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	<title>kbeutel &#8211; politik-digital</title>
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	<title>kbeutel &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Die SPD muß sich dann neu formieren&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/die-spd-muss-sich-dann-neu-formieren-209/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[kbeutel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Jun 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Heiko Maas]]></category>
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					<description><![CDATA[Heiko Maas, SPD-Landesvorsitzender im Saarland, war am 10. Juni zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. In der Debatte um Neuwahlen betonte Maas, &#34;Im Falle einer Wahlniederlage muss sich die SPD inhaltlich und personell neu formieren&#34;. Ein weiteres Thema war der ehemalige SPD-Chef Oskar Lafontaine.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Heiko Maas, SPD-Landesvorsitzender im Saarland, war am 10. Juni zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. In der Debatte um Neuwahlen betonte Maas, &quot;Im Falle einer Wahlniederlage muss sich die SPD inhaltlich und personell neu formieren&quot;. Ein weiteres Thema war der ehemalige SPD-Chef Oskar Lafontaine.<!--break--> </p>
<p>
Moderatorin: Liebe Politik-Interessierte, willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute der saarländische SPD-Landeschef Heiko Maas ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herr Maas, sind Sie bereit für den 60-Minuten-Chat mit unseren Usern?
</p>
<p>
Heiko Maas: Nach reiflicher Überlegung: Ja.
</p>
<p>
Moderatorin: Sie gehören zu den Leuten in der SPD, die bereits an Plänen für den Neuaufbau der Sozialdemokraten in der Ära nach Schröder schmieden, inhaltlich wie personell. Sie glauben also nicht mehr an einen Sieg bei evtl. Neuwahlen?
</p>
<p>
Heiko Maas: Doch, aber man kann Wahlen gewinnen und verlieren und deshalb muss man auf beide Fälle vorbereitet sein.
</p>
<p>
Moderatorin: Und wie sieht die Variante dann danach aus &#8211; ein paar Eckpunkte?
</p>
<p>
Heiko Maas: Dann wird sich die SPD inhaltlich und personell neu formieren müssen und ich gehe davon aus, dass die SPD dann wieder sozialdemokratischer wird. Zum einen wird die SPD zu den Reformen, die sie gemacht hat, stehen müssen. Alles andere wäre unglaubwürdig. Wir müssen den Leuten aber auch sagen, was wir in der Zukunft vorhaben. Dazu gehören für mich die Einführung von Mindestlöhnen, Bürgerversicherung und des Familiengeldes.
</p>
<p>
R2D2: Hallo Herr Maas, ist es nicht etwas naiv zu glauben, dass Sie die BTW mit einem auf &quot;sozial &quot; getrimmten Programm gewinnen können? Das ist nach Hartz I-IV irgendwie nicht glaubwürdig.
</p>
<p>
Heiko Maas: Ich glaube, Hartz IV ist nicht so unsozial, wie es viele machen. Z.B. haben wir mit Hartz IV über 100.000 Jugendliche aus der Sozialhilfe geholt. Aber es muss auch Ergänzung geben, z.B. eine Besserstellung von älteren Arbeitslosen.
</p>
<p>
Moderatorin: Uups &#8211; haben wir da was verpasst? Herr Maas, von Ihnen stammt der Satz: „Mit was sollen wir eigentlich Wahlkampf machen? Mit Hartz IV und Agende 2010, für die wir gerade abgestraft wurden?&quot; Dann lassen Sie mal die Katze aus dem Sack, womit wollen Sie Wahlkampf machen?
</p>
<p>
Heiko Maas: Erst mal würde uns niemand abnehmen, alles zurück nehmen zu wollen, was wir sieben Jahre lang gemacht haben. Wichtig ist das, was wir für die Zukunft wollen. Denn die Leute wollen wissen, was wir mit der Mehrheit machen. Wenn wir sie denn bekommen.
</p>
<p>
G-Star05: Welche Verbesserungen erwartet uns, wenn die jungen Politiker innerhalb der SPD in führende Positionen gelangen?
</p>
<p>
Heiko Maas: Junge Menschen haben eine besondere Lebenserwartung und die tut grundsätzlich der Politik gut. Junge Leute gehen unverkrampfter und pragmatischer an die Lösung vieler Probleme heran und ich glaube, dass viele Themen, wie Generationengerechtigkeit, viel stärker an Bedeutung gewinnen würden.
</p>
<p>
go_vote!: Wenn Sie schon für so viel soziale Gerechtigkeit sind: warum folgen Sie nicht Herrn Lafontaine und machen wirklich soziale Politik?
</p>
<p>
Heiko Maas: Erstens meine ich, dass das sozial ist oder nicht, nichts mehr damit zu tun hat, ob Oskar Lafontaine es fordert oder nicht und zweitens bin ich der Auffassung, dass alles was populistisch ist, unsozial ist.
</p>
<p>
noch schlimmer?: Was halten Sie den von dem Angriff von Links durch WASG und PDS? Werden die Ihnen die Prozente bei der Wahl wegschnappen, die sie wahrscheinlich so dringen benötigen werden?
</p>
<p>
Heiko Maas: Das muss man ernst nehmen, diese Herausforderung. Dennoch glaube ich, dass es mittel- und langfristig nichts wird mit einer neuen Linkspartei. Denn die Gründung einer neuen Partei braucht eine gesellschaftliche Strömung als Basis, wie z.B. damals bei den Grünen. Der Protest gegen eine Regierung alleine reicht dafür dauerhaft nicht aus und mehr sehe ich da im Moment nicht auf dieser Seite.
</p>
<p>
Renaissance05: Ist es nicht seltsam? Alle beleidigten Leberwürste kommen wieder aus ihren Löchern gekrochen: siehe Lafontaine, Merz. Auch Gysi will wieder mitspielen. Was halten Sie davon?
</p>
<p>
Heiko Maas: Leberwürste haben zur Zeit anscheinend Konjunktur. Das ist wirklich seltsam.
</p>
<p>
knallbunt: Welche Chance, glauben sie, hat die WASG mit Lafontaine und die PDS mit Gysi an der Spitze? Bereitet Ihnen das Bauchschmerzen?
</p>
<p>
Heiko Maas: Bisher ist ja noch nicht geklärt, ob es zu diesem Zusammenschluss kommt. Wenn die sich jetzt schon nicht einigen können, wird man sich fragen müssen, worauf die sich überhaupt mal einigen können. Aber dennoch: mit Gysi und Lafontaine sind die Chancen sicherlich nicht kleiner als ohne.
</p>
<p>
habs33: Würden sie, Herr Maas im Fall des Falles mit der WASG und PDS koalieren?
</p>
<p>
Heiko Maas: Nein.
</p>
<p>
habs33: Gibt es denn wirklich einen fundamentalen Unterschied zwischen den von ihnen und Frau Nahles vertretenen Positionen und den Ansätzen der WASG und PDS mit Lafontaine?
</p>
<p>
Heiko Maas: Da gibt es ganz viele Unterschiede: Andrea Nahles und ich versprechen niemandem das Blaue vom Himmel. Wir sind uns auch darüber bewusst, dass in vielen Bereichen einschneidende Reformen anstehen, die nicht nur mit Annehmlichkeiten verbunden sein werden. Aber die notwendig sein werden, um etwa den Sozialstaat zukunftsfest zu machen. Bei PDS und WASG wird alles mögliche versprochen, unabhängig davon ob es realisierbar ist. Politik besteht eben nicht nur daraus, den Leuten nach dem Mund zu reden, sondern auch schwierige Entscheidungen durchzukämpfen, auch wenn einem der Wind ins Gesicht bläst.
</p>
<p>
baldrian: Warum fand denn das geplante Treffen von Ihnen mit Nahles und Gabriel in Berlin nicht statt? Haben sie Angst als potentielle &quot;VomThronschubser&quot; verstanden zu werden?
</p>
<p>
Heiko Maas: Ich bin immer wieder erfreut darüber, welcher Einfluss mir zugebilligt wird. Aber da dieses Treffen schon vor Monaten verabredet wurde, sah es in den letzten Tagen so aus, als ob es da nur um Personalpolitik und Personalplanung gehen sollte und weil es darum nicht ging, haben wir es nicht abgesagt sondern nur auf einen anderen Termin verlegt.
</p>
<p>
St. Florian: Welche Chancen rechnen sie sich persönlich nach Neuwahlen aus?
</p>
<p>
Heiko Maas: Ich werde nach der Bundestagswahl &#8211; egal wie sie ausgeht &#8211; im Saarland bleiben, ist ja auch ein schönes Land. Da bin ich sowieso der Auffassung, dass da meine Chancen immer besser werden.
</p>
<p>
Moderatorin: Nachfrage zur WASG:
</p>
<p>
habs33: Aber sie sehen doch die Rettung ähnlich wie die WASG unter anderem in einem Steuerzuschlag für sogenannte &quot;Besserverdienende&quot;?
</p>
<p>
Heiko Maas: Das habe ich schon immer so gesehen auch als noch keiner wusste, ob WASG für eine Versicherungsagentur oder eine Partei stand.
</p>
<p>
Carl: Wie begründen Sie Ihre Aufforderung den Steuersatz für Großverdiener auf 47% zu erhöhen. Diese Menschen haben meiner Meinung nach viel dafür getan. Die meisten haben ein langes Studium absolviert, arbeiten 17-18 Stunden am Tag und nehmen oft Risiken und Stress einer eigenen Unternehmensgründung auf sich. Denken Sie nicht, dass sie schon genug für die Gesellschaft tun. Beispielsweise schaffen Sie Arbeitsplätze und zahlen hohe Gewerbesteuern.
</p>
<p>
Heiko Maas: In den letzten Jahren ist bei all den Reformen, die gemacht worden sind, denen den es nicht so gut geht, einiges aberverlangt worden. Deshalb glaube ich, dass auch diejenigen einen Beitrag leisten können, die sich diesen Beitrag auch wirklich leisten können. Sie bezahlen dann immer noch weniger Steuern als unter Helmut Kohl und das halte ich für vertretbar.
</p>
<p>
Moderatorin: Umgekehrt:
</p>
<p>
goodie: Ich bin unzufrieden mit der Regierungsmannschaft der SPD, weil sie nicht den sozialen Ausgleich zwischen einkommensstarken und -schwächeren Schichten hinbekommen hat, wie sie es vor der &quot;Abwahl&quot; von Kohl versprach. Was soll sich denn diesbezüglich ab September 2005 ändern, wenn die SPD wieder in die Regierungsverantwortung käme? Und: Wie glaubwürdig ist sie denn?
</p>
<p>
Heiko Maas: Der größte Beitrag zu einer gerechteren Gesellschaft besteht in einer deutlichen Reduzierung der dramatisch hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland. Ohne dass wird die Gesellschaft weiter auseinander klaffen und alles andere bekämpft nur die Symptome. Darüber hinaus müssen bei allen weiteren politischen Maßnahmen, die realisiert werden, auch deren Auswirkungen auf die soziale Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft berücksichtig werden. Deshalb ist es z.B. bei der weiteren Gesundheitsreform gerechter, eine Bürgerversicherung einzuführen als die Kopfprämien der CDU, bei denen dann jeder den gleichen Krankenversicherungsbeitrag bezahlt, egal ob er 1000 oder 100.000 Euro verdient.
</p>
<p>
keynesianer: Guten Tag, Herr Maas! Ich glaube, dass eine künftige Politik sich nicht unbedingt als links definiert, einfach weil Großverdiener eventuell wieder soviel Steuern zahlen wie früher unter Kohl. Es muss vor allem eine staatliche Initiative zur Konjunkturbelebung geben. Über Fiskalpolitik und Eingriffe in die Lohnpolitik, denn diese ist seit Jahren zu vorsichtig, wie wird die SPD hier in Zukunft handeln?
</p>
<p>
Heiko Maas: Da stimme ich zu. Ich glaube, in Deutschland haben wir im europäischen Vergleich ein viel zu niedrige Investitionsquote und deshalb glaube ich, dass in einer konjunkturell desolaten Lage wie jetzt auch begrenzte staatliche Konjunkturimpulse vertretbar und notwendig sind.
</p>
<p>
ThomasM: Glauben sie nicht, dass gerade einige junge SPD Nachwuchstalente in den Ländern insgeheim auf einen Regierungswechsel hoffen, da falls die CDU die Probleme auch nicht besser lösen kann die Stimmung in Deutschland wieder umschlägt und in den darauf folgenden Landtagswahlen die SPD einige Bundesländer wieder &quot;zurückerobern&quot; könnte?
</p>
<p>
Heiko Maas: Sicherlich wird im Falle eines CDU-Wahlsieges das Pendel in den Ländern in Zukunft wieder in die andre Richtung ausschlagen. Aber wer glaubt, damit alleine in Zukunft Landtagswahlen gewinnen zu können, springt etwas zu kurz. Wer Erfolg in den Ländern hat der muss sich diesen hart erarbeiten. Dabei wird die Bundespolitik immer eine Rolle spielen aber nicht die alleinige. Wer ständig das falsche macht oder fordert, der wird nie Wahlen gewinnen, egal wer in Berlin regiert.
</p>
<p>
Moderatorin: Apropos regieren:
</p>
<p>
BusDriver: Welche Rolle würde Herr Schröder in einer großen Koalition spielen?
</p>
<p>
Heiko Maas: Da eine Große Koalition bei mir allenfalls in Alpträumen vorkommt und Gerhard Schröder bisher darin noch keine Rolle gespielt hat, kann ich diese Frage nicht beantworten.
</p>
<p>
Moderatorin: Nächster Versuch:
</p>
<p>
gregorian: Wäre nicht ein konstruktives Misstrauensvotum mit Merkel als neuer Kanzlerin eine Idee? Dann bräuchte man keine Neuwahlen, Merkel wäre auf die Rot/Grüne Mehrheit angewiesen und würde dann die regulären Wahlen 2006 todsicher verlieren. Prima Idee oder?
</p>
<p>
Heiko Maas: Das wäre mal was anderes. Aber ich fürchte, Frau Merkel steht dafür nicht zur Verfügung.
</p>
<p>
unophon: Sollte ihrer Meinung nach Sigmar Gabriel eine gewichtigere Rolle auf Bundesebene spielen?
</p>
<p>
Heiko Maas: Ja, das finde ich wäre richtig.
</p>
<p>
sedimentgestein: Planen sie jetzt schon die Nachschröderära? Bleibt Münte dann SPD-Chef?
</p>
<p>
Heiko Maas: In der Generation der Jüngeren gehört er zu den Besten. Wir planen jetzt erst mal den Wahlkampf aber unabhängig vom Ausgang des Wahlkampfes: Franz Müntefering ist ein guter Parteivorsitzender und er wird es auch bleiben.
</p>
<p>
redkiller: Warum soll Schröder dem nächsten Bundestag und vor allem der SPD-Fraktion hier vor allem der SPD-Linken vertrauen?
</p>
<p>
Heiko Maas: Weil Gerhard Schröder in den letzten Jahren, wenn auch mit Mühen, für alle seine Reformen, auch wenn sie weh taten, in Partei und Fraktion immer eine Mehrheit bekam.
</p>
<p>
Moderatorin: Ja, aber das sieht doch jetzt wohl anders aus. Was halten Sie von den Äußerungen Schröders, der als Grund für Neuwahlen das „erhöhte Erpressungspotenzial&quot; von SPD-Fraktion und Regierungskoalition angegeben hat?
</p>
<p>
Heiko Maas: Es gibt kein erhöhtes Erpressungspotenzial, denn in der Zusammensetzung von Fraktion oder Parteivorstand hat sich nichts verändert. Das einzige Erpressungspotenzial bietet die Realität.
</p>
<p>
Moderatorin: Hat der Kanzler das erfunden, um die Linken, die ihm auch früher schon das Leben schwer gemacht hat, abzustrafen?
</p>
<p>
Heiko Maas: Ich weiß nicht, ob der das gesagt hat. Vielleicht hat es ja der Bundespräsident erfunden oder der Spiegel.
</p>
<p>
Hongkong: Guten Tag Herr Maas! Warum soll eine Bürgerversicherung ungerecht sein? Den sozialen Ausgleich schafft doch bereits unser Steuersystem. Ich finde es falsch, wenn alle Abgaben immer zu einer höheren Belastung der &quot;Besserverdiener &quot; führen.
</p>
<p>
Heiko Maas: Sie meinen wahrscheinlich die Gesundheitsprämie. Nach allen Statistiken, die es zur Zeit gibt, ist die Steuerbelastung der Besserverdienenden in den letzten Jahren deutlich gesunken. Grundsätzlich glaube ich, dass bei allen zukünftigen Reformen die Leistungsfähigkeit der Betroffenen eine größere Rolle spielen muss. Die lohnabhängigen Krankenkassenkassenbeiträge, wie wir sie jetzt kennen, sind dafür eine vernünftige Basis, die ich ungern aufgeben würde.
</p>
<p>
spinozetti1: Was sind eigentlich die praktischen Konsequenzen aus der Kapitalismuskritik von Müntefering?
</p>
<p>
Heiko Maas: Z.B. die Einführung von gesetzlichen Mindestlöhnen. So wie es sie in den meisten anderen europäischen Staaten schon gibt. Diese sollen verhindern, dass im immer härteren Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt die Arbeitnehmer zukünftig mit Hungerlöhnen abgespeist werden können. Wir beschweren uns immer darüber, dass ins unserer Gesellschaft weniger und weniger Kinder geboren werden und sollten uns deshalb mal Gedanken darüber machen, was gerade junge Menschen so viel Geld verdienen sollten, dass sie gerade mal eine junge Familie ernähren können.
</p>
<p>
AggroPotsdam: Herr Mass, mit welchen drei Punkten überzeugen Sie mich, die SPD bei der BTW zu wählen?
</p>
<p>
Heiko Maas: Schade dass es nur drei sein dürfen, ich kenne tausende: Die SPD ist ehrlich, sie verschließt sich nicht gesellschaftlichen Veränderungen, auch den ganz schwierigen nicht. Die SPD ist sozial, sie will eine solidarische Gesellschaft mit funktionierendem Sozialstaat und keine Ellbogengesellschaft und drittens es gibt keine andere Partei in Deutschland, die in ihrer Geschichte so sehr für Frieden eingetreten ist bis zum heutigen Tage, siehe die Haltung der Bundesregierung zum Irakkrieg.
</p>
<p>
go_vote!: Ab wann ist denn mit einem verlässlichen Wahlkampfprogramm der SPD zu rechnen?
</p>
<p>
Heiko Maas: Ab dem 4. Juli, dann wird der Parteivorstand es beschließen.
</p>
<p>
Moderatorin: Wer arbeitet jetzt daran? Die beiden allein?
</p>
<p>
Heiko Maas: Franz Müntefering und Gerhard Schröder. Auch noch einige andere, aber diese beiden haben die Hauptverantwortung.
</p>
<p>
Skyprayer2: Ist es Ihrer Ansicht nach auch sozial, dass die eigenen Leute in den Ministerien noch zu befördern?
</p>
<p>
Heiko Maas: Wenn die Leute es durch ihre Arbeit verdient haben, befördert zu werden, dann sollten sie befördert werden unabhängig davon, wann Wahlen sind. Wenn nicht, dann nicht.
</p>
<p>
HKo: Ist Ihrer Meinung nach Hartz IV gerecht. Es gab doch einige Nachbesserungen, nich zuletzt durch eine hohe Zahl von Widersprüchen.
</p>
<p>
Moderatorin: Hartz-IV-Ombudsmann Hermann Rappe hat dafür plädiert, die Bezugsdauer des regulären Arbeitslosengeldes an die Dauer der Einzahlungen in die Arbeitslosenversicherung zu koppeln. Ist das vernünftig?
</p>
<p>
Heiko Maas: Es glaube, es ist noch sehr früh, jetzt nach 6 Monaten zu beurteilen, ob Hartz IV funktioniert oder nicht. Verbesserungen halte jedoch auch ich für notwendig in Bezug auf ältere Arbeitnehmer/Innen, es gibt dafür unterschiedliche Möglichkeiten. Eine Möglichkeit wäre, die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I zu verlängern für solche, die besonders lange in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben.
</p>
<p>
karlchen: Ich bin überzeugter Sozialdemokrat. Seitdem meine Partei mit Agenda 2010 und Hartz IV dem Neoliberalismus verfallen ist, bin ich politisch heimatlos. Wen soll ich wählen, Herr Maas?
</p>
<p>
Heiko Maas: Natürlich die SPD, weil das die einzige Partei ist für überzeugte Sozialdemokraten. Und auch wenn wir nicht alles richtig gemacht haben in der letzten Zeit, glaube ich dass es eine bessere Gesellschaft in der Zukunft nur mit einer stärkeren Sozialdemokratie geben kann. Und falls die anderen die Wahl gewinnen, werden sich einige sehr schnell die Vorgängerregierung zurück wünschen.
</p>
<p>
Nietnagel: Was erwartet den Wähler, wenn schwarz-gelb gewinnt?
</p>
<p>
Heiko Maas: Abschaffung des Kündigungsschutzes, die Gewerkschaften werden platt gemacht wir werden zukünftig mit den USA überall in den Krieg ziehen zurück zur Atomkraft und den Atomkraftwerken und 24 Stunden die Gesichter von Merkel und Westerwelle im Fernsehen. Das kann niemand ernsthaft wollen.
</p>
<p>
maike: Was erwartet uns in Bezug auf die Mehrwertsteuer? Wird sie erhöht?
</p>
<p>
Heiko Maas: Die Mehrwertsteuer wird erhöht, wenn die CDU die Wahl gewinnt. Es gibt zu viele in der CDU, die das wollen damit sie eine weitere Senkung des Spitzensteuersatzes etc. finanzieren können. Mit der SPD wird es das nicht geben. Die, die das aus der SPD gefordert haben, sind Dummschwätzer und haben nichts zu sagen.
</p>
<p>
Moderatorin: Wie wollen sie sich mit der Forderung nach einer stärkeren Besteuerung großer Vermögen und privater Erbschaften durchsetzen? Müntefering und Schröder haben Kurskorrekturen und einer Verwässerung der Reformagenda 2010 eine Absage erteilt.
</p>
<p>
Heiko Maas: Ich glaube, dass es dazu kommen wird denn das ist keine Verwässerung, sondern nur eine Verlängerung der Agenda 2010. Zumindest habe ich die Kapitalismuskritik von Franz Müntefering so verstanden.
</p>
<p>
karlchen: Aber schiebt die Parteiführung nicht linke Sozialdemokraten (wie Sie!) nun als Feigenblatt vor, ohne tatsächlich eine sozialere, gerechtere Politik zu machen? Sind sie nicht das praktische Alibi für Schröder, um die Parteilinke ruhig zu stellen und die Partei ins Aus zu führen &#8211; nämlich zu höchstens 35 % bei den Bundestagswahlen und neuen 16 Jahren Opposition?
</p>
<p>
Heiko Maas: Ich tauge nicht zum Feigenblatt und ich glaube auch, dass Gerhard Schröder das so sieht.
</p>
<p>
yohannes: Wird die SPD nach einer verlorenen Bundestagswahl wieder linker?
</p>
<p>
Heiko Maas: Die SPD ist und bleibt eine linke Volkspartei und zwar unabhängig vom Ausgang der Bundestagwahl. Nach den Reformen der letzten Jahre, die insbesondere von der einfachen Bevölkerung viel abverlangt haben, glaube ich dass in Zukunft aber die gesellschaftliche Balance dadurch gewahrt werden muss, dass auch diejenigen, denen es besser geht, einen größeren Beitrag dazu leisten müssen, dass wichtige öffentliche Aufgaben wie Bildung und Forschung gewährleistet werden können.
</p>
<p>
Moderatorin: Unsere Zeit ist bereits um. Vielen Dank an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Maas, dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript dieses Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten Chat gibt es am nächsten Freitag, 10. Juni, ab 13.00 Uhr mit dem Geschäftsführer der WASG Klaus Ernst. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen angenehmen Tag!
</p>
<p>
Heiko Maas: Ich hoffe, dass Sie nach einer Stunde etwas schlauer geworden sind und bedauere, dass Sie die beiden netten Damen nicht kennen gelernt haben, die ich kennen gelernt habe.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wir machen hier kein Ringelpietz&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[kbeutel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 May 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Nahles]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Andrea Nahles, bekennende Partei-Linke 
und Mitglied im SPD-Präsidium, stellte sich am 25. Mai den 
Chat-Usern<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="color: #000000"><b><b> 
</b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>ist 
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span></span> 
Im Mittelpunkt standen, zwei Tage nach Münteferings Neuwahlenforderung, 
die Themen Zukunft der Partei und die Regierungsfähigkeit der 
Koalition.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Andrea Nahles, bekennende Partei-Linke<br />
und Mitglied im SPD-Präsidium, stellte sich am 25. Mai den<br />
Chat-Usern<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="color: #000000"><b><b><br />
</b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>ist<br />
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span></span><br />
Im Mittelpunkt standen, zwei Tage nach Münteferings Neuwahlenforderung,<br />
die Themen Zukunft der Partei und die Regierungsfähigkeit der<br />
Koalition.<!--break-->
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin: </span>Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute die Wortführerin der<br />
SPD-Linken Andrea Nahles ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Frau<br />
Nahles, sind Sie bereit für den 60-Minuten-Chat mit unseren<br />
Usern?<span class="fett"></p>
<p>Andrea Nahles:</span> Ja.<span class="fett"></p>
<p>Moderatorin: </span>Frau Nahles, haben Sie mit den anderen aus der<br />
Parteilinken den Kanzler bis aufs Blut gereizt, dass er gar nicht<br />
mehr anders konnte als Neuwahlen anzusetzen?<span class="fett"></p>
<p>Andrea Nahles: </span>Nein. Aber wir haben mit der Politik der letzten<br />
drei Jahre neun Landtagswahlen verloren. Während dieser ganzen<br />
Zeit haben wir uns mehr als solidarisch verhalten. Aber ein &quot;Wir<br />
wählen solange, bis die Wähler es kapieren&quot; halten<br />
wir nicht durch. Deshalb ist nach vorne eine Öffnung für<br />
ein schärferes soziales Profil erforderlich. <span class="fett"></p>
<p>Charles Bronson:</span> Die Menschen wählen die CDU statt der<br />
SPD, weil sie keine Reformen wollen. Dabei wird wohl der Bock zum<br />
Gärtner gemacht. Haben sie nicht einfach ein riesen Kommunikationsproblem?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles:</span> Das auch. Die Menschen<br />
&#8211; so habe ich es im Wahlkampf gespürt erwarten nicht viel von<br />
der CDU, aber sie sind von uns enttäuscht. Und das hat wirklich<br />
viel mit unserer Politikpräsentation zu tun.</p>
<p><span class="fett">12zehenfaultier:</span> Womit wollen sie eigentlich<br />
Wahlkampf machen? Glaubt Schröder wirklich er kann die Menschen<br />
noch begeistern?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles: </span>Es geht nicht um begeistern,<br />
sondern ums überzeugen. Wir Sozialdemokraten stehen für<br />
Zusammenhalt in einem schwierigen Strukturwandel. Die &quot;anderen&quot;<br />
für marktradikalen Sozialabbau. Es geht darum, wie wir leben<br />
wollen. Ich gebe Ihnen aber recht, wir müssen in den nächsten<br />
2-3 Wochen eine Vorwärtslinie definieren. Was wird besser,<br />
wenn wir im Herbst von den Wähler bestätigt würden.<br />
Da setze ich auf Reformen. Wie zum Beispiel den Abbau von Steuerschlupflöchern.<br />
Die Eindämmung von Spekulationsgewinnen und so.</p>
<p><span class="fett">Moderatorin: </span>Gehen wir ins Detail: Was<br />
sind Ihre Positionen für das Wahlprogramm? </p>
<p><span class="fett">Andrea Nahles:</span> Wir brauchen einen handlungsfähigen<br />
Staat. Einen Staat, der in die Zukunft investieren kann. In Bildung,<br />
aber auch Gesundheit. Wir müssen den Menschen ein verlässlicher<br />
Partner sein. Das heißt: Wir müssen Konsequenzen aus<br />
der Kapitalismuskritik ziehen. Wir wollen, dass Bildung für<br />
alle finanzierbar bleibt und dass wir mehr Ganztagsschulen und Förderungen<br />
der einzelnen Kinder, Jugendliche und Arbeitnehmer bekommen. Wir<br />
wollen den Sozialstaat nicht abbauen, aber wir müssen ihn weiter<br />
entwickeln. Zum Beispiel indem wir weniger über Abgaben und<br />
mehr über Steuern finanzieren etc. Sozialer Fortschritt nennt<br />
das Müntefering. Finde ich gut.</p>
<p><span class="fett">bech:</span> Wie stellen Sie sich die Zukunft<br />
des Gesundheitsprogramms vor?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles: </span>Wir können in Deutschland<br />
viel mehr machen, um Krankheiten vorzubeugen. Prävention ist<br />
da das Stichwort. Wir sollten in jedem Fall aus dem Kreislauf ausbrechen,<br />
dass wir bei dem Gesundheitssystem immer entweder nur die Leistungen<br />
kürzen oder die Beiträge steigern. Stattdessen setzen<br />
wir auf die Bürgerversicherung &#8211; d.h. Von allen für alle.<br />
Konkret: Alle Bürger in einem guten System versichern &#8211; bei<br />
unterschiedlichen Kassen, privaten wie öffentlichen, aber zu<br />
solidarischen Bedingungen. Das heißt, nicht nur die Löhne<br />
und Gehälter finanzieren unserer Gesundheitssystem, sondern<br />
auch die Kapitalerträge aus Vermögen.
</p>
<p>
<span class="fett">Bender1:</span> Ist die Bürgerversicherung<br />
nicht nur ein Schlagwort und eher unter einer neuen Steuer einzuordnen?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles: </span>Schlagwort. He, ich habe<br />
81 Seiten mit unserer Kommission erarbeitet, unter www.spd.de zu<br />
finden. Aber im ernst: wir wollen die Basis der Einnahmen dadurch<br />
verbreitern, dass alle einzahlen. Das ist Netto gerechnet ein Plus<br />
von 6 Mrd. bei den Einnahmen, weil die Gutverdiener dann auch voll<br />
mit drin sind in der Solidargemeinschaft. Darüber hinaus &#8211;<br />
ergänzend &#8211; wollen wir auch Kapitalerträge, die bisher<br />
überhaupt nicht berücksichtigt werden zur Finanzierung<br />
heranziehen. Im Gegensatz zur CDU bleibt die Finanzierung bei uns<br />
im Wesentlichen eine über die Umlage von Beiträgen.</p>
<p><span class="fett">JH:</span> Also ohne Beitragsbemessungsgrenze?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles:</span> Die Beitragsbemessungsgrenze<br />
bleibt wie bisher für die Löhne und Gehälter. Aber:<br />
wenn wir Kapitalerträge heranziehen, dann kann man das auf<br />
zwei Wegen machen. Entweder man nimmt das über eine pauschalierte<br />
Steuer ein &#8211; ohne Beitragsbemessungsgrenze, oder – ein zweiter<br />
Weg &#8211; man &quot;verbeitragt&quot; die Kapitaleinkünfte &#8211; wie<br />
es so schön im deutschen Sprachgebrauch heißt. Diesen<br />
Weg &#8211; weil er komplizierter ist &#8211; favorisiere ich jedoch nicht.</p>
<p><span class="fett">Moderatorin: </span>Gehen wir zum Thema Steuern:
</p>
<p>
<span class="fett">takumar:</span> Kaum jemand bestreitet ernsthaft<br />
dass eine Mehrwerteteuererhöhung richtig und unvermeidlich<br />
ist. Wenn das aber so ist, muss man sie dann nicht gleich machen<br />
und mit dem eingenommenen Geld Positives bewirken?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles:</span> Vielleicht &quot;kaum<br />
jemand&quot; obwohl ich dem noch nicht begegnet bin 🙂 &#8211; aber ich<br />
schon. Bevor wir an die Mehrwertsteuer denken, warum nicht die Veräußerungen<br />
von Aktienverkäufen besteuern. Derzeit und leider von meiner<br />
Regierung so beschlossen &#8211; Steuer Null. Oder: Wieso nicht einen<br />
Aufschlag auf die Einkommenssteuer von 5 % ab einem Einkommen von<br />
300.000 Euro im Jahr? Mehrwertsteuern wirken immer sehr ambivalent<br />
&#8211; sie belasten den Konsum. Die größte wirtschaftliche<br />
Schwäche in Deutschland ist seit Jahren die schwache Nachfrage<br />
auf dem Binnenmarkt. Also, keine vorschnelle Mehrwertsteuererhöhung.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin: </span>Wie wollen sie sich mit<br />
der Forderung nach einer stärkeren Besteuerung großer<br />
Vermögen und privater Erbschaften durchsetzen? Müntefering<br />
und Schröder haben Kurskorrekturen und einer Verwässerung<br />
der Reformagenda 2010 eine Absage erteilt.
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles:</span> Erst mal fordere ich generell,<br />
dass alle Einkommen gerecht und nach ihrer Leistungsfähigkeit<br />
zur Finanzierung unserer Gemeinwesens herangezogen werden. Das gibt<br />
es mehr als die beiden oben genannten Punkte. Gerhard Schröder<br />
und ich tragen gerade öffentlich aus, inwieweit eine &quot;Weiter<br />
so&quot;- Linie in den nächsten Monaten geht. Ich glaube aber,<br />
dass wir eine gemeinsame Wahlkampfplattform finden. Wie gesagt,<br />
wir stecken derzeit mitten in der Frage Agenda 2010 oder Agenda<br />
2010 Plus.</p>
<p><span class="fett">jim knopf: </span>Sie gelten doch als Parteilinke,<br />
wäre das Lafontaine-Bündnis was für sie?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles:</span> Nein. Seit gestern gehört<br />
Oskar Lafontaine zu meinen politischen Gegnern. Er hat die große<br />
Chance gehabt, linke Politik mit einer Regierungsmehrheit, und damals<br />
hatte die SPD sogar noch eine Mehrheit im Bundesrat, zu machen.<br />
Obwohl ich verstanden habe, warum er als Finanzminister zurückgetreten<br />
ist, habe ich diese Flucht aus allem nie begriffen. Seither führt<br />
er einen privaten Feldzug gegen alle möglichen Leute. Ich kann<br />
bei ihm selber aber keine Zukunftskonzepte erkennen, er ist einer<br />
von gestern.</p>
<p><span class="fett">LinkeEifelerin:</span> Befürchtest du, dass<br />
noch mehr SPD Linke Lafontaine folgen und die Partei verlassen?</p>
<p><span class="fett">Andrea Nahles: </span>Ja, das kann sein. Aber<br />
ich arbeite mit Hochdruck daran das es so wenig wie möglich<br />
werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin: </span>Glauben Sie, dass die SPD<br />
Stimmen an ein eventuelles Linksbündnis verliert?</p>
<p><span class="fett">Andrea Nahles: </span>Frage von oben, bitte neue<br />
Frage.
</p>
<p>
<span class="fett">UserTWO10:</span> Welche Strategie halten Sie<br />
im Wahlkampf für richtig: personalisierter oder sachorientierter<br />
Wahlkampf?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles:</span> Personalisierung alleine<br />
haut definitiv nicht hin. Aber ich denke, die CDU hat ein Problem<br />
mit Merkel und Westerwelle bei ihrer eigenen Klientel.</p>
<p><span class="fett">Moderatorin:</span> Kommen wir zur SPD-Klientel:</p>
<p><span class="fett">Markus75:</span> Schröder muss natürlich<br />
zu seiner Linie (Hartz IV usw.) stehen. Wenn die SPD eine andere<br />
Linie fahren will, geht das nur mit einem anderen Kanzlerkandidaten.<br />
Von daher halte ich die Debatte über Agende 2010 (Plus?) für<br />
eher aussichtslos. Mit Schröder lässt sich ein &quot;Plus<br />
&quot; nicht transportieren. Allenfalls mit Münte.</p>
<p><span class="fett">Deep-Chess:</span> Inwieweit ist die SPD eigentlich<br />
vom Schröder/Müntefering abhängig. Wieso konnten<br />
die Beiden sozusagen alleine das Regierungsbündnis kündigen<br />
und wieso können die Beiden jetzt auch noch ohne die Basis<br />
zu befragen sich selber (Schröder) wieder als Spitzenkandidaten<br />
aufstellen?</p>
<p><span class="fett">Andrea Nahles:</span> Wir brauchen einen Chor<br />
von Stimmen, die harmonieren. Solche krassen Entscheidungen kann<br />
man nicht in einem großen Plenum diskutieren. Das ist zwar<br />
Mist, aber das verstehe ich sogar. Die SPD wird aber am 4.7. und<br />
am 31.8. Parteitage haben, die das Programm und den Kandidaten bestimmen<br />
bzw. aufstellen. Klar ist aber, dass das Schröder ist. Ja,<br />
das ist Zugzwang, aber der ist halt da, wenn man einen 3-Monate-Wahlkampf<br />
führt.
</p>
<p>
<span class="fett">SPD-Braunschweig:</span> Liebe Andrea! Würde<br />
ein thematischer Kurswechsel nicht die letzte Glaubwürdigkeit<br />
der Partei zerstören? Wir Anhänger an der Basis werden<br />
auf jeden Fall die Politik Schröders vertreten und dafür<br />
werben!</p>
<p><span class="fett">Andrea Nahles:</span> Richtig. Deshalb kann es<br />
keinen Kurswechsel im Sinne einer Rücknahme unserer Reformen<br />
geben aber eine ehrliche Bilanz ist auch fällig. Offensichtlich<br />
haben wir Kompetenz in den Augen der Menschen eingebüßt.<br />
Deshalb plädiere ich für eine Neuausrichtung nach vorne.<br />
(Da guck mal genau, wie ich das intoniere). Und mein Eindruck ist,<br />
dass die Leute sehr erleichtert waren als Münte auch noch mal<br />
offensiv die Verantwortung der Unternehmen für Arbeitsplätze<br />
thematisiert hat. Und das müssen wir jetzt füllen. Wenn<br />
wir das nicht machen, glauben uns die Leute grad gar nix mehr.
</p>
<p>
<span class="fett">frischling:</span> Schröder macht den Eindruck<br />
eines angeschossenen, in die Ecke getriebenen wilden Tieres. Haben<br />
sie nicht Angst, er trampelt jetzt alle tot?</p>
<p><span class="fett">Andrea Nahles: </span>Na ja, wir sind seit Jahren<br />
echte Freunde 🙂 Aber ich denke: Rückrat macht stark Und so<br />
fühle ich es auch. Wir haben Respekt – wechselseitig.<br />
Das wird schon gehen.</p>
<p><span class="fett">Nobbi:</span> Nur Müntefering steht für<br />
mehr Staat und das ist ja wohl eine Einbahnstrasse, die die Eigeninitiative<br />
lähmt.
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles: </span>Wir Sozis sehen das so:<br />
Staat ist dafür da, dass alle den gleichen Chancen haben, aber<br />
nutzen müssen die Leute das in Eigeninitiative. Deshalb heißt<br />
es in vielen Feldern „Fordern und Fördern“ &#8211; eben<br />
beides. Unser Staat das ist eben so. Menschen, Gesellschaft, Staat,<br />
aber alles fängt mit den Menschen an und hört auch da<br />
wieder auf.
</p>
<p>
Ich sehe das nicht als Gegensatz, das muss ineinander greifen.<br />
Derzeit mache ich mir Sorgen, weil in meinen Heimatkommunen viele<br />
sinnvolle und wichtige Aufgaben z.B. Büchereien, Streetworker<br />
für junge Menschen etc. nicht mehr finanziert werden können.<br />
Das zu ändern, würde ich gestaltenden Staat nennen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Zu den Grünen:</p>
<p><span class="fett">Renaissance: </span>Finden sie den Umgang mit<br />
dem Koalitionspartner richtig? (Der Mohr hat seine Schuldigkeit<br />
getan&#8230;)</p>
<p><span class="fett">Andrea Nahles:</span> Wir haben mit den Grünen<br />
eine große Schnittmenge an Positionen. Wir haben mit denen<br />
viele erfolgreiche Projekte umgesetzt: z. B. Atomausstieg, den die<br />
CDU wieder rückgängig machen will. Aber auch generell<br />
ein offenes Klima in der Gesellschaft. Ich will das fortführen,<br />
klar ist aber auch, die SPD muss stärker werden, sonst verlieren<br />
wir beide. In diesem Sinne bin ich dafür, dass wir getrennt<br />
auftreten, um dann wieder gemeinsam &quot;zuzuschlagen&quot;.
</p>
<p>
<span class="fett">robert0810: </span>Wie beurteilen Sie die Chancen<br />
einer &quot;Großen Koalition&quot;?</p>
<p><span class="fett">Andrea Nahles:</span> Geschwätz über<br />
große Koalitionen lehne ich strikt ab.</p>
<p><span class="fett">remington steel:</span> Geht es Herrn Schröder<br />
in Wahrheit um eine Große Koalition, unter seiner Führung?</p>
<p><span class="fett">Andrea Nahles:</span> Nein, das hätte er<br />
einfacher haben können. Für die SPD als Partei ist das<br />
keine Lösung, wir machen einen polarisierten Richtungswahlkampf<br />
und nicht Ringelpietz mit Anfassen.
</p>
<p>
<span class="fett">rote_juso_socke:</span> Liebe Andrea, was wäre<br />
denn dein/e persönlicher Rat/Bitte an Parteilinke (besonders<br />
Jusos), die zur Zeit an einen Austritt wie Lafontaine denken?</p>
<p><span class="fett">Andrea Nahles: </span>Mit dem derzeitigen Personal-<br />
und Politikangebot ist die SPD noch zu schwach aufgestellt für<br />
die nächsten Jahre, deshalb: Eintreten und damit Politik verändern,<br />
und nicht Austreten und damit die Linke zerlegen und Mehrheiten<br />
auf Dauer zu verhindern.</p>
<p><span class="fett">szaoralek:</span> Was bleibt H. Schröder<br />
selbst nach einem Wahlsieg übrig als eine große Koalition,<br />
sonst ist das Land nicht regierbar! Oder ist das ein gewollter Abgang?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles:</span> Meine These: Wir trennen<br />
im Rahmen der Föderalismuskommission die beiden Ebenen Länder<br />
und Bund und nehmen damit viele der derzeitigen Blockademöglichkeiten<br />
weg. Das nervt die Leute nämlich gewaltig. Auf dieser Basis<br />
macht eine Mehrheit auf der Bundesebene für Rot-grün Sinn.<br />
Und zwar im Sinne auch einer Balance der Kräfte. Ich interpretiere<br />
das ganze Manöver von Schröder als Versuch, diese Situation<br />
herbeizuführen. Leicht wird es nicht, aber er ist nicht defensiv<br />
gewesen in den letzten Tagen in den internen Gremien.</p>
<p><span class="fett">waldmann: </span>Befürchten Sie bei dieser<br />
waghalsigen Taktik nicht ein wenig, dass sich die CDU wider Erwarten<br />
zusammenreißt und wirklich effektive Alternativen zur aktuellen<br />
Politik entwirft?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles:</span> Ich befürchte, dass<br />
die CDU &#8211; genau wie in NRW &#8211; schlicht nicht auf der Bühne der<br />
Wahlauseinandersetzung auftritt, sich schlicht tot stellt, und wir<br />
es dadurch sehr schwer haben werden die realen und unsozialen Alternativen<br />
auch den Leuten vor Augen zu führen.</p>
<p><span class="fett">mierscheid:</span> Hallo Frau Nahles, erhöht<br />
die Neuwahl ihre innerparteilichen Karrierechancen?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles:</span> Ich bin 2002 aus dem Bundestag<br />
herausgeflogen und dachte, jetzt ist mit meiner Karriere Schluss,<br />
und das Gegenteil war der Fall. Was passiert wenn ich jetzt wieder<br />
reinkomme? Warten wir es ab?. Ich bin bereit.</p>
<p><span class="fett">Moderatorin:</span> Was wäre, wenn der Kanzler<br />
sagen würde, wir brauchen jemand der Flügel einbinden<br />
kann. Das haben sie jahrelang schön gemacht. Sie sind die perfekte<br />
Generalsekretärin?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles: </span>Klar ist, dass wir in<br />
den nächsten Monaten den Generationsaufbau neuer Köpfe<br />
in der SPD forcieren sollten und Müntefering hat das auch angekündigt,<br />
aber was wie genau &#8211; sorry, bisher hatte dafür noch keiner<br />
Zeit.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin:</span> Aber sie gehen doch mit<br />
der alten Mannschaft in den Wahlkampf – zunächst.</p>
<p><span class="fett">Andrea Nahles: </span>Soweit die Füße<br />
tragen.</p>
<p><span class="fett">KittyBlue:</span> Fürchten Sie nicht, dass<br />
Frau Merkel als Kanzlerkandidatin bei den Frauen punkten wird und<br />
mit diesem Bonus für die CDU den Erfolg einfährt?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles: </span>Ich glaube tatsächlich,<br />
dass der Wahlkampf nicht so sehr ein personalisierter sein wird.<br />
Aber meine Erfahrung mit Thatcher hat mich vorsichtig gemacht, was<br />
die Beurteilung alleine nach dem Geschlecht angeht. Trotzdem sollten<br />
wir mit der Politik von Renate Schmidt weitermachen und Frauen systematisch<br />
unter die Arme greifen um ihre beruflichen und familiären Startchancen<br />
auf Vordermann zu bringen. Was mich nervt ist, dass Frau Merkel<br />
sehr oft nach Äußerlichkeiten beurteilt wird und das<br />
wirklich Ausmaße annimmt, die ich unfair finde. Ich setzte<br />
mich lieber mit ihr auf der inhaltlichen Ebene auseinander von Frau<br />
zu Frau.</p>
<p><span class="fett">Tomchen:</span> Wie soll denn ein neues Kabinett<br />
aussehen? Sind da nicht einige Kandidaten, die sich 4 Jahre nicht<br />
mehr antun wollen/können?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles: </span>Auch wenn viele Leute<br />
mich jetzt danach fragen, bin nicht &quot;der Kanzler&quot; und<br />
mache auch meine eigenen Leute jetzt nicht schlecht.</p>
<p><span class="fett">UserTWO10: </span>Was ist dran an dem Gerücht,<br />
dass Herr Gabriel nach Berlin wechseln wird?</p>
<p><span class="fett">Andrea Nahles: </span>Die Frage leite ich gerne<br />
an Sigmar weiter.</p>
<p><span class="fett">Andreas Kurzlechner:</span> Frau Nahles, gestern<br />
wurden Sie in den Nachrichten kurz gezeigt mit der Aussage, &quot;Er<br />
(Lafontaine) soll sich warm anziehen&quot;. Hat dieser kurze Clip<br />
Inhalt und Ton Ihrer Aussage korrekt widergegeben, oder eher verzerrt?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles: </span>Das ist das was ich meine.<br />
Ich brauche vor allem Leute in der SPD, deren Herz noch auf der<br />
linken Seite schlägt, wenn Oskar die jetzt für ein linkspopulistisches<br />
Experiment aus der SPD rauslocken will, ist er mein entschiedener<br />
Gegner.</p>
<p><span class="fett">Stefan Schroedter:</span> Stehen Sie in Kontakt<br />
mit Ihrem ehemaligen Parteikollegen Oskar Lafontaine??
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles:</span> Über die letzten<br />
Jahre ab und an, aber nicht eng.<br />
Tomchen: Die Reform hängt doch aber immer noch! Wieso sollten<br />
sich die beiden Seiten denn plötzlich einigen?
</p>
<p>
<span class="fett">Andrea Nahles:</span> Wir hatten eine vierstündige<br />
Parteivorstandssitzung gestern, eine konstruktive Debatte wie ich<br />
sie seit 10 Jahren nicht erlebt habe, das hat mir Zuversicht vermittelt.
</p>
<p>
<span class="fett">JH:</span> Was ihr persönliches wichtigstes<br />
politisches Ziel?!</p>
<p><span class="fett">Andrea Nahles:</span> Politik machen, die den<br />
Menschen nützt.</p>
<p><span class="fett">Moderatorin:</span> Unsere Zeit ist bereits um.<br />
Vielen Dank an alle User für das große Interesse. Etliche<br />
Fragen sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Frau Nahles,<br />
dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript<br />
dieses Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten<br />
Chat gibt es am nächsten Mittwoch, dem 1. Juni, ab 13.00 Uhr<br />
mit dem SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen noch einen angenehmen Tag!
</p>
<p>
<span class="fett">Moderatorin: </span>Frau Nahles bedankt sich<br />
für die vielen guten Fragen. Sie musste flugs weg – die<br />
Arbeit am Parteiprogramm wartet.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ich bleibe in Niedersachsen&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[kbeutel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 May 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Wulff]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Christian Wulff, Ministerpräsident 
in Niedersachsen, war am 23. Mai zu Gast im tacheles.02 Live-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de. Der Chat stand ganz im 
Zeichen der nordrhein-westfälischen Landtagswahl und der Ankündigung 
Schröders, Neuwahlen zu erzwingen. Wulff beantwortete Fragen 
zu einer möglichen schwarz-gelben Bundesregierung, einem CDU/CSU-Kanzlerkandidaten 
und zu seinen eigenen bundespolitischen Ambitionen.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Christian Wulff, Ministerpräsident<br />
in Niedersachsen, war am 23. Mai zu Gast im tacheles.02 Live-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de. Der Chat stand ganz im<br />
Zeichen der nordrhein-westfälischen Landtagswahl und der Ankündigung<br />
Schröders, Neuwahlen zu erzwingen. Wulff beantwortete Fragen<br />
zu einer möglichen schwarz-gelben Bundesregierung, einem CDU/CSU-Kanzlerkandidaten<br />
und zu seinen eigenen bundespolitischen Ambitionen.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b><b>Moderatorin:</b></b> Liebe<br />
Politik-Interessierte, willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe<br />
tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute<br />
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen. Er ist zugleich CDU-Vize und CDU-Kandidat der Herzen &#8211;<br />
zumindest für die Bürger. Mal sehen, ob das auch für<br />
unsere User gilt. Herr Wulff, sind Sie bereit für den 60-Minuten-Chat?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Allzeit bereit.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Was haben Sie gestern Abend gedacht?<br />
Zweimal hat Gerhard Schröder gegen Sie bei Landtagswahlen gewonnen<br />
und nun trägt er mit seinem Neuwahlen-Coup Angela Merkel quasi<br />
auf Händen zur Kanzler-Kandidatur? Jetzt mal Hand aufs Herz:<br />
Ist er Ihr persönliches Schreckgespenst?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Er ist sicher entzaubert und<br />
hat diese Entscheidung unter enormen Druck von Franz Müntefering<br />
getroffen mit der schlechten Alternative eines Endes mit Schreckens<br />
als eines Schrecken ohne Ende.
</p>
<p>
<b>Angela:</b> Herr Wulff, sind Sie bereit, als Kanzlerkandidat<br />
anzutreten. Sie würden sehr viele Stimmen erhalten. Als Hinweis<br />
möchte ich sagen, ich lebe in Bayern und gehöre zu Ihren<br />
Anhängern.
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Vielen Dank für das Vertrauen.<br />
Ich werde mich aktiv einbringen damit wir in Berlin einen neuen<br />
Anfang wagen können. Allerdings möchte ich in den nächsten<br />
Jahren im Übrigen als niedersächsischer Ministerpräsident<br />
arbeiten, dafür gibt es ganz verschiedene Gründe.
</p>
<p>
<b>Tobias Meis:</b> Sehr geehrter Herr Wulff, würden<br />
Sie, falls von der CDU-Spitze gewünscht, für das Amt des<br />
Bundeskanzlers kandidieren?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Nein. Es gibt in Berlin versiertere,<br />
erfahrenere und ich bin ja erst zwei Jahre Ministerpräsident.<br />
Darauf habe ich lange hingearbeitet und das möchte ich jetzt<br />
möglichst gut machen.
</p>
<p>
<b>Freezy:</b> Hallo Herr Wulff, wie sehen Sie die Chancen<br />
von Frau Merkel bei einer vorgezogenen Bundestagswahl?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Sie wird die Wahl gewinnen, weil<br />
sie alles auf Wachstum und mehr Arbeitsplätze ausrichtet. Und<br />
hier liegt zu Recht der Schwerpunkt der Politik auf Bundesebene.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Noch mal nachgehakt:
</p>
<p>
<b>twg:</b> Hallo Herr Wulf, ich bin Unionswähler<br />
und freue mich über die Chance ROT-GRÜN weg zu wählen,<br />
habe aber ein Problem mit einer Kanzlerkandidatin Merkel. Warum<br />
kann eine CDU die Stimme des Volkes nicht erhören und einen<br />
Kanzlerkandidaten Wulf nominieren?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Vielfach kann man sich erst wirklich<br />
in dem Staatsamt zeigen. Zu mir gab es in Zeiten meiner Oppositionstätigkeit<br />
auch sehr viel kritische Einlassungen, die sich aus heutiger Sicht<br />
insgesamt als unbegründet erwiesen haben dürften.
</p>
<p>
<b>Geier:</b> Ob die CDU-Basis hinter Frau Merkel steht<br />
ist mehr als fraglich. Was halten Sie von einer Mitgliederbefragung,<br />
ähnlich wie dies in Baden-Württemberg um die Teufel-Nachfolge<br />
durchgeführt wurde?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Wenn es mehrere Bewerber gibt<br />
halte ich viel von einer Mitgliederbefragung. Angesichts der jetzt<br />
kurzfristig stattfindenden Wahl empfehle ich uns sehr, dass wir<br />
am kommenden Montag eine einmütige Entscheidung treffen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Wir bleiben weiter bei Personalien:
</p>
<p>
<b>Paul:</b> Guten Tag Herr Wulff, was machen Sie, wenn<br />
die CDU mit Angelika Merkel die Wahl verliert?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Wer sich über so etwas Gedanken<br />
macht, verschwendet Zeit, die wir für den Kampf um die Mehrheit<br />
und den Wahlsieg dringend brauchen.
</p>
<p>
<b>Sebastian:</b> Herr Wulff, wie weit sind die Personalfragen<br />
innerhalb der Union geklärt, außer Merkel und Stoiber<br />
hat sich ja noch niemand für einen Regierungsposten wirklich<br />
herauskristallisiert?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Hier muss ich tatsächlich<br />
ausweichend antworten, weil es das Vorrecht der Spitzenkandidatin<br />
ist ein Personaltableau zu präsentieren aber es gibt viele<br />
qualifizierte Persönlichkeiten innerhalb der Bundestagsfraktion<br />
der CDU/CSU.
</p>
<p>
<b>reporter: </b>Kann eine Ostfrau im Westen wirklich<br />
punkten?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Die Frage Ost oder West, die<br />
Frage Mann oder Frau darf keine entscheidende Frage sein, sondern<br />
es geht um die Inhalte und die Qualifikation.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Kommen wir zum Inhaltlichen: Sie<br />
müssen eine ganze Menge inhaltlicher Fragen klären, für<br />
die sie eigentlich noch ein Jahr Zeit gehabt hätten. Nun brauchen<br />
sie einen &quot;Zeitraffer-Plan&quot;. Wo packen sie jetzt zuerst<br />
an damit Ihnen Bundeskanzler Schröder mit seinem Sprint nicht<br />
wieder davon läuft!
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Ich war in der Schule immer am<br />
Besten wenn sich die zur Verfügung stehende Zeit dem Ende zuneigte<br />
und war am wenigsten effektiv, wenn noch viel Zeit zur Bearbeitung<br />
zur Verfügung stand. Dies macht mich zuversichtlich, dass man<br />
die wenigen noch offenen Fragen jetzt kurzfristig ineinander fügt.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Sie sind ausgewichen:
</p>
<p>
<b>justin:</b> Was sehen Sie als wichtigste Punkte an,<br />
um in Deutschland dieses Gefühl der Angst (Arbeitsplatz, Rente,&#8230;),<br />
das allgegenwärtig ist, zu überwinden und daraus wieder<br />
ein Gefühl der Sicherheit und Zuversicht zu machen.
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Was gesagt wird, muss gemacht<br />
werden und was gemacht wird muss funktionieren. Das betrifft die<br />
große Steuerreform, die Flexibilisierung des Arbeits- und<br />
Tarifrechts, die Kommunalisierung aktiver Arbeitmarktpolitik sowie<br />
die Entkoppelung sozialer Sicherungssysteme vom Faktor Arbeit. Wenn<br />
dies ineinander greift, werden die Menschen diesen Weg mitgehen<br />
und es wird sich Erfolg einstellen.
</p>
<p>
<b>Seekorn:</b> Eine Frage zur Bundespolitik: Im Falle<br />
eines Wahlsieges wird die Union sicherlich Subventionen streichen,<br />
Tarifverträge lockern, Bürokratie abbauen, was ich auch<br />
durchaus für richtig halte, aber: Kann das überhaupt reichen<br />
eine Kehrtwende zu schaffen? Müsste man eine Reform nicht viel<br />
tiefgreifender gestalten ohne die offensichtlichen Nachteile eines<br />
Maßnahmenstaates zu bekommen?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Es muss tiefgreifend sein mit<br />
einem klaren Bekenntnis zu mehr Eigenverantwortung mehr Freiräumen,<br />
mehr Wettbewerb und mehr Mut statt staatlicher Bevormundung und<br />
starrer Regelungswerke. Es geht letztlich um die Frage, ob wir uns<br />
den Wettbewerb zutrauen oder Deutschland nur noch abwickeln wollen.<br />
Klar, dass ich für Ersteres kämpfe.
</p>
<p>
<b>hhorst:</b> Hallo Herr Wulff, bisher hat die Union<br />
noch nicht viel Konkretes in Sachen Wahlkampfprogramm. Ein Steuermodell<br />
von Merz, den es nicht mehr gibt und das sich nicht rechnet etc.<br />
Was ist das Erste was sie angehen?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Die Grundüberlegung von<br />
Friedrich Merz, die Ausnahmen auf Wenige zu begrenzen (Familienförderung,<br />
Altersvorsorge, Ehrenamt, Nettoprinzip, etc.) und damit die Bemessungsgrundlage<br />
zu verbreitern um das Steuerrecht zu vereinfachen und die Steuersätze<br />
zu verringern, ist schlicht vorbildlich und wird weiter von uns<br />
verfolgt. So etwas macht Deutschland für Kapital wieder attraktiv.
</p>
<p>
<b>Löwe:</b> Wie sehen konkrete Konzepte zur Umkehrung<br />
der demographischen Krise aus? Wie soll die Förderung von Familien<br />
aussehen (Elterngeld/Kinderbetreuung) und wird man dem Missglauben<br />
nachhängen, eine ausgeweitete Zuwanderung könne das Problem<br />
lösen?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Wir brauchen schlichtweg mehr<br />
Bekenntnisse zu Kindern, dazu bedarf es besserer Zukunftserwartungen<br />
und besserer Vereinbarkeit von Karriere und Kindern. Hier sind die<br />
Arbeitgeber mit familienfreundlichen Rahmenbedingungen und die öffentliche<br />
Hand mit entsprechen flexiblen Betreuungsangeboten stark gefordert.<br />
Leider ist das Thema Bevölkerungspolitik in Deutschland stark<br />
tabuisiert aber es muss deutlich werden, dass ein Land ohne Kinder<br />
keine Zukunft hat.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Nachfrage zum Arbeitsmarkt:
</p>
<p>
<b>studi:</b> Ist unter &quot;Flexibilisierung des Arbeits-<br />
und Tarifrechts&quot; ein weiterer Abbau der Arbeitnehmerrechte<br />
zu verstehen?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Wenn mehr Menschen Beschäftigung<br />
finden, ist das die bestmögliche Stärkung der Arbeitnehmerseite.<br />
Wenn Rechte sich als für Arbeitslose unüberwindbare Mauern<br />
um einen Arbeitsplatz herum erweisen, ist das unsozial. Ich kenne<br />
Arbeitslose, die im Metallbereich gerne 40 Stunden arbeiten würden,<br />
denen aber gesagt wird, dass sie nur 35 Stunden arbeiten dürfen<br />
und es dafür keine Arbeit gibt und sie deshalb nicht arbeiten<br />
dürfen. Also will ich mehr betriebliche Bündnisse für<br />
Arbeit wo die Arbeitnehmer flexibel von Tarifverträgen zur<br />
Sicherung von Arbeitsplätzen abweichen dürfen.
</p>
<p>
<b>Desperado: </b>Wird eine CDU/FDP-Regierung das Ende<br />
der Flächentarifverträge in Deutschland einläuten?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Wir brauchen den Flächentarif<br />
als Korridor und die Allgemeinverbindlichkeit kann man dadurch sichern,<br />
dass die Gewerkschaften den betrieblichen Bündnissen widersprechen<br />
können müssen.
</p>
<p>
<b>guido:</b> Wie steht’s denn bei Hartz IV. Bleibt<br />
das unverändert so hart wie es ist, oder wird es sogar weiter<br />
verschärft, wenn Sie an die Macht kommen?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Wir brauchen eine Entwicklung<br />
zu einem Niedriglohnsektor, wo der Übergang von Transfereinkommen<br />
in eine Beschäftigung in den ersten Arbeitsmarkt fließend<br />
erfolgt und sich die Aufnahme von Arbeit, die nicht so hoch bezahlt<br />
ist, für den Hartz-IV-Empfänger tatsächlich lohnt.<br />
Ganz offensichtlich ist das im Moment nicht der Fall und deshalb<br />
müssen wie die Erfahrungen mit Hartz IV offen auswerten.
</p>
<p>
<b>master:</b> Arbeit muss bezahlbar sein &#8211; wie will<br />
die CDU/CSU den hohen Lohnkosten entgegentreten?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Die Gesundheitsprämie entkoppelt<br />
die Beitragszahlung vom Faktor Arbeit und das ist ein wichtiger<br />
Schritt zur Konkurrenzfähigkeit sozialversicherungspflichtiger<br />
Beschäftigungsverhältnisse.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Herr Wulff war gerade in China &#8211;<br />
der Mann weiß wovon er spricht:
</p>
<p>
<b>sk:</b> Deutschland ist im Bereich niedrig qualifizierter<br />
Arbeit nicht mit Billiglohnländern konkurrenzfähig &#8211; doch<br />
was möchten Sie gegen die zunehmende Verlagerung hochqualifizierter<br />
Jobs (samt Know-how) ins Ausland unternehmen?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Das Know-how muss bei uns eingesetzt<br />
werden. Das gilt vom Transrapid über die Flugzeugindustrie<br />
bis zur Pharmazie und Gentechnik. Wir müssen einfach begreifen,<br />
dass Innovationen und technische Vorsprünge unser Land stark<br />
gemacht haben und nicht die lohnintensive Massenfertigung. Forscher<br />
und Entwickler, Ingenieure und Techniker müssen einfach als<br />
Vorbilder gelten, wie Sportler und Musiker.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Zurück zur Gesundheit:
</p>
<p>
<b>Herr Paulus: </b>Herr Wulff, sie erwähnten die<br />
Entkoppelung der Sozialleistungen vom Produktionsfaktor Arbeit,<br />
herrscht in der Union Einheit über eine Reform der Kassenfinanzierung<br />
oder bleibt dies ein ungelöster Streitpunkt zwischen Gesundheitsprämie<br />
(CDU) und dem Modell von Horst Seehofer (CSU), der die Einbeziehung<br />
aller Bürger &#8211; ähnlich einer Bürgerversicherung &#8211;<br />
fordert?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Auf diesem Feld hat sich die<br />
Union aus guten Gründen gegen die Überlegungen von Horst<br />
Seehofer entschieden.
</p>
<p>
<b>chris: </b>Hallo Herr Wulff, wie wahrscheinlich ist<br />
es, dass die Kopfpauschalen die GKV ersetzt und die PKV in ihrer<br />
jetzigen Form erhalten bleibt?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Auf jeden Fall muss es Wechselmöglichkeiten<br />
geben, z.B. für Beamte in das Prämienmodell und für<br />
alle in bestimmte Angebote privater Versicherer. Zu dieser Frage<br />
würde ich allerdings auch gerne noch einmal auf meine Gesundheitsexpertin<br />
Ursula von der Leyen verweisen.
</p>
<p>
<b>herr pess: </b>Herr Wulff wie stehen sie zu dem Thema<br />
Mindestlöhne?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Im Bereich der Entsenderichtlinie<br />
sollten wir dies auf mehr Branchen erweitern. Aber Mindestlöhne<br />
erschweren den Zugang zu Beschäftigungsverhältnissen für<br />
Unqualifizierte, z.B. Schulabgänger ohne Abschluss.
</p>
<p>
<b>BSch:</b> Wäre es nicht vielleicht eine Alternative<br />
zur Kostensenkung im Gesundheitsbereich, wenn Bürger zumindest<br />
Durchschläge der Arztrechnungen erhielten? Seit mein Mann privatversichert<br />
ist, sind wir ganz schockiert, was Ärzte so alles abrechnen,<br />
was eigentlich nie stattgefunden hat!
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Dies ist eine alte Forderung<br />
der CDU und ich hoffe, dass es bald zu dieser Transparenz kommt.
</p>
<p>
<b>Löwe:</b> Wird der Kombi-Lohn-Vorschlag von Pofalla<br />
weiterverfolgt, bzw. bei einer Regierungsübernahme umgesetzt?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Diese &quot;win-win&quot;-Situation<br />
für Alle muss bei dem Niedriglohnsektor gelöst werden,<br />
der Beschäftigte hat mehr als wenn er arbeitslos ist, der Staat<br />
zahlt weniger als bei der Finanzierung der Arbeitslosigkeit und<br />
die Wirtschaft kann mehr Beschäftigungsverhältnisse im<br />
Niedriglohnbereich anbieten. Um die Umwandlung solcher Beschäftigungsverhältnisse<br />
zu vermeiden sollte der Kombilohn an den Betroffenen und nicht an<br />
den Arbeitgeber gezahlt werden.
</p>
<p>
<b>BSch:</b> Ich frage mich steuerrechtlich immer, wo<br />
denn noch Erleichterungen geschaffen werden müssen, damit Unternehmen<br />
wieder mehr in den Standort Deutschland investieren. Lohnnebenkosten,<br />
das ist klar, aber steuerlich sehe ich echt schon sehr niedrige<br />
Kosten für Unternehmen. Wie stehen Sie dazu? Was könnte<br />
Deutschland tun, damit sich wieder mehr Firmen hier ansiedeln?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Das erste ist Bürokratieabbau,<br />
weniger Regulierung, besseres Ausbildungssystem für den Nachwuchs<br />
sowie mehr Investitionen in den Bau- und Infrastrukturbereich.
</p>
<p>
<b>theglobetrotter:</b> Finden Sie nicht auch, dass deutsche<br />
Unternehmenschefs zum Standort Deutschland bekennen müssen<br />
anstatt Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Natürlich sollten Unternehmer<br />
ihre Verantwortung für ihr Land erkennen aber am Ende sind<br />
die Arbeitsplätze nur zu sichern, wenn sie sich am hiesigen<br />
Standort gegen den Konkurrenten rechnen.
</p>
<p>
<b>Annette:</b> Herr Wulff, was denken Sie über<br />
eine Mehrwertsteuererhöhung?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Ich halte Steuererhöhungsdiskussionen<br />
für schädlich, weil 50 Prozent der Wirtschaft Psychologie<br />
sind und die Menschen schon genug verunsichert worden sind.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Wir haken noch mal nach &#8211; Unternehmenskultur<br />
in Deutschland:
</p>
<p>
<b>Schledi HGW:</b> Die Unternehmen gewinnen doch und<br />
entlassen trotzdem. Wie kann dem vorgebeugt werden?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Das betrifft vornehmlich Aktiengesellschaften,<br />
bei denen die Aktionäre täglich neu entscheiden, wo sie<br />
mit welcher Rendite ihr Kapital anlegen.
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Bei zu geringen Gewinnen ist<br />
die Börsenwertkapitalisierung so gering, dass diese Unternehmen<br />
akut übernahmegefährdet wären. Ein Unternehmer hat<br />
aber nicht nur auf Gewinne zu achten, sondern hat Verantwortung<br />
für seine Mitarbeiter und seine Produkte. Dies ist die Ethik<br />
der sozialen Marktwirtschaft und unterschiedet diese vom Kapitalismus.
</p>
<p>
<b>studi:</b> Wird die Ökosteuer von ihnen wieder<br />
abgeschafft?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Leider ist das Land so ruiniert,<br />
dass diese Möglichkeit so nicht besteht. Allerdings müssen<br />
wir für energieintensive Branchen Sonderregelungen treffen,<br />
damit diese nicht ins Ausland abwandern, z.B. die Zink- oder die<br />
Aluminiumhütten.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Was passiert mit den ganzen Windkrafträdern<br />
in Niedersachsen? Die Aktienkurse sind heute rapide gesunken.
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Die leisten einen wichtigen Beitrag<br />
zur Energieversorgung aus regenerativen Energien und belasten die<br />
Umwelt außer vorübergehender Beeinträchtigung des<br />
Landschaftsbildes nicht. Inzwischen sind wir Exportweltmeister und<br />
bei der Firma Enercon wird mehr Stahl verarbeitet als auf der Meierwerft.<br />
Windkraftanlagenbauer haben tausende Arbeitsplätze geschaffen<br />
und entwickeln sich technisch ständig weiter. Die Offshore-Anlagen<br />
im Meer stehen wegen der Steuerpläne der Bundesregierung im<br />
Moment etwas in der Diskussion und das könnte Grund für<br />
die Aktienkurse sein.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Nachfrage zur Steuer: Heißt<br />
das, dass es keine Mehrwertsteuererhöhung geben wird?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Ich bin dagegen.
</p>
<p>
<b>Alex1973:</b> Wird sich die Politik in punkto Atomkraft<br />
ändern?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Ja. Wir müssen angesichts<br />
der Endlichkeit der Rohstoffe und der Energieversorgungsnotwendigkeiten<br />
Kernkraftwerke mit dem neuesten Stand der Technik noch länger<br />
weiter betreiben, als sie aus ideologischen Gründen abzuschalten.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Kommen wir zum Schluss zurück<br />
zum Wahlkampf:
</p>
<p>
<b>Doug3:</b> Wie gedenken sie ihren Wahlkampf zu führen:<br />
Sagen sie den Menschen deutlich, dass es zu starken Einschnitten<br />
kommen wird oder werden sie weiter Versprechungen machen und damit<br />
der rot-grünen Wahlkampftaktik folgen?
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Wir sollten sehr präzise<br />
die notwendigen Veränderungen darlegen; dies aber mit der Verheißung<br />
verbinden, dass wir unsere Probleme lösen können und Wachstumsraten<br />
wie in anderen europäischen Ländern zu erreichen sind.<br />
Das IFO-Institut hat dargelegt, dass die Weltwirtschaft wie seit<br />
28 Jahren nicht boomt, die deutsche Wirtschaft daran aber keinen<br />
Anteil hat. Das erinnert mich an den großen Göttinger<br />
Philosophen Georg Christoph Lichtenberg &quot;Was nützt der<br />
schönste Sonnenaufgang, wenn man nicht aufgestanden ist&quot;.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Die Union wird nach den Worten von<br />
CSU-Chef Edmund Stoiber bis Ende Juli ihr gemeinsames Regierungsprogramm<br />
für die Neuwahlen zum Bundestag vorlegen. Schwerpunkte: Arbeitsmarktreform,<br />
die Reform der sozialen Sicherungssysteme, Steuervereinfachungen<br />
und die Energiepolitik. Wird es beim Fahrplan bleiben?
</p>
<p>
<b><b>Christian Wulff:</b></b> Bis Ende Juli<br />
ist das alles zu schaffen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Unsere Zeit ist bereits um. Vielen<br />
Dank an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen<br />
sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Wulff, dass<br />
Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript dieses<br />
Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten<br />
Chat gibt es am nächsten Mittwoch, dem 25. Mai, ab 13.00 Uhr<br />
mit dem SPD-Fraktionschef im Niedersächsischen Landtag, Sigmar<br />
Gabriel. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen angenehmen<br />
Tag!
</p>
<p>
<b>Christian Wulff:</b> Vielen Dank für die wirklich<br />
nicht einfachen Fragen. Herzliche Grüße, Christian Wulff.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Sisyphos kommt einem gelegentlich schon in den Sinn.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[kbeutel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Apr 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[BundOnline 2005]]></category>
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		<category><![CDATA[Bürokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Göttrik Wewer]]></category>
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		<category><![CDATA[Bürokratieabbau]]></category>
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					<description><![CDATA[<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" width="390">
	<tbody>
		<tr>
			<td class="normal">
			<p>
			<span class="fett">
			Göttrik Wewer, Staatssekretär im Bundesministerium des 
			Innern, war am Donnerstag den 21. April zu Gast im BMI-Live-Chat, 
			durchgeführt von politik-digital.de. Themen waren die Initiative 
			Bürokratieabbau des Bundes, BundOnline2005 und<span class="fett"> 
			die Sorgen und Nöte der Bürger mit der Bürokratie.</span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" width="390">
<tbody>
<tr>
<td class="normal">
<p>
			<span class="fett"><br />
			Göttrik Wewer, Staatssekretär im Bundesministerium des<br />
			Innern, war am Donnerstag den 21. April zu Gast im BMI-Live-Chat,<br />
			durchgeführt von politik-digital.de. Themen waren die Initiative<br />
			Bürokratieabbau des Bundes, BundOnline2005 und<span class="fett"><br />
			die Sorgen und Nöte der Bürger mit der Bürokratie.</span></span><!--break-->
			</p>
<p>			<!-- #BeginEditable "Text" --> </p>
<p class="normal">
			<b><b>Moderator:</b></b> Sehr geehrte Damen und<br />
			Herren! Herzlich willkommen beim BMI Live-Chat. Unser heutiger Gast<br />
			ist Dr. Göttrik Wewer, Staatssekretär des Bundesministeriums<br />
			des Innern. In den nächsten 60 Minuten werden wir uns in diesem<br />
			Live-Chat aus Berlin über das Thema Bürokratieabbau unterhalten<br />
			und hoffen auf interessante Fragen von Ihnen, liebe Chatter und<br />
			Chatterinnen. Steigen wir doch gleich ein. Herr Staatssekretär<br />
			Wewer, sind Sie bereit für die ersten Fragen?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Ja!
			</p>
<p class="normal">
			<b>Moderator:</b> Eine erste Frage von mir, Herr Staatssekretär:<br />
			Bürokratieabbau ist eher ein vermeintlich trockenes Thema.<br />
			Was ist aus Ihrer Sicht dennoch so spannend genug daran, dass Sie<br />
			aus der Wissenschaft in die Politik wechselten?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Wissenschaft neigt dazu, die<br />
			Theorien und Konzepte der Kollegen oder auch aus der Praxis zu kritisieren.<br />
			Sie tut sich häufig schwer damit, positiv zu beschreiben, wie<br />
			man es besser machen kann. Außerdem ist es so, dass man in<br />
			der Wissenschaft seine Bücher und Aufsätze vielfach nur<br />
			für die Kollegen schreibt. Kurzum: in der Verwaltung oder in<br />
			der Praxis kann man mehr bewegen. Das war für mich der zentrale<br />
			Grund. Dabei schadet es allerdings nicht, einen wissenschaftlichen<br />
			Background zu haben.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Moderator:</b> Eine weitere grundsätzliche Frage<br />
			von &quot;Ludewig&quot;:
			</p>
<p class="normal">
			Ludewig: Was ist eigentlich die Motivation<br />
			für Bürokratieabbau? Klar, politisch will man es dem Bürger<br />
			leichter machen, das ist die Standard-Antwort. Aber geht es nicht<br />
			eigentlich viel viel mehr um Effizienzsteigerung, Geld sparen und<br />
			solche Dinge? Und bedroht damit der &#8216;Bürokratieabbau&#8217; nicht<br />
			auch Arbeitsplätze?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Es geht um beides. Mehr Effektivität,<br />
			also eine bessere Zielerreichung, aber auch um mehr Effizienz; das<br />
			heißt eine kostengünstigere Verwaltung. Wir orientieren<br />
			uns daneben aber auch an den Zielen Bürgerorientierung und<br />
			Personalentwicklung. Zu tun gibt es genug, so dass die Sorge, es<br />
			würden in der Verwaltung durch Bürokratieabbau nur Arbeitsplätze<br />
			wegfallen, unbegründet ist. Vielleicht können die, die<br />
			man an der einen Stelle einspart, an anderer Stelle etwas Sinnvolleres<br />
			tun.gregor samsa: Bürokratieabbau klingt ziemlich trocken,<br />
			haben Sie den Eindruck, die Menschen interessieren sich dafür?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Die Untersuchungen zeigen, dass<br />
			die Verwaltung &#8211; negativer formuliert die Bürokratie -, ein<br />
			relativ schlechtes Image hat. Wenn man die Bürger aber nach<br />
			ihrem letzten Kontakt mit der Verwaltung fragt, dann äußern<br />
			sich rund 2/3 zufrieden oder sehr zufrieden. Das heißt, die<br />
			konkrete Erfahrung mit der Verwaltung ist eigentlich wesentlich<br />
			positiver als das abstrakte Image. Letztlich interessiert die Bürgerinnen<br />
			und Bürger nur, dass sie ihre Dienstleistungen von der Verwaltung<br />
			möglichst schnell und kostengünstig kriegen. Die abstrakte<br />
			Diskussion über Bürokratieabbau interessiert nach meinem<br />
			Eindruck die meisten nur am Rande. Gleichwohl muss man auf diesem<br />
			Feld etwas tun.
			</p>
<p class="normal">
			<b>PeggyOstBerlin: </b>Haben Sie schon<br />
			einmal eine Umfrage unter den Bürgern gestartet, um herauszufinden,<br />
			was sie vom eGovernmentprogramm des Bundes erwarten?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Wir haben selbst eine Abfrage<br />
			gemacht unter Unternehmen, ob sie mit dem, was wir bei BundOnline<br />
			anbieten, zufrieden sind. Hier haben wir eine große Übereinstimmung<br />
			im Grundsätzlichen gefunden, aber durchaus auch Hinweise in<br />
			Einzelfragen, wo wir noch besser werden können. Wir haben auch<br />
			die Möglichkeit des &quot;Chats&quot;, also des Austauschs<br />
			über das Netz, so dass wir durchaus Rückmeldung von Bürgerinnen<br />
			und Bürgern kriegen und wir werten natürlich sorgfältig<br />
			aus, was es an Umfragen und Studien in anderen Staaten &#8211; aber zum<br />
			Beispiel auch in den Bundesländern &#8211; gibt. Insofern meinen<br />
			wir, mit unserem Ansatz ganz richtig zu liegen.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Moderator:</b> Die Wirtschaft hat mehr<br />
			Kontakte zur Verwaltung als der normale Bürger. Ist dies ein<br />
			Grund, warum es mehr Modellprojekte im Bereich Wirtschaft gibt denn<br />
			im Bereich Bürgerservice?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Das liegt in<br />
			erster Linie an der Kompetenzverteilung im Bundesstaat. Die meisten<br />
			Kontakte hat der Bürger mit der Kommunalverwaltung, wo er sich<br />
			anmeldet, sein Auto ummeldet oder einen Bauantrag stellt. Schon<br />
			mit einem Landesministerium hat &quot;Otto Normalverbraucher&quot;<br />
			relativ wenig zu tun. Und das gilt erst recht für ein Bundesministerium.<br />
			Auf der anderen Seite haben wir am Tag im BMI allein über 10.000<br />
			E-Mails und unser Bürgerservice und unser Call-Center werden<br />
			heftig frequentiert. Die meisten Rückmeldungen, die wir da<br />
			bekommen, sind übrigens sehr positiv.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Alf:</b> Sehr geehrter Herr Wewer,<br />
			Bürokratieabbau bedeutet zunächst Machtverlust der Bürokraten<br />
			oder der Politiker, in deren Ressort die Entscheidungsgewalt liegt.<br />
			Die Föderalismusreform beweist, dass hier kein Politiker gerne<br />
			Abstriche macht. Kommen Sie sich manchmal vor wie Don Quijote?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Das nicht. Aber es stimmt, dass<br />
			die Projekte häufig schwierig sind, weil man mehrere oder viele<br />
			unterschiedliche Interessen unter einen Hut bekommen muss. Das liegt<br />
			nicht unbedingt daran, dass &quot;Bürokraten&quot; oder Politiker<br />
			keine Macht abgeben wollen, sondern häufig daran, dass der<br />
			Teufel im Detail steckt und einfach die Interessen unterschiedlich<br />
			sind. Don Quijote wäre vielleicht das falsche Beispiel, aber<br />
			Sisyphus kommt einem gelegentlich schon in den Sinn.
			</p>
<p class="normal">
			<b>g.laudator:</b> Die Deutschen haben<br />
			das Selbstbild, dass hier immer noch ein preußisches Bürokratiemodell<br />
			vorherrscht. Wie ändert man denn diese Kultur/ dieses negative<br />
			Selbstbild?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Ich glaube, dass man die heutige<br />
			Verwaltung &#8211; egal ob im Bund, im Land oder in der Kommune &#8211; überhaupt<br />
			nicht mehr mit Preußen vergleichen kann. Heute gibt es Bürgerbüros,<br />
			teilweise Krabbelstuben in den Behörden, und die Kolleginnen<br />
			und Kollegen haben auch alle keine Ärmelschoner mehr. Wenn<br />
			man die Verwaltung von 2005 mit der Verwaltung von 1965 vergleichen<br />
			würde oder gar von 1925, würde man sehr schnell sehen,<br />
			dass sich nicht nur die Gesellschaft völlig verändert<br />
			hat, sondern auch die Verwaltung.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Klaus: </b>Wofür steht die Initiative<br />
			Bürokratieabbau? Bisher haben sich auch Vorgängerregierungen<br />
			daran die Zähne ausgebissen. Was soll bei Ihnen anders sein?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Es ist richtig, dass andere<br />
			Bundes- und auch Landesregierungen immer wieder Kommissionen eingesetzt<br />
			und sich Bürokratieabbauprogramme vorgenommen haben. Das war<br />
			auch richtig und wichtig, und es ist auch einiges erreicht worden.<br />
			Der große Durchbruch, der große Befreiungsschlag ist<br />
			auf der anderen Seite noch nirgendwo gelungen. Sonst müssten<br />
			wir uns ja heute nicht über das Thema unterhalten. Wir haben<br />
			versucht, aus den Erfahrungen früherer Anstrengungen zu lernen<br />
			und bewusst einen anderen Ansatz gewählt. Wir sagen nicht:<br />
			30% aller Normen können irgendwie weg &#8211; wobei die, die das<br />
			sagen, in der Regel nicht sagen, welche 30% sie meinen. Wir gehen<br />
			nicht mit dem Rasenmäher vor und auch nicht mit der Schrotflinte,<br />
			sondern wir haben uns auf 5 Handlungsfelder konzentriert, von denen<br />
			wir meinen, dass sie für die Wettbewerbsfähigkeit des<br />
			Standorts und für die Zufriedenheit der Bürger besonders<br />
			wichtig sind. Auf diesen Handlungsfeldern haben wir insgesamt 75<br />
			Projekte aufgelegt, von denen wir bisher 30 umgesetzt haben. Der<br />
			Rest soll bis Mitte nächsten Jahres erledigt sein.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Moderator:</b> Wir haben einige Fragen zum Einsparpotenzial<br />
			und zu den Kosten der Initiative Bürokratieabbau. Hier die<br />
			erste:
			</p>
<p class="normal">
			<b>Geldsammler:</b> Wie viel Geld kann<br />
			die Bundesregierung durch eine konsequente Bürokratieabbau-Strategie<br />
			eigentlich sparen? Gibt es da Berechnungen?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Es gibt nicht Berechnungen für<br />
			das Gesamtprogramm der 75 Projekte. Es gibt aber für jeden<br />
			Einzelfall Kalkulationen, was es bringt, wenn man z.B. die Steuererklärung<br />
			elektronisch macht oder weniger Statistiken ausfüllen muss.<br />
			Die Neuorganisation der Rentenversicherung bringt z.B. jährlich<br />
			350 Millionen Euro Einsparungen. Die Gesundheitskarte soll insgesamt<br />
			eine Einsparung von einer Milliarde bringen, und die Reform des<br />
			Personenstandsrechts wird bei Ländern und Kommunen zu Einsparungen<br />
			von ca. 45 Millionen Euro führen.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Ludewig:</b> Wie viel Geld musste eigentlich<br />
			in die verschiedenen Projekte investiert werden, die nun im Zwischenbericht<br />
			erwähnt wurden? Und wie viel Geld glauben sie langfristig mit<br />
			diesen Projekten zu sparen?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Moderator:</b> (Der zweite Teil der Frage wurde bereits<br />
			beantwortet)
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Wir haben nicht für jedes<br />
			Projekt im Einzelnen Buch geführt, wie viele Mitarbeiter des<br />
			Bundes oder der Länder in den jeweiligen Arbeitsgruppen wie<br />
			viele Stunden gearbeitet haben und was das gekostet hat. Die Frage<br />
			der Einsparungen ist ja auch nur ein Aspekt unseres Konzepts. Wenn<br />
			der Bürger am Ende zufriedener ist, weil er sich weniger belastet<br />
			fühlt, dann sollte man das auch dann tun, wenn man nicht einen<br />
			Euro dabei spart.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Vermögensamtler:</b> Ich habe<br />
			mit Interesse den Zwischenbericht gelesen. In welchem der fünf<br />
			Modell-Bereiche (Arbeitsmarkt, Wirtschaft, Forschung, Ehrenamt,<br />
			Bürgerservice) sehen Sie am meisten Nachholbedarf in Sachen<br />
			Bürokratieabbau? Spiegelt sich das in der Anzahl der noch laufenden<br />
			Projekte?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Nach meiner Einschätzung<br />
			müssen wir noch mehr tun im Handlungsfeld &quot;Forschung,<br />
			Innovation und Technologie&quot;. Hier haben wir einiges auf den<br />
			Weg gebracht, können aber sicher noch mehr tun. Und um das<br />
			besser abschätzen zu können, sind wir im Gespräch<br />
			mit den Hochschulen und auch den privaten Forschungsstätten.<br />
			Deutschland ist ein Land ohne große Rohstoffe, so dass wir<br />
			davon leben, was uns an neuen Produkten und Dienstleistungen einfällt,<br />
			die wir dann möglichst weltweit verkaufen können. Insofern<br />
			ist das ein ganz wichtiges Handlungsfeld.Flo: Welche Projekte sind<br />
			denn noch geplant? Vor allem: Welche betreffen direkt den Bürger<br />
			und sind nach außen sichtbar?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Moderator:</b> Und diese Frage noch als Ergänzung:Nele01:<br />
			Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Initiative! Nur was springt<br />
			für den Bürger dabei raus?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Unser Ziel ist nicht, eine möglichst<br />
			große Zahl von weiteren Projekten zu erreichen, sondern wir<br />
			konzentrieren uns darauf, die 75 Projekte, die wir als prioritär<br />
			angesehen haben, zunächst einmal umzusetzen. Das schließt<br />
			nicht aus, das eine oder andere Projekt zusätzlich aufzunehmen.<br />
			Aber wir setzen vorrangig auf Qualität des Bürokratieabbaus<br />
			als auf die Quantität der Projekte. Die Projekte, die die Bürgerinnen<br />
			und Bürger vor allem betreffen, stecken vor allem im 4. und<br />
			im 5. Handlungsfeld, also die Stärkung von Ehrenamt und Zivilgesellschaft<br />
			und die Entbürokratisierung der Massenverfahren. Wir haben<br />
			uns nämlich angeguckt, welches die häufigsten Verwaltungskontakte<br />
			des Bürgers sind. Dabei stellen Sie zum Beispiel fest, dass<br />
			es in Deutschland im Jahr über 700 Mio. Kassenrezepte gibt,<br />
			die zum großen Teil 4 oder 5 mal per Hand angefasst werden.<br />
			Wenn Sie das elektronisch abwickeln, stellen Sie Millionen von Menschen<br />
			von unnötiger Arbeit frei und machen sie vielleicht auch ein<br />
			bisschen zufriedener. Ähnliches gilt für 16 Millionen<br />
			Kfz-An- und Ummeldungen, oder weit über 10 Millionen An- und<br />
			Ummeldungen von Wohnungen. Das sind die Massenverfahren. Und wenn<br />
			es gelingt, das An- und Ummelden, oder das Kfz-Anmelden deutlich<br />
			zu vereinfachen, machen Sie jeweils über zehn Millionen Menschen<br />
			glücklicher. Das ist unser Ziel.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Moderator:</b> Eine Nachfrage zu dem oben erwähnten<br />
			Bereich Forschung, in dem &quot;noch mehr getan werden getan werden<br />
			kann&quot;:Triceratops: Herr Wewer, die größten Bürokratieschleudern<br />
			sind doch das Hochschulsystem und die föderale Schulpolitik.<br />
			Muss am Anfang jedes Prozesses nicht erstmal eine Föderalismusreform<br />
			stehen?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Am Beginn der Föderalismusdiskussion<br />
			stand die klare Aussage der Länder, dass die Diskussion sofort<br />
			zu Ende ist, wenn irgendein Land in seinem Bestand in Frage gestellt<br />
			wird. Ähnliches würde sicher für die kommunale Selbstverwaltung<br />
			gelten. Insofern wollen wir uns auf diesen Feldern nicht verkämpfen,<br />
			sondern nehmen Föderalismus und kommunale Selbstverwaltung<br />
			als Rahmenbedingungen, unter denen wir unser Anliegen verfolgen<br />
			müssen. Ich beobachte mit Interesse, dass die Bereitschaft<br />
			in den Ländern und Kommunen wächst, sich zusammenzuschließen,<br />
			Dienstleistungen gemeinsam anzubieten, oder auch Lösungen zu<br />
			zentralisieren. Aber das muss von unten wachsen und von allen Beteiligten<br />
			gewollt sein, ansonsten würde man dem Bund immer unterstellen,<br />
			er wolle jemand anderem etwas wegnehmen. Und dann wird der Widerstand<br />
			ganz groß.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Moderator:</b> Wir gehen nun in ein einzelnes Themenfeld:<br />
			Zunächst: Die Gesundheitskarte:
			</p>
<p class="normal">
			<b>Helmholz:</b> Warum brauchen wir eine<br />
			elektronische Gesundheitskarte?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Der Trend geht hin zu Kartensystemen:<br />
			Bankkarte, Dienstausweise, Flugbuchungen, vieles andere mehr können<br />
			Sie heute bereits mit Chipkarten erledigen. Dieser Trend wird weitergehen.<br />
			Was wir nicht wollen, ist, dass jeder von uns 50 oder 100 Plastikkarten<br />
			mit sich herum trägt, sondern es muss im Prinzip so sein, dass<br />
			man mit relativ wenigen Karten möglichst viele Geschäfte<br />
			abwickeln kann. Die Gesundheitskarte soll das für den Gesundheitsbereich<br />
			bündeln, so dass der Hausarzt, das Krankenhaus, der Notarzt,<br />
			die Feuerwehr nach einem Unfall, Impfpass und ähnliche Anwendungen<br />
			dort so gespeichert vorfinden, dass z.B. unnötige Doppeluntersuchungen<br />
			vermieden werden und im Notfall vor Ort die Daten für die Retter<br />
			verfügbar sind. Da das hier ganz sensible Daten sind, muss<br />
			natürlich sicher gestellt sein, dass kein Unbefugter auf diese<br />
			Daten Zugriff hat. Es ist aber technisch ohne Probleme machbar,<br />
			auf einer solchen Karte verschiedene Sektionen einzurichten, auf<br />
			die nur bestimmte Nutzer, wie etwa der Hausarzt, zugreifen können.<br />
			Was uns im Übrigen besonders freut, ist, dass es uns gelungen<br />
			ist, eine einheitliche Sperrnummer für verloren gegangene oder<br />
			gestohlene Chipkarten in Deutschland zu installieren. So muss jemand,<br />
			der im Urlaub alle seine Karten verliert, nur noch an einer Stelle<br />
			anrufen, um den Verlust zu melden und z.B. seine Bankkarte zu sperren.<br />
			Niemand von uns nimmt ja im Urlaub alle die Telefonnummern mit,<br />
			die er bräuchte, um alle Karten individuell sperren zu lassen.<br />
			Hier sind wir in Deutschland die ersten in Europa, und darauf sind<br />
			wir durchaus ein bisschen stolz. Das ist gewissermaßen die<br />
			Notrufnummer für die Informationsgesellschaft.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Moderator:</b> Hier mehrere Fragen auf einmal, gleiches<br />
			Thema und alle besorgt um den Datenschutz:
			</p>
<p class="normal">
			<b>aldous huxley:</b> Wäre das nicht<br />
			das Ende? Wenn wir eine Karte/ Chip für alles haben? Und wenn<br />
			der geklaut wird, gibt es uns nicht mehr oder jemand anders ist<br />
			ich.
			</p>
<p class="normal">
			<b>student1999: </b>Ist das nicht problematisch<br />
			mit dem Datenschutz, sollte jemand in der Lage sein, alle Daten<br />
			auf der Karte auszulesen, etwaige Sicherheitsmaßnahmen zu<br />
			knacken?new world order: Wir haben doch jetzt schon Probleme mit<br />
			der elektronischen Sicherheit. Wie soll das in Zukunft besser werden?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Die eine Karte für alles<br />
			wird es meines Erachtens nicht geben. Sie wird auch von niemandem<br />
			angestrebt. Sondern die Frage ist doch: haben wir 3 oder 4 oder<br />
			5 Plastikkarten oder schleppen wir 50 mit uns herum? Meine Antwort<br />
			wäre, möglichst wenige Karten für möglichst<br />
			viele Anwendungen. Was den Datenschutz angeht, so ist es technisch<br />
			problemlos möglich, die auf einer Karte gespeicherten Daten<br />
			unterschiedlich hoch abzusichern und zu verschlüsseln. Wenn<br />
			Sie heute Ihren Personalausweis verlieren, oder Ihnen der Führerschein<br />
			gestohlen wird, hat derjenige, der diese Dokumente in den Händen<br />
			hält, ebenfalls diese Daten von Ihnen. Mit diesen Daten kann<br />
			er aber relativ wenig anfangen. Aber Ihre Patientendaten, Ihre Finanzverhältnisse<br />
			und manches andere mehr müssen natürlich wesentlich besser<br />
			abgesichert sein, damit sicher gestellt ist, dass nur Berechtigte<br />
			diese Daten lesen können. Das lässt sich problemlos machen.<br />
			Ihren Namen und Ihre Adresse finden Sie ja auch in jedem Telefonbuch.<br />
			Insofern geht es bei allen Kartenprojekten darum, unterschiedliche<br />
			Sicherheitsniveaus für unterschiedliche Datenmengen zu beschreiben<br />
			und unterschiedlich hoch abzusichern.
			</p>
<p class="normal">
			<b>dk4: </b>Was halten Sie von Herrn Schaars<br />
			Vorstoß und Forderung eines Moratoriums bezüglich biometrischem<br />
			Reisepass?JuniorHacker: Die elektronische Signatur ist etwas altbacken.<br />
			Warum setzt man nicht gleich auf Biometrie?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Die EU-Staaten haben sich darauf<br />
			verständigt, ab Herbst diesen Jahres mit der Ausgabe von Biometrie-Pässen<br />
			zu beginnen. Das werden wir auch tun. Insofern teilen wir die Auffassung<br />
			des Bundesdatenschützers nicht. Was die elektronische Signatur<br />
			angeht, so ist das bei den Kartenprojekten, über die wir vorhin<br />
			geredet haben, durchaus ein Thema. Bei den Pässen gehen wir<br />
			aber in Richtung Biometrie.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Moderator:</b> Wir kommen zu einem weiteren Thema: Die<br />
			digitale Lohnsteuerkarte und Steuererklärung, die inzwischen<br />
			eingeführt ist. Wieder zwei Fragen auf einmal:Die Elster: Welche<br />
			Erfahrungen wurden mit dem Online-Steuererklärungstool &#8216;Elster<br />
			&#8216; gemacht? Erfolg oder Flop? Bitte um ehrliche Antwort!
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Bei jeder Umstellung eines solchen<br />
			Verfahrens sind immer Kinderkrankheiten zu überwinden und müssen<br />
			sich die Leute daran gewöhnen, dass es künftig anders<br />
			läuft als es bisher war. Wir sind mit dem Start von &quot;Elster&quot;<br />
			ganz zufrieden und haben im Jahr 2004 bereits über 1,8 Millionen<br />
			elektronische Steuererklärungen bekommen. Das Ziel ist natürlich,<br />
			in absehbarer Zeit möglichst alle Steuererklärungen elektronisch<br />
			abzuwickeln. Was das bedeutet, kann man an den Zahlen ablesen: In<br />
			Deutschland werden pro Jahr 35 Millionen Lohnsteuerkarten und -bescheinigungen<br />
			ausgestellt. Es gibt etwa 29 Millionen Einkommensteuer-Erklärungen<br />
			pro Jahr und etwa 2,5 Millionen Freistellungsanträge. Wenn<br />
			Sie alle diese Massenverfahren voll elektronisch und ohne Medienbrüche<br />
			abwickeln können, haben Sie eine Menge geschafft und vielen<br />
			Menschen das Leben erleichtert. Je schneller das gelingt, umso besser.<br />
			Ab 1.1.2006 müssen alle Lohnsteuerbescheinigungen der Arbeitgeber<br />
			elektronisch abgewickelt werden. Dann sind wir einen deutlichen<br />
			Schritt weiter. Ende Februar 2005 lagen der Finanzverwaltung bereits<br />
			rund 30 Millionen elektronische Lohnsteuerbescheinigungen vor. Und<br />
			so wird das Schritt für Schritt weiter gehen.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Moderator:</b> Zwei Nachfragen zu Elster:
			</p>
<p class="normal">
			<b>ElsterMan:</b> Lieber Herr Wewer, als<br />
			ich zu Beginn dieses Jahres meine Einkommensteuererklärung<br />
			per Elster elektronisch abwickeln wollte, bekam ich von der Dame<br />
			im Finanzamt ausgesprochen mangelhafte Auskünfte. Wie stellen<br />
			Sie sicher, dass auch die Verwaltungsangestellten die nötige<br />
			Medienkompetenz erhalten?
			</p>
<p class="normal">
			<b>G.Füller:</b> Ich wollte meine<br />
			Steuererklärung über Elster einreichen, bin aber an der<br />
			Technik gescheitert. Für den Normalverbraucher bleibt die Steuererklärung<br />
			ein unübersichtliches Ding. Könnte man das nicht gleich<br />
			so reformieren, dass ein Modell wie in Schweden gefahren wird, wo<br />
			die Bürger eigentlich nur noch unterschreiben müssen?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Ich gebe zu, dass ich das schwedische<br />
			Modell nicht so gut kenne wie offensichtlich Sie. Bei meinen bisherigen<br />
			Steuererklärungen musste ich allerdings immer erst etwas erklären,<br />
			bevor ich unterschreiben konnte. Wenn es in Schweden noch eine elegantere<br />
			Lösung gibt als bei uns, so werden wir uns diese ansehen. Was<br />
			die Kompetenz der Finanzamtsdame angeht, so kann ich dazu wenig<br />
			sagen. Aber es ist natürlich klar, wenn man ein Massenverfahren<br />
			wie Steuererklärung völlig auf Elektronik umstellt, kann<br />
			es sein, dass hier und dort nicht gleich alles rund läuft.<br />
			Ich baue darauf, dass sich diese Anfangsschwierigkeiten &#8211; auch hinsichtlich<br />
			der technischen Probleme, die Sie angedeutet haben, nach und nach<br />
			und möglichst schnell überwinden lassen.
			</p>
<p class="normal">
			<b>fabeltier:</b> wie sieht es mit der<br />
			Chancengleichheit der Systeme aus? Elster gibt es doch nur für<br />
			Windows oder?
			</p>
<p class="normal">
			<b>student1999:</b> Wird es ein Elster<br />
			System auch für Linux geben, ich hatte nur eine Windows Version<br />
			gefunden?
			</p>
<p class="normal">
			<b>pinguin:</b> Stimmt es eigentlich,<br />
			dass die elektronische Lohnsteuer nur mit Microsoft-Programmen funktioniert?<br />
			Wäre das nicht schwierig im Hinblick auf Chancengleichheit<br />
			und Opensource?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Um eine möglichst große<br />
			Zielgruppe kurzfristig zu erreichen, wurden die Programme zunächst<br />
			für Windows-Betriebssysteme entwickelt, die immer noch von<br />
			der größten Zahl von Nutzern verwendet werden. Für<br />
			die elektronische Übermittlung von Steuererklärungen aus<br />
			Linux-Umgebungen oder anderen System-Umgebungen stellt die Finanzverwaltung<br />
			sowohl allgemeine XML-Schnittstellen als auch die Plattform unabhängige<br />
			Programmschnittstelle &quot;COALA&quot; zur Verfügung. Zur<br />
			Chancengleichheit: Die Bundesregierung verfolgt in ihrer Software-Strategie<br />
			ganz bewusst parallel die Nutzung proprietärer Systeme (z.B.<br />
			Windows) und gleichzeitig Open-Source. Das machen wir nicht, weil<br />
			wir etwas gegen irgendeine Firma hätten, sondern weil wir Wettbewerb,<br />
			Transparenz und auch Unabhängigkeit wollen. Dies können<br />
			Sie in all den Dokumenten nachlesen, die wir dazu veröffentlicht<br />
			haben und die Sie auch auf unserer Homepage finden.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Moderator:</b> Es sind inzwischen Fragen zu weiteren<br />
			Themengebieten eingegangen, die wir leider nicht mehr alle abdecken<br />
			können. Diese zwei Fragen aber möchte ich noch stellen.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Heda:</b> Herr Wewer, sie waren ja<br />
			Wissenschaftler und haben sich damals schon mit Verwaltungsreformen<br />
			beschäftigt. Was hat sich an Ihrer Perspektive geändert,<br />
			seitdem Sie in der Politik tätig sind? &#8216;Mildere &#8216; Forderungen<br />
			an die Verwaltung?
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Es ist schon so, dass das Sein<br />
			immer auch das Bewusstsein prägt. Als Wissenschaftler, der<br />
			sich ideale Modelle ausdenken kann, sieht die Welt immer etwas anders<br />
			aus als für den Praktiker, der diese schönen Modelle teilweise<br />
			gegen viele Widerstände durchsetzen muss. An meinen Grundüberzeugungen,<br />
			was Ziele und strategische Ausrichtungen von Verwaltungsreformen<br />
			angeht, hat sich wenig geändert. Allerdings habe ich im Laufe<br />
			der Jahre auch manches dazu gelernt, was ich als junger Wissenschaftler<br />
			nicht gewusst habe. Ich glaube, dass mir aber die wissenschaftliche<br />
			Sozialisation und auch die Kenntnis des Forschungsstandes immer<br />
			geholfen haben, auch praktische Probleme zu lösen. Wie hat<br />
			ein kluger Kopf mal gesagt: Nichts ist so praktisch wie eine gute<br />
			Theorie.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Moderator:</b> Und ganz zum Schluss noch eine Frage,<br />
			die vielleicht noch nicht beantwortet werden kann, aber dennoch<br />
			gestellt sein sollte:
			</p>
<p class="normal">
			<b>Glaube:</b> Sie sind doch auch für<br />
			die Fußball-WM zuständig, lese ich. Kommt der neue Papst<br />
			zur WM? 😉
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Das weiß ich leider nicht.<br />
			Ich weiß, dass der alte Papst sehr sportbegeistert war. Ob<br />
			dass der Neue auch ist und ob er sich in den Trubel eines vollen<br />
			Stadions begeben will, weiß ich nicht. Aber spätestens<br />
			beim Weltjugendtag im August in Köln besteht eine gute Gelegenheit<br />
			ihn selbst zu fragen!
			</p>
<p class="normal">
			<b>Moderator:</b> Sehr geehrte Damen und Herren! Die 60<br />
			Minuten sind bereits wieder verstrichen. Im Namen des Bundesministeriums<br />
			des Innern möchten wir uns ganz herzlich bei Ihnen für<br />
			Ihr Interesse und für die Teilnahme an diesem Live-Chat bedanken.<br />
			Leider konnten nicht alle Fragen veröffentlicht werden, es<br />
			waren wieder einmal zu viele für eine Stunde. Unser besonderer<br />
			Dank gilt Herrn Staatssekretär Wewer, der seine Zeit für<br />
			die Beantwortung der Fragen geopfert hat. Das Transkript dieses<br />
			Chats wird Ihnen auf der Seite http://www.staat-modern.de und auch<br />
			auf http://www.politik-digital.de zum Nachlesen zur Verfügung<br />
			gestellt. Wir wünschen allen Teilnehmern einen schönen<br />
			Tag.
			</p>
<p class="normal">
			<b>Göttrik Wewer:</b> Vielen Dank für die interessante<br />
			Diskussion. Einen guten Tag noch!
			</p>
<p>			<!-- #EndEditable --></td>
</tr>
<tr>
<td align="left">
<p>
			<span style="font-size: x-small"> </span>
			</p>
<p>
			</td>
</tr>
</tbody>
</table>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotsisyphos_kommt_einem_gelegentlich_schon_in_den_sinnquot-218/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wir sagen ja, zur Vorfahrt für Arbeit.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/wir-sagen-ja-zur-vorfahrt-fuer-arbeit-220/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[kbeutel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Apr 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Waffenhandel]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Claudia Roth]]></category>
		<category><![CDATA[Joschka Fischer]]></category>
		<category><![CDATA[Visa-Affäre]]></category>
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					<description><![CDATA[Claudia Roth, die Bundesvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen, 
war am 20.April von 13:30 bis 14:30 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat 
von politik-digital.de und tagesschau.de. Claudia Roth stellte sich 
den Fragen der Chatter und redete über die Visa-Affäre, 
Waffenhandel und das Zugpferd Joschka Fischer.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Claudia Roth, die Bundesvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen,<br />
war am 20.April von 13:30 bis 14:30 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat<br />
von politik-digital.de und tagesschau.de. Claudia Roth stellte sich<br />
den Fragen der Chatter und redete über die Visa-Affäre,<br />
Waffenhandel und das Zugpferd Joschka Fischer.<!--break--></p>
<p class="normal">
<span class="fett">Moderator:</span> Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute die Grünen-Vorsitzende<br />
Claudia Roth ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Frau Roth, sind<br />
Sie bereit für den 60-Minuten-Chat mit unseren Usern?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Yes.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Viele haben nicht verstanden,<br />
warum sich die Grünen am Anfang der Affäre mehr darum<br />
bemüht haben, Herrn Fischer zu verteidigen als Aufklärung<br />
und Transparenz in den Vordergrund zu stellen?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Also ich glaube, wir haben<br />
die Dynamik dieser Auseinandersetzung am Anfang unterschätzt.<br />
Vielleicht auch unterschätzt, wie schwierig es ist auf Behauptungen,<br />
die wirklich durch nichts belegt sind, differenziert zu antworten.<br />
Und wie schwierig es ist &#8211; gleichwohl notwendig &#8211; zu sagen: Fehler<br />
sind gemacht worden. Der kriminelle Missbrauch ist möglicherweise<br />
zu langsam erkannt worden, aber die Missbrauchsmöglichkeiten<br />
sind abgeschafft worden. Und gleichwohl auf eine liberale und weltoffene<br />
Visapolitik, die unser Land dringend braucht, zu bestehen.
</p>
<p>
<span class="fett">FischerNetz06:</span> Frau Roth! Ihre Partei<br />
ist im Wahlkampf immer stark auf Herrn Fischer ausgerichtet gewesen.<br />
Ist es nicht an der Zeit ein neue Galionsfigur zu etablieren?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Fischer ist und bleibt<br />
einer der Schwergewichte unserer Partei, er hat deutscher Außenpolitik<br />
ein Profil gegeben und dafür hohe Anerkennung weltweit bekommen.<br />
Er ist Teil einer Partei mit vielen sehr unterschiedlichen und starken<br />
Persönlichkeiten und es gibt gar keinen Anlass auf seine Kraft,<br />
Wissen, Können und Popularität zu verzichten.
</p>
<p>
<span class="fett">Waldschrat:</span> Wie interpretieren Sie den<br />
Satz von Fischer:„Ich übernehme die politische Verantwortung“?<br />
Welche Konsequenzen hat das?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Er hat Fehler eingestanden.<br />
Er hat nicht energisch und schnell genug reagiert. Er hat aber Missbrauchsmöglichkeiten<br />
abgestellt. Das ist für mich politische Verantwortung. Die<br />
ganzen Details und Abläufe werden jetzt im Untersuchungsausschuss<br />
zu klären sein und ich bin sicher dass Fischer das allergrößte<br />
Interesse hat, dass alle Abläufe aufgeklärt werden und<br />
damit auch Behauptungen entkräftet werden, die in letzter Zeit<br />
die Schlagzeilen bestimmt haben. Die Kriminalitätsstatistiken<br />
weisen keine Steigerungen aufgrund von Ukrainern auf, genauso wenig<br />
Schwarzarbeit und genauso ist die Behauptung, Fischer sein ein &quot;Zuhälter&quot;<br />
und Grüne für Menschenhandel verantwortlich nicht zuletzt<br />
bösartig und durch nichts, aber auch gar nichts belegt.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Von der Person weg zur Sache:<br />
In der Integrationspolitik kommen immer mehr Stimmen auf, die sagen,<br />
dass das so genannte Verständnis von Multikulti falsch ausgelegt<br />
wurde. Es wurde mit einer grenzenlosen Toleranz und mit einer grenzenlosen<br />
Offenheit für alle kulturellen Eigenheiten gelebt, was bedeutete,<br />
dass auch Menschenrechtsverletzungen akzeptiert wurden. War das<br />
in der Visa-Politik vielleicht auch so?
</p>
<p>
<span class="fett">Wallner:</span> Wieso sind sie von einer Multi<br />
Kulturellen Politik überzeugt? Sie sehen doch auch dass das<br />
in Deutschland nicht klappt und dass es nur zur höheren Kriminalitätsrate<br />
führen würde! Was gedenken sie zu tun ?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Also ich kann doch die<br />
Realität nicht in Frage stellen! Ob es einem gefällt oder<br />
nicht. Die Bundesrepublik ist ein Einwanderungsland, seit Jahrzehnten.<br />
In Deutschland leben Menschen mit den unterschiedlichsten Religionen,<br />
mit sehr unterschiedlichem kulturellen Hintergrund. Also ist die<br />
Multikulturelle Gesellschaft Realität, die wir gestalten müssen.<br />
Vielfalt und Differenz finde ich nicht als Bedrohung sondern als<br />
Reichtum. Wobei eines unumstößlich ist: Der gemeinsame<br />
Konsens und die gemeinsamen Regeln des Zusammenlebens sind unser<br />
Grundgesetz, unsere rechtsstaatliche Ordnung und daran haben sich<br />
alle zu halten, ohne Wenn und Aber.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Apropos Ausgestaltung:
</p>
<p>
<span class="fett">ThomasK:</span> Ich bin der Meinung das die<br />
Visa und Einreisebestimmungen in der EU sowieso zu locker sind.<br />
Ist mit einer Verschärfung zu rechnen?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Ich wäre ihnen dankbar,<br />
wenn Sie das begründen. Tatsache ist, dass es immer wieder<br />
massive Kritik gab, vor allem 1998 von Seiten der Wirtschaft, Wissenschaft,<br />
Universitäten und Kultur und z.B. Organisationen von binationalen<br />
Familien. Dass wir viel zu restriktive Visaregelungen haben und<br />
dass gerade ein Exportland Deutschland liberale Regelungen braucht<br />
in einer globalen Welt. Und gerade wir Deutsche tun gut daran uns<br />
zu erinnern, welche Bedeutung Reisefreiheit für Demokratisierungsprozesse<br />
hat. Wobei liberale Visa-Regelungen und Reisefreiheit nie heißt:<br />
Rabatt auf Sicherheit.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Stichwort Zwangsprostitution?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Zwangsprostitution ist<br />
ein bedrückendes Problem und es waren gerade die Grünen,<br />
die sich seit 1998 intensiv mit dieser Kriminalität beschäftigt<br />
haben und viele Maßnahmen und gesetzliche Verbesserungen zum<br />
Schutz der Zwangsprostituierten oft gegen den Widerstand der Union<br />
durchgesetzt haben.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Stichwort „Meads“<br />
– erst lange Kritik üben, aber dann doch zustimmen. Und<br />
dann noch sagen, man habe es sich nicht einfach gemacht. Reicht<br />
das, um glaubwürdig zu bleiben?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Also Beschlüsse sind<br />
ja gerade im Regierungshandeln oft von mehreren Punkten beeinflusst:<br />
1. die inhaltliche Auseinandersetzung, 2. Macht- und Mehrheits­verhältnisse<br />
3. Koalitionsräson. Es gab eine monatelange Auseinandersetzung<br />
mit dem Koalitionspartner zum Thema „Meads“. Unsere<br />
erheblichen Zweifel und Bedenken, und unsere ablehnende Haltung<br />
konnte nicht entkräftigt werden. Der Koalitionspartner hat<br />
massiv auf den Einstieg in die Entwicklung dieses Projekts bestanden.<br />
Und so war es letztendlich eine Frage von tatsächlichen Machtverhältnissen<br />
und eine Frage der Koalitionsräson der Beteiligung an der Entwicklung<br />
dieses Projektes zuzustimmen.<br />
Eine Niederlage unserer Position, die ich außerordentlich<br />
bedauere, aber Niederlagen gehören leider auch bisweilen zum<br />
politischen Geschäft.
</p>
<p>
<span class="fett">Waldschrat:</span> Haben sie eigentlich Angst<br />
vor der angeschlagenen und deshalb reizbaren SPD? Sonst ist kaum<br />
erklärbar, wie die Grünen auf diesem auch symbolisch wichtigen<br />
Feld einknicken.
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Natürlich kommen vom<br />
Koalitionspartner auch inhaltliche Begründungen: Bündnisverpflichtungen,<br />
neue Chancen an der Entwicklung der Technologie beteiligt zu sein.<br />
Wir haben diese Begründung aber nicht als ausreichend genug<br />
gesehen, diesem Projekt inhaltlich zuzustimmen und haben auch der<br />
SPD die Frage gestellt warum sie glaubt, dass ein solches Projekt<br />
in der Bevölkerung auf breite Akzeptanz stoßen wird,<br />
in der wir es doch in vielen Bereichen mit leeren Kassen zu tun<br />
haben.
</p>
<p>
<br />
<span class="fett">Submo:</span> Warum haben die Grünen beim<br />
Thema MEADS nicht die Koalition aufgekündigt? Bzw. damit gedroht?<br />
Wenn die SPD das kann, können die Grünen doch auch mal<br />
mit etwas drohen, oder? Ich finde das sehr schade!
</p>
<p>
<br />
<span class="fett">Claudia Roth:</span> 1. Hätte die Aufkündigung<br />
der Koalition das Projekt definitiv nicht verhindert weil die Union<br />
das Projekt schon lange unterstützt. 2. Gibt es in dieser rotgrünen<br />
Koalition eine Reformagenda, die wir vorantreiben wollen. Und das<br />
geht nur in der Koalition. Noch einmal: Es ist eine politische Niederlage,<br />
wir konnten uns nicht gegenüber der SPD durchsetzen. Gleichwohl<br />
denke ich, dass so viele wichtige gesellschaftspolitische, arbeitsmarktpolitische,<br />
umweltpolitische Herausforderungen anstehen, dass ein Koalitionsbruch<br />
falsch gewesen wäre.
</p>
<p>
<span class="fett">Dawson: </span>Wie viel kostet das MEADS Projekt?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Der Beschluss, der jetzt<br />
zu fassen ist, ist der Einstieg in die Entwicklungsphase die über<br />
8 Jahre verläuft und sich insgesamt auf 886 Mio. Euro beläuft,<br />
d.h. eine maximale jährliche Belastung von ca. 155 Mio. Euro.<br />
Im Jahr 2009 wird zu entscheiden sein ob es zu einer Beschaffung<br />
kommen soll und in welchem Umfang diese Beschaffung aussehen soll.
</p>
<p>
<span class="fett">Rechnungshof: </span>Brauchen wir MEADS wirklich?<br />
Die Stiftung Wissenschaft und Politik sagt, das Rüstungsprojekt<br />
sei Blödsinn und unnötig. Was ist Ihre Meinung?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Genau das war auch unser<br />
Argument. Die Fragestellung an den Koalitionspartner, braucht es<br />
dieses Projekt überhaupt? Ist es nicht eine Prioritätensetzung,<br />
die wir anders gewichten würden und wie sind die Bedenken des<br />
Bundesrechnungshofes in die Entscheidung mit einbezogen. Der Koalitionspartner<br />
hat diese Fragen anders beantwortet als wir.
</p>
<p>
<span class="fett">Dawson: </span>Glauben Sie, dass Ihnen die Zustimmung<br />
zu diesem Projekt (wenn auch ungewollt) Wählerstimmen in NRW<br />
kosten wird?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Ja, es wird durchaus kritische<br />
Nachfragen geben &#8211; zu Recht und es wird sicher nicht einen zusätzlichen<br />
Anreiz für die Wahl geben. Diese Frage sollte sich aber vor<br />
allem auch die SPD stellen. Ob sie mit MEADS eine notwendige Mobilisierung<br />
ihres Wählerklientels erreichen kann.
</p>
<p>
<span class="fett">KaPeWe:</span> Welche Auswirkungen der Ausschussarbeit<br />
erwarten Sie für den Wahlkampf in NRW?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Meinen Sie jetzt die erste<br />
Live-Übertragung? Oder die Auseinandersetzung insgesamt?
</p>
<p>
<span class="fett">Thomas Biber:</span> Sie sprechen gerade die<br />
Koalition mit der SPD an. Wie steht die Grüne Basis zu der<br />
derzeitigen Wirtschaftslage und insbesondere zu den derzeitigen<br />
Diskussionen um die Dienstleistungsreform?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Also für unsere Partei,<br />
und zwar auf allen Ebenen ist die hohe Arbeitslosenquote die zentrale<br />
Gerechtigkeitsfrage in unserer Gesellschaft. Wir sagen ja zur Vorfahrt<br />
für Arbeit. ABER, Arbeit mit Zukunft. Und wir wehren uns zu<br />
Recht gegen die Behauptung der Union und Teilen der Wirtschaft,<br />
dass mehr Arbeit durch das Schleifen des sozialen Rechtsstaates,<br />
durch die Abschaffung von Arbeitnehmerrechten, durch das Infragestellen<br />
von sozialen und ökologischen Standards zu erreichen sei. Wir<br />
haben bewiesen, dass in der Verbindung zwischen Ökologie, Ökonomie<br />
und Gerechtigkeit Zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen.<br />
Daran werden wir weiter arbeiten und das ist nicht Grüne Nische<br />
sondern eine Standortfrage für die Bundesrepublik. Es ist unverantwortlich<br />
wie die Union diese Debatte führt, wenn beispielsweise der<br />
sehr konservative Gouverneur von Kalifornien Schwarzenegger ein<br />
außerordentlich ambitioniertes Programm zu erneuerbaren Energien<br />
beschlossen hat, zum ökologischen Wirtschaften, weil er darin<br />
die Zukunft des immerhin 5. größten Wirtschaftsraumes<br />
der Welt sieht. Und die Union bei uns sagt, eine solche Politik<br />
sei standortgefährdend.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Zurück zu NRW:
</p>
<p>
<span class="fett">littleeagle424:</span> Welche Auswirkungen auf<br />
die Arbeit der Bundesregierung hätte ein Wahlsieg von Schwarz-Gelb<br />
in NRW?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Das würde natürlich<br />
hier die Arbeit nicht leichter machen, deswegen kämpfen wir<br />
ja auch und zwar bis 18 Uhr am Wahlsonntag. Es ist eine Aufholjagd,<br />
aber ich sehe, dass die Chance besteht, diese Wahl zu gewinnen und<br />
damit zu verhindern, dass mit Vergangenheitsminister Rüttgers<br />
NRW einen Rückschritt erlebt. Weg von einer modernen Umwelt-<br />
und Energiepolitik zurück zum Atom. Weg von einer integrativen<br />
modernen Schul- und Bildungspolitik zurück zu uralten gescheiterten<br />
Bildungskonzepten Weg von der Reform des sozialen Rechtsstaates<br />
die ihn erhalten will, hin zu neoliberalem Kahlschlag.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Apropos Atom:
</p>
<p>
<span class="fett">mahavira:</span> Wie will die grüne Basis<br />
das Problem gelöst wissen, dass deutsche (Kern-) Kraftwerke<br />
abgeschalten werden, andererseits aber keine neuen alternativen<br />
Kraftwerke in ausreichendem Maße nachgebaut werden (und somit<br />
immer mehr Strom aus dem Ausland aufgekauft wird).
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Einens ist klar: Man kann<br />
nicht von heute auf morgen alle AKW abschalten. Wir setzen 1. auf<br />
erneuerbare Energien auf Energieeinsparungen mit einem enormen Potenzial<br />
und auf Energieeffizienz. Und wir setzen auch auf moderne, neue<br />
Kraftwerkstechniken. In Schleswig-Holstein werden heute schon knapp<br />
30% des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Können Sie aber auch<br />
100 Prozent damit gewährleisten?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Und mit den Plänen<br />
und Projekten wie Offshore-Anlagen können weitere Ressourcen<br />
eröffnet werden. Nich von heute auf morgen. Aber zur Abkehr<br />
von einer nicht beherrschbaren Technologie wie der Atomkraft gibt<br />
es keine Alternative.
</p>
<p>
<span class="fett">Kemal: </span>Wie hoch ist der Anteil der regenerativen<br />
Energie in Deutschland heute und wie hoch wird er im Jahre 2010<br />
sein, finden sie die Aussage Schröders nicht auch lächerlich,<br />
der behauptet, China würde seinen Energiehunger bis zum Jahre<br />
2010 auf einen Anteil von 10% steigern können?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Tatsache ist, das beim<br />
Volkskongress in Peking ein guter und ein schlechter Beschluss gefasst<br />
wurde. Der gute Beschluss: Das China ambitioniert in die erneuerbaren<br />
Energien einsteigen will. Was gerade für in Deutschland entwickelte<br />
modernste Umwelttechnologie große Chancen bietet. Und beispielsweise<br />
ist Deutschland führend in der Entwicklung von Windenergie.<br />
Der schlechte Beschluss: Das Antisezessionsgesetz, was durchaus<br />
als Aggressiver Akt gegenüber Taiwan zu verstehen war und was<br />
mit einer der Gründe war warum wir so vehement gegen die Aufhebung<br />
des Waffenembargos eintreten.
</p>
<p>
<span class="fett">Jemand: </span>Was für Kraftwerktechniken<br />
stehen denn für die Zukunft in der Entwicklung, auf die man<br />
dann zurückgreifen könnte?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Z.B. neue modernste Gaskraftwerks-Techniken.<br />
Dann gibt es große Entwicklungschancen im Bereich Biomasse,<br />
Geothermik. Bei der Biomasse kann aus dem klassischen Landwirt in<br />
Zukunft der Energiewirt werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Zu China:
</p>
<p>
<span class="fett">nabelschau: </span>Wäre es nicht richtig<br />
Waffen an China zu liefern? Schließlich sollte man es sich<br />
mit der zukünftigen Weltmacht nicht verscherzen.
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Wir haben allen Grund dazu<br />
beizutragen, dass diese schon heutige Weltmacht China stabil ist.<br />
Stabilität basiert auf Demokratie auf der Achtung der Menschen-<br />
und Minderheitenrechte und auf Entspannung und Deeskalation in regionalen<br />
Räumen. Waffenlieferungen würden sicher nicht zu einer<br />
solchen Stabilität beitragen können.
</p>
<p>
<span class="fett">Dont_forget_Yugoslavia: </span>Warum keine Waffen<br />
an China verkaufen, wenn man schon an die Türkei Waffen verkauft<br />
hat?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Wie sie wissen sind nicht<br />
zuletzt über die Auseinandersetzungen, ob in die Türkei<br />
deutsche Panzer geliefert werden können unsere Rüstungsexportrichtlinien<br />
verändert und verschärft worden. Mit dem Ergebnis, dass<br />
keine Panzer an die Türkei geliefert wurden. Die Menschenrechtslage<br />
in China ist dramatisch schlecht. In China werden mehr Menschen<br />
hingerichtet als auf der ganzen Restwelt zusammen. Der Umgang mit<br />
Minderheiten wie in Tibet oder bei den Uguren ist sehr oft von Gewalt<br />
bestimmt. Die großen Menschenrechtspakte der UN sind nicht<br />
ratifiziert und umgesetzt. Die Spannungen in der Region nehmen nicht<br />
ab, sonder eher zu. Alles Gründe, die gegen Waffenlieferungen<br />
an China sprechen. Und deswegen ist es folgerichtig, dass es in<br />
der EU es keine Einstimmigkeit gab, das Waffenembargo aufzuheben<br />
und dass das Waffenembargo bis auf weiteres bestehen bleibt.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Stichwort angebliche Amigo-Affäre:
</p>
<p>
<span class="fett">michael unbehaun:</span> Ist Volker Schäfer<br />
Ihr Lebensgefährte? Hat dieser vom Bundesamt für Strahlenschutz<br />
Aufträge bekommen? In welcher Eigenschaft und mit welcher Kompetenz?<br />
Ist der Bild-Bericht zutreffend?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Die Vorwürfe die BILD<br />
erhebt entbehren derartig jeglicher Grundlage, so dass ich mich<br />
entschlossen habe mit allen rechtlichen Mitteln dagegen vorzugehen.<br />
Herr Schäfer war lange vor und lange nach einer privaten Beziehung<br />
zu mir im Rahmen des BFS beschäftigt.
</p>
<p>
<span class="fett">Dawson:</span> Welchen Wahlausgang prognostizieren<br />
Sie für die Wahl in NRW?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Jetzt Aufholjagd, dann<br />
Kopf-an-Kopf-Rennen und am Ende Mehrheit für Rot-Grün<br />
mit gestärkten Grünen.
</p>
<p>
<span class="fett">Kimanlin:</span> Warum tun sich die Grünen<br />
so schwer das China Geschäft zu blocken? Sie haben doch alle<br />
moralischen und strategischen Argumente auf ihrer Seite.
</p>
<p>
<br />
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Das ist uns gar nicht schwer<br />
gefallen. Das ist eine ganz klare Position. Außerdem gibt<br />
uns das Ergebnis recht, dass das Waffenembargo im Rahmen der EU<br />
&#8211; und nur dort wird darüber entscheiden &#8211; nicht aufgehoben<br />
wurde. Gleichwohl haben wir das allergrößte Interesse<br />
im Rahmen des Rechtsstaatdialogs, des Menschenrechtsdialogs zu einer<br />
Demokratisierung beizutragen. Die übrigens nicht zuletzt im<br />
allergrößten Interesse der deutschen Wirtschaft ist.
</p>
<p>
<span class="fett">Mahavira:</span> apropos China: Gab es eine<br />
interne Rüge für Koalitionspartner Schröders Vorstoß<br />
zum Thema Waffenembargo?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Rügen spielen sich<br />
auf anderen Ebenen ab &#8211; es gab unterschiedliche Auffassungen &#8211; darüber<br />
natürlich Kontroversen, die nicht zuletzt bei der Bundestagsdebatte<br />
deutlich geworden sind.
</p>
<p>
<span class="fett">HotElment: </span>Frau Roth! Wie denken Sie<br />
wird die Visa-Affäre für unseren Außenminister ausgehen?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Die Visa-Debatte wird,<br />
das erwarte ich, so ausgehen: Abläufe, wie es zu kriminellem<br />
Missbrauch kommen konnte werden aufgeklärt und dargelegt werden.<br />
Dass diese Möglichkeiten seit langem nicht mehr existieren<br />
wird deutlich werden und es wird nicht zuletzt Joschka Fischer sein<br />
der dafür steht, dass Deutschland von Weltoffenheit und Liberalität<br />
auch im Bereich der Reisefreiheit lebt.
</p>
<p>
<span class="fett">Mahavira:</span> Wer wird im Fall der Fälle<br />
neuer Außenminister?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Joschka Fischer
</p>
<p>
<span class="fett">moorkoenig:</span> Welche Rolle spielt das Eigeninteresse<br />
der Amerikaner an der Entwicklung von MEADS? Wird Deutschland mit<br />
MEADS eine geänderte strategische Rolle in Europa spielen?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Deutschland hat im Rahmen<br />
des Bündnisses bestimmte Bereiche &quot;betreut&quot;. In diesem<br />
Zusammenhang ist MEADS zu sehen. Für die Befürworter von<br />
MEADS ist die Tatsache, dass Deutschland zum ersten mal an einer<br />
Entwicklung beteiligt ist, ein sehr wichtiges Argument.
</p>
<p>
<span class="fett">AugenAufBeimEierlauf:</span> Liebe Frau Roth,<br />
Sie wünschen sich Herrn Ratzinger als Papst, der Frauen gleichberechtigt<br />
anerkennt und homosexuelle Menschen nicht diskriminiert, der sich<br />
einsetzt für neue Positionen im Bereich der Empfängnisverhütung<br />
und der Aids-Bekämpfung. Das sind alles Positionen, denen er<br />
bislang entgegensteht. Finden Sie Ihre Wünsche nicht etwas<br />
naiv?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Nein, ich halte diese Wünsche<br />
nicht für naiv, sondern ich glaube dass es wichtig ist, dass<br />
die katholische Kirche sich gesellschaftlichen Realitäten öffnet<br />
und das ist auch meine Erwartung an Papst Benedikt XVI. Obwohl ich<br />
weiß, dass es gerade mit Kardinal Ratzinger zu Recht kontroverse<br />
Auseinandersetzungen über diese Fragen gab.
</p>
<p>
<span class="fett">Saschale: </span>Ein ganz anderes Thema: Was<br />
ist der Unterschied zwischen PDS und Grüne? Welche dieser Parteien<br />
denkt weniger nach altbundesdeutschen Mustern?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth:</span> Ich glaube es ist wichtig,<br />
nicht in &quot;altbundesdeutschen&quot; oder &quot;altddr&quot;<br />
Mustern zu denken, sondern in &quot;Deutschen&quot;. In dieser Frage<br />
gibt es erheblichen Nachholbedarf bei der PDS.
</p>
<p>
<span class="fett">Fabian Bremer: </span>Sehr geehrte Frau Roth,<br />
ich bin 15 Jahre alt und seit einem halben Jahr Mitglied in der<br />
SPD. Bei meinen Freunden und Bekannten stoße ich oft auf Verständnislosigkeit<br />
und die typische &#8216;Politikverdrossenheit &#8216;. Wie stellen sie sich<br />
vor, dass mehr junge Menschen motiviert werden können, sich<br />
für Politik zu interessieren?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Das ist eine sehr wichtige<br />
Frage. Junge Menschen zu mobilisieren, sie neugierig zu machen,<br />
sie anzuspornen sich einzumischen in ihre eigenen Angelegenheiten.<br />
Politik spielt sich nicht nur im Rahmen von Parteien ab, sondern<br />
findet statt in Bürgerinitiativen, in Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen<br />
jeden Tag in konkret gelebter Solidarität und im tiefen Bewusstsein,<br />
dass es darauf ankommt, diese Welt gerechter zu gestalten. Toll,<br />
dass Sie den aktiven Schritt gemacht haben, wenn&#8217;s ihnen nicht mehr<br />
gefällt sind sie auch bei uns herzlich willkommen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Zum Schluss:
</p>
<p>
<span class="fett">kinkel: </span>Ein Wort zur Sprache der Politik:<br />
Joschka Fischer benutzt inzwischen genauso wolkige Formulierungen<br />
wie weiland Hans-Dietrich Genscher. Ist es politisch unklug, klare,<br />
präzise Positionen zu beziehen (und dies auch sprachlich so<br />
zu formulieren), weil man dann darauf &#8216;festgenagelt &#8216; werden könnte?
</p>
<p>
<span class="fett">Claudia Roth: </span>Ich glaube es ist richtig,<br />
die Sprache zu sprechen, die die Menschen verstehen. Manche machen<br />
das mit mehr, manche mit weniger Schnörkeln und manches Diplomatenwort<br />
verbirgt viele Wahrheiten, die man vielleicht auf den ersten Blick<br />
gar nicht erkennt. Seien sie beruhigt, es gibt einen profunden Unterschied<br />
zwischen dem was Hans Dietrich Genscher und Joschka Fischer sagt.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Unsere Zeit ist bereits um.<br />
Vielen Dank an alle User für das große Interesse. Etliche<br />
Fragen sind leider unbeantwortet geblieben. Haben Sie Dank, Frau<br />
Roth, dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript<br />
dieses Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen noch einen angenehmen Tag!
</p>
<p><span class="fett">Claudia Roth: </span>Alles verändert sich,<br />
wenn Du es veränderst &#8211; in diesem Sinne einen kämpferischen<br />
Resttag. Bis zum nächsten Mal.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Helga Daub über Sicherheitspolitik</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/helga_daub_ueber_sicherheitspolitik-222/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[kbeutel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Apr 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
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		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Helga Daub]]></category>
		<category><![CDATA[Medium Extended Air Defense System]]></category>
		<category><![CDATA[Warenembargo]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small">Am Montag, 18. April, war Helga Daub, verteidigungspolitische 
Sprecherin der FDP und Mitglied im Bundestag, von 13.00 bis 14.00 
Uhr zu Gast in der Chat-Reihe &#34;PolitikerTalk&#34; der FDP. 
Sie beantwortete Fragen zum geplanten Raketenabwehrsystem MEADS, 
der China-Politik der Bundesregierung und zum transatlantischen 
Verhältnis.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small">Am Montag, 18. April, war Helga Daub, verteidigungspolitische<br />
Sprecherin der FDP und Mitglied im Bundestag, von 13.00 bis 14.00<br />
Uhr zu Gast in der Chat-Reihe &quot;PolitikerTalk&quot; der FDP.<br />
Sie beantwortete Fragen zum geplanten Raketenabwehrsystem MEADS,<br />
der China-Politik der Bundesregierung und zum transatlantischen<br />
Verhältnis.</span><!--break--></p>
<p class="normal">
<span style="font-size: x-small"><span class="fett">Moderator:</span><br />
Herzlich willkommen im FDP-Live-Chat der Serie &quot;Politiker-Talk&quot;!<br />
Unser heutiger Gast ist Helga Daub, MdB. In den nächsten 60<br />
Minuten werden wir uns in diesem Live-Chat aus Berlin über<br />
ihre Funktion als Mitglied im Verteidigungsausschuss auseinandersetzen<br />
und hoffen auf interessante Fragen von Ihnen, liebe Chatter und<br />
Chatterinnen. Die Fragen werden von unseren Moderatoren jetzt entgegengenommen.<br />
Frau Daub, sind Sie bereit?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Aber natürlich.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Heute kommt der Koalitionsausschuss zusammen, um über das deutsche<br />
Rüstungsprojekt MEADS abschließend zu beraten. Wie ist<br />
die Haltung der FDP zu diesem Projekt?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub: </span></span><span style="font-size: x-small">Die<br />
FDP hat da noch nicht abschließend ihre Meinung gefällt.<br />
Wir haben uns das wirklich nicht leicht gemacht. Für und Gegen<br />
abgewogen, auch die Kritik der Stiftung Wissenschaft und Politik<br />
(SWP) oder dem Hessischen Institut für Friedens- und Konfliktforschung.<br />
Auch das ist natürlich in unsere Überlegung eingeflossen.<br />
Natürlich auch der Bericht des Rechnungshofes, der vor allem<br />
die finanzielle Seite gesehen hat. Also persönlich bin ich<br />
der Meinung, wir hätten diese Debatte nicht mehr bekommen,<br />
wenn der Einzelplan 14 (der Verteidigungshaushalt) finanziell üppig<br />
ausgestattet wäre. Insofern haben aber angespannte Finanzlagen<br />
auch ihr Gutes, dass man noch einmal sondieren muss.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small">Der Punkt ist ganz einfach: Brauchen wir MEADS zum<br />
Schutz unserer Soldaten. Und das hat oberste Priorität. Oder<br />
brauchen wir es nicht? Persönlich bin ich allerdings der Meinung:<br />
Wenn wir kämpfen müssen, dass dann unsere Soldaten im<br />
Ausland genügend geschützte Fahrzeuge haben. Ob es dann<br />
wirklich das MEADS-System ist, was wir demnächst unbedingt<br />
brauchen, wenn diese absoluten Grundsätzlichkeiten wie geschützte<br />
Fahrzeuge vor Ort immer wieder erkämpft werden müssen,<br />
bzw. immer wieder nachgefragt werden muss, ob das auch erfüllt<br />
ist, ist fraglich. Zudem haben wir an keinem Einsatzort das Vorgängersystem<br />
Patriot aufgestellt. Und von daher, wenn hier nicht noch jemand<br />
sehr gute Argumente bringt, dass wir es unbedingt brauchen, würde<br />
ich mich persönlich eher dagegen aussprechen. Kann da aber<br />
noch nicht abschließend für meine Fraktion sprechen.<br />
Und was die Grünen machen, ist ein absoluter Bazar und Kuhhandel.<br />
Die Frage ist: Brauchen wir das System oder nicht. Und daran hat<br />
sich die Entscheidung auszurichten.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Rechnungshof: </span></span><span style="font-size: x-small">Der<br />
Bundesrechnungshof findet MEADS zu teuer. Was meinen Sie?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Na ja, ich meine Preissteigerungen wird man im Laufe eines Entwicklungsverfahrens<br />
immer einkalkulieren müssen und wenn man bedenkt, dass das<br />
Ganze 10 Jahre sicherlich brauchen wird, bis es zum Einsatz kommen<br />
kann, muss man nach aller Lebenserfahrung davon ausgehen, dass die<br />
2,8 Mrd. Euro insgesamt nicht ausreichen werden.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Am Mittwoch dieser Woche soll der Haushaltsausschuss mit Rot-Grüner<br />
Mehrheit die Mittel für das Rüstungsprojekt bewilligen.<br />
Die Beschaffungskosten für das deutsche Rüstungsprojekt<br />
werden mit 2,85 Mrd. Euro angegeben. Der Bundesrechnungshof warnt<br />
vor gravierenden Finanzrisiken. Teilen Sie diese Bedenken?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Die Bedenken darf man sicherlich haben. Wobei ich es absolut unglaublich<br />
finde, was die Grünen im Tagesspiegel gesagt haben, dass sie<br />
in den Haushaltsausschuss möglicherweise Vertreter und nicht<br />
die Obleute schicken, das ist Politik nach dem Motto &quot;Wasch<br />
mir den Pelz, aber mach mich nicht nass&quot;. Da muss man Farbe<br />
bekennen. Was unsere Vertreter natürlich auch wissen. Und das<br />
werden wir morgen in unserer Fraktionssitzung abschließend<br />
beraten und mit dieser Haltung werden unsere Vertreter dann natürlich<br />
auch in den Ausschuss gehen und keine Stellvertreter heranziehen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Eine allgemeine Frage zum Thema MEADS von krimhild:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">krimhild:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Können sie vielleicht erklären was MEADS genau ist?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Der englische Name ist „Medium Extended Air Defense System“.<br />
Also ein Luftverteidigungssystem der mittleren Reichweite (1000<br />
Kilometer Umkreis und 30 Kilometer Höhe). Ein Raketenabwehrsystem.<br />
Und der Vorteil von MEADS gegenüber Patriot ist, dass man eine<br />
360 Grad Umkreis Abdeckung hat, wogegen Patriot nur &#8211; glaube ich<br />
90 Grad &#8211; Abdeckung hat. Natürlich kann Patriot auch nachgerüstet<br />
werden, allerdings nicht diese 360 Grad.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Gerolstein:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Die Grünen-Spitze befürwortet das MEADS Projekt. Das wird<br />
Ärger mit der Basis geben, oder was meinen Sie?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Die Grünen sind gar nicht so überzeugt von diesem Projekt<br />
und haben das in den vergangenen Wochen auch zum Ausdruck gebracht.<br />
Da stecken wohl härtere Koalitionsverhandlungen dahinter, in<br />
denen dies den Grünen abgerungen wurde. Der Preis: Andere Rüstungsprojekte<br />
auf die lange Bank schieben bzw. gar nicht zum Zug kommen lassen.<br />
Und das nenne ich einen Kuhhandel.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Noch eine Frage zur Finanzierung von MEADS:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">frank:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wäre die Erhaltung von Arbeitsplätzen nicht ein tolles<br />
Argument?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
450 Arbeitsplätze sind in der Tat sehr viel: Vor allen Dingen<br />
vor dem Hintergrund der großen Arbeitslosigkeit, die wir haben.<br />
Nur, wenn ich die Kosten in Relation setze und auch den recht eingeschränkten<br />
Technologietransfer sehe, habe ich zumindest den Gedanken, ob es<br />
das Wert ist. Denn wir verlieren in anderen Bereichen sehr viel<br />
mehr Arbeitsplätze. Und da ist der Punkt, wo wir bessere wirtschaftliche<br />
Rahmenbedingungen setzen müssen, um die Arbeitslosigkeit zu<br />
bekämpfen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">hektor:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Brauchen wir für eine Berufsarmee nicht die beste Ausrüstung<br />
die es gibt?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Brauchen wir. Wir brauchen vor allen Dingen für eine Armee<br />
im Einsatz &#8211; und die Bundeswehr wird ja eine solche &#8211; eine ganz<br />
andere Ausrüstung als für eine Landesverteidigungsarmee,<br />
die die Bundeswehr 40 Jahre lang war. Und dafür brauchen wir<br />
natürlich die finanziellen Mittel.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator: </span></span><span style="font-size: x-small">Noch<br />
eine Nachfrage zum Waffensystem MEADS:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">berthold brecht:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Also ein Waffensystem, welches man nur im Ausland braucht. D.h.<br />
man braucht auch entsprechende Einsätze und Logistik. Macht<br />
der Besitz eines solchen Systems Auslandseinsätze wahrscheinlicher?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wir brauchen es nicht nur im Ausland, sondern sicherlich auch zum<br />
Schutz von Einrichtungen in Deutschland, sollten diese angegriffen<br />
werden. Dafür ist es genauso geeignet. Und auch hier die Frage:<br />
Wir sind ja nicht rundum von Feinden umgeben (also 360 Grad). Ist<br />
dies mit einem entsprechend nachgerüsteten verbesserten Patriot-System<br />
zu schaffen? Und sehen sie, deshalb ist meine Entscheidung noch<br />
nicht definitiv.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Eine letzte Frage zum Thema MEADS: Wie ist die Haltung der US-amerikanischen<br />
Kollegen zum deutschen MEADS-Projekt? Ist es in den USA überhaupt<br />
ein Thema?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Oh ja! Es war mal so ganz am Anfang des Projektes, dass die USA<br />
es gar nicht haben wollten. Inzwischen sind die USA voll drauf eingestiegen,<br />
auch die amerikanische Industrie. Die decken auch über 50 %<br />
des MEADS-Projekts ab (an dem Projekt sind auch noch die Italiener<br />
und die Deutschen beteiligt). Und das ist sicherlich einer der Punkte,<br />
wo wir als Deutsche nicht so glücklich sind, dass der Technologietransfer<br />
Richtung Deutschland nicht so optimal läuft. Das soll keine<br />
Einbahnstraße sein.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Kommen wir zum Thema Waffenembargo gegen China. Der Bundestag hat<br />
sich in der vergangenen Woche mit dem EU-Waffenembargo gegen China<br />
beschäftigt. Welche Position bezieht die FDP in diesem Punkt?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wir wollen das Embargo derzeit noch nicht aufheben. Was natürlich<br />
nicht bedeutet, dass es nicht irgendwann &#8211; an Bedingungen geknüpft<br />
&#8211; aufgehoben werden kann. Es ist nicht über unseren Antrag<br />
(keine Aufhebung des Waffenembargos) abgestimmt worden, sondern<br />
wieder in die Ausschüsse verlagert worden. Die Haltung des<br />
Bundeskanzlers ist allerdings eindeutig. Was er natürlich auch<br />
machen kann. Er will die Aufhebung des Waffenembargos. Und der Bundesaußenminister<br />
hat wortreich weder Ja noch Nein gesagt und sich zwischendurch laviert.<br />
Und auch auf eine entsprechende Nachfrage keine eindeutige Antwort<br />
gegeben.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Was genau müsste denn Ihrer Meinung nach passieren, damit das<br />
Waffenembargo aufgehoben werden kann?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Respektierung der Menschenrechte in China, Freilassung derjenigen,<br />
die damals (1989) inhaftiert wurden und seit 15 Jahren immer noch<br />
in den Gefängnissen sitzen. Und natürlich Aufhebung der<br />
Todesstrafe. Weltweit sind im letzten Jahr 3700 Todesurteile vollstreckt<br />
worden, 3.400 davon in China. Demokratisierung wird nicht durch<br />
eine Aufhebung des Embargos gefördert. Sondern die Aufhebung<br />
des Embargos steht nach Auffassung der FDP am Ende des Prozesses.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Wirkung:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Welche China-Politik würde die FDP fahren? </span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Handel und Wandel weiter (nicht Waffenhandel) mit China wie bislang<br />
auch. Aber natürlich deutliche Einforderung von Menschenrechten,<br />
Aufhebung der Todesstrafe. Die Stimme Chinas für einen Sitz<br />
im UNO-Sicherheitsrat rechtfertigt es nicht, all diese Punkte aufzugeben.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">sinn:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wir liefern doch auch Waffen an USA. Die haben auch die Todesstrafe<br />
und foltern sogar. Wollen sie denen dann auch keine Waffen mehr<br />
liefern? </span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Dieses Waffenembargo in China hat die EU gefasst (es handelt sich<br />
um einen EU-Beschluss) mit dem realen Hintergrund der Erschießungen<br />
auf dem &quot;Platz des Himmlischen Friedens&quot;. Und im Gegensatz<br />
zu den USA ist China eben keine Demokratie mit demokratischen Entscheidungsprozessen<br />
und da sollte sich die EU dieses ja auch nicht aus der Hand nehmen<br />
lassen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">leitfrisur:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Sie waren gerade in den USA. Was haben Sie denen denn über<br />
unsere China-Politik gesagt?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Das ist eher anders gelaufen mit allen Gesprächspartnern. Fast<br />
bei allen Gesprächspartnern war blankes Entsetzen über<br />
den Alleingang von Schröder und Chirac. Auch vor dem Hintergrund,<br />
dass gerade im fernen Osten mit Nordkorea, Iran, Mittlerer und Naher<br />
Osten sich neues Gefahrenpotenzial aufbaut und die Amerikaner sich<br />
sehr bemühen, zusammen mit der EU (in Richtung Iran) mögliches<br />
Gefahrenpotenzial (also auch den Besitz von Atomwaffen) abzubauen.<br />
Und in diesem Zusammenhang wird das Verhalten der Deutschen und<br />
Franzosen auch als kontraproduktiv angesehen. Ich konnte unseren<br />
Gesprächspartnern nicht widersprechen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">berliner Ensemble:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Gibt es nicht Richtlinien, wonach die BRD überhaupt nicht in<br />
Krisengebiete liefern darf? Und ist China nicht ein prima Krisengebiet?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Es gibt diese Exportrichtlinien, das ist richtig. Ein Krisengebiet<br />
nach der Definition der Richtlinie ist China aber zur Zeit nicht.<br />
Und ich kann nur hoffen, dass es nach dem Beschluss des Antisezessionsgesetzes,<br />
das sich gegen Taiwan richtet, nicht zu größeren Spannungen<br />
in der Straße von Taiwan kommt. Würde es so kommen, dann<br />
hätten wir in der Tat ein klassisches Krisegebiet.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">diamandschleifer:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Aber China bedroht doch Taiwan mit Krieg?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Die Drohung steht ja schon seit mehr als 40 Jahren im Raum. Aber<br />
dieses Anti-Abspaltungsgesetz könnte die Spannung natürlich<br />
befördern. Bisher hat man sich ja gut gegenseitig in Schach<br />
gehalten, wie es sicherlich auch an der deutsch-deutschen Grenze,<br />
wo die verschiedenen Verteidigungsblöcke über 40 Jahre<br />
aufeinandergestoßen sind, ähnlich war. Gleichwohl waren<br />
wir kein Krisengebiet.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Eine provokante Frage von übhülüd:</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">übhülüd:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Schwarz-Gelb war schon immer ein großer Waffenverkäufer.<br />
Solche Industrie ist auch ein wichtiges außenpolitisches Instrument.<br />
Würden sie wirklich eine andere China-Politik betreiben?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Zunächst einmal hat Rot-Grün in den Jahren ihrer Regierung<br />
mehr Waffen in Krisengebiete geliefert als die Jahre zuvor. Soviel<br />
zum Waffenverkäufer. Und natürlich &#8211; und hier kann ich<br />
nur für die FDP sprechen &#8211; setzen wir auf den friedlichen Wandel,<br />
wie es uns Gott sei Dank in Deutschland ja auch geglückt ist.<br />
</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">heiner müller: </span></span><span style="font-size: x-small">Sollte<br />
man denn nicht grundsätzlich darauf verzichten, Waffen zu verkaufen?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wenn die Welt insgesamt eine Insel der Seeligen wäre, dann<br />
bräuchten wir keine Waffen und dann könnte man das tun.<br />
Leider Gottes gibt es Staaten, die in ihrer Freiheit und Existenz<br />
bedroht werden, keine eigene Rüstungsindustrie oder nicht alle<br />
Fähigkeiten haben und daher auf Waffenlieferungen angewiesen<br />
sind. Wie heißt der schöne Spruch? &quot;Frieden schafft<br />
man nur mit gezücktem Schwert&quot;. Will sagen: Die Drohung<br />
muss man aufrecht erhalten können, um nicht angegriffen zu<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Der Bundeskanzler fordert die Aufhebung des Waffenembargos und begibt<br />
sich damit auf Distanz zu vielen europäischen Partnern. Welche<br />
Gefahren entstehen damit für die außenpolitischen Beziehungen<br />
Deutschlands? </span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Das wir uns wieder schön ins Abseits manövrieren. Vor<br />
allen Dingen in Richtung transatlantische Beziehungen. Herr Chirac<br />
wird uns da sicherlich nicht aushelfen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Der SPD-Politiker Reinhold Robbe ist zum neuen Wehrbeauftragten<br />
der Bundestages gewählt worden. Bei der Abstimmung erhielt<br />
er drei Stimmen mehr als SPD und Grüne zusammen besitzen. Warum<br />
bevorzugen einige Mitglieder der Opposition den Kandidaten der Regierung?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Weil der nun gewählte Wehrbeauftragte Reinhold Robbe Befürworter<br />
der Wehrpflicht ist und die CDU/CSU-Fraktion sich als einzige Fraktion<br />
im Bundestag noch geschlossen für den Erhalt der Wehrpflicht<br />
ausspricht. Zwar hat die Institution des Wehrbeauftragten nichts<br />
mit der Wehrpflicht zu tun, hat aber offenbar nicht alle Mitglieder<br />
der CDU/CSU-Fraktion überzeugen können. PS: Es gab auch<br />
etliche Enthaltungen. Das waren vielleicht Leute, die Frau Merkel<br />
bei der Gelegenheit eins in den Tee tun wollten.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">filius8:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
War die Wahl des Wehrbeauftragten für die FDP nicht ein Fiasko?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wieso das? Die Abgeordneten der FDP standen voll hinter Günter<br />
Nolting. Großen Teile der CDU/CSU auch. Und es war von vorne<br />
herein klar, dass die Chance, es zu werden, äußerst gering<br />
war. Schließlich hatte die SPD-Fraktion ja in ihrer Fraktion<br />
schon ein Fiasko hinter sich und wird ihre Leute mit mehr oder weniger<br />
sanftem Druck hinter Reinhold Robbe gebracht haben. Und dies ist<br />
jetzt keine Kritik an Reinhold Robbe, ebenso wie es unser Kandidat<br />
geworden wäre, wird auch sicher er ein guter Wehrbeauftragter.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Ärgger:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Ihr Kandidat zum Wehrbeauftragten hat weniger Stimmen bekommen,<br />
als die Opposition hat. Haben sie Fehler gemacht bei der Absprache<br />
mit der CDU? </span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Wir waren nicht in der CDU-Fraktionssitzung, wo dann letzte Absprachen<br />
/ Einstimmungen für die Wahl getroffen worden sind. Die Aussage<br />
auch des verteidigungspolitischen Sprechers, Christian Schmidt,<br />
und natürlich von Frau Merkel, dass sie hinter unserem Kandidaten<br />
stehen, war zumindest eindeutig.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Es werden wohl andere Gründe eine Rolle gespielt haben, als<br />
da wären Wehrpflicht und Kanzlerkandidatur.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">filius8:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Sehr geehrte Frau Daub, die Wahl des Wehrbeauftragten lief ja letztendlich<br />
für die SPD besser als erwartet. Ich hätte gar nicht mitbekommen,<br />
dass es CDU-Abtrünnige gab, wenn Herr Westerwelle sich später<br />
nicht so aufgeregt hätte. War das marketingmäßig<br />
ein guter Schachzug von Herrn Westerwelle? Ich bin mir da ja nicht<br />
so sicher. </span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Es ging um die Person des Wehrbeauftragten, in erster Linie, und<br />
nicht um Marketing der Partei. Allerdings hatte ich schon den Eindruck,<br />
dass im Vorfeld der Wahl sehr viel darüber berichtet wurde,<br />
wie über beide Kandidaten. Nun war das vielleicht nicht so<br />
ausgeprägt in unseren Regionalzeitungen. </span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Der neue Wehrbeauftragte Robbe hat den Wehrdienst verweigert und<br />
stattdessen Zivildienst absolviert. Ist er trotzdem für dieses<br />
Amt geeignet oder sollte ein Wehrbeauftragter unbedingt Wehrdienst<br />
geleistet haben? </span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Es gehört natürlich nicht zum Anforderungsprofil an einen<br />
Wehrbeauftragten, dass er auch Wehrdienst geleistet hat. Schließlich<br />
hatten wir ja auch schon mal eine Frau als Wehrbeauftragte, und<br />
die Wehrpflicht gilt für Frauen bekanntlich nicht. Gleichwohl<br />
halte ich es für eine sehr gute Voraussetzung, Wehrdienst geleistet<br />
zu haben. Unser Kandidat hatte das übrigens damals noch 18<br />
Monate. Es sind einem möglicherweise einige Dinge vertrauter.<br />
</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">mangapower:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Frau Daub, was halten sie von den hilflosen Versuchen Strucks, die<br />
Wehrpflicht zu retten?</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Gar nichts. Ich verstehe natürlich einige der Argumente der<br />
Wehrpflichtbefürworter, z.B. Verankerung in die Gesellschaft.<br />
Da die Bundeswehr aber verkleinert wird, wir folglich immer weniger<br />
Wehrdienstleistende haben, immer mehr Standorte geschlossen werden,<br />
kann auch dieses Argument nach meiner Meinung nicht mehr richtig<br />
ziehen. Außerdem stellt sich ja der Verteidigungsminister<br />
laut Zeitungsmeldungen an die Spitze der Bewegung, sollte der SPD-Parteitag<br />
im November die Abschaffung der Wehrpflicht beschließen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">polizei: </span></span><span style="font-size: x-small">Die<br />
FDP will die Wehrpflicht abschaffen. Glauben sie, dass macht Auslandseinsätze<br />
einfacher? </span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub: </span></span><span style="font-size: x-small">Was<br />
die Ausbildung anbetrifft, glaube ich das in der Tat. Denn die Ausbildung<br />
für Auslandseinsätze muss anders und intensiver sein als<br />
bislang. Und bedingt durch die hohe Rotation bei der Ausbildung<br />
für Wehrpflichtige bringt die Wehrpflicht auch die Ausbilder<br />
an die Grenzen ihrer Kapazität. Dies ist nicht nur meine Meinung,<br />
ich habe es oft von Ausbildern gehört und Grundwehrdienstleistende<br />
werden ja eh nicht für Auslandseinsätze herangezogen.<br />
Moderator: Kommen wir zum Schluss: </span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">pitje puck: </span></span><span style="font-size: x-small">Der<br />
einzige Grund, FDP zu wählen, wäre für mich die Ablehnung<br />
der Wehrpflichtigenarmee. Aber wie lösen sie dann das Problem<br />
im Sozial/Gesundheitswesen, welches wesentlich von Zivis getragen<br />
wird? </span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Helga Daub:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Prinzipiell ist es so, dass der Zivildienst der Wehrpflicht folgt,<br />
und nicht die Wehrpflicht dem Zivildienst. Natürlich hat es<br />
in den vergangenen Jahrzehnten mit zunehmender Zahl von Zivildienstleistenden<br />
geklappt, gewisse Engpässe im Gesundheitswesen und sozialen<br />
Diensten zu entspannen. Noch mal: Das ist nicht Aufgabe der Wehrpflicht,<br />
unser Gesundheitssystem auf sichere Füße zu stellen.<br />
Hartz IV und Verdienstmöglichkeiten im Geringfügigkeitsbereich<br />
bieten hier sicherlich eine Gelegenheit, in Gesundheitsberufe einzusteigen<br />
&#8211; die übrigens zunehmen werden. Darüber hinaus gibt es<br />
das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das könnte sicher ausgeweitet<br />
und weniger bürokratisch gehandhabt werden. So ist z.B. die<br />
Alterseingrenzung von 17 bis 24 Jahren absolut unnötig. Außerdem<br />
muss ein Jahr nicht unbedingt an ein Kalenderjahr gebunden sein.<br />
Zeitansparkonten wären aus meiner Sicht auch denkbar. Und wenn<br />
gesellschaftliches Engagement auch noch Vorteile brächte z.B.<br />
am Arbeitsplatz, Studienplatz, &#8211; Voraussetzung immer: gleiche Qualifikation<br />
&#8211; dann könnten wir die Lücke der Zivis, die dann wegfallen,<br />
durchaus auffüllen.</span>
</p>
<p>
<span class="fett"><span style="font-size: x-small">Moderator:</span></span><span style="font-size: x-small"><br />
Unsere 60 Minuten Chat sind vorbei, vielen Dank für das große<br />
Interesse. Herzlichen Dank, Frau Daub, dass Sie sich die Zeit zum<br />
chatten genommen haben. Das Transkript dieses Chats finden Sie auf<br />
den Seiten der Veranstalter. Das Team der Serie &quot;Politiker-Talk&quot;<br />
wünscht allen Beteiligten einen schönen Tag. </span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Kommentierte Linkliste</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/presseschau/egovernmentinternationaldibs_linkliste-shtml-2776/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[kbeutel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Feb 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Lettland]]></category>
		<category><![CDATA[Litauen]]></category>
		<category><![CDATA[Estland]]></category>
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					<description><![CDATA[Für einen ersten Einblick in die Welt des baltischen Internets ein kurzer Überblick über das Web-Angebot baltischer Zeitungen, Landeskunde und Bürgerseiten. Auch ein deutschsprachiger Einblick ist dabei.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Für einen ersten Einblick in die Welt des baltischen Internets ein kurzer Überblick über das Web-Angebot baltischer Zeitungen, Landeskunde und Bürgerseiten. Auch ein deutschsprachiger Einblick ist dabei.</p>
<p><!--break--></p>
<p>
                          <a href="http://www.baltictimes.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.baltictimes.com</a><br />
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<p>
                          <a href="http://www.baltische-rundschau.de/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.baltische-rundschau.de</a><br />
                          <br />Größte deutschsprachige, unabhängige Monatszeitung Zeitung aus Litauen. Die Monatszeitung veröffentlicht in erster Linie Reportagen zu Themen rund um die baltischen Staaten und die deutsche Sprache. Hauptzielgruppe sind deutschsprachige Geschäftsleute in den baltischen Staaten.</p>
<p>
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                          <br />Der East West Information Service ist ein Informationsdienst zu Mittel und Osteuropa. Schwerpunkte liegen auf Wirtschaft, Politik, Bildung, Wissenschaft und Landeskunde. Sehr nützlich ist die umfangreiche und thematisch geordnete Linkliste.</p>
<p>
                          <a href="http://www.balticsww.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Baltics Worldwide<br />
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<p>
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                          </p>
<p>
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                          <br />Das Osteuropa-Netzwerk bietet einen umfangreichen Zugang zu Datenbanken, Mailinglisten, Veranstaltungen und Linksammlungen, die im deutschsprachigen Raum zur Unterstützung der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kooperation mit Osteuropa erstellt wurden.</p>
<p class="fett">Estland</p>
<p>
                          <a href="http://www.estonica.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.estonica.org</a><br />
                          <br />Eine estische Enzyklopädie. Umfassende Informationen über estische Geschichte, Kultur und Gesellschaft. Estisch und Englisch.</p>
<p class="fett">Lettland</p>
<p>
                          <a href="http://www.goethe.de/ins/lv/rig/deindex.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.goethe.de</a><br />
                          <br />Das Goethe-Institut trägt zur Vermittlung deutscher Kultur in Lettland und umgekehrt bei.</p>
<p>
                          <a href="http://www.dialogi.lv/%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.dialogi.lv</a><br />
                          <br />Dialogi ist ein offenes Portal, dass die Kommunikation zwischen russisch- und lettischsprachiger Bevölkerung fördern will und sich für eine freie Wissensgesellschaft einsetzt. Das Projekt existiert seit 2004 und wird von der Georg Sorrows-Stiftung unterstützt.</p>
<p>
                          <a href="http://www.literatur.lv/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.literatur.lv</a><br />
                          <br />Hier findet man deutschsprachige Literatur aus Lettland . Die Seite bietet nicht nur ein reichhaltiges Archiv einer Vielzahl lettischer Autoren, sondern auch einen Einblick in die junge und wilde lettische Literaturszene.</p>
<p>
                          <a href="http://rixc.lv/%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">rixc.lv</a><br />
                          <br />Kulturzentrum neuer Medien. Veranstaltungskalender für Lettland, Net-Radio, Web-TV. In lettischer Sprache und auf Englisch. Enthält alles was im Netz heute modern ist.</p>
<p>
                          <a href="http://www.culture.lv/classic/defaultEn.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.culture.lv/classic/defaultEn.htm</a><br />
                          <br />Die Klassiker der lettischen Kunst werden auf culture.lv vorgestellt. Fr erste Einblicke in die klassische lettische Kunstszene ist man hier genau richtig. Lettisch und englisch.</p>
<p>
                          <a href="http://ww1.lu.lv/eng/about/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ww1.lu.lv/eng/about/index.html</a><br />
                          <br />Die Universität Lettland hat ebenfalls ein großes Portal in englischer Sprache. Ein Gastsemester lohnt sich allemal.<br />
                          <a href="http://www.aic.lv/%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer"></p>
<p>www.aic.lv</a><br />
                          <br />Akademisches Informations Zentrum. Gemeinnutzig, Bildungssystem, links zu universitären Einrichtungen.Teilweise in englischer Sprache.</p>
<p>
                          <a href="http://www.li.lv/en/%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.li.lv/en</a><br />
                          <br />Lettland-Institut in Riga. Englischsprachige Seite mit den üblichen touristischen Informationen.</p>
<p>
                          <a href="http://www.li.lv/old/ger/links.htm" target="_self" rel="noopener noreferrer">www.li.lv/old/ger/links.htm</a><br />
                          <br />Eine Linksammlung aller Behörden und Ministerien in Lettland</p>
<p>
                          <a href="http://www.nrtp.lv/en/index.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.nrtp.lv/en/index.php</a><br />
                          <br />Der staatliche Hörfunk Lettlands.</p>
<p>                          <a href="http://www.politika.lv/%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.politika.lv</a><br />
                          <br />Hier findet man politische Studien, Rezensionen und Artikel rund um Lettland-spezifische Themen.</p>
<p>
                          <a href="http://www.studentnet.lv/%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.studentnet.lv</a><br />
                          <br />Vielsprachiges studentisches Internetportal. Zum internationalen Austausch von Studierenden in Lettland.</p>
<p class="fett">Litauen</p>
<p>
                          <a href="http://www.litauischeskulturinstitut.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.litauischeskulturinstitut.de</a><br />
                          <br />Ein deutsches Institut zur Förderung der kulturellen Zusammenarbeit der Menschen aus Deutschland und Litauen, sowie der Förderung litauischer Kulturschaffender inDeutschland.</p>
<p>
                          <a href="http://www.litauen-info.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.litauen-info.de</a><br />
                          <br />Große deutschsprachige Informationsplattform über Land und Leute Litauens.</p>
<p>
                          <a href="http://daugenis.mch.mii.lt/alka/foje.en.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">daugenis.mch.mii.lt/alka/foje.en.htm</a><br />
                          <br />Eine virtuelle Museumsrundschau litauischer Kunst.</p>
<p>
                          <span class="fett">Die Botschaften der drei baltischen Staaten in Berlin</p>
<p></span><br />
                          <a href="http://www.estemb.de/%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Botschaft Estland</a><br />
                          <br />Die offizielle Seite der Botschaft Estlands in Berlin.</p>
<p>
                          <a href="http://www.botschaft-lettland.de/%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Botschaft Lettland</a><br />
                          <br />Die offizielle Seite der Botschaft Lettlands in Berlin.</p>
<p>                          <a href="http://amb.urm.lt/vokietija/index.php?LangID=7" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Botschaft Litauen</a><br />
                          <br />Die offizielle Seite der litauischen Botschaft in Berlin.</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Tsunami-Frühwarnsysteme und das WWW</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/spendenflut-im-internet/netzkulturtsunami_int_hanka-shtml-3012/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[kbeutel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Jan 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Spendenflut im Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Flutkatastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Katastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Tsunami]]></category>
		<category><![CDATA[Erdbebeninformationssystem]]></category>
		<category><![CDATA[Frühwarnsystem]]></category>
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					<description><![CDATA[
                            Dr. Winfried Hanka ist Seismologe am Geoforschungs-zentrum Potsdam 
                            (GFZ). politik-digital.de befragte ihn im eMail-Interview zur Rolle des Internets bei der Früher-kennung von Erdbeben und den Möglichkeiten das Internet als Warnsystem vor Naturkatastrophen zu nutzen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
                            <strong>Dr. Winfried Hanka ist Seismologe am Geoforschungs-zentrum Potsdam</strong><br />
                            <strong>(GFZ)</strong>. politik-digital.de befragte ihn im eMail-Interview zur Rolle des Internets bei der Früher-kennung von Erdbeben und den Möglichkeiten das Internet als Warnsystem vor Naturkatastrophen zu nutzen</p>
<p><!--break--></p>
<p class="normal">
                            <span class="fett">politik-digital.de</span>: Herr Hanka, es existiert kein Frühwarnsystem für den Indischen Ozean. Wie können sich Küstenbewohner der Anreinerstaaten über Tsunamis informieren?</p>
<p>
                            <span class="fett">Winfried Hanka</span>: Im Moment praktisch gar nicht. Es werden zwar von einigen Institutionen (darunter auch vom<br />
                            <a href="http://www.gfz-potsdam.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">GFZ</a>) automatisch Informationen über weltweite Erdbeben bestimmt und unmittelbar im Internet<br />
                            <a href="http://www.gfz-potsdam.de/geofon/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">veröffentlicht</a>, aber zum einem sind automatisch bestimmte Erdbebenmeldungen potenziell fehlerbehaftet und zum anderen erzeugen Erdbeben unter dem Meeresboden nur unter ganz bestimmten selten eintretenden Voraussetzungen Tsunamis. Beides ist für Laien gar nicht und auch für Seismologen nur sehr schwer allein anhand von automatischer Meldungen ohne weitere Informationen zu beurteilen.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital.de</span>: Das Problem in der Informationskette scheint in der Lücke zwischen Regierungsstellen und Betroffenen zu liegen. Ein Frühwarnsystem, wie etwa im Pazifik existiert nicht. Dennoch gab es zeitnah Informationen über das Seebeben. Wie kann ein Frühwarnsystem da helfen?</p>
<p>
                            <span class="fett">Winfried Hanka</span>: Zeitnahe Informationen über Erdbeben unter dem Meeresboden sind zwar eine wichtige Voraussetzung für ein Frühwarnsystem, aber allein bei weitem nicht ausreichend. Hinzukommen muss zum einen eine direkte Messung der Schwankungen des Meeresspiegels mit Hilfe spezieller Bojen um festzustellen, ob ein geortetes Erdbeben tatsächlich Tsunamiwellen angeregt hat. Fehlalarme müssen praktisch auszuschließen sein, denn sie verunsichern die Bevölkerung und führen zu hohen wirtschaftlichen Schäden. Zum dritten gehört zu einem Frühwarnsystem natürlich auch die eigentliche Warninfrastruktur vor Ort, das was Sie als die &#8220;Lücke&#8221; zwischen Regierungsstellen und Betroffenen&#8221; bezeichnen. Das ist, gerade in Entwicklungsländern, sicher der schwierigste Teil. Diese Lücke muss geschlossen werden.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital.de</span>: Wie findet man sich im Internet unter der Fülle von wissenschaftlichen Informationen zurecht? Gibt es eine zentrale Site, bei der alle neuen und wichtigen Informationen zusammenlaufen? Und welche Schlüsse kann der Laie aus Erdbebenwarnungen ziehen?</p>
<p>
                            <span class="fett">Winfried Hanka</span>: Es gibt in Europa die Site des &#8221;<br />
                            <a href="http://www.emsc-csem.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">European-Mediterranean Seismological Centers</a>&#8221; vornehmlich für Beben in Europa und im Mittelmeerraum wo Meldungen von Organisationen in diesem Raum zusammenlaufen. Global sind die Sites des &#8221;<br />
                            <a href="http://neic.cr.usgs.gov/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">National Earthquake Information Service</a>&#8221; der USA sowie des &#8221;<br />
                            <a href="http://www.prh.noaa.gov/pr/ptwc/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pacific Tsunami Warning Centers</a>&#8221; auf Hawaii zu nennen, die aber ausschließlich eigene Informationen veröffentlichen.<br />
                            <br />Aus Erdbebenmeldungen eine Information über Tsunamis abzuleiten ist wie gesagt für Laien nicht möglich. Trotzdem ist es sicher auch für Laien aus den unterschiedlichsten Gründen wichtig, über aufgetretene Erdbeben und deren genaue Epizentren und Stärke informiert zu sein.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital.de</span>: Wäre es z.B. möglich, ein globales Frühwarnsystem mit Hilfe des Internets aufzubauen, um rechtzeitig vor Katastrophen warnen zu können? Und wie müsste es Ihrer Meinung nach aussehen?</p>
<p>
                            <span class="fett">Winfried Hanka</span>: Das jetzige Erdbebeninformationssysten des GFZ beruht ausschließlich auf dem Internet. Sowohl die digitalen Aufzeichnungen der Seismometerstationen werden über Internet nach Potsdam übertragen, als auch die Ergebnisse der Datenanalyse über Internet verteilt. Aber bei einem richtigen Frühwarnsystem müßte man auf ein unabhängiges satellitengestütztes Intranet gehen, das absolut ausfallsicher ist und keinerlei Verzögerungen hat.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital.de</span>: Gibt es ein eMail oder SMS Katastrophenwarnsystem das, in Verbindung mit einem Frühwarnsystem, vor Tsunamis warnen könnte? Wäre damit eine solche Katastrophe vermeidbar?</p>
<p>
                            <span class="fett">Winfried Hanka</span>: Es gibt bisher nur japanische und US-amerikanische Tsunamiwarnsysteme im Pazifik. Diese warnen zwar auch im Internet, aber die Warnung der (eigenen) Bevölkerung erfolgt direkt, z.B. über Radio und Fernsehen oder durch Lautsprecherdurchsagen. Ob es dort auch einen allgemeinen Email- oder SMS-Service gibt, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich bezweifel es aber.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital.de</span>: Denkt man sich eine automatische &#8220;Internet-Tsunami-Warnmaschine&#8221;, welche Risiken birgt ein solches System? Wäre so etwas denkbar? Könnte also eine zentrale Warn-Website zumindest die gefährdeten Länder mit den notwendigen Informationen versorgen? Oder würde aber die Datenmenge eines globales Netzes permante Fehlwarnungen verursachen?</p>
<p>
                            <span class="fett">Winfried Hanka</span>: Die gefährdeten Länder müssen Teil des Warnsystems sein, sonst hat es wenig Sinn. Und eine Warnung sollte nur dann erfolgen, wenn diensthabende Experten die Ergebnisse des automatischen Systems geprüft haben. Fehlalarme sind wie gesagt ein großes Problem, speziell bei automatischen Systemen. Aber generell gilt, daß je umfassender die Messdatenbasis ist, desto eher können Fehlalarme reduziert werden.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital.de</span>: Vielen Dank für das Gespräch.</p></p>
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