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	<title>sopitz &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Ich sehe was, was du nicht siehst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[sopitz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>
In der Nähe von Köln hat RTL 2 einen Wohncontainer inklusive kleinem
Garten so mit Mikrofonen und Kameras vollgestopft, dass es darin keinen
unbeobachteten Fleck mehr gibt.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><br />
In der Nähe von Köln hat RTL 2 einen Wohncontainer inklusive kleinem<br />
Garten so mit Mikrofonen und Kameras vollgestopft, dass es darin keinen<br />
unbeobachteten Fleck mehr gibt.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Soll es ja auch nicht, denn schließlich<br />
wird hier Totalitarismus gespielt. Weil alle zusehen. Das ganze trägt<br />
affirmativ den Titel „Big Brother“ und wird als Doku-Soap angepriesen.<br />
Das neue Fernseh-Paradigma macht Schule und die Folgeprojekte sind<br />
bereits angekündigt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Dabei ist Big-Brother in Wirklichkeit alles andere als ein Novum&#8230;.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>„Gab`s schon Zoff?“</b> (Bild-Zeitung)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Irgendwann in den achtziger Jahren muss es gewesen sein, als in den<br />
Medien über einen aufsehenerregenden Zwischenfall in den Weiten der<br />
damals noch sowjetrussischen Tundra berichtet wurde. Angeblich hatte ein<br />
ganzes Dorf dort beobachten können, wie vor seinen Toren ein seltsames<br />
Flugobjekt gelandet sei. Aus diesem sahen die verdutzten Zeugen dann Wesen<br />
steigen, deren überdurchschnittliche Größe ihnen besonders auffiel. Nach<br />
der Entnahme von Bodenproben soll das raketenähnliche Gefährt wieder gestartet<br />
sein; es kam zu keiner direkten Begegnung. Interessant an dieser Geschichte war neben<br />
dem Vorfall selbst vor allem ein Interview mit einer älteren Dorfbewohnerin.<br />
Gefragt, ob sie der Zwischenfall überrascht habe, erklärte sie den Journalisten,<br />
dass die Erde Teil einer großen Versuchsanordnung sei. Unser Planet befände sich<br />
gewissermaßen in einem Reagenzglas von Außerirdischen, die nun von außen gespannt<br />
den merkwürdigen Reaktionen zusähen. Wenig später wurde diese Vorstellung im Kleinen<br />
umgesetzt.<br />
In ein Glashaus eingesperrt ging es für eine Gruppe von Menschen darum, sich von<br />
der mit ihnen eingesperrten Natur zu ernähren. Das Ganze Projekt trug den<br />
Namen „Biosphäre 2“ und scheiterte.<br />
Doku-Soaps wie „Big Brother“, die gegenwärtig den letzten Stand der Fernsehunterhaltung<br />
markieren reanimieren derartige Versuchsanordnungen. Mit dem Unterschied allerdings,<br />
dass hier neben den Außerirdischen auch ganz normale Erdenbürger die Langzeitstudie<br />
verfolgen können.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>&quot;Back to the basics&quot;</b> (RTL2 Werbeslogan)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Aufgabe des Kulturkritikers ist eine undankbare. Besonders die Vertreter der<br />
kritisch-marxistischen Philosophie wie Theodor W. Adonrno und Max Horkheimer<br />
müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, den anderen den Spass verderben zu wollen.<br />
Sie beschreiben in ihrer Kulturtheorie, wie die passiven Individuen einer politischen Totalisierung<br />
von Ökonomie und Kultur nicht entrinnen können. Die Konsumenten würden<br />
vielmehr manipulativ stillgestellt; &quot;die Kulturindustrie plant das<br />
Glücksmoment ein und exploitiert es&quot; (Adorno). Auf etwas andere, trivialere<br />
Weise argumentieren derzeit die staatlichen Medienvertreter angesichts der<br />
neuen Fernsehformate. Mit großer humanistischer Geste beklagen sie die<br />
Verletzung der Menschenwürde. Zwar ist niemand wirklich dazu in der Lage,<br />
diese nun für den Einsatz gegen die Privatsender griffig zu präzisieren;<br />
dafür stellt sie zweifellos das höchste Verfassungsgut dar &#8211; darunter geht es<br />
scheinbar nicht.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Man sollte derartige Argumente sicherlich weiter pflegen. Aber um eine<br />
entscheidende Dimension von Sendungen wie Big Brother zu verstehen, sind<br />
beide Denkrichtungen ungeeignet. Den Verfechtern der Menschenwürde wäre<br />
fragend entgegenzuhalten, ob Selbstbestimmung nicht auch ein wichtiger Aspekt<br />
eben dieser Würde sei. Und im Gegensatz zu der Passivität, wie sie die<br />
Kritische Theorie den Konsumenten zuschreibt, wissen die Menschen<br />
größtenteils sehr genau, was hier gespielt wird. Wüssten sie es nicht, würden<br />
die Namen und Konzepte der Sendungen es ihnen schon sagen. Die Schleppen<br />
nämlich so einiges an Konnotationen mit sich herum: den Orwellschen<br />
Überwachungsstaat genauso wie den Goldingschen Horror vor den Abgründen der<br />
menschlichen Natur. Untersucht werden müsste deshalb vielmehr, wieso sich die<br />
Menschen derart lustvoll einem brutalen Auge unterwerfen, dem nichts entgeht.<br />
Was bindet sie an derart &quot;leidenschaftliche Abhängigkeiten&quot; (Butler)? Denn<br />
soviel steht fest:  Wir haben es in erster Linie nicht mit einem rein<br />
repressiven Regime zu tun, gegen das die Teilnehmer kämpfen sollen; eher mit<br />
einer obszönen Konstellation, die den Kick aus dem wissenden Befolgen von<br />
Regeln generiert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>„Überall ist der Blick auf der Hut“</b> (Michel Foucault)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Wie aber funktioniert das Prinzip der Überwachung selbst? Kluge Antwort<br />
auf diese Frage hält wie so oft Michel Foucault mit seiner Analyse des<br />
sogenannten Panoptikons bereit. Von dem Moralphilosophen Jeremy Bentham<br />
im 18. Jahrhundert entworfen, war diese architektonische Anordnung vor<br />
allem für Gefängnisse prädestiniert: Von einem<br />
Wachturm in der Mitte der Anlage aus sollen die Wächter einen idealen<br />
Einblick in die Zellen haben, die in einem konzentrischen Kreis um den<br />
Turm<br />
herum angeordnet sind. Entscheidend ist nun, dass die Architektur selbst<br />
eine<br />
Asymmetrie des Blicks installiert; sie setzt die Insassen einer totalen<br />
Sichtbarkeit aus, ohne diese im Gegenzug ihre Beobachter sehen zu<br />
lassen.<br />
Auch wenn kein Aufseher im Turm sitzt, müssen die Insassen mit dem<br />
kontrollierenden Blick rechnen. Die Architektur selbst gewährleistet<br />
demnach die lückenlose Überwachung, die in letzter Konsequenz eine<br />
Selbstüberwachung der Häftlinge ist. Viel Phantasie gehört nun nicht<br />
dazu, dieses äußerst effektive und zugleich ungemein kostengünstige<br />
Prinzip der eigenen Unterwerfung in der Anlage von Big Brother zu<br />
erkennen. Die meisten Kameras befinden sich hinter einseitig<br />
verspiegelten Scheiben, und die Wahrscheinlichkeit, in die recht kurze<br />
TV-Zusammenfassung zu kommen ist, auf den Tag umgerechnet, auch nicht<br />
besonders groß. Dennoch dürften die Teilnehmer den kontrollierenden<br />
Blick<br />
schon internalisiert haben. Falls nicht, gibt es ja außerdem das<br />
Internet. Big Brother teilt jedoch noch eine weitere Eigenschaft mit<br />
Benthams<br />
Entwurf. So sehr es nämlich für das reibungslose Funktionieren des<br />
Panoptikons<br />
egal ist, wer im Turm steht, so sehr wird ebenfalls Big Brother<br />
demokratisch regiert. Schließlich dürfen sowohl die Zuschauer als auch<br />
die Teilnehmer abstimmen. Gleichzeitig<br />
herrscht wie in der wirklichen Welt der bedingungslose kapitalistische<br />
Konkurrenzkampf. Dass die Probanden sich dabei Konsensmechanismen<br />
bedienen, die wir alle aus unseren WGs kennen, sollte nicht verwundern;<br />
wirklich<br />
effiziente Unternehmen arbeiten heute genau so. Demokratie, Kapitalismus<br />
und natürlich Totalismus erfahren hier also ihre wundersame Synthese ­<br />
eine<br />
Synthese übrigens, deren Möglichkeit vom Mainstream der gegenwärtigen<br />
Politikwissenschaft noch vehement bestritten wird.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Der Himmel, der sich über uns wölbt, gibt sein Leuchten an die<br />
Bildschirme ab</b> (Paul Virilio)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Big Brother vollzieht eine längst erfolgte  Entwicklung im Kleinen nach.<br />
Erinnern wir uns nur an die Begründung der NATO-Angriffe auf<br />
Ex-Jugoslawien. Das Pentagon behauptete damals, es verfüge über<br />
Satellitenbilder, mit denen die Existenz von Massengräbern im Kosovo<br />
bewiesen sei;<br />
Dem Pentagon untersteht die National Imagery and Mapping Agency<br />
(NIMA). 10000 Mitarbeiter arbeiten angeblich dort, um sämtliche von<br />
militärischen Satelliten aufgenommenen Fotos zu zentralisieren. ³Global<br />
Information Dominance²:  Letztendlich ist es das Auge der Menschheit,<br />
das<br />
längst schon über den Erdteilen wacht; das Auge Gottes hat damit<br />
Gesellschaft bekommen. Bei allem totalitären Horror ist dies auch ein<br />
wunderbares Bild der Stille und der Klarheit des Weltraums. Und wäre das<br />
nicht auch im Fernsehen schön: Sich dort auf RTL 2 nach dem ewigen „Big<br />
Brother“-Logo und dem dauernden Jingle eine dreiviertel Stunde des<br />
Schweigens anzusehen? Menschen, denen ihre Sprache für das gelangweilte<br />
Publikum<br />
zu schade ist? Das wäre wohl eine Utopie der Doku-Soap. Und ein kleiner<br />
Trost.<br />
</span></p>
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