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	<title>nhaenel &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>nhaenel &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Uni-Streik in Hessen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Dec 2003 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uni-Streik]]></category>
		<category><![CDATA[Koordination]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Proteste der Studierenden, die von Kürzungen betroffen sein werden, lassen nicht nach. Das Internet spielt eine zentrale Rolle bei der Organisation der Aktionen. Auch ein Weblog wird eingesetzt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Proteste der Studierenden, die von Kürzungen betroffen sein werden, lassen nicht nach. Das Internet spielt eine zentrale Rolle bei der Organisation der Aktionen. Auch ein Weblog wird eingesetzt.<!--break--><br />
                    </p>
<p>Der Streik der Hochschulen geht in die nächste Runde. Viele hessische Unis werden bereits seit Anfang November von den Studierenden bestreikt. Die Aktionen, die seitdem durchgeführt werden, verfolgen in erster Linie das Ziel, die „<br />
                    <a href="http://www.operation-sichere-zukunft.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Operation Sichere Zukunft</a>“ anzuprangern. Ein Gesetzespaket der hessischen Landesregierung unter Leitung des Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) will mit Einsparungen im Sozial- und Bildungsbereich eine Milliarde Euro im Haushalt 2004 einsparen.</p>
<p>
                    <strong>Uni als Geldquelle</strong><br />
                    <br />Die Hochschulen und Studierenden sind in zweierlei Hinsicht von diesem Gesetz betroffen. Einerseits sieht das Gesetz vor, 30 Millionen Euro an den hessischen Hochschulen einzusparen. Kritiker befürchten, dass auslaufende Dozentenstellen nicht neu besetzt werden können und sich dadurch die Studiensituation verschlechtern würde. Weiterhin sollen ab dem nächsten Jahr Verwaltungsgebühren für alle Studierenden und Studiengebühren für Langzeitstudierende eingeführt werden, welche durch das Studienguthabengesetz (<br />
                    <a href="http://www.hmwk.hessen.de/aktuelles/auszug_zsg_entwurf_stugug.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pdf</a>) legitimiert werden sollen, das Teil der „Operation Sichere Zukunft“ ist.</p>
<p>
                    <strong>Ausnahmezustand in Marburg</strong><br />
                    <br />Nach der 2. Lesung zum Gesetz am 27.11.2003 fanden an vielen Hochschulen Vollversammlungen statt, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Die Studierenden haben zusammen mit der Studierendenvertretung (AstA) den universitären Ausnahmezustand beschlossen. An einzelnen Streiktagen werden mit Rotationsstreiks medienwirksame Aktionen durchgeführt, die den Blick auf den 16.12.2003 lenken sollen, der Tag, an dem die dritte Lesung des Gesetzes stattfinden wird..</p>
<p>
                    <strong>Das Internet als Knotenpunkt</strong><br />
                    <br />Die Studierenden nutzen das Internet als Medium, um ihre Aktionen zu planen und zu koordinieren, auch wenn die Aktionen zum Großteil „offline-Charakter“ haben. Am Freitag, den 5.12., findet in der Festhalle in Frankfurt die Auslosung der Begegnungen der Fußball WM 2006 durch die FIFA statt. Ministerpräsident Roland Koch wird ebenfalls an dieser Veranstaltung teilnehmen. Um das große Medienaufgebot dieser Veranstaltung für sich zu nutzen, haben die Studierenden zu einer Demo vor der Festhalle aufgerufen. Die Koordination zwischen den Unis in Hessen läuft fast ausschließlich über das Internet.</p>
<p>Die Koordination der über 70 Aktions- und Planungskreise in Marburg läuft über die Website<br />
                    <a href="http://www.education-project.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.education-project.de</a>. Die von Studierenden entworfene und geleitete Site enthält Informationen zu anstehenden Aktionen, die Möglichkeit, mit anderen Interessierten zu chatten und ein Forum, in dem die neusten Termine und Vorschläge ausgetauscht werden können. Diese Form der Vernetzung ermöglicht es, viele Studierende kurzfristig zu mobilisieren und so auch spontane Aktionen zu koordinieren. Außerdem bietet die Site viele Hintergrundinformationen zum Gesetz, den Aktionen anderer Universitäten und den Stellungnahmen der hessischen Landesregierung.</p>
<p>Eine weitere Form der Interaktivität bietet das Weblog (Online-Tagebuch)<br />
                    <a href="http://protest.blogger.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://protest.blogger.de/</a>. Dort findet der Interessierte neben Artikeln zum Thema Studiengebühren und Bildungsabbau in Hessen auch eine ausführliche Linksammlung. Weiterhin können dort eigene Artikel veröffentlicht werden.</p>
<p>Die Regierung reagiert<br />
                    <br />Die Landesregierung hat ihrerseits ebenfalls reagiert und bietet seit kurzem auf ihrer<br />
                    <a href="http://www.hessen.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Homepage</a> Informationen zum Studienguthabengesetz an. Wer allerdings auf der Seite<br />
                    <a href="http://www.operation-sichere-zukunft.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.operation-sichere-zukunft.de</a> hofft, sich mit anderen Interessierten austauschen zu können, wird leider enttäuscht. Das Forum auf der Site ist der einzige Menüpunkt, der nicht mit Inhalt hinterlegt ist.<br />
                    </p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 03.12.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></p>
<table cellspacing="0" cellpadding="2" width="390" border="0">
<tbody>
<tr>
<td align="middle">
                            <em><br />
                              <a href="mailto:redaktion@politik-digital.de?subject=Artikel:">Kommentieren Sie diesen Artikel!</a><br />
                            </em></p>
<p>                            <em><br />
                              <a href="/salon/diskussion/">Diskutieren Sie mit anderen in unserem Forum!</a><br />
                            </em><br />
                            
                          </td>
</tr>
</tbody>
</table>
<hr class="tidy-3" width="390" noshade="noshade" size="1" />
                    </p>
<p>
                      <strong>Weiterführende Artikel:</strong>
                    </p>
<ul class="noindent"></ul>
<p>
                    <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkampagnen/index.shtml#streik"><br />
                      <strong>Dossier Uni-Streik</strong><br />
                    </a><br />
                    <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkampagnen/index.shtml#streik"></a><br />
                    <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Überwachung auf der Überholspur</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/econsumer-datenschutz-tollcoll-shtml-3199/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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		<category><![CDATA[Sicherheit]]></category>
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					<description><![CDATA[Wieder Ärger um die Lkw-Maut. Bürgerrechtler befürchten, dass das Maut-System die totale Verkehrsüberwachung ermöglicht. Löst das neue Telekommunikationsgesetz einen Konflikt zwischen Datenschutz und Strafverfolgung aus?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wieder Ärger um die Lkw-Maut. Bürgerrechtler befürchten, dass das Maut-System die totale Verkehrsüberwachung ermöglicht. Löst das neue Telekommunikationsgesetz einen Konflikt zwischen Datenschutz und Strafverfolgung aus?<!--break-->
                    </p>
<p>Ein Zusammenschluss verschiedener Bürgerrechtler, unter anderem der Chaos Computer Club, die Internationalen Liga für Menschenrechte, die Deutschen Vereinigung für Datenschutz und FoeBuD e.V. (Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs) weisen in einer<br />
                    <a href="http://www.ccc.de/press/releases/2003/CCC20031104">Presseerklärung</a> auf einen massiven Verstoß der Firma Toll Collect gegen Datenschutzrichtlinien hin und werfen ihr vor, mit ihrem Maut-System ein Überwachungsinstrument geschaffen zu haben.</p>
<p>
                    <strong>Was ist Toll Collect?</strong><br />
                    <br />Der Hintergrund: Das Konsortium Toll Collect hat im Auftrag der Bundesverkehrsministeriums ein Mautsystem entwickelt, das Daten der teilnehmenden Lkw zur Überprüfung der Einhaltung der Mautpflicht aufzeichnet. An Toll Collect sind DaimlerChrysler, die Telekom sowie das französische Unternehmen Cofiroute beteiligt. Durch die satellitengestützte Technik ist es möglich, die genaue Position eines Lkw jederzeit zu überprüfen. Außerdem sollen Kameras Schwarzfahrer per Videoaufnahme bzw. Beweisphotos überführen. Allerdings ist es technisch nicht ausgeschlossen, dass durch diese Rundumüberwachung auch der private Verkehrsteilnehmer erfasst wird. Hier sieht der Zusammenschluss der Bürgerrechtler einen Verstoß gegen die Rechte des Einzelnen. Die Maßnahmen würden zu einem „individualisierten Straßenverkehr“ führen und es Behörden, Polizei, Geheimdiensten, usw. ermöglichen, genaue Bewegungsprofile zu erstellen.</p>
<p>
                    <strong>And the Award goes to ….</strong><br />
                    <br />Die Firma Toll Collect hat bereits 2002 den „Big Brother Award“ erhalten, welcher „an Firmen, Organisationen und Personen verliehen wird, die in besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen oder persönliche Daten Dritten zugänglich machen“. Die Verfasser der Presseerklärung beklagen außerdem, dass sich die Bundesregierung trotz günstigerer und effizienterer Systeme anderer Anbieter für das der Firma Toll Collect entschieden habe. Sie vermuten, dass diese Entscheidung damit zusammenhänge, dass das System explizit für das Sammeln und Auswerten von Daten konzipiert wurde und somit die Weitergabe der Daten an die entsprechenden Behörden vereinfacht werden könnte. Toll Collect hat zu diesem Vorwurf Stellung bezogen und versichert, dass die gesammelten Daten nur zur Überprüfung der Einhaltung der Mautgebühren benutzt würden und der gesetzlich erlaubte Rahmen eingehalten werde. Das Autobahnmautgesetz sieht für die Mautdaten eine Zweckbindung vor, die jede andere Verwendung als für das Mautsystem ausdrücklich ausschließt.</p>
<p>
                    <strong>Überwachung gesetzlich verankert</strong><br />
                    <br />Der umstrittene Entwurf eines neuen Telekommunikationsgesetzes (TKG) lässt Zweifel an dieser Aussage zu. Den Entwurf hatte die Bundesregierung am<br />
                    <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzrecht/bigbrother03.shtml">15. Oktober beschlossen</a>. Wenn Toll Collect ein Telekommunikationsdiensteanbieter ist, kann das TKG angewendet werden. Toll Collect bietet ein Kommunikationssystem an , welches Daten sammelt und auswertet und wäre daher verpflichtet, bei bereits geringem Verdachtsmoment die Daten an die zuständige Strafverfolgungsbehörde weiterzuleiten. Hier würde der Datenschutz auf legale Weise aufgehoben und die Strafverfolgung höher bewertet als die Zweckbindung.</p>
<p>Diese Sichtweise wurde vom Amtsgericht Gummersbach bestätigt, welche Toll Collect verpflichtete, der Polizei gesammelte Daten eines gestohlenen Lastwagens zu übermitteln. Toll Collect musste allerdings eingestehen, dass sie dazu technisch momentan noch nicht in der Lage sei, da die Daten noch zu unzuverlässig seien, wie ein Sprecher von Toll Collect gegenüber heise online sagte.</p>
<p>
                    <strong>Kampf gegen die Verkehrsüberwachung</strong><br />
                    <br />Die Bürgerrechtler fordern daher die Bundesregierung auf, „sowohl alle Unterlagen zu dem System, insbesondere die mit Toll Collect abgeschlossenen Verträge und die Überwachungsplanungen für die Öffentlichkeit offen zulegen als auch die Möglichkeit der Vertragskündigung zu nutzen, um die undemokratisch, ja totalitär anmutende Vision eines Verkehrs-Big-Brothers abzuwenden.“</p>
<p>Es ist abzuwarten, ob das TKG in seiner jetzigen Form durch Bundesrat und Bundestag geht. Beobachter mutmaßen, dass diverse Punkte, vor allem in den Bereichen Datenschutz, Überwachung und Datenspeicherung noch überarbeitet werden, bevor das Gesetz verabschiedet wird. Die Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder kritisiert scharf die vom Rechtsausschuss des Bundesrates vorgeschlagene Pflicht zur Vorratsdatenspeicherung für sechs Monate. „Gegen eine solche Regelung bestehen erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken“, erklären die Datenschützer, denen auch der neue Bundesbeauftragte für den Datenschutz Peter Schaar angehört. Den TKG-Entwurf der Bundesregierung bewerten die obersten Datenschützer als „gravierende Verschlechterungen des Datenschutzes“. Weitere umstrittene Datenschutzthemen sind Flugpassagierdaten und die Aufnahme biometrischer Merkmale wie Fingerabdrücke oder gar DNS-Daten in Personalausweisen. Es wartet also auf den neuen Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar noch einiges an Arbeit in nächster Zeit.<br />
                    </p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 26.11.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                    <!-- Content Ende --></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Kommunikationsguerilla oder &#8220;Wie stoppe ich den Rasenmähermann?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/netzkampagnen-rasen-shtml-2787/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/netzkampagnen-rasen-shtml-2787/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Studenten]]></category>
		<category><![CDATA[Studentenstreik]]></category>
		<category><![CDATA[Kürzung]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Studiengebühr]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Menschen gehen auf die Straße gegen Sozial- und Bildungsabbau. Die Universitäten werden bestreikt. Wie funktioniert die Koordination mit Hilfe des Internet?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Menschen gehen auf die Straße gegen Sozial- und Bildungsabbau. Die Universitäten werden bestreikt. Wie funktioniert die Koordination mit Hilfe des Internet?<!--break-->
                    </p>
<p>Die hessische Landesregierung unter der Leitung von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) führt unter dem Namen &#8220;Operation Sichere Zukunft&#8221; massive Kürzungen im sozialen und bildungspolitischen Bereich, sowie eine Einführung von Studiengebühren zur Finanzierung des maroden Landeshaushaltes durch. Die Landesregierung bezeichnete diese Maßnahmen als „Rasenmähermethode“, womit gemeint ist, dass alle Bereiche unter den Kürzungen leiden werden müssten. In der Realität sieht es aber so aus, dass vor allem die Sozial- und Bildungsbereiche empfindliche Einbußen hinnehmen müssten. So soll das Sozialbudget um<br />
                    <a href="http://www.gruene-fraktion-hessen.de/rsvgn/rs_dok/0,,45952,00.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">über 35% gekürzt</a> werden. Das betrifft z.B. Schuldnerberatungsstellen, Eltern- und Erziehungsberatungsstellen, Familienbildungsstätten und Projekte zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, die ab 2004 keine staatliche Unterstützung mehr erhalten werden,<br />
                    <a href="http://www.hessen.de/stk/gbgateinvoker.cfm/PM_Sparpaket_Sammelmeldung3.pdf?gbAction=gbFileDownload&amp;ObjectID=7A00B676-D018-4DB3-9B6B589BE4C706E6&amp;index=7" target="_blank" rel="noopener noreferrer">falls das Gesetz abgesegnet werden sollte</a>.</p>
<p>
                    <strong>Kein Geld für Bildung</strong><br />
                    <br />Die Lage an den Hochschulen sieht ähnlich bedrohlich aus.<br />
                    <br />Die Landesregierung will ab 2004 Verwaltungsgebühren in Höhe von 50 EUR pro Semester für alle Studierenden und Studiengebühren von 500-1500 EUR pro Semester für sogenannte Langzeitstudierende erheben. Durch die als Verwaltungsgebühren getarnten Studiengebühren wird potentiellen Hochschulbesuchern der Einstieg ins Studium erschwert oder sogar verhindert. Denn wenn das Gesetz einmal abgesegnet wurde, steht der baldigen Erhöhung der Beträge nicht mehr viel im Wege. Die erhobenen Gebühren fließen fast komplett in den Landeshaushalt und die Universitäten, denen durch die Erhebung dieser Kosten ein Mehraufwand entsteht, erhalten nur einen kleinen Bruchteil der Gelder.</p>
<p>Die jetzt schon schwierigen Studienbedingungen werden noch zusätzlich dadurch verschärft, dass durch die &#8220;Operation Sichere Zukunft&#8221; 30 Mio. EUR im Hochschulsektor eingespart werden sollen und somit z.B. dringend benötigte Dozentenstellen nicht mehr besetzt werden können und kleinere Fachbereiche um ihre Existenz bangen müssen.</p>
<p>„<br />
                    <strong>Spar Wars – The university streiks back“</strong><br />
                    <br />Diese Umstände haben dazu geführt, dass die Studierenden hessenweit ihrem Unmut Luft gemacht haben. Auf ihren Vollversammlungen haben die Studierenden nahezu aller hessischen Unis, aber auch in weiteren Städten wie Bremen, Berlin, Bonn, Köln und Kiel den Streik beschlossen.</p>
<p>Die Koordination der Streikaktionen funktioniert mittlerweile nicht mehr ohne die Hilfe des Internet. Die Studierenden der Uni Marburg haben beispielsweise zu diesem Zweck die Site<br />
                    <a href="http://www.education-project.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.education-project.de</a> ins Leben gerufen, auf der die neuesten Veranstaltungen angekündigt werden und die vergangenen Aktionen mit Bildern und Artikeln abgerufen werden können. Außerdem verfügt die Site über ein Forum, in dem die über 70 Arbeitskreise, unter anderem zu Themen wie „Alternatives Lehrprogramm“ (von Studierenden und Lehrenden zum Thema Sozial- und Bildungsabbau), „Sozialabbau“ (Vernetzung mit außeruniversitären Gruppen), „Aktionen“ usw. ihre Arbeit koordinieren und vernetzen können. Durch einen Newsletter kann sich der interessierte Leser immer mit den neuesten Informationen versorgen lassen.</p>
<p>Aber auch andere Formen werden zur Vernetzung genutzt. Beispielsweise findet man unter<br />
                    <a href="http://protest.blogger.de/stories/12228/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://protest.blogger.de/stories/12228/</a> einen Webblog zum Thema Studiengebühren und Streikaktionen. Eine interaktive Form des Protestes im Internet bietet die Site<br />
                    <a href="http://www.petitiononline.com/2311031/petition.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">http://www.petitiononline.com/2311031/petition.html</a>. Hier haben Studierende der Uni Marburg eine Online-Petition ins Leben gerufen, die sich gegen den geplanten Sozial- und Bildungsabbau richtet. Hier hat jeder Bürger die Möglichkeit, mit seiner Online-Stimme ein Zeichen zu setzen. Die Studierenden versuchen, bis zum 23.11. so viele Stimmen wie möglich zu sammeln und der hessischen Landesregierung zukommen zu lassen, bevor das Gesetz zur „Operation Sichere Zukunft“ verabschiedet wird.</p>
<p>Den Höhepunkt der Proteste dürfte die Großdemonstration in Wiesbaden am 18.11. bilden, zu der Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet erwartet werden. Der Aufruf zu dieser Demo wird nicht nur von den Studierenden, sondern auch von Institutionen wie DGB, GEW, IGM und ver.di<br />
                    <a href="http://www.hessen-kahlschlag.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unterstützt</a>.</p>
<p>
                    <strong>Jemand zu Hause?</strong><br />
                    <br />Wenn man einen Blick auf die „Gegenseite“ wirft, also auf<br />
                    <a href="http://www.hessen.de/stk/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">die Sites der hessischen Landesregierung</a> oder des<br />
                    <a href="http://www.kultusministerium.hessen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hessischen Kultusministerium</a> wird man erstaunt feststellen, dass man dort keinen Hinweis darauf findet, dass sich eine Protestaktion erhoben hat, die fast alle Bereiche der Bevölkerung betrifft. Das Thema „<br />
                    <a href="http://www.operation-sichere-zukunft.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Operation Sichere Zukunft</a>“ besitzt zwar eine eigene Website, aber auch hier findet man keine Möglichkeit, seine Meinung zu artikulieren. Der Menupunkt „Forum“ ist als einziger nicht hinterlegt, im Bereich „Service“ wird einem nur das entsprechende Logo in verschiedenen Größen angeboten. Den Service, interaktiven Gedankenaustausch mit Betroffenen der Sparmaßnahmen oder Verantwortlichen führen zu können, sucht man vergebens.</p>
<p>Man kann also klar festhalten: 1:0 für die Studierenden!<br />
                    </p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 15.11.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p></p>
<table cellspacing="0" cellpadding="2" width="390" border="0">
<tbody>
<tr>
<td align="middle">
                            <em><br />
                              <a href="mailto:redaktion@politik-digital.de?subject=Artikel:">Kommentieren Sie diesen Artikel!</a><br />
                            </em></p>
<p>                            <em><br />
                              <a href="/salon/diskussion/">Diskutieren Sie mit anderen in unserem Forum!</a><br />
                            </em><br />
                            
                          </td>
</tr>
</tbody>
</table>
<hr class="tidy-3" width="390" noshade="noshade" size="1" />
                    </p>
<p>
                      <strong>Weiterführende Artikel:</strong>
                    </p>
<ul class="noindent">
<li>
                      <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkampagnen/index.shtml#streik"><br />
                        <strong>Dossier Uni-Streik</strong><br />
                      </a><br />
                      <!-- Content Ende --></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Eine Steuerreform auf Pump lehne ich ab.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/eine-steuerreform-auf-pump-lehne-ich-ab-281/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/eine-steuerreform-auf-pump-lehne-ich-ab-281/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindefinanzreform]]></category>
		<category><![CDATA[Euro-Stabilitätspakt]]></category>
		<category><![CDATA[Subventionsabbau]]></category>
		<category><![CDATA[Dagmar Wöhrl]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitsreform]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/eine-steuerreform-auf-pump-lehne-ich-ab-281/</guid>

					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/dwoehrl.jpg" alt="Dagmar Wöhrl" align="left" border="0" height="90" width="74" /></b> 
<span style="color: #000000"><b><b>Dagmar Wöhrl, wirtschaftspolitische 
Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, am 24. September 2003 zu Gast 
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/dwoehrl.jpg" alt="Dagmar Wöhrl" align="left" border="0" height="90" width="74" /></b><br />
<span style="color: #000000"><b><b>Dagmar Wöhrl, wirtschaftspolitische<br />
Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, am 24. September 2003 zu Gast<br />
im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Heute ist die wirtschaftspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag,<br />
Dagmar Wöhrl (CSU), zum Chat ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Kann<br />
es losgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ja</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Der Fraktionsvize Friedrich Merz hat mit seinem Rückzug vom Rückzug<br />
für viel Aufregung in der Unionsfraktion gesorgt. Nun streiten sich<br />
die Geister. Hat er damit Angela Merkels Position gestärkt oder geschwächt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Also, Angela Merkel hat gestern ein sehr gutes Ergebnis bekommen bei ihrer<br />
Wahl zur Fraktionsvorsitzenden der Union, so dass es keinesfalls zu einer<br />
Schwächung gekommen ist. Wir sind froh, dass sich Herr Merz gestern<br />
wieder zur Wahl als Fraktions-Vize gestellt hat, denn er ist einer der<br />
fähigsten Wirtschafts- und Finanzpolitiker der Union.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ehrich</b>:<br />
Was waren die Motive des Zickzack-Kurses von Friedrich Merz vor der Wahl<br />
zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Er hat seine Kritik an der Gesundheitsreform zum Ausdruck gebracht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lassie</b>:<br />
Merz, mit dem schlechtesten Ergebnis aller Stellvertreter, hat einen Denkzettel<br />
verpasst bekommen. Er verteidigt sich, dass er in der Sache ein Thema<br />
angesprochen habe, &quot;bei dem viele Kolleginnen und Kollegen mit mir<br />
einer Meinung sind, sowohl vom Verfahren wie vom Inhalt. Diese Gesundheitsreform<br />
ist für uns eine schwere Entscheidung.&quot; Auch für Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Dass wir alle nicht glücklich sind, über diese Gesundheitsreform,<br />
kann man, glaube ich, verstehen. Wichtig wäre eine große Strukturreform<br />
gewesen, aber wenn man einen Konsens finden will, müssen natürlich<br />
auch Abstriche gemacht werden. Wenn wir an der Regierung gewesen wären,<br />
hätte eine Gesundheitsreform anders ausgesehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie werden Sie im Bundestag abstimmen? Mit Ja oder Nein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich werde mit Ja abstimmen. Aber auch in dem Wissen, dass es nicht das<br />
Ende einer Gesundheitsreform ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ernie</b>:<br />
Gemeindefinanzreform: Auf welcher Seite stehen sie? Auf der Seite des<br />
Städtetages oder stimmen sie dem BDI (die Gewerbesteuer abzuschaffen)<br />
zu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Nach meiner Auffassung entspricht keiner der beiden Vorschläge einer<br />
richtigen Gemeindefinanzreform. Es müssen nochmals neue Vorschläge<br />
erarbeitet werden. Da die Gemeinden und Städte jedoch mit dem Rücken<br />
an der Wand stehen, hat die Union einen Sofortprogramm-Antrag eingebracht,<br />
wonach den Kommunen auf ein Jahr befristet der Umsatzsteueranteil erhöht<br />
werden soll und die von Rot-Grün erhöhte Gewerbesteuerumlage<br />
von 28 auf 20 Prozent zurückgenommen werden soll. Ich bin ein absoluter<br />
Gegner davon, ertragsunabhängige Elemente wie auch Mieten, Leasingraten<br />
und Zinsen in die Berechnung mit aufzunehmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Klagen der Kommunen werden immer &quot;lauter&quot; &#8211; trotzdem scheinen<br />
Sie keine richtig &quot;Lobby&quot; in der Bundespolitik zu haben oder<br />
täuscht der Eindruck?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Die größten Lobbyisten bei der Gemeindefinanzreform sind die<br />
Politiker selbst, da sehr viele früher in der Kommunalpolitik tätig<br />
gewesen sind und die Beschwerden der Bürger in ihren Wahlkreisen<br />
über Schließungen von Schwimmbädern, Schulbüchereien,<br />
usw. hautnah mitbekommen. Auch ich komme aus der Kommunalpolitik und kann<br />
so meine Erfahrungen aus dieser Zeit mit einbringen. Eigentlich sollte<br />
jeder Bundespolitiker vorher in der Kommunalpolitik tätig gewesen<br />
sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kohler</b>:<br />
Welche anderen Subventionen sollen abgebaut werden? Was werden Koch und<br />
Steinbrück am kommenden Dienstag vorstellen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Also: Was wissen Sie schon?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Also, ich weiß noch nichts genaues, aber ich gehe davon aus, dass<br />
eine Pauschalenkürzung von 10 % über 3 Jahre vorgeschlagen wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hugo_Boss</b>:<br />
Die Kürzung der Pendlerpauschale ist im Haushaltsbegleitgesetz 2004<br />
Teil eines umfassenden Subventionsabbaus. Sind Sie gegen die Kürzung<br />
der Entfernungs-Pauschale für Berufspendler auf 15 Cent?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Die Entfernungspauschale ist für ein Flächenland wie Bayern<br />
eine wichtige Angelegenheit, deswegen bin ich nicht für diese Kürzung.<br />
Außerdem muss man sehen, dass diese Entfernungspauschale von Rot-Grün<br />
als Kompensation für die Erhöhung der Ökosteuer eingeführt<br />
worden ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Damit stellt sich die Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lacoste</b>:<br />
Hat die Kürzung der Pendlerpauschale im Bundesrat eine Chance?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich glaube nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Maja</b>:<br />
Aber ökologisch ist es doch sinnvoll, wenn Pendler den ÖPNV<br />
benutzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Sicher ist es sinnvoll, aber in vielen Gegenden gibt es keine Angebot<br />
des öffentlichen Personen-Nahverkehrs.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>petermann25</b>:<br />
Sie sagen, dass ein „Befreiungsschlag“ auf dem Arbeitsmarkt<br />
nötig ist. Aber wie genau sieht denn so ein Befreiungsschlag aus?<br />
Wie sollen neue Arbeitsplätze finanziert werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Wichtig ist, dass unsere Betriebe wieder mehr Luft zum Atmen bekommen.<br />
Arbeitsplätze werden nun mal von Unternehmern geschaffen. Leider<br />
ist die wirtschaftliche Lage unseres Standortes zur Zeit nicht gerade<br />
rosig. Unternehmer sind verunsichert. Sie wissen nicht, was auf sie zukommt.<br />
Nicht nur hinsichtlich ihrer Auftragslage, sondern auch vor allem hinsichtlich<br />
der Gesetzgebung der Regierung. Diese äußert sich in einem<br />
Hü und Hott und lässt jegliches Gesamtkonzept vermissen. Nicht<br />
alles kostet Geld, was von der Regierung auf den Weg gebracht werden müsste.<br />
Einer der wichtigsten Punkte wäre eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.<br />
Als Beispiel will ich hier erwähnen: betriebliche Bündnisse<br />
für Arbeit in den Betrieben oder z.B. das Kündigungsschutzgesetz.<br />
In unserem Antrag des Arbeitsmarktmodernisierungsgesetzes der Union sind<br />
viele Forderungen enthalten von Wiedereinführung des alten Teilzeitgesetzes<br />
bis hin von Einstellungen von Mitarbeitern während der Probezeit<br />
unter Tarif. Ein ganz wichtiger Punkt ist unser Ziel, die Lohnnebenkosten<br />
zu senken. Leider geht die Schere zwischen brutto und netto immer weiter<br />
auseinander und die Menschen haben netto immer weniger Geld in der Tasche.<br />
Vor allem der personalintensive Mittelstand, der sowieso schon unter einer<br />
geringen Eigenkapitalquote zu leiden hat, ist besonders stark davon betroffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paris</b>:<br />
Reformen a la Stoiber heißt aber auch, Pleiten wie Kirch hinzunehmen?<br />
Herr Stoiber ist da nicht besser als Herr Clement in NRW!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pumuckl</b>:<br />
Aber ist das nicht auch das Erbe der langen Kohlregierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Dass auch während unserer Regierungszeit Fehler gemacht worden sind,<br />
wird, glaube ich, niemand bestreiten. Als Beispiel kann man hier das Frühverrentungsgesetz<br />
nennen, womit sich viele Unternehmen auf Kosten des Staates von älteren<br />
Mitarbeitern getrennt haben, ohne im Gegenzug, wie mit dem Gesetz angedacht,<br />
Arbeitsplätze mit jüngeren Mitarbeitern zu schaffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Resterampe</b>:<br />
Wie viel Wachstum brauchen wir wirklich, um am Arbeitsmarkt Effekte zu<br />
erzielen, die auch die vielen schlecht ausgebildeten Arbeitslosen miteinbeziehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Man geht davon aus, dass wir in Deutschland mindestens ein Wachstum von<br />
2,0 % benötigen, um zu einem Beschäftigungszuwachs zu kommen.<br />
Andere Staaten benötigen ein viel geringeres Wachstum, die USA z.B.<br />
nur 0,7 %. Das zeigt, dass wir kein konjunkturelles Problem haben, sondern<br />
ein strukturelles. Mit großer Sorge habe ich letzte Woche vom IWF<br />
vernommen, dass Deutschland dieses Jahr das einzige Land in der Welt mit<br />
Null Wachstum sein wird. Ein Abbau unserer Arbeitslosigkeit scheint somit<br />
in weite Ferne gerückt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das klingt ziemlich hoffnungslos: 2% Wachstum, dann erst tut sich was.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Deswegen ist es notwendig, Mut zu haben und Strukturreformen anzugehen.<br />
Früher hat man immer gesagt, wir haben kein Erkenntnisproblem in<br />
der Politik, sondern wir haben ein Umsetzungsproblem. Ich sehe es inzwischen<br />
anders: Nämlich, dass wir ein Erkenntnisproblem haben, dass unsere<br />
jetzigen Strukturen wie z.B. unsere sozialen Sicherungssysteme in der<br />
bestehenden Form keine Zukunft mehr haben; aufgrund immer geringeren Beschäftigungszahlen<br />
und immer höherer Lebenserwartung der Menschen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>TollSammler</b>:<br />
Die Gegenfinanzierung der vorgezogenen Steuerreform durch Kredite: ist<br />
das sinnvoll?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zug</b>:<br />
Soll die Nachfrage der Konsumenten gestärkt werden, dann ist doch<br />
Eichel auf dem richtigen Weg: Wie würden sie die Bürger netto<br />
besser stellen, ohne mehr Schulden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Eine Steuerreform auf Pump lehne ich ab. Vergessen wird in der ganzen<br />
Diskussion, dass die Steuerreform schon vom Mittelstand durch Abschreibungsverschlechterungen<br />
vorfinanziert wurde. Für mich ist das ein populistischer Vorschlag,<br />
da es für die Länder und die Kommunen unmöglich ist, das<br />
benötigte Finanzvolumen in Milliardenhöhe aufzubringen. Ein<br />
ganz großes Problem ist die Schwäche unserer Binnenkonjunktur,<br />
die auch auf eine starke Konsumzurückhaltung zurückzuführen<br />
ist. Die Menschen sind verunsichert. Sie wissen bei dieser Regierung nicht<br />
woran sie sind, viele haben Angst um ihren Arbeitsplatz, viele um ihre<br />
Altersversorgung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kohler</b>:<br />
Müssen Schröder und Eichel die Stabilitätskriterien der<br />
EU einhalten oder würden sie die auch flexibel auslegen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich bin ein strikter Befürworter des Stabilitätspaktes. Deutschland<br />
hat unter Finanzminister Theo Waigl mit viel Mühe den Stabilitätspakt<br />
bei den anderen Mitgliedsländern der EU durchgesetzt. Ein Aufweichen<br />
des Paktes hätte schwerwiegende Folgen für den Euro. Deutschland<br />
wird unter Eichel nächstes Jahr das dritte Mal in Folge das Defizitkriterium<br />
von 3 % bei weitem überschreiten, so dass mit Strafzahlungen in Höhe<br />
von 10 Milliarden Euro an die Europäische Union zu rechnen ist. Wir<br />
können nur hoffen, dass die unsolide Haushaltspolitik Deutschlands<br />
in Europa keine Schule macht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch mal zu den Subventionen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oioi</b>:<br />
Subventionen abbauen, da fällt mir die Landwirtschaft als erstes<br />
ein. Ihnen auch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rwqrw</b>:<br />
Warum nicht endlich die Subventionen für Bauern und Häuslebauer<br />
abschaffen? Weil das ihre Wähler sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Es ist dringend notwendig, an die Subventionen heranzugehen. Dennoch bin<br />
ich der Auffassung, dass man zwischen strukturerhaltenden und investitionsfördernden<br />
Subventionen unterscheiden muss. Wissen muss man, dass die deutsche Landwirtschaft<br />
mit viel höheren Umwelt- und Tierschutzauflagen zu leben hat. Nichtsdestoweniger<br />
war die deutsche Landwirtschaft bereit, im Rahmen des EU-Abkommens mit<br />
der USA zur Agrarreform Subventionskürzungen hinzunehmen. Wichtig<br />
ist eine Diskussion: Wie sollen zukünftig Subventionen vergeben werden?<br />
Subventionen werden immer irgendwann notwendig sein, aber sie müssen<br />
von Anfang an befristet sein und nicht zur Dauereinrichtung werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ein ganz anderes &#8211; berechtigtes &#8211; Subventionsthema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerri</b>:<br />
Wie sieht es denn aus mit Subventionen für Kunst und Kultur? Das<br />
sind keine Gebiete, mit denen kurzfristig Geld verdient werden kann, trotzdem<br />
erscheinen sie mir förderungswürdig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Frage stellt sich vor allem angesichts der Finanzlage der Kommunen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Also ich setze hier sehr stark auf privates Engagement, vor allem der<br />
Unternehmen. Auch die IHK’s haben in diesem Zusammenhang schon einige<br />
Kulturstiftungen ins Leben gerufen, die sich durch Spenden von Unternehmen<br />
finanzieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Markus</b>:<br />
Frau Wöhrl, hätten Sie nicht Lust, den Merz zu beerben? Schon<br />
mal mit Frau Merkel darüber gesprochen? Oder darf das nur ein CDU’ler<br />
machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Ich glaube, dass sich diese Frage nicht stellt. Ich bin froh, mit Herrn<br />
Merz zusammen zu arbeiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Leser/innen und Fragende, die Stunde ist vorbei, vielen Dank für<br />
Ihr Interesse und die Fragen. Vielen Dank, Frau Wöhrl, dass Sie sich<br />
die Zeit genommen haben. Ein Terminhinweis noch: Am kommenden Dienstag,<br />
30.9.2003 ist Anna Lührmann voraussichtlich von 17.30 bis 18.30 Uhr<br />
bei uns Gast im ARD-Hauptstadtstudio. Die Grünen-Politikerin ist<br />
die jüngste Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Alle Chat-Transkripte<br />
finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht noch einen schönen Nachmittag und Abend.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dagmar Wöhrl</b>:<br />
Tschüß, bis vielleicht bald wieder einmal hier bei tacheles02.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Besser drei Staatssekretäre und zwanzig überflüssige Ministerialräte weniger, als beim kleinen Polizisten das Wei</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotbesser_drei_staatssekretaere_und_zwanzig_ueberfluessige_ministerialraete_weniger_als_beim_kleinen_po-288/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotbesser_drei_staatssekretaere_und_zwanzig_ueberfluessige_ministerialraete_weniger_als_beim_kleinen_po-288/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Sep 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Maget]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Landespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/quotbesser_drei_staatssekretaere_und_zwanzig_ueberfluessige_ministerialraete_weniger_als_beim_kleinen_po-288/</guid>

					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/fmaget.jpg" alt="Franz Maget" align="left" border="0" height="90" width="74" /></b> 
<span style="color: #000000"><b><b>Franz Maget, SPD-Spitzenkandidat bei 
der Landtagswahl in Bayern, am 2. September 2003 zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/fmaget.jpg" alt="Franz Maget" align="left" border="0" height="90" width="74" /></b><br />
<span style="color: #000000"><b><b>Franz Maget, SPD-Spitzenkandidat bei<br />
der Landtagswahl in Bayern, am 2. September 2003 zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Moderator</b>: Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen im<br />
tacheles.02-Chat. Unsere Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de und<br />
jetzt auch von sueddeutsche.de. Einen schönen Gruß an die Kolleginnen<br />
und Kollegen ins schöne München! Dort sitzt auch unser Chat-Gast,<br />
der SPD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Bayern am 21.September,<br />
Franz Maget.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Mit dem Chef der Landtagsfraktion<br />
beginnt auch unser kleines „Bayern-special“, das wir kommenden<br />
Dienstag mit CSU-Generalsekretär Thomas Goppel fortsetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Herr Maget, kann’s<br />
losgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
ja</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herr Maget, Sie haben dem CSU-Spitzenkandidaten und bayerischen Ministerpräsidenten<br />
Edmund Stoiber vorgeworfen, er wolle die &quot;Wähler täuschen&quot;.<br />
Stoiber wolle die Landtagswahl zur &quot;Ersatz-Bundestagswahl&quot; machen.<br />
Beim Zustand der rot-grünen Koalition in Berlin ist das doch kein<br />
Wunder, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Doch. Denn am 21. September geht es um die Zukunft Bayerns. Stoiber wird<br />
nicht Bundeskanzler werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Frank</b>:<br />
Sie sagten, dass Sie sich durchaus vorstellen können, 2008 die Regierung<br />
in Bayern zu stellen. Wie wollen Sie das erreichen in einem Bundesland,<br />
das schon seit über 30 Jahren fest in der Hand der CSU ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Durch gute politische Programme und glaubwürdige Personen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Dann hat es bisher an den guten politischen Programmen und glaubwürdigen<br />
Personen gefehlt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Nein. Aber an der Wechselstimmung in Bayern. Die wird kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michael Haders</b>:<br />
Bitte beschreiben Sie in fünf Punkten, was Sie besser als das derzeitige<br />
CSU-Regime machen wollen</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Regime? Wir wollen bessere Schulen mit höheren Abschlüssen.<br />
Zweitens mehr Ganztagsschulen. Drittens eine bessere Förderung der<br />
benachteiligten Regionen. Viertens eine Verkleinerung der Regierung, die<br />
zu teuer und aufwändig ist und fünftens weniger Filz und Machtarroganz,<br />
sondern mehr Bürgernähe und Ehrlichkeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Stammbacher</b>:<br />
Glauben sie wirklich, dass sie einen Erdrutschsieg der CSU bei dieser<br />
Wahl verhindern können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Ja. Denn die Menschen wollen keine Zweidrittelmehrheit einer Partei. Das<br />
finden die meisten grauenhaft.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/fmaget2.jpg" align="right" height="130" width="150" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Es langt also für die SPD in Bayern als Wahlziel die Verhinderung<br />
einer Zweidrittelmehrheit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Nein. Aber das ist schon auch wichtig. Wir haben das Ziel, besser zu werden<br />
und eine gestärkte Opposition.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>claudia</b>:<br />
Herr Maget, es wurde behauptet Ihre Kolleginnen und Kollegen in der Fraktion<br />
haben es sich auf den Bänken der Opposition bequem gemacht, der Wille<br />
zum Regieren in Bayern fehle. Was sagen Sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Natürlich gibt es bei einzelnen auch eine Oppositionsmentalität.<br />
Das gebe ich zu. Aber genau das will ich meiner Partei austreiben. Wir<br />
müssen wirklich gewinnen wollen. In München beweise ich seit<br />
Jahren, dass das auch möglich ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Susi</b>:<br />
Wie bewerten Sie die Weigerung Stoibers, sich auf ein TV-Duell mit Ihnen<br />
einzulassen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Feige oder herablassend. Ich finde es eigentlich selbstverständlich,<br />
dass ein Duell stattfindet. Hat Stoiber von Schröder übrigens<br />
auch gefordert und bekommen. Die Menschen sollen sich doch ein eigenes<br />
Bild für ihre Entscheidung machen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bettler</b>:<br />
In der „Welt am Sonntag“ vom 31. August wurde mehr als eindeutig<br />
kritisiert, dass Ihr Auftritt im Englischen Garten mit Familie nichts<br />
von der Idylle einer Familie Stoiber hatte. Ist solch eine Kritik in einem<br />
Land wie Bayern nicht tödlich für den Wahlkampf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Nichts gegen die Familie Stoiber. Aber meine Frau und meine Kinder möchten<br />
nicht zu Wahlkampfzwecken instrumentalisiert werden, sondern ihre Privatspähre<br />
bewahren. Außerdem ist meine Familie sehr nett und &#8211; wie mir gesagt<br />
wird &#8211; sehr sympathisch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Der User &quot;nk-mainfranken&quot; findet Ihre Kampagne wie das TV-Duell<br />
unseriös und:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>nk-mainfranken</b>:<br />
Daneben auch den Slogan Bayern gewinnt, das ist doch sehr platt. Auch<br />
die lapidare Forderung von Ganztagesschulen soll doch wohl verunsichern.<br />
Ich halte derartige Kampagnen für wenig zielführend.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Sie sind sehr anspruchsvoll! Ganztagsschulen sind von vielen gewünscht,<br />
das TV-Duell fair und der Slogan gar nicht schlecht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bachatz</b>:<br />
Herr Maget: Soweit mir bekannt ist, gibt es zum ersten Mal eine Kampa,<br />
welche die Aktivitäten der Bayern-SPD zur Landtagswahl bündelt.<br />
Sind Sie zufrieden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Ich sitze in der Kampa und darf keine ehrliche Antwort geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>juergen</b>:<br />
Wie wollen Sie Ihre Vorschläge, die sich gut anhören, finanzieren,<br />
z. B. mehr Ganztagsschulen? Das bedeutet doch auch mehr Lehrer oder wollen<br />
Sie z. B. das Deputat für Lehrer erhöhen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Das ist ein dringender gesellschaftlicher Bedarf, der gedeckt werden muss.<br />
Andere Länder, die ärmer sind, schaffen das auch. Es ist eine<br />
Frage der Prioritäten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dominic99</b>:<br />
Bayern ist das Bundesland mit der wenigsten Kriminalität, der niedrigsten<br />
Verschuldung, der zweitniedrigsten Arbeitslosigkeit und den stabilsten<br />
Wachstumsraten. Wie gehen Sie als Oppositionsführer mit dieser, auf<br />
den ersten Blick doch beeindruckenden Bilanz der Regierung Stoiber um?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Oder anders gesagt: Never Change a winning Team &#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Ich rede mein Land nicht schlecht, sondern anerkenne was gut läuft<br />
und wir nicht anders machen würden. Aber ich betone auch die Punkte,<br />
die wir besser machen würden. Im übrigen. Bayern droht gegenwärtig<br />
seine Spitzenstellung zu verlieren: die Arbeitslosigkeit steigt in Bayern<br />
besonders schnell und beim Wachstum sind wir nur noch Mittelfeld.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Auch wenn es nicht zu erwarten ist:<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/fmaget3.jpg" align="left" height="146" width="150" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>juergen</b>:<br />
Mich würde interessieren, wie die Prioritäten dann gestellt<br />
werden, wenn Sie an die Regierung kämen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Bildung hat Platz eins und ein Ausbildungsplatz für jeden Jugendlichen.<br />
Als zweites Staatsvereinfachung, Bürokratieabbau und Verkleinerung<br />
der Regierung. Das spart viel Geld. Die bayerische Staatskanzlei muss<br />
nicht so groß sein wie das Weisse Haus.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Also hinsichtlich der Größe der bayerischen Regierung gebe<br />
ich in Stoibers Worten zu bedenken: &quot;Das reißts auch nicht<br />
heraus&quot; &#8211; angesichts der Finanzlage, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Man muss die Treppe von oben kehren. Besser drei Staatssekretäre<br />
und zwanzig überflüssige Ministerialräte weniger, als beim<br />
kleinen Polizisten das Weihnachtsgeld kürzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Johannes</b>:<br />
Mal angenommen, die FDP schafft den Einzug in den Landtag &#8211; würden<br />
Sie das begrüßen (quasi als Unterstützung der Oppositionsarbeit<br />
gegen die CSU), oder lehnen Sie die liberalen Konzepte so sehr ab, dass<br />
Sie die FDP deswegen draußen haben möchten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Die FDP ist eine demokratische Partei und ein Konkurrent von uns. Deshalb<br />
wünsche ich mir möglichst wenig Stimmen für diese Partei.<br />
Die FDP wird den Sprung in den Landtag nicht schaffen, die Stimmen sind<br />
also verschenkt und helfen nur der CSU.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>danman225</b>:<br />
Würde Ihnen die prognostizierte niedrige Wahlbeteiligung eher helfen<br />
oder schaden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Schaden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Altunsuyu</b>:<br />
Werden Sie Konsequenzen ziehen, wenn die SPD unter 20 % fallen sollte?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Ich kämpfe für ein gutes Ergebnis und bin sicher, dass die SPD<br />
wesentlich besser abschneiden wird, als heute von vielen vorhergesagt.<br />
Deshalb stellt sich diese Frage nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>danman225</b>:<br />
Ausgewichen!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dominic99</b>:<br />
Herr Maget, wollen Sie nach der Wahl Oppositionsführer bleiben, selbst<br />
wenn die SPD ein Debakel erleben sollte?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Nein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Nein, nicht ausgewichen oder nein, es wird jemand anderes Oppositionsführer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Zu danman: Nicht ausgewichen.<br />
zu dominic: Ich rechne mit einem guten Ergebnis, auf das ich aufbauen<br />
will</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Optimismus ist bestimmt gut für die SPD, aber:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Stammbacher</b>:<br />
Die Stimmung in Oberfranken ist aber sehr schlecht und das ist ja die<br />
Hochburg der SPD in Bayern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Ich war oft in Oberfranken. Für diese Region ist die SPD wirklich<br />
besser. Die CSU benachteiligt Oberfranken seit Jahren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch mal zum Einfluss der Bundespolitik:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sammy</b>:<br />
Herr Maget, ist die rot-grüne Bundespolitik Schuld an Ihrer voraussichtlichen<br />
Wahlniederlage? Oder anders gefragt: wie viele Prozentpunkte mehr hätte<br />
es ohne die Sparmaßnahmen der Regierung gegeben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rrrrrr</b>:<br />
Was hätte die Bundesregierung politisch anders machen sollen, um<br />
Ihre Position als Aspirant zum Ministerpräsidenten nicht zu gefährden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Ich rechne nicht mit einer Niederlage. Aber die jetzt begonnenen Reformen<br />
müssen besser erklärt und klarer formuliert werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Dann hätte ich mal gerne gewusst, was für sie Niederlage und<br />
was für Sie ein &#8211; sagen wir mal respektables Ergebnis ist? Oder einfacher<br />
gefragt:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Altunsuyu</b>:<br />
Ihre Wahlprognose?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Überraschungserfolg für Bayerns SPD</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Johannes</b>:<br />
Hätten Sie manchmal nicht gern ein bisschen mehr prominente Unterstützung<br />
aus Berlin? Am Montag besuchte Gerhard Schröder gerade mal eine Textilfabrik<br />
in Unterfranken, Angela Merkel bereiste am selben Tag vier Städte,<br />
und tritt noch öfter auf. Der Kanzler aber eher selten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Ich hatte einen vielbeachteten Auftritt mit dem Kanzler in Rosenheim und<br />
war auch gestern dabei. Schröder kommt noch zweimal, dazu viele Bundesminister<br />
mehrfach. Wie gesagt: Wir haben in Bayern keine Wahlwiederholung der Bundestagswahl.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dobmeier</b>:<br />
Welche Änderungen werden Sie in der kommenden Gemeindesteuerreform<br />
verlangen, damit bayerische Städte wie München, Nürnberg<br />
oder Regensburg noch handlungsfähig bleiben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Es muss bei der Gewerbesteuer bleiben. Schlupflöcher, die vor allem<br />
große Konzerne nutzen können, müssen gestopft werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Fragen</b>:<br />
Sind Sie auch für eine Anhebung des Rentenalters?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Nein. Ich halte das vorerst nicht für sinnvoll. Viel wichtiger ist<br />
es die älteren Arbeitnehmer nicht schon mit 55 zum alten Eisen zu<br />
zählen. Wir müssen das jetzt geltende Renteneintrittsalter erreichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Sie haben einmal in einem Interview gesagt, der Grund warum die SPD in<br />
Bayern so chancenlos ist, liege unter anderem an der bayerischen Mentalität.<br />
Haben die Bayern, salopp gesagt, die CSU im Blut? Das würde ich gerne<br />
ein bisschen genauer wissen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Die SPD ist in Bayern nicht chancenlos. Wir stellen mehr Oberbürgermeister<br />
als die CSU. Die CSU erweckt den Eindruck, sie allein sei für Bayern<br />
zuständig und geeignet. Diesem verfehlten Eindruck müssen wir<br />
stärker entgegentreten. Mit bodenständiger und bürgernaher<br />
Arbeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Bodenständigkeit und Bürgernähe würde ich (kein Bayer)<br />
gerade mit der CSU verbinden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Eben. Das ist der Fehler. Der CSU ist gelungen dies, vorzugeben. Wir müssen<br />
uns wieder mehr um Vereine und Stammtische kümmern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Altunsuyu</b>:<br />
Warum soll man vor einer Zweidrittelmehrheit Angst haben? 1974 war’s<br />
doch auch so? So schlimm war es doch nicht, der?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Es gab noch nie eine Zweidrittelmehrheit der Sitze. Das ist entscheidend.<br />
Die Folge wäre eine krasse Einschränkung demokratischer Kontrollrechte<br />
der Opposition. Unliebsame Ausschussvorsitzende könnten leichter<br />
abgesetzt, Untersuchungsausschüsse behindert werden. Nähre Infos<br />
unter www. macht-braucht-kontrolle.de</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>skarbulli-spuck</b>:<br />
Herr Maget, ist es nicht frustrierend, von den Journalisten immer wieder<br />
gefragt zu werden, warum Sie sich so eine Kandidatur überhaupt antun?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ja, aber ganz im Ernst: warum tut man sich so eine Kandidatur an?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Maget</b>:<br />
Manchmal schon. Ich bin nämlich stolz darauf und es macht mir trotz<br />
Anstrengung viel Spaß.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das war die letzte Frage, eine Stunde ist um. Herzlichen Dank an Herrn<br />
Maget, wir bedanken uns bei allen Usern für das Interesse. Noch ein<br />
Hinweis: Unser nächster Chat-Gast ist am kommenden Dienstag, 9.September,<br />
von 17.30 bis 18.30 Uhr der CSU-Generalsekretär Thomas Goppel. Einen<br />
schönen Abend wünscht allen das jetzt um sueddeutsche.de erweiterte<br />
tacheles.02-Team!</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Der Beitrag wird steigen&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Aug 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Nahles]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerversicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Renteneintrittsalter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/anahles.jpg" alt="Andrea Nahles" align="left" height="113" width="87" /></b><span style="color: #000000"><b><b>Andrea 
Nahles, SPD-Parteivorstandsmitglied, am 28. August 2003 </b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="color: #000000"><b><b> 
</b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>ist 
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/anahles.jpg" alt="Andrea Nahles" align="left" height="113" width="87" /></b><span style="color: #000000"><b><b>Andrea<br />
Nahles, SPD-Parteivorstandsmitglied, am 28. August 2003 </b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="color: #000000"><b><b><br />
</b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>ist<br />
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Herzlich<br />
willkommen im tacheles.02 Chat. tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de.<br />
Heute begrüßen wir im ARD-Hauptstadtstudio das SPD-Parteivorstandmitglied<br />
und Sprecherin der SPD-Linken, Andrea Nahles. Schön, dass Sie für<br />
die nächsten 60 Minuten für die Fragen der Nutzer bereitstehen.<br />
Können wir beginnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
ja!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>DKPler</b>:<br />
Wie schätzen Sie den Bericht der Rürup-Kommission ein? Großer<br />
Wurf oder &quot;das totale Scheitern&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Weder das eine noch das andere. Dazwischen. Gute Materialsammlung &#8211; politisch<br />
zu widersprüchlich, um eine klare Linie vorzugeben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ztdfhgvjh</b>:<br />
Wo liegt in den Vorschlägen der Rürup-Kommission die Zukunftsperspektive?<br />
Derzeit geht es doch lediglich um Schadensbegrenzung. Müssen wir<br />
künftig einen einwanderungspolitischen Kniff entwickeln, um unsere<br />
sozialen Sicherungssysteme finanzieren zu können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Gute Anmerkung. Vielfach wird vergessen, dass die demografische Entwicklung<br />
stark von der Erwerbsquote und der Zuwanderung abhängt; insoweit<br />
wäre es das einfachste, dass endlich das fix und fertige Zuwanderungsgesetz<br />
durch den Bundesrat kommt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bert</b>:<br />
Wo liegen denn genau die Widersprüche in dem Rürup-Vorschlägen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Zum Beispiel schlagen die Jungs gleich zwei grundverschiedene Neufinanzierungsmodelle<br />
vor: Bürgerversicherung oder Kopfpauschale. Dann wollen sie an umlagefinanzierter<br />
Rente festhalten, senken die aber soweit ab, dass am Ende vor allem die<br />
Kommunen bezahlen müssen, die für eine soziale Mindestsicherung<br />
gerade stehen müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Betrachten wir die einzelnen Vorschläge doch etwas genauer. Das Rentenniveau<br />
soll gesenkt werden. Ist das mit Ihnen zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Das Rentenniveau wird bereits durch die Riester-Rente kontinuierlich bis<br />
2010 auf 42 Prozent Bruttolohnniveau abgesenkt. Das ist bereits Gesetz.<br />
Ein weiteres Absenken des Niveaus halte ich nicht für vertretbar.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Langleben_lohnt</b>:<br />
Laurenz Meyer kritisierte allerdings abermals den Vorstoß der Experten,<br />
das Rentenalter ab 2011 schrittweise auf 67 Jahre anzuheben. Sind Sie<br />
da einer Meinung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Das kritisiert nicht nur Meyer dagegen haben sich bisher alle Politiker<br />
ausgesprochen. Ich finde, dass wir das Rentenzugangsalter erhöhen<br />
müssen, das liegt derzeit bei 60,3 Jahren im Durchschnitt, und das<br />
liegt an einer verfehlten Frühverrentungspraxis und daran, dass Unternehmen<br />
ältere Menschen zum alten Eisen stempeln. Dafür braucht man<br />
aber nicht das Rentenalter erhöhen, da muss man erst mal dafür<br />
sorgen, dass die derzeitigen 65 Jahre überhaupt erreicht werden,<br />
sonst ist das wegen der Abschläge nur Abzocke der Rentner.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Allerdings schließt Ihr Parteigenosse Clement eine Verlängerung<br />
der Arbeitszeit nicht aus. Wie beurteilen Sie das?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Ich denke, Sie meinen die Erhöhung des Rentenalters? Damit steht<br />
er in der Partei wie häufiger alleine.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>willy_brand</b>:<br />
Sinken bei einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit die Chancen auf<br />
einen neuen Job nicht für Arbeitslose? Wenn ältere Arbeitnehmer<br />
nicht ihren Stuhl räumen, sondern darauf sogar noch länger als<br />
bisher sitzen bleiben, können Jüngere nicht nachrücken.<br />
Verstehe das wer will!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles:</b><br />
Das stimmt solange die Arbeitsmarktsituation so miserabel ist. Wenn wir<br />
ab 2010-2015 hier aus dem Tal der Tränen kommen, kann eine moderate<br />
Verlängerung sinnvoll sein &#8211; wie gesagt &#8211; der faktischen Lebensarbeitszeit.<br />
Ich stelle mir vor, dass Rentner eine Phase des Ausscheidens haben, wo<br />
sie ohne finanziell schlecht zu stehen, mehr Teilzeit im Alter machen.<br />
Dann könnten auch die jüngeren vom Erfahrungswissen profitieren,<br />
ohne dass die Alten überfordert sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Sie haben sich für eine Erhöhung des Beitragssatzes im nächsten<br />
Jahr von 19,9 Prozent eingesetzt. Der Kanzler möchte das nicht. Dazu<br />
noch eine Frage eines Users.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>k71</b>:<br />
Warum sollte der Beitragssatz weiter steigen? Generalsekretär Olaf<br />
Scholz und der Sozialexperte Bert Rürup haben einen stabilen Beitrag<br />
als Ziel genannt. Auch Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) warb dafür,<br />
damit die Lohnnebenkosten nicht weiter zulegen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Der Beitrag wird steigen. Es sei denn wir hauen so richtig mit der Axt<br />
in die derzeitige Rente und kürzen. Wir müssten um auf 19,5<br />
zu bleiben neun Mrd. Euro einsparen und da erscheint es mir angesichts<br />
der hohen Arbeitslosigkeit besser, wenn wir 19,9 Beiträge machen,<br />
als den Rentner massiv in die Bezüge zu gehen und ihre Kaufkraft<br />
(sind immerhin 19 Mio. Menschen) damit weiter drosseln. Der Kanzler hat<br />
sich dazu vorsichtig, aber doch offen geäußert. Mal sehen,<br />
was sie machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cindy</b>:<br />
Sie raten dazu, die Debatte über die Anhebung des Renteneintrittsalters<br />
&quot;gelassener zu führen, als wir es zur Zeit tun&quot;, sagte<br />
Schmidt. Fühlen Sie sich angesprochen und was antworten Sie Frau<br />
Schmidt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Schmidt ist immer gelassen. Klasse, ich nicht. Richtig ist aber, dass<br />
das alles vor 2010 nicht so dramatisch wichtig ist, weil wir bis dahin<br />
keinen Fachkräftemangel haben. Allerdings muss jetzt vorgebaut werden.<br />
Die Leute müssen im Job länger fit bleiben, zwischendurch mal<br />
eine Auszeit nehmen können, mehr Teilzeit z.B. während Erziehungszeiten.<br />
Das ist in Deutschland noch lange nicht selbstverständlich genug.<br />
Das wären so meine Traumvorstellungen, damit Leute länger arbeiten<br />
können und wollen und wir dann nach 2010 nicht ins große Fachkräfteloch<br />
fallen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lehmann</b>:<br />
Warum sollte der Beitragssatz weiter steigen? Generalsekretär Olaf<br />
Scholz und der Sozialexperte Bert Rürup haben einen stabilen Beitrag<br />
als Ziel genannt. Auch Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) warb dafür,<br />
damit die Lohnnebenkosten nicht weiter zulegen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Richtig. Ist Abwägung von schlechten Alternativen. Ich bin für<br />
Kaufkraft, solange das Wachstum stottert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kummer</b>:<br />
Mal ehrlich: Verstehen Sie alle Reformen und deren Auswirkungen und deren<br />
Effekte? Ich nicht. Bin gespannt, wie viel ich nächstes Jahr für<br />
meine Gesundheit mehr zahlen muss, wie meine Rente in 30 Jahren aussieht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Ich verstehe schon einiges, weil ich das jetzt seit einigen Jahren verfolge,<br />
aber ich bin kein Orakel. Die Situation in 30 Jahren hängt davon<br />
ab wie die Wirtschaft in unserem Land dann läuft. Das wird dann &#8211;<br />
wie auch immer &#8211; verteilt. Zwischen Alt und Jung und Arm und Reich. Die<br />
Gesundheit kostet jedenfalls schon nächstes Jahr mehr, das kann man<br />
jetzt schon ausrechnen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Eine Nachfrage</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>k71</b>:<br />
Fachkräftemangel? Krankenhäuser beklagen fehlende Ärzte!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Ja, kann ich bestätigen, mein Bruder arbeitet in der Charite und<br />
singt mir das Lied jeden Abend. Ich verstehe das teilweise nicht. Ist<br />
wie mit dem Schweinezyklus: Entweder haben wir zu viele Lehrer und Ärzte<br />
oder zu wenige. Warum gibt es da keine übergeordnete Planung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>extrabreit</b>:<br />
Sagen Sie die harten Wahrheiten, die die Regierung verschweigt? Ist das<br />
Ihre Rolle?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Manchmal. Meistens bin ich noch zu freundlich</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Homopoliticus</b>:<br />
Frau Nahles, wie sieht ihre Rentenreform aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Ich würde die Riester-Zusatzrente, die derzeit nur 14 Prozent der<br />
Bevölkerung abgeschlossen haben, obligatorisch machen. Das bedeutet<br />
aber, dass die Gründe analysiert werden müssen, warum die so<br />
schlecht ankommt. Ich glaube: zu bürokratisch und noch zu teuer für<br />
untere Einkommen. Würde man das machen, müsste man aufgrund<br />
der konjunkturellen Schweirigkeiten jetzt nicht unnötig tief einschneiden,<br />
da die gesetzliche Rente nicht das alleinige Standbein wäre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lehmann</b>:<br />
Ist die Riesterrente nicht das Gegenteil von Bürokratieabbau?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Ja. s.o.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pixelpark</b>:<br />
Und würde Ihr Bruder die SPD wählen oder CDU FDP?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
SPD &#8211; ist ja mein kleiner Bruder.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Anderes Thema &#8211; Wie steht die Parteilinke zur Bürgerversicherung,<br />
Frau Nahles</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Wir sind dafür &#8211; ganz klar. Und das Gute kommt jetzt: Auch die Parteirechte<br />
hat sich dafür ausgesprochen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wen meinen Sie denn da genau?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Der Seeheimer Kreis hat sich sogar eine eigene Tagung dazu gegönnt<br />
und sich mit kleineren Modifikationen zum Konzept der Parteilinken dafür<br />
ausgesprochen. Anfang September bin ich bei den Grünen zu einer Veranstaltung<br />
eingeladen, wo wir dafür werben. Also, das Thema ist nicht tot, auch<br />
wenn die Parteispitze der SPD sich nicht begeistert zeigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ztdfhgvjh</b>:<br />
Deckt die &quot;Kopfpauschale&quot; den ganzen Krankenkassenbeitrag, oder<br />
ist es eine Prämie die man zusätzlich zum regulären Beitrag<br />
leisten muss? Abgesehen davon sind 210 Euro für schwach verdienende<br />
viel Geld.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Kopfpauschale ersetzt Krankenkassenbeitrag nicht, es ist vielmehr das,<br />
was der Staat dem einzelnen als Zuschuss abverlangt. Wieviel die Krankenkassen<br />
letztlich brauchen, um alle Leistungen die wir jetzt haben, abzudecken,<br />
ist damit noch nicht beantwortet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hgjhgj</b>:<br />
Wieso sind Bürgerversicherung und Kopfpauschale Widersprüche?<br />
Kann es den Bürgerversicherten mit einer Pauschale von 240 Euro nicht<br />
auch geben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Sie ließen sich wahrscheinlich kombinieren ein durchdachtes Modell<br />
dafür liegt jedoch noch nicht vor und wurde von der Rürup Kommission<br />
auch nicht vorgestellt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>horst</b>:<br />
Wie wirkt sich die Bürgerversicherung auf die privaten Versicherungen<br />
aus? Gehen die dann pleite und entlassen ihre Mitarbeiter als neue Arbeitslose<br />
auf den Arbeitsmarkt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Das ist nicht notwendig so. Wir favorisieren ein Modell, wo die Privatversicherungen<br />
ebenfalls die Bürgerversicherung anbieten könnten, genau wie<br />
die gesetzliche Krankenkasse und dass das mit Zusatzangeboten ergänzt<br />
werden kann. Sie würden also auch ihren Teil vom Kuchen Abbekommen.<br />
Trotzdem würden sie sich verändern müssen; eine kapitalgedeckte<br />
Vollversicherung privat würde es dann nicht mehr wie heute geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Frau Nahles, können Sie uns erklären, warum bei dem Gesundheitskompromiss<br />
bspw. die Pharmaindustrie oder auch die Kassenärztliche Vereinigung<br />
geschont wurden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Die Opposition wollte es nicht, Schmidt hat es nicht durchgesetzt &#8211; die<br />
Lesart ist verschieden, aber das Ergebnis traurig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Fühlen Sie sich in dieser Diskussion nicht etwas ohnmächtig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Nein und Ja. Das nennt man Politik.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Langleben_lohnt</b>:<br />
Es wird für die Versicherten künftig definitiv nichts billiger,<br />
sondern am Ende alles teurer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Konkret: Es sollen 23 Milliarden Euro eingespart werden. Davon tragen<br />
13 Prozent die Leistungserbringer, 68 Prozent die Arbeitnehmer und 18<br />
Prozent werden über Steuern umfinanziert (Tabaksteuer z.B.).</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Und wer setzt sich diesmal durch: Eichel oder Schmidt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Tendenz unklar.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Nun zu konkreteren Dingen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>grobi</b>:<br />
Entscheidend ist zunächst, dass der Teufelskreislauf aus steigenden<br />
Sozialbeiträgen und wegfallenden Arbeitsplätzen durchbrochen<br />
wird. Dabei ist klar, dass der durch die Senkung der Beitragssätze<br />
gewonnene Spielraum von den Versicherten weitgehend auch wieder für<br />
Gesundheitsausgaben aufgewendet werden muss. Per Saldo erwarte ich aber<br />
schon einen Schub für mehr Wachstum und Beschäftigung durch<br />
diese Reform, sagte der CDU Experte Storm. Sehen sie das auch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Blödsinn. Sage ich mal so drastisch. Die Lohnnebenkosten steigen<br />
ja für die Arbeitnehmer, sie werden nur für die Arbeitgeber<br />
gesenkt. Das macht für deren Investitionsentscheidungen sehr wenig<br />
aus. Auch die Entscheidung für oder gegen Arbeitsplätze wird<br />
danach gefällt, ob Aufträge da sind. Das hängt jedoch vielmehr<br />
von der Nachfrage nach Dienstleistungen und Produkten ab. Wenn die Belastung<br />
der Arbeitnehmer allerdings steigt, s.o, drückt das die Nachfrage.<br />
Kurz: Ich vertrete da eine andere Philosophie als Storm.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>das_tier</b>:<br />
Gehen Sie eine Wette ein, dass die Krankenkassen im kommenden Jahr ihre<br />
Beiträge wirklich senken, sagen wir mal um mindestens 0,5 Prozentpunkte?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Ja, sie werden gezwungen. 0,5 würde ich aber nicht wetten wollen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Sondern? Wie viel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Keine Ahnung. Hängt von Arbeitslosigkeit ab.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Steigt die auf fünf Mio.?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Die BA (Bundesanstalt für Arbeit) hat das prognostiziert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>börti</b>:<br />
Warum ist die Positivliste für Arzneimittel nicht gemacht worden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Dagegen hat die FDP und die Pharmaindustrie massiv Druck gemacht. Es gibt<br />
einige Einschränkungen, was die Verschreibungspraxis angeht, bin<br />
ich aber skeptisch, ob wir ohne Positivliste die kostentreibenden Verschreibungen<br />
</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">eindämmen<br />
können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie ist da die Parteimeinung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Die Positivliste ist nötig. Schweden hat 35 00 zugelassene Medikamente,<br />
Deutschland 55.000. Da stimmt doch was nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>DKPler</b>:<br />
Für Arbeitnehmer, die um 1970 herum geboren wurden, sinkt die Rendite<br />
ihrer Rentenbeitragszahlungen auf Null. Wer aber heute Berufsanfänger<br />
ist und erst nach 2040 das Rentenalter erreicht, der erhält sogar<br />
nur 80 Prozent seiner nicht zu knappen Beiträge zurück. Tolle<br />
Reformvorhaben ihrer Partei. Dann ist es ja wirklich einleuchtend, warum<br />
das Wort &quot;demokratischer Sozialismus&quot; aus dem Parteiprogramm<br />
gestrichen werden soll!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Bin 1970 geboren. Die Rentenhöhe hängt davon ab, was wir 2010,<br />
2020, 2030, 2040 umverteilen KÖNNEN. Ich sehe da viele Stellgrößen,<br />
die wir verändern müssen, z.B. haben wir eine äußerst<br />
miserable Erwerbsquote von Frauen. Kurz: Ich denke die Prognosen für<br />
die nächsten 20 Jahre sind nicht statisch, sondern veränderbar.<br />
Was meine Partei vorschlägt, versucht das Rentenniveau (netto) bei<br />
über 60 Prozent zu stabilisieren und zusätzlich eine kapitalgedeckte<br />
Säule aufzubauen, die staatlich gefördert wird. Alles andere<br />
sind erst mal nur Vorschläge der Rürup-Kommission. Also, ich<br />
sehe das nicht so pessimistisch wie Sie.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bebel68</b>:<br />
Ist die SPD nicht inzwischen auch eine neoliberale Partei?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
www.forum-dl21.de, gute Adresse für solche die das nicht hinnehmen<br />
wollen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>danman_dk1</b>:<br />
Guten Tag Frau Nahles, verliert die SPD Ihrer Meinung nach an Profil?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Ja, das befürchte ich durchaus, an mir liegt es nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie muss Ihrer Ansicht nach Gerechtigkeit neu definiert werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
das ist immer ein guter Versuch wert, auf der Höhe der Zeit sein.<br />
Politik muss auch immer wieder gute Ideen und Anliegen in die Gegenwart(sprache)<br />
Übersetzen, allerdings hat das Grenzen. Gerechtigkeit hat mit Chancen<br />
zu tun, es hat aber auch damit zu tun, ob es eine Würde der Schwächeren<br />
gibt, die man achtet und ob gleiche Chancen auch meint, dass die soziale<br />
Herkunft nicht schon den Rest des Lebens (negativ wie positiv) vorprogrammiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>DKPler</b>:<br />
Sie haben den Teil meiner Frage zur Streichung des Wortes &quot;demokratischer<br />
Sozialismus&quot; aus dem Parteiprogramm nicht beantwortet!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Demokratischer Sozialismus ist eine Quelle der Ideen, ein Motor der sozialdemokratischen<br />
Bewegung und das kann auch für die Zukunft so sein, wenn wir es schaffen,<br />
ihn in die Gegenwart zu übersetzen Es wäre der Mühe wert,<br />
besser jedenfalls, als ihn einfach ersatzlos zu streichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Was Herr Scholz über den Begriff &quot;demokratischer Sozialismus&quot;<br />
denkt, wissen wir jetzt. Aber was denkt Ihr Parteivorsitzender?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Der meinte am Montag im Parteivorstand, wäre doch ein schönes<br />
Thema für den Parteitag, so ist er, der Gerd.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lola</b>:<br />
Stecken ihre SPD-Fraktionskollegen vom linken Flügel nicht in einem<br />
bedauerlichen Dilemma? Stimmen sie im Bundestag gegen die Reformen, unterstützen<br />
sie die Opposition. Stimmen sie den Reformvorhaben zu, machen sie sich<br />
mit ihrer Kritik an den Reformen unglaubwürdig und &quot;verraten&quot;<br />
ihre eigentlichen Überzeugungen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Ich bin nicht mehr in der Fraktion. Es ist nicht so einfach zu beantworten<br />
was ich machen würde, wenn&#8230;.,denn es geht immer konkret um die<br />
Machtfrage, also hat die eigene Partei eine Mehrheit oder wollen wir,<br />
dass Merkel Bundeskanzlerin wird. Ich nicht, meine linken Kollegen auch<br />
nicht, und so wird es oft am Ende trivial. Trotzdem haben wir natürlich<br />
Einflussmöglichkeiten in der Gesetzgebung und auch im Parteivorstand,<br />
wo ich bin. Ein Konflikt bleibt es. </span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Aber<br />
ich sage auch, Politik ist ein Prozess, der Kompromisse erfordert das<br />
ist der Kern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Apropos Ihr Parteivorsitzender, was sagen Sie dazu, dass sich Herr Schröder<br />
und Herr Fischer noch mal zur Wahl stellen wollen 2006?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Dream-Team.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Keine Glückwünsche?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Wenn sie gewinnen, ist dafür immer noch Zeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bebel68</b>:<br />
Andrea, wirst du noch einmal für den SPD-Parteivorstand kandidieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Yes.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zum Abschluss des Renten dominierten Tages:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>nöhl</b>:<br />
Wie sind sie eigentlich versichert, Frau Nahles? Riester-Rente?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Nein, bin ja vier Jahre im Bundestag gewesen und habe dadurch keine Rente,<br />
das gibt es erst nach acht Jahren, überlege deshalb noch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Chat-Freunde, die Stunde ist vorbei. Vielen Dank fürs Kommen,<br />
Frau Nahles, und Dank an alle Teilnehmer fürs Kommen. Im nächsten<br />
Chat geht es um die bayerische Landtagswahl. Den Auftakt macht der Spitzenkandidat<br />
der SPD, Franz Maget, am 2.9 .03 um 17.30 Uhr. Die Transkripte aller tacheles.02-Chats<br />
finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter tagesschau.de, politik-digital.de,<br />
unterstützt von tagesspiegel.de.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Andrea Nahles</b>:<br />
Ihr seid ja richtig friedlich gewesen. Vielen Dank.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Eine Gefangennahme Saddam Husseins oder sein Tod &#8220;würden die Lage im Land nicht automatisch beruhigen.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/eine_gefangennahme_saddam_husseins_oder_sein_tod_quotwuerden_die_lage_im_land_nicht_automatisch_beruh-291/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jul 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Gudrun Krämer]]></category>
		<category><![CDATA[Irakkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Saddam Hussein]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kraemer.jpg" alt="Gudrun Schaich-Walch" align="left" border="0" height="133" width="108" /><span style="color: #000000"> 
</span></b><span style="color: #000000"><b><b>Gudrun Krämer, Irak-Expertin, 
am 30. Juli 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und 
politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kraemer.jpg" alt="Gudrun Schaich-Walch" align="left" border="0" height="133" width="108" /><span style="color: #000000"><br />
</span></b><span style="color: #000000"><b><b>Gudrun Krämer, Irak-Expertin,<br />
am 30. Juli 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Heute ist die Irak-Expertin Prof.<br />
Dr. Gudrun Krämer zum Chat ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Frau<br />
Krämer ist Leiterin des Instituts für Islamwissenschaften an<br />
der Freien Universität Berlin. Sie können Ihre Fragen zur arabischen<br />
Welt, speziell natürlich zum Thema Irak, aber auch zu den jüngsten<br />
Geschehnissen im Iran direkt an Frau Krämer richten. Wir haben eine<br />
Stunde Zeit &#8211; Frau Krämer, sind Sie bereit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer:</b><br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Lea</b>:<br />
Wie lange, meinen Sie, wird es für die Amerikaner noch nötig<br />
sein, Soldaten im Irak zu stationieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ganz sicherlich mehr als ein Jahr, möglicherweise länger, wobei<br />
das natürlich auch davon abhängt, wie die Amerikaner ihre Ziele<br />
definieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>M. &amp; M.</b>:<br />
Sind die Iraker ein Volk, was sich fremd-regieren lässt, oder anders<br />
gefragt: Wie lange werden sie die amerikanische Anwesenheit in ihrem Land<br />
noch dulden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Im Prinzip wollen sie natürlich nicht von Fremden regiert werden,<br />
was auch mit ihrer kolonialen Vergangenheit zu tun hat, und ihre Geduld<br />
hängt natürlich davon ab, ob sie das Gefühl bekommen, die<br />
Anwesenheit der Amerikaner könne ihr Leben erleichtern und ihnen<br />
dann bald doch eine selbstbestimmte Regierung verschaffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie groß ist Ihrer Ansicht nach der Anteil der Iraker, die die Amerikaner<br />
unterstützen, weil sie ihnen dankbar sind, sie vom Diktator Hussein<br />
befreit zu haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
So etwas kann man überhaupt nicht beziffern, weil es vor dem amerikanischen<br />
Einmarsch nicht möglich war, Volksbefragungen durchzuführen<br />
und das auch jetzt nicht geht. Wir hören von Opfern des Regimes,<br />
die Hoffnungen auf die Amerikaner setzen, aber auch die wollen eher früher<br />
denn später natürlich unter einer eigenen Regierung leben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Popster</b>:<br />
Warum sollte es den USA gelingen, im Gegensatz zu Afghanistan, dort eine<br />
Demokratie einzuführen, die sich nicht nur auf wenige Landesteile<br />
erstreckt und ansonsten weiterhin die sogenannten Warlords das Land &quot;regieren&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Die irakische Gesellschaft ist ganz anders strukturiert als die afghanische,<br />
in der Stammesstrukturen noch einen ganz anderen Stellenwert haben. Irak<br />
hat eine andere historische Erfahrung und von daher sollte es grundsätzlich<br />
leichter werden, eine Regierungsform einzuführen, die zumindest die<br />
Grundsätze einer &quot;guten Regierungsführung &quot; berücksichtigt.<br />
Dazu gehört die Mitsprache der Bevölkerung, Rechtsstaatlichkeit<br />
und die Achtung der Menschenrechte. Das ist nicht unbedingt identisch<br />
mit Demokratie, britischen oder amerikanischen Musters, aber immer noch<br />
ein anspruchsvolles Programm.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Liebsein</b>:<br />
Wie stabil schätzen Sie den irakischen Regierungsrat ein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Stabil kann er eigentlich gar nicht sein, soll er auch nicht sein. Es<br />
handelt sich ja ausdrücklich um einen Übergangsrat, der zu einer<br />
stabilen Regierung führen soll. Positiv kann man sagen, dass in dem<br />
Übergangsrat ein breites Spektrum von Gruppen und Meinungen vertreten<br />
ist &#8211; für sich genommen eine beachtliche Leistung. Aber stabil ist<br />
er tatsächlich noch nicht, weil eben doch nicht alle Gruppen und<br />
Meinungen berücksichtigt sind, weil er mit großem Misstrauen<br />
beobachtet wird und weil er natürlich enorme Probleme zu lösen<br />
hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dlch</b>:<br />
Eine kurze Zwischenfrage für die Allgemeinbildung: Wie konstituiert<br />
sich der Regierungsrat derzeit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Dem Übergangsrat gehören zunächst Vertreter der unterschiedlichen<br />
ethnischen Gruppen an: Araber, Kurden und Turkmenen. Dann der verschiedenen<br />
religiösen Gemeinschaften: Schiiten, Sunniten und Christen unterschiedlicher<br />
Konfessionen. Schließlich finden sich in ihm auch Sprecher unterschiedlicher<br />
politischer Richtungen: irakische Nationalisten, kurdische Nationalisten,<br />
Befürworter eines religiös ausgerichteten Staates und auch einige<br />
Säkularisten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Assad</b>:<br />
Für Oktober haben die USA zu einer Geberkonferenz zur Finanzierung<br />
des Wiederaufbaus eingeladen. Wird die UNO eine größere Rolle<br />
spielen können und wie ist die Position der deutschen Regierung zu<br />
bewerten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Im Moment sieht es so aus, dass die Amerikaner die außerordentlich<br />
hohen Kosten der Besatzung und des Wiederaufbaus nicht allein tragen können<br />
und wollen. Daher rufen sie nach der Verantwortung der Weltgemeinschaft,<br />
für die die Uno eintreten soll. Die Bundesregierung ist durchaus<br />
bereit, sich im Rahmen eines UN-Mandats am Wiederaufbau des Iraks zu beteiligen<br />
und über eine Umschuldung zu beraten. Sie beharrt aber darauf, dass<br />
dies im Rahmen der Vereinten Nationen geschieht, um so den Krieg gegen<br />
den Irak, den sie ja nicht unterstützt hat, nicht nachträglich<br />
zu rechtfertigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Cero</b>:<br />
Was geben andere arabische Staaten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Das übersehe ich im Moment auch nicht genau. Ich gehe davon aus,<br />
dass auch sie versuchen, dem irakischen Volk humanitäre Hilfe zukommen<br />
zu lassen. Das gilt z.B. für die Golfstaaten oder auch Ägypten.<br />
Auch für sie ist es im Augenblick schwierig, Hilfe ins Land selber<br />
zu kommen lassen, weil ihre Sicherheit nicht gewährleistet ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Degge</b>:<br />
Was waren für sie die Kriegsgründe der USA/GB?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Alfredo</b>:<br />
Was sind für Sie die WIRKLICHEN Gründe der US-Intervention?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ich meine, dass es den USA (und Großbritannien hat sie dabei unterstützt)<br />
vor allem darum ging, ein Regime auszuschalten, das ihre Dominanz in der<br />
Region in Frage gestellt hatte und das sie daher als Bedrohung wahrnahmen.<br />
Ich glaube nicht, dass es dabei in erster Linie um das Öl ging, sondern<br />
dass durch den Schock des 11. September militärische und politische<br />
Überlegungen im Vordergrund standen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Alfredo</b>:<br />
Warum hat der Irakkrieg nicht den von so vielen erwarteten Flächenbrand<br />
in der arabischen Welt ausgelöst?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Popster</b>:<br />
Was ist denn von den Horrorszenarien einer Ausweitung des Golfkriegs von<br />
vielen Kriegsgegnern übriggeblieben. Wie verhält sich die USA<br />
zur Zeit bspw. zum Iran und zu Syrien?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ein Flächenbrand war nach meiner Überzeugung nie zu befürchten.<br />
Dafür sind die Probleme und Interessen der einzelnen arabischen Staaten<br />
zu unterschiedlich. Selbst gegen Israel hat es ja nie eine einheitliche<br />
arabische Front gegeben. Daher war auch nicht zu erwarten, dass ein Krieg<br />
gegen die irakische Regierung die gesamte irakische Region in Brand setzen<br />
würde. Unruhe und Misstrauen gegenüber den USA sind weit verbreitet,<br />
doch ist es nicht mit einer explosiven Situation gleichzusetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas</b>:<br />
Wie wirkt sich die Situation im Irak auf die Nachbarländer aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ganz unterschiedlich. Ein Land wie Jordanien, das direkt an den Irak angrenzt,<br />
wirtschaftlich schwach ist und von den USA abhängig, befindet sich<br />
in einer ganz schwierigen Situation: Die Bevölkerung sympathisiert<br />
mehrheitlich mit dem irakischen Volk, die Regierung versucht das gute<br />
Verhältnis zu den USA und, nebenbei bemerkt, auch Israel zu bewahren.<br />
Das kann nicht ohne innere Spannungen abgehen. Saudi-Arabien befindet<br />
sich in einer anderen Situation. Von einer möglichen Bedrohung durch<br />
den Irak ist es befreit. Die Regierung steht im Prinzip fest an der Seite<br />
der Amerikaner, in der Bevölkerung hingegen gibt es scharfe Kritik<br />
an dieser Politik. Syrien schließlich hat als alter Rivale des Irak<br />
zunächst vom Sturz des Saddam-Regimes profitiert, wird allerdings<br />
von den USA selbst als potenzieller Schurkenstaat betrachtet. Die Regierung<br />
manövriert daher sehr vorsichtig, die Bevölkerung ist überwiegend<br />
ausgesprochen amerika-kritisch. Die Auswirkungen auf Iran sind vielleicht<br />
am schwersten zu beantworten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Degge</b>:<br />
die US-Administration hat ihre Semantik gegen den Iran in letzter Zeit<br />
derart verschärft, dass Teheran unter dem hohen Druck der Vorwürfe,<br />
Indizien und Zeugenaussagen zugeben musste: Ja, wir haben Kader der islamistischen<br />
Terrororganisation Al Qaida im Land. Was passiert denn jetzt? Mehr Druck<br />
der USA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Die USA üben ohne Zweifel erheblichen Druck auf die iranische Führung<br />
aus, die ihrerseits durch die Bekanntgabe der Verhaftungen signalisiert<br />
hat, dass sie sich dem &quot;Kampf gegen den Terror&quot; angeschlossen<br />
hat und daher nicht wie von der amerikanischen Führung behauptet,<br />
Teil der &quot;Achse des Bösen&quot; ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Islamabader</b>:<br />
Die Tötung der beiden Saddam Söhne würde von den USA als<br />
zentraler Bestandteil ihrer Überzeugungskampagne genutzt. Wird diese<br />
Botschaft von der irakischen Bevölkerung so verstanden und aufgenommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jutand</b>:<br />
hat sich die Stimmung unter der Bevölkerung stark verändert,<br />
seit den Bildern der toten Söhne Saddam Hussein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Wir wissen nicht wirklich wie die irakische Bevölkerung im allgemeinen<br />
auf den Tod der Saddam-Söhne und die Veröffentlichung der Bilder<br />
reagiert hat. Zum einen sind die Reaktionen sicher nicht einheitlich,<br />
zum anderen hüten sich viele Iraker unter amerikanischer Besatzung<br />
offen ihre Meinung zu sagen, zumal sie nicht ganz sicher sein können,<br />
dass das alte Regime wirklich restlos beseitigt ist. Generell ist die<br />
Stimmung von Misstrauen bestimmt. Dass man auch Bilder manipulieren kann,<br />
wissen viele Irakis. Die Veröffentlichung der Aufnahmen wird daher<br />
nicht alle überzeugen, dass die Saddam-Söhne tatsächlich<br />
tot sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Nun soll Saddam Hussein<br />
auf Tonband gesprochen, den Tod seiner Söhne bestätigt haben,<br />
wobei auch hier die Frage bleibt, ob diese Tonbänder echt sind und<br />
wen sie im Irak heute überhaupt erreichen. Meldungen, die über<br />
die internationalen Medien bis nach Berlin oder Washington gelangen, müssen<br />
im Irak, wo die entsprechende Infrastruktur in Teilen zerstört wurde,<br />
nicht jedermann erreichen. Auf jeden Fall haben weder Bilder noch Tonbänder<br />
letzten Überzeugungswert. Am wirksamsten sind noch immer Taten, so<br />
dass die Amerikaner alles daran setzen müssen, durch eigene Leistungen<br />
glaubwürdig zu werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Harald</b>:<br />
Sollte Saddam Hussein gefasst werden &#8211; welches Gericht ist für ihn<br />
zuständig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ich gehe davon aus, dass die Amerikaner ihn vor ein amerikanisches Gericht<br />
stellen würden und ganz sicherlich nicht, dem eben erst eingerichteten<br />
Internationalen Strafgerichtshof überstellen, den sie ja nicht anerkennen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Haben die Amerikaner überhaupt ein Interesse, ihn lebend fangen zu<br />
wollen. Es sah ja auch nicht so aus, als wollten sie seine Söhne<br />
lebend in die Hände bekommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Das ist schwer zu beantworten: Vieles spricht dafür, kurzen Prozess<br />
zu machen, um so das alte Regime auch symbolisch zu beenden. Andererseits<br />
würde ein öffentlicher Prozess nicht nur den Amerikanern, sondern<br />
auch den vielen Opfern des Regimes die Möglichkeit geben, dessen<br />
Verbrechen aufzuarbeiten. Ich glaube nicht, dass im Fall der Saddam-Söhne<br />
wirklich die freie Wahl bestand, sie zu fassen oder zu töten. Schließlich<br />
ging ihrem Tod ein stundenlanger Kampf voraus. Aber das ist eine Meinung,<br />
die ich, da ich ja nicht vor Ort war, nicht aus eigener Anschauung belegen<br />
kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Alfredo</b>:<br />
Glauben Sie dass mit dem Tod/ der Gefangennahme von S. Hussein die Angriffe<br />
auf die US-Truppen enden werden? Ist es nicht vielmehr so, dass der Wiederstand<br />
gegen die US-Truppen sehr heterogen ist, d.h. von Gruppen mit unterschiedlichen<br />
Interessen organisiert wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ja. Da stimme ich Ihnen im Grundsatz zu. So wie es aussieht, leisten nicht<br />
nur Anhänger des gestürzten Regimes der amerikanischen und britischen<br />
Besatzung Widerstand, sondern auch Gruppen oder sogar Einzelpersonen,<br />
die dem Regime nicht besonders nah standen, die sich vielmehr gegen die<br />
Besatzung als solche wehren. Eine Gefangennahme Saddam Husseins oder sein<br />
Tod wäre propagandistisch von enormer Bedeutung, aber sie würden<br />
die Lage im Land nicht automatisch beruhigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>LarsVegas</b>:<br />
Welche Mechanismen werden sich die Amerikaner einfallen lassen, um demokratisch<br />
gewählte islamistische Parteien von der Macht fern zu halten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Zunächst muss man sagen, dass die USA seit Jahren mit Staaten zusammenarbeiten,<br />
an deren Regierungen auch Islamisten beteiligt sind oder die man überhaupt<br />
als islamistisch einstufen muss. Insofern kann man sich auch vorstellen,<br />
dass die Besatzungsmächte islamistische Kräfte tolerieren, solange<br />
diese sich nicht ganz ausdrücklich anti-westlich oder anti-israelisch<br />
zeigen. Wenn sie versuchen sollten, bestimmte islamistische Kräfte<br />
fern zu halten, dann können sie das tun, indem sie entweder angeben,<br />
diese seien nicht wirklich demokratisch gewählt worden. (Und wie<br />
sollte unter den augenblicklichen Bedingungen irgendeine politische Kraft<br />
demokratisch gewählt werden können). Oder aber dass sie anti-amerikanisch<br />
oder gegen Israel sei und daher schon aus diesem Grund nicht Teil einer<br />
demokratischen Regierung des neuen Irak werden könnten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Miranda</b>:<br />
Die zwei Frauen in dem Regierungsrat, welche Rolle spielen sie, welche<br />
Interessen vertreten sie? Was wird die neue &quot; Regierung&quot; bezüglich<br />
der Rechte der Frau planen/entscheiden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Grundsätzlich ist klar, dass eine neue Regierung unabhängig<br />
davon, wie sie im Einzelnen zusammen gesetzt sein wird, betonen wird,<br />
dass sie die Menschenrechte achtet und als deren Teil auch die Rechte<br />
der Frau. Dass damit Frauen auch einen gleichberechtigten Anteil an Wirtschaft,<br />
Politik und Gesellschaft erhalten, ist natürlich nicht gesagt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jana</b>:<br />
Wie gestaltet sich jetzt das Leben der Palästinenser, nachdem sie<br />
von Saddam eine Sonderbehandlung gewohnt waren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Was Sie mit Sonderbehandlung meinen, ist mir nicht recht klar. Im Irak<br />
selber ist zu befürchten, dass nach dem Sturz des Regimes manch alte<br />
Rechnung beglichen wird und all diejenigen, von denen man zu Recht oder<br />
zu Unrecht meint, sie seien unter dem alten Regime privilegiert worden,<br />
nun zu leiden haben. Das kann auch Palästinenser treffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Für wie hoch schätzen Sie das Konfliktpotenzial zwischen Sunniten<br />
und Schiiten im Irak ein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Im Moment haben wir keinen Hinweis darauf, dass die entscheidende Konfliktlinie<br />
zwischen Sunniten und Schiiten verläuft. Was wir sehen, sind Differenzen<br />
innerhalb der sunnitischen und der schiitischen Gemeinschaft, die unter<br />
Saddam Hussein nicht einheitlich waren und die es auch jetzt nicht sind.<br />
Bei all dem ist klar, dass die Schiiten als Bevölkerungsmehrheit<br />
nun beanspruchen, auch in der Regierung entscheidend beteiligt zu werden.<br />
Das würde nur dann zu einem Konflikt mit den Sunniten führen,<br />
wenn diese ihre bisherige Vormacht weiterhin beanspruchen oder aber von<br />
Schiiten vollkommen verdrängt würden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Joeran Muuss-Merholz</b>:<br />
Wie stark ist im heutigen Irak noch sein &quot;eigenes&quot; Militär?<br />
Wie stark könnte es nach einem Abzug der Besatzer noch sein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Die irakische Armee ist förmlich aufgelöst, besteht also nicht<br />
mehr als organisierte Größe. Wie sie nach einem Abzug der Besatzer,<br />
der noch lange nicht zu erwarten ist, aussehen könnte, ist im Augenblick<br />
völlig unklar. Klar ist nur, dass die Besatzer alles daran setzen<br />
werden, anstelle der aufgelösten Armee neue Sicherheitskräfte<br />
aufzubauen, die loyal zur neuen Regierung stehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfer</b>:<br />
Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz sagte in einer Anhörung<br />
vor dem US-Senat in Washington, für die Ausbildung irakischer Truppen<br />
würden die USA weitere 200 Millionen Dollar zur Verfügung stellen.<br />
Sollte Deutschland ähnliches tun und etwa die Polizei ausbilden und<br />
ausrüsten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Es gibt Überlegungen, dass die Bundesrepublik sich unter einem UN-Mandat<br />
an der Ausbildung von Polizeikräften beteiligen könnte. Nochmals:<br />
Vorraussetzung ist ein entsprechendes UN-Mandat. Allein wäre die<br />
Bundesrepublik sicherlich nicht in der Lage, die Polizei des ganzen Landes<br />
auszubilden und womöglich auch noch auszurüsten. Die Bundesregierung<br />
betont ja immer sehr, dass sie keine Alleingänge wünsche, sondern<br />
nur im Verbund mit anderen Partnern handeln wolle.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Popster</b>:<br />
Was halten Sie eigentlich von all den Experten wie Herrn Scholl-Latour<br />
oder auch den Korrespondenten, die nach dem Krieg jetzt mit Büchern<br />
einen schnellen Euro machen? Wurde da nicht unheimlich viel Halbwissen<br />
verbreitet, was im Endeffekt eher geschadet hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Sicher. Halbwissen schadet immer. Und die Flut von Veröffentlichungen,<br />
die jetzt auf die deutsche Leserschaft zukommt, fördert nicht unbedingt<br />
das bessere Verständnis von Land und Leuten. Ich hätte mir natürlich<br />
gewünscht, dass sich manche der Experten mehr Zeit gelassen hätten.<br />
Aber der Markt lässt es offenkundig zu. Warten wir also die Verkaufszahlen<br />
ab.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Haben Sie eine persönliche Buch-Empfehlung zum Thema?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Leider nicht. Nicht, weil ich nun gar keines lesenswert fände, sondern<br />
weil ich selbst noch nicht die Zeit gefunden habe, die Veröffentlichungen<br />
anzuschauen und gewissermaßen eine Rangliste zu erstellen. Zum Irak<br />
würde ich zwei Taschenbücher doch empfehlen, die die neuere<br />
Geschichte des Landes behandeln. Peter Sluglett und Henner Fürtig<br />
sind die Autoren. Die Titel lauten beide in etwa: Geschichte des Irak.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Abschlussfrage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gerda</b>:<br />
Wo sehen Sie den Irak in 5 Jahren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Ich fürchte, dass die arabische Welt in fünf Jahren noch immer<br />
so unruhig und doch auch starr ist wie im Augenblick. Damit meine ich,<br />
auf der einen Seite die Unzufriedenheit großer Teile der Bevölkerung<br />
und gerade der Intellektuellen mit den herrschenden Verhältnissen<br />
und die Unbeweglichkeit der Regierungen. An eine Revolution oder an einen<br />
Flächenbrand glaube ich also nach wie vor nicht. Wie der Irak sich<br />
in dieses Umfeld einordnet, kann ich im Augenblick, wo alles so offen<br />
ist, beim besten Willen nicht sagen. Prophetie ist ja eine große<br />
Gabe, wenn auch keine bequeme. Ich habe sie nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Chat-Freunde, es gibt noch viele Fragen, die Stunde ist aber leider<br />
vorbei. Vielen Dank an Frau Prof. Krämer, dass Sie bei uns zu Gast<br />
waren. Morgen geht’s im Chat wieder um die Gesundheitsreform. Dann<br />
stellt sich Andreas Storm, Gesundheitsexperte der CDU hier von 17.00 bis<br />
18.00 Ihren Fragen. Wir würden uns freuen, wenn Sie wieder dabei<br />
sind. Einen schönen Sommerabend wünscht das tacheles.02-Team.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gudrun Krämer</b>:<br />
Vielen Dank, das war mein erster Chat und er hat mir Spaß gemacht</span>.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Während sich alle Welt für Rosenholz interessiert, stehen die Opfer leider im Schatten.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Jul 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Marianne Birthler]]></category>
		<category><![CDATA[Stasi]]></category>
		<category><![CDATA[Stasiunterlagen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mbirthler.jpg" alt="Marianne Birthler" align="left" border="0" height="99" width="74" /></b><span style="color: #000000"><b><b>Marianne 
Birthler, Bundesbeauftragte für Stasiunterlagen, war am 22. Juli 
2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mbirthler.jpg" alt="Marianne Birthler" align="left" border="0" height="99" width="74" /></b><span style="color: #000000"><b><b>Marianne<br />
Birthler, Bundesbeauftragte für Stasiunterlagen, war am 22. Juli<br />
2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02 ist ein Format von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de.<br />
Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler,<br />
ist heute im ARD-Hauptstadtstudio zu Gast im Chat. Bis 16 Uhr können<br />
Sie Ihre Fragen an Frau Birthler richten. Der Live-Chat kann über<br />
die geschaltete Webcam mitverfolgt werden. Frau Birthler, sind Sie bereit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Da bin ich. Guten Tag!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>frogX</b>:<br />
Was genau ist Ihre Aufgabe als Beauftragte für Stasi-Unterlagen?<br />
Ist die kritische Auseinandersetzung mit staatlicher Datensammelwut im<br />
allgemeinen auch Teil davon?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Wir verwalten in Berlin und in 13 Außenstellen 180 km Akten. Das<br />
heißt archivarisch erschließen, dann für unterschiedliche<br />
Zwecke an Antragsteller herausgeben. Außerdem forschen wir und publizieren<br />
die Ergebnisse, haben eine Internetseite und zeigen Ausstellungen. Am<br />
meisten Arbeit machen die Akten aber selbst.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rainer Schmidt</b>:<br />
Wie gehen Sie nun mit der Rosenholz-Liste vor? Konfrontieren Sie die Spitzel<br />
damit, dass Sie sie enttarnt haben oder stellen Sie sie der Öffentlichkeit<br />
zur Verfügung, damit jeder dort nachlesen kann?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Die Rosenholz-Daten sind mikroverfilmte Karteikarten. Karteikarten werden<br />
aber auch sonst nicht herausgegeben, sondern als sog. Findmittel in der<br />
Recherche verwendet. Hier wie für andere Unterlagen gilt, dass wir<br />
immer nur auf Antrag tätig werden, z.B., wenn eine Überprüfung<br />
beantragt wurde. Ausnahme: Wenn wir feststellen, dass z.B. ein prominenter<br />
Politiker IM war. Dann müssen wir eine &quot;Mitteilung ohne Ersuchen&quot;<br />
machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Uwe</b>:<br />
Was haben inoffizielle Mitarbeiter der Stasi von der Veröffentlichung<br />
jener Daten konkret überhaupt noch zu befürchten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Strafrechtlich nichts. Spionage ist verjährt. Trotzdem dürfte<br />
manchen das Bekannt werden seiner Geschichte unangenehm sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Eine Nachfrage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rosenholz</b>:<br />
Aber was ist denn dann, wenn ich keinen Verdacht habe? Es kann dann doch<br />
trotzdem sein, dass meine Mutter oder mein Vater etc. für die DDR<br />
spioniert haben und ich werde es nie erfahren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Richtig. Wenn die aber Berichte über SIE gegeben haben, ergibt sich<br />
das aus Ihren Akten, die Sie ja sehen dürfen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>James</b>:<br />
Ist es sinnvoll, nochmals Einsicht in Unterlagen zu beantragen? Ich hatte<br />
1995 den Eindruck, dass Unterlagen zu meiner Person (Betroffener) fehlen<br />
oder bereits vernichtet waren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Wir erschließen permanent weitere Unterlagen. Nach ein paar Jahren<br />
ist ein Wiederholungsantrag deshalb sinnvoll. Das geht formlos: Ein Brief<br />
mit der Tagebuchnummer, die sie damals bekommen haben, genügt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gauckler</b>:<br />
Wer entscheidet, was an die Öffentlichkeit gelangt oder ob ermittelt<br />
wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Wir geben nur heraus, was den Persönlichkeitsrechten einzelner Betroffener<br />
nicht wiederspricht. Bei ehemaligen IM ist das allerdings etwas anders.<br />
Auch die Medien haben Mitverantwortung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>birne</b>:<br />
Wie viel Anträge auf Überprüfung bekommen Sie denn? Lässt<br />
das nicht mit der Zeit nach?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>00h</b>:<br />
Wer stellt die Anträge, ist dazu jeder berechtigt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
In elf Jahren haben wir 5 Millionen Anträge bekommen. Auch jetzt<br />
gehen noch weit mehr als fünftausend Anträge pro Monat ein.<br />
Anträge auf persönliche Akteneinsicht kann jeder und jede stellen.<br />
Wenn es um Überprüfungen geht, entscheiden die jeweiligen Institutionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>helge r</b>.:<br />
Was denken Sie, wie die Rosenholz-Datei in die Hände des CIA geriet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Die allerwahrscheinlichste These ist, dass die Mikrofilme über den<br />
KGB an die Amerikaner gingen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Mr. Johnson</b>:<br />
Was hat die CIA bewogen, Deutschland nun doch die Rosenholz-Dateien auszuhändigen<br />
bzw. warum hat die CIA sich so viel Zeit gelassen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Die Bundesregierung hat ab 1993 &#8211; da haben wir davon erfahren &#8211; intensiv<br />
verhandelt. Die Rücklieferung erfolgte ab 2000. Den Grund für<br />
die Verzögerung kenne ich nicht, und spekulieren mag ich nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>anja</b>:<br />
Haben Sie persönlich nicht ein schlechtes Gefühl dabei, dass<br />
Sie mit Daten agieren, die lange Zeit nicht in Ihrem Besitz waren und<br />
über deren Wahrheitsgehalt Sie schwer urteilen können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Tja, die Sache mit der Wahrheit. Also: Die Amerikaner haben die Daten<br />
nicht verfälscht, da sind wir sicher. Ansonsten stellt sich bei allen<br />
Quellen immer die Frage, ob sie Tatsachen wiederspiegeln. Wir wissen,<br />
dass die Stasi sehr korrekt gearbeitet hat. Dennoch würde ich mir<br />
eine Meinung nur auf der Grundlage einer Karteikarte bilden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kino</b>:<br />
Wer garantiert Ihnen, dass sie Amerikaner sie nicht gefälscht haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Bei den Mikrofilmen handelt es sich um Bilddateien.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>susi</b>:<br />
Frau Birthler, Sie sagten, dass die Qualität der Rosenholz-Dateien<br />
zu wünschen übrig ließe (vor allem wegen falscher Wiedergabe<br />
durch das CIA). Gerät man da nicht in die Gefahr, Menschen fälschlicherweise<br />
der Spionage zu bezichtigen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Deswegen geben wir nicht einfach Karteikarten heraus, sondern nutzen sie<br />
zum Auffinden von weiteren Unterlagen oder vergleichen sie mit anderen<br />
Daten, die wir haben. Zehnjährige Erfahrung zeigt uns aber: Wo IM<br />
draufsteht, ist auch IM drin. Dennoch muss man den Einzelfall sorgfältig<br />
anschauen, um sich ein Urteil zu bilden. Es ist eben ein Unterschied,<br />
ob jemand vor zwanzig Jahren mal ein paar Berichte geschrieben und sich<br />
dann vom MfS zurückgezogen hat oder ob jemand bis Oktober 1990 Freunde<br />
und Kollegen denunziert hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ehrlich</b>:<br />
In den Medien stand zu lesen, Sie befürworten die erneute Überprüfung<br />
des PDS-Politstars Gregor Gysi? Halten Sie das wirklich für angemessen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Das stand nicht in den Medien.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>nachgefragt</b>:<br />
Sind Sie persönlich wirklich der Meinung, die Veröffentlichung<br />
der Rosenholzdatei helfe der gesellschaftlichen Aufarbeitung der Vergangenheit<br />
oder meinen Sie nicht auch, dass verjährte Straftaten wieder einmal<br />
nur die Menschen in Ostdeutschland in ein schlechtes Licht stellen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Bei den Rosenholz-Daten geht es vor allem um die Westarbeit der Stasi,<br />
also überwiegend um ehemalige Bundesbürger – allerdings<br />
nicht nur. Im übrigen stellen die Stasiakten die Ostdeutschen nicht<br />
in ein schlechtes Licht, sondern beweisen, dass wir kein Volk von Spitzeln<br />
und Verrätern waren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>zeitleich</b>:<br />
Allgemein gefragt: Haben sie das Gefühl, dass sich kaum noch jemand<br />
für diesen Teil deutscher Geschichte interessiert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Birchlermüsli</b>:<br />
Während Filme wie &quot;Goodbye Lenin&quot; die Ostalgie fördern,<br />
ist das Interesse an der Vergangenheitsbewältigung doch stark gesunken.<br />
Sind Sie enttäuscht oder verbittert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Zwei Antworten: Die Zeit der Enthüllungsstories ist so gut wie vorbei,<br />
deshalb meinen manche, das Interesse lässt nach. Aber wir stellen<br />
ein von Jahr zu Jahr steigenden Interesse, insbesondere bei Jugendlichen<br />
fest. Wir merken das an Besuchen, Projekttagen usw. Ich bin nicht ein<br />
bisschen verbittert. Dass das Interesse mal größer und mal<br />
kleiner ist, halte ich für normal. Denken Sie an den 17. Juni: Plötzlich<br />
waren Millionen Menschen interessiert. War auch ein DDR-Thema.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>moses</b>:<br />
Wie lange wird ihre Behörde noch arbeiten? Denken sie, dass sie irgendwann<br />
geschlossen werden sollte oder für immer Historikern als Quelle dienen<br />
sollte?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Die meisten unserer Aufgaben sind noch lange nicht erledigt.<br />
An eine veränderte Organisationsform für das Archiv wird man<br />
erst denken können, wenn nicht mehr so viele Anträge eingehen.<br />
Im übrigen bin ich davon überzeugt, dass die spannendsten Zeiten<br />
der Aufarbeitung noch bevorstehen. 13 Jahre sind eine sehr kurze Zeit.<br />
Gemessen an 1945 befinden wir uns im Jahre 1958.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Nachfrage zu Gysi:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jan</b>:<br />
Wollen sie Gysi trotzdem noch mal überprüfen? Und Stolpe?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Wir überprüfen überhaupt nicht. Das haben wir im übrigen<br />
noch nie getan. Wir geben immer nur entsprechende Unterlagen heraus, wenn<br />
die entsprechenden Stellen überprüfen wollen. Wir entscheiden<br />
auch nicht, nach welchen Kriterien überprüft wird und mit welchen<br />
Folgen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudio Wellmann</b>:<br />
Hat Ihre Behörde Erkenntnisse über noch heute bestehende Seilschaften<br />
aus ehemaligen Stasi-Mitarbeitern – etwa im Medienbereich, in der<br />
Politik, im Sport oder in der Wirtschaft ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Keine konkreten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>frogX</b>:<br />
Wäre es nicht konsequent auch die Archive des BRD-Verfassungsschutzes<br />
aus der Zeit der DDR zu öffnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Mal abgesehen davon, dass es sich hier um ein gänzlich anderes Thema<br />
handelt: Ich bin schon immer dafür gewesen, amtliche Unterlagen der<br />
Bevölkerung zugänglich zu machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kino</b>:<br />
Frau Birthler, wie ist der Stand der Dinge bei den Stasi-Akten von Helmut<br />
Kohl?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Das Berliner Verwaltungsgericht prüft gerade, ob für neue Anträge<br />
zu Helmut Kohl das neue Gesetz gilt oder das Urteil, das die Herausgabe<br />
seiner Unterlagen verbietet, noch gilt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudio Wellmann</b>:<br />
Nachfrage zu Stasi-Seilschaften: glauben Sie persönlich (!), dass<br />
es diese noch heute gibt ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Es gibt nach wie vor Milieus, in denen ehemalige Stasi-Mitarbeiter das<br />
Sagen haben. Aber es sind mehr Milieus als schlagkräftige Organisationen<br />
und Seilschaften.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tom</b>:<br />
Wie viele Spione hat die DDR in den Westmedien eingesetzt – und<br />
was waren dabei die bevorzugten Medienhäuser bzw. Sender ?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Kann man im Moment noch nicht beziffern. Insgesamt waren 1989 ca. 3000<br />
bis 3500 Spione im Westen aktiv. Zur Frage der Medien wird zur Zeit noch<br />
intensiv geforscht. Die ARD z.B. hat ein großes Projekt dazu in<br />
Arbeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>oihoi</b>:<br />
Ich habe gelesen &#8211; wenn es denn stimmt &#8211; dass drei Außenstellen<br />
geschlossen werden sollen? Warum und was passiert mit den Arbeitsplätzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rundertisch</b>:<br />
Nach internen Plänen sollen ab 2006 drei der dreizehn Außenstellen<br />
in den ostdeutschen Ländern geschlossen werden, lese ich. Warum,<br />
wo und gehen dadurch Arbeitsplätze verloren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Unsere Behörde wird allmählich kleiner. Für 2010 planen<br />
wir, mit weniger Außenstellen auszukommen. Entlassen wird deshalb<br />
niemand.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>mi5</b>:<br />
Zu der Schließung: Wer betreut dann die Unterlagen, wenn in der<br />
Region keine Behörde mehr ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Es wird auch künftig in allen ostdeutschen Bundesländern Außenstellen<br />
geben. Das steht im Gesetz.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hitzefrei</b>:<br />
Ich habe bis jetzt viel gelernt im Chat, wie sie wirklich arbeiten. Da<br />
stellt sich mir die Frage, warum das bisher bei mir und anderen nicht<br />
so bekannt ist. Ist ihre PR-Strategie missglückt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Danke. Schauen sie mal auf unsere Website www.bstu.de und machen Sie sich<br />
selber ein Bild.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>anja</b>:<br />
Frau Birthler, wie sieht eigentlich Ihr Alltag als Bundesbeauftragte aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Vorträge, Diskussionen, Verhandlungen, Post, Ausstellungseröffnungen,<br />
Innerbehördliche Angelegenheiten, telefonieren, die Behörde<br />
repräsentieren , chatten&#8230;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Maria</b>:<br />
Frau Birthler, Sie wollen eine stärkere Aufklärung der Stasi-Aktivitäten<br />
in der alten Bundesrepublik. Wie wollen Sie in diesem Punkt vorgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>SimoneR</b>.:<br />
Erwarten sie prominente Enthüllungen, die etwa in Parteien für<br />
Wirbel sorgen werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Ja, der Westen ist ein Problem. Aber auch von dort bekommen wir immer<br />
mehr Anfragen &#8211; zu Akten und zu Vorträgen und Veranstaltungen. Leider<br />
haben wir dort keine Außenstellen. Die Erwartungen an Rosenholz<br />
halte ich insgesamt für übertrieben. Die meisten Spione, die<br />
89 noch aktiv waren, sind schon bekannt gewesen. Hier und da könnte<br />
es dennoch zu interessanten Neuigkeiten kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lenin</b>:<br />
Wie erschließen Sie denn neue Quellen für weitere Unterlagen?<br />
Und welches Interesse steckt dahinter? Denn damit kann ja Politik gemacht<br />
werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Wir erschließen nicht neue Quellen, sondern die Akten, die ungeordnet<br />
oder zerrissen in unseren Archiven lagern. Das Interesse, das dahintersteckt,<br />
bezieht sich auf die Bedeutung, die das MfS in der DDR hatte. Das MfS<br />
war der wichtigste &quot;Dienstleister&quot; für die SED, nannte<br />
sich selber &quot;Schild und Schwert der Partei&quot;. Außerdem<br />
ist es historisch und weltweit das erst Mal, das der Geheimdienst einer<br />
Diktatur nackt da steht. Deshalb interessieren sich Historiker aus aller<br />
Welt für unsere Archive.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>digger</b>:<br />
Wie groß ist die Zahl der Personen, die nach den von Ihnen verwalteten<br />
Unterlagen eine aktive Rolle im Zusammenhang mit der Stasi gespielt haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
90.000 hauptamtliche Mitarbeit und 174.000 inoffizielle Ende 89.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
noch mal zu &quot;Rosenholz&quot;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tttt23</b>:<br />
Was gibt es denn für interessante Neuigkeiten bezogen auf Rosenholz-Dateien?<br />
Da haben sie mich jetzt aber neugierig gemacht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Wir wissen bisher wenig über die Mitarbeiter der HVA vor den 80er<br />
Jahren und so gut wie nichts über die Mitarbeiter der HVA in der<br />
DDR.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edgi</b>:<br />
Zu MfS: Nackt ist ja schön und gut, aber wie sieht es mit der Strafverfolgung<br />
aus? Da gibt es doch Nachholbedarf!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Mit wenigen Ausnahmen sind alle Verbrechen aus der DDR-Zeit verjährt.<br />
Das wichtigste war aber das &quot;Rückwirkungsverbot&quot;. Danach<br />
dürfen heute nur Vergehen bestraft werden ,die auch zu DDR-Zeiten<br />
ungesetzlich waren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hitzefrei</b>:<br />
Mhh, Ihre Antwort hat meine Frage nicht beantwortet. Irritiert es Sie<br />
denn nicht, dass so viele Halbwahrheiten oder Fehler über die Arbeit<br />
ihrer Behörde in der Öffentlichkeit kursieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Doch, aber ich habe mich ein wenig daran gewöhnt. Und dass ich hier<br />
sitze, zeigt ja, dass ich etwas dagegen tun möchte. Man kann ja (eigentlich<br />
zum Glück) niemanden dazu zwingen, sich für etwas bestimmtes<br />
zu interessieren.<br />
Nachtrag: Natürlich spielt auch eine Rolle, dass es nicht wenige<br />
gibt, die gern den Mantel des Vergessens über alles breiten würden.<br />
Aber das ist in den Zeiten nach Diktaturen immer so. In Spanien fangen<br />
die Leute heute erst an, öffentlich über die Verbrechen Francos<br />
zu diskutieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>schüler<br />
11a</b>: Wenn sie die Aufarbeitung der DDR und der Nazizeit vergleichen,<br />
was ist der entscheidende Unterschied und was ist besser heute?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Wir haben Zugang zu wichtigen Quellen, die damals entweder vernichtet<br />
waren oder für Jahrzehnte weggesperrt. Andererseits: Viele Menschen<br />
sind sich heute keineswegs im Klaren darüber, welche Verbrechen zu<br />
DDR-Zeiten geschehen sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudio Wellmann</b>:<br />
Nachfrage Stasi-Milieus: eine Journalistin der Lausitzer Rundschau wurde<br />
bei Recherchen zu diesem Thema bedroht. Ein Einzelfall?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Kein Einzelfall, aber zum Glück selten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Shalom</b>:<br />
Sie rühmen die Aufarbeitung. Aber ist eine staatliche Behörde<br />
der richtige Ort für eine unabhängige Aufarbeitung? Richtet<br />
sich nicht gegen sie persönlich, Frau Birthler.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Der Staat hat auf die Inhalte unserer Arbeit keinerlei Einfluss. Unsere<br />
Arbeit ist außerdem teuer. Ich weiß keine private Institution,<br />
die sie finanzieren würde. Und ist es nicht auch gut, dass der Staat<br />
mit dieser Behörde demonstriert, wie wichtig die Aufarbeitung ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cia22</b>:<br />
Mit heftiger Kritik hat der Direktor der Gedenkstätte im ehemaligen<br />
Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, auf<br />
das Programm des Ökumenischen Kirchentages reagiert. Die Aufarbeitung<br />
der DDR-Vergangenheit werde fast völlig ignoriert, sagte Knabe. Stimmen<br />
sie dem zu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Das Thema war in der Tat unterrepräsentiert. Allerdings keinesfalls<br />
so, wie Herr Knabe das geschildert hat. Der Kirchentag wird auch nicht<br />
von einer Zentrale vorbereitet, sondern von vielen Gruppen, d.h., die<br />
Verantwortung tragen viele.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cia22</b>:<br />
Na ja, kein Einfluss, das glaube ich nicht. Über Etatentscheidungen<br />
kann er doch ihre Arbeit stark einschränken?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Birne:</b><br />
Der Staat kann doch indirekt über Geld ihre Arbeit einschränken?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gegengewicht</b>:<br />
Gibt es von westdeutschen Institutionen Unterstützung für die<br />
Aufarbeitung oder stehen Sie alleine da?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Mal abgesehen von den allgemeinen Sparzwängen werden wir nicht durch<br />
besondere Etatkürzungen behandelt. Der Bundestag, der ja die finanziellen<br />
Mittel beschließt, unterstützt unsere Arbeit. Not leiden manche<br />
privaten Aufarbeitungsinitiativen, die von Spenden oder Zuwendungen abhängig<br />
sind, wie Opferberatungen. Es gibt eigentlich kaum noch westdeutsche Institutionen,<br />
oder meinen sie etwa den Bundestag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Michilo</b>:<br />
Kann man die (Un-)Taten aller Stasi-Mitarbeiter (West und Ost) online<br />
einsehen? Ein solcher Pranger würde abschreckend wirken. Ich betone,<br />
ich meine nicht die Opfer &#8211; also Bespitzelte, die müssten ein Widerspruchsrecht<br />
haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Im empfehle noch einmal unsere Website mit vielen Informationen und einer<br />
Liste von Publikationen. Außerdem kann man unsere Ausstellungen<br />
oder unser Archiv besuchen und dort alle Fragen der Welt der stellen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kurt</b>:<br />
Ist Ihrer Meinung nach der Bedarf an Beratungsstellen für ehemals<br />
politisch Verfolgte durch &quot;Gegenwind&quot; bzw. das BZFO abgedeckt,<br />
oder wo könnte/sollte ausgebaut werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
&quot;Gegenwind&quot; macht eine sehr wichtige und tolle Arbeit und wird<br />
viel zu wenig unterstützt. Während sich alle Welt für Rosenholz<br />
interessiert, stehen die Opfer leider im Schatten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Aller</b>:<br />
Empfinden Sie Ihre täglich arbeit als befriedigend? Drückt die<br />
tägliche Konfrontation nicht auch auf die Stimmung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler:</b><br />
Ich habe einen wunderbaren Job. Manchmal erfahre ich bedrückende<br />
Dinge &#8211; aber dass diese an das Tageslicht kommen, erfüllt mich mit<br />
Genugtuung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moses</b>:<br />
Nachfrage: haben sie noch Lust auf die Aufgabe oder reizt sie auch mal<br />
etwas anderes?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Ich bin für fünf Jahre gewählt, davon ist gut die Hälfte<br />
um. Im Moment möchte ich nix anderes machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>schüler<br />
11a</b>: Werden Sie von anderen Länder als Expertin für<br />
den Aufbau vergleichbarer Behörden angefragt, etwa in Jugoslawien?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Ja, es gibt viele Kontakte: zu Ungarn, Polen, Tschechien und mehreren<br />
anderen Ländern. Dort gibt es inzwischen vergleichbare Institutionen<br />
(auch Rumänien). Neuerdings werden wir von irakischer Seite nach<br />
unseren Erfahrungen gefragt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Stunde ist fast um. Leider konnten aufgrund des Andrangs beileibe<br />
nicht alle Fragen beantwortet werden. Leider nicht zu ändern. Eine<br />
letzte Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kurt</b>:<br />
Hätten Sie einen Vorschlag, wie man die Opfer besser aus Ihrer Rolle<br />
herausholen kann? Eine Art Versöhnung mit Tätern oder andere<br />
öffentliche Anerkennung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Das wichtigste ist für viele, dass sich jemand für ihre Geschichte<br />
interessiert. Dann war das Leiden wenigstens nicht umsonst.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Vielen Dank für Ihre Fragen, vielen Dank Frau Birthler, dass Sie<br />
zum Chat ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen sind. Wir wünschen allen<br />
Teilnehmern noch einen angenehmen Sommerabend!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marianne Birthler</b>:<br />
Danke für das Interesse und die spannenden Fragen. Auf unserer Seite<br />
wird übrigens auch gechattet.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Stabilitätsprobleme werden zunehmen. Das Maastrichtkriterium wird deutlich überschritten, es wird mindes</title>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Jul 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
		<category><![CDATA[Euro-Stabilitätspakt]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Zimmermann]]></category>
		<category><![CDATA[Neuverschuldung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kzimmermann.jpg" alt="Klaus Zimmermann" align="left" border="0" height="99" width="74" /></b> 
<span style="color: #000000"><b><b> 
Klaus Zimmermann, Präsident des DIW Berlin, ist am 16. Juli 2003 
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/kzimmermann.jpg" alt="Klaus Zimmermann" align="left" border="0" height="99" width="74" /></b><br />
<span style="color: #000000"><b><b><br />
Klaus Zimmermann, Präsident des DIW Berlin, ist am 16. Juli 2003<br />
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Moderator</b>: Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Der Präsident des Deutschen Instituts für<br />
Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, ist heute in den Büroräumen<br />
von politik-digital zu Gast im Chat. Der Live-Chat kann über die<br />
geschaltete Webcam mitverfolgt werden. Herr Zimmermann, sind Sie bereit?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Selbstverständlich.</p>
<p><b>Frage</b>: Bundeskanzler Schröder hat heute erklärt,<br />
dass die Finanzierung der dritten Stufe der Steuerreform ab 2005 durch<br />
&quot;darin vorgesehene Maßnahmen&quot; gedeckt sei. Was sind denn<br />
das für Maßnahmen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Ja, zu den Maßnahmen gehören<br />
der Abbau von Subventionen in der Landwirtschaft und beim Bau sowie wahrscheinlich<br />
auch die Kürzung der Unterstützung für die Entfernungsgeldpauschale.</p>
<p><b>Moderator</b>: Heute hat Herr Eichel die Eckpfeiler seiner<br />
Steuerreform bekannt gegeben. Wie soll diese in Zeiten flauer Wirtschaft<br />
finanziert werden?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Es ist vorgesehen, zunächst einmal<br />
Kredite auf zu nehmen und Bundesbesitz zu privatisieren. Das ist gut,<br />
weil deshalb die Konjunktur im nächsten Jahr leichter anspringen<br />
kann. Für die Jahre danach muss man dann aber daran denken, Subventionen<br />
ab zu bauen, etwa in der Landwirtschaft und beim Bau.</p>
<p><b>Ursula</b>: Nach Eichels Konzept will der Bund im kommenden<br />
Jahr 5 Milliarden Euro zusätzlichen Kredit aufnehmen. Wird die vorgezogene<br />
Steuerreform also deutlich schuldenfinanziert sein?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Ja, und damit haben die Menschen netto<br />
mehr Geld in der Tasche und werden stärker konsumieren und in neue<br />
Unternehmungen investieren.</p>
<p><b>Nicole</b>: Schröder meinte, dass es lediglich darum<br />
ginge, ein Jahr finanziell über die Runden zu kommen. Aber jetzt<br />
mal ehrlich: Nach einem Jahr, also 2005, wird die Wirtschaft doch nicht<br />
über den Berg sein, Herr Zimmermann, oder?!</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Da haben Sie Recht. Die Regierung muss<br />
weiter ihre Hausaufgaben machen, dazu gehört die Durchführung<br />
konsequenter Strukturreformen, etwa am Arbeitsmarkt. Weitere Maßnahmen<br />
sind die Reform der sozialen Sicherungssysteme und die Haushaltssanierung.</p>
<p><b>öltanker</b>: Wie viel Wachstum brauchen wir wirklich,<br />
um am Arbeitsmarkt Effekte zu erzielen, die auch die vielen schlecht ausgebildeten<br />
Arbeitslosen mitziehen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Richtig durchgeführt wird dies<br />
die Bereitschaft der Unternehmen zu Investitionen erhöhen. Um am<br />
Arbeitsmarkt wirkliche Effekte zu erzielen, brauchen wir mindestens zwei<br />
Prozent Wachstum. Soviel werden wir demnächst nicht bekommen, das<br />
heißt die Arbeitslosigkeit wird auch in den nächsten Jahren<br />
eher anwachsen.</p>
<p><b>peterter</b>: Warum brauchen wir zwei Prozent Wachstum?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Weil erst mit mehr als zwei Prozent<br />
mehr Menschen eingestellt werden.</p>
<p><b>kohl</b>: Ist das in anderen Ländern anders? Gibt es<br />
da früher Arbeitsplätze bei weniger Wachstum?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: In Amerika und in England beispielsweise<br />
brauchen wir viel weniger Wachstum, um mehr Beschäftigung zu erreichen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Hier kommt wieder eine Frage zur Situation<br />
in Deutschland:</p>
<p><b>Rudi</b>: Aber wenn die Arbeitslosigkeit wächst, haben<br />
die Menschen doch nicht mehr Geld um zu investieren, oder?!</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Richtig. Wir müssen vermeiden,<br />
dass noch mehr Menschen arbeitslos werden. Gleichzeitig soll durch die<br />
Steuerreform mehr Geld in die Taschen von Konsumenten und Unternehmern<br />
gelangen, damit mehr Nachfrage entsteht.</p>
<p><b>igmetalla</b>: Bringt denn nur Arbeit mehr Wachstum? Oder<br />
nur anders herum?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Beides ist möglich. Wichtig ist<br />
allerdings, dass Wachstum entsteht, damit mit mehr Gütern auch mehr<br />
Menschen in Arbeit kommen. Steigt andererseits die Arbeitsbereitschaft,<br />
dann führt dies auch zu einer Kostensenkung bei den Unternehmen und<br />
die Güterpreise können sich so günstig entwickeln, dass<br />
auch mehr abgesetzt wird.</p>
<p><b>Mirijam</b>: Aber ist es nicht auch ein psychologisches Problem?<br />
Die Menschen werden doch nur mehr investieren, wenn sie auch tatsächlich<br />
das Gefühl haben, nicht mehr in einer Konjunkturschwäche zu<br />
stecken? Kann man dieses Problem mit der Steuerreform lösen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Wenn die Steuerreform hilft, dass der<br />
Konjunkturaufschwung tatsächlich für die Menschen spürbar<br />
wird, dann wächst das Vertrauen in die Zukunft und es wird mehr investiert.</p>
<p><b>susip</b>.: Alle reden von Wachstum, aber warum muss die<br />
Wirtschaft eigentlich immer wachsen? Kann sie nicht auf dem heutigen Niveau<br />
bleiben?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Nein, sonst würde das Arbeitslosigkeitsproblem<br />
immer größer werden. Nur Wachstum sichert, dass sich neue Märkte<br />
entwickeln und zusätzliche Beschäftigung entsteht.</p>
<p><b>kohl</b>: Muss das Problem nicht EU-weit angegangen werden?<br />
Was machen etwa Frankreich und Chirac?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Auch die Franzosen haben Probleme mit<br />
der Sparpolitik und verfolgen eine ähnliche Politik, die Konjunktur<br />
durch zusätzliche Budgetdefizite anzuregen. Generell gilt, dass ganz<br />
Europa in einer Wachstumsschwäche steckt. Deutschland muss als größte<br />
Nation mit helfen, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun zu einer europaweit bedeutsamen Frage:</p>
<p><b>Dieter Schmidt</b>: Hält Eichels Steuerreform dem Stabilitätspakt<br />
stand, oder sprengt sie ihn damit?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die Stabilitätsprobleme werden<br />
zunehmen. Der Pakt kann im nächsten Jahr nicht gehalten werden. Das<br />
Maastrichtkriterium wird deutlich überschritten, es wird mindestens<br />
3,7 Prozent betragen.</p>
<p><b>Sucher</b>: Die marginale Grenze von 3% an Neuverschuldung<br />
soll nicht gesprengt werden. Was besagt diese Zahl genau? Ist sie nicht<br />
willkürlich gewählt und könnte in flauen Zeiten wie diesen,<br />
die ja ganz Europa auf dem Magen liegen, nach oben korrigiert werden?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Bei dieser Grenze geht es um den Anteil<br />
der Neuverschuldung am Bruttoinlandsprodukt. 3 % heißt, dass das<br />
Defizit so groß ist wie 3 % des Bruttoinlandsprodukts. Die Zahl<br />
ist vertraglich vereinbart und kann nicht einfach verändert werden.<br />
Allerdings kann die Grenze überschritten werden, wenn eine Regierung<br />
die Finanzpolitik begründen kann. Im Fall für Deutschland kann<br />
man mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage, mit der Steuerreform selbst<br />
sowie mit den Strukturreformen erfolgreich argumentieren. Dann kann man<br />
die drohenden finanziellen Strafen vermeiden.</p>
<p><b>Moderator</b>: Ist sie also eine beliebige Zahl, die vertraglich<br />
vereinbart wurde? Könnten es auch 3,5% sein?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Es gibt keine wissenschaftliche Begründung<br />
für diese genaue Zahl, es könnte auch 5 % heißen. Allerdings<br />
galt sie bei Vertragsabschluß als politisch tragfähig und finanzpolitisch<br />
wirksam.</p>
<p><b>libero</b>: Chirac hatte angedeutet, den Stabilitätspakt<br />
nicht einhalten zu wollen? Warum soll sich Eichel daran halten?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Eichel hat das Probleme, dass die Deutschen<br />
den Stabilitätspakt erfunden haben. Wir wollten diese Regelungen,<br />
damit wir die Aufgabe der DM leichter verkraften. Jetzt zeigt sich, dass<br />
kritische Länder wie Griechenland stabilitätsbewusster handeln.<br />
Allerdings hat Eichel in Brüssel erreicht, dass ein Reißen<br />
des Kriteriums dann akzeptiert wird, wenn Strukturreformen eingeleitet<br />
werden und der mittelfristige Stabilisierungspfad nicht verlassen wird.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun zwei Fragen in die gleiche Richtung&#8230;</p>
<p><b>Sucher</b>: Was hat die Überschreitung denn für<br />
Konsequenzen?</p>
<p><b>Mumpitz</b>: Jedes Land hat doch Probleme, diese Zahl einzuhalten.<br />
Hätte man das nicht vorher absehen können?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Nicht jedes Land hat Probleme, nur<br />
die großen Länder neben Deutschland und Frankreich auch Italien.<br />
Das war nicht voraus zu sehen, da damals größeres Wachstum<br />
herrschte, deshalb sollte man den Pakt bald sinnvoll reformieren, um Konjunkturschwankungen<br />
besser Rechnung zu tragen.<br />
Zu Sucher:<br />
Das kann zu Strafzahlungen in Milliardenhöhe führen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun ein Schwenk zur Innenpolitik Deutschlands&#8230;</p>
<p><b>Mirijam</b>: Um was für Subventionskürzungen geht<br />
es denn inhaltlich? Was bedeutet das für den Normalbürger?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die derzeit diskutierten Subventionen<br />
sind die Eigenheimzulage, das Entfernungsgeld beim Weg zur Arbeit, die<br />
Steuerbefreiung von Überstunden und Nachtarbeit sowie die Landwirtschaft.<br />
Größenordnungsmäßig geht es um Beträge in Höhe<br />
von 15 &#8211; 20 Milliarden Euro, die zunächst zur Diskussion stehen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Wo soll das Geld genau herkommen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Aus den Taschen der Haushalte und Unternehmungen.</p>
<p><b>Moderator</b>: Nun zur Opposition:</p>
<p><b>kohl</b>: Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel warf Rot-Grün<br />
eine &quot;Flucht in neue Schulden&quot; vor. Aber anders geht es doch<br />
nicht?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Es geht nicht anders, wenn man jetzt<br />
im kommenden Jahr die Konjunktur etwas stützen will. Natürlich<br />
könnte man durch eine Kürzung von Subventionen oder auch durch<br />
Haushaltseinsparungen eine Gegenfinanzierung schaffen. Dann müssten<br />
sich Regierung und Opposition allerdings darauf einigen, was gestrichen<br />
werden soll. Das fällt allen Parteien derzeit denkbar schwer. Dazu<br />
kommt, dass diese Einsparungen gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach Gütern<br />
und Dienstleistungen reduzieren würden, und es uns somit wirtschaftlich<br />
schlechter ginge. Das kann niemand wollen, also sollte sich rasch eine<br />
Einigung auch im Bundesrat auf Vorziehen der Steuerreform ohne Ausgabenkürzung<br />
finden.</p>
<p><b>peterter</b>: Die überwiegende Kreditfinanzierung und<br />
die fehlende Entlastung für Kommunen und Länder seien &quot;nicht<br />
hinnehmbar&quot;, sagt Stoiber. Abgesehen davon, das er kein eigenes Konzept<br />
hat, hat er inhaltlich recht und was schlagen sie vor?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Die fehlende Entlastung für die<br />
Kommunen müssen bei der Gemeindefinanzreform kommen. Es ist ein großes<br />
Problem, dass die kommunalen Investitionen bereits seit Jahren schrumpfen.<br />
Das wird auf Dauer zu einem schwerwiegenden Wachstumshemmnis für<br />
die deutsche Wirtschaft. Die Länder haben dagegen eine konjunkturpolitischen<br />
Auftrag und würden bei einem mittelfristigen Subventionsabbau auch<br />
erhebliche Vorteile haben. Damit löst sich das Problem mittelfristig</p>
<p><b>jung</b>: Die Opposition sagt: Eine Steuerreform auf Pump<br />
sei gegenüber der jüngeren Generation unverantwortlich. Stimmt<br />
das? Bezahlen wir Jungen die Schulden von morgen?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die Jungen stehen vor großen<br />
Belastungen. Das kann nur vermieden werden, wenn jetzt Strukturreformen<br />
gemacht werden. Diese sind aber nur erträglich und praktikabel, ja<br />
sogar wirksam, wenn die wirtschaftliche Dynamik anspringt. Wer mit dem<br />
Fahrrad voran kommen will, muss zwar die Handbremse lösen, er muss<br />
aber auch in die Pedale treten.</p>
<p><b>cher</b>: Wenn der Staat jetzt neue Schulden, d.h. Kredite,<br />
aufnimmt, macht er das in Deutschland oder im Ausland? Denn Kredite im<br />
Inland fördern doch letztlich auch die deutsche Volkswirtschaft,<br />
oder?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Das geschieht überwiegend im Inland.<br />
Der Staat tritt aber in Konkurrenz zu privaten Investoren, die dann höhere<br />
Zinsen zahlen müssen, um an ihre Kredite zu kommen. Auch sind höhere<br />
Staatsschulden mittelfristig über Steuern zurück zu zahlen.<br />
Die Haushalte haben also nicht dauerhaft mehr Geld in der Tasche.</p>
<p><b>Moderator</b>: Ein Schwenk zu einer von Eichel angekündigten<br />
Privatisierungsmaßnahme:</p>
<p><b>Frodo</b>: Wie wird sich der geplante Verkauf der Telekom-<br />
und Post-Aktien auf den Börsenmarkt auswirken? Muss dann nicht wieder<br />
der kleine Mann, in diesem Fall die Kleinaktionäre, dran glauben?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Das wird wohl über die Kreditanstalt<br />
für Wiederaufbau langsam in den Markt eingebracht, keinesfalls wird<br />
das Bundeseigentum jetzt billig verschleudert. Somit kann sicher gestellt<br />
werden, dass die Aktien dann in den Markt kommen, wenn auch Nachfrage<br />
besteht. Aber natürlich ist es richtig, dass die Aussichten auf kurzfristige<br />
Wertzuwächse bei diesen Aktien zunächst verbaut.</p>
<p><b>Moderator</b>: Das heißt, die Kreditanstalt für<br />
Wiederaufbau steuert den Rückfluss der Aktien auf den Markt?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Richtig. Diese Bank des Bundes ist<br />
für die Marktpflege verantwortlich. Sie stellt der Regierung kurzfristig<br />
die benötigten Gelder für den Haushalt zur Verfügung.</p>
<p><b>Lara</b>: Herr Zimmermann, die Börsenkurse sind im Moment<br />
am Boden. Für verkaufte Telekomaktien wird nicht viel zu bekommen<br />
sein. Wo kommt der Rest des Geldes her, das die vorgezogene Steuerreform<br />
gegenfinanzieren soll?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Die Aktien werden nicht sofort verkauft.<br />
Die Kreditanstalt bringt sie erst in den Markt, wenn die Situation günstig<br />
ist. Derzeit erhält also die Regierung einen Kredit der Kreditanstalt.</p>
<p><b>Moderator</b>: Und zurück zu grundsätzlichen Fragen<br />
der User:</p>
<p><b>jäggi</b>: Nachfrage zum Stabilitätspakt: Sollte<br />
Eichel also die drei Prozent Grenze überschreiten?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Er hat keine andere Chance. Sonst würde<br />
er die Wirtschaft weiter abwürgen und mehr Arbeitslosigkeit schaffen.<br />
Allerdings muss er sehr genau begründen, warum er das tut.</p>
<p><b>Wundertüte</b>: Ist die Neuverschuldung überhaupt<br />
verfassungsmäßig?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Der Haushalt liegt über der normalen<br />
Grenze. Die Neuverschuldung ist größer als die Summe der Investitionen.´Das<br />
ist dennoch verfassungsgemäß, wenn Eichel gleichzeitig eine<br />
gesamtwirtschaftliche Notlage erklärt. Das wird er tun und dann ist<br />
es ganz legal.</p>
<p><b>jäggi</b>: Also hat die Union mit Ihrem Vorwurf der<br />
nicht Verfassungsmäßigkeit unrecht?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Nein. Der Haushalt ist ohne diese Erklärung<br />
verfassungswidrig. Mit allerdings nicht, insofern ist das nur ein Spiel<br />
mit der Öffentlichkeit.</p>
<p><b>Moderator</b>: Vorletzte Frage: Aber ist das &quot;Gleichgewicht&quot;<br />
von Neuverschuldung und Investition vor dem Hintergrund der Steuerreform<br />
durchzuhalten?</p>
<p><b>Klaus Zimmermann:</b> Die Steuerreform wird kurzfristig zum<br />
Überschießen führen. Springt die Konjunktur aber an, gibt<br />
es weitere Steuereinnahmen und der Haushalt saniert sich.</p>
<p><b>Moderator</b>: Letzte Frage noch einmal zum Stabilitätspakt:</p>
<p><b>Spd</b>: Stabilitätspakt: Sie haben noch nicht präzisiert,<br />
warum die 3% in Maastricht vertraglich festgelegt wurden. Hat diese willkürlich<br />
gefundene Grenze eine ökonomische Basis? Ich lebe in Frankreich und<br />
dort werden seit drei Jahren die 3% überschritten. Dazu hat Frankreich<br />
seit 1997 mehr Wirtschaftswachstum erreicht als Deutschland.</p>
<p><b>Klaus Zimmermann</b>: Es gibt keine wissenschaftliche Basis.<br />
Das war eine politisch gegriffene Größe. Damit sollte eine<br />
restriktive Regelung gefunden werden, die nationalen Regierungen zu disziplinieren.</p>
<p><b>Moderator</b>: Liebe Politik-Interessierte, eine Stunde ist<br />
vorbei. Vielen Dank für Ihre Fragen, vielen Dank Herr Zimmermann,<br />
dass Sie in die Redaktionsräume von politik-digital gekommen sind.<br />
Den nächsten Chat gibt&#8217;s am kommenden Montag, den 21. Juli, dann<br />
stellt sich der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände<br />
Hans-Günter Friese von 17.00 bis 18.00 Uhr Ihren Fragen. Wir freuen<br />
uns, wenn Sie wieder dabei sind. Einen schönen Abend wünscht<br />
das tacheles.02-Team.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Das größte soziale Problem in unserem Land ist die Perspektivlosigkeit von über 4 Millionen arbeitslosen Me</title>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Jul 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Kündigungsschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmarktpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Karl-Josef Laumann]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/klaumann.jpg" alt="Karl-Josef Laumann" align="left" border="0" height="116" width="98" /></b><span style="color: #000000"><b><b> 
Karl-Josef Laumann, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Union, ist am 
8. Juli 2003</b></b></span></span> <b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">zu 
Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de</span></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/klaumann.jpg" alt="Karl-Josef Laumann" align="left" border="0" height="116" width="98" /></b><span style="color: #000000"><b><b><br />
Karl-Josef Laumann, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Union, ist am<br />
8. Juli 2003</b></b></span></span> <b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">zu<br />
Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de</span></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">.</span><!--break--><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>M</b></span><b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">anu</span></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">:<br />
Wie bewerten Sie die heute erschienenen Arbeitslosenzahlen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl-Josef Laumann</b>:<br />
Ich bin der Meinung, dass die Arbeitslosenzahlen keine Entspannung für<br />
den Arbeitsmarkt bedeuten. Die traurige Realität ist, dass heute<br />
in Deutschland rund 300.000 Menschen mehr arbeitslos sind als vor einem<br />
Jahr.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Heinz Müller</b>: Herr Laumann, einige sehen in den neuen Arbeitslosenzahlen<br />
einen konjunkturellen Aufschwung, da ein doppelt so starker Rückgang<br />
zu verzeichnen war wie im Schnitt der letzten 10 Jahre. Stimmen Sie dem<br />
zu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Nein, dem stimme ich nicht zu, weil dieser<br />
Rückgang auf ein sehr hohes Niveau &#8211; nämlich der höchsten<br />
Arbeitslosigkeit in Deutschland seit Kriegsende &#8211; bezieht.</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Arbeitnehmer</b>: Worauf führen Sie den Rückgang der Arbeitslosenquote<br />
im Juni gegenüber Mai zurück?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Auf einen stetigen Beschäftigungsanstieg,<br />
der rein saisonal zu begründen ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Rounm</b>: Wie stehen sie zu den Reformplänen der Bundesregierung<br />
in Sachen Steuer und Gesundheitsreform?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Bei der Gesundheitsreform versuchen wir ja<br />
gerade notwendige erste Reformschritte gemeinsam mit der Bundesregierung<br />
zu verabreden. Was ich höre, verlaufen diese Gespräche durchaus<br />
erfolgversprechend. Was die Steuerreform anbelangt, bin ich sehr gespannt,<br />
wie Schröder sie gegen finanzieren will. Eine Steuerreform auf Pump<br />
ist gegenüber der jüngeren Generation unverantwortlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wissen ist Macht</b>: Herr Laumann, schadet eine innerparteiliche Auseinandersetzung,<br />
wie jüngst wegen der Steuerreform geschehen, dem Image der Partei?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Natürlich hat das das Image der CDU beschädigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Rounm</b>: Sehen sie den Haushaltsplan für 2004 als verfassungswidrig<br />
an?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Der Haushaltsplan ist deshalb verfassungswidrig,<br />
weil die Verschuldung die Höhe der Investitionen übersteigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wissen ist Macht</b>: Wie sehen Sie den Ausweg aus der Finanzmisere?<br />
Der Großteil der Union fand den Ansatz, auf Pump zu leben, doch<br />
gar nicht mal so schlecht, oder?!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Ich sehe den Ausweg aus der Misere zunächst<br />
einmal in einer Reform des Arbeitsmarktes und klare Finanzierungsperspektiven<br />
für die sozialen Sicherungssysteme. Dieses zusammen mit einer gegenfinanzierten<br />
Steuerreform würde sicherlich Impulse für Wachstum und Beschäftigung<br />
bringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Anni</b>: Sie haben sich auch für Steuersenkungen ausgesprochen.<br />
dies bedeutet für die Kommunen deutliche Mindereinnahmen. Glauben<br />
Sie dass ein paar Euro mehr im eigenen Säckel besser sind als intakte<br />
Schulen, Kindergärten, soziale Einrichtungen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Wir brauchen dringend eine Reform der kommunalen<br />
Finanzen. In den letzten Jahren haben Bund und Länder den Kommunen<br />
immer mehr Aufgaben zugewiesen, ohne ihnen die dafür erforderlichen<br />
Mittel am Gesamtsteueraufkommen des Staates zur Verfügung zu stellen.<br />
Außerdem rächt es sich jetzt gewaltig, dass Schröder die<br />
deutschen Großbetriebe und Banken durch die faktische Abschaffung<br />
der Körperschaftssteuer nicht mehr an der Finanzierung des Gemeinwesens<br />
beteiligt. Wir reden hier immerhin über 20 Mrd. Euro.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Rounm</b>: Durch was kann man ihrer Meinung nach die Konjunktur ankurbeln,<br />
ohne dies auf Kosten der nächsten Generation zu tun?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Karl-Josef Laumann</b>: Reformen am Arbeitsmarkt, Stabilisierung der sozialen<br />
Sicherungssysteme, gerade im Hinblick der demographischen Entwicklung<br />
und einer Aufgabenkritik auf allen staatlichen Ebenen um auch zu einer<br />
schlankeren Verwaltung unseres Landes zu kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Für viele Bürger sind die Unterschiede der<br />
Konzepte von Regierung und Opposition im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit<br />
kaum feststellbar. Können Sie in wenigen Worten die wesentlichen<br />
Unterschiede verdeutlichen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">1. Die CDU ist der<br />
Meinung, dass betriebliche Bündnisse für Arbeit, wenn sie der<br />
Beschäftigungssicherung dienen, auf betrieblicher Ebene durchgeführt<br />
werden müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Diese Abweichung vom<br />
Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung lehnt Rot-Grün kategorisch<br />
ab.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">2. Mittelständische<br />
Betriebe bis 20 Beschäftigte sollten für Neueinstellungen vom<br />
Kündigungsschutzgesetz freigestellt werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">3. Überprüfungen<br />
aller Schwellenwerte im Betriebsverfassungsgesetz auf Einstellungshemmnisse.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">4. Eine Zusammenführung<br />
von Arbeitslosen- und Sozialhilfe wo wir Fördern und Fordern stärker<br />
zusammenbringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">5. brauchen wir eine<br />
Entkoppelung der sozialen Sicherungssysteme vom Faktor Arbeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">6. Stopp aller Frühverrentungsmodelle,<br />
weil sie die Beiträge zu stark belasten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>kai arbeitslos</b>: Sie wollen den Kündigungsschutz herabsetzen.<br />
Wie rechtfertigen Sie die massiven Eingriffe in die Arbeitnehmerrechte???</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Dieses</b>: zu 1: Nehmen Sie dabei nicht leichtfertig die Lockerung<br />
des Kündigungsschutzes in kauf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Ich nehme keinen Arbeitnehmer mit unseren Vorschlägen<br />
seinen Kündigungsschutz, sondern alle unsere Vorschläge sollen<br />
nur für Neueinstellungen gelten&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">In der jetzigen Arbeitsmarktlage<br />
halte ich alles, was zu Einstellungen führt, für sozial.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Theo</b>: Meinen Sie nicht Herr Laumann, das Ihr Motto: &quot;Sozial<br />
ist, was Beschäftigung schafft&quot; zu einseitig ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Nein. Das größte soziale Problem<br />
&#8211; ich möchte fast sagen: gesellschaftspolitische Problem &#8211; in unserem<br />
Land ist die Perspektivlosigkeit von über 4 Millionen arbeitslosen<br />
Menschen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Heinz Müller</b>: Aber neu eingestellte Arbeitnehmer sollten doch<br />
auch Kündigungsschutz erhalten, oder etwa nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>sozial eingestellt</b>:<br />
Es soll also zwei Klassen von Arbeitnehmern geben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Zwei Klassen von Arbeitnehmern gibt es heute<br />
schon, weil der Kündigungsschutz in Betrieben mit fünf Arbeitnehmern<br />
noch nie gegolten hat. Wir wissen aber, dass in diesen Betrieben nicht<br />
geheuert und gefeuert wird, sondern die Inhaber mit ihren Mitarbeitern<br />
sehr verantwortungsbewusst &#8211; gerade weil man sich persönlich kennt<br />
&#8211; umgehen. Und ich denke dieses Kriterium kann auch für Betriebe<br />
mit 20 Beschäftigten gelten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Rounm</b>: Wie stehen sie zu Betriebstarifverträgen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Ich bin kein großer Anhänger von<br />
betrieblichen Tarifverträgen. Es hat sich bewährt, dass wir<br />
in Deutschland die Tarifauseinandersetzung außerhalb der Betriebe<br />
führen und bislang auch gelöst haben. Ich sage deshalb klar<br />
ja zur Ordnungsfunktion des Flächentarifvertrages&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">bin aber der Meinung,<br />
dass die Betriebsvertragsparteien aus Gründen der Beschäftigungssicherung<br />
auch abweichen können</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>ach Herr Laumann</b>: Halten Sie es nicht für übertrieben,<br />
den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit komplett zu streichen? In anderen<br />
Ländern funktioniert das auch!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Die CDU schlägt nicht vor, den gesetzlichen<br />
Anspruch auf Teilzeit zu streichen, sondern wir möchten diesen Anspruch<br />
begrenzen für Arbeitnehmer, die Erziehungspflichten für Kinder<br />
haben oder nahe Familienangehörige pflegen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Noch eine Nachfrage zum Thema Tarifvertrag:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Manu</b>: Was genau meinen Sie mit einer Ordnungsfunktion für<br />
einen Flächentarifvertrag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Die Ordnungsfunktion liegt darin, dass unterschiedliche<br />
Betriebe einer Branche zumindest in größeren Regionen einheitliche<br />
Lohnbedingungen haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Noch eine Anmerkung zur Teilzeit:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>wißbegierig</b>: Aber Teilzeit schafft doch auch Arbeitsplätze,<br />
oder?!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Teilzeit ist ein gutes Instrument, vorhandene<br />
Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. Aber ich finde nicht, dass<br />
es hier auf ein Rechtsanspruch gegenüber dem Arbeitgeber geben muss,<br />
es sei denn, es geht um Pflege oder Kinder.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>heinz Y</b>.: Warum pochen Sie so auf die Beibehaltung des Meisterzwanges?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Weil sich der Meisterbrief insbesondere in<br />
der handwerklichen Berufsausbildung sehr bewährt hat. Das deutsche<br />
Handwerk bildet zur Zeit 500000 junge Menschen breit handwerklich aus,<br />
und ich fürchte, wenn wir den Meisterzwang aufgeben, dass mittelfristig<br />
die breite Basis handwerklicher Fähigkeiten unserer Arbeitnehmer<br />
abnimmt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Wenn will noch ein<br />
Standortvorteil haben, ist es gerade dieses duale Berufsausbildungssystem.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Apropos Ausbildung: 70.000 Jugendliche werden &#8211; das<br />
meldet die Bundesanstalt für Arbeit heute &#8211; bei der Lehrstellensuche<br />
in diesem Jahr leer ausgehen. Eine dramatische Zahl, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Diese Zahl macht mir große Sorgen &#8211; dadurch<br />
dass die Bundesregierung mit der weitgehenden Zerschlagung der Handwerksordnung<br />
zu großer Unsicherheit gerade im Mittelstand beiträgt, befürchte<br />
ich, dass die Zahl noch eher größer wird. Im Notfall bin ich<br />
dafür, dass wir jeden Ausbildungswilligen, der keine Lehrstelle gefunden<br />
hat, im Herbst auch ein über den Staat finanziertes überbetriebliches<br />
Ausbildungsangebot machen müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Vor allem in Ostdeutschland sieht es für Jugendliche,<br />
die eine Lehrstelle suchen, düster aus. Wie kann da der Staat helfen?<br />
Kann er überhaupt helfen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Der Staat hat gerade in Ostdeutschland schon<br />
in der Vergangenheit erhebliche überbetriebliche Ausbildungsplätze<br />
angeboten und in dieser Situation muss er dieses auch weiterhin tun.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Heinz Müller</b>: Wie wollen Sie Arbeitgeber davon überzeugen,<br />
mehr Lehrstellen zu schaffen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Indem durch eine verlässliche Politik<br />
gerade der Wirtschaft wieder eine verlässliche Grundlage für<br />
ihr Handeln gegeben wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wissbegierig</b>: Herr Laumann, was würden Sie denn Ihren eigenen<br />
Kindern raten, um sich erfolgreich um eine Lehrstelle zu bewerben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Sich persönlich bei Ausbildungsbetrieben<br />
vorzustellen und sich vor allen Dingen mit diesen Unternehmungen vorher<br />
ein wenig beschäftigen. Das persönliche Gespräch und die<br />
Tatsache, dass man sich mit seinem zukünftigen Arbeitgeber beschäftigt<br />
hat, macht immer noch einen guten Eindruck.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Manu</b>: Bestimmt die Politik wirklich die Wirtschaft? Ist es nicht<br />
eher andersherum?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Die Politik kann nur dafür sorgen, dass<br />
es Rahmenbedingungen gibt, die es der Wirtschaft ermöglichen, sich<br />
zu entfalten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Wissen ist Macht</b>: Sind die Jugendlichen also selbst schuld, wenn sie<br />
keinen Arbeitsplatz bekommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Zur Zeit haben wir in Deutschland objektiv<br />
gesehen zu wenig Arbeitsplätze. Allerdings bin ich der Meinung, dass<br />
einen jungen Menschen vorübergehend auch jede Arbeit zuzumuten ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Rounm</b>: Wie stehen sie zu einer Sondersitzung des Bundestages, wie<br />
es Angela Merkel am letzten Donnerstag dem Bundeskanzler angeboten hatte,<br />
während der Sommerpause?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Damit habe ich kein Problem, denn der Bundeskanzler<br />
sollte seinen vielen Ankündigungen endlich in Gesetzestexten ganz<br />
konkret dem Bundestag vorlegen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Unsere Zeit ist leider um. Vielen Dank an alle User<br />
für das Interesse. Vielen Dank Herr Laumann, dass Sie sich die Zeit<br />
für den Chat genommen haben. Entschuldigung nochmals für die<br />
Verspätung zu Beginn. Die Technik&#8230;</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl-Josef Laumann</b>:<br />
Es hat Spaß gemacht. Beschäftigen Sie sich weiter mit Politik,<br />
schließlich geht es um unser aller Zukunft.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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