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	<title>thofsaess &#8211; politik-digital</title>
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	<title>thofsaess &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Ich hätte mir ein größeres Ergebnis gewünscht.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Studiengebühr]]></category>
		<category><![CDATA[Niels Annen]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Jusos]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/nannen.jpg" alt="Niels Annen" align="left" border="0" height="119" width="84" /></b> 
<b><span style="color: #000000"> Niels Annen, Bundesvorsitzender der Jusos, </span></b><span style="color: #000000"><b><b> 
am 16. Dezember 2003 </b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="color: #000000"><b><b> 
</b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b> zu 
Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/nannen.jpg" alt="Niels Annen" align="left" border="0" height="119" width="84" /></b><br />
<b><span style="color: #000000"> Niels Annen, Bundesvorsitzender der Jusos, </span></b><span style="color: #000000"><b><b><br />
am 16. Dezember 2003 </b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span style="color: #000000"><b><b><br />
</b></b></span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b> zu<br />
Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></span></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Moderator: Liebe Chat-Interessierte, herzlich willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Heute ist Niels Annen in die Redaktionsräume von tagesschau.de in<br />
Hamburg gekommen. Herr Annen ist Bundesvorsitzender der Jusos und sitzt<br />
seit kurzem auch im Vorstand der SPD. In der kommenden Stunde haben Sie<br />
die Möglichkeit, Ihre Fragen an Niels Annen zu richten. In fünf<br />
Minuten legen wir los! Einen schönen Guten Tag Herr Annen, sind Sie<br />
startbereit?</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Aber sicher!</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Beginnen wollen wir mit dem innenpolitischen Thema der vergangenen Wochen,<br />
den Reformbemühungen im Vermittlungsausschuss. &quot;Die Ergebnisse<br />
des Vermittlungsausschuss bleiben in der Gesamtschau ernüchternd&quot;<br />
&#8211; so ihr Fazit auf der Webseite der Jusos. Was ist denn so ernüchternd?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ernüchternd ist, dass die Union die Frage der Steuersenkungen mit<br />
der Arbeitsmarktreform verknüpfen konnte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>p_baecker</b>:<br />
Nils, was sagst du zu den Ergebnissen des Vermittlungsausschusses? Können<br />
die Jusos mit dieser Steuerreform leben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Wir finden es erst einmal gut, wenn der Eingangssteuersatz stärker<br />
abgesenkt wird als der Spitzenssteuersatz. Insgesamt bin ich aber nicht<br />
zufrieden, wenn Langzeitarbeitslose jetzt jeden legalen Job annehmen müssen.<br />
Das hat die Union zu verantworten!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>a_walter</b>:<br />
Führende Ökonomen und Wirtschaftsverbände halten den jetzt<br />
erzielten Reformkompromiss für nicht ausreichend. Arbeitgeberpräsident<br />
Dieter Hundt hält zum Beispiel die vereinbarte Lockerung des Kündigungsschutzes<br />
für nicht ausreichend. Was entgegnen sie solchen Äußerungen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Das ist reine Propaganda. Was in Deutschland fehlt ist eine konjunkturelle<br />
Belebung. Die Menschen brauchen mehr Geld in ihren Taschen und nicht weniger<br />
soziale Sicherheit. Die Rezepte von Herrn Hund haben schon die letzten<br />
20 Jahre nicht funktioniert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>idaober</b>:<br />
Das Ifo-Institut sagt ganz klar: Kein konjunktureller Effekt. Wie sehen<br />
Sie das?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Dem stimme ich zu. Aber es hätte auch mehr sein können, wenn<br />
die Union nicht nur auf Parteitagen Steuersenkungen versprechen würde,<br />
sondern sie auch mit auf den Weg brächte, im Vermittlungsausschuss.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>turnundtaxis</b>:<br />
Es scheint aber, dass die Leute auch mit mehr Geld in den Taschen das<br />
nicht so richtig auf den Kopf hauen. Das reicht wohl nicht zum Konjunktur<br />
beleben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Das werden wir dann ja sehen. Aber richtig ist: Wir brauchen auch weitere<br />
Impulse für Wachstum. Da muss die Politik etwas leisten, Wirtschaft<br />
und Forschung zusammenbringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Henry M. Weiler</b>:<br />
Sie sagen: „Die alltägliche Sparlogik beraubt gerade der jungen<br />
Generation die notwendigen Handlungsspielräume. Immer wieder wird<br />
die These erneuert, es gebe keinen gesellschaftlichen Verteilungsspielraum<br />
mehr. Diese These ist weder richtig noch stichhaltig und hält keiner<br />
empirischen Untersuchung stand“. Wie sieht denn dann die tatsächliche<br />
Situation auf empirischer Grundlage tatsächlich aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Nun ich bin kein Wissenschaftler, aber Deutschland ist ein reiches Land<br />
und alle Untersuchungen zeigen: Wenn wir den Reichtum gerechter verteilen<br />
belebt dies auch die Wirtschaft. Wir müssen in produktive Bereiche<br />
investieren, Bildung und Forschung in den Mittelpunkt stellen, das schafft<br />
auch Arbeitsplätze.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wer hat sich im Vermittlungsausschuss besser durchsetzen können?<br />
Dazu drei Fragen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jungeUnion</b>:<br />
Hallo Niels, der Kompromiss ist ja wohl ein Sieg nach Punkten für<br />
Merkel und Stoiber. Wie ist denn da die Stimmung an der SPD-Basis?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>idaober</b>:<br />
Aber die Taktik der CDU ist doch aufgegangen: Sie sind nicht mehr die<br />
Blockierer und haben der Regierung eine faule Reform aufgezwungen. Ein<br />
voller Erfolg der Union, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sonja</b>:<br />
Hat nicht die CDU im Vermittlungsausschuss ihre Interessen besser durchsetzen<br />
können als die SPD?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Es geht nicht um Punktsiege. Die Union wird sich noch wundern. Sie hat<br />
den Menschen Entlastung versprochen und sie dann verhindert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>calista</b>:<br />
Hallo Niels, für mich ist das Verhandlungsergebnis nur ein fauler<br />
Kompromiss, der die Probleme nicht löst. Was ist mit der Generationengerechtigkeit<br />
und wo bleibt der Beitrag der Jusos zur Zukunft der BRD?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Die Mehrheiten können wir uns nicht schnitzen. Das ist manchmal bitter<br />
und ich bin auch nicht zufrieden aber wichtig ist: Die Tarifautonomie<br />
ist nicht angetastet worden. Das ist unser Erfolg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>markus</b>:<br />
Die SPD-Linken haben Schröder vor so einer Bundestagsabstimmung wie<br />
am Freitag eine Menge Nerven gekostet. Jetzt geht das wieder los, die<br />
ersten Links-Denker haben schon wieder gesagt, sie stimmen dagegen. Man<br />
kann sich auch richtig das Reformimage selbst verhageln was?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen:</b><br />
Die Stimmung an der Basis ist nicht euphorisch, aber wenn wir jetzt unsere<br />
Punkte wie Bürgerversicherung, Umlagefinanzierung angehen, gewinnen<br />
wir auch Vertrauen zurück.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>POPMART</b>:<br />
Franz Müntefering droht erneut den Abweichlern. Das ist ja wohl verfassungswidrig,<br />
weil der Parlamentarier laut Verfassung nach eigenem Gewissen entscheiden<br />
darf. Finden Sie das nicht unfair?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich gebe den Abgeordneten keine Empfehlungen, aber eine große Mehrheit<br />
ist ja wohl sicher, denn die Union stimmt zu. Letztlich muss es aber jeder<br />
selbst entscheiden. In einer großen Partei müssen auch unterschiedliche<br />
Meinungen vorkommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Frage war, ob sie das Verhalten von Müntefering, die Abgeordneten<br />
zu beeinflussen, &quot;unfair&quot; finden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Niels Annen</b>: Ich halte gar nichts von Drohungen, auch<br />
nicht in der Fraktion. Da ist die Meinung der Jusos eindeutig!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>POPMART</b>:<br />
Glauben Sie es wird Gegenstimmen gegen diese Reform in Reihen der SPD<br />
geben am Freitag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich habe von meinem Freund Ottmar Schreiner gelesen, dass er dagegen stimmen<br />
will. Warten wir es ab.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Seneca</b>:<br />
Sollte die SPD angesichts dieser faulen Reformen nicht sofort weitere<br />
und weitergehende Änderungen fordern, um die Blockierer aus CDU/CSU<br />
wieder ihre Rolle zuzuweisen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Das werden wir tun bei der Gesundheitspolitik. Da will die Union die Kopfprämien<br />
und die SPD das solidarische System weiterentwickeln zu einer Bürgerversicherung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Strahleman</b>:<br />
Kompromiss: Ich lese: Es ist halt nur ein Bündel, kein Paket und<br />
erst recht kein Meilenstein. Mit dem größtmöglichen Aufwand<br />
wurde das geringst mögliche Ergebnis erzielt.&quot; Was antworten<br />
Sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich hätte mir ein größeres Ergebnis gewünscht. Aber<br />
offensichtlich hat auch der Machtkampf innerhalb der Union eine Entscheidung<br />
in der Sache verhindert. Sicher gibt es Einsparpotentiale, aber in einer<br />
solchen wirtschaftlichen Krise muss man notfalls auch kreditfinanzierte<br />
Programme auflegen, denn es ist auch nicht gerecht gegenüber den<br />
heute Jungen, notwendige Investitionen, in der Bildung, nicht zu tätigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MrBrook</b>:<br />
Die SPD wollte die Reformen ja durch Schulden finanzieren. Ist der Einwand<br />
der CDU, dass nicht noch mehr Schulden gemacht werden sollten, nicht berechtigt?<br />
Es gibt immer noch genügend Fälle, in denen meiner Meinung nach<br />
zu wenig getan wird, um wirklich Einsparungen vorzunehmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wirtshausberater</b>:<br />
Warum konnte sich die SPD nicht durchringen, weitere Subventionen zu kürzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Das ist so nicht ganz richtig: Die SPD hat am Anfang des Jahres das berühmte<br />
Steuervergüngstigungs-Abbaugesetz eingebracht. Die Union hat es so<br />
gefleddert, dass fast nichts übrig geblieben ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Seneca</b>:<br />
Hat die USA nicht erfolgreich vorexerziert, wie durch ungehemmtes Schuldenmachen<br />
ein wirtschaftlicher Aufschwung herbeigezaubert wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Die USA sind in dieser Frage durchaus ein Vorbild. Im Mutterland des Kapitalismus<br />
scheint es weit weniger ideologische Vorbehalte zu geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Seneca</b>:<br />
Sind Bürgerversicherung und eine Umlagefinanzierung die einzigen<br />
Perspektiven für eine Einflussnahme auf den politischen Entscheidungsprozess<br />
durch die Jusos, oder siehst du noch weitere Politikfelder, die im Sinne<br />
einer forcierten Reformdiskussion von den Jusos bearbeitet werden können<br />
?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Einer aktiven Konjunkturpolitik zu geben. Wir möchten eine Idee von<br />
Sozialstaat entwickeln, die auf die heutigen Risiken eine Antwort gibt.<br />
Also: Absicherung von Übergängen von Ausbildung in Arbeit; Absicherung<br />
von Erziehungszeiten, Fortbildung etc. also einen flexiblen Sozialstaat<br />
für den flexiblen Kapitalismus schaffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franziska<br />
H</b>.: Sie fordern eine zusätzliche Verbrauchersteuer von 6%<br />
auf Luxusgüter. Wo würden Sie die Grenze ziehen, was Luxus ist<br />
und was nicht? So genannte Luxusgüter sind doch letztlich immer auch<br />
Statussymbole. Sind darin auch schon die Markenklamotten der Kids von<br />
heute inbegriffen, die ihren Eltern dadurch das Geld aus der Tasche ziehen?<br />
Wer kann in dieser, eher verwöhnten Gesellschaft entscheiden, was<br />
Luxus ist und was nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Die Idee ist, die Mehrwertsteuer zu splitten und Luxusgüter stärker<br />
zu belasten. Dafür gibt es in Belgien ein gutes Vorbild.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MrBrook</b>:<br />
Was sagen sie zu der Tatsache, dass die SPD Gesetze, die bereits 98 existierten,<br />
und die nach dem Machtwechsel zurückgenommen wurden, plötzlich<br />
doch wieder einbringen will? Ich denke da an den Kündigungsschutz,<br />
der ja gelockert wurde. Hat da die SPD nicht grundlegende Fehler gemacht,<br />
wenn diese Rücknahme nur 5 Jahre gehalten hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich bin eindeutig gegen diese Veränderung. Wir wollen als Jusos keine<br />
Lockerung, aber das war wohl nicht durchzusetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Strahleman</b>:<br />
Verschärfte Zumutbarkeitsregel für Arbeitslose und die Lockerung<br />
des Kündigungsschutzes sind &quot;bittere Pillen&quot;, die aber<br />
im Blick auf das Gesamtergebnis vertretbare Zugeständnisse darstellten,<br />
sagen die Grünen. Ist das auch ihre Politik?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Mein Eindruck ist, wir werden diese Kröten wohl schlucken müssen,<br />
aber ich kann mich auch nicht des Eindrucks erwehren, dass Wolfgang Clement<br />
nicht gerade engagiert für unsere Position gekämpft hat, wenn<br />
sich in Deutschland gegen unseren Willen ein Niedriglohnsektor etablieren<br />
sollte, müssen wir offen über die Konsequenzen reden, brauchen<br />
wir z. B. dann einen Mindestlohn?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zwei Fragen, gleiche Stoßrichtung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wirtshausberater</b>:<br />
Wann wacht die SPD endlich auf und befreit sich vom dogmatischen Einfluss<br />
der Betonköpfe in den Gewerkschaften?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Consensus</b>:<br />
Gewerkschaften und die Arbeitgeberverbände haben sich für eine<br />
Zementierung des Tarifkartells ausgesprochen. Warum wurde hier nicht mehr<br />
Flexibilität erreicht? Ist die Macht der beiden Lobbygruppen durch<br />
die Politik nicht zu brechen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich bin selber Gewerkschafter und ich glaube nicht, dass dieses Klischee<br />
richtig ist. Schon heute gibt es über 50.000 flexible Regelungen<br />
im Rahmen von Tarifverträgen. Die Frage, wie man mit Lobbygruppen<br />
umgeht, muss sich die Politik immer stellen, aber es ist normal in einer<br />
Demokratie, dass sich Interessen organisieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>MrBrook</b>:<br />
Meiner Meinung nach sind die Gewerkschaften zu gierig. Eine Forderung<br />
nach 4,5% Lohnerhöhung ist schon unverschämt, wäre ich<br />
Arbeitgeber würde ich mich weigern, mit diesen Leuten überhaupt<br />
zu verhandeln. Wie wollen sie Flexibilität in den Arbeitsmarkt bringen,<br />
wenn Arbeitgeber an diese Löhne gebunden werden und gleichzeitig<br />
kaum eine Chance haben, nach Auftragslage Leute einzustellen und zu entlassen?<br />
Brauchen wir nicht mehr Flexibilität?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich glaube, da liegen Sie falsch. Die Arbeitgeber sind genau so interessiert<br />
daran, das Tarifsystem aufrecht zu erhalten. Denn es garantiert ihnen<br />
sozialen Frieden und einen klaren Ansprechpartner auf der Seite der Arbeitnehmer.<br />
Ein Blick zu unseren europäischen Nachbarn reicht aus, um sich von<br />
den Vorzügen des deutschen Systems zu überzeugen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wirtshausberater</b>:<br />
Was sagen Sie den Kollegen in kleinen Firmen, die für weniger Geld<br />
arbeiten würden, wenn sie dadurch ihren Arbeitsplatz sichern könnten,<br />
durch den Flächentarifvertrag so eine Einigung aber verhindert wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Deutschland hat keine Zukunft als Niedriglohnland, und die Flächentarifverträge<br />
stellen sicher, dass die Lohnspirale sich nicht weiter nach unten dreht.<br />
Unternehmen, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind, haben auch<br />
heute schon die Möglichkeit vom Tarifvertrag abweichende Regelungen<br />
zu treffen. Übrigens fast immer in enger Zusammenarbeit mit Betriebsrat<br />
und Gewerkschaften. Ich finde, das sollte so bleiben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zwei Kommentare dazu:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>UweK</b>:<br />
Herr Rogowski sieht das wohl anders.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>looser</b>:<br />
Aber die Betriebe sind abhängig von den Funktionären beider<br />
Seiten. Das wurde nicht geändert!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Und noch einer:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Umpf</b>:<br />
Ist es (hinter vorgehaltener Hand) nicht so, dass die Wirtschaft mittlerweile<br />
bestimmt, was hier an politischen Entscheidungen (für sie, die Wirtschaft,<br />
noch) zulässig bzw. besonders wünschenswert (oder: &quot;das<br />
kleinere Übel&quot;) wäre? <br />
Niels Annen: Worum es Herrn Rogowski geht, ist doch klar. Die wirtschaftlich<br />
schwierige Lage will er ausnutzen, um das Lohniveau in Deutschland generell<br />
zu drücken. Dabei wird mit der Angst der Kollegen um ihre Arbeitsplätze<br />
leichtfertig gespielt. Die Lösung liegt nicht in niedrigeren Löhnen,<br />
sondern in einer hohen Innovationsfähigkeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Nun wechseln wir mal das Thema: Viele User im Chat wollen über die<br />
Studentenproteste diskutieren:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franziska<br />
H</b>.: Wo bleibt die Uni, Sie sind doch auch noch Student, äußern<br />
Sie sich doch auch mal zu dieser Problematik!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>demonstrant</b>:<br />
Was halten sie von den Studentenprotesten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Wir Jusos unterstützen die Studenten, haben zu der großen Demo<br />
am 13. mit aufgerufen. Wir müssen endlich dafür sorgen, dass<br />
die Politik &#8211; auch meine eigene Partei &#8211; nicht nur über Bildung redet,<br />
sondern Investitionen in Forschung und Ausbildung wirklich zum Schwerpunkt<br />
macht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>POPMART</b>:<br />
Da redet die SPD immer von Forschung und Bildung, und dann wird erst einmal<br />
der Bildungsetat gekündigt. Wie soll ich das verstehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Das ist genau, was ich meine: Es klafft eine große Lücke zwischen<br />
dem, was die SPD an guter Bildungspolitik auf Bundesebene verkündet,<br />
und dem, was sie in den Ländern umsetzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>studentenseele</b>:<br />
Wie sollen die Hochschulen aus ihrer Finanzmisere kommen &#8211; Studiengebühren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tina_goettingen</b>:<br />
Wie stehst Du zu den wohl im nächsten Wintersemester kommenden Studiengebühren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
ich bin gegen Studiengebühren. Ich glaube, dass Bildung eine gesellschaftliche<br />
Aufgabe ist und deswegen auch von allen mitfinanziert werden sollte. Wir<br />
Jusos haben den Vorschlag gemacht, die Erbschaftssteuer zu erhöhen<br />
und das Geld in Bildung zu stecken. Der Bundeskanzler hat diesen Vorschlag<br />
auf unserem Parteitag aufgegriffen. Mal sehen, was daraus wird. Wir bleiben<br />
am Ball.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Studi1977</b>:<br />
Mal angenommen, es würden flächendeckend Studiengebühren<br />
eingeführt, und zwar nach dem Generationen-Prinzip (Jetzt studieren,<br />
später zahlen), so wäre das doch eine Lösung der Misere,<br />
vorausgesetzt, das Geld geht auch ohne Umwege direkt an die Unis und nicht<br />
an die Länder, die es &quot;Fremdverwenden&quot; würden. Wie<br />
stehst Du dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Das wäre dann ja eine Akademiker-Steuer. Ich bin der Meinung, wer<br />
gut verdient, soll auch entsprechend viel Steuern zahlen. Das wäre<br />
gerechter.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ferdinand<br />
von Ahnen</b>: Ist es nicht zu erwarten, dass die Eltern die heutzutage<br />
Unterbringungskosten für Kitas und Horte aufbringen, in Zukunft auch<br />
deren evtl. Universitätsstudium bezahlen müssen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich hoffe nicht! Wir haben ein großes Defizit in Deutschland bei<br />
der Betreuung von Kleinkindern. Wir müssten uns eigentlich vornehmen,<br />
die Versorgung zu verbessern und sie irgendwann auch einmal kostenfrei<br />
anbieten zu können, damit sich mehr Menschen, insbesondere Frauen,<br />
ihre Vorstellung von Beruf und Familie erfüllen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>calista</b>:<br />
Wie wollen die Jusos denn die Unis wettbewerbsfähiger machen? Protestieren<br />
allein hilft auch nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Bildung ist nicht nur eine Frage von Wettbewerb. Aber es ist schon richtig:<br />
Die Zustände an den Unis sind zum Teil katastrophal. Deswegen müssen<br />
wir mehr in die Hochschulen investieren. Vorschläge dazu liegen auf<br />
dem Tisch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Soviel zum Thema Studentenproteste. Wir haben noch andere Fragen zu anderen<br />
Themen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dieter_h</b>:<br />
Niels, wie glaubst du im SPD-Vorstand die Meinung der Jusos vertreten<br />
zu können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Indem ich mich weiterhin zu Wort melde und mein Mandat ernst nehme. Der<br />
SPD ist mit Jasagern alleine nicht geholfen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>patrick_w</b>:<br />
Wie kann man das Urvertrauen der SPD-Basis wieder zurück gewinnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Wir haben die Kompetenz in Sachen soziale Gerechtigkeit an die Union verloren.<br />
Das müssen wir durch politisches Handeln wieder korrigieren, sonst<br />
wird die SPD als Volkspartei auf Dauer keine Zukunft haben. Die Beteiligung<br />
von großen Vermögen an den Reformen wird da die erste Probe<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Holger Israel</b>:<br />
Welche Chancen siehst Du, dass die SPD kurz- oder mittelfristig zu ihren<br />
sozialen Werten zurückfindet?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen:</b><br />
Ich glaube, die SPD, ihre immer noch über 600.000 Mitglieder stehen<br />
zu den Grundwerten der Sozialdemokratie. Es war immer unsere Stärke,<br />
diese Grundwerte an die aktuelle Situation anzupassen. Das werden wir<br />
auch dieses Mal schaffen können, aber nur, wenn sich die heute enttäuschten<br />
nicht abwenden!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Doch die Zahl der Mitglieder nimmt ständig ab. Wie lässt sich<br />
diese Dynamik aufhalten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Es stimmt, 30.000 Leute sind in diesem Jahr ausgetreten und ich hoffe<br />
noch immer, dass wir sie zurück gewinnen können. Aber es gab<br />
auch über 10.000 Eintritte, davon fast die Hälfte junge Leute.<br />
Das ist nicht genug, aber ein Hoffnungsschimmer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Simone</b>:<br />
Wenn Sie aus der jetzigen Perspektive der politischen und ökonomischen<br />
Situation in Deutschland auf die nächsten Wahlen 2006 sehen. Für<br />
wie realistisch halten Sie es, dass die SPD nochmals als regierende Partei<br />
aus den Wahlen geht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Wenn die SPD klar für die Idee der solidarischen Finanzierung des<br />
Sozialstaates steht, also für die Bürgerversicherung, und die<br />
Union auf der anderen Seite, den Sozialstaat komplett privatisieren und<br />
auch Kopfpauschalen umstellen will, bin ich sicher, dass wir gewinnen.<br />
Denn die Menschen wollen nicht weniger, sondern mehr Sicherheit im Wandel.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>marlies</b>:<br />
Freuen Sie sich auf die Wahl in Hamburg? Kommt die Wahl nicht zu früh<br />
angesichts der schlechten Umfragewerte für die SPD?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ja. Ole von Beust ist verantwortlich für das Desaster. Er hat nicht<br />
nur dem Ruf der Stadt geschadet, sondern auch einen unberechenbaren neurotischen<br />
Rechtspopulisten hoffähig gemacht. Ich bin mir sicher, die Hamburger<br />
werden sich gegen diesen Rechtssenat entscheiden und damit auch ein Zeichen<br />
für die Bundespolitik setzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>giorgos stamtsis</b>:<br />
Niels, welche ist die Meinung von Jusos zum Konflikt über die EU-Verfassung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich bedauere das Scheitern des Gipfels. Ich bin aber überzeugt davon,<br />
dass Gerhard Schröder die richtige Position vertreten hat. Europa<br />
kann auf Dauer nur funktionieren, wenn die Bürger den Eindruck haben,<br />
dass die Entscheidungen demokratisch zustande kommen. Die Berücksichtigung<br />
der Bevölkerungszahl ist daher unumgänglich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dieter_h</b>:<br />
Was hältst du von dem Medium, dass wir hier für den Chat gerade<br />
nutzen? Welche Rolle spielt das Internet für deine Parteiarbeit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen:</b><br />
Das Internet hat schon heute die Arbeit der Parteien stark verändert.<br />
Wir Jusos waren in der SPD mit die ersten, die ein Großteil ihrer<br />
Kommunikation nach außen und nach innen über das Internet abgewickelt<br />
haben. Ich glaube nicht, dass dieser Prozess schon abgeschlossen ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>linke_offensive</b>:<br />
Hallo. Ich komme zwar etwas spät, mich hätte aber interessiert<br />
ob die Jusos Ottmar Schreiner dabei unterstützen werden, wenn er<br />
gegen den Kompromiss stimmen will.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich teile die Kritikpunkte von Ottmar Schreiner in der Sache, aber letztlich<br />
muss jeder Abgeordnete selber entscheiden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Eine Nachfrage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Holger Israel:</b><br />
Was meinst Du mit &quot;Grundwerte anpassen?&quot;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Die Grundwerte bleiben unverändert, aber die Bedingungen, unter denen<br />
wir Politik machen, haben sich seit 140 Jahren immer wieder verändert.<br />
Das müssen wir berücksichtigen oder, wie Willy Brandt gesagt<br />
hat, &quot;auf der Höhe der Zeit sein&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
So, liebe User, noch zwei Minuten, noch zwei Fragen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Polo</b>:<br />
Gibt es häufig Treffen mit anderen Jugendorganisationen JU oder Jung-Liberalen<br />
etc.?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich habe gerade vor einigen Tagen mit den Vorsitzenden der anderen Jugendorganisationen<br />
ein Streitgespräch gehabt. Wir sehen uns recht häufig und es<br />
gibt über die Parteigrenzen hinweg in der Jugendpolitik auch einige<br />
Punkte, die wir gemeinsam vertreten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Und nun die unvermeidliche Abschlussfrage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>fragezeichen</b>:<br />
Niels, wie stellst du Dir deine politische Zukunft vor?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Ich rüttle an keinen Toren 🙂 Zunächst mal habe ich mit meiner<br />
Aufgabe als Juso-Vorsitzender genug zu tun, und die Arbeit macht mir trotz<br />
der manchmal unerfreulichen Nachrichten weiterhin viel Spaß.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Lieber Herr Annen, Liebe User, die Stunde ist um. Wir bedanken uns ganz<br />
herzlich für die konstruktive Diskussion und die vielen Fragen, die<br />
uns erreicht haben. Leider konnten wir bei weitem nicht alle an Herrn<br />
Annen weiterreichen. Herr Annen, Ihnen vielen Dank, dass Sie sich für<br />
die Nutzer von tagesschau.de, politik-digital.de, tagesspiegel.de und<br />
sueddeutsche.de Zeit genommen haben. Ihnen und allen Chat-Teilnehmern<br />
wünschen wir noch einen schönen Tag.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Annen</b>:<br />
Vielen Dank für die vielen Fragen. Es hat mir viel Spaß gemacht,<br />
und wer Weiteres über die Jusos wissen möchte, kann sich gerne<br />
über www.jusos.de an uns wenden. Tschüss und Frohe Weihnachten</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ich persönlich bin gegen jede Zensur im Internet.&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Dec 2003 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[UN-Weltinformationsgipfel in Genf]]></category>
		<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsfreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungsland]]></category>
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		<category><![CDATA[Jeanette Hofmann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/jhofmann.jpg" alt="Jeanette Hofmann" align="left" border="0" height="109" width="84" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Die</span><span style="color: #000000"> Expertin für 
die Zukunft des Internets und Mitglied der deutschen Regierungsdelegation 
beim UNO-Weltgipfel, Jeanette Hofman ist</span></b><span style="color: #000000"><b><b> 
am 11. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/jhofmann.jpg" alt="Jeanette Hofmann" align="left" border="0" height="109" width="84" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Die</span><span style="color: #000000"> Expertin für<br />
die Zukunft des Internets und Mitglied der deutschen Regierungsdelegation<br />
beim UNO-Weltgipfel, Jeanette Hofman ist</span></b><span style="color: #000000"><b><b><br />
am 11. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist<br />
ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute begrüßen<br />
wir live vom Paexpo Gelände in Genf die Wissenschaftlerin Jeanette<br />
Hofmann. Sie ist Mitglied der Regierungsdelegation auf diesem einzigen<br />
großen UN-Gipfel in diesem Jahr und wurde von den zivilgesellschaftlichen<br />
Gruppen nominiert. Es sieht so aus, als ob im Gewimmel von mehreren Tausend<br />
Menschen ein Computerplatz erkämpft werden konnte. Jeanette, bist<br />
Du bereit für den 60-Minuten-Chat mit unseren Usern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
ja</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Dann machen wir tacheles. Hier die erste Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>J. Knaak</b>:<br />
Könnten Sie die wichtigsten (vielleicht) drei Ziele des WSIS in wenigen<br />
Worten benennen und darüber sprechen, ob diese durch den Gipfel erreicht<br />
werden oder bereits wurden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Das erste Ziel besteht in der Verbindung von Informationsgesellschaft<br />
und der Verwirklichung der Menschenrechte – weltweit. Das zweite<br />
Ziel besteht aus meiner Sicht in der Erhaltung der public domain, sprich:<br />
der freien Zugänglichkeit von Wissen und Kulturgütern. Ein drittes<br />
Ziel besteht in dem Erhalt eines freien Internet. Natürlich gibt<br />
es noch viel mehr Ziele, die ich aber jetzt nicht alle einzeln aufführe.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Herbert_Kr</b>:<br />
Frau Hofmann, was erwarten sie von dem Gipfel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Unter anderem, dass Informations- oder Wissensgesellschaft als eine gesellschaftliche<br />
gestaltbare Entwicklung verstanden wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sebastian<br />
W. Lahn</b>: Halten Sie einen Gipfel dieser Größenordnung<br />
für angemessen und für sinnvoll (im Sinne von Lösungen<br />
und Ergebnissen) in bezug auf den Themenkomplex &quot;Informationsgesellschaft&quot;.<br />
Der Begriff umfasst doch mittlerweile eine solche Unmenge an Unterbegrifflichkeiten<br />
und Strukturen, wie sich auch in der Vielzahl thematisch unterschiedlicher<br />
Beiträge manifestiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Ja und nein, für diesen umfassenden Ansatz spricht, dass wir die<br />
Dinge im Zusammenhang sehen, also: den Zusammenhang zwischen informationeller<br />
Selbstbestimmung, Datenschutz und gemeinfreien Wissens, zum Beispiel.<br />
Es verhält sich ja mit diesen Themen in etwa so wie mit der Umweltpolitik<br />
in ihren frühen Tagen. Es dauert eine Weile, bis die Bezüge<br />
richtig klar werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lutz</b>:<br />
Gibt es jetzt während des Gipfels immer noch abschließende<br />
Verhandlungsrunden, oder sind nun alle Punkte zum Verabschieden der Einigungen<br />
geklärt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Seit vorgestern oder gestern sind alle Punkte geklärt. Die letzte<br />
offene Frage bezog sich auf den digital solidarity fund. Auch hier wurde<br />
ein schlechter Kompromiss gefunden. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zum Solidarity Fund kommen wir später noch einmal. <br />
Zunächst:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>JensSeelbach</b>:<br />
Frau Hofmann, welche Vorschläge bringt die Bundesregierung in Genf<br />
ein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Das ist eine gute Frage. Die Bundesregierung hat sich eher in die Abwehrfront<br />
eingereiht. Die Bundesregierung war zum Beispiel sehr gegen jede Form<br />
der finanziellen Verpflichtung. Auch hat man sich gegen Zugeständnisse<br />
bei der Nutzung geschützten Wissens ausgesprochen. In den meisten<br />
Fragen hat man sich jedoch hinter der EU versteckt. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Sie sind ja nicht Regierungsvertreterin, sondern Teil der Zivilgesellschaft<br />
in der Regierungsdelegation. Hier die Frage von Hendrik dazu:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hendrik</b>:<br />
Welchen Stellenwert genießen die zivilgesellschaftlichen Vertreter<br />
im Moment, da der Gipfel im vollen Gange ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Das frage ich mich ehrlich gesagt auch. Während der Vorbereitungskonferenzen<br />
war die Zusammenarbeit zwischen Regierung und zivilgesellschaftlichen<br />
Gruppen sehr eng. Jetzt ist der Kommunikationsfluss weitgehend ins Stocken<br />
geraten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sebastian<br />
W. Lahn</b>: Gibt es eine Konfliktlinie innerhalb der Zivilgesellschaft?<br />
Wenn ja, wo, bzw. zwischen wem verläuft sie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Es gibt schon ein paar. Man muss ja auch bedenken, dass die zivilgesellschaftlichen<br />
Gruppen aus allen Teilen der Welt kommen und daher sehr bunt zusammengesetzt<br />
sind. In der zivilgesellschaftlichen Deklaration gibt es etwa einen Passus,<br />
dass indigene Völker das Recht haben sollen, ihr Wissen und ihre<br />
Verfahren rechtlich zu schützen. Damit sind viele Gruppen nicht einverstanden.<br />
Man muss jedoch sehen, dass die Zusammensetzung der zivilgesellschaftlichen<br />
Gruppen nicht ganz so heterogen wie die der Regierungen ist. Bei uns bestreitet<br />
niemand die Bedeutung der Menschenrechtsdeklaration, zum Beispiel.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zu den einzelnen Themen, auch wenn es angesichts der Masse an Themen schwierig<br />
ist, hier auszuwählen. Zunächst: Menschenrechte und Zensur&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sebastian<br />
W. Lahn</b>: Frau Hofmann, wird Tunis, Gastgeberland für den<br />
Folgegipfel 2005, das Recht auf Information als Menschrecht anerkennen,<br />
obwohl es einer totalitären Regierung unterliegt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Viele zivilgesellschaftliche Gruppen skandalisieren schon jetzt, dass<br />
der Folgegipfel überhaupt in einem solchen Land stattfinden soll.<br />
Immerhin werden dort Menschen wegen ihrer politischen Positionen eingesperrt.<br />
Auf der anderen Seite ist nie auszuschließen, dass ein solcher Gipfel<br />
nicht doch auch zu einer Liberalisierung der Innenpolitik beiträgt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zwei Fragen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>J. Knaak</b>:<br />
Sollte das www reglementiert werden? Wie wird dies tatsächlich durch<br />
Länder wie China umgesetzt? Wie sieht in diesem Punkt die Verständigung<br />
zwischen den teilnehmenden Ländern aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zensur</b>:<br />
Stichwort Zensur: Wie funktioniert die Zensur beispielsweise in China.<br />
Wie können die chinesischen Behörden technisch dafür sorgen,<br />
dass ich nur Zugriff auf für das System &quot;ungefährliche<br />
Inhalte&quot; erhalte?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Das ist ja ein ganzes Bündel von Fragen! Ich persönlich bin<br />
gegen jede Zensur im Internet. China handhabt den Zugang zum Internet<br />
sehr restriktiv. Viele Websites sind von China aus nicht erreichbar. Die<br />
anderen Länder reagieren darauf mit unterschiedlichen Formen des<br />
Drucks. Für die EU war beispielsweise klar, dass sie einer Einschränkung<br />
oder Nicht-Erwähnung der Menschenrechte, wie China das verlangt hat,<br />
auf keinen Fall zustimmen werden. China zensiert, indem bestimmte IP Adressen<br />
gesperrt werden. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kosmo</b>:<br />
Wie kann das Internet an Verbreitung gewinnen, wenn viele Regierungen<br />
gar kein Interesse an Transparenz haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Das ist eine schwierige Frage. Tatsächlich kann man sehen, dass die<br />
hohen Zugangsgebühren in vielen Ländern verunmöglichen,<br />
dass mehr Menschen das Netz nutzen. Rückblickend wird man in 10 Jahren<br />
vielleicht sagen, dass hausgemachte Probleme die Durchsetzung des Internet<br />
verlangsamt, nicht aber wirklich verhindert haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>schinkel</b>:<br />
Gibt es diese Art von Zensur wie in China auch in anderen Ländern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
China ist das bekannteste Beispiel. Wir wissen aus Deutschland, dass manche<br />
Behörden auch hier Zensurgelüste haben. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Sie vergleichen China aber nicht mit Deutschland, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>schinkel:</b><br />
Was heißt das, Zensurgelüste?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Nein, ich kann schon noch zwischen Diktaturen und Demokratien unterscheiden.<br />
🙂 Zensurgelüste heißt, dass etwa ein Regierungspräsident<br />
in NRW versucht, die Blockierung von Websites durch Provider rechtlich<br />
durchzusetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch mal international gefragt:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kosmo</b>:<br />
Sind Informationsfreiheit und -zugang nicht abhängig von einer Demokratisierung<br />
(Stichwort: China?) vieler Entwicklungsländer? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Aus meiner Sicht ja. Deshalb ist ja auch die Verwirklichung der Menschenrechte<br />
von so großer Bedeutung. Ich bin auch der Meinung, dass Entwicklungshilfe<br />
im kommunikationstechnischen Bereich an die Bedingung der Durchsetzung<br />
von Meinungs- und Partizipationsfreiheit geknüpft werden sollte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>fred</b>:<br />
Die Daten werden genau so ungerecht um den Globus verteilt, wie dies bei<br />
Gütern und beim Wohlstand, den Lebensbedingungen, der Krankenversorgung<br />
und der Ausbildung der Fall ist. Ich bin eher pessimistisch was einen<br />
gerechten Zugang zu Informationen angeht. Wie sehen sie das?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Mit dem ersten Teil ihrer Aussage bin ich nicht einverstanden. Die Daten<br />
werden ja in erster Linie nicht verteilt, wir produzieren sie ja selbst!<br />
Es liegt also an uns, unser Wissen zugänglich zu machen. Auch würde<br />
ich behaupten, dass die Chancen einer gerechten Nutzung bei Informationsgütern<br />
viel besser sind als bei dinglichen Gütern. Es kostet ja nicht mehr,<br />
Wissen mehr Menschen zugänglich zu machen, weil Wissen sich nicht<br />
im gleichen Sinne verbraucht wie eine materielle Ressource.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>roger</b>:<br />
Hallo Frau Hofmann, wie sehen Sie die Chancen für die Entwicklungsländer?<br />
Ist der Vorsprung in Sachen Netzkommunikation der Industrieländer<br />
überhaupt noch aufzuholen (Ich meine jetzt nicht so Länder wie<br />
Indien)?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Ja, dieser Vorsprung ist aufzuholen, weil die Kosten für die Infrastrukturen<br />
stetig im Sinken begriffen sind. Das Problem ist lediglich, dass es in<br />
vielen Gegenden nicht einmal eine hinreichende Stromversorgung gibt, also<br />
die grundlegenden Infrastrukturen fehlen, auf dem digitale Netze dann<br />
aufsetzen könnten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Herbert_Kr</b>:<br />
Gibt es für die Entwicklungsländer nicht dringendere Probleme<br />
als die &quot;digitale Spaltung&quot;. Ich denke da zum Beispiel an AIDS,<br />
Trinkwasserversorgung, Handelsbarrieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Diese Entweder-Oder-Haltung scheint mir die falsche Herangehensweise.<br />
Hoffentlich ist es ja so, dass digitale Infrastrukturen bei der Bewältigung<br />
dieser Probleme helfen, indem sie beispielsweise die Bedingung für<br />
die Versorgung der Menschen, die Erkennung und Behaltung von Krankheiten<br />
verbessern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>thalassa</b>:<br />
Hallo Frau Hofmann. Eben weil die Daten selbst produziert werden &#8211; sind<br />
sie nicht der Meinung dass auch ein Informationsdefizit in den meisten<br />
internationalen Organisationen besteht (Stiglitz) und dass es auch dadurch<br />
zu einer nicht gerechten Verteilung der Ressourcen kommt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Falls Sie auf die ökonomische Theorie anspielen, muss ich sagen,<br />
dass mir der Begriff des Informationsdefizits als sehr unpolitisch und<br />
technokratisch erscheint. Erstens haben wir es derzeit ja eher mit Informationsüberfluss<br />
in der westlichen Welt zu tun, es geht also eher darum, aus dem Datenfluss<br />
sinnvolle Informationen herauszufiltern und zu brauchbarem Wissen zu verknüpfen,<br />
zweitens lässt der Begriff des Informationsdefizits unberücksichtigt,<br />
dass wir uns oft ganz uneinig darüber sind, wie solche Informationen<br />
zu interpretieren und zu bewerten sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wir kommen zum nächsten Thema: Dem lieben Geld. Es wurde im Vorfeld<br />
die Idee eines Solidarity Funds geboren, der den Entwicklungsländern<br />
zu Gute kommen soll. Hierzu einige Fragen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lutz</b>:<br />
Frau Hofmann, die Regierung der Bundesrepublik hat sich offiziell gegen<br />
einen Solidaritätsfond entschieden. Wie sieht das die Zivilgesellschaft?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Die Zivilgesellschaft moralisiert diesen Konflikt und stellt sich auf<br />
die Seite des Südens, die einen solchen Fond einklagen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Was soll eigentlich die Aufgabe dieses Fonds sein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lapi</b>:<br />
Wird es einen &quot;Digitalen Solidaritätsfond&quot; geben, was soll<br />
dieser bewirken und wer wird in diesen Fond einzahlen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Er soll dem Aufbau digitaler Infrastrukturen zum einen und dem sogenannten<br />
Capacity Buildung zum anderen dienen. Bei letzterem handelt es sich um<br />
Ausbildung und verwandte Formen der Kompetenzbildung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>j.kaufmann</b>:<br />
Guten Tag Frau Hofmann. Welche Rolle spielen die Finanzen beim Zugang<br />
zu Information und Daten in den Entwicklungsländern? Die können<br />
das doch schon finanziell nie schaffen, auf ein ähnlich starkes Niveau<br />
zukommen wie etwa Schwellenländer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Ich bin mir da nicht so sicher, ob es tatsächlich allein um Finanzierung<br />
geht. Häufig versickern Finanzierungshilfen auch oder werden ineffizient<br />
genutzt, weil die Entscheidungsstrukturen intransparent sind oder die<br />
gesellschaftlichen Eliten die Mittel einsacken. Die effiziente Verwendung<br />
der Mittel setzt voraus, dass gesellschaftliche Entscheidungsstrukturen<br />
halbwegs demokratisch berechenbar arbeiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>wellhofen</b>:<br />
Wie groß sollte denn dieser Solidaritätsfond sein? Also wie<br />
viel Geld müsste da hineinfließen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Keine Ahnung. Kann sein, dass hier Zahlen genannt wurden. Ich habe keine<br />
gesehen. Auch die Verwaltung ist unklar.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>nonliner</b>:<br />
Muss das Internet für die User nicht viel billiger werden, damit<br />
mehr Menschen online sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Ja, ja, ja! Das sieht man schon deutlich daran, dass in Deutschland vergleichsweise<br />
wenige Menschen Zugang zum Netz haben verglichen mit unseren Nachbarländern<br />
in Skandinavien, Holland oder der Schweiz. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Nächster Themenkomplex, zu dem einige Fragen hier aufgelaufen sind:<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>George</b>:<br />
Wie stark ist die Internetüberwachung auch bei uns ausgeprägt-<br />
Stichwort 11. September?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Die Provider sind in Deutschland gehalten, die Verbindungsdaten der Nutzer<br />
über ein halbes Jahr zu speichern. Die Telekom hat das aber auch<br />
vor dem 11.9. schon so gehandhabt &#8211; wegen ihrer Rechnungslegung. Mit Überwachung<br />
kenne ich mich nicht gut aus.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bremen2</b>:<br />
Wie lassen sich freier Informationsaustausch, informationelle Selbstbestimmung<br />
etc. in den Netzen anlässlich einer Bedrohung durch den Terrorismus<br />
noch aufrechterhalten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Gute Frage. Für mich sind das die Kernpunkte der Demokratieentwicklung.<br />
Aus meiner Sicht ist die Demokratie keine fixierte Staatsform, sondern<br />
ein dynamisches Gebilde, das sich fortwährend weiterentwickelt und<br />
der täglichen Verteidigung durch die Bürger bedarf. Im Netz<br />
wird das derzeit besonders deutlich. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bill-gates-schafft-uns-alle</b>:<br />
Thema Sicherheit: spielt das auf dem Gipfel eine Rolle &#8211; ich habe das<br />
Gefühl, die letzten Virusattacken sind schon wieder in Vergessenheit<br />
geraten und in der Zeitung lese ich, dass diese Sachen dem Mittelstand<br />
richtig Probleme machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Das Thema Sicherheit spielt hier eine große Rolle. Im Vorfeld des<br />
Gipfels während der Erstellung der Deklaration gab es einen großen<br />
Streit zwischen Russland und den europäischen Ländern um die<br />
Frage, ob Sicherheit im Netz auch militärtechnisch gefasst werden<br />
soll. Ein Stichwort in diesem Zusammenhang sind cyber wars.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Dazu passt diese Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>maili</b>:<br />
Bisher galt das Internet als freies Medium. Doch die Zensoren sind längst<br />
auch im WWW aktiv: Missliebige Seiten werden blockiert, Web-Journalisten<br />
verhaftet, Provider abgeschaltet. Gleichzeitig nutzen immer mehr Regierungen<br />
das Internet als Propagandamedium. Muss darüber nicht stärker<br />
aufgeklärt werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann:</b><br />
Bitte, fangen Sie an. Am besten noch heute! Im Ernst, wer wenn nicht wir<br />
selbst sollte diese Aufgabe übernehmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>spamer</b>:<br />
Spam-Mails sind in Deutschland verboten. Was kann der Gesetzgeber gegen<br />
den elektronischen Müll machen. In den USA wird jetzt mit einer Gefängnisstrafe<br />
bis zu fünf Jahren gedroht &#8211; wird Deutschland nachziehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Deutschland wird die EU Richtlinie umsetzen, nicht mehr und nicht weniger<br />
– würde ich tippen. Aus meiner Sicht müssen die Provider<br />
hier selbst stärker zur Verantwortung gezogen werden. Ansonsten empfehle<br />
ich Selbsthilfe. Spam Assassin ist wirklich eine große Hilfe.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Der Delegationsleiter der deutschen Regierungsdelegation heißt &#8211;<br />
Rezzo Schlauch. Hierzu einige Fragen:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hendrik</b>:<br />
Bis auf Finnland hat kein EU-Land seinen Staatschef nach Genf zum UN-Gipfel<br />
geschickt. Für die Bundesrepublik ist Rezzo Schlauch statt des Kanzlers<br />
nach Genf gekommen. Haben die EU-Länder Angst vor Konfrontationen<br />
und schicken deshalb Repräsentanten aus der zweiten Reihe?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Das Problem ist eher, dass der Gipfel in Deutschland nicht besonders ernst<br />
genommen wird. Weil er nicht ernst genommen wird, schickt man eben nur<br />
die dritte Reihe, was dann dazu führt, dass auch die Presse ihn nicht<br />
ernst nimmt. Im Ergebnis wird die Chance verpasst, den globalen Charakter<br />
der Wissensgesellschaft mitsamt ihren Problemen und Gestaltungsfragen<br />
öffentlich so zu präsentieren, dass alle Bürger davon hören<br />
und selbst darüber nachdenken.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>lutz</b>:<br />
Rezzo Schlauch hat heute gesagt, dass die Vorbereitungen zum Gipfel nicht<br />
zufriedenstellend gelaufen seien und dass das allerseits bekannt sei.<br />
Ist der Verlauf und das bisherige Resultat des Gipfels wirklich so schlimm?<br />
Immerhin durfte die Zivilgesellschaft dabei sein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
(Offenbar ein sehr informierter Zeitgenosse)</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Der Erfolg des Gipfels bemisst sich ja nicht allein an prozeduralen Fragen,<br />
also daran, wer nun mitmachen darf und wer nicht. Es geht auch darum,<br />
was im Abschlusstext steht. Und hier haben die zivilgesellschaftlichen<br />
Gruppen zu Recht einen Mangel an Vision beklagt und der fehlenden Berücksichtigung<br />
zivilgesellschaftlicher Positionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>walter l</b>.:<br />
Hallo Frau Hofmann, haben Sie den Eindruck, dass die deutsche Regierung<br />
schon richtig begriffen hat, wie wichtig das Internet ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann:</b><br />
Ja, das glaube ich schon. Allerdings ist es natürlich schwierig,<br />
über „die“ Regierung zu sprechen. Immerhin setzt die<br />
sich ja auch aus mehreren Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen und<br />
Interessen zusammen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Im Vorgriff auf den Folgegipfel in Tunis: Was sind die Forderungen der<br />
Zivilgesellschaft an die Bundesregierung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Zum einen soll die Bundesregierung natürlich die Zusammenarbeit mit<br />
uns verstärken. Zum anderen wünschen wir uns, dass wir nicht<br />
nur angehört werden, sondern unsere Positionen auch einen Niederschlag<br />
finden. Drittens wäre es sehr nett, wenn der internationale Charakter<br />
der Wissensgesellschaft sowie die politischen Gestaltungsfragen, die sich<br />
daraus ergeben, ein wenig mehr Beachtung finden würden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sebastian<br />
W. Lahn</b>: Im Gipfelplenum hält ein Regierungsvertreter nach<br />
dem anderen eine Rede. Hat das politische Bedeutung, oder ist das alles<br />
nur noch Show und die entscheidenden Beschlüsse des Gipfels sind<br />
längst gelaufen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Letzteres.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie ist eigentlich die Stimmung auf dem Gipfel. Ich stelle mir das sehr<br />
wuselig und international vor &#8211; oder sind das nur die üblichen Verdächtigen<br />
und Spezialisten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Es ist ein großes Durcheinander, ein unerträglich hoher Geräuschpegel<br />
und sehr viel Kommunikationsstörung. Was zum Beispiel geradezu skandalös<br />
ist, ist der Mangel an Druckern und W-Lan. Wir müssen ja hier richtig<br />
Geld zahlen, um wireless ans Netz zu gehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Sollte man ja eigentlich genau das Gegenteil erwarten. Auch eine Frage<br />
der Finanzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Ja, die Veranstalter haben möglicherweise die symbolische Dimension<br />
eines Informationsgipfels nicht wirklich verstanden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Und: Kann man so etwas über Wirtschaftssponsoren abfedern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Das war die ursprüngliche Idee der ITU, hat aber wohl nicht ganz<br />
so geklappt, wie man sich das vorgestellt hat. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Politik-Interessierte, vielen Dank für das Interesse und die<br />
zahlreichen Fragen. Herzlichen Dank, Jeanette Hofmann, dass Sie sich die<br />
Stunde Zeit genommen haben. Das Transkript dieses Chats finden Sie wie<br />
alle anderen auch auf den Seiten der Veranstalter von tacheles.02. tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und sueddeutsche.de. Das tacheles.02-Team wünscht<br />
allen noch einen schönen Tag.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jeanette Hofmann</b>:<br />
Ich wünsche Ihnen auch einen schönen Tag!</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Ein kostenfreies Erststudium kann immer nur ein Recht für eine begrenzte Zeit sein.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotein_kostenfreies_erststudium_kann_immer_nur_ein_recht_fuer_eine_begrenzte_zeit_seinquot-264/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschule]]></category>
		<category><![CDATA[Edelgard Bulmahn]]></category>
		<category><![CDATA[Studiengebühr]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungspolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ebulmahn_neu2.jpg" alt="Edelgard Bulmahn" align="left" border="0" height="107" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000"> Die Bundesbildungsministerin ist </span></b><span style="color: #000000"><b><b> 
am 10. Dezember 2003 zu Gast im </b></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02-Chat 
von tagesschau.de und poltik-digital.de.</b></span></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ebulmahn_neu2.jpg" alt="Edelgard Bulmahn" align="left" border="0" height="107" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000"> Die Bundesbildungsministerin ist </span></b><span style="color: #000000"><b><b><br />
am 10. Dezember 2003 zu Gast im </b></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tacheles.02-Chat<br />
von tagesschau.de und poltik-digital.de.</b></span></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02<br />
ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute begrüßen<br />
wir Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn im ARD-Hauptstadtstudio.<br />
Frau Bulmahn, sind Sie bereit für den 60-Minuten-Chat mit unseren<br />
Usern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie fühlt man sich als Bundesbildungsministerin, wenn der wichtigste<br />
Rohstoff Deutschlands, die Bildung, sprichwörtlich baden geht oder<br />
sich die Bildungselite als Hausbesetzer profiliert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Wenn die Bildungselite für ihre Rechte eintritt, dann halte ich das<br />
für gut. Das Baden ist nicht das Problem, aber die Bildung muss oben<br />
schwimmen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>musterstudi</b>:<br />
Wie sollen die Studienplätze finanziert werden, wenn auf Studiengebühren<br />
verzichtet werden soll?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Die Hochschulen generell, und damit die Studienplätze werden durch<br />
Steuermittel finanziert und dadurch von uns allen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julius Knaak</b>:<br />
Sind da Studiengebühren, die ausdrücklich der Verbesserung der<br />
Lehre und Forschung dienen sollen, nicht schon längst zwingende Maßnahme.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Keine Bildungsministerin hat die rechtlichen Möglichkeiten dies zu<br />
verhindern. Ich bin der Auffassung dass das Erststudium Studiengebührenfrei<br />
bleiben sollte (in einer angemessenen Zeit). Wir geben im Übrigen<br />
in Deutschland pro Studierenden in der OECD nach der Schweiz am meisten<br />
aus. Deshalb müssen wir die Mittel besser einsetzen. Sonst werden<br />
sich die Studienbedingungen auch bei mehr Geld nicht verbessern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Müsste nicht vielmehr der Anteil der Hochschulausgaben an der Wirtschaftsleistung<br />
gemessen werden? Und da liegt Deutschland mit 1,0 Prozent deutlich unter<br />
dem Durchschnitt der Industriestaaten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Wir geben insgesamt rund 9% unseres Bruttosozialproduktes für Bildung<br />
aus. Damit liegen wir etwas unterhalb des Durchschnittes, aber bei den<br />
Ausgaben pro Studienplatz liegen wir im OECD-Vergleich an zweiter Stelle.<br />
Leider wissen das die wenigsten und kümmern sich auch nicht um die<br />
Frage, wie man die Mittel sinnvoller und besser einsetzen kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Besser wie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>student</b>:<br />
Glauben Sie, dass die Bildung in besseren Händen wäre, wenn<br />
sich der Bund darum kümmern würde?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Wir kürzen unsere Ausgaben für Studierende nicht, sondern wir<br />
haben sie in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Für die<br />
Hochschulen insgesamt haben wir ein Plus von 23% erreicht. Das spricht<br />
für sich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Konstruktiver Vorschlag, denn die Probleme sind offensichtlich:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>kassenwart</b>:<br />
Wäre es nicht an der Zeit für einen Deal: Es gibt Studiengebühren,<br />
aber dafür garantieren die Länder oder der Bund auch, dass die<br />
Hochschulen das nötige Geld bekommen. Was heute ja wohl heißt,<br />
keine Gelder streichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Genau das kann keine Ministerin garantieren. Weil das Parlament über<br />
das Geld entscheidet. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber Sie haben das Gebührenverbot durchgesetzt, das jetzt unter Beschuss<br />
steht. Kritiker sagen, damit würden nur sinnlose Systeme wir Gebühren<br />
für Langzeitstudenten unterstützt. Die aber bringen wenig Geld<br />
und trotzdem verstärkten sie den Anreiz für Unis, ihre Zahlmeister<br />
noch länger an der Uni zu halten? <img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/bulmahn_ard.jpg" alt="Edelgard Bulmahn" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ein kostenfreies Erststudium kann immer nur ein Recht für eine begrenzte<br />
Zeit sein. Jemand, der mit dieser Zeit nicht verantwortungsvoll umgeht,<br />
kann meines Erachtens auch zu Gebühren herangezogen werden. An diejenigen,<br />
die Gebühren fordern, stelle ich die Frage: &quot;Welches Land hat<br />
bisher ein Stipendienprogramm bereits beschlossen? Der Bund wird diese<br />
Kosten nicht übernehmen können und dürfen. Welche Hochschule<br />
hat bereits Mittel eingestellt für die Finanzierung der Studiengebühren<br />
für Studierende von einkommensschwächeren Studierenden? Wie<br />
will man erreichen, dass keine unerwünschte Studienwahllenkung erfolgt,<br />
z.B. sind Ingenieurstudiengänge, naturwissenschaftliche Studiengänge<br />
um ein vielfaches teurer als ein Sprachenstudium. Deshalb kann man nicht<br />
von allen gleiche Studiengebühren verlangen. Wir brauchen zurzeit<br />
aber gerade Studierende, die sich für diese naturwissenschaftlichen/ingenieurwissenschaftlichen<br />
Studiengänge entscheiden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Viele Fragen, wir versuchen Antworten zu finden:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>u_klose</b>:<br />
Wie könnte eine zukünftige Kompetenzverteilung zwischen Bund<br />
und Ländern in Sachen Hochschulpolitik aussehen, wenn Bildung immer<br />
mehr zur &quot;nationalen Aufgabe&quot; wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Indem zum einen die Hochschulen selbst sehr viel mehr Entscheidungshoheit<br />
erhalten und damit eine größere Autonomie erhalten und die<br />
Hochschulförderung viel stärker im Wettbewerb geschieht, z.B.<br />
nach den Leistungen in der Lehre und der Forschung. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Norbert Koch</b>:<br />
Mehrere Eckpunkte der Bildungsreform wie Abschaffung der Habilitation,<br />
Einführung der Juniorprofessur, und Einführung von Bachelor-Abschlüssen<br />
stoßen bei den Universitäten auf heftige und begründete<br />
Kritik. Wie sollen Reformen gegen die Universitäten durchgeführt<br />
werden? Die Argumente der Universitäten werden durch die Politik<br />
nicht berücksichtigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Die Argumente der Wissenschaftler und Professoren werden berücksichtigt<br />
denn die Juniorprofessur ist ein Vorschlag maßgeblicher international<br />
anerkannter Wissenschaftler, den ich aufgegriffen habe, um damit jungen<br />
Wissenschaftlern vergleichbare Arbeitsbedingungen zu bieten wie sie sie<br />
im Ausland vorfinden. Wir können natürlich auch glauben, als<br />
letztes Land weltweit auf die frühe Eigenständigkeit von jungen<br />
Wissenschaftlern verzichten zu können. Ich glaube dieses nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Studifrust</b>:<br />
Immer mehr Studenten versuchen über ein Auslandsstudium das zu finden,<br />
was sie in Deutschland nicht mehr bekommen: Qualität in der Ausbildung<br />
und Perspektiven. Deutsche Studenten genießen in den USA immer noch<br />
ein hohes Ansehen. Viele kommen nach dem Auslandsjahr gar nicht mehr wieder.<br />
Was unternehmen Sie gegen diese Abwanderung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich kann jedem Studierenden nur raten, nach Möglichkeit zumindest<br />
ein Jahr oder ein Semester im Ausland zu studieren. Deshalb ist Auslandsstudium<br />
per se kein Nachteil, sondern etwas Positives. Das der Anteil der ausländischen<br />
Studierenden in Deutschland in den letzten drei Jahren ebenfalls gestiegen<br />
ist, so dass wir in den guten Hochschulen inzwischen einen Anteil von<br />
25 bis 28 Prozent haben, halte ich für eine gute Entwicklung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>franz</b>:<br />
Welches Land hat Ihrer Ansicht nach ein gutes Bildungssystem. Können<br />
wir davon lernen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Meiner Ansicht nach haben die skandinavischen Länder ein gutes Bildungssystem.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Kritiker von Studiengebühren verweisen gerne auf Nordeuropa,<br />
wo das Studium nichts kostet. Doch um skandinavische Verhältnisse<br />
zu bekommen, müsste Ihr Ministerium viel mehr Geld ausgeben. Wie<br />
erklären Sie das vor dem Hintergrund leerer Kassen?<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/bulmahn_ard1.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
In Deutschland wird Bildung durch die Länder und den Bund finanziert.<br />
Deshalb muss man dann die Summen gemeinsam für einen Vergleich heranziehen.<br />
Noch einmal ausdrücklich: Es geht kein Weg daran vorbei. Wir haben<br />
das große Problem, dass es uns offenbar nicht gelungen ist, die<br />
Mittel, die wir einsetzen, optimal einzusetzen. Einer der Gründe<br />
liegt darin, dass es noch immer keine leistungsbezogene Bezahlung von<br />
Hochschulen gibt, dass es bisher kein umfassendes Benchmarking der Hochschulen<br />
gab, dass Lehre bisher an den Hochschulen nicht regelmäßig<br />
evaluiert wurde und damit auch nicht den entsprechenden Stellenwert hatte.<br />
Ich hoffe, dass sich dieses zügig ändern wird, z.B. durch die<br />
im Bundesgesetz bereits vollzogene Änderung der Professorenbesoldung<br />
(leistungsbezogen), durch ein systematisches Benchmarking, für das<br />
der Wissenschaftsrat in Kürze einen Vorschlag vorlegen wird und auch<br />
durch eine klare Prioritätensetzung der Länder für Bildung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>u_klose</b>:<br />
Wie kann man die finanzielle Situation der Studierenden verbessern, damit<br />
es durch Nebentätigkeiten nicht zu überlangen Studienzeiten<br />
kommt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Wir haben die finanzielle Situation für Studierende aus einkommensschwachen<br />
Familien deutlich verbessert durch die BAföG-Reform.<br />
Wir haben aber ganz sicher nicht die finanziellen Ressourcen, um für<br />
jeden Studierenden,<br />
unabhängig von der persönlichen finanziellen Situation, Stipendien<br />
anbieten zu können.<br />
Und die Banken sind sicher auch nicht bereit, ohne entsprechende Sicherheiten<br />
Kredite anzubieten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jtm</b>:<br />
Bezüglich der Studiengebühren. Ich halte den Vorschlag der Grünen<br />
einer rückwirkenden Finanzierung ähnlich dem BAföG-Modell<br />
für sehr sinnvoll. Dieses könnte man nach dem Studium je nach<br />
wirtschaftlicher Lage erheben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ein rückfinanzierendes Modell hilft den Hochschulen erst in ca. 10<br />
Jahren, denn vorher würden keine Mittel zurückfließen.<br />
Zumindest nicht in nennenswerter Weise. Im übrigen sprechen wir in<br />
der Realität auch nicht von Studiengebühren von 100 Euro, sondern<br />
von 2000 bis 5000 Euro. Das sind die realistischen Zahlen. Australien,<br />
das immer als Modell für rücklaufende Studiengebühren genannt<br />
wird, hat sich zum großen Teil von diesem Modell verabschiedet,<br />
weil man sich jetzt auf 50% der Studienplätze sofort einkaufen kann<br />
mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Studierenden aus einkommensschwächeren<br />
Familien erheblich gesunken ist. Das sagt selbst das Bildungsministerium<br />
in Australien.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>esbleibtdabei</b>:<br />
Frau Bulmahn, es bleibt doch ein Dilemma: Es gibt in Deutschland zu wenig<br />
Geld für die Ausbildung. Das gilt ja auch für die Schulen. Wenn<br />
Leute in überfüllten Klassen und Hörsälen sitzen,<br />
dann ist einfach was nicht in Ordnung. Das kriegt man auch durch Evaluierungen<br />
nicht hin. Vielleicht sollte man einen Eurofighter weniger kaufen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Erstens müssen wir in Deutschland ganz sicherlich auf Dauer auch<br />
mehr in Bildung und Forschung investieren, auf allen Ebenen nicht nur<br />
auf Bundesebene, aber auch hier. Zweitens müssen wir die Mittel besser<br />
einsetzen, denn sonst ist es ein Zahlen in ein Fass ohne Boden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aus der Praxis:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>schokolade</b>:<br />
Ich studiere gerade in Trondheim/Norwegen und finde es beeindruckend,<br />
wie viel Geld hier in den Bildungssektor fließt. Ich kenne viele<br />
Deutsche die ihr Studium hier beenden möchten. Ich selbst spiele<br />
auch mit diesem Gedanken. Das ist ein Export von fähigen Menschen<br />
mit fatalen Folgen für Deutschland. Das sollte bei allen Kürzungen<br />
im Hochschulbereich beachtet werden! Die Einführung von Studiengebühren<br />
würde diesem Abwanderungsstrom noch Auftrieb geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich halte die Kürzungen wie sie jetzt von den Ländern durchgeführt<br />
werden für falsch. Gerade an den Personalkosten sollte nicht gespart<br />
werden. Hier sollte teilweise umgeschichtet werden, aber nicht gekürzt<br />
werden. Im Vergleich: Der Bund hat seine Hochschulausgaben zwischen 1988<br />
und 2003 um insgesamt 23,4 Prozent gesteigert, die Länder um 12,9<br />
Prozent. Der Bund wird auch in den kommenden Jahren seine Ausgaben für<br />
die Hochschulen nicht reduzieren. Wir werden uns aber auch darum bemühen,<br />
sie leistungsbezogener einzusetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tobias</b>:<br />
Liegen viele Probleme der deutschen Hochschulen im Vergleich zu anderen<br />
europäischen Ländern nicht schon am dreigliedrigen Schulsystem?<br />
Speziell bezogen auf Kinder aus &quot;bildungsferneren Schichten&quot;,<br />
denen durch unser Bildungssystem der Zugang zur Hochschulbildung unnötig<br />
erschwert werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Wir können durch die Hochschulausbildung sicher nicht alles rückgängig<br />
machen, was in den Schulen versäumt worden ist. Insofern haben Sie<br />
Recht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cloninger</b>:<br />
Bietet die Regierung den Universitäten &#8211; die vor Kürzungen stehen<br />
&#8211; aktive Hilfe an, um diese doch noch abwenden zu können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Cloninger, wir haben ein föderales System!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Norbert Koch</b>:<br />
Norbert Koch: Bei der Einführung von Bachelor-Studiengängen<br />
werden die besseren Studenten nach ihrem Abschluss ins Ausland gehen und<br />
dort promovieren. In Deutschland müssen sie zuerst den Master machen,<br />
bevor sie promovieren können. Das ist ein echter Standortnachteil.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Man kann natürlich im Ausland ein PhD Studium machen, so wie man<br />
das in Deutschland im Rahmen von Modellprojekten auch entwickelt worden<br />
ist. Ansonsten benötigt man auch im Ausland einen Master, bevor man<br />
einen PhD machen kann. Man kann aber natürlich bereits im Masterstudium<br />
mit seiner Dissertation beginnen. Das ist auch in Deutschland möglich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Arno:</b><br />
Ein Problem unseres Bildungssystems ist doch die Frage der Zuständigkeiten.<br />
Einerseits ist hohe Eigenverantwortung der einzelnen Einheiten gewünscht,<br />
andererseits führt es zu den Unterschieden zwischen den Bundesländern<br />
und noch mehr innerhalb der EU. Wäre es da nicht sinnvoll, die kleinste,<br />
überschaubare Ebene, ob Uni oder Schule, entscheidet und bestimmt<br />
am striktesten, jede weitere höhere Ebene gibt jeweils weniger bestimmende<br />
&quot;Empfehlungen&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich plädiere ausdrücklich für eine hohe Eigenständigkeit<br />
der Bildungseinrichtung selbst. Was generell geregelt werden muss, ist<br />
z.B. die Frage der Abschlüsse, des Hochschulzugangs, sind z.B. dienstrechtliche<br />
Fragen und ist die Frage, wie man Transparenz und Durchlässigkeit<br />
gewährleisten kann. Das sind im übrigen auch die zentralen Fragen,<br />
auf die sich die 40 europäischen Bildungsminister in Berlin in diesem<br />
Jahr in der Bologna-Vereinbarung geeinigt haben. Stichworte sind z.B.<br />
Bachelor- und Master-Studiengänge und Promotionsstudiengänge.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Goethe</b>:<br />
Wie kann der Bund die zaghaften Bestrebungen der Länder mehr Lehrer<br />
einzustellen unterstützen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Leider gar nicht. Es gibt keine Rahmenzuständigkeit des Bundes für<br />
Schulen. Wir unterstützen die Länder aber im Rahmen unseres<br />
Ganztagsschulprogramms mit vier Milliarden Euro, um eine Qualitätsverbesserung<br />
des Unterrichts zu erreichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gonzalez</b>:<br />
Wie ernst nehmen Sie eigentlich den Protest der Studenten. Sie kriegen<br />
es hier in Berlin ja mit. Hoffen auf Weihnachten und dass dann alles vorbei<br />
ist, weil die Studis sich im Januar eh´ nicht mehr in die Kälte<br />
stellen wollen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich nehme den Protest der Studierenden sehr ernst, weil ich persönlich<br />
davon überzeugt bin, dass die Studienbedingungen dringend verbessert<br />
werden müssen.<br />
Zu einer Verbesserung der Studienbedingungen gehört z.B. eine klare<br />
Struktur der Studiengänge eine gute systematische Studienberatung<br />
&#8211; nicht nur zu Beginn des Studiums, sondern kontinuierlich. Dazu gehört,<br />
dass ein Prof. nicht nur eine Stunde in der Woche für seine Studierenden<br />
anzusprechen ist, sondern jeden Tag. Dazu gehört z.B. die Möglichkeit,<br />
in den Semesterferien Prüfungen nachzuholen, dazu gehört z.B.<br />
eine frühzeitige Beratung über zukünftige Berufsmöglichkeiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>karsten</b>:<br />
Denken Sie daran, den Beamtenstatus der Professoren irgendwann einmal<br />
abzuschaffen oder zumindest deren Arbeit transparenter und sanktionierbarer<br />
zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Die Länder können jetzt schon entscheiden, ob sie Professoren<br />
als Angestellte oder Beamte beschäftigen. Im Bundesgesetz habe ich<br />
im Jahre 2001 schon <br />
die Voraussetzung dafür geschaffen, dass in Zukunft die Lehr- und<br />
Forschungsleistung <br />
von Professoren evaluiert (damit transparent gemacht wird) und dass im<br />
Durchschnitt mindestens ein Drittel des Gehaltes leistungsbezogen gezahlt<br />
werden sollte. Leider haben bei weitem noch nicht alle Bundesländer<br />
dieses Bundesgesetz in Landesgesetze umgesetzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ChristianS</b>:<br />
Einige Ideen, die sie nennen sind ja nicht schlecht, aber wie viel Macht<br />
haben sie, diese gegen die Länder durchzusetzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Der Bund hat keinerlei Zuständigkeit für Personalausstattung<br />
der Hochschulen. Der kann in einem Rahmengesetz nur die bundesweit relevanten<br />
Eckpunkte festlegen und durch (wie z.B. die Einführung der Bachelor-<br />
und Master-Studiengänge oder die Junior Professuren) und er kann<br />
durch Programme wünschenswerte Entwicklungen in Gang setzen, z.B.<br />
durch Nachwuchsförderungsprogramme, das BAföG oder das Hochschulentwicklungsprogramm<br />
zur Internationalisierung der Hochschulen / Nutzung der neuen Medien.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das heißt doch auch, das Nord-Süd-Arm-Reich-Gefälle in<br />
der Bundesrepublik bei den Unis wird sich immer mehr verschärfen.<br />
Weil einige Länder &#8211; wie Berlin &#8211; haben ja nun wirklich kein Geld.<br />
Zum Studieren also ab nach Bayern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Jeder Student sollte selbst entscheiden können, an welcher Uni in<br />
welcher Stadt er studiert. Die Überlegungen mancher Länderminister<br />
nur Studienplätze für Menschen eigener Bundesländer anzubieten,<br />
halte ich im Zeitalter der Globalisierung für überholt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Deutschland hat im internationalen Vergleich immer noch zu wenig Studierende.<br />
Das wurde von der OECD gerügt, nun wurde die Zahl der Studenten gesteigert.<br />
Wie aber will Deutschland immer mehr Studenten ausbilden, ohne dafür<br />
die richtigen Strukturen bereitzustellen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich habe ja vorhin bereits auf einige notwendige strukturelle Veränderungen<br />
hingewiesen, deren Schaffung ich ja mit meinem Programm unterstütze.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>abrafax:</b><br />
Als Vater einer 7jährigen Tochter frage ich Sie, wann es endlich<br />
ein einheitliches Schulsystem geben wird, wie wir es als gelernte DDR-Bürger<br />
gewöhnt waren. Und wann wird die Gewichtung der Bildung wieder mehr<br />
auf die Naturwissenschaften gelegt, damit der Nachwuchs lernt, was er<br />
fürs Leben braucht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich plädiere seit langem dafür, dass die Naturwissenschaften<br />
in der Schule wieder eine größere Rolle spielen, nicht als<br />
abstrakte Wissenschaft, sondern als notwendiges Wissen, was wir im Alltag<br />
brauchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>weitweg</b>:<br />
Wir haben 50 Minuten über die Hochschule gesprochen. Ich würde<br />
gerne eine Frage zu den geplanten Bildungsstandards stellen: Wird es eine<br />
standardisierte Erhebung, wie es sie in den USA seit 40 Jahren gibt, in<br />
Zukunft Deutschland geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Ich hoffe das. Das Jahr der Technik (2004) wird ganz sicherlich auch dazu<br />
beitragen. (www.jahr-der-technik.de) Es wird in Deutschland ganz sicherlich<br />
in Zukunft Erhebungen geben, wie wir sie im Rahmen der Pisa-Studie durchgeführt<br />
haben. Diese Erhebungen haben eine sehr hohe Aussagekraft. Sie zeigen<br />
uns sehr deutlich, wo wir stehen.<br />
Ich versuche in den Verhandlungen mit den Ländern durchzusetzen,<br />
dass wir in Zukunft eine regelmäßige nationale Bildungsberichterstattung<br />
haben, die uns eine genaue Kenntnis der Stärken und Schwächen<br />
dann ermöglicht. Um dann auf der Basis dieses gesicherten Wissens<br />
unser Bildungssystem zu verbessern. Leider werden viel zu viele unserer<br />
bildungspolitischen Debatten auf Basis von Meinungen geführt und<br />
nicht auf der Basis solider empirischer Fakten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>schokolade</b>:<br />
Frau Bulmahn, ihr guter Wille ist eindeutig zu erkennen &#8211; haben sie schon<br />
einmal den Finanzminister gefragt, wie er sich die Zukunft der deutschen<br />
Wissenschaft und damit die Zukünftige Quelle für Innovation<br />
und Neuentwicklungen in Deutschland vorstellt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Nicht nur einmal, darüber sprechen wir regelmäßig und<br />
manchmal streiten wir uns auch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Stunde ist vorbei. Vielen Dank an alle für ihr Interesse und<br />
die zahlreichen Fragen. Es ist leider Vieles noch unbeantwortet geblieben.<br />
Dank an Sie, Frau Bulmahn. Das Transkript dieses Chats und aller anderen<br />
finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter der Chat-Reihe tacheles.02.<br />
Morgen chatten wir mit Jeanette Hofmann live vom UN-Informationsgipfel.<br />
Wir wünschen allen noch einen angenehmen Tag.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edelgard Bulmahn</b>:<br />
Tschüss, ich bedanke mich und hoffe, das ich weiterhin so viel Unterstützung<br />
für Bildung und Forschung haben werde.</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotein_kostenfreies_erststudium_kann_immer_nur_ein_recht_fuer_eine_begrenzte_zeit_seinquot-264/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Welt wird immer komplizierter, deswegen muss das Recht immer einfacher werden.&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_welt_wird_immer_komplizierter_deswegen_muss_das_recht_immer_einfacher_werdenquot-265/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Kirchhof]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerrecht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/pkirchhof%20copy.jpg" alt="Paul Kirchhof" align="left" border="0" height="116" width="82" /> 
</b> <b><span style="color: #000000">Der Experte für radikale Steuerreformen, 
Professor an der Universität Heidelberg und Ex-Verfassungsrichter</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
Paul Kirchhof ist am 9. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/pkirchhof%20copy.jpg" alt="Paul Kirchhof" align="left" border="0" height="116" width="82" /><br />
</b> <b><span style="color: #000000">Der Experte für radikale Steuerreformen,<br />
Professor an der Universität Heidelberg und Ex-Verfassungsrichter</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
Paul Kirchhof ist am 9. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe SteuerzahlerInnen und Chat-Interessierte, herzlich willkommen im<br />
tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de und<br />
von sueddeutsche.de. Heute ist Paul Kirchhof ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen, Experte für radikale Steuerreformen, Professor an der Universität<br />
Heidelberg und Ex-Verfassungsrichter. Können wir beginnen, Herr Kirchhof?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof:</b><br />
Jawohl</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Henry M</b>.:<br />
Die Deutschen schaffen es nicht einmal kleine Reformen in Gang zu bringen<br />
&#8211; warum sollte dann eine große Steuerreform funktionieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Deutschen haben vor 15 Jahren eine große Reform geschafft. Bei<br />
der Wiedervereinigung Deutschlands hat die Welt den Atem angehalten, weil<br />
es uns gelungen ist, zwei Staaten friedlich wieder zu vereinen. Seitdem<br />
sind wir etwas erschöpft, aber inzwischen haben wir uns erholt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julious Knaak</b>:<br />
Lässt sich diese Mega-Aufgabe überhaupt in einem einzigen großen<br />
Schritt umsetzen, oder geht das nur langfristig über viele einzelne<br />
Phasen? Werden die Menschen von so vielen Reformen nicht überfordert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Ich meine, wir sollten es &#8211; was die Steuerreform angeht &#8211; in einem großen<br />
Schritt tun, weil vor allem die Fülle von Subventions- und Ausnahmeregelungen<br />
abzubauen ist. Wer heute ein Steuerprivileg genießen kann, wird<br />
den Verlust dieses Privilegs nur hinnehmen, wenn er sicher ist, dass alle<br />
anderen ihre Privilegien auch hergeben müssen und das durch Subventionsabbau<br />
erreichbare Mehraufkommen an Steuererträgen insgesamt durch Absenkung<br />
der Steuersätze an die Allgemeinheit der Steuerpflichtigen zurückgegeben<br />
wird. Er verliert also sein Privileg, ist aber durch den niedrigeren Steuersatz<br />
begünstigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>logopäde</b>:<br />
Steuerprivilegien: Politiker setzen auf Rasenmäherkürzungen,<br />
da sie nicht glauben, einzelne Subventionen gegen die Lobbys abschaffen<br />
zu können. Ein gangbarer Weg?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Der sukzessive Abbau von Steuervergünstigungen wäre die zweitbeste<br />
Lösung, weil er zwar den Einstieg in ein vereinfachteres und privilegienfeindliches<br />
Steuerrecht bietet, der Vereinfachungseffekt aber gegenwärtig noch<br />
nicht spürbar ist, weil wir noch alle Ausnahmetatbestände weiterhin<br />
anwenden müssen.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard_kirchhof.jpg" alt="Paul Kirchhof" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>spd_leipzig</b>:<br />
Das Steuersystem in Deutschland ist zwar kompliziert, aber dafür<br />
gerecht &#8211; sehen Sie das nicht auch so? Die vielen Ausnahmen sind ja nicht<br />
über Nacht entstanden, sondern entwuchsen einer langen Rechtstradition.<br />
Jede Ausnahme konnte ja auch zum Zeitpunkt der Entstehung mal begründet<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Ich halte das Gegenteil für richtig. Jede Ausnahme ist grundsätzlich<br />
ein Privileg. Der verfassungsmäßige Gleichheitssatz wehrt sich<br />
gegen Sondertatbestände und Bevorzugungen, wenn der eine Steuerpflichtige<br />
in einem Ausnahmetatbestand weniger Steuern zahlen muss, hat dafür<br />
der andere entsprechend mehr zu bezahlen. Das ist ungerecht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das heißt bei Ihrem Modell: Keinerlei Ausnahmen, keine Eigenheimzulage,<br />
keine Pendlerpauschale etc?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Keine Ausnahmen keine Eigenheimzulage keine Pendlerpauschale, aber der<br />
Steuerpflichtige wird dadurch nicht schlechter gestellt, weil die Steuersätze<br />
entsprechend dem Subventionsabbau verringert werden. Ihn trifft also grundsätzlich<br />
die gleiche Steuerlast, unabhängig davon, ob er ein Haus baut, ob<br />
er pendelt oder in der Nacht arbeitet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Henry M</b>.:<br />
Die Welt wird immer komplizierter – da brauchen wir auch komplexe<br />
Steuergesetze. Wird ein einfaches Steuerrecht einer differenzierten sozialen<br />
Wirklichkeit gerecht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Welt wird immer komplizierter, deswegen muss das Recht immer einfacher<br />
werden. Je mehr Einzeltatbestände das Gesetz regelt, desto mehr kann<br />
der Steuerpflichtige diesem Einzeltatbestand durch Steuergestaltung ausweichen.<br />
Der Bürger gewinnt dann nicht das Gefühl, dass er Steuern zahlen<br />
muss, da er wirtschaftlich erfolgreich war, sonder dass er Steuern zahlen<br />
muss, da er sich steuertaktisch ungeschickt verhalten habe. Zu dem Ärger<br />
der Steuerzahlung tritt ein intellektueller Selbstvorwurf. Das ist unerträglich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ich glaube wir brauchen hier ein wenig Erklärung:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dk_man23</b>:<br />
Sie sprechen von Einzeltatbeständen &#8211; sehen Sie Steuerpflichtige<br />
als Verbrecher?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Tatbestand ist die gesetzliche Bezeichnung für den Grund, weswegen<br />
ein Steuerpflichtiger belastet wird. Ein Tatbestand ist das Einkommen,<br />
ein weiterer der Umsatz, ein weiterer die Erbschaft. Das alles sind schöne<br />
wirtschaftliche Erfolge &#8211; nicht vorwerfbare Verhalte.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard_kirchhof1.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch einmal zur Frage der Gerechtigkeit:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>glucomat</b>:<br />
Aber es gibt doch auch wirklich benachteiligte Steuerzahler, zum Beispiel<br />
Pendler oder Familien oder Kranke etc.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Wir werden bei der großen Steuerreform mit großer Deutlichkeit<br />
die besonderen Bedürfnisse der Familien zu berücksichtigen haben.<br />
Das Familienrecht verpflichtet die Eltern, ihre Kinder aus ihrem Einkommen<br />
zu unterhalten. Deswegen können die Eltern über diesen Anteil<br />
des Einkommens, der den Kindern gehört, nicht verfügen &#8211; auch<br />
nicht für Zwecke der Steuerzahlung verfügen. Dieser Einkommensteil<br />
darf deshalb bei der Besteuerung der Eltern nicht belastet werden. Das<br />
ist heute im Kinderfreibetrag grundsätzlich anerkannt, das Problem<br />
ist die Höhe dieser Freibeträge. Es genügt heute nicht<br />
mehr, dass das Kind ernährt und bekleidet wird, es will auch in einem<br />
Verein Sport treiben, ein Musikinstrument lernen, Fremdsprachen in Auslandsreisen<br />
erproben, seine Fertigkeiten an modernen Computern verbessern. All das<br />
kostet das Geld der Eltern. Deswegen müssen wir die Kinderfreibeträge<br />
deutlich erhöhen. Noch besser wäre es, den Eltern ein angemessen<br />
hohes Kindergeld zu bezahlen, weil die Steuerentlastung für die Familien<br />
mit geringen Einkommen kaum wirkt, denn diese zahlen sowieso keine Einkommenssteuer,<br />
benötigen aber die Unterstützung für ihre Kinder am dringendsten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zwei Fragen zum Problem Durchsetzbarkeit:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>logopäde</b>:<br />
Das von Ihnen vorgeschlagene Konzept bekommen Sie nie durch. Auch nicht<br />
bei einer anderen Regierungsmehrheit. Sie kennen doch die Realpolitik<br />
&#8211; warum machen Sie dann so einen Vorschlag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>andreas singer</b>:<br />
Sehr geehrter Herr Prof. Kirchhof, wie groß ist Ihrer Meinung nach<br />
die Chance, dass sich die Politik gegen die Lobbygruppen durchsetzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herr Singer setzt also schon voraus, dass die Politik Ihr Konzept will.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Bereitschaft zur Reform in Deutschland hat sich in den letzten drei<br />
Jahren grundlegend verändert. Während anfangs auch ein kleiner<br />
Reformvorschlag meist auf prinzipielle Ablehnung gestoßen ist, besinnen<br />
sich heute die Abgeordneten und die politischen Parteien im Bundestag<br />
auf ihre Kernaufgabe, dem Menschen das einfache und maßvolle Steuerrecht<br />
zu garantieren. Die parlamentarische Demokratie ist in Deutschland erkämpft<br />
worden, damit der Steuerzahler selbst &#8211; repräsentiert durch seine<br />
Abgeordnete &#8211; über die Steuerlast entscheide und schon durch dieses<br />
Verfahren der Selbstentscheidung, die gleichmäßige und maßvolle<br />
Steuerlast gewährleistet sei. Dieser demokratische Ursprungsgedanke<br />
bleibt so faszinierend, dass er dem Parlament von heute die Kraft zu einer<br />
Grundsatzerneuerung vermittelt.<br />
Dies wird gegenwärtig glücklicherweise auch von vielen Interessengruppen<br />
so gesehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pauliensche</b>:<br />
Wie könnte man denn Unterstützung für Ihren Vorschlag organisieren?<br />
Es gibt da ja sehr gegensätzliche Interessen der Interessensvertreter<br />
und Lobbys&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Reform wird davon abhängen, wie groß die Reformbereitschaft<br />
der Abgeordneten im deutschen Bundestag und der Landesregierungen im deutschen<br />
Bundesrat ist. Deswegen sollte jeder Reformwillige, diesen politischen<br />
Verantwortungsträgern bewusst machen, wie hoch seine Reformerwartungen<br />
sind und wie groß seine Enttäuschung bei einem Scheitern der<br />
Reformvorhaben sein wird.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard_kirchhof2.jpg" alt="Der &quot;Chatroom&quot; im ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Siedler</b>:<br />
Wie realistisch ist eigentlich ein radikal vereinfachtes Steuerrecht,<br />
wenn man die notwendigen Übergangsregeln einbezieht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Der Übergang vom alten zum neuen Recht ist ein schwieriges Problem,<br />
das große juristisch handwerkliche Anstrengungen verlangt. Der Bürger<br />
vertraut auf das ihm bisher vertraute Gesetz, hat seine Dispositionen<br />
etwa bei der Altersvorsorge oder bei einer Betriebsgründung auf das<br />
geltende Steuerrecht eingerichtet. In diesem Vertrauen ist er auch von<br />
Verfassungswegen schutzwürdig. Deswegen muss die Reform der Einkommensbesteuerung<br />
durch ein Einführungsgesetz ergänzt werden, das schonende Übergänge<br />
vom alten zum neuen Recht regelt. Ein solches Gesetz ist machbar. Auch<br />
hier werden Schwierigkeiten im Detail die Bereitschaft zum großen<br />
Wurf nicht hemmen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>pauliensche</b>:<br />
Das Steuerkonzept der FDP &#8211; auch nur drei Steuersätze &#8211; müsste<br />
Ihnen eigentlich gefallen. Ist das Konzept der Liberalen stimmig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Das Konzept der Liberalen setzt sich zum Ziel, möglichst alle Ausnahmen<br />
zu beseitigen und dementsprechend die Steuersätze zu senken. Diese<br />
ist der allein richtige Weg. Er verdient Unterstützung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber Ihr Konzept finden Sie doch besser?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Unser Konzept bezieht die Reform der Körperschaftssteuer, also die<br />
Einkommensbesteuerung der Kapitalgesellschaften, in die Gesamtreform mit<br />
ein. Damit entfallen die gleichheitswidrigen Belastungsunterschiede zwischen<br />
der Besteuerung des Einzelkaufmanns, der Personengesellschaft (zum Beispiel<br />
der KG) und der Kapitalgesellschaft (zum Beispiel der GmbH). Außerdem<br />
erlaubt ein konsequenter Subventionsabbau die Absenkung des Spitzensteuersatzes<br />
auf 25 Prozent. Entscheidend ist, dass jeder Mensch in seinem wirtschaftlichen<br />
Erfolg des Einkommens gleich besteuert wird und er die Steuerlast nicht<br />
dadurch verringern kann, dass er rechtlich eine bestimmte Organisationsform<br />
wählt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch einmal konkret dazu eine Frage von:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>taxman</b>:<br />
Sehr geehrter Herr Professor, wie lösen Sie das Problem, dass es<br />
Unternehmern möglich ist, einen Teil privater Aufwendungen in den<br />
steuerlich relevanten Bereich zu verschieben (z.B. Kfz-Nutzung), Arbeitnehmern<br />
dagegen bei Ihrem Modell nicht mehr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Wir nennen diese Probleme die gemischten Aufwendungen, also Zahlungen<br />
des Steuerpflichtigen, die sowohl seiner beruflichen Sphäre als auch<br />
dem <br />
Privatleben zu Gute kommen. Er erwirbt ein Auto, ein Telefon, einen Computer,<br />
den er jeweils beruflich und privat nutzt. In unserem Vorschlag dürfen<br />
diese gemischten Aufwendungen grundsätzlich nicht abgezogen werden,<br />
weder durch den Betriebsinhaber noch durch den Arbeitnehmer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Es tut sich was in Reichenhall: Die Runde dort legt Wert darauf, dass<br />
Sie die Anrede vergessen hat, also: &quot;Sehr geehrter Herr Kirchhof,<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>POLIS Reichenhall</b>:<br />
Was glauben Sie: Ist ein Steuer-Weltbild, wie es die SPD-Leipzig gerade<br />
vertreten hat, Ausdruck von Dummheit, Unfähigkeit oder was?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Wir werden bei jeder Ausnahme zunächst die historischen Gründe<br />
prüfen müssen, die zu dieser Ausnahme geführt haben, dann<br />
zu untersuchen haben, ob diese Gründe noch heute genügen. Die<br />
Steuerfreiheit der Nachtzuschläge zum Beispiel sind 1940 vom damaligen<br />
Reichsfinanzminister eingeführt worden, als die meisten Menschen<br />
draußen im Krieg waren, man deshalb zu Hause Steueranreize brauchte,<br />
um die viele Arbeit durch wenige Hände zu erledigen. Heute haben<br />
wir das gegenteilige Problem. Wir haben zu viele Hände für zu<br />
wenig Arbeit. Deswegen muss dieser, ehemals berechtigte Freibetrag entfallen.<br />
Allerdings muss die dadurch verursachte Minderung des Lohns arbeitsrechtlich<br />
ausgeglichen werden. Den gerechten Lohn definiert nicht das Steuerrecht,<br />
sondern das Arbeitsrecht.<br />
Wenn wir alle Sonderegeln in dieser Weise prüfen, werden wir feststellen,<br />
dass es historisch durchaus manche Rechtfertigung für eine Ausnahme<br />
gegeben hat, <br />
diese aber meist nur kurzfristig trägt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>R. Berndt</b>:<br />
Gibt es ein (großes, ökonomisch starkes) Land, in dem ein solch<br />
einfaches Steuersystem erfolgreich angewandt wird?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Peter-1337</b>:<br />
Wie sehen Sie ihr Modell im internationalen Vergleich &#8211; Irland, Frankreich,<br />
USA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Zunächst einmal es hat in den USA die Reagan’sche Steuerreform<br />
gegeben, mit einem Wegfall aller Subventionen und einem Spitzensteuersatz<br />
von 28 Prozent. Der ökonomische Erfolg für die Privatwirtschaft<br />
wie für den Staat war überragend. Leider ist das amerikanische<br />
Steuerrecht heute wieder so kompliziert wie ehemals. Ein anderes Beispiel<br />
bietet Neuseeland, das mit einem radikal vereinfachten Steuerrecht einen<br />
gewaltigen Prosperitätsauftrieb organisiert hat. Zur Frage 2: Wenn<br />
wir in Deutschland ein einfaches und verständliche Steuerrecht mit<br />
einem Spitzensteuersatz von 25 Prozent haben werden, wird Deutschland<br />
ein Niedrigsteuerland im Weltvergleich. Alle hochqualifizierten Arbeitskräfte<br />
werden in Deutschland bleiben, leistungsfähige Menschen werden nach<br />
Deutschland kommen.<br />
Das Kapital wird vermehrt den deutschen Markt suchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Thomas Siedler</b>:<br />
Welche Opfer müssten die Bürger eigentlich bei Ihrem Vorschlag<br />
erbringen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Die Bürger müssen bereit sein, sich vom vertrauten Recht und<br />
den liebgewordenen Besitzständen zu lösen. Dies ist aber letztlich<br />
kein echtes Opfer, weil die Bürger steuerlich nicht mehr belastet<br />
werden, sie aber ein wesentliches Stück Freiheit zurückgewinnen.<br />
Sie brauchen sich vor dem Steuerrecht nicht mehr zu verbiegen und zu verbeugen,<br />
werden bei der Steuererklärung nicht mehr überfordert <br />
und gewinnen die Sicherheit, dass die Steuerlast unausweichlich Ausdruck<br />
ihres persönlichen wirtschaftlichen Erfolges ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wenn sich Ihr Modell durchsetzen sollte, müssten einige zehntausend<br />
Steuerberater eigentlich arbeitslos werden. Bekommen Sie schon böse<br />
Briefe?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Auch die Steuerberater werden gewinnen. Selbst der Steuerexperte kann<br />
seinen mit Mandanten bei ständig wechselndem Steuerrecht nicht mehr<br />
sachgerecht beraten. Er leidet darunter, dass er seinen Klienten eine<br />
Empfehlung geben muss, die steuerjuristisch klug, ökonomisch aber<br />
töricht ist. Außerdem vermehrt das unübersichtliche Recht<br />
die Haftungsfälle für den Steuerberater. Nach der Reform wird<br />
der Berater seine gleichschönen Honorare leichter verdienen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>reinhard</b>:<br />
Was noch fehlt, weil dies aus einer steuerlichen Vereinfachung allein<br />
noch nicht entsteht, ist ein &quot;Steuerungsmechanismus&quot; zur Belebung<br />
der Wirtschaft und damit des Arbeitsmarktes.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Ein vereinfachtes Steuerecht erlaubt es dem Unternehmer weniger über<br />
Steuern nachzudenken und mehr über sein Produkt und seinen Markt.<br />
Dadurch kann der Unternehmer erfolgreicher sein. Wir gewinnen Wirtschaftswachstum<br />
und damit letztlich auch Arbeitsplätze.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Riker2k2</b>:<br />
Guten Morgen, die Herren. Herr Prof. Kirchhof, wie finden Sie es, dass<br />
es in der Öffentlichkeit so wirkt, als ob Ihre Vorschläge von<br />
Herrn Merz entwickelt wurden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Unsere Vorschläge sind darauf angelegt, möglichst im Bundesgesetzblatt<br />
zu erscheine, also Allgemeingut zu werden. Deswegen sind wir über<br />
jeden Menschen, insbesondere über jeden Abgeordneten froh, der sich<br />
unsere Anregungen ganz oder teilweise zu Eigen macht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Politik-Interessierte, vielen Dank für das Interesse und die<br />
zahlreichen Fragen. Herzlichen Dank, Herr Kirchhof, dass Sie sich die<br />
Stunde Zeit genommen haben. Das Transkript dieses Chats finden Sie wie<br />
alle anderen auch auf den Seiten der Veranstalter. Morgen stellt sich<br />
von 13.00 bis 14.00 Uhr Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn der<br />
Diskussion über Bildungskrise und Finanzmisere bei den Universitäten.<br />
Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen schönen Tag. </span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Paul Kirchhof</b>:<br />
Schönen Dank. Ich war gerne hier.</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotdie_welt_wird_immer_komplizierter_deswegen_muss_das_recht_immer_einfacher_werdenquot-265/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Gesetzliche Eingriffe in die Tarifhoheit sind nicht erforderlich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Müntefering]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeitsfaktor]]></category>
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		<category><![CDATA[Tarifautonomie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/m%FCntefering_neu.jpg" alt="Franz Müntefering" align="left" border="0" height="113" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
Franz Müntefering, war am 3. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/m%FCntefering_neu.jpg" alt="Franz Müntefering" align="left" border="0" height="113" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
Franz Müntefering, war am 3. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<b><b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><br />
</span></b></b>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist<br />
ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute begrüßen<br />
wir den SPD-Fraktionsvorsitzenden Franz Müntefering im ARD-Hauptstadtstudio.<br />
Er wird in den kommenden 60 Minuten Ihre Fragen beantworten. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Zeit naht, wo der Vermittlungsausschuss Ergebnisse liefern wollte.<br />
Nun hieß es, die Bundesregierung wolle beim Thema Kündigungsschutz<br />
deutlich auf die Union zugehen. Der soll künftig erst ab 10 Beschäftigten<br />
gelten, bisher waren es 5. Im Gegenzug müsse die Union auf Änderungen<br />
bei der Tarifautonomie verzichten. Hört sich doch wie ein vernünftiger<br />
Kuhhandel an &#8211; oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Gesprochen wird über alles, aber es gibt keine Vereinbarung, die<br />
verbindlich ist, solange nicht alles vereinbart ist. Wie beim Puzzle &#8211;<br />
wenn ein Stück fehlt, stimmt das ganze Bild nicht mehr. Also: Noch<br />
ist nichts entschieden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Der Kanzler sagt nun, es müsse eine Lösung gefunden werden,<br />
die die Balance zwischen zentralen Verhandlungen und tariflicher Notwendigkeit<br />
einhalte. Wie steht die SPD nun zur Öffnungsklausel? Zwischen den<br />
Aussagen gibt es doch einen Widerspruch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Wenn sie die Frage der Tarifhoheit meinen? Sie ist grundgesetzlich verankert<br />
und steht nicht zur Disposition. Praxis ist aber auch heute schon, dass<br />
in Betrieben, die Existenzprobleme haben, es Sondervereinbarungen gibt,<br />
im Einvernehmen beider Tarifparteien. Diese freiwillige Regelung macht<br />
jede gesetzliche überflüssig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Streit</b>: DGB-Chef<br />
Michael Sommer und Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt sind mit dem<br />
gemeinsamen Versuch gescheitert, drohende gesetzliche Eingriffe in die<br />
Tarifautonomie zu verhindern. Sind ihre Vermittlungsbemühungen damit<br />
gescheitert und wer ist Schuld an dem Scheitern &#8211; DGB oder BDA?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Ich war nicht dabei, bedauere aber das Scheitern. Für den Vermittlungsausschuss<br />
hat das aber keine Konsequenzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julius Knaak</b>:<br />
Die Union will Unternehmen per Gesetz mehr Abweichungen vom Tarifvertrag<br />
ermöglichen. Bisher lehnen sie eine Aufweichung der Tarifautonomie<br />
ab &#8211; bleibt es dabei oder wird es bei den Verhandlungen einen Kompromiss<br />
geben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Tarifhoheit liegt bei den Tarifparteien. Sie haben auch die Hoheit,<br />
die Modalitäten für Abweichungen von den vereinbarten Verträgen<br />
zu beschließen. Das tun sie und das klappt in aller Regel auch gut.<br />
Noch mal: Gesetzliche Eingriffe sind nicht erforderlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Stichwort Nachhaltigkeitsfaktor:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Olpe</b>: Erst wird der demografische Faktor nach ihrem ersten Wahlsieg<br />
1998 wieder gestrichen, jetzt wird er hektisch wieder eingeführt.<br />
Warum wechseln Sie den Kurs?</span>
</p>
<p><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard1.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Menschen leben länger. Das ist gut so. Bedeutet aber auch, dass<br />
länger Rente gezahlt werden muss. Im Gegensatz zur Lebenszeit ist<br />
die Lebensarbeitszeit in den vergangenen Jahren weiter gesunken. Das passt<br />
nicht zueinander. Es sind deshalb verschiedene Maßnahmen nötig.<br />
Das Renteneintrittsalter muss faktisch steigen und es muss eine gerechte<br />
Balance geben zwischen den aktiven und der Rentnergeneration. Was wir<br />
jetzt vorschlagen, ist deutlich weitegehender als die seinerzeit von der<br />
heutigen Opposition vorgeschlagene Regelung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber das wussten Sie doch 1998 auch schon.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Man kann auch klüger werden. Die 98er Regelung hätte allerdings<br />
bei weitem auch nicht gereicht und man hätte jetzt ohnehin nachsteuern<br />
müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dre</b>: Warum<br />
wollen sie den anhaltenden Trend zur Frühverrentung stoppen? Die<br />
Wirtschaft nutzt dieses Mittel doch sehr intensiv?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Lebensarbeitszeit ist nicht mehr ausreichend lang. Die Menschen gehen<br />
im Schnitt mit 21 in den Beruf und mit rund 59 aus dem Arbeitsleben heraus.<br />
38 Lebensarbeitsjahre ist aber deutlich zu wenig. Leider hat das alles<br />
auch dazu geführt, dass die 45- und 55-Jährigen am Arbeitsmarkt<br />
fast keine Chance mehr haben. Das kann so nicht bleiben. Wir müssen<br />
möglichst nahe an das gesetzliche Renteneintrittsalter von 65 heran.<br />
Die Wirtschaft macht Personalpolitik indirekt mit den Mitteln unserer<br />
Sozialsysteme. Das spricht auch gegen die beschriebene Entwicklung der<br />
letzten Jahre.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Thema Steuerreform:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>eilig</b>: Kommt es in der Frage der Steuersenkung bei den Verhandlungen<br />
im Vermittlungsausschuss zu einem Kompromiss?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Das weiß man heute nicht. Auf jeden Fall gibt es die kleine Steuerreform,<br />
die für den 1.1.2004 beschlossen ist. Fraglich ist, ob die Union<br />
einverstanden ist, die Steuerreform, die für 2005 vorgesehen ist,<br />
ein Jahr vorzuziehen. Das wäre gut. Eine Familie mit 2 Kindern könnte<br />
dann ab Januar monatlich 3137 Euro Einkommen haben, ohne dass sie steuern<br />
zahlen müsste. Anders ausgedrückt: Diese Familie müsste<br />
im nächsten Jahr 2004 rund 2840 Euro Lohnsteuer weniger zahlen als<br />
im Jahre 1998, als die SPD Regierung begann. Das ist schon eine gewaltige<br />
und positive Entwicklung. Ich hoffe, die CDU/CSU besinnen sich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>dre</b>: Kann der<br />
Abbruch der Gespräche zwischen DGB und der Wirtschaft die Verhandlungen<br />
zwischen Bundesregierung und Opposition im Vermittlungsausschuss von Bundestag<br />
und Bundesrat zusätzlich belasten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Nein.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das glaube ich Ihnen so nicht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Es ist keine Frage von Glauben. Die Fakten sind wie oben beschrieben.<br />
Abweichungen von Tarifverträgen müssen in bestimmten Situationen<br />
möglich sein. Sie sind es aber auch heute schon und es gibt eine<br />
ausgedehnte Praxis dazu. Die, die Tarifhoheit aushebeln wollen, wollen<br />
wohl die Handlungsfähigkeit der Gewerkschaften entscheidend schwächen.<br />
Ich bin sicher, mit einer solchen Parzellierung und Individualisierung<br />
bei der Vertretung der Arbeitnehmerinteressen wäre niemandem gedient.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard2.jpg" alt="Franz Müntefering" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Neheimer</b>: Bei<br />
den Grünen hält der Ärger über das Angebot von Bundeskanzler<br />
Schröder (SPD) an, China die stillgelegte Hanauer Plutonium-Fabrik<br />
zu verkaufen. Wie wollen sie da vermitteln?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Ich empfehle keine Schnellschüsse. Wir warten ab, bis der Kanzler<br />
aus China zurück ist und wir Einzelheiten über dieses Thema<br />
dann erfahren. Es muss sich keiner mit schnellen Antworten beeilen: Vor<br />
Weihnachten gibt es sicher keine Beschlüsse mehr dazu.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>bay9975</b>: Hallo,<br />
Herr Müntefering, ist es mit dem Grundgesetz Art. 3 vereinbar, das<br />
Rentner den vollen Beitrag zur Pflegeversicherung zahlen sollen, wenn<br />
doch jeder vor dem GG gleich ist? Wieso wird dann der Rentner in der Minderheit<br />
benachteiligt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Der Beitrag zur Pflegeversicherung wird von den aktiven Arbeitnehmern<br />
fast zu 100% bezahlt, ist also eine Gleichbehandlung der Rentnerinnen<br />
und Rentner. Bisher hat der Bund als fiktiver Arbeitgeber der Rentner<br />
die Hälfte des Beitrages bezahlt. Und das soll sich nun ändern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>henrike</b>: Gibt<br />
es Streit zwischen den Gewerkschaften und der SPD, weil sie bei den Verhandlungen<br />
mit der Union eine Einigung finden müssen, aber die Gewerkschaften<br />
hart bleiben und sich quer stellen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Entscheidung liegt bei der Politik. Aber ich sehe große Übereinstimmungen<br />
in Sachen Tarifhoheit zwischen uns und den Gewerkschaften, übrigens<br />
auch zu den Arbeitgeberverbänden. Die Ausnahme von Tarifverträgen<br />
funktioniert, wo das nötig ist, und darauf kommt es an. Prinzipienreiterei<br />
führt dabei nicht weiter.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Fridericus</b>:<br />
Der Union Orientierungs- und Konzeptlosigkeit vorzuwerfen, ist ja nach<br />
Leipzig keinesfalls haltbar. Im kommenden Jahr stehen Landtagswahlen in<br />
Thüringen und NRW, ihrem &quot;Stammland&quot; an. Sehen sie sich<br />
ohne Euphemismen und Polemik in der Lage, ihre Klientel zu mobilisieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Franz Müntefering</b>: Parteitage sind eines, die politische Lebenswirklichkeit<br />
das andere. Die Konzepte von CDU/CSU zu Steuern und Alterssicherung sind<br />
in der Praxis nur schwer kompatibel. Und CDU und CSU sind offensichtlich<br />
auch bei weitem nicht einer Meinung. Die SPD wird durch Handeln überzeugen,<br />
wir haben konkrete umsetzbare Gesetze vorgelegt und die Debatte um Erneuerung<br />
in dieser Gesellschaft mutig begonnen. Ich bin sicher, das kommende Jahr<br />
wird wieder besser, als dieses. Vor allem aber: Deutschland kommt auf<br />
einen guten Weg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ihr Ansehen in der SPD steigt und steigt. Bei der Basis ist manchmal laut<br />
Presseberichten im Gespräch über Sie schon vom &quot;roten Messias&quot;<br />
die Rede. Woher kommt die plötzliche Zuneigung? Sie exekutierend<br />
doch weiterhin die ungeliebten rot-grünen Reformen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Ich habe keine Zahlen über mein Ansehen in der Partei, habe aber<br />
gute Erfahrungen in den Kontakten dieser Monate. Ich glaube, ich bin exemplarisch<br />
für eine bestimmte Gruppe langjähriger Mitglieder und die Partei<br />
respektiert, dass ich offen und klar sage, dass ich bestimmte politische<br />
Instrumente anders beurteile als vor Jahren und dass das so sein muss,<br />
weil die Rahmenbedingungen sich verändert haben. Messias ist ein<br />
bisschen viel.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>oliKahn</b>: Wie<br />
bewerten sie einen Vorschlag der Unionsseite, wichtige Subventionen und<br />
Steuervergünstigungen wie die Eigenheimzulage oder die Pendlerpauschale<br />
im nächsten Jahr um 12 Prozent zu kürzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die SPD will die Eigenheimzulage abschaffen und die Entfernungspauschale<br />
halbieren. Dagegen wehren sich CDU/CSU. Gleichzeitig fordern sie Subventionskürzungen.<br />
Soviel zur Frage Glaubwürdigkeit. Koch/Steinbrück haben ihrerseits<br />
geringere Veränderungen bei den beiden genannten Subventionsbereichen<br />
vorgeschlagen. Ich hoffe, es kommt da etwas in Bewegung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Sind die 12 Prozent realistisch oder ist mehr drin?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Es ist mehr drin. Aber CDU/CSU und auch FDP zögern. Sie reden Sonntags<br />
groß von Subventionskürzungen. Aber in der Praxis haben sie<br />
keinen Mut. Das sie gleichzeitig die Neuverschuldung des Bundes kritisieren,<br />
macht die Schizophrenie ihrer Argumente deutlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>OHje:</b> Der stellvertretende<br />
Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Friedrich Merz, warf Clement<br />
Versagen vor. Clement habe sich in zentralen Punkten nicht mit seiner<br />
Politik in der SPD-Fraktion durchsetzen können. Was soll mir als<br />
Bürger das sagen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Das müssen Sie Herrn Merz fragen. Der redet gerne viel und laut.<br />
Wolfgang Clement macht einen guten Job. Manchmal streitet er in der Sache<br />
auch mit uns. Aber das gehört zum politischen Geschäft mit dazu.<br />
Niemand hat von Anfang an die Wahrheit auf seiner Seite. Diskussionen<br />
um den richtigen Weg sind immer hilfreich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edi_Berlin</b>:<br />
Multimilliardär Warren Buffet zahlt Vermögenssteuer, warum ist<br />
dieses Thema bei uns vom Tisch?<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/ard3.jpg" alt="Chat-Runde" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die SPD hat jüngst auf unserem Parteitag sich noch einmal ausdrückliche<br />
gegen eine Vermögenssteuer ausgesprochen. Wir wollen aber in Sachen<br />
Erbschaftssteuer, wo ohnehin ab 2005 eine Neuerung fällig ist, prüfen,<br />
ob es eine begrenzte Anhebung geben sollte, allerdings mit Ausnahmen für<br />
die Situation von Generationenwechsel in Unternehmen. Und das Schonvermögen<br />
für Private, z.B. im Bereich Wohneigentum, müsste auch hoch<br />
genug bleiben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rentenrudi</b>:<br />
Was halten sie vom Vorschlag der Grünen, die Vermögenssteuer<br />
wieder einzuführen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Grünen sind fein, aber klein. Das wird wohl nichts.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>schwitz</b>: Ich<br />
bin SPD-Stammwähler &#8211; trotzdem, können sie verstehen dass es<br />
der Bevölkerung schwer fällt, ihnen glauben zu schenken, wenn<br />
ihre großen Maßnahmen dieser Tage Wiederherstellungen von<br />
Fehlern vor vielen Jahren sind, siehe &quot;Nachhaltigkeitsfaktor&quot;?<br />
Würde sie sich vertrauen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Rahmenbedingungen verändern sich dramatisch und schnell. Ich<br />
verweise auf Globalisierung, Europäisierung, demographischer Wandel,<br />
kein Wachstum seit 3 Jahren. Die Politik muss also handeln. Und das machen<br />
wir mit Augenmaß und Verantwortung. Wir sichern die Substanz des<br />
Sozialstaates und sorgen für nachhaltiges Wachstum und für Wohlstand.<br />
In den 90er Jahren ist in Deutschland zu viel liegengeblieben. Der damalige<br />
Nachhaltigkeitsfaktor war keinesfalls ausreichend für das, was heute<br />
fällig ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Aggrippina</b>:<br />
Wie werden Familien unterstützt? Ich habe drei ältere Schwestern<br />
und meine Mutter hat ihren Beruf aufgegeben &#8211; wegen uns. Wir alle bekommen<br />
von meinen Eltern ein Studium finanziert &#8211; wie entlohnen Sie das? Meine<br />
Mutter bekommt vielleicht nur eine geringfügige Rente, weil sie ja<br />
&quot;nicht gearbeitet&quot; hat, das ist eine Frechheit. Was sagen Sie<br />
dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Wir haben in unserer Zeit die Anrechnungszeiten für Kinder auf dem<br />
Rentenkonto der Mütter deutlich verbessert und wir haben dafür<br />
gesorgt, dass es wieder mehr BAföG gibt für jene, die darauf<br />
angewiesen sind. Trotzdem bleibt es nötig, Familien mit Kindern weitere<br />
Entlastungen zu geben. Unsere Steuerreform könnte dabei hilfreich<br />
sein. Das Thema Familie und Kinder bleibt aber im Zentrum der Politik<br />
und dazu gehört auch die Vereinbarkeit von Familie und Kinder und<br />
Beruf zu verbessern. Dafür tun wir eine ganze Menge.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Olaffer</b>: Das<br />
Zuwanderungsgesetz hat große Schwächen. Es begrenzt nicht die<br />
Zuwanderung, sondern breitet neue Schwierigkeiten im Bereich der Integrationspolitik,<br />
sagt die Union. Wie verteidigen sie ihre Position?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Die Verhandlungen dazu laufen. Ich hoffe, das Gesetz kommt zustande. Im<br />
Bereich der Arbeitsmigration geht es vor allem um langfristige Regelungen.<br />
Wichtig ist mir auch eine verbesserte Integrationspolitik. Gerade die<br />
Städte und Gemeinden sind davor zum Teil vor außergewöhnliche<br />
Herausforderungen gestellt. Das nächste Frühjahr wird zeigen,<br />
ob eine gemeinsame Linie zwischen Koalition und Opposition möglich<br />
wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Es hieß bislang, eine Einigung beim Zuwanderungsgesetz werde &quot;nahe&quot;<br />
am bereits vorliegenden Gesetzentwurf von Rot-Grün stattfinden &#8211;<br />
schließlich gibt es auch in der Union ein paar &quot;Freunde&quot;<br />
des Gesetzes. Stimmt das noch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Jedenfalls verstecken sie sich gut. Aber das Gesetz ist in Sachen Asyl,<br />
Arbeitsmigration und Integration so ausgewogen, dass auch CDU/CSU Politiker<br />
dem zustimmen können müssten. Frau Süßmuth war bekanntlich<br />
die Vorsitzende der Kommission, die die Grundlagen für dieses Gesetz<br />
geschaffen hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wollen Sie auch ein &quot;Plus&quot; beim Zuwanderungsgesetz, um zustimmen<br />
zu können &#8211; so wie Ihr Koalitionspartner?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Was heißt &quot;Plus&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Grünen wollen eine Verbesserung der aktuellen Rechtslage.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Im Bereich humanitäre Regelungen und Arbeitsmigration sehe ich da<br />
keine Möglichkeiten der Ausweitung. In Sachen Integration kann uns<br />
die Gemeindefinanzreform helfen, die den Kommunen finanzielle Entlastungen<br />
bringen soll. Ich finde, man sollte das Gesetz jetzt nicht nach allen<br />
Seiten hin ausweiten, sondern versuchen, es umzusetzen. Und das wäre<br />
schon eine ganze Menge.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>rentenrudi</b>:<br />
In Berlin streiken die Studierenden, in Hessen und Niedersachsen auch.<br />
Die Politik des Sparens kommt nicht an, ein Vermittlungsproblem der Politik?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Sparen ist nie populär. Aber die Kassen sind leer und wir dürfen<br />
nicht über unsere Verhältnisse leben. Es bleibt allerdings dabei:<br />
Bildung und Forschung sind zentrale Voraussetzungen für nachhaltigen<br />
Wohlstand. Deshalb haben wir auf Bundesebene auch diesen Etat in den vergangenen<br />
Jahren stark angehoben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Felix</b>: Angesichts<br />
der Unterfinanzierung der Universitäten im ganzen Land: Ist es nicht<br />
an der Zeit, das Hochschulwesen zur Bundesangelegenheit zu erklären?<br />
Wir steuern doch auf das amerikanische Hochschulsystem zu: Fünf herausragende<br />
Unis, der Rest ist grottenschlecht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering:</b><br />
Wir haben eine Kommission zur Modernisierung bundesstaatlicher Ordnung<br />
eingesetzt. Dabei geht es um Chancen und Grenzen unserer föderalen<br />
Strukturen. Ich glaube, unsere Länder haben insgesamt eine gute Bildungs-<br />
und auch Hochschulpolitik gemacht und eine simple Zentralisierung würde<br />
keine automatische Besserung bedeuten. Wir müssen aber Wege finden,<br />
Hochleistungsuniversitäten und andere Bildungseinrichtungen zu haben<br />
und zu fördern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>nullhundertneunzig</b>:<br />
Ist Merkel die Herausforderin von Schröder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Noch ist nicht klar, ob sie am 11. Januar 2006 wieder zu einem Frühstück<br />
eingeladen wird und unterschreiben muss. Warten wir ab, was ihre Jungs<br />
so machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das war&#8217;s, vielen Dank Herr Müntefering, dass Sie sich die Zeit genommen<br />
haben! Vielen Dank an alle User für das Interesse und die vielen<br />
Fragen. Das tacheles02-team wünscht allen noch einen schönen<br />
Tag. Nächste Woche gibt es die nächsten Chats, unter anderem<br />
mit Paul Kirchhof und Edelgard Bulmahn.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Franz Müntefering</b>:<br />
Bedanke mich bei allen, die mitgemacht haben, wünsche einen schönen<br />
Tag &#8211; miteinander reden lohnt sich immer.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Jüngere Generation muss entlastet werden</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/juengere-generation-muss-entlastet-werden-267/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Dec 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[CDU-Parteitag]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Hohmann]]></category>
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		<category><![CDATA[Zuwanderungsgesetz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/PhilippMissfelder.jpg" alt="Philipp Mißfelder" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, </span></b><span style="color: #000000"><b><b> 
Philipp Mißfelder, ist am 2. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/PhilippMissfelder.jpg" alt="Philipp Mißfelder" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, </span></b><span style="color: #000000"><b><b><br />
Philipp Mißfelder, ist am 2. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02<br />
Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe CDU-Freunde und -Gegner, liebe Politik-Interessierte, herzlich<br />
willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von<br />
tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute begrüße ich<br />
zum Chat Philipp Mißfelder, Junge-Union-Vorsitzender, live vom Parteitag<br />
der CDU in Leipzig. Guten Tag also nach Leipzig und die Frage, können<br />
wir loslegen, Herr Mißfelder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Ja, gerne</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herr Mißfelder, Sie wollen eine steuerfinanzierte Grundrente, für<br />
den Rest sollen die Bürgerinnen und Bürger selbst sorgen. Das<br />
klingt nach dem passenden Konzept zur eingeschränkten Versorgung<br />
mit künstlichen Hüftgelenken bei der älteren Bevölkerung,<br />
die Sie mal propagiert haben. Die junge CDU scheint auf dem Weg in eine<br />
neue, mehr in Arm und Reich gespaltene Gesellschaft zu sein &#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Uns geht es um die Zukunft. Kein Rentner von heute hat zu befürchten,<br />
dass seine Versorgung, seine Rente grundsätzlich in Frage gestellt<br />
wird. Mir geht es um die junge Generation in unserem Land, die auch ein<br />
Anrecht auf soziale Sicherung und Spitzenmedizin heute und in 30 Jahren<br />
hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Eine Menge Fragen auf einmal:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rudolf</b>:<br />
Wie sollte die Privatvorsorge organisiert werden. Wie sieht es in diesen<br />
Punkt mit Verbraucherschutz aus? Sind Private Vorsorgeverfahren schon<br />
jetzt sicher als staatliche? Das heißt, der Einzahler bekommt die<br />
monatlichen Investitionen tatsächlich wieder ausgezahlt? Warum wurde<br />
dieses System dann nicht schon viel früher eingeführt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
1. Private Vorsorge: Die Beitragslast bei der Rentenversicherung liegt<br />
dauerhaft über dem, was ein heute 20Jähriger, aber auch ein<br />
50Jähriger schultern kann, wenn er zusätzlich privat vorsorgen<br />
muss, weil durch die negative demografische Entwicklung unser umlagefinanziertes<br />
System ad absurdum geführt wird. In Zukunft wird es wesentlich mehr<br />
private Rentenangebote geben. Also muss sich auch der Verbraucherschutz<br />
verbessern. Dies ist einer der nächsten Schritte, die es zu diskutieren<br />
gilt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Junge Union ist mit ihrem Rentenkonzept &quot;steuerfinanzierte Grundrente&quot;<br />
auf dem Parteitag ja erst einmal gescheitert. Und jetzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Das Thema bleibt aktuell gerade vor dem Hintergrund, dass der demografische<br />
Wandel bis zu einer möglichen Regierungsübernahme der CDU im<br />
Jahre 2006 weitere Probleme angehäuft werden. Ein Systemwechsel wird<br />
dann zwar noch schwieriger sein, ist aber unumgänglich, wenn die<br />
jüngere Generation nicht dauerhaft mehrfach belastet werden soll.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>robert</b>:<br />
Hallo Philipp, kannst Du mir erklären, wie ich der Union glauben<br />
kann, dass sie wirklich Reformen durchführen will, die diesen Namen<br />
verdienen. Ich bin da mehr als skeptisch, weil ich nicht daran glaube,<br />
dass die Damen und Herren, die 16 Jahre lang an der Regierung waren ohne<br />
Entscheidendes voranzubringen, jetzt plötzlich die Kraft und den<br />
Willen dazu haben sollten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
In den 16 Jahren von Helmut Kohl als Kanzler ist Deutschland so gut wie<br />
selten zuvor regiert worden. Trotzdem muss man auch selbstkritisch anmerken,<br />
dass die Problematik des demografischen Wandels unterschätzt und<br />
größtenteils ausgeblendet worden ist. Die Probleme haben wir<br />
in den vergangenen Jahren ausführlicher denn je diskutiert. Unser<br />
Erkenntnisdefizit haben wir durch Herzog ausgeglichen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ju</b>:<br />
In Berlin streiken die Studierenden. Was ist die Position der Jungen Union<br />
dazu? Was machen die Hochschulgruppen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Und noch eine Frage hinterher:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>magga</b>:<br />
Wie will die junge Union (und die CDU) sich für eine Verbesserung<br />
der Situation an den Universitäten einsetzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Die JU und der Ring christlich-demokratischer Studenten (RCDS) unterstützen<br />
die Studenten bei ihren Protesten. Gerade wir Jüngere haben ein Anrecht<br />
auf funktionierende Bildungsinstitutionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das heißt konkret in Berlin zum Beispiel: Schluss mit den Sparmaßnahmen<br />
bei bankrottem Stadthaushalt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Wir fordern bei Kürzungen in den Haushalten, den Bildungsetat nicht<br />
anzutasten, da gerade hier die Zukunft des Standorts Deutschlands und<br />
unserer Wissensgesellschaft auf dem Spiel steht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>amy3</b>:<br />
Und warum wollen alle CDU-regierten Länder Studiengebühren von<br />
500€ pro Semester einführen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Studiengebühren sind dann sinnvoll, wenn sie direkt an der Universität<br />
und ausschließlich für deren Ausbau eingesetzt werden. Wenn<br />
Studiengebühren allerdings in den allgemeinen Haushalt fließen,<br />
ist dies eine Studenten-Steuer. Die wird es mit der JU und der CDU nicht<br />
geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch ein Kommentar zum Thema Rente und die Erfolge von 16 Jahren Helmut<br />
Kohl</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sam</b>:<br />
Dazu kommt noch, dass diese Helden 16 Jahre einem Blüm hinterhergedackelt<br />
sind und ihm alles geglaubt haben, was er gesagt hat. Taschenrechner gibt<br />
es aber nun schon längerer Zeit und der demographische Wandel ist<br />
auch nicht über Nacht gekommen. Wenn eine Partei so blind einzelnen<br />
Führungsleuten nachrennt muss man sich schon fragen, ob eine solche<br />
Partei nicht &#8211; frei nach Baring &#8211; strukturell und personell mit der Situation<br />
überfordert ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Richtig ist, dass von allen Parteien die Probleme, die einhergehen mit<br />
dem demografischen Wandel, nicht wahrgenommen worden sind. Norbert Blüm<br />
personifizierte die falsche Aussage &quot;Die Rente ist sicher&quot;.<br />
Dies war ein Fehler.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>peter-pan-15</b>:<br />
Herr Missfelder, im Zuge des CDU Parteitages habe ich immer mehr den Eindruck<br />
gewonnen, dass die Union auf Konfrontationskurs mit der SPD gehen möchte.<br />
Im Grunde würde ich dies begrüßen, doch meinen Sie, dass<br />
dies auch das Scheitern des Vorziehens der Steuerreform wert ist? Wäre<br />
es in der Situation, in der sich Deutschland befindet nicht ratsamer,<br />
diesen Parteienstreit aufzuschieben und konstruktiv-objektiv miteinander<br />
zusammenzuarbeiten? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Es gibt keine Blockadehaltung der Union. Dort, wo es sinnvoll ist, den<br />
Konsens zu suchen, tun wir dies. Beispielsweise bei der Steuerreform.<br />
Es gibt keine Blockade bei Steuerentlastungen, die seriös gegenfinanziert<br />
sind. Eine allein durch Schulden finanzierte Steuerreform wird von der<br />
Union nicht mitgetragen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Tyriz</b>:<br />
Dazu auch von mir eine Frage: Es kommt mir immer öfter so vor, als<br />
betreibe die Union eine Art Prinzipopposition. Egal was vorgeschlagen<br />
wird, wir sind dagegen. Was sagen Sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Aufgabe der Opposition ist es, die Regierung zu kontrollieren. Dinge,<br />
die in eine vollkommen falsche Richtung laufen, werden daher unsere Zustimmung<br />
nicht finden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>tyriz</b>:<br />
Aber nicht allem zu widersprechen. Kontrolle bedeutet doch auch, richtiges<br />
auch als richtiges stehen zu lassen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sam</b>:<br />
bestes Beispiel: Einwanderungsgesetz (peinlich, peinlich, peinlich)</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Das Zuwanderungsgesetz hat große Schwächen. Es begrenzt nicht<br />
die Zuwanderung, sondern breitet neue Schwierigkeiten im Bereich der Integrationspolitik.<br />
Die Union ist grundsätzlich zu einer Einigung mit der Regierung bereit,<br />
wenn es wirklich ein Steuerungs- und Begrenzungsgesetz gibt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die Experten streiten sich zwar ein bisschen, aber prinzipiell sagen alle,<br />
Zuwanderung ist gut für die demografische Entwicklung. Und deren<br />
kritische Lage haben Sie ja nun erkannt, sagen Sie. Warum also nicht dem<br />
Gesetz zustimmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Oberste Priorität hat für uns eine aktive Familienpolitik. Zuwanderung,<br />
wenn sie nicht auf hochqualifizierte Fachkräfte setzt, bringt mehr<br />
Probleme für den Sozialstaat als Lösungen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Realist</b>:<br />
damit die Gesellschaft noch mehr vergreist, wird das Zuwanderungsgesetz<br />
gestoppt, obwohl in ein paar Jahren die Arbeitskräfte fehlen, bedenkt<br />
das diese CDU der Senioren und Nationalisten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sam</b>:<br />
Sie weichen aus!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Ich weiche nicht aus. Ungezügelte Zuwanderung hat seit Anfang der<br />
90er Jahre unseren Sozialstaat sehr stark zusätzlich belastet. Der<br />
Arbeitskräftemangel ist ein zentrales Problem, was vor allem über<br />
Bildungspolitik, Förderung von Familien und zielgenauer Zuwanderung<br />
gelöst werden kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>cle</b>:<br />
Wie bewerten sie die Debatte um Hohmann und dass einige in der CDU nicht<br />
zufrieden sind mit dem Parteiausschluss?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Der Fall Hohmann ist abgeschlossen. In der Union gibt es keinen Platz<br />
für denjenigen, der nicht auf dem Boden des Grundgesetzes steht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>CSHaverkamp</b>:<br />
Herr Mißfelder, weshalb setzt die CDU ihren Hohmann Kurs fort. Die<br />
Rede ist dumm, aber nicht antisemitisch. Ein jüdischer Freund hat<br />
dies bestätigt, als ich ihn fragte. 2. Weshalb werde diejenigen,<br />
die für Hohmann gestimmt haben, nicht auch aus der Fraktion ausgeschlossen,<br />
denn auch sie, Merkels Logik zufolge, unterstützen Grundsätze<br />
die mit der CDU nicht vereinbar sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Es ist falsch, wenn man denjenigen in der Union, die Kritik am Verfahren<br />
geübt haben, Antisemitismus unterstellt. Herr Hohmann wurde ausgeschlossen,<br />
um ein deutliches Signal zu geben: Antisemitismus darf in unseren Parteien<br />
und gerade bei deren Vertretern keinen Platz haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Edmund</b>:<br />
Was halten sie persönlich von der Hohmann-Affäre. Wie ist die<br />
Stimmung in der Jungen Union?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Die JU unterstützt den Beschluss der BT-Fraktion. Sicherlich gab<br />
es vielerorts Kritik am Verfahren. Trotzdem war dies die richtige Entscheidung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Eine kritische<br />
Frage</b>: Guten Tag, Herr Mißfelder. Ich habe nur eine Frage<br />
und hoffe, dass Sie diese beantworten, obwohl sie, zumindest für<br />
die CDU, nicht mehr aktuell ist: Warum sollte ein Bürger die CDU<br />
wählen, obwohl diese immer noch keine klare Stellung zu den Verfehlung<br />
ihres ehemaligen Ehrenvorsitzenden Helmuth Kohl bezogen hat, der einem<br />
Ehrenwort mehr Bedeutung beimisst als seinem Schwur auf das Grundgesetz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Aus den Fehlern der Spendenaffäre hat die CDU die Konsequenzen gezogen.<br />
Helmut Kohls Lebenswerk bleibt dadurch aber unangetastet. Ohne ihn hätte<br />
es die Deutsche Einheit nicht gegeben und auch nicht die europäische<br />
Einigung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ich glaube, das beantwortet die Frage nicht ganz. Man kann ja auch persönlicher<br />
fragen: Wie stehen Sie zu Helmut Kohl und seinem Vorgehen?<br />
Da kommt die Nachfrage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Eine kritische<br />
Frage</b>: Herr Missfelder, es geht nicht um sein Lebenswerk. Das<br />
bleibt unbestritten. Aber was ist mit den Prioritäten, die er gesetzt<br />
hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>amy3</b>:<br />
Wenn nicht mal der CDU-Nachwuchs Kritik an Kohl üben kann, wie lange<br />
soll dieser Kult noch betrieben werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jalu</b>:<br />
Welche Konsequenzen hat die CDU daraus gezogen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Dies ist überhaupt kein Thema. Ich habe großen Respekt vor<br />
Helmut Kohl. Ich bin dankbar für Frieden und Freiheit in Europa.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>EDesperados</b>:<br />
Trotzdem hat er gegen das Gesetz gehandelt&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Nein, hat er nicht. Die Staatsanwaltschaften haben alle Ermittlungen eingestellt.<br />
Auch politische Gegner Helmut Kohls müssen akzeptieren, dass wir<br />
in einem Rechtstaat leben, der Vorverurteilungen nicht zulässt. Genug<br />
Vergangenheitsbewältigung&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>ju</b>:<br />
Du hast ja durchaus Zuspruch für Deine Hüftgelenk-Aussage bekommen.<br />
Würdest Du das noch mal machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>detmar_k</b>:<br />
Herr Mißfelder, hat Sie ihre Äußerung über Hüftgelenke<br />
altern lassen? Sie wurden ja ganz schön in die Mangel genommen&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Mit dem Thema Generationengerechtigkeit ist die JU untrennbar verbunden.<br />
Mir ging es nicht darum, älteren Menschen Angst zu machen, sondern<br />
auf ein Problem in 30 oder 40 Jahren hinzuweisen. Meine Formulierung bedaure<br />
ich. Das Thema bleibt jedoch aktuell.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ich würde es nicht so hart formulieren, aber die Frage, wie man Inhalte<br />
vermittelt, bleibt ja:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>WORKER</b>:<br />
Können Sie verstehen, dass sich meine Oma von einem 24jährigen<br />
Bübchen nicht so gerne vorschreiben lassen will, ob sie Anspruch<br />
auf ein neues Hüftgelenk hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Ihre Oma hat nichts zu befürchten, da ich gerne und auch zu Recht<br />
über meine Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung für<br />
ihre medizinische Versorgung einzahle. Die Frage ist nur: Wer zahlt für<br />
uns, wenn wir mal alt sind.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Zwergi Ö</b>.:<br />
Hallo Philipp! Wie hat die JU Basis den Generationenkrieg verkraftet?<br />
Stehen die JUler noch hinter Dir?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Auf dem Deutschlandtag vor ein paar Wochen gab es große Unterstützung<br />
für den Kurs des JU-Bundesvorstandes. In meiner Amtszeit sind zum<br />
ersten Mal seit 20 Jahren die Mitgliederzahlen der JU gestiegen. Dies<br />
zeigt, dass wir unsere Stellung als größter politischer Jugendverband<br />
Europas ausbauen konnten. Und zwar über ein Sachthema und nicht auf<br />
Kosten anderer Personen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hildegard<br />
Müller</b>: Philipp, warum dringt man nur mit populistischen<br />
Aussagen wie die Hüftgelenk-Nummer an die Öffentlichkeit? Denn<br />
sonst hört man ja nicht so viel von Dir.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Nächste Frage, Hildegard.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Matthias Zuerl</b>:<br />
Hallo Philipp, wie stehst du zum Gottesbezug im europäischen Verfassungsvertrag:<br />
ja oder nein? Und warum, wenn ja!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Philipp Mißfelder</b>:<br />
Zum Gottesbezug ein klares Ja.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Liebe Chatter, leider<br />
müssen wir den Chat wegen technischer Probleme fünf Minuten<br />
vor der Zeit beenden. Herr Mißfelder hätte gerne noch diese<br />
und andere Fragen ausführlicher beantwortet. Herzlichen Dank, Herr<br />
Mißfelder, dass Sie sich die Zeit genommen haben! Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen noch einen schönen Tag!</span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Türkei braucht EU-Beitrittsperspektive</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/tuerkei-braucht-eu-beitrittsperspektive-268/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Claudia Roth]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögensteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Erweiterung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/croth.jpg" alt="Claudia Roth" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
Claudia Roth, war am 1. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat 
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/croth.jpg" alt="Claudia Roth" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
Claudia Roth, war am 1. Dezember 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat<br />
von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<b><b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><br />
</span></b></b>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist<br />
ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt<br />
von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Heute begrüßen<br />
wir die Grünen-Politikerin und Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung,<br />
Claudia Roth. Sie wird in den kommenden 60 Minuten Ihre Fragen beantworten.<br />
Frau Roth, sind Sie bereit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Ja, ziemlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat sich erneut nachdrücklich gegen<br />
eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union<br />
ausgesprochen. Eine Mitgliedschaft der &quot;türkischen Freunde&quot;<br />
überfordere die EU. Was sagen Sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Ich halte diese Position für absolut falsch. Eine demokratische Türkei,<br />
die den Menschenrechten, den Minderheitenrechten, der Rechtsstaatlichkeit<br />
verpflichtet ist, muss ihren Platz in Europa haben dürfen. Europa<br />
ist nicht der Hort des christlichen Abendlandes, sondern basiert auf Menschenrechten,<br />
Grundrechten und Demokratie. Gerade nach dem 11. September wäre die<br />
Mitgliedschaft der Türkei in der EU ein Ausdruck der Stärke<br />
und ein Signal des Dialogs der Kulturen und des Dialogs der Religionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Hier bitte ich auf den 2. Teil der Frage zu achten:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Roswita</b>:<br />
Wie stehen Sie zum EU-Beitritt der Türkei? Sind in der Türkei<br />
nicht Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Es gibt in der Tat erhebliche Verbesserungen in der Türkei. Zum Beispiel<br />
wurde die Todesstrafe abgeschafft, wird die Folter bekämpft, gibt<br />
es den Beginn der Anerkennung der kurdischen Realität und die Zurückdrängung<br />
des Militärs aus der Politik. Also eine Dynamik der Veränderungen<br />
ausgelöst durch die EU-Beitrittsperspektive. Das reicht aber noch<br />
nicht aus. Es entscheidet nicht die Papierform von Gesetzen, sondern die<br />
Umsetzung in die Realität. Das heißt, wir müssen weiter<br />
darauf drängen, dass die ausstehenden Reformen erfolgen und das es<br />
in der Tat zu einer Überwindung von Menschrechtsverletzungen in der<br />
Türkei kommt und zum Beispiel die Rechte der Kurden voll anerkannt<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wie sieht das von Ihnen erwähnte Drängen konkret aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Indem die Beitrittsperspektive glaubhaft bleibt, indem auf die uneingeschränkte<br />
Erfüllung der so genannten Kopenhagener Kriterien bestanden wird,<br />
indem Defizite immer wieder aufgezeigt werden als Vorrausetzung, dass<br />
Ende 2004 konkrete Verhandlungen über den Beitritt beginnen können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Kuettner</b>:<br />
Guten Tag! Grundsätzlich zustimmend sieht man jedoch Presseberichten<br />
zufolge noch zu viele Menschenrechtsverletzungen in der Türkei. Zudem<br />
denke ich, dass es für den Moment mit der Aufnahme der zehn Beitrittskandidaten<br />
schon ein erhebliches Maß an Dialog der Kulturen gibt, das es erst<br />
einmal zu &quot;integrieren&quot; gilt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Die Türkei ist das Land mit der längsten Beitrittsperspektive<br />
überhaupt, beginnend 1963. Konkrete Beitrittsverhandlungen würden<br />
Jahre dauern, aber das Integrationssignal für die Türkei &#8211; und<br />
nicht zuletzt für Millionen von Menschen aus der Türkei, die<br />
bei uns leben &#8211; macht deutlich, dass sie nicht &quot;zweitklassig&quot;<br />
sind. Und dass eine säkulare Demokratie, die ihre Wurzel im Islam<br />
hat, sehr wohl Platz in Europa haben kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>hannes</b>:<br />
Ist das Tempo, mit der die EU wächst, nicht zu schnell?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Gute Frage. Eine Erweiterung muss immer auch Vertiefung bedeuten, so dass<br />
die Europäische Union nicht zu einem reinen Staatenbund wird. Aber<br />
&#8211; und das ist die Heuchelei, auch von Frau Merkel &#8211; ein konkreter Beitritt<br />
der Türkei in die EU wird mindestens noch 10 Jahre dauern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>1i1i7h</b>:<br />
Wie sehen sie die Akzeptanz der deutschen Bevölkerung gegenüber<br />
eines Beitritts. Und werden Sie sich als Vertreter des Deutschen Volkes<br />
an seinen Willen halten, oder orientieren Sie sich an Ihrer persönlichen<br />
Meinung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Ich werde mit meiner Partei versuchen, diese Frage verantwortlich und<br />
nicht demagogisch zu diskutieren. Ich werde Ängste ernst nehmen,<br />
sie aber nicht schüren und auf die Vorteile für die EU und die<br />
Türkei immer wieder hinweisen. Für mich ist das Allerpositivste,<br />
dass es mit europäischer Politik in der Türkei zu wirklich enormen<br />
Reformen im Menschenrechtsbereich gekommen ist. Diese Dynamik darf nicht<br />
abgebrochen werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dada</b>:<br />
Wie steht denn ihre Partei zu ihrer Meinung? Haben sie alle hinter sich?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Auf dem gestrigen Parteitag wurde diese Frage diskutiert und mit einer<br />
Gegenstimme und einer Enthaltung meine Position unterstützt, die<br />
sagt, keinen Rabatt bei Menschen und Minderheitenrechten und keine Ausgrenzung<br />
aufgrund der Religionen der Menschen, die in der Türkei leben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Bleiben wir beim Parteitag &#8211; da spielte das Thema Zuwanderung eine Rolle.<br />
Die Verhandlungen über das neue Zuwanderungsgesetz verlaufen schleppend.<br />
Knackpunkte sind vor allem die Arbeitsmigration und die Finanzierung der<br />
Integration. Am nächsten Freitag soll es eine &quot;Bereinigungssitzung&quot;<br />
geben. Was haben die Grünen als Verhandlungsmasse in der Hand?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Wir wollen ein Zuwanderungsgesetz, das Einwanderung regelt, das Asylrecht<br />
sichert und die Integration fördert. Deutschland braucht Zuwanderung,<br />
nicht zuletzt aus demografischen und ökonomischen Gründen. Es<br />
ist ein Standortnachteil dafür keine Regelung zu haben. Und es ist<br />
ein demokratischer Standortnachteil, wenn in Deutschland die restriktivste<br />
Anerkennungspraxis in Europa praktiziert wird. Es geht nicht nur um das<br />
ob, sondern wie ein Zuwanderungsgesetz sein wird. Die Vorschläge<br />
der Union wollen diametral das Gegenteil. Das heißt, wir stimmen<br />
nicht um jeden Preis zu.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Aber der Vermittlungsausschuss lebt doch von geben und nehmen. Die Positionen<br />
sind klar. Was können sie geben, um zu einer Einigung zu kommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Wir haben schon viel gegeben, aber ein Gesetz darf erstens kein Potemkinsches<br />
Dorf sein. Es muss modern Europa-tauglich, völkerrechtskonform und<br />
zukunftsorientiert sein. Wir dürfen nicht auf Jahre eine zukunftsorientierte<br />
Zuwanderungspolitik mit einem falschen Gesetz blockieren. Dafür wäre<br />
die Union in vollem Maße verantwortlich. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Und was machen Sie, wenn sich Rot und Schwarz einfach über ihren<br />
Kopf hinweg einigen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Das wird nicht passieren. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Roswita</b>:<br />
Halten Sie Debatten um Zuwanderung in der derzeitigen Situation am Arbeitsmarkt<br />
für gerechtfertigt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Nicht nur für gerechtfertigt, sondern für notwendig. Verantwortliche<br />
Politik muss deutlich machen, dass nicht Migranten an Arbeitslosigkeit<br />
Schuld sind. Es gibt Branchen, in denen qualifizierte Arbeitnehmer fehlen.<br />
Mit der Greencard-Initiative wurden im Schnitt pro Person zwei neue Arbeitsplätze<br />
geschaffen. Das heißt, es findet keine Verdrängung statt, sondern<br />
das Gegenteil. Selbstverständlich muss in Deutschland sehr viel zukunftsorientierter<br />
ausgebildet werden als bisher. Die deutsche Universität leidet unter<br />
dem restriktiven Ausländergesetz. Es fällt immer schwerer, qualifiziertes<br />
ausländisches Lehrpersonal zu bekommen. Wir brauchen aber die Internationalisierung<br />
auch der deutschen Hochschulen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Julius</b>:<br />
Welches sind die wichtigsten Punkte im Vorschlag der Grünen zum Zuwanderungsgesetz?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Erstens eine Punktesystem, das Einwanderung regelt. Zweitens: Die Anerkennung<br />
nichtstaatlicher und geschlechtsspezifischer Verfolgung. Drittens: Integration,<br />
die mehr als den reinen Spracherwerb bedeutet. Das ist aber mehr als eine<br />
Stakkatoantwort.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Das Thema Türkei bewegt die Gemüter, deshalb:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>1i1i7h:</b><br />
Warum wird bei Beitrittsverhandlungen die Türkei beachtet, Russland<br />
jedoch nicht, das auch halb in Asien liegt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Im Ankara-Vertrag wird seit 1963 die europäische Perspektive verankert.<br />
In der Türkei ordnen sich 90 Prozent der Bevölkerung zu Europa.<br />
In der EU leben schon jetzt Millionen von Menschen, die aus der Türkei<br />
zu uns gekommen sind und gerade Deutschland kann eine herausragende Brücke<br />
im Sinne einer starken multikulturellen, multireligiösen EU spielen.<br />
Russland, als EU-Mitglied, würde in der Tat diesen Rahmen sprengen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Schweizer</b>:<br />
Was sind die Vorteile für die EU und für Deutschland?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Es sind ökonomische Vorteile. Es sind aber vor allem Vorteile, die<br />
in Zeiten von internationalem Terrorismus eine Stärkung der EU durch<br />
eine demokratische Türkei als Signal gegen Terrorismus bedeuten würde.<br />
Der Anschlag auf Istanbul war ein Anschlag auf eine weltoffene, europäische<br />
Metropole. War ein Anschlag auch auf unsere Werte, auf Demokratie, auf<br />
gleiche Rechte von Mann und Frau, war ein Anschlag auf unser Lebens- und<br />
Gesellschaftsmodell und deswegen braucht die Türkei und die EU Integration<br />
und nicht Ausgrenzung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Niels Kuettner</b>:<br />
Die großen Vorteile einer europäischen Integration anerkennend,<br />
bedeutet ein Beitritt der Türkei zur EU aber auch eine gemeinsame<br />
Grenze mit dem Irak. Wie sieht der Irak in zehn Jahren aus? Hier sind<br />
im Augenblick nur Spekulationen möglich. Aber müsste eine Befürwortung<br />
des Türkei-Beitritts nicht auch bedeuten, dass sich die Bundesregierung<br />
am (heute leider noch so brenzligen) Nationbuilding im Irak beteiligt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Das Nein zum Krieg im Irak hat keinesfalls bedeutet ein Nein zu humanitärer<br />
Hilfe und zur Unterstützung des politischen Aufbaus des Iraks. Wir<br />
setzen uns im Rahmen der UN massiv dafür ein, zum Beispiel für<br />
einen schnellstmöglichen Souveränitätstransfer auf irakische<br />
Vertreter. Die Situation im Irak ist zutiefst erschütternd und deprimierend<br />
und macht leider deutlich, dass der Krieg nicht positiv gewirkt hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Leiten wir nun zum Thema Vermögenssteuer über &#8211; Benjamin mit<br />
einem interessanten Gedanken:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>benjamin</b>:<br />
Sie reden von Standortnachteil und vom ökonomischen Nutzen. Liberale<br />
Rhetorik &#8211; auch in der Partei mehren sich die Wirtschaftsliberalen? Kommt<br />
die Vermögenssteuer oder bringt die allzu starke Standortnachteile?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Also Wirtschaftsliberale bin ich sicher nicht, sondern alte Jungdemokratin.<br />
Der Standort Deutschland braucht konsequente Reformen. Diese Reformen<br />
sind nötig, um den sozialen Rechtstaat auch in der Zukunft zu erhalten.<br />
Diese Reformen sind nicht sozialer Kahlschlag, wie es Union und FDP wollen.<br />
Reformpolitik findet nur dann Akzeptanz in der Bevölkerung, wenn<br />
es gerecht zugeht. Mit der Vermögenssteuer wird eine Gerechtigkeitslücke<br />
geschlossen. Es kann nicht sein, dass sich Firmen wie BMW oder Daimler,<br />
armrechnen und keinen Beitrag leisten zum Gemeinwohl diesen Landes.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Rothenburger</b>:<br />
Vermögenssteuer: Sind die Grünen-Linken um Ströbele unverbesserliche<br />
Anti-Kapitalisten, die den Lauf der Zeit nicht verstehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Nein, ich bin Anhängerin des Grundgesetzes, in dem steht, dass Eigentum<br />
verpflichtet. Und ich vermag nicht einzusehen, warum Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger<br />
ihren Beitrag leisten müssen, Vermögende aber nicht. Das hat<br />
nichts mit Anti-Kapitalismus zu tun, sondern mit sozialer Gerechtigkeit<br />
und Solidarität, mit sozialen Rechten, die die Grundlage unserer<br />
Demokratie sind. Working-Poor, Kopfpauschale, Aufhebung des Kündigungsschutzes<br />
ist nicht Lauf der Zeit, sondern ein Anschlag auf unser Gesellschaftssystem,<br />
das auch sozialen Zusammenhalt braucht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Ist das nicht Augenwischerei. Die Grünen-Spitze hat trotz Entgegenkommen<br />
mehr als klar gemacht, dass es eine effektive betriebliche Vermögenssteuer<br />
nicht geben wird. Es wurde auf dem Parteitag dagegen gestimmt, einen verbindlichen<br />
Gesetzesentwurf von der Bundestagsfraktion zu fordern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Der Parteitag hat sich eindeutig auch für eine betriebliche Vermögenssteuer<br />
ausgesprochen, ohne im Detail die Kriterien zu benennen. Der politische<br />
Wille ist klar.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kofi</b>:<br />
Aber im Bundesrat finden sie doch keine Mehrheiten für ihre Aussagen.<br />
Jetzt schöne Reden halten kann ich auch. Aber wie sehen die Kompromisse<br />
aus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Dass sie so schöne Reden halten können, freut mich. Aber die<br />
Tatsache, dass es im Bundesrat andere Mehrheiten gibt, darf nicht bedeuten,<br />
schon vorauseilend eigene Positionen aufzugeben. Wir müssen sie als<br />
machbar darstellen und notwendig für die Zukunft und damit die Blockadepatrioten<br />
der CDU/CSU unter Druck setzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Also doch die Beruhigungspille für ihre Parteibasis, zumindest aus<br />
Sicht von Reinhard Bütikofer und Christine Scheel?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Keine Beruhigungspille, sondern politischer Auftrag an Bundesvorstand<br />
und Fraktion. Im Übrigen ist der Konsens sehr groß. Wir wollen<br />
eine Vermögenssteuer, wie sie im Detail aussieht, muss jetzt erarbeitet<br />
werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jürgen</b>:<br />
Wie groß ist der administrative Aufwand, um die Vermögenssteuer<br />
einzutreiben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Diese Frage unterstellt, dass er zu groß sei. Wir hatten bis 1996<br />
eine Vermögenssteuer. Ich sehe keinen Grund, sie nicht wieder einzuführen.<br />
Wenn wir wissen, wie enorm groß Vermögen in Deutschland ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Anmerkung &#8211; die Vermögenssteuer hat 1996 gerade 4,6 Milliarden eingebracht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Gerade sagen sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Nun ja, bei knapp 43 Milliarden Defizit. Aber nun letzte Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sonnenblumenfee</b>:<br />
Möchten Sie wieder die Grünen-Chefin werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Claudia Roth</b>:<br />
Aus Bayern kommend sage ich, &quot;schaun wir mal&quot;. Diese Frage stellt<br />
sich nicht heute. Deswegen auch heute keine Antwort.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Unsere Stunde ist vorbei. Vielen Dank an alle für ihr Interesse und<br />
die zahlreichen Fragen. Es ist leider Vieles noch unbeantwortet geblieben.<br />
Dank an Sie, Frau Roth. Das Transkript dieses Chats und aller anderen<br />
finden Sie wie immer auf den Seiten der Veranstalter der Chat-Reihe tacheles.02</span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Deutschland sollte endlich eine gesteuerte und gezielte Einwanderung bekommen.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Chat]]></category>
		<category><![CDATA[Kopftuchstreit]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Einwanderung]]></category>
		<category><![CDATA[Marieluise Beck]]></category>
		<category><![CDATA[Zuwanderungsgesetz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mbeck_neu.jpg" alt="Marieluise Beck" align="left" border="0" height="112" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Die</span><span style="color: #000000"> Ausländerbeauftragte 
der Bundesregierung, Marieluise Beck</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
war am 19. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/mbeck_neu.jpg" alt="Marieluise Beck" align="left" border="0" height="112" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Die</span><span style="color: #000000"> Ausländerbeauftragte<br />
der Bundesregierung, Marieluise Beck</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
war am 19. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator: </b>Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe<br />
tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de und<br />
wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de. Im<br />
ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich heute Marieluise Beck, die<br />
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und<br />
Integration. Können wir loslegen, Frau Beck?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Frau Beck, im Vermittlungsausschuss wird derzeit zwischen Union und Rot-Grün<br />
über das Zuwanderungsgesetz verhandelt. Ihre Parteichefin Angelika<br />
Beer hat gefordert: &quot;die wesentlichen Bestandteile&quot; des rot-grünen<br />
Gesetzentwurfes müssten erhalten bleiben, sonst werde das ganze Vorhaben<br />
platzen. Sehen Sie das auch so und wo ist die Grenze für Sie, hinter<br />
die man nicht zurückfallen darf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Die Grenze wird grob dort markiert, wo es eine Verschärfung<br />
und Verschlechterung gegenüber dem jetzigen Ausländerrecht gäbe.<br />
Allerdings, muss man sich in Erinnerung rufen, weshalb dieses neue Gesetz<br />
überhaupt gemacht wurde. Deutschland sollte endlich eine gesteuerte<br />
und gezielte Einwanderung bekommen, damit wir den Herausforderungen einer<br />
modernen Gesellschaft gewachsen sind. Wer fordert den Anwerbestop aufrechtzuerhalten,<br />
negiert den eigentlichen Impuls für dieses Gesetz.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>soso</b>:<br />
Die Debatte im Bundesrat zum Einwanderungsgesetz war peinlich für<br />
die Politik und der Sache schädlich. Wie haben sie sich dabei gefühlt<br />
und was denken sie in der Sache darüber?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck:</b> Ich habe als Zuschauerin dem Drama im Bundesrat beigewohnt.<br />
Als &quot;Ausländerbeauftragte&quot; bin ich sehr wohl vertraut damit,<br />
dass gerade Ausländerthemen immer wieder als Folie herhalten müssen<br />
für politische Auseinandersetzungen, bei denen es eigentlich um Machtfragen<br />
geht. Das finde ich sehr bedauerlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gunnar</b>:<br />
Wie will man Chancengleichheit für Migrantinnen und Migranten herstellen,<br />
wenn Politik und Gesellschaft diese nach wie vor als unbeliebte aber für<br />
den Bedarfsfall nützliche Humanressource betrachten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Sie treffen den Kern des Problems mit ihrer Einschätzung.<br />
Ich bin fest davon überzeugt, dass Integration nur gelingen kann,<br />
wenn wir den Migrantinnen und Migranten echte Angebote machen, zu unserer<br />
Gesellschaft dazuzugehören. Das bedeutet vor allem, Chancen zu eröffnen<br />
in Bildung und Ausbildung, in Zugängen zu gesellschaftlichen Institutionen<br />
und mit einer Haltung, die gleichzeitig kulturelles und religiöses<br />
Anderssein respektiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kerner</b>:<br />
Aber wollen Ausländer dazu gehören? Sie schotten sich doch ab?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Das halte ich für ein gut gepflegtes Vorurteil, das<br />
bedauerlicherweise oft von jenen geäußert wird, die den Einwanderern<br />
nicht wirklich die Türen in unserer Gesellschaft öffnen wollen.<br />
Nach meinen Erfahrungen überschätzen wir als Aufnahmegesellschaft,<br />
wie viele kleine Demütigungen, Kränkungen und Zurückweisungserfahrungen<br />
es für viele Migrantinnen in unserer Gesellschaft gibt und damit<br />
produzieren wir zum Teil den Rückzug, den wir dann beklagen.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/beck_ard.jpg" alt="Marieluise Beck" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Migros</b>:<br />
Heißt integrieren Deutsch-werden? Und wie werde ich deutsch? Wo<br />
fängt das an und wo hört das auf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Chapeau. Es gibt nicht den Ausländer und es gibt nicht<br />
den Otto-Normaldeutschen, der als Maßstab für vollzogene Integration<br />
herhalten könnte. Moderne Gesellschaften sind pluralistisch, das<br />
heißt es gibt lesbische, heterosexuelle, asiatisch aussehende, schwarze,<br />
jüdische, christliche, atheistische, muslimische, buddhistische Menschen,<br />
jeweils unter den Deutschen und auch unter den Migranten. Gemeinsam Basis<br />
für das Deutschsein sind die Grundwerte der Verfassung und die Rechtsordnung.<br />
Kulturelle und religiöse Differenz, sind von den klugen Verfassungsvätern<br />
und -Müttern explizit geschützt worden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Veronika</b>:<br />
Wie können Sie als Ausländerbeauftragte überhaupt Einfluss<br />
nehmen auf die Stimmung in der deutschen Bevölkerung gegenüber<br />
Ausländern?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Die schärfste Waffe der Migrationsbeauftragten ist<br />
das Wort. Wie ich höre, hat auch der Bundespräsident keine anderen<br />
Instrumente in der Hand oder im Mund. Es geht immer um Aufklärung,<br />
Ausleuchten des Fremden und Unbekannten, Dialog, sich Kennenlernen, Einschätzen<br />
können, was das Fremde oder die Fremden mitbringen oder durch ihre<br />
Symbole vermitteln wollen. Kurz gesagt, es gibt keine Alternative zu einer<br />
aufklärenden Debatte.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Noch einmal zum &quot;Deutschsein&quot;:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pauöli</b>:<br />
Aber jede Gesellschaft und jeder Staat muss doch klare Grenzen haben,<br />
sonst macht das Staatsbürgerrecht ja keinen Sinn mehr?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Sie haben vollkommen Recht. Es geht mit der Staatsbürgerschaft<br />
um die Zugehörigkeit zu einer Nation. Die Eintrittsbedingungen in<br />
eine Nation sind klar definiert, sei es durch Geburt oder bei den Einbürgerungen<br />
durch Aufenthaltszeiten, Sprachkenntnisse und die Sicherung des eigenen<br />
Lebensunterhaltes plus die Anerkennung der Verfassungswerte und des Rechtsstaates<br />
als gemeinsame Grundlage für die Zugehörigkeit zu einer Nation.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>UmsÖ</b>:<br />
Die Franzosen sind ganz &quot;natürlich&quot; stolz auf ihr Land.<br />
Sollten die Deutschen das auch sein und entspannter damit umgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Angesichts der unfassbaren Ereignisse, die durch den deutschen<br />
Faschismus in die Welt getragen worden sind, fällt es schwer, umstandslos<br />
stolz auf dieses Land und damit seine Geschichte zu sein. Anders als in<br />
Frankreich mit seiner republikanischen Tradition und einem unbefangenen<br />
Patriotismus ist nach der deutschen Geschichte das Verhältnis zur<br />
Nation gebrochener. Es geht in Deutschland immer darum, die dunklen und<br />
die hellen Seiten der eigenen Geschichte gemeinsam auszuleuchten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zwei Kommentare zu Staatsbürgerschaft und Deutsch-Sein:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>student nl</b>:<br />
Ich sehe es nicht mehr wirklich ein, den Kopf einzuziehen, denn ich meine,<br />
ein Deutscher kann stolz darauf sein, wie er mit seiner Geschichte umgeht,<br />
anders als die Japaner z.B., deren Präsident das Grab eines Kriegsverbrechers<br />
ehrt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Gunnar</b>:<br />
apropos Deutsch-Sein: Teile unserer Gesellschaft sollten es akzeptieren,<br />
dass der Gedanke vom Deutsch-Sein aufgrund der Abstammung in die Geschichte<br />
gehört. Für eine überfällige Errungenschaft des Staatsbürgerschaftsgesetztes<br />
halte ich die Tatsache, dass deutsche Staatsbürgerschaft nun aufgrund<br />
des Jus Soli erreicht werden kann. Der Gedanke vom &quot;deutschen Blut&quot;<br />
gehört endgültig aufs Abstellgleis.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Zu student nl: Es geht bei der Haltung gegenüber Deutschland<br />
nicht um individuelle Schuldgefühle, die eine zweite und dritte Nachkriegsgeneration<br />
zu Recht zurückweist. Es geht allerdings dennoch, um ein historisches<br />
Bewusstsein, dass die Nation, zu der wir als Bürgerinnen und Bürger<br />
gehören, eine Geschichte hat, die wir nicht negieren können,<br />
und die gleichzeitig auch Verpflichtungen für unsere Haltung und<br />
Handlungen, jetzt, bedeuten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Kommentar<br />
zu Gunnar</b>. Sie haben ja Recht. Das Absurde in Deutschland war,<br />
dass bis zur Staatsbürgerschaftsrechtsreform im Jahr 2000 Ausländer<br />
in deutschen Kreissälen geboren wurden. Rein statistisch wäre<br />
die Zahl der Ausländer in Deutschland deutlich niedriger, wenn wir<br />
wie andere republikanische Staaten das Jus Soli (Geburtsrecht) früher<br />
eingeführt und Einbürgerungen erleichtert hätten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Zur folgenden Frage: Haben Sie da Erfahrungen, vielleicht im Austausch<br />
mit den Ausländerbeauftragten anderer Länder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Pontek</b>:<br />
Wieso haben andere Staaten denn nicht dieses Problem, so haben sich die<br />
Kolonialmächte in ihrer Blütezeit auch nicht gerade mit Ruhm<br />
bekleckert. Gewiss ist die deutsche Schuld eine besondere, aber gerade<br />
in Sachen Rassismus ist bspw. die USA (Sklavenhandel etc.) auch nicht<br />
gerade ein Vorbild, aber mit Patriotismus hat dort keiner Probleme!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Um diese schwierige Frage zu beantworten, muss man vermutlich<br />
etwas tiefer in die deutsche Geschichte und in die Frage der Nationenbildung<br />
einsteigen. Die USA und Frankreich &#8211; deren Nationenbildung fand eindeutig<br />
auf der Basis von allgemeinen Bürgerrechten statt und machte damit<br />
ein Angebot an alle Bürger, sich mit dem eigenen &quot;Vaterland&quot;<br />
zu identifizieren &#8211; während zeitgleich im mitteleuropäischen<br />
Raum, der jetzt Deutschland ist, noch viele Kleinstaaten plus das Königsreich<br />
Preußen und das Kaiserreich Österreich existierten. Deutschland<br />
verstand sich deswegen lange Zeit als Kulturnation, zusammengehalten durch<br />
Sprache und Kultur, und der positive Rückgriff auf allgemeine Werte,<br />
wie die Bürgerrechte fand nicht statt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Halstuch</b>:<br />
In Berlin werden Kopftücher für Lehrerinnen nicht verboten,<br />
lese ich. In Baden-Württemberg wird eifrig an einem Gesetz gearbeitet.<br />
Diese Uneinheitlichkeit ist verwirrend und verunsichert. Sollten sie da<br />
nicht ein Machtwort sprechen?</span>
</p>
<p><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/beck_ard1.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /> </p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ich kann ihnen nur zustimmen. Ich finde auch, dass man<br />
politische Entscheidungen viel öfter mir übertragen sollte,<br />
dann hätten wir nicht so ein Durcheinander im Föderalismus.<br />
😉 </p>
<p>
Angesichts der Tatsache, dass die Schulpolitik in die Hoheit der Länder<br />
fällt und es sich bei der Kopftuchfrage um eine schulische Angelegenheit<br />
handelt, können in den Ländern unterschiedliche Gesetze gemacht<br />
werden. Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil die<br />
Grundlagen für eine solche Gesetzgebung deutlich markiert: wenn man<br />
sich entscheidet, die Institution Schule säkular werden zu lassen,<br />
das heißt religiöse Symbole und Inhalte aus dem Ort Schule<br />
verbannt, dann muss das alle Religionen in gleichem Maße treffen.<br />
Die Alternative ist das Zulassen von Vielfalt. Grenzen bestehen dort,<br />
wo religiös-politisch missioniert wird. Ich gehe davon aus, dass<br />
der Versuch der Kultusministerin Schavan, diese Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts<br />
zu umgehen und die christlich, jüdischen Symbole als &quot;normal&quot;,<br />
die islamischen als nicht-zugehörig, zu definieren, verfassungsrechtlich<br />
nicht standhalten wird.
</p>
<p></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Wo endet die Gleichheit der Kulturen? Warum soll die christliche Kultur,<br />
die die deutsche Nation Jahrhunderte lang prägte und ja immer noch<br />
gelebt wird, nicht vorrangig vermittelt werden?</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Wir haben in Deutschland eine sehr dramatische Erfahrung,<br />
wie über den Ausschluss einer Religion, nämlich der jüdischen,<br />
die dann sogar zu der künstlichen Definition einer Ethnie umgedeutet<br />
wurde, zunächst zu harten Diskriminierungen und dann zur Ausmerzung<br />
führte. Die Gleichheit der Religionen, die die Verfassungsväter-<br />
und mütter ins Grundgesetz geschrieben haben, ist eine historische<br />
Konsequenz aus diesem Teil der deutschen Geschichte. Das bedeutet jedoch<br />
nicht, dass wir eine christlich- abendländische Prägung, die<br />
wir zweifellos haben, verstecken sollten.</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Magenta</b>:<br />
Wie reagieren Schüler auf das Kopftuch? Gibt es dazu Untersuchungen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Anders als die aufgeregte politische Debatte, sind in den<br />
Orten, wo es kopftuchtragende Lehrerinnen gibt, Schülerinnen und<br />
Schüler und auch Eltern deutlich gelassener mit dieser Frage umgegangen,<br />
als die ideologischen Vorturner. In Nordrhein-Westfalen gibt es seit Jahren<br />
kopftuchtragende Lehrerinnen und es sind keinerlei Konflikte aus diesen<br />
Schulen bekannt geworden. Es gab sogar Protestaktionen von Schülern,<br />
Schülerinnen und Eltern, nachdem einer kopftuchtragenden Referendarin<br />
die Weiterbeschäftigung untersagt wurde, weil sie ihre Lehrerin wiederhaben<br />
wollten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wilhelms</b>:<br />
Sehr geehrte Frau Beck, auch auf die Gefahr hin, dass Sie schon mal auf<br />
eine ähnliche Frage geantwortet haben: Wie wollen Sie mit dem Problem<br />
umgehen, dass die islamische Religion &#8211; in ihrer Entwicklung 600 Jahre<br />
rückständig &#8211; auf eine radikale Missionierung der christlich-jüdischen<br />
Welt aus ist? Ähnlich wie die Kreuzfahrer üben sich auch die<br />
heutigen radikalen Moslems nicht in Toleranz und gefährden unsere<br />
innere Sicherheit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Es gibt nicht die Christen und nicht die Moslems. Es gibt<br />
in der Tat höchst alarmierenden politischen Extremismus, der meint<br />
sich vom Islam ableiten zu können, sowohl in fundamentalistischen<br />
Staaten, wie Afghanistan unter den Taliban, Iran unter den Mullahs und<br />
zum Beispiel der Norden Nigerias. Doch ebenso wie das Christentum sich<br />
einen kulturellen Wandel nicht entziehen konnte, gibt es auch einen Islam,<br />
der die universellen Menschenrechte anerkennt, und damit auch demokratische<br />
und Gleichheitsgrundsätze. Wenn wir diese Ausdifferenzierung des<br />
Islam nicht wahrzunehmen bereit sind, verlieren wir jede Chance auf Dialog.<br />
Die Friedensnobelpreisträgerin dieses Jahres ist eine Muslime aus<br />
dem Iran.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>matze3</b>:<br />
Ich habe einen Bericht über die steigende Kriminalität bei russischen<br />
Aussiedlern gesehen. Dort scheint es ein zunehmendes Integrations-Problem<br />
zu geben. Wie wollen Sie diese Bevölkerungsgruppe stärker integrieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Es gibt leider keinen Instrumentenbaukasten &quot;Integration&quot;,<br />
wie den Arztkoffer. Trotz Sprachkursangeboten und Qualifikationsangeboten<br />
durch die Bundesanstalt für Arbeit, gibt es in der Tat viele Konflikte<br />
vor Ort mit Spätaussiedlern, die zu zunehmenden Anteilen mitreisende<br />
russische Familienmitglieder sind. Ich gehe davon aus, dass es keine Alternative<br />
zu dem sehr mühseligen Weg gibt, auch für diese Zugewanderten<br />
möglichst viele gesellschaftliche Chancen zu eröffnen, das heißt<br />
Zugänge zu schaffen, Teilhabe zu ermöglichen, damit sie selber<br />
einen integrierten Weg durch die deutsche Gesellschaft für lohnenswert<br />
erhalten, als einen desintegrierten, der Kriminalität, formal Drogenabhängigkeit<br />
und Gewalttätigkeit, bedeutet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
In vielen Städten ist eine Gettoisierung von einzelnen Stadtvierteln<br />
bereits Fakt. Duisburg-Marxloh oder das Rollberg-Viertel in Berlin-Neukölln<br />
&#8211; dort wohnen auch viele Aussiedler aus der früheren Sowjetunion.<br />
Der Berliner &quot;Tagesspiegel&quot; sprach gestern von &quot;no-go-areas&quot;.<br />
Die Politik sei hilflos, heißt es. Ist die Gettoisierung noch rückgängig<br />
zu machen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ich selber verwende den Begriff des Gettos nicht, weil<br />
er historisch klar definiert ist, als auch räumlich abgeschlossen.<br />
Ich halte es für treffender, von ethnischen Communities zu sprechen,<br />
deren Entstehung überall auf der Welt mit Migration verbunden ist.<br />
Man denke an Chinatown in New York oder das Holländische Viertel<br />
in Potsdam. Problematisch werden diese Communities dann, wenn sie sozial<br />
zerfallen, über extrem hohe Arbeitslosigkeit, miserable städtebauliche<br />
Verhältnisse, Unterbeschäftigung von Jugendlichen, Perspektivlosigkeit<br />
und fehlenden sozialintegrativen Angeboten. Insofern handelt es sich bei<br />
den Problemen, in den von Ihnen genannten Vierteln zumeist, neben den<br />
ethnischen Problemen, immer auch um soziale Probleme. Das konnte man übrigens<br />
in England, bei den gewalttätigen Revolten von jungen Migranten,<br />
deutlich lernen. Bei einer solchen Zusammenballung von Problemen, gibt<br />
es keine Alternative, als auch in diesen Räumen, Perspektiven auf<br />
Chancen der Teilhabe entgegenzusetzen durch Investitionen in Bildung,<br />
Anschluss zum Arbeitsmarkt und Stadtentwicklung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>danman991</b>:<br />
Was sagen Sie zu der Angst Vieler, dass gerade in der heutigen Krisenzeit<br />
hohe Zuwanderung die Deutschen Probleme speziell auf dem Arbeitsmarkt<br />
vergrößert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Generell ist ökonomisch belegt, dass wir bisher durch<br />
die Zuwanderung wirtschaftlich profitiert haben. Sowohl in den Unternehmen<br />
als auch in den Sozialversicherungssystemen. Zuwanderung von Menschen,<br />
die auf dem deutschen Arbeitsmarkt keine Chance bekommen, ist in der Tat<br />
ein Problem. Nicht nur weil der Arbeitsmarkt ein zentraler Ort von Integration<br />
ist, sondern weil sonst auch Kosten entstehen. Wir wissen aber, dass es<br />
namhafte Bereiche auf dem Arbeitsmarkt gibt, die von deutschen Arbeitnehmern<br />
nicht mehr angenommen werden. Dazu gehören Pflege, Gastronomie, Haushalt.<br />
Gleichzeitig haben wir auch im hochqualifizierten Bereich Segmente des<br />
Arbeitsmarktes, bei dem gutqualifizierte Menschen fehlen und deren Nichtvorhandensein<br />
Arbeitsplätze kostet. So wissen wir inzwischen, dass jeder eingereiste<br />
IT- Fachmensch, drei Arbeitsplätze in Deutschland nach sich gezogen<br />
hat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Hopi</b>:<br />
Wie lange muss ich mich in einem geeinten Europa noch entscheiden, ob<br />
ich Deutsche ODER Italienerin sein will &#8211; wann wird die doppelte oder<br />
die europäische Staatsbürgerschaft verwirklicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Marieluise<br />
Beck</b>: Ist für Deutsche und Italiener bereits der Fall &#8211;<br />
seit einem Jahr.<br />
Innerhalb der EU gibt es eine Vereinbarung auf Gegenseitigkeit bei der<br />
Hinnahme von Doppelstaatsbürgerschaft.</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Chat- und Politik- Interessierte, vielen Dank für Ihr Interesse<br />
und die zahlreichen Fragen. Herzlichen Dank, Frau Beck, dass Sie sich<br />
die Stunde Zeit genommen haben (es ist sogar etwas mehr geworden). Das<br />
Transkript dieses Chats finden Sie wie alle anderen auch auf den Seiten<br />
der Veranstalter. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen schönen<br />
Tag.</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Hohmann hat Chance zur Klarstellung nicht genutzt.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Europapolitik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Schäuble]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Hohmann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wsch%E4uble%202003_neu.jpg" alt="Wolfgang Schäuble" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Der Fraktionsvize der CDU/CSU, Wolfgang Schäuble</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, 
war am 11. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de 
und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wsch%E4uble%202003_neu.jpg" alt="Wolfgang Schäuble" align="left" border="0" height="116" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Der Fraktionsvize der CDU/CSU, Wolfgang Schäuble</span></b><span style="color: #000000"><b><b>,<br />
war am 11. November 2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de<br />
und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator</b>:<br />
Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Im ARD-Hauptstadtstudio begrüße ich heute den Vizevorsitzenden<br />
der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag, Wolfgang Schäuble. Herzlichen<br />
Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Herr Schäuble, kann<br />
es losgehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>:<br />
Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Die EU wächst in Zeiten leerer Kassen<br />
und internationaler Spannungen. Welche Rolle muss Deutschland dabei spielen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich denke, wir sollten mit anderen<br />
zusammen Vorreiter sein, dass die Reform der EU in Richtung auf eine klarere<br />
Struktur der europäischen Entscheidungen gelingt und zugleich auch<br />
für die Erweiterung, weil der Beitritt unserer Nachbarn im Osten<br />
für uns politisch und auf längere Sicht auch wirtschaftlich<br />
von Vorteil ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>a propos</b>: Wann hat die EU ihre Grenze erreicht, was die<br />
Anzahl der Mitglieder betrifft? Je mehr desto besser?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Wolfgang<br />
Schäuble</b>: Nein, nach meiner Überzeugung kann Mitglied<br />
der EU nur werden, wer nicht nur die Voraussetzungen wirtschaftlich und<br />
demokratisch erfüllt, sondern wer auch innerhalb der geografischen<br />
Grenzen Europas liegt. Überschreiten wir diese Grenzen, werden wir<br />
nicht genügend Zusammenhalt schaffen, der Voraussetzung für<br />
das Gelingen der europäischen Einigung ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Dennis Raab</b>: Wie stehen Sie zu einem EU-Beitritt der<br />
Türkei??</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich finde, es wäre besser,<br />
wenn wir mit der Türkei eine besondere Form enger Partnerschaft vereinbaren<br />
könnten. Eine volle Mitgliedschaft der Türkei stößt<br />
auf das Problem, dass wir damit über die Grenzen Europas hinausgehen<br />
würden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Flint</b>: Warum kommt dann die Türkei überhaupt<br />
in Frage?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Weil wir seit den 60er Jahren<br />
der Türkei Hoffnung gemacht haben, können wir jetzt nicht einfach<br />
einseitig die Verhandlungen aufkündigen. Im Übrigen haben wir<br />
ein Interesse an einer engen Zusammenarbeit mit der Türkei und auch<br />
daran, dass sich die Türkei weiter im Sinne einer stabilen, rechtstaatlichen<br />
Demokratie entwickelt und verlässlicher Partner des Westens bleibt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Eupos</b>: Es gebe &quot;Verzögerungen in der Praxis&quot;,<br />
sagte Außenminister Abdullah Gül. Die Defizite würden<br />
jedoch rasch ausgeräumt &#8211; die Regierung sei entschlossen, das Land<br />
schnell auf EU-Niveau zu bringen. Glauben sie das?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich glaube das. Aber es räumt<br />
meine Bedenken gegen eine volle Mitgliedschaft der Türkei nicht aus.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/schauble_ard.jpg" alt="Wolfgang Schäuble" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator:</b> Aber ist das nicht gerade ein Grund dafür,<br />
die Türkei aufzunehmen, um besser Einfluss nehmen zu können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>:<br />
Ich denke mit einer engen Partnerschaft, die wir mit der Türkei vereinbaren<br />
sollten, könnten wir der besonderen Rolle der Türkei als Partner<br />
des Westens und als Brücke der islamischen Welt besser gerecht werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Neues EU-Thema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Mikael</b>: Wie lange sollen noch solch kleine Länder<br />
wie Luxemburg und zukünftig Malta eine für ihre Einwohnerzahl<br />
zu bedeutende Stimme in der EU haben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Der Entwurf für eine europäische<br />
Verfassung sieht ein doppeltes Stimmenrecht vor, nämlich nach der<br />
Zahl der Einwohner und nach der Zahl der Staaten. Damit hat ein Land wie<br />
Deutschland auch einen größeren Einfluss als beispielsweise<br />
Luxemburg.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Gelbfüßler</b>: Wie stehen sie zum derzeitigen<br />
Eu-Ratspräsidenten Berlusconi? Ich finde, er ist eine Schande für<br />
Europa. Sie auch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ratspräsident ist der jeweilige<br />
Regierungschef des Landes, das für ein halbes Jahr den Vorsitz in<br />
der EU hat und der ist in seinem Land demokratisch gewählt. Das Problem<br />
kann aber für die Zukunft dadurch gelöst werden, dass in dem<br />
erwähnten Verfassungsentwurf die Wahl eines eigenen Präsidenten<br />
für den europäischen Rat vorgesehen ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Funk</b>: Was halten Sie davon, die Sozialstandards innerhalb<br />
Europa zu harmonisieren und so etwas wie eine einheitliche soziale Grundsicherung<br />
zu schaffen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Das halte ich nicht für<br />
gut. Ich denke, die Verhältnisse in den einzelnen Ländern, die<br />
Familienstrukturen, die sozialen Systeme usw. sind so unterschiedlich,<br />
dass wir das nicht in Europa harmonisieren sollten. Europa gelingt besser,<br />
wenn wir die notwendige Einheit mit der Bewahrung der Vielfalt verbinden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Angela Merkel hat nachdrücklich &quot;Ja&quot;<br />
gesagt zum Verfassungsentwurf des Europakonvents: Stoiber und Koch hatten<br />
massive Vorbehalte. Wie ist die Stimmung in der Union?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Wir sind uns in der Union einig,<br />
dass dieser Entwurf gegenüber dem heutigen Zustand eine klare Verbesserung<br />
ist. Natürlich könnten wir uns zusätzliche Verbesserungen<br />
vorstellen, und es bleibt abzuwarten, wie viel davon noch in der Regierungskonferenz<br />
durchzusetzen ist. Das ist die gemeinsame Position von Merkel, Stoiber<br />
und Koch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Miss Agrarsubvention</b>: Wo sollen die Kompetenzen des erwähnten<br />
Ratspräsidenten liegen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Der Ratspräsident hat den<br />
Vorsitz des Rats. Unser Wunsch ist, dass möglichst bald diese Aufgabe<br />
mit dem Kommissionspräsidenten verbunden wird und das dieser vom<br />
EU-Parlament gewählt wird. Aber dafür gibt es im Moment noch<br />
keine Mehrheit in Europa.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>gelbfüßler</b>: Sollte die EU &#8211; trotz der wirtschaftlichen<br />
Chancen &#8211; nicht kritischer mit Russland und Putin umgehen? Stichwort:<br />
Tschetschenien, Yukos, Medienfreiheit,&#8230;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Wolfgang<br />
Schäuble</b>: Doch. Deswegen hat die CDU/CSU-Fraktion heute<br />
auch eine Debatte im Bundestag beantragt über die Lage in Russland.<br />
Gerade weil wir an guten Beziehungen zu Russland interessiert sind, dürfen<br />
wir die Augen nicht vor Problemen verschließen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Kritiker sagen, es sei dem Verfassungskonvent<br />
nicht gelungen, die außenpolitischen Interessen Europas zu definieren?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Das war auch nicht seine Aufgabe.<br />
Der Verfassungskonvent sollte eine Ordnung entwerfen, wie europäische<br />
Entscheidungen zustande kommen. Die Verständigung über die Inhalte<br />
also auch in der Außenpolitik ist Sache des Europäischen Rats,<br />
der Kommission und des Parlaments. Man hätte sich allerdings wünschen<br />
können, dass die europäischen Regierungen in letzter Zeit einiger<br />
gewesen sind.<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/chatter.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="left" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>user03</b>: Guten Abend, Herr Dr. Schäuble. Existiert<br />
Ihrer Ansicht nach noch das, was früher der „deutsch-französische<br />
Motor der europäischen Einigung“ genannt wurde und, falls ja,<br />
wie würden Sie das heute nennen wollen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich würde es immer noch<br />
Motor nennen und er existiert auch noch. Man muss allerdings darauf achten,<br />
dass er von anderen nicht als der Versuch missverstanden wird, sie zu<br />
bevormunden. Das ist in letzter Zeit nicht immer gut gelungen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Welche Rolle spielt Polen dabei künftig<br />
&#8211; als wichtiger Neuer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Polen ist von den neuen Mitgliedern<br />
das größte Land. Deswegen hat es eine zentrale Rolle, wenn<br />
die Erweiterung insgesamt gelingen soll. Im Übrigen öffnet Polen<br />
den Blick der Europäer auch für unsere neuen Nachbarn weiter<br />
im Osten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Aurora</b>: Was &#8211; wenn die Union im Erweiterungskurs scheitert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich hoffe, dass die Erweiterung<br />
gelingt. Aber es wird auch immer wieder Rückschläge geben. Das<br />
war in der Vergangenheit so und dann muss man gegebenenfalls in Krisen<br />
nach neuen Lösungen suchen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>DeutzR</b>: Herr Schäuble, sind Sie der Meinung, dass<br />
die neue EU Verfassung durch eine Volksbefragung bestätigt wird,<br />
oder ist die Meinung der Bevölkerung in dieser Frage unwichtig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Die Meinung der Bevölkerung<br />
ist immer wichtig. Die Frage ist, ob sie sich besser in Wahlen oder in<br />
Abstimmungen zum Ausdruck bringt. Beides ist demokratisch. Wer den Verfassungsentwurf<br />
einmal liest, wird Zweifel haben, ob die Bevölkerung in einer Volksabstimmung<br />
wirklich bereit ist, sich mit den Einzelheiten zu beschäftigen. Deshalb<br />
halte ich die repräsentative Demokratie für besser als plebiszitär.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Ist es nicht so, man traut dem Bürger<br />
darüber keine Entscheidung zu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Wer sich die Abstimmungsbeteiligung<br />
der Volksabstimmungen in der Schweiz anschaut, kann feststellen, dass<br />
sie sehr viel geringer ist als die Wahlbeteiligung bei uns. Es geht nicht<br />
darum, was man dem Bürger zutraut, sondern es geht darum, wie die<br />
demokratische Willensbildung am besten funktioniert. Bei den Wahlen zum<br />
EU-Parlament wird eine relativ geringe Wahlbeteiligung vor allem damit<br />
erklärt, dass es nicht um die Frage einer Regierung, also um die<br />
Wahl von Personen dafür geht. Das ist meines Erachtens ein Argument,<br />
dass das Interesse an der Mehrzahl an Wahlen größer ist als<br />
an Abstimmungen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>JoernW1984</b>: Herr Schäuble, müssten die europäischen<br />
Bürger nicht mehr Rechte erlangen, um Europa nach deren Sinne zu<br />
lenken? Würde durch die Stärkung der EU-Bürger nicht auch<br />
die Identifikation zur EU gestärkt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Rechte der Bürger beantworten<br />
die Frage noch nicht, wie diese Rechte wahrgenommen werden. Bei 450 Millionen<br />
Bürgern müssen wir immer einen Weg finden, um zu Entscheidungen<br />
zu kommen. Das ist die Aufgabe von Verfassungen und Institutionen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Miss Agrarsubvention</b>: Denken Sie nicht, dass es an der<br />
Zeit wäre, Öffentlichkeitsarbeit für die EU zu betreiben?<br />
Dann wäre die Wahlbeteiligung vermutlich auch höher</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Die EU gibt viel Geld für<br />
Öffentlichkeitsarbeit aus. Das Ergebnis ist bescheiden. Wichtiger<br />
ist, dass durch eine klare Kompetenzordnung die Menschen besser verstehen<br />
können, wer eigentlich was entscheidet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b><a title="Hohmann" name="Hohmann"></a>Moderator</b>: Wir bekommen viele Fragen zum Thema Hohmann,<br />
also Themenwechsel:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>BDIler</b>: Der Schlussstrich unter die Affäre um Martin<br />
Hohmann soll den rechten Flügel in der Union schützen. Ist das<br />
nötig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: So stimmt das nicht. Worum es<br />
geht ist, dass wir klar machen wollen, dass jeder Ansatz von Antisemitismus<br />
mit unseren Grundsätzen nicht vereinbar ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>danman_java1:</b> Herr Schäuble, die Union handelt &#8211;<br />
zu spät?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Nein. In einer so schwierigen<br />
Frage ist es besser, man denkt erst nach, diskutiert, spricht auch mit<br />
den Betroffenen und entscheidet dann. Wir haben das sorgfältig und<br />
zügig getan.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Engelen</b>: Die Trennung von dem Abgeordneten Hohmann musste<br />
sein, damit die Konservativen nicht in den Verdacht geraten, rechtsradikal<br />
zu sein. Wer denkt denn das überhaupt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich weiß nicht, ob das<br />
jemand denkt. Aber gelegentlich hat man in manchen Veröffentlichungen<br />
schon den Eindruck, dass Patriotismus schon unter einen Generalverdacht<br />
gestellt wird. Dagegen wehren wir uns.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>funk</b>: Wie kommt Ihre Partei eigentlich dazu, so einen<br />
Salonfaschisten wie Hohmann ausgerechnet im Bereich Zwangsarbeiterentschädigung<br />
einzusetzen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Der Kollege Hohmann war Mitglied<br />
im Innenausschuss, der für diese Fragen zuständig ist und er<br />
hat aber nach der Auffassung aller Kollegen bisher gute Arbeit geleistet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Wird die Fraktion dem Ausschluss geschlossen<br />
zustimmen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Die Frage kann ich besser am<br />
Freitag beantworten. Heute haben wir eine sehr intensive und ernsthafte<br />
Diskussion geführt. Aber entschieden wird am Freitag.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Wenn nicht geschlossen, wird das dann Frau<br />
Merkel schaden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Nein, Meinungsfreiheit gehört<br />
zu den Grundwerten der Demokratie. In der DDR hatten wir immer 100 % Ergebnisse.<br />
Der Wert davon ist bekannt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Aurora</b>: Herr Schäuble, wie kommt es überhaupt<br />
zu solchen Aussagen von Politikern allgemein? Ist das Unwissenheit oder<br />
pure Dummheit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Wenn wir mit den Auffassungen<br />
des Kollegen uns einverstanden erklären können, bräuchten<br />
wir nicht über seinen Ausschluss zu entscheiden. Welches Motiv er<br />
für seine Rede hatte, ist uns leider nicht wirklich klar geworden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>yuppiedeadhead</b>: Herr Schäuble, wie viele solcher<br />
rechten Schläfer gibt es noch im Bundestag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich glaube, dass die Rede von<br />
Herrn Hohmann ein Einzelfall ist. Das Problem von Schläfern ist allerdings,<br />
dass man es immer erst hinterher weiß.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Haben Sie das Gefühl, dass das Thema<br />
differenziert genug diskutiert wurde oder hatten Sie den Eindruck, dass<br />
die SPD das nun zum politischen Gegenschlag nutzt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Das Thema ist in unseren eigenen<br />
Reihen und in großen Teilen der Öffentlichkeit sehr ernsthaft<br />
diskutiert worden. Dass der politische Gegner so etwas auch zum eigenen<br />
Vorteil nutzt, gehört zum Alltag des politischen Wettbewerbs. Im<br />
Übrigen kann ich verstehen, dass die SPD in ihrer fast trostlosen<br />
Lage an jeden Strohhalm zu klammern versucht.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>m-28-SW</b>: Weshalb sollte dann nicht jemand wie Herr Hohmann<br />
seine freie Meinung sagen dürfen, auch wenn sie unappetitlich ist,<br />
sondern wird deshalb als Berufspolitiker &quot;gekündigt&quot;? Ein<br />
Ausschluss ist gleich einem Berufsverbot &#8211; &quot;Meinungsfreiheit&quot;?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Eine politische Gemeinschaft,<br />
Partei und Fraktion, muss darauf bestehen, dass es gewisse gemeinsame<br />
Grundpositionen gibt, mit Berufsverbot hat das nichts zu tun. Hohmann<br />
bleibt Bundestagsabgeordneter, nur wird er beim nächsten Mal nicht<br />
mehr als CDU Kandidat gewählt werden können.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>ewtrfdff</b>: Man kann gegen das sein, was Herr Hohmann gesagt<br />
hat &#8211; nichtsdestotrotz war die Union in der Vergangenheit ja immer bemüht,<br />
auch die rechten Positionen in der Partei zu halten, um sie im demokratischen<br />
Grundkonsens zu halten und sie nicht abdriften zu lassen. Beispiele gibt<br />
es ja viele. Wo ist die Grenze, wo die Union solchen Leuten eben keine<br />
Angebote mehr machen will? Herr Hohmann hat ja vermutlich auch nicht gegen<br />
das Grundgesetz verstoßen, das kann also nicht die Meßlatte<br />
sein?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Nein, die Meßlatte ist<br />
für uns, dass auch das Missverständnis des Antisemitismus und<br />
des Rechtsradikalismus vermieden werden muss. Sonst würden unsere<br />
politischen Grundsätze unglaubwürdig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>heinz</b>: Halten Sie es für realistisch, dass Herr<br />
Hohmann sich einer seinen politischen Vorstellung wie auch näher<br />
stehenden politischen Vereinigung anschließt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich hatte in der Debatte der<br />
Fraktionen heute den Eindruck, dass er am liebsten in der CDU bleiben<br />
würde. Deswegen spekuliere ich nicht darüber, was er machen<br />
wird, wenn das nicht mehr möglich ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Eine Frage nicht von uns, aber in eigener<br />
Sache:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>gelbfüßler</b>: Wie beurteilen sie den Vorstoß<br />
dreier Ministerpräsidenten (Bayern, Sachsen, NRW) das öffentlich-rechtliche<br />
Rundfunksystem radikal zu reformieren? Wo liegen die stärken, wo<br />
die Defizite von ARD und ZDF? Und schließlich: brauchen wir eine<br />
Gebührenerhöhung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Wenn wir an allen Ecken und Kanten<br />
sparen müssen, dann fällt mir schwer einzusehen, warum jetzt<br />
eine Gebührenerhöhung notwendig sein soll. Vielleicht muss auch<br />
in den Öffentlich-rechtlichen Anstalten gespart werden. Wir haben<br />
ja sehr viel mehr öffentlich-rechtliche, als private Programme.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Zurück zu Hohmann:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>JoernW1984</b>: Herr Schäuble, meiner Meinung nach müssten<br />
Personen, die solche Äußerungen machen, rechtlich verfolgt<br />
werden. Ist dies überhaupt möglich oder wird das gescheut?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich vermute nicht, dass sich<br />
Herr Hohmann strafbar gemacht hat. Aber das zu beurteilen ist Sache der<br />
Staatsanwaltschaft, die das von Amtswegen prüft.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>S</b>: Was meint Herr Schäuble mit dem &quot;Missverständnis&quot;<br />
des Antisemitismus?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Herr Hohmann hat gesagt seine<br />
Äußerungen seien nicht antisemitisch gemeint. Darüber<br />
kann man unterschiedlicher Meinung sein, aber unsere Überzeugung<br />
ist, dass man insoweit nicht einmal zu Missverständnissen Anlass<br />
geben darf. Und die Chance, ausreichende Klarheit zu schaffen, hat er<br />
leider nach unserer Auffassung nicht genutzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Der Sprung zum Abschluss in ein weiteres Thema:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Ursula Richter</b>: Herr Schäuble, was hätten Sie<br />
getan, wenn Ihre Partei im März an der Macht gewesen und mit wehenden<br />
Fahnen an Seite der Amerikaner in den Irak gezogen wäre? Waren Sie<br />
nicht erleichtert über die Oppositionsrolle?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Unsere Position war von Anfang<br />
an, dass die USA nicht einseitig entscheiden sollten, sondern dass die<br />
Entscheidung im Weltsicherheitsrat liegen musste. Für diesen Fall<br />
hätten wir allerdings nicht von Vornherein jedes Mitwirken ausgeschlossen,<br />
weil es keinen Sinn macht, auf der einen Seite zu sagen, es muss gemeinsam<br />
entschieden werden, aber wir beteiligen uns unter keinen Umständen.<br />
Wahrscheinlich wäre auf diese Art die Chance größer gewesen<br />
den Krieg zu vermeiden und das wäre bestimmt das Beste gewesen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Und nun wieder in die EU:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>BastianZ</b>: Denken Sie, dass das Subsidiaritätsprinzip<br />
in der EU in Zukunft eine Rolle spielen wird? Wie bewerten Sie die jetzige<br />
Situation? Trifft die EU-Kommission bzw. das Parlament wirklich nur die<br />
Entscheidungen, die auf niederer Ebene nicht zu entscheiden sind?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ohne das Subsidiaritätsprinzip<br />
wird die EU scheitern.Wenn wir alles in<br />
Europa vereinheitlichen, werden wir in Bürokratie ersticken. Leider<br />
haben das die in Brüssel noch nicht alle verstanden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>heinz</b>: Was halten Sie in diesem Zusammenhang von der<br />
allgemeinen Wehrpflicht. Ist nicht angesichts der Gefahr einer Entsendung<br />
ins Ausland die Frage der Wehrgerechtigkeit nicht brennender als zuvor?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Bei Auslandseinsätzen werden<br />
auch heute Wehrpflichtige nur eingesetzt, wenn sie sich freiwillig dazu<br />
bereit erklären. Das soll auch so bleiben. Die Wehrpflicht ist vor<br />
allem für die Territorialverteidigung notwendig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Herr Schäuble, fühlen Sie sich als<br />
Deutscher oder als Europäer?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Sowohl als auch.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Unsere Stunde ist vorbei. Vielen Dank an alle<br />
für ihr Interesse und die zahlreichen Fragen. Es ist leider vieles<br />
noch ungefragt geblieben. Herzlichen Dank an Sie, Herr Schäuble.<br />
Das Transkript dieses Chats und aller anderen Chats finden Sie wie immer<br />
auf den Seiten der Veranstalter der Chat-Reihe tacheles.02. Noch einen<br />
Termin-Hinweis. Am 19. November kommt Marieluise Beck, Ausländerbeauftragte<br />
der Bundesregierung zum Chat. Wir würden uns freuen, wenn wir Sie<br />
dann wieder bei uns im Chat begrüßen dürfen. Das tacheles.02-Team<br />
wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Abend!</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wolfgang Schäuble</b>: Ich bedanke mich für eine<br />
sehr intensive und sachliche Diskussion.</span></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/hohmann-hat-chance-zur-klarstellung-nicht-genutzt-270/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wirtschaft braucht keinen &#8220;billigen Jakob&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotwirtschaft_braucht_keinen_quotbilligen_jakobquot-271/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[thofsaess]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Nov 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[DGB]]></category>
		<category><![CDATA[Ursula Engelen-Kefer]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/engelen_kefer_neu1.jpg" alt="Ursula Engelen-Kefer" align="left" border="0" height="113" width="82" /></b> 
<b><span style="color: #000000">Die stellvertretende DGB-Vorsitzenden, Ursula 
Engelen-Kefer</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, am 10. November 
2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/engelen_kefer_neu1.jpg" alt="Ursula Engelen-Kefer" align="left" border="0" height="113" width="82" /></b><br />
<b><span style="color: #000000">Die stellvertretende DGB-Vorsitzenden, Ursula<br />
Engelen-Kefer</span></b><span style="color: #000000"><b><b>, am 10. November<br />
2003 zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.</b></b></span></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Redaktion</b>:<br />
Aufgrund technischer Mängel können wir nur Teile des Transkripts<br />
mit der DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer veröffentlichen. Wir<br />
möchten uns zugleich bei allen Chat-Teilnehmern für die Unannehmlichkeiten<br />
während des Chats entschuldigen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Herzlich willkommen im tacheles.02-Chat. Die<br />
Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und politik-digital.de<br />
und wird unterstützt von tagesspiegel.de und von sueddeutsche.de.<br />
Heute begrüßen wir im ARD-Hauptstadtstudio die stellvertretende<br />
DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer. Frau Engelen-Kefer, sind Sie bereit?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>Des Onliners<br />
Albtraum</b>: Der Gast ist da, die Leitung weg. </p>
<p><b>Ursula Engelen-Kefer</b>: Ja.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Es geht es los. Erste Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Stolte</b>: Die Vorsitzende des Deutschen Paritätischen<br />
Wohlfahrtsverbandes bezeichnete hier im Chat die Agenda 2010 als unsozial.<br />
Die Reformen schaffen emotionalen Sprengstoff, der sich entladen wird.<br />
Glauben Sie das auch?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Ursula Engelen-Kefer</b>: Ich glaube auch, dass sehr viel<br />
sozialer Konflikt enthalten ist. Nun ist ja die Agenda 2010 eigentlich<br />
nur noch ein Oberbegriff. Wir befassen uns ja längst mit detaillierter<br />
Gesetzgebung zu ihrer Ausfüllung. Wir haben zwar als Gewerkschaften<br />
einiges erreichen können, die soziale Schieflage ein wenig zurecht<br />
zu rücken. Zum Beispiel: Durch das Vorziehen der nächsten Stufe<br />
der Steuerreform, die Gewährung eines Bundeszuschusses zur Bundesanstalt<br />
für Arbeit, die Verhinderung, dass die zukünftigen Arbeitslosengeld<br />
II-Empfänger auch ihr Vermögen zur Altersvorsorge aufbrauchen<br />
müssen sowie eine unzulässig weitgefasste Regelung der Zumutbarkeit<br />
zu Lasten der betroffenen Menschen. Wenn jedoch die CDU/CSU ihre Vorstellungen<br />
zur Aufweichung der Tarifautonomie im Rahmen des jetzt anstehenden Vermittlungsverfahren<br />
durchsetzen will, und die sozial verträglichen Korrekturen von unserer<br />
Seite wieder zurückgenommen werden sollen, wird es erhebliche Konflikte<br />
geben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Henrik</b>: In den letzten Wochen ist die Diskussion darüber<br />
wieder aufgeflammt, ob nun eine Verkürzung oder Verlängerung<br />
der Wochen-Arbeitszeit ein Weg aus der Misere der Arbeitslosigkeit sind.<br />
Wie kann das sein, dass es da keine klare Antwort in dieser Frage gibt?<br />
Und sollten nicht gerade weil sowohl das eine als auch das andere Vorteile<br />
haben kann, die Gewerkschaften dafür sein, die flexibel auszuhandeln,anstatt<br />
an der 35-Stunden-Woche festzuhalten?<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/engelen-kefer_ard.jpg" alt="ARD-Hauptstadtstudio" align="right" height="150" width="200" /></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Ursula Engelen-Kefer</b>: Die Gewerkschaften setzen sich<br />
seit vielen Jahren dafür ein, Regelungen zu finden für eine<br />
flexible Gestaltung der Arbeitszeit, die sowohl den Interessen der Arbeitgeber<br />
wie der Arbeitnehmer Rechnung trägt. Beispiele hierfür sind<br />
die vielfältigen Formen von Teilzeitarbeit, Altersteilzeit, Arbeitszeitkonten<br />
auf die Woche, das Jahr und längere Perioden bezogen. Diese Möglichkeiten<br />
werden auch weitestgehend in den Betrieben genutzt. Wenn aber in einer<br />
Wirtschaft die Leistung der Arbeitnehmer immer weiter steigt, sind pauschale<br />
Erhöhungen der Arbeitszeit keinesfalls ein geeignetes Mittel. Folge<br />
wäre ein weiteres Ansteigen der Arbeitslosigkeit und ein Absinken<br />
der Löhne.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Eine kritische Frage von Johannes Berg:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Johannes Berg</b>: Hat das Beschäftigungsmodell &quot;5000<br />
mal 5000&quot; von VW nicht gezeigt, dass die Gewerkschaften die Schaffung<br />
von Arbeitsplätzen eher behindert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Ursula Engelen-Kefer</b>: Ich kann ihre Frage nicht ganz<br />
nachvollziehen, schließlich war es die IG Metall, die das Modell<br />
„5000 x 5000“ gemeinsam mit VW auf den Weg gebracht hat. Sie<br />
hat einen wichtigen Beitrag geleistet, Arbeitsplätze zu schaffen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Ozzy</b>: Wie viel Ost-Förderung brauchen wir noch?<br />
Helmut Schmidt hat ja gesagt, die Ossis sollen das Jammern aufhören.<br />
Wie ist dazu Ihre Meinung?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Ursula Engelen-Kefer</b>: Es wäre nützlich in den<br />
neuen Bundesländern durch verbesserte Wirtschafts- und Finanzpolitik<br />
mehr Arbeitsplätze zu schaffen, dann gäbe es auch keine weitere<br />
Veranlassung für Verhaltensweisen, die als Jammern bezeichnet werden,<br />
wenn sie denn überhaupt so erfahren werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Lobbie</b>: Werden die Arbeitgeber aus den Flächentarifen<br />
aussteigen und lieberwie im Osten einzeln<br />
verhandeln?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Ursula Engelen-Kefer</b>:<br />
Gerade in den neuen Bundesländern sind bereits vieleArbeitgeber aus den<br />
Arbeitgeberverbänden ausgestiegen oder gar nicht ersteingestiegen. Dies<br />
hat allerdings nicht weniger, sondern nur noch mehr Probleme<br />
verursacht. Es ist auch gerade im Interesse der Arbeitgeber durch<br />
Flächentarifverträge sichere Rahmenbedingungen für den Umgang mit ihren<br />
Beschäftigten zu haben und nicht einem permanenten „dumping“ von<br />
Löhnenund Arbeitsbedingungen ausgesetzt zu sein, das letztlich auch zu<br />
ihren Lasten geht. Unabhängig davon haben die Gewerkschaften auch<br />
gerade im Rahmen von Flächentarifverträgen umfangreiche<br />
Öffnungsmöglichkeiten für besondere betriebliche Problemlagen gegeben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Michael22</b>: Wieso lassen die Gewerkschaften keine im Unternehmen<br />
selbstvereinbarten Tarifabschlüsse<br />
zu? Unser Arbeitsmarkt braucht mehr Flexibilität!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Ursula Engelen-Kefer</b>: Weil es im Betrieb keine Konfliktregelung<br />
gibt. Die Möglichkeit zum Streik haben nur die Tarifparteien. Bei<br />
betrieblichenRegelungen würden<br />
die Arbeitnehmer und die Betriebs- bzw. Personalräte demDruck der Arbeitgeber<br />
ausgesetzt, der im Zweifelsfalle die Form offener Erpressung annehmen<br />
kann.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>BertK</b>: Zu &quot;Arbeitszeiten&quot;: Das ist doch eine<br />
Phantom-Diskussion. Wie lange wird denn wirklich gearbeitet? Einerseits<br />
werden Fünfzigjährige bereits mit dubiosen Übergangsregeln<br />
nach Hause geschickt. Andererseits muss ichunfähige, qualifizierungsunwillige<br />
Fünfzigjährige behalten, da sie nicht mehrtragfähig kündbar<br />
sind. Dafür kann ich qualifizierte Bewerber nicht einstellen (egal,<br />
wie alt). Sucht man eine &quot;Lösung&quot;, ist die Klage programmiert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Ursula Engelen-Kefer</b>: Wir brauchen in unserer Wirtschaft<br />
die Leistungen vonjungen und älteren<br />
Arbeitnehmern. Wir müssen endlich damit aufhören, Jüngere<br />
und Ältere gegeneinander auszuspielen. Damit ältere Arbeitnehmer<br />
weiterhin unter humanen Bedingungen im Arbeitsleben verbleiben und ihre<br />
Leistungen genutzt werden können, müssen die Betriebe während<br />
des gesamten Arbeitslebens Weiterbildungsmöglichkeit und auch und gerade für älter Arbeitnehmer anbieten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Franzsika Hertle</b>: Was halten sie von dem Video-Spot von<br />
Ver.di?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Ursula Engelen-Kefer</b>: Das müssen Sie Ver.di fragen,<br />
aber ich würde empfehlen sich weniger über Video-Spots den Kopf<br />
zu zerbrechen, sondern eher wie wir zu mehr Ausbildungsstellen kommen.<br />
Ich glaube, wir verspielen unsere Zukunft, wenn wir jungen Menschen Perspektiven<br />
durch geeignete Ausbildung und Beschäftigung verweigern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Letzte Frage!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>AzubiS</b>: Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen<br />
Industrie (BDI) hatte eine Kürzung der Lehrlingsvergütungen<br />
vorgeschlagen und die Höhe der Azubi-Löhne kritisiert. Was sagen<br />
sie dazu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Ursula Engelen-Kefer</b>: Ich denke solche Totschlagargumente<br />
bringen niemanden weiter. Ich bin daher froh, dass er Präsident des<br />
Zentralverbandes des deutschen Handwerks, Herr Philipp, dieses Ansinnen<br />
von Herrn Rogowski klar und deutlich zurückgewiesen hat. Die Wirtschaft<br />
braucht qualifizierte Arbeitnehmer und nicht den &quot;billigen Jakob&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderatorin</b>: Liebe Gäste, der Chat ist vorbei, herzlichen<br />
Dank für Ihr Interesse. Besten Dank, Frau Engelen-Kefer, dass Sie<br />
unseren Usern zur Verfügung standen. Wir möchten uns bei allen<br />
sehr für die technischen Schwierigkeiten entschuldigen, die zu den<br />
Verzögerungen geführt haben. Wir hoffen, Frau Engelen-Kefer<br />
in nächster Zeit noch einmal hier begrüßen zu können!<br />
Sicher sind noch viele Fragen offen geblieben. Morgen ist CDU-Fraktionsvize<br />
Wolfgang Schäuble von 17.30 bis 18.30 Uhr im tacheles.02-Chat –<br />
Diskutieren Sie mit!</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Ursula Engelen-Kefer</b>: Ich habe höchsten Respekt vor den<br />
Tücken der Technik und bin gerne bereit, mich einmal wieder dem tacheles.02-Chat<br />
zu stellen.</span></p>
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