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	<title>Michael Görtler &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Michael Görtler &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Medienbildung ist gesellschaftspolitische Aufgabe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Görtler]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Feb 2013 16:49:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Überall und jederzeit? Für Kinder und Jugendliche ist die elektronische Kommunikation im virtuellen Raum zur Normalität geworden. Die Möglichkeiten sind [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/gamifizierung-der-politik/ian-muttoo-cc-by-sa-3-0/" rel="attachment wp-att-120353"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-120353" alt="Jugendliche in einem Gamesstore" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ian-Muttoo-CC-BY-SA-3.0-630x418.jpg" width="630" height="418" /></a>Überall und jederzeit? Für Kinder und Jugendliche ist die elektronische Kommunikation im virtuellen Raum zur Normalität geworden. Die Möglichkeiten sind zahlreich: Neben der einfachen Recherche nach Informationen spielen vor allem Filme und Musik eine wichtige Rolle, aber auch das Bloggen, Chatten oder Posten in Foren. Am bedeutsamsten sind aber ohne Frage die sozialen Netzwerke, deren Nutzung durch Smartphones und Flatrates nachträglich gefördert wird.<br />
In den sozialen Netzwerken ist eine Parallelwelt entstanden: Kinder und Jugendliche kommunizieren nicht mehr nur von Angesicht zu Angesicht, sondern gleichzeitig auch von Online-Profil zu Online-Profil miteinander. Und in der sogenannten Generation Internet gerät schnell ins Hintertreffen, wer nicht regelmäßig soziale Netzwerke nutzt. Diese Erlebniswelt im World Wide Web fesselt die junge Generation wie kein zweites Medium zuvor aufgrund der vielseitigeren interaktiven Möglichkeiten. Dass es dabei auch zu unerwünschten Nebeneffekten kommen kann, haben beispielsweise die spontanen Mobilisierungen von Jugendlichen zu Hauspartys über das Internet drastisch vor Augen geführt.<br />
Zahlreiche Studien machen mittlerweile auf die Bedeutung der Neuen Medien für Kinder und Jugendliche aufmerksam (z.B. KIM- oder JIM-Studie sowie Shell-Jugendstudie). 43 Prozent der Sechs- bis Dreizehnjährigen nutzen soziale Netzwerke (<a href="http://www.mpfs.de/index.php?id=192" target="_blank" rel="noopener noreferrer">KIM-Studie 2010</a>), Tendenz steigend. 12 bis 19-Jährige verbringen im Schnitt 134 Minuten pro Tag im Netz (JIM-Studie 2011), die Shell-Jugendstudie von 2010 besagt, dass 96 Prozent der 12 bis 25-Jährigen das World Wide Web knapp 13 Stunden pro Woche nutzen. Laut ARD/ZDF-Onlinestudie 2011 gehen 52 Millionen Deutsche ab 14 Jahren ins Netz; vor allem die Anzahl der mobilen User, die unterwegs auf das Internet zugreifen, steigt an. Was bedeutet das für für die Medienerziehung?</p>
<h3>Herausforderungen der Mediennutzung</h3>
<p>Wie so viele andere Dinge hat auch das Internet seine Schattenseite. Beim Blick in die Zeitungen, die Fernsehnachrichten, aber auch auf die Schulhöfe zeigt sich das Ausmaß an ungewollten Folgen. Das ist vom sogenannten Cybermobbing, Happy Slapping oder Mobile Bullying die Rede – allesamt Formen der physischen und psychischen Gewalt in Verbindung mit Neuen Medien. Kinder und Jugendliche schicken beispielsweise &#8220;Hassmails&#8221;, filmen peinliche Situationen oder nehmen gewalttätige Akte auf, um andere damit zu terrorisieren. Eine wichtige Rolle spielen hierbei Videoportale, die ihren Nutzern die Veröffentlichung privater Videos ermöglichen Damit wird ein großes Publikum erreicht, ohne dass nennenswerte Aufsicht besteht. Zwar können anstößige Inhalte gemeldet werden, doch längst nicht alles wird unverzüglich durch die Kontrolle der Anbieter erfasst. Welche Auswirkungen damit verbunden sind, haben die jüngsten Suizidfälle von Jugendlichen gezeigt, die u.a. auf die systematische körperliche und/oder geistige Drangsalierung durch Mitschülerinnen und -schüler zurückzuführen waren. In der virtuellen Welt sind die Betroffen nicht selten auf sich gestellt und den Anfeindungen schutzlos ausgeliefert. Hinzu kommt das fehlende Problembewusstsein der Erwachsenen, die entweder nichts von diesen Entwicklungen wissen oder die Alarmzeichen zu spät erkennen.<br />
Ein anderen Aspekt betrifft das Suchtverhalten bei jungen Menschen. Nicht wenige gelten als internetsüchtig, vor allem in Bezug auf exzessives &#8220;Gaming&#8221;. Das Online-Rollenspiel World of Warcraft steht beispielsweise immer wieder im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, weil sich die Spieler völlig in der virtuellen Welt verlieren können. Aber auch Kaufsüchtige nutzen mittlerweile das Netz, um dort rund um die Uhr zu shoppen. In die Falle tappen Kinder und Jugendliche nicht selten bei Abonnements, denen sie ohne Rücksicht auf die Konsequenzen zustimmen. Zum Teil sind diese Angebote gut versteckt und auf den ersten Blick nicht erkennbar. Das „<a href="http://www.bmj.de/DE/Buerger/verbraucher/KostenfallenInternet/kostenfallenInternet_node.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gesetz zur Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs zum besseren Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor Kostenfallen im elektronischen Geschäftsverkehr</a>“, das am 1. August 2012 in Kraft getreten ist, soll in Zukunft dafür sorgen, dass solchen online abgeschlossenen Verträgen und Kostenfallen ein Riegel vorgeschoben wird – ob die „Buttonlösung“ die richtige Antwort auf die Probleme darstellt, bleibt abzuwarten. Doch es geht auch um kostenlose Angebote, für die sich die User registrieren müssen und auf diese Weise Name und Adresse sowie Vorlieben preisgeben, die sich dann in personalisierter Werbung äußern. Viren, Trojaner und Spy- oder Mallware werden so Tor und Tür geöffnet, ganz zu schweigen vom sogenannten Phishing. Diese Programme spähen die privaten Daten aus, oder beschädigen den PC. Übertragen werden sie häufig über (illegale) Downloads.<br />
Aufklärung über illegale Downloads oder Filesharing spielt mittlerweile ebenfalls eine große Rolle. Die Verletzung des Urheberrechts bei Tauschbörsen ist vielen Kindern und Jugendlichen nicht bewusst; nicht zuletzt, weil das Internet den Eindruck erweckt, alles wäre frei verfügbar. Hinzu kommen jugendgefährdende Angebote, wie Seiten mit pornographischen oder gewaltverherrlichenden Inhalten, aber auch sogenannte Online-Shooter, in denen das Töten im Mittelpunkt steht. Über das Spiel Counter-Strike wurde beispielsweise im Zusammenhang mit &#8220;School-Shootings&#8221; immer wieder berichtet. Neben dem permanenten Online-Sein und den vielen zweifelhaften Verlockungen macht Jugendschützern vor allem der Schutz der Privatsphäre zu schaffen. Gerade das Einstellen von Fotos oder das Posten von Statusmeldungen birgt Gefahren, weil es auf diesem Weg tatsächlich zu Erpressbarkeit kommen kann. Hier kommen vor allem rechtliche Aspekte zum Tragen: die unwissentliche Preisgabe von sensiblen Daten an Dritte. Jugendschutz muss daher vor allem heißen, Kinder und Jugendliche vor Missbrauch zu schützen, der im Netz lauert.</p>
<h3>Konsequenzen für Schule und Politik</h3>
<p>Die aufgezählten Herausforderungen machen mit Nachdruck deutlich, dass die Gefahren, die mit der Mediennutzung einhergehen, nicht vernachlässigt werden dürfen. Vielmehr sind die Eltern sowie die Politik gefordert, durch Verbote, Aufklärungskampagnen und Engagement diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Auf die Eltern kommt dabei die Herausforderung zu, den Umgang ihrer Kinder mit Medien zu kontrollieren und sich auch selbst damit zu befassen, damit die virtuelle Welt kein Buch mit sieben Siegeln bleibt. Soziale Netzwerke, Smartphones, jugendgefährdende Seiten und Kostenfallen müssen dabei ganz oben auf der Prioritätenliste stehen. Aber auch die Schule ist in Bezug auf die Medienbildung gefragt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus, so dass beispielsweise bei Elternabenden die Möglichkeit besteht, sich über diese Herausforderungen auszutauschen. Weiterhin stellt sich immer wieder die Frage, ob Medienbildung als eigenes Fach eingeführt werden sollte. Der Umgang mit Medien ist in vielen Fächern ja bereits unumgänglich, da sich im Netz Informationen aus allen Bereichen recherchieren lassen. Vorstellbar wäre aber auch, (neue) Medien in den Unterricht der verschiedenen Fächer zu integrieren. Dafür ist es wichtig, auf die aktuellen Herausforderungen zu reagieren und neue Formate in den Unterricht zu integrieren, also z.B. Wissensportale zu thematisieren &#8211; und zu nutzen. Erst dann, wenn Medienbildung in allen Fächern ein Thema ist, wird ein produktiver Umgang mit ihren Formaten in allen Kontexten ermöglicht.<br />
<a href="http://politik-digital.de/safer-internet-day-sicheres-surfen-im-netz/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medienkompetenz</a> ist allerdings nicht nur auf die Schule beschränkt. Zwar ist dort sicherlich Raum für die ersten gemeinsamen Schritte, dennoch handelt es sich um eine Aufgabe, die im außerschulischen Umfeld, durch öffentliche und private Träger, wahrgenommen werden muss. Schließlich ist die Auseinandersetzung mit Neuen Medien eine lebenslange Herausforderung. Mit jeder neuen Innovation steigen auch die Ansprüche an die Nutzer, diese Technologie verantwortungsvoll zu nutzen. Vor allem in Bezug auf die Möglichkeit, die Lebenswelt zu gestalten sowie an der Gesellschaft mitzuwirken und sich politisch zu beteiligen, gewinnen die Neuen Medien mehr und mehr an Bedeutung. Von politischer Seite hat sich bereits einiges getan: Verschiedene Projekte, Aktionen und Initiativen sollen die Eltern für die virtuelle Welt im Netz sensibilisieren. Beispiele dafür sind:<br />
Die Initiative <a href="www.schau-hin.info" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Schau hin!“</a>, eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Kinder sowie Vodafone, ARD, ZDF und TV Spielfilm. Für die Initiative setzen sich Prominente als Botschafter ein, um auf die Gefahren des World Wide Web aufmerksam zu machen.<br />
Weiterhin gibt es ein <a href="http://www.br.de/telekolleg/faecher/deutsch/medienkompetenz/04-internet102.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beratungsangebot</a> und einen Coach für fragende Eltern. Diese können einen sogenannten <a href="http://schau-hin.info/medienpass.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medienpass </a>erwerben, der zertifiziert, dass sie auch über Einzelheiten Bescheid wissen.<br />
Die EU-Initiative <a href="www.klicksafe.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„klicksafe.de“</a>, Internetangebot <a href="www.surfen-ohne-risiko.net" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Surfen : ohne : Risiko“</a> des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend<br />
Informationen rund um den Jugendschutz gibt es auf <a href="www.jugendschutz.net" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.jugendschutz.net</a><br />
<a href="http://politik-digital.de/internationale-datenschutzkonferenz-von-paragrafenreitern-und-versaeumnissen/cc-lizens/" rel="attachment wp-att-121978"><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-121978" alt="CC-BY-SA-Lizenz" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x53.png" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Gastbeitrag: Politische Bildung im Zeitalter der Digitalisierung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Görtler]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Jan 2013 16:17:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[politische Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
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		<category><![CDATA[Micheal Görtler]]></category>
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					<description><![CDATA[Politik, Gesellschaft und Bildung befinden sich in einem Zustand der Beschleunigung. Darauf muss die politische Bildung reagieren – aber wie? [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Originalbild-von-bjackrian-via-FlickR_bearbeitet.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-125769" title="Originalbild von bjackrian via FlickR_bearbeitet" alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Originalbild-von-bjackrian-via-FlickR_bearbeitet.jpg" width="628" height="382" /></a>Politik, Gesellschaft und Bildung befinden sich in einem Zustand der Beschleunigung. Darauf muss die politische Bildung reagieren – aber wie? Unser Gastautor über die größten Herausforderungen und neue Lösungsansätze.<br />
Zunächst einmal müssen die politisch Bildenden realisieren, dass sich die Lebenswelt der Jugendlichen von heute in kurzer Zeit drastisch verändert hat und weiter verändert: Jugendliche und junge Erwachsene werden täglich mit einer Flut an Informationen konfrontiert, von allen Seiten wird Kontroverses und Ungewohntes an sie herangetragen. Die klassischen Leitmedien verlieren für die jüngere Generation mehr und mehr an Orientierungscharakter. Junge Menschen sind es gewohnt, ihre Informationen im Internet – vermeintlich – selbst auszuwählen, eine Vorauswahl wird von ihnen eher als Gängelung betrachtet.</p>
<h3>Ranking statt Wahrheit</h3>
<p>Leider ist das Internet nicht nur voll von Informationen, sondern auch von gefährlichem Halbwissen, einseitigen Darstellungen und zweifelhaften Quellen. Dass auch hier im Voraus selektiert wird und dass die Fakten an Qualität einbüßen, ist nicht immer auf den ersten Blick für alle erkennbar. Für User wäre die Einsicht wichtig, dass auch die Suchmaschinen eine Filterfunktion erfüllen und damit bestimmen, welche Informationen an erster Stelle stehen. Hier geht es um Rankings, bei denen finanzielle Aspekte und weniger die Relevanz des Gesuchten im Vordergrund stehen. Darin spiegelt sich nicht zuletzt die Kluft zwischen der öffentlichen und der veröffentlichten Meinung wider.<br />
Zur Medienkompetenz des Bürgers gehört daher das Bewusstsein über solche Prozesse, um dieses Spiel zu durchblicken und aus der Vielfalt an Angeboten das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden; das gilt auch für die unterschiedlichen Formen (z.B. Print, Online, Radio), die sich in Bezug auf die Aktualität unterscheiden. Dabei sind sie nicht selten auf sich allein gestellt, denn die politische Bildung beginnt erst langsam, auf diese Herausforderungen zu reagieren. Es wird also immer wichtiger, neue Formate kritisch zu betrachten und daher sollte dem Umgang mit Medien auch in der Schule ein höherer Stellenwert eingeräumt werden, z.B. durch Kurse, aber auch durch regelmäßige Nutzung neuer Formate.</p>
<h3>Neue Formate in der Politik</h3>
<p>Das Internet bietet die Möglichkeit für jedermann, seine eigene digitale Welt zu gestalten. Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Jugendliche und junge Erwachsenen haben soziale Netzwerke, die tief in ihre Lebenswelt eindringen und ihre Verhaltensweisen mitbestimmen. Aus politischer Sicht dienen sie vor allem als Instrument, um spontane Öffentlichkeiten zu schaffen und Menschen zu mobilisieren, wenn diese Effekte auch selten von langer Dauer sind. Soziale Netzwerke sind in der Lage einen virtuellen Raum zu schaffen, in dem politische Kommunikation tendenziell jederzeit und überall ohne größere Schranken möglich ist. Auf diese Weise können spontane Aktivitäten wie z.B. Demonstrationen oder sogenannte Flashmobs koordiniert werden. Reizvoll an den Neuen Medien und ihren Formaten ist aber vor allem, dass sie eine situative Mitarbeit ermöglichen. Jedermann kann sich schnell informieren und mitmachen, ist aber genauso in der Lage, zügig wieder abzuspringen. Echtes Interesse an Politik und die Bereitschaft, demokratisch mitzuwirken, muss daher nicht zwangsläufig dahinter stehen – es kann sich auch schlicht um Aktionismus, Trittbrettfahren oder Opportunismus handeln.<br />
Dieser Umstand stellt eine Herausforderung für die Politik dar, weil die Bündelungsfunktion von klassischen intermediären Kräften wie Parteien, Vereinen oder Interessenverbänden zunehmend wegfällt. Die Politik reagiert darauf etwa in Form von Bürgersprechstunden, Online-Umfragen oder E-Mail-Korrespondenz, bisweilen auch mit Twitter oder Facebook. Wie weit sich der Schwerpunkt solcher Angebote vom Stimmungsbarometer hin zur Mitbestimmung verlagert, bleibt aber noch abzuwarten. Bisher sind – abgesehen von den Bemühungen der Piratenpartei – internetbasierte Mechanismen noch wenig etabliert.</p>
<h3><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/5526033206_7f113ef088_z.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-125761 alignleft" title="Originalbild von n tan kwon via FlickR" alt="" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/5526033206_7f113ef088_z-305x456.jpg" width="305" height="456" /></a>Nicht jeder kann mitspielen</h3>
<p>Dieser Aspekt macht auf das direktdemokratische Potential der Neuen Medien aufmerksam, das von immer mehr Menschen entdeckt, aber von vielen auch kritisch bewertet wird. Dabei geht es um das Internet als Mittel zur politischen Teilhabe. Das spart Zeit und Geld und verspricht daher einen unmittelbaren Zugang zur Politik. Eine Möglichkeit sind Online-Petitionen, aber auch Vorabstimmungen zu bestimmten Entscheidungen, wie auf der Ebene der EU praktiziert. In diesem Zusammenhang wird jüngst immer wieder die sogenannte E-Democracy diskutiert, die vielfältige Möglichkeiten der Partizipation &#8211; bis hin zum Wahlakt &#8211; erlaubt. Auf der anderen Seite darf allerdings nicht vergessen werden, dass nicht jeder das World Wide Webe gleichermaßen nutzt bzw. nutzen kann. Die digitale Spaltung zwischen den sogenannten digital natives und weniger netzaffinen Menschensorgt beispielsweise dafür, dass die Wahrscheinlichkeit der Beteiligung bei bestimmten Gruppen höher ist . Zudem stellt sich die Frage, ob sich auf diese Art und Weise auch komplexe Fragen beantworten lassen, die für die Allgemeinheit von Interesse sind. Schließlich sind bisher ja nur kleine und zu spezifischen Themen mobilisierte Teilöffentlichkeiten daran beteiligt, die ihre eigenen Interessen durchsetzen wollen – das Gemeinwohl wird dabei in der Regel nicht vertreten.</p>
<h3>Rechtliche Aspekte</h3>
<p>Musik- oder Videoportale stellen eine nicht unerheblich Herausforderung dar, denn in diesem Zusammenhang kommen verschiedene rechtliche Aspekte zum Tragen. Produktpiraterie oder illegale Downloads sind längst zu einer Angelegenheit geworden, die auch junge Menschen im Alltag betrifft. Problematisch ist, dass sich nicht alle darüber im Klaren sind, dass sie sich auf dünnem Eis bewegen. Zudem hinterlässt das Surfen im Internet Spuren. Aus diesem Grund muss auch die Privatsphäre der Nutzer zum Thema werden, etwa um Mobbing oder Cyberhate zu verhindern. Medienkompetenz bedeutet hier vor allem ein Bewusstsein für die Gefahren zu entwickeln, die sich aus einem allzu freizügigen Umgang mit sensiblen Daten ergeben.<br />
Ein ganz anderes Problem stellt der Extremismus dar. Das Internet bietet radikalen Gruppen eine Kommunikationsplattform für illegale und verfassungsfeindliche Aktivitäten sowie zur Verbreitung von Propaganda. Hier geht es für die politische Bildung darum, solche Angebote zu enttarnen und die jungen Menschen auf den radikalen Hintergrund hinzuweisen. Hier tut sich bereits Einiges auf politischer, gesellschaftlicher und schulischer Ebene, etwa durch Projekte oder Materialien sowie Angebote zur Prävention. Das Internet müsste dabei mehr in den Mittelpunkt rücken, weil mittlerweile mehr und mehr im Verborgenen geschieht.</p>
<h3>Ausblick</h3>
<p>Mit der Digitalisierung sind vielfältige Herausforderungen für die politische Bildung verbunden. Dazu gehören die Qualität der medialen Informationen und ihre Wirkung auf Politik und Bürger, ihr direktdemokratisches Potential, aber auch rechtliche Herausforderungen, die aus der Grenzenlosigkeit des Netzes entstehen. Die Auseinandersetzung mit neuen Formen steht an vielen Stellen noch am Anfang. Wichtig ist es daher, Motivation zum Erlernen des Umgangs mit neuen Medien zu schaffen, damit das Potential des Internets sinnvoll genutzt wird. Vor allem die Möglichkeit, sich verschiedene Ansichten einzuholen, sich auszutauschen und gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln, bietet Freiräume. Dafür müssen sich die Bürger aber auf die Ambivalenz im Netz einlassen und in seinen Tiefen nach den Fakten suchen, die für sie relevant sind. Aufgabe der politischen Bildung wird es sein, ihnen dabei zur Seite zu stehen.</p>
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