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	<title>jsommerhaeuser &#8211; politik-digital</title>
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	<title>jsommerhaeuser &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Ich 2.0</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jsommerhaeuser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Nov 2006 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Social Networks]]></category>
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					<description><![CDATA[(Artikel) Das Internet ist eine Zeitfressmaschine. Und für alle mit einer digitalen Identität erst recht. Julia Sommerhäuser berichtet in ihrem poldi-Journal über die Nebenwirkungen von Social Software – einem Leben als &#34;Ich 2.0&#34;.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>(Artikel) Das Internet ist eine Zeitfressmaschine. Und für alle mit einer digitalen Identität erst recht. Julia Sommerhäuser berichtet in ihrem poldi-Journal über die Nebenwirkungen von Social Software – einem Leben als &quot;Ich 2.0&quot;.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
03.04.2006, 13.30 Uhr<br />
<br />
Heute fange ich an – heute wird mein erster Eintrag online gestellt. Ab heute bin ich ein Blogger! Ich schreibe eine Dissertation und brauche einen virtuellen Kummerkasten. Damit ich meine Freunde nicht ständig mit meinen Fortschritten beim Schreiben oder Monologen über die lähmende Wirkung leerer Word-Dokumente nerve. Nun nerve ich eben mein Weblog. Ein Entschluss, der aus der Neugier heraus geboren ist. Ich will wissen, wie man ein richtiger Blogger wird. In den Büchern steht, dass jeder bloggen kann und alles ganz einfach ist. Also gut, dann mal los.
</p>
<p>
03.04.2006, 17.30 Uhr<br />
<br />
Angemeldet bin ich, ein Layout habe ich auch, allerdings hapert es mit verschiedenen Features, die ich gerne noch in mein neu erstelltes Weblog einbauen möchte. Wie immer: Aller Anfang ist schwer – zumindest nicht ganz so leicht, wie es in den Büchern steht.
</p>
<p>
03.04.2006, 17.35 Uhr<br />
<br />
Das erste<br />
<a href="http://sommerhaus.blogg.de/index.php?tag=03&amp;monat=4&amp;jahr=2006" target="_self" rel="noopener noreferrer">Posting</a> ist online. Das typische erste Posting. Ich teile mit, um was es im „Sommerhaus am Stadtrand“ gehen soll. Ob es jemanden interessiert?<br />
<br />
Andere Fragen drängen sich mir auf: Worüber schreiben Blogger überhaupt? Was ist ihnen wichtig? Und wer macht so was eigentlich noch außer mir? Um Antworten zu finden, stöbere ich eine Zeit lang in anderen Weblogs, doch ich kann keine Gemeinsamkeiten finden. Mal bloggt der Student, dann der Hausmeister oder eine Mutter – und alle berichten von was anderem.<br />
<br />
Ich bin von meinem ersten Tag in der Blogosphäre ziemlich überrumpelt und versuche, mehr zu erfahren. Doch auch die großen Onlinemedien helfen mir nicht weiter. Ich beschließe, es wie der Weblogger<br />
<a href="http://notizen.typepad.com/aus_der_provinz" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Markus Breuer</a> zu halten. Der weiß: „Eine der ganz wenigen Aussagen, die mit ‚Die Blogger’ beginnt und uneingeschränkt stimmt, geht mit ‚betreiben ein Weblog’ weiter. Alles andere ist meist Bullshit.“ Beruhigt gehe ich ins Bett.</p>
<p>21.04.2006<br />
<br />
Ich schreibe, regelmäßig, mal mehr, mal weniger ausführlich. Aber: Hallo Blogger?! Wo ist eure Reaktion?! Keine Zugriffe in den ersten Tagen … meine Statistik dümpelt bei Null. Nicht, dass mir eine große Leserschaft wichtig wäre – aber irgendwie träumt doch jeder von seiner persönlichen<br />
<a href="http://www.spreeblick.com/2004/12/12/jamba-kurs/" target="_parent" rel="noopener noreferrer">Jambastory</a>…</p>
<p>22.04.2006, 11.39 Uhr<br />
<br />
Der erste Kommentar! Jemand hat einen Kommentar hinterlassen! Ich fühle mich großartig und schreibe direkt eine Antwort. Ich habe tatsächlich jemanden dazu anregen können, meinen Beitrag zu kommentieren. Ich bin Journalist, ich bin Blogger! Ich bin der König des Web 2.0!</p>
<p>06.05.2006<br />
<br />
Ich habe jetzt schon durchschnittlich zehn Leser pro Tag. Also schreibe ich mit Elan weiter, auch mehrmals täglich. Mittlerweile wohne ich fast vollständig im „Sommerhaus am Stadtrand“. Ich richte es ein: mit einer Wetterkarte, einer Biografie und Linklisten. Manchmal muss ich auch saubermachen; dann wird der ganze Spam rausgeschmissen.
</p>
<p>
10.05.2006, 21.23 Uhr<br />
<br />
Der nächste Schritt in meiner Bloggerkarriere. Jemand sagt mir, dass er meinen Beitrag sehr gut findet und deswegen verlinkt hat. Ich habe mein erstes<br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Trackback" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Trackback</a> bekommen!
</p>
<p>
21.06.2006<br />
<br />
Meine Nutzerkommentare sind wie ein virtueller Gehaltscheck – eine Belohnung für erbrachte Leistungen. Ich freue mich, wenn ich meine Leser dazu anregen kann, etwas zu hinterlassen. Und ich habe auch schon meine eigene Jambastory – allerdings mit etwas weniger Kommentaren: zehn, um genau zu sein. Aber für den Erfahrungsbericht in Sachen<br />
<a href="http://sommerhaus.blogg.de/eintrag.php?id=38" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pfand-Rücknahme</a> würde ich mir schon den Pulitzer Preis zuerkennen ;-).<br />
<br />
Inzwischen kontrolliere ich jegliche Weblog-Aktivitäten bereits vor dem Frühstück. Ich durchforste die Blogosphäre nach interessanten Geschichten, stelle meine Beiträge ein und schaue die<br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rss" target="_blank" rel="noopener noreferrer">RSS-Benachrichtigungen</a> durch. Und wo ich gerade dabei bin: Schnell noch beim<br />
<a href="http://www.studivz.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">StudiVZ</a> und bei<br />
<a href="http://www.xing.com">OpenBC</a> die Kontakte pflegen, den<br />
<a href="http://www.podster.de/view/410" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lieblingspodcast</a> herunterladen und vielleicht noch zwei, drei Zeilen in unserem<br />
<a href="http://kowiki.uni-muenster.de/index.php/Hauptseite" target="_top" rel="noopener noreferrer">studentischen Wiki</a> schreiben. Von Frühstück keine Rede mehr – ich verdrücke direkt das Mittagessen.</p>
<p>21.11.2006<br />
<br />
Mein Alltag hat sich verändert.<br />
<br />
Immer öfter rutscht mir raus: „Das muss ich gleich erst einmal bloggen.“ Sei es beim Einkauf, im Kino oder in der Uni – immer gibt es für das Auge des Bloggers etwas zu entdecken. Man fühlt sich wie ein Profireporter, nur eben ohne Presseausweis. &#8216;Amateur journalism’ nennt die Wissenschaft das. Ich würde sagen: Karla Kolumna in Echtzeit.<br />
<br />
Manchmal fragen meine Eltern, was ich da auf meiner Webseite eigentlich so mache. Wenn ich ihnen erkläre, dass ich<br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/User_Generated_Content" target="_blank" rel="noopener noreferrer">user generated content</a> poste, meine<br />
<a href="http://www.sciencegarden.de/berichte/200112/nxetzwer/netzwerk.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">social networks</a> pflege und mich in der<br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Online-Community" target="_self" rel="noopener noreferrer">Online-Community</a> umsehe, erhalte ich nur ein verwirrtes „Aha“ als Antwort. Die neue Generation 2.0 ist da.
</p>
<p>
Wenn ich mein „Sommerhaus“ verlasse und mich an meine Dissertation zum Thema Weblogs setze, hält die Wissenschaft Einzug in meine Blogosphäre. Da heißt es dann &#8216;Weblogs als neuer Journalismus’, &#8216;Weblogs und Gegenöffentlichkeit’ oder &#8216;Qualitätssicherung in Weblogs’. Es werden Fragen gestellt: Ob Weblogs den Journalismus verdrängen und wie Qualität gesichert und kontrolliert werden kann.<br />
<br />
Die Presse sei immer nur so frei wie ihr<br />
<a href="http://www.heise.de/ct/05/19/148/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kontostand</a>, steht da, und dass Weblogs deswegen so nützlich seien. Sie könnten ein Ersatz zu den kommerziell orientierten Medien und eine Verbesserung des<br />
<a href="http://www.dejavu.org" target="_self" rel="noopener noreferrer">Web 1.0</a> sein. Nun würden keine Homepages mehr geschrieben, sondern Weblogs; es würden keine Onlinestreams mehr hoch-, sondern Podcasts runtergeladen.
</p>
<p>
Weblogs seien „Teil dieser heimlichen<br />
<a href="http://medienrevolution.dpunkt.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medienrevolution</a>“. Das klingt hochtrabend, aber richtig. Ich fühle mich als Revolutionär, weil ich erzähle, was mich interessiert und was ich erlebe. Ich erzähle es auf meine Weise – ohne Redaktionsschluss, Verleger oder Linientreue. Und das Beste: Es gibt Menschen, die das lesen – als Blogger merkt man, dass auch das stinknormalste Leben spannend sein kann.</p>
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		<title>Internet-Sucht als Problem in Medizin und Wissenschaft</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/metablockerarchives909-internet-sucht-als-problem-in-medizin-und-wissenschaft-html-1856/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jsommerhaeuser]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Sep 2006 13:59:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Internet gibt es nichts, was es nicht gibt. Ein Klick – schon steht einem das weltweite Web zur Verfügung. Etwa 3-5% der deutschen Internetnutzer sind nach den zahllosen Möglichkeiten, die das Internet bietet, süchtig. Längst hat sich ein eigener Forschungszweig zum Thema Internet-Abhängigkeit entwickelt. 
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Internet gibt es nichts, was es nicht gibt. Ein Klick – schon steht einem das weltweite Web zur Verfügung. Etwa 3-5% der deutschen Internetnutzer sind nach den zahllosen Möglichkeiten, die das Internet bietet, süchtig. Längst hat sich ein eigener Forschungszweig zum Thema Internet-Abhängigkeit entwickelt.<br />
<!--break--><br />
Ein Vorreiter ist das <a href="http://www.psychiater.org/Internetsucht/ambulanz.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deutsche Therapiezentrum für Internetabhängige</a> in München. Hier kann der Nutzer anhand eines einfachen <a href="http://www.psychiater.org/Internetsucht/test.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tests</a> selbst feststellen, ob er zu den Internet-Süchtigen gehört. Auf der Seite sind sechs Kriterien aufgelistet, die als Symptome für Internet-Sucht gelten. Erfüllt ein Nutzer in einem Zeitraum von mindestens einem Monat mindestens fünf dieser Merkmale, gilt er als internetabhängig. An der Humboldt-Universität in Berlin beschäftigt sich der Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie und Gesundheitspsychologie mit dem Phänomen „Sucht im Internet“. Auf der <a href="http://www.internetsucht.de/" traget="_blank">Homepage</a> sind erste Ergebnisse der verschiedenen Studien und eine Linkliste zu Hilfsangeboten für Betroffene veröffentlicht.<br />
Die Seite der Nutzer vertritt das Onlineangebot <a href="http://www.onlinesucht.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Onlinesucht&#8221;</a>.  Hier können Abhängige miteinander in Kontakt treten und Erfahrungen austauschen. Geführt wird die Seite von einer ehemals Internet-Süchtigen, die nun – nach eigenen Angaben – über das Thema aufklären möchte.  </p>
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		<title>Warblogs: vom Alltag im Kriegsgebiet</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/warblogs-vom-alltag-im-kriegsgebiet-3082/</link>
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		<pubDate>Wed, 16 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Gerade in Kriegszeiten ist eine ausgewogene Berichterstattung Aufgabe der Medien. Blogger zeichnen dagegen ein anderes, subjektives Bild von der Situation vor Ort und machen den traditionellen Onlinemedien damit die Deutungshoheit streitig. Eine Analyse.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade in Kriegszeiten ist eine ausgewogene Berichterstattung Aufgabe der Medien. Blogger zeichnen dagegen ein anderes, subjektives Bild von der Situation vor Ort und machen den traditionellen Onlinemedien damit die Deutungshoheit streitig. Eine Analyse.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
„Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd“. Bereits Bismarck stellt Kriege als Ausnahmesituationen, als Zeiten der Lüge, dar. Arthur Ponsonby betont sogar die Notwendigkeit der Lüge: In Kriegszeiten sei „die Erklärung der Wahrheit ein Verbrechen“.</p>
<p>Wie können angesichts dieser Lügenszenarien Journalisten agieren, deren erklärtes Ziel es ist, wahrheitsgemäß zu berichten? Die saloppe Antwort eines Regierungssprechers lautet: „Die oberste Regel im Krieg ist: niemals lügen. Die zweite: nie die ganze Wahrheit sagen“.
</p>
<p>
Was für den Journalismus angesichts seiner politischen und wirtschaftlichen Verstrickungen eine große Herausforderung zu sein scheint, könnte für Warblogs leichter zu realisieren sein: eine authentische Kriegsberichterstattung. So verhilft der jüngste Konflikt zwischen Israel und Libanon den Online-Kriegstagebüchern einmal mehr zum Ruhm.</p>
<p><b>Eine Bandbreite an Stimmen und Meinungen</b>
</p>
<p>
Ähnlich wie 2003 im Irak tauschen sich derzeit im Nahen Osten viele Menschen online über den Krieg aus. Die aktuelle Warblog-Szene in der Krisenregion entwickelt sich dabei unter anderen Voraussetzungen als etwa die irakischen Kriegstagebücher. Am Nahostkonflikt sind vor allem Länder beteiligt, in denen zahlreiche Menschen über einen Internetanschluss verfügen. So präsentieren sich hier nicht nur einige vereinzelte Warblogger, sondern eine ganze Bandbreite an Stimmen und Meinungen wird im Internet laut. Kann dieses Potpourri an subjektiven Wahrnehmungen und Erfahrungsberichten eine Alternative zur Berichterstattung traditioneller Onlinemedien sein? Worin unterscheiden sich die Angebote?
</p>
<p>
Der 13. und 30. Juli 2006 sind ereignisreiche Tage im Nahen Osten. Das schlägt sich auch in den Medien nieder: Am 13.07. dominieren die Berichte über den ersten Großangriff der Israelis auf Beirut und Umgebung. Gut zwei Wochen später erregen die Bomben auf die libanesische Ortschaft Kana weltweite Aufmerksamkeit. Die Onlineausgaben von Süddeutscher Zeitung und Spiegel reagieren mit einer umfangreichen dossierartigen Berichterstattung, die sie noch am selben Tag online stellen.<br />
<br />
Die Warblogger hingegen scheinen es mit der Aktualität weniger genau zu nehmen. Viele der Autoren posten nicht mehr am gleichen Tag einen Beitrag zu den Geschehnissen. Häufig bieten sie erst Tage später ausführliche Berichte an. Hinsichtlich der Aktualität laufen die Onlinemedien den Warblogs deswegen wohl den Rang ab.</p>
<p><b>Die Stärke der Warblogs liegt in den Augenzeugenberichten</b></p>
<p>Nicht jedoch in der Berichterstattung: sie ist gekennzeichnet durch die Wiedergabe von persönlichen Eindrücken. Die Stärke der Warblogs liegt in den Augenzeugenberichten, die teilweise schonungslos offen gelegt werden. So berichtet das Warblog<br />
<a href="http://anecdotesfromabananarepublic.blogspot.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Anecdotes from a Banana Republic</a> aus Beirut vor Ort in Kana. Die Bloggerin beschreibt, was er in den Trümmern der zerstörten Häuser gesehen hat: „Babyfotos, …, Handtaschen, …, Joghurtbecher, …, Berge von Mathematik- und Französisch-Hausaufgaben.“ Doch nicht immer sind die Augenzeugenberichte derart emotional besetzt, teilweise liefern sie auch nebensächliche Informationen: „Der Strom fiel für einige Sekunden aus“, schreibt der gleiche Blogger beispielsweise kurz nach Kriegsbeginn aus der libanesischen Hauptstadt.
</p>
<p>
Die Onlinemedien der Süddeutschen Zeitung und des Spiegel hingegen berufen sich selten auf Augenzeugen als Quellen. Überwiegend werden dort offizielle Quellen wie Regierungen, Polizei oder Armee zitiert. Überhaupt dominiert die neutrale Art der Berichterstattung die traditionellen Onlinemedien. Die Analysen bei SZ und Spiegel Online zeichnen sich dadurch aus, dass sie den aktuellen Konflikt auf globaler Ebene erläutern und neben Reaktionen aus Europa, Amerika und Russland auch die Folgen für Börse und Tourismus zur Sprache bringen.
</p>
<p>
Diese Zusammenhänge bieten Warblogs nicht, sie geben Überblicksdarstellungen auf einer individuellen Ebene. Die Erfahrungswelt der Warblogger – und damit auch ihre Analyse – ist subjektiver. Der Konflikt wird in seinen Konsequenzen für den eigenen Alltag oder den der Landsleute analysiert. Durch diesen individuellen Bezug vieler Kriegstagebücher wirken ihre Beschreibungen emotional und wenig distanziert. Die Blogger verleihen dem mit ihren Insider-Informationen ein menschliches Gesicht. Das Warblog<br />
<a href="http://muqata.blogspot.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Muqata</a> etwa berichtet über getötete israelische Soldaten und listet diese namentlich auf. Doch damit nicht genug: Sogar Ort und Datum ihrer Begräbnisfeiern werden veröffentlicht. „Seine Beerdigung findet um 16.30 Uhr auf dem Kiryat Sha’ul Militärfriedhof statt.“
</p>
<p>
<a href="/warblogs-vom-alltag-im-kriegsgebiet-teil-2">Weiter zu Teil 2 &gt;&gt;</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Warblogs: vom Alltag im Kriegsgebiet (Teil 2)</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/warblogs-vom-alltag-im-kriegsgebiet-teil-2-3652/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jsommerhaeuser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Aug 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<b>Warblogger suchen den Kontakt zu ihren Lesern</b>
<p>
Warblogger verstehen sich jedoch nicht nur als Lieferanten von Informationen dieser Art an ihre Leser, sondern möchten mit ihnen in Kontakt treten. Interaktivität spielt bei den Tagebüchern des Nahostkonflikts also eine große Rolle. In vielen Postings regen die Blogger ihre Nutzer dazu an, Fragen zu stellen und ihre Meinung kundzutun. „Bitte kommentiert oder postet neue Beiträge“, fordert der Blogger von Anecdotes from a Banana Republic ausdrücklich seine Leser auf. In den Onlineausgaben der Süddeutschen Zeitung und des Spiegel werden allenfalls indirekte interaktive Angebote gemacht. So bieten beide Medien Foren an, in denen sich die Leser über den Krieg austauschen können. Direkte Nutzerkommentare sind jedoch nicht zu finden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Warblogger suchen den Kontakt zu ihren Lesern</b></p>
<p>
Warblogger verstehen sich jedoch nicht nur als Lieferanten von Informationen dieser Art an ihre Leser, sondern möchten mit ihnen in Kontakt treten. Interaktivität spielt bei den Tagebüchern des Nahostkonflikts also eine große Rolle. In vielen Postings regen die Blogger ihre Nutzer dazu an, Fragen zu stellen und ihre Meinung kundzutun. „Bitte kommentiert oder postet neue Beiträge“, fordert der Blogger von Anecdotes from a Banana Republic ausdrücklich seine Leser auf. In den Onlineausgaben der Süddeutschen Zeitung und des Spiegel werden allenfalls indirekte interaktive Angebote gemacht. So bieten beide Medien Foren an, in denen sich die Leser über den Krieg austauschen können. Direkte Nutzerkommentare sind jedoch nicht zu finden.<!--break-->
</p>
<p>
<br />
Insgesamt bieten die untersuchten Onlinemedien weniger Nutzerservice. Meist stellen sie nur Links zu internen Angeboten (Foren, Umfragen, Dossiers) her und verweisen nicht auf externe Berichte. Ganz anders die Warblogs: Hier werden Medienberichte aus verschiedenen Ländern verlinkt, darunter Israel und Libanon, Deutschland und die USA. Der Nutzer erhält dadurch einen guten Überblick über die unterschiedlichen Perspektiven.</p>
<p>Diese werden noch stärker in den Kommentaren der Blogger akzentuiert. Subjektivität und Persönlichkeit gelten im Allgemeinen als Stärke der Weblogs und auch die israelischen und libanesischen Warblogger vertreten ihre Meinungen mit deutlichen Worten. Der Warblogger Gash beispielsweise verurteilt „Israels willkürliche Ungesetzlichkeit, beim Gemetzel an Zivilisten“ und bezeichnet die Israelis als „blutrünstige Bastarde.“ Auch Ironie und Zynismus sind beliebte Stilmittel. Sie machen die Blog-Kommentare eingänglich. Der Nutzer sollte sich jedoch bewusst sein, dass hier Meinungen transportiert werden, die auch Beleidigungen nicht scheuen. So wird Im Warblog Anecdotes from a Banana Republic nach dem Vorfall in Kana zynisch resümiert: „Die EU ist &#8216;geschockt&#8217; und &#8216;bestürzt’ über das Massaker. Geschockt? Bestürzt? Etwa so wie ‘Jimmy, ich bin bestürzt, dass du mit deinem brandneuen Fahrrad gegen einen Baum gefahren bist’ oder wie ‘Bobby Sue, ich bin bestürzt, dass du diese Kekse nicht mit deiner Schwester teilen willst’.“ Die Journalisten von SZ und Spiegel Online geben wesentlich moderatere Kommentare. Zwar werden auch hier Meinungen transportiert, aber es wird auf ausreichende Begründung und die Vermeidung von Beleidigungen wert gelegt.</p>
<p><b><br />
In Warblogs werden die Ereignisse individuell aufbereitet</b></p>
<p>Auch bei der Präsentation von Informationen unterschieden sich beide Angebotsformen deutlich. Während die großen Onlinemedien auf die üblichen journalistischen Darstellungsformen wie Nachrichte, Reportage und Kommentar zurückgreifen, werden in den Warblogs die Ereignisse zum Teil individuell und künstlerisch aufbereitet. Der Künstler Mazen Kerbay etwa verarbeitet die Kriegsereignisse auf seinem Kerblog in Bildern und Gedichten. Über Kana schreibt er: “Vor 2000 Jahren, in Kana, verwandelte Jesus Wasser in Wein. Heute, in Kana, verwandelten die israelischen Streitkräfte Kinder in Asche.“</p>
<p>Es geht hier aber nicht darum, zu entscheiden, welches Angebot lesenswerter ist. Sowohl die klassischen Medien als auch Warblogs zeigen Stärken und Schwächen. Die traditionellen Medien punkten mit Vollständigkeit und Aktualität; Warblogs zeichnen sich vor allem durch Augenzeugenberichte und persönliche Statements aus.</p>
<p>Wer einen umfassenden Einblick ins Kriegsgeschehen wünscht, sollte einen Medienmix aus beiden Formaten wählen. Warblogger können die Medien durchaus auch ergänzen: Sie können zusätzliche Informationen liefern und als &#8216;Watchdogs’ der Medien fungieren, indem sie fehlerhafte Medienberichte korrigieren oder kritisieren. Das zeigt auch das jüngste Beispiel von manipulierten Bildern aus dem brennenden Beirut: ein Fotograph der Nachrichtenagentur Reuters hatte einige Bilder aus der libanesischen Hauptstadt digital bearbeitet, um sie dramatischer wirken zu lassen. Reuters stellte diese Bilder online – die Fälschung flog erst durch einige Blogger auf. Sie konnten nachweisen, dass die Bilder manipuliert worden waren. Reuters suspendierte daraufhin den Fotographen und entfernte die Bilder.</p>
<p><a href="/edemocracy/netzkultur/jsommerhaeuser_warblogsimlibanon_060817_teil1.shtml"><br />
&lt;&lt; Zurück zu Teil 1</a></p>
<p>Der Artikel basiert auf einer Analyse, die die Autorin für politik-digital.de erstellt hat. Sie hat an zwei Tagen die Berichterstattung der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung (SZ) und von Spiegel Online mit den Meldungen von zwölf ausgewählten Warblogs verglichen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kriegstagebücher im Internet auf dem Vormarsch</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/netzkultur-warblogs_salampax060309-shtml-2796/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jsommerhaeuser]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Mar 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Irakkrieg ist offiziell längst für beendet erklärt und dennoch dominieren Tag für Tag Schlagzeilen über Attentate und Auseinandersetzungen in Bagdad und Umgebung die Nachrichten. Stoff genug also, um die Seiten der vielen kriegsbezogenen Weblogs zu füllen, die vor allem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 entstanden sind. Warblogs – ein Kunstwort zusammengesetzt aus „War“ (Krieg) und „(B)log“ (Logbuch, Tagebuch) – haben aufgrund des anhaltenden Konfliktes im Irak und des drohenden Streits mit Iran nach wie vor uneingeschränkte Aktualität.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Der Irakkrieg ist offiziell längst für beendet erklärt und dennoch dominieren Tag für Tag Schlagzeilen über Attentate und Auseinandersetzungen in Bagdad und Umgebung die Nachrichten. Stoff genug also, um die Seiten der vielen kriegsbezogenen Weblogs zu füllen, die vor allem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 entstanden sind. Warblogs – ein Kunstwort zusammengesetzt aus „War“ (Krieg) und „(B)log“ (Logbuch, Tagebuch) – haben aufgrund des anhaltenden Konfliktes im Irak und des drohenden Streits mit Iran nach wie vor uneingeschränkte Aktualität.</p>
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<p>Eine Erfolgsgeschichte wie diese gibt es nicht oft: Ein junger Iraker kehrt nach dem Abschluss seines Auslandsstudium in die Heimat zurück. Das Land steht vor einem Krieg, doch anstatt zu flüchten, verbringt der Mann mehrere Stunden täglich an seinem PC in der Bagdader Wohnung seiner Eltern oder in diversen Internetcafés der Stadt. Wie in einem Tagebuch notiert er regelmäßig seine Eindrücke, Gefühle und Erlebnisse öffentlich im Internet und schon bald klicken Tausende User tagtäglich auf die Seiten des unbekannten Bagdader Bürgers. Schnell wird sein Kriegstagebuch – ein sogenanntes Warblog – in den unterschiedlichsten Medien thematisiert und es häufen sich die Interview-Anfragen großer Sender. Salam Pax, so das Pseudonyms des Irakis, wird daraufhin als Kolumnist beim Guardian angestellt und bringt einige Monate später sein Warblog in<br />
                            <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/1843542625/qid%3D1141233928/sr%3D8-1/ref%3Dsr_8_xs_ap_i1_xgl/302-6533877-8446422" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Buchform</a> auf den Markt. Ein<br />
                            <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment/4228973.stm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Film</a> über sein Leben folgte kurz darauf – der Warblogger aus Baghdad ist berühmt geworden, weil er als einer der ersten etwas bis dato vollkommen Neues ausprobiert hat: das Bloggen zum Krieg. Die uralte Maxime &#8216;cogito, ergo sum’ – &#8216;ich denke, also bin ich’ – scheint in Zeiten von World Wide Web, Email und weltweiter Vernetzung nicht mehr zu gelten. &#8216;Ich blogge, also bin ich’, lautet der Trend im Internet.</p>
<p>
                              <strong>Besonderes Merkmal: der persönliche Stil</strong>
                            </p>
<p>Natürlich ist eine Karriere wie die von Salam Pax auch in der Warblogger-Szene eher die Ausnahme, dennoch haben sich die Kriegstagebücher gerade während des Dritten Golfkriegs zu einem wichtigen Internet-Angebot entwickelt. Für Lasica repräsentieren sie gar den „<br />
                            <a href="http://www.jdlasica.com/articles/OJR-weblogs1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ground Zero of the personal webcasting revolution</a>” und auch Stefan Krempl urteilt nicht zurückhaltend, wenn er etwa Salam Pax zur „einzigen authentischen irakischen Stimme aus dem bombardierten Bagdad“ erklärt.</p>
<p>Ähnlich positiv berichten auch die Massenmedien über den neuen Angebotstyp, den sie schnell zu DEM Phänomen des Irakkriegs küren. Dennoch liest während des Bombardements nur ein sehr überschaubarer Kreis an Usern regelmäßig Warblogs (<br />
                            <a href="http://www.pewinternet.org/pdfs/PIP_Iraq_War_Report.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PEW</a>). Erst nach und nach werden die Nutzer auf den neuen Angebotstypen aufmerksam und auch die klassischen Medien beginnen, sich mit Warblogs zu befassen. Einige Medienunternehmen adaptieren sogar den Stil der Kriegstagebücher und lassen ihre Reporter selbst als Warblogger zu Wort kommen (<br />
                            <a href="http://news.bbc.co.uk/1/hi/in_depth/world/2003/reporters_log/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BBC Reporter’s Log</a>).</p>
<p>Bei einem Großteil der Nutzer hinterlassen der persönliche Stil und der saloppe Ton der Warblogger eine anhaltende Begeisterung. Eine Alternative zur regierungstreuen Kriegsberichterstattung vieler Massenmedien scheint gefunden. Doch können die Warblogger wirklich durch ihre Augenzeugenberichte ein ‚wahrhaftiges’ Bild vom Krieg liefern? Oder betätigen sie sich nicht eher als Propagandisten ihrer eigenen Ideologien? Welchen Mehrwert bieten die Kriegstagebücher im Internet?</p>
<p>Antworten auf diese Fragen kann eine Kurzstudie geben, in der die Berichterstattung über den neuen Angebotstypen in den Jahren 2003 und 2004 untersucht wurde.</p>
<p>Die Ergebnisse zeigen, dass es trotz des relativ hohen Bekanntheitsgrads der Warblogs immer noch keine einheitliche Definition gibt. Einigkeit scheint einzig darüber zu herrschen, dass Warblogs sich durch die gleichen Merkmale auszeichnen wie Weblogs, aus denen sie hervorgegangen sind: Die Beiträge werden in umgekehrt chronologischer Reihenfolge tagebuchartig präsentiert; sie sind darüber hinaus datiert und befassen sich thematisch mit dem Irakkrieg, seinen Folgen oder Ursachen.</p>
<p>
                              <strong>Für den Nutzer: alternative Stimmen jenseits des Mainstreams</strong>
                            </p>
<p>Jenseits dieser Gemeinsamkeiten jedoch gehen die Meinungen auseinander: einige Experten halten es etwa für wichtig, dass Warblogs von Autoren verfasst werden, die sich selbst in einem Kriegsgebiet befinden. Andere erweitern den inhaltlichen Fokus und schließen die Themen Terror, Folter und politische Konflikte aller Art mit ein.</p>
<p>Für den Warblog-Leser sind jedoch nicht die vielfältigen Definitionsmöglichkeiten entscheidend, sondern es ist vor allem die persönliche Sichtweise, die die Nutzer immer wieder vor die Monitore lockt. Jenseits der journalistischen Professionalität präsentieren die Warblogger ganz bewusst ihre eigenen Eindrücke und eröffnen dem Leser dadurch eine neue Sichtweise auf das Kriegsgeschehen. Ihre Unabhängigkeit macht die Kriegstagebücher deswegen zu einer echten Alternative zu den regierungstreuen Medien.</p>
<p>Die Unzufriedenheit mit den klassischen Medien ist eines der Hauptmotive für die Warblog-Nutzung. Auf den Webseiten findet sich ein kritischer Blick auf die Medienlandschaft, der woanders kaum angeboten wird. Salam Pax beispielsweise nimmt gerne amerikanische oder arabische Sender aufs Korn:</p>
<p>                            <em>„’Umm Kasr ist unter Kontrolle&#8217;. ’Umm Kasr ist gefährdet&#8217;. ’Basra ist kein Angriffsziel&#8217;. ’Basra wird bombadiert&#8217;. ’Nassirija wird schwer umkämpft’. Könnten die Nachrichtenfuzzis sich vielleicht auf irgendwas einigen? Die neueste Fortsetzung der Kriegsberichterstattungsabsurditäten ist der &#8216;Aufstand in Basra’.“</em> (26.03.2003)</p>
<p>Ihrer Watchdog-Funktion kommen die Warblogs während des Konflikts immer wieder nach. Sie korrigieren die Berichterstattung der US-Medien, indem sie beispielsweise eigene Augenzeugenberichte veröffentlichen. Die Berichte ‚aus erster Hand’ vermitteln dem Leser Glaubwürdigkeit und viele Zusatzinformationen. Das Konzept der Augenzeugenberichte wird zunehmend auch von traditionellen Medien adaptiert. So suchte die BBC Anfang 2004 in einem Online-Artikel nach Augenzeugen für ein Bombenattentat in Syriens Hauptstadt Damaskus. Da offizielle Informationen kaum zu bekommen waren, rief die<br />
                            <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/3664811.stm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BBC</a> mögliche Augenzeugen dazu auf, ihre Berichte zu senden und veröffentlichte die Statements auf der Nachrichtenseite.<br />
                            <br />Reizvoll für die Leser ist dabei das Gefühl, zumindest indirekt ins Geschehen involviert zu sein.</p>
<p>
                              <strong>Propaganda, Pseudonyme und andere Probleme</strong>
                            </p>
<p>Angesichts der vielen Leistungen in eine Warblog-Euphorie zu verfallen, wäre jedoch überstürzt. Problematisch am neuen Angebotstypen ist, dass sie häufig keiner redaktionellen Kontrolle unterliegen. Was veröffentlicht wird, gilt als unfertig und wird häufig erst im Nachhinein durch Beiträge von Lesern oder Meldungen in klassischen Medien bestätigt – wenn überhaupt. Die fehlende Überprüfung der Inhalte ist ein wesentlicher Kritikpunkt an Warblogs, weil dies zu Missbrauch verleiten kann. Beiträge mit subtiler Propaganda wird der ungeübte Leser schwerlich von ernst gemeinten Kommentaren unterscheiden können.</p>
<p>Hinzu kommt, dass Warblogger sich selten an journalistische Regeln halten. Quellen werden oft nur sporadisch genannt, was eine Prüfung der Inhalte zusätzlich erschwert. Auch der Autor selbst ist in einigen Fällen ein &#8216;Buch mit sieben Siegeln’. Warblogger vor Ort schreiben häufig unter einem Pseudonym, um politischer Verfolgung zu entgehen. Zweifel an der Identität eines Autors können aber zugleich alle seine Inhalte in Frage stellen. Salam Pax, selbst hinter einem Pseudonym verborgen, hält dieses Problem für nichtig:<br />
                            <br />
                            <em>„Bitte, hört auf, mir E-Mails zu schicken, in denen ihr mich fragt, ob es mich wirklich gibt. Ihr glaubt’s nicht? Dann lest einfach nicht weiter.“</em></p>
<p>So muss der Leser letztlich selbst entscheiden, welche Warblogs er für vertrauenswürdig hält. Insgesamt sollten die Inhalte der Kriegstagebücher nicht unhinterfragt &#8216;für bare Münze genommen’, sondern mit einem gesunden Maß an Skepsis rezipiert werden – wie jedes andere Medium auch.</p>
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