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	<title>rthurnher &#8211; politik-digital</title>
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	<title>rthurnher &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Es ist soweit &#8211; MovableType nach Serendipity :o)</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/metablockerarchives496-es-ist-soweit-movabletype-nach-serendipity-o-html-1466/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[rthurnher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Aug 2005 10:33:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Ab heute sind die politik-digital.de Weblogs Metablocker und Mierscheid auf eine neue Blog-Software umgestellt - Serendipity. Hierbei wurden sie, insbesondere (aber eben auch nicht "nur") was das Layout bzw. Design angeht, sozusagen einer Frischzellenkur unterzogen. Außerdem denken wir mit der Umstellung der Blogs, endlich das leidige Trackback-Spam-Problem in den Griff zu bekommen. Wir hoffen, dass die "neuen" pol-di Blogs Gefallen und Anklang finden werden und natürlich auch auf rege Beteiligung im Kommentarbereich.

]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ab heute sind die politik-digital.de Weblogs Metablocker und Mierscheid auf eine neue Blog-Software umgestellt &#8211; Serendipity. Hierbei wurden sie, insbesondere (aber eben auch nicht &#8220;nur&#8221;) was das Layout bzw. Design angeht, sozusagen einer Frischzellenkur unterzogen. Außerdem denken wir mit der Umstellung der Blogs, endlich das leidige Trackback-Spam-Problem in den Griff zu bekommen. Wir hoffen, dass die &#8220;neuen&#8221; pol-di Blogs Gefallen und Anklang finden werden und natürlich auch auf rege Beteiligung im Kommentarbereich.</p>
<p><!--break--><br />
Ein paar Anmerkungen zu Dingen, die es im Zuge der Umstellung zu beachten gilt:<br />
-> Die URLs der RSS-Feeds (2.0) haben sich geändert:<br />
Für Metablocker:<br />
<a href="http://www.politik-digital.de/metablocker2/feeds/index.rss2">http://www.politik-digital.de/metablocker2/feeds/index.rss2</a><br />
Für Mierscheid:<br />
<a href="http://politik-digital.de/mierscheid2/index.php?/feeds/index.rss2">http://politik-digital.de/mierscheid2/index.php?/feeds/index.rss2</a><br />
-> Die alten Permalinks bleiben weiterhin funktionierend bestehen.<br />
-> Einträge werden ab sofort nur mehr mittels der neuen Software veröffentlicht.</p>
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		<item>
		<title>&#8220;Ich bin dafür, dass Gerd Schröder Kanzler bleibt&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotich_bin_dafuer_dass_gerd_schroeder_kanzler_bleibtquot-180/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[rthurnher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Aug 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Olaf Scholz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, 17. August, war Olaf Scholz 
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. 
Er verteidigt die rot-grünen Reformen und betont, dass Gerd 
Schröder keine Neuwahlen wegen einer Blockade im Bundesrat 
wollte. Die Föderalismusreform müsse sein, um mehr Transparenz 
über Verantwortlichkeiten im Bund zu schaffen.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Mittwoch, 17. August, war Olaf Scholz<br />
zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Er verteidigt die rot-grünen Reformen und betont, dass Gerd<br />
Schröder keine Neuwahlen wegen einer Blockade im Bundesrat<br />
wollte. Die Föderalismusreform müsse sein, um mehr Transparenz<br />
über Verantwortlichkeiten im Bund zu schaffen.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute der SPD-Bundestagsabgeordnete<br />
und ehemalige SPD-Generalsekretär in der Redaktion von tagesschau.de<br />
in Hamburg. Herr Scholz, können wir beginnen?
</p>
<p class="normal">
<b>Olaf Scholz:</b> Guten Tag, ich bin<br />
bereit.
</p>
<p class="normal">
<b>hge3:</b> Sehr geehrter Herr Scholz,<br />
was halten Sie vom Kompetenzteam von Angela Merkel?
</p>
<p class="normal">
<b>Olaf Scholz:</b> Mir ist vor allem<br />
die Ernennung von Herrn Kirchhof aufgefallen, der ist sicher kompetent,<br />
aber er hat völlig unakzeptable politische Ansichten. Mit der<br />
Flat-Tax schlägt er einen völlig ungerechten Steuertarif<br />
vor. 25% als Höchststeuer ist maßlos ungerecht.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Gegen Herrn Beckstein<br />
als Innenminister dürften Sie nichts haben. Er ist öfter<br />
softer als Otto Schily?
</p>
<p class="normal">
<b>Olaf Scholz:</b> Richtig ist, dass<br />
Otto Schily ein guter Innenminister ist. Und deshalb wird er es<br />
auch bleiben.
</p>
<p class="normal">
<b>Superduper:</b> Herr Scholz, in Fachkreisen<br />
ist unbestritten, dass die Zukunft der Arbeit nicht mehr in der<br />
Vollbeschäftigung liegt, weil diese nicht mehr möglich<br />
ist. Wie wird die SPD ihre Reformen, die Zukunft der Arbeit mitgestalten?
</p>
<p class="normal">
<b>Olaf Scholz:</b> Es gibt ja viele<br />
Fachkreise. Und es gibt auch ganz viele, die keineswegs der Auffassung<br />
sind, dass Vollbeschäftigung unmöglich ist. Ich persönlich<br />
glaube, dass wir vor allem die Aufgabe haben, die Langzeitarbeitslosigkeit<br />
zu bekämpfen. Die Hälfte aller Arbeitssuchenden sucht<br />
länger als ein Jahr nach Arbeit. Das ist etwas, das wir mit<br />
Reformen &#8211; wie in anderen Ländern &#8211; richtig bekämpfen.<br />
Und zwar geht es um unsere Arbeitsvermittlungsreform, jetzt soll<br />
sich &#8211; nicht mehr wie früher- ein Arbeitsvermittler um 800<br />
Arbeitssuchende kümmern, sondern höchstens um 150.
</p>
<p class="normal">
<b>alterego:</b> Wie läuft Ihre<br />
Kampagne &quot;Rent-a-Olaf &quot;, Herr Scholz?<br />
Olaf Scholz: Ich habe keine Kampagne &quot;Rent a Olaf&quot;, aber<br />
ein netter Pressemann hat eine Wahlkampfaktivität so benannt.<br />
Ich habe nämlich den Bürgerinnen und Bürgern aus<br />
meinen Wahlkreis das Angebot gemacht, mich zu sich nach Hause einzuladen<br />
und ihre Nachbarn und Freunde dazu. Über 50 Termine sind bisher<br />
vereinbart und sie verlaufen ziemlich spannend &#8211; auch für mich,<br />
obwohl es fast immer 2 bis 3 Stunden geht.
</p>
<p class="normal">
<b>KarlBruchsal:</b> Wird der Wahlkampf<br />
nicht zur Farce? Jetzt wollen alle möglichen Leute auch TV-Duelle<br />
machen, will eigentlich irgendjemand sich noch um unsere Probleme<br />
kümmern?
</p>
<p class="normal">
<b>Olaf Scholz:</b> Ich glaube schon,<br />
dass die meisten Politikerinnen und Politiker sich um die Probleme<br />
der Bürgerinnen und Bürger kümmern wollen. Das gilt<br />
parteiübergreifend. Besonders gut tun das natürlich aus<br />
meiner Sicht die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten. Aber<br />
all die Extra-TV-Duelle haben bestimmt etwas mit der Eitelkeit der<br />
beteiligten Herren zu tun. Wichtig ist das TV-Duell Schröder-Merkel.
</p>
<p class="normal">
<b>kai 69:</b> Wie geht man auf Dauer<br />
mit den Linksparteien um?
</p>
<p class="normal">
<b>Olaf Scholz:</b> Die Linkspartei muss<br />
nicht verteufelt werden, aber man kann ganz sachlich festhalten,<br />
dass sie eine linke Ausprägung populistischer Parteien ist.<br />
Populismus lebt davon, den Menschen zu versprechen, es könne<br />
alles wieder so werden wie es einmal war, und die Realität<br />
auszublenden. Solche Parteien sind natürlich nicht koalitionsfähig.<br />
Von der Linkspartei wissen wir sogar, dass sie gar nicht will.
</p>
<p class="normal">
<b>pokerface:</b> Guten Tag Herr Scholz,<br />
wie erklären sie sich die Tatsache, dass die CDU trotz Stoibers<br />
Äußerungen in den jüngsten Umfragen in Ostdeutschland<br />
wieder zulegen konnte. Konnte die CDU gar wegen dieser Äußerungen<br />
zulegen?
</p>
<p class="normal">
<b>Olaf Scholz:</b> Das glaube ich nicht.<br />
Ich stelle fest, dass gegenwärtig viel Bewegung da ist. Viele<br />
Menschen sind ratlos, was sie wählen sollen, und das ist jetzt<br />
die Chance auch für die sozialdemokratische Partei. Weil der<br />
Wahlsieg von Schwarz-Gelb immer unwahrscheinlicher wird, kommt es<br />
eben auf jede Stimme an. Das wird hoffentlich dazu führen,<br />
das bis zur Wahl die Zustimmung zur Sozialdemokratischen Partei<br />
weiter wächst, damit das passieren kann, was die meisten Deutschen<br />
wünschen: Schröder bleibt Kanzler.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Glauben Sie, dass sie<br />
sich gegenüber dem Ergebnis von 2002 (38,5) sogar noch verbessern<br />
können?
</p>
<p class="normal">
<b>Olaf Scholz:</b> Vorhersagen sind<br />
schwierig, vor allem, wenn man gerade nicht in der Pole-Position<br />
steht. Aber es sind noch viele Wahlkampf-Runden zu drehen und ich<br />
bin guter Hoffnung, dass am Ende die Roten vorne liegen.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Woher kommt die Hoffnung?
</p>
<p class="normal">
<b>Olaf Scholz:</b> Ganz konkret ermutigen<br />
mich die täglichen Gespräche an Infoständen und auf<br />
Veranstaltungen. Da sind viele interessierte und freundliche Menschen.<br />
Und im Übrigen, um in dieser Wahl gewinnen zu können,<br />
musste die SPD zunächst erreichen, dass die Wahl nicht als<br />
schon längst gelaufen wahrgenommen wird. Das ist passiert.<br />
Jetzt überlegen sich viele Unentschlossene, ob sie nicht wählen<br />
gehen sollen und ob sie nicht erneut der SPD die Stimme geben.
</p>
<p class="normal">
<b>Ike:</b> Ich habe den Eindruck, dass<br />
die SPD immer, wenn sie in der Regierungsverantwortung steht ein<br />
fürchterlich zerstrittener Haufen ist. Hier könnte man<br />
von den Rechten lernen. Wenn es um die Macht geht stehen sie zusammen.
</p>
<p class="normal">
<b>Olaf Scholz:</b> Wem sagen Sie das?
</p>
<p class="normal">
<b>Hutte:</b> Hallo Herr Scholz, was<br />
ist dran an dem Gerücht, dass Sie in die Bundespolitik wechseln?<br />
Welche Chance bedeutet das für Sie?<br />
Olaf Scholz: Ich bin Bundespolitiker, wie den meisten schon aufgefallen<br />
ist. Zweimal habe ich meinen Wahlkreis in Hamburg-Altona mit sehr<br />
großem Vorsprung direkt gewonnen. Das will ich wieder tun.<br />
Danach sehen wir weiter.
</p>
<p class="normal">
<b>Hector:</b> Welche Rolle sehen Sie<br />
für sich in der SPD, wenn die Wahl für Ihre Partei verloren<br />
gehen sollte?
</p>
<p class="normal">
<b>Olaf Scholz:</b> Freuen sich alle<br />
darauf, dass ich das an verantwortlicher Stelle tue.
</p>
<p class="normal">
<b>Blubber:</b> Lieber Herr Scholz, welche<br />
Möglichkeiten sehen Sie, die immense Staatsverschuldung zu<br />
stoppen oder gar zu reduzieren. Kann man den Bürgern überhaupt<br />
noch finanzielle Versprechungen machen? Stichwort Elterngeld?
</p>
<p class="normal">
<b>Olaf Scholz:</b> Wir müssen die<br />
immense Staatsverschuldung reduzieren und dabei sind wir auch weiter<br />
gekommen, als es den äußeren Einruck macht. Trotz schlechter<br />
Konjunktur ist es uns nämlich gelungen, den Bundeshaushalt<br />
strukturell zu sanieren. Was noch unerledigt geblieben ist, ist<br />
meist am Widerstand der CDU und der FDP im Bundesrat gescheitert.<br />
Nach der Wahl können auch die CDU-Ministerpräsidenten<br />
angesichts ihrer eigenen Haushaltslage aber die Kooperation nicht<br />
mehr verweigern und wir werden weitere Fortschritte machen. Im Übrigen,<br />
das Elterngeld ist nicht sehr teuer, aber dringend notwendig. Deutschland<br />
muss es den vielen Paaren ermöglichen, so viele Kinder zu kriegen,<br />
wie sie gerne wollen. Das ist heute nicht so, und da hat Deutschland<br />
einen riesigen Nachholbedarf. Wenn es uns nicht gelingt, deutlich<br />
mehr Kinder in Deutschland zu haben, werden wir weder unseren Staatshaushalt<br />
noch die Sozialversicherung langfristig sanieren können.
</p>
<p class="normal">
<b>robotronic67:</b> Prima, die SPD wächst<br />
auf unglaublich 33 Prozent und dann reicht es wegen SPD-Renegat<br />
Lafontaine nur für eine Große Koalition. Sollten Sie<br />
das nicht mal den Leuten sagen?<br />
Olaf Scholz: Ich glaube schon, dass man den Leuten sagen muss, dass,<br />
wenn auf der Linken eine Partei gewählt wird, die nicht selber<br />
Politik machen will, sondern sich darauf beschränkt, eine kritische<br />
Stimme zu erheben und Forderungen aufzustellen, die niemand erfüllen<br />
kann, das politische Spektrum in Deutschland verengt wird. Deshalb<br />
stellen Sie diese Frage mal Herrn Lafontaine!
</p>
<p class="normal">
<b>hsiebert:</b> Was ist eigentlich Ihre<br />
Rolle im Wahlkampf?
</p>
<p class="normal">
<b>Olaf Scholz:</b> Ich mache einen!<br />
Überregional, im Fernsehen, in der Zeitung, Rundfunk und bei<br />
Chats und in meinem Wahlkreis.
</p>
<p class="normal">
<b>jackblack:</b> Moin moin, sagen Sie<br />
Herr Scholz, streben Sie eigentlich wieder nach höheren Ämtern<br />
für den Fall, dass die SPD doch besser als erwartet abschneidet?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Ich will erneut in den Bundestag<br />
einziehen und dann sehen wir alle gemeinsam, was geschieht.
</p>
<p>
<b>zaphod_beeblebrox:</b> Die Schröder-Ostpolitik<br />
habe ich vor ein paar Tagen in Dresden bewundern können: da<br />
ließ er sich feiern als Friedensfürst. Aber: wo ist die<br />
Ostpolitik der SPD?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Ich gebe zu, dass ich die Frage<br />
nicht verstehe. Die Ostpolitik ist von Sozialdemokraten überhaupt<br />
erst entwickelt worden. Zum Beispiel von Willy Brandt. Und Schröder<br />
ist zu Recht ein Friedenskanzler. Die Stärke, die er bewiesen<br />
hat, als es darum ging, Deutschland aus dem Irak-Krieg herauszuhalten,<br />
war und ist beeindruckend.
</p>
<p>
<b>scorpio2:</b> Sehr geehrter Herr Scholz, wie sehen<br />
Sie die Teilung Deutschlands in Ost und West? Stichwort: überzogene<br />
Stoiber-Äußerungen
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Die Aussagen von Stoiber waren peinlich<br />
und kommentieren sich eigentlich selbst. Am bedenklichsten finde<br />
ich, dass er vermutlich wirklich gesagt hat, was er denkt. Ich jedenfalls<br />
freue mich immer noch über die Deutsche Einheit.
</p>
<p>
<b>UrmelAusdemAll:</b> Können Sie verstehen, dass<br />
Menschen nicht zur Wahl gehen, weil sie von der Politik frustriert<br />
sind?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Kann ich. Ist trotzdem falsch. Wer<br />
sich nicht um die Politik kümmert, und sei es, alle vier Jahre<br />
zur Wahl, um den kümmert sich die Politik. Und das kann auch<br />
schlecht enden, z.B. wenn man sich vier Jahre schwarz ärgern<br />
muss. Im Übrigen will ich Ihnen sagen, dass ich glaube, dass<br />
die Frustration vieler Bürgerinnen und Bürger auch daher<br />
rührt, dass die Politikerinnen und Politiker überzogene<br />
Vorstellungen von ihren Handlungsmöglichkeiten vermitteln.<br />
Wir sind zwar nicht ohnmächtig aber auch nicht allmächtig.
</p>
<p>
<b>geophy:</b> Sie selbst mussten ja, was Ihre Karriere<br />
anbelangt, auch schon die eine oder andere Niederlage einstecken.<br />
Wirkt das innerhalb der Partei nach?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Ich habe den Eindruck, dass meine<br />
Arbeit in der SPD sehr weit geschätzt wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Verstehen Sie den Vorwurf, dass Sie<br />
bisweilen kühl wirken?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Persönlich nicht, aber letztlich<br />
muss sich jeder selbst ein Urteil bilden.
</p>
<p>
<b>Richtigwaehler:</b> Hatten sie wirklich ein Comeback<br />
innerhalb der SPD? Oder sehen sie das anders?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Alle schreiben, da wäre ein<br />
Comeback, dann ist das wohl so.
</p>
<p>
<b>kapitalfehler999:</b> In den Umfragen scheinen Stoibers<br />
Ossi-Äußerungen ja die Wähler nicht zu schocken,<br />
im Gegenteil. <br />
Olaf Scholz: Wir werden sehen. Ich glaube jedenfalls, dass &#8211; falls<br />
hinter den Äußerungen ein Kalkül gestanden haben<br />
sollte &#8211; es nicht aufgehen wird. In Deutschland will niemand eine<br />
&quot;Lega Nord&quot;, auch nicht als &quot;Liga Süd&quot;.
</p>
<p>
<b>olli1891:</b> Sehen Sie eher Chancen für eine<br />
Ampelkoalition als für eine Rot-Rot-Grüne?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Für Rot-Rot-Grün sehe<br />
ich keine Chance, und hielte das auch für einen Fehler.
</p>
<p>
<b>kern:</b> Herr Scholz, wäre es klug für<br />
Deutschland, sich mehr am skandinavischen sozialdemokratischen Modell<br />
zu orientieren (hohe Steuern, niedrige Lohnnebenkosten, gutes Bildungssystem<br />
etc.)?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Jedes Land muss seinen eigenen Weg<br />
gehen. Was wir von den skandinavischen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten<br />
lernen können, ist dass wir Bildung ganz in den Vordergrund<br />
schieben. Wir müssen investieren in die Köpfe, schon lange<br />
vor der Schule: in der Krippe, im Kindergarten, in Ganztagsschulen.<br />
Es darf nicht so sein, dass in Deutschland die Herkunft so sehr<br />
über die Bildungs- und Berufschancen von Menschen entscheidet,<br />
wie das heute der Fall ist. Wir können von den Skandinaviern<br />
auch in der Arbeitsmarktpolitik lernen. Das haben wir mit unserer<br />
Arbeitsvermittlungs-Reform umgesetzt. &quot;Hartz IV&quot; gibt&#8217;s<br />
da schon seit fast zehn Jahren. Bei dem Sozialstaat sollten wir<br />
den deutschen Weg, soziale Sicherheit über Sozialversicherung<br />
zu gewährleisten, nicht verlassen. Es ist unvorstellbar, dass<br />
wir das, was heute an Beiträgen zur Renten- und Krankenversicherung,<br />
zur Pflege- und Arbeitslosenversicherung geleistet wird, als Steuern<br />
erheben könnten. Es bedeutete eine Verdreifachung des Steuervolumens.<br />
Und wahrscheinlich wäre Mangel die Folge des Weges, den Sozialstaat<br />
durch Steuern finanzieren zu wollen. Deshalb fand ich und finde<br />
ich den mühsamen Weg, den Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge<br />
zu begrenzen, richtiger.
</p>
<p>
<b>User22:</b> Die Worte Schröders zum Iran-Konflikt<br />
sind der leicht zu durchschauende Versuch, mit der &quot;Friedenspartei<br />
&quot;-Nummer zu punkten. Warum hat ihn davon niemand abgeraten?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Schröders Aussagen zum Iran<br />
sind gefallen als eine Antwort und eine Aussage des Kanzlers notwendig<br />
waren. Was er gesagt hat, war richtig und wir haben ja auch gemerkt,<br />
dass kurz darauf die amerikanische Regierung diese Linie unterstützt<br />
hat und sogar die Opposition nach anfänglich anders lautenden<br />
Äußerungen, dem Kanzler beipflichten will.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Könnte die SPD von konkreteren<br />
Drohungen Bushs profitieren?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Die Sache ist zu ernst für<br />
solche Spekulationen.
</p>
<p>
<b>Hanna:</b> Inwiefern wäre eine Regierung SPD/Grüne<br />
noch eine Chance für eine handlungsfähige Regierung? s.<br />
Bundesrat
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Ich bedanke mich für die Frage.<br />
Ich habe mich nämlich sehr geärgert, dass das Verhältnis<br />
Bundestag-Bundesrat überhaupt für die Begründung<br />
der Neuwahlen herangezogen wurde. Schröder zum Beispiel hat<br />
das nicht gemacht. Man kann ja vieles über die letzten sieben<br />
Jahre sagen, nur nicht, dass es beim Stillstand von Helmut Kohl<br />
geblieben ist. Wir haben eine Einkommens-Steuerreform gemacht, die<br />
den Staat 50 Milliarden Euro kostet. Wir haben die Unternehmens-Steuer<br />
komplett neu organisiert. Wir haben eine substanzielle Rentenreform<br />
auf den Weg gebracht und mit einer weitreichenden Gesundheits-Reform<br />
den Anstieg der Beiträge verhindert. Mit der Arbeitsvermittlungsreform<br />
haben wir die größte Sozialreform der letzten 30 Jahre<br />
auf den Weg gebracht &#8211; eine längst überfällige übrigens.<br />
Wir haben das Lebenspartnerschaftsrecht geschaffen für Homosexuelle,<br />
das Staatsangehörigkeitsrecht neu geregelt und das Zuwanderungsrecht<br />
modernisiert. Wir sind aus der Atomenergie ausgestiegen. Ganz schön<br />
viel für angebliche Handlungsunfähigkeit. Die Wahrheit<br />
ist, dass das Verhältnis zwischen Bundestag und Bundesrat seit<br />
Ende der 70er Jahre meistens durch unterschiedliche Mehrheiten geprägt<br />
ist. Und deshalb brauchen wir eine Föderalismus-Reform auch<br />
nicht, weil Deutschland sonst nicht regiert werden kann, sondern<br />
deshalb, weil die Wählerinnen und Wähler durchschauen<br />
können müssen, wer was zu verantworten hat. Und das geht<br />
in den Hinterstuben des Vermittlungsausschusses oft verloren.
</p>
<p>
<b>Klassenfreund:</b> Wie überzeugt die SPD junge<br />
Paare, Kinder zu bekommen, in Zeiten von Arbeitslosigkeit?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Wir wollen niemanden überzeugen,<br />
Kinder zu bekommen. Wir wissen, die meisten Paare hätten gerne<br />
mehr Kinder, als sie tatsächlich bekommen. Und das liegt vor<br />
allem daran, dass Deutschland anders als viele andere Länder<br />
es den jungen Paaren nicht möglich macht, Beruf und Familie<br />
miteinander zu vereinbaren. Deshalb haben wir das Tagesbetreuungsausbaugesetz<br />
(Schrecklicher Name!) auf den Weg gebracht, damit junge Eltern zugleich<br />
berufstätig sein können und einen guten Platz für<br />
ihre Kinder haben. Deshalb diskutieren wir über Renate Schmidts<br />
Vorschlag mit dem Elterngeld. Und deshalb haben wir auch die Arbeitsvermittlungs-Reform<br />
auf den Weg gebracht. Wer seinen Arbeitsplatz verliert, soll nicht<br />
mehr einfach alleine gelassen werden, wie es früher der Fall<br />
war, sondern intensiv bei der Arbeitssuche unterstützt werden.<br />
Die Menschen brauchen Hoffnung und gut wäre, wenn keiner befürchten<br />
müsste, länger als ein Jahr arbeitslos zu bleiben, wenn<br />
er seinen Arbeitsplatz einmal verliert.
</p>
<p>
<b>Franz Josef II:</b> Wie erklären Sie sich &#8211;<br />
aktuelle Meldung der Bundesagentur für Arbeit von heute -,<br />
dass immer mehr Arbeitnehmer, Handwerker etc. nach Österreich,<br />
in die Schweiz etc. auswandern, obwohl Sie, die SPD &#8211; als vermeintliche<br />
&quot;Heilsbringer &quot; der Arbeiterklasse &#8211; an der Regierung<br />
sind?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Wir sind keine &quot;Heilsbringer&quot;,<br />
wir bemühen uns um gute Politik und haben uns getraut, die<br />
Augen vor den Problemen unseres Landes nicht zu verschließen.<br />
Deshalb haben wir viele Reformen auf den Weg gebracht, die nicht<br />
immer allen gefallen haben, aber dringend notwendig waren. Im Übrigen<br />
haben wir uns darum bemüht, durch Entbürokratisierung<br />
im Handwerksrecht auch mehr Arbeitsplätze in Deutschland möglich<br />
zu machen. Das ist am Widerstand der sonst als Deregulierer auftretenden<br />
Freunde von CDU und FDP gescheitert. Und natürlich gibt es<br />
noch ein wichtiges Thema: wir müssen die Schwarzarbeit mit<br />
allen Mitteln bekämpfen, der Ehrliche darf nicht der Dumme<br />
sein. Um das zu bewirken haben wir z.B. diese Aufgabe auf den Zoll<br />
übertragen, der auch mit polizeilichen Mitteln agieren kann.<br />
Jetzt gibt es einen richtigen Boom an Ordnungsgeldern und Strafanzeigen.
</p>
<p>
<b>Spdreform:</b> Herr Scholz, stimmen Sie mit mir überein,<br />
das der SPD mit der Änderung der Erwerbsstruktur nicht nur<br />
Stammwählerschichten, sondern auch eine theoretische Fundierung<br />
der modernen Sozialdemokratie abhanden gekommen sind? Wann wird<br />
diese Lücke endlich geschlossen?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Das ist mir ein wenig zu materialistisch<br />
gedacht. Richtig ist aber, dass wir uns heute fragen müssen,<br />
was die zentralen Gerechtigkeitsfragen der Zukunft sind. Aus meiner<br />
Sicht ist das neben der immer weiter bestehenden Aufgabe, soziale<br />
Sicherheit zu gewährleisten, vor allem die Teilhabe an Bildung<br />
und Arbeit.
</p>
<p>
<b>Student79:</b> These: Umfang, Sinn und Zweck z.B.<br />
von Hartz IV wird oft missverstanden. Frage: Sollte die nächste<br />
Bundesregierung nicht mehr Aufwand in Informationen über ihre<br />
Vorhaben für die Bevölkerung stecken, um die Menschen<br />
zu involvieren und Frustration zu vermeiden?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Zunächst: wenn`s nach mir geht,<br />
ist die nächste Bundesregierung die alte. Jedenfalls, was den<br />
Kanzler betrifft. Ansonsten bin ich auch fest davon überzeugt,<br />
dass viele Politiker dazu neigen, zu wenige Informationen und Argumente<br />
öffentlich zu verbreiten. Meine Erfahrung ist nämlich,<br />
dass man &#8211; wenn man die Menschen ausreichend informiert &#8211; sich auf<br />
ihr Urteilsvermögen durchaus verlassen kann.
</p>
<p>
<b>zuckerbrot:</b> Herr Scholz, sehen Sie die Visa-Affäre<br />
als ausgestanden an?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Ja. Es hat sich gezeigt, dass zwar<br />
nicht alles richtig gelaufen ist, wie Minister Fischer ja auch eingeräumt<br />
hat, dass aber auch kein Anlass für hysterische Übertreibung<br />
besteht. Im Übrigen habe ich festgestellt, dass, was die Visapraxis<br />
der konsularischen Vertretungen Deutschlands betrifft, vorwiegend<br />
Kontinuität herrscht. Unter Kohl, Kinkel und Kanther war es<br />
teilweise noch schwieriger.
</p>
<p>
<b>gigiz1211:</b> Welche Chancen und Möglichkeiten<br />
schreiben Sie einer großen Koalition zu?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Ich bin dafür, dass Gerd Schröder<br />
Kanzler bleibt.
</p>
<p>
<b>Thomas_Reinhardt:</b> Herr Scholz, nach Jahren der<br />
Senkung der Unternehmensbesteuerung scheint deutlich, dass dies<br />
keine Arbeit schafft. Warum das Gießkannenprinzip? Wäre<br />
es nicht sinnvoller, Unternehmen für einen eingestellten Arbeitslosen<br />
bestimmte Steueranreize zu bieten? Zum Beispiel doppeltes Gehalt<br />
auf der Kostenseite für die Dauer der vorhergegangenen Arbeitslosigkeit?<br />
Olaf Scholz: Die Neuordnung der Unternehmens-Besteuerung war notwendig.<br />
Das frühere Steuersystem war absurd. Wenn ein Unternehmen seine<br />
Gewinne im Unternehmen ließ, musste es 45% Körperschaftssteuer<br />
zahlen plus Gewerbesteuer. Wenn es sie ausschüttete, waren<br />
es zuletzt 33% plus Gewerbesteuer. Manche haben dann ein bisschen<br />
durch Steuer-Sparmodelle gedreht, den ausgeschütteten Gewinn<br />
wieder eingelegt. Jetzt haben wir einen einheitlichen definitiven<br />
Steuersatz im Unternehmen/Körperschaft von 25% plus Gewerbesteuer.<br />
Ihr Modell bei der Einstellung von Arbeitssuchenden ist sehr weitgehend.<br />
Sinnvoller erscheint mir eine zielgerichtete Förderung. So<br />
gibt es z.B. Lohnkostenzuschüsse für ältere Arbeitssuchende<br />
und auch bei vielen Langzeitarbeitslosen.<br />
rotzoll: Über die letzten Jahre hatte man gerade bei den komplexen<br />
Reformen den Eindruck, dass die Regierung sich dem Bürger zu<br />
wenig kommuniziert hat. Wie wollen sie das in Zukunft handhaben?<br />
Ziehen sie dabei auch verstärkt neue Medien wie z.B. das Podcasting<br />
in Betracht?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Ich bin sehr dafür, dass alle<br />
Wege der Kommunikation genutzt werden. Auch manche, die so neu sind,<br />
dass die meisten Politiker gar nicht wissen, wovon die Rede ist.
</p>
<p>
<b>JimmyHosseini:</b> Wie denken Sie darüber &#8211;<br />
fehlt es in Deutschland an kompetenten Wählern. Es wird ja<br />
ständig von kompetenten Politikern gesprochen, was ist mit<br />
den Wählern? Mit kompetent meine ich auch verantwortungsbewusst<br />
&#8211; und dies unabhängig von der politischen Gesinnung.
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Ich halte die Wählerinnen und<br />
Wähler für kompetent. Demokratische Demut ist für<br />
alle Politiker angebracht.
</p>
<p>
<b>Achim30:</b> Welche Rolle werden die SPD-Linken (Nahles<br />
und Co.) künftig spielen?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Sie gehören zur ganzen großen<br />
weiten sozialdemokratischen Partei dazu.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sind Sie links, oder Netzwerker? Wo<br />
verorten Sie sich in der SPD?
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Mit Mitte 40 bin ich Sozialdemokrat.</p>
<p><b> moskauperle: </b>Wie sehen Sie eigentlich im Nachhinein<br />
den Versuch der SPD-Führung, den Grund für die Neuwahl<br />
den Grünen in die Schuhe zu schieben? Ehrlich gesagt, das fand<br />
ich wirklich daneben!</p>
<p><b> Olaf Scholz: </b>Bei der Neuwahl-Entscheidung geht<br />
es darum, die Legitimation für die Regierung von Schröder<br />
und Fischer neu herzustellen. Und zwar nicht dadurch, dass man krampfhaft<br />
an der &quot;Macht&quot; festhält, sondern, dass man sich dem<br />
Votum der Wählerinnen und Wähler aussetzt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Zeit ist bereits um. Vielen<br />
Dank an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen<br />
sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Scholz, dass<br />
Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript dieses<br />
Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten<br />
Chat gibt es morgen, ab dreizehn Uhr, mit dem Grünen Bundestagsabgeordneten<br />
Werner Schulz. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen<br />
angenehmen Tag!
</p>
<p>
<b>Olaf Scholz:</b> Schönen Dank.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Bin froh, dass Merkel antritt und nicht Stoiber.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rthurnher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Aug 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Nooke]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Donnerstag, 11. August, war Günter 
Nooke zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. 
Er warf Edmund Stoiber vor, mit seinen Äußerungen über 
die Wähler in den neuen Ländern Ost und West zu schaden.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b>Am Donnerstag, 11. August, war Günter<br />
Nooke zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Er warf Edmund Stoiber vor, mit seinen Äußerungen über<br />
die Wähler in den neuen Ländern Ost und West zu schaden.</b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b><b>Moderator:</b></b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von<br />
tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute der CDU-Bundestagsabgeordnete und<br />
ehemalige DDR-Bürgerrechtler Günter Nooke ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen. Herr Nooke, können wir beginnen?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Ja, selbstverständlich.
</p>
<p>
<b>Marco1:</b> Wie ist es möglich, dass 15 Jahre nach<br />
der Einheit führende (West-)Politiker der Union (Schönbohm,<br />
Stoiber) so unglaublich dumm auftreten. Ausgerechnet den Ossis indirekt<br />
das Wahlrecht abzusprechen ist eine Frechheit. So zu denken ist schon<br />
schlimm, es öffentlich zu äußern lässt mich stark<br />
am politischen Sachverstand zweifeln.Will Stoiber Merkel als Kanzlerin<br />
verhindern? Was hat unser Land nur für Spitzenpolitiker?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Ich bin froh, dass Angela Merkel<br />
als Bundeskanzlerin antritt und nicht Edmund Stoiber. Und ich bin überzeugt,<br />
dass sich Edmund Stoiber damit keinen Gefallen getan hat. Was die Äußerungen<br />
von Jörg Schönbohm angeht, denke ich, es ist einfach falsch,<br />
solche abartigen Verbrechen wie den Kindermord in Frankfurt/Oder mit kollektiven<br />
Erklärungsmustern zu begegnen.<br />
Das ist immer falsch, wenn man Verbrecher damit entschuldigt, dass sie<br />
eine schwere Kindheit hatten, weil man all diejenigen beleidigt, die trotz<br />
schwerer Kindheit keine Verbrechen begehen.
</p>
<p>
<b>Franz Ferdinand:</b> Nach Schönbohm hätten in<br />
der Union doch alle gewarnt sein müssen. Was geht da eigentlich in<br />
dem Kopf von Herrn Stoiber vor?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Sie dürfen mich nicht fragen,<br />
was Herr Stoiber denkt. Stoiber macht Wahlkampf auf eigene Rechnung in<br />
Bayern. Ich persönlich denke, man muss miteinander reden und nicht<br />
gegeneinander und habe ihn deshalb zu einer Sprechstunde nach Berlin-Pankow<br />
eingeladen. Ich kämpfe dort um das Direktmandat und mir ist wichtig,<br />
die Menschen und ihre Probleme ernst zu nehmen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eigene Rechnung heißt: der Rest Deutschlands<br />
ist Stoiber egal?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Das muss man Herrn Stoiber fragen,<br />
ob er damit indirekt seinen Verzicht auf ein gehobenes Amt im Bund bekannt<br />
gibt. Eigene Rechnung meint, dass man damit vielleicht Wähler in<br />
Bayern gewinnen kann, aber nicht über Bayern hinaus. Ich glaube sogar,<br />
es schadet in Ost und West.
</p>
<p>
<b>CDUjuhu:</b> Lieber Herr Nooke, die CDU verliert rasend<br />
an Zustimmung im Osten &#8211; mal wieder. Kann sich eine solche Partei im Osten<br />
überhaupt noch als Volkspartei durchsetzen? Was müsste sie anders<br />
machen?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Wir regieren in drei Bundesländern<br />
und im vierten regieren wir mit im Osten. Und natürlich wollen wir<br />
bei der Bundestagswahl stärkste Partei im Osten werden. Es hilft,<br />
wenn diejenigen über den Osten reden, die dazu eine engere Beziehung<br />
haben und nicht von Bayern das Ganze beurteilen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Fühlen Sie sich als Wahlkämpfer<br />
im Osten durch die Äußerungen Stoibers und Schönbohms<br />
verraten?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Es wird nicht leichter dadurch. Wir<br />
sollten uns gegenseitig unterstützen. Ich glaube, dass es besser<br />
ist, wenn Stoiber sich gegenüber Frau Merkel genauso loyal verhält<br />
wie Frau Merkel gegenüber Herrn Stoiber vor drei Jahren.
</p>
<p>
<b>Siehan:</b> Glauben Sie nicht auch, dass Stoiber alles<br />
unternimmt, um die CDU von einem Wahlsieg abzuhalten?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Das glaube ich überhaupt<br />
nicht, denn alle wissen wie ernst die Lage ist und wie katastrophal<br />
die Bilanz von sieben Jahren Rot-Grün aussieht. Selbst Bayern<br />
geht es nur gut, wenn es ganz Deutschland gut geht. Es muss sich<br />
wirklich etwas ändern, der Wechsel lohnt sich im Osten wie<br />
in Bayern.
</p>
<p>
<b>Manu:</b> Ist Wahlkampf auf eigene Rechnung denn in Ordnung? Legitimes Theater?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Für mich nur begrenzt,<br />
weil wir alle für den Bundestag kandidieren und da bin ich<br />
immer Vertreter des ganzen deutschen Volkes. Ich kämpfe zwar<br />
für Pankow, aber mich interessieren Berlin und ganz Deutschland<br />
mindestens genauso.
</p>
<p>
<b>ostler:</b> Hallo Herr Nooke. Danke, dass Sie gegen die Aussagen von Herrn<br />
Stoiber argumentiert haben. Bekommen Sie jetzt innerhalb der CDU den Ärger,<br />
oder eher Stoiber?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Bis jetzt hat noch keiner angerufen.<br />
Aber wir müssen die Debatte auch nicht endlos fortführen,<br />
weil Streit uns nie hilft.
</p>
<p>
<b>Mr. T:</b> Herr Nooke, glauben sie, dass der Osten die Wahl entscheidet?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Ich fände es gut, wenn<br />
der Osten die Wahl entscheidet. Und appelliere an das Selbstwertgefühl<br />
und Selbstbewusstsein der Ostdeutschen im eigenen Interesse die<br />
Ostdeutsche Angela Merkel zur Kanzlerin von ganz Deutschland zu<br />
machen. Dass heißt, wenn die CDU ein überdurchschnittlich<br />
gutes Ergebnis im Osten einfährt, dann wäre das die intelligenteste<br />
Antwort auf Stoibers Äußerung. Weil eine Kanzlerin natürlich<br />
auf diejenigen Rücksicht nehmen muss, die sie ins Kanzleramt<br />
gewählt haben. Dann kann Angela Merkel sich auch verstärkt<br />
den Problemen des Ostens zuwenden. Sollten nur Protestwähler<br />
aus dem Osten kommen, werden Gysi und Lafontaine im Bundestag rumquatschen,<br />
aber es wird sich nichts ändern. Denn die sagen ja selbst,<br />
sie wollen gar nicht regieren und Verantwortung übernehmen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen zum gleichen Punkt:
</p>
<p>
<b>bapho:</b> Mich würde interessieren, was Sie davon halten, dass Frau<br />
Merkel sich noch nicht zu den Äußerungen von Stoiber geäußert<br />
hat.
</p>
<p>
<b>Nobbi2:</b> Warum taucht Frau Merkel ab, wenn es ernst wird? Schönbohm,<br />
Stoiber, Söder, Mißfelder&#8230; nur um einige zu nennen?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Ich habe nicht den Eindruck,<br />
dass Frau Merkel abgetaucht ist, aber ich verstehe sehr gut, dass<br />
sie als Kanzlerin für ganz Deutschland wahrgenommen werden<br />
will.<br />
Vielleicht wäre es gut, wenn Frau Merkel sich in den nächsten<br />
Tagen auch einmal dezidiert zu ostdeutschen Problemen äußert.<br />
Ich mache übrigens eine Veranstaltungsreihe in Berlin-Pankow, die<br />
heißt &quot;Inhalt statt Wahlkampf&quot;.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Warum kann Angela Merkel diese Querschläge<br />
nicht verhindern? Hat Sie die Partei nicht im Griff?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Die Partei hat sie sehr wohl<br />
im Griff. Aber anscheinend ist es manchmal schwieriger, alle Männer<br />
im Griff zu haben. Man kann’s auch anders sagen: Die Bayern<br />
sind halt wie sie sind.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Muss sich die Kanzlerin Merkel dann<br />
künftig ständig mit dem Platzhirschen Stoiber rumärgern?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Ich habe nicht den Eindruck,<br />
dass die Chancen von Edmund Stoiber, eine wichtige Rolle auf Bundesebene<br />
zu übernehmen, durch diese Äußerungen verbessert<br />
wurden. Im Übrigen sei daran erinnert, dass schon Helmut Kohl<br />
und Franz Josef Strauss einen gewissen Unterhaltungswert hatten.
</p>
<p>
<b>pankow:</b> Herr Stoiber hat ja gestern gesagt, dass<br />
die CDU 45 Prozent holen sollte. Ist das nicht eine Beschädigung<br />
von Frau Merkel, falls das Ergebnis drunter liegt? Linke Masche<br />
von Stoiber?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Söder hat das gesagt,<br />
nicht Stoiber. Und Volker Kauder sprach von einem Potenzial von<br />
zwischen 42 und 45 Prozent. Die Zahlen sind nicht wichtig, entscheidend<br />
ist, dass es für schwarz-gelb reicht. Lieber mit kleiner Mehrheit<br />
gute Politik machen als mit großer Mehrheit vielleicht in<br />
einer großen Koalition weiter Stillstand zu produzieren. Vielleicht<br />
war das auch als Wahlkampfaufmunterung gedacht, denn richtig ist<br />
ja, die Wahlen sind für die CDU keinesfalls gewonnen. Übrigens<br />
hatte Edmund Stoiber 2002 38.5 Prozent.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Von 1 bis 6 &#8211; Welche Note geben Sie<br />
dem bisherigen CDU-Wahlkampf?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Ich glaube, 2 minus. Entscheidend<br />
ist, was wir für ein Regierungsprogramm vorgelegt haben. Wir<br />
haben ein sehr mutiges Programm vorgelegt und auch ein zum Teil<br />
unpopuläres Wahlprogramm verabschiedet. Für uns als Politiker<br />
ist es schwierig auf der einen Seite immer zu hören, die Menschen<br />
wollen nicht belogen werden, Ehrlichkeit aber oft vom politischen<br />
Gegner und auch in den Medien gegen einen gewandt wird. Ich glaube,<br />
hier ist es wichtig, auch dem Populismus von Rot-Grün und der<br />
PDS zu durchschauen. Für mich ist die Widersprüchlichkeit<br />
im Programm der SPD überhaupt zu wenig bisher thematisiert<br />
worden. Schröder will seine Reformagenda fortsetzen aber tritt<br />
mit einem völlig anderen Programm der SPD-Linken an, das eher<br />
auf Lafontaine passen würde.
</p>
<p>
<b>Unfrustrierter:</b> Bitte nicht ablenken. Wenn der<br />
Osten anders funktioniert als der Westen (Herangehensweise, Themen)<br />
&#8211; ist dann eine gemeinsame Politik definierbar?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Ich glaube nicht, dass der<br />
Osten anders funktioniert. Aber ich glaube, dass ähnliche Sätze<br />
anders wahrgenommen werden. Wir brauchen keinen spezifischen Ostwahlkampf,<br />
es geht um die gleichen Botschaft: Wachstum, Arbeit, Sicherheit.<br />
Aber die Menschen müssen in einer Sprache abgeholt werden,<br />
die sie verstehen.
</p>
<p>
<b>Bierzeltprediger:</b> Den Populismus, den man Links<br />
vorwirft, betreibt Stoiber auf seine eigene Art mit dem CSU Stammpublikum<br />
&#8211; was hält ihn davon ab, die Wähler im Osten mit positiven<br />
Inhalten gewinnen zu wollen?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Ich erinnere mich noch an den<br />
gemeinsamen Wahlkampf von 2002 zusammen mit Edmund Stoiber. Ich<br />
war damals Sprecher der ostdeutschen CDU-Abgeordneten im Bundestag<br />
und wir hatten vor allem mit der bayrischen Staatskanzlei ein sehr<br />
gutes, inhaltlich sehr konkretes Programm für die ostdeutschen<br />
Länder vorgelegt. Und ich bin ganz sicher, dass der bayrische<br />
Ministerpräsident sich an das ein oder andere noch erinnern<br />
kann.
</p>
<p>
<b>poio:</b> Glauben Sie, dass die durch Stoibers und Schönbohms Aussagen<br />
verloren gegangenen Stimmen eher der SPD oder eher den Linken zufallen?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Ich kämpfe dafür,<br />
dass sie der CDU zufallen. Denn nicht Stoiber oder Schönbohm<br />
stehen zur Wahl, sondern Angela Merkel und zum Beispiel Günter<br />
Nooke in Berlin-Pankow. Es ist ja auch eine Möglichkeit, auf<br />
ostdeutsche Probleme jetzt erst recht hinzuweisen und einen inhaltlichen<br />
Wahlkampf zu führen. Weder im SPD-Programm und erst recht nicht<br />
im PDS-Programm ist irgendetwas enthalten, was ganz Deutschland<br />
und dem Osten mehr Arbeitsplätze und mehr Wachstum bringt.<br />
Ich hoffe, dass Politik auch dadurch Glaubwürdigkeit zurück<br />
gewinnt, dass Wählerinnen und Wähler sich bewusst machen,<br />
wer erfolgreich regiert und wer nicht. Da, wo die CDU regiert, geht<br />
es den Menschen besser, da wo ein Wechsel wie in Hessen, Niedersachsen,<br />
NRW, Sachsen-Anhalt stattgefunden hat, ist in der Bildungspolitik<br />
Entscheidendes passiert. Wie das Beispiel Hessen zeigt, ist Bürokratie<br />
abgebaut worden oder zum Beispiel Sachsen-Anhalt vom letzten Platz<br />
in Deutschland Richtung Mittelfeld vorangekommen. Es ist also gerade<br />
nicht egal, wer regiert.
</p>
<p>
Die CDU hat in entscheidenden Fragen, die Deutschland in den letzten<br />
50 Jahren bewegt haben, immer auf der richtigen Seite gekämpft. Von<br />
der sozialen Marktwirtschaft über die Westbindung, den NATO-Doppelbeschluss,<br />
die Wiedervereinigung und heute z.B. wenn es um den Beitritt der Türkei<br />
zur EU geht &#8211; wo ich ganz sicher bin, dass sich unser Modell der privilegierten<br />
Partnerschaft durchsetzen wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage zum Thema Stoiber:
</p>
<p>
<b>murad:</b> Herr Nooke, Sie gehen den Fragen doch aus dem Weg. Nobbi2 meint,<br />
dass Frau Merkel unbedingt die Inhaber solcher Äußerungen rügen<br />
muss. Warum tut Sie das nicht?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Meine Antwort lautet: Weil<br />
Angela Merkel keine Personal- sondern Sachdebatten will. Personaldebatten<br />
schaden uns nur. Zu nobbi2: Vielleicht reicht es ja auch, wenn ich<br />
das mache.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Schweigen ist also der richtige Weg<br />
für Angela Merkel in dieser Sache?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> In Personalfragen bin ich sicher,<br />
dass die Kanzlerkandidaten sich nicht in alle Fragen einmischen<br />
muss. Im Übrigen hat sie Jörg Schönbohm sehr wohl<br />
ermahnt.
</p>
<p>
<b>bapho:</b> Was würden sie davon halten, wenn Stoiber trotz aller Querschläger<br />
doch Außenminister wird?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Dann ist er ja nicht für<br />
Ostdeutschland zuständig.
</p>
<p>
<b>bioum:</b> Guten Tag Herr Nooke. Heute morgen sprachen Sie im DLF Radio von<br />
einem &#8216;schwarz-grünen&#8217; Bündnis, wörtlich: Wir wollen gewinnen,<br />
Schwarz-Grün, das heißt, das muss reichen für eine Mehrheit.<br />
Wie ist das zu verstehen?
</p>
<p>
<b>Crockers:</b> Favorisieren Sie nun tatsächlich<br />
&#8216;schwarz-grün&#8217; oder war das heute morgen im DLF-Interview ein<br />
(Freudscher?) Versprecher?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Klarer Versprecher. Ich habe<br />
es dem Reporter sofort nach dem Interview gesagt, ich habe einen<br />
Fehler gemacht. Ob es ein Freudscher Versprecher war &#8211; keine Ahnung.<br />
Ich sprach über die unsäglichen Äußerungen<br />
von Frau Künast (Deutsche sollen bei Deutschen kaufen) und<br />
hatte deshalb noch die Grünen im Kopf.
</p>
<p>
<b>Dresden30:</b> Herr Nooke, wenn die Bilanz von 7 Jahren<br />
rot-grün so schlecht aussieht, wie rosig sieht denn dann die<br />
Bilanz von 16 Jahren schwarzgelb aus?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Dresden ist nicht mehr das<br />
Tal der Ahnungslosen. Es gab die deutsche Einheit, das alleine würde<br />
reichen für eine positive Bilanz. Die Ostdeutschen hätten<br />
die zweite Hälfte dieser Bilanz gar nicht anders erlebt, wenn<br />
Helmut Kohl nicht immer die Einheit &#8211; anders als Lafontaine &#8211; gewollt<br />
hätte. D.h. nicht, dass unter schwarz-gelb nicht auch Fehler<br />
und Versäumnisse vorkamen.<br />
Bloß mit der Chefsache Ost ist der Kanzler Schröder in den<br />
letzten sieben Jahren nun wirklich total baden gegangen.
</p>
<p>
<b>Mr. T:</b> Denken Sie, dass es seit der Wiedervereinigung einfach zu hohe<br />
Erwartungen unserer ostdeutschen Mitbürger gegenüber den Politikern<br />
und dem Staat gibt, was den Aufbau einer starken, selbst tragenden Wirtschaftstruktur<br />
im Osten betrifft? Ist man in Ostdeutschland weniger bereit Eigenverantwortung<br />
zu übernehmen?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Das Letzte glaube ich nicht.<br />
Die Bereitschaft ist auf jeden Fall da, vielleicht ist man das an<br />
einigen Stellen nicht so gewohnt. Aber ich kenne viele, die Ich-AGs<br />
gegründet haben, die selber Unternehmen gegründet haben,<br />
die jeden Tag nach Arbeit suchen &#8211; da ist nicht weniger Aktivität<br />
als in Westdeutschland. Nur sind die Aussichten auf Erfolg aufgrund<br />
der fehlenden selbst tragenden Wirtschaftsstruktur geringer. Richtig<br />
ist allerdings, dass wir als Politiker nicht unrealistische Erwartungen<br />
wecken dürfen. Auch das spricht für unser realistisches<br />
Wahlprogramm. Was sich klar von allen anderen unterscheidet.
</p>
<p>
<b>romankw:</b> Das Erstarken der Linken deutet ja nun<br />
mehr und mehr auf eine Große Koalition hin. Was meinen Sie<br />
dazu?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Die Große Koalition hieße<br />
Stillstand und wäre wirklich schlecht für Deutschland.<br />
Wir müssen zeigen, dass sich der Wechsel lohnt. Dafür eine kleine<br />
Mehrheit zu gewinnen ist besser, als mit einer riesigen Truppe schlechte<br />
Kompromisse machen zu müssen.
</p>
<p>
<b>Kurti:</b> Die CDU hat irgendwie tolle Versprechen in ihrem Wahlprogramm.<br />
Für mich ist das alles heiße Luft. Allein mit der Aufhebung<br />
des Kündigungsschutzes werden doch Tür und Tor geöffnet<br />
um die Arbeitslosigkeit in die Höhe zu schrauben. Die Manager fordern<br />
geringere Lohnkosten &#8211; dabei sind es doch gerade die Vorstandsmitglieder,<br />
die die Personalkosten in die Höhe schrauben. Dass die CDU so etwas<br />
unterstützt kann ich nicht verstehen; als CDU-Mitglied!
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Wir sind für die Offenlegung<br />
der Manager-Gehälter, ich bin auch nicht dafür, dass die<br />
Gehälter auf amerikanischen Niveau hochgehen, aber die Haftungsverantwortung<br />
weiter nach deutschen Recht geregelt wird. Was aber die Kosten im<br />
Betrieb angeht, entscheiden nicht 5 Vorstandsbezüge, sondern<br />
die Arbeitskosten insgesamt. Wenn wir Lohnnebenkosten senken, ist<br />
das ein entscheidender Beitrag dazu, dass mehr Arbeit in Deutschland<br />
bezahlt werden kann. Im Übrigen empfehle ich mal, die Versprechungen<br />
der andern Parteien zu lesen. Wir sind da als CDU die einzig wählbaren.
</p>
<p>
<b>pankow:</b> Sie treten in Berlin-Pankow an, soweit<br />
ich weiß. Hat die CDU denn in diesem Stadtteil überhaupt<br />
eine Chance? Sind Sie auf einem Landeslistenplatz abgesichert gegen<br />
die drohende Niederlage?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Ich bin nicht auf der Landesliste<br />
der Berliner CDU, sondern kämpfe um jede Erststimme in Berlin-Pankow.<br />
Wir können genau deshalb gewinnen, weil dort mit Thierse, dem<br />
Berliner PDS-Vorsitzenden Liebig und Werner Schulz von den Grünen<br />
vier gleich starke Kandidaten antreten und wenn ich noch die meisten<br />
Erststimmen der FDP bekomme, ist mit meinem Wahlziel 25 plus der<br />
Wahlkreis sehr wohl zu gewinnen. Thierses Zeit ist doch auch abgelaufen<br />
und Liebig will gar nicht in den Bundestag, weil er für Wowereit<br />
die PDS-SPD-Koalition in Berlin zusammenhalten muss.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wie erklären Sie sich die fehlende<br />
Absicherung über die Landesliste? Wurden Sie gezielt abgestraft,<br />
als einziger Ost-Kandidat der CDU in Berlin?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Ich kommentiere die Wahlentscheidung<br />
bei der Landesvertreterversammlung nicht.<br />
Aber ich habe nichts dagegen, wenn man mit der Wahl von Nooke auch deutlich<br />
sagt, dass wenigstens ein Ostdeutscher für Berlin in den Bundestag<br />
soll.
</p>
<p>
<b>clark:</b> Herr Nooke, was meinen sie wie die Äußerungen von Stoiber<br />
in ihrem Wahlkreis ankommen werden und wie sehen sie da jetzt ihre Chancen?<br />
Was wollen sie eigentlich im Bundestag für Pankow bewirken &#8211; einem<br />
(Ost)Bezirk, der ja im Berlinweiten Vergleich so schlecht nicht dasteht?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Ich glaube, dass die Wahlalternative<br />
den Ostdeutschen Nooke in Pankow zu wählen und damit ein Zeichen<br />
zu setzen, wie übrigens schon viele auf meiner Internetseite<br />
als Unterstützer das bereits getan haben, mir nur helfen kann.<br />
Die anderen drei Kandidaten nehmen sich doch gegenseitig die Stimmen<br />
weg. Für Pankow geht es z.B. darum, diesem sehr unterschiedlichen<br />
Bezirk überhaupt bei der nächsten Bundesregierung angemessen<br />
zu vertreten. Thierse wird sowieso dabei sein, weil er auf Platz<br />
1 der Berliner SPD-Liste steht. Aber bei einer CDU geführten<br />
Bundesregierung wäre ich der Einzige, der auch mit seinen ganz<br />
guten Kontakten z.B. zu Angela Merkel etwas bewegen kann: Da geht<br />
es um die Sanierung des Schlosses Schönhausen, um die Absicherung<br />
der Interessen von Kleineigentümern, die ihre Grundstücke<br />
im Berliner Umland zu verlieren drohen. Da geht es um den Wissensschafts-<br />
und Forschungsstandort Buch, wo unideologisch gerade im Bio-Tech-Bereich<br />
gearbeitet wird, bis zu DSL-Anschlüssen, die die Wirtschaft<br />
in Pankow nicht bekommt. Ich finde, Pankow ist der lebenswerteste<br />
Bezirk in Berlin, vom Szenebezirk Prenzlauer Berg bis zur dörflichen<br />
Idylle im Norden.
</p>
<p>
<b>keinossi:</b> Halten Sie es für richtig, dass<br />
die CDU sich weigert Namen zu nennen, wer zukünftig ins Kabinett<br />
kommt? Haben die Wähler nicht Anspruch darauf?
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Frau Merkel wird nächste<br />
Woche das Kompetenzteam vorstellen.
</p>
<p>
<b>Wutho2:</b> Warum sind die Ostdeutschen so dünnhäutig<br />
gegenüber Kritik. Ein ähnlicher Kommentar über Westdeutsche<br />
würde kaum Aufsehen erregen.
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Das bezweifle ich. Aber vielleicht<br />
sollte man mal darauf hinweisen, dass der fehlende IQ der Rechtsanwälte<br />
und Ärzte im Westen uns in der letzten Bundestagswahl die Direktmandate<br />
und damit die Überhangmandate gekosten haben, weil die alle<br />
auch mit der Erststimme FDP gewählt haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Zeit ist bereits um. Vielen<br />
Dank an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen<br />
sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Nooke, dass<br />
Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript dieses<br />
Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten<br />
Chat gibt morgen, ab 13.00 Uhr, mit dem CDU-Arbeitsmarktexperten<br />
Ronald Pofalla. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen<br />
angenehmen Tag!
</p>
<p>
<b>Günter Nooke:</b> Ich bedanke mich für das<br />
Interesse und hoffe, dass manche noch mal auf meiner Internetseite<br />
www.nooke.de nachsehen und mich in Pankow unterstützen</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Das war ich doch schon zweimal :-)&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rthurnher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Jul 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Linkspartei.PDS]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmar Gabriel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Sigmar Gabriel, Fraktionsvorsitzender 
der SPD, war am 20. Juli zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de. Themen waren u.a. der bevorstehende Wahlkampf, 
die Auseinandersetzung mit der neuen Linkspartei und die Schwierigkeit<b> 
notwendige Reformen</b> in Deutschland durchzusetzen .</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Sigmar Gabriel, Fraktionsvorsitzender<br />
der SPD, war am 20. Juli zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Themen waren u.a. der bevorstehende Wahlkampf,<br />
die Auseinandersetzung mit der neuen Linkspartei und die Schwierigkeit<b><br />
notwendige Reformen</b> in Deutschland durchzusetzen .</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute das Mitglied des SPD-Parteivorstandes,<br />
Sigmar Gabriel, ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herr Gabriel,<br />
sind Sie bereit für den 60-Minuten-Chat mit unseren Usern?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Ja, gerne.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Angela Merkel will<br />
im Osten mit einer besonderen Strategie Wahlkampf machen. Wäre<br />
das nicht auch für die SPD eine gute Idee?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Ich bin gespannt,<br />
wie Angela Merkel im Osten den Menschen, die im Durchschnitt ohnehin<br />
weniger verdienen als im Westen, klar macht, wie &quot;schön&quot;<br />
es ist, eine höhere Mehrwertsteuer zu zahlen. Ich denke, die<br />
Themen sind letztlich für alle Menschen gleich in Deutschland.
</p>
<p class="normal">
<b>Hotzenplotz:</b> Wie kann die SPD<br />
mit der Linkspartei fertig werden? Die liegt laut Umfragen im Osten<br />
vor der CDU. Nur Gysi und Lafontaine verteufeln kann nicht reichen.
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Das stimmt. Weder<br />
eine Dämonisierung noch ein &quot;Linksliegen lassen&quot;<br />
reicht. Mit Oskar Lafontaine und Gregor Gysi muss man sich inhaltlich<br />
auseinandersetzen. Im Kern muss es dabei darum gehen, dass diese<br />
Linkspartei eben keine &quot;neue&quot; Linkspartei ist, sondern<br />
die alte Linke in populistischem Gewande daher kommt. Diese alte<br />
Linke weiß immer ganz genau, wogegen sie ist. Aber eben nicht,<br />
wie sie das, was sie den Menschen verspricht, bezahlen und realisieren<br />
kann. Das dürfte auch der Grund sein, warum Oskar Lafontaine<br />
und Gregor Gysi bereits jetzt erklären, dass sie nicht regieren,<br />
sondern opponieren wollen. Da frage ich mich doch, wieso soll man<br />
eine Partei wählen, die letztlich nur gegen etwa sein will,<br />
ohne wirklich gestalten zu wollen. Die SPD muss sich positionieren<br />
zwischen den Marktideologen von CDU und FDP und den Illusionisten<br />
der alten Linken.
</p>
<p class="normal">
<b>guido w:</b> Welche Partei verliert<br />
am meisten Stimmen an das neue Linksbündnis? Die SPD?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Die Antwort könnte<br />
von Radio Eriwan kommen: Im Prinzip ja, aber es kommt letztlich<br />
darauf an, wie sehr wir uns im Wahlkampf engagieren. Ich denke,<br />
die SPD hat immer noch alle Chancen, ihr eigenes Potential zu halten.<br />
Dann wird das alte (!) Linksbündnis aus den ehemaligen Ostkadern<br />
und den alten Westsektierern bei uns nicht soviel holen, wie sie<br />
heute hoffen.
</p>
<p class="normal">
<b>dariush:</b> Wieso glauben Sie hat die SPD derzeit<br />
in den Medien ein so schlechtes Standing, dass sogar eine &quot;Abspaltung&quot;<br />
wie die WASG fast mehr (positive) Berichterstattung erhält?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Obwohl ich mir<br />
auch gelegentlich eine fairere Medienberichterstattung wünsche,<br />
würde ich schon sagen, dass diese Abspaltung letztlich nicht<br />
ein reines &quot;Medienergebnis&quot; ist. Die Veränderungen<br />
in Deutschland, die unter Kohl und Merkel (die Dame war ja mal Ministerin<br />
und ist mitverantwortlich für Jahre des Stillstands in Deutschland)<br />
verweigert wurden, weil CDU und FDP damals zu feige waren, den Menschen<br />
die Wahrheit zu sagen, bringen auch viele Brüche und Widersprüche<br />
mit sich. Und natürlich haben auch wir Sozialdemokraten nicht<br />
alles richtig gemacht. Wie sollten wir auch, bei derart großen<br />
Herausforderungen. Da ist es fast zu erwarten, dass die Menschen,<br />
die sich die alten Welten (im Osten und im Westen) wieder zurück<br />
wünschen, auch politisch zu organisieren versuchen. Es ist<br />
ja kein Zufall, dass sich mit Oskar Lafontaine und der PDS zwei<br />
gefunden haben, die schon 1989 gegen die Einheit waren.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Noch mal zum &quot;Ost-Wahlkampf&quot;:
</p>
<p class="normal">
<b>maik85:</b> Guten Tag, die Frage,<br />
die gestellt wurde, ist leider nicht beantwortet worden. Würde<br />
es gut tun für die SPD, einen extra Wahlkampf im Osten zu führen?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Ich weiß<br />
eigentlich nicht, wie der aussehen soll. Wir können im Osten<br />
Deutschlands doch nicht mit anderen Themen, Vorschlägen und<br />
Ideen auftreten als im Westen. Wenn Sie meinen, wir sollten die<br />
Art der Präsentation, die Emotionalität u.ä. an die<br />
konkrete Situation im Osten anpassen, dann haben Sie Recht. Aber<br />
das gilt für jeden Wahlkreis. Ein guter Wahlkämpfer wird<br />
sich immer überlegen, wie er seine Positionen an seine konkreten<br />
Wählerinnen und Wähler heranträgt.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Die User wollen wissen:<br />
Was ist falsch gelaufen?<br />
Goldammer: Wenn die WASG im Osten stärkste Kraft werden konnte,<br />
was haben alle anderen Parteien dann falsch gemacht?
</p>
<p class="normal">
<b>Frau P.:</b> Was war der größte<br />
Fehler der SPD in Ihrer Regierungszeit?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Zu Frau P.: Die<br />
Reformen in der ersten Amtszeit zu zaghaft begonnen zu haben (mit<br />
Ausnahme des Themas Rente) und sie nicht mit zwei Dingen verknüpft<br />
zu haben: 1. Mit einer ausreichenden sozialen Balance. Es ist der<br />
Eindruck entstanden, die Lasten der notwendigen Veränderungen<br />
würden immer nur von einem Teil der Gesellschaft getragen,<br />
z.B. Kranken, Arbeitslosen, Rentnern. Die Menschen wollen aber ganz<br />
sicher sein, dass Lasten gerecht auf alle verteilt werden. In den<br />
Talkshows sitzen häufig immer fünf bis sechs Leute, die<br />
drei Dinge gemeinsam haben: Sie gehören zu den Besserverdienenden,<br />
sie fordern Zumutungen an die Bevölkerung und sie selbst sind<br />
von keiner Zumutung betroffen. Das empfinden die Menschen &#8211; zu Recht<br />
&#8211; als ungerecht. Das hat die SPD mit ihrem Wahlmanifest geändert<br />
(siehe Bürgerversicherung). 2.: Wenn Menschen Zumutungen erfahren,<br />
wollen sie wissen, wozu das alles dient und sie brauchen positive<br />
Perspektiven. Da haben wir sicher zuwenig vermittelt. Eigentlich<br />
geht es doch nicht um die jetzt 40 bis 80-jährigen, sondern<br />
um unsere Kinder. Wenn wir jetzt nichts ändern, wenn wir uns<br />
nichts zumuten, dann werden sie dafür die Zeche zahlen müssen.<br />
Und unsere Enkel und Urenkel auch noch. Wir haben zuviel &quot;den<br />
Gürtel enger schnallen gepredigt&quot;. Das tut kaum jemand<br />
gerne. Das Motto &quot;Die Ärmel hochkrempeln&quot; motiviert<br />
viel mehr Menschen, vor allem, wenn sie wissen, dass es um die Zukunft<br />
ihrer Kinder und Enkel geht. Zu Goldammer: Im Prinzip ist es die<br />
gleiche Antwort wie bei Frau P. Im Osten kommt sicher hinzu, dass<br />
dort die Empfindungen noch wesentlich stärker ausgeprägt<br />
sind. Das hat viel mit der bisherigen Geschichte der deutschen Einheit<br />
und auch den damit verbundenen Fehlern, Illusionen und Ungerechtigkeiten<br />
zu tun.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Fragen zu möglichen<br />
Koalitionen:
</p>
<p class="normal">
<b>Haber:</b> Könnten Sie sich eine rot-rot-grüne<br />
Koalition auf Bundes- oder Landesebene vorstellen?
</p>
<p class="normal">
<b>Fredi1:</b> Was ist wahrscheinlicher, eine große<br />
Koalition oder eine Koalition aus SPD, Grünen und neuem Linksbündnis?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Über Koalitionen<br />
soll man am Wahlabend ab 18.01 Uhr reden. Sonst verunsichert man<br />
die eigenen Wähler. Nur soviel: Eine rot-rot-grüne Koalition<br />
halte ich für ausgeschlossen. Das &quot;Linksbündnis&quot;<br />
hat sie auch selbst ausgeschlossen. Und ich hätte wirklich<br />
Sorge um Deutschland, wenn es zu dieser Konstellation käme.<br />
Deshalb wird es sie mit der SPD nicht geben.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Sie schließen<br />
also eine große Koalition nicht aus?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Ich will sie nicht,<br />
strebe sie auch nicht an, weil dies nur die politischen Ränder<br />
stärkt und zudem den Erneuerungsprozess, den die SPD braucht,<br />
egal wie die Wahlen ausgehen, eher behindern würde. Am Ende<br />
aber entscheiden die Wählerinnen und Wähler. Das Wahlergebnis<br />
bestimmt die Koalitionsmöglichkeiten, nicht wir Politiker.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Abseits von Zahlen<br />
&#8211; es gibt Experten, die eine Große Koalition für sehr<br />
sinnvoll halten.
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Und ebenso viele,<br />
die sie für falsch halten. Wir werden uns ab 18.01 Uhr wohl<br />
eine eigene Meinung bilden müssen.
</p>
<p class="normal">
<b>TUStudent:</b> Warum ist eine Neuauflage<br />
einer Sozial-Liberalen-Koalition nie im Gespräch?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Das müssen<br />
sie die FDP fragen. Die haben kaum noch jemanden, der das Bindestrichwort<br />
&quot;sozial-liberal&quot; buchstabieren kann.
</p>
<p class="normal">
<b>horst k?r:</b> Glauben Sie, ein intelligenter<br />
Mann wie Lafontaine glaubt tatsächlich an seine realitätsfernen<br />
Vorschläge und dessen Finanzierbarkeit oder handelt es sich<br />
tatsächlich nur um eine Aufrechnung von früher?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Ich halte Oskar<br />
L. für viel zu intelligent, als dass er die Illusionen, die<br />
er predigt, nicht als solche erkennen würde. Ihm geht es nur<br />
um eines: Eine Abrechnung mit Gerd Schröder. Und für diesen<br />
Egotrip ist das deutsche Parlament eigentlich zu schade.
</p>
<p class="normal">
<b>Wiggerl:</b> Wieso reden Sie denn<br />
eigentlich immer von Neuwahlen und ähnlichem, wo das doch noch<br />
gar nicht aktuell ist!?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Weil ich sicher<br />
bin, dass es Neuwahlen geben wird.
</p>
<p class="normal">
<b>HerrHermannMan:</b> Brauchen wir nicht<br />
endlich mal eine Regierung, bei der alle an einem Strang ziehen<br />
und Reformen nicht wegen Partei-Rivalitäten blockiert werden?<br />
Daher wird die SPD bei einem momentan wahrscheinlichen CDU Wahlsieg<br />
deren Reformen unterstützen.
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Das ist der Wunsch<br />
vieler Menschen in Deutschland. Dieser Wunsch ist auch verständlich.<br />
Aber es gibt eben auch deutliche Unterschiede in den Vorstellungen<br />
der Parteien. Wenn Frau Merkel wirklich eine Kopfpauschale in der<br />
Krankenversicherung durchsetzen will, dann führt das nach sehr<br />
kurzer Zeit dazu, dass sich alle Menschen privat zusätzlich<br />
versichern müssen, weil eine Kopfpauschale mit 109 EURO nicht<br />
einmal das abdeckt, was heute die gesetzliche Krankenversicherung<br />
sicherstellt. Ein Handwerksgeselle im Elektrohandwerk verdient netto<br />
1.000 EURO, eine Bäckereifachverkäuferin 700 EURO und<br />
ein Schichtarbeiter in der Metallindustrie zwischen 1.300 und 1.800<br />
EURO. Wenn wir wollen, dass die auch noch Kinder zeugen und Familien<br />
gründen, wie sollen die sich denn noch privat versichern? Das<br />
ist nur ein Beispiel, dass der Wunsch nach &quot;einem Strang und<br />
einer Richtung&quot; eben verständlich ist, man aber aufpassen<br />
muss, dass mit diesem Strang nicht ein Teil der Menschen in Deutschland<br />
&quot;stranguliert&quot; werden.
</p>
<p class="normal">
<b>Franzensfeste:</b> In den sechziger<br />
Jahren wollten die großen Parteien das Mehrheitswahlrecht<br />
einführen, damit es klare Verhältnisse gibt.Wäre<br />
das nicht notwendiger denn je?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Ich finde das<br />
Mehrheitswahlrecht höchst ungerecht, obwohl ich meine Wahlkreise<br />
immer direkt gewonnen habe. Stellen Sie sich vor, eine Partei erhält<br />
im Lande 35 %, eine andere 30 % und drei weitere zusammen noch mal<br />
35 %. Im Parlament säße nur die eine Partei, die alleine<br />
35 % erringen würde, obwohl die Menschen mehrheitlich ganz<br />
andere Parteien gewählt hätten. Unser Wahlrecht ist schwieriger,<br />
das stimmt. Aber eben auch demokratischer.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Haben Sie für<br />
folgenden Widerspruch eine Erklärung: Sie werden in der SPD<br />
für große Aufgaben gehandelt, haben aber bei der Nominierung<br />
für die Landesliste das schlechteste Ergebnis erhalten?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Bei meiner Nominierung<br />
habe ich immerhin 96 % erhalten. Was Sie meinen ist die Aufstellung<br />
zur Landesliste. Da habe ich sehr dafür gestritten, dass meine<br />
Heimatregion Braunschweig einen zusätzlichen Listenplatz unter<br />
den ersten 20 Plätzen bekommt. Und ich habe mich durchgesetzt.<br />
Dafür allerdings ist jemand aus dem SPD-Bezirk Hannover nicht<br />
mehr unter die ersten 20 Plätze gekommen. Dass dessen Freunde<br />
nun nicht unbedingt mich gewählt haben, dafür habe ich<br />
großes Verständnis. Und da habe ich 24 Gegenstimmen bekommen<br />
(und mehr als 160 Ja-Stimmen). So ist das manchmal: Nur wenn sie<br />
every-bodies-darling sein wollen, gibt es immer gute Ergebnisse.<br />
Wenn Sie eigene Positionen haben, dann gibt es auch schon mal Gegenstimmen.
</p>
<p class="normal">
<b>doro34:</b> Warum nennt Sie, Herr<br />
Gabriel, Herr von Larcher einen &quot;Schröder hoch zwei&quot;?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Das müssen<br />
Sie Herrn von Larcher fragen. Früher, als er noch Wählerstimmen<br />
brauchte (er ist ja jetzt Rentner), hat er mich gern in seinen Wahlkreis<br />
eingeladen. Wohl weil er hoffte, dann ein paar Stimmen mehr zu bekommen.<br />
Besonders oft hat er nämlich seinen Wahlkreis nicht gewinnen<br />
können. Das liegt manchmal auch am Kandidaten selbst.
</p>
<p class="normal">
<b>rrs1:</b> Welche Ämter streben Sie noch<br />
weiterhin in der Politik an?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Abgeordneter des<br />
Deutschen Bundestages zu werden, wenn möglich direkt gewählt.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Wäre das Amt des<br />
Fraktionsvorsitzenden reizvoll?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Das war ich doch<br />
schon zweimal :-).
</p>
<p class="normal">
<b>never more:</b> Hallo Herr Gabriel.<br />
Sind die schlechten Umfragewerte der SPD auf eine schlechte Kommunikationspolitik<br />
zurückzuführen und wenn ja, inwiefern hätte man die<br />
politischen Maßnahmen anders kommunizieren können?
</p>
<p class="normal">
<b>Vivalapaz:</b> Wieso geht die SPD<br />
seit Jahren mit einer schwachen &quot;Marketing Strategie&quot;<br />
auf die Wähler zu? Wäre es nicht sinnvoll, dem Volk zur<br />
kommenden Wahl klar zu signalisieren wie es wahr als noch die CDU<br />
dran war?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Natürlich<br />
gibt und gab es auch Kommunikationsfehler. Und natürlich müssen<br />
wir den Menschen im Wahlkampf klar machen, was ihnen &quot;blüht&quot;,<br />
wenn Frau Merkel Kanzlerin wird und wofür sie in der Vergangenheit<br />
verantwortlich war. Angela war ja im Kabinett Kohl mitverantwortlich<br />
für eine gigantische Verschuldung (mehr als 400 Milliarden<br />
EURO in acht Jahren, wogegen der Anstieg der Verschuldung bei Eichel<br />
auf rund 150 Milliarden EURO in sieben Jahren gebremst wurde, u.v.a.m.<br />
Aber die Probleme der SPD sind nicht nur kommunikativer Natur. Deutschland<br />
brauchte eine Veränderung seiner politischen Richtung. Wir<br />
können nur das verteilen, was wir auch produzieren, und das<br />
ist zu wenig. Diese Veränderungen produzieren für sich<br />
genommen bereits viel Ärger. <br />
Wenn Sie einem Rentner sagen, wir müssen Dir die Rente kürzen,<br />
weil sonst die Arbeitnehmer immer weniger Netto haben und der Staat<br />
sein Geld besser in Ganztagsschulen investieren muss als noch mehr<br />
in die Rente, dann können sie noch so gut &quot;kommunizieren&quot;,<br />
die Mehrzahl der betroffenen Rentner wird das nicht gerade mit Beifall<br />
goutieren.
</p>
<p class="normal">
<b>Olli:</b> Herr Gabriel, was sagen Sie zu den<br />
Spekulationen des Spiegels, der 100.000 Euro Beratervertrag für<br />
die Firma CoNeS könnte ein kleines Dankeschön für<br />
die Vertragsverlängerung von Personal-Vorstand Peter Hartz<br />
im Jahr 2002 sein?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Ganz einfach:<br />
Ich habe einen Rechtsanwalt damit beauftragt, mit rechtlichen Mitteln<br />
gegen diese unverfrorene Spiegel-Behauptung vorzugehen. Und Spiegel-online<br />
hat bereits eine Unterlassungserklärung unterschrieben, nach<br />
der Spiegel-Online 20.000 EURO an mich bezahlen muss, wenn sie diese<br />
Behauptung nochmals veröffentlichen.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Die Berichterstattung<br />
ist frei erfunden?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Ja. Aber durchaus<br />
mit böser Absicht.
</p>
<p class="normal">
<b>derwerherr:</b> Sehr geehrter Herr<br />
Gabriel, was hat Ihre PR-Firma für VW ab 2003 gemacht?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Wir haben &#8211; ausweislich<br />
des Prüfungsberichtes des Aufsichtsrats von VW vom 21. Februar<br />
2005 &#8211; vor allem den Vorstandsvorsitzenden der VW-AG in der Übernahme<br />
des Amtes als Vorsitzender des Europäischen Automobilverbandes<br />
beraten und sollten darüber Vorträge an der Auto-Universität<br />
in Wolfsburg halten. Der Vorgang ist umfassend überprüft<br />
worden (Auftragsvergabe, Leistung, Honorar) und für absolut<br />
einwandfrei erklärt worden. Selbst Herr Wulff (CDU) hat dem<br />
im Aufsichtsrat der VW-AG zugestimmt. Er vergisst das leider gelegentlich<br />
zu erwähnen. Aber was will man schon erwarten.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Edmund Stoiber hat<br />
ihrem Nachfolger Christian Wulff empfohlen, sich von der Landesbeteiligung<br />
an VW zu trennen &#8211; ein guter Vorschlag?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Nein. Und ausgerechnet<br />
Edumund Stoiber, der hunderte von Millionen in der Max-Hütte<br />
&quot;versenkt&quot; hat, ohne letztlich das Unternehmen zu retten,<br />
sollte da mal etwas mehr Demut zeigen. Niedersachsen verdient Geld<br />
durch sein Engagement an VW und &quot;versenkt&quot; dort kein Geld.<br />
Aber das ist nicht der eigentliche Grund für die Beteiligung:<br />
VW braucht einen langfristigen Mehrheitsaktionär, der verhindert,<br />
dass das Unternehmen zum Spielball der Börsianer und kurzfristiger<br />
Finanzmarktjongleure wird. Es hängen hunderttausende Jobs und<br />
Familien an diesem Unternehmen und VW ist das einzige Unternehmen,<br />
das in den letzten Jahren in Deutschland 24.000 neue Jobs geschaffen<br />
hat.
</p>
<p class="normal">
<b>Olimann:</b> Wird sich die SPD nach<br />
einer Wahlniederlage selbst zerfleischen? Werden dann die, die bislang<br />
still gehalten haben, einen Aufstand wagen? Was wird dann aus Schröder<br />
und Müntefering?<br />
Sigmar Gabriel: Wenn ich kann, werde ich das mithelfen zu verhindern.<br />
Und was passiert mit Schröder: Der bleibt Kanzler. Und Münte<br />
sein Vorsitzender. 🙂
</p>
<p class="normal">
<b>loreley:</b> Sie und Andrea Nahles<br />
gelten zur Zeit als die größten Hoffnungen der SPD. Erschrecken<br />
Sie die Erwartungen, die an Sie gestellt werden?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Ja. Auch weil<br />
ich weiß, dass die Aufgaben, die vor uns stehen, nicht mit<br />
zwei oder drei Leuten zu bewerkstelligen sind.
</p>
<p class="normal">
<b>silbermond1:</b> In der &quot;Zeit<br />
&quot; konstatierte Matthias Geffrath, dass linke Politik endlich<br />
aktiv die Globalisierung mitgestalten solle und aktuelle Politikthemen<br />
verstärkt international angehen solle. Ist zu erwarten, dass<br />
die SPD im Gegensatz zur Linkspartei die Zeichen der Zeit erkennt<br />
und danach handelt?
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Die Linkspartei<br />
hat dazu bislang nichts zu bieten. Außer, dass sie dabei mithilft,<br />
in Europa eine weitere konservative Partei ins Amt zu bekommen.<br />
Die aber wollen die Globalisierung nicht steuern. Die SPD allerdings<br />
muss wesentlich stärker diese Europäisierung und Internationalisierung<br />
ihrer Politik zum Gegenstand ihrer Programmatik, ihrer Praxis und<br />
ihres Wahlkampfes machen.
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Unsere Zeit ist bereits<br />
um. Vielen Dank an alle User für das große Interesse.<br />
Etliche Fragen sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank,<br />
Herr Gabriel, dass Sie sich Zeit für den Chat genommen haben.<br />
Das Transkript dieses Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter.<br />
Den nächsten Chat gibt es am Donnerstag, dem 28. Juli, ab 13.00<br />
Uhr mit dem Spitzenkandidaten der Linkspartei, Gregor Gysi. Das<br />
tacheles.02-Team wünscht allen noch einen angenehmen Tag!
</p>
<p class="normal">
<b>Sigmar Gabriel:</b> Herzlichen Dank,<br />
ich fand es spannend. Und viel Spaß mit Gregor Gysi.
</p>
<p><!-- #EndEditable --></p>
<p>
<span style="font-size: x-small"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ich persönlich bin überzeugt, dass Hartz IV notwendig und richtig war&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rthurnher]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jun 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Ute Vogt]]></category>
		<category><![CDATA[Hartz IV]]></category>
		<category><![CDATA[Linkspartei.PDS]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Ute Vogt, Staatssekretärin 
im BMI, war am 27. Juni zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Ute Vogt, Staatssekretärin<br />
im BMI, war am 27. Juni zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Unsere Chat-Reihe wird veranstaltet<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de und unterstützt von<br />
tagesspiegel.de. Unser Gast heute ist die stellvertretende SPD-Vorsitzende<br />
Ute Vogt. Sie ist parlamentarische Staatssekretärin im Bundesinnenministerium<br />
und will 2006 Ministerpräsidentin in ihrer Heimat Baden-Württemberg<br />
werden. Guten Tag, Frau Vogt!
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Guten Tag.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Regierung hat gerade erst den Spitzensteuersatz<br />
gesenkt, jetzt soll die so genannte Reichensteuer kommen. Das riecht<br />
nach Populismus.
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Es ist sicher auch noch ein Symbol dafür,<br />
dass man alle an den notwendigen Investitionen beteiligt. Der Satz<br />
mit plus drei Prozent gilt für alle ab 250.000 Euro Jahreseinkommen.
</p>
<p>
<b>Klassengestell:</b> Welche Reaktion erwarten Sie in<br />
Bezug auf die Millionärsbesteuerung im Wahlprogramm der CDU/CSU?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Ich glaube, dass in der CDU/CSU so was<br />
überhaupt nicht vorkommt. Dort werden weitere Steuersenkungen<br />
versprochen und spätestens nach der Wahl würde eine CDU/FDP-Regierung<br />
weitere Steuersenkungen mit der Mehrwertsteuer ausgleichen müssen.
</p>
<p>
<b>Klapperschlange:</b> Frau Vogt, glauben Sie wirklich,<br />
dass Sie die Wähler nach Hartz IV mit einem kleinen Stück<br />
Zuckerbrot (Mindestlohn) überzeugen können?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Ich persönlich bin überzeugt,<br />
dass Hartz IV notwendig und richtig war und deshalb werbe ich sehr<br />
bewusst auch mit dem, was wir bereits beschlossen haben und nicht<br />
nur mit den Ergänzungen. Wer ein solidarisches Deutschland<br />
auch in Zukunft will, muss solche Reformen heute durchführen.
</p>
<p>
<b>Madface:</b> In Deutschland liegt eindeutig eine wachstumsdefizitäre<br />
Arbeitslosigkeit vor. Die SPD redet allerdings weiter von einer<br />
gerechteren Verteilung der verbleibenden Arbeitsplätze. Die<br />
CDU scheint sich nun für den kommenden Bundestagswahlkampf<br />
das Wort „Wirtschaftswachstum“ zu reservieren. Bisher<br />
wurde von Seiten der Union allerdings noch nicht ganz klar, was<br />
für ein positives Wachstum getan werden soll. Was schlagen<br />
Sie vor?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Wir setzen auch auf neue Arbeitsplätze.<br />
Die Energiepolitik ist für mich eines der wichtigen Wachstumsfelder<br />
und Investitionen in Bildung und Forschung können ebenfalls<br />
zu mehr Wachstum beitragen. Dafür würden wir z.B. die<br />
Eigenheimzulage streichen, um die notwendigen Investitionen zu tätigen.
</p>
<p>
<b>fagvf345:</b> Warum kommt die Millionärssteuer<br />
erst jetzt im Wahlkampf auf den Tisch?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Weil wir innerhalb der SPD dazu durchaus<br />
unterschiedliche Positionen hatten und uns jetzt für die Zukunft<br />
geeinigt haben. Außerdem wären solche Vorschläge<br />
bisher auch an der Unionsmehrheit im Bundesrat gescheitert.
</p>
<p>
<b>clemens123:</b> Glauben Sie über eine neue Steuer<br />
eher Kapital anzuziehen oder zu vertreiben?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Weder noch. Wer über 250.000 Euro<br />
im Jahr verdient, wird keinen großen Beeinträchtigungen<br />
spüren. Ich glaube an die Bereitschaft vieler Menschen auch<br />
in diesen Einkommensklassen, etwas für die Gesellschaft zu<br />
tun. Sonst gäbe es z.B. auch nicht so viele Stiftungen in Deutschland.
</p>
<p>
<b>Daniel_Sei:</b> Die SPD hat doch jegliche Glaubwürdigkeit<br />
verloren, zuerst Agenda 2010 und Hartz IV, jetzt führt sie<br />
sich plötzlich wieder als Partei der kleinen Leute auf, das<br />
ist doch ein einziger Widerspruch.
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Ist es nicht. Hartz IV hat gerade vielen<br />
kleinen Leuten neue Chancen eröffnet. Zwei Drittel der bisherigen<br />
Sozialhilfeempfänger erhalten durch Hartz IV endlich verbindliche<br />
Angebote zur Qualifizierung und zur Vermittlung in den Arbeitsmarkt.<br />
Es ist besser, wenn ein Sozialsystem Teilhabe ermöglicht, als<br />
dass wir auf Dauer darauf setzen, dass Menschen von staatlichen<br />
Leistungen abhängig bleiben.
</p>
<p>
<b>Daniel_Sei:</b> Die SPD hat Veräußerungen<br />
von Unternehmensbeteiligungen steuerfrei gestellt. Franz Müntefering<br />
hat sich dann über die &#8216;Heuschrecken &#8216; beklagt, die über<br />
die deutsche Wirtschaft herfallen. Wie kann das sein?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Wir haben damals bezweckt, dass Unternehmen<br />
stärker investieren. Tatsächlich wurde die Regelung aber<br />
ausgenutzt. Deshalb haben wir auch korrigierend eingegriffen und<br />
es gilt heute eine Mindestbesteuerung in Deutschland, die versuchen<br />
wir gerade auch auf europäischer Ebene zu vereinbaren.
</p>
<p>
<b>suka:</b> Warum schafft es eine renommierte Partei wie die SPD nicht<br />
den Wähler/Bürger über seine Reformen ausreichend<br />
zu informieren und reformiert nur ständig und andauernd über<br />
die Köpfe der Wähler hinweg? Als Endverbraucher dieser<br />
Politik hat man stark zu kämpfen, die Reformen auch zu verstehen<br />
oder gar nachzuvollziehen!
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> In der Tat haben wir häufig den<br />
Fehler gemacht, zu wenig über die Probleme zu reden und gleich<br />
Lösungen anzubieten. Das fehlende Problembewusstsein, manchmal<br />
bis in die eigenen Reihen, hat dann lange, schwierige Debatten zur<br />
Folge gehabt. Und die Lösungen wurden oft nicht akzeptiert,<br />
weil man die Notwendigkeit mancher Reform gar nicht eingesehen hat.<br />
Wir haben zu wenig Kraft auch auf die Überzeugung in die eigenen<br />
Reihen gesteckt. Aber ohne die Überzeugungskraft der gesamten<br />
Mitgliedschaft ist es schwieriger, die Bürgerinnen und Bürger<br />
zu erreichen. Die Medien helfen dabei in der Regel nicht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die User sind an Ihrer Arbeit interessiert.<br />
2 Fragen im Paket:
</p>
<p>
<b>robot:</b> Frau Vogt, Was machen Sie eigentlich &#8211; d.h. was ist Ihr<br />
„Aufgabenbereich“ im BMI?
</p>
<p>
<b>MußGauerWeg18:</b> Was genau machen Sie eigentlich<br />
im Innenministerium?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Parlamentarische Staatssekretäre<br />
sind das Bindeglied zwischen Ministerium und Parlament. Ich habe<br />
keine speziellen Themen zugeordnet, sondern arbeite im gesamten<br />
Themenbereich des Ministeriums. Zum einen in Vertretung des Ministers,<br />
z.B. auf Terminen, die er nicht selbst wahrnehmen kann. Zum anderen<br />
in Richtung Parlament, indem ich das Parlament regelmäßig<br />
über wichtige Vorhaben informiere, bis hin zu konkreten Gesetzesverhandlungen,<br />
bei denen zwischen Ministerien und Abgeordneten die einzelnen Formulierungen<br />
ausgehandelt werden müssen. Die Themenbreite des Ministeriums<br />
geht von Terrorismusbekämpfung über Zuwanderung bis zu<br />
Sport und vielem mehr.
</p>
<p>
<b>Klapperschlange:</b> Sehr geehrte Frau Vogt, Sie sind<br />
ja unter anderem auch für die Modernisierung des Staates zuständig.<br />
Welche Gefahr lauert für die elektronische Demokratie im Falle<br />
eines Regierungswechsels?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Mein Eindruck ist, dass die CDU eine<br />
sehr konservative Einstellung zur elektronischen Kommunikation hat.<br />
Wir haben durch das Innenministerium heute fast 400 Dienstleistungen<br />
der gesamten Bundesregierung ins Netz gebracht und es ist unser<br />
erklärtes Ziel, den Bürgerinnen und Bürgern unkomplizierten<br />
Zugang zu den Behörden zu verschaffen. Ich sehe in der CDU<br />
niemanden, der das in ähnlicher Weise offensiv vorantreiben<br />
wird, wie wir das bisher getan haben.
</p>
<p>
<b>Georg_Hoezle:</b> Sie sind ja offensichtlich ganz<br />
bewandert in Sachen Offene Software: Wie will die Bundesregierung<br />
offene Software in Deutschland zu einem Wirtschaftsfaktor machen?<br />
Neben SAP gibt &#8216;s ja keine nennenswerten Schmieden in Deutschland.<br />
Ist offene Software nicht eine Option für den Wissensstandort<br />
Deutschland?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> OSS ist für uns ein wachsendes<br />
Feld und gibt gerade kleineren und mittleren Unternehmen große<br />
Chancen. Wir fördern im BMI OSS offensiv, indem wir die Einführung<br />
von OSS in der Verwaltung selbst anregen und dafür sorgen,<br />
dass das Wissen darüber möglichst viel verbreitet wird.<br />
Ich kann nur empfehlen, gehen sie auf unsere Homepage: www.bmi.bund.de<br />
und lassen sie sich dort zu unseren Initiativen führen.
</p>
<p>
<b>Ubuntu-Häuptling:</b> Wie sehen Sie die Entwicklung<br />
der Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst? Herr Schily<br />
will ja auch hier stark kürzen.
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Wir haben keine Kürzungen beschlossen,<br />
sondern eine überfällige Modernisierung des öffentlichen<br />
Dienstes. Das Bezahlungssystem soll umgestellt werden, die tatsächliche<br />
Leistung am Arbeitsplatz soll künftig stärker bewertet<br />
werden. Andere Bausteine, wie Lebensalter oder Zugehörigkeit<br />
zum Dienst, sollen dagegen z.B. bei Beförderungen weniger wichtig<br />
sein. Das Ganze wurde gemeinsam mit den Gewerkschaften auf den Weg<br />
gebracht. D.h. wir entwickeln unsere Modernisierung gemeinsam mit<br />
den Betroffenen.
</p>
<p>
<b>Carsten:</b> Warum verzögert ihrer Meinung der<br />
Kanzler seit fünf Wochen eine klare Entscheidung über<br />
Neuwahlen. Ein Rücktritt wäre doch die verfassungskonforme<br />
und zügigste Lösung.
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Ein Rücktritt des Kanzlers hätte<br />
zur Folge, dass ein neuer Kanzler gewählt werden müsste.<br />
Dazu gibt es im Bundestag keine Alternative. Gerhard Schröder<br />
soll Kanzler bleiben.
</p>
<p>
<b>Ulinux:</b> Für wie wichtig erachten Sie einen Generationenwechsel<br />
in der SPD, um bei den Wählern besser anzukommen?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Ich glaube, eine Partei ist dann erfolgreich,<br />
wenn sie auch in ihrer Führung eine gesunde Generationenmischung<br />
hat. Die nächste Gelegenheit, diese herzustellen, bietet sich<br />
bei der Aufstellung der Kandidatinnen und Kandidaten für die<br />
Bundestagswahl. Dort wo ich Verantwortung trage, will ich als Landesvorsitzende<br />
dafür sorgen, dass sowohl Ältere mit Erfahrung als auch<br />
neue junge Leute zum Zuge kommen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nach sieben Jahren Rot-Grün wirkt<br />
die SPD personell ausgezehrt. Sie gehören in der nachrückenden<br />
Generation zum Spitzenpersonal, wollen aber im Bund nicht mehr mitmischen.<br />
Können Sie das Ihrer Partei gegenüber überhaupt verantworten?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Eine Partei wird immer getragen aus<br />
guten Leuten in den Ländern und im Bund. Ich will mehr Verantwortung<br />
in Baden-Württemberg, weil ich dort Ministerpräsidentin<br />
werden möchte. Aber ich möchte mich gleichzeitig weiter<br />
als stellvertretende Bundesvorsitzende auch auf der Bundesebene<br />
einbringen, sofern die Basis mich dort erneut wählt.
</p>
<p>
<b>utzeeeeee:</b> Wie schätzen Sie die derzeitige<br />
politische Lage in den Bundesländern ein, wäre die Bundesregierung<br />
nach einer Wiederwahl überhaupt handlungsfähig?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Eine klare Wahl für die jetzige<br />
Bundesregierung würde auch die unionsregierten Länder<br />
unter Druck bringen und wäre das politische Signal, dass die<br />
CDU mit ihrer Blockadepolitik nicht zu Mehrheiten kommt. Sie würde<br />
zwangsläufig ihre Strategie ändern müssen und sich<br />
im Bundesrat an Sachlösungen beteiligen.
</p>
<p>
<b>Tom11:</b> Frau Vogt. Sehen sie das auch als Schwäche<br />
der SPD, in den letzten sieben Jahren nicht viel stärker für<br />
das skandinavische Modell eines erfolgreichen sozialdemokratischen<br />
Staates geworben zu haben und nun dem neoliberalen Modell der Union<br />
nichts entgegenzusetzen zu haben?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Jedenfalls haben wir es versäumt,<br />
rechtzeitig darauf hinzuweisen, dass nur ein starker Staat etwas<br />
für seine Bürgerinnen und Bürger tun kann. Bei uns<br />
ist den Menschen viel zu wenig bewusst, dass ihre Steuern dazu dienen,<br />
der Bevölkerung in Form von Bildung, Infrastruktur oder Sicherheit<br />
auch Gemeinschaftsleistungen zurückzugeben. In den skandinavischen<br />
Ländern ist die Bereitschaft Steuern für die Gemeinschaft<br />
zu zahlen ungleich höher.
</p>
<p>
<b>MenschMeier:</b> Szenario: Die Union gewinnt die Wahl<br />
und kürzt weiter, ändern wird sich dadurch nichts und<br />
die Menschen werden immer unzufriedener. Ist das nicht Wasser auf<br />
die Mühlen der Extremisten und wie kann man dem begegnen, denn<br />
die Gefahr des beschriebenen Szenarios besteht ja, oder?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Die Gefahr besteht sicherlich. Begegnen<br />
kann man dem, indem man vor der Wahl die Alternativen auf den Punkt<br />
bringt. Der Vorteil der Neuwahl ist, dass die CDU jetzt klar sagen<br />
muss, wofür sie steht und nicht mehr allein nur die Regierung<br />
kritisieren kann. Die Menschen haben die Wahl zwischen einer sozialen<br />
Marktwirtschaft, in der notwendige Reformen gemacht werden, aber<br />
solidarische Absicherung Selbstverständlichkeit bleibt oder<br />
eben dem amerikanischen &quot;Hilf-dir-selbst-Modell&quot;, für<br />
das die CDU steht. Abgleiten in Extremismus kann man nur verhindern,<br />
wenn man deutlich macht, dass die Bürger auch mit ihrer Stimme<br />
gestalten können und eine Verantwortung bei der Stimmabgabe<br />
haben.
</p>
<p>
<b>Madface:</b> Sind Sie von den Gewerkschaften enttäuscht,<br />
weil diese sich bei der kommenden Bundestagswahl diesmal nicht eindeutig<br />
für die SPD aussprechen wollen?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Mich hat mehr enttäuscht, dass<br />
einige Gewerkschaftsfunktionäre die positiven Leistungen, wie<br />
die Absicherung der Tarifautonomie, die Ausweitung der Mitbestimmung<br />
und den Erhalt des Kündigungsschutzes überhaupt nicht<br />
erwähnen. Eine Wahlempfehlung müssen überparteiliche<br />
Gewerkschaften nicht geben. Aber meine Erwartung ist schon, dass<br />
die Regierung, die gewährleistet, dass Gewerkschaften nicht<br />
in ihrer Substanz geschwächt werden, nicht so bekämpft<br />
wird wie das zum Teil der Fall war.
</p>
<p>
<b>derWolter:</b> Die Linke in Deutschland ist mal wieder<br />
dumm genug, sich selbst in Knie zu schießen. Die Linkspartei<br />
will die SPD für ihre Reformen abstrafen und bereitet damit<br />
Angela Merkel den Weg ins Kanzleramt, womit die Reformen noch deutlich<br />
schärfer werden. Wie will die SPD im Wahlkampf darauf reagieren?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Der Zusammenschluss von PDS und Freunden<br />
hat nur die Funktion, Proteststimmen zu sammeln. Wir wollen uns<br />
bemühen, um die Wählerinnen und Wähler zu werben,<br />
um klar zu machen, dass man mit einer Wahlentscheidung jemandem<br />
auch Macht und Vertrauen in die Hand gibt. Zwei Führungsfiguren<br />
wie Gysi und Lafontaine, die beide gezeigt haben, dass sie dann<br />
davon laufen, wenn sie wirklich gestalten müssen, haben solches<br />
Vertrauen nicht verdient.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Täuscht der Eindruck oder wirken<br />
die Sozialdemokraten derzeit gegenüber der Konkurrenz von Links<br />
recht hilflos?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Es ist für uns nicht einfach, der<br />
großen Medienaufmerksamkeit, die die beiden Führungsfiguren<br />
genießen, mit gleicher Macht entgegen zu treten. Das Phänomen<br />
wird sich aber sicher legen, wenn PDS und Anhängsel mal wirklich<br />
inhaltlich Farbe bekennen müssen. Derzeit lebt das Ganze noch<br />
davon, dass eben etwas Neues auf der Bühne geschieht.
</p>
<p>
<b>tacko:</b> Hallo Frau Vogt! Von Ihnen als Mitglied des Parteipräsidiums<br />
möchte ich gerne wissen, warum sich die SPD-Führenden<br />
so herablassend über Oskar Lafontaine äußern, ihn<br />
zum Teil persönlich niedermachen, anstatt sich inhaltlich mit<br />
ihm auseinanderzusetzen, wo die derzeitige SPD-Führung offenbar<br />
nicht viel entgegenzusetzen hat.
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Ich habe von Oskar Lafontaine bislang<br />
außer Schmähreden noch nicht viel hören können.<br />
Konstruktive Vorschläge oder gar Lösungsansätze,<br />
die er früher ja durchaus entwickelt hat, sind heute nicht<br />
mehr zu finden. Die Enttäuschung über ihn liegt an dem<br />
Missbrauch unseres Vertrauens. Er war Parteivorsitzender und Finanzminister,<br />
er hat uns damals beide Ämter vor die Füße geworfen<br />
und ist geflohen, anstatt sich seiner Verantwortung zu stellen und<br />
zu gestalten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wenn die neue Linkspartei 8 oder 10<br />
Prozent bekommt, wird die SPD dieses neue Phänomen kaum dauerhaft<br />
ignorieren können, oder?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Da sie diese Prozentzahl nicht erreichen<br />
wird, muss man sich darauf nicht einlassen. Man kann mit Protesthaltung<br />
immer Unzufriedene aktivieren, wirkliches Vertrauen in der Breite<br />
zu schaffen gelingt damit nicht.
</p>
<p>
<b>Daniel_Sei:</b> Frau Vogt, haben Sie Oskar Lafontaines<br />
neuestes Buch gelesen? Da finden sich jede Menge konstruktiver Lösungsansätze.
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Ich werde ihn sicherlich nicht auch<br />
noch finanziell unterstützen, indem ich seine Bücher kaufe.<br />
Ich kenne seine Reden, lese in der Zeitung, was er von sich gibt<br />
und habe bisher wirklich nichts entdeckt, was neu wäre und<br />
wirklich umsetzbar.
</p>
<p>
<b>Arc:</b> Hartz IV ist das Werk der SPD. Zwar von CDU/CSU toleriert.<br />
Was ist daran sozial? Die PDS und die Alternative Liste haben mehr<br />
für den „kleinen Mann“ übrig als die neoliberale<br />
SPD. Wodurch unterscheidet sich die SPD eigentlich von der bürgerlichen<br />
CDU?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Bei Hartz IV erhalten die Menschen einen<br />
Anspruch auf Vermittlung und viele erstmals einen Anspruch auf Qualifizierung<br />
und Fortbildung. Es ist sozial, wenn für Sozialhilfeempfänger<br />
wieder die Grundlagen geschaffen werden, dass sie sich überhaupt<br />
um einen Arbeitsplatz bewerben können. Die CDU will im Vergleich<br />
dazu die Gelder für aktive Arbeitsmarktpolitik zusammenstreichen.<br />
Die so genannte &quot;Linkspartei&quot; hat die Illusion, dass man<br />
staatliche Leistungen auf Dauer in der bisherigen Form finanzieren<br />
kann und dass man Menschen helfen würde, indem man sie in Abhängigkeit<br />
von staatlichen Leistungen hält.
</p>
<p>
<b>amir128:</b> Warum gestehen sich die Politiker nicht<br />
öffentlich ein, dass Arbeitsplätze von der Wirtschaft<br />
geschaffen werden und heutzutage kaum noch Einfluss seitens der<br />
Politik besteht? Stattdessen sollte die Außenpolitik hervorgehoben<br />
werden, die ja in den Augen der meisten Deutschen vorbildlich war.
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Außenpolitik ist wirklich ein<br />
Feld, das in der öffentlichen Darstellung viel zu kurz kommt.<br />
Denn hätten Frau Merkel und Herr Stoiber die letzten Jahre<br />
regiert, wären wir an vorderster Front beim Irakkrieg dabei.<br />
Trotzdem muss das Thema Arbeit eine gleich große Rolle spielen,<br />
denn die Menschen wollen eben Antworten auf beides, Außen-<br />
und Innenpolitik. Richtig ist, dass Politik nur Rahmenbedingungen<br />
festlegt und nicht selbst Arbeitsplätze schafft. Das ist mit<br />
ein Grund, warum Franz Müntefering die Diskussion um die Verantwortung<br />
der Unternehmer für unser Land begonnen hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Frau Vogt möchte 2006 Ministerpräsidentin<br />
werden. Dazu mehrere Fragen:
</p>
<p>
<b>Ulinux:</b> Welche Chancen rechnen Sie sich im Landtagswahlkampf gegen<br />
Herrn Oettinger aus? Wird es nach der Bundestagswahl eine Trendwende<br />
bei den Landtagswahlen geben?
</p>
<p>
<b>Madface:</b> Rechnen Sie sich als Spitzenkandidatin<br />
der SPD in Baden-Württemberg wirkliche Chancen aus, Ministerpräsidentin<br />
zu werden?
</p>
<p>
<b>Daniel_Sei:</b> Wie hoch schätzen sie Ihre Chancen<br />
ein, in Baden-Württemberg Ministerpräsidentin zu werden?<br />
Wie verstehen Sie sich mit dem dortigen SPD-Politiker Ulrich Maurer,<br />
der ein heftiger Kritiker der rot-grünen Regierungspolitik<br />
ist?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Die nordrhein-westfälische Landtagswahl<br />
hat gezeigt, dass es &#8211; für die SPD „leider“, in<br />
diesem Fall &#8211; keine Stammländer für einzelne Parteien<br />
mehr gibt. Deshalb gilt auch für Baden-Württemberg: Vor<br />
jeder Wahl müssen alle das Vertrauen der Bürgerinnen und<br />
Bürger neu erringen. Mit Günter Oettinger hat Baden-Württemberg<br />
einen Ministerpräsidenten, der in seiner Person und mit seinem<br />
Verhalten einen totalen Gegensatz zu mir darstellt. Und deshalb<br />
haben die Wähler hier eine richtige Auswahl.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zum Abschluss noch mal 2 Fragen zur<br />
Reichensteuer mit ähnlichem Zungenschlag:
</p>
<p>
<b>Human:</b> Besteht nicht die Gefahr bei der höheren<br />
Besteuerung der Reichen, dass die Steuerflucht noch mehr steigt?
</p>
<p>
<b>Helge:</b> Frau Vogt, Sie glauben also im Ernst daran, dass eine „Reichensteuer“<br />
nicht im Geringsten dafür sorgen wird, dass die Leute, die<br />
die meisten Steuern bezahlen, nicht vertreiben werden. In einer<br />
globalisierten Welt, in der es kein Problem ist mal eben seinen<br />
Wohnsitz in ein anderes Land zu verlegen?
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Man muss ja die Dimension auch nicht<br />
höher ansetzen als sie wirklich ist. Mit einem Aufschlag von<br />
drei Prozent mehr wird niemand überstrapaziert. Und ich denke,<br />
wer als Privatmann Steuerflucht begehen will, hat heute schon seinen<br />
Auslandssitz, die anderen werden sicher ihren Beitrag auch jetzt<br />
noch leisten, wenn er ein klein wenig höher ist als früher.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere 60 Minuten Politik-Chat sind<br />
um. Vielen Dank für das große Interesse. Herzlichen Dank<br />
an Sie, Frau Vogt, dass Sie sich die Zeit für den Chat genommen<br />
haben! Das Chat-Protokoll finden Sie wie immer auf den Seiten der<br />
Veranstalter. Der nächste Chat findet am Mittwoch, den 6. Juli<br />
von 13 bis 14 Uhr statt. Zu Gast ist dann Bundesgesundheitsministerin<br />
Ulla Schmidt.
</p>
<p>
<b>Ute Vogt:</b> Herzlichen Dank für die vielen<br />
und vielfältigen Fragen. Ich hoffe, Sie bleiben an Politik<br />
interessiert und informieren sich nicht nur weiter regelmäßig<br />
im Netz, sondern auch auf vielen politischen Veranstaltungen. Ich<br />
bin überzeugt, wer gut informiert ist, kann gar nicht anders,<br />
als der jetzigen Regierung weiter die Zustimmung zu geben.
</p>
<p><!-- #EndEditable --></p>
<p>
<span style="font-size: x-small"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/ich-persoenlich-bin-ueberzeugt-dass-hartz-iv-notwendig-und-richtig-war-201/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Dann gäbe es wohl einen Bürgerkrieg im Irak.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdann_gaebe_es_wohl_einen_buergerkrieg_im_irakquot-202/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdann_gaebe_es_wohl_einen_buergerkrieg_im_irakquot-202/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[rthurnher]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jun 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Volker Perthes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Volker Perthes, designierter Direktor 
der Stiftung Politik und Wissenschaft, war am 22. Juni zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Er sprach über 
seine Einschätzungen zur Lage im nahen Osten.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Volker Perthes, designierter Direktor<br />
der Stiftung Politik und Wissenschaft, war am 22. Juni zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Er sprach über<br />
seine Einschätzungen zur Lage im nahen Osten.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Unsere Chat Reihe wird veranstaltet von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de und unterstützt von tagesspiegel.de.<br />
Unser Gast heute ist Volker Perthes, Experte für die arabische Welt<br />
bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin (SWP), deren Leitung<br />
er im Herbst übernehmen wird. Die SWP berät als unabhängige<br />
Einrichtung Bundestag und Bundesregierung, ein Berliner „Think Tank“,<br />
also.<br />
Die Leitung steht, beginnen wir damit:
</p>
<p>
<b>Tickkerman:</b> Die US-Amerikaner haben nicht das beste<br />
Image bei den Irakern. Wie sieht es bei den europäischen Soldaten<br />
aus? Wird überhaupt ein Unterschied gemacht?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Ja, es wird durchaus ein kleiner Unterscheid<br />
gemacht. Die Briten etwa haben ein besseres Image, weil sie in der Regel<br />
mit mehr Vorsicht vorgehen, d.h. aber nicht, dass &#8211; wenn etwa NATO-Truppen<br />
die Amerikaner ersetzen würden &#8211; der Widerstand deshalb aufhörte.<br />
Wenn die NATO einfach die Stelle der Amerikaner einnähme oder als<br />
Sub-Unternehmer der USA tätig würde, würden sie genauso<br />
als Besatzungstruppen wahrgenommen.
</p>
<p>
<b>Roland79:</b> Mit welchem Zeithorizont wird eigentlich gerechnet,<br />
den Irak in ein nahezu befriedetes &#8211; sprich terrorfreies &#8211; Land zu überführen?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Ich weiß nicht mit welchem Zeithorizont<br />
die Amerikaner rechnen, aber es sieht nicht so aus als ob die amerikanischen<br />
Truppen und die irakische Regierung die Rebellion und den Terror innerhalb<br />
der nächsten ein, zwei Jahre niederschlagen könnten. Gleichzeitig<br />
versuchen die Amerikaner allerdings strategische Orte im Irak soweit zu<br />
befrieden, dass sie im Laufe des nächsten Jahres ihre Truppen zumindest<br />
reduzieren können. Wir sollten davon ausgehen, dass wir Bilder vom<br />
Terror im Irak sicher in den nächsten zwei, vielleicht auch drei<br />
Jahren noch oft zu sehen bekommen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie haben mal an der Uni Beirut &quot;vor<br />
Ort&quot; gelehrt, hier in Berlin stellt sich die berechtigte Frage:
</p>
<p>
<b>FirstMover:</b> Woher beziehen Sie eigentlich Ihre Informationen?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Aus häufigen Reisen in die Region.<br />
Aus dem Studium der regionalen Presse. Aus Gesprächen mit Kollegen,<br />
Freunden und anderen Gesprächspartnern in der Region und natürlich<br />
auch aus den deutschen und internationalen Medien und Fachzeitschriften.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Gibt es irgendeine Art von Partner-&quot;Think<br />
Tank&quot; im Irak. Oder ist die politische Wissenschaft dort noch nicht<br />
wieder zum Leben erweckt worden?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Die politische Wissenschaft beginnt<br />
tatsächlich wieder zu leben, aber eher an den Universitäten<br />
als in Think Tanks. Es gibt einige Versuche, „Think Tanks“<br />
zu errichten, die sind aber noch nicht sehr weit gediehen. Gerade politisch<br />
aktive Wissenschaftler laufen zudem Gefahr. Ein guter Bekannter von mir<br />
der als Professor an der Universität in Bagdad tätig war und<br />
sich häufig zu politischen Tagesfragen, also gerade auch zur Gewalt<br />
im lokalen und internationalen Fernsehen geäußert hat, ist<br />
vor einem Jahr von einer Gruppe Bewaffneter aus seinem Auto gezerrt und<br />
hingerichtet worden. Und er ist nicht der einzige Wissenschaftler der<br />
so zum Opfer der politischen Macht-Auseinandersetzungen im Irak geworden<br />
ist.
</p>
<p>
<b>XinPing:</b> Gibt es im Irak ein unabhängiges Mediensystem,<br />
das die Menschen vor Ort aufklärt?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Ja, die lokalen Medien, insbesondere<br />
die Zeitungen, werden zunehmend unabhängig und kritisch. Daneben<br />
gibt es den Zugang zu arabischen und internationalen elektronischen Medien.<br />
In jedem Fall ist die Isolierung, unter der die Iraker unter Saddam Hussein<br />
lebten, gerade auch die Isolierung von der internationalen Medienwelt,<br />
heute überwunden.
</p>
<p>
<b>liberated:</b> Was halten Sie von Al Jazeera?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Al Jazeera hat eine klare Medienrevolution<br />
in der arabischen Welt herbeigebracht indem sie kontroverse Diskussionen<br />
zu für die Bürger dieser Staaten sehr wichtigen Themen ausgestrahlt<br />
haben. Damit haben sie tatsächlich etwas sehr Positives für<br />
die Diskussionskultur in der Region getan. Gleichzeitig ist es wie die<br />
meisten Fernsehsender ein populistisches Medium. D.h. es überzeichnet<br />
und übertreibt gelegentlich um die Massen von der Konkurrenz vor<br />
das eigene Programm zu ziehen. Politisch ist man sicherlich eher arabisch-nationalistisch<br />
und ein wenig islamistisch. Da dem Sender aber abwechselnd vorgeworfen<br />
wird von Bin Laden, den Israelis oder dem CIA gesteuert zu sein, scheinen<br />
sie letztlich doch einen recht ausgeglichenen Kurs zu fahren.
</p>
<p>
<b>heino2:</b> Meinen Sie, dass ohne eine Lösung des Nahost-Konflikts<br />
im Irak überhaupt dauerhaft Stabilität und Sicherheit geschaffen<br />
werden kann?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Die beiden Konflikte beeinflussen sich<br />
durchaus gegenseitig. Es ist sicher so, dass eine friedliche Regelung<br />
des Nahost-Konflikts auch zu einer Beruhigung der Auseinandersetzungen<br />
im Irak beitragen würde. Schon weil Anti-Amerikanismus, ja sogar<br />
der Hass auf die Amerikaner, sich heute zum großen Teil davon nährt,<br />
dass den USA vorgeworfen wird einseitig Israel zu unterstützen. Tatsächlich<br />
sehen wir heute, dass die zweite Administration von George W. Bush ernsthaftere<br />
Bemühungen zur Regelung des Konfliktes in Nahost unternimmt. Nicht<br />
zuletzt wohl, weil es im Irak überhaupt nicht nach Plan läuft.
</p>
<p>
<b>betty:</b> Was würde aus Ihrer Sicht passieren, wenn<br />
man den Irak morgen wieder komplett sich selbst überlassen würde?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Dann gäbe es wohl einen Bürgerkrieg<br />
im Irak. Das Dilemma der Situation ist gerade auch für Wissenschaftler<br />
und Berater, dass wir nicht mit gutem Gewissen einen sofortigen Abzug<br />
der Besatzungstruppen fordern können. Sie haben diesen Krieg gegen<br />
den Rat vieler ihrer Verbündeter geführt und wir können<br />
ihnen jetzt nicht raten den Irak wieder zu verlassen ohne zumindest effektive<br />
staatliche Strukturen wiederhergestellt zu haben.
</p>
<p>
<b>Tom 21:</b> Gibt es im Irak eigentlich auch Teile der Bevölkerung,<br />
die fremde Truppen in ihrem Land befürworten und als Unterstützung<br />
ansehen? Oder teilt die gesamte Bevölkerung die &quot;Antihaltung&quot;<br />
der gewalttätigen Rebellen?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Es gibt schon eine ganze Reihe gesellschaftlicher<br />
Kräfte, die aus den in der Antwort auf die letzte Frage genannten<br />
Gründe für eine weitere Anwesenheit der Amerikaner eintreten,<br />
eben um Chaos und Bürgerkrieg zu vermeiden. Und es gibt politische<br />
und gesellschaftliche Gruppen, die sagen, dass man das Regime von Saddam<br />
Hussein ohne die Hilfe der Amerikaner nie losgeworden wäre. Gleichzeitig<br />
gilt, dass kaum jemand richtig glücklich ist, unter Besatzung zu<br />
leben. Es gibt nur eben unterschiedliche Strategien, ein Ende der Besatzung<br />
herbeizuführen. Die Parteien, die an den Parlamentswahlen teilgenommen<br />
haben, sagen sich &#8211; richtigerweise, wie ich denke, dass man die Besatzung<br />
am schnellsten loswird, wenn man einen glaubwürdigen Staat aufbaut.<br />
Die Rebellen glauben &#8211; zum Teil jedenfalls &#8211; dass sie die Amerikaner gewaltsam<br />
vertreiben können. Und ihr Ziel ist wohl auch nicht die Errichtung<br />
eines demokratischen Staates.
</p>
<p>
<b>irgenteinname:</b> Wenn Sie beim Abzug der Amerikaner einen<br />
Bürgerkrieg befürchten, als was bezeichnen Sie die jetzigen<br />
Verhältnisse dort?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Man kann von einer Rebellion sprechen<br />
oder von einer Kombination von Widerstand gegen die ausländischen<br />
Truppen und Terror gegen die irakische Bevölkerung. Einen Bürgerkrieg,<br />
bei dem unterschiedliche gesellschaftliche oder politische Gruppen mit<br />
ihren Privatarmeen oder -milizen gegeneinander kämpfen würden,<br />
gibt es noch nicht. Die Gefahr wäre allerdings da, wenn etwa die<br />
Suche nach einem Verfassungskompromiss scheitern, es keine einvernehmliche<br />
Lösung über die Zukunft Irakisch-Kurdistans oder über die<br />
Stadt Kirkuk geben sollte. Dann kann es durchaus sein, dass es zu einem<br />
gewaltsamen Aufbruch des Staates und zu bewaffneten Auseinandersetzungen<br />
zwischen verschiedenen Volksgruppen kommt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Anwesenheit der USA provoziert allerdings<br />
ja bekanntermaßen, daher Nachfrage von:
</p>
<p>
<b>Stickler:</b> Nach meiner Meinung erleben die Amerikaner<br />
im Irak gerade ihr zweites Vietnam. Wäre es nicht besser, als Reizfigur<br />
sich aus dem Irak zurückzuziehen und die Staatengemeinschaft zu bitten,<br />
die Probleme diplomatisch zu klären?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Es wäre klüger gewesen, von<br />
Anfang an eine diplomatische Lösung zu suchen. Ein rascher Rückzug<br />
würde jetzt aber als Sieg der Rebellen und der übelsten terroristischen<br />
Elemente, die im Irak einen „save haven“ gefunden haben, verstanden<br />
werden. Insofern wäre es vermutlich richtig, wenn die USA und ihre<br />
Alliierten in Kooperation mit der gewählten irakischen Regierung<br />
klare Kriterien benennen würden, bei deren Erfüllung dann ein<br />
vollständiger – und ich betone: vollständiger –<br />
amerikanischer Abzug stattfindet. Damit würde man auch allen Spekulationen<br />
entgegentreten, dass die USA sich langfristig im Irak festsetzen und letztlich<br />
nur die Ölvorräte des Irak kontrollieren wollten.
</p>
<p>
<b>adonisKF:</b> Glauben Sie, dass die US-Truppen unter einem<br />
Präsidenten der Demokratischen Partei aus dem Irak abgezogen würden?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Wenn die Wahlen im letzten Herbst anders<br />
ausgegangen wären, ständen wahrscheinlich trotzdem noch US-Truppen<br />
im Irak. Auch eine demokratisch geführte US-Regierung muss ja mit<br />
den Dilemmata umgehen, die durch den Krieg entstanden sind. Allerdings<br />
könnte ein demokratischer Präsident glaubwürdiger sagen:<br />
Wir haben hier ein Problem, das wir gemeinsam lösen wollen, lasst<br />
uns, als Iraker, Amerikaner und Europäer, möglicherweise auch<br />
als arabische Nachbarn, überlegen, wie wir zur Stabilisierung des<br />
Irak beitragen können.
</p>
<p>
<b>StockholmCity:</b> Wenn Sie eine neue Bundesregierung nach<br />
Beratung fragen sollte bezüglich eines Engagements im/für den<br />
Irak, welchen Ratschlag würden Sie geben? Welchen Beitrag sollte<br />
Deutschland Ihrer Meinung nach im Irak leisten?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Wir haben eine Mitverantwortung für<br />
den Aufbau eines möglichst pluralistischen, zivilen Irak. D.h., dass<br />
Deutschland sich mit vielen der bekannten Mitteln der Entwicklungs- und<br />
Aufbauhilfe im Irak engagieren sollte &#8211; also etwa Ausbildungshilfe für<br />
Polizei und Justiz, für Behörden und Nichtregierungsorganisationen<br />
(NRO). Natürlich kann ein Entwicklungsministerium keine Entwicklungshelfer<br />
in Kampfzonen schicken. Man wird deshalb dieses Engagement geographisch<br />
erst einmal auf jene Regionen konzentrieren müssen, in denen die<br />
Sicherheit einigermaßen gewährleistet ist. Das gilt etwa für<br />
den kurdischen Norden des Irak. Ich denke, wir haben auch gerade für<br />
den politischen Aufbau als Deutsche, möglicherweise in Kooperation<br />
mit einigen unser europäischen Partnern, einiges anzubieten, etwa<br />
unsere Erfahrung mit föderalen Strukturen oder so wichtigen Instrumenten<br />
für den Zusammenhalt eines Staates wie den Finanzausgleich zwischen<br />
verschiedenen Bundesländern und Regionen. Die Iraker suchen ja noch<br />
nach Wegen und Mitteln, um einen ihren Verhältnissen angemessenen<br />
Föderalismus lebensfähig zu machen. Und man muss wissen, dass<br />
der Irak in Zukunft wohl nur als einheitlicher Nationalstaat fortexistieren<br />
wird, wenn er eine stabile föderative Verfassung auf den Weg bringt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein Teil dessen, was Sie vorschlagen, passiert<br />
bereits. Was glauben Sie, würde sich unter einer Regierung Merkel<br />
verändern?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Ich denke, in der Substanz wird die<br />
Veränderung in punkto Irak nicht groß sein. Möglicherweise<br />
wird es einer Regierung Merkel leichter fallen, mit den USA Einvernehmen<br />
über eine gewisse Arbeitsteilung im Irak herbeizuführen. Das<br />
versucht auch die derzeitige Bundesregierung. Aber in Washington, insbesondere<br />
in den Kreisen, die dort die Irakpolitik gestalten, ist die derzeitige<br />
deutsche Regierung nach wie vor kein bevorzugter Partner. Ich glaube auch<br />
dass eine CDU-geführte Bundesregierung nach zivilen Möglichkeiten<br />
der Aufbauhilfen für den Irak suchen wird und keine deutschen Truppen<br />
an den Euphrat schicken wird.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zur vorherigen Antwort:
</p>
<p>
<b>StockholmCity:</b> (direkte Nachfrage): Ein militärisches<br />
Engagement Deutschlands im Irak sehen Sie also nicht als empfehlenswert/angebracht/notwendig?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Nein. Was würde es nützen?<br />
Glauben Sie, dass die Bundeswehr einen so machtvollen Aufstand wie den,<br />
den die amerikanische Armee sich seit zwei Jahren zu besiegen bemüht,<br />
siegreich bekämpfen könnte?
</p>
<p>
<b>Michael_B:</b> Besteht in der irakischen Bevölkerung<br />
überhaupt ein Verständnis für Demokratie?
</p>
<p>
<b>tony:</b> Wie glauben Sie wird sich die Demokratie in Irak<br />
entwickeln, wird es dort überhaupt eine demokratische Entwicklung<br />
geben? Wie kann es zu einer demokratischen Entwicklung kommen, wenn die<br />
Mehrzahl der Bevölkerung nicht weiß, was Demokratie ist?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Es gibt ein großes Interesse an<br />
politischem Pluralismus und Machtteilung zwischen allen relevanten gesellschaftlichen<br />
Gruppen. Und es gibt ein sicher ebenso großes Interesse an dem,<br />
was man &quot;gute Regierungsführung&quot; nennt, also Rechtsstaatlichkeit,<br />
die Wahrung persönlicher Freiheiten, Transparenz und Bekämpfung<br />
der Korruption. Dies dürfte meiner Einschätzung nach stärker<br />
wiegen, als der Wunsch nach einem liberalen Demokratiemodell, wie wir<br />
es in europäischen Staaten kennen. Und je mehr die Sicherheit des<br />
einzelnen Bürgers durch Gewalt und Terror gefährdet ist, desto<br />
stärker wiegt der Wunsch nach Sicherheit und Ordnung. Grundsätzlich<br />
aber hat die vergleichsweise hohe Wahlbeteiligung an den irakischen Parlamentswahlen<br />
im Januar gezeigt, dass die Iraker und Irakerinnen sehr wohl am Aufbau<br />
einer zivilen Staatsordnung mit zumindest demokratischen Elementen interessiert<br />
sind.
</p>
<p>
<b>salman:</b> In vielen arabischen Ländern geht zurzeit<br />
die Angst vor einem so genannten schiitischen Halbmond (Iran, Irak, Libanon)<br />
um. Ist das eine reelle Gefahr gerade in Anbetracht der iranischen Bemühungen<br />
zur Atommacht aufzusteigen?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Ich sehe das nicht als Gefahr. Eine<br />
Gefahr sehe ich allerdings darin, dass eine Reihe von Beobachtern und<br />
Politikern der arabischen Welt die gegenwärtigen politischen und<br />
gesellschaftlichen Veränderungen in einzelnen Ländern der Region<br />
in ein konfessionelles oder konfessionalistisches Denk- und Analyseraster<br />
zu pressen versuchen. Im Irak haben doch nicht ernsthaft &quot;die Schiiten&quot;<br />
die Macht übernommen, sondern hier ist erstmals das Prinzip einer<br />
repräsentativen Machtteilung, zumindest im Ansatz, durchgeführt<br />
worden.
</p>
<p>
<b>Franz56:</b> Wird der demokratische Irak andere Nachbarstaaten<br />
demokratisieren?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wenn er denn demokratisch wird – das<br />
ist ja die Domino-Theorie.
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Demokratie, wenn sie denn haltbar sein<br />
soll, muss sich auf innere gesellschaftliche und politische Strukturen<br />
stützen können. Deshalb wird der Irak kaum seine Nachbarn demokratisieren.<br />
Er wäre dazu auch in einer schlechten Lage. Was wir allerdings sehen<br />
können, ist, dass der Umsturz im Irak politische Kräfte in anderen<br />
Ländern, die eine Veränderung in Richtung Demokratie und Pluralität<br />
wollen, ermutigt hat. Sich durchzusetzen, gelingt diesen Kräften<br />
aber am ehesten, wo schon eine starke Zivilgesellschaft und demokratische<br />
Erfahrungen vorhanden sind. Deshalb ist man im Libanon heute so viel weiter<br />
als etwa in Syrien, Ägypten oder Saudi-Arabien.
</p>
<p>
<b>Orientalism:</b> Wie weit lässt sich die Situation<br />
im Irak heute mit dem libanesischen Bürgerkrieg vergleichen (siehe<br />
Entführungen, Anschläge usw.)?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Wir haben hier eine ganz andere Konfliktstruktur,<br />
aber die Mittel, die angewandt werden sind zum Teil die Gleichen. Vom<br />
Libanon lernt der Irak eher in einer anderen Dimension: Viele Politiker<br />
sind der Ansicht, dass eine Form der Machtbeteiligung aller konfessionellen<br />
und ethnischen Gruppen, wie wir sie im Libanon kennen, auch für den<br />
Irak das Richtige wären, zumindest für eine Übergangszeit.<br />
In der Praxis ist die irakische Regierung ja schon nach diesem Prinzip<br />
zusammengesetzt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Die Frage bezieht sich auf Irak:
</p>
<p>
<b>adonisKF:</b> Wie wird sich das Verhältnis zu Israel<br />
in Zukunft entwickeln?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Es scheint so, dass die neue irakische<br />
Regierung keinerlei Vorreiterrolle für das arabisch-israelische Verhältnis<br />
übernehmen will. Sie wird wie die meisten anderen arabischen Regierungen<br />
auf Bewegung im israelisch-palästinensischen Verhältnis warten<br />
und sicher auch keine diplomatischen Beziehungen mit Israel aufnehmen,<br />
bevor das israelisch-palästinensische Verhältnis zumindest wieder<br />
auf dem Weg des Friedens ist. In diese Richtung hat sich auch der irakische<br />
Präsident Talabani bei seiner Antrittsrede geäußert.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wenn es denn bei den drängenden Problemen<br />
dort eine Hitliste gibt:
</p>
<p>
<b>MellowMOOD:</b> Was ist denn das derzeit dringendste Problem,<br />
das im Irak gelöst werden muss?
</p>
<p>
<b>Volker Perthes:</b> Sicherheit ist vorrangig, weil es ohne<br />
Sicherheit auch keine wirtschaftliche Entwicklung und kein Vertrauen in<br />
die Zukunft der neuen Ordnung im Irak gibt. Als zweite Priorität<br />
gilt die fristgemäße Erledigung der politischen Aufgabenliste,<br />
die man sich selbst gestellt hat. Also Verabschiedung eines Verfassungsentwurfes<br />
bis Oktober, Wahlen für ein Parlament bis zum Ende des Jahres.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere 60 Minuten Politik-Chat sind um, vielen<br />
Dank für das große Interesse am Thema Nahost. Wie immer blieben<br />
viele Fragen, aber der nächste Nahost-Chat kommt bestimmt. Herzlichen<br />
Dank an Sie, Herr Perthes, dass Sie sich die Zeit für den Chat genommen<br />
haben! Das Chat-Protokoll finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter.<br />
Der nächste Chat findet am Montag, 27. Juni um dreizehn Uhr statt.<br />
Dann wird Ute Vogt im Chat Rede und Antwort stehen. Die SPD-Vizechefin<br />
ist parlamentarische Staatssekretärin im Innenministerium und Bundestagsabgeordnete.<br />
Einen schönen Tag noch allerseits!<br />
Und sorry für die Überziehung 😉</p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die große Angst, die wir manchmal auf den Gesichtern hier sehen, hat sicher gute Gründe.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_grosse_angst_die_wir_manchmal_auf_den_gesichtern_hier_sehen_hat_sicher_gute_gruendequot-204/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[rthurnher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jun 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>
		<category><![CDATA[Außenpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Atomwaffen]]></category>
		<category><![CDATA[Mario Schmidt]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Fritz]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Mario Schmidt und Martin Fritz, 
ARD-Korrepondenten (NDR), chatteten am 17. Juni live per Telefon 
aus der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Sie berichteten 
über ihre Erfahrungen in dem diktatorischen Land.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Mario Schmidt und Martin Fritz,<br />
ARD-Korrepondenten (NDR), chatteten am 17. Juni live per Telefon<br />
aus der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. Sie berichteten<br />
über ihre Erfahrungen in dem diktatorischen Land.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Politikinteressierte,<br />
herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Unsere Chat-Reihe wird<br />
veranstaltet von tagesschau.de und politik-digital.de und unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Im Chat sind heute die ARD-Korrespondenten<br />
Mario Schmidt und Martin Fritz. Sie sind per Telefon aus der nordkoreanischen<br />
Hauptstadt Pjöngjang mit uns verbunden. Hallo Herr Schmidt<br />
und Herr Fritz, kann’s losgehen?
</p>
<p>
<b>Antwort:</b> „Ja“, von beiden!
</p>
<p>
<b>Moderator</b>: Unser Bild von Nordkorea ist diffus:<br />
Wenn Sie ihre ersten Eindrücke auf eine Postkarte schreiben<br />
würden, was würde drauf stehen?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Es ist nach wie vor sehr schwierig,<br />
ein komplettes Bild von Nordkore zu bekommen. Wir dürfen meisten<br />
nur mit ausgesuchten Menschen sprechen und dürfen auch nicht<br />
alles sehen, was wir wollen, da wir ständig Aufpasser dabei<br />
haben. Mein Haupteindruck: Es ist nach wie vor ein sehr mysteriöses<br />
Land mit vielen Rätseln. Im Moment merkt man, wenn man durch<br />
die Straßen fährt, dass eine Nahrungsmittelkrise ansteht.<br />
Viele Menschen sind seit Wochen auf den Reisfeldern, weil sie mithelfen<br />
müssen, dort Reis zu setzen. Das betrifft hunderttausende Stadtbewohner.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Man sieht, dass es ein sehr armes<br />
Land ist. Wir sind heute acht Stunden über die Dörfer<br />
gefahren. Es wird fast alles mit der Hand gemacht. Die meisten Fabriken<br />
entlang der Straßen sind tot. Überall stehen liegen gebliebene<br />
Autos, die repariert werden müssen. Man kann sich nur schwer<br />
vorstellen, dass dieses Land gleichzeitig Atomwaffen entwickelt.
</p>
<p>
<b>Klassenfeind:</b> Leiden Sie persönlich unter<br />
staatlichen Repressionen oder werden Sie als Journalisten bevorzug<br />
behandelt?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Wir haben sicherlich Einschränkungen<br />
bei den Dreharbeiten. Aber unsere Betreuer versuchen, uns möglichst<br />
weit entgegenzukommen. Wir können uns in der Stadt mit der<br />
Kamera natürlich nicht überall hinbewegen. Aber man merkt,<br />
dass wir schon mehr drehen können, als man vor zwei oder drei<br />
Jahren erlaubt hat. Ein Beispiel: Erstmals durften wir auf die freien<br />
Märkte der Stadt gehen, die zeigen, dass sich das Ganze ein<br />
bisschen verändert.
</p>
<p>
<b>vali:</b> Gibt es überhaupt Möglichkeiten, unbeobachtet mit<br />
Nordkoreanern zu sprechen?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Nicht mit Mikrofon oder Kamera.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Es ist für uns aber auch sehr<br />
schwierig auf Menschen zuzugehen, weil wir immer Aufpasser hinter<br />
uns haben. Auf die sind wir auch angewiesen, weil sie bei der Übersetzung<br />
helfen.
</p>
<p>
<b>Transformator:</b> Sehr geehrte Korrespondenten! Stimmt<br />
es, dass es an der Grenze zu Südkorea sog. Potemkinsche Dörfer<br />
gibt, die nur zu Demonstrationszwecken genutzt werden?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Es gibt ein solches Dorf, das wir<br />
aber bisher nicht besuchen durften. Dort steht der höchste<br />
Flaggenmast der koreanischen Halbinsel mit der nordkoreanischen<br />
Fahne. Abends wird dort auf einen Schlag in allen Wohnungen das<br />
Licht ausgeschaltet. Deshalb geht man davon aus, dass dort niemand<br />
lebt.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Von der südkoreanischen Grenze<br />
aus kann man auf das Dorf blicken. Gelegentlich sieht man dort Menschen<br />
herumlaufen. Man weiß aber nicht, ob das Soldaten sind oder<br />
Menschen, die dort wohnen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage zur journalistischen Bewegungsfreiheit:
</p>
<p>
<b>Klassenfeind:</b> Was droht Ihnen denn, wenn Sie von<br />
den Vorgaben abweichen?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Bis jetzt hatten wir den Fall noch<br />
nicht. Wir müssen uns an die Anweisungen halten, weil wir ja<br />
sehr streng überwacht werden. Bei der letzten Reise haben wir<br />
an einer Stelle gedreht, wo wir nicht drehen durften. Aber da wurde<br />
uns die Kamera aus der Hand geschlagen &#8211; von jemand aus der Bevölkerung,<br />
wer immer das auch war. Unsere Aufpasser haben uns sehr deutlich<br />
zu verstehen gegeben, dass sie das Verhalten nicht gut fanden.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Wenn wir so etwas tun, müssen<br />
wir damit rechnen, dass wir nicht wieder einreisen dürfen.<br />
Als ARD-Korrespondenten wollen wir aber kontinuierlich über<br />
Nordkorea<br />
berichten und müssen dafür auch Vertrauen schaffen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen im Paket zur Einstellung<br />
der Bevölkerung:
</p>
<p>
<b>Chrisse:</b> Frage: Inwiefern macht sich Unmut in<br />
der nordkoreanischen Bevölkerung (falls dieser vorhanden ist)<br />
über die Regierung bemerkbar?
</p>
<p>
<b>vali:</b> Wie artikulieren die Menschen ihre Kritik?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Uns gegenüber wird kein Mensch<br />
auch nur ein kritisches Wort äußern, weil sich die Leute<br />
damit selbst in Gefahr bringen würden.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Es gibt sicherlich Unmut hier. Im<br />
letzten Monat wurde das Fahrradfahren in Pjöngjang verboten.<br />
Ausländer die hier leben, haben uns berichtet, dass ihre koreanischen<br />
Mitarbeiter damit nicht einverstanden waren. Inzwischen fahren die<br />
Leute wieder Fahrrad. Das Verbot scheint also wieder aufgehoben<br />
zu sein.
</p>
<p>
<b>Bodo:</b> Mit welcher Begründung wurde das Fahrrad fahren verboten?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Die offizielle Begründung war,<br />
dass die Fahrradfahrer zu viele Unfälle verursachen. Der eigentliche<br />
Grund war vermutlich, dass die Behörden die Mobilität<br />
der Menschen einschränken möchten. Die Zahl der Fahrräder<br />
hatte stark zugenommen.<br />
Das erschwert natürlich die Kontrolle der Menschen.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Frauen ist es in Pjöngjang<br />
grundsätzlich untersagt, mit dem Fahrrad zu fahren. Auf den<br />
fast autofreien Straßen stellen sie angeblich ein zu großes<br />
Verkehrsrisiko dar.
</p>
<p>
<b>Moonwalk_42:</b> Gibt es eine berechtigte Hoffnung,<br />
dass die nordkoreanische Bevölkerung sich gegen die absolutistische<br />
Regierung auflehnt &#8211; ähnlich wie in der DDR?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Einen Aufruhr halte ich derzeit<br />
für ausgesprochen unwahrscheinlich. Die nordkoreanische Gesellschaft<br />
ist derart stark von oben kontrolliert, dass es enorm schwierig<br />
für Widerstandsgruppen ist, sich zu formieren. Die Bewegungsfreiheit<br />
ist enorm eingeschränkt, weil es kaum Autos und Busverbindungen<br />
gibt. Gleichgesinnte können sich nur sehr schwer zusammentun.<br />
Dazu kommt, dass hier fast nichts passiert, was der Geheimdienst<br />
nicht mitbekommt.
</p>
<p>
<b>2003:</b> Wie ist die Stimmung gegen den Westen in der Bevölkerung?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Wann immer wir mit den Menschen<br />
über Politik sprechen, nennen die Leute als Verantwortlichen<br />
für alle Probleme die Vereinigten Staaten. Zwei Beispiele:<br />
Nordkorea entwickelt Atomwaffen nur deshalb, weil es von den USA<br />
nuklear bedroht ist. Zweitens: Die USA verhindern die Wiedervereinigung<br />
der beiden Koreas, weil sie Südkorea besetzt halten. Das sind<br />
die Antworten der Leute auf der Straße. Das ist allerdings<br />
genau das, was sie jeden Tag bis zu vier Stunden lang in ideologischem<br />
Unterricht und über Propaganda hören.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Die nordkoreanische Bevölkerung<br />
weiß von der westlichen Welt ansonsten nur sehr wenig. Es<br />
dringen so gut wie keine Informationen ins Land. Einige Informationen<br />
kommen möglicherweise über die chinesische Grenze. Aber<br />
der Großteil der Bevölkerung hat keine Ahnung davon,<br />
was sich außerhalb Nordkoreas tut. Beispiel: Wir haben heute<br />
an einer Schule Schüler gefragt, was sie über Deutschland<br />
wissen. Die Schüler waren um die zwölf Jahre alt. Antwort<br />
war: Liegt in Europa. Mehr wussten sie nicht. Nicht einmal die Fußball-WM<br />
2006 war ihnen ein Begriff, obwohl sie selbst Fußball gespielt<br />
haben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Drei Fragen zum Drohpotenzial Nordkoreas:
</p>
<p>
<b>Transformator:</b> Wie ernst zu nehmen sind die Atomwaffenprogramme<br />
Nordkoreas? Bluff oder bitterer Ernst?
</p>
<p>
<b>mk:</b> Welches Gefahrenpotenzial stellt Nordkorea wirklich dar? Ist<br />
die Angst der USA übertrieben?
</p>
<p>
<b>Sepp Depp:</b> wie schätzen Sie das Aggressionspotential<br />
Nordkoreas ein? Denken Sie, dass es irgendwann unter Kim Jong Il<br />
einen atomaren Erstschlag von Seiten Nordkoreas geben könnte?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Zu Frage eins: Nordkorea hat vermutlich<br />
zwei Programme. Ein Plutonium-Programm und ein Programm mit angereichertem<br />
Uran. Alle Experten sagen, Nordkorea hat genug Plutonium für<br />
mehrere Bomben. Vermutlich hat Nordkorea auch solche Bomben gebaut.<br />
Aber sie sollen ziemlich primitiv sein. Angeblich passen sie nicht<br />
auf Raketenköpfe.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Atomwaffen sind enorm gefährlich.<br />
Wenn sie die haben, ist das enorm ernstzunehmen. Wie stark die nordkoreanische<br />
Armee wirklich ist, wissen wir nicht. Das Material ist vermutlich<br />
stark marode. Gefährlich ist die Nähe zu Südkorea.<br />
Die Millionenstadt Seoul liegt nur 50 km von der Grenze entfernt.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Nordkorea sagt, seine Atomwaffen<br />
seien nur zur Abschreckung und Verteidigung. Ein atomarer Erstschlag<br />
gegen Amerika /Südkorea wäre reiner Selbstmord. Kim Jong<br />
Il ist aber ein Machtpolitiker, dem es allein um sein politisches<br />
Überleben geht.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein skeptischer User, in Bezug auf<br />
die Atomwaffen-Informationen:
</p>
<p>
<b>2003:</b> Diese Infos können sie doch nicht aus dem Inland haben!
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Wir haben das nicht mit eigenen<br />
Augen gesehen. Wir berufen uns auf Informationen von Geheimdiensten.
</p>
<p>
<b>Ronek:</b> Was bedeutet &#8216;primitiv &#8216; bei einer Atombombe?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Die Experten sagen, es handelt sich<br />
um eine Vorrichtung, wie damals beim &quot;Manhattan&quot;-Projekt<br />
eine Kettenreaktion auszulösen, aber dies soll keine einsatzfähige,<br />
praktikable Waffe sein.
</p>
<p>
<b>chris75:</b> Schätzen sie das Regime als selbstzerstörerisch<br />
ein, in dem Sinne das sie eher ein Krieg anzetteln würden als<br />
von der Bildfläche zu verschwinden?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Das ist eine schwierige Frage.<br />
Das Regime möchte auf jeden Fall überleben. Wie das Regime<br />
reagieren würde, wenn es in einen Konflikt hineingezogen würde,<br />
vermag ich nicht zu beurteilen.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Man muss auch die nordkoreanische<br />
Sicht verstehen. Das Land sieht sich seit 50 Jahren massiv bedroht<br />
und isoliert. Und die USA haben kein Land so dämonisiert wie<br />
Nordkorea. Deshalb kann es durchaus eine solche Reaktion geben,<br />
wenn die USA einen falschen Schritt machen.
</p>
<p>
<b>dawid1976:</b> In dieser ganzen Propaganda-Maschine<br />
muss es doch so was wie eine Übergesellschaft geben, die auf<br />
irgendeine Art und Weise davon profitiert, am Unterdrückungsapparat<br />
teilzunehmen. Wie sehen sie das? Gibt es so was wie abgegrenzte<br />
Elitedörfer, wo das Leben total anders aussieht wie auf den<br />
Straßen?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Es gibt diese Gebiete, die dürfen<br />
wir natürlich nicht sehen. Kim Jong Il lebt mit Sicherheit<br />
in Palästen. Wir wissen nicht, wie groß diese Elite ist,<br />
wie viel Tausende es sind. Es ist vor allem die Familie von Kim<br />
Jong II. Hohe Militärs und Beamte und Parteikader. Den mangelt<br />
es an nichts.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Nordkorea ist inzwischen keine kommunistische<br />
Diktatur mehr, sondern es handelt sich um eine Militärdiktatur<br />
mit einem roten Mäntelchen.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Kim Jong Il hält sich an der<br />
Macht, indem er sich die Loyalität der Generäle und Offiziere<br />
verschafft.
</p>
<p>
<b>held1:</b> Wie sieht die Lebensmittelsituation in Nordkorea aus?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Etwa ein Drittel der Bevölkerung<br />
ist auf internationale Lebensmittelhilfe angewiesen. Das Welternäherungsprogramm<br />
der UNO sagt, dass es im Laufe des Sommers statt 6,5 Millionen nur<br />
noch 1,5 Millionen versorgen kann. Es gibt nicht mehr genug Spenden.<br />
Die Lebensmittelrationen des Staates reichen für viele nicht<br />
zum Überleben.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Durch die Wirtschaftsreform ist<br />
ein zweiter Markt für Nahrungsmittel entstanden, die von Bauern<br />
und Städtern privat angebaut werden. Die Preise für diese<br />
Lebensmittel sind allerdings extrem hoch. Ein Kilogramm Reis kostet<br />
700 Won auf dem freien Markt. Das Durchschnittsmonatsgehalt beträgt<br />
aber nur 2500 Won.
</p>
<p>
<b>Hirsch:</b> Gibt es von der Regierung konkrete Ansätze,<br />
der drohenden Hungerkatastrophe zu begegnen oder ist die Bevölkerung<br />
sich selbst überlassen?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Große Ansätze kann man<br />
das nicht nennen. Eher eine Notlösung. Hunderttausende Stadtbewohner<br />
mussten seit vier Wochen auf den Reisfeldern mithelfen, damit wenigstens<br />
die Reisernte gut wird. Andere Maßnahmen konnte ich hier nicht<br />
sehen.<br />
Das Atomprogramm lädt andere Länder nicht gerade zum Spenden<br />
ein, vor allem Japan, die USA und Südkorea nicht.
</p>
<p>
<b>Alex1234511:</b> Ich hoffe, diese Frage ist noch nicht<br />
gestellt worden: Was würde Ihrer Meinung nach am wahrscheinlichsten<br />
einem Tod von Kim Jong Il folgen? Eine geordnete Nachfolge und eine<br />
Fortführung der gleichen Politik oder etwas Anderes?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Vorhersagen in Nordkorea zu treffen,<br />
wäre etwas für Hellseher, nicht für Korrespondenten.<br />
Man weiß, dass Kim Jong Il bei weitem nicht so beliebt ist<br />
und verehrt wird, wie sein Vater Kim Il Sung. Es erscheint schwer<br />
vorstellbar, dass ein dritter Kim hier an die Macht käme. Man<br />
sollte aber nicht damit rechnen, dass die neue Regierung eine weichere<br />
Linie vertritt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zwei Fragen zum gleichen Thema:
</p>
<p>
<b>chris75:</b> Welchen Sinn hat es eigentlich (von nordkoreanischer<br />
Seite aus) überhaupt Journalisten reinzulassen, wenn die Armut<br />
so stark zu spüren ist und die Menschen so unglücklich<br />
sind?
</p>
<p>
<b>2003:</b> Wieso werden Reporter aus dem Westen eigentlich im Land geduldet?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Das Land will natürlich auch<br />
seine Sicht der Dinge weitergeben, vor allem im Atomstreit. Wir<br />
haben daher diesmal sogar ein Interview im Außenministerium<br />
bekommen. Die Nordkoreaner wissen aber auch zu schätzen, dass<br />
sie von deutschen Hilfsorganisationen viel Unterstützung bekommen.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Deutschland hat im Jahr 2001 und<br />
2002 etwa 25.000 Tonnen Rindfleisch geliefert und die deutsche Welthungerhilfe<br />
ist die größte ausländische Hilfsorganisation in<br />
Nordkorea. Dafür ist Nordkorea dankbar. Auch deshalb lässt<br />
es deutsche Journalisten ins Land.
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Es werden längst nicht alle<br />
Journalisten ins Land gelassen, die darum bitten.<br />
Viele warten seit Jahren vergeblich darauf. Deshalb ist es für<br />
uns wichtig, ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Behörden<br />
zu haben.
</p>
<p>
<b>vali:</b> Halten Sie es für möglich, das es Gefangenenlager<br />
gibt, in denen Menschen zu Versuchszwecken benutzt werden, wie nordkoreanische<br />
Überläufer in Südkorea behaupten?
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Ich habe selbst mit vielen dieser<br />
Überläufer gesprochen. Ihre Berichte klingen authentisch<br />
und glaubwürdig. Man muss davon ausgehen, dass es diese Lager<br />
gibt. Kein stalinistisches System ist ohne Gulags ausgekommen. Und<br />
die große Angst, die wir manchmal auf den Gesichtern hier<br />
sehen, hat sicher gute Gründe.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Letzte Frage zum Abschluss:
</p>
<p>
<b>LingnauP:</b> Wie sieht es mit der Überlebenschance<br />
Nordkoreas aus? Wird das Regime weiter isoliert bleiben?
</p>
<p>
<b>Mario Schmidt:</b> Nordkorea ist schon oft totgesagt<br />
worden, zum Beispiel Mitte der 90er Jahre. Ich kann mir durchaus<br />
vorstellen, dass es so noch ein paar Jahre weitergeht. Aber irgendwann<br />
muss es eine Veränderung geben, denn noch mehr kann man den<br />
Menschen kaum zumuten.
</p>
<p>
<b>Martin Fritz:</b> Das Land hat sich durch eine Wirtschaftsreform<br />
vor drei Jahren bereits gewandelt. Geld hat seitdem wieder einen<br />
richtigen Wert und aus dem Ausland sickern Informationen ins Land.<br />
Dadurch entsteht vermutlich große soziale Unruhe. Angeblich<br />
gibt es Machtkämpfe zwischen Partei und Militär, ob und<br />
wie dieser Wandel weitergehen soll.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Dreiviertelstunde ist um, vielen<br />
Dank für Ihr Interesse und die zahlreichen Fragen &#8211; auch wenn<br />
manche unbeantwortet geblieben sind. Herzlichen Dank, Herr Schmidt<br />
und Herr Fritz, dass Sie sich für den Chat Zeit genommen haben.<br />
Das Transkript dieses Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter.<br />
Nächster Chatgast wird der Nahost-Experte Volker Perthes am<br />
Mittwoch, dem 22.06, sein. tagesschau.de wünscht allen Beteiligten<br />
noch einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Antwort von beiden Korrespondenten:</b> Vielen Dank<br />
für das Interesse. Nordkorea ist ein spannendes Land und man<br />
darf die Menschen und ihre Probleme hier nicht vergessen.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Kristina Köhler fordert Lehrstühle für islamische Theologie an deutschen Unis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[rthurnher]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jun 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[Kristina Köhler]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Kristina Köhler, MdB und Islam-Expertin 
der CDU, war am 16. Juni zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de. Sie sprach über die Positionen der 
CDU zur Zuwanderungs- und Integrationspolitik.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Kristina Köhler, MdB und Islam-Expertin<br />
der CDU, war am 16. Juni zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de. Sie sprach über die Positionen der<br />
CDU zur Zuwanderungs- und Integrationspolitik.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Politikinteressierte,<br />
herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Unsere Chat-Reihe wird<br />
veranstaltet von tagesschau.de und politik-digital.de und unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Im ARD-Hauptstadtstudio ist jetzt Kristina<br />
Köhler bereit zum chatten. Frau Köhler ist seit 2002 Bundestagsabgeordnete<br />
und Mitglied im Innenausschuss. Bei der Union kümmert sie sich<br />
auch (und in Wahlkampfzeiten ganz sicher nicht nur) um das Problem<br />
Integration. Den Antrag der Union: &quot;Politischen Islamismus<br />
bekämpfen – verfassungstreue Muslime unterstützen&quot;<br />
hat sie federführend erarbeitet. Zu welchen Themen sie auch<br />
immer Fragen haben ob Integration, Europa-Krise oder die siegesgewisse<br />
Union, nur zu. Beginnen wir damit:
</p>
<p>
<b>Hans-Christian:</b> Wäre es möglich, dass<br />
Einwanderer einen Schwur auf das Grundgesetz ablegen, ich fände<br />
das (auch für alle anderen Bürger der BRD) sehr gut!
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ich fände das auch<br />
sehr gut. Ich will auch, dass das in unser Regierungsprogramm aufgenommen<br />
wird und in Wiesbaden setze ich mich auch noch dafür ein.
</p>
<p>
<b>valeri lowanofski:</b> Stehen Sie mit Ihrem Kampf<br />
gegen fundamentalistische Islamisten in einer laizistischen also<br />
antiklerikalen Tradition oder eher pro-christlich?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Weder noch. Deutschland<br />
ist weder ein christliches Land noch ein laizistisches. Sondern<br />
wir sind ein säkulares Land und an dieser Tradition will ich<br />
festhalten.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nachfrage zum Schwur:
</p>
<p>
<b>Hans-Christian:</b> Ist das überhaupt gesetzlich<br />
durchsetzbar? Gibt es dafür reale Chancen?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Oh ja. Denn selbst in der<br />
SPD spüre ich sehr viel Sympathie für diesen Vorschlag<br />
und mit der Verfassung gibt es gar keine Probleme.
</p>
<p>
<b>gb:</b> Wieso denken Sie, dass mit einem Schwur auf das Grundgesetz<br />
sich etwas ändert, in den USA funktioniert dies auch nicht?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ich glaube, dass Rituale<br />
auch sehr bewusstseinsbildend sein können. Denjenigen, der<br />
sich in einem Kampf gegen unsere Verfassung befindet, wird man damit<br />
in der Tat nicht beeindrucken können, der wird einfach lügen.<br />
Aber anderen macht man vielleicht klar, dass wir mit dem deutschen<br />
Pass auch Identität und uneingeschränkte Verfassungstreue<br />
verbinden.
</p>
<p>
<b>maza:</b> Welche Maßnahmen zur Integration der „verfassungstreuen<br />
Muslime“ haben Sie vorgesehen und wie werden Sie überhaupt<br />
solche Menschen finden/identifizieren?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Wir müssen Rahmenbedingungen<br />
schaffen, dass sich ein europäischer, ein deutscher Islam ausbilden<br />
kann. Ein aufgeklärter, ein säkularer Islam. Dafür<br />
ist es wichtig, dass sich auch hier in Deutschland islamische Theologie<br />
eigenständig entfalten kann. Deswegen will ich, dass wir Lehrstühle<br />
für islamische Theologie einrichten, an denen wir Imame und<br />
Religionslehrer für Islam ausbilden. Zu ihrer zweiten Frage:<br />
Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass wir in Deutschland rund<br />
30.000 Islamisten haben. Sowohl solche, die gewaltbereit sind als<br />
auch solche, die Gewalt ablehnen aber versuchen, über politische<br />
Mittel hier die Durchsetzung des islamischen Rechts, der Scharia,<br />
zu erreichen. In Deutschland leben aber 3,2 Millionen Muslime, d.h.<br />
die Islamisten sind eine wirkliche Minderheit. Das Problem ist aber<br />
in der Tat, dass gerade sie nicht organisiert sind, sondern die<br />
muslimischen Verbände, die sich organisiert haben, werden in<br />
der Mehrheit vom Verfassungsschutz als problematisch eingestuft.<br />
Deswegen gibt es keinen zentralen Ansprechpartner für verfassungstreue<br />
Muslime. Das ist auch für die Politik ein riesiges Problem.
</p>
<p>
<b>honky:</b> Wie stehen Sie zu den einstweiligen Verfügungen<br />
des Münchner Landgerichts, die Ihnen verbieten, die Islamische<br />
Gemeinschaft in Deutschland öffentlich mit der Muslimbruderschaft<br />
in Verbindung zu bringen?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Gegen diese einstweilige<br />
Verfügung gehe ich gerade rechtlich vor.
</p>
<p>
<b>strigga2:</b> Denken Ihre Parteikollegen genau wie<br />
Sie bezüglich der islamistischen Lehrstühle?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Islamische Lehrstühle!<br />
Ich verwende den Begriff &quot;islamistisch&quot; nur für die<br />
radikale Variante des Islams. In der Tat haben wir über die<br />
Frage der Lehrstühle heftig diskutiert. In dem Antrag sprechen<br />
wir uns immerhin grundsätzlich dafür aus – das verbuche<br />
ich für mich schon mal als Erfolg.
</p>
<p>
<b>flamboiant:</b> Schöne Idee mit den islamischen<br />
Lehrstühlen, aber braucht man für eine ernsthafte aufgeklärte<br />
islamische Theologie nicht die Unterstützung der wichtigsten<br />
islamischen Zentren? Die allerdings konservativ sind.
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ich weiß jetzt nicht,<br />
was Sie mit islamischen Zentren meinen. Wenn Sie den Islamrat oder<br />
den Zentralrat der Muslime meinen, sage ich, dass man deren Unterstützung<br />
nicht braucht. Denn beide Organisationen vertreten nur einen Bruchteil<br />
der Muslime in Deutschland und sind insofern keinesfalls legitimiert,<br />
für &quot;den Islam&quot; in Deutschland zu sprechen. Deswegen<br />
halte ich es auch für falsch, wenn Politiker diese beiden Organisationen<br />
hofieren und damit aufwerten.
</p>
<p>
<b>tyrson:</b> Was glauben Sie, wie groß die Bereitschaft<br />
der Muslime in Deutschland ist, sich integrieren zu wollen?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Eine pauschale Aussage ist<br />
schwierig. Wir haben in der Tat gerade bei den Jüngeren eine<br />
Tendenz, sich wieder weniger integrieren zu wollen, die mir sehr<br />
viel Sorgen macht. Ich glaube das hängt vor allem auch mit<br />
der schlechten Bildung vieler jüngerer Muslime in Deutschland<br />
zusammen. Sie wissen, dass sie kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt<br />
haben und ziehen daher ihr Selbstbewusstsein aus ihrer Identifikation<br />
mit ihrem Herkunftsland. Deswegen ist Bildung der wichtigste Schlüssel<br />
zur Integration. Und natürlich Deutsch, aber das haben mittlerweile<br />
ja alle Parteien eingesehen.
</p>
<p>
<b>Faithdancer:</b> Sind denn die Einwanderer eigentlich<br />
das Problem, wenn wir von Integration sprechen oder sind nicht vielmehr<br />
die Ausländer mit ungeklärtem Status schwer zu integrieren?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ich denke das bezieht sich auch auf<br />
Asylbewerber mit dauerhafter Aufenthaltserlaubnis etc.
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Leider sind auch die, die<br />
schon lange, oft in dritter Generation, hier leben, nicht genügend<br />
integriert. Viele von denen haben sogar einen deutschen Pass! Das<br />
ist auch ein Ergebnis einer Politik, die zu lange geglaubt hat,<br />
bei den sogenannten &quot;Gastarbeitern&quot; handle es sich wirklich<br />
um Gäste.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist diese Einstellung &quot;Gastarbeiter<br />
sind Gäste&quot; in der CDU (und in der CSU) inzwischen vollständig<br />
verschwunden?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ich habe noch nie gehört,<br />
dass ein Parteifreund von mir überhaupt noch von &quot;Gastarbeitern&quot;<br />
spricht. Daher bin ich schon überzeugt, dass wir uns dieser<br />
Illusion nicht mehr hingeben.
</p>
<p>
<b>Sulli:</b> Was sind ihre Anforderungen an eine Integration?<br />
Wer ist integriert?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Gute Frage, schwierige Frage!<br />
Ich verlange keine vollständige Assimilation, also z.B. die<br />
Religionsausübung oder auch kulturelle Gebräuche kann<br />
jeder leben, wie er will. Problematisch wird es, wenn Menschen ihr<br />
ganzes Leben so organisiert haben, dass sie fast gar nicht mit der<br />
deutschen Mehrheitsgesellschaft in Berührung kommen. Wenn also<br />
von der Hebamme bis zum Bestatter alles in der Hand von anderen<br />
Migranten ist.
</p>
<p>
<b>Taleel:</b> Viele theoretische Ansätze &#8211; wie wollen Sie<br />
konkret gegen sog. &quot;Ehrenmorde“ vorgehen? Gibt es da<br />
schon Pläne?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ein Problem ist, dass es<br />
immer wieder Urteile gibt, die bei &quot;Ehrenmorden&quot; nicht<br />
von Mord ausgehen, sondern argumentieren, der Mörder sei so<br />
in seinen &quot;fremdkulturellen Wertvorstellungen&quot; verhaftet,<br />
dass man nicht Mord annehmen könne, sondern Strafmilderung<br />
gewährt wird. Deswegen müssen wir meines Erachtens gesetzlich<br />
klar stellen, dass eine Tötung wegen vermeintlicher Verletzung<br />
der sogenannten &quot;Ehre&quot; auch wirklich ein Mord aus niederen<br />
Beweggründen ist.
</p>
<p>
<b>kreuzberg:</b> Mein Sohn soll auf eine Schule in der<br />
von 400 Schülern noch zwei deutscher Herkunft sind. Der Rest<br />
ist klassisches Kreuzberger Sammelsurium. Ist es verwerflich, wenn<br />
ich mein Kind da gar nicht integrieren will sondern gleich in eine<br />
andere Schule schicke? Ich muss die Fehler einer schlechten internationalen<br />
Politik nicht auf dem Rücken meines Kindes austragen.
</p>
<p>
<b>ibizo:</b> In Berlin gibt es jetzt die erste deutsche Schule<br />
ohne deutsche Schüler. Sollte man das einfach so akzeptieren?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> @kreuzberg: Kann ich absolut<br />
nachvollziehen, ich würde als Mutter genauso handeln. Die Politik<br />
muss dafür sorgen, dass Eltern wie Sie gar nicht in diese Problemlage<br />
kommen, indem wir sicherstellen, dass niemand auf die Schule kommt,<br />
der nicht ausreichend Deutsch kann. Dafür haben wir in Hessen<br />
sogenannte &quot;Vorlaufkurse&quot; eingerichtet. Das Einschulungsgespräch<br />
findet bei uns schon ein Dreivierteljahr vor Schuljahresbeginn statt,<br />
und wenn wir dann sehen, dass die Kinder kein Deutsch können,<br />
bekommen sie ein Dreivierteljahr intensiven Deutschunterricht. Und<br />
wenn sie dann immer noch nicht genug Deutsch können, dann noch<br />
ein weiteres komplettes Jahr. Wir machen damit in Hessen super Erfahrungen<br />
und viele Bundesländer haben dieses Modell mittlerweile übernommen.
</p>
<p>
<b>Katharina:</b> Also resignieren wir und überlassen<br />
Ausländern, ob mit Staatsangehörigkeit oder ohne, unsere<br />
Schulen?
</p>
<p>
<b>Hans-Christian:</b> Na ja, aber das ist auch keine<br />
Lösung. Wo sollen die nicht-deutsch-sprechenden denn hin? Auf<br />
die Straßen?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Also Moment. @Hans-Christian:<br />
Nein, natürlich nicht! Sie sollen Deutsch lernen und bekommen<br />
das in Hessen auch vom Staat erstmals so angeboten und sollen dann,<br />
wenn sie gut Deutsch können, in die Schule. Wichtig ist, dass<br />
kein Kind diese frustrierende Erfahrung macht, im Klassenraum zu<br />
sitzen und kein Wort zu verstehen. Denn damit ist schulischer Misserfolg<br />
schon absolut vorprogrammiert. @Katharina: Wenn die Kinder wirklich<br />
integriert sind und wirklich gut dem Unterricht folgen können,<br />
ist das Problem auch nicht mehr so da.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Eine besondere &quot;Problemgruppe&quot;<br />
sind Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund<br />
&#8211; nicht nur mit türkischer sondern etwa auch mit russlanddeutscher<br />
Herkunft:
</p>
<p>
<b>Joachim&#8211;Schmidt:</b> Welche konkreten praktischen<br />
Maßnahmen können Sie sich zum Thema Integration gerade<br />
von Jugendlichen und älteren Ausländern vorstellen. Meines<br />
Erachtens werden zu diesem Thema oft nur Theorien abgegeben, ohne<br />
konkrete, umsetzbare Ideen zu liefern.
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Also @Moderator: In der<br />
Tat sind die Probleme mit jungen Russlanddeutschen oft genauso gravierend.<br />
Deswegen werden bei unserem hessischen Modell auch alle Kinder völlig<br />
unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft auf Deutschkenntnisse<br />
überprüft. Manchmal können sogar solche Kinder kein<br />
gutes Deutsch, die seit Generationen urdeutsch sind! @Joachim-Schmidt:<br />
Das wichtigste ist, dass wir allen Jugendlichen eine realistische<br />
Chance bieten, in unserer Gesellschaft erfolgreich zu sein. Das<br />
heißt, einen Job zu finden, eine Familie gründen zu können,<br />
soziale Anerkennung zu erfahren. Und da müssen wir bei den<br />
Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der Tat zusätzlich<br />
zum Beispiel auf Qualifizierung und Weiterbildung setzen, ganz mühsam<br />
uns die Qualifikation jedes Einzelnen angucken und weitere Angebote<br />
machen, um ihm so eine realistische Chance in Deutschland zu geben.<br />
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir hoffentlich bald in Deutschland<br />
flächendeckend islamischen Religionsunterricht anbieten, aber<br />
genau nicht so wie in Berlin, wo mit der islamischen Föderation<br />
eine Gruppe an den Schulen unterrichten darf, die nicht wirklich<br />
von den Schulaufsichtsbehörden kontrolliert werden kann, und<br />
der auch immer wieder Verbindungen zu &quot;Milli Görus&quot;,<br />
die vom Verfassungsschutz als islamistisch eingestuft werden, nachgesagt<br />
werden. So ein Religionsunterricht wirkt gerade gegen Integration.<br />
Ein Religionsunterricht auf dem Boden unserer Verfassung würde<br />
bei der Integration helfen.
</p>
<p>
<b>Hunter6247:</b> Aber die Chance zu bieten, in unserer<br />
Gesellschaft erfolgreich zu sein, ist doch momentan keinem Jugendlichem,<br />
egal welcher Staatsbürgerschaft, gegenüber gewährleistet,<br />
wenn man sich die momentane Arbeitsmarktsituation ansieht, oder?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Gewährleistet ist sie<br />
gegenüber niemandem. Aber es ist nach wie vor so, dass –<br />
je besser die Bildung ist – umso höher die Chance auf<br />
dem Arbeitsmarkt ist. Wer überhaut keinen Schulabschluss hat,<br />
ist so gut wie chancenlos. Und dies sind überproportional viele<br />
Migranten.
</p>
<p>
<b>Gl?sch:</b> Produzieren wir nicht immer mehr Ausländerfeindlichkeit,<br />
wenn man mehr Menschen in die Sozialsysteme einwandern lässt,<br />
ohne ihnen Perspektiven bieten zu können. Macht zusätzliche<br />
Einwanderung eigentlich nur dann Sinn, wenn es wieder aufwärts<br />
geht in Deutschland?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Menschen, die wirklich politisch<br />
verfolgt sind, will ich in jeder wirtschaftlichen Lage helfen. Dies<br />
ist aber nur ein Bruchteil der Menschen, die nach Deutschland kommen.<br />
Dann gibt es noch die Bürgerkriegsflüchtlinge –<br />
auch denen müssen wir helfen. Aber wir müssen sehen, dass<br />
diese Menschen unter den europäischen Ländern gerechter<br />
aufgeteilt werden. Und wir müssen sehen, dass diese Menschen,<br />
wenn die Gefahr im Heimatland vorüber ist, wieder zurückgehen.<br />
Ein Großteil der Menschen, die nach Deutschland kommen, kommt<br />
aber in der Tat aus wirtschaftlichen Gründen. Das kann ich<br />
sogar persönlich nachvollziehen. Aber wir müssen einfach<br />
sehen, dass wir diese Menschen in Deutschland nicht aufnehmen können,<br />
weil das sowohl unsere finanzielle als auch unsere Integrationskapazität<br />
überschreitet. Mit dem neuen Zuwanderungsgesetz hat die CDU/CSU<br />
durchgesetzt, dass es keine Migration in den Arbeitsmarkt nach Deutschland<br />
geben darf.
</p>
<p>
<b>Martin KS:</b> Frau Köhler, wie gedenken Sie<br />
die offensichtlich insbesondere unter den türkischen Zuwanderern<br />
herrschenden tradierten und weit hinter der Aufklärung der<br />
europäischen Neuzeit hinterherhinkenden Rollenbilder von Mann<br />
und Frau zu verändern? Darf Toleranz so weit gehen, dass elementare<br />
Menschenrechtsverletzungen, die türkische Männer an ihren<br />
Frauen begehen hingenommen werden können?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zusatzfrage von mir gleich dazu: Wie<br />
ursächlich ist das Mann-Frau-Verhältnis bei Migranten<br />
für Probleme bei der Integration?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Wir dürfen/ müssen<br />
in der Tat ganz deutlich machen, dass die Gleichberechtigung von<br />
Mann und Frau zu den grundlegenden Prinzipien unserer Verfassung<br />
gehört und dass wir das deswegen auch einfordern. Wir haben<br />
in Deutschland zu lange unter dem Stichwort &quot;kulturelle Differenz&quot;<br />
falsche Toleranz geübt. Deswegen müssen wir z.B. schon<br />
im Schulunterricht klar machen, dass wir nicht dulden, dass Mädchen<br />
vom Sportunterricht oder Sexualkundeunterricht befreit werden. Und<br />
wir müssen gegen Zwangsheiraten vorgehen, zum Beispiel indem<br />
wir denjenigen, der seine Braut gezwungen hat, das Aufenthaltsrecht<br />
entziehen. In der Tat ist das Mann-Frau-Verhältnis eines der<br />
Grundprobleme bei der Integration. Es enthält aber auch eine<br />
große Chance, denn 50% der Migranten (die Frauen) würden<br />
durch ein Mehr an Integration wirklich mehr Lebenschancen bekommen<br />
und deswegen setze ich auch auf eine &quot;Emanzipationswelle&quot;<br />
bei muslimischen Frauen. Dabei muss sie aber der deutsche Staat<br />
unterstützen.
</p>
<p>
<b>ibizo:</b> In Frankreich dürfen weder Lehrerinnen noch<br />
Schülerinnen Kopftücher tragen. Sollte dieses Modell auch<br />
in Deutschland eingeführt werden?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ich finde dieses Modell<br />
sehr sympathisch. Ich habe das auch neulich beim wissenschaftlichen<br />
Dienst des Bundestages prüfen lassen. Dort kam man zu dem Ergebnis,<br />
dass ein Kopftuchverbot für Schülerinnen mit der Verfassung<br />
nicht vereinbar ist. Schade.
</p>
<p>
<b>Storch:</b> Sie sprachen von dem Wunsch von CDU/CSU, die Migration<br />
in den Arbeitsmarkt zu verhindern. Wie lässt sich eine solche<br />
mindestens zweifelhafte Meinung vor dem Hintergrund der demografischen<br />
Perspektiven, die einen Bevölkerungsrückgang prognostizieren,<br />
rechtfertigen?
</p>
<p>
<b>demos:</b> Wer soll denn, wenn wir keine wirtschaftliche<br />
Einwanderung erlauben, für unsere Renten sorgen? Sollten wir<br />
nicht wirtschaftliche Einwanderung akzeptieren, und wie Kanada versuchen,<br />
diese nach unseren Wünschen zu steuern?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Wenn wir wirklich unsere<br />
demografischen Probleme über Zuwanderung lösen wollten,<br />
bräuchten wir eine so riesige Zahl an Zuwanderung, die die<br />
Integrationsfähigkeit unseres Landes bei weitem übersteigen<br />
würde. Außerdem zeigt sich, dass auch Zuwanderer sich<br />
nach ein, zwei Generationen in der Kinderzahl uns anpassen. Wir<br />
hätten also wieder genau dasselbe Problem. @Storch: In der<br />
Tat ist sich die Wissenschaft einig, dass es in ein, zwei Jahrzehnten<br />
eher einen Arbeitskräftemangel geben wird. Dann habe ich auch<br />
nichts gegen gezielte, gesteuerte Zuwanderung von Fachkräften.<br />
Aber zurzeit würde das wirklich keinen Sinn machen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Wurde bereits vorher gestellt, passt<br />
aber auch hier:
</p>
<p>
<b>aber-aber:</b> Das spräche dann für eine<br />
engagiertere Entwicklungspolitik, um den Menschen, die ihre Heimat<br />
aus (auch wirtschaftlicher) Verzweiflung verlassen, den Grund für<br />
das notwendige Abwandern zu nehmen. Sehen Sie da einen Zusammenhang<br />
zwischen Entwicklungspolitik und Zuwanderungspolitik?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Dieser Zusammenhang ist<br />
absolut da. Allerdings sind es auch in der Regel nicht die Allerärmsten,<br />
die nach Deutschland kommen, weil die sich die &quot;Reise&quot;<br />
hierher gar nicht leisten können. Insofern ist eine gute Entwicklungshilfe<br />
vor allem auch ein moralisches Gebot, auch wenn sie bei der Frage<br />
der Zuwanderung nur teilweise Wirkung zeigt.
</p>
<p>
<b>gast1234567:</b> Meinen Sie nicht, dass die CDU-Regierung<br />
unter Kohl es verschlafen hat, die aus der Türkei kommenden<br />
Menschen, in ein Integrationsverfahren einzugliedern? Wieso wundern<br />
Sie sich jetzt, dass eine solche Parallelgesellschaft, wie wir sie<br />
besonders in Berlin vorfinden, entstanden ist?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ich wundere mich darüber<br />
nicht! Und sicherlich hat die Regierung Kohl auch hier viel versäumt.<br />
Aber es ist auch die Wahrheit, dass wir Deutschkenntnisse schon<br />
seit vielen Jahren einfordern und dafür noch vor wenigen Jahren<br />
von den Grünen vorgeworfen bekamen, wir wollten &quot;Zwangsgermanisierung&quot;<br />
betreiben.
</p>
<p>
<b>Taleel:</b> Integration scheint ein wichtiger Punkt ihrer Politik<br />
zu sein, aber was ist mit den Mitbürgern, die sich nicht integrieren<br />
lassen?
</p>
<p>
<b>Mueller:</b> Sorry, aber ich vermisse bisher die Diskussion<br />
über den Anteil, den die Bevölkerung “deutscher<br />
Herkunft“ leisten muss für eine erfolgreiche Integration<br />
der Migranten. Integration kann doch nie nur einseitig erfolgen.<br />
Wie stehen Sie dazu, Frau Köhler?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> @Taleel: Wer sich wirklich<br />
dauerhaft jeder Integration verweigert, scheint auch kein großes<br />
Interesse zu haben, hier zu leben. Solche Leute müssen wir<br />
dann auch als letzte Konsequenz ausweisen. Das geht allerdings nicht,<br />
wenn ihr Leben in ihrem Herkunftsland bedroht ist. @Mueller: Ich<br />
denke schon, dass die größere Bringschuld bei denen liegt,<br />
die hierher gekommen sind. Aber das, was ich vorhin an Deutschkursen<br />
beschrieben habe ist ja ein Angebot, das der deutsche Staat den<br />
Migranten macht – auch kein ganz billiges! Auch die Integrationskurse,<br />
die seit 01.01.2005 jeder zugewanderte besuchen muss, verstehe ich<br />
als ein solches Angebot.
</p>
<p>
<b>Rory Breaker:</b> Viele Migrantinnen und Migranten<br />
verwechseln Integration mit Assimilation und fürchten um den<br />
Verlust ihrer Werte und Moral. Diese Angst ist vor allem bei Muslimen<br />
sehr ausgeprägt. Wie gedenkt die CDU diese Ängste und<br />
Sorgen aufzulösen und die große Wichtigkeit eines guten<br />
Integrationsprozesses darzustellen?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Zum Beispiel dadurch, dass<br />
sich bei uns gerade bundesweit ein deutsch-türkisches Forum<br />
in der CDU gründet. Das sind also türkische CDU-Mitglieder,<br />
die genau das leben. Sie sind überzeugte Muslime und genauso<br />
überzeugte Deutsche. Dieses deutsch-türkische Forum wird<br />
hoffentlich in der Öffentlichkeit sehr deutlich machen, was<br />
wir unter Integration, und nicht Assimilation, verstehen.
</p>
<p>
<b>ibizo:</b> Wird Kristina Köhler nach einer gewonnenen Bundestagswahl<br />
in die Ministeriumsarbeit einsteigen?
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Ich will erst mal meinen<br />
Wahlkreis gewinnen und dann weiter eine gute Facharbeit machen.<br />
Und den Rest überlassen wir dem Schicksal und Frau Merkel!
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Stunde ist um, vielen Dank für<br />
Ihr Interesse und die zahlreichen Fragen, das Thema werden wir sich<br />
noch einmal aufgreifen. Herzlichen Dank, Frau Köhler, dass<br />
Sie sich für den Chat Zeit genommen haben. Das Transkript dieses<br />
Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Noch ein Terminhinweis:<br />
Morgen, Freitag, 17. Januar chatten wir aus Pjöngjang mit den<br />
ARD-Korrespondenten Mario Schmidt und Martin Fritz, die derzeit<br />
Nordkorea bereisen. Der Chat beginnt um dreizehn Uhr, hoffen wir,<br />
dass uns niemand die Leitung kappt. tagesschau.de wünscht allen<br />
Beteiligten noch einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Kristina Köhler:</b> Tschüss, hat mir auch<br />
sehr viel Spaß gemacht! Die Fragen waren außerordentlich<br />
gut.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wie waren die Ergebnisse der bisherigen Bundestagswahlen?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/wie_waren_die_ergebnisse_der_bisherigen_bundestagswahlen-3345/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[rthurnher]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Jun 2005 11:10:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl 2005]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
<b>Checken Sie Ihr Wissen über die bisherigen Bundestagswahlen 
seit 1957. Schätzen Sie das Wahlergebnis - der Computer 
sagt Ihnen, wie viele Prozentpunkte Sie daneben liegen.</b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
<b>Checken Sie Ihr Wissen über die bisherigen Bundestagswahlen<br />
seit 1957. Schätzen Sie das Wahlergebnis &#8211; der Computer<br />
sagt Ihnen, wie viele Prozentpunkte Sie daneben liegen.</b><!--break-->
</p>
<p><input name="part1" value="38.5" type="hidden" /><input name="part2" value="38.5" type="hidden" /><input name="part3" value="8.6" type="hidden" /><input name="part4" value="7.4" type="hidden" /><input name="part5" value="4.0" type="hidden" /><br />
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<table class="wahlchecker" style="border-style: groove; border-width: thin; font-size: 10pt; background-color: #efefef" rows="5" align="center" cols="8" width="300">
<tbody>
<tr>
<td colspan="9" style="color: white; background-color: #003366; text-align: left">Wahlchecker<br />
			&#8211; Bundestagswahl 2002</td>
</tr>
<tr>
<td> </td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #ff0000">SPD</span></td>
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<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #666666">Andere</span></td>
<td> </td>
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<tr>
<td align="left" width="45"> Tipp:</td>
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			%</td>
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<tr>
<td align="left">Richtig:</td>
<td><input value="0.0" name="lsg1" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
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<td><input style="font-size: 8pt; width: 40px" name="button" value="Check" onclick="DDDguessv(this.form)" type="button" /></td>
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<tr>
<td colspan="9" style="text-align: left"> <input name="text" size="63" value="Tippen Sie jetzt!" readonly="readonly" style="background-color: #efefef; font-size: 10px; text-align: left" type="text" width="290" />
			</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<table align="center">
<tbody>
<tr>
<td><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Bundeskanzler:<br />
			Gerhard Schröder<br />
			Regierungskoalition: SPD-GRÜNE</span></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
</p>
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<tbody>
<tr>
<td colspan="9" style="color: white; background-color: #003366; text-align: left">Bundestagswahl 1998</td>
</tr>
<tr>
<td> </td>
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<td> </td>
</tr>
<tr>
<td align="left" width="45"> Tipp:</td>
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				%</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">Richtig:</td>
<td><input value="0.0" name="lsg1" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
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				</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</form>
<table align="center">
<tbody>
<tr>
<td><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Bundeskanzler:<br />
			Gerhard Schröder<br />
			Regierungskoalition: SPD-GRÜNE</span></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
</p>
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<tbody>
<tr>
<td colspan="9" style="color: white; background-color: #003366; text-align: left">Bundestagswahl 1994</td>
</tr>
<tr>
<td> </td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #ff0000">SPD</span></td>
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<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: green">B90</span></td>
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<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #666666">Andere</span></td>
<td> </td>
</tr>
<tr>
<td align="left" width="45"> Tipp:</td>
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				%</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">Richtig:</td>
<td><input value="0.0" name="lsg1" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
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<tr>
<td colspan="9" style="text-align: left"> <input name="text" size="63" value="Tippen Sie jetzt!" readonly="readonly" style="background-color: #efefef; font-size: 10px; text-align: left" type="text" width="290" />
				</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</form>
<table align="center">
<tbody>
<tr>
<td><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Bundeskanzler:<br />
			Helmut Kohl<br />
			Regierungskoalition: CDU/CSU-FDP</span></td>
</tr>
</tbody>
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<p>
</p>
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<tr>
<td colspan="9" style="color: white; background-color: #003366; text-align: left">Bundestagswahl<br />
				1990</td>
</tr>
<tr>
<td> </td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #ff0000">SPD</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #000000">CDU</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: green">B90</span></td>
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<td> </td>
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<tr>
<td align="left" width="45"> Tipp:</td>
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				%</td>
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<tr>
<td align="left">Richtig:</td>
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<td colspan="9" style="text-align: left"> <input name="text" size="63" value="Tippen Sie jetzt!" readonly="readonly" style="background-color: #efefef; font-size: 10px; text-align: left" type="text" width="290" />
				</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</form>
<table align="center">
<tbody>
<tr>
<td><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Bundeskanzler:<br />
			Helmut Kohl<br />
			Regierungskoalition: CDU/CSU-FDP</span></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
</p>
<form name="formular">
	<input name="part1" value="37.0" type="hidden" /><br />
	<input name="part2" value="44.3" type="hidden" /><br />
	<input name="part3" value="8.3" type="hidden" /><br />
	<input name="part4" value="9.1" type="hidden" /><br />
	<input name="part5" value="1.3" type="hidden" /></p>
<table class="wahlchecker" style="border-style: groove; border-width: thin; font-size: 10pt; background-color: #efefef" rows="5" align="center" cols="8" width="300">
<tbody>
<tr>
<td colspan="9" style="color: white; background-color: #003366; text-align: left">Bundestagswahl 1987</td>
</tr>
<tr>
<td> </td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #ff0000">SPD</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #000000">CDU</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: green">B90</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #0000ff">FDP</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #666666">Andere</span></td>
<td> </td>
<td> </td>
</tr>
<tr>
<td align="left" width="45"> Tipp:</td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input1" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input2" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input3" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input4" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input5" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" size="4" name="input6" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td align="left"><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="3" name="prozent" value="100" readonly="readonly" /><br />
				%</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">Richtig:</td>
<td><input value="0.0" name="lsg1" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg2" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg3" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg4" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg5" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input name="lsg6" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 40px" name="button" value="Check" onclick="DDDguess(this.form)" type="button" /></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="9" style="text-align: left"> <input name="text" size="63" value="Tippen Sie jetzt!" readonly="readonly" style="background-color: #efefef; font-size: 10px; text-align: left" type="text" width="290" />
				</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</form>
<table align="center">
<tbody>
<tr>
<td><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Bundeskanzler:<br />
			Helmut Kohl<br />
			Regierungskoalition: CDU/CSU-FDP</span></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
</p>
<form name="formular">
	<input name="part1" value="38.2" type="hidden" /><br />
	<input name="part2" value="48.8" type="hidden" /><br />
	<input name="part3" value="5.6" type="hidden" /><br />
	<input name="part4" value="7.0" type="hidden" /><br />
	<input name="part5" value="0.4" type="hidden" /></p>
<table class="wahlchecker" style="border-style: groove; border-width: thin; font-size: 10pt; background-color: #efefef" rows="5" align="center" cols="8" width="300">
<tbody>
<tr>
<td colspan="9" style="color: white; background-color: #003366; text-align: left">Bundestagswahl 1983</td>
</tr>
<tr>
<td> </td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #ff0000">SPD</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #000000">CDU</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: green">B90</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #0000ff">FDP</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #666666">Andere</span></td>
<td> </td>
<td> </td>
</tr>
<tr>
<td align="left" width="45"> Tipp:</td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input1" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input2" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input3" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input4" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input5" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" size="4" name="input6" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td align="left"><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="3" name="prozent" value="100" readonly="readonly" /><br />
				%</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">Richtig:</td>
<td><input value="0.0" name="lsg1" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg2" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg3" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg4" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg5" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input name="lsg6" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 40px" name="button" value="Check" onclick="DDDguess(this.form)" type="button" /></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="9" style="text-align: left"> <input name="text" size="63" value="Tippen Sie jetzt!" readonly="readonly" style="background-color: #efefef; font-size: 10px; text-align: left" type="text" width="290" />
				</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</form>
<table align="center">
<tbody>
<tr>
<td><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Bundeskanzler:<br />
			Helmut Kohl<br />
			Regierungskoalition: CDU/CSU-FDP</span></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
</p>
<form name="formular">
	<input name="part1" value="42.9" type="hidden" /><br />
	<input name="part2" value="44.5" type="hidden" /><br />
	<input name="part3" value="10.6" type="hidden" /><br />
	<input name="part4" value="2.0" type="hidden" /></p>
<table class="wahlchecker" style="border-style: groove; border-width: thin; font-size: 10pt; background-color: #efefef" rows="5" align="center" cols="8" width="300">
<tbody>
<tr>
<td colspan="9" style="color: white; background-color: #003366; text-align: left">Bundestagswahl 1980</td>
</tr>
<tr>
<td> </td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #ff0000">SPD</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #000000">CDU</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #0000ff">FDP</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #666666">Andere</span></td>
<td> </td>
<td> </td>
<td> </td>
</tr>
<tr>
<td align="left" width="45"> Tipp:</td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input1" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input2" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input3" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input4" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" size="4" name="input5" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" size="4" name="input6" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td align="left"><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="3" name="prozent" value="100" readonly="readonly" /><br />
				%</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">Richtig:</td>
<td><input value="0.0" name="lsg1" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg2" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg3" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg4" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input name="lsg5" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input name="lsg6" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 40px" name="button" value="Check" onclick="DDDguess4(this.form)" type="button" /></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="9" style="text-align: left"> <input name="text" size="63" value="Tippen Sie jetzt!" readonly="readonly" style="background-color: #efefef; font-size: 10px; text-align: left" type="text" width="290" />
				</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</form>
<table align="center">
<tbody>
<tr>
<td><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Bundeskanzler:<br />
			Helmut Schmidt<br />
			Regierungskoalition: SPD-FDP</span></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
</p>
<form name="formular">
	<input name="part1" value="42.6" type="hidden" /><br />
	<input name="part2" value="48.6" type="hidden" /><br />
	<input name="part3" value="7.9" type="hidden" /><br />
	<input name="part4" value="0.9" type="hidden" /></p>
<table class="wahlchecker" style="border-style: groove; border-width: thin; font-size: 10pt; background-color: #efefef" rows="5" align="center" cols="8" width="300">
<tbody>
<tr>
<td colspan="9" style="color: white; background-color: #003366; text-align: left">Bundestagswahl 1976</td>
</tr>
<tr>
<td> </td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #ff0000">SPD</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #000000">CDU</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #0000ff">FDP</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #666666">Andere</span></td>
<td> </td>
<td> </td>
<td> </td>
</tr>
<tr>
<td align="left" width="45"> Tipp:</td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input1" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input2" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input3" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input4" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" size="4" name="input5" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" size="4" name="input6" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td align="left"><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="3" name="prozent" value="100" readonly="readonly" /><br />
				%</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">Richtig:</td>
<td><input value="0.0" name="lsg1" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg2" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg3" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg4" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input name="lsg5" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input name="lsg6" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 40px" name="button" value="Check" onclick="DDDguess4(this.form)" type="button" /></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="9" style="text-align: left"> <input name="text" size="63" value="Tippen Sie jetzt!" readonly="readonly" style="background-color: #efefef; font-size: 10px; text-align: left" type="text" width="290" />
				</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</form>
<table align="center">
<tbody>
<tr>
<td><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Bundeskanzler:<br />
			Helmut Schmidt<br />
			Regierungskoalition: SPD-FDP</span></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
</p>
<form name="formular">
	<input name="part1" value="45.8" type="hidden" /><br />
	<input name="part2" value="44.9" type="hidden" /><br />
	<input name="part3" value="8.4" type="hidden" /><br />
	<input name="part4" value="0.9" type="hidden" /></p>
<table class="wahlchecker" style="border-style: groove; border-width: thin; font-size: 10pt; background-color: #efefef" rows="5" align="center" cols="8" width="300">
<tbody>
<tr>
<td colspan="9" style="color: white; background-color: #003366; text-align: left">Bundestagswahl 1972</td>
</tr>
<tr>
<td> </td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #ff0000">SPD</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #000000">CDU</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #0000ff">FDP</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #666666">Andere</span></td>
<td> </td>
<td> </td>
<td> </td>
</tr>
<tr>
<td align="left" width="45"> Tipp:</td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input1" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input2" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input3" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input4" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" size="4" name="input5" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" size="4" name="input6" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td align="left"><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="3" name="prozent" value="100" readonly="readonly" /><br />
				%</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">Richtig:</td>
<td><input value="0.0" name="lsg1" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg2" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg3" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg4" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input name="lsg5" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input name="lsg6" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 40px" name="button" value="Check" onclick="DDDguess4(this.form)" type="button" /></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="9" style="text-align: left"> <input name="text" size="63" value="Tippen Sie jetzt!" readonly="readonly" style="background-color: #efefef; font-size: 10px; text-align: left" type="text" width="290" />
				</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</form>
<table align="center">
<tbody>
<tr>
<td><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Bundeskanzler:<br />
			Willy Brandt<br />
			Regierungskoalition: SPD-FDP</span></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
</p>
<form name="formular">
	<input name="part1" value="42.7" type="hidden" /><br />
	<input name="part2" value="46.1" type="hidden" /><br />
	<input name="part3" value="5.8" type="hidden" /><br />
	<input name="part4" value="5.4" type="hidden" /></p>
<table class="wahlchecker" style="border-style: groove; border-width: thin; font-size: 10pt; background-color: #efefef" rows="5" align="center" cols="8" width="300">
<tbody>
<tr>
<td colspan="9" style="color: white; background-color: #003366; text-align: left">Bundestagswahl 1969</td>
</tr>
<tr>
<td> </td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #ff0000">SPD</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #000000">CDU</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #0000ff">FDP</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #666666">Andere</span></td>
<td> </td>
<td> </td>
<td> </td>
</tr>
<tr>
<td align="left" width="45"> Tipp:</td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input1" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input2" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input3" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input4" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" size="4" name="input5" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" size="4" name="input6" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td align="left"><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="3" name="prozent" value="100" readonly="readonly" /><br />
				%</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">Richtig:</td>
<td><input value="0.0" name="lsg1" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg2" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg3" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg4" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input name="lsg5" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input name="lsg6" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 40px" name="button" value="Check" onclick="DDDguess4(this.form)" type="button" /></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="9" style="text-align: left"> <input name="text" size="63" value="Tippen Sie jetzt!" readonly="readonly" style="background-color: #efefef; font-size: 10px; text-align: left" type="text" width="290" />
				</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</form>
<table align="center">
<tbody>
<tr>
<td><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Bundeskanzler:<br />
			Willy Brandt<br />
			Regierungskoalition: SPD-FDP</span></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
</p>
<form name="formular">
	<input name="part1" value="39.3" type="hidden" /><br />
	<input name="part2" value="47.6" type="hidden" /><br />
	<input name="part3" value="9.5" type="hidden" /><br />
	<input name="part4" value="3.6" type="hidden" /></p>
<table class="wahlchecker" style="border-style: groove; border-width: thin; font-size: 10pt; background-color: #efefef" rows="5" align="center" cols="8" width="300">
<tbody>
<tr>
<td colspan="9" style="color: white; background-color: #003366; text-align: left">Bundestagswahl 1965</td>
</tr>
<tr>
<td> </td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #ff0000">SPD</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #000000">CDU</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #0000ff">FDP</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #666666">Andere</span></td>
<td> </td>
<td> </td>
<td> </td>
</tr>
<tr>
<td align="left" width="45"> Tipp:</td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input1" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input2" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input3" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input4" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" size="4" name="input5" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" size="4" name="input6" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td align="left"><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="3" name="prozent" value="100" readonly="readonly" /><br />
				%</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">Richtig:</td>
<td><input value="0.0" name="lsg1" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg2" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg3" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg4" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input name="lsg5" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input name="lsg6" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 40px" name="button" value="Check" onclick="DDDguess4(this.form)" type="button" /></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="9" style="text-align: left"> <input name="text" size="63" value="Tippen Sie jetzt!" readonly="readonly" style="background-color: #efefef; font-size: 10px; text-align: left" type="text" width="290" />
				</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</form>
<table align="center">
<tbody>
<tr>
<td><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Bundeskanzler:<br />
			Ludwig Erhard<br />
			Regierungskoalition: CDU/CSU-FDP</span></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
</p>
<form name="formular">
	<input name="part1" value="36.2" type="hidden" /><br />
	<input name="part2" value="45.3" type="hidden" /><br />
	<input name="part3" value="12.8" type="hidden" /><br />
	<input name="part4" value="5.7" type="hidden" /></p>
<table class="wahlchecker" style="border-style: groove; border-width: thin; font-size: 10pt; background-color: #efefef" rows="5" align="center" cols="8" width="300">
<tbody>
<tr>
<td colspan="9" style="color: white; background-color: #003366; text-align: left">Bundestagswahl 1961</td>
</tr>
<tr>
<td> </td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #ff0000">SPD</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #000000">CDU</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #0000ff">FDP</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #666666">Andere</span></td>
<td> </td>
<td> </td>
<td> </td>
</tr>
<tr>
<td align="left" width="45"> Tipp:</td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input1" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input2" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input3" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input4" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" size="4" name="input5" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" size="4" name="input6" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td align="left"><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="3" name="prozent" value="100" readonly="readonly" /><br />
				%</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">Richtig:</td>
<td><input value="0.0" name="lsg1" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg2" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg3" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg4" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input name="lsg5" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input name="lsg6" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 40px" name="button" value="Check" onclick="DDDguess4(this.form)" type="button" /></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="9" style="text-align: left"> <input name="text" size="63" value="Tippen Sie jetzt!" readonly="readonly" style="background-color: #efefef; font-size: 10px; text-align: left" type="text" width="290" />
				</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</form>
<table align="center">
<tbody>
<tr>
<td><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Bundeskanzler:<br />
			Konrad Adenauer<br />
			Regierungskoalition: CDU/CSU-FDP</span></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
</p>
<form name="formular">
	<input name="part1" value="31.8" type="hidden" /><br />
	<input name="part2" value="50.2" type="hidden" /><br />
	<input name="part3" value="7.7" type="hidden" /><br />
	<input name="part4" value="3.4" type="hidden" /><br />
	<input name="part5" value="6.9" type="hidden" /></p>
<table class="wahlchecker" style="border-style: groove; border-width: thin; font-size: 10pt; background-color: #efefef" rows="5" align="center" cols="8" width="300">
<tbody>
<tr>
<td colspan="9" style="color: white; background-color: #003366; text-align: left">Bundestagswahl 1957</td>
</tr>
<tr>
<td> </td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #ff0000">SPD</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #000000">CDU</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #0000ff">FDP</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #666666">DP</span></td>
<td style="font-size: 8pt; text-align: center"><span style="color: #666666">Andere</span></td>
<td> </td>
<td> </td>
</tr>
<tr>
<td align="left" width="45"> Tipp:</td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input1" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input2" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input3" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input4" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="4" name="input5" onkeyup="kommapunkt(this.form)" onblur="DDD100pro(this.form)" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" size="4" name="input6" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td align="left"><input style="font-size: 8pt; width: 30px" size="3" name="prozent" value="100" readonly="readonly" /><br />
				%</td>
</tr>
<tr>
<td align="left">Richtig:</td>
<td><input value="0.0" name="lsg1" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg2" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg3" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg4" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input value="0.0" name="lsg5" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input name="lsg6" size="3" style="font-size: 8pt; width: 30px; background-color: #efefef" readonly="readonly" type="number" /></td>
<td><input style="font-size: 8pt; width: 40px" name="button" value="Check" onclick="DDDguess(this.form)" type="button" /></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="9" style="text-align: left"> <input name="text" size="63" value="Tippen Sie jetzt!" readonly="readonly" style="background-color: #efefef; font-size: 10px; text-align: left" type="text" width="290" />
				</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</form>
<table align="center">
<tbody>
<tr>
<td><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Bundeskanzler:<br />
			Konrad Adenauer<br />
			Regierung: CDU/CSU</span></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
</p>
<p>Ursprüngliche Version von Daniel Knabe</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/wie_waren_die_ergebnisse_der_bisherigen_bundestagswahlen-3345/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Klaus Ernst zu Gast bei tacheles.02</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/klaus-ernst-zu-gast-bei-tacheles02-207/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/klaus-ernst-zu-gast-bei-tacheles02-207/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[rthurnher]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Jun 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[PDS]]></category>
		<category><![CDATA[WASG]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Ernst]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/klaus-ernst-zu-gast-bei-tacheles02-207/</guid>

					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Klaus Ernst, Mitbegründer und 
Vorstandsmitglied der WASG, war am 10. Juni zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><b>Klaus Ernst, Mitbegründer und<br />
Vorstandsmitglied der WASG, war am 10. Juni zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b><!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Liebe Politik-Interessierte,<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein<br />
Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de. Zum Chat ist heute der Vorsitzende der WASG,<br />
Klaus Ernst ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen. Herr Ernst, sind<br />
Sie bereit?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Ja, klar. Selbstverständlich.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie haben harte Verhandlungen mit der<br />
PDS hinter sich. Was mussten Sie denn für Konzessionen an Bisky<br />
und Co machen?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Wir hatten eigentlich ein anderes<br />
Modell vor, wie wir die Zusammenarbeit gestalten können. Nämlich<br />
die Gründung einer Wahlpartei, einer Partei die nur zur Bundestagswahl<br />
antritt und erst später dann eine gemeinsame Partei aus WASG<br />
und PDS wird. Aber das war rechtlich und organisatorisch nicht möglich.
</p>
<p>
<b>alf:</b> Was wollen sie anders machen als die Linken der SPD?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Erstens: Wir werden das machen, was<br />
wir vorher sagen. Zweitens: Wir werden unsere Positionen deutlicher<br />
vertreten können, als die Linken in der SPD, die sehr oft als<br />
Tiger startet und als Bettvorleger landet. Drittens: Wir werden<br />
viel enger mit sozialen Bewegungen und Gewerkschaften zusammenarbeiten.<br />
Viertens: Wir werden uns für weitere politische Kräfte<br />
öffnen.
</p>
<p>
<b>Tomcat:</b> In welchen inhaltlichen Punkten gab es<br />
denn keine Übereinstimmung mit der PDS?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Wir sind uns noch nicht einig, welchen<br />
Namen das neue Projekt hat. Einesteils muss berücksichtigt<br />
werden, dass die Bürger in den neuen Bundesländern, die<br />
Partei wiedererkennen, die sie bisher gewählt haben. Andererseits<br />
muss in dem Namen das Neue sichtbar werden, dass die neue Partei<br />
auch im Westen gewählt wird. Es wird uns sicher etwas einfallen.
</p>
<p>
<b>rk:</b> Wie links wird die Linke sein? Sozialdemokratisch (Reformrücknahme)<br />
oder sozialistisch (Sozialisierung von Betrieben)?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Die SPD ist soweit nach rechts gerückt,<br />
dass links von ihr viel Platz entstanden ist. Unser neues Projekt<br />
muss dieser Breite im linken Spektrum Rechnung tragen. Wir dürfen<br />
uns nicht am Rand des linken Spektrums positionieren, sondern so<br />
dass unsere politischen Positionen von ehemaligen Sozialdemokraten<br />
genauso unterstützt werden können wie von ehemaligen Mitgliedern<br />
der PDS. Entscheidend ist, dass wir die Menschen in dem Land dort<br />
abholen wo sie stehen. Wer seiner Bewegung zu weit voraus ist, läuft<br />
in die Gefahr, im Gefängnis auf sie warten zu müssen.
</p>
<p>
<b>Peter L?ch:</b> Als Vorstandsmitglied der WASG Köln<br />
und Direktkandidat LTW NRW sage ich Ihnen, dass um die 80% der WASG<br />
diesen Weg nicht mitgehen wird. Und was ist mit der Mitgliederbefragung?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Selbstverständlich werden wir<br />
über die Grundsatzentscheidung, neues Projekt ja oder nein,<br />
unsere Mitglieder genauso befragen müssen wie über die<br />
Frage: gemeinsames Auftreten mit der PDS bei den Bundestagwahl.<br />
Ich hoffe, dass es uns gelingt die Dimension des Neuen sichtbar<br />
zu machen, die darin liegt eine vereinigte Linke in der BRD zu kreieren,<br />
die so stark ist, den neoliberalen Mainstream etwas entgegen setzen<br />
zu können. Bei den Bundestagswahlen bestünde die Gefahr,<br />
dass beide Parteien an der 5%-Hürde scheitern, wenn sie gegeneinander<br />
antreten und damit nicht einmal eine neue Opposition im Bundestag<br />
vertreten wäre.
</p>
<p>
<b>igor:</b> Wie viel Druck hat denn Lafontaine gemacht, dass es zum Bündnis<br />
kommt?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Oskar Lafontaine hat mir erklärt,<br />
schon vor einigen Wochen, dass er ein gemeinsames Projekt unterstützen<br />
würde, wobei die Betonung auf gemeinsam lag.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ein gesundheitlich angeschlagener Gregor<br />
Gysi und ein marginalisierter Oskar Lafontaine. Wie viel sind diese<br />
beiden Politiker wert, abseits vom schönen Schein der Namen?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Meine Wahrnehmung ist, dass sie nach<br />
wie vor Säle füllen, dass sie bei den Medien bei weiten<br />
mehr wahrgenommen werden als wir und dass sie &#8211; und das zeigen die<br />
Umfrageergebnisse &#8211; für mehrere Prozentpunkte stehen.
</p>
<p>
<b>AndreasKrug85:</b> Nach dem derzeitigen Stand der<br />
Dinge werden wohl WASG Mitglieder auf einer offenen Liste der Vereinigten<br />
Linke &#8211; PDS (?) antreten &#8211; sehen Sie die Gefahr, dass Ihre Mitglieder<br />
zur PDS überlaufen?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Die Gefahr sehe ich eigentlich nicht,<br />
weil die Kulturen beider Parteien durchaus unterschiedlich sind.<br />
Übrigens hätten dies die Mitglieder, die dies denken,<br />
schon vorher tun können &#8211; haben sie aber nicht.
</p>
<p>
<b>Kollege_B:</b> Wäre die Partei bereit in eine<br />
Regierung mit SPD und Grünen einzutreten?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Wir gehen davon aus, dass wir im<br />
Bundestag die einzige Oppositionspartei sein werden. Nicht, weil<br />
wir nicht gestalten wollten, sondern weil es keine im Bundestag<br />
vertretene Partei gibt, von der man annehmen könnte, dass sie<br />
auch nur ansatzweise Positionen vertreten würde, die eine Koalition<br />
möglich macht. Aus diesem Grunde scheidet aus meiner Sicht<br />
eine Regierungsbeteilung aus.
</p>
<p>
<b>valpolitschella:</b> Sie wollen doch nur die 70er<br />
aufbacken &#8211; ist das nicht eher konservativ?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Das wäre es in der Tat, wenn<br />
wir es wollten. Natürlich muss z.B. das Sozialsystem der BRD<br />
neu gestaltet werden. Wir brauchen keine Hungerkur sondern ein Fitness-Programm.<br />
Selbstverständlich müssen wir darüber nachdenken,<br />
wie wir ein Steuersystem gestalten, dass ein effektiver Sozialstaat<br />
erhalten bleibt. Entscheidend ist, dass in der BRD künftig<br />
nicht der Ellenbogen das wichtigste Körperteil wird. Das ist<br />
kein Weg zurück, sondern eher ein Weg nach vorn.
</p>
<p>
<b>Horst.S.:</b> Ich meine die Kritik, dass die WSAG<br />
der CDU in die Hände spielt, weil sie die SPD schwächt<br />
und dass es besser wäre innerhalb der SPD für Veränderung<br />
zu sorgen.
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Veränderung in der SPD sind<br />
aus meiner Sicht nicht zu erreichen. Selbst Abgeordnete konnten<br />
dies nicht erreichen. Im Gegenteil. Durch eine weitere Unterstützung<br />
der Partei wird man unglaubwürdig, wenn man wirklich Sozialdemokrat<br />
ist. Sozialdemokratie definiert sich nicht damit, was ein Kanzler<br />
in einer Politik der Beliebigkeit gerade entscheidet, sondern nach<br />
Grundpositionen, die gemeinsam in einer Partei definiert werden.<br />
Nicht wir haben dazu beigetragen, dass die CDU gestärkt wird,<br />
sondern die Politik der letzten 7 Jahre der Bundesregierung. Im<br />
Übrigen: Die unterschiedlichen Positionen zwischen CDU und<br />
SPD sind kaum noch wahrnehmbar. Merkel wird das fortsetzen, was<br />
Schröder eingeleitet hat.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie fordern gesicherte Arbeit und gerechte<br />
Einkommen für alle. Aus welcher Wundertüte nehmen Sie<br />
Ihre Wohltaten?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> In diesem Land fehlt es an Nachfrage<br />
und Nachfrage ist die Voraussetzung für Arbeitsplätze.<br />
Nachfrage entsteht nicht durch &quot;Wir müssen den Gürtel<br />
enger schnallen&quot; und sparen. Wir wollen ein Zukunfts-Investitionsprogramm<br />
von mindestens 20 Milliarden in diesem Jahr, dass dadurch finanziert<br />
wird, dass die Steuergeschenke an Spitzenverdiener, an Unternehmen,<br />
an Vermögende zurückgenommen werden. Mit diesen Zukunftsinvestitionen<br />
könnten in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Aufbau und Erhaltung<br />
der Infrastruktur zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Hätten wir das Steuersystem<br />
wie vor 5 Jahren, wäre unser Programm schon finanziert.
</p>
<p>
<b>Rotfront:</b> Glauben sie ernsthaft, dass sie in einer<br />
globalisierten Welt wirklich den deutschen Sozialstaat retten können<br />
oder müsste man nicht vielmehr über Alternativen jenseits<br />
des Kapitalismus nachdenken?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Der Gedanke über Kapitalismus<br />
überwindende Projekte ist sicher nicht falsch. Gegenwärtig<br />
hilft er nur nicht weiter. Wir müssen Antworten auf die Frage<br />
geben, wie wir unser Sozialsystem gestalten wollen, wie wir zu mehr<br />
Arbeitsplätzen kommen wollen und wie wir Steuergerechtigkeit<br />
erreichen. In diesen Bereichen gibt es sehr wohl nationale Handlungsmöglichkeiten.<br />
Ein Beispiel: In der BRD ist es einfacher, ein Werk zu schließen<br />
und die Beschäftigten zu entlassen als in Frankreich. Ein Ergebnis<br />
des nationalen Kündigungsschutzes. In den USA ist das Steueraufkommen<br />
am BIP 3,1 % aus Vermögens- und Erbschaftssteuer, in der BRD<br />
0,9 % &#8211; ein Ergebnis nationaler Steuerpolitik.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Jetzt werden Sie programmatisch in<br />
die Zange genommen, Herr Ernst:
</p>
<p>
<b>Sparta:</b> Wäre eine Luxussteuer denkbar?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Ja. Das Steuersystem ist so zu gestalten,<br />
dass vom Schicksal besonders begünstigte Personen auch einen<br />
angemessenen Beitrag zum Sozialstaat leisten.
</p>
<p>
<b>io:</b> Es wird nicht reichen nur die Spitzen der Spitzen zu belasten.<br />
Was halten Sie von einer Einheitsrente, einer Grundsicherung (Siehe<br />
ALG2 auf deutlich höherem Niveau)?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Wir sind, sowohl als WASG als auch<br />
als PDS, dafür dass alle Bürger unseres Staates in Würde<br />
leben können, deshalb unterstützen wir eine Mindestsicherung.
</p>
<p>
<b>Scharnbeck2:</b> Denken Sie, dass Sie auch nur einen<br />
Wirtschaftsvertreter für sich gewinnen?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Die Realisierung unseres Programms<br />
führt dazu, dass insbesondere Nachfrage im Mittelstand entstehen<br />
wird, von dem die dort vorhandenen Unternehmen unmittelbar profitieren<br />
werden. Im Übrigen hat die Politik der letzten Jahren, die<br />
einseitig auf die Unternehmerinteressen ausgerichtet war &#8211; wie man<br />
an den Arbeitslosenzahlen ablesen kann &#8211; nicht gerade große<br />
Erfolge gebracht.
</p>
<p>
<b>apo:</b> Der Kapitalismus ist sicher nicht abzuschaffen. Jeder kleine<br />
Rentner will eine hohe Dividende am Kapitalmarkt! Glauben Sie ernsthaft,<br />
dass Sie diese Haltung ändern können?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Dass ein Rentner eine vernünftige<br />
Rente will, ist doch in Ordnung. Auch seine Rendite am Kapitalmarkt<br />
erzielt er nur, wenn Arbeit dahinter steckt. Kapitalgedeckte Sozialversicherungssysteme<br />
funktionieren auch nur, wenn entsprechend viele Menschen in Arbeit<br />
sind. Unsere Politik trägt dazu bei und sorgt daher auch für<br />
sicherere Renten, egal ob kapitalgedeckt oder solidarisch organisiert.
</p>
<p>
<b>-donteatyellowsnow-:</b> Sie treten mit dem Anspruch<br />
an, ein Partei für Arbeiter und Rentner zu sein. Denken sie,<br />
dass eine solche &quot;Klassenzugehörigkeits-Diskussion&quot;<br />
noch zeitgemäß ist?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Es geht schlicht darum, eine Politik<br />
zu entwickeln, welche die Interessen der Mehrheit der Bürger<br />
unseres Landes zum zentralen Entscheidungspunkt macht. Im Übrigen<br />
erlebe ich in meiner Praxis als Gewerkschaftssekretär sehr<br />
oft &quot;Klassenkampf von oben&quot;: Da werden Leute erpresst,<br />
längere Arbeitszeiten ohne Lohn zu akzeptieren oder gekündigt<br />
zu werden. Da werden Weihnachts- und Urlaubsgeld gestrichen, obwohl<br />
das Unternehmen in guter wirtschaftlicher Situation ist. Das fordert<br />
Daimler 500 Millionen Euro von der Belegschaft, obwohl das Unternehmen<br />
alles andere als ein Sanierungsfall ist.
</p>
<p>
<b>alfons:</b> Streben Sie eine Erhöhung der Mehrwertsteuer an?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Nein. Eine Mehrwertsteuer ist eine<br />
Verbrauchssteuer und trifft besonders Bürger mit niedrigerem<br />
Einkommen mehr, als Bürger mit höherem Einkommen. Warum?<br />
Geringverdiener sind gezwungen, einen sehr hohen Anteil ihres Einkommens<br />
zu konsumieren &#8211; der wird durch die Mehrwertsteuer voll getroffen.<br />
Je höher das Einkommen, desto höher ist auch der Anteil<br />
der nicht konsumiert wird, also von der Mehrwertsteuer nicht betroffen<br />
wird. Prozentual von ihrem Einkommen werden durch Erhöhung<br />
der Mehrwertsteuer Geringverdiener mehr belastet als Großverdiener.
</p>
<p>
<b>alfons:</b> Was machen Sie, wenn sich eine Mehrheit der WASG-Landesverbände<br />
gegen die Zusammenarbeit mit der PDS ausspricht?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Wenn die Mehrheit der Mitglieder<br />
der WASG sich gegen dieses Projekt ausspricht, wird es nicht zustande<br />
kommen. Ich hoffe aber, dass möglichst viele unserer Mitglieder<br />
erkennen, dass es nicht nur um die Bundestagswahl 2005 geht, sondern<br />
um ein gemeinsames Projekt der fortschrittlich demokratischen Kräfte<br />
unseres Landes, das die politische Landschaft in der BRD im Interesse<br />
vieler Bürgerinnen und Bürger neu ordnen kann.
</p>
<p>
<b>Bischof:</b> Es fällt auf, dass der Bundesvorstand<br />
Ihrer Partei intern sowie über die Medien verbal zielgerichteten<br />
Einfluss auf die WASG-Mitglieder nimmt. Machen sie damit letztlich<br />
Politik gegen die eigene Partei?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Der Bundesparteitag hat uns aufgefordert<br />
in Gesprächen die Frage von Zusammenarbeit zu klären.<br />
Das haben wir getan und sind dabei zu einem Vorschlag gelangt, den<br />
wir in der Partei zur Debatte stellen müssen. Das ist auch<br />
gut so. In unserem Gründungsprogramm und in der Debatte auf<br />
dem Parteitag wurden inhaltliche Positionen der WASG bestimmt, die<br />
wir auch mit den jetzigen Vorschlägen zur Zusammenarbeit mit<br />
weiteren demokratischen Kräften umsetzen wollen. Insofern richtet<br />
sich unser Vorgehen keineswegs gegen die eigene Partei, sondern<br />
versucht, Beschlüsse in die Realität umzusetzen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Es sind ja noch ein paar Wochen bis<br />
zur Wahl, aber jetzt dürfen Sie mal einen ehrlichen Tipp abgeben:
</p>
<p>
<b>Bender4:</b> Herr Ernst, ist es wirklich Ihr Ernst,<br />
das ihre Linke Liste um die 10% der Stimmen erreichen könnte?
</p>
<p>
<b>dk72b:</b> Die Prognosen sagen 18% &#8211; was sagen Sie?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Ich gehe davon aus, dass wir drittstärkste<br />
Partei in diesem Bundestag werden könnten und ich glaube, dass<br />
wir mit den beiden Spitzenkandidaten zurzeit ein Ergebnis von 8<br />
bis 10 Prozent erreichen können.
</p>
<p>
<b>Le Buque:</b> Sie haben das Bündnis maßgeblich<br />
geschmiedet. Welche Zukunft hat ein Klaus Ernst zwischen zwei Medienstars<br />
wie Gysi und Lafontaine?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Ich freue mich, dass wir Lafontaine<br />
und Gysi als Medienstars haben, die vor allem auch mit großem<br />
rhetorischen Geschick unsere Positionen mehrheitsfähig machen<br />
können. Ich persönlich werde dieses Projekt weiter unterstützen.<br />
Es ist vollkommen unerheblich, ob ein Klaus Ernst in den Medien<br />
ist.
</p>
<p>
<b>Edelkastanie:</b> Ich habe den Eindruck, dass im Westen<br />
die Leute der PDS und der WASG aus völlig unterschiedlichen<br />
Kulturen kommen: Die einen repräsentieren die z.T. antikommunistische<br />
alte Sozialdemokratie der alten Bundesrepublik, die anderen die<br />
alten Kommunisten der alten BRD. Glauben Sie, dass ein Bündnis<br />
von so unterschiedlichen Leuten überhaupt bis zur Bundestagswahl<br />
halten kann?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Ja, weil sie jetzt in beiden Parteien<br />
die extremen Pole beschrieben haben. Die Zukunft des Projekts liegt<br />
ja gerade darin, sich auf das Neue einzulassen. <br />
Und aus meiner Sicht sind viele Mitglieder beider Parteien zu einem<br />
solchen Aufbruch bereit. Die Mitglieder der PDS haben die Chance,<br />
dass ihre Interessen in einem größeren Projekt, als es<br />
die PDS ist und werden kann, vertreten werden. Die Bürger in<br />
den alten Bundesländern haben die Chance, eine starke linke<br />
demokratische Kraft zu bekommen, die ihre Themen wieder in die Politik<br />
einbringt. Das ist für beide von Vorteil.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Sie klingen auch sehr aufbruchsbereit<br />
und engagiert &#8211; warum dann eigentlich kein Engagement in ihrer ursprünglichen<br />
politischen Heimat SPD &#8211; die Opposition gibt doch auch immer die<br />
Chance zur Kurskorrektur.
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Diese Frage ist insofern obsolet,<br />
als dass man mich schon ausgeschlossen hat. Die SPD ist zu einem<br />
richtigen Wechsel nicht in der Lage. Sie müsste ihr gesamtes<br />
Führungspersonal auswechseln, will sie glaubwürdig bleiben.<br />
<br />
Das Vorgehen des Kanzlers mit der vorgezogenen Bundestagswahl, seine<br />
Agenda 2010 abstimmen zu lassen und die Akzeptanz der Partei zeigt,<br />
dass man zu einem Kurswechsel nicht bereit ist.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Kommentar:
</p>
<p>
<b>gerhardt:</b> Ich finde es gut, wenn es eine vereinigte<br />
Line geben wird. Das ist eine Chance, die Demokratie in diesem land<br />
zu stärken. Und es ist nach 15 Jahren Wiedervereinigung an<br />
der Zeit.
</p>
<p>
<b>Roland:</b> Die Debatte um eine neue Linke ist teilweise<br />
sehr polemisch. Da fordern Sie ein sozialeres Deutschland, reden<br />
von Besteuerung der Reichen und Abschaffung von den jetzigen Bestimmungen<br />
vom Arbeitslosengeld II, überlassen aber die realistischen<br />
Zahlen den anderen Parteien. Auch ich bin für ein sozialeres<br />
Deutschland, halte aber gar nichts von falschen Hoffnungen. Nutzen<br />
Sie nicht ein wenig aus, dass die Menschen Angst vor der Zukunft<br />
haben?
</p>
<p>
K<b>laus Ernst:</b> Unsere Vorschläge zur Finanzierung<br />
der Sozialsysteme sind durchgerechnet und machbar. Ein Beispiel:<br />
Im Jahre 2000 waren die Einnahmen des Staates aus der Körperschaftssteuer<br />
noch über 20 Milliarden Euro. Im Jahre 2001 hat das Aufkommen<br />
der Körperschaftssteuer das Niveau der Hundesteuer unterschritten.<br />
Allein aus den Steuergeschenken der letzten Jahre ist unser Zukunftsinvestitionsprogramm<br />
mehr als finanzierbar.
</p>
<p>
<b>Gerry Levin:</b> Lafontaine und Gysi sind Medienstars,<br />
aber sie sind meines Erachtens auch eitel und haben beide in entscheidenden<br />
Situationen fluchtartig ihre Positionen verlassen &#8211; Gysi als Wirtschaftssenator<br />
in Berlin, Lafontaine als Finanzminister. Glauben Sie, auf die beiden<br />
können Sie sich auch in stürmischen Zeiten verlassen?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Lafontaine hat in seinem Leben alles<br />
erreicht, was man erreichen kann. Oberbürgermeister, Ministerpräsident,<br />
Parteivorsitzender &#8211; das er mit uns nicht Papst und auch nicht Bundeskanzler<br />
werden kann, ist ihm klar. Gysi ist ebenfalls ein erfahrener Politiker.<br />
Beiden ist gemeinsam, dass sie eine klare politische Zielsetzung<br />
haben, die sie unabhängig von der politischen Großwetterlage<br />
vertreten. Ein hohes Maß von politischer Beständigkeit<br />
und Verlässlichkeit, die wir in unserem Land brauchen. Lafontaine<br />
ist zurück getreten, weil er mit der Politik der Regierung<br />
nicht mehr einverstanden war. Viele treten zurück, weil sie<br />
Dreck am Stecken haben. Ich halte seine Motive für ehrenwerter,<br />
als die Motive der anderen, die an ihrem Sessel kleben bleiben,<br />
nach dem Motto: ich fliehe nicht aus der Verantwortung, obwohl sie<br />
keiner mehr haben will.
</p>
<p>
<b>Mineralogiestudent:</b> Glauben Sie, dass die SPD<br />
nach einer Wahlniederlage zu einer Kursänderung bereit ist?
</p>
<p>
<b>Klaus Ernst:</b> Nach einer Wahlniederlage wird es<br />
in der SPD ein Hauen und Stechen geben. Die SPD wird sich vermutlich<br />
nach einer Zeit der Regeneration wieder links positionieren. Die<br />
Bürger werden ihr diesen Richtungswechsel nicht glauben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Unsere Zeit ist schon wieder um. Vielen<br />
Dank an alle User für das große Interesse. Etliche Fragen<br />
sind leider unbeantwortet geblieben. Vielen Dank, Herr Ernst, dass<br />
Sie sich Zeit für den Chat genommen haben. Das Transkript dieses<br />
Chats finden Sie auf den Seiten der Veranstalter. Den nächsten<br />
Chat gibt es am Donnerstag, 16.6.05, von dreizehn bis vierzehn Uhr<br />
mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Kristina Köhler. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen noch einen angenehmen Tag!
</p>
<p><b>Klaus Ernst:</b> Tschüss und einen schönen<br />
Tag.</p>
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