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	<title>dhulme &#8211; politik-digital</title>
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		<title>bundestag.de-Live-Chat zum Vertrag von Lissabon</title>
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		<dc:creator><![CDATA[dhulme]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Apr 2008 14:28:14 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[bundestag.de-Live-Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Ulrich]]></category>
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		<category><![CDATA[Vertrag von Lissabon]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Donnerstag, 24.4.08, waren Thomas Dörflinger (CDU/CSU) und Alexander Ulrich (Die Linke), Abgeordnete im Bundestag, zu Gast im bundestag.de-Live-Chat und diskutierten zum Thema &#34;Europäische Union und Vertrag von Lissabon&#34;. <a href="http://www.bundestag.de/aktuell/archiv/2008/20217626_kw17_lissabon/transkript.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das Chattranskript finden Sie hier.</a>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag, 24.4.08, waren Thomas Dörflinger (CDU/CSU) und Alexander Ulrich (Die Linke), Abgeordnete im Bundestag, zu Gast im bundestag.de-Live-Chat und diskutierten zum Thema &quot;Europäische Union und Vertrag von Lissabon&quot;. <a href="http://www.bundestag.de/aktuell/archiv/2008/20217626_kw17_lissabon/transkript.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das Chattranskript finden Sie hier.</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der alte Feminismus ist überholt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[dhulme]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Apr 2008 16:34:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
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		<category><![CDATA[Tagesschau]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Elisabeth Raether]]></category>
		<category><![CDATA[Emanzipation]]></category>
		<category><![CDATA[Jana Hensel]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Donnerstag, den 24. April, waren Jana Hensel und  Elisabeth Raether zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Die beiden Autorinnen des Buches &#34;Neue deutsche Mädchen&#34; sprachen über einen neuen Feminismus jenseits von Alice Schwarzer und weibliche wie männliche Rollenbilder.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag, den 24. April, waren Jana Hensel und  Elisabeth Raether zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Die beiden Autorinnen des Buches &quot;Neue deutsche Mädchen&quot; sprachen über einen neuen Feminismus jenseits von Alice Schwarzer und weibliche wie männliche Rollenbilder.<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Herzlich willkommen beim tagesschau-Chat im<br />
ARD-Hauptstadtstudio. Die Autorinnen Jana Hensel und Elisabeth Raether sind<br />
heute unsere Gäste &#8211; sie haben gerade ein stark autobiografisches Buch über die<br />
&quot;Neuen deutschen Mädchen&quot; gemeinsam geschrieben und damit auch die<br />
unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema Gleichberechtigung zwischen Ost<br />
und West vereint. Frau Hensel, Frau Raether &#8211; vielen Dank, dass Sie Zeit für<br />
uns haben! Können wir loslegen?
</p>
<p>
<b>Jana Hensel und Elisabeth Raether: </b>Ja!
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="/wp-content/uploads/Hensel_Raether_300.jpg" alt="Elisabeth Raether, Jana Hensel" height="397" width="300" />
</div>
<p></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> In den neunziger Jahren war<br />
&quot;Feminismus&quot; kein Wort, was man gerne anfasste &#8211; wieso ist das Thema<br />
neuerdings in Ihrer Generation so en vogue?</p>
<p><b>Jana Hensel: </b>Ja, vielleicht gerade weil man darüber nicht<br />
gesprochen hat. Weil junge Frauen lange dachten, das sei kein Thema mehr. Weil<br />
die Gesellschaft sich lange Zeit Illusionen gemacht hat und der Meinung war,<br />
die Gleichberechtigung sei Realität geworden. Und gerade wir, Elisabeth und<br />
ich, erzählen in unserem Buch diesen Desillusionierungsprozess, erzählen aus<br />
unserem Leben und erzählen genau die Punkte, wo wir gemerkt haben, dass dieses<br />
Thema noch längst nicht abgeschlossen ist.</p>
<p><b>Moderatorin:</b> Warum?</p>
<p><b>Jana Hensel: </b>Ich glaube, es gab noch nie eine so<br />
selbstbewusste, gut ausgebildete Generation junger Frauen wie heute. Diese<br />
Frauen leben im Privaten schon sehr häufig gleichberechtigte Beziehungen mit<br />
ihren Männern, stoßen aber in der Öffentlichkeit und im Berufsleben überall auf<br />
alte Rollenmuster. Im Berufsleben und der Öffentlichkeit ist diese<br />
Gleichberechtigung noch viel stärker eine Utopie, als wir das alle glauben und<br />
wahrnehmen.</p>
<p><b>lh:</b> Wo sehen Sie heute noch Defizite, wo muss sich die Frau<br />
weiter emanzipieren?</p>
<p><b>Jana Hensel: </b>Okay, Elisabeth! </p>
<p><b>Elisabeth Raether:  </b>Ich glaube nicht, dass die Frau sich<br />
emanzipieren muss, sondern wir brauchen neue Bilder von Weiblichkeit und<br />
Männlichkeit. Wir halten sehr an alten Rollenmustern fest, dazu<b> </b>zählt<br />
die Bescheidenheit, Zurückhaltung und Unsicherheit der Frauen, die Frauen oft<br />
im Weg steht. Daran sind sie aber nicht selber schuld. Es ist eine gesellschaftliche<br />
Erwartung und dem wollten wir etwas entgegensetzen.</p>
<p><b>Jana Hensel: </b>Der Feminismus alter Schule hat stets versucht,<br />
genau definierte Antworten an Frauen zu geben. Wir halten das für überholt.<br />
Feminismus &#8211; und dabei mögen wir dieses Wort nicht besonders &#8211; muss sich heute<br />
an Männer und Frauen gleichzeitig wenden und muss sich von dem Selbstanspruch,<br />
alles genau definieren zu wollen, verabschieden. Für junge Frauen heute ist es unglaublich schwer, ihre Feinde auszumachen.<br />
Alice Schwarzer hat in einer Zeit begonnen, in der Frauen von Feinden umstellt<br />
waren. Heute muss man sehr klug sein, um die Feinde erkennen zu können und sie<br />
nicht &#8211; ich glaube das tun viele &#8211; in sich selbst zu suchen.</p>
<p><b>Mann:</b> Warum sollte man Ihrer Meinung nach nicht an<br />
Rollenmuster festhalten dürfen?</p>
<p><b>Elisabeth Raether: </b>Das ist eine interessante Frage. Wir<br />
erzählen in unserem Buch &quot;Neue deutsche Mädchen&quot; wie die Rollenerwartungen,<br />
die an Frauen gestellt werden, uns einschränken im persönlichen Leben und in<br />
unserem beruflichen Fortkommen. Die Rollenerwartungen sind nicht neutrale<br />
Erwartungen, an die man sich hält oder nicht, sondern sie sind Einschränkungen<br />
und beinhalten Verbote, Tabus. Dazu zählt z.B., dass selbstbewusste Frauen sich<br />
nicht gerade beliebt machen &#8230;</p>
<p><b>Jana Hensel: </b>&#8230; weil sie mit ihrem Selbstbewusstsein aus der<br />
konventionellen Rollenerwartung ausscheren.</p>
<p><b>Elisabeth Raether: </b>Ich glaube im Übrigen, dass auch Männer<br />
unter bestimmten Rollenerwartungen leiden und sich eingeschränkt fühlen. Aber<br />
wir haben aus der Perspektive der Frauen geschrieben. Es würde uns aber auch<br />
interessieren, wenn sich Männer dazu zu Wort melden würden.</p>
<p><b>Moderatorin: </b>Hier gibt es eine direkte Reaktion &#8211; stimmen Sie<br />
folgendem zu?</p>
<p><b>fazleser: </b>Die Eigenschaften, Merkmale, Charakterzüge, die es<br />
einer Frau gestatten, im Berufsleben erfolgreich zu sein, das sind nicht die<br />
Merkmale, die eine Frau einen Partner finden und halten lassen.</p>
<p><b>Jana Hensel: </b>Genau in solchen Formulierungen liegt das<br />
Problem. Der Gedankenfehler ist doch schon, dass Frauen sich in berufliches und<br />
privates Leben aufteilen sollen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Der User meint &#8211; glaube ich &#8211; bei Männern<br />
macht Erfolg sexy, bei Frauen Erfolg einsam &#8211; stimmt das aus Ihrer Sicht?</p>
<p><b>Elisabeth Raether: </b>Das stimmt einerseits, andererseits ist es<br />
ein Cliché. Ich glaube, dass Männer, die heute eine gleichberechtigte Beziehung<br />
führen wollen, sich anstrengen müssen. Es ist einfach anstrengend, die alten Rollenmuster<br />
loszuwerden. Für Männer und für Frauen. Zum Beispiel ist es so, dass die<br />
Gesellschaft und damit auch die Männer persönlich zu oft noch glauben, sich<br />
über ihr Einkommen und ihre Karriere zu definieren.</p>
<p><b>Moderatorin: </b>Zwischendurch mal ein Kompliment zur Auflockerung<br />
des Geschlechterdiskurses &#8211; sowas gibt´s in Chats auch:
</p>
<p>
<b>samson:</b> Sie sehen beide sehr bezaubernd aus!
</p>
<p>
<b>alx:</b> Ein Anmerkung als Mann: Auch ich fühle mich tatsächlich<br />
oft zu sehr in eine Rolle gedrängt, die ich als ein Gemisch aus Machogehabe und<br />
Karrieregeilheit formulieren würde. Warum kann<b> </b>ich nicht<br />
genauso viel Zeit für meine Kinder aufbringen wie meine Frau, ohne schief<br />
angesehen zu werden?
</p>
<p>
<b><b>Jana Hensel: </b></b>Natürlich können Sie das. Natürlich können<br />
Sie sich im gleichen Zeitumfang um ihre Kinder kümmern. Die Frauen sind in den<br />
letzten Jahrzehnten einen so weiten Weg gegangen. Von der Realität in den 50er<br />
Jahren, wo die Frau sich zu Hause um Haus und Hof kümmerte, sind wir heute Gott<br />
sei Dank weit entfernt. Und es gibt trotzdem noch so viel zu tun. Dafür<br />
brauchen viele Frauen Mut und Courage. Ich sehe keinen Grund für die Männer,<br />
diesen Weg nicht auch zu gehen. Und im Übrigen glaube ich, dass viele Männer bereits dabei sind, diesen Weg<br />
zu gehen. Ein Beweis dafür scheint mir auch zu sein, wie viele Männer hier im<br />
Chat mit uns diskutieren. Die Unsicherheit der Männer gegenüber ihrer Rolle,<br />
die es vor ein paar Jahren noch gab, hat sich längst in ein produktives<br />
Nachdenken gewandelt. Dazu gehört z.B.: Männer wollen heute ganz<br />
selbstverständlich Väter sein dürfen und viele sind es auch schon.
</p>
<p>
<b>Hansi:</b> Sehr interessant, was sie da sagen&#8230;.
</p>
<p>
<b>Dirky:</b> Das Problem ist gravierender, wenn man(n) als Hausmann<br />
zwar von seinen Artgenossen akzeptiert wird, aber dann von seiner Frau<br />
unbewusst schief angesehen wird.
</p>
<p>
<b>Fufu:</b> Es sind nur neidische, missgünstige Männer, die andere<br />
Männer schief ansehen, wenn diese sich rührend um<b> </b>ihre Kinder<br />
und ihre Partnerinnen kümmern!! Wir Frauen würden solche Anblicke gerne öfter<br />
demonstriert bekommen!
</p>
<p>
<b>mitdenker: </b>Man sollte auch nicht vergessen, dass<b> </b>viele<br />
Frauen sich sehr wohl für die herkömmlichen Rollenmuster entscheiden und sich<br />
eben einen erfolgreichen, dominanten Mann wünschen, der ein angenehmes Leben<br />
ermöglicht. Soll man diese Frauen umerziehen?
</p>
<p>
<b>Elisabeth Raether: </b>Wir wollen niemanden umerziehen. Ich<br />
glaube nur, dass das keine individuellen Entscheidungen sind, sondern ein<br />
überpersönliches Selbstbild.<b></b>
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Sie erzählen viel Privates von sich in Ihrem Buch<br />
&#8211; wollten Sie damit auch eine politische Botschaft rüberbringen?
</p>
<p>
<b>Jana Hensel:</b> Heute ist das Private so politisch wie nie. Die<br />
entscheidenden Weichen, ob sich die Arbeitswelt ändern kann, ob Männer und<br />
Frauen gleichberechtigt im Büro zusammenkommen, entscheidet sich zu Hause. Hier<br />
verhandeln Mann und Frau miteinander wie sie leben wollen, 24 Stunden am Tag.
</p>
<p>
<b>Elisabeth Raether: </b>Für uns war es wichtig, das Private zu<br />
beschreiben, da der Knackpunkt jeder feministischen Analyse schließlich der<br />
ist, dass derjenige, mit dem man kämpft, auch derjenige ist, den man liebt. Das<br />
hat der Feminismus zu lange ignoriert<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Eine vorab häufig gestellt Frage:
</p>
<p>
<b>Käse:</b> Meiner Ansicht nach ist die Generation der<br />
&quot;neuen deutschen Mädchen &quot; bzw. eine, die über Genderfragen spricht,<br />
erst durch den Feminismus der 70er Jahre möglich geworden. Warum grenzen Sie<br />
sich davon ab bzw. betonen, mit Schwarzer &amp; Co. nicht viel anfangen zu<br />
können? <b></b>
</p>
<p>
<b>Jana Hensel: </b>Alice Schwarzer ist so alt wie meine Mutter. Sie<br />
hat wahnsinnig viel erreicht, aber jetzt sind wir alt genug, für uns selbst zu<br />
sprechen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Angela Merkel hat Mädchen und junge Frauen heute<br />
anlässlich des bundesweiten Girls&#8217; Day zu &quot;mehr Mut&quot; aufgefordert.<br />
Sind Frauen zu unkritisch und zu wenig mutig, die Chancen des 21. Jahrhunderts<br />
für sich zu nutzen? Vielleicht sogar ein bisschen feige?
</p>
<p>
<b>Jana Hensel:</b> So ein<b> </b>Quatsch.
</p>
<p>
<b>juniper:</b> Heute ist Girls Day. Was halten Sie von Einrichtungen<br />
wie dem Boys Day, bei dem Männer &quot;typische Frauenberufe &quot; (falls es<br />
sowas gibt) näher gebracht werden sollen? Verstärken solche nach Geschlechtern<br />
getrennte Aktionen nicht noch die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen?
</p>
<p>
<b>Jana Hensel: </b>Wir müssen anfangen, das Selbstbewusstsein,<br />
das viele junge Frauen und auch junge Männer in der Realität leben, medial<br />
immer mit diesen alten Klischees zu spiegeln. Wir brauchen auf alte Fragen neue<br />
Antworten und wir müssen dem Selbstbewusstsein junger Leute mit<br />
Selbstbewusstsein begegnen.
</p>
<p>
<b>Elisabeth Raether:</b> Man muss über die Unterschiede sprechen,<br />
die es zwischen Männern und Frauen gibt. Und man muss darüber sprechen können,<br />
ohne sie zu zementieren. Deshalb finde ich den Boys´ Day im Prinzip eine gute<br />
Idee.
</p>
<p>
<b>girlsday: </b>Was macht die &quot;moderne Frau&quot; in wenigen<br />
Stichworten denn nun für Sie aus?
</p>
<p>
<b>Jana Hensel: </b>Junge Frauen heute, glaube ich, leben und denken<br />
sehr feministisch, ohne sich als Feministin zu bezeichnen. Sie wollen nicht &#8211;<br />
wie die Medien das häufig ausdrücken &#8211; alles. Also Kind, Karriere, eine gute<br />
Partnerschaft, sondern sie wollen auf all das nicht verzichten. Das ändert die<br />
Perspektive. Um von mir zu reden: Ich als 30-jährige Frau habe studiert, bin<br />
ökonomisch unabhängig, führe eine glückliche Beziehung, bin gerade Mutter<br />
geworden und möchte mich auch in Zukunft in meiner Freiheit nicht einschränken<br />
müssen.
</p>
<p>
<b>Elisabeth Raether: </b>Frauen können sich heute auf ihre<br />
Geschichte als Frau berufen, ohne Opfer zu sein.
</p>
<p>
<b>juniper:</b> Sie sind beide so um die 30 Jahre. Warum bezeichnen<br />
Sie sich eigentlich noch als &quot;Mädchen&quot;?
</p>
<p>
<b>Jana Hensel: </b>Ehrlich gesagt, wir fanden den Titel schön und<br />
haben uns nicht groß den Kopf zerbrochen, ob das Wort Frau oder Mädchen besser<br />
ist. Ich glaube, das zeigt, wie sehr wir einen lockeren und entspannten Umgang<br />
mit diesen Schubladen brauchen und ihn eigentlich auch schon leben.
</p>
<p>
<b>Annelu:</b> Selbstkritisch müssen Frauen natürlich auch sein. Ich<br />
glaube, manchmal ist es bequemer, begehrenswert zu sein und von jemandem<br />
finanziert zu werden.
</p>
<p>
<b>Jana Hensel: </b>Genau davon schreiben wir ohne anklagend zu<br />
sein und ohne es gut zu heißen. Im Gegensatz zum alten Feminismus beginnen die<br />
Geschichten, die wir erzählen, dort, wo sie tatsächlich beginnen. Das heißt,<br />
mit allen Irrungen und Wirrungen. Wir sagen dabei nicht nur, dass wir von<br />
Anfang an alles verstanden und kapiert haben. Zum Beispiel beschreibe ich in meinem Kapitel zum Thema Karriere, wie ich<br />
dabei gescheitert bin, als Journalistin auch zu ernsthaften Themen schreiben zu<br />
können. Ich schreibe dies auf, weil ich glaube, dass gerade die vermeintlich<br />
erfolgreichen Frauen davon berichten müssen, unter welchen Bedingungen ihr<br />
Erfolg stattfindet.
</p>
<p>
<b>Elisabeth Raether: </b>Wir können &#8211; und deshalb müssen wir &#8211;<br />
selbstkritisch sein, weil der Feminismus für uns, im Gegensatz zur Generation<br />
von Alice Schwarzer, eine historische Tatsache ist.
</p>
<p>
<b>Simone:</b> Ich meine es geht generell um Gleichberechtigung, egal<br />
wer von beiden in welchem Zusammenhang benachteiligt wird. Ich finde es gut,<br />
wie Simone de Beauvoir davon gesprochen hat, dass es darauf ankommt, als MENSCH<br />
angesehen zu werden und nicht als jemand, der bestimmte Rollenvorstellungen zu<br />
erfüllen hat.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Frau Raether, Sie schreiben in<b> </b>einem<br />
Kapitel: „Es ist schwieriger geworden, von der Liebe zu träumen. Das ist der<br />
Preis für die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, der Preis, den wir<br />
dafür zahlen, dass wir selbst über unser Liebesleben bestimmen. Ob wir so leben<br />
wollen, ist eine wichtige, aber müßige Frage. Denn wir haben uns bereits dafür<br />
entschieden.&quot; &#8211; Weshalb sind Liebe und Gleichberechtigung für Sie so ein<br />
Gegensatz?
</p>
<p>
<b>Elisabeth Raether: </b>Es ist kein Gegensatz. Ich glaube nur, wir<br />
brauchen eine neue Vorstellung von Liebe. Gleichberechtigung ist anstrengend<br />
und deshalb ist Liebe vielleicht auch anstrengender geworden.
</p>
<p>
<b>u-man: </b>Ein anderer Umgang mit Liebe&#8230;.. ha ha ha
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Es befinden sich übrigens sehr viele männliche<br />
User im Chat! Interessant!
</p>
<p>
<b>phrosch:</b> Sollten nicht die Männer mal emanzipiert werden? Sind<br />
nicht auch die Männer sehr in einem alten Bild gefangen? Es ist zwar anders,<br />
aber auch antiquiert.
</p>
<p>
<b>Adam:</b> Wie vereinbart der heutige Feminismus den Umstand<br />
&quot;Männer in der Krise&quot; (siehe Arbeitslosenzahlen, Bildung etc.) mit<br />
&quot;positiver Diskriminierung&quot;?
</p>
<p>
<b>Jana Hensel: </b>Das ist eine gute Frage. Offensichtlich ist diese<br />
Krise der Männer ein Symptom dafür, dass auch sie nicht mehr in den alten<br />
Rollenerwartungen erzogen und angesprochen werden wollen. Die<b> </b>Krise<br />
ist deshalb eher eine Offenheit und zwingt uns nachzudenken und die<br />
Wirklichkeit zu verändern.
</p>
<p>
<b>Elisabeth Raether: </b>Im Grunde wissen Männer, dass der<br />
Feminismus ihnen nichts wegnimmt, sondern es ihnen ermöglicht, ein<br />
vielfältigeres, reicheres Leben zu führen. Das ist dann der in der ollen<br />
Rhetorik des 70er Jahre-Feminismus häufig untergegangen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Wir haben nebenbei im Chatroom eine Umfrage unter<br />
den Usern gemacht. Die Frage lautete: &quot;Finden Sie, dass Frauen und Männer<br />
in Deutschland heute gleichberechtigt sind? Eher Ja oder eher Nein?&quot; Das<br />
Ergebnis: 50 Prozent haben &quot;ja&quot; gesagt, 50 Prozent &quot;nein&quot; &#8211;<br />
Niederschmetternd? Zu pessimistisch? Realistisch? Frau Raether, Frau Hensel &#8211;<br />
was sagen Sie dazu?
</p>
<p>
<b>Jana Hensel: </b>Ich halte das Ergebnis für viel zu<br />
optimistisch. Die Zahlen sprechen eindeutig eine andere Sprache. In den<br />
Chefetagen sitzen noch immer Männer, Frauen verdienen weniger als Männer, sie<br />
haben diskontinuierliche Erwerbsbiographien, Stichwort Altersarmut, Medien<br />
werden von Männern gemacht. Wer angesichts dieser Realität von einer<br />
Gleichberechtigung spricht, ignoriert die Wirklichkeit.<b></b>
</p>
<p>
<b>Jan:</b> Was halten Sie denn von der in manchen Parteien<br />
vorgeschlagenen Frauenquote von 50 Prozent?
</p>
<p>
<b>Elisabeth Raether:</b> Ich bin prinzipiell für eine Frauenquote. Das<br />
Wort Quotenfrau, vor dem viele Frauen ja Angst haben, ist in meinen Augen keine<br />
Diskriminierung, die durch die Frauenquote entstanden ist, sondern eine<br />
Fortsetzung der bereits bestehenden Diskriminierung. Durch Frauenquote bekommen<br />
junge Frauen Vorbilder.
</p>
<p>
<b>Jana Hensel: </b>Insofern übernehmen auch wir Ideen des alten<br />
Feminismus, wir lehnen nicht grundsätzlich ab, aber wir überprüfen ihn auf<br />
Tauglichkeit.
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Ein kurzes Zitat von Elisabeth Raether aus dem<br />
Buch &quot;Neue deutsche Mädchen&quot;: &quot;Beide Wörter,<br />
&quot;hysterisch&quot; und &quot;Emanze&quot;, gehören zu meiner Kindheit.<br />
Lange sagten sie mir nichts, aber ich wusste, dass sie, ähnlich den Begriffen<br />
&quot;UdSSR&quot; oder &quot;Tschernobyl&quot;, eine weitreichende Bedeutung<br />
hatten.&quot; Sehen Sie das heute auch noch so?
</p>
<p>
<b>Elisabeth Raether: </b>„Hysterisch&quot; und „Emanze&quot; sind<br />
Bezeichnungen für bestimmte Frauentypen und ich glaube immer noch, dass in<br />
ihnen die abwertende Wahrnehmung von Frauen zum Ausdruck kommt. Das sind aber<br />
trotzdem Gott sei Dank Wörter, die Frauen sich heute nicht mehr so oft gefallen<br />
lassen müssen.
</p>
<p>
<b>Danino:</b> Selbstverständlich sind Frauen heute<br />
gleich&quot;berechtigt&quot;. Oder kennen Sie ein deutsches Gesetz, das Frauen, weil sie<br />
Frau sind, benachteiligt? Wenn man über so ein Thema diskutiert, sollte man<br />
sich meiner Meinung nach schon der Begrifflichkeiten bewusst sein. Was zu<br />
diskutieren ist, ist doch die Frage nach der tatsächlichen<br />
Gleich&quot;stellung&quot;.
</p>
<p>
<b>Jana Hensel: </b>Mir wäre noch wichtig zu sagen, dass Elisabeth<br />
und ich keine Politikerinnen sind. Wir sind Autorinnen und beantworten all diese<br />
Fragen mit den Mitteln der Literatur. Eben weil es keine gesetzlichen<br />
Ungerechtigkeiten mehr gibt, brauchen wir die Möglichkeit, jungen Frauen Bilder<br />
und Gedanken für eine häufig unübersichtliche und schwer verständliche<br />
Gegenwart zur Verfügung zu stellen, damit sie nicht glauben, in Deutschland<br />
gäbe es eine Gleichberechtigung der Geschlechter.<b> </b>
</p>
<p>
<b>Moderatorin: </b>Das war eine gute Stunde hier im tagesschau-Chat.<br />
Herzlichen Dank, Jana Hensel und Elisabeth Raether, dass Sie sich Zeit für die<br />
Diskussion mit den Leserinnen und Lesern von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de genommen haben. <br />
Dankeschön auch an unsere User für die vielen Fragen, die wir leider nicht alle<br />
stellen konnten. Das tagesschau.de-Team wünscht allen noch einen schönen Tag!</p>
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