<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>sweichert &#8211; politik-digital</title>
	<atom:link href="https://www.politik-digital.de/author/stephan_weichertuni-hamburg-de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
	<lastBuildDate>Thu, 31 Dec 1998 23:00:00 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/07/cropped-Politik-Digital_Logo_Sign_Gradient-512-32x32.png</url>
	<title>sweichert &#8211; politik-digital</title>
	<link>https://www.politik-digital.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Frißt die Informationsrevolution ihre Kinder?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/frisst_die_informationsrevolution_ihre_kinder-599/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/news/frisst_die_informationsrevolution_ihre_kinder-599/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[sweichert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Dec 1998 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensgesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/frisst_die_informationsrevolution_ihre_kinder-599/</guid>

					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Sechs provokante Thesen zur informationellen
Revolution der Online-Medien und ihrer
gesellschaftspolitischen Bedeutung in der
&#34;Informationsgesellschaft&#34;</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Sechs provokante Thesen zur informationellen<br />
Revolution der Online-Medien und ihrer<br />
gesellschaftspolitischen Bedeutung in der<br />
&quot;Informationsgesellschaft&quot;</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Das erleben wir tagtäglich: Ob durch Zeitung, Fernsehen oder Internet &#8211;<br />
Informationen aus aller Welt durchdringen unsere beruflichen und privaten Lebensräume.<br />
Gerade die Neuen Medien haben nicht nur eine andere Infrastruktur der Informationsverbreitung<br />
entstehen lassen, sondern auch eine neue Informationslawine losgetreten, deren Masse sich<br />
mit noch größerem Getöse unaufhaltsam auf uns zubewegt als bisher der Fall. Das Schlimme<br />
an der Info-Flut: Im Informationszeitalter kann ihr niemand entkommen. Aktuelle<br />
Informationen sind zu einem lebensnotwendigen Bestandteil unseres Alltags geworden &#8211; ob<br />
als bloße Mitteilung, als brisante Nachricht oder rein kommerzielle Ware. Die klassischen<br />
&quot;vertikalen&quot; Steuerungsmedien, wie z. B. Macht, Geld oder Recht wurden unlängst abgelöst;<br />
ein intakter Informationsfluß bestimmt nun als neues &quot;horizontales&quot; Steuerungsmedium<br />
Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit in der modernen Informationsgesellschaft: &quot;Nicht mehr<br />
Eisen und Stahl, sondern Informationen sind die Ressourcen von heute.&quot; (1)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die neuen Techniken erheben dabei einen &quot;fast totalen Informationsanspruch&quot; (2). In diesem<br />
Sinne kann man sogar schon von einer &quot;Informationsrevolution&quot; sprechen, die dank Online-Medien<br />
und Multimedia ausgebrochen ist: Noch nie zuvor war es möglich, so schnell, so günstig und<br />
mit derart wenig Energieaufwand an Informationen aus allen Teilen der Erde zu gelangen.<br />
Einzige Voraussetzung: ein Internet-Anschluß.<br />
Revolutionär und neu an der Online-Nutzung sind dabei vor allem die weitverzweigten<br />
Übertragungswege, auf denen Informationen rund um den Globus ihr Ziel finden.<br />
Mit ihnen haben sich nicht nur die Möglichkeiten der Informationsübermittlung grundlegend<br />
verändert. Auch die Verarbeitung von Informationen ist derzeit durch einen strukturellen<br />
Wandel gekennzeichnet, der sich vorrangig in den Köpfen der Mediennutzer vollzieht:<br />
&quot; &#8230; Die Art und Weise, wie Informationen gewonnen, verbreitet und verwertet werden, haben<br />
in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht einschneidende Neuerungen erfahren.&quot; (3)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Die Suche nach der Nadel im digitalen Heuhaufen</b><br />
Einen erheblichen Anteil an den sich neu etablierenden Formen der Informationsverarbeitung<br />
haben vor allem die Suchmaschinen. Die &quot;search engines&quot; versprechen eine komfortable Recherche,<br />
indem sie nach Eingabe eines Suchbegriffs aus den Millionen Dokumenten im Internet diejenigen<br />
auswählen, die neben dem gesuchten Begriff auch qualitativ brauchbare Daten enthalten.<br />
In der Praxis freilich mangelt es hier und da noch an Komfort: Während herkömmliche Maschinen,<br />
wie z. B. &quot;Fireball&quot; (<a href="http://www.fireball.de/">www.fireball.de</a>) oder<br />
&quot;Alta Vista&quot; (<a href="http://www.altavista.com/">www.altavista.com</a>) zuweilen immer noch<br />
endlos lange Listen mit Zehntausenden von Fundstellen ausspucken, von denen die meisten<br />
uninteressant oder gar irrelevant sind, lassen hingegen einige neuere Konzepte schon jetzt<br />
auf einen erkennbaren Mehrwert für den Nutzer schließen: Hier funktioniert die Sondierung<br />
von &quot;guten&quot; und &quot;schlechten&quot; Informationen nach dem Prinzip einer systematischen Beurteilung<br />
und Verarbeitung. Unter www.spiderview.de findet<br />
sich beispielsweise eine schweizerische Suchmaschine für neuere Wirtschaftsinformationen,<br />
die die eingegebene Anfrage nicht nur mehrsprachig übersetzt, sondern auch mit weiteren<br />
Daten bündelt und die Quellen durch zusätzliche Benutzer-Rückkopplung auf eine übersichtliche<br />
Anzahl reduzieren kann. (4)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Die gesuchten Informationen können alternativ dazu nach dem gängigen Verfahren von<br />
Katalogisierung und Schlagwortsuche ebenfalls von &quot;externen&quot; Suchservices bezogen werden.<br />
Zumeist handelt es sich hier immer noch um die &#8211; teilweise kostenpflichtigen &#8211; traditionellen<br />
Pressearchive online (z. B. <a href="http://www.washingtonpost.com/wp-srv/searches/mainsrch.htm">www.washingtonpost.com/wp-srv/searches/mainsrch.htm</a>),<br />
brauchbare Link-Listen von Privatpersonen (z. B. <a href="http://members.aol.com/bkliebhan/pressarc.htm">members.aol.com/bkliebhan/pressarc.htm</a>)<br />
oder kommerzielle Wissenanbieter mit unterschiedlichen Schwerpunkten (als Klassiker für<br />
Wirtschaftsinformationen gilt z. B. <a href="http://www.genios.de/">www.genios.de</a>).<br />
Wem diese Art der Suche immer noch zu umständlich oder unübersichtlich erscheint, der kann<br />
sich die Informationen auch von einer &quot;elektronischen Zeitung&quot; individuell zusammenstellen<br />
lassen. Bei <a href="http://www.paperball.de/">www.paperball.de</a> für die deutschsprachige<br />
Presse oder dem Pendant <a href="http://www.paperboy.net/">www.paperboy.net</a> für<br />
internationale (vor allem US-amerikanische und europäische) Quellen, werden nach Angabe<br />
persönlicher &quot;key words&quot; ausgewählte Pressemedien nach den benötigten Informationen<br />
durchforstet und &#8211; wenn gewünscht &#8211; sogar an die eigene E-Mail-Adresse versandt. Dieses<br />
vor wenigen Jahren noch als Zukunftsvision eher belächelte Konzept der elektronischen<br />
Tablett-Zeitung nach Roger Fidler (5) oder besser bekannt als Nicholas Negroponte&#8217;s Vorstellung<br />
vom virtuellen &quot;daily-me&quot; (6), erfreut sich heute nicht nur bei Journalisten zunehmender<br />
Beliebtheit. Bleibt die Datensuche selbst hier erfolglos, dann forschen &#8211; als letzte<br />
Recherche-Möglichkeit &#8211; sogenannte &quot;Info-Broker&quot; auftragsweise nach den gewünschten<br />
Informationen im Netz. Diese Wissen-Informationsdienste arbeiten teils maschinell, teils<br />
aber noch von menschlicher Hand gesteuert und entwickeln dabei Suchstrategien, die dem<br />
normalen Internet-Nutzer vorbehalten bleiben. Wer diese professionellen Dienste in Anspruch<br />
nimmt, bekommt gegen Bezahlung nebst relevanten Informationen auf Wunsch auch den<br />
Rechercheweg geliefert. Bei <a href="http://www.infobroker.de/">www.infobroker.de</a><br />
gibt es beispielsweise obendrein kostenlose Tips und weitere Wissen-Adressen für<br />
die Online-Recherche.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Internet-society ist per<br />
se basisdemokratisch organisiert, bedingt in erster Linie durch die dezentrale Topologie<br />
des Netzwerkes. Beispielhaft dafür steht die potentielle (und auch tatsächlich genutzte)<br />
Kommunikation der netizens mit dem Weißen Haus (<a href="http://www1.whitehouse.gov/">www1.whitehouse.gov</a>)<br />
oder auch erste Versuche einiger Mitglieder des Deutschen Bundestages<br />
(<a href="http://www.bundestag.de/">www.bundestag.de</a>), mit der Netzwelt Kontakt aufzunehmen. (7) <br />
Dezentralisierung von Informationen und Informationspluralismus verhindern die Bildung von<br />
totalitären Machtmonopolen. Politische Hierarchien werden durch die plebiszitäre,<br />
heterarchische Struktur des Internet quasi aufgehoben. Verstopfte Informationskanäle<br />
und die asymmetrische Verteilung von Know-how können jedoch zu politischer<br />
Machtkonzentration und sozialer Benachteili-gung führen: &quot;Es wäre ja denkbar, daß der<br />
Mensch keineswegs immer willens und in der Lage ist, Informationen optimal zu geben und<br />
aufzunehmen &#8230;&quot; (8)<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Mit der weltweit anwachsenden Online-Gemeinde geht auch ein enormes Wachstum des<br />
Informationsvolumens und eine gleichzeitige Dezentralisierung des Informationsangebotes<br />
einher. Diese beiden Phänomene spiegeln sich auch im Schlagwort der<br />
&quot;In-for-ma-tions-ge-sellschaft&quot; wieder, zu deren charakteristischem Medium der Information<br />
Superhighway geworden ist. In dem Begriff steckt aber vor allem, daß die &quot;Informierung&quot;<br />
des Individuums zunehmend nur noch über Informationen als kommerzielle Ware erfolgen kann.<br />
Im folgenden sollen deshalb die Auswirkungen der Informationsrevolution durch die Online-Medien<br />
auf die soziale Wirklichkeit in sechs zugespitzten Thesen unter der Fragestellung<br />
&quot;Frißt die Informa-tionsrevolution über kurz oder lang ihre eigenen Kinder?&quot; umrissen werden.<br />
Insbesondere die Aspekte Machtkonzentration, Informationswertigkeit, Selektionsprozesse<br />
durch User und marktliche Selbstregulierung durch Kommerzialisierung spielen hinsichtlich<br />
der gesellschaftspolitischen Konsequenzen eine große Rolle.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>These 1: Information gleich Wissen gleich Macht</b><br />
Information ist Grundgut, Rohstoff und Produktionsfaktor. Der amerikanische Philosoph und<br />
Ethnologe Gregory Bateson bietet folgende, zunächst trivial klingende Definition von<br />
&quot;Information&quot; an: Sie ist &quot;irgendein Unterschied, der bei einem späteren Ereignis einen<br />
Unterschied ausmacht.&quot; (9) <br />
Im Sinne der Informationsökonomie will Information als Ware verstanden werden und ist<br />
gleichzeitig in der Informationssoziologie als &quot;Zufuhr von Wissen&quot; definiert und somit<br />
als ein Prozeß, der dank intakter Informationswege der Beseitigung von Unkenntnis dient.<br />
Ein Mehr an Information, umgewandelt in Wissensvorsprünge, gilt im betriebswirtschaftlichen<br />
Kontext als Mehrwert. Gesellschaftspolitisch gesehen übt Information als akkumuliertes Wissen<br />
einen entscheidenden Einfluß auf das Demokratisierungsverhalten, die politische Mitbestimmung<br />
und den sozialen Status des Individuums aus. Wissen durch Information erwächst gerade in der<br />
Informationsgesellschaft zum potentiellen Machtinstrument. Ergo: Information gleich<br />
akkumuliertes Wissen gleich Konzentration von Macht.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>These 2: Mehr Informationen führen zu mehr Desinformiertheit</b><br />
Al Gore, der heutige Vizepräsident der Vereinigten Staaten, prägte 1993 den Begriff des<br />
Information Superhighway: Jedem Amerikaner solle an jedem Ort, zu jeder Zeit und zu einem<br />
akzeptablen Preis Zugang zu jeglicher Art von Information ermöglicht werden. Information ist<br />
prägendes Merkmal unserer Informations- und Wissensgesellschaft. Die Informationsgesellschaft<br />
stellt sich aber nicht &#8211; wie vielleicht qua definitionem anzunehmen wäre &#8211; als informierte<br />
Gesellschaft dar. Im Gegenteil: Die einem ständigen Alterungsprozeß unterworfenen<br />
Informationsmengen erzeugen eine zunehmende Desinformiertheit in der Informationsgesellschaft<br />
und werden zum Dilemma des global citizen. Die exponentielle Verbreitung der<br />
Internet-Technologie und die damit einhergehende Informationsexplosion vergrößern zwar die<br />
Bildungs-, Entfaltungs- und Lebenschancen des Individuums, sie begünstigen aber auch eine<br />
weitergehende Verwissenschaftlichung aller Lebensbereiche und führen zunehmend zu Irritationen<br />
und Desorientierung. Das postindustrielle Zeitalter ist durch ein neues Menschenbild<br />
charakterisiert: Mit dem Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft wird der<br />
&quot;homo oeconomicus&quot; durch die Gestalt des &quot;homo informaticus&quot; abgelöst. Eine informatisierte<br />
Dienstleistungsgesellschaft, die sich aus nach Informiertheit strebenden Individuen<br />
konstituiert, läßt schließlich eine zentrale Frage in den Vordergrund rücken: die nach der<br />
optimalen Informationsverarbeitung.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>These 3: Differenzierungsfähigkeiten bestimmen die sozialen Spaltungslinien</b><br />
Die Gesellschaft wird bereits unaufhaltsam von der Informationswelle erfaßt. Rettungsboote<br />
sind nur vereinzelt in Sicht. Orientierungs- und Medienkompetenz auf der Datenautobahn und<br />
ein zieladäquater Umgang mit Informationen können nur durch das Funktionieren eines<br />
ausgeprägten Selektions- und Differenzierungsapparates gewährleistet werden. Obwohl der<br />
Informationszugriff auf Abruf und der blitzschnelle Datentransfer einen erheblichen Beitrag<br />
für die globalen Kommunikationsstrukturen leisten, können Authentizität und Fundiertheit von<br />
Informationen jedoch in den seltensten Fällen gewährleistet werden. Das mit Trivialität<br />
übersättigte Informationschaos im Internet läßt das global village schnell zur glocal village<br />
degenerieren. Soziale Abgeschiedenheit gilt dem, der entweder durch eine Verhinderung des<br />
public access nicht am Informationsprozeß teilnehmen kann oder dem &#8211; angesichts der<br />
Informationsflut &#8211; der Differenzierungsmechanismus versagt. Die Zielgerade des Information<br />
Superhighway endet geradewegs im Szenario einer Zweiklassengesellschaft;<br />
fehlende Differenzierungsfähigkeiten als Schlüsselkompetenzen beschreiben die soziale<br />
Spaltungslinie von morgen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>These 4: Kommerzialisierung bietet nur eingeschränkte Selektionsmöglichkeiten</b><br />
Die zunehmende Kommerzialisierung des Netzes kann nur kurzfristig als wirksamer<br />
Filtermechanismus aufgefaßt werden: &quot;Da mit ihr die ökonomischen Gesetze der Regulierung durch<br />
den Markt zu greifen beginnen, ist in den nächsten Jahren vereinzelt mit einer qualitativen<br />
Verbesserung des Online-Angebots durch Gebührenfinanzierung zu rechnen.&quot; (10)<br />
Mit der Einführung einer nutzungsabhängigen Preisstruktur ist es bereits heute möglich,<br />
zuverlässige Dienste maßgeschneidert über die Internet-Plattform anzubieten. Kommerzialisierung<br />
läuft aber auch Gefahr, Qualität an ausschließlich marktwertorientierten Kriterien bezüglich<br />
der Verkäuflichkeit an Werbeträger zu messen. Eine realistisches Szenario, das vor allem<br />
zu Lasten von Bildungswesen und Jugendschutz geht: &quot;Es wird dereguliert, und die Jugend wird<br />
der kommerzialisierten informationellen Umwelt ausgeliefert.&quot; (11) Um den free flow<br />
of information auf der Datenautobahn und damit die gesellschaftliche Integration des<br />
Individuums dennoch gewährleisten zu können, muß eine qualitative Informationsinfrastruktur<br />
geschaffen werden, die dem Verbraucher künftig erlaubt, zwischen infotainment, infotisement<br />
(information + advertisement) und wahren Informationen &#8211; kurz: low-quality-<br />
und high-quality-Informationen &#8211; unterscheiden zu können.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>These 5: Grenzenlose Infomasse gleich Nutzlosigkeit des Internet</b><br />
Bei der nahezu grenzenlosen Zunahme des Informationsvolumens besteht für den Nutzer die<br />
Gefahr, die jeweils gesuchte Information gar nicht oder nur schwer aus dem Informationswust<br />
herausfiltern zu können. In diesem Zusammenhang ist der Verfall von Informationen ohne Pflege<br />
zu nennen: Da es für Daten-Müllhalden keine Müllabfuhr gibt, wird sich die Infomasse<br />
sukzessive vergrößern, ohne daß veraltete Informationen ausgewechselt oder erneuert werden.<br />
Datenrückstände und kommerzielles infotisement können die Kommunikationsleitungen im Internet<br />
verstopfen und lassen &#8211; wie im realen Leben &#8211; Müllberge von nicht mehr aktuellen und<br />
irrelevanten Informationen zurück, um deren Entsorgung sich niemand Gedanken macht und die<br />
als wertlose Ausscheidungen der sozialen Elite nur noch der Informationsparia angeboten werden:<br />
&quot;Die sozial Schwachen werden auf die &quot;Informationsmüllhalden&quot; der Informationsgesellschaft<br />
verwiesen werden, wo sie dann in der dort ausgekippten &quot;kostenlosen&quot; Information wühlen können.&quot; (12) <br />
Die unkontrollierbare Infomasse verringert damit den Gebrauchswert des Internet bis hin zur<br />
völligen Nutzlosigkeit.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>These 6: Kommerzielle Suchdienste als Zensurinstanzen für Privilegierte</b><br />
Zwar ergibt sich durch die Be- oder Entwertungsverfahren der Suchmaschinen für den Nutzer<br />
rasch eine sehr viel kleinere Menge an zu verarbeitenden Informationen. Der Vorteil, direkten<br />
Zugriff auf sämtliche zur Verfügung stehende Informationen zu haben, wird somit jedoch von<br />
vorne herein eingeschränkt. Die so gewonnenen Daten unterliegen bereits einer Zensur und<br />
Prüfung, so daß das theoretische Prinzip der Informationsdezentralisierung in der Praxis seine<br />
Grenzen findet &#8211; also dort, wo zwischen Anbietern originärer Inhalte und dem Nutzer zusätzliche<br />
Instanzen zwischengeschaltet werden, denen Vorauswahl und Manipulation von Daten offenstehen.<br />
Ferner zeugt die Informationsselektion durch Dritte nicht nur von einer Umwandlung in<br />
Informationen zweiter Ordnung, sondern gleichzeitig von einer Tendenz zum Informationsforum<br />
für Privilegierte. Hier kann &#8211; langfristig gesehen &#8211; nur Informationen bekommen, wer sowohl<br />
die finanziellen Mittel als auch das nötige Know-how mitbringt, um über kommerzielle<br />
Suchdienste an qualitativ bewertete Daten zu gelangen &#8211; mit welchen Maßstäben auch immer<br />
diese Qualität gemessen wird.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Informationsgesellschaft: Transformationsgesellschaft?</b><br />
Die weltweite Vernetzung trägt epochale Züge hinsichtlich der<br />
Verbreitung von Informationen. Der Informationsnutzung jedes Einzelnen<br />
wird sie bislang hingegen nicht oder nur ansatzweise gerecht. Die<br />
Bedingungen der Informationsverarbeitung werden auch weiterhin das<br />
gesellschaftliche Zusammenleben und die Teilhabe an<br />
gesellschaftspolitischer Mitbestim-mung maßgeblich beeinflussen.<br />
Informiert sein heißt dabei längst nicht mehr nur in Fachdis-kussionen<br />
mitreden zu können. Informiertheit in der Informationsgesellschaft<br />
bedeutet vor allem eines: die &quot;richtigen&quot; Informationen zu selektieren.<br />
Wer ein Mitspracherecht an gesell-schaftspolitischen Entscheidungen<br />
erhalten will, muß in erster Instanz gezielt auswählen kön-nen, um am<br />
politischen Meinungs- und Willensbildungsprozeß teilnehmen zu können.<br />
Selek-tion und Verwertung von Informationen werden in naher Zukunft<br />
somit ganz zweifellos und mehr denn je die individuellen<br />
Existenzgrundlagen bilden. Dafür erfordert der Umgang mit der<br />
Online-Technik zunehmend Schlüsselkompetenzen und Kunstfertigkeiten,<br />
die eine persönliche Auswahl der nötigen Informationen erst<br />
ermöglichen. Das Internet unterliegt derzeit jedoch einem<br />
unvorhersehbaren Strukturwandel nicht nur wirtschaftlicher, sondern vor<br />
allem gesellschaftlicher Natur. Alte Informationsinfrastrukturen<br />
verlagern sich, neue Finanzierungs- und Nutzungsstrukturen entstehen. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In dieser dynamischen Transformationsphase, in der es vor allem um die Konvergenz von alten<br />
und neuen Medien geht, kann von einer generellen Nutzlosigkeit des Netzes vorerst nicht die<br />
Rede sein. Dabei wäre es jedoch leichtfertig, sich auf die neuen Kommunikationsformen zu<br />
verlassen, ebenso wie sich ausschließlich auf die klassischen Informationsstrukturen zu<br />
versteifen. Der Wandel der Informationskultur und ihrer Instrumente bietet trotz der<br />
zunehmenden Inflation von Informationen ein unbegrenztes Potential zur Erweiterung des<br />
Wissens, für Innovationen und Entfaltung von Kreativität. Ob die informationelle Revolution,<br />
die uns Online und Internet beschert haben, jedoch nicht früher oder später ihre Kinder<br />
frißt, sich also gegen die ursprünglichen Ideen jener richtet, die so vehement für die neue<br />
Informationstechnologie als der Demokratisierung förderliches Medium gekämpft haben, bleibt<br />
indes abzuwarten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Anmerkungen:</b><br />
<span><br />
</span></span>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<ol>
	<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span></p>
<li>Der Autor und Publizist Rudolf Maresch auf der 13. Hamburger Mediendebatte am 9. Dezember 1998.
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Roß, Dieter: Der Markt als sozialverträglicher<br />
	Regelungsmechanismus. Unveröffentlichtes Manuskript zum Mediensymposium<br />
	in Luzern im Dezember 1998, S. 5.</p>
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Sonnleitner, Martin / Stadthaus, Markus / Weichert,<br />
	Stephan A. et al.: Online Recherchieren. In: Neverla, I. (Hrsg.): Das<br />
	Netz-Medium. Kommunikationswissenschaftliche Aspekte eines Mediums in<br />
	Entwicklung. In-stitut für Journalistik. Opladen 1998, S. 245.</p>
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Innovativ an Spiderview sind vor allem die<br />
	Quellenbündelung, die mehrsprachige Suchanfrage und die Verarbeitung<br />
	von Satzteilen oder ganzer Sätze. Zudem arbeitet das Programm mit einer<br />
	sogenannten &quot;Rele-vanzrückkopplung&quot;, durch die der Informationsradius<br />
	immer mehr eingegrenzt werden kann und dem Cross-Language Information<br />
	Retrieval, einer Art Synonym-Suche, die mittels Pseudoübersetzungen<br />
	funk-tioniert. Vgl. Weber, Felix: Mit einem Griff die Nadel aus dem Heu<br />
	ziehen. In: Neue Zürcher Zeitung vom 4.12.1998, S. 53.</p>
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Siehe Fidler, Roger: Die digitale Zeitung. In: Zeitungstechnik. Januar 1994, S. 4.
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Vgl. dazu Negroponte, Nicholas: Bits are Bits: The<br />
	Consequences of Being Digital. In: CSC Vanguard (Hsrg.): The Future of<br />
	Print Journalism in the Digital Age. Cambridge 1994, S. 10.</p>
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>In Deutschland mangelt es, sowohl inhaltlich als auch<br />
	formal, bislang noch an kreativer Umsetzung politi-scher<br />
	Online-Kommunikation. Die Partizipationsmöglichkeiten fallen eher<br />
	dürftig aus (vgl. dazu die Ergeb-nisse der Online-Studie von Philipp<br />
	Stradtmann unter www.politik-digital.de); hartnäckig kreisen hier<br />
	der-zeit die Debatten noch um Krypto-Politik und den Standort<br />
	Deutschland. Vgl. z. B. Sudik, Claudia: Wahl-kampf der<br />
	Paragraphen-Surfer. In: die tageszeitung vom 24.09.1998, S. 19.</p>
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Seiffert, Helmut: Information über die Information. München 1968, S. 125.
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Bateson, Gregory: Ökologie des Geistes. Anthropologische,<br />
	psychologische, biologische und epistemologi-sche Perspektiven.<br />
	Frankfurt a. M. 1981, S. 488.</p>
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Sonnleitner, Martin / Stadthaus, Markus / Weichert, Stephan A. et al.: a. a. O., S. 260.
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Haefner, Klaus: Bildung einer computerisierten<br />
	Gesellschaft &#8211; Trend- und Wunschszenario. In: Schell et al. (Hrsg.):<br />
	Jugend auf der Datenautobahn. Sozial-, gesellschafts- und<br />
	bildungspolitische Aspekte von Multi-media. München 1995, S. 84.</p>
<p>
	&nbsp;
	</p>
</li>
<li>Ebd., S. 99.
	</li>
<p></span></span>
</ol>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/news/frisst_die_informationsrevolution_ihre_kinder-599/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
