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	<title>Georg Babing &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Georg Babing &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Preiskampf bei Navigationsgeräten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Georg Babing]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Dec 2007 18:24:22 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Stiftung Warentest]]></category>
		<category><![CDATA[Falk Murko]]></category>
		<category><![CDATA[Navigationssystem]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Donnerstag, 20. Dezember, war Falk Murko, Experte für Navigationsgeräte, zu Gast im test.de-Chat. Er sprach über die Vor- und Nachteile heutiger Navis und die Genauigkeit aktueller Geräte.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag, 20. Dezember, war Falk Murko, Experte für Navigationsgeräte, zu Gast im test.de-Chat. Er sprach über die Vor- und Nachteile heutiger Navis und die Genauigkeit aktueller Geräte.<!--break--></p>
<p>
Das Transkript des Chats finden Sie <a href="http://www.test.de/themen/auto-verkehr/meldung/-Navigationsgeraete/1611410/1611410/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kinderrechte ins Grundgesetz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Georg Babing]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Dec 2007 16:58:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat_tag]]></category>
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		<category><![CDATA[tagesschau.de]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Kohaupt]]></category>
		<category><![CDATA[Kindergipfel]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Bundesregierung will Kinderrechte stärken. Wie das konkret aussehen soll, darüber berieten die Politiker am Mittwoch, 19. Dezember, auf dem diesjährigen &#34;Kindergipfel&#34;. Aus diesem Anlass war Georg Kohaupt vom Kinderschutzzentrum Berlin zu Gast im tagesschau.de-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Verantwortung von Eltern und Ärzten und gab Tipps, wie man sich verhalten soll, wenn man Misshandlungen bemerkt. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Bundesregierung will Kinderrechte stärken. Wie das konkret aussehen soll, darüber berieten die Politiker am Mittwoch, 19. Dezember, auf dem diesjährigen &quot;Kindergipfel&quot;. Aus diesem Anlass war Georg Kohaupt vom Kinderschutzzentrum Berlin zu Gast im tagesschau.de-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Verantwortung von Eltern und Ärzten und gab Tipps, wie man sich verhalten soll, wenn man Misshandlungen bemerkt. <!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator:<br />
</b>Herzlich willkommen im tagesschau-Chat! Am Tage des<br />
&quot;Kindergipfels&quot;, der eigentlich ein Routinetreffen von<br />
Kanzlerin Merkel mit den Länder-Ministerpräsidenten ist,<br />
beschäftigt uns heute das Thema &quot;Schutz von Kindern&quot;.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich dazu Georg Kohaupt,<br />
Psychologe und Familienberater beim Kinderschutzzentrum Berlin, der<br />
zugleich Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft der<br />
Kinderschutzzentren ist. Vielen Dank, Herr Kohaupt, dass Sie sich<br />
Zeit für die Diskussion mit den Lesern von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de nehmen. Bitte bei Nachfragen an ein kurzes<br />
Stichwort denken, dann kann man die Fragen besser zuordnen. Können<br />
wir loslegen?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt: </b>Ja natürlich, gerne!
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<div style="text-align: center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/gkohaupt_150x130_1.jpg" alt="Gerhard Kohaupt, Kinderschutzzentrum Berlin" title="Gerhard Kohaupt, Kinderschutzzentrum Berlin" height="130" width="150" />
</div>
<p>
&nbsp;
</p>
<p align="center">
<i>Gerhardt Kohaupt vom Kinderschutzzentrum Berlin </i>
</p>
<p>
<b>Harald:</b><br />
Gehört der Kinderschutz ins Grundgesetz, was meinen Sie?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Der Kinderschutz ist schon im Grundgesetz und<br />
zwar im Artikel 6.
</p>
<p>
Dennoch<br />
denke ich, dass eine Aufnahme von weiteren Kinderrechten im<br />
Grundgesetz sinnvoll ist. Jetzt aber kommt es darauf an, den<br />
Kinderschutz finanziell und fachlich qualitativ gut auszustatten.
</p>
<p>
<b>Gollum:</b><br />
Halten sie das Treffen von Merkel und den Ministerpräsidenten<br />
heute für Aktionismus &#8211; was kann es bewirken?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt: </b>Ich bin froh, dass es so viel öffentliche<br />
Anteilnahme am Kinderschutz gibt.
</p>
<p>
Ich<br />
hoffe, dass deutlich wird, dass Kinderschutz in den Kommunen und in<br />
den Ländern gut ausgestattet werden muss. Ich habe Angst, dass<br />
möglicherweise vorschnelle gesetzliche Schnellschüsse<br />
beschlossen werden, die dem Kinderschutz nicht dienlich sind.
</p>
<p>
<b>Moderator:<br />
</b>Was wäre für Sie so ein Schnellschuss?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Zum Beispiel eine Meldepflicht für<br />
Kinderärzte bei Anhaltspunkten für Kindeswohlgefährdung<br />
in Richtung Jugendamt. Das Vertrauensverhältnis zwischen<br />
Kinderärzten und Familien könnte dadurch nachhaltig gestört<br />
werden, so dass Familien mit ihren Sorgen um ihre Kinder sich nicht<br />
mehr zum Kinderarzt trauen &#8211; aber auch die Familien, um die es im<br />
Kinderschutz geht, brauchen Ansprechpartner und Menschen, an die sie<br />
sich vertraulich wenden können. Notwendig ist viel mehr, dass<br />
Kinderärzte diagnostisch sicherer werden, wenn ein Kind in Not<br />
ist. Vor allem, dass sie mit deren Eltern vertrauensvoll, behutsam<br />
und zugleich bestimmt darüber sprechen, was ihnen Sorgen macht<br />
und sie zu Hilfe ermutigen.
</p>
<p>
<b>Orchid:</b><br />
Welche Verantwortung haben Ärzte? Was müssen sie<br />
unternehmen, wenn sie bei einem Kind zum Beispiel Untergewicht oder<br />
blaue Flecken feststellen?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt: </b>Erstens müssen sie es feststellen. Zweitens:<br />
Sie müssen mit den Eltern darüber sprechen, um zu sehen, ob<br />
man sich gemeinsam um das Wohlergehen des Kindes sorgen kann. Sie<br />
könnten mit den Eltern erarbeiten, was passieren muss, dass das<br />
Kind gedeihen kann. Wenn der Kontakt zu den Eltern abbricht, oder die<br />
Eltern bei der Hilfe nicht mitwirken, könnte man die Eltern noch<br />
einmal einladen und ihnen deutlich machen, dass man aus Verantwortung<br />
um das Kind seine Diagnose dem Jugendamt mitteilen muss, wenn man<br />
selbst mit seinem Latein am Ende ist. Wenn das Wohl eines Kindes<br />
gefährdet ist und die eigenen Handlungsmöglichkeiten<br />
erschöpft sind, haben Ärzte und alle anderen schon jetzt<br />
das Recht, das Jugendamt zu informieren.
</p>
<p>
<b>Manfred<br />
Brandl:</b> Sie haben Recht. Doch die Personen, die davon als<br />
Eltern betroffen sind, haben sowieso kein Vertrauensverhältnis<br />
zu einen Kinderarzt, da sie damit zugeben würden, dass sie nicht<br />
in der Lage sind ihre persönliche Situation &#8211; und damit die des<br />
Kindes &#8211; zu bewältigen.
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Es gilt bei der politischen Debatte im Moment,<br />
dieses Vertrauensverhältnis nicht zu beschädigen. Das<br />
droht, weil Kinderärzte und andere als Wächter des<br />
Kindeswohles mit schnellen Meldepflichten gehandelt werden. Die<br />
Eltern, um die es hier geht, haben nach meiner Erfahrung sowohl Angst<br />
vor der Hilfe, sind misstrauisch und isoliert &#8211;  aber sie merken<br />
auch, dass sie Hilfe brauchen. Sie benötigen gute und<br />
vertrauensvolle Kinderärzte, die sich Zeit für sie nehmen<br />
und ihnen ein solidarisches Hilfsangebot machen. Dafür brauchen<br />
Kinderärzte selbst Aus- und Fortbildung für diesen<br />
schwierigen Kontakt zu diesen schwierigen Eltern und möglicherweise<br />
auch Fachleute, mit denen sie über ihre Erfahrungen sprechen<br />
können. Im Kinderschutzzentrum gibt es viele Familien, die den<br />
Weg zu uns über Brücken durch Kinderärzte finden.
</p>
<p>
<b>Lana:<br />
</b>Was ist mit den Kindern, die kein Arzt zu sehen bekommt?<br />
Meine Pflegetochter war mehr als 18 Monate (als sie ein bis drei<br />
Jahre alt war) weder krankenversichert noch bei einem Arzt!
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt: </b>Was wir brauchen, ist ein einladendes System bei<br />
den Vorsorgeuntersuchungen. Was wir nicht brauchen, ist, dass die<br />
Kinderärzte in ein Zwangskontext gestellt werden. Bei den<br />
Eltern, die nicht zur Vorsorge kommen, muss die Jugendhilfe oder das<br />
Gesundheitswesen ein Angebot machen.
</p>
<p>
Sinnvoll<br />
ist es auch, die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen zu erhöhen.<br />
Vorsorgeuntersuchungen sollen aber dem Wesen nach der gemeinsamen<br />
Sorge zwischen Arzt und Kindern dienen: Ist mein Kind auf einem guten<br />
Weg, entwickelt es sich gut, hat es Förderbedarf &#8211; und nicht zu<br />
einem Misshandlungs-TÜV werden. Das würde den Zugang zu den<br />
Vorsorgeuntersuchungen zusätzlich erschweren und dazu führen,<br />
dass Eltern mit der Haltung &quot;Hier muss ich etwas verbergen&quot;<br />
den Kinderarzt aufsuchen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Sie haben die Ausbildung von Kinderärzten genau für diesen<br />
schwierigen Bereich angesprochen. Verstehe ich Sie richtig, da fehlt<br />
es noch?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Ja. Beim Kinderschutz kommt es immer auf zwei<br />
Dinge an: Man muss erkennen, dass ein Kind in Not ist und man muss in<br />
den Kontakt mit den Eltern kommen. Diese Eltern haben oft schwere<br />
biographische Nöte, sind im Kontakt gestört, haben<br />
hochgradig Angst, wenn sie zum Beispiel mit einem Kinderarzt zu tun<br />
haben.
</p>
<p>
Nicht<br />
nur bei Kinderärzten, sondern insgesamt auch in der Jugendhilfe,<br />
ist der Aufbau eines vertrauensvollen Kontakts zu diesen Eltern das<br />
zentrale Problem. Insofern ist die Qualifizierung dieses Kontakts<br />
eine zentrale Aufgabe zur Verbesserung des Kinderschutzes.
</p>
<p>
<b>Name:</b><br />
Ist es nicht so, dass gerade Familien, die Hilfe brauchen würden,<br />
die vorhandenen Angebote nicht in Anspruch nehmen? Wie kann man<br />
selbst bei optimalen Hilfsangeboten sicherstellen, alle Eltern zu<br />
erreichen?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Ich wäre zufrieden, wenn wir uns auf den Weg<br />
machen würden, mehr Eltern zu erreichen und für sie auch<br />
ausreichend und angemessene Hilfsangebote zu haben. Ansonsten gibt es<br />
in der Jugend- und in der Gesundheitshilfe eine Vielzahl von Ideen,<br />
besser mit Eltern in Kontakt zu kommen, in verschiedenen<br />
Lebensaltersstufen ihrer Kinder. Die traurige Realität ist, dass<br />
nach einem massivem Abbau von präventiven Hilfen jetzt einzelne<br />
Modellprojekte gefördert werden, von denen viele sinnvoll sind,<br />
aber gleichzeitig ist viel Bewährtes weggebrochen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Haben Sie ein Beispiel für den Abbau von präventiven<br />
Hilfen?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Zum Beispiel gab es in Berlin die Kinder- und<br />
Jugendgesundheitsdienste, die früher flächendeckend<br />
Erstbesuche bei Neugeborenen gemacht haben. Diese präventive<br />
Hilfe und dieses Sich-frühzeitig-bekannt-machen &#8211; zu wissen,<br />
dass es dort Unterstützung gibt, ist soweit zusammengestrichen,<br />
dass der präventive Aspekt gar nicht mehr vorhanden ist. Und es<br />
gibt unzählige Beispiele aus anderen Städten und Kommunen.
</p>
<p>
<b>Student:<br />
</b>Die meisten Kinder werden schon in sehr jungem Alter<br />
misshandelt und vergewaltigt. Jedoch wissen sie nicht, dass dies<br />
nicht normal ist und dass ihnen theoretisch geholfen werden kann.<br />
Sollte nicht gerade durch frühe Aufklärung zum Beispiel in<br />
Kindergärten oder Grundschulen den Kindern diese Themen näher<br />
beigebracht werden? Dadurch könnte ihnen viel früher<br />
geholfen werden und schlimme psychische Schäden schon früh<br />
geheilt werden.
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt: </b>Kleine Kinder sind besonders schutzlos. Sich um<br />
diese Kleinen zu kümmern, ist eine der wichtigsten Aufgaben des<br />
Kinderschutzes. Sie können sich nicht selber schützen,<br />
sondern sie brauchen Menschen, die ihre Not wahrnehmen. Das sind z.B.<br />
Kinderärzte oder Erzieher und Erzieherinnen. Diese haben die<br />
Aufgabe, mit den Eltern über ihre Sorgen zu sprechen. Wenn das<br />
nicht gelingt und Kinder gefährdet sind, sind sie verpflichtet,<br />
das Jugendamt zu informieren. Seit zwei Jahren gibt es ein Gesetz,<br />
das Erziehern in Kindertagesstätten und anderen Einrichtungen<br />
eine fachkundige Person zur Seite stellt, um die Gefahr für das<br />
Kind gut einzuschätzen und sie bei dem schwierigen Kontakt zu<br />
den Eltern zu beraten. Die Umsetzung dieses Gesetztes geht mir zu<br />
langsam und wird in vielen Ländern und Kommunen ausgebremst, da<br />
das möglicherweise Geld kostet.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Wie sieht ihre Praxis im Kinderschutzzentrum Berlin aus? Welche<br />
Altersgruppe ist da die größte? Kleine, Jüngere<br />
oderndliche?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Im Kinderschutz-Zentrum Berlin haben wir Kinder<br />
aller Altersgruppen &#8211; das beginnt bei schwangeren Müttern und<br />
endet manchmal bei schon erwachsen Kindern. Zu uns kommen Kinder und<br />
Eltern aus eigener Not sowie Kinder und Eltern, denen eine Brücke<br />
gebaut worden ist (in der Kita oder beim Kinderarzt) und es kommen<br />
auch Familien über das Jugendamt, manche freiwillig aber die<br />
meisten mit einem gehörigen Druck.
</p>
<p>
Einen<br />
Schwerpunkt haben wir bei Müttern, wo der Aufbau einer ersten<br />
Bindung zu den Kindern nicht gut gelingt, beim Trotzalter, bei der<br />
Einschulung und weiteren Schulproblemen und bei Pubertätskonflikten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Kommentar von:
</p>
<p>
<b>Gabs:</b><br />
Sie gehen mir viel zu stark auf die Rechte der Eltern ein. Und darum<br />
müssen meiner Meinung nach die Kinderrechte ins Grundgesetz.<br />
Dort sind bislang nur Eltern und Familie geschützt, aber nicht<br />
die Kinder vor ihren Eltern.
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Im Artikel 6 des Grundgesetzes ist die Erziehung<br />
Aufgabe der Eltern, aber auch eine Pflicht der Eltern. Weiter heißt<br />
es, dass über die Ausübung der elterlichen Sorge die<br />
staatliche Gemeinschaft wacht. Das bedeutet, dass die Jugendhilfe die<br />
Aufgabe hat, die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder zu<br />
unterstützen und einzugreifen, wenn diese Unterstützung<br />
nicht funktioniert. Im Konflikt zwischen dem Elternrecht und dem<br />
Kindeswohl ist rechtlich eindeutig, dass das Elternrecht hinter dem<br />
Kindeswohl zurücktreten muss (§1666 BGB).
</p>
<p>
Aus<br />
Kindersicht ist zu sagen, dass Kinder in der Regel bei ihren Eltern<br />
bleiben wollen und dass daher eine wirksame Hilfe für das Kind<br />
vor allem in einem veränderten Verhalten und einer veränderten<br />
Beziehung zu den Eltern besteht. Darüber hinaus brauchen Kinder<br />
Förderung außerhalb der Familie und manchmal Angebote, die<br />
schwierigen Erfahrungen mit ihren Eltern zu verarbeiten. Und<br />
natürlich müssen Kinder auch von den Eltern getrennt<br />
werden, wenn diese das Wohl ihres Kindes gefährden. Aber selbst<br />
in der Trennung bleiben Eltern immer Eltern. Untersuchungen zeigen,<br />
dass die Art der Trennung und das Gelingen der Trennung wesentlich<br />
zum Erfolg eines Neuanfangs beiträgt, zum Beispiel in einer<br />
Pflegefamilie.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Zweimal zum gleichen Thema:
</p>
<p>
<b>Kathi:<br />
</b>Die meisten Fälle von Kindesmisshandlung und<br />
Vernachlässigung betreffen wohl Familien in prekärer<br />
finanzieller Situation. Wie weit ist sind Überforderung,<br />
finanzielle Engpässe und Zukunftsunsicherheit Auslöser? Ist<br />
eine Politik für mehr soziale Gerechtigkeit nicht auch eine<br />
Politik für mehr Kinderschutz?
</p>
<p>
<b>Filber:<br />
</b>Gibt es eigentlich wirklich einen Zusammenhang zwischen<br />
Armut und Vernachlässigung von Kindern?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Ja. Ganz wichtig: Zwischen der Vernachlässigung<br />
von Kindern und Armut sowie sozialer Ausgrenzung besteht ein<br />
ursächlicher Zusammenhang. Dabei geht es nicht in erster Linie<br />
um das mangelnde Geld, sondern um den Verlust an Lebensperspektive<br />
und das Gefühl in dieser Gesellschaft nicht gebraucht zu sein.
</p>
<p>
Diese<br />
Rahmenbedingungen begünstigen sowohl depressive Entwicklungen<br />
als auch den Griff zum Alkohol. Das heißt, die Armut findet in<br />
der Geschichte der Eltern einen Platz.Das heißt, diese Eltern<br />
haben sich oft schon selbst aufgegeben, bevor sie die Sorge für<br />
ihre Kinder nicht mehr ausreichend leisten können.
</p>
<p>
Natürlich<br />
brauchen wir sozialpolitische Programme, die allen einen &#8211; nicht nur<br />
finanziellen ausgestatteten &#8211;  Platz in dieser Gesellschaft zuweisen.<br />
Zugleich brauchen gerade diese Kinder Förderung auch außerhalb<br />
des Elternhauses wie etwa einen frühzeitigen Kindergartenplatz.
</p>
<p>
<b>Moderator:<br />
</b>Die Top-Frage aus unserem &quot;Warteraum&quot;:
</p>
<p>
<b>Dresdner:</b><br />
Was kann man tun, wenn man glaubt, in seiner Nachbarschaft<br />
Vernachlässigung zu sehen?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Wenn man glaubt, Vernachlässigung zu sehen,<br />
wäre der erste Schritt, sich über die Einschätzung<br />
Sicherheit zu verschaffen. Das heißt, seine Sorgen mit seiner<br />
Familie zu besprechen, aber möglicherweise auch mit einem<br />
Fachmann. Das geht in einem Kinderschutzzentrum (telefonisch oder<br />
persönlich) oder anonym mit einem Jugendamt.
</p>
<p>
Der<br />
zweite Schritt ist zu überlegen, ob man selbst etwas tun kann<br />
oder will, um auf diese Familie zu zu gehen und möglicherweise<br />
eine Brücke zur Hilfe zu bauen. Oder vielleicht gibt es jemand<br />
anderen, der guten Kontakt zur Familie hat und mit ihr sprechen kann.<br />
Wenn diese Schritte nicht möglich sind, kann man bei<br />
gravierenden Sorgen das Jugendamt informieren, das dann seinerseits<br />
versucht, mit der Familie in Kontakt zu kommen und Hilfe anzubieten<br />
bzw. bei akuter Gefahr auch das Kind in Obhut nehmen muss.
</p>
<p>
<b>Moderator:<br />
</b>Stimmen Sie diesem Leser zu?
</p>
<p>
<b>klaus005:</b><br />
Ich finde die Debatte verkürzt sich viel zu sehr auf die Frage<br />
einer Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz. Dabei geht wie so<br />
oft völlig verloren, dass so eine Aktion evtl. ein Beitrag zu<br />
einer Kinder- und Jugendarbeit sein kann. Lösen wird dies ein<br />
Kinderarmuts- oder Vernachlässigungsproblem nicht! Vielmehr<br />
wären dafür Maßnahmen notwendig, die Geld, Personal<br />
und Zeit kosten. Und da Kinder nun einmal kaum bis keine Lobby in<br />
Deutschland haben, wäre in meinen Augen eine<br />
Grundgesetz-Ergänzung zu diesem Zeitpunkt einzig und allein<br />
Augenwischerei und zum Wogenglätten geeignet. Vielmehr müsste<br />
sich die Debatte konzentrieren auf die erbärmlichen Budgets<br />
öffentlicher Hand für Kinder-und Jugendarbeit und<br />
Familienbetreuung. Aber vielleicht ist dieses Thema noch zu früh<br />
für die Öffentlichkeit, die gerade erst mal begreift, dass<br />
Kinder alles andere sind als lästig oder noch nicht reife<br />
Erwachsene.
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt: </b>Diesen Vorwurf teile ich. Wir brauchen sowohl<br />
einen Ausbau der Jugendämter als auch einen Ausbau der<br />
präventiven Hilfen und der Hilfen in Kinderschutzkrisen. In der<br />
gegenwärtigen Debatte ist von den Jugendämtern nur als<br />
Eingriffsbehörde die Rede, die bei akuter Gefahr wie die<br />
Feuerwehr zum Hausbesuch losfährt (das ist gewiss oft<br />
notwendig). Die Jugendhilfe als Anbieter von Hilfen, die mit offen<br />
Armen und offenen Türen die betroffen Familien einlädt und<br />
sagt, wir haben die richtigen Hilfen für euch, ist in dieser<br />
Debatte nicht präsent. Manche Jugendämter in Berlin zum<br />
Beispiel sagen: &quot;Dafür haben wir auch gar keine Zeit&quot;.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Können Sie einmal die Größenordnung benennen: Wieviel<br />
Geld fehlt? Brauchen wir doppelt so viel, dreimal so viel? Das ist<br />
sicher schwierig zu beantworten, aber um eine Vorstellung zu haben,<br />
wäre Ihre Einschätzung interessant.
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Das kann man letztendlich nicht beantworten. Das<br />
Ausgestaltung der Jugendhilfe ist kommunale und Ländersache und<br />
der Mangel der Jugendhilfe unterscheidet sich auch von Kommune zu<br />
Kommune. Ich würde es selbst begrüßen, wenn es<br />
verlässliche Zahlen über die Entwicklung der<br />
Jugendhilfebudgets gäbe.
</p>
<p>
Im<br />
Kinderschutzzentrum Berlin &#8211; und das gilt auch für die anderen<br />
Kinderschutzzentren in Deutschland &#8211; haben wir mehr Zugang von<br />
Familien als wir bewältigen können. Zugleich haben wir<br />
viele neue Ideen, Zugänge zu verbessern oder präventive<br />
Angebote zu machen, für die wir kein Geld haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b><br />
Ein zufriedenstellendes Ergebnis des &quot;Kindergipfels&quot; wäre<br />
also schon einmal: Mehr Geld für die Kinder- und Jugendhilfe?
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Mehr Geld, mehr um Familien werben  &#8211; statt<br />
Maßnahmen und Kontrollen zu beschließen. Keine neuen<br />
Gesetze sind notwendig. Die Aufnahme von Kinderrechten ins<br />
Grundgesetz ist vielleicht mittelfristig für die Kinder<br />
sinnvoll. Qualitativer Kinderschutz braucht vor allem gute<br />
Bedingungen.
</p>
<p>
<b>Moderator:<br />
</b>Unsere 60 Minuten tagesschau-Chat sind vorbei &#8211;<br />
herzlichen Dank, Herr Kohaupt, das Sie für den Chat Zeit hatten.<br />
Vielen Dank an alle Nutzer von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
für Ihr Interesse und die Fragen. Das war unser letzter fest<br />
geplanter Chat in diesem Jahr. tagesschau.de und politik-digital.de<br />
wünschen allen eine geruhsame und friedliche Weihnachtszeit und<br />
einen guten Rutsch!
</p>
<p>
<b>Georg<br />
Kohaupt:</b> Das wünsche ich Ihnen auch!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Deutschland sucht den Super-CIO</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/deutschland-sucht-den-super-cio-3648/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/deutschland-sucht-den-super-cio-3648/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Georg Babing]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Dec 2007 14:38:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Initiative D21]]></category>
		<category><![CDATA[IT-Gipfel]]></category>
		<category><![CDATA[IT]]></category>
		<category><![CDATA[Bundes-CIO]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Bernhard Beus]]></category>
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					<description><![CDATA[Die gute Nachricht des IT-Gipfels: Seit dem 10. Dezember 2007 gibt es den Bundes-CIO, den obersten Verantwortlichen für Informationstechnik. Die schlechte Nachricht: Hans-Bernhard Beus hat eine klassische Beamtenkarriere hinter sich und noch nie in der IT-Wirtschaft gearbeitet.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die gute Nachricht des IT-Gipfels: Seit dem 10. Dezember 2007 gibt es den Bundes-CIO, den obersten Verantwortlichen für Informationstechnik. Die schlechte Nachricht: Hans-Bernhard Beus hat eine klassische Beamtenkarriere hinter sich und noch nie in der IT-Wirtschaft gearbeitet.<br />
<!--break--></p>
<p>
Chief Information Officer (CIO), das klingt ausgesprochen wichtig. Noch besser klingt  Bundes-CIO –  ein oberster Verantwortlicher für Informationstechnik in Deutschland. Was hätte so ein Bundes-CIO für Möglichkeiten! Endlich einer, der seine ganze Kompetenz dafür einsetzt, der deutschen IT  auf die Sprünge zu helfen. Einer, der sich mit seinen Entscheidungen auch politisch durchsetzt und der die IT-Modernisierung von Bund und Ländern voran treibt. Die Einführung einer solchen Position wird schon seit langer Zeit u.a. vom Branchenverband Bitkom gefordert.
</p>
<p>
Die gute Nachricht: Seit dem 10.12.2007 gibt es so einen Bundes-CIO. Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte auf dem zweiten nationalen IT-Gipfel in Hannover <a href="http://www.bmi.bund.de/Internet/Content/Ministerium/Organigramm__Neu/Lebenslaeufe/ll__beus.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hans-Bernhard Beus</a>, Staatssekretär im Bundesinnenministerium, als obersten Beauftragten der Bundesregierung für Informationstechnik vor.
</p>
<p>
Die schlechte Nachricht: Wirklich wichtig scheint seine Position nicht zu sein. Beus wird seine neue Stelle nicht Vollzeit, sondern  neben seinen Tätigkeiten als Staatssekretär betreuen. Wie viel Zeit und Energie er also tatsächlich in die neu geschaffene Position investieren kann, ist fraglich. Der promovierte Jurist Beus beschäftigt sich als Staatssekretär mit dem Thema Bürokratieabbau, im IT-Bereich hat er bisher noch nie gearbeitet. Entscheidungsbefugnisse hat er nicht, sondern der „Rat der IT-Beauftragten“, in dem alle Bundesministerien vertreten sind. Der Bundes-CIO kann lediglich Empfehlungen geben.
</p>
<p>
<b>„Lutschpastille und Placebo“</b>
</p>
<p>
„Das ursprüngliche Konzept wurde bis zur Unkenntlichkeit entstellt“, urteilte Thomas Langkabel vom IT-Dienstleister CSC im Namen der Initiative D21. Polemischer formuliert es Michael Müller, Wirtschaftssenator des Bundesverbands mittelständischer Wirtschaft (BVMW): „Der Bundes-CIO ist eine Lutschpastille“, der verabschiedete Kompromiss sei „reine Placebo-Politik“.
</p>
<p>
<b>Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel</b>
</p>
<p>
Der zweite nationale IT-Gipfel sei „ein voller Erfolg“ gewesen, verkündete der Branchendienst Bitkom. Es sei „nicht nur geredet“ worden, sondern man habe „konkrete Hightech-Projekte“ angepackt. Zu diesen Projekten gehört allerdings eben auch die Einführung des Bundes-CIO.
</p>
<p>
Ansonsten bot der Gipfel wenig Neues. Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigte in ihrem <a href="http://it-gipfelblog.hpi-web.de/index.php/2007/12/06/grusswort-der-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel-zum-it-gipfelblog/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Grußwort zum Gipfel</a>,<br />
dass der eingeschlagene Kurs im IT-Bereich fortgesetzt werden solle. Projekte wie die Einrichtung einer einheitlichen Behördenrufnummer 115 und das Forschungsprogramm Theseus standen bereits letztes Jahr auf der Agenda.
</p>
<p>
Die Bürgernähe der Veranstaltung war kritikwürdig: Gesprächsrunden gab es ausschließlich zwischen den geladenen Politikern und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft, einen Dialog bspw. mit interessierten Abiturienten und Studenten gab es nicht. Schon vor dem ersten IT-Gipfel, der im Dezember 2006 in Potsdam stattfand, hatten Vertreter der deutschen Zivilgesellschaft (u.a. Christoph Dowe von politik-digital.de) in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel diesen Ausschluss der Zivilgesellschaft beklagt.
</p>
<p>
<b>Nett gebloggt</b>
</p>
<p>
Immerhin auf Web 2.0-Ebene konnte der zweite IT-Gipfel punkten: Das <a href="http://it-gipfelblog.hpi-web.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">IT-Gipfelblog</a> dokumentiert vorbildlich in Video-Podcasts und Text-Beiträgen das gesamte Event, Beiträge können kommentiert und bewertet werden – allerdings nur von angemeldeten Nutzern.
</p>
<div style="text-align: center">
<a href="http://it-gipfelblog.hpi-web.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="/wp-content/uploads/itgipfelblog07.jpg" alt="IT-Gipfelblog 07" title="IT-Gipfelblog 07" height="252" width="350" /></a>
</div>
<div style="text-align: center">
Das Blog zum nationalen IT-Gipfel 07
</div>
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;Putin macht, was er will&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/putin-macht-was-er-will-3609/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Georg Babing]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Dec 2007 12:14:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat_tag]]></category>
		<category><![CDATA[Wahl]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Wladimir Putin]]></category>
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		<category><![CDATA[Stefan Stuchlik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="teaser">
Am Dienstag, dem 04. Dezember, war Stefan Stuchlik, Korrespondent der ARD in Moskau, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er kritisierte die Umstände von Putins
Wahlsieg und äußerte große Bedenken an der Demokratie in Russland. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
Am Dienstag, dem 04. Dezember, war Stefan Stuchlik, Korrespondent der ARD in Moskau, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er kritisierte die Umstände von Putins<br />
Wahlsieg und äußerte große Bedenken an der Demokratie in Russland. <!--break-->
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Liebe Russland-Interessierte, herzlich<br />
willkommen zum tagesschau-Chat. Russland hat gewählt und Putin<br />
hat bekommen, was er wollte: Ein große Zustimmung für<br />
seine Person und Politik. Fair und frei war die Wahl nicht, da sind<br />
sich Beobachter in Russland und aus dem Ausland einig. Die Frage<br />
ist jetzt vor allem: Wie geht es weiter? Unser Gast ist heute Stephan<br />
Stuchlik, der aus Moskau mit uns chattet. Stephan Stuchlik ist seit<br />
2005 Fernsehkorrespondent für die ARD in Russland und die früheren<br />
Mitgliedstaaten der Sowjetunion &#8211; hat also beste Kenntnissen für<br />
unsere Diskussionsrunde. Die erste Frage:
</p>
<p>
<b>der4&amp;4er_zm</b>: Warum lenkt Putin die Wahlen<br />
und unterdrückt die Opposition, obwohl er doch eine echte Mehrheit<br />
in der Bevölkerung hat? Fürchtet er die Opposition oder<br />
vielleicht die alte Elite um Jelzin, die so genannte „Familie“?
</p>
<p>
:
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/sstuchlik85x.jpg" alt="Stefan Stuchlik" height="120" width="80" /><br />
<i>Stefan Stuchlik<br />
ARD-Korrespondent in Moskau</i>
</p>
<p align="left">
<b>Stephan Stuchlik</b>: Um zu verstehen,<br />
warum der Kreml so heftig auf den Wähler gedrückt hat<br />
und warum er die Opposition so gängelt, muss man sich vor Augen<br />
halten, dass Putin das gesamte System mit Geheimdienstleuten durchsetzt<br />
hat. Das heißt, es regiert überall Geheimdienstmentalität:<br />
Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle. Von den Wahlen bis zu den alltäglichsten<br />
Vorgängen ist dieser Zwang zu spüren und er erklärt,<br />
denke ich, vieles, unter anderem auch die Großoperation vom<br />
letzten Sonntag!
</p>
<p align="left">
<b>Moderator</b>: Aus unserem „Warteraum“<br />
&#8211; der Fragensammlung vor dem Chat &#8211; die Nummer 2:
</p>
<p align="left">
<b>Theo</b>: Ich war vor und während<br />
der Wahl in Russland, und konnte mich (im Gegensatz zu den deutschen<br />
Medien) relativ gut über die anderen Parteien informieren.<br />
Zwischen rechtsradikalen Revoluzzern (Schirinowski, Kasparow), Kommunisten<br />
(Agrar-Partei, KPRF) und verhassten Politikern aus der Jelzin-Ära<br />
(Jawlinski, Nemzow), habe ich wenig demokratisches Licht gesehen.<br />
Glauben Sie, das russische Volk hat sich darüber keine Gedanken<br />
gemacht? In wen hätten Sie Vertrauen?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Ich würde Schirinowski<br />
nicht als Revoluzzer und Kasparow nicht als Rechtsradikalen bezeichnen<br />
wollen, aber Sie haben natürlich recht, der Zustand der Opposition<br />
ist fast schon erbärmlich. Schirinowski zählt meines Erachtens<br />
nicht, er ist so ein bisschen das Feigenblatt oder der Hofclown<br />
des Kremls. Das zu der Partei, die noch in der Duma vertreten ist,<br />
die anderen sind zerstritten, ohne richtige Verankerung in der Bevölkerung<br />
und, natürlich, von den Massenmedien in Russland vollständig<br />
ignoriert. Hat sich das russische Volk Gedanken gemacht? Ich glaube,<br />
im Moment zählt für die Russen Stabilität und ein,<br />
wenn auch geringer, wirtschaftlicher Aufschwung so viel, dass sie<br />
Werte wie „Pressefreiheit“, „Meinungsfreiheit“<br />
etc., die die Opposition vor sich herträgt, als vernachlässigbar<br />
erachten!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Nachfrage von:
</p>
<p>
<b>marco</b>: Was ist denn mit Großoperation am<br />
letzten Sonntag gemeint?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Ein Wahlsieg Putins mit mindestens<br />
über 60 Prozent der Stimmen und mit mindestens 40 Prozent Wahlbeteiligung<br />
(das waren die internen Vorgaben im Kreml, wenn wir unseren Quellen<br />
Glauben schenken dürfen!)
</p>
<p>
<b>Kalla</b>: Warum denn Hofclown, können sie zu<br />
Schirinowski noch mehr sagen?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Er ist ein begnadeter Rhetoriker,<br />
ein Populist, ein Polterer, der bei vielen Gelegenheiten gegen die<br />
Allmacht des Präsidenten wettert, an der „Putin“-Partei<br />
„Einheitliches Russland“ herumkrittelt, aber in 90 Prozent<br />
der Fälle mit den Kreml-Parteien abgestimmt. Alles, was im<br />
Westen auf Verwunderung stößt, (etwa der außenpolitische<br />
Kurs, der Ausstieg aus Abrüstungsverträgen et cetera.),<br />
wird von Schirinowski sogar noch als „zu weich“ bezeichnet.<br />
Er ist der Meinung, man müsse „dem Westen noch mehr die<br />
Zähne zeigen“. Also: innenpolitisch den Ansprachen nach<br />
ein Gegner Putins, außenpolitisch ein Unterstützer. Faktisch<br />
aber in jedem Fall ein sicherer Kandidat für kremlnahe Abstimmungsergebnisse.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Zwei mal Vorwürfe an die Medien:
</p>
<p>
<b>FSB Beamte</b>: Ist es Ihnen klar dass die so genannten<br />
„Oppositionellen“ wie Kasparow und Co, die die „freie<br />
westliche Presse“ so bejubelt, bei dem russischen Volk verhasst<br />
sind? Warum berichten Sie so einseitig und undemokratisch über<br />
Ereignisse in Russland?
</p>
<p>
<b>AlexanderE</b>.: Man kann bei einem Land, das so<br />
lange im Kommunismus gelebt hat, nicht erwarten, dass es jetzt schon<br />
komplett nach dem politischen System westlicher Demokratien besteht.<br />
Eine solche Umstellung braucht seine Zeit. Sicher: Es lief nicht<br />
alles ganz fair bei den Wahlen und beim Wahlkampf. Aber man muss<br />
auch sehen, dass sich die Situation im Land stark verbessert hat.<br />
Die Wirtschaft wird immer stärker. Ich lebe seit neun Jahren<br />
in Moskau und meiner Meinung nach wird das Bild von Russland in<br />
Deutschland durch die Medien zu kritisch betrachtet und Positives<br />
kaum erwähnt. Wie sehen sie das?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Ja, Sie haben natürlich<br />
recht, ein Land wie Russland ist schwer mit westlichen Maßstäben<br />
zu messen. Ja, Sie haben recht, die wirtschaftliche Situation in<br />
den großen Zentren hat sich enorm verbessert, ja, das Selbstbewusstsein<br />
der Russen ist mit Putin wieder zurückgekehrt. Aber mit dem<br />
Argument, man brauche Zeit, um auf eine Demokratie zuzugehen, habe<br />
ich immer meine Schwierigkeiten. Eine Wahl wie die vom Sonntag würde<br />
ich nach westlichen Maßstäben nicht mehr als demokratisch<br />
bezeichnen. Denn, wenn auch das Ergebnis in der Tendenz dem Volkswillen<br />
entspricht (die Mehrheit will Putin behalten), so gehört zu<br />
einer Demokratie auch, dass die Verfahren, wie solche Ergebnisse<br />
zustande kommen, einwandfrei sind. Und da ist Ihre Formulierung<br />
von „nicht alles ganz fair“ eine freundliche Untertreibung.<br />
Russland bewegt sich im Moment keinen Zentimeter auf westliche Demokratien<br />
zu, wie hier immer unterstellt wird („braucht noch Zeit“),<br />
sondern installiert im Moment ein mehr oder weniger autokratisches<br />
System. Ob das den Russen angemessener ist („Russland kann<br />
nicht anders regiert werden“), bleibt dahingestellt, aber<br />
wenn wir westliche Journalisten ein undemokratisches System undemokratisch<br />
nennen, so halte ich das nicht für überkritisch!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Zwei Fragen zur Wahl:
</p>
<p>
<b>perle</b>: Was bemängeln Sie genau an der Wahl?
</p>
<p>
<b>Kalinka&#8230;</b>: Was sagen Sie zur Kritik der EU an<br />
den Wahlen?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Die Wahlen waren nach unseren<br />
Maßstäben keine richtigen Wahlen. <br />
1) Die so genannten Parlamentswahlen waren in Wirklichkeit eine<br />
Volksabstimmung über Putin.<br />
2) Viele Oppositionsparteien wurden mit fadenscheinigen Gründen<br />
von vornherein von der Wahl ausgeschlossen.<br />
3) Eine neutrale Wahlbeobachtung scheint von russischer Seite gar<br />
nicht gewünscht worden zu sein.<br />
4) Putin und die Partei Einiges Russland haben die Rolle des Präsidenten<br />
und des Spitzenkandidaten im Wahlkampf ständig vermengt.<br />
5) Der Druck auf Angestellte und Beamte von Staatsfirmen, richtig<br />
abzustimmen (zum Teil in den Büros!) zeigt schon , wohin die<br />
Reise ging. <br />
Und, als letztes, nur ein Beispiel: Tschetschenien, die Region,<br />
in die Putin vor Jahren die Armee geschickt hat, um dort einen blutigen<br />
Kampf zu führen, ist eine der Gegenden von Russland, in der<br />
er die höchste Zustimmungsrate bekommen hat. Das zeigt meines<br />
Erachtens, hier hat die Verwaltung für die Menschen abgestimmt.<br />
Das wahre Meinungsbild gerade in dieser Region ist, das können<br />
wir hier von der ARD aus persönlicher Erfahrung sagen, genau<br />
umgekehrt. Also: undemokratisch in Vorbereitung und Ausführung,<br />
genau das hat auch die EU kritisiert!
</p>
<p>
<b>tabita</b>: Bemerken Sie denn auch Unzufriedenheit<br />
in der Bevölkerung über die anscheinend nicht so demokratischen<br />
Wahlen? Warum formiert sich dann kein Protest?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Der Protest ist minimal. Denn,<br />
wie gesagt, zum einen ist den Russen momentan ein wenn auch geringer<br />
Wirtschaftsaufschwung lieber als demokratische Ideale. Zum anderen<br />
sehen sie den Vorteil eines Ergebnisses („Putin bleibt“),<br />
das sie in der Mehrheit wünschen. Und zum anderen sehen sie<br />
über das unglaubliche Zustandekommen dieses Ergebnisses hinweg.
</p>
<p>
<b>Tanja</b>: Wie ist die Stimmung in der Bevölkerung,<br />
haben die Bürger Angst oder vertrauen sie ihrer Regierung?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Es ist eine enorme Unsicherheit<br />
im Land zu spüren, kaum berichtet, aber Realität: Die<br />
Regierung musste im Lebensmittelsektor die Preise einfrieren lassen,<br />
da es sich der normale Bürger sonst nicht mehr leisten könnte<br />
und das bei mehrstelligen Zuwachsraten in der Wirtschaft. Auf Deutsch:<br />
Fast alle in der Bevölkerung wollen Putin behalten, da sie<br />
ein bisschen Wackeln im System spüren und Putin durch die letzten<br />
stabilen Jahre das Image des vertrauenswürdigen Machers bekommen<br />
hat!
</p>
<p>
<b>dietob</b>: Könnte das Ausland &#8211; z.B. in Form<br />
der EU &#8211; die Politik des Kremls positiv beeinflussen?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Man könnte im Kreml durchaus<br />
einiges bewegen, wenn man als Europäer geschlossen auftreten<br />
würde &#8211; und damit meine ich nicht nur die Energiepolitik. Es<br />
gibt Missstände in Russland, die man sich nicht scheuen sollte,<br />
auszusprechen. Wenn man aber etwa betrachtet, dass der (im französischen<br />
Wahlkampf noch so kremlkritische) Präsident Sarkozy Glückwunschtelegramme<br />
an Putin schickt, während Frau Merkel in Berlin das Zustandekommen<br />
des russischen Wahlergebnisses beklagt, kann man sich die europäische<br />
Zusammenarbeit lebhaft vorstellen.
</p>
<p>
<b>Thomas</b>: Welchen Kurs des Auslands halten Sie für<br />
sinnvoll, um ein wenigstens einigermaßen demokratisches System<br />
in Russland wiederherzustellen, oder ist dies ohne Unterstützung<br />
der breiten Bevölkerung und nach allem was bisher schon geschehen<br />
ist kaum noch möglich?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Schwierige Frage. Im Moment<br />
ist die Situation in Russland extrem west-kritisch und von daher<br />
sehe ich auf längere Sicht eher weniger Einflussmöglichkeiten.<br />
Aber man könnte sich zum einen Vertrauen erarbeiten, indem<br />
man Probleme Russlands wirklich ernst nimmt, (die Stationierung<br />
des amerikanischen Abwehrsystems in Polen und Tschechien ist ein<br />
wirkliches, viele andere sind rein psychologisch) und andererseits<br />
„weiß“ auch wirklich „weiß“<br />
und „schwarz“ auch wirklich „schwarz“ nennt.<br />
Die Drohkulissen, die der Kreml in der Außenpolitik aufbaut,<br />
sind nur solange wirksam, wie man sich dadurch auch tatsächlich<br />
bedrohen lässt. Einen Kurs, der dem Kreml signalisiert „Ihr<br />
könnt machen, was ihr wollt, Hauptsache, Russland bleibt stabil“,<br />
halte ich für fatal.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Zweimal zum gleichen Thema, eine davon<br />
wieder aus dem „Warteraum“:
</p>
<p>
<b>Cornie</b>: Ist es möglich, dass Putin die komfortable<br />
Mehrheit nutzen wird, um kurz vor der Präsidentenwahl die Verfassung<br />
zu ändern? Entweder um ihm eine dritte Amtszeit zu ermöglichen<br />
oder um ein parlamentarisches Regierungssystem zu installieren,<br />
in dem er als Premierminister auch weiterhin die Macht haben könnte.<br />
Welchen Einfluss hätte ein solches Regierungssystem auf die<br />
Entwicklung von demokratischen Strukturen?
</p>
<p>
<b>Ludger</b>: Was meinen Sie, würde oder könnte<br />
Putin jetzt die Verfassung ändern, damit er noch eine Amtszeit<br />
als Präsident machen kann?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Zum einen: Egal wie es kommen<br />
wird, mit den jetzigen Wahlen haben Putin und die Mehrheitspartei<br />
die Begriffe „Demokratie“ oder „parlamentarisches<br />
System“ desavouiert. Der Präsident macht, was er will,<br />
das Parlament ist zum „Abnick-Verein“ verkommen. Was<br />
er mit der Mehrheit vom Sonntag anfangen will, wissen die Strategen<br />
im Kreml, glaube ich, immer noch nicht. Eine Verfassungsänderung<br />
zugunsten einer dritten Amtszeit hat Putin selbst immer ausgeschlossen,<br />
das heißt aber nicht, dass es nicht am Ende doch so kommen<br />
kann. Eine Regierung unter Premierminister Putin halte ich für<br />
ausgeschlossen. Denn er würde dann unter seinem Nachfolger<br />
als Präsident arbeiten müssen und jeder, der Putin kennt,<br />
weiß: Eigentlich ausgeschlossen. Aber, vielleicht erklärt<br />
er sich ja zum „Vater der Nation“ und wird als „nationaler<br />
Führer“ installiert, lassen wir uns überraschen!
</p>
<p>
<b>mein benutzername</b>: Sollte Putin nach der jetzigen<br />
Amtszeit tatsächlich abtreten, wer käme als Nachfolger<br />
in Frage?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Genannt werden seine Stellvertreter:<br />
Der smarte, junge, so genannte „Liberale“ Medwedew,<br />
der eher falkenmäßige Stellvertreter Iwanow, der jetzige<br />
Premier Zubkow. Aber: Wir werden erst am 17. oder 20. Dezember (Parteitag<br />
von „Einiges Russland&quot;) die Kandidatennamen hören<br />
und es könnte, wie bei Putin nicht unüblich, durchaus<br />
eine Überraschung drin sein, wie etwa die jetzige Bürgermeisterin<br />
von St. Petersburg, Mativienko, oder noch andere!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Man kann sich einen „nationalen<br />
Führer“ oder so etwas ähnliches kaum vorstellen.<br />
Irgendwie müsste der ja auch vorbei an den Strukturen Parlament,<br />
Regierung und Präsident installiert werden. Das klingt ein<br />
bisschen &#8211; zugegebenerweise stark vergröbert &#8211; nach System<br />
Nordkorea, wahlweise Stalin. Ist das tatsächlich denkbar?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Die Frage stellt sich, so sehe<br />
ich das, im Moment der Kreml selbst. Wie geht das? Braucht man noch<br />
ein Verfassungsorgan? Wie garantiert man, dass in der Übergangsphase<br />
die Präsidenten-Administration des dann neuen Mannes im Kreml<br />
nicht Putins Fäden zur Macht durchschneidet? Und: Wie überzeugt<br />
man das Volk davon, dass es noch einen „Übervater“<br />
braucht, zum Parlament, dem Präsidenten und dem Regierungschef?<br />
Also, da wird &#8211; denke ich &#8211; im Moment dran gefeilt, was das Modell<br />
angeht. So ist Nordkorea wahrscheinlich zu hart als Vergleich, also<br />
da ist Russland doch weit davon entfernt. Aber hier wird immer „China“<br />
genannt (sozialistische Strukturen, Kapitalismus gebremst, starker<br />
Mann aus dem Hintergrund), mal sehen!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Jetzt wird es psychologisch:
</p>
<p>
<b>KGB66</b>: War es nicht abzusehen, dass sich ein<br />
Ex-KGB Mann so entwickelt, wenn er genügend Macht in die Hand<br />
bekommt?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Es gibt hinreißende Interviews<br />
aus der Zeit von Putins Berufung zum Ministerpräsidenten, in<br />
denen die Leute auf der Straße genau das sagen. Außerdem:<br />
Es hat noch nie jemand im Kreml gesessen, der sich nicht, falls<br />
er es nicht schon von vornherein war, zum absoluten Machtmenschen<br />
entwickelt hätte. Man muss sich nur einmal vorstellen: Du sitzt<br />
da und regierst ein Fünftel der Erdoberfläche. Also: Ich<br />
denke, jeder der da gekommen wäre, hätte sich so entwickelt,<br />
das KGB/FSB-Geheimdienst-System, mit dem Putin jetzt Russland überzogen<br />
hat, ist allerdings spezifisch für diesen Präsidenten!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Wieder zweimal.
</p>
<p>
<b>Olmgard</b>: Wird Russland sich jetzt noch weiter<br />
vom restlichen Teil Europas abgrenzen?
</p>
<p>
<b>Silmarillion</b>: Denken Sie, dass Putins Russland<br />
über kurz oder lang eine Bedrohung für die westeuropäischen<br />
Staaten werden könnte?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Eine militärische Bedrohung:<br />
Nein, dazu ist die Armee in einem zu miserablen Zustand, das Geld<br />
für einen richtigen Rüstungswettlauf ist trotz aller Öl-Milliarden<br />
nicht da. Und man hat in der Sowjetunion so einen Wettlauf schon<br />
einmal verloren. Atom-Bewaffnung bleibt gefährlich, das gilt<br />
aber für sämtliche Staaten der Erde, in denen es so etwas<br />
gibt (also auch etwa Frankreich). Abgrenzungstendenzen gibt es zweifellos,<br />
eine Re-Nationalisierung, die Erklärung eines „Sonderweges“.<br />
aber das ist eine Reaktion auf die für viele Russen traumatischen<br />
1990er Jahre, als der Rest der Welt Russland als kranken Mann betrachtet<br />
hat und politisch zum Teil auch so behandelte. Diese Vergangenheit<br />
und die daraus resultierende Ablehnung westlicher Modelle („die<br />
Europäer wollten uns nur kleinkriegen und wollen das noch immer“)<br />
kann man nicht mehr korrigieren!
</p>
<p>
<b>StuttgartLog</b>: Ich hatte die Erfahrung in Moskau<br />
gemacht, dass viele Leute total demotiviert sind und überhaupt<br />
nicht mehr daran glauben, dass Sie etwas an dem System ändern<br />
können. Sei es durch Demonstrationen oder Wahlen. Viele sehen<br />
keine bessere Lösung und sind mit dem „kleinstmöglichen“<br />
Übel zufrieden. Wie sehen Sie das &#8211; haben Sie diesbezüglich<br />
Erfahrungen gesammelt?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Der Rückzug ins Private<br />
mit jedem Monat und ein paar Rubel mehr auf dem Konto ist nicht<br />
zu verkennen! Dass die Russen allerdings nicht merken, wie sie vom<br />
Einheitsbrei der Massenmedien manipuliert werden sollen, stimmt<br />
auch nicht. Es gibt da zum einen die alten Reflexe aus der kommunistischen<br />
Zeit („die oben regieren, wir leben“), zum anderen ist<br />
der wirtschaftliche Leidensdruck nicht hoch und, das ist vermutlich<br />
menschlich, dann arrangiert man sich irgendwie. Die Eintrittszahl<br />
der Jugendlichen zur Kreml-Jugend „Nashi“ (ein Karrierenetzwerk<br />
mit Kreml-Steuerung) ist enorm hoch, also aufmüpfiges Potential:<br />
ganz, ganz wenig!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Noch das Ergebnis unserer kleinen Umfrage:<br />
Nur elf Prozent glauben, dass Putin Macht abgeben wird. Und eine<br />
letzte Frage noch:
</p>
<p>
<b>dietob</b>: Werden ausländische Investoren durch<br />
den jetzigen Zustand der Politik verunsichert und auch abgeschreckt?
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Die Wirtschaft aus dem Ausland<br />
hält sich ein bisschen zurück, solange nicht genau geklärt<br />
ist, wie Putin an der Macht bleiben soll (die elf Prozent sehen<br />
das ganz realistisch, glaube ich!). Aber: Eine wirkliche Abschreckung<br />
für ausländische Investoren mag vielleicht Korruption<br />
oder Bürokratie sein, politische Verhältnisse werden,<br />
so vermute ich als Zyniker, kaum Investoren davon abhalten, ihr<br />
Geld in einem gigantischen Absatzmarkt (Russland hat circa. 140<br />
<br />
Millionen Einwohner) und einem unfassbar großen Rohstofflieferanten<br />
(Gas und Öl mit circa einem Drittel der weltweiten Vorkommen)<br />
zu investieren. Das war zu Zeiten der Zaren so, das war zu Zeiten<br />
der Sowjetunion so, und, denke ich, das wird auch unter Putin (wie<br />
auch immer er weitermacht) so bleiben!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Das war’s leider schon wieder,<br />
vielen Dank Herr Stuchlik, dass Sie Zeit für Analyse und Einschätzung<br />
der Wahl in Russland hatten. Vielen Dank an alle User für Ihr<br />
Interesse und Ihre Fragen. Sorry, dass &#8211; wie immer &#8211; nicht alle<br />
dran kommen konnten. Allen Beteiligten wünschen tagesschau.de<br />
und politik-digital.de noch einen angenehmen Tag.
</p>
<p>
<b>Stephan Stuchlik</b>: Hat, wie immer, viel Spaß<br />
gemacht, viele Grüße aus der russischen Hauptstadt!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#034;NPD-Verbot klingt zunächst verlockend&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotnpdverbot_klingt_zunaechst_verlockendquot-3599/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotnpdverbot_klingt_zunaechst_verlockendquot-3599/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Georg Babing]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Dec 2007 12:14:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Innenpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="teaser">
Am Montag, 3. Dezember, war Albrecht Buttolo, Innenminister von Sachsen, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Risiken eines NPD-Verbotsantrags, die Vorratsdatenspeicherung und weitere Überwachungsmaßnahmen.
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
Am Montag, 3. Dezember, war Albrecht Buttolo, Innenminister von Sachsen, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Risiken eines NPD-Verbotsantrags, die Vorratsdatenspeicherung und weitere Überwachungsmaßnahmen.
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
<b>Moderator</b>: Herzlich willkommen im tagesschau-Chat<br />
&#8211; heute zu einer etwas früheren Stunde, das ist dem dichten<br />
Terminplan unseres Gastes geschuldet. In Dresden begrüße<br />
ich jetzt Dr. Albrecht Buttolo, CDU-Politiker und Innenminister<br />
von Sachsen. Auf ihrer Herbstkonferenz beraten die Innenminister<br />
von Bund und Ländern diese Woche über die innere Sicherheit<br />
und den Umgang mit der NPD. 2003 scheiterte ein NPD-Verbot vor dem<br />
Bundesverfassungsgericht. Einige SPD-Innenminister und auch der<br />
Schweriner CDU-Innenminister Lorenz Caffier sind für einen<br />
neuen Anlauf für ein NPD-Verbot, die meisten Unions-Innenminister<br />
dagegen. Die erste Frage – aus den Fragen, die wir bereits<br />
vor dem Chat gesammelt haben:
</p>
<p>
<b>Holger</b>: Was halten Sie von einem NPD-Verbot?
</p>
<p></p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/old_images/salon/photos/abuttolo85x.jpg" alt="Albrecht Buttolo" height="120" width="85" /><br />
<i>Albrecht Buttolo<br />
Sächsischer Innenminister</i>
</p>
<p align="left">
<b>Albrecht Buttolo</b>: Ein NPD-Verbot<br />
klingt zunächst erstmal sehr verlockend. Trotzdem bin ich persönlich<br />
sehr skeptisch. Ein erneuter Antritt darf nicht dazu führen,<br />
dass ein NPD-Verbot erneut scheitert. Letztendlich würden dadurch<br />
die NPD und die Rechten grundsätzlich in eine Märtyrer-Rolle<br />
gehoben. Ich persönlich halte es für dringend erforderlich,<br />
dass wir uns als Gesellschaft grundsätzlich mit dem rechtsextremen<br />
Gedankengut auseinandersetzen und in vielfältiger Weise dafür<br />
Sorge tragen, dass den Bürgern im Lande klar vermittelt wird,<br />
die NPD knüpft an die schlimme Vergangenheit in den 30er-Jahren<br />
an. Sie hat für die heutigen Probleme keine Lösungen.<br />
Sie agiert ausschließlich populistisch. Ein gesamtgesellschaftliches<br />
Auseinandersetzen sollte gleichzeitig ein Bündeln vieler Kräfte<br />
innerhalb der Gesellschaft darstellen.<br />
Ich denke dabei nicht nur an Kirchen, sondern auch sehr stark an<br />
Vereine, aber auch an politische Organisationen, die in der Mitte<br />
unserer Gesellschaft angesiedelt sind.
</p>
<p align="left">
<b>Moderator</b>: Auch aus unserem &quot;Warteraum&quot;:<br />
Wie ist Ihre Einschätzung?
</p>
<p>
<b>AntifaV</b>: Würde ein NPD-Verbot nicht nur die<br />
Republikaner und die DVU in den Parlamenten und die autonomen Nationalisten<br />
auf der Straße stärken?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Auf jeden Fall würde diese<br />
Reaktion eintreten, wenn ein nochmaliger Verbotsversuch negativ<br />
ausgeht.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Was ist Ihrer Ansicht nach das größte<br />
Hindernis für ein Verbotsversuch &#8211; ihre Innenministerkollegen<br />
sind ja zum Teil dafür?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Es ist gegenwärtig nicht<br />
abschätzbar, ob ein Bundesverfassungsgericht die derzeitigen<br />
Argumente zur Verfassungswidrigkeit im vollen Umfange akzeptieren<br />
würde. Zum anderen kommt hinzu, dass ein Verbotsverfahren das<br />
Herausziehen aller V-Männer aus der NPD voraussetzt. Damit<br />
wäre es über einen längeren Zeitraum innerhalb der<br />
NPD nicht möglich, Informationen abzuschöpfen und zum<br />
anderen wäre ein erneuter Einstieg des Verfassungsschutzes<br />
äußerst schwierig und zeitaufwändig.
</p>
<p>
<b>lagge</b>: Hallo, Herr Buttolo! Sie haben in Sachsen<br />
ja die NPD im Landtag. Wie geht man da mit denen um? Redet man mit<br />
ihnen oder meidet man sie?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Das ist in der Tat eine sehr<br />
interessante Frage. Die NPD-Mitglieder werden keinesfalls in die<br />
normalen Gespräche unter Abgeordneten mit einbezogen. Dort<br />
haben sie eine Außenseiterrolle. In der politischen Auseinandersetzung<br />
innerhalb der Landtagssitzungen setzt man sich natürlich mit<br />
ihnen auseinander. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass<br />
die NPD in der Vergangenheit häufig schon populistische Themen<br />
gewählt hat, so dass das Signal der NPD ins Land schon abgesendet<br />
ist, sie sei die Partei, die sich um die Sorgen der Bürger<br />
kümmere.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Populismus ist ja etwas, was in Parteien<br />
nicht ganz unüblich ist &#8211; und oft beklagt wird. Was setzt man<br />
da entgegen? Das ist ja nicht einfach.
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Auf jeden Fall setzen wir innerhalb<br />
der Plenardebatten ein abgestimmtes Verhalten zwischen den Koalitionsparteien<br />
(CDU und SPD) aber auch mit den anderen demokratischen Parteien<br />
entgegen. Die Debatten der NPD laufen damit häufig ins Leere.<br />
Der Präsident des sächsischen Landtages ist häufig<br />
gezwungen, die NPD-Redner durch Ordnungsrufe zu maßregeln.
</p>
<p>
<b>intrr</b>: Sie haben eingangs gesagt, dass es sehr<br />
wichtig sei, einen offenen Diskurs mit &quot;den Rechten&quot; zu<br />
führen. Nun schreiben Sie, dass sie natürlich keinesfalls<br />
in normale Gespräche mit einbezogen werden. Können Sie<br />
diesen Widerspruch erklären?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Der offene Diskurs setzt voraus,<br />
dass sich in den Regionen all die Kräfte bündeln, die<br />
sich mit dem rechten Gedankengut nicht identifizieren möchten.<br />
Wir haben hierzu im Freistaat Sachsen beispielsweise in der Stadt<br />
Pirna gute Erfahrungen. Über das ganze Jahr hinweg organisiert<br />
der Oberbürgermeister eine Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungen,<br />
bei denen die Bürger zu Wort kommen und ihre ablehnenden Positionen<br />
zu Rechtsextremismus artikulieren können. Ein festes Datum<br />
in meinem Kalender ist beispielsweise die Teilnahme am &quot;Markt<br />
der Kulturen&quot; in der Stadt Pirna. Dies ist eine Veranstaltung,<br />
die die Ausländerfeindlichkeit der NPD ins Visier nimmt.
</p>
<p>
<b>jerome</b>: Was unternimmt man gegen Propagandaaktionen<br />
der NPD an Schulen? Sind die Ausgaben des Staats zur Bekämpfung<br />
von rechtem Gedankengut bei Jugendlichen ausreichend?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Wir reagieren im Freistaat<br />
Sachsen auf sehr unterschiedliche Art und Weise auf die Propaganda<br />
der NPD in Schulen. Dabei ist es sehr wichtig, dieses Propagandamaterial<br />
nicht nur zu verbieten, sondern im Unterricht unter Hinzuziehung<br />
von Experten den Schülern deutlich zu machen, was eigentlich<br />
in der Propaganda als Ziel dahinter steckt. Auch muss man dem Einstieg<br />
über Musik entgegentreten, da dieser Einstieg häufig genutzt<br />
wird, um die Jugendlichen erst einmal an sich zu binden. Ihrer Frage<br />
nach den Ausgaben möchte ich ausdrücklich entgegensetzen:<br />
Es kommt nicht nur auf finanzielle Unterstützung der Jugendarbeit<br />
an, sondern es kommt darauf an, dass die Jugend erfährt, dass<br />
die Gesamtgesellschaft sich gegen Rechts stellt und die Einzelpunkte<br />
auch hinreichend widerlegt werden können.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Kann man das Verteilen von Material<br />
vor (!) den Schulen einfach verbieten?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Ein Verbot durch die Schule<br />
funktioniert in diesem Falle nicht. Da die NPD den öffentlichen<br />
Raum nutzt, muss in diesem Bereich nach einem Hinweis durch die<br />
Schulleitung die örtliche Polizei aktiv werden. Dies wird auch<br />
praktiziert.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Solange die NPD aber nicht mit Plakaten<br />
oder Flyern kommt, die strafbare Inhalte haben, kann die Polizei<br />
nicht einschreiten, richtig?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Richtig. Trotzdem möchte<br />
ich darauf hinweisen, dass die sächsische Polizei mit Schulen<br />
seit Jahren eine intensive Partnerschaft pflegt. Die Arbeit in den<br />
Schulen stellt einen wichtigen Schwerpunkt bei der Präventionsarbeit<br />
der Polizei dar. Häufig nutzt die Polizei auch die Möglichkeit<br />
Lehrkräfte fortzubilden, um sie noch sensibler für rechtsextremes<br />
Gedankengut zu machen. Dazu gehört auch das Vermitteln von<br />
Kenntnissen, welche Symbole tatsächlich rechtsextremistisch<br />
belegt und damit verboten sind.
</p>
<p>
<b>Heinz</b>: Gibt es auch rechte Gesinnung bei der<br />
Polizei?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Mir sind hierzu keine Polizisten<br />
bekannt.
</p>
<p>
<b> intrr</b>: Sind Sie sicher, dass die 90 Prozent der<br />
Bürger, die die NPD nicht wählen, allesamt rechtes Gedankengut<br />
ablehnen? Wenn ich in eine normale Kneipe gehe und dort Gespräche<br />
führe, habe ich genau den entgegengesetzten Eindruck, egal<br />
in welchem Bundesland.
</p>
<p>
<b> Albrecht Buttolo</b>: Das ist in der Tat ein grundsätzliches<br />
Problem. Die NPD nutzt Befürchtungen innerhalb der Bevölkerung,<br />
um ihre populistischen Lösungen zu präsentieren. Wir alle<br />
kennen die aufreißerischen Plakate &#8211; gerade vor Wahlen. Ständig<br />
wird zum Beispiel dabei die Suche nach Arbeitsplätzen mit dem<br />
Verneinen von Arbeitsplätzen für Ausländer in Zusammenhang<br />
gebracht.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: In Sachen Statistik rechter Straftaten:
</p>
<p>
<b> Heinz</b>: Ist es möglich, dass die Statistik<br />
wie in Sachsen-Anhalt falsch geführt wird?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Ich gehe davon aus, dass unsere<br />
Statistik sauber geführt wird. Ich habe bislang keine Anzeichen,<br />
dass dort eine Verfälschung stattgefunden hat.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Haben Sie das Gefühl, dass es<br />
in Sachen NPD &#8211; Umgang / Verbot &#8211; einen Unterschied zwischen Ost-<br />
und West-Innenminister gibt. Verstehen die &quot;Wessis&quot; das?<br />
Dort sitzt schließlich die NPD nicht im Landtag und ist auch<br />
nicht so stark vertreten.
</p>
<p>
<b> Albrecht Buttolo</b>: Die Unterscheidung Ost-West<br />
ist nicht ganz zutreffend. Hierfür spricht ja schon, dass Kollege<br />
Caffier sich für ein NPD-Verbot stark macht.
</p>
<p>
<b>Hans-Albert</b>: Warum, glauben Sie, ist die NPD<br />
besonders in Sachsen so stark?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Zur letzten Landtagswahl hatte<br />
man sich bundesweit auf die Chance, in Sachsen als NPD den Fuß<br />
in die Tür zu bekommen, orientiert. Natürlich muss man<br />
sehen, dass sie auch ihren Verlag in Riesa angesiedelt haben, der<br />
für ihre Propaganda eine wichtige Ausgangsposition darstellt.<br />
Darüber hinaus hatte ja beispielsweise in der sächsischen<br />
Schweiz schon seit vielen Jahren die rechte Szene eine durchaus<br />
ernstzunehmende Bedeutung.
</p>
<p>
<b> Deichtier</b>: Was raten Sie denn den Bürgern,<br />
die nicht rechts sind: Wie können sie gegen rechtes Gedankengut<br />
vorgehen, was unternehmen, wenn z.B. Material an Schulen verteilt<br />
wird, Hakenkreuze geschmiert werden etc.?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Das wichtigste ist meiner Meinung<br />
nach bürgerliches Engagement zu zeigen, sich couragiert gegen<br />
jeden Ansatz rechtsextremer Propaganda zu stellen und nicht weg<br />
zu schauen. Ein Tolerieren darf nicht stattfinden.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Anderes Thema:
</p>
<p>
<b> Melange</b>: Zur Vorratsdatenspeicherung: Ich hab<br />
den Eindruck, dass viele Menschen eher die komplette staatliche<br />
Überwachung fürchten als eine Bedrohung von Terroristen<br />
(oder Raubkopierern). Warum halten Sie eine Vorratsdatenspeicherung<br />
trotzdem für sinnvoll?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Wir müssen zeitgemäße<br />
Möglichkeiten, uns gegen die Bedrohung der freiheitlichen Ordnung<br />
zu stellen, einfach nutzen. Wenn ich Ihnen die misslungenen Anschläge<br />
von Terroristen auf Deutschland aus den letzten Monaten ins Gedächtnis<br />
zurückrufen darf, muss man klar erkennen, dass mit herkömmlichen<br />
Mitteln wie der Telefonabhörung schlichtweg den Terroristen<br />
nicht beizukommen ist. So wurden für die telefonischen Kontakte<br />
Handys grundsätzlich nur einmal benutzt, eine Telefonüberwachung<br />
geht also ins Leere. Um die Bevölkerung tatsächlich vor<br />
terroristischen Gefahren schützen zu können, müssen<br />
wir neue Wege beschreiten, die natürlich den Schutz des privaten<br />
Lebensraumes hinreichend garantieren. Der normale Bürger darf<br />
sich nicht durch Schutzmaßnahmen beeinträchtigt fühlen.<br />
Trotzdem müssen wir die Möglichkeiten haben, auch im Nachhinein<br />
bestimmte Informationsverbindungen offenlegen zu können. Daher<br />
halte ich die Neuregelung der Kommunikationsüberwachung für<br />
dringend erforderlich.
</p>
<p>
<b> Altair</b>: Unterstützen Sie die harte Linie<br />
Wolfgang Schäubles, besonders in Bezug auf Überwachung?
</p>
<p>
<b> Albrecht Buttolo</b>: Natürlich unterstütze<br />
ich die Linie beispielsweise der Online-Durchsuchung von Computern.<br />
Hier gilt natürlich, dass staatliche Stellen nur nach einem<br />
richterlichen Beschluss eine Online-Durchsuchung vornehmen dürfen.<br />
Wir selbst wissen doch, dass viele, die sich kriminell betätigen,<br />
in diesem Feld bereits tätig sind. Der Staat hinkt mit seinen<br />
Maßnahmen schlichtweg hinterher.
</p>
<p>
<b>Horst Hampel</b>: Freiheitliche Ordnung schützen,<br />
indem Sie Freiheiten einschränken? Die Festnahme von Terrorverdächtigen<br />
hat auch ohne Vorratsdatenspeicherung geklappt. Glauben Sie wirklich,<br />
dass Terroristen, die wissen wie überwacht wird, Anschläge<br />
noch per E-Mail verabreden?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Sie nutzen auf jeden Fall das<br />
Internet und alle heutzutage üblichen Kommunikationswege. Die<br />
Freiheit des Einzelnen soll nicht eingeschränkt werden, sondern<br />
im Interesse seiner Freiheit sollen Kriminelle in ihren Machenschaften<br />
beobachtet werden.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Aus unserem vor dem Chat eingesammelten<br />
Fragenkatalog:
</p>
<p>
<b>anonym1</b>: Zum Thema Vorratsdatenspeicherung: Die<br />
Telekommunikationsüberwachung soll nicht nur zur Strafverfolgung,<br />
sondern auch zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben aller<br />
Geheimdienste verwendet werden. Welche Aufgaben welcher Geheimdienste<br />
sind das?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Der Verfassungsschutz der Länder<br />
der Bundesrepublik beobachtet Themenfelder auch im Vorfeld von Straftaten.<br />
Die Strafverfolgung soll durch eine Beobachtung objektiviert werden<br />
und Straftaten von vornherein verhindert werden. Moderator: Nun<br />
hätte beim letzten vereitelten Anschlagsversuch eine Online-Durchsuchung<br />
nichts genutzt. Die Verdächtigen nutzten offene W-LAN-Knoten.<br />
Die Online-Durchsuchung ist ja noch nicht beschlossen, die SPD ist<br />
dagegen, für Sie muss sie aber kommen?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Ich halte sie für notwendig<br />
und ich gehe davon aus, dass die Diskussionen auch mit dem Koalitionspartner<br />
SPD zu diesem Ergebnis führen sollten.
</p>
<p>
<b> Katatonia</b>: Wie stehen Sie dazu, die bei der Vorratsdatenspeicherung<br />
erhobenen Daten auch der Musikindustrie z.B. zur Verfügung<br />
zu stellen? Warum kam dieser Vorschlag erst nach dem beschlossenen<br />
Gesetz?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Ich halte diesen Vorschlag für<br />
verzichtbar.
</p>
<p>
<b>Mandarine</b>: Wie sieht es mit Videoüberwachung<br />
aus? Wollten Sie nicht die Dresdner Neustadt überwachen lassen?<br />
Wird da nicht auch jeder Bürger beobachtet und somit jeder<br />
zum potentiell Verdächtigen?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Wir haben in Sachsen wie in<br />
anderen Ländern der Bundesrepublik mit Videoüberwachungen<br />
im öffentlichen Raum sehr gute Erfahrungen. Die Kriminalität<br />
in den überwachten Bereichen konnte deutlich zurückgedrängt<br />
werden. Ich möchte keineswegs die gesamte Dresdner Neustadt<br />
überwachen sondern plädiere dafür, dass an Kriminalitätsschwerpunkten<br />
&#8211; die bekannt sind &#8211; eine derartige Überwachung im Bedarfsfalle<br />
vorgenommen werden kann. Der normale Bürger wehrt sich auch<br />
nicht, wenn eine Videoüberwachung beispielsweise beim Tanken<br />
oder in Einkaufscentern praktiziert wird.
</p>
<p>
<b>Leipzig</b>: Wie wollen Sie den Bürgern die Angst<br />
etwa vor falscher Verdächtigung und einem &quot;Big Brother<br />
is watching you&quot; nehmen?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Mit einer Videoüberwachung<br />
wird gerade der unschuldige Bürger davor bewahrt, dass er einer<br />
falschen Verdächtigung ausgesetzt wird. Die Aufzeichnungen<br />
stellen lediglich fest, wer sich gesetzeswidrig verhalten hat. Außerdem<br />
möchte ich nochmals betonen, dass es keine Rundumüberwachung<br />
24 Stunden, sieben Tage in der Woche sein soll, sondern nur dann,<br />
wenn tatsächlich eine schwierige Situation diese polizeiliche<br />
Maßnahme fordert.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Nachfrage vom gleichen User:
</p>
<p>
<b>Leipzig</b>: Was passiert mit den Videos, die Sie<br />
in Dresden aufnehmen wollen? Werden die gespeichert, wenn ja, wie<br />
lange?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Eine Speicherung erfolgt ja<br />
nur dann, wenn ein tatsächlicher &quot;Treffer&quot; vorliegt.<br />
Ansonsten erfolgt keine Speicherung.
</p>
<p>
<b> Moderator</b>: Ist für Sie das britische &quot;Modell&quot;<br />
wünschenswert oder sinnvoll? Die Polizei hat in London tausende<br />
Überwachungskameras bzw. Zugriff auf diese.
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Ein derartig ausgefeiltes System<br />
brauchen wir sicherlich nicht. Es muss abgewogen werden zwischen<br />
den Interessen einzelner Bürger und notwendigen Maßnahmen<br />
zur Verhinderung von schwerer Kriminalität.
</p>
<p>
<b> Extra</b>: Eine Nachfrage: Was verstehen Sie unter<br />
einer schwierigen Situation? Etwa Demonstrationen oder ähnliches?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Auf keinen Fall eine angemeldete<br />
Demonstration, aber sehr wohl eine Randale zu Lasten unschuldiger<br />
Bürger oder deren Eigentum.
</p>
<p>
<b>Zweistein</b>: Videoüberwachung hin oder her,<br />
es müssen doch auch genügend Polizisten zur Verfügung<br />
stehen &#8211; was bisher nicht der Fall ist, oder?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Bei den notwendigen Polizeieinsätzen<br />
hatten wir in den vergangenen Monaten ausreichend Polizisten vor<br />
Ort. Trotzdem muss ich auch zum Schutz der Polizisten andere Möglichkeiten<br />
nutzen, um beispielsweise einen effektiveren Einsatz der Polizei<br />
zu ermöglichen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: In Sachen, wann die Kameras laufen<br />
und wie lange gespeichert wird, besteht noch Klärungsbedarf:
</p>
<p>
<b> intrr</b>: Also, die Kameras zeichnen nur auf, wenn<br />
Verbrechen begangen werden? Das nenne ich intelligente Software<br />
🙂
</p>
<p>
<b> Extra</b>: Hm, und Sie wollen die Kameras dann anschalten,<br />
wenn randaliert wird? Oder hab ich das falsch verstanden?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Das haben Sie schon richtig<br />
verstanden. Die kritische Situation entsteht ja nicht spontan, sondern<br />
bahnt sich längerfristig in einer Nacht schon an. Dann ist<br />
der Einsatz der Kameras möglich, die in einem Polizeirevier<br />
auflaufen. Die Entscheidung, ob gespeichert wird, ist natürlich<br />
keine Softwareentscheidung sondern eine Entscheidung des Polizisten<br />
vor Ort.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Noch mal zur Balance zwischen Gefahrenabwehr<br />
und politischer Alltagsarbeit. Können Sie diese Aussage nachvollziehen?
</p>
<p>
<b> Anna</b>: Anstatt mit geplanter Onlineüberwachung<br />
in privaten PCs rumschnüffeln zu wollen, sollte Deutschland<br />
lieber etwas gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit unter Migranten<br />
tun.
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Die hohe Jugendarbeitslosigkeit<br />
von Migranten ist in der Tat ein sehr ernstzunehmendes Thema. Ich<br />
möchte sie aber keineswegs unter Generalverdacht stellen, wenn<br />
es um die Verhinderung von Straftaten geht. Die Vergangenheit hat<br />
ja auch gezeigt, dass diejenigen, die terroristische Anschläge<br />
planen, keineswegs arbeitslos sind sondern sehr wohl in Lohn und<br />
Brot stehen.
</p>
<p>
<b>marco-4u</b>: Eine Frage zu den neuen biometrischen<br />
Pässen. Die Daten können ja auch von ausländischen<br />
Behörden ausgelesen werden. Wie wollen Sie sicherstellen, dass<br />
zum Bsp. die USA oder andere Länder sich an die deutsche Bestimmung<br />
zum Datenschutz halten und kein Missbrauch der Daten stattfindet?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Jedes Land formuliert seine<br />
eigenen Forderungen, wenn es darum geht, Einreisen zu genehmigen.<br />
Wenn eine Einreise in die USA mit der Abgabe seiner biometrischen<br />
Daten verbunden ist, muss jeder, der einreisen will, selbst seine<br />
Entscheidung treffen ob er seine Daten amerikanische Behörden<br />
zur Verfügung stellt oder ob er auf die Reise verzichtet.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Die Zahl der Kritiker von Fingerabdrücken<br />
in Pässen ist groß &#8211; das ist ja jetzt noch einmal eine<br />
Erweiterung des biometrischen Ausweises. Ob die Abdrücke etwas<br />
nützen, kann man auch hinterfragen. Unterstützen Sie dieses<br />
Projekt?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Ich unterstütze das Projekt<br />
deshalb, weil es gegenwärtig hervorragende Fälschungen<br />
von Ausweispapieren gibt. Das Fälschen von Ausweispapieren<br />
wird durch das Ablegen der biometrischen Daten deutlich erschwert.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Das Luftsicherheitsgesetz wurde ja<br />
vom Verfassungsgericht verworfen, aber irgendwann muss die Frage<br />
ja mal geklärt werden:
</p>
<p>
<b> Klaas</b>: Was halten Sie von einem Abschussbefehl<br />
gegen Flugzeuge?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Ich möchte nicht mit demjenigen<br />
tauschen, der eine derartige Entscheidung zu treffen hat. Aus diesem<br />
Grund verstehe ich schon, dass man ihm für eine derartige Entscheidung<br />
einen entsprechenden Rechtsrahmen geben will.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Wie könnte der aussehen?
</p>
<p>
<b> Albrecht Buttolo</b>: Eine rechtliche Regelung, die<br />
klar umreißt, wann ein derartiger Beschluss gefasst werden<br />
muss.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Es gibt ja derzeit viele Vergleiche<br />
in Sachen Sicherheit &#8211; von der RAF bis heute. Wie geht die Entwicklung<br />
weiter, dazu:
</p>
<p>
<b> pro-verbot</b>: Wie viele personenbezogene Daten<br />
sollen wir denn noch offen legen, bis wir uns Ihrer Meinung nach<br />
in Deutschland &quot;sicher&quot; fühlen können?
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Bei ihrem Ansatz bitte ich zu<br />
bedenken, dass eine Vielzahl von Sicherheitsvorkehrungen, die getroffen<br />
werden, nur möglich sind, wenn hinreichende Anhaltspunkte da<br />
sind und ein richterlicher Beschluss für derartige Überprüfungen<br />
vorliegt.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Unsere 60 Minuten tagesschau-Chat sind<br />
vorbei – vielen Dank an Innenminister Dr. Albrecht Buttolo<br />
nach Dresden, dass Sie sich Zeit für den tagesschau-Chat genommen<br />
haben. Vielen Dank an alle Nutzer von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
für ihr Interesse und die Fragen. tagesschau.de und politik-digital.de<br />
wünschen allen Beteiligten noch einen schönen Tag!
</p>
<p>
<b>Albrecht Buttolo</b>: Herzlichen Dank für die<br />
Möglichkeit bei Ihnen zu Gast zu sein. Ich wünsche ihnen<br />
eine schöne Adventszeit und bedanke mich für ihre Fragen.<br />
Hoffentlich sind sie bald auch einmal Gast im Freistaat Sachsen<br />
auf einem der zahlreichen schönen Weihnachtsmärkte.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Höhere Sozialabgaben &#8211; oder Pflegeroboter</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/hoehere-sozialabgaben-oder-pflegeroboter-3598/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Georg Babing]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Nov 2007 15:14:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegeversicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Chat_tag]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Breitscheidel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/hoehere-sozialabgaben-oder-pflegeroboter-3598/</guid>

					<description><![CDATA[Am Donnerstag, 29. November, war Markus Breitscheidel, Autor von &#34;Abgezockt und totgepflegt&#34;, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Missstände in Altersheimen und prangerte die Passivität der Politik an.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag, 29. November, war Markus Breitscheidel, Autor von &quot;Abgezockt und totgepflegt&quot;, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über die Missstände in Altersheimen und prangerte die Passivität der Politik an.<br />
<!--break--> <b></b></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Herzlich willkommen im tagesschau-Chat!<br />
Heute bei uns hier im ARD-Hauptstadtstudio zu Gast: Markus Breitscheidel.<br />
Der Journalist ist Autor des Bestsellers &quot;Abgezockt und totgepflegt&quot;.<br />
In diesem Buch schildert er die teils entsetzlichen Zustände<br />
in Pflege- und Altenheimen, in denen er mehr als ein Jahr lang undercover<br />
gearbeitet und recherchiert hat. Vielen Dank Herr Breitscheidel,<br />
dass Sie sich Zeit genommen haben! Können wir beginnen?</p>
<p><b>Markus Breitscheidel:</b> Wir können.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mbreitscheidel85x.jpg" alt="Markus Breitscheidel" height="120" width="85" /><br />
<i>Markus Breitscheidel<br />
Investigativer Journalist und Autor</i>
</p>
<p align="left">
<b>Moderatorin:</b> Folgende Frage hat<br />
die meisten unserer User am meisten interessiert:</p>
<p><b>Gero: </b>Wie erkenne ich ein gutes Pflegeheim?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Wenig Fluktuation unter<br />
den Mitarbeitern und sehr viel Öffentlichkeit, also Zusammenarbeit<br />
mit ehrenamtlichen Besuchsdiensten usw., denn diese Öffentlichkeit<br />
bringt natürlich das Leben und Informanten / Beobachter in<br />
das Heim. Das ist die schwierigste Frage, die man in diesem Bereich<br />
stellen kann, denn es gibt keine Qualitätsmerkmale zur Unterscheidung,<br />
und somit ist es für einen Angehörigen die schwierigste<br />
Aufgabe, ein gutes Heim zu finden.
</p>
<p>
<b>Karlchen:</b> Wie kommt es denn überhaupt zu<br />
einer Lage, wie in Ihrem Buch beschrieben? Fehlt es &quot;nur&quot;<br />
an Geld, fehlen ausgebildete Fachkräfte, aufmerksame Angehörige&#8230;?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Es fehlen zunächst<br />
einmal aufmerksame Angehörige, die sich nicht von dem hohen<br />
Pflegepreis blenden lassen und aufmerksam beobachten. Dann fehlt<br />
es an gut ausgebildetem Pflegepersonal und letztendlich ist die<br />
Philosophie der Heimleitung das Wichtigste. Ist diese Philosophie<br />
an Menschen orientiert, dann funktioniert es. Ist sie allerdings<br />
am Kapital orientiert, gibt es meist Probleme.</p>
<p><b>Nico: </b>Warum wird Ihrer Meinung nach bekannten Missständen<br />
von Seiten der Politik nicht nachgegangen?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Ein ehrlicher Umgang mit<br />
diesem Thema würde bedeuten, dass wir mehr Geld in die Pflege<br />
investieren müssten, dass sich die Lohnnebenkosten dadurch<br />
erhöhen würden.<br />
Und Sie finden keinen Politiker, der den Mut hat, in der Öffentlichkeit<br />
eine nochmalige Erhöhung der Lohnnebenkosten zu fordern.</p>
<p><b>Maria:</b> Warum wehren sich die Pflegekräfte<br />
nicht gegen die Missstände und auch ihre schlechten Arbeitsbedingungen?</p>
<p><b>Markus Breitscheidel:</b> 87 Prozent der Pflegekräfte<br />
sind Frauen, meist alleinerziehende Mütter, die direkt abhängig<br />
sind von ihrem Arbeitsplatz. Ich habe insgesamt mit Menschen aus<br />
25 Nationen zusammen gearbeitet, deren Aufenthaltsgenehmigung meist<br />
an den Arbeitsplatz gebunden war, und somit fehlte ihnen natürlich<br />
auch der Mut, gegen deutsche Missstände vorzugehen. Letztendlich<br />
ist es die Angst vor dem Verlust der eigenen Existenz.</p>
<p><b>Moderatorin:</b> Hier die Frage eines &quot;Insiders&quot;:</p>
<p>i<b>ch25ms</b>: Ich arbeite in einem Heim und kenne die<br />
Missstände, aber was soll ich als Pflegende noch tun &#8211; außer<br />
meine private Zeit dafür herzugeben, um mal ein nettes Gespräch<br />
mit dem Bewohner führen zu können (das tue ich täglich<br />
nach meinem Dienst)?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Ganz wichtig für Pflegekräfte<br />
ist es, Überlastungsanzeigen zu schreiben und die an die staatliche<br />
Heimaufsicht weiterzuleiten. Tut dies eine Pflegekraft nicht, ist<br />
sie rechtlich für die Pflegebedürftigen verantwortlich<br />
und wird gerichtlich für diese Pflegefehler dann auch belangt.<br />
Zudem würde ich heimintern den Kontakt zum Heimbeirat suchen,<br />
um denen dann meine Sorgen kundzutun. Das wären eigentlich<br />
die wichtigsten Punkte.</p>
<p><b>Moderatorin:</b> Das war die am dritthäufigsten<br />
gestellte Frage unserer Leser. Nun folgt Platz zwei:</p>
<p><b>Karlchen:</b> Worauf sollten Angehörige achten,<br />
wenn Verwandte in ein Pflegeheim müssen? Wie kann man reagieren,<br />
wenn man Missstände feststellt, um nicht nur die eigenen Verwandten<br />
zu schützen, sondern alle Bewohner?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Zunächst einmal den<br />
Heimbeirat einschalten. Sollte das zu keinem Ergebnis führen,<br />
würde ich den Fall an den medizinischen Dienst der Krankenkasse<br />
oder die staatliche Heimaufsicht melden. Diese sind dann verpflichtet,<br />
das Ganze anonym aufzunehmen und gegen das Heim vorzugehen.</p>
<p><b>Quarantäne:</b> Was würden Sie nach ihren<br />
Erlebnissen empfehlen: Angehörige lieber zu Hause pflegen,<br />
einen ambulanten Pflegedienst verpflichten oder doch ein Pflegeheim?
</p>
<p>
<b>konzhel:</b> Kann man eigentlich einen Unterschied<br />
machen zwischen privaten Heimen und solchen von karitativen Organisationen?<br />
Oder gibt es die Probleme überall?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Ich bin natürlich<br />
ein Freund davon, einen alten Baum, der Wurzeln geschlagen hat,<br />
nicht mehr umzupflanzen. Das heißt natürlich, so lange<br />
wie es geht, dem pflegebedürftigen Menschen sein Zuhause zu<br />
lassen. Der Unterschied liegt in der Philosophie des Pflegeunternehmers.<br />
Die Wohlfahrtsverbände haben ihre Philosophie am Menschen orientiert,<br />
die Privaten am Gewinn.</p>
<p><b>konzhel: </b>Betreff: Arbeitsplatz und Arbeitskräfte:<br />
Pennen da die Gewerkschaften total? Man sollte meinen, auch in solchen<br />
Betrieben gibt es ein paar Gewerkschaftler.
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Zwei Prozent der Pflegekräfte<br />
sind gewerkschaftlich organisiert. Somit fehlt den Gewerkschaften<br />
der Einfluss in den Heimen.</p>
<p><b>Moderatorin:</b> Warum nur zwei Prozent?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Ich denke, aus der Problematik,<br />
die wir eben besprochen haben. 87 Prozent der Pflegekräfte<br />
sind Frauen und intensiv mit den eigenen Problemen im Leben beschäftigt.<br />
Es fehlt die Zeit, sich neben dem zeitintensiven Pflegeberuf auch<br />
noch für die eigenen Rechte zu engagieren.</p>
<p><b>Jungling:</b> Glauben Sie, dass Patienten in Krankenhäusern<br />
ähnlich schlimm behandelt werden?</p>
<p><b>Markus Breitscheidel</b>: Nach der Privatisierung der<br />
Altenpflege folgte die Privatisierung der Kranken- und Behindertenpflege.<br />
Seither erreichen mich vermehrt auch Briefe von Pflegepersonal aus<br />
Krankenhäusern und Behindertenheimen.
</p>
<p>
<b>konzhel:</b> Es gibt ja jetzt eine Reform der Pflegeversicherung.<br />
Was ist ihre Meinung: Hilft die, die Alterspflege zu verbessern?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Ich denke, dass diese Reform<br />
ein Pflaster auf den Dekubitus ist und lediglich kurzfristig die<br />
Probleme beheben wird. Nachhaltig fehlt jedoch ein Gesamtkonzept<br />
zum Thema Pflegebedürftigkeit und zum Umgang mit Menschen in<br />
einer Leistungsgesellschaft, die nicht mehr in der Lage sind, zu<br />
leisten.</p>
<p><b>Moderatorin:</b> Nun ein paar persönliche Fragen:</p>
<p><b>ttt:</b> Was für Reaktionen gab es aus den Pflegeheimen<br />
auf Ihr Buch? Gab es überhaupt welche?</p>
<p><b>Markus Breitscheidel:</b> Zwei der Pflegeheime haben<br />
ihr komplettes Führungspersonal ausgetauscht, sind offensiv<br />
mit den Vorwürfen umgegangen, auf mich zugekommen und haben<br />
zugegeben, dass es diese Missstände zu diesem Zeitpunkt gab<br />
und alles getan, um diese für die Zukunft abzuschaffen. Von<br />
den anderen drei Heimbetreibern habe ich bis heute leider nichts<br />
gehört.</p>
<p><b>Barbara:</b> Wie sind Sie bei Ihren Recherchen mit<br />
den alten Leuten im Heim umgegangen: persönlich oder distanziert?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Da die soziale Vernachlässigung<br />
der alten Menschen mich natürlich auch nach dem Dienst beschäftigt<br />
hat, war es für mich schon fast ein zu persönliches Verhältnis.<br />
Die seelische und körperliche Belastung während meines<br />
Einsatzes führte dazu, dass ich 15 Kilo Lebendgewicht verloren<br />
habe.<br />
Der Kontakt zu einigen Angehörigen und Bewohnern steht heute<br />
noch, da ich mich in dieser Zeit intensiv für diese Menschen<br />
eingesetzt habe und alles getan habe, dass sie dieses Heim verlassen<br />
und in eine vernünftige Einrichtung können.</p>
<p><b>Nico:</b> Hand aufs Herz &#8211; hat Sie Ihre Arbeit und<br />
die gewonnenen Erkenntnisse persönlich verändert?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Sicherlich haben mich diese<br />
Erfahrungen persönlich verändert, denn ich konnte mir<br />
niemals vorstellen, dass wir in einem reichen Industriestaat so<br />
menschenunwürdig mit pflegebedürftigen Menschen umgehen.<br />
Es hat bis heute noch Auswirkungen auf mein Leben, besonders im<br />
Bezug auf Paragraph 1 Grundgesetz &#8211; &quot;Die Würde des Menschen<br />
ist unantastbar.&quot;
</p>
<p>
<b>Kastanie:</b> Was würden Sie persönlich<br />
tun, wenn Ihre Eltern oder andere Verwandte pflegebedürftig<br />
sind?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Ich würde alle meine<br />
Kraft dafür einsetzen, dass sie zu Hause bis zu ihrem Tode<br />
versorgt werden. Bis vor einer Woche, also bis zum Tod meiner 91-jährigen<br />
Großmutter, konnte ich ihr zum Glück eine menschenwürdige<br />
Pflege bis zur letzten Sekunde ihres Lebens zukommen lassen.
</p>
<p>
<b>Martha: </b>Was müsste sofort zur Verbesserung<br />
der Pflegeprobleme getan werden?</p>
<p><b>Markus Breitscheidel:</b> Wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche<br />
Diskussion über die Thematik der Pflege. Doch da diese Thematik<br />
Pflege und Tod von uns Menschen verdrängt wird, halte ich es<br />
für äußerst schwierig, dass sich eine Mehrheit der<br />
Gesellschaft Gedanken darüber macht, was mit ihnen passieren<br />
soll, wenn sie pflegebedürftig werden. Ich betrachte dies allerdings<br />
als Grundvoraussetzung, um ein nachhaltiges System für die<br />
Zukunft zu schaffen. Ich bin überzeugt davon, dass auf Grund<br />
der demographischen Entwicklung wir diese Problematik mit Geld allein<br />
nicht lösen werden.</p>
<p><b>Maria: </b>Würden Sie nicht auch sagen, dass diese<br />
schrecklichen Missstände mit dem Werteverlust in unserer Gesellschaft<br />
zusammenhängen und also dort eine Veränderung eintreten<br />
muss?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel: </b>Ich denke, mit dem Satz,<br />
dass wir diese Problematik mit Geld allein nicht lösen werden,<br />
ist für mich diese Frage schon nahezu beantwortet. Denn ich<br />
bin überzeugt davon, dass unsere Gesellschaft sich zu intensiv<br />
mit dem Kapital und dessen Mehrung beschäftigt und immer weniger<br />
mit dem Wohl der Menschen.</p>
<p><b>nereide:</b> Was kann oder muss die Politik denn unternehmen?<br />
Muss es regelmäßige Überprüfungen für<br />
alle Heime geben?</p>
<p><b>Markus Breitscheidel:</b> Zunächst einmal benötigen<br />
wir einheitliche Qualitätsmerkmale, so dass es für Angehörige<br />
auch möglich ist, einen Unterschied von außen zu erkennen.<br />
Weiterhin halte ich es für unabdingbar, dass sämtliche<br />
Kontrollen unangemeldet durchgeführt werden und die Prüfergebnisse<br />
dann auch wie in anderen Ländern veröffentlicht werden.</p>
<p><b>thomas esch:</b> Halten Sie staatlich geführte<br />
Altenpflege für sinnvoller?</p>
<p><b>Markus Breitscheidel:</b> Gemäß dem Grundgesetz<br />
hat der Staat die Verpflichtung, diese Aufgabe zu übernehmen.<br />
Durch die Privatisierung hat er sich mehr und mehr von dieser Verantwortung<br />
verabschiedet. Ich halte es allerdings für unabdingbar, dass<br />
der Staat in einer Leistungsgesellschaft sich um die verdienten<br />
Menschen kümmert, die ihre Leistung erbracht haben und dann<br />
irgendwann nicht mehr in der Lage sind, zu leisten.</p>
<p><b>ich25ms:</b> Ist ein &quot;Betreutes Wohnen“,<br />
also eine Senioren-WG, eine Alternative?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Die Konzepte für die<br />
Altenpflege müssen für die Stadt-, aber auch für<br />
die Landbevölkerung verschiedenartig entwickelt werden. Die<br />
Alten-WG ist mehr ein Konzept für die Stadt, da die Menschen<br />
hier in ihrem Denken nicht so konservativ sind wie die Dorfbevölkerung.<br />
Für die Menschen auf dem Land benötigen wir ein intensives<br />
Netz der sozialen Betreuung für die Pflege zu Hause.</p>
<p><b>specator:</b> Was raten Sie den Familien, die quasi<br />
illegal Pflegerinnen (meist aus dem Ausland) beschäftigen?<br />
Ist das nicht auch Ausbeutung?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Ich bin der festen Meinung,<br />
dass man einer Arbeitskraft, egal aus welchem Lande dieser Welt<br />
sie kommt, nicht zumuten darf, für eine Arbeit, die 24 Stunden<br />
am Tag beansprucht, mit 800-1000 Euro pro Monat abzuspeisen. <br />
Allerdings ergeben sich aus den geringen Renten, die gerade pflegebedürftige<br />
Frauen erhalten, meist keine andere Möglichkeit der Finanzierung,<br />
so dass auch hier die Politik gefragt ist, um diese illegalen Pflegekräfte<br />
in die Legalität zu führen.</p>
<p><b>Tom Bom:</b> Ich finde Ihre Vorschläge gut, doch<br />
die Finanzierung ist mir schleierhaft &#8211; Lohnnebenkosten hin oder<br />
her, gibt es noch alternative Finanzierungswege?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Ich halte die neun Prozent<br />
Kirchensteuer, die für Kirchenmitglieder erhoben werden &#8211; die<br />
allerdings für Menschen, die denken, sich den Glauben nicht<br />
mehr leisten zu können und austreten, nicht mehr anfallen &#8211;<br />
für eine Finanzierungsmöglichkeit. Man könnte einen<br />
Sozialfonds gründen, in den dann Menschen, die aus der Kirche<br />
ausgetreten sind, diese neun Prozent einzahlen.</p>
<p><b>bxta</b>: Laut Studien wird die Überalterung in<br />
Deutschland sich schon sehr bald drastisch auswirken. Können<br />
so viele Menschen überhaupt noch vernünftig gepflegt werden?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Ohne einen enormen ehrenamtlichen<br />
Einsatz der gesamten Gesellschaft wird dies in Zukunft unmöglich<br />
sein. Es sei denn, wir können uns damit abfinden, irgendwann<br />
von einem Pflegeroboter gepflegt zu werden.</p>
<p><b>paul-armin: </b>Gibt es momentan Ihrer Meinung nach<br />
eine Partei, die sich besser für alte Menschen einsetzen würde<br />
(Nicht unbedingt die Grauen Panther&#8230;)?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Es fällt mir nicht<br />
eine Partei ein, die ein ernsthaftes Engagement in dieser Richtung<br />
betreibt.</p>
<p><b>promenz</b>: Welche Politiker wissen von ihren Erkenntnissen?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Nahezu alle Politiker, die<br />
sich in den verschiedenen Parteien mit der Thematik Pflege befassen.<br />
Ich versuche allerdings seit mehr als zwei Jahren, diese Menschen<br />
für das Thema zu interessieren und muss feststellen, dass das<br />
Engagement der Politik für diesen Bereich nahezu gegen Null<br />
tendiert.</p>
<p><b>Kastanie:</b> Aus welchem Anlass haben Sie damals eigentlich<br />
Ihre Recherche gestartet? Haben Sie mit derartig schockierenden<br />
Ergebnissen gerechnet?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Der Anlass waren Berichte<br />
in TV- und Printmedien über Missstände und Unterversorgung<br />
in Pflegeheimen. Ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen,<br />
dass man in unserem Land so mit Menschen umgeht.
</p>
<p>
<b>trecker:</b> Es muss Angehörigen doch auffallen,<br />
wenn Ihre Verwandten in Pflegeheimen misshandelt oder vernachlässigt<br />
werden. Warum unternehmen die nichts oder nur wenig?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Das Thema &quot;Besuch der<br />
Angehörigen&quot; wird meiner Erachtens in der Öffentlichkeit<br />
überschätzt. Wir leben heute in einer Gesellschaft, wo<br />
jeder flexibel dem Arbeitsplatz nachreisen muss und Familien verstreut<br />
über ganz Deutschland leben. Somit beschränkt sich der<br />
Besuch meist auf die Feiertage, und hier fehlt dann die Zeit, Missstände<br />
zu erkennen und ihnen dann auch intensiv nachzugehen.</p>
<p><b>Maria:</b> Gibt es denn genug Personal, all die nötigen<br />
Heimüberprüfungen durchzuführen?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel: </b>Da die staatliche Heimaufsicht<br />
eine Kommunalbehörde ist, hängt die personelle Besetzung<br />
natürlich direkt mit der finanziellen Situation zusammen. Hat<br />
man also das Glück, dass die Kommune eine der wenigen in Deutschland<br />
ist, die finanziell noch gut ausgestattet ist, steht genügend<br />
Personal zur Verfügung. In den meisten Städten wird auch<br />
hier intensiv beim Personal gespart.</p>
<p><b>Maria:</b> Was glauben Sie, woran dieses Desinteresse<br />
liegt? Jeder Politiker weiß doch, dass er morgen auch alt<br />
und pflegebedürftig sein kann. Ist das nur Verdrängung<br />
und Hilflosigkeit, oder stehen da andere Interessen im Vordergrund?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> In erster Linie denke ich,<br />
dass das Thema Verdrängung im Vordergrund steht. Und in zweiter<br />
Linie, dass sich ein Politiker bei der Absicherung im Alter keine<br />
größeren Gedanken machen muss, nicht menschenwürdig<br />
versorgt zu werden.</p>
<p><b>ludewig: </b>Gibt es Ihres Wissens Länder, in<br />
denen die Altenpflege sehr gut funktioniert?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Das Vorzeigeland weltweit<br />
ist für mich Dänemark, das 1989 beschlossen hat, keine<br />
neuen Heime mehr zu bauen und die Heime sukzessive abzuschaffen.<br />
Dieses Konzept wurde äußerst erfolgreich umgesetzt und<br />
erlaubt Dänemark heute den Luxus, die Menschen zu Hause versorgen<br />
zu können. Finanziert wird das Ganze aus den gesparten Investitionen<br />
für den Bau der Altenheime.</p>
<p><b>Blume:</b> Gibt es regionale Kriterien für Heime?<br />
Also sind durchschnittlich z.B. Heime im reichen Süden besser<br />
als in Rostock?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Es gibt regionale Unterschiede,<br />
ich sehe sie allerdings jetzt nicht festgehalten an einer Nord-Süd-Problematik,<br />
sondern eher in der Versorgung der Menschen auf dem Land im Unterschied<br />
zur Stadt. Da auf dem Land der Besuch der Angehörigen und Freunde<br />
viel intensiver ist als in der Stadt, sind die Missstände dementsprechend<br />
weniger gravierend.</p>
<p><b>klasssss:</b> Wie wird das in Dänemark gemacht?<br />
Die Pfleger kommen nach Hause?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Man hat in Dänemark<br />
das Konzept einer so genannten Tagespflegestätte entwickelt.<br />
Es ist im Vergleich zu Deutschland wie eine Kindertagesstätte<br />
organisiert und entlastet damit die Menschen zu Hause. Man kann<br />
den Pflegebedürftigen morgens um 6 Uhr von einem Fahrdienst<br />
abholen lassen, er wird dann in einer Tagesstätte von professionellem<br />
Pflegepersonal versorgt und gegen 19 Uhr wieder nach Hause gebracht.<br />
Somit hat man die physisch wie psychisch anstrengende Arbeit der<br />
Pflege zu Hause endgültig mal entlastet &#8211; eine Thematik, die<br />
hier in Deutschland noch gar nicht besprochen wurde.</p>
<p><b>promenz: </b>Ich weiß, Sie haben nicht alle Heime<br />
gesehen, aber ungefähr: In wieviel Prozent herrschen schlechte<br />
Verhältnisse?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel</b>: Laut des letzten Prüfberichtes<br />
der staatlichen Heimaufsicht, wobei hier alle Überprüfungen<br />
vorher angemeldet wurden, herrscht in über 30 Prozent der Heime<br />
gefährliche Pflege. Das bedeutet, knapp 200.000 pflegebedürftige<br />
Menschen sind tagtäglich unterversorgt.</p>
<p><b>demaim:</b> Was sollte es Ihrer Meinung nach für<br />
Prüfungen und Qualitätskriterien geben, die ein Heim erfüllen<br />
muss, bevor es überhaupt öffnen darf?</p>
<p><b>Markus Breitscheidel:</b> Es gibt bis heute keine Kriterien,<br />
die festlegen, welcher Unternehmer ein Heim eröffnen kann oder<br />
darf. Es ist also jedem erlaubt, Altenheime zu eröffnen und<br />
ein Geschäft mit der Pflegebedürftigkeit zu betreiben.<br />
Ich denke, es ist unabdingbar und wichtig, solche Kriterien aufzustellen.</p>
<p><b>Moderatorin:</b> Wie sollten die aussehen?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Ich denke, dass es unbedingt<br />
notwendig ist, dass der Heimunternehmer zumindest eine Ausbildung<br />
im sozialen Bereich hat und nachweisen kann, in der Pflege mal gearbeitet<br />
zu haben. Zudem ist es unabdingbar, auch Kriterien für die<br />
Philosophie zum Betreiben eines Heimes zu entwickeln.</p>
<p><b>Maria: </b>Wer sollte diese Kriterien aufstellen?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Es gibt den so genannten<br />
&quot;Deutschen Pflegerat&quot;, der zusammengesetzt ist mit den<br />
wenigen Pflegeexperten, die wir in unserem Land haben. Ich denke,<br />
dass hier genügend Kompetenz vorliegt, um solche Kriterien<br />
aufzustellen.</p>
<p><b>Pfisterer:</b> Was haben Sie für Erfahrungen gemacht,<br />
wie die alten Leute auf die schlechte Pflege reagieren? Nehmen die<br />
es zwangsläufig hin oder wehren sich auch manche?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Wir haben es heute noch<br />
mit pflegebedürftigen alten Menschen zu tun, die noch eine<br />
gewisse Obrigkeit anerkennen. Ich habe bei vielen alten Menschen<br />
festgestellt, dass sie nicht den Mut haben, ihre Unzufriedenheit<br />
gegenüber Menschen in weißen Kitteln zu äußern.<br />
Selbst gegenüber Angehörigen sind sie in dem Konflikt,<br />
dass sie sich stetig vorwerfen lassen müssen, dass die Pflegekosten<br />
monatlich höher sind als eine Hotelunterbringung und man sich<br />
mit den Verhältnissen doch zufrieden geben sollte.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Wir erhalten gerade das Ergebnis<br />
unserer Umfrage: 58 Prozent unserer User würden ihre Verwandten<br />
nicht in einem Pflegeheim betreuen lassen; 41 Prozent würden<br />
es tun. Herr Breitscheidel, wundern Sie diese Zahlen?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel:</b> Ja, diese Zahl 58 Prozent<br />
wundert mich schon, da ich sehr viele Erhebungen über diese<br />
Thematik gelesen habe, die nahezu immer bei 90 Prozent lagen. Selbst<br />
ein Versuch von mir, auf Altenpflegeschulen zuzugehen und eine Arbeit<br />
unter dem Titel &quot;I have a Dream &#8211; Wie stelle ich mir die Altenpflege<br />
in der Zukunft vor&quot; hat erbracht, dass von 150 Aufsätzen<br />
nicht eine der Pflegekräfte das Heim bevorzugt hat. Ergänzend<br />
dazu eine Umfrage der Malteser, die ihre Pflegekräfte befragt<br />
haben, ob sie sich vorstellen könnten, in einem Heim der Malteser<br />
in Zukunft gepflegt zu werden. Hier haben überraschenderweise<br />
75 Prozent des Personals es sich nicht vorstellen können.
</p>
<p>
<b>Ventura:</b> Wie sorgen Sie persönlich vor, dass<br />
sie später nicht in ein Heim geraten, wo Sie menschenunwürdig<br />
behandelt werden?
</p>
<p>
<b>Markus Breitscheidel: </b>Es gibt in unserem Land<br />
die Möglichkeit, in Form einer Vorsorgevollmacht festzuhalten,<br />
wie man sich die eigene Pflege vorstellt. Dies habe ich bereits<br />
mit 38 Jahren ausgefüllt und erledigt. Somit ist sichergestellt,<br />
dass meine Wünsche dann auch erfüllt werden und ich bis<br />
zum Ende meines Lebens ein selbstbestimmtes Leben führen kann.
</p>
<p>
<b>Maria:</b> Was kann ich jetzt nach diesem Chat aktiv<br />
tun, um etwas für die Pflege zu bewegen?</p>
<p><b>Markus Breitscheidel</b>: Sich ehrenamtlich engagieren,<br />
sei es bei einem Besuchsdienst, sei es bei einem Vorlesedienst.<br />
Seien sie sich sicher, dass ihr Einsatz unbedingt benötigt<br />
wird.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Das war es auch schon wieder, 60<br />
Minuten tagesschau-Chat sind rum. Vielen Dank, liebe Leser, für<br />
Ihr Interesse und für Ihre Fragen. Herr Breitscheidel, möchten<br />
Sie noch ein letztes Wort an unsere User richten?</p>
<p><b>Markus Breitscheidel:</b> Vielen Dank für das<br />
Interesse und alles Gute für die Zukunft.
</p>
<p>
<b>Moderatorin:</b> Vielen Dank auch Ihnen, Herr Breitscheidel!<br />
Einen schönen Tag Ihnen und unseren Lesern wünscht Ihnen<br />
tagesschau.de! Diesen Chat können Sie in Kürze auf unserer<br />
Seite nachlesen &#8211; allerdings ausnahmsweise ohne Fotos: Herr Breischeidel<br />
recherchiert derzeit inkognito für sein nächstes Buch.<br />
Erscheinen soll es im September 2008.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/hoehere-sozialabgaben-oder-pflegeroboter-3598/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>„Metzgers Parteiaustritt ist konsequent&#034;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/metzgers-parteiaustritt-ist-konsequent-3594/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/metzgers-parteiaustritt-ist-konsequent-3594/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Georg Babing]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Nov 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestag]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Partei]]></category>
		<category><![CDATA[tagesschau.de]]></category>
		<category><![CDATA[Anja Hajduk]]></category>
		<category><![CDATA[Haushalt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/metzgers-parteiaustritt-ist-konsequent-3594/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="teaser">
Am Dienstag, dem 27. November, war Anja Hajduk, haushaltspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Sie sprach über den Schuldenabbau des Bundes, die Haushaltdebatte und den Parteiaustritt Oswald Metzgers.
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
Am Dienstag, dem 27. November, war Anja Hajduk, haushaltspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Sie sprach über den Schuldenabbau des Bundes, die Haushaltdebatte und den Parteiaustritt Oswald Metzgers.
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Herzlich willkommen im tagesschau-Chat.<br />
In dieser Woche wird im Bundestag der Haushalt 2008 verabschiedet.<br />
283 Milliarden Euro will der Bund ausgeben. Und trotz sprudelnder<br />
Steuereinnahmen reicht es immer noch nicht zu einem ausgeglichenen<br />
Haushalt. Zwölf Milliarden Euro neue Schulden kommen damit<br />
auf den Schuldenberg noch drauf – der liegt inzwischen bei<br />
deutlich über 900 Milliarden Euro. Im ARD-Hauptstadtstudio<br />
begrüße ich jetzt Anja Hajduk, haushaltspolitische Sprecherin<br />
der Grünen. Als Oppositionsvertreterin hat sie den Haushalt<br />
kritisch im Blick. Vielen Dank Frau Hajduk, dass sie zum tagesschau-Chat<br />
gekommen sind. Die erste Frage:
</p>
<p>
<b>Ferdy</b>: Warum immer sparen? Ist es nicht dringend<br />
Zeit für einen &quot;Schluck aus der Pulle &quot;?
</p>
<p></p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ahajduk85x.jpg" alt="Anja Hajduk" height="120" width="85" /><br />
<i>Anja Hajduk<br />
Haushaltspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen</i>
</p>
<p align="left">
<b>Anja Hajduk</b>: In Zeiten einer guten<br />
Konjunktur &#8211; so wie im Moment &#8211; ist man gut beraten, Vorsorge zu<br />
treffen für schlechtere Zeiten. Deswegen sind wir dafür,<br />
die jetzige Situation zu nutzen und weniger neue Schulden zu machen.<br />
Zukunftsinvestitionen, die wichtig und richtig sind, können<br />
viel stärker durch Subventionsabbau finanziert werden.
</p>
<p align="left">
<b>dondolo006</b>: Weniger neue Schulden&#8230;<br />
Und unter welchen Bedingungen kann man anfangen, Schulden abzubauen?
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Schuldenabbau gelingt insgesamt erst,<br />
wenn man einen ausgeglichenen Haushalt erreicht hat, wenn man also<br />
keine Nettokreditaufnahmen mehr braucht. Ich halte es für realistisch,<br />
dies für den Bund bis 2009 zu erreichen. Dann kann man beginnen,<br />
Schulden abzubauen.<br />
Meine Heimatstadt Hamburg hat dies schon jetzt angepackt. Wollen<br />
wir hoffen, dass es der Bund auch bald schafft.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Wenn der ausgeglichene Haushalt kommt,<br />
in welcher Größenordnung müssten dann jährlich<br />
Schulden getilgt werden, damit man von dem Schuldenberg herunterkommt?
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Das kann man erst seriös festlegen,<br />
wenn man die dann aktuellen Rahmenbedingungen kennt, z.B. die dann<br />
aktuelle Konjunktur oder Arbeitslosigkeit. Umgekehrt -bei starkem<br />
Wirtschaftswachstum ist eine Schuldenrückführung leichter<br />
möglich. Klug ist, die Rückführung der Neuverschuldung<br />
konjunkturreagibel zu gestalten. In guten Zeiten sind Überschüsse<br />
für den Schuldenabbau möglich, aber in schlechten Zeiten<br />
wird das dann wohl auch mal aussetzen müssen.
</p>
<p>
<b>Zülpich</b>: Kann Steinbrück mit seiner<br />
Bilanz zufrieden sein?
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Steinbrück kann mit den wirtschaftlichen<br />
Rahmenbedingungen, unter denen die große Koalition arbeitet,<br />
zufrieden sein. Das hilft ihm, dass seine Bilanz auf den ersten<br />
Blick gut aussieht. Aber Herr Steinbrück ist klug genug zu<br />
wissen, dass er auch einige Niederlagen hat einstecken müssen.<br />
Zum Beispiel hat er sich erfolglos dagegen gewehrt, dass der Bund<br />
in den nächsten Jahren 14 Milliarden Euro an die Krankenversicherungen<br />
überweisen muss, ohne dass die große Koalition hierfür<br />
eine Gegenfinanzierung geschaffen hat. Ebenso gibt es Ausgaben im<br />
Arbeitsmarktbereich für die Kosten der Unterkunft, wo er Zahlungen<br />
an die Gemeinden leisten muss, die er in dem Ausmaß nie wollte.
</p>
<p>
<b>awa</b>: Stichwort Konjunktur: Es kommt ja oft der<br />
Vorwurf, ein Aufschwung käme nur bei großen Unternehmen<br />
an. Wie sehen Sie das?
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Ich glaube schon, dass das sehr<br />
differenziert zu sehen ist. Es gibt auch kleine und mittlere Unternehmer,<br />
die eine bessere Auftragslage haben und es gibt große Unternehmen,<br />
die wegen der Dollarschwäche auch Probleme haben, z.B. Airbus.<br />
Wichtig ist, dass die Politik sich ein realistisches Bild macht,<br />
wo die größten Probleme liegen. Hier, glaube ich, ist<br />
immer noch die Langzeitarbeitslosigkeit zu nennen.
</p>
<p>
<b>Rollbrett</b>: Die Haushaltsdebatte gilt ja eigentlich<br />
als Königsdisziplin im Bundestag. Wie haben Sie den Tag heute<br />
erlebt? Ist das mit der Großen Koalition vorbei?
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Die Haushaltsdebatte und gerade der<br />
Auftakt der Finanzdebatte am Dienstag ist schon eine besondere Debatte,<br />
weil sie ebenso wie die so genannte Elefantenrunde die Möglichkeit<br />
eröffnet, über die grundsätzliche Linie der Regierungspolitik<br />
zu diskutieren Haushaltspolitik erfordert ein gewisses Generalistentum.<br />
Ich finde diese Debatte persönlich immer eine große Herausforderung,<br />
weil es mein Anspruch ist, oppositionelle Kritik sowohl pointiert<br />
als auch in der Sache begründet darzustellen. Heute musste<br />
ich als Grüne auch zum Haushalt Stellung nehmen mit Blick auf<br />
unsere eigenen Parteitagsbeschlüsse am Wochenende.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Darauf, zum Thema Grundsicherung und<br />
Oswald Metzger kommen wir gleich: Wir haben vor dem Chat wie immer<br />
bereits die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Das war die Nummer<br />
zwei, eine einfache Frage:
</p>
<p>
<b>meier</b>: Warum wird soviel Geld für Rüstung<br />
ausgegeben?
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Die Rüstungsausgaben liegen<br />
so hoch, weil der Verteidigungsminister seine Hausaufgaben nicht<br />
ausreichend gemacht hat. Es werden jährlich noch vier bis sechs<br />
Milliarden. Euro für Projekte ausgegeben, die nicht mehr mit<br />
heutigen Einsatzszenarien vereinbar sind, oder die überdimensioniert<br />
sind. Zum Beispiel beschaffen wir zu viele Eurofighter oder U-Boote<br />
oder zu teure Fregatten. Wir haben von grüner Seite allein<br />
für den Haushalt 2008 Einsparungen von 1,4 Milliarden vorgeschlagen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Das Problem sind ja häufig langfristige<br />
Verträge für Rüstungsvorhaben &#8211; zum Beispiel beim<br />
Eurofighter. Gibt es wirklich keine Möglichkeit, aus den Verträgen<br />
herauszukommen?
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Ich glaube, dass bei der Entscheidung<br />
für solcherlei Finanzierungen eine größere Flexibilität<br />
notwendig ist. Häufig sind es ja immer wieder dieselben Firmen,<br />
die hier Aufträge erhalten, sodass man sagen kann, dass bei<br />
vielen Beschaffungen auch industriepolitische Gründe unter<br />
dem Stichwort Arbeitsplatzsicherung eine starke Rolle spielen, ohne<br />
dass der tatsächliche Auftrag bzw. das Projekt aus rein verteidigungspolitischen<br />
Gründen erforderlich ist.<br />
Im Interesse des Steuerzahlers und der Sache wäre es gut, auch<br />
Ausstiegsklauseln in Verträgen möglich zu machen, da man<br />
vielleicht ein &quot;veraltetes Projekt&quot; durch neue Aufgaben<br />
oder Herausforderungen ersetzen könnte.
</p>
<p>
<b>Hd2</b>: Was sagen Sie zum Parteiaustritt von Oswald<br />
Metzger?
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Ich habe seit vergangener Woche damit<br />
gerechnet. Einerseits finde ich es als haushaltspolitische Kollegin<br />
schade, aber andererseits hatte ich auch den Eindruck, dass Oswald<br />
Metzger nicht mehr richtig interessiert war, innerhalb der Grünen<br />
für eine seriöse und nachhaltige Haushaltspolitik zu streiten.<br />
Aber man kann wohl Reisende nicht aufhalten.
</p>
<p>
<b>Gruenschnabel</b>: Was bedeutet der Weggang von Oswald<br />
Metzger für die Finanzpolitik der Grünen?
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Oswald Metzger hat seit Mitte der<br />
90er Jahre bis 2002 die Haushaltspolitik der Grünen stark mitgeprägt.<br />
Wir haben in der Bundestagsfraktion auch in den wirtschaftlich schwierigen<br />
Jahren ab 2002 eine nachhaltige haushaltspolitische Linie weitergeführt,<br />
in den letzten Jahren auch ohne ihn. Da wird es im grünen Grundverständnis,<br />
eine generationengerechte Politik zu vertreten, keine Änderung<br />
geben.
</p>
<p>
<b>brian</b>: Halten sie den Parteiaustritt von Oswald<br />
Metzger für konsequent?
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Ja, ich empfinde ihn schon als konsequent<br />
in dem Sinne, dass er sich mit seiner viel zu undifferenzierten<br />
Kritik z.B. an Sozialhilfeempfängern von einem grünen<br />
Grundkonsens verabschiedet hat. Der Anspruch, eine realistische<br />
Politik zu machen, die Prioritäten für Bildung aber auch<br />
soziale Integration setzt und dabei den Haushalt im Blick behält,<br />
bleibt für uns weiter wichtig.
</p>
<p>
<b> Pommes rotweiß</b>: Was meinen Sie, in welche<br />
Partei Herr Metzger wechselt?
</p>
<p>
<b> Anja Hajduk</b>: Wenn er es noch nicht weiß,<br />
woher soll ich das wissen? Die FDP hat ja anscheinend die größere<br />
Werbung betrieben.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Noch einmal zu den inhaltlichen Differenzen<br />
zu Metzger:
</p>
<p>
<b>Gründiger33</b>: Aber hat Metzger nicht letztlich<br />
nur mal offen ausgesprochen, was viele insgeheim denken?
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Falls Sie Ihre Frage auf sein Urteil<br />
über Sozialhilfeempfänger beziehen, möchte ich deutlich<br />
sagen, dass ich diese Pauschalkritik anmaßend finde und ein<br />
Politiker sehr selbstkritisch sein sollte, ob er sich da nicht auf<br />
Kosten anderer medial profiliert. Darüber hinaus war ich bei<br />
Oswald Metzgers Kritik z.B. auch gegenüber unserem Parteitagsbeschluss<br />
erstaunt, wie wenig kenntnisreich er über den immensen Bildungsinvestitionsanteil<br />
war.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Wie ist Ihr persönliches Verhältnis<br />
zu Oswald Metzger?
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Wir haben uns persönlich immer<br />
sehr gut verstanden. Ich habe als seine Nachfolgerin im Bundestag<br />
z.B. einen ausgezeichneten Mitarbeiter übernommen. Wir hatten<br />
durchaus immer mal wieder Kontakt, weil ich sein haushaltspolitisches<br />
Urteil interessant fand. Deswegen bin ich persönlich auch ein<br />
bisschen enttäuscht, dass er nicht mehr inhaltlich in unsere<br />
Sozialdebatte eingestiegen ist, sondern im Wesentlichen abwesend<br />
war oder auf uns geschimpft hat.
</p>
<p>
<b>Cujo</b>: Kommt Metzgers Rücktritt nicht zu einem<br />
ungünstigen Zeitpunkt, wo der Parteitag so auf Harmonie getrimmt<br />
war?
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Der Parteitag war gar nicht mal auf<br />
Harmonie getrimmt, sondern in der Sache sehr anspruchsvoll. Die<br />
Diskussion um ein Grundeinkommen versus eine bedarfsgerechte Grundsicherung<br />
ist politisch sehr komplex. Die Kontroverse war in der Sache insofern<br />
richtig zugespitzt, in der Form allerdings sind wir alle fair miteinander<br />
umgegangen. Das fand ich positiv und angemessen. Insofern ist es<br />
schade, dass einer an der Sache orientierte Entscheidung des Parteitags<br />
in einem gesellschaftspolitisch wichtigen Thema jetzt von Oswald<br />
Metzgers Abgang überlagert wird.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Aus der Fragensammlung vor dem Chat<br />
die Nummer eins:
</p>
<p>
<b>n.o.w</b>.: Sie beschuldigen die aktuellen Koalition,<br />
nicht konsequent genug zu sparen, weil für den Haushalt 2008<br />
zwölf Milliarden. Neuschulden aufgenommen werden. Gleichzeitig<br />
möchte Ihre Partei im Falle der Regierungsbeteiligung 60 Milliarden<br />
Euro mehr in soziale Belange investieren! Die Frage nach der Finanzierung<br />
wurde hinreichend gestellt und immer nur vage beantwortet. Bitte<br />
erklären Sie im Detail, wie diese 60 Mrd. erwirtschaftet werden<br />
sollen. Was halten Sie Oswald Metzger entgegen, der den Grünen<br />
Illusionismus vorwirft?
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Vielleicht kann man ein Beispiel machen,<br />
wo es durchgerechnet wurde.
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Wir haben für den Haushalt 2008<br />
ein Finanztableau vorgelegt mit unseren Einsparungen und neuen Prioritätensetzungen.<br />
Sie können das ganz genau in unserem Entschließungsantrag<br />
zum Haushalt 2008 nachlesen. Da landen wir bei einer Halbierung<br />
der Neuverschuldung.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: <a href="http://www.gruene-bundestag.de/cms/default/dokbin/207/207763.entschliessungsantrag_gesamthaushalt_200.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hier<br />
der Link dazu</a>.
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Zu dem 60 Milliarden-Programm, das<br />
wir auf dem Parteitag beschlossen haben, ist erst mal grundsätzlich<br />
anzumerken, dass dies ein Beschluss ist, der ausdrücklich nur<br />
über mehrere Jahre umgesetzt werden kann. Dies ist darin auch<br />
ausdrücklich festgehalten worden. Richtig und wichtig an diesem<br />
Beschluss ist, dass er im Bereich der Bildungsinfrastruktur &#8211; dies<br />
betrifft insbesondere die Länder und Gemeinden &#8211; Ausgabensteigerungen<br />
von 30 bis 35 Milliarden Euro vorsieht. Dies ist gerade vor dem<br />
Hintergrund unserer demographischen Entwicklung eine wichtige Prioritätensetzung<br />
bei den öffentlichen Ausgaben. Eine Gegenfinanzierung in dieser<br />
Dimension kann und muss zwischen Bund, Ländern und Gemeinden<br />
entwickelt werden. Hier fordere ich, dass wir in der Föderalismuskommission<br />
II den Weg frei machen für eine Bundessteuerverwaltung, die<br />
laut Bundesrechnungshof 14 Milliarden Euro erwirtschaften kann &#8211;<br />
das soll eine konservative Schätzung sein. Wir Grünen<br />
sind auch bereit, für weitere Kosten im Bildungsbereich die<br />
Erbschaftssteuer zu erhöhen. Eine verfassungsgemäße<br />
Reform des Ehegattensplitting würde weitere fünf Milliarden<br />
Euro ermöglichen. Sie sehen also, es gibt Potential, auch solche<br />
großen Herausforderungen zu stemmen. Einen Teil unseres Parteitagsbeschlusses,<br />
zum Beispiel die Anhebung der Regelsätze beim ALG II, haben<br />
wir schon in unserem Finanztableau des Haushalts 2008 gegenfinanziert.<br />
Zugegeben, ein präzises Finanzierungsprogramm der Beschlüsse<br />
vom Wochenende wird noch weiter zu leisten sein, das ist im Übrigen<br />
ganz normal bei Parteitagsbeschlüssen. Einige Dinge, z.B. die<br />
konzeptionelle Gestaltung einer Kindergrundsicherung und der Familienförderung,<br />
müssen auch noch präziser gefasst werden. Von daher &#8211;<br />
mein letzter Satz hierzu: Für uns Grüne gilt das Prinzip<br />
der Gegenfinanzierung. Wir werden unsere sozial- und bildungspolitischen<br />
Ziele nicht gegen eine nachhaltige Haushaltspolitik ausspielen.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Noch eine Information: Während<br />
des Chats haben wir einen kleine Umfrage gemacht: &quot;Hat die<br />
Große Koalition den Sparkurs aufgegeben?&quot; Da ist das<br />
Chat-Publikum doch gespalten: 46 Prozent meinen ja, 54 Prozent nein.<br />
60 Minuten tagesschau-Chat sind vorbei – vielen Dank an Frau<br />
Hajduk, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen sind. Das tagesschau-Chat-Team<br />
freut sich, wenn Sie wieder dabei sind. Einen schönen Tag noch<br />
wünschen tagesschau.de und politik-digital.de.
</p>
<p>
<b>Anja Hajduk</b>: Es hat viel Spaß gemacht!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Tempolimit für den Klimaschutz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Georg Babing]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Nov 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
		<category><![CDATA[tagesschau.de]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Troge]]></category>
		<category><![CDATA[Atomkraftwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Tempolimit]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltbundesamt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="teaser">
Am Mittwoch, dem 21. November, war Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über Energiequellen, Umweltschutz und forderte ein Tempolimit auf Autobahnen.
</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="teaser">
Am Mittwoch, dem 21. November, war Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über Energiequellen, Umweltschutz und forderte ein Tempolimit auf Autobahnen.
</p>
<p><!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Liebe Umwelt- und Politik-Interessierte,<br />
herzlich willkommen im tagesschau-Chat. Der vierte Bericht des Weltklimarat<br />
ist verabschiedet und seine Aussage ist klar: Der Klimawandel kommt<br />
und möglicherweise schneller und intensiver als bislang gedacht.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich einen höchst<br />
kompetenten Gast zum Thema Klimawandel und praktischer Umweltschutz:<br />
Den Präsidenten des Umweltbundesamtes, Andreas Troge. Herzlichen<br />
Dank Herr Troge, dass Sie sich Zeit für den Chat mit den Usern<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de nehmen. Können wir<br />
loslegen, Herr Troge?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Ja!
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="/salon/photos/atroge85x.jpg" alt="Andreas Troge" height="120" width="85" /><br />
<i>Andreas Troge<br />
Präsident des Umweltbundesamtes</i>
</p>
<p align="left">
<b>Bummi:</b> Wie wird das Umweltbundesamt<br />
in der Bundesregierung gehört, was zählt Ihre Expertise<br />
dort?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Die Expertise zählt zumeist<br />
im besonderen Maße, was langfristige Wirkung angeht: Beispielsweise<br />
haben wir zum Thema Waldschäden bereits in den siebziger Jahren<br />
unsere Expertisen geliefert, kurz nach Gründung des Amtes.<br />
Im Jahre 1986 ist dies erst in praktische Politik, also in Gesetze<br />
zu Entstickung und Entschwefelung der Kraftwerke, gegossen worden.
</p>
<p>
Wir sind im Grunde die größte Bundesfacheinrichtung<br />
und unterstützen die Bundesregierung in allen fachlichen Fragen,<br />
außer Strahlenschutz / Reaktorsicherheit und speziellen Fragen<br />
des Naturschutzes. Unser Leitbild ist &quot;Für Mensch und<br />
Umwelt&quot;, wir schützen also die menschliche Gesundheit<br />
vor Umwelteinflüssen und kümmern uns um die natürlichen<br />
Lebensgrundlagen, wie es das Grundgesetz in Artikel 20 a verlangt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das Beispiel Waldschäden: In den<br />
1970er Jahren kommen die Studien, Mitte der 1980er passiert was,<br />
ist das immer noch das Tempo der Politik?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Ja, wir erleben es beim Klimawandel.<br />
Die Warnungen kommen hier aus Mitte der Achtziger Jahre und wir<br />
haben erst im Jahre 1997 die völkerrechtliche Vereinbarung,<br />
das Kyoto-Protokoll, unterschrieben. Wenn ich sage &quot;wir2, dann<br />
sind das weit über hundert Staaten, von denen alle Industriestaaten<br />
Verpflichtungen eingegangen sind, ihre Treibhausgasemmissionen um<br />
durchschnittlich fünf Prozent bis 2012 gegenüber 1990<br />
zu vermindern.
</p>
<p>
Wir erleben diese langen Wirkungszeiträume in der Politik<br />
auch bei der Chemikaliengesetzgebung: Erst im letzten Jahr beschloss<br />
die Europäische Union, alle auf dem Markt befindlichen ungeprüften<br />
(über 30.000) Chemikalien daraufhin zu prüfen, ob sie<br />
der Natur und der menschlichen Gesundheit auch keine Schäden<br />
zufügen. Und das, obwohl die Wissenschaften schon lange vor<br />
Gründung des Umweltbundesamtes im Jahre 1974 die Chemikalienrisiken<br />
erkannten. Auch Politiker sind Erfahrungswesen.
</p>
<p>
<b>Klima2004: </b>Die Klimasituation hatte sich bereits<br />
2004 deutlich abgezeichnet. Schröder hatte die Klimaschutzpläne<br />
der Bundesregierung im April 2005 dennoch abgeschrieben. Warum findet<br />
die Diskussion erst 2007 statt? Geben die Lobbygruppen der Industrie<br />
das politische Handeln vor?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Die Lobbygruppen geben das Handeln<br />
nicht vor, denn sonst wären wir noch nicht so weit. Sie grätschen<br />
allerdings in progressive Vorschläge hinein. Klimaschutz findet<br />
in Deutschland aktiv seit Anfang der 1990er Jahre statt. Ich erinnere<br />
daran, dass der damalige Bundeskanzler Kohl gesagt hat, wir wollen<br />
die CO²-Emissionen bis 2005 um 25 Prozent gegenüber 1990<br />
senken. Dieses Ziel haben wir nicht ganz erreicht, aber wir werden<br />
unser Ziel erreichen bis 2012 alle sechs Treibhausgase zu reduzieren,<br />
und zwar um 21 Prozent. Hier ging es früh los und die neuen<br />
Beschlüsse der Bundesregierung &#8211; Stichwort Kabinettsklausur<br />
Meseberg &#8211; sind eine wesentliche Stärkung des klimapolitischen<br />
Trends.
</p>
<p>
<b>John Harris:</b> Was können wir tun, um die Macht<br />
von den Lobbys, die gegen den Klimaschutz arbeiten, zu brechen?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Indem man mit den Lobbys nicht<br />
umgeht nach dem Sumoringer-Prinzip, sondern nach dem JiuJitsu-Prinzip,<br />
also nicht Kraft gegen Kraft, sondern mit der Kraft wirken. Symptomatisch<br />
ist hier die europäische Automobilindustrie das Beispiel. Die<br />
Märkte der europäischen und der weltweiten Autoindustrie<br />
liegen in der Motorisierung sich stark entwickelnder Länder.<br />
Die Motorisierung läuft dort ähnlich ab wie bei uns in<br />
den 1950er Jahren, kleine verbrauchsarme Autos machen die Massenmotorisierung<br />
aus.
</p>
<p>
Ein Automobilangebot, das auf Surpreme-Fahrzeuge setzen würde,<br />
kickte sich aus dem Weltmarkt weitgehend heraus. Deshalb ist die<br />
Botschaft des Klimaschutzes: Wer zukünftig Geld verdienen will,<br />
muss energiesparsame Produkte anbieten, sonst ist er vom Markt weg.<br />
Schönes Beispiel sind die erneuerbaren Energien. Deutschland<br />
hat 1990, als noch ein gewisser Herr Töpfer Umweltminister<br />
war, ein Stromeinspeisegesetz für Windenergien beschlossen.<br />
Dann kam das Erneuerbare-Energien-Gesetz in den 1990ern, setzte<br />
auf das alte Stromeinspeisegesetz auf und heute haben wir hoch effiziente<br />
Windenergieanlagen. Ohne diesen Vorlauf wären wir heute nicht<br />
Weltmarktführer und Exportweltmeister in Windenergieanlagen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein bisschen provokativ gefragt:
</p>
<p>
<b>Ruupe:</b> Die Prognosen lauten auf einen Energiebedarf<br />
von weiteren circa 50 Prozent in den kommenden Jahren. Um wie viel<br />
lässt sich dieser weltweite Mehrbedarf reduzieren, wenn ich<br />
Energiesparlampen reindrehe?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge: </b>Das ist das typische Argumentationsmuster,<br />
das wir in jeder Politik, nicht nur in der Klimapolitik, haben.<br />
Welchen Teil macht mein möglicher Beitrag zum Gesamtziel aus?<br />
Jeder Beitrag ist nur klein, aber setzt auch Vorbilder für<br />
andere und regt zum Nachahmen an. Insbesondere dann, wenn man mit<br />
Energiesparlampen, rechnet man Einkaufspreis und Strom zusammen,<br />
richtig Geld sparen kann. Wie ich es gestern mal wieder in einer<br />
Talkrunde gehört habe: &quot;Warum ist der Flugverkehr im Klimaschutz<br />
so wichtig, da doch die Kohlekraftwerke viel mehr Co² ausstoßen?&quot;
</p>
<p>
Jetzt wird es für mich wichtig: Die Klimaänderung ist<br />
eine so große Bedrohung, dass wir gar nicht mehr fragen dürfen:<br />
&quot;Tun wir dieses oder jenes?&quot;, sondern uns aufraffen müssen,<br />
alles zu tun, was in unseren Kräften steht. Also weniger Kohlekraftwerke,<br />
weniger Treibhausgase aus dem Flugverkehr, sparsamere Autos, gedämmte<br />
Autos und gedämmte Häuser.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wir haben ja vor dem Chat wie immer<br />
Fragen gestellt: Das hier war die am höchsten bewertete:
</p>
<p>
<b>AGER e.V.</b>: In Deutschland sind mehr als 20 neue<br />
Kohlekraftwerke geplant. Der Co²-Ausstoß wird immens<br />
sein. Warum erlaubt die Regierung den Bau dieser Kraftwerke? Sind<br />
diese Emissionen in der aktuellen Co²-Kalkulationen für<br />
Deutschland schon enthalten? Wenn nicht, wären es zusätzliche<br />
Emissionen? Wo würde das Co² eingespart werden?</p>
<p><b>Andreas Troge:</b> Erstens: Nach meiner Kenntnis sind<br />
momentan neun Kraftwerke, davon drei Gaskraftwerke, geplant oder<br />
in Bau, die bis zum Jahr 2012 ans Netz gehen. Es gibt andere Zahlen,<br />
die reden von 20 &#8211; 40 Kraftwerken. Dabei handelt es sich bei diesen<br />
anderen höheren Zahlen um bloße Absichtserklärungen,<br />
die bei der deutschen Netzagentur angemeldet werden.
</p>
<p>
Warum verhindert die Bundesregierung keine Kohlekraftwerke? Die<br />
einfache Antwort wäre, jeder, der ein Kohlekraftwerk haben<br />
möchte, kann eines bauen, falls er die Anforderung nach dem<br />
Imissionsschutzrecht und die örtlichen Voraussetzungen erfüllt.<br />
Also genügend Kühlwasser, Zufahrtsmöglichkeiten und<br />
die Beachtung der Lärmbelästigung. Trotzdem regulieren<br />
die Bundesregierung und die Europäische Union Kohlekraftwerke,<br />
aber aus einer ganz anderen Ecke, nämlich über den Emissionshandel.<br />
Der Emissionshandel beschränkt die Menge der jährlich<br />
aus Kraftwerken ausgestoßenen Kohlendioxidemission.
</p>
<p>
Man muss sich das so vorstellen: Ein großes Kraftwerk erhält<br />
ein Emissionszertifikat, also eine Berechtigung Emissionen auszustoßen<br />
(beispielsweise 2,5 Millionen Tonnen). Diese Menge hat die Bundesregierung<br />
jetzt herabgesetzt, um 57 Millionen Tonnen für Gesamtdeutschland.<br />
Das bedeutet beispielsweise, dass ein Kraftwerk nicht mehr zwei<br />
Millionen Tonnen für ein Jahr bekommt, sondern 1,9. Das heißt,<br />
es muss, wenn es weiterhin zwei Millionen ausstoßen wollte,<br />
sich von einem anderen Kraftwerk Emissionsberechtigungen kaufen<br />
in Höhe von 100.000 Tonnen. Das macht Kohle teuer.
</p>
<p>
Zweitens wird ab 2013 aller Voraussicht nach kein Zertifikat, keine<br />
Emissionsberechtigung, mehr unentgeltlich vom Staat an die Stromerzeuger<br />
gegeben, sondern nur noch gegen Entgelt. Der Preis für die<br />
2008er Zertifikate liegt zur Zeit zwischen 21 und 23 Euro pro Jahrestonne<br />
Co². Das heißt, wer Kohlendioxid ausstößt,<br />
muss die immer knapper werdenden Zertifikate zu immer höheren<br />
Preisen kaufen. Das macht Kohle immer weniger konkurrenzfähig<br />
und zwar aus Klimaschutzgründen, so dass die Antwort auf die<br />
Frage heißt: Die Bundesregierung regelt nicht das einzelne<br />
Kraftwerk, sondern die Gesamtmenge des Kohlenstoffdioxidausstoßes<br />
aller Kraftwerke. Welches Kraftwerk wie stark Strom produziert,<br />
hängt dann von den wirtschaftlichen Überlegungen der einzelnen<br />
Kraftwerksbetreiber ab. Den Umweltschützern kommt es aber auf<br />
eines an: Mit der Co²-Menge pro Jahr, die wir ausstoßen,<br />
muss es runter gehen, egal wo Co² herkommt und aus welchem<br />
Kraftwerk.
</p>
<p>
Meine Prognose ist, jeder Investor ist heute schlecht beraten,<br />
ein Kondensationskraftwerk neu zu bauen, also ein Kraftwerk, das<br />
nur Strom produziert und die Wärme in die Umwelt entlässt,<br />
weil diese Kraftwerke pro Kilowattstunde viel Co² ausstoßen<br />
und wertvolle Zertifikate brauchen, die man sonst am Markt verkaufen<br />
könnte oder nicht kaufen müsste. Kohlekraftwerke haben<br />
eine Zukunft als dezentrale, relativ kleine Kraftwärmekopplungsanlagen.
</p>
<p>
<b>Smallville:</b> Bezogen auf die Frage mit den Kraftwerken:<br />
Wurden bei der Einführung des Emissionshandels nicht erhebliche<br />
Fehler gemacht? Schließlich liegt der Preis pro Tonne Co²<br />
aktuell bei gerade mal fünf Cent?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Ja und Nein. Ja deshalb, weil wir<br />
rückblickend sagen können, dass zuviel Zertifikate vor<br />
allem auch noch kostenlos verteilt worden sind. Nein, weil damals<br />
niemand wusste, wie viel Co²die einzelnen Kraftwerke ausstießen.<br />
Und nein auch deshalb, weil es damals (im Jahre 2003/2004) überhaupt<br />
um die Frage ging, einen Emissionshandel einzuführen. Denn<br />
die Ausgangslage hieß, jedes Kraftwerk durfte unentgeltlich<br />
so viel Co² ausstoßen, wie es wollte &#8211; und betrachtete<br />
dies als sein Eigentumsrecht. Plötzlich kam der Staat und sagte<br />
&quot;Du darfst das nicht mehr unbegrenzt ausstoßen, Kraftwerksbetreiber&quot;<br />
und da war es klug, zwei Dinge zu tun: Erstens: die Menge nicht<br />
allzu sehr zu verkürzen, die jährliche Emissionskraft<br />
nicht zu sehr zu verkürzen, weil der Widerstand sonst enorm<br />
gewesen wäre. Und zweitens: die Zertifikate auch unentgeltlich<br />
zu verteilen.
</p>
<p>
Jetzt ist die Situation eine andere: Das Umweltbundesamt weiß<br />
genau, wie viel Co² die Kraftwerke pro Jahr ausstoßen.<br />
Und wir wissen also genau, wenn wir diese Gesamtmenge um zehn oder<br />
20 Prozent reduzieren, was dieses für Kraftwerke bedeutet und<br />
was für Größenordnungen das sind. Im Schritt von<br />
2007 zu 2008 gibt es 57 Millionen weniger Erlaubnisse, Co²<br />
zu emittieren. Das heißt, der Preis steigt und jetzt können<br />
wir aus diesem Gelernten herangehen: Wir als Umweltbundesamt empfehlen<br />
der Bundesregierung in jedem Jahresschritt (Emissionshandelsperiode)<br />
um gut 50 Millionen weitere Tonnen herunterzugehen, was die Gesamtemissionen<br />
an Co² angeht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie haben gerade den Investoren von<br />
Kohlekraftwerken einen guten Rat gegeben &#8211; wie ist das Echo aus<br />
der Industrie? Wird dieser Rat angenommen? Die medialen Proteste<br />
der Stromkonzerne aus der letzten Zeit sprechen da eher dagegen.
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Ein Rat wird erst angenommen, wenn<br />
man im Grunde mit dem letzten Finger am Brunnenrand hängt.<br />
Will heißen, solange die Europäische Union &#8211; das will<br />
sie Anfang des Jahres machen &#8211; nicht den Entwurf einer neuen Emissionshandelsrichtlinie<br />
vorgelegt haben wird, werden die Co²-Emittenten ihre Lobbyposition<br />
verteidigen. Das ist das übliche Geschäft.
</p>
<p>
Ich bin dennoch guten Mutes, dass die kaufmännische Einsicht<br />
darin, wie teuer Kohlekraftwerke sind, die nur Strom produzieren<br />
und nicht gleichzeitig Wärme, dazu führen wird, das viele<br />
Kraftwärmekopplung machen. Weil nur dies im europäischen<br />
Rahmen wettbewerbsfähige Strompreise bringt. Die Industrie<br />
hat das lange erkannt. Sie baut nämlich praktisch ausschließlich<br />
Kraftwärmekopplung, sei es mit Kohle, sei es mit Gas. Deshalb<br />
ist es wichtig, dass die Bundesregierung jetzt mit einem neuen Kraftwärmekopplungsgesetz<br />
diese Tendenz in Richtung Kraftwärmekopplung stärkt und<br />
auch Industrieanlagen, die nicht das öffentliche Stromnetz<br />
bedienen, mit einbezieht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zur beliebten Tempolimit-Debatte:
</p>
<p>
<b>hanswurschd:</b> Warum wird immer der Pkw-Fahrer verteufelt<br />
und soll Schuld an allem sein, speziell der Dieselfahrer?
</p>
<p>
<b>Hacken:</b> Macht ein Tempolimit auf Autobahnen Sinn,<br />
um das Klima zu schützen, oder ist der Preis eines Tempolimits<br />
zu hoch, um einen zu geringen Anteil der Co²-Ausstöße<br />
zu verhindern?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Zum ersten Aspekt: Niemand verteufelt<br />
Pkw-Fahrer oder Dieselfahrer, sondern wir fragen ganz vernünftig<br />
nicht nach Schuld, sondern nach dem möglichen Beitrag zum Klimaschutz.<br />
Richtig ist, dass das Bundesumweltamt weniger die öffentliche<br />
Debatte, sondern alle Co²-Quellen im Blick hat &#8211; übrigens<br />
schon im September 2005 umfangreich publiziert (auf der Internetpräsenz<br />
des Umweltbundesamtes finden sich 21 Thesen zum Thema &quot;Klimaschutz<br />
im 21. Jahrhundert&quot;). Ich sage nur zwei Dinge: Wir brauchen<br />
alle Beiträge möglichst schnell, um mit den Treibhausgasemissionen<br />
herunterzukommen.
</p>
<p>
Denn die internationale Wissenschaftsgemeinde sagt, wir müssen<br />
die nächsten fünfzehn Jahren nutzen, um einen Temperaturanstieg<br />
um mehr als zwei Grad global bis Ende des Jahrhunderts zu vermeiden.<br />
Beim Diesel geht es um alle Diesel, Pkw, Lkw, Bahn, Schiffe &#8211; überall<br />
muss der Ruß verringert werden. Manches können wir in<br />
Europa (Pkw, Lkw), manches können wir allein in Deutschland<br />
(Bahn), manches können wir nur im Rahmen der UN (Schiffe).<br />
An allem sind wir dran (die Bundesregierung).
</p>
<p>
Was bringt das Tempolimit auf Autobahnen? Es bringt nach unseren<br />
(allerdings etwas alten Berechnungen) etwa drei Millionen Tonnen<br />
weniger Co² pro Jahr in Deutschland. Bei Tempo 120, bei Tempo<br />
130 vermutlich etwas weniger. Zum Vergleich: Das Gebäudesanierungsprogramm<br />
der Kreditanstalt für Wiederaufbau zum Energiesparen in unseren<br />
Wohnungen brachte im letzten Jahr knapp eine Million Tonnen.
</p>
<p>
Auch hier gilt: Jeder Beitrag zählt. Insbesondere weil jede<br />
Erneuerung langlebiger Güter wie Häuser (100 Jahre Lebenserwartung),<br />
wie Autos (12 Jahre Lebenserwartung) sehr lange braucht, bis die<br />
energiesparenden Güter den jeweiligen Bestand prägen.<br />
Also, wir brauchen etwa zwölf Jahre ab 2012 gerechnet, bis<br />
alle Pkw im Durchschnitt nur noch 130 Gramm Co² pro Kilometer<br />
ausstoßen.
</p>
<p>
Ein Tempolimit wirkt (nachdem sich die Fahrerinnen und Fahrer an<br />
intensivere Geschwindigkeitskontrollen gewöhnt haben), etwa<br />
schon nach zwei bis drei Jahren. Und beim Tempolimit nicht zu vergessen:<br />
Wer weiß, dass er nicht mehr als 120 oder 130 fahren darf<br />
und bei 150 bis 160 richtig Punkte und Fahrverbote bekäme,<br />
kommt vielleicht auf die Idee, dass das nächste Auto nicht<br />
unbedingt über 200 fahren muss &#8211; und schon deshalb (geringere<br />
Motorisierung, leichtere Bauweise) viel weniger Sprit als das Hochleistungsauto<br />
braucht.
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Zur Frage der Kontrolle ein Kommentar<br />
von:
</p>
<p>
<b>ingmar:</b> Ich habe Angst vorm Tempolimit &#8211; nicht<br />
weil ich dann nicht mehr rasen kann, das werde ich immer noch können.<br />
Angst habe ich vor der Technik, die das Tempolimit kontrollieren<br />
werden wird (siehe momentane Diskussion um Kennzeichenerfassung).
</p>
<p>
<b>Andreas Troge: </b>Wenn Sie sich ans Tempolimit halten,<br />
haben Sie ja keine Personenkontrolle zu fürchten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Tempolimit: Wird die öffentliche<br />
Diskussion von Seiten der Politiker fair geführt? Eigentlich<br />
sollte man meinen: &quot;Zahlen lügen nicht&quot;?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Soweit Politik überhaupt fair<br />
ist, wird die Diskussion fair geführt. Ich gestehe ja auch<br />
freimütig: Leider sind die Zahlen die wir aus dem Verkehrsministerium<br />
haben von 1993. Wir argumentieren mit alten Zahlen, weil es leider<br />
keine neue amtliche Statistik oder amtliche Erhebung gibt. Nämlich<br />
erstens, wie lang sind die Strecken ohne Tempolimit auf deutschen<br />
Autobahnen? Zweitens: Wie viel Fahrstrecke passiert auf diesen Autobahnabschnitten?<br />
Und drittens: Wie viele Autos fahren über 120, über 130,<br />
über 150 und welche Autos sind dies? Wir stoßen jetzt<br />
gerade eine neue Untersuchung an und können dann berechnen,<br />
wie viel Co² ein Tempolimit von 130 oder 120 erbrächte.<br />
Meine Erwartung: Weil die Autobahnen immer mehr Verkehr anziehen<br />
und die Fahrzeuge immer mehr PS unter der Motorhaube haben, dürfte<br />
die Tendenz des Co²-Ausstoßes aus Pkw heute eher nach<br />
oben denn nach unten gehen.
</p>
<p>
<b>Smallville:</b> Zum Tempolimit: Aber es gibt doch<br />
auch andere Länder mit Tempolimit (USA) und dort werden trotzdem<br />
Autos gekauft und gebaut, die deutlich schneller fahren können.<br />
Ist es nicht blauäugig zu denken, dass man die Menschen so<br />
zu einem anderen Verhalten anregt?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Blauäugig nicht. Der Umstand,<br />
dass schnell fahrende Fahrzeuge auch in den USA zugelassen sind,<br />
zeigt ja im Grunde, dass unser Premium-Sortiment bei schnellen und<br />
starken Fahrzeugen nicht davon abhängt, dass wir freie Fahrt<br />
auf deutschen Autobahnen zulassen. Wir sind Gewohnheitstiere. So<br />
lange wir daran gewöhnt sind, jede Geschwindigkeit zu fahren,<br />
die das Auto hergibt, werden wir dies auch immer mal tun. Und dieses<br />
„immer mal“ führt dazu, dass die Geschwindigkeitsdifferenzen<br />
zwischen langsamen und schnellen Fahrzeugen (Pkw) auf den Autobahnen<br />
größer werden. Weil diese Geschwindigkeitsdifferenzen<br />
größere Abstände brauchen, sinkt damit die Aufnahmekapazitäten<br />
der Autobahnen. Dies drängt zu Ausbau und Neubau.
</p>
<p>
Wer also die natürlichen Lebensgrundlagen schonen will, sollte<br />
für einen gleichmäßigeren Verkehr auch auf unseren<br />
Autobahnen plädieren. Vor allen Dingen deshalb, weil damit<br />
das Risiko von Unfällen mit Todesfolge oder schweren Verletzungen<br />
um etwa einen Drittel abnimmt. Wir werden uns an das Gleichmäßige<br />
gewöhnen, wie uns viele deutsche Schnellfahrer erklären,<br />
die mal einige Monate in den USA lebten.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Den zweiten Teil der Frage haben Sie<br />
ja schon beantwortet, aber der erste Teil ist noch offen:
</p>
<p>
<b>KeinRaser:</b> Ist die Forderung nach einem Tempolimit<br />
gerade in Deutschland nicht superschwierig durchzusetzen? Was würde<br />
das Limit für die Umwelt bringen?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Prognostizieren Sie doch mal: In welchem<br />
Jahr kommt das Tempolimit?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge</b>: Also ich habe Zeit. Das Umweltbundesamt<br />
fordert dies seit mehr als fünfzehn Jahren. Ich rechne in den<br />
nächsten fünf Jahren damit.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Weil es auch in unserem Einführungstext<br />
stand: Zurück zur Kohle und Akw-Diskussion:
</p>
<p>
<b>emjay:</b> Es wird immer gern die Kernenergie als<br />
alternative klimafreundliche Energie angegeben. Dabei handelt es<br />
sich bei der Annahme, wie viel spaltbares Material tatsächlich<br />
abbaubar ist, nur um grobe, vielleicht auch zu optimistische Schätzungen.<br />
Womit sollen wir aber heizen / PCs betreiben et cetera?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Eine Faustregel, die wir seit einigen<br />
Jahren als ein Ziel im Umweltbundesamt vorgeschlagen haben: Bis<br />
2050 50 Prozent weniger Primärenergieverbrauch durch Energieeffizienz<br />
und hiervon 50 Prozent Anteil erneuerbare Energien, Restgas und<br />
Kohle. Das würde uns erlauben, die Kohlenstoffdioxidemissionen<br />
in Deutschland um 80 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Wie<br />
es bereits die Enquete-Kommission „Vorsorge zum Schutz der<br />
Erdatmosphäre“ 1989 öffentlich formulierte: Es gibt<br />
noch Konstanz in der Entwicklung.
</p>
<p>
Wer auf Kernenergie setzt, der sagt im Grunde, wir machen nur noch<br />
&quot;Umweltschutz ist Klimaschutz&quot;. Kernenergie hat aber Strahlenrisiken,<br />
durch im Betrieb normale Unfälle, durch Terroranschläge<br />
(also vorsätzliche Unfälle &#8211; ich hoffe, so etwas kommt<br />
nie) und letztlich durch die Frage &quot;Was machen wir mit den<br />
Abfällen?&quot;. Eine Frage, die wir in Deutschland noch nicht<br />
beantwortet haben.
</p>
<p>
Wir müssen aufpassen, dass wir mit der weiteren Nutzung von<br />
Kernenergie das Klimarisiko nicht durch das Strahlenrisiko ersetzen.<br />
Um ein Beispiel zu geben: Eine mit Biomasse betriebene Kraftwärmekopplung<br />
hat ähnlich niedrige Kohlendioxidwerte wie ein Kernkraftwerk.<br />
Und in der weltweiten Betrachtung gilt vor allem: Wer Kernenergie<br />
weltweit durch Zubau von Kraftwerken nutzen will (wir haben jetzt<br />
etwa 440) müsste schon in Größenordnungen von etwa<br />
1000 kommen. Die Uranreserven hierfür wären zu erschließen,<br />
mit dem Effekt wesentlich höherer Kosten. Und sie würden<br />
nicht reichen, denn wir müssten dann in die Wiederaufarbeitung<br />
gehen. Die Wiederaufarbeitung ist einer der chemisch und energetisch<br />
intensivsten Prozesse, die wir kennen. Anders formuliert: Die Verallgemeinerung<br />
der Kernenergie zum Klimaschutz lässt nicht nur das Strahlenrisiko<br />
wachsen, sondern auch das Klimaproblem.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Noch mal aus dem unserem &quot;Warteraum&quot;<br />
ganz konkret zum Thema Auto:
</p>
<p>
<b>ReneWabel:</b> Elektroautos bzw. Plug-In-Fahrzeuge<br />
&#8211; Wie kann man die Marktdurchdringung unterstützen?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Ich darf zunächst mal sagen,<br />
bei Elektroautos sind wir beim Umweltbundesamt sehr optimistisch,<br />
dass wir im nächsten Jahr bei Lithium-Ionen-Akkus vorankommen.<br />
Die sind zu begünstigen beispielsweise durch eine Kraftfahrzeugssteuer,<br />
die sich neben den üblichen Schadstoffen auf den Co²-Ausstoß<br />
der Fahrzeuge bezieht. Gleiches gilt übrigens für eine<br />
zweite hoffnungsstimulierende Entwicklung, nämlich den Gasantrieb<br />
mit Hilfe biogenerzeugten Gases. Hier haben wir mit der Markteinführung<br />
von Erdgasautos und Tankstellen schon eine gewisse Infrastruktur<br />
geschaffen, die auch von Biogas zu nutzen ist.
</p>
<p>
Nicht zuletzt deshalb ist es ein Fortschritt, dass die Bundesregierung<br />
die Einspeisung von Biogas ins Erdgasnetz fördern will. Denn<br />
man muss ja nicht rein Bio fahren, sondern kann das auch gemischt<br />
machen. Vorteil der Biogasverwendung: Man kann die bisherigen Antriebe<br />
weitgehend nutzen und ich sagte eingehend: Was schnell geht, nutzt<br />
dem Klimaschutz doppelt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Mal ab von der Treibhausgas-Debatte:<br />
Welche Umweltthemen werden in der Öffentlichkeit zu wenig diskutiert?
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Zu wenig wird all das diskutiert,<br />
was uns aus der Umwelt krank macht. Lärm, Chemikalien in den<br />
Innenräumen und Feinstaub. Zu wenig diskutiert wird das Thema<br />
biologische Vielfalt, weil die Vielfalt des uns umgebenden Lebenden<br />
unsere eigene Existenz darstellt. Nur wenn wir Vielfalt haben, gleichen<br />
sich Risiken in unseren Lebensbedingungen aus und wir haben die<br />
Möglichkeit unser Leben (am Ende der Nahrungskette stehend)<br />
hierauf auszubauen.
</p>
<p>
Ein weiteres wichtiges Thema scheint mir das Thema &quot;Die Flächennutzung<br />
für Siedlung und Verkehr&quot; zu sein. Denn dieses haben wir<br />
noch nicht als Problem begriffen. Wir brauchen heute etwa 118 Hektar<br />
für Siedlung und Verkehr zusätzlich. Die Bundesregierung<br />
hat das Ziel, diesen Zusatzbedarf bis 2020 auf dreißig Hektar<br />
pro Tag zu drücken. Das bedeutet, wir müssen uns in unsere<br />
angestammten Siedlungsgebiete zurückziehen, um der Mitgeschöpflichkeit<br />
mehr Entfaltungsraum zu lassen. Denn das Besondere der biologischen<br />
Vielfalt ist, wir müssen sie praktisch um ihrer selbst schützen.<br />
Und logisch deshalb, weil wir nicht wissen, was sie uns –<br />
zukünftig &#8211; nutzen kann. Nicht, was sie uns heute nutzen kann,<br />
sondern die Nutzungsoption. Auch hier werden wir es ähnlich<br />
haben, wie beim Klimaschutz: Wirtschaftliche Erwägungen werden<br />
uns in die richtige Richtung bringen. Bei abnehmender Bevölkerung<br />
stellt sich nämlich die Frage, ob diese auf immer mehr Fläche<br />
verteilt werden sollte, denn pro Kopf stellen sich die Infrastrukturkosten<br />
(Wasser, Abwasser, Gas, Strom, öffentlicher Personennahverkehr)<br />
progressiv.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> 60 Minuten tagesschau-Chat sind leider<br />
schon wieder vorbei. Vielen Dank Herr Troge, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen sind. Das tagesschau-Chat -Team wünscht noch einen<br />
schönen Abend!
</p>
<p>
<b>Andreas Troge:</b> Herzlichen Dank!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>„Best of the Blogs“: Deutsche Welle zeichnet Weblogs aus</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/best-of-the-blogs-deutsche-welle-zeichnet-weblogs-aus-3501/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/best-of-the-blogs-deutsche-welle-zeichnet-weblogs-aus-3501/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Georg Babing]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Nov 2007 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Welle]]></category>
		<category><![CDATA[Best of the Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>
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					<description><![CDATA[Die „Deutsche Welle International Weblog Awards 2007“ (kurz: BOBs), mit denen der öffentlich-rechtliche Auslandsrundfunk seit 2004 jährlich besonders gelungene Blogs ehrt, wurden vergangene Nacht (Do, 15. November 2007) vergeben.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die „Deutsche Welle International Weblog Awards 2007“ (kurz: BOBs), mit denen der öffentlich-rechtliche Auslandsrundfunk seit 2004 jährlich besonders gelungene Blogs ehrt, wurden vergangene Nacht (Do, 15. November 2007) vergeben.<br />
<!--break--></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
Grundlage für die Preisvergabe waren einerseits ein Juryentscheid, andererseits eine Internetabstimmung. Auffällig ist, dass die Internetabstimmung und die Jury meilenweit<br />
auseinander liegen: Von den Jury-Favoriten tauchen nur äußerst wenige bei den Nutzer-Favoriten auf. Insgesamt vergab die Jury 15 Awards.
</p>
<p>
<a href="http://pphp.uol.com.br/marcelotas/html/index.shl" class="serendipity_image_link" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><br />
</a>
</p>
<div style="text-align: center">
<a href="http://pphp.uol.com.br/marcelotas/html/index.shl" class="serendipity_image_link" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/metablocker/uploads/blog_do_tas.jpg" border="0" height="211" hspace="5" width="250" /><br />
</a></p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p align="left">
„<a href="http://marcelotas.blog.uol.com.br/" title="Blog do Tas" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blog do Tas</a>“, ein Blog eines Schauspielers über brasilianische Politik, gewann den User-Weblog-Preis.
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
&nbsp;
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
<b>Die Jury-Gewinner:</b>
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
<b>Best Weblog:</b>
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
<a href="http://ak-bara.livejournal.com/" title="Foto-Griffoneurei" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Foto-Griffoneurei“</a>
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
Eine weißrussische Frau kommentiert mit Fotos und Texten den Alltag in ihrem Heimatland.
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
<b>Best Podcast:</b>
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
<a href="http://www.gefuehlskonserve.de/" title="Die Gefuehlskonserve" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Die Gefühlskonserve“</a>
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
Blogs, Hörbuchlesungen und Podcasts sind auf einer Seite zusammengestellt.
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
<b>Best Videoblog:</b>
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
<a href="http://www.aliveinbaghdad.org/" title="Alive in Baghdad" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Alive in Baghdad“</a>
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
US-amerikanische und irakische Korrespondenten berichten per Videoreportagen aus dem Irak.
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
<b>Reporter ohne Grenzen Award</b> (Auszeichnung für Blogs, die sich für Meinungsfreiheit einsetzen):
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
<a href="http://jotman.blogspot.com/" title="Jotman" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Jotman“</a>
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
Ein Blogger berichtet aus Krisengebieten der Erde, aktuell aus Burma.
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
<b>Blogwurst Award</b> (Auszeichnung für besonders schräge Blogs):
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
<a href="http://www.littlegalerie.org/" title="Little Galerie" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Little Galerie“</a>
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
Fotos zeigen winzige Figuren beim Besuch in einer Briefmarken-Gallerie.
</p>
<p>
<a href="http://www.littlegalerie.org/" class="serendipity_image_link" target="_blank" rel="noopener noreferrer"></p>
<div style="text-align: center">
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/metablocker/uploads/blog_galerie_1.jpg" border="0" height="468" hspace="5" width="389" />
</div>
<p></a>
</p>
<div class="serendipity_imageComment_txt">
<p>
<i>Screenshot des &quot;Little-Galerie&quot;-Blogs</i>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p align="left">
<b>Best Weblog Englisch</b>:
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
<a href="http://valour-it.blogspot.com/" title="Valour IT" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Valour-IT“</a>
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
Ein Blog, der zu Ehren eines im Irak verwundeten US-Army Captain erstellt wurde.
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
<br />
<b>Best Weblog Deutsch</b>:
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
<a href="http://www.behindertenparkplatz.de/" title="Behindertenparkplatz" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Behindertenparkplatz“</a>
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
Eine im Rollstuhl sitzende Journalistin berichtet über ihren Arbeitsalltag.
</p>
<div align="left">
</div>
<p align="left">
<br />
Außerdem gab es Preise für Blogs in den Sprachen Spanisch, Russisch,<br />
Portugiesisch, Niederländisch, Persisch, Französisch, Arabisch und<br />
Chinesisch.
</p>
</div>
</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Kand-O-Mat-Nutzer bewerten die Regierung</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/kand-o-mat-nutzer-bewerten-die-regierung-3487/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/kand-o-mat-nutzer-bewerten-die-regierung-3487/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Georg Babing]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Nov 2007 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Kand-O-Mat]]></category>
		<category><![CDATA[Kabinett]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach Franz Münteferings Rücktritt von seinen Ämtern muss sich das Bundeskabinett umstrukturieren - ein guter Anlass, nach einer Regierungshalbzeit der Großen Koalition die Ergebnisse des Kand-O-Mat zu analysieren. Über 12.000 eingegangene Bewertungen ergeben ein interessantes Bild der Wähler-Eindrücke; mit Müntefering verlässt einer der bis dato am sympathischsten eingeschätzte Politiker der Regierung die Große Koalition.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nach Franz Münteferings Rücktritt von seinen Ämtern muss sich das Bundeskabinett umstrukturieren &#8211; ein guter Anlass, nach einer Regierungshalbzeit der Großen Koalition die Ergebnisse des Kand-O-Mat zu analysieren. Über 12.000 eingegangene Bewertungen ergeben ein interessantes Bild der Wähler-Eindrücke; mit Müntefering verlässt einer der bis dato am sympathischsten eingeschätzte Politiker der Regierung die Große Koalition.<br />
<!--break--></p>
<p>
Die CSU als (Teil-)Partei steht mit deutlichem Vorsprung an erster<br />
Stelle der Sympathien. Auf dem zweiten Platz folgt die SPD, den<br />
dritten Rang belegt die Schwesterpartei der CSU, die CDU.
</p>
<p>
Wirft man einen Blick auf die Einzelwerte der Minister und Regierungschefs<br />
zeigt sich, dass für das gute Abschneiden der CSU Horst Seehofer<br />
(Minister für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft)<br />
und Michael Glos (Bundesminister für Wirtschaft und Technologie)<br />
mit ihren positiven Werten verantwortlich sind – von 16 Kandidaten<br />
belegt Seehofer einen guten zweiten, Glos einen knappen fünften<br />
Platz. Die meisten positiven Stimmen konnte aber Außenminister<br />
Franz-Walter Steinmeier (SPD) auf sich vereinen.
</p>
<p>
Der zurückgetretene Franz Müntefering war der zweitbeliebteste<br />
SPD-Politiker und kommt hinter Seehofer auf den dritten Platz. Weit<br />
hinten in der Tabelle steht hingegen Bundeskanzlerin Angela Merkel<br />
(CDU), die mit einigem Abstand nach oben auf dem 15 Platz liegt.<br />
Lediglich der Chef des Bundeskanzleramtes, Thomas de Maizière<br />
(CDU), hat schlechtere Werte und findet sich auf dem letzten Platz.
</p>
<p>
Wie die Nutzer über die Parteien abgestimmt haben können<br />
Sie folgender Darstellung entnehmen:
</p>
<p align="left">
<img decoding="async" src="/kand-o-mat_neu/abschluss2/nutzung_gesamt_parteien.jpg" height="220" width="402" />
</p>
<p>
Das Abstimmungsverhalten der Websitenutzer über die einzelnen<br />
Kandidaten finden Sie hier:
</p>
<p align="left">
<img decoding="async" src="/kand-o-mat_neu/abschluss2/nutzung_gesamt_kandidaten.png" height="616" width="461" /></p>
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