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	<title>hschmundt &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>hschmundt &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Berlin 2.0 &#8211; die digitale Hauptstadt geht online</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/berlin_2_0_die_digitale_hauptstadt_geht_online-607/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[hschmundt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 1997 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Hand in Hand mit einem großen Firmen-Konsortium startet die
deutsche Hauptstadt Europas größtes Stadtinformationssystem. Ziel dieser
Partnerschaft: Wenigstens im Internet soll Berlin zur Weltmetropole werden und
als digitale Stadt Modellcharakter für andere deutsche Großstädte erlangen.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Hand in Hand mit einem großen Firmen-Konsortium startet die<br />
deutsche Hauptstadt Europas größtes Stadtinformationssystem. Ziel dieser<br />
Partnerschaft: Wenigstens im Internet soll Berlin zur Weltmetropole werden und<br />
als digitale Stadt Modellcharakter für andere deutsche Großstädte erlangen.</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Mit Gesamtinvestionen in zweistelliger Millionenhöhe wird ein<br />
gigantisches digitales Abbild Berlins ins Internet gestellt: Die Bürger können künftig<br />
Behördengänge vom heimischen PC aus absolvieren, durch eine virtuelle<br />
Shopping-Mall klicken, eine eigene Homepage einrichten oder mit ihren Mitbürgern in Foren<br />
über den Stadtsmog plaudern.<br />
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/archiv/staedte/images/berlin20.gif" align="middle" border="0" height="130" hspace="4" vspace="2" width="321" /><br />
<span style="font-size: xx-small">Vorher: Berlin 1.0      Nachher: Berlin 2.0</span></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">All diese Ideen sind nicht neu und werden so oder ähnlich bereits seit Jahren in <a href="http://www.dds.nl/">Amsterdam</a><br />
(www.dds.nl) und <a href="http://www.muenster.de/">Münster</a> und nicht zuletzt in Berlin praktiziert. Neu an<br />
der Internetseite mit der eingängigen Adresse <a href="http://www.berlin.de/">berlin.de</a> ist vor<br />
allem der Wille zur Größe, die Zusammenlegung von Behördendiensten, Online-Shopping, Stadtinformationen<br />
und Bürgerforen. Während Konzerne wie Disney, Netscape oder Bertelsmann derzeit an ähnlichen Infotainment-Angeboten,<br />
sogenannten Internet-Portalen basteln, ist berlin.de das erste Beispiel dafür, wie eine ganze Stadt<br />
im Internet vermarktet werden soll. Das Angebot richtet sich dabei ebenso an Besucher aus aller Welt<br />
wie auch an die Bürger vor Ort: Es werden bereits öffentliche Terminals geplant, die in Getränkeautomaten<br />
integriert sind, gesponsert von Coca-Cola.<br />
Die Projektleitung liegt in den Händen eines Konsortiums, bestehend aus der Daimler-Chrysler-Tochter<br />
<a href="http://www.debis.de/">debis</a> mit dem Handelskonzern <a href="http://www.metro.de/">Metro Holding AG</a>, immerhin Deutschlands größtem Lebensmittelkonzern.<br />
Diese beiden Unternehmen haben ihre Internet-Aktivitäten zur Betreibergesellschaft<br />
<a href="http://www.primus-online.de/">Primus-Online Berlin Brandenburg</a> zusammengelegt, und kooperieren außerdem eng mit der<br />
<a href="http://www.berliner-volksbank.de/">Berliner Volksbank.</a><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Ein paar Einwände vorab: Die private Datenstadt als Ausverkauf der Öffentlichkeit</b><br />
Da in den meisten Zeitungsberichten über berlin.de die kritischen Stimmen auffällig rar sind,<br />
hier ein paar Einwände vorab, die nörglerisch anmuten mögen, aber möglicherweise die Dimension<br />
des Projekts erst erkennbar machen. Die einzigartige Fusion aus Stadtinformationen und Privatkapital<br />
ist nicht aus purer Innovationsfreude, sondern aus der Not geboren. Der Berliner Senat fällt seit dem<br />
Auslaufen der Berlin-Förderung von einem Haushaltsloch ins nächste, und nur die radikale Privatisierung<br />
der digitalen Stadt ermöglichte die zweistellige Millioneninvestition. So blieben diverse innovative<br />
Medienfirmen aus der Region außen vor, etwa der erste Berliner Stadtinformationsdienst &quot;kulturbox&quot;<br />
oder die profilierte Datenschmiede <a href="http://www.art-com.de/">&quot;art+com&quot;</a>, die schon den Börsengang<br />
der Telekom mit einer<br />
sensationellen Animation bebildert hatte. Anstatt einer Gruppe aus vielversprechenden Berliner<br />
Multimediafirmen die Chance zu geben, sich mit dem neuen Stadtinformationssystem zu profilieren<br />
und damit für den Standort Berlin zu werben, wurde der Auftrag nach Auswärts vergeben. Zwar fand<br />
eine öffentliche Ausschreibung statt &#8211; aber Geld konnte Berlin nicht bieten. Nur seinen guten Namen.<br />
Und genau der könnte durch die neue Datenstadt gefährdet sein.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Konflikte zwischen Verwaltung und Dienstleister sind vorprogrammiert. Eine &quot;hübsch verpackte<br />
Zeitbombe&quot; nennt der Spiegel diese Public-Private-Partnerschaft (PPP), während der verantwortliche<br />
Berlin.de-Projektleiter Horst Ullrich die Allianz von Großkapital und<br />
Senat für schlicht &quot;notwendig und zukunftsweisend hält&quot;. Der Berliner Senat hat den Wert der<br />
eigenen Marke entdeckt: &quot;Unser Kapital in dieser Partnerschaft besteht in der zugkräftigen Marke &#8216;Berlin‘&quot;,<br />
so Ulrich. Ob diese Marke sich verkaufen läßt, dazu später mehr.<br />
Endlich wird Berlin wieder Weltstadt, wenn auch zunächst in der Welt der globalen Datennetze.<br />
Eine Weltstadt der etwas andern Art, die erste voll globalisierte und privatisierte Stadt der Welt,<br />
definiert und präsentiert durch international operierende Unternehmen: Landesverwaltung und lokale<br />
Bezirksämter werden im Datenraum herabgewürdigt zu reinen Inhaltslieferanten, auf neudeutsch auch<br />
&quot;Content Provider&quot; genannt. Verantwortung und Erlöse aber gehen auf eine Tochter des internationalen<br />
Konzerns Daimler-Chrysler über und auf den größten deutschen Nahrungsmittelkonzern Metro. Im Stadtbild<br />
selbst werden die Behördeninformationen von einem der weltweit größten Getränkehersteller präsentiert.<br />
Berlin.de, das ist der Ausdruck der Globalisierung und des Fusionsfiebers, der Ohnmächtigkeit lokaler<br />
Verwaltungen den globalen Datenströmen gegenüber. Berlin.de ist ein Vorausblick auf einen Staat, den<br />
man bezeichnen könnte als die &quot;Berlin.de-Republik.&quot;<br />
Denn der Ausverkauf der städtischen Öffentlichkeit ist keineswegs auf den Berliner Cyberspace beschränkt<br />
&#8211; in der gesamten Stadt werden derzeit öffentliche Räume privatisiert und &quot;gefährliche Orte&quot; festgelegt,<br />
an denen die Polizei nach Gutdünken Platzverweise erteilen kann. 12.500 private Wachleute patrouillieren<br />
zudem durch die Stadt. Und ganze Stadtteile werden von vorneherein als private Shoppingmalls geplant.<br />
Bestes Beispiel: Der gerade eröffnete Teil des Potsdamer Platzes, der sich ganz unverholen &quot;Daimler City&quot;<br />
nennt, benannt nach dem Betreiber der steinernen Immobilie und des digitalen Stadtinformationssystems.<br />
Stadtverwaltung und Bürger werden Zaungast in der eigenen Stadt, hofiert allein als Kunde und Besucher &#8211;<br />
nicht als Souverän.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Die Planungen der digitalen Stadtväter</b><br />
Soviel zum Horror-Szenario, das sich manch kritischem Netz- und Stadtbürger aufdrängen mag. Wie aber<br />
stellen sich die Anbieter selber die Datenstadt der Zukunft vor?<br />
Seit März 1996 ist Berlin bereits mit einem drögen Informationsangebot im Netz unter der Adresse berlin.de<br />
vertreten. Nun endlich kommt das lang überfällige Update: &quot;Inspiriert hat uns am Anfang natürlich das Modell<br />
der digitalen Stadt in Amsterdam&quot;, so Ulrich.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In der digitalen Stadt sollen öffentliche Bereiche und Kommerz für den User sichtbar getrennt werden: So ist<br />
der städtische Teil am Emblem des Berliner Bären erkennbar. Während die Informationsseiten des Bundeslandes<br />
Berlin werbefrei bleiben sollen, soll es den Bezirksämtern erlaubt sein, auf ihren Seiten Werbung anzubieten.<br />
&quot;Da erschließen sich für die Stadt neue<br />
Einnahmequellen&quot;, sagt Ulrich. Die Einnahmen werden dann jedoch zwischen Verwaltung und Betreiber aufgeteilt.<br />
Nach dem gleichen Modell soll auch die Hälfte der Einnahmen der privaten Anbieter an Primus Online gehen.<br />
Die Benutzer können auch Markierungen, sogenannte Bookmarks anlegen und sich so<br />
ihr persönliches Berlin.de schaffen. Außerdem soll ein elektronischer Stadtplan hausnummerngenau zum Standort<br />
der jeweiligen Veranstaltung führen, die angeklickt wird.<br />
Zwei Redaktionsteams sollen umfangreiche und aktuelle Informationen bereitstellen. Auf Seiten der Stadt<br />
arbeitet Ulrich mit einer sechsköpfigen Mannschaft, während beim Betreiber Primus-Online knapp 30 Mitarbeiter<br />
das Angebot bearbeiten. Dadurch soll ein bürgernaher<br />
Allround-Service entstehen, der zum Beispiel Auskunft darüber gibt, wo noch ein Kindergartenplatz frei ist,<br />
oder wann die Lesung eines Lieblingsschriftstellers beginnt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Doch wie gelangen die neuen Öffnungszeiten der Bezirksbehörde Spandau ohne Umwege in das Angebot von berlin.de?<br />
Ein Content Management System (CMS) macht es möglich. Mit Hilfe dieses Redaktionssystems können die<br />
Sachbearbeiter in den jeweiligen Ämtern der Stadt ständig neue Daten in<br />
das Angebot einspeisen und die alten aktualisieren. Ob sie sich jedoch<br />
mit ihrer Mitarbeit an der virtuellen Amtsstube langfristig selber<br />
überflüssig machen, bleibt offen. Vielleicht sogar zu hoffen, würde manch einer sagen, denn<br />
die öffentliche Hand ist immer noch der größte Arbeitgeber vor Ort, ohne die dafür notwendigen<br />
Steuereinnahmen zu haben.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Derartige Bedenken oder Hoffnungen zerstreut Ullrich, wahrscheinlich zu Recht: &quot;Auf die Individuelle Beratung<br />
und kompetente Verwaltung der Bürgerdaten werden wir auch in Zukunft nicht verzichten können.<br />
Das sind keine Prozesse, die sich vollständig<br />
automatisieren lassen.&quot; Nach anfänglichen Widerständen sei die Bereitschaft zum Mitmachen in den<br />
Berliner Amtsstuben mittlerweile groß, sagt er: Von ca. 150 städtischen Einrichtungen werden fast<br />
die Hälfte (62) vom Start an mit einer eigenen Homepage dabei sein, 77 weitere<br />
folgen in Kürze, nur knapp ein dutzend hat bisher zu den Online-Plänen<br />
geschwiegen.<br />
Die Schulungen der verantwortlichen Beamten laufen bereits. In der Regel sind es die<br />
Presseverantwortlichen oder die EDV-Beauftragten in den Behörden, denen diese neue Aufgabe zuwächst.<br />
Im nächsten Schritt sollen aber auch mehrere Sachbearbeiter in einer Behörde Zugriff auf das Redaktionsystem<br />
haben. &quot;Auf diese Art machen wir den Bürgern Informationen zugänglich, die behördenintern ohnehin vorliegen<br />
und sowieso erstellt werden müssen&quot;, so Ulrich.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Jede Behörde erhält ihren individuellen Auftritt, der sich jedoch an der Corporate Identity von<br />
berlin.de orientiert. Auch das dürfte einzigartig sein: Die Uniformität der Verwaltungen weicht der<br />
Uniformität einers Firmenkonzeptes. Damit das in der Praxis auch funktioniert, schließt jede Behörde<br />
eine Einzelvereinbarung mit dem Betreiber Primus-Online ab. &quot;Die verpflichten sich damit, regelmäßig<br />
und aktuell in ihrem Angebot zu berichten, wenn sie das nicht tun, kommt das einem Vertragsbruch gleich&quot;,<br />
so Ulrich über das Modell in der Praxis. Erstmalig in der deutschen Geschichte kann so ein Unternehmen<br />
per Gerichtsentscheid mehr Bürgernähe von den Behörden einklagen. Bislang gab es zu diesem Zweck<br />
nur das Presserecht und die Auskunftspflicht der Behörden. Nun wird diese Öffentliche Aufgabe<br />
privatrechtlich und kommerziell umdefiniert. Wer weiß, vielleicht sogar zum allgemeinen Nutzen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Unter Berlin.de sollen die größte City-Community Deutschlands enstehen. So können sich<br />
die Berliner kostenlos eine E-Mail-Adresse sowie eine Homepage unter Berlin.de bestellen.<br />
Eine Woche vor dem offiziellen Startschuß hat die digitale Hauptstadt bereits 2000 Datenbürger.<br />
Auch wenn Kanzler Schröder noch von Bonn aus, regiert, unter gerhard.schröder@berlin.de hat man<br />
ihm bereits eine elektronische Ansschrift in der virtuellen Haupstadt<br />
reserviert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">&quot;Wir verfolgen das Prinzip einer offenen Plattform, die das reale Berlin<br />
in all seiner Breiten und allen Facetten widerspiegelt&quot;, erklärt Korp.<br />
Dagegen argwöhnen Kritiker, hier besetze ein Industrieriese wie die<br />
Daimler-Chrysler-Tochter debis nicht nur im realen Berlin mit dem<br />
Potsdamer Platz das Zentrum der Hauptstadt, sondern habe sich gleich<br />
auch Cyber-Berlin unter den Nagel gerissen. Ein Vorwurf, den der Priumus-Online-Manager<br />
routiniert zurückweist: &quot;Jeder ist uns willkommen. Wir verstehen uns<br />
nur als Betreiber der Plattform Berlin.de, der sich um die notwendige<br />
Infrastruktur in Form von Technik, Abrechnungslösungen etcetera kümmert.<br />
Es liegt an den Berlinern, diese Plattform mit Leben zu füllen. Wir wollen<br />
und werden da nichts reglementieren. Unser virtuelles Abbild von Berlin soll<br />
möglichst vollständig sein&quot;, versichert er.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Neben den Berliner Behörden werden zum Start von berlin.de 2.0 rund 40<br />
Content-Partner Inhalte zu Kultur, Sport und Politik liefern, darunter<br />
der Berliner Tagesspiegel und das Info-Radio-Berlin. Finanzieren wird<br />
sich die Plattform jedoch durch Unternehmen, die sich in einem separaten<br />
Bereich von berlin.de mit ihren Produkten und Dienstleistungen präsentieren<br />
und diese online zum Verkauf anbieten. &quot;Das ‘Shop-Paket‘ für Einsteiger, bei<br />
dem sie 20 Produkte zum Verkauf anbieten können, erhalten sie für 500 Mark im Monat&quot;,<br />
so Korp. Bislang haben bereits 40<br />
Unternehmen ihre Teilnahme am Virtual Shopping zugesagt. &quot;Das ist ein ungeahnter Erfolg&quot;, sagt<br />
Korp, &quot;denn wir wir verkaufen ein doppelt virtuelles Produkt: Eine Site, die<br />
es noch nicht gibt und eine Form der elektronischen Bezahlung, die erst noch aufgebaut werden muß.&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Deshalb werde die Shopping-Mal zum Startschuß am kommenden Dienstag auch noch nicht geöffnet<br />
sein, sagt Korp: &quot;Unser Hauptaugenmerk liegt zunächst einmal auf dem Angebot von Bürgerinformationen.<br />
Mit dem Shopping geht es dann 1999 richtig los. Die Unternehmen werden dann mit ihren Shops<br />
Teil einer großen virtuellen &#8216;Berliner Mall&#8217;, die in ihren Einkausmöglichkeiten, der Berliner<br />
Friedrichsstraße in nichts nachstehen soll.&quot;<br />
Die individuelle Umsetzung der Auftritte, die technische Betreuung und die Abrechung übernehme<br />
dabei Primus-Online. &quot;Wir geben unseren Kunden außerdem eine Zahlungsgarantie&quot;, so Korp. Bereits<br />
zum Start werde es eine virtuelle Kreditkarte geben, die<br />
in den vergangen Monaten im Feldversuch erprobt wurde.<br />
Attraktiv soll der virtuelle Berlin-Shop aber nicht nur für die sogenannten Big Player sein:<br />
&quot;Jedem Malermeister geben wir mit Berlin.de eine prominente Adresse, wo er gut sichtbar und<br />
schnell zu finden ist&quot;, preist Ulrich die Vorzüge der digitalen Präsenz auf der Stadt-Plattform an.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Langfristig soll also der elektronische Handel, auf neudeutsch &quot;E-Commerce&quot; genannt, für die<br />
Refinanzierung des millionenteuren Angebots sorgen, denn Abo-Gebühren sind für ein Angebot<br />
der öffentlichen Hand undenkbar: &quot;Berlin.de wird für die Bürger immer<br />
kostenfrei bleiben&quot;, so Ulrich.<br />
Doch wofür ein Informationsangebot, das nur eine vernetzte Minderheit erreicht? Schließlich<br />
verfügt heute erst jeder zehnte Berliner über einen privaten Internet-Zugang. Zum einen hoffen<br />
die Planer von Primus-Online auf die Verbreitung der Set-top-Box, die einfacher zu bedienen und<br />
günstiger als ein PC ist. Vor allem aber, und das könnte der wichtigste Beitrag bei der Modernisierung<br />
der Stadt sein, sollen vom kommenden Jahr an in &quot;sozial kontrollierten Bereichen&quot; wie etwa Museen<br />
oder Bibliotheken, Infoterminals aufgestellt werden, über die die Berliner das städtische<br />
Informations-Angebot abrufen können. Begonnen werden soll in einer ersten Testphase mit 80 bis<br />
120 Terminals, zur Jahrtausendwende soll es dann bereits über 500 solcher Info-Kioske im gesamten<br />
Stadtgebiet geben. Möglicherweise allesamt gesponsert von Coca Cola. Aber ein solches Privat-Engagement<br />
zur Verschönerung der Stadt hat schließlich tradition in Berlin: Die ersten Litfaßsäulen wurden<br />
nur zugelassen, weil sich Herr Litfaß, ein Berliner Drucker, verpflichtete, in jede Werbesäule<br />
ein öffentliches Pissoir einzubauen.<br />
Am spannendsten und vielleicht beklemmendsten wird die Vision dort, wo Primus Online auf<br />
die eigene Funktion als politisches Forum verweist: &quot;Wir wollen den Bürgern dieser Stadt ein Angebot<br />
machen, daß sie nicht nur konsumieren, sondern an dem sie auch aktiv partizipieren&quot;, sagt Korp. So<br />
soll Berlin.de nicht nur eine Shopping Mall sein, sondern gleichzeitig ein Bürgernetz werden.<br />
Chats und Foren mit Vertretern der Stadt und anderen Berliner Persönlichkeiten sind geplant.<br />
Den Anfang macht Oberbürgermeister Diepgen, der am 21. Dezember paralell bei politik-digital und<br />
Berlin.de einen einstündigen digitalen Dialog bestreiten wird. Konkret wird &quot;nach dem Vorbild der<br />
USA- auch über Abstimmungen per Mausklick nachgedacht, auf neudeutsch &quot;Electronic Voting&quot;.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">&quot;Sobald die Resonanz entsprechend ist werden wir elektronischen Umfragen als ‘vote of the week‘ durchführen&quot;,<br />
verspricht Korp. &quot;In dieser Wahl der Woche sollen die Bürger über aktuelle Fragen zur Lage<br />
in Berlin abstimmen können.&quot; Man übertrage diese Idee spaßeshalber einmal vom Netz in die reale Welt:<br />
Die Wahllokale werden in Supermärkten eingerichtet, die Wahlurne neben den Grabbeltisch gestellt.<br />
Sind Abstimmungen, egal ob am Monitor oder auf Papier, bei Privatanbietern wirklich in den richtigen<br />
Händen? Und wie würde ein Bürgerforum befinden, wenn es zum Beispiel darum ginge, die Macht von Primus<br />
Online selber einzuschränken? Würden berlin.de-Bürger gegen Debis votieren, wenn es um einen neuen<br />
Bebauungsplan am Potsdamer Platz ginge? All das sind hoffentlich nur Spekulationen, denn soweit wird<br />
es wohl nie kommen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Außerdem hat Primus Online genügend andere Herausforderungen zu meistern, die eher in die Fachkompetenz<br />
als Informationsdienst fallen. Kaum geht das neue berlin.de online, schon planen die Entwickler die<br />
Erweiterung ihres Angebots: &quot;Der nächste Schritt geht natürlich in Richtung dreidimensionale Stadt&quot;,<br />
beschreibt Korp die Zukunftsperspektive. Noch allerdings hält Projektleiter Ulrich die existierenden<br />
Demoversionen wie beispielsweise von der Berliner Firma echtzeit für &quot;noch nicht ausgereift&quot;.<br />
Dennoch ist berlin.de mit echtzeit und anderen Firmen im Gespräch über mögliche Geschäftsmodelle<br />
für eine realistische Nachbildung der Stadt, die dann auch visuell über eine reine Ansammlung<br />
von Internetseiten hinausgehen würde.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Berlin als Teststrecke und Kampfarena der Infosysteme</b><br />
Keine Stadt der Welt ist derartig gut geeignet, ein Stadtinformationssystem durchzutesten, wie Berlin.<br />
Denn im Berliner Cyberspace tobt der härteste Wettbewerb der Welt. Während Amsterdam oder Helsinki<br />
jeweils nur eine einzige Digitale Stadt entworfen haben, konkurrieren in Berlin mindestens fünf<br />
verschiedene Systeme miteinander: Schon als Christo 1995 den Reichstag verpackte, überraschte die<br />
<a href="http://www.kulturbox.de/">Kulturbox</a> die Bürger mit einem umfassenden Dienst mitsamt interaktivem Stadtplan<br />
und Hotelregister. <a href="http://www.art-com.de/">Art+com</a>, Die älteste Datenschmiede der Stadt, bastelte schon<br />
damals an einem global erweiterbaren Stadtnavigationssystem namens Terravision. Gleichzeitig gründete<br />
in Kreuzberg eine kleine Aktivistengruppe die Internationale Stadt als einen der ersten Provider der<br />
Stadt und bot der gesamten Kulturszene im Datenraum ein Zuhause, man plante sogar die Vernetzung mit<br />
London, Amsterdam, Paris, Madrid. Die Firma echtzeit spezialisiert sich auf realistische Abbildung der<br />
Stadt in drei Dimensionen und verknüft diese künstliche Welt mit Informationen zu Kultur und  Kommerz.<br />
Und 1997 kam dann noch die alberne Spielewelt Cyberlin hinzu, mit einer interaktiven Unterhaltungs- und<br />
Shoppingwelt komplett mit eigener Seifenoper und Deutschlands größtem Internetcafé. Hinter jedem dieser<br />
stadtbezogenen Datenräume steht eine andere Vision und eine andere Geschäftsstrategie, sie alle konkurrieren<br />
miteinander und lernen voneinander. Wer baut die beste virtuelle Stadt? Bislang wurde kein Sieger gekürt,<br />
denn die Bürger und selbst die Medien waren bislang indifferent. Die Internationale Stadt, die antrat,<br />
eine neue, bessere Form des demokratischen Gemeinwesens zu erfinden, löste sich 1997 sogar frustriert<br />
wieder auf. Doch seit berlin.de den Markt an sich reißen will, kommt eine neue Dynamik in die Szene.<br />
Neue Allianzen bilden sich, lieblose Seiten werden aufgeputzt, Daten, die jahrelang auf Festplatten<br />
schlummerten, werden Internetfähig gemacht.<br />
Als erster Dienst nahm Berlin Online, das zeitungsorientierte Informationsangebot<br />
des Gruner + Jahr- Verlages, die Herausforderung von berlin.de an, putzte seine Seiten auf und will nun<br />
sogar mit Plakaten werben &#8211; in der steinernen, realen Stadt. Damit kündigt sich in Berlin kündigt ein<br />
Kräftemessen zweier Giganten aus unterschiedlichsten Branchen an: das <a href="http://www.guj.de/">Verlagshaus Gruner+Jahr</a> gegen die Auto-<br />
und Nahrungsmittel-Multis Debis-Metro.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Der Größenwahn hat dabei System, denn all den kleinen, wenn auch feinen Anbietern fehlt das notwendige<br />
Finanzpolster: Erst in drei bis fünf Jahren werde sich berlin.de amortisieren, sagt Bernd Rumscheid, &quot;man<br />
muß schon einen langen Atem mitbringen, um solch ein System aufzubauen.&quot; Während Gruner + Jahr sein Angebot<br />
durch den Erlös der gedruckten Auflage finanziert, richtet sich die größte Hoffnung bei Primus Online auf<br />
den Export &#8211; Berlin ist nur das Testfeld, eine Art Schaufenster, um auch andere Regionen als Kunde zu<br />
gewinnen. Mit dem Land Schleswig-Holstein ist sich das Konsortium unter Führung der debis bereits vor<br />
vier Wochen einig geworden: Im kommenden Jahr wird unter der Adresse www.schleswig-holstein.de eine<br />
weitere Plattform für Handel und Information geschaffen, nach dem Vorbild von berlin.de. Außerdem<br />
befindet sich Primus-Online in Verhandlung mit den Hansestädten Bremen und Hamburg. &quot;Wir denken ebenfalls<br />
intensiv über ein solches Public-Private-Partnership-Modell nach&quot;, erklärt Eike Buba, Projektleiter<br />
von <a href="http://www.hamburg.de/">Hamburg Online</a>. Berlin wird also zum Testfall für viele Regionen. Die Modelle, die hier miteinander<br />
konkurrieren oder kooperieren, tragen nicht nur einen Wettstreit um den ohnehin kränkelnden Berliner<br />
Markt aus, sondern vielmehr um die Zukunft der digitalen Stadt selber: wie das ungehemmte Aufeinandertreffen<br />
der Verwaltung, der Medien, der kommerziellen Interessen und der Bürgerinteressen im multimedialen<br />
Zeitalter aussehen wird. Ob die Stadt tatsächlich Zaungast in der digitalen Stadt sein muß, wie sie<br />
ihre Interessen wirksam in einer Public-Private-Partnership vertreten kann, und ob das Modell der<br />
digitalen Stadtverwaltung überhaupt angenommen wird.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Ausblick: berlin.de braucht die Konkurrenz &#8211; und umgekehrt</b><br />
Berlin.de ist trotz aller politischen Einwände ein wichtiger Prüfstein für die städtische Öffentlichkeit<br />
im Internet. Durch die Exportstrategie versucht Primus Online, die Investitionskosten, die in Berlin anfallen,<br />
in anderen Regionen wieder zu erwirtschaften. Anders scheint es nicht zu gehen, schließlich waren bislang<br />
fast alle Stadtinformationsdienste heftig subventioniert oder aber ein Flop: die Internationale Stadt ging<br />
1998 an ihren zu hohen Idealen zugrunde und selbst der mächtige Springer-Konzern war zu ungeduldig und mußte<br />
seinen vollmundig angekündigten Dienst &quot;Go-On&quot; schon nach kurzer Zeit wieder aufgeben. Doch dadurch, daß<br />
Primus-Online alle Hoffnungen auf das Referenzobjekt namens berlin.de setzt, muß berlin.de sich schnell<br />
und flexibel an neue Anforderungen anpassen, sonst sind auch die erhofften Einnahmen aus Hamburg und<br />
Bremen in den märkischen Sand gesetzt. Zwar wird in berlin.de der Stadtbürger auf seine Funktion<br />
als Kunde reduziert, aber der Kunde ist König. Und wird sich gehörig Gehör verschaffen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Noch ist berlin.de zwar das digitale Zerrbild einer kommerzialisierten Privatstadt und eines Neo-Feudalismus.<br />
Aber das wird sich zwangsläufig verändern, durch Widerstände in den Behörden, durch Nachverhandlungen mit<br />
dem Senat, durch den Konkurrenzdruck anderer Anbieter und vor allem: durch die freie Meinungs- und<br />
Unmutsäußerung der Netzbürger. Berlin.de wird entweder ein Anbieter unter vielen sein &#8211; oder aber,<br />
wenn es keine konkurrierenden Systeme gäbe, die Idee der digitalen Stadt so gründlich demolieren,<br />
daß es Jahre dauern würde, diesen Markt neu zu kultivieren. Noch rangiert berlin.de ohnehin weit<br />
abgeschlagen von den Zeitungsangeboten von Morgenpost, Berlin Online und selbst dem Kreuzberger<br />
Stadtmagazin zitty. Und dieses Umfeld ist wichtig. Denn wenn Senat und Bürger nicht ständig vor<br />
Augen gehalten bekommen, wie andere digitale Gemeinwesen sich organisieren, stünde zu befürchten,<br />
daß das zentralistische, kommerzielle Konzept von berlin.de irgendwann einmal als die einzige und<br />
beste aller Online-Welten gelten würde. Eine solche Welt aber würde schnell veröden wie der kahle<br />
Showroom von Daimler-Chrysler in der Friedrichstraße. Und alle würden denken, daß dieser Mißerfolg<br />
nicht dem Anbieter anzulasten sei, sondern dem Internet selber, der digitalen Stadt als solcher.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Mit dem Start von berlin.de steht also viel auf dem Spiel. Weit mehr als nur die Glaubwürdigkeit<br />
der Berliner Stadtverwaltung und die Millionenschweren Investitionen eines Konsortiums. Berlin.de<br />
hat durch seinen eingängigen Namen einen Symbolwert auf sich gezogen, der weit über das<br />
eigene Projekt hinausgeht. Wenn berlin.de floppt, untergräbt das die Glaubwürdigkeit einer ganzen<br />
Branche: die der Stadtinformationsanbieter. Paradoxerweise hängt also die Anbietervielfalt der<br />
Berliner Stadtinformationssysteme mit davon ab, daß berlin.de seine Aufgabe als dümmlicher<br />
Shopping- und Verwaltungs-Stadtteil erfüllt, ähnlich der Daimler City am Potsdamer Platz.<br />
So teilt auch Claudia Alsdorf von echtzeit diese Bedenken, voll rührender Sorge um die<br />
übermächtigen Kollegen Konkurrenten im Debis-Hochhaus: &quot;Wenn berlin.de kein Erfolg wird,<br />
wäre das eine Katastrophe nicht nur für Berlin, sondern für generell für das Ziel, alle<br />
Großstädte im großen Stil online zu bringen.&quot;</span></p>
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		<title>Die Cyberarchitektin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[hschmundt]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Claudia Alsdorf]]></category>
		<category><![CDATA[Simulation]]></category>
		<category><![CDATA[Virtueller Stadtrundgang]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>
Die Berliner &#34;echtzeit&#34;-Unternehmerin Claudia
Alsdorf baut die Hauptstadt als interaktive
Simulation nach und verknüpft den Datenraum mit
Informationen aus dem realen Stadtleben.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
Die Berliner &quot;echtzeit&quot;-Unternehmerin Claudia<br />
Alsdorf baut die Hauptstadt als interaktive<br />
Simulation nach und verknüpft den Datenraum mit<br />
Informationen aus dem realen Stadtleben.</b></span><!--break--></p>
<table align="left" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" width="120">
<tbody>
<tr>
<td width="120"><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/archiv/koepfe/alsdorf/images/alsdorf.jpg" alt="Claudia Alsdorf" border="1" height="142" hspace="0" vspace="0" width="120" /></td>
<td rowspan="2"><spacer type="block" height="1" width="10"></spacer></td>
</tr>
<tr>
<td bgcolor="#e0e0e0"><span style="font-size: xx-small; font-family: Arial,Helvetica; color: #333333"><br />
			Claudia Alsdorf</span></td>
</tr>
<tr>
		</tr>
</tbody>
</table>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">&quot;Wir bauen hier an der Stadt der Zukunft&quot;, sagt Claudia Alsdorf, und wer ihr charmantes Lächeln sieht und<br />
ihre selbstverständliche Art, zum Kostüm einfach Turnschuhe zu tragen, so wie es die Brokerinnen in Manhattan<br />
tun, der glaubt ihr sofort.<br />
Wer weitere Beweise braucht, den lädt die Geschäftsführerin der Berliner Firma <a href="http://www.echtzeit.de/">&quot;echtzeit&quot;</a> ein zu  einem<br />
virtuellen Rundflug durch das Zentrum Berlins. &quot;Es geht los&quot;, sagt sie noch und schon stürzen wir<br />
aus den Wolken hinab über die gläsernen Schluchten des Potsdamer Platzes, Richtung Bundeskanzleramt &#8211;<br />
das wunderbarerweise schon fertiggestellt ist im Gegensatz zum Original. Bislang hat sie nur einen<br />
kleinen Teil der Stadt als dreidimensionale Simulation nachgebildet, doch wenn es nach Claudia Alsdorf<br />
und ihrem Mitstreiter Edouard Bannwart geht, einem Professor für Städtebau, soll eines Tages die ganze<br />
Hauptstadt als interaktive Simulation sowohl auf CD-Rom wie auch im Internet für jeden Mauswanderer<br />
begehbar sein.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">&quot;Wir arbeiten jetzt schon daran, Straßenzug um Straßenzug präzise nachzubilden&quot;, sagt Alsdorf. Die Räumlichkeiten<br />
ihrer Firma sind so repräsentativ, wie man sich das als Gründermutter einer virtuellen Stadt nur wünschen kann:<br />
endlose Fensterfluchten geben den Blick über die ganze Stadt frei. Und direkt gegenüber, tief unten, liegt der<br />
Bahnhof Zoo, durch den sich beständig die Menschenmassen wälzen. Doch verglichen mit dem erhofften<br />
Besucheransturm auf ihre Datenstadt muß das Gedränge dort unten verschwindend gering wirken, rettungslos<br />
veraltet. In ihrem Cyberlin dagegen ist alles aufgeräumt und blitzsauber, kein Punker bettelt um &#8216;ne Mark<br />
und kein Straßenmusiker legt ein Solo über das Donnern der Dampframmen am Potsdamer Platz. Und dennoch wird<br />
ihre Datenstadt nie ohne das reale Leben im realen Berlin auskommen. Und das ist gut so, das findet Alsdorf auch.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Datenbasis für das Computermodell der Hauptstadt ist so originalgetreu wie nur irgend möglich, sie stammt<br />
aus der digitalen Liegenschaftskarte. Diese Daten wurden dann von echtzeit um die dritte Dimension erweitert.<br />
Dabei wurde eine spezielle Renderingtechnik für die Fassaden eingesetzt, um die Höhe und Dachform der<br />
Gebäude möglichst authentisch nachzuahmen &#8211; eine Sisyphos-Arbeit: bisher ist erst ein Prozent der Stadt,<br />
nämlich der Kern von Berlin-Mitte auf die Festplatte gebannt. Was jetzt noch den Charakter eines lustigen<br />
Videospiels hat, soll später Teil einer riesigen Informationsstruktur werden. &quot;Dieser virtuelle Spaziergang<br />
ist keine Spielerei, sondern wir verbinden Orte mit Informationen&quot;, erläutert Alsdorf. Diese Informationen<br />
können aus Textdateien bestehen, aber ebenso gut aus Tondokumenten oder Videofilmen. Die Datenstadt bietet<br />
jedoch nicht nur den Besuchern Informationen an, auch ihre Stadtplaner erhoffen sich neue Erkenntnisse von<br />
dem Modell. So können mit dem von echtzeit entwickelten Modul &quot;Traffic&quot; Verkehrsströme innerhalb der Stadt<br />
zu den verschiedensten Tages- oder Jahreszeiten erforscht werden, um beispielsweise Staus vorzubeugen.<br />
Denkbar wäre sogar eine morgendliche Stauvorhersage, gleich nach dem Wetter. In eine<br />
ähnliche Richtung geht das Modul &quot;Crowd&quot;, mit dem etwas roboterähnlich anmutende virtuelle Fußgänger<br />
in die Datenstadt eingefügt werden. Die Menschenmasse als Softwaresimulation würde sich etwa dazu eignen,<br />
Paniksituationen zu erforschen, zum Beispiel bei der Planung von Flughäfen oder Bahnhöfen.<br />
Neben dieser städteplanerischen Hilfe öffnen sich aber auch für den Normalbürger neue Perspektiven.<br />
Alsdorf: &quot;Mit CyberCity ist es möglich, sich den Weg in die Oper dreidimensional zeigen zu lassen und<br />
ob man vom reservierten Platz aus auch eine guten Blick auf die Bühne hat&quot;. Ein weiteres Beispiel für<br />
die Verknüpfung von virtueller Umgebung und realem Wirtschaftsleben erläutert sich am Beispiel des<br />
Einkaufstempels Galleries Lafayette. Der Computer erlaubt auch hier die virtuelle Stippvisite. Durch<br />
eine Verknüpfung mit dem Warenwirtschaftssystem des Kaufhauses kann online festgestellt werden, ob im<br />
Regal noch ein Exemplar der gewünschten Ware ausliegt. Eine ebenfalls virtuelle Schaufensterpuppe zeigt<br />
&quot;ausgestattet mit den eigenen Maßen&quot; ob einem das ausgesuchte Kleid oder der Anzug auch im &quot;real life&quot; steht.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Der von Alsdorf &amp; Co. kreierte CyberNavigator ermöglicht den virtuellen<br />
Stadtrundgang auf einem handelsüblichen Multimedia-PC. Ausgestattet mit einem<br />
Standard-Browser von, der um einen VR-Viewer von Cosmo erweitert wurde, werden hier die verschiedenen<br />
Zugänge zum städtischen Raum verbunden. Entweder navigiert man per Maus und Tastatur durch das 3D-Abbild<br />
der Stadt oder man nutzt die Stadtkarte zum Wechseln der Örtlichkeiten. In einem seperaten Fenster werden<br />
sodann  die jeweiligen Informationen angezeigt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Seit Jahren schon wartet Alsdorf darauf, daß das entnervend langsame Internet schneller wird, schnell<br />
genug für ihre hochfliegenden Pläne: &quot;Wir können die Datenmengen, die wir für unsere Simulationen brauchen,<br />
unmöglich über das Internet transportieren. Das setzt beim User zuviel Leidensfähigkeit voraus&quot;, sagt<br />
Alsdorf. Deshalb kommt bislang nur eine Hybrid-Lösung in Frage, bei der eine Grundgerüst der Cybercity<br />
Berlin auf CD-Rom vorliegt und die aktuellen Stadtinformationen per Modem nachgeladen werden.<br />
Die reale Stadt als Vorbild für das virtuelle Objekt ist für Alsdorf<br />
Grundbedingung, künstliche Cybercieties ohne Bezug zu realen Örtlichkeiten findet<br />
sie &quot;idiotisch&quot;: &quot;Was sollen Menschen da machen, wenn ihnen die Bezugspunkte aus<br />
ihrem konkreten Lebensumfeld fehlen&quot;, fragt sie sich?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
In ihrer Berliner Cybercity dominieren zur Zeit noch die &quot;schnieken Vorzeigeplätze&quot; der Hauptstadt,<br />
bedauert Alsdorf. Das werde sich aber mit der Ausweitung der  Datenstadt in die Außenbezirke schnell<br />
ändern. &quot;Das echte Brodeln Berlins können wir aber nicht virtuell abbilden, wir schaffen nur ein<br />
virtuelles Interface, daß die Realität simuliert, ohne sie ersetzen zu können.&quot;<br />
Gefragt nach ihrem Lieblingsplatz im realen Berlin, gerät die wortgewandte Unternehmerin zum ersten<br />
Mal ins Stocken. &quot;Ich lebe jetzt seit 12 Jahren in dieser Stadt und habe den Eindruck, daß Berlin im<br />
Vergleich zu anderen europäischen Metropolen noch wie vor kleinstädtisch ist. Zur Zeit gehe ich deshalb<br />
viel lieber in London oder Paris auf Städtetour.&quot; Mit etwas Nachhaken fällt ihr doch noch ein besonders<br />
aufregender Ort ein: &quot;Der Rosenthaler Platz, aber das würde Ihnen bestimmt auch jeder Tourist sagen.&quot;<br />
Nicht unbedingt. Der Rosenthaler Platz ist alles andere als &quot;schnieke&quot; &#8211; eher ein abgehalfterter Szenetreff,<br />
auf halbem Weg gelegen zwischen dem Galerienmarathon von Mitte und den ersten Ausläufern von Prenzlauer Berg.<br />
Ein Ort also, den selbst die beste Programmiererin nicht so schnell digital nachbauen könnte. Das Hotel<br />
Adlon dagegen, ein mißlungener, kalter Nachbau des zerstörten Originals, ist für sie weder ein angenehmer<br />
Ort noch eine Herausforderung: &quot;Das sieht ja in der Realität schon aus wie eine schlechte Simulation.&quot;<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Daß sie einmal als Cyberarchitektin Deutschlands Hauptstadt nachbauen würde, überrascht sie manchmal<br />
selber, auch heute noch. &quot;Ich habe an der Technischen Universität Germanistik und Medienwissenschaft<br />
studiert und meine Zeit mit dem Errechnen von Zeitreihen verbracht&quot;, erzählt sie. Auf der Sache nach einem<br />
Nebenverdienst während ihrer Promotion ist sie 1992 eher durch Zufall als PR-Frau zur Firma <a href="http://www.art-com.de/">Art+Com</a><br />
gekommen, einem Medienlabor, das seit langem virtuelle Realitäten programmiert. &quot;Für mich war damals<br />
Virtual Reality so was wie schlechte<br />
Zeichentrickfilme&quot;, bekennt sie offen. &quot;Ich bin dann aber schnell in das Thema<br />
hereingewachsen und habe als Medienwissenschaftlerin immer versucht, die<br />
Nutzerperspektive einzunehmen. 1995 kam es dann zum Krach mit der<br />
Art+Com-Geschäftsführung über die richtige Strategie und Claudia Alsdorf machte<br />
sich zusammen mit Bannwart selbständig.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Mit ihren digitalen Stadtvisionen erwirtschaften ihre weltweit etwa 40 Mitarbeiter heute<br />
einen Jahresumsatz von acht Millionen Mark. Neben der Berliner Zentrale von echtzeit, das<br />
direkt an der Berliner Gedächtniskirche liegt, unterhält die virtual company noch drei<br />
weitere Filialen in Köln, Zürich und Sausalito (USA). Dabei dienen virtuelle Animationen<br />
von Gebäuden und weitere Auftragsarbeiten dazu, die Startkosten für den visionären Datensatz<br />
der Cybercity zu finanzieren. Doch die Rechnung von Alsdorf &amp;. Co. scheint aufzugehen. Denn die<br />
Betreiber von <a href="http://www.berlin.de/">Berlin.de</a> denken bereits über eine Einbindung von<br />
Cybercity in ihre Informationsplattform Berlin.de nach.<br />
&quot;Innovativ an berlin.de ist doch vor allem die Allianz von Senat und Privatinvestoren&quot;, sagt<br />
Alsdorf über das Angebot des finanzstarken Konkurrenten. &quot;Die Website selber ist doch nur eine<br />
wie viele andere auch.&quot; Dennoch und deshalb könnte berlin.de die beste Chance sein,<br />
ihr exquisites Projekt, das bislang nur auf der Festplatte eines Onyxrechners im Wert<br />
von einer halben Million Mark lief, endlich an die Öffentlichkeit zu bringen. Daher hofft<br />
Alsdorf genauso auf den Erfolg von Berlin.de wie die Betreiber. &quot;Wenn das nicht klappt,<br />
wäre das eine Katastrophe nicht nur für Berlin, sondern für generell für das Ziel, alle<br />
Großstädte im großen Stil online zu bringen&quot;, so ihre Sorge. Auf die vorwurfsvolle Frage,<br />
ob ihre Cybercity nicht sehr glatt und kommerziell und ohne eine politische Vision sei,<br />
kontert Alsdorf mit einer entwaffnenden Gegenfrage: &quot;Kann denn etwas, bei dem für Menschen<br />
ein attraktiver Ort zum Kommunizieren geschaffen wird, unpolitisch sein?&quot;</span></p>
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