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	<title>msixtus &#8211; politik-digital</title>
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	<title>msixtus &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Von Blogs, pferdelosen Wagen und Damenunterwäsche Teil 1</title>
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		<dc:creator><![CDATA[msixtus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Apr 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[(21. April 2006) Die Leser, das Publikum der klassischen Medien, verabschieden sich gerade von einer alten Angewohnheit: dem passiven Konsum. Sie werden selbst aktiv und schreiben für einander - auf gleicher Augenhöhe.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">(21. April 2006) Die Leser, das Publikum der klassischen Medien, verabschieden sich gerade von einer alten Angewohnheit: dem passiven Konsum. Sie werden selbst aktiv und schreiben für einander &#8211; auf gleicher Augenhöhe.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Heute ist die „New York Times&#8221; offline gegangen. Sie ist nun ein ausschließlich in gedruckter Form erhältlicher Newsletter für die Elite und für ältere Menschen&#8221;, lautet ein Satz aus der fiktiven Reportage „Epic 2014&#8243;. Der achtminütige Kurzfilm von Robin Sloan und Matt Thompson, zwei Journalismus-Studenten am US-amerikanischen Poynter-Institut, ist ein Rückblick aus dem Jahre 2014. Er zeigt das Bild einer Welt, deren Medien dank Personalisierung, Syndizierung, Selbstpublikation sowie automatischer und kollaborativer Filterung mit dem Ein-Sender-viele-Empfänger-Modell des 20. Jahrhunderts kaum noch etwas gemein haben. Ob das kurze Filmchen eine hellsichtige Vision zeigt oder eine übertriebene Spinnerei, wird die Zeit zeigen; die Indizien, die für einen Trend in diese Richtung sprechen, sind jedenfalls unübersehbar.</p>
<p>Medienmacher warnen auf Tagungen gerne vor einer „Zersplitterung des Marktes&#8221;, wenn es um die Zukunft ihrer Branche geht. Das klingt so, als würde eigentlich alles bleiben wie es ist, nur eben ein wenig kleinteiliger. Die Transformation der Medienwelt, die sich gerade ankündigt, wird jedoch viel grundlegender sein. Und es sind keine Konzernlenker, Marktstrategen oder Business-Consultants, die sie angeschoben haben: Die Leser, das Publikum, vulgo die Zielgruppe, sind es, die sich gerade von einer alten Angewohnheit verabschieden, welche jahrhundertelang die Grundlage der Medienwirtschaft bildete: dem passiven Konsum.</p>
<p>
                              <strong>Kein Platz für Hobbyisten</strong>
                            </p>
<p>„Die Presse ist so frei wie ihr Kontostand&#8221;, lautet ein Sprichwort, und diese Aussage erklärt auch, warum bislang nur ein verschwindend geringer Teil aller Menschen zu den publizierenden Zünften zählte: Medien kosten Geld. Wer publizieren will, muss investieren, muss sich den Einstieg in den Aufmerksamkeitsmarkt erkaufen. Somit haben wir es dort &#8211; von wenigen Liebhaberprojekten abgesehen — mit Produkten zu tun, die Umsatz bringen, wirtschaftlich sein und Gewinn abwerfen müssen. Kein Platz für Hobbyisten. Digitaltechnik und das Internet sind jedoch gerade fröhlich dabei, an den Wurzeln dieses nur scheinbar ehernen Gesetzes zu sägen. „Pixel kosten nichts&#8221;, sagt Doc Searlsb, Buchautor, Journalist und einer der Überväter der Weblog-Community. Weblogs, oder kurz Blogs, sind auch die Exemplare der neuen Jedermann-Medien, die als erste über die allgemeine Wahrnehmungsschwelle geschwappt sind. Etwa 70 Millionen der Mini-Journale soll es weltweit im Netz geben, in Deutschland sind es geschätzte 200.000.</p>
<p>
                              <strong>Hochnäsigkeit, Ignoranz, Missmut</strong>
                            </p>
<p>Gestandene Medienmenschen begegnen den plötzlich und ungerufen aufgetauchten Amateurkollegen oft mit einer Mischung aus Hochnäsigkeit, Ignoranz und Missmut. „Viele etablierte Journalisten verstehen unter einer,Diskussion&#8217; über Weblogs nur, permanent die Frage zu stellen, ob Blogs eine Bedrohung für den Journalismus sind, und sich diese dann selbst permanent mit ,Nein&#8217; zu beantworten&#8221;, beklagt sich Jay Rosenc, Vorsitzender des Fachbereichs für Journalismus an der Universität von New York und selbst leidenschaftlicher Blogger. Tatsächlich lassen sich Beispiele dieser schablonenhaften Herangehensweise mit Leichtigkeit orten. So fragte der Medien Journalist Holger Wenk im Gewerkschaftsmagazin „M&#8221;: „Ist also jeder Laie berufen, journalistisch eine Art Gegenöffentlichkeit zu schaffen?&#8221;, nur um sich kurz darauf selbst die Antwort zu geben: „Mitnichten!&#8221;</p>
<p>Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur von „Spiegel-Online&#8221;, erklärte gegenüber dem Magazin onlinejournalismus.de gar, dass „99 Prozent aller Blogs Müll&#8221; seien. Das Medienmagazin „In-sight&#8221; will die Ursache des „Problems&#8221; im „Senfstau&#8221; entdeckt haben: „Jahrzehntelang unentdeckt und allenfalls vermutet, zeigt sich in Deutschland mehr und mehr die Existenz einer gewaltigen angestauten Menge nicht dazugegebenen Senfes.&#8221; Auch in den USA beziehen Blogger Prügel. Beispielsweise von Jonathan Klein: Ein typischer Blogger sei „ein Typ, der in seinem Pyjama im Wohnzimmer sitzt und schreibt&#8221;, verkündet der einstige CBS-Fernsehjournalist seine Vorstellung über den prototypischen Weblog-Autor und dessen bevorzugte Kleidung. Der Pyjama-Vorwurf ist seitdem zu einem amüsiert-geflügelten Wort unter Bloggern geworden. Der Kolumnist Jon Carrolld antwortete einmal darauf: „Pyjamas beschädigen nicht zwangsläufig die Qualität der Informationen, die das Gehirn einer Person durchlaufen, die gerade einen Pyjama trägt.&#8221;</p>
<p>
                              <strong>Angst vor Amateur-Konkurrenz</strong>
                            </p>
<p>Ein Grund für das Unbehagen, das sich aus solcherlei Äußerungen herauslesen lässt, dürfte darin liegen, dass die publizierende Gilde bislang eines kaum kannte: Amateur-Konkurrenz. In anderen Branchen ist das hingegen nichts Neues: Würde Herbert Grö-nemeyer sich darüber echauffieren, dass „jeder Laie sich berufen fühlt, Musik zu machen&#8221;, stieße diese Äußerung höchstwahrscheinlich auf Unverständnis. Medienmenschen ist das plötzliche Auftauchen der Hobbyisten-Horden offenbar nicht geheuer. Noch vor wenigen Jahren benötigte man quasi Superkräfte, um ein Thema zur Debatte zu stellen oder schlicht seine Meinung zu verbreiten. Soll jetzt etwa jeder, der es sein will, ein Superheld sein?</p>
<p>
                              <strong>Werkzeuge zum Networking</strong>
                            </p>
<p>Der größte und gleichzeitig verlockendste Fehler ist es, Blogs als eine Art Mini-Ausgabe klassischer Medien zu begreifen. Diese permanente Reduzierung von Weblogs auf den publizistischen Aspekt nervt auch Jan-Hinrik Schmidt, den stellvertretenden Leiter der Forschungstelle Neue Kommunikationsmedien an der Uni Bamberg: „Sicher ist es berechtigt und wichtig, über das Verhältnis von Weblogs und Journalismus oder Organisationskommunikation nachzudenken, sei man nun Blogger, professioneller Medienmacher oder Wissenschaftler. Aber nur darüber zu reden, verkennt das wahre Wesen von Weblogs: Sie sind Werkzeuge zum Networking, sie fördern Praktiken des Vernetzens &#8211; da ist das,Publizieren&#8217;, also das Veröffentlichen für ein disperses und diffuses Publikum, nur eine Praxis unter vielen.&#8221;</p>
<p>Die typische Was-soll-so-toll-daran-sein-Reaktion bei der Betrachtung eines x-beliebigen Blogs beruht auf einem Wahrnehmungsfehler, der tief im menschlichen Denken verwurzelt ist: Um etwas Neues zu verstehen, neigen wir dazu, es mit Bestehendem zu vergleichen. Autos sind pferdelose Kutschen, Handys sind Telefone zum Mitnehmen. Blogs sind demgemäß kleine Internet-Publikationen. Dieser komparierende Erkenntnismechanismus ist zunächst sicherlich hilfreich, er hindert unseren Verstand jedoch oft genug daran, das größere Bild zu sehen, zu durchschauen, wie eine auf den ersten Blick kleine Neuerung, ein großes und komplexes System verändern kann.<br />
                            <br />Der durch einen Explosionsmotor angetriebene „pferdelose Wagen&#8221; hat innerhalb von rund 100 Jahren unsere Welt nachhaltig umgeformt. Er gab uns sowohl die Mobilität als auch den Stillstand im Stau, den Individualtourismus und die Landschaftszerstörung.</p>
<p>Angeblich hängt an der Automobilindustrie in Deutschland jeder siebte Arbeitsplatz und ein Viertel der staatlichen Steuereinnahmen. Ob unsere Abhängigkeit vom Rohöl oder die Zersiedelung durch die Möglichkeit des Berufspendelns: So anschaulich und richtig die Definition „Kutsche ohne Pferde&#8221; vor hundert Jahren gewesen sein mochte, so wenig trifft sie den Kern des Phänomens.</p>
<p>Das Riskante an dieser Gleichsetzerei: Sie verstellt den Blick auf das Gesamtsystem. Sie beschreibt das Auto, aber nicht den Verkehr; nicht die Muster und Möglichkeiten, die sich aus einer Innovation heraus bilden. Jedes Weblog ist nur Teil eines Ganzen. Wer dieses Phänomen begreifen will, darf seinen Blick nicht auf einen einzelnen Vertreter konzentrieren, sondern muss sich die Mühe machen, die mentale Linse in den Weitwinkelbereich zu zoomen, um das gesamte Bild zu betrachten &#8211; oder zumindest einen größeren Teil davon.</p>
<p></p>
<p>
                              <span class="normal"><br />
                                <strong>Weiter zum<br />
                                <a href="msixtus_publrevolution_060421_2.shtml">zweiten Teil..</a> &gt;&gt;</strong><br />
                              </span>
                            </p>
<p>
                              <strong><br />
                              <br />Dieser Artikel erschien ursprünglich in &#8220;Redaktion&#8221;, dem Jahrbuch für Journalisten. Es ist Teil des Lokaljournalistenprogramms der<br />
                              <a href="http://www.bpb.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundeszentrale für politische Bildung/bpb</a>. &#8220;Redaktion 2006&#8221; wird im Medienfachverlag Oberauer verlegt und kann über die<br />
                              <a href="http://www.drehscheibe.org/publikationen.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Drehscheibe online</a> bestellt werden.</strong><br />
                              
                            </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Von Blogs, pferdelosen Wagen und Damenunterwäsche Teil 2</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wissensgesellschaft-msixtus_publrevolution_060421_2-shtml-3046/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[msixtus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Apr 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Dynamische Blog-Welt]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Dynamische Blog-Welt</p>
<p><!--break--></p>
<p>Blogs leben im Grenzgebiet zwischen Kommunikation und Publikation. Dies ist eine bislang weitgehend unerforschte und gerade erst frisch erschlossene Region &#8211; und genau deshalb entziehen sich die dortigen Siedler und ihre merkwürdigen Werkzeuge so erfolgreich einer vergleichenden Definition. Ihr Wohngebiet grenzt westlich an den Dialog, östlich an die Massenpublikation, schließt nördlich ans Ich an und südlich an die Welt. Da dieses Fleckchen Grauzone bislang kommunikationswissenschaftlich noch nicht kartografiert wurde, versuchen Beobachter häufig, die Blog-Gefilde anhand ihrer Nachbarländer zu beschreiben. Das muss natürlich schief gehen.<br />
                            <br />Es ist die Summe technischer Kleinigkeiten, welche die Welt der Blogs so dynamisch macht und sie von den Regionen der statischen Homepages abgrenzt. Da wäre zunächst das Backend: Meist serverseitig, in seltenen Fällen auch mittels Client-Software, kümmert sich ein Mini-Content-Management-System (CMS) um die Technik des Web-Publizierens. Wer unfallfrei eine E-Mail verfassen kann, kommt in der Regel auch mit diesen Bonsai-CMS klar. Weit wichtiger als die einfache Bedienbarkeit: Die Blog-Tools kommunizieren hinter den Kulissen sowohl miteinander als I auch mit zentralen Diensten. Jede gängige Blog-Software benachrichtigt automatisch die Verzeichnisse von Weblogs.com oder Blo.gs über neue Einträge, die somit stets über Listen frisch aktualisierter Weblogs verfügen.</p>
<p>
                              <strong>&#8220;Google auf Speed&#8221;</strong>
                            </p>
<p>Diese Aufstellungen dienen wiederum Blog-Suchmaschinen wie Technorati oder Feedster als Auslöser für eine inhaltliche Indizierung. Anders als bei herkömmlichen Websuchdiensten wie Google oder Yahoo dauert es somit nur noch Augenblicke, bis ein neuer Text erfasst ist, und nicht Tage oder gar Wochen. Die BBC zählte via Technorati bereits zwei Stunden nach der Explosion der Londoner Bomben 1.300 Postings zu diesem Thema, darunter etliche von Augenzeugen. Zu diesem Zeitpunkt standen Journalisten noch vor den abgesperrten U-Bahnhöfen und interviewten sich gegenseitig. „Google auf Speed&#8221; wird Technorati ob dieser Echtzeitfähigkeit gerne genannt. Doc Searls, einer der berühmtesten Blogger, erklärt die Effizienz dieser Technik anhand von Damenunterwäsche. Als der Wäschehersteller Victoria&#8217;s Secret vor einiger Zeit einen neuen BH auf den Markt brachte, lieferten Google und Co. kurze Zeit nach dem Produktlaunch einen einzigen Treffer: die Website des Herstellers. Technorati fand hingegen gleich hunderte von Erwähnungen in Weblogs: „Ganz normale Frauen hatten ihre ersten Erfahrungen mit dem neuen Ding geschildert&#8221;, erzählt Searls.</p>
<p>Ob ein politischer Kommentar, ein Filmtrailer, ein wissenschaftlicher Artikel oder schlicht der neueste Klatsch: Worüber Blogger reden, das verlinken sie auch. Und diese Links lassen sich natürlich zählen und in Hitparaden anordnen. Neben Technorati liefern Popdex, Day-pop, Blogpulse und etliche andere Services solche Hyperlink-Charts. Hierzulande bietet<br />
                            <a href="http://blogstats.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blogstats.de</a> einen ähnlichen Dienst. Diese Listen dienen als Aufmerksamkeitsmesser, sie geben Auskunft darüber, welche Themen gerade für Diskussionsstoff sorgen — ob Unterwäsche, Bombenexplosionen oder spannende neue Technologien. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Verlinkung der Blogs untereinander: Trackbacks sind Rücklinks auf andere Blogs, die sich thematisch auf den aktuellen Eintrag beziehen. Trackbacks erlauben es somit einem Blog-Autor zu sagen: „Hey, zu diesem Thema habe ich auch etwas bei mir geschrieben. Schau dir das mal an&#8221;. Wem das zu kompliziert ist, der nutzt einfach die Kommentarfunktion eines Blogs. „Wenn du etwas Unwahres sagst, wird es nicht lange dauern, bis es jemand richtig stellt&#8221;, erklärt der Journalist und Autor Dan Gillmorn. Der redaktionelle Prozess der Faktenprüfung und der Korrektur wird auf diese Weise in die Öffentlichkeit ausgelagert. „Ich habe schon vor langer Zeit begriffen, dass meine Leser immer mehr wissen als ich&#8221;, sagt Gillmor, der das Manuskript seines Buches „We the Media&#8221; komplett im Internet veröffentlichte und von den Lesern seines Blogs korrigieren ließ. „Nachrichten müssen aufhören, ein Vortrag zu sein&#8221;, sagt er, „stattdessen müssen sie eher einem Seminar oder einem Gespräch gleichen.&#8221;</p>
<p>
                              <strong>Blogger halten ständig Kontakt</strong>
                            </p>
<p>„Blogs sind Gespräche&#8221; sagt auch Doc Searls, und in der Tat erinnern viele Blog-Einträge eher an geschriebenes Sprechen als an polierte Texte aus der Printwelt. Denn es geht beim Bloggen um ein Miteinander, um Gemeinschaftlichkeit. Anders als einsame Autoren in der Vergangenheit erhalten Blogger ein direktes Feedback ihrer Leser. Die Begriffe „Publizist&#8221; und „Publikum&#8221; greifen nicht mehr. Weblogs kommen selten solo daher. Zwar schwirren ihre Piloten meist im Alleinflug durch die Infosphäre, tanken hier an einer News-Station, landen dort auf einem Datenplaneten, durchfliegen einen Faktensturm oder drehen zwischendurch eine Diskussionsschleife. Mit Hilfe von Biogrolls, Trackback und RSS halten sie trotzdem ständig Kontakt miteinander und informieren sich gegenseitig über neue Infofunde und bisher unbekannte Lebensformen. Ein teils dicht, teils lose geknüpftes Nervensystem verbindet die Einzelschiffe dieser Flotte, die kein Mutterschiff nötig hat und bei der jeder sein eigener Kapitän ist &#8211; selbst wenn man häufig mal in die gleiche Richtung fährt.</p>
<p>
                              <strong>Virtuelle Buschtrommel</strong>
                            </p>
<p>Blogs fungieren im Web als eine Art Buschtrommel-Kommunikation. Dies hat erstaunliche Nebeneffekte für die Akzeptanz neuer Werkzeuge: Früher benötigte eine neue Technologie oft Jahre, um eine kritische Masse von Anwendern zu finden, speziell wenn keine Marketing-Millonen im Spiel waren. Dank der Lauffeuer-Eigenschaft der Blogs können nun wenige Wochen ausreichen: Im Spätsommer 2004 ersann der ehemalige MTV-Moderator Adam Curryp zusammen mit dem Web-Entwickler und Blog-Guru Dave Winerq eine Methode, Audiodateien zeitversetzt und automatisiert in den Speicher von MP3-Spielern zu übermitteln. Eine Art Radio auf Abruf, die sie Podcasting nannten, in Anlehnung an Apples populären Musikspieler „iPod&#8221; und das Wort „broadcast&#8221;, Ausstrahlung. Eine Hörproduktion, die so Verbreitung findet, heißt seitdem folgerichtig Podcast.</p>
<p>
                              <strong>Massenphänomen im Zeitraffer</strong>
                            </p>
<p>Ende September 2004 lieferte eine Google-Suche nach dem Begriff Podcast exakt 26 Treffer, mittlerweile sind es über 64 Millionen. Das Verzeichnis<br />
                            <a href="http://www.podcast.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Podcast.net</a> zählt nun fast 15.000 aktive Podcasts, einige Hörbuchverlage und die britische BBC setzen bereits die einstige Untergrundtechnik ein und selbst die alte Tante „Tagesschau&#8221; lässt sich via Podcast abonnieren. Vor allem teilen sich aber unzählige Amateure durch regelmäßige Hörproduktionen mit, auf inhaltlich wie akustisch schwankendem Niveau zwischen Anrufbeantworter- und Studioqualität. Aus einer kleinen Idee ist so ein Massenphänomen geworden &#8211; und zwar im Zeitraffer.</p>
<p>Das Abo-Radio ist nur ein Beispiel für Technologien oder Dienste, die ihre Popularität allein der Mund- bzw. Mauspropaganda innerhalb der Blogwelt verdanken. Ähnlich erging es dem Bilderdienst<br />
                            <a href="http://www.flickr.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Flickr</a>, der mit einer Vielzahl von Interaktions-, Sortier- und Bewertungsfunktionen das Publizieren von Fotos auf eine neue Ebene hebt. Linux-Kolumnist und Blogger Doc Searls ist sich sicher: „Flickr wird die Fotografie mehr verändern als Kodak.&#8221; Auch die Link-Tanks unter dem Label „Social Bookmarking&#8221;, namentlich<br />
                            <a href="http://del.icio.us/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Del.icio.us</a>,<br />
                            <a href="http://www.furl.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Furl</a>,<br />
                            <a href="http://www.spurl.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spurl</a> und etliche andere, verdanken ihren Erfolg den Aufmerksamkeitsschüben aus der Blogosphäre — und der Notwendigkeit, die tägliche Informationsflut besser in den Griff zu bekommen. „Wer dieses liest, der liest auch jenes&#8221;, lautet das Prinzip der sozialen Lesezeichen. Im Idealfall bedeutet der Trend, den diese Dienste aufzeigen: Die Informationen werden nicht mehr, sondern individueller. Bei der Übermittlung hilft eine Technologie namens RSS, was für Really Simple Syndication steht. Etliche Blogs und andere Dienste bieten heute ihre Inhalte parallel auf der Website und eben im RSS-Format an.</p>
<p></p>
<p>
                              <span class="normal"><br />
                                <strong>Weiter zum<br />
                                <a href="msixtus_publrevolution_060421_3.shtml">dritten Teil..</a> &gt;&gt;</strong><br />
                              </span>
                            </p>
<p>
                            <span class="normal"><br />
                              <strong>Zurück</strong><br />
                            </span><br />
                            <span class="normal"><br />
                              <strong>zum<br />
                              <a href="msixtus_publrevolution_060421_1.shtml">ersten Teil..</a> &gt;&gt;</strong><br />
                            </span></p>
<p>
                              <strong><br />
                              <br />Dieser Artikel erschien ursprünglich in &#8220;Redaktion&#8221;, dem Jahrbuch für Journalisten. Es ist Teil des Lokaljournalistenprogramms der<br />
                              <a href="http://www.bpb.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundeszentrale für politische Bildung/bpb</a>. &#8220;Redaktion 2006&#8221; wird im Medienfachverlag Oberauer verlegt und kann über die<br />
                              <a href="http://www.drehscheibe.org/publikationen.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Drehscheibe online</a> bestellt werden.</strong><br />
                              
                            </p>
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		<title>Von Blogs, pferdelosen Wagen und Damenunterwäsche Teil 3</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Apr 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Weniger herumsurfen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Weniger herumsurfen</p>
<p><!--break--></p>
<p>Mit Hilfe eines Programms abonniert der fortschrittliche Netzbürger die Angebote seiner Wahl und studiert sie gebündelt, ohne sich mühsam von Homepage zu Homepage hangeln zu müssen. Hat ein bestimmter Nutzer neue Bilder auf den Flickr-Server geladen? Gibt es neue Links bei Del.icio.us, die mit einem abonnierten Begriff verknüpft sind? Hat die Blog-Suchmaschine Technorati neue Texte zu einem Stichwort von Interesse entdeckt? Liegt ein frischer Podcast zum Lieblingsthema bereit? Sind auf den klassischen Nachrichtenseiten neue Meldungen erschienen? Weil das RSS-Lesepro-gramm das alles anzeigt wie neu eingetroffene E-Mails, müssen die Nutzer weniger herumsurfen. „Ich muss nicht mehr raus und etwas suchen&#8221;, freut sich Doc Searls, „es wird mir gebracht.&#8221;</p>
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                              <strong>Reale Zukunft</strong>
                            </p>
<p>Der Science-Fiction-Autor William Gibson hat einmal gesagt: „Die Zukunft ist bereits da, sie ist nur ungleichmäßig verteilt.&#8221; Hier ist ein Stück Gegenwart: Auf dem Weg zur Arbeit lauscht der Bewohner des 21. Jahrhunderts abonnierten Audiobeiträgen, die über Nacht selbsttätig in seinen MP3-Player geflossen sind. Neues, individuell zurechtgeschnittenes Lesefutter liefern ihm jederzeit die Linkfarmen von del. icio.us oder Furl, und die persönlichen Erkenntnisse des Tages landen schließlich im eigenen Weblog, von wo aus sie wiederum ihren Weg in die RSS-Reader anderer Menschen finden. Zugegeben: Noch ist es lediglich eine Minderheit der Bevölkerung, deren tägliche Informationsgewohnheiten heutzutage so aussehen, aber auch E-Mail war noch vor kurzem ein Kommunikationsmittel ausschließlich für Freaks und Wissenschaftler.</p>
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                              <strong>Publizistische Revolution</strong>
                            </p>
<p>Beim Blick in die Zukunft hilft vielleicht eine genauere Betrachtung der heutigen Jugend: „Die Jungen bloggen sich ihren Weg in eine publizistische Revolution&#8221;, titelte der „Guardian&#8221; kürzlich und veröffentlichte die Ergebnisse einer Umfrage unter 14- bis 21-Jährigen. „Es gibt Anzeichen für einen signifikanten Generationsbruch&#8221;, erfuhren die verdutzten Briten. „Anstatt das Internet zu nutzen, wie ihre Eltern es tun &#8211; als Informationsquelle, um einzukaufen und um Online-Zeitungen zu lesen &#8211; nutzen die meisten jungen Leute es, um zu kommunizieren.&#8221; Ein Drittel der Befragten besaß ein eigenes Weblog oder eine Website, jedoch nur jeder Zehnte las Nachrichten im Web. Der „Guardian&#8221; folgert, „Millionen junge Menschen, die mit dem Internet und mit Mobiltelefonen groß geworden sind, sind mit dem Einbahnstraßenverkehr der traditionellen Medien nicht mehr zufrieden. Sie publizieren und sammeln ihre eigenen Inhalte.&#8221;</p>
<p>Der eingangs erwähnte Kurzfilm, der die Entstehung des fiktiven Nachrichten- und Kommunikationsgeflechts „Epic&#8221; beschreibt, endet mit den Worten: „Im besten Fall, für die klügsten Leser, ist Epic eine Zusammenfassung der Welt, tiefer, ausgedehnter und nuancierter als alles, was jemals erhältlich war. Im schlimmsten Fall und für zu viele ist Epic eine Ansammlung von Belanglosigkeiten. Vieles ist unwahr, alles ist beschränkt, oberflächlich, sensationell.&#8221; Sieht die neue Medienwelt derart düster aus? Wer sich etwas Zeit nimmt, um sich die Blogosphäre und die wachsende Zahl der gemeinschaftlichen Dienste genauer anzuschauen, wird diese Frage verneinen.</p>
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                              <strong>Einstieg für Spezialisten</strong>
                            </p>
<p>Das wuselige Treiben in der Blogwelt hat in der Tat auf den zweiten Blick sehr viel mit Sortieren und Gewichten zu tun, mit einer funktionierenden Selbstorganisation, die Nützliches und Informatives an die Oberfläche spült und Belangloses unter dem Teppich belässt. Wer sich für ein Fachgebiet interessiert &#8211; sei es Tiefseetauchen oder Quantenmechanik -, für den sind Fach-Blogs oft der ideale Einstieg. Und in den Link-Silos von Del.icio.us oder Furl sind die weiterführenden Verweise dann gleich kommentiert. Eine bessere Ausbeute bei gleichem Zeiteinsatz &#8211; der Vorteil dessen was viele „Web 2.0&#8243; nennen, gegenüber dem oft ziellosen Herumgeklicke im alten World Wide Web.</p>
<p>Auch traditionelle Web-Medien und Blogs stoßen sich keinesfalls elektromagnetisch ab. Im Gegenteil: Bereits 2002 sprach der US-amerikanische Internet-Berater John Hiler von einem „Emergenten Medien-Ökosystem&#8221;, einer Biosphäre innerhalb des Webs, in der Profis und Amateure sich gegenseitig mit Informationen, Themen und Aufmerksamkeit versorgen. „Die vielfach vernetzte Community von Internet-Akteuren verschafft dem Journalismus einen völlig neuen, in dieser Form noch nie gekannten Resonanzraum&#8221;, weiß auch Professor Dr. Lorenz Lorenz-Meyer von der Fachhochschule Darmstadt. Obendrein steckt das neuartige und rasant wachsende Nervengeflecht der Mikromedien voller Informationen und Inspirationen.</p>
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                              <strong>Auf gleicher Augenhöhe</strong>
                            </p>
<p>Eigentlich ein Paradies für Journalisten. Und ein Lehrstück dafür, dass das Web anders tickt. Es lediglich als einen weiteren Kanal zu verstehen, um „Content&#8221; zum Publikum zu schaufeln, bedeutet, seine Naturgesetze nicht zu befolgen. Blogs sind hingegen im Web geboren und haben ihre eigenen Regeln. Ihr Beispiel zeigt: Die Zukunft des Journalismus im Web wird sich an Gemeinschaftlichkeit orientieren. Die Zeiten des Von-oben-herab sind vorbei. Das vormalige Publikum lässt sich nicht mehr alles sagen: Im Web schreibt jeder für jeden auf gleicher Augenhöhe.</p>
<p>In einer aktualisierten Version ihres Kurzfilms („Epic 2015&#8243;) haben Robin Sloan und Matt Thomp­son das düstere Ende ihrer Geschichte ein wenig aufgehellt: Ein arbeitsloser Journalist der „New York Times&#8221; Digital Edition findet nun eine neue Aufgabe, indem er persönliche Video-Schnipsel im Netz über das Satellitenortungssystem GPS Orten geografisch zuordnet. Immerhin.<br />
                            </p>
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                              <a href="msixtus_publrevolution_060421_2.shtml">zweiten Teil..</a> &gt;&gt;</strong><br />
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                              <br />Dieser Artikel erschien ursprünglich in &#8220;Redaktion&#8221;, dem Jahrbuch für Journalisten. Es ist Teil des Lokaljournalistenprogramms der<br />
                              <a href="http://www.bpb.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bundeszentrale für politische Bildung/bpb</a>. &#8220;Redaktion 2006&#8221; wird im Medienfachverlag Oberauer verlegt und kann über die<br />
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