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	<title>srichter &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Eine neue Insel im Berlin-Archipel ^</title>
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		<dc:creator><![CDATA[srichter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Dec 2000 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>
<br />
<!-- Bereichsbild -->
<img src="http://www.politik-digital.de/salon/diskussion/images/forum.jpg" alt="Kulturforum und Sony" border="1" height="195" vspace="3" width="360" /><br />
&#34;It´s not a tent, it´s a sony&#34;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Warum das Kulturforum in ungewohntem Glanz erstrahlt</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<br />
<!-- Bereichsbild --><br />
<img fetchpriority="high" decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/diskussion/images/forum.jpg" alt="Kulturforum und Sony" border="1" height="195" vspace="3" width="360" /><br />
&quot;It´s not a tent, it´s a sony&quot;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Warum das Kulturforum in ungewohntem Glanz erstrahlt</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Zu Beginn eine Legende: Als Mies van der Rohe Ende der sechziger Jahre zum ersten und einzigen Mal seine<br />
Neue Nationalgalerie in Augenschein nahm, ließ er das Taxi, das ihn von Tempelhof zum Kulturforum am<br />
Tiergarten gebracht hatte, vor dem gerade fertiggestellten Gebäude warten. Er stieg aus, blickte sich kurz um &#8211;<br />
und kletterte wieder ins Taxi. &quot;So sieht es hier also aus&quot; soll er noch gesagt haben, bevor er dem Fahrer bedeutete,<br />
ihn zurück zum Flughafen zu fahren.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Daß er sich nicht mehr Zeit nahm, um an dem neuen Museum zu verweilen, lag vielleicht daran, daß er in eine<br />
der unwirtlichsten und unwirklichsten Gegenden Berlins geraten war: Philharmonie, Nationalgalerie und die<br />
gleichzeitig fertiggestellte Staatsbibliothek standen am Rande des Nichts, grenzten an Brache, Mauer und<br />
Todesstreifen. Obwohl dort die vielleicht schönsten Gebäude des Berlin der Nachkriegszeit zu finden waren,<br />
hatten Besucher den Eindruck, daß dieses Stück Stadt keinen eigenen Ort bildete. Das Kulturforum wirkte lange<br />
Jahre unabgeschlossen. Es sah, als ob jemand die drei Solitäre hier abgestellt &#8211; und dann einfach vergessen hätte.<br />
Und das blieb so, bis der Mauerfall das Areal wieder in den Mittelpunkt Berlins rückte.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Auf einmal war das Kulturforum ein zentraler Ort der Stadt geworden. Doch die Aufmerksamkeit richtete sich<br />
zunächst auf das, was in dieser Mitte nicht mehr zu finden war: Die Geschichte hatte Mauer und Todesstreifen<br />
verschwinden lassen und mit dem Potsdamer Platz eine Brache ausgespuckt, die mit Erinnerungen an die<br />
vergangene Herrlichkeit der zwanziger Jahre so schwanger war, daß sie viele Begehrlichkeiten gebar. Man<br />
verlangte nichts geringeres als die Wiederbelebung dieses Mythos &#8211; und als kleines Extra sollte die Reanimation<br />
gleich auch noch eine Neudefinition der Stadt an sich werden. Urban, weltoffen, zukünftig und dabei durchaus<br />
berlintypisch sollte das Stadtquartier werden. Der neue Potsdamer Platz sollte eine Visitenkarte werden,<br />
die Berlin der Welt zu überreichen gedachte.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Zunächst begeisterten sich alle &#8211; zumindest die, die nicht täglich aufs neue im Stau stehen mußten &#8211; für das<br />
Chaos und die Lebendigkeit der größten Baustelle der Welt, wie man sie stolz nannte. Als dann aber die tiefen<br />
Gruben und Löcher mit Beton gefüllt waren und alles fertig gebaut war, da war man enttäuscht: In der Mitte<br />
Berlins standen einfach nur Häuser. Sie waren groß und manche auch schön &#8211; aber es waren bloß Häuser.<br />
So empörte man sich redlich und nannte den neuen Potsdamer Platz introvertiert, den Bauteil Sonys, der noch<br />
nicht einmal fertiggestellt war, sogar autistisch &#8211; und wandte sich verärgert ab.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Zwar wurden Pianos Spielbank und Musicaltheater mit Lob bedacht, denn man mußte einräumen, daß beide<br />
Gebäude an der Rückseite der Staatsbibliothek deutlich in Form und Material Bezug auf den Bau Scharouns<br />
nahmen. Aber wo war die neue Berliner Urbanität? Vor lauter Ärger vergaß man, einmal am Kulturforum<br />
vorbeizuschauen. Schade. Denn ein Blick über das Gelände von Vorplatz der Neuen Nationalgalerie aus &#8211; das<br />
Bild früherer Zeit noch im Gedächtnis &#8211; kann den Betrachter durchaus in Erstaunen versetzen. &quot;So sieht das hier<br />
also aus&quot; wird er denken und sich dann etwas Entzückung zugestehen über die Schönheit des Stadtteils, der vor<br />
ihm liegt. Die Ironie dabei ist, daß es gerade Jahns viel gescholtenes Sony-Center ist, der das Forum aus seinem<br />
Dornröschenschlaf geweckt hat.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">An seinem nordöstlichen Rand hinter Scharouns Philharmonie, wo das Kulturforum bisher ohne Gliederung ins<br />
Nichts auslief, verwiesen erste Bäume zaghaft auf den Tiergarten, zu zaghaft um dem Forum eine Begrenzung zu<br />
sein. Nun erhebt sich dort neuerdings eine gläserne Wand, in der sich Bäume und Philharmonie spiegeln. Es ist<br />
die westliche Flanke des Sony-Centers. Die zwei Gebäudeteile entlang der Entlastungsstraße sind klar und<br />
einfach gegliedert: Beide besitzen eine glatte Glasfront, die auf ein Stahlgerüst mit dünnen Streben gesetzt ist,<br />
die das Glas trägt und gleichzeitig die Front unauffällig gliedert. Es ist diese Stahl-Glas-Konstruktion, wegen der<br />
Jahns Gebäude wahlweise gerne als High-Tech-, Flughafen-, oder Kommerzarchitektur geschmäht wird. Allerdings<br />
verkennen die Kritiker, daß die Wahl des Materials hier durchaus Sinn macht, weil es sich in einer einfachen<br />
Klarheit auf seine Umgebung bezieht: Die Fassade nimmt Formen der Philharmonie nicht auf wie Pianos<br />
Musicaltheater die Formen der Staatsbibliothek, sondern läßt das Gebäude Scharouns in seiner Spiegelung<br />
selbst erscheinen und schließt so das Forum ab, ohne sich selbst in den Vordergrund der Aufmerksamkeit zu<br />
spielen. Sie ist als Glasfront Abschluß des Forums und doch keine abweisende Mauer, die sich ihm unfreundlich<br />
verschließen würde: Sie schneidet sich scharf in die Gegend ein, wirft das Bild der Umgebung zurück und läßt<br />
doch gläsern mit der gleichen, begrenzenden Bewegung den Blick in ihr Inneres zu.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Auch das Zeltdach über der Mitte des Sony-Centers öffnet sich in seiner Architektursprache der Philharmonie:<br />
Wie ein riesiger Regenschirm mit Flächen aus Glas und Zeltbahnen überspannt es mit der Grundfläche einer<br />
Ellipse den Platz im Herzen des Centers. Da sein höchster Punkt sich nicht genau über der Mitte erhebt,<br />
sondern leicht nach Osten verschoben ist, steigt es vom Forum aus gesehen langsam an. Das Zeltdach drängt<br />
sich so weder auf, noch versucht es, die Philharmonie zu übertrumpfen. Und auf eine ganz einfache Weise wird<br />
hier auf die Philharmonie Bezug genommen: Im Faltenwurf der Zeltbahnen erkennt man plötzlich die<br />
geschwungenen Formen der Dachlandschaft Scharouns wieder.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Natürlich wirken die Ensembles von Sony und Debis wegen ihrer auf Effizienz ausgerichteten Struktur auch<br />
wie Inseln, das soll nicht verschwiegen werden. Die Gebäude organisieren die Nutzung auf das Innere der Areale,<br />
dort wo vollklimatisiert Geschäfte gemacht werden. Inseln findet man jedoch einige in Berlins zentralen Bezirken:<br />
Im Osten steht man am Alexanderplatz in einer osteuropäischen Hauptstadt des Sozialismus, im Westen auf<br />
dem Wittenbergplatz im vergessenen Berlin der achtziger Jahre. Am Prenzlauer Berg findet sich das beliebte<br />
alte Straßenbild mit Blockrandbebauung und im Hansaviertel stehen die Architektur gewordenen Vorstellungen<br />
von Stadt der 50er Jahre. Berlin ist viele Städte, das macht die neue Hauptstadt gerade aus.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Insel in seiner Mitte ist jedoch größer als die Neubauten am Potsdamer Platz: Mit Forum, Sony-Center und<br />
dem Dächermeer des Debis-Areals, das fast chaotisch anmutend hinter der Staatsbibliothek hervorschaut, ist ein<br />
neuer Ort entstanden, den Kultur und Konsum gemeinsam bilden. Während sich die Bauten der Kultur großzügig<br />
in der Weite eines offenen Raums verteilen und dem Blick die Freiheit lassen, ausgiebig zu schweifen, gibt die<br />
enge, platzausnutzende Bebauung des Potsdamer Platz den spektakulären Hintergrund: Das Zelt für den<br />
Kommerzzirkus bei Sony und die bestversteckteste Shopping-Mall Deutschlands im Terracotta-Disneyland von<br />
Debis. Über die Architektur eröffnet sich so ein Blick in unsere Zeit. Nicht nur die Gebäude der großen Firmen<br />
ragen im Hintergrund des Kulturforums in den Himmel &#8211; sie stehen als Geldgeber auch im Hintergrund von<br />
Ausstellungen und Konzerten, finanzieren die Kulturszene Berlins mit.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Der Vorwurf also, der neue Potsdamer Platz verschließe sich in seiner Architektur der Stadt, kann höflich vom<br />
Tisch gefegt werden &#8211;  und den Ungläubigen sei geraten, einmal mit dem Taxi zur Neuen Nationalgalerie zu<br />
fahren, auszusteigen und mit etwas mehr Zeit als Mies van der Rohe vor 30 Jahren den Blick streifen zu lassen:<br />
Das neue Herz der Stadt ist eine Insel, die das Berlin-Archipel bereichert.<br />
</span></p>
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