umgeht, möchte ich auf<br />
einige persönlichen Erfahrungen als erster &quot;Online-Abgeordneter&quot; des<br />
Deutschen Bundestages eingehen: Nicht wissend, worauf man sich bei<br />
einem solchen Experiment einläßt, wollte ich vor nunmehr über 3 Jahren<br />
die vielgepriesenen Möglichkeiten der neuen Informations- und<br />
Kommunikationsmöglichkeiten nutzen. Dies wurde sowohl im Netz auch in<br />
der Öffentlichkeit mit großem Interesse aufgenommen. Schon bald gingen<br />
täglich Dutzende von Mails ein, mit der Bitte um Stellungnahmen oder um<br />
Informationsmaterial zu allen erdenklichen Themen, mit der Bitte um<br />
Weiterleitung oder einfach auch aus dem Wunsch der Kontaktaufnahme.<br />
Immer mehr wurde mein elektronisches Postfach zum Gateway der<br />
SPD-Bundestagsfraktion und auch des Deutschen Bundestages. Diese Fülle<br />
konnte natürlich kaum noch bewältigt werden, und schon bald war man mit<br />
der dem Netz eigenen &quot;Zeiterfahrung&quot; konfrontiert, was sich dann<br />
ungefähr folgendermaßen äußerte: &quot;Sehr geehrter Herr Abgeordneter, ich<br />
schicke Ihnen innerhalb von 24 Stunden bereits die dritte Mail und habe<br />
noch immer keine Antwort. Daraus schließe ich, daß sie die neuen<br />
Kommunikationsmöglichkeiten nicht ernst nehmen und gar kein Interesse<br />
an einer direkten Kommunikation mit dem Bürger haben.&quot; Davon konnte<br />
natürlich gar keine Rede sein.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">Inzwischen haben fast alle<br />
Ministerien, der Bundestag, die Parteien und Fraktionen und auch das<br />
Bundeskanzleramt den Weg auf die weltweite Datenautobahn gefunden und<br />
nutzen diese neue Form der politischen Kommunikation, auch die<br />
Abgeordneten des Deutschen Bundestages sind inzwischen über e-Mail<br />
erreichbar. Dabei bestimmen aber, wie dies bereits festgestellt wurde,<br />
noch immer &#8211; ganz im Sinne der klassischen Verteilmedien &#8211; die<br />
Informationsangebote die politischen Seiten des Netzes, nicht der<br />
Informationsaustausch.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">Für meine politische Arbeit<br />
im Ausschuß für Bildung und für die Arbeit der Enquete-Kommission<br />
&quot;Zukunft der Medien in Wirtschaft und Gesellschaft &#8211; Deutschlands Weg<br />
in die Informationsgesellschaft&quot; haben sich durchaus positive<br />
Erfahrungen im Umgang mit den neuen Medien ergeben. Von Anfang an war<br />
es dabei ein zentrales Anliegen, den Alltag eines<br />
Bundestagsabgeordneten im &quot;Raumschiff Bonn&quot; und im Wahlkreis<br />
transparenter zu machen. Enorme Unterstützung gaben bei den<br />
Anfangsschwierigkeiten &#8211; zu nennen sind beispielsweise die technischen<br />
&quot;Hürden&quot; &#8211; die Initiatoren des Projektes &quot;Abgeordnete ans Netz&quot;,<br />
welches von der FU Berlin durchgeführt wurde. Mit diesem Projekt ist es<br />
erstmals gelungen, aus jeder Fraktion einen (e-Mail-) Abgeordneten als<br />
Ansprechpartner in den neuen Medien zu gewinnen und so auch die<br />
Bedeutung dieser neuen Kommunikationsformen in den politischen Alltag<br />
hinein- und die Arbeit des Parlamentes in das Netz hinauszutragen.<br />
Dabei reichte das Angebot von Informationen über den &quot;typischen&quot;<br />
Tagesablauf einer Sitzungswoche in Bonn, also den Arbeitsrhythmus des<br />
Parlamentes, über die Arbeit im Wahlkreis bis hin zur Diskussion über<br />
die &quot;Diäten&quot;. Jedoch bieten die neuen Medien nicht nur neue<br />
Möglichkeiten für den Politiker, auf sich &quot;aufmerksam zu machen&quot;,<br />
sondern vor allem die Möglichkeit, die politische Arbeit ungefiltert<br />
darzustellen, weltweit zu recherchieren und Kontakt zu einer nahezu<br />
unbegrenzten Fachöffentlichkeit &#8211; und damit einen entscheidenden<br />
Kompetenzzuwachs &#8211; zu bekommen. Und &#8211; um ein weitverbreitetes Vorurteil<br />
aufzugreifen: Das Netz macht keineswegs einsam. Die Zahl der<br />
persönlichen Kontakte zu sehr interessanten Persönlichkeiten hat sich<br />
enorm ausgeweitet; viele Experten, die meine politische Arbeit<br />
unterstützen, habe ich in diesen Netzdiskussionen kennen- und schätzen<br />
gelernt.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">Von Anfang an war es ein<br />
wichtiges Ziel, nicht nur Informationen anzubieten, sondern vielmehr<br />
den Austausch und die Diskussion zu suchen. Schwerpunkte dieser<br />
Netzdiskussionen waren beispielsweise große und kleine Anfragen an die<br />
Bundesregierung (und natürlich deren Antworten) und Anträge der<br />
SPD-Bundestagsfraktion, die schon während des Entstehungsprozesses &#8211;<br />
also schon während der Konsenssuche innerhalb der Fraktion oder der<br />
Arbeitsgruppe &#8211; im Netz zur Diskussion gestellt worden. Oft ergaben<br />
sich aus diesen Diskussionen wertvolle Anregungen, ebenso oft natürlich<br />
auch kritische oder nachdenkliche Anmerkungen.</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">Und &#8211; wie in der<br />
Mund-zu-Mund oder massenmedialen Kommunikation ja bekanntlich auch &#8211;<br />
gab es bei der elektronischen Kommunikation ebenso gewollte und<br />
ungewollte Mißverständnisse, mit denen man lernen muß, umzugehen.<br />
Anfangs ergaben sich diese oft allein daraus, daß die Antworten der<br />
Bundesregierung auf Anfragen der SPD-Fraktion demjenigen zugerechnet<br />
wurden, der sie im Netz veröffentlichte &#8211; der Bote oder Überbringer der<br />
Botschaft wird für die Inhalte verantwortlich gemacht, wenn auch nicht<br />
mehr geköpft! Zu nennen ist hier vielleicht auch die eigendynamische<br />
Streitkultur und die dem Netz &#8211; damals noch weitaus mehr als heute &#8211;<br />
typische Unkonventionalität. Dies zeigte sich beispielsweise in dem<br />
&quot;anstrengenden&quot; Umgang mit hunderten von Protestmails.<br />
</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small">Zusammenfassend läßt sich<br />
feststellen: Die neuen Informationsmöglichkeiten und die dadurch<br />
beschleunigte Herausbildung der Informationsgesellschaft bringen &#8211; wie<br />
jede technische Neuerung &#8211; Risiken und Chancen mit sich. Wie es für die<br />
Risiken gilt, diese zu erkennen und zu minimieren, gilt dies in<br />
gleicher Weise für die Chancen. Die neuen Informations- und<br />
Kommunikationsmöglichkeiten können zur Modernisierung der Demokratie,<br />
zur Intensivierung der politischen Kommunikation und zur Herausbildung<br />
einer neuen Form von Öffentlichkeit beitragen, die eine demokratische<br />
Gesellschaft erst möglich machen &#8211; nutzen wir diese Chance und Aufgabe!<br />
Denn, was wäre die Alternative? Versäumt die Politik diese<br />
Herausforderung, werden in Zukunft die Gesellschaftsentwürfe ohne sie<br />
debattiert &#8211; und das wäre der wirkliche Abschied der Politik.<br />
</span></span></p>
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