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	<title>rkuhlen &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>rkuhlen &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Die Mondlandung des Internet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rkuhlen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
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		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Prof. Rainer Kuhlen (Universität Konstanz) über
die Wahlschlacht in den Foren</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Prof. Rainer Kuhlen (Universität Konstanz) über<br />
die Wahlschlacht in den Foren</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> <span style="font-size: x-small">Die Mondlandung war das Ereignis, das das Fernsehen endgültig<br />
zum globalen Medienereignis machte. Mit der Veröffentlichung der Clinton-Lewinsky-Starr-Materialien<br />
im Internet und dem parallelen Surf von einigen 10 Millionen Menschen weltweit<br />
im Starr-Report sind die Dienste des Internet im Umfeld des World Wide Web<br />
endgültig zum medialen Globalereignis geworden. In diesem Kontext der Herausbildung<br />
eines neuen »starken« Mediums sind auch die elektronischen Foren zu sehen,<br />
die anläßlich der Bundestagswahl 1998 in Deutschland zum ersten Mal im großen<br />
Stil eingesetzt wurden. Alle waren sie vertreten – ob Politiker, Parteien,<br />
die Medien, politische Institutionen, kommerzielle Anbieter, Bürgerinitiativen<br />
und Privatleute. Es waren die drei wesentlichen Ausprägungen der Informationsforen,<br />
der Kommunikationsforen und der Fun-Foren auszumachen. Werden sich Informationsforen,<br />
die also der Bereitstellung politischer Information dienen, unproblematisch<br />
durchsetzen, so hat sich die Kultur der Politik-Unterhaltung erst ansatzweise<br />
entwickelt. Neue Formen der Bildung von Öffentlichkeit und öffentlicher<br />
Meinung und damit auch Momente direkter Demokratie entwickeln sich über<br />
die Kommunikationsforen, durch die im Prinzip jedermann seine Beiträge in<br />
den Himmel des Internet schreiben kann. Entsprechend dem hier vorgeschlagenen<br />
Netzwerkmodell der Bildung öffentlicher Meinung, kann jeder, vergleichbar<br />
dem berühmten Schmetterlingsschlag, der einen Sturm auslösen kann, politikbildend<br />
seine Spuren hinterlassen. Ob die Bundestagswahl durch die Beteiligung in<br />
den Kommunikationsforen tatsächlich beeinflußt oder gar entschieden wurde,<br />
läßt sich auch dadurch nicht beantworten, daß die Mehrzahl der Anbieter<br />
und Nutzer aus der rot-grünen Politikecke kam. Aber das Ereignis dieser<br />
sich anbahnenden Medienrevolution wird sich nicht mehr vergessen lassen.<br />
</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Noch 1996: elektronischer Wahlkampf mit Medienbrüchen</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Bei der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg 1996<br />
hatte die Electronic Mall Bodensee (EMB), in Deutschland so ziemlich der<br />
erste, größte und immer noch stark wachsende regionale grenzüberschreitende<br />
elektronische Marktplatz rund um den Bodensee (www.emb.net), ein Politik-Forum<br />
eingerichtet, auf dem die in den Bodenseewahlkreisen sich zur Wahl stellenden<br />
Kandidaten ihre politischen Ziele darstellen und in eine elektronische Diskussion<br />
mit den Bürgerinnen und Bürgern ihres Wahlkreises eintreten konnten. Allerdings<br />
war das nicht so ganz einfach. Nur eine einzige Kandidatin, von der Partei<br />
der Grünen, hatte einen eigenen E-Mail-Anschluß, von selbständigen Web-Seiten<br />
der Politiker war keine Rede. Elektronische Beiträge der Bürger mußten ausgedruckt,<br />
per Fax den Politikern zugesandt und ihre eventuell eingehenden Antworten<br />
wieder eingescannt bzw. über Diskette eingespielt werden. Verbessert wurde<br />
die Situation, als ein lokaler Service Provider für die Zeit des Wahlkampfes<br />
kostenlos Internet-Zugang und E-Mail-Adressen bereitstellte. Von einem Einfluß<br />
des Forums auf den Wahlkampf konnte kaum die Rede sein, wenn auch die Kandidaten<br />
der Partei der Grünen, am aktivsten im Forum, im Bodenseebereich überdurchschnittlich<br />
gut abschnitten. Bei damals vielleicht 5% der Haushalte im Netz konnte man<br />
wohl noch nicht einmal von einer Partikularöffentlichkeit sprechen. Aber<br />
alles fängt einmal an, und manches endet ganz groß. </span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> 1998 &#8211; Internetnutzung schon ein Massenereignis</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> 1998, mit Blick auf die Bundestagswahl, die Ende September<br />
des Jahres stattfand, sieht alles schon anders aus. Die Teilnahme am Internet<br />
wird zum Massenereignis. In den USA sind 70,5 Millionen erwachsene Personen<br />
online. Das sind ca. 35% der (erwachsenen) Bevölkerung. In Deutschland sind<br />
es erst 6,9 Millionen Personen, die das Internet aktiv nutzen, dazu kommen<br />
noch 4,8 Millionen, die an sich Zugang haben, diesen aber bislang nicht<br />
wahrnehmen. Vor allem die Anstiegsraten lassen es aber auch hier als gesichert<br />
erscheinen, daß der Zugriff zum Netz von allen und für alle nur eine Frage<br />
der Zeit ist. So wurde die Zahl von 6,9 Millionen Nutzern in Deutschland<br />
innerhalb von 6 Monaten &#8211; ausgehend von einem Stand von 4,9 Millionen &#8211;<br />
erreicht. Die wohl nicht unrealistischen Prognosen gehen dahin, daß noch<br />
im ersten Jahrzehnt des kommenden Jahrtausends so gut wie alle Personen<br />
in fortgeschrittenen Informationsgesellschaften (wozu die Bundesrepublik<br />
Deutschland sich wird rechnen können) Zugang zum Internet haben werden &#8211;<br />
in welcher Form auch immer sich dieses dann darstellen wird. Das muß nicht<br />
zwangsläufig über den heutigen PC geschehen, der internet-fähige Fernseher<br />
wird vermutlich ebenso zum Rechner wie der PC zum Fernseher, und damit werden<br />
beide zum Universalmedium.</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Alle sind sie dabei</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Die politischen Institutionen sind heute mehrheitlich mit<br />
selbständigen Websites vertreten. Mandatsträger aus Bundestag und den Landtagen<br />
zeigen ebenfalls Web-Präsenz, viele gleich mehrfach über persönliche Seiten,<br />
über Darstellungen der Parlamentsdienste (wie im Bundestag) oder der Parteien<br />
und zuweilen auch über Politik-Server regionaler elektronischer Marktplätze<br />
wie in der angesprochenen EMB. Web-Präsenz ist natürlich keineswegs identisch<br />
mit Öffentlichkeit und Teilnahme am Web bedeutet &#8211; wie wir noch zeigen werden<br />
&#8211; keinesfalls direkt politische Öffentlichkeit. Wir meinen mit dieser Einschränkung<br />
nicht nur die angesprochene Tatsache, daß das Web bislang doch erst ein<br />
Viertel der Haushalte erreicht und daß der &quot;durchschnittliche&quot; Web-Nutzer<br />
zur Zeit keineswegs die demoskopische Idealperson darstellt und die Präferenzen<br />
der aktiven Netznutzer für die Parteien daher durchaus stark von dem vor<br />
der Wahl erwarteten und dann offiziellen Wahlergebnis abweichen. Web-Präsenz<br />
an sich ist im politischen Sinne auch deshalb nicht schon gleich Öffentlichkeit<br />
(als das für die Demokratie allgemeine und grundlegende Forum der Meinungsbildung),<br />
weil die bloße Präsentation von Information, wie sie zur Zeit auch bei den<br />
Foren und anderen Informationsangeboten im Web überwiegt, als rezeptive<br />
Form nicht unbedingt demokratische Beteiligung und damit Öffentlichkeit<br />
fördert. Die bislang dominierende Selbstdarstellung der Parteien und der<br />
Politiker nutzt die Potentiale der elektronischen Netze für die Erstellung<br />
von Öffentlichkeit oder für das Herausbilden direkter Formen von Demokratie<br />
nur ansatzweise aus. Informierte Bürger &#8211; aufgeklärte Bürger Präsentation<br />
von seiten der Anbieter und Rezeption auf seiten der Nutzer stellen aber<br />
gewiß auch in dem hier interessierenden Zusammenhang von (neuer) Öffentlichkeit<br />
in elektronischen Medien nicht zu unterschätzende Pluspunkte dar. Wenn die<br />
These (zumindest als notwendige, vielleicht nicht hinreichende Bedingung)<br />
gilt, daß nur informierte Bürger aufgeklärte und damit an den demokratischen<br />
Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen beteiligte Bürger sein können,<br />
dann wird man sagen können &#8211; und wir werden das ja auch nachweisen -, daß<br />
es durch die im Internet verfügbaren Informationsangebote in einem Ausmaß<br />
möglich ist, sich informationell abgesichert an einer Bundestagswahl zu<br />
beteiligen, wie es nie zuvor möglich war. Wahlprogramme, Wahlstatistiken,<br />
Prognosen, Plakate, Politikerporträts, Hintergrundinformationen zu den Wahlbezirken,<br />
zum Wahlrecht und dem Auszählverfahren, Artikel aus der Presse, Karikaturen,<br />
Witze &#8211; was auch immer irgendeinen Bezug zur Bundestagswahl hat, ist im<br />
Prinzip für jedermann aus dem Web verfügbar. Orientierungsbedarf Wir sagen<br />
im Prinzip. Kaum jemand wird sich die Mühe machen, sich umfassend auf die<br />
Suche nach wahlkampfrelevanter Information zu machen &#8211; zu unstrukturiert,<br />
zu umfänglich und zu disparat ist das Angebot. Je mehr das Netz wächst,<br />
um so dringlicher wird es, den Bedarf nach Orientierung zu decken. Es wird<br />
wohl noch eine Weile dauern, bis jeder seinen persönlichen Software-Agenten/Assistenten<br />
zur Verfügung hat, der ihm das gewünschte persönliche Dossier zur Bundestagswahl<br />
aus den heterogenen Ressourcen des Internet zusammenstellt. Bis dahin sind<br />
attraktive Orientierungsformen, z.B. in Form von elektronischen Informationsplattformen<br />
oder elektronischen politischen Marktplätzen, erforderlich. Wir gehen in<br />
Abschnitt 5.1 u.a. mit unserem Vorschlag eines Meta-Forums, das ja auch<br />
diesen Orientierungszwecken dient, auf diesen offensichtlichen Bedarf ein.</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Mehrwerteffekte: Vernetzung und Interaktion Information,<br />
Präsentation und informationelle Absicherung sind aber noch nicht die Grenzen<br />
des neuen elektronischen Mediums. Informiert, präsentiert und lesend aufgenommen<br />
wird auch im bisherigen Medium gedruckter und verteilter Information. Was<br />
kommt im elektronischen Medium hinzu? Wird &#8211; und das ist ja dann sicher<br />
die entscheidende systematische Frage &#8211; durch das elektronische Medium auf<br />
eine andere Weise Öffentlichkeit erzeugt als bislang, und wenn ja, welchen<br />
Einfluß hat das auf die Ausprägungen von Politik und Demokratie, oder bescheidener:<br />
auf aktuelles Wahlverhalten? Welche Mehrwerteffekte des Internet auch immer<br />
diskutiert werden, im Vordergrund steht immer &#8211; neben den Möglichkeiten<br />
nicht-linearer Vernetzung &#8211; die Möglichkeit der (asynchronen oder auch synchronen,<br />
also zeitversetzten oder auch zeitparallelen) Kommunikation, der Interaktion<br />
der Teilnehmer untereinander bzw. der Interaktion der Nutzer mit den Anbietern.<br />
Interaktion ist mehr als Präsentation von Information. Und das angesprochene<br />
Massenereignis des Internet ist mehr und anderes als die auf dem Distributionsprinzip<br />
beruhende Massenkommunikation im bislang dominierenden Medienkontext der<br />
Zeitungen, des Rundfunks und der Fernsehanstalten, die ja, neben den politischen<br />
Institutionen &#8211; wie z.B. den Parteien -, überwiegend für die Präsentation<br />
politischer Information zuständig sind. In den Diensten des Internet, angefangen<br />
von den einfachen E-Mail-Diensten, über Datei-Transfer bis hin zu den multimedialen,<br />
hypertextorientierten Diensten des World Wide Web, muß in der Regel der<br />
einzelne Nutzer aktiv werden, um sich zu informieren oder um aktiv durch<br />
Eigenbeiträge daran teilzunehmen. Er muß in einem erheblich größeren Ausmaß<br />
Aktivität zeigen, als diese erforderlich ist, ein Abonnement bei einer Zeitung<br />
zu bestellen oder sich ein Exemplar am Stand zu kaufen.</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Das Nutzungsparadigma im Internet Zwar soll nicht verkannt<br />
werden, daß es auch in den Internet-Diensten zunehmend mehr Verteilformen<br />
gibt, z.B. über E-Mail-Abonnements oder durch die Anwendung von elektronischen<br />
Lieferdiensten, sogenannten Push-Technologien, indem von einem Anbieter<br />
laufend Informationen geliefert werden, die einem gewünschten Interessenprofil<br />
entsprechen. Aber grundlegend für das Verhalten im Internet ist sicherlich<br />
die Eigeninitiative des Benutzers, die zumindest das Einwählen und die Auswahl<br />
nötig machen. Es sollte allerdings in den nächsten Jahren sehr intensiv<br />
beobachtet werden, ob sich dieser Initiativcharakter bei der Nutzung der<br />
elektronischen Dienste ändern wird. Es könnte also durchaus sein, daß in<br />
Zukunft die elektronische Zeitung genauso &quot;passiv&quot; rezipiert wird wie bislang<br />
die gedruckte Version. Vielleicht wird die Delegation von Informationsarbeiten<br />
an Software-Agenten, und vielleicht werden die Möglichkeiten der Individualisierung<br />
von Informationsleistungen, z.B. über persönliche Zeitungen und deren direkte<br />
elektronische Zustellung, interaktive Komponenten zurückdrängen. Wir wollen<br />
im folgenden jedoch davon ausgehen, daß das interaktive Verhalten das bestimmende<br />
Nutzungsparadigma im Internet-Umfeld bleiben wird. Massenereignis, aber<br />
keine Massenkommunikation Ist die Teilnahme am Internet zwar durchaus ein<br />
Massenereignis, so ist Kommunikation im Internet allerdings keineswegs Massenkommunikation<br />
im Sinne der bislang dominierenden Medien, die nicht Interaktion, sondern<br />
Distribution zum Prinzip haben. Interaktion, das ist der bidirektionale<br />
Austausch von Information, also Kommunikation, macht den entscheidenden<br />
Paradigmenwechsel bei der medialen Gestaltung von Öffentlichkeit aus. Wir<br />
wollen damit den Kommunikationsbegriff nicht unbillig einschränken &#8211; auch<br />
die bloße Aufnahme von Information, die jemand z.B. über das Radio aussendet,<br />
oder das Lesen eines Buches, wird gemeinhin als Kommunikation angesehen.<br />
Wir stellen aber hier die interaktiven, die Rückmeldeaspekte von Kommunikation<br />
in den Vordergrund.</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Bertolt Brechts Vision Bertolt Brecht hatte sich mit seiner<br />
Idee von Rundfunk schon so etwas vorgestellt, nämlich durch die Ausnutzung<br />
des Rückkanals das Radio &quot;aus einem Distributionskanal in einen Kommunikationsapparat<br />
zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der großartigste Kommunikationsapparat<br />
des öffentlichen Lebens, &#8230; wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden,<br />
sondern auch zu empfangen, also den Zuschauer nicht nur hören, sondern auch<br />
sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern in Beziehungen zu<br />
setzen&quot;. Medienprofessionelle Die Entwicklung des Rundfunks und des Fernsehens<br />
hat allerdings das Distributionsparadigma unterstützt, so wie dieses ohnehin<br />
das Paradigma der gedruckten Medien war und ist. Die Medien mögen die Entstehung<br />
aufgeklärter Öffentlichkeit über kompetente journalistische Informationsarbeit<br />
und deren Präsentation begünstigt haben, sie haben aber nicht dazu beitragen<br />
können, eine aktivere Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger am politischen<br />
Geschehen über die Abstimmungstätigkeit in den Wahlkabinen hinaus zu ermöglichen.<br />
Ob das aus technischen Beschränkungen geschah oder Teil der Sicherung von<br />
Macht war, sei dahingestellt. Tatsache ist, daß die &quot;Macher&quot; der öffentlichen<br />
Meinung mit der Autorität der wenigen Medienprofessionellen (Verleger und<br />
Journalisten) bislang eher Information verteilten, als daß sie eine aktive<br />
Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger am Geschäft der Meinungsbildung und<br />
der Formulierung der politisch relevanten Themen (Agenda setting) gestatteten.</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Politikprofessionelle Was für die Medienprofessionellen<br />
gilt, trifft in etwas anderer Form auch für die Politikprofessionellen zu.<br />
Zwar verschafft sich die Politik über Expertenrat, Berücksichtigung von<br />
Lobbyisteninteressen, aber vor allem über die Parteien eine breitere Basis<br />
in der Öffentlichkeit, die steht und fällt mit der aktiven Arbeit in den<br />
lokalen Organisationsformen der Ortsvereine oder wie auch immer diese kleinsten<br />
Einheiten politischer Aktivitäten heißen mögen, aber mit Blick auf das nicht<br />
politisch organisierte allgemeine Publikum ist der Informationsaustausch<br />
auch hier weitgehend eine Einbahnstraße, auch zu Zeiten, in denen sich die<br />
politische Macht der Gestaltung durch die Bürgerinnen und Bürger selber<br />
real durch Abstimmung manifestiert. Wahlkämpfe sind weniger Kämpfe mit den<br />
Bürgern, die sich dabei auch mal (informationell) untereinander und mit<br />
den Politikern austauschen dürfen, sondern &quot;Kämpfe&quot; mit den anderen Politikprofessionellen<br />
und Kämpfe um die Präsenz in den Medien, die dann wieder um die Aufmerksamkeit<br />
des Publikums kämpfen können. Nicht vorbeigehen können die traditionellen<br />
Medien und die politischen Repräsentanten und ihre Institutionen allerdings<br />
an der Tatsache, daß eine realistische Alternative zum Distributionsparadigma<br />
heute gegeben ist, und, wie wir es ausführlich beschreiben wollen, sie tun<br />
es auch nicht.</span><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Unter der Hand neue mediale Öffentlichkeit? Wie gesagt,<br />
wir untersuchen diese Frage des möglichen Paradigmenwechsels von Distribution<br />
zu Interaktion hier nicht allgemein, sondern wollen, eher in dokumentierender<br />
als in politiktheoretischer oder gar prognostischer Absicht, festhalten,<br />
wie sich politische Öffentlichkeit 1998 im elektronischen Medium manifestiert.<br />
Schaut man sich die gegenwärtigen Ausprägungen an, so spricht einiges dafür,<br />
daß die Medien und die Parteien/Politiker die Herausforderung des interaktiven<br />
Mediums angenommen haben &#8211; wie weitgehend und mit welchen Konsequenzen,<br />
wollen wir darstellen. Sie sind auf jeden Fall in den Diensten des Internet<br />
allgemein massiv präsent, waren es auch im Bundestagswahlkampf 1998. Ja<br />
man kann sagen, die elektronischen Kommunikationsforen für diesen Wahlkampf<br />
waren um so professioneller und erzielten um so größere Beteiligung, je<br />
stärker die Kompetenz und das Kapital der bisherigen Medien daran beteiligt<br />
waren. Ausgemacht ist aber damit noch nicht, ob sich nicht quasi unter der<br />
Hand eine neue mediale Öffentlichkeit artikulieren kann, die die Aufgabe<br />
des Agenda setting selber in die Hand nimmt. Medialer (politischer) Postprofessionalismus<br />
Bislang gingen Bereitstellung der Plattform und Zuständigkeit für die Inhalte<br />
der (zu verteilenden) Information Hand in Hand, machten also Verleger und<br />
Journalisten eine mediale institutionelle Einheit aus. Was heute für die<br />
Informationsmärkte gilt, gilt auch für die Medienmärkte und für die hier<br />
darzustellenden politischen Arenen im Zusammenhang der Bundestagswahl ’98:<br />
es sind keine Monopole der Zuständigkeit für die Informationsinhalte und<br />
die Verteilungsformen mehr auszumachen. In der Informationswirtschaft spricht<br />
man allgemein von &quot;Postprofessionalismus&quot;. Gemeint ist damit die (immer<br />
weiter fortschreitende) Ablösung der Zuständigkeit für das Geschehen auf<br />
den Informationsmärkten von den klassischen Informationsprofessionellen,<br />
den Bibliothekaren, Dokumentaren, Verlegern, Buchhändlern, in die Zuständigkeit<br />
ganz neuer Personengruppen und Institutionen. Die heutigen Service und Content<br />
Provider, die Betreiber elektronischer Marktplätze und Internetdienste kommen<br />
aus allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen. Zu attraktiv<br />
scheint das Geschäft mit der Information zu sein, als daß dieser Markt dem<br />
ursprünglich Informationsprofessionellen überlassen wird. Softwareunternehmen,<br />
öffentliche Einrichtungen wie Städte, Verbände, Kammern, Banken, Versicherungen,<br />
Vereine, Bildungseinrichtungen &#8211; alle werden sie zu Informationsanbietern.<br />
Und sieht man die Auswirkungen auf den Informationsmärkten, so kann man<br />
das &quot;Post&quot; eigentlich nur als Wehmut der für Information exklusiv Zuständigen<br />
deuten, professionell sind die Informationsmärkte erst durch die &quot;Postprofessionellen&quot;<br />
geworden. Zeigen sich Ansätze eines Postprofessionalismus auch für die Medienwelt<br />
bzw. für die Zuständigkeit der Erstellung von politischer Öffentlichkeit,<br />
speziell zu Zeiten von Wahlen? Es ist mehr als unwahrscheinlich, daß der<br />
skizzierte Paradigmenwechsel von Distribution/Präsentation zu Interaktion/Kommunikation<br />
nicht auch Auswirkungen auf das Geflecht der Partizipanten der Medienindustrie<br />
haben sollte. Diesen allgemeinen Transformationsprozeß deuten wir hier nur<br />
an. Neue Partizipanten zur Erstellung von politischer Öffentlichkeit zeichnen<br />
sich aber durchaus ab. Die speziell für den Bundestagswahlkampf ’98 eingerichteten<br />
Diskussionsforen verschiedener Ausprägung werden zwar auch von den bisherigen<br />
Professionellen, den traditionellen Medien und den politischen Einrichtungen,<br />
bestritten &#8211; und gerade das sind nicht die schlechtesten -, aber es drängen<br />
auch hier &quot;post&quot;professionelle Anbieter und Teilnehmer an die Orte der politischen<br />
Information und Kommunikation, die ja jeder für sich und in ihrem Zusammenspiel<br />
Öffentlichkeit erzeugen. Das sind kommerzielle Forumsbetreiber, Bildungseinrichtungen,<br />
Bürgerinitiativen, einzelne Personen und manche andere, die sich aufgerufen<br />
fühlen, das neue Medium der elektronischen Kommunikationsforen für ihre<br />
Zwecke und Interessen zu nutzen. Diese können basisdemokratisch-politische,<br />
aber durchaus auch kommerzielle Interessen sein, indem versucht wird, über<br />
die momentane Attraktivität des politischen (Wahl-)Geschehens die Aufmerksamkeit<br />
auf die eigentlichen &quot;Geschäfte&quot; zu lenken.</span><br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"> Wer profitiert von den neuen Medien? Ist das Medium erneut<br />
die Message? Neue mediale Formen schaffen neue Realitäten und mit ihnen<br />
neue Institutionen. Wohl kaum aus sich heraus, sondern indem ihre Potentiale<br />
von bestimmten Akteuren in der gesellschaftlichen Entwicklung besser und<br />
schneller genutzt werden als von anderen Akteuren. Die Geschichte der Medienentwicklung<br />
zeigt, daß Medien zwar durchaus auch zur Verfestigung der Macht bestehender<br />
Institutionen und bislang dominierender Gruppen und Personen verwendet werden,<br />
daß aber in der Regel neue Akteure, die bislang noch nicht auf mediale Formen<br />
fixiert waren, von neuen medialen Möglichkeiten besser haben profitieren<br />
können als die alten Akteure, deren Macht und Einfluß sich auf die Beherrschung<br />
der bislang vorherrschenden Medien abstützte. Als Beispiel hierfür wird<br />
immer wieder die Entwicklung der Druckkunst angeführt, von der der entstehende<br />
Protestantismus eher Nutzen ziehen konnte als der hergebrachte Katholizismus,<br />
dessen Herrschaft wesentlich auf der privilegierten Verfügung über Wissen<br />
bestand. Die Privilegien lösten sich auf, als das knappe Medium, Schrift<br />
auf Pergament, zum überreichlich verfügbaren, Druck auf Papier, wurde. Um<br />
keinen Determinismus zu behaupten: nicht das neue Medium hat den Protestantismus<br />
hervorgebracht, aber die Umgebung bereitgestellt, in der dieser reüssieren<br />
konnte. Bleiben die Monopole oder diversifizieren sich die Bildner öffentlicher<br />
Meinung? Wiederholt sich dieses Wechselspiel von Mediengestaltung, Produktion<br />
und Distribution, und Gestaltung von (politischer) Realität in der Gegenwart?<br />
Zugespitzt auf die Alternative kann gefragt werden, ob die bisherigen dominierenden<br />
Bildner von öffentlicher Meinung &#8211; die Medienprofessionellen und die Politikprofessionellen<br />
&#8211; sich der Potentiale der neuen (interaktiven) Medien so versichern können,<br />
daß ihre Monopole erhalten bleiben, oder ob andere, weniger institutionalisierte<br />
und direktere Formen sich durchsetzen werden, die die Vorzüge direkter Demokratie<br />
begünstigen und die demagogisierenden manipulierenden Nachteile ihres Mißbrauchs<br />
vermeiden können. Plattformen für interaktiv sich aufbauende Öffentlichkeit<br />
Unsere allgemeine, zugespitzte These, die wir in diesem Buch an dem Beispiel<br />
des Bundestagswahlkampfs 1998 im elektronischen Medium diskutieren und belegen<br />
wollen, besagt, daß elektronische Kommunikationsforen im Internet wenn schon<br />
nicht jetzt, so doch in näherer Zukunft die Plattformen für interaktiv sich<br />
aufbauende und sich immer stärker vernetzende Öffentlichkeiten sein können,<br />
so wie die klassischen Massenmedien und die traditionell organisierten Parteien<br />
die Plattformen für eine über Distribution erzeugte Öffentlichkeit waren<br />
und wie sie es wohl auch für eine gute Weile bleiben werden. In welche Richtung<br />
sich auch die institutionelle Frage der Zuständigkeit für Erzeugung von<br />
(politischer) Öffentlichkeit beantworten wird, die Art, wie Öffentlichkeit<br />
erzeugt wird, wird von dem mehrfach skizzierten Paradigmenwechsel nicht<br />
unbeeinflußt bleiben. Noelle-Neumann-Revival &#8211; neue starke Medien? Noch<br />
scheint vieles gegen diese These zu sprechen. Der Informationsbedarf der<br />
vielen ist nicht unbegrenzt, das Kommunikationsbedürfnis, zumal in einer<br />
größeren Öffentlichkeit, ist nicht bei allen als sehr hoch anzusetzen. Die<br />
Teilnahme an den elektronischen Kommunikationsforen ist im Verhältnis zu<br />
dem Aufwand, mit dem sie betrieben werden, sehr bescheiden. Die Qualität<br />
der Beiträge streut, um es vorsichtig zu sagen, noch sehr. Die Auswirkungen<br />
auf das tatsächliche Wahlverhalten sind bislang kaum zu messen und auch<br />
nicht in ihrer Relevanz für die Demokratietheorie einzuschätzen. Eine Arbeit,<br />
wie sie Noelle-Neumann 1973 geleistet hatte, als sie mit ihrer Theorie der<br />
Schweigespirale das Konzept starker Medien propagierte und dem Fernsehen<br />
durchaus eine wahlentscheidende Rolle zubilligte, ist für die elektronischen<br />
Kommunikationsforen (noch) nicht möglich. Werden dies starke, also dominierende<br />
Medien sein? Oder werden sie dauerhaft eine eher spielerische Begleitmusik<br />
zum ansonsten beherrschenden Solopart der klassischen professionellen Medien<br />
spielen?</span></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small"></span></span></p>
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