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	<title>dwoche &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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		<title>Zwischen Freiheit und Politik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[dwoche]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 1997 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>&#34;De Digitale Stad&#34; Amsterdam wird erwachsen - Geert Lovink stellt sie vor</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>&quot;De Digitale Stad&quot; Amsterdam wird erwachsen &#8211; Geert Lovink stellt sie vor</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Über die neuen Medien wird viel<br />
geredet und geschrieben. Meistens geht es ums Geschäft. Nutzer sind<br />
Konsumenten und man verspricht ihnen das Blaue vom Himmel herunter.<br />
Eine Art geheiligte, mythische Aura wird um die »online-Menschheit«<br />
gezogen, und wenn wir den Cyber-Ideologen glauben dürfen, sind ihre<br />
Vertreter so etwas wie Halbgötter. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Amsterdamer Digitale Stad (<a href="http://www.dds.nl/">DDS, &quot;De Digitale Stad&quot;</a>)<br />
wurde innerhalb weniger Tage nach ihrem Start im Januar 1994 in<br />
geradezu metaphysische Proportionen hochgelobt. Es ist allerdings<br />
unbestreitbar, daß sie in den Niederlanden als eine Art Katalysator<br />
funktioniert hat. Für viele stellte die Digitale Stad &#8211; direkt oder<br />
indirekt &#8211; den ersten Kontakt mit dem Internet dar. Sie wurde schnell<br />
auch zu einem Symbol für die »Public domain«, den kostenfreien<br />
öffentlichen Raum des Cyberspace. Obwohl sie die Kluft zwischen<br />
Politikern und Bürgern nicht zu überbrücken vermochte &#8211; was eines ihrer<br />
wichtigsten erklärten Ziele und der Grund dafür war, daß die Regierung<br />
Geld in das Experiment steckte &#8211; spielte sie eine zentrale Rolle in der<br />
Debatte über die »Informationsgesellschaft«.<br />
In kürzester Zeit entwickelte sich das Projekt zu Europas größtem und<br />
berühmtestem öffentlichen Computernetzwerk, oder »Freenet«, wie die<br />
Amerikaner es nennen würden. In der Praxis bedeutet dies Unmengen von<br />
Telefonleitungen, eine freie E-Mail-Adresse für jeden Nutzer,<br />
Speicherplatz für die eigene Homepage, massenhaft Gelegenheit, Kontakte<br />
zu knüpfen und Information zu sammeln oder zu verteilen, und, vor<br />
allem, die Freiheit, unbehelligt zu bleiben von Zensur und Überwachung.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Im Juni 1998 verzeichnete die<br />
Digitale Stad über 79000 »Einwohner«, d. h. registrierte Nutzer, und<br />
viele weitere Besucher (oder »Touristen«). Es ist traurig, daß es im<br />
Gegensatz zu den meisten anderen kommunalen Internet- und Webprojekten<br />
in Europa an der notwendigen Nutzerschaft fehlt, und daß sie<br />
infolgedessen ziemlich inhaltsleer und in der Tat virtuell geblieben<br />
sind &#8211; zum Beispiel die unlängst eingestellte Internationale Stadt<br />
Berlin, die der Digitalen Stad direkt nachempfunden war, sich aber<br />
zunehmend zu einem Dienstleistungsunternehmen für Inhalte und Software<br />
entwickelte.<br />
Der Digitalen Stad hingegen ist es gelungen, eine vielfältige und<br />
lebendige Netzkultur zu entfachen. Das System ist mittlerweile so groß<br />
und kompliziert, daß kaum jemand &#8211; am wenigsten das Management &#8211; noch<br />
die Übersicht hat. Nach Ansicht von uns Betreibern ist der primäre<br />
Grund für den Erfolg der Digitalen Stad die Freiheit, die ihren<br />
Benutzern von Anfang an eingeräumt wurde. Das mag trivial klingen, ist<br />
es aber nicht, vor allem wenn man die zunehmende Kontrolle über die<br />
Internet-Nutzung an Universitäten und in Betrieben, vor allem außerhalb<br />
der Niederlande, in Betracht zieht.<br />
Die Digitale Stad ist nie unter dem Deckmantel »die normalen Bürger mit<br />
Hilfe der Informationstechnologie näher an die Politik heranzuführen«<br />
zu einem Verlautbarungsorgan der Stadtverwaltung geworden. Sie gehört<br />
nicht dem Behördenapparat, auch wenn viele das annehmen. Im Gegenteil,<br />
die Digitale Stad hat seit zweieinhalb Jahren von der Stadt keine<br />
Zuschüsse mehr erhalten. Die Stadtverwaltung ist jedoch weiterhin ihr<br />
größter Kunde.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die simple Tatsache, daß Politik<br />
in unserem normalen Alltag eine eher geringe Rolle spielt, hat sich<br />
auch im Netz niedergeschlagen. Außerdem stellte sich schnell heraus,<br />
daß die Politiker weder willens, noch in der Lage waren, sich mit dem<br />
neuen Medium vertraut zu machen &#8211; Bemühungen in der Anfangsphase, sie<br />
online zu bringen und einen Kontakt zur Wählerschaft herzustellen,<br />
erwiesen sich als Zeitverschwendung. Auch die Bürger waren mehr daran<br />
interessiert, sich miteinander zu unterhalten, als sich in obskure<br />
Geplänkel mit engstirnigen Politikern zu verwickeln.<br />
Nina Meilof, die ihre Medienerfahrung beim lokalen Fernsehen sammelte,<br />
einem weiteren Erfolgssektor der Amsterdamer Stadtkultur, wurde von der<br />
Digitalen Stad eingestellt, um Diskussionen über lokalpolitische Themen<br />
zu organisieren. Da gab es zum Beispiel den &#8211; inzwischen gescheiterten<br />
&#8211; Versuch, die Stadt als einen &quot;städtischen Bezirk&quot; zu restrukturieren,<br />
sowie die kontroversen Landgewinnungsmaßnahmen im Ijsselmeer und das<br />
noch umstrittenere Projekt einer unterirdisch geführten<br />
Nord-Süd-Eisenbahn, oder den Ausbau des Flughafens Schiphol, der die<br />
gesamte Umweltbewegung mobilisierte.<br />
Zur Zeit laufen Experimente mit dem Beurs TV Kabelnetz, bei denen es um<br />
einen direkten Anschluß ans Internet geht.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Subkultur statt Mainstream</b><br />
Von technischen Gesichtspunkten einmal abgesehen besteht das Hauptziel<br />
darin, die Unbeweglichkeit der gegenwärtigen politischen Rituale zu<br />
überwinden. Nina Meilof: »Ein entscheidender Vorteil der Digitalen Stad<br />
ist ihr anarchischer Charakter. Es gibt eine ganze Reihe von<br />
versteckten Nischen und Winkeln, zum Beispiel Cafés an weniger<br />
frequentierten Plätzen. Dann schaut man in eine der privaten Homepages<br />
und findet dort eine komplette Geschichte des betreffenden Cafés, mit<br />
dem dortigen Insider-Jargon, einer Geburtstagsliste und einem<br />
Gruppenfoto. Es gibt zum Beispiel eine Gruppe von Harley-Davidson-Fans,<br />
die sich in einem bestimmten Café treffen und auch einen Newsletter<br />
herausbringen. Solche Subkulturen sind natürlich weit interessanter als<br />
die Mainstream-Sites, die von großen Unternehmen oder Institutionen<br />
betrieben werden. Derartige Sites ›swingen‹ nie.« Aus diesem Grund<br />
sucht die Digitale Stad nach einer Art Balance, in der sich diese<br />
Subkulturen optimal entfalten können, ohne daß die politische Sphäre<br />
völlig vernachlässigt wird.<br />
Das funktioniert nur, solange das System unabhängig bleibt. Und das<br />
kostet Geld, viel Geld. Die Digitale Stad hat sich mehr und mehr zu<br />
einem Wirtschaftsunternehmen entwickelt, während gleichzeitig der<br />
Wunsch erhalten blieb, den gemeinnützigen Charakter des Projekts<br />
aufrechtzuerhalten. Die Strategie des Managements besteht darin, sich<br />
vor allem um eine Reihe zahlungskräftiger Großkunden zu bemühen und<br />
darüber hinaus Projekte an Land zu ziehen, die zum Konzept der<br />
Digitalen Stad passen. Das geht nicht immer ohne Reibungen ab.<br />
Es gibt drei zentrale Komponenten: Die Geschäftsführung versucht, Geld<br />
heranzuschaffen. Eine Innovationsabteilung entwickelt neue Technologien<br />
für Geschäftskunden. Und dann gibt es weiterhin den<br />
Gemeinschaftsaspekt, unter dem sich die Digitale Stad als eine Art<br />
soziales Laboratorium versteht. Doch das Bild einer »Virtuellen<br />
Gemeinschaft«, wie es Howard Rheingold in seinem gleichnamigen Buch<br />
beschwört, ist hier nicht wirklich angemessen. Die Digitale Stad hat<br />
sich eher zu einem vielgesichtigen Amalgam kleiner Gemeinschaften<br />
entwickelt, die gemeinsam das Ziel verfolgen, das System DDS als eine<br />
»offene Stadt« am Leben zu erhalten.<br />
Hier spielt das zentrale Interface eine Schlüsselrolle. Es ist dazu<br />
entwickelt worden, einen Überblick über die gewaltigen<br />
Informationsmengen zu ermöglichen. Entsprechend dem Namen des Systems<br />
gruppiert sich das DDS-Interface um die Begriffe »Platz«,<br />
»Gebäude/Haus« und »(Seiten-)Straße«, aber es zeigt keine Bilder oder<br />
Simulationen des tatsächlichen Amsterdamer Stadtbildes &#8211; wie viele<br />
vielleicht erwarten würden.<br />
Es gibt zum Beispiel »Plätze«, die sich solchen Themen widmen wie<br />
Umwelt, Tod, Sport, Bücher, Tourismus, soziale Aktivitäten, Regierung.<br />
Das Interface ist nicht in der Lage, die darunterliegenden Aktivitäten<br />
wirklich darzustellen. Diese Lücke füllen spezielle Info-Dienste und<br />
die DDS-eigene Zeitung »De Digitale Stedeling«.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Wie hält sich ein Insider über<br />
die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden? Noch einmal Nina Meilof,<br />
die auch Herausgeberin von »De Digitale Stedeling« ist: »Ich erhalte<br />
die Zugriffsstatistiken der beliebtesten &quot;Häuser&quot; (d.h. Homepages). Die<br />
schaue ich mir von Zeit zu Zeit an. Zur Zeit entsteht gerade ein ganzes<br />
Netzwerk schwuler ›Häuser‹. Dort werden Fotografien attraktiver Männer<br />
gezeigt. Die sind natürlich ziemlich beliebt. Das ist eigentlich alles<br />
ganz normal: Autos, Drogen, wie man sein eigenes Gras anbaut,<br />
Musik-Sites mit umfangreichen Archiven. Es gibt auch einen großen<br />
Bereich, wo man Software bekommen oder austauschen kann. Einige dieser<br />
›Warez-Häuser‹ existieren nur für zwei Tage und verschwinden dann<br />
wieder. Und es gibt natürlich Netzwerk-Spiele, die sind ein Evergreen.<br />
Aber dann findet man auch mal eine Homepage über einen sehr seltenen<br />
Vogel, und es stellt sich heraus, daß das eine international berühmte<br />
Site ist, die von Ornithologen aus der ganzen Welt besucht wird. Andere<br />
Leute flippen über Design oder Java-Programmierung aus. Und es gibt die<br />
Linklisten. Und die Witzeseiten darf man natürlich auch nicht<br />
vergessen&#8230;«</span></p>
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		<title>Krämpfe am Tapeziertisch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[dwoche]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Abgeordnetenhauswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerfeindlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Für die Berliner CDU wird die Kampagne gegen
die doppelte Staatsbürgerschaft zum Drahtseilakt:
Absturz droht Von WOCHE-Autor Christoph Seils.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Für die Berliner CDU wird die Kampagne gegen<br />
die doppelte Staatsbürgerschaft zum Drahtseilakt:<br />
Absturz droht Von WOCHE-Autor Christoph Seils.</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Wenn die derzeitige Zerrissenheit der CDU einen<br />
Namen hätte, dann hieße sie Eberhard Diepgen. Der<br />
Regierende Bürgermeister von Berlin trägt den Konflikt,<br />
den die Unterschriftenaktion gegen die doppelte<br />
Staatsbürgerschaft ausgelöst hat, gleichsam in sich<br />
selbst aus. Hin- und hergerissen zwischen den<br />
Erfordernissen, die die Regierungstätigkeit in einer<br />
Stadt mit 440 000 Ausländern mit sich bringt, und der<br />
Loyalität zu CDU-Chef Wolfgang Schäuble, bot<br />
Diepgen in den letzten Tagen ein Paradebeispiel<br />
politischer Schizophrenie. Erst wehrte er sich hinter<br />
den Kulissen matt gegen die Kampagne, dann stimmte<br />
er matt zu. Begleitet allerdings von der Ermahnung des<br />
Fraktionsvorsitzenden Klaus-Rüdiger Landowsky: ,Wir<br />
müssen die Anwesenheit von Ausländern in der Stadt<br />
als Chance, nicht als Bedrohung begreifen.&quot; </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               So dürfte es eher an einen Drahtseilakt denn an eine<br />
Kampagne gemahnen, wenn die Berliner CDU mit<br />
Tapeziertischen losziehen wird, um Volkes Unterschrift<br />
zu ergattern. Denn immer mehr Mitglieder zweifeln am<br />
Sinn der Aktion. Volker Hassemer, ehemals Senator<br />
und jetzt als Chef der Marketing-Gesellschaft ,Partner<br />
für Berlin&quot; um das Image der Stadt besorgt, meint,<br />
dass es für die Hauptstadt ,wichtigere Themen gibt&quot;.<br />
Weniger diplomatisch drückt sich Finanzstaatssekretär<br />
Peter Kurth aus: ,Das ist ein politischer Fehler.&quot;<br />
Insgeheim befürchtet man in der Parteispitze, dass<br />
ganze Parteigliederungen der Aktion fernbleiben<br />
könnten. Der Vorsitzende des Kreisverbandes<br />
Wedding, Peter Gierich, etwa kritisiert, die Kampagne<br />
fördere nur die ,Verunsicherung&quot; bei den ausländischen<br />
Mitbürgern. Der Kreisvorsitzende von Schöneberg,<br />
Gerhard Lawrentz, ist zwar ein vehementer Gegner der<br />
doppelten Staatsbürgerschaft. Aber selbst er will erst<br />
einmal den Text der Unterschriftenaktion lesen und<br />
wissen, ,was da eigentlich gefordert wird&quot;. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               So lange wollten Jutta Finger und Marie<br />
Bergmann-Bendin, beide Mitglieder in der<br />
Bezirksverordnetenversammlung Neukölln, nicht<br />
warten. Sie gaben ihre Parteibücher zurück. Jutta<br />
Finger, weil sie die ,Ausländerfeindlichkeit und das<br />
Macho-Gehabe&quot; in dem Kreisverband nicht mehr<br />
ertragen konnte. Bergmann-Bendin, weil sie zweifelte,<br />
dass die CDU in der Lage ist, eine konstruktive<br />
Auseinandersetzung zur Lösung der Probleme&quot; zu<br />
führen. Noch spricht der Berliner CDU-Generalsekretär<br />
Volker Liepelt von ,Einzelfällen&quot;. Die Befürworter der<br />
doppelten Staatsbürgerschaft seien eine<br />
,verschwindende Minderheit&quot;. Aber die Unzufriedenheit<br />
in Teilen der mehrheitlich stockkonservativen Berliner<br />
Partei ist nicht zu überhören. So spricht etwa der<br />
Zukunftskreis der Berliner CDU, ein Zusammenschluss<br />
von etwa 50 liberalen Mitgliedern, von einer ,Neid- und<br />
Hetzkampagne&quot; und fordert wie Rot-Grün die<br />
,regelmäßige Hinnahme von<br />
Doppelstaatsangehörigkeiten&quot;. ,Heuchlerisch&quot; sei es,<br />
so der Sprecher des Kreises, Andrew Campbell, wenn<br />
die CDU in diesem Zusammenhang das Wort<br />
Integration im Mund führe. Und Berlins<br />
Ausländerbeauftragte Barbara John warnt ihre Partei vor<br />
einer ,Stimmungsmache&quot;, die nicht dem<br />
Zusammenleben diene. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Nicht nur sie fürchtet, dass die deutsche Hauptstadt, in<br />
Kürze auch Regierungssitz, durch die<br />
CDU-Unterschriftenaktion in den Geruch der<br />
Fremdenfeindlichkeit kommen könnte ­ eine<br />
verheerende Entwicklung angesichts von 13,9 Prozent<br />
ausländischen Einwohnern. Zwar gibt es westdeutsche<br />
Städte mit einem höheren Ausländeranteil ­ in Hamburg<br />
etwa beträgt er 18,2 Prozent , in Frankfurt am Main<br />
sogar 28,5 Prozent. Aber in keiner anderen Stadt leben<br />
mehr Ausländer. Von den 440 000 stellen die Türken<br />
mit etwa 136 000 die größte Gruppe. Insgesamt prägen<br />
Bürger aus 184 Staaten das Bild von der<br />
multiethnischen und multikulturellen Metropole. Mit<br />
allen Widrigkeiten. Vor allem in den Innenstadtbezirken<br />
wie Kreuzberg, Tiergarten oder Wedding mit einem<br />
Ausländeranteil von über 25 Prozent konzentrieren sich<br />
die Integrationsprobleme: militante türkische<br />
Jugendgangs, Sprachprobleme an den Schulen, hohe<br />
Arbeitslosigkeit. Weil das so ist, versucht die Große<br />
Koalition in Berlin schon lange die doppelte<br />
Staatsbürgerschaft als Integrationshilfe zu nutzen.<br />
Auch und gerade unter dem CDU-Bürgermeister<br />
Eberhard Diepgen, der nun gleichsam eine<br />
Unterschriftenaktion gegen seine eigene Politik<br />
durchführt. Denn in Berlin erhielten mittlerweile etwa 6<br />
Prozent aller anspruchsberechtigten Ausländer den<br />
deutschen Pass ­ im Bundesdurchschnitt sind es nur<br />
etwa 1 Prozent. In den letzten zehn Jahren wurden<br />
rund 90 000 Ausländer eingebürgert, bei fast jedem<br />
vierten Einbürgerungswilligen wurde von den Berliner<br />
Behörden die ,Mehrstaatlichkeit&quot; offiziell hingenommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               ,Irrsinnig und hirnlos&quot; nennt die deutsch-türkische<br />
Ausländerbeauftragte des Bezirks Schöneberg, Emine<br />
Demirbüken, denn auch die Vereinfachung des<br />
komplexen Themas auf die Alternative ,ja&quot; oder ,nein&quot;.<br />
Peter Kurth fordert stattdessen ein ,ehrliches<br />
Integrations- und Einbürgerungsangebot&quot;. Demirbüken<br />
und Kurth bemühen sich seit Jahren darum,<br />
türkischstämmige Deutsche für die Union zu gewinnen.<br />
Auf Initiative Kurths gründete sich im März 1996 in<br />
Berlin die Deutsch-Türkische Union (DTU). Die<br />
Anerkennung als offizielle Parteigliederung jedoch<br />
scheiterte an der rechten Mehrheit in der Partei, was<br />
bedeutet, dass die mittlerweile mehreren Hundert<br />
türkischen CDU-Mitglieder in die Willensbildung der<br />
Partei nicht einbezogen werden. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Ein Fehler, wie Demirbüken und Kurth meinen. Denn<br />
über 10 000 türkische Selbstständige und Unternehmer<br />
mit einem Jahresumsatz von mehr als 5 Milliarden<br />
Mark (2,55 Mrd. Euro) suchen seit langem nach einem<br />
Sprachrohr in der Politik. Wenn Schätzungen stimmen,<br />
dass zwei Drittel aller in Deutschland lebenden Türken<br />
die doppelte Staatsbürgerschaft anstreben, wächst in<br />
Berlin in den kommenden Jahren ein neues wichtiges<br />
Wählerpotenzial heran. &quot;Wir haben als<br />
liberal-konservative Partei die Chance viele türkische<br />
Wähler zu gewinnen&quot;, glaubt Peter Kurth. Besonders<br />
im türkischen Mittelstand und der Oberschicht ­ ideale<br />
Multiplikatoren innerhalb der türkischstämmigen<br />
Minderheit. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Dass sich die Union selbst dieser Chance beraubt,<br />
zeigt nach Ansicht von Mustafa Cakmakoglu, der auch<br />
der CDU angehört, wie sehr diese Partei noch ,im<br />
nationalen Denken verhaftet&quot; sei. Vor allem der<br />
RAF-Vergleich Edmund Stoibers und die pauschale<br />
Kriminalisierung von Doppelstaatlern, so Cakmakoglu,<br />
der Ausländerbeauftragter des Bezirks Tiergarten ist,<br />
habe aufgeschreckt. Und der DTU-Vorsitzende Ertugrul<br />
Uzun befürchtet gar, dass alle Wahlkämpfe dieses<br />
Jahres ,auf dem Rücken von Minderheiten&quot;<br />
ausgetragen werden. Doch die Wirkung beim<br />
deutschen Wähler, meint Peter Kurth, wird sich in<br />
Grenzen halten: &quot;Mit diesem Thema kann die CDU<br />
keine Wahlen gewinnen.&quot; </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Das wissen auch die Wahlkampfstrategen der<br />
Hauptstadt-CDU, die mit den Vorbereitungen auf die<br />
Wahl zum Abgeordnetenhaus im Oktober beschäftigt<br />
sind. Mit markigen Sprüchen lässt sich zwar die Partei<br />
zusammenhalten. Aber schon 1989 hatte die CDU bei<br />
den Wahlen zum Abgeordnetenhaus mit einer<br />
Kampagne gegen Asylbewerber zwar die<br />
rechtsextremen Republikaner stark gemacht, selbst<br />
aber die Wahlen klar verloren. Auch die Versuche des<br />
Ex-Innensenators Jörg Schönbohm sich mit der<br />
Forderung nach Auflösung von ,Ausländergettos&quot; oder<br />
der Massenabschiebung von bosnischen<br />
Bürgerkriegsflüchtlingen als Hardliner in der<br />
Ausländerpolitik zu profilieren, wurden von den Berliner<br />
Wählern bei den Bundestagswahlen nicht goutiert. Die<br />
CDU in der Hauptstadt stürzte mit<br />
überdurchschnittlichen Verlusten auf einen historischen<br />
Tiefststand von 23,7 Prozent. </span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">               Offiziell verbreitet der Berliner CDU-Generalsekretär<br />
Volker Liepelt allerdings noch Durchhalteparolen: ,Es<br />
gibt keinen Kreisverband, der die Unterschriftenaktion<br />
ablehnt.&quot; Heinz Schlicks sieht das anders: ,Wir werden<br />
uns nicht auf die Straße stellen.&quot; Heinz Schlicks ist<br />
CDU-Kreisvorsitzender in Kreuzberg.</span></p>
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