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	<title>Vivian Knopf &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Vivian Knopf &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Schluss mit Social Media?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vivian Knopf]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Sep 2018 13:30:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[politische Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Verhältnis junger Menschen zu Sozialen Medien ist kompliziert. Viele von ihnen können sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/agung-pratamah-521938-unsplash.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-155253" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/agung-pratamah-521938-unsplash-630x273.jpg" alt="" width="640" height="277" /></a></p>
<p>Das Verhältnis junger Menschen zu Sozialen Medien ist kompliziert. Viele von ihnen können sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen. Doch es gibt eine wachsende Gruppe junger Erwachsener, die vermehrt die Schattenseiten des konstanten Austauschs online sehen. Sie treffen die fast schon radikale Entscheidung, Sozialen Medien den Rücken zu zukehren. Muss deshalb auch politische Bildung und Kommunikation umgedacht werden?</p>
<p>Seit 2017 lässt sich bei Jugendlichen von einer Vollversorgung mit Smartphones sprechen. Mit Werten, die je nach Informationslage zwischen 97 und 99 Prozent schwanken, besitzen so gut wie alle Zwölf- bis 19-Jährigen ein eigenes Smartphone. Die Selbsteinschätzung der zeitlichen Nutzung ist rapide gestiegen. Nahezu jede und jeder ist heutzutage online und damit häufig auch sozialen Netzwerken aktiv. Umso überraschender macht das die Erkenntnis, die sich in neuesten amerikanischen Studien zeigt: es gibt einen wachsenden Anteil an jungen Menschen, die Social Media vermehrt negativ gegenüberstehen und sich von Plattformen wie Instagram und Facebook abwenden.</p>
<p>Auch wenn die Ergebnislage nicht ganz einheitlich ist, lassen sich dabei einige interessante Entwicklungen herausstellen. So zeigt die 2018 erschienene <a href="https://www.commonsensemedia.org/sites/default/files/uploads/research/2018_cs_socialmediasociallife_fullreport-final-release_2_lowres.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Common-Sense-Studie</a>, dass der Anteil der befragten Jugendlichen, die laut eigener Angabe überhaupt keine sozialen Medien nutzen von 17 Prozent im Jahre 2012 auf aktuell 19 Prozent gestiegen ist, während gleichzeitig die restlichen Befragten Soziale Medien deutlich intensiver nutzen und nahezu nonstop online sind. Auch wenn das nur eine kleine Zunahme der Nicht-Nutzer ist, stellt sich diese Entwicklung gegen die gängige Erwartungshaltung und zeigt, dass sich nicht ohne weiteres eindeutige Aussagen über junge Menschen und Social Media treffen lassen.</p>
<h3>Zu viel Negativität und Zeitverschwendung</h3>
<p>Ein genaueres Bild, was junge Menschen an Sozialen Medien vor allem stört, zeigt eine weitere <a href="https://genz.hhcc.com/hubfs/Gen%20Z%20-%20The%20Social%20Generation%20%7C%20Hill%20Holliday-5.pdf?submissionGuid=1d36eb5b-a290-4fee-9756-b3c1936714a0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie</a>, die das Medienverhalten der Generation Z genauer betrachtet. Obwohl dabei rund neun von zehn Befragten mindestens eine Social-Media-Plattform nutzen und 77 Prozent angeben, dass soziale Netzwerke wie Instagram, Snapchat und Facebook mehr Vorzüge als Nachteile mit sich bringen, haben mehr als ein Drittel mindestens einen ihrer Accounts wieder gelöscht. Und mehr als 60 Prozent wünschen sich Abstand und Erholung von Social Media, in dem sie die Nutzung bestimmter Anwendungen für einige Zeit pausieren. Besonders betroffen sind dabei Facebook und Instagram.</p>
<p>Die Gründe dafür sind vielfältig, von mehr Wunsch nach Privatsphäre bis hin zu steigendem sozialen Druck. Am häufigsten wird jedoch das Gefühl geäußert, zu viel Zeit mit endlosem Scrollen und Durchklicken zu verschwenden. Vielen jungen Menschen ist dabei bewusst, dass solche Apps ein suchtförderndes Potential aufweisen und so konzipiert sind, dass Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange darin verweilen. Doch allmählich ziehen die ersten auch Konsequenzen aus dieser Erkenntnis. Noch stärker als bei sich selbst, bemerken die meisten Befragten bei ihrem gleichaltrigen Umfeld, dass dieses zu sehr durch Soziale Medien abgelenkt sei oder durch diese negativ beeinflusst werde. Beklagt wird zunehmend die vorherrschende Negativität im Netz und die damit verbundenen nachteiligen Effekte auf die eigene Psyche und das Wohlbefinden. Bei vielen haben soziale Medien schon dazu geführt, dass sie sich ängstlich oder deprimiert gefühlt haben. Ebenso leidet bei einigen das Selbstbewusstsein durch den ständigen Austausch und Vergleich online und Unsicherheiten werden verstärkt. Auch wenn das Internet samt Social Media für die meisten positive Auswirkungen auf Freundschaften, das Selbstwertgefühl und die eigene Kreativität hat, will ein wachsender Anteil Jugendlicher nicht mehr einfach über die Folgen von Hate Speech, Schönheitswahn und den Druck, ohne soziale Plattformen ausgeschlossen zu sein, hinwegsehen.</p>
<h3>Instagram macht unsicher</h3>
<p>Ein Vergleich der <a href="https://www.rsph.org.uk/uploads/assets/uploaded/62be270a-a55f-4719-ad668c2ec7a74c2a.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">#StatusofMind-Studie</a> der meistgenutzten Social-Media-Plattformen ergab, dass der als äußerst beliebt geltende Online-Dienst Instagram das Wohlergehen und die Psyche junger Nutzerinnen und Nutzer am meisten beeinträchtigt. Die App führt bei vielen zu Angstgefühlen wie Sorge oder Unbehagen und dem Gefühl, ständig online und erreichbar sein zu müssen, um nichts zu verpassen. Außerdem gab ein Großteil der Befragten an, dass die Nutzung von Instagram sich negativ auf das Schlafverhalten auswirke. Bei all dem neuen Content, den es in unendlicher Fülle zu geben scheint und der ständig erweitert wird, kommt man kaum damit hinterher, diesen „abzuarbeiten“.  Schluss ist nur, wenn man sich bewusst dazu entscheidet oder einem vor Müdigkeit die Augen zu fallen. Damit ist die App aber nicht allein, Facebook und Snapchat weisen ähnliche negative Einflüsse auf. Besonders schwer ins Gewicht fallen bei Instagram aber vor allem die Auswirkungen auf das Körperbild und die Unsicherheit junger Menschen. „Instagram vermittelt Mädchen und Frauen schnell das Gefühl, ihre Körper seien nicht gut genug, wenn die Leute Filter hinzufügen oder ihre Bilder bearbeiten, um `perfekt´ auszusehen“, gab eine Teilnehmerin an. Auch wenn es seit einiger Zeit Bewegungen gibt, die diesem „Perfektionswahn“ entgegensteuern wollen, ist es nach wie vor noch das makellose Bild, welches viele Influencer von sich zeichnen, das bei jungen Menschen ankommt.</p>
<h3>Facebook wird zur Plattform der Älteren</h3>
<p>Während Instagram aber nach wie vor kein deutlich spürbares Nutzerschwinden verzeichnen kann, sieht das bei Facebook anders aus. Das soziale Netzwerk verliert immer mehr jüngere Nutzerinnen und Nutzer an andere Social-Media-Plattformen. Der Altersdurchschnitt verschiebt sich zunehmend nach oben und Facebook ist jungen Menschen längst nicht mehr so wichtig wie noch vor einigen Jahren. Nur ein Viertel der deutschen Zwölf- bis 19-Jährigen nutzen Facebook regelmäßig, das zeigt die JIM-Studie 2017. Der Datenskandal um Cambridge Analytica hat diese Entwicklung nur noch verstärkt: <a href="http://www.pewresearch.org/fact-tank/2018/09/05/americans-are-changing-their-relationship-with-facebook/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">44 Prozent</a> der US-Amerikaner zwischen 18 und 27 Jahren haben die Facebook App in diesem Jahr gelöscht, aber nur 12 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer, die älter als 65 sind. Jüngere Userinnen und User gaben dabei auch deutlich häufiger an, ihre Datenschutzeinstellungen in den letzten zwölf Monaten angepasst zu haben. Auch wenn Facebook in aufwendigen Kampagnen Besserung verspricht, scheint es für eine wachsende Anzahl an jungen Menschen schlicht die einfachere und effektivere Lösung zu sein, Facebook endgültig aus ihrem Leben zu verbannen. Der Grund dafür ist vermutlich aber nicht nur die fehlende Datensicherheit, sondern auch, dass viele Jugendliche keinen Mehrwert mehr in der Nutzung von Facebook für sich erkennen können. Andere neue Plattformen scheinen die Bedürfnisse und Interessen junger Menschen stärker zu bedienen, vor allem wenn man die steigende Beliebtheit von Facebook bei der älteren Generation betrachtet. Die gleiche soziale Plattform zu nutzen wie die eigenen Eltern, bedeutet für viele, dass sie sich nicht mehr so frei und vermeintlich unbeobachtet ausdrücken können wie früher.</p>
<h3>Jugendliche politisch auf Social Media erreichen?</h3>
<p>Auch wenn ihnen häufig Gegenteiliges vorgeworfen wird, sind Jugendliche immer interessierter an Politik. Doch obwohl das Interesse und auch die Bereitschaft zu politischem Aktivismus steigen, sinkt das Vertrauen in etablierte Parteien und traditionelle politische Akteure. Junge Menschen gehen seltener zur Wahl als andere Altersgruppen und sie bringen sich kaum in Form klassischer Parteiarbeit ein. Deshalb lassen sich immer mehr Bestrebungen finden, Jugendliche auf neuem Wege zu erreichen und wieder stärker einzubinden. Der Gedanke dahinter: Wenn junge Menschen die Welt auf andere Weise verändern wollen und sich online politisch oder in Protestaktionen engagieren, dann sollte Politik und politische Bildung junge Menschen dort abholen, wo sie sind – im Netz. Doch was ist, wenn genau das sich jetzt verändert? Wenn Jugendliche keine Lust mehr auf Instagram, Facebook und Co haben, weil sie damit zunehmend Negatives verbinden?</p>
<p>Immer mehr Politikerinnen und Politiker erstellen sich Instagram und Facebook-Accounts und versuchen ihre mediale Reichweite auszubauen. Bundesregierung und Ministerien investieren seit einiger Zeit immer stärker in die Reichweite auf soziale Medien und damit in Sponsored Posts und <a href="https://motherboard.vice.com/de/article/4358d3/so-viel-gibt-die-regierung-fuer-werbung-auf-facebook-instagram-und-youtube-aus-sponsored-posts" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Influencer-Kampagnen</a>. Allein die Bundeswehr gab 2016 und 2017 rund 3,2 Millionen Euro für Facebook- und Instagram-Werbung und nochmal weitere 3,5 Millionen für Youtube-Kampagnen aus. Dass das durchaus auch moralisch fragwürdig zu betrachten ist und in Teilen gezielt auf die Beeinflussbarkeit junger Menschen setzt, ist dabei nur einer vieler möglicher Kritikpunkte. Die mangelnde <a href="https://motherboard.vice.com/de/article/a3a8da/staatlich-finanzierte-influencer-videos-sind-nur-selten-gekennzeichnet-youtube-instagram-influencer-marketing" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Transparenz</a> einiger Kampagnen und fehlende Werbekennzeichnung ein weiterer. Dazu kommt die Frage, ob solche Investitionen überhaupt zielführend sind und ob nicht in Zukunft wieder umgedacht werden muss, wenn junge Leute vermehrt erreicht werden sollen.</p>
<h3>Junge Menschen und politische Teilhabe erfolgreich verbinden</h3>
<p>Andere Projekte wie die Medieninitiative MESH Collective konzentrieren sich in ihrer Arbeit auf nur eine Plattform, in diesem Fall YouTube. Auftraggeber sind unter anderem das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Bundeszentrale für politische Bildung, aber auch Stiftungen oder NGOs. Genauer vorgestellt wurde MESH Collective auch bei Demokratie um 12 zu Thema „Jugend und Politik“ der Friedrich-Ebert-Stiftung von Julia Althoff, der Projektleiterin. Die Initiative erstellt nicht nur eigene Videos für ihren Kanal, sondern setzt inzwischen verstärkt auf die Zusammenarbeit mit beliebten YouTubern, um Jugendliche und junge Erwachsene „zur Teilhabe am gesellschaftspolitischen Leben zu ermächtigen.“ YouTube ist auch trotz insgesamt kritischerer Auseinandersetzung in vielen Fällen das beliebteste Soziale Medium Jugendlicher und genießt den besten Ruf. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, dort mit politischer Bildungsarbeit anzusetzen. Der entscheidende Vorteil ist, dass sich stark zielgruppenorientiert vorgehen lässt: Indem gezielt Social-Web-Persönlichkeiten innerhalb verschiedener Communities ausgewählt werden, lassen sich politische Themen spezifisch und auch auf neue Art und Weise platzieren. Nicht nur sowieso schon politikaffine junge Menschen kann man so erreichen, sondern auch politisch desinteressierte, bildungsfernere Jugendliche.</p>
<p>Dass dies auch nach wie vor erfolgreich gelingen könnte und politische Bildung auf YouTube durchaus funktioniert, ist trotz des Unmutes einiger Jugendlicher hinsichtlich Social Media kaum zu bestreiten. Doch selbst wenn bisher eher noch nicht davon auszugehen ist, dass der Großteil junger Menschen sich von Social Media entfernt, ist es wichtig, diese Entwicklung im Blick zu behalten, wenn man junge Menschen und politische Teilhabe erfolgreich verbinden will. Dabei wenden sich vermutlich vor allem diejenigen von Sozialen Medien ab, die sich selbst und die Gesellschaft reflektierter wahrnehmen und sensibler für mögliche Missstände sind. Doch auch sie müssen nach wie vor zu politischer Teilhabe angeregt werden. Allein auf soziale Medien zu setzen, kann deshalb nicht ausreichend sein. Auch Parteien und andere politische Institutionen müssen sich stärker nach den Bedürfnissen junger Menschen ausrichten, damit diese Einzug in die tatsächliche substanzielle Politik finden. Damit junge Menschen nicht nur stärker vertreten sind, sondern sich auch tatsächlich ernstgenommen fühlen und erkennen, dass sie etwas verändern können. Denn dass sie das können, haben sie bereits vielfach im Netz aber auch analog unter Beweis gestellt.</p>
<p>Titelbild: Alone, Agung Pratamah via <a href="https://unsplash.com/photos/ZfMPo4y9Icc" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Unsplash</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Bildung von morgen &#8211; Befähigung für die digitale Zukunft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vivian Knopf]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Sep 2018 15:35:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Donnerstag, den 13. September lud die Heinrich-Böll-Stiftung im Rahmen ihrer Konferenz „Baustelle Bildung – Befähigung für die digitale Zukunft“ [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Screenshot-Böll-Stiftung.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-155204 size-full" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Screenshot-Böll-Stiftung.png" alt="" width="640" height="280" /></a></p>
<p>Am Donnerstag, den 13. September lud die Heinrich-Böll-Stiftung im Rahmen ihrer Konferenz „Baustelle Bildung – Befähigung für die digitale Zukunft“ dazu ein, sich in verschiedenen Formaten mit den Bedarfen und Anforderungen der digitalen Zukunft auseinanderzusetzen. Die zentrale Frage lautete, wie digitale Bildung zukünftig gestaltet werden soll und welche Konsequenzen sich daraus für Bildungsinstitutionen aber auch die Gesellschaft insgesamt ergeben.</p>
<h3>Bildung für die digitale Zukunft: Ein Problem der Umsetzung?</h3>
<p>Darüber, wie Bildungsinstitutionen zu starken Akteuren werden, sprachen verschiedene Vertreterinnen und Vertreter aus Bildung, Wirtschaft und Politik. Als richtungsgebender Input folgte vorweg ein Überblick von Prof. Dr. Heinz-Elmar Tenorth, Erziehungswissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin, der für das Thema digitale Bildung die vier wichtigsten Dimensionen bestimmte.</p>
<p>So sei zuerst einmal das Diagnoseproblem entscheidend. Also klar zu definieren, worüber gesprochen und auf welche Referenzsysteme (Politik, Wirtschaft, Bildung, etc.) sich bezogen wird, wenn es um Digitalisierung geht. Ebenso sei auch zwischen der grundlegenden allgemeinen Bildung und speziellen Weiterbildung zu unterscheiden, um möglichst früh digitale Komponenten einzubinden. Tenorth betont, dass digitale Bildung den klassischen Kanon der Modi des Weltzugangs, der das Lernen ausmacht, nicht ersetzen, sondern in den medialen, didaktischen Lernmöglichkeiten erweitern solle. Zuletzt zeigt er die Konsequenzen für die Schulen auf, die sich organisatorisch, fachlich im Curriculum und im didaktischen Bereich bemerkbar machen.</p>
<p>Für Dr. Nils Weichert, Vorstand des Forums Bildung Digitalisierung, handelt es sich bei dem Thema digitale Bildung nicht zwingend um ein Umsetzungs- sondern viel mehr um ein Sensibilisierungs- und Wissensproblem, wie eine gute Verknüpfung überhaupt aussehen kann. Häufig würde das pädagogische Potential, das die Digitalisierung mit sich bringe, noch nicht erkannt. Das liege unter anderem daran, dass Digitalisierung oft noch als Zusatzthema angesehen werde. Aber auch daran, dass nach wie vor noch Konzepte und Strategien für die einzelnen Schulen fehlten, die Unterrichts- und Schulentwicklung verknüpfen. Auch Sylvia Löhrmann, die ehemalige Ministerin für Schule und Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen, hält eine schematische Herangehensweise für hinderlich und spricht sich für eine differenzierte Entwicklung vor Ort aus. Es dürfe nicht bloß additiv, sondern müsse vor allem integrativ vorgegangen werden, um den Aspekt Digitalisierung mit vorhandenen Konzepten zu verknüpfen. „Es gibt keine Stunde Null, in der alle Politik in ganz Deutschland für jede Schule anfängt. Wie bei allen Bildungsfragen gibt es keine allgemeine Gleichförmigkeit. Deshalb darf es nicht zu Pauschalisierungen und falschen Erwartungen kommen, die an der Politik und Realität scheitern“, sagt Löhrmann.</p>
<p>Prof. Dr. Bardo Herzig warnt als Direktor des Zentrums für Bildungsforschung und Lehrerbildung ebenfalls vor pauschalisierenden Ergebnissen, zu denen einige Studien kämen. Aussagen wie „mit dem Tablet lerne man besser“ seien nicht gewinnbringend, es müssten stets die pädagogischen Settings mitgedacht werden. Trotzdem dürften Schulen nicht den Fehler machen, jahrelang zu warten, nur weil evidenzbasierte Studien fehlen. „Die Wissenschaft lebt von der Offenheit, sich auf etwas Neues einzulassen und Impulse zu setzen“, so Herzig. Ein Beispiel dafür bietet Dr. Andres Pallack, Schulleiter des Franz-Stock-Gymnasiums Arnsberg, das als einer der Vorreiter-Schulen im Bereich digitale Bildung gilt. Pallack setzt auf täglichen Kontakt seiner Schülerinnen und Schüler mit digitalen Medien. Für ihn seien dabei vor allem die ausführliche Kommunikation über dieses Thema, aber auch die Erweiterung und der Erhalt von bestehenden Kulturtechniken wichtig. Er erkennt die didaktischen Chancen und neuen Inhalte, die digitale Medien für das fachliche Lernen mit sich bringen, rät aber auch dazu, erst einmal klein zu beginnen und als gesamte Schule individuelle Bedarfe zu definieren und dabei auch möglichen Berührungsängsten zu begegnen. Es sei wichtig, sowohl Schülerinnen und Schüler, als auch Lehrkräfte erst einmal zu befähigen, richtig mit den neuen digitalen Möglichkeiten umzugehen. Alle Vortragenden sind sich dabei einig, dass vor allem die Verknüpfung entscheidend ist – sowohl von Schulen untereinander, als auch der verschiedenen Ansätze und Expertisen von Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Politik, aber auch Zivilgesellschaft. Voraussetzung dafür seien einheitliche Bildungsstandards und ein ganzheitliches Bildungsverständnis.</p>
<h3>Workshop &#8220;Zukunft der Bildung: Wissen oder wissen, wo es steht?&#8221;</h3>
<p>In drei Themeninseln konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops damit auseinandersetzen, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler in einer durch digitale Information geprägten Welt brauchen und wie Schule sie vermitteln kann. Dabei ging es zunächst um die Recherche und Bewertung von (digitalen) Informationen. Schülerinnen und Schüler sollten mit Kompetenzen ausgestattet werden, die ihnen ermöglichen, die Vertrauenswürdigkeit von Informationen zu beurteilen und Beiträge im Netz in z.B. historische oder politische Diskurse einordnen zu können. Quellen zu recherchieren, überprüfen und zu bewerten sei nicht nur für die Schule, sondern auch für das gesamte Leben wichtig. Dabei sei ein grundlegendes Wissen, das Bildungsinstitutionen Schülerinnen und Schülern mitgeben, weiterhin als Voraussetzung für eine eigenständige Einordnung sinnvoll.</p>
<p>Bei der selbstbestimmten und sozial verantwortlichen Nutzung von (digitalen) Medien sind sich die meisten Teilnehmenden einig, dass Schule schon immer die Aufgabe gehabt habe, Schülerinnen und Schüler auf ein verantwortungsvolles Leben vorzubereiten, und dass sie dies nun auch im digitalen Kontext tun müsse. Die Schule solle dabei die Hauptaufgabe der digitalen Bildung übernehmen, das Elternhaus oder das private Umfeld dabei idealerweise in Vernetzung ergänzend agieren. Es sei ebenso wichtig, Schülerinnen und Schülern beizubringen, was hinter den von ihnen verwendeten Technologien stehe und sich insgesamt nicht nur auf die Risiken, sondern vor allem auch auf die Chancen und Möglichkeiten digitaler Medien zu konzentrieren. Analoge und digitale Welt müsse zunehmend zusammengedacht werden.</p>
<p>Den Vorschlag für ein gesondertes Fach der Medienbildung lehnen die meisten ab. Computer- und informationsbezogene Kompetenzen sollten nicht bloß an ein Fach abgeschoben werden, sondern in alle bereits vorhandenen integriert werden. Sonst drohe die Gefahr, dass sich die anderen Schulfächer aus ihrer Verantwortung ziehen und die erlernten digitalen Kompetenzen isoliert blieben. Außerdem sei dies bildungspolitisch kaum durchsetzbar, weil andere Inhalte oder Fächer aus dem Curriculum gestrichen würden. Schule müsse fachübergreifend transferierbare Kompetenzen vermitteln und durch digitale Medien neue Freiräume für individuelles Lernen eröffnen.</p>
<h3>Politisches Podium: Technologischer Fortschritt darf nicht zu digitaler Spaltung führen</h3>
<p>Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP,  Robert Habeck, Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen, und Nadine Schön, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, sprachen in einer abschließenden Diskussionsrunde über die Rolle der Politik, der Wirtschaft, der Bildungsinstitutionen und der Gesellschaft bei der Entwicklung einer Strategie für die digitale Zukunft. An vielen Stellen bestätigten sich dabei die bereits erarbeiteten Ergebnisse und Probleme der vorangegangenen Veranstaltungen. Alle drei betonen, dass bestehende Spaltungen durch technologischen Fortschritt nicht noch verstärkt werden dürfen. Der Zugang zu den digitalen Möglichkeiten müsse fair gestaltet werden und Wissen so organisiert, dass es nicht ausschließend ist, so Habeck. „Ernstgemeinte digitale Bildung bedeutet die Möglichkeiten der Technik so einzusetzen, dass sie soziale Aufstiegsmöglichkeiten schaffen und nicht zu sozialer Exklusion führen.“ Christian Lindner sieht das ähnlich, rückt aber noch stärker die Chancen in den Vordergrund: „Digitalisierung von Bildung hat einen enormen Vorteil: die Individualisierung.“ Die individuellen Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler könnten durch Algorithmen und Lernsoftware gezielter identifiziert werden. Damit ließen sich heute bestehende Ungerechtigkeiten schneller überwinden. Entscheidend sei dafür, Lehrerinnen und Lehrer für die Digitalisierung zu qualifizieren und neben der Ausstattung „vor allem in Köpfe zu investieren“. Wie ihre beiden Vorredner spricht sich Nadine Schön für eine früh ansetzende digitale Bildung aus, damit keine neuen Formen der Bildungsungerechtigkeit entstehen. „Ob junge Menschen digitalen Kompetenzen besitzen oder nicht, wird viel über die zukünftigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt entscheiden“, stellt sie heraus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: Screenshot Heinrich-Böll-Stiftung, Livestream, bearbeitet</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Rhetorik heute &#8211; eine Frage des Gefühls?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/rhetorik-heute-eine-frage-des-gefuehls-155163/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Vivian Knopf]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Sep 2018 15:01:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[politische Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Verschlagwortung]]></category>
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					<description><![CDATA[Jeder Mensch kann heute zum Sender und Journalisten werden, entscheiden, was sie oder er sehen will und selbst produzieren, was [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/People-protesting-on-the-streets-of-Mexico-against-the-government-and-Trump.-Protesting-against-hate.-Jeronimo-Bernot-Mexiko-CIty-Titelbild.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-155164 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/People-protesting-on-the-streets-of-Mexico-against-the-government-and-Trump.-Protesting-against-hate.-Jeronimo-Bernot-Mexiko-CIty-Titelbild-630x276.jpg" alt="" width="630" height="276" /></a></p>
<p>Jeder Mensch kann heute zum Sender und Journalisten werden, entscheiden, was sie oder er sehen will und selbst produzieren, was fehlt. Damit gewinnen die Zuschauer und Zuschauerinnen an Macht über den öffentlichen Diskurs und verschieben, was überzeugende Rhetorik heutzutage ausmacht. Diese Entwicklung legt eine Betrachtungsweise nahe, die nicht die Rednerin oder den Redner als Person selbst, sondern das Publikum und die Verbindung, die er oder sie zu diesem schafft, in den Mittelpunkt stellt.</p>
<h3>Rhetorik unter anderen Umständen</h3>
<p>Die Verschiebung des öffentlichen Diskurses auf Soziale Netzwerke und Plattformen hat vieles an den Umständen geändert, unter denen Reden gehalten werden und Rhetorik ihren Einsatz findet. Früher standen sich Rednerin und Redner und das Publikum mehr oder weniger direkt und zur gleichen Zeit gegenüber, es wurde praktisch ohne mediale Unterstützung gesprochen und versucht, argumentativ zu überzeugen. Heute sind Rednerinnen und Redner und die Zuhörerschaft nicht mehr so unmittelbar aneinander gekoppelt. Auch früher gab es schon schriftliche Aufzeichnungen von Reden, die nachträglich verbreitet und unter die Menschen gebracht worden sind, doch lässt sich heute in einem Bruchteil der Zeit eine weitaus größere Masse erreichen. Nahezu jede größere Rede wird heute aufgezeichnet, übertragen, gestreamt oder auf Sozialen Netzwerken geteilt. Was einmal gesagt wurde, kann man Jahre später noch verfolgen, und auch wie es gesagt worden ist.</p>
<p>Doch damit verändert sich nicht nur wo und wie Reden gehalten werden, sondern auch die Rede selbst. War es früher schon immer wichtig, Kernaussagen in Reden so kurz und eingängig zu formulieren, dass sie als O-Ton in TV- und Hörfunkbeiträgen verwendet werden konnten oder sich für Überschriften anboten, so hat die verstärkte Kommunikation über Soziale Medien diesen Trend noch verstärkt, sagt Mediencoach und Redenexpertin Jacqueline Schäfer. Als Präsidentin des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) ist sie überzeugt: In Zeiten von begrenzter Zeichenanzahl und kurzen Statements auf Twitter &amp; Co ist es beinahe zwingend, dass gute Reden inzwischen auch einschlägige, „twitterfähige“ Äußerungen enthalten, die sich schon während des Vortragens verbreiten lassen, das Wichtigste auf den Punkt bringen, aber auch ein gewisses Diskussionspotential innehaben. Alles andere geht in der Vielzahl an Beiträgen unter oder ist zu lang und kompliziert, als dass sich die Rezipientinnen und Rezipienten darauf einlassen.</p>
<hr />
<p>Die Begriffe Logos, Ethos und Pathos stellen die Grundprinzipien der klassischen Rhetoriklehre dar. Logos bezieht sich auf die sachbezogene und logische Ebene der Argumentation und meint konkret Daten, Statistiken, Fakten, etc. Das Ethos, als moralischer Appell, meint die Glaubwürdigkeit und die Integrität einer Rednerin oder eines Redners, während das Pathos als emotionaler Appell für die Verbindung zwischen der Gefühlswelt der Zuhörenden und dem Thema steht. Die Rednerin oder der Redner kann diese Mittel einsetzen, um das Publikum bezogen auf einen bestimmten Sachverhalt zu überzeugen.</p>
<hr />
<p>Dass die zunehmende digitale Kommunikation zum Ende der großen Rede führen wird, glaubt Schäfer nicht. Gerade weil im Alltag vieles verkürzt dargestellt wird, sei es notwendig, neben knackigen Kernbotschaften auch zuzulassen, dass sich Gedankengänge innerhalb einer Rede entwickeln können. Diese sollte dann aber umso mehr nach narrativen Gesichtspunkten aufgebaut sein und berücksichtigen, dass Menschen Dinge am besten verinnerlichen, wenn ihr Gefühl angesprochen, also das limbische System angeregt wird. Ist es so also vielleicht gerade die emotionale Verbindung zwischen den Zuhörenden, dem Gesagten und dem Vortragenden, die besonders wichtig ist?</p>
<h3>Die Macht der Emotionen</h3>
<p>Es gibt einiges, was für das Pathos als Schlüsselrolle spricht. In einer Vielzahl von Beiträgen, die uns tagtäglich überflutet, bleibt vor allem das hängen, was uns erreicht, in gewisser Weise eine Erregung unseres Gemütszustandes hervorruft. Und es sind diese Beiträge und Themen, die wir mit der Welt teilen, weiter verschicken und die sich innerhalb eines Tages so weit aufladen können, dass am Ende die halbe Welt darüber spricht. Daran zeigt sich auch die große Bedeutung von Bildern und Videos, die auch ohne Worte eine sofortige Reaktion in uns auslösen. Sie berühren uns soweit, dass wir sie, auch ohne den Kontext genauer zu kennen, rasant verbreiten. Ein Beispiel dafür ist das Foto des weinenden <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/symbolfoto-fuer-familientrennung-maedchen-wurde-nicht-von-mutter-getrennt-a-1214550.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Mädchens</a>, was zum Symbolbild der Debatte um Trumps harte Vorgehensweise an der mexikanischen Grenze geworden ist, tatsächlich aber nie von seiner Mutter getrennt worden war. Und auch all die großen Schlagwortbegriffe, die die aktuelle Debatte prägen, sind spürbar emotional aufgeladen: „Shitstorm“, „Wutbürger“, „Gutmenschen“, „Erdowahn“, usw. Sie heizen dabei den Diskurs auf und vereinfachen meist abwertend komplexe Sachverhalte. Nicht selten wird deshalb der Wunsch nach mehr Sachlichkeit und Deeskalation laut.</p>
<h3>Das Publikum als fünfte Gewalt</h3>
<p>Es wird deutlich: Das Publikum hat an Macht dazugewonnen und bestimmt mit, wonach sich Rednerin und Redner und der Diskurs insgesamt ausrichten. Auch das ist eine Entwicklung, die durch die Digitalisierung begünstigt wird. Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen spricht im Zuge dessen schon von einer „<a href="https://www.koerber-stiftung.de/mediathek/die-fuenfte-gewalt-der-skandalforscher-bernhard-poerksen-im-gespraech-mit-christoph-kucklick-1407" target="_blank" rel="noopener noreferrer">fünften Gewalt</a>“ der digital vernetzten Öffentlichkeit (die sich neben dem klassischen Journalismus, der Exekutive, Judikative und Legislative einreiht). Während sich das Publikum in der Antike zwar einen eigenen Eindruck vom Redner vor Ort verschaffen konnte, war es ihm gleichzeitig auch stärker ausgeliefert. Es konnte zwar den Ort des Geschehens verlassen, so wie wir ein Video oder eine Website einfach schließen können, aber es hatte deutlich eingeschränktere Möglichkeiten, das Gesagte zu überprüfen und seine Informationen aus verschiedenen Quellen zu beziehen. Im Zweifelsfall mussten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer auf die Glaubwürdigkeit eines Redners verlassen und waren so abhängiger von ihm und dessen Aussagen.</p>
<p>Das sieht heute, in Zeiten, in denen rund 80 Prozent der Menschen in Deutschland das Internet nutzen und fast genauso viele im Besitz eines Smartphones sind, deutlich anders aus. Inhalte lassen sich in Echtzeit selbst nochmal überprüfen und müssen dem sekundenschnellen Faktencheck standhalten. Was einen nicht sofort packt und interessiert, sieht man sich auch nicht an und verbannt es aus seiner Filterblase. Für Jacqueline Schäfer bedeutet das, dass „Aufmerksamkeit zu generieren und sie über eine Redestrecke zu halten, in Zeiten, in denen viele schon mit einer eineinhalb minütigen Rede überfordert sind, immer anspruchsvoller und schwieriger geworden ist.“ Sie geht ebenso davon aus, dass es zunehmend auch um den emotionalen Unterhaltungswert geht, wenn man seine Inhalte verkaufen möchte, und dass die Zuhörerinnen und Zuhörer inzwischen auch die Macht dazu haben, dies öffentlich zu kommunizieren und letztendlich auch einzufordern.</p>
<h3>Dauergereiztheit statt sachlicher Auseinandersetzung</h3>
<p>Doch lässt sich daraus auch ableiten, dass die Leute durch die neuen Möglichkeiten zur Selbstaufklärung, die sie dank des Internets nun haben, auch anspruchsvoller und misstrauischer geworden sind? Laut dem <a href="https://initiatived21.de/publikationen/d21-digital-index-2017-2018/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">D21-Digital-Index 2017/2018</a> der Initiative D21 machen immerhin etwa drei Viertel der Deutschen regelmäßig von der Möglichkeit Gebrauch, in Suchmaschinen nach Inhalten und Informationen zu suchen. Doch trauen sich nur 54 Prozent der Befragten auch zu, bei Treffern von Suchmaschinen zu erkennen, welche davon Werbeanzeigen sind und nur knapp jeder zweite geht davon aus, Fake News von glaubwürdigen Nachrichten unterscheiden zu können. Das spricht nicht unbedingt für eine mündigere und kritischere Gesellschaft. Was bringt uns also der Zugang zu einem enormen Vorrat an Information, wenn wir gar nicht genau wissen, wie wir sie richtig nutzen können? Werden wir also vielleicht nur kritischer hinsichtlich der Präsentation und Aufbereitung und weniger dem Inhalt gegenüber?</p>
<p>Laut Pörksen befinden sich die Menschen momentan in einem Zustand der Dauergereiztheit, der die Chance effektiver Desinformation nur noch eher begünstigt und konstant nach neuen Reizen und Impulsen sucht. Daraus entsteht eine eigene Emotions- und Erregungsindustrie, die sich auch auf die Qualität politischer Debatten und die politische Kommunikation auswirkt.</p>
<h3>Politische Rhetorik</h3>
<p>Politikerinnen und Politiker entdecken diese Industrie zunehmend für sich. Die Zeiten des Wahlkampfs sind immer auch Zeiten der Rhetorik. Parteien und Kandidatinnen und Kandidaten breiten ihre Kampagnen auf immer mehr Medien und soziale Netzwerke aus, um die Macht dieser fünften Gewalt für sich zu nutzen. Und auch außerhalb der politischen Hochphasen lässt man jetzt von sich hören. Video-Selfies und Instagram-Stories werden zu den kleinen Reden unserer Zeit, die, richtig gemacht, bereits ein riesiges Echo hervorrufen können. Und selbst, wenn die Referentin oder der Referent das Medium nicht beherrscht, kann sie oder er als Negativbeispiel viral gehen. In der Erregungsgesellschaft, wie Pörksen sie skizziert, geht es darum einen Nerv zu treffen. Nicht zuletzt ist das auch der Grund, warum populistische Parteien so erfolgreich sind. Durch bewusst emotional aufgeladene Themen bleiben sie im Gespräch. Wut und Angst sind dabei stets lauter als Lob und Zufriedenheit und das kommt nicht zuletzt einer <a href="https://www.huffingtonpost.de/entry/bei-afd-hardliner-treffen-zeigt-sich-wie-radikal-die-partei-bereits-ist_de_5b66ac86e4b0b15abaa40703?y88&amp;utm_hp_ref=de-homepage" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verfallsrhetorik</a> zugute, die medienwirksam vor allem Vertreter der AfD wie Björn Höcke für sich nutzen. Doch auch insgesamt besteht zunehmend die Gefahr, dass die Grundlage des öffentlichen Diskurses immer häufiger auf Kampfworten basiert, die gegen andere Kampfworte stehen, ohne dass eine Einordnung oder Differenzierung stattfindet.</p>
<p>Die öffentliche Auseinandersetzung ist nach wie vor angewiesen auf inhaltliche Substanz, Glaubwürdigkeit und Vielfalt. Deshalb sollten wir bei aller Verkürzung und Emotion, die die Debatte momentan beherrschen, immer wieder auch zurückkehren zu den Ursprüngen, aus denen ein Schlagwort, ein Statement oder auch die Rede entstanden sind. Am Ende kommt es in aller Rhetorik auf die Beziehung an: es bleibt der Gesamtzusammenhang, an dem wir eine Aussage oder ein Argument messen sollten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: Jeronimo Bernot via<a href="https://unsplash.com/photos/F16YG4WLIvk" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Unsplash</a>, bearbeitet</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Durchs Swipen zur Wahlentscheidung</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/durchs-swipen-zur-wahlentscheidung-interaktive-wahltools-155147/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Vivian Knopf]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Sep 2018 14:05:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[WahlSwiper]]></category>
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		<category><![CDATA[Landtagswahl Bayern]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Landtagswahlen in Hessen und Bayern stehen unmittelbar bevor. Zwischen all den Wahlprognosen und Kampagnen der einzelnen Parteien kann es [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/WahlSwiper-Titelbild.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-155148 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/WahlSwiper-Titelbild-630x276.jpg" alt="" width="630" height="276" /></a></p>
<p>Die Landtagswahlen in Hessen und Bayern stehen unmittelbar bevor. Zwischen all den Wahlprognosen und Kampagnen der einzelnen Parteien kann es schnell mal unübersichtlich werden. Für alle, die sich noch nicht sicher sind, wen sie wählen sollen, gibt es jetzt zwei interaktive Wahltools, die bei dieser Entscheidung helfen können.</p>
<h3>Wählen so einfach wie Online-Dating</h3>
<p style="text-align: left;"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Swiper-Screenshot-bearbeitet.jpg"><img decoding="async" class=" wp-image-155152 alignright" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Swiper-Screenshot-bearbeitet-305x516.jpg" alt="Swiper Screenshot bearbeitet" width="182" height="309" /></a>Ob online oder per App können sich Wahlberechtigte und alle anderen Interessierten mit <a href="https://www.wahlswiper.de/">WahlSwiper</a> ihre Meinung zur Wahl bilden. Das Prinzip ist dabei ähnlich wie beim Onlinedating: Fragen zu den wichtigsten politischen Themen des Bundeslandes können mit einem Wisch nach links mit „Nein“ und nach rechts mit „Ja“ beantwortet werden. Durch die Übereinstimmung mit den Antworten der teilnehmenden Parteien finden Nutzerinnen und Nutzer ihren potentiellen „Match“.  Wer sich bei seinen Antworten nicht ganz sicher ist, kann entweder auf die kurzen Erklärvideos zurückgreifen, die die wichtigsten Streitpunkte zusammenfassen, oder einzelne Fragen überspringen. Seit dem 6. September ist die App für die Landtagswahl in Bayern verfügbar, ab dem 17. September dann ebenfalls für Hessen.</p>
<h3>Wahl-O-Mat wieder mit dabei</h3>
<p>Auch das inzwischen wohl bekannteste interaktive Wahltool, der <a href="https://www.bpb.de/politik/wahlen/wahl-o-mat/">Wahl-O-Mat</a>, kommt im Zuge der beiden Landtagswahlen wieder zum Einsatz. Am 20. September startet der Wahl-O-Mat in Bayern, am 26. September wird er zur Wahl in Hessen online gestellt. Das Frage-und-Antwort-Tool gibt dabei einen Überblick über die Themen und Positionen aller Parteien, indem es eine Vielzahl an Aussagen zu den wichtigsten Wahlthemen vorstellt. Diese Thesen können entweder mit „stimme zu“, „stimme nicht zu“, „neutral“ oder „überspringen“ beantwortet werden. Auch hier geht es um den Grad der Übereinstimmung der eigenen Ansichten mit denen ausgewählter Parteien, der zeigt, welche Partei der eigenen Position am nächsten steht.</p>
<p>Beide Anwendungen nehmen den potentiellen Wählerinnen und Wählern natürlich nicht die Entscheidung ab, viele Themen sind auch komplexer und nicht einfach durch „Ja“ oder „Nein“ zu entscheiden und das Wichtigste ist nach wie vor, tatsächlich auch zur Wahl zu gehen. Sie können aber eine gute Hilfestellung geben und politische Themen zugänglicher machen.</p>
<p>Titel- und Artikelbild: Screenshot <a href="https://www.wahlswiper.de/wahlen/landtagswahl-bayern-2018">Wahlswiper.de</a>, bearbeitet</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Digitalstrategie NRW: Digitalisierung durch Partizipation voranbringen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vivian Knopf]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Sep 2018 15:39:30 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Nordrhein-Westfalen]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor kurzem stellte die Bundeskanzlerin einen neuen Digitalrat vor, der helfen soll, den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten, in dem [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Digitalstrategie-NRW-Screenshot-grau.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-155133 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Digitalstrategie-NRW-Screenshot-grau-630x276.jpg" alt="" width="630" height="276" /></a></p>
<p>Vor kurzem stellte die Bundeskanzlerin einen neuen Digitalrat vor, der helfen soll, den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten, in dem er der Bundesregierung bei wichtigen Fragen zuarbeitet. Und auch auf Landesebene tut sich etwas: Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat einen Entwurf einer digitalen Strategie vorgelegt und ruft dazu auf, diesen Entwurf zu diskutieren. Bis zum 7. Oktober können Bürgerinnen und Bürger ihre Ideen einbringen.</p>
<h3>Digitale Ausrichtung mitgestalten</h3>
<p>Der im Juli 2018 vorgelegten Entwurf benennt erste Themen und Ziele der Digitalstrategie und gibt einen Überblick über Projekte der Landesregierung. Bis zum 7. Oktober haben die Bürgerinnen und Bürger Nordrhein-Westfalens jetzt die Möglichkeit, die digitale Ausrichtung ihres Bundeslandes <a href="https://www.digitalstrategie.nrw/digitalnrw/de/home" target="_blank" rel="noopener noreferrer">online</a> mitzugestalten. Die Partizipation ist dabei auf unterschiedliche Wege möglich. So können Nutzerinnen und Nutzer unter verschiedenen Optionen, von Bildung und Kultur über Energie und Klima bis hin zu Datenschutz, erst einmal wählen, welche Themen ihnen davon am wichtigsten sind und damit Prioritäten setzen. Es besteht aber ebenso das Angebot, die Inhalte weiterzudenken, in dem verschiedene themenbezogene Fragen und Thesen diskutiert werden, oder den online einsehbaren Entwurf der Digitalstrategie direkt zu kommentieren. Wer besonders viel zu sagen hat, kann auch eine eigene Stellungnahme hochladen. Außerdem werden jede Woche auf dem <a href="https://www.digitalstrategie.nrw/digitalnrw/de/journal/51354" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Blog</a> ein bis zwei der zehn Themen genauer vorgestellt. So können sowohl Digital-Expertinnen und Experten als auch interessierte Bürgerinnen und Bürger am Beteiligungsprozess teilnehmen.</p>
<p>Neben dem Online-Angebot hat die Landesregierung ebenfalls verschiedene Veranstaltungen und eine zentrale Konferenz im Oktober angekündigt. Die gesammelten Rückmeldungen sollen dann bis zum Jahresende ausgewertet werden und in eine finale Fassung der Digitalstrategie einfließen. Gleichzeitig aber soll dies der Startschuss für eine längerfristige Diskussion um die Strategie und den digitalen Wandel in den nächsten Jahren darstellen.</p>
<h3> Andere Bundesländer &#8211; ähnliche Ideen</h3>
<p>„Die Digitalisierung ist eine der größten Gestaltungsaufgaben unserer Zeit. Wenn wir sie richtig angehen, bietet sie große Chancen, unser Land zu modernisieren und den Menschen durch Teilhabe an diesem Prozess neue Möglichkeiten zu eröffnen“, stellt Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart heraus.</p>
<p>Nordrhein-Westfalen ist dabei nicht das einzige Bundesland, das dieses Potential entdeckt hat. Mit einer Reihe von Maßnahmen will auch die Landesregierung Niedersachsen die digitale Transformation vorantreiben. Sie stellte dafür vor einigen Tagen ihren umfassenden „Masterplan Digitalisierung“ vor und will bis 2022 bis zu einer Milliarde Euro für die Umsetzung zur Verfügung stellen. Auch Hessen arbeitet weiter an seiner Digitalisierungsstrategie hat vor kurzem beschlossen, einen Rat für Digitalethik und ein Zentrum für künstliche Intelligenz einzurichten. So wie Brandenburg, das seit dem Frühjahr nun über einen Digitalbeirat verfügt und bis zum Jahresende eine Digitalisierungsstrategie erarbeiten will. In der Vergangenheit hatte bereits Baden-Württemberg eine Digitalstrategie vorgelegt, auch die Landesregierung Rheinland-Pfalz startete einen „Digitaldialog“, an dem sich die Rheinland-Pfälzer beteiligen konnten. Die Anregungen wurden auch hier bei der Formulierung der Digitalstrategie berücksichtigt, die im April diesen Jahres vorgestellt wurde. Das könnte ein Vorbild für Nordrhein-Westfalens digitalen Partizipationsprozess gewesen sein.</p>
<p>Titelbild: Screenshot <a href="https://www.digitalstrategie.nrw/digitalnrw/de/home" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Digitalstrategie.nrw</a>, bearbeitet</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Auf Social Media durch den Wahlkreis &#8211; Politische Kommunikation im Sommerloch</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/news/politische-kommunikation-im-sommerloch-155097/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Vivian Knopf]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Aug 2018 09:26:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[politische Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Das sogenannte Sommerloch trifft nicht nur die Tagespresse und großen Nachrichtenredaktionen im Land, auch in der Politik wird es zu [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/gonard-fluit-unsplash.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-155100" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/gonard-fluit-unsplash-630x276.jpg" alt="gonard-fluit, unsplash" width="630" height="276" /></a></p>
<p>Das sogenannte Sommerloch trifft nicht nur die Tagespresse und großen Nachrichtenredaktionen im Land, auch in der Politik wird es zu dieser Zeit still, wenn nicht gerade die nächste Wahl vor der Tür steht. Während man in den letzten Wochen so allerhand kuriose Inhalte zu lesen bekam, haben sich einige Landesregierungen, Parteien, Politikerinnen und Politiker ihr eigenes Programm überlegt, um möglichst öffentlichkeitswirksam in Verbindung mit den Bürgerinnen und Bürgern zu treten und den Sommer zu überbrücken.</p>
<p>Viele Politikerinnen und Politiker nutzen diese Zeit für eine Sommertour durchs Land, doch nicht alle halten diese auch gleichermaßen gut auf sozialen Netzwerken fest, um so ein größeres Publikum als nur das vor Ort zu erreichen. Dabei bieten gerade die ruhigeren Sommermonate eine Gelegenheit, um verschiedene neue Kanäle für sich zu entdecken und die eigene Reichweite auszubauen. Es lassen sich einige Beispiele dafür finden, wie zeitgemäße politische Kommunikation aussehen könnte.</p>
<h3> Manuela Schwesig auf Twitter</h3>
<figure id="attachment_155102" aria-describedby="caption-attachment-155102" style="width: 305px" class="wp-caption alignright"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Manuela-Schwesig-Twitter-Sommertour.png"><img decoding="async" class="wp-image-155102 size-medium" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Manuela-Schwesig-Twitter-Sommertour-305x340.png" alt="Manuela Schwesig, Twitter, Sommertour" width="305" height="340" /></a><figcaption id="caption-attachment-155102" class="wp-caption-text">Manuela Schwesig fasst abschließend die Eindrücke ihrer Sommertour auf Twitter zusammen.</figcaption></figure>
<p style="text-align: justify;">Manuela Schwesig nutzte als Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns u.a. Twitter effektiv dazu, um für das Bundesland Werbung zu machen und natürlich auch selbst medienwirksam aufzutreten. Unter dem Motto „Land zum Leben, Arbeiten und Urlaub“ besuchte sie dabei Unternehmen, soziale Einrichtungen, Kulturorte und Feste und hielt ihre Besuche sowohl in Bilderstrecken, als auch in kurzen Videobeiträgen fest. Mehrmals täglich gab es auf ihrem offiziellen Account Beiträge zu sehen. So lassen sich gleichzeitig das zu regierende Bundesland als auch die eigene politische Arbeit aufwerten und überhaupt erstmal genauer vorstellen. Obwohl auch die breiten Medien und Zeitungen über die Sommertour Schwesigs berichten, nutzt sie ebenso das Potential ihrer eigenen Kanäle für sich. Das ermöglicht nicht zuletzt eine unmittelbare Rückmeldung der Nutzer und potentiellen Wähler auf Twitter, mit denen die Ministerpräsidentin und ihr Team in einen direkten Austausch treten können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Europatour auf Facebook</h3>
<figure id="attachment_155104" aria-describedby="caption-attachment-155104" style="width: 305px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Arne-Lietz-Facebook2.png"><img decoding="async" class="wp-image-155104 size-medium" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Arne-Lietz-Facebook2-305x271.png" alt="Arne Lietz, Facebook2" width="305" height="271" /></a><figcaption id="caption-attachment-155104" class="wp-caption-text">Arne Lietz hält seine Europatour auf Facebook fest.</figcaption></figure>
<p>Doch auch weniger bekannte Politikerinnen und Politiker können diese Möglichkeiten für sich nutzen. Unterwegs auf „Europa-Sommertour“ durch Sachsen-Anhalt ist Arne-Lietz, SPD-Abgeordneter des Europäischen Parlaments für Sachsen-Anhalt. Auch ihn kann man z.B. auf Facebook ausführlich dabei verfolgen, wie er Vereine, Verbände und Unternehmen besucht. Selbsterklärtes Ziel ist es dabei, „zu zeigen, wie Europa in Sachsen-Anhalt wirkt, aber auch zu hören, was die Menschen vor Ort über Europapolitik denken.“  Zu jedem Tag gibt es dabei neben separaten Beiträgen mit Bildern zu den einzelnen Stationen kurze Zusammenfassungen im Videoformat mit Voiceover des Politikers.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Praktikumstour im Storyformat auf Instagram</h3>
<p>Sowohl in Sozialen Netzwerken als auch in der Bild-Zeitung gelobt wird Nikolas Löbel für seine zeitgemäße politische Kommunikation auf Instagram. Der CDU-Politiker ist Mitglied des Bundestages für den Wahlkreis Mannheim und nutzte die Sommerpause im Bundestag für eine kurze Praktikumstour. Ab dem 14. August besuchte er so sechs verschiedene Unternehmen und Einrichtungen in Mannheim. Ob als Bauarbeiter, Altenpfleger oder Reinigungskraft – Löbel dokumentierte seine Eindrücke täglich vor allem mit der Storyfunktion, die Instagram bietet. Entweder als kurze Einblicke, die ihn während der Arbeit zeigen oder in Form von Videos, um Gedanken festzuhalten und am Ende eines Praktikumtages zu resümieren. Die gesamte Tour lässt sich jetzt in einer zusammengestellten Story auf dem Instagram-Account des Politikers nachschauen. Löbel nutzte für dieses Format ebenfalls Facebook und WhatsApp.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Nikolas-Löbel-Instagram2.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-155106" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Nikolas-Löbel-Instagram2-305x612.png" alt="Nikolas Löbel, Instagram2" width="305" height="612" /></a><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Nikolas-Löbel-Instagram5.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-155107" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Nikolas-Löbel-Instagram5-305x608.png" alt="Nikolas Löbel, Instagram5" width="307" height="612" /></a></p>
<h3>Durch Livestreams Verbindung zwischen analog und digital schaffen</h3>
<p>Die Arbeit vor Ort und die Kommunikation im Netz ebenfalls geschickt kombiniert hat die FDP Niedersachsen. Landesvorsitzender Stefan Birkner und Generalsekretär Konstantin Kuhle reisen noch bis Anfang September durch Niedersachsen. Unter dem Motto „Willkommen auf dem neuen Weg“ stehen dabei vor allem die Erwartungen von Neu- und Altmitgliedern aber auch Interessierten im Vordergrund. Man möchte an einer Neuausrichtung der Partei arbeiten, den Weg der Partei und die programmatische Parteiarbeit diskutieren und kommunizieren. Dabei ebenfalls zentral sind moderne Parteiarbeit und das neue Schwerpunktthema „New Work“. Deshalb ist es naheliegend, als Teil der Sommertour auch ein Onlineangebot für diejenigen zu schaffen, die an den Terminen vor Ort nicht teilnehmen können.</p>
<figure id="attachment_155108" aria-describedby="caption-attachment-155108" style="width: 630px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/FDP-Niedersachen-Livestream.png"><img decoding="async" class="wp-image-155108 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/FDP-Niedersachen-Livestream-630x285.png" alt="FDP Niedersachen, Livestream" width="630" height="285" /></a><figcaption id="caption-attachment-155108" class="wp-caption-text">Stefan Birkner und Konstantin Kuhle beantworten im Rahmen ihrer Sommertour der FDP Niedersachsen Fragen im Livestream.</figcaption></figure>
<p>In einem einstündigen Livestream konnten Zuschauende so Fragen zur Parteiarbeit stellen und eigene Anregungen für die zukünftige Ausrichtung einbringen. Und vor allem: in direkten Kontakt mit Birkner und Kuhle kommen. Dabei bezogen sich beide immer wieder auch auf Gespräche und Erfahrungen vor Ort, die sie bereits den Sommer über gesammelt haben. Das alles passt zu dem Ziel, bei moderner Parteiarbeit stärker auf Online-Medien zurückgreifen und Landesfachausschüsse auch mal online tagen lassen, um so flexibler und effektiver arbeiten zu können. Für die FDP Niedersachsen bietet der Sommer damit die Zeit und Möglichkeit, am Strategieprozess zu arbeiten, neue Anregungen zu sammeln und verschiedene Formate auszuprobieren.</p>
<h3>Regierungskommunikation auf Twitter</h3>
<figure id="attachment_155109" aria-describedby="caption-attachment-155109" style="width: 305px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Landesregierung-BW-RegSommerBW.png"><img decoding="async" class="wp-image-155109 size-medium" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Landesregierung-BW-RegSommerBW-305x305.png" alt="Landesregierung BW, #RegSommerBW" width="305" height="305" /></a><figcaption id="caption-attachment-155109" class="wp-caption-text">Unter dem Hashtag #RegSommerBW wird Sozialminister Manne Lucha auf Twitter bei seiner Arbeit für die Landesregierung vor Ort begleitet.</figcaption></figure>
<p>Aber auch ganze Landesregierungen kommunizieren ihr Wirken im Sommerloch und suchen Bürgerkontakt. Unter dem Hashtag #RegSommerBW startete zum Beispiel die Landesregierung Baden-Württembergs am 31. Juli auf Twitter eine kurze Sommerreihe, die sowohl Ministerinnen und Minister, als auch Staatssekretärinnen und Staatssekretäre bei ihrer Arbeit begleitet. Bisher zu sehen waren u.a. Katrin Schütz, Staatssekretärin für Wirtschaft, Arbeit, und Wohnungsbau bei ihrer Digitalisierungs- und Ausbildungsreise durch BW oder auch Umweltminister Franz Untersteller bei seiner Sommertour „Vitale Gewässer“. Die einzelnen Beiträge liefern dabei, bedingt natürlich auch durch die sehr begrenzte Zeichenanzahl auf Twitter, nur einen kleinen inhaltlichen Einblick in die einzelnen Stationen. Der Fokus liegt mehr darauf, die Arbeit der Regierung und der einzelnen Ministerinnen und Minister zu kommunizieren und nach außen zu tragen, aber auch verschiedene Initiativen des Landes vorzustellen. So lassen sich auch Politikerinnen und Politikern der Landesregierung miteinbinden, die selbst noch keine eigenen Social-Media Accounts besitzen oder mit deutlich weniger Followern eine geringere Reichweite haben.</p>
<h3>Chancen auch fernab von Wahlkampfzeiten nutzen</h3>
<p>Ob Ministerpräsidentin, Partei oder Landesregierung – für sie alle bieten Instagram, Facebook &amp; Co viele Möglichkeiten, um mit potentiellen Wählerinnen und Wählern und Interessierten in Kontakt zu treten. Oft bleiben diese aber bisher noch ungenutzt oder weit unter ihrem Potential. Und das, obwohl sich zeigt, dass solche Aktionen wie die Sommertouren auf Social-Media überhaupt erst wahrgenommen werden und gut ankommen: viele loben die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern, um die sich auf diesem Wege bemüht wird. Dass eine intensivere und glaubwürdige Nutzung der Sozialen Plattformen auch die breiten Medien aufmerksam werden lässt und sich so erst Recht lohnt, zeigt sich am Beispiel von Nikolas Löbel. Dabei geht es nicht nur allein um Klickzahlen und darum, möglichst viele neue Nutzer zu generieren, sondern Inhalt und Authentizität sind entscheidend. So gelingt es kleinere, aber relevantere Gruppen anzusprechen und bei der (potentiellen) Wählerschaft Vertrauen zu schaffen. Etwas, worauf alle Politikerinnen und Politiker langfristig angewiesen sind. Auch wenn es mehr Zeit und Aufwand erfordert, lohnt sich moderne politische Kommunikation, die den Menschen nicht nur in Wahlkampfphasen zeigt, dass man sich für sie interessiert.</p>
<p>Titelbild: Gonard Fluit via<a href="https://unsplash.com/photos/29oO_Fj56Lg"> Unsplash</a>, <a class="external" href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a>, bearbeitet</p>
<p>Bilder im Text: Screenshot Twitter Manuela Schwesig, Screenshot Facebook Arne Lietz, Screenshots Instagram Nikolas Löbel, Screenshot Facebook FDP Niedersachsen, Screenshot Twitter Landesregierung BW</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Rhetorik im digitalen Zeitalter &#8211; eine Frage der Glaubwürdigkeit?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vivian Knopf]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Aug 2018 09:33:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Manipulation]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Kommunikation]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Digitalisierung, die inzwischen in nahezu allen Bereichen unserer heutigen Gesellschaft einen Wandel ausgelöst hat, macht auch vor der Kunst [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Barack-Obama-Rede.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-155089 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Barack-Obama-Rede-630x276.jpg" alt="" width="630" height="276" /></a></p>
<p>Die Digitalisierung, die inzwischen in nahezu allen Bereichen unserer heutigen Gesellschaft einen Wandel ausgelöst hat, macht auch vor der Kunst und Wissenschaft der Überzeugung nicht halt. Sprache und die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, haben sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Kommunikation ist schneller, unmittelbarer und so vielleicht auch manipulativer geworden. Softwareentwickler arbeiten inzwischen schon an eigenen Argumentationssystemen, die sich mit dem Menschen messen können. Im Interview mit politik-digital.de spricht Prof. Dr. Till über die Rolle der Rhetorik in der digitalen Gesellschaft, die Gefahren von Manipulation im Netz und welche Bedeutung die Glaubwürdigkeit des Redners dabei hat.</p>
<div class="c33l info-box"><div class="subc"></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Foto-Prof.Dr_.Till_.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-155062 " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Foto-Prof.Dr_.Till_-305x413.jpg" alt="" width="152" height="206" /></a></p>
<p>Prof. Dr. Dietmar Till studierte und promovierte an der Eberhard Karls Universität in Tübingen und ist dort seit dem Wintersemester 2011/12 Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Rhetorik. Neben seinen Hauptarbeitsgebieten der Geschichte und Theorie der Rhetorik ist er Experte für Propagandaforschung und politische Rhetorik. Als Gastwissenschaftler lehrte er auch in den USA, zuletzt 2016 an der University of Washington in Seattle. Er arbeitet am Tübinger Seminar für Allgemeine Rhetorik, dem europaweit einzigen Universitätsinstitut für Rhetorikforschung. Als Autor hat er ebenfalls zahlreiche Bücher, Aufsätze, Rezensionen und Artikel publiziert, in denen er sich u.a. mit den Transformationen der Rhetorik auseinandersetzte.</p>
<p></div></div>
<h3>politik-digital.de: In den letzten Jahren hat die Digitalisierung in verschiedensten Bereichen der Gesellschaft erheblich an Bedeutung gewonnen. Inwiefern lässt sich solch eine digitale Transformation auch im Bereich der Rhetorik beobachten? Und welche Elemente der antiken Rhetoriklehre sind auch heute noch zeitgemäß?</h3>
<p>Die antike Rhetorik geht von ganz einfachen Gegebenheiten aus: Es wird mündlich kommuniziert und face-to-face, d.h. Redner und Publikum sind gleichzeitig präsent. Gesprochen wird frei, also ohne Manuskript und andere Hilfsmittel, und ohne technische Verstärkeranlagen wie Mikrofone und Lautsprecher. Heute geschieht Kommunikation vor allem mediengestützt. Das ist keine neue Entwicklung, wenn man überhaupt an die Entwicklung der Schrift denkt und dann natürlich an den Buchdruck und Gutenberg im 15. Jahrhundert. Man sagt ja manchmal, dass die von Luther angestoßene Reformation ohne die Entwicklung des Buchdrucks nicht möglich gewesen wäre.</p>
<p>Die Frage der Medienrhetorik hat also eine historische Tiefendimension, das sollte man nicht vergessen, wenn man von der Medienrevolution unserer Tage spricht. Natürlich gibt es eine digitale Transformation auch im Bereich der Rhetorik, die neue Bedingungen schafft. Man muss nur etwa an Wahlkämpfe denken, in denen etwa soziale Medien heute eine ganz zentrale Rolle spielen. Politikerinnen und Politiker können damit Wählerinnen und Wähler gezielt ansprechen – und durch die Daten unserer Facebook-Konten wissen sie auch, bei wem es sich überhaupt lohnt. Das wird mittlerweile nicht nur in den USA, sondern auch in deutschen Wahlkämpfen gemacht. Digitale Medien sind also ein mächtiges und zugleich kostengünstiges Mittel der Wählerbeeinflussung. Andererseits haben die vielen Videos auf Plattformen wie Youtube auch zu so etwas wie einem Revival der klassischen Rede geführt. Man konnte das schon bei Obama sehen. Seine Reden wurden teilweise regelrechte Youtube-Hits. Und die Digitalität ermöglicht auch interessante Medienmixe, wie man wiederum beim späten Obama studieren konnte: Die Internet-Fassung seiner letzten „State of the Union“-Rede wurde von zahlreichen Statistiken, Bildern und Zitaten begleitet, gestaltet in einer Art Split-Screen-Technik: links Obama, rechts die Selbst-Kommentare zu der eigenen Rede. Wir werden in den kommenden Jahren viele weitere solcher Medienhybride sehen.</p>
<p>Welcher Begriff der wichtigste aus der antiken Rhetorik für heute ist? Ich denke, das Ethos. Die klassischen Autoren verstanden darunter die Glaubwürdigkeit und das Image eines Redners. In einer immer komplexeren Welt, die wir alle nur noch bruchstückhaft verstehen können, wird Glaubwürdigkeit zur entscheidenden Währung. Die zentrale Frage unserer Zeit ist ja: Wem können wir trauen, was stimmt, was nicht, was ist erfunden und was gefälscht?</p>
<h3>politik-digital.de: Glauben Sie, dass die Vielzahl an ungefilterten Beiträgen, denen wir heutzutage in sozialen Netzwerken begegnen und die dabei teilweise bewusst Stimmungsmache betreiben, dazu beitragen, dass die Grenze zwischen Manipulation und Rhetorik, also dem Versuch der argumentativen Überzeugung, immer mehr verschwimmt?</h3>
<p>Diese Grenze war tatsächlich nie so ganz trennscharf, vor allem dann, wenn man in die Praxis blickt. Aber: Die Rhetorik geht von zwei Grundannahmen aus: Erstens, dass es beim Überzeugen primär um die auf ein bestimmtes Publikum passenden Argumente geht; zweitens, dass es immer ein Freiheitsmoment gibt, ich also als Zuhörer einer Rede immer die Möglichkeit habe, für mich zu entscheiden, dass mich ein Argument eben nicht überzeugt – und ich etwa Rückfragen habe etc. Letzteres grenzt Rhetorik von der Propaganda ab. Ein entscheidender Vorteil rhetorischer Überzeugungsverfahren besteht also darin, dass sie einen rationalen Kern haben. Begründetheit garantiert nicht zuletzt die relative Langfristigkeit und Stabilität von Überzeugungen. Nur so ist politisches Handeln ja überhaupt möglich. Und nur ein solches primär argumentatives Verfahren ermöglicht es Gesellschaften und Gruppen, wichtige Themen so zu erörtern, dass dabei nachhaltige und belastbare Lösungen herauskommen. Insofern könnte man auch sagen, dass eine der Stärken der Rhetorik darin liegt, dass sie Konfliktlagen kommunikativ befrieden kann.</p>
<h3>politik-digital.de: Es wird zwischen „weißer“, also offener Propaganda, die sich auf eine bestimmte Quelle zurückführen lässt, und „schwarzer Propaganda“ unterschieden, die versteckter und manipulativer agiert und dessen Zielgruppe sich der Beeinflussung nicht bewusst ist. Sind Sie der Ansicht, besonders diese manipulative Form stellt heutzutage, vielleicht sogar noch stärker als früher, eine Bedrohung dar? Inwiefern lassen sich die Ursachen dafür in der Digitalisierung und der Art der Kommunikation im World Wide Web finden?</h3>
<p>Das würde ich ganz klar bejahen. Wir alle kennen Fotografien aus der Stalin-Ära, in der, mal der eine, mal der andere Parteigenosse, der eben gerade in Ungnade gefallen war, aus dem Foto rausretuschiert wurde. Meistens sieht man noch die Kanten, wo mit Schere oder Messer geschnitten wurde. Heute sind diese Techniken der Bildmanipulation äußerst raffiniert geworden – neuerdings gibt es ja nicht nur eine Manipulation von Einzelbildern, sondern auch ganzen Filmen, in denen dann z.B. Köpfe und Körper von Personen reinkopiert werden können. Hier wird bewusst mit der Annahme operiert, dass Bilder Evidenzeffekte generieren, also hohe Glaubwürdigkeit haben. Hinzu kommt in den sozialen Medien der ganze Komplex der social bots, der Trolle und der gefälschten Identitäten, siehe den Skandal um Facebook und Cambridge Analytica im letzten US-Präsidentschaftswahlkampf.</p>
<p>Das Publikum der antiken Reden hatte es unendlich einfacher: Man konnte die Person, die sprach, sehen und sich einen eigenen Eindruck aus erster Hand verschaffen. Das ist in unserer Medienrealität nicht mehr möglich. Und hier schließt sich natürlich der ganze Komplex von Ethos und Glaubwürdigkeit an. Wenn die Gesellschaften unserer Welt es nicht schaffen, Mittel zu entwickeln, mit denen die einzelnen Kommunikatoren im Netz identifiziert und authentifiziert werden können, werden wir womöglich dunkle Zeiten erleben.</p>
<h3>politik-digital.de: Die Justizministerin Barley warnt aktuell vor einer zunehmenden sprachlichen Verrohung und einer Veränderung der Debattenkultur, bei der immer wieder aufs Neue Grenzen überschritten werden und bewusst Angst geschürt werden soll. Wie wirkt sich das Ihrer Ansicht nach auf die Qualität (politischer) Debatten aus? Und wie weit kann ein rhetorisch geschulter Blick dabei helfen, sich im Wirrwarr an Informationen und Meinungen zurechtzufinden?</h3>
<p>Das Internet wurde ja einmal zum Heilsbringer stilisiert, und noch vor wenigen Jahren hat man auch die damals aufkommenden sozialen Medien als Medien der Diskussion gefeiert. Das hat sich nun ins vollkommene Gegenteil verkehrt, und das stimmt so natürlich auch nicht ganz. Ich erlebe auf Twitter beides: Diskussionen (im Rahmen dessen, was in den 240 Zeichen möglich ist), aber auch viel Destruktives. Insofern würde ich mir hier mehr Differenzierung wünschen.</p>
<p>Aber Ministerin Barley thematisiert natürlich einen wichtigen Punkt. Populisten etwa nutzen soziale Medien wie Facebook und Twitter dazu, den gesellschaftlichen Konsens in vielen Punkten in Frage zu stellen, etwa im Bereich der Erinnerungspolitik. Sie testen ganz bewusst die Grenzen des Sagbaren aus und versuchen auf diese Weise am gesellschaftlichen Konsens zu rütteln. Aber man muss auch sagen: Sie treffen auf eine wehrhafte Bürgergesellschaft, die sich das nicht gefallen lässt. Insofern würde ich sagen, dass hier nicht alles verloren ist. Tatsächlich halte ich social bots für eine viel größere Gefahr als die Internet-Tweets einer Beatrix von Storch.</p>
<p>Das Problem sozialer Medien ist nicht zuletzt, dass es Echtzeitmedien sind. Das ist einerseits schön, denn es bringt Menschen ja tatsächlich zusammen und erzeugt wenigstens ein Gefühl von Nähe, andererseits profitiert eine Sachdiskussion immer von Entschleunigung, Ruhe und nachdenklichem Abwägen der Argumente. Die Medienlogik von Twitter und Facebook widerspricht dem und begünstigt die schnellen Aufreger, Provokationen und Tabubrüche. Es geht dabei natürlich auch um Aufmerksamkeit, die sich leicht erzielen lässt, wenn sich Populisten dieser Medienlogik bedienen. Ich glaube, dass wir als Gesellschaft lernen müssen, die Vor- und Nachteile bestimmter Kommunikationsformen für bestimmte Themen zu erkennen. Und wir brauchen eine Diskussion über so etwas wie „kommunikativen Anstand“ – wie wir mit Menschen diskutieren, die wir nicht als Person leibhaftig vor uns haben. Das geht dann in den Bereich der Ethik hinein und ist auch eine Bildungsaufgabe.</p>
<h3>politik-digital.de: Im Juni hat IBM eines seiner neuesten Projekte vorgestellt: eine Argumentationssoftware, die den Namen „Project Debater“ trägt. Im ersten direkten Vergleich mit dem Menschen, bei der zwei erfahrene Redner in einer freien Debatte gegen die KI antraten, lautete das Ergebnis unentschieden. Einen eigenen Standpunkt darlegen, diesen im Laufe einer komplexen Diskussion weiter zu entwickeln und argumentativ auf einen Gegner einzugehen &#8211; schien das nicht bisher noch eine Fähigkeit zu sein, die exklusiv dem Menschen zugeschrieben werden konnte? Stellt der „Project Debater“ jetzt eine ernstzunehmende Konkurrenz dar?</h3>
<p>Das IBM-Projekt begeistert und verstört mich zugleich tief. Und allzu viel wissen wir ja auch gar nicht, vor allem nicht darüber, wie universell die argumentativen Fähigkeiten des „Project Debater“ sind. Es gibt ja Themen, über die sich leichter und Themen, über die sich schwerer debattieren lässt. Vor allem im Bereich von ethischen Fragestellungen ist die Frage, was das ‚bessere Argument‘ ist, nicht einfach auf Basis von Wissen zu entscheiden.</p>
<p>Wie bei wohl allen neuen Technologien geht es hier um die Frage der Folgenabschätzung. IBM selbst betont ja nachdrücklich die dienende Seite der Software, die auf künstlicher Intelligenz aufbaut. Man kann sich aber auch ganz leicht vorstellen, dass diese Systeme missbraucht werden. Nicht zuletzt aus Film und Literatur sind wir mit solchen Dystopien ja vertraut. Man muss sich nur vorstellen, man verknüpft das System mit einem Facebook-Account und macht daraus, entsprechend eingestellt, so etwas wie einen Super-Social-Bot. Ich denke, dass Gesellschaften hier Vorsorge treffen müssen. Es muss ein Recht darauf geben, dass eine Person weiß, ob sie mit einer Maschine oder einem wirklichen Menschen argumentiert.</p>
<h3>politik-digital.de: IBMs Vision ist es, dass ihre Software den Menschen in Zukunft bei der Meinungsbildung zu verschiedenen, teilweise hochkomplexen, Themen unterstützt. Sehen Sie das als Chance oder Gefahr? Welche weiteren Anwendungsmöglichkeiten halten Sie für denkbar?</h3>
<p>Wie gesagt: Es ist natürlich beides. IBM betont in ihrer Öffentlichkeitsarbeit natürlich die positiven Seiten, etwa im Sinne von Arbeitserleichterung: In einer Rechtsanwaltskanzlei bereitet die Software bestimmte Vorgänge für den Anwalt vor etc. Umgekehrt wird das in manchen Bereichen auch Jobs kosten. Was mir allerdings komplett fehlt, ist die ganze ethische Reflexion darüber, was solche Systeme für eine Gesellschaft bedeuten, welches Potenzial und welche Gefahren sich ergeben. Hier müsste es unbedingt einen Ethikrat oder etwas Ähnliches geben. Denn die Gefahren sind dort handfest zu greifen, wo wir dann irgendwann nicht mehr wissen, ob wir mit einem Computer kommunizieren oder nicht.</p>
<p>Titelbild: 271277 via <a href="https://pixabay.com/de/obama-barack-obama-pr%C3%A4sident-mann-356133/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay</a>, <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0</a>, bearbeitet.</p>
<p>Bild des Interviewpartners: © Thomas Susanka</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-305x53.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>#WichtigWählen: DGB will Wähler bei der Landtagswahl Hessen einbinden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vivian Knopf]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Aug 2018 16:18:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampagne]]></category>
		<category><![CDATA[Deutscher Gewerkschaftsbund]]></category>
		<category><![CDATA[Landtagswahl Hessen]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Oktober findet in Hessen die nächste Landtagswahl statt und es wird bereits fleißig Wahlkampf betrieben. Das nimmt jetzt auch [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Aktionslogo_640x280.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-155083 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Aktionslogo_640x280-630x276.jpg" alt="" width="630" height="276" /></a></p>
<p>Im Oktober findet in Hessen die nächste Landtagswahl statt und es wird bereits fleißig Wahlkampf betrieben. Das nimmt jetzt auch der Deutsche Gewerkschaftsbund zum Anlass, die Menschen zu fragen, welche Themen ihnen überhaupt wichtig sind. Er stellt damit ein neues Format der Bürgerpartizipation und Wahlkampfkampagne im hessischen Landtagswahlkampf vor und will so seine Perspektive auf die Wahlprogramme in der Öffentlichkeit verbreiten.</p>
<h3> Wählen, was uns wichtig ist</h3>
<p>„Der wesentliche Unterschied zwischen einer herkömmlichen Werbekampagne und einem Ansatz wie diesem ist, dass Menschen an der Kommunikation partizipieren und sie durch ihre Antworten selbst gestalten“, erklärt Benjamin Schwarz, Geschäftsführer der Kreativ- und Digitalagentur Part, die hinter dieser Kampagne steht.</p>
<p>Neben weiterhin analogen Maßnahmen wie Plakaten oder Umfrage-Tools auf Social-Media-Plattformen, können Nutzer auf einer zu diesem Zwecke eigens produzierten <a href="https://www.was-dir-wichtig-ist.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Microsite</a> der Kampagne darüber abstimmen, ob ihnen verschiedene Themen wie Schutz vor Niedriglohn, Investitionen in Bildung, Pflege oder bezahlbarer Wohnraum wichtig sind. Nach eigener Stimmabgabe erfährt man dann, wie viel Prozent der anderen Teilnehmenden das Thema wichtig fanden und welche Position der DGB dazu bezieht. Die damit erhobenen Daten geben ein klares Stimmungsbild ab und ermöglichen eine stärkere Partizipation an der Landtagswahl.</p>
<h3>Durch Kommunikation zu Sensibilisierung und Partizipation</h3>
<p>Im weiteren Verlauf der Kampagne steht dann das Stimmungsbild der Menschen und die Kommunikation darüber im Vordergrund. Die Nutzer sollen so nicht nur ihre persönliche Ansicht äußern, sondern auch teilen und Teil der Kampagne werden. Kommunikation soll so letztendlich dazu führen, die Menschen für die Themen der Landtagswahl zu sensibilisieren und zum Wählen anzuregen. Denn das bleibt nach wie vor die beste Möglichkeit der Partizipation.</p>
<p>Deshalb werden in der dritten Phase die erhobenen Stimmungsbilder mit den Parteiprogrammen der im Landtag vertretenen Parteien in Verbindung gebracht. So können die Menschen in Hessen sehen, wie die Parteien zu den Inhalten stehen, die ihnen selbst wichtig sind. Auch der DGB Hessen-Thüringen als Initiator hat im Hinblick auf die verschiedenen Themen zentrale Anforderungen an die künftige Landesregierung formuliert, um so seine Position zu verbreiten, dass „Gewerkschaftliches Engagement eine sehr gute Möglichkeit der gesellschaftlichen Partizipation ist.“</p>
<p>Titelbild: © <a href="http://www.dgb.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deutscher Gewerkschaftsbund</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Entwicklungsarbeit: Transparenz per Blockchain</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vivian Knopf]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Aug 2018 13:42:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Bitcoin]]></category>
		<category><![CDATA[Blockchain]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungsländer]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklungszusammenarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Blockchain-Technologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Transparenz, Vertrauen, Nachvollziehbarkeit – das sind wichtige Elemente der Entwicklungszusammenarbeit. Dazu maßgeblich beitragen könnte der Einsatz von Blockchain-Technologie. Zu diesem [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Digital-Kontrovers-Titelbild.jpg"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-155075 size-large" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Digital-Kontrovers-Titelbild-630x276.jpg" alt="" width="630" height="276" /></a></p>
<p>Transparenz, Vertrauen, Nachvollziehbarkeit – das sind wichtige Elemente der Entwicklungszusammenarbeit. Dazu maßgeblich beitragen könnte der Einsatz von Blockchain-Technologie. Zu diesem Ergebnis kam die Veranstaltung „Digital kontrovers – Blockchain Hype // dezentrale Disruption“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung am Dienstag, den 21. August, in Berlin.</p>
<p>Über konkrete Anwendungsmöglichkeiten in der Entwicklungsarbeit, aber auch die dabei entstehenden Herausforderungen von Blockchain und Kryptowährungen sprachen Sam Liban, Operations Manager bei The Sun Protocol und Rüdiger Weis, Professor für Informatik an der Beuth-Hochschule für Technik in Berlin. Konkreten Input aus der Entwicklungsarbeit steuerte außerdem Kathleen Ziemann, Beraterin beim Sektorprogramm Digitalisierung für nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, bei.</p>
<h3>Lösung grundlegender Probleme der digitalen Gesellschaft</h3>
<p>Sam Liban sieht vor allem die Chancen  der dezentralen automatisierten Technologie. Aus seiner Sicht kann Blockchain dazu beitragen, grundsätzliche Probleme der digitalen Gesellschaft zu lösen, weil es ermögliche, wirtschaftlich digital zu agieren und Werte eindeutig auszutauschen. Entscheidend ist für ihn die direkte wirtschaftliche Transaktion ohne Dritte. Durch Blockchain könnten die Transaktionskosten für Rücküberweisungen in Herkunftsländer erheblich reduziert werden. So könne man Mittlerinstitutionen, die ihre Vertrauensposition momentan missbrauchen würden, umgehen. Weitere Anwendungsgebiete sieht Liban in der Datenkontrolle und Schlüsselverwaltung von Identitäten, die in die dezentrale Datenbank eingespeichert werden könnten. Der Verschlüsselungsaspekt sei dabei entscheidend und schütze persönliche Daten. Doch auch Liban sieht die Gefahr von Scoring-Systemen, die Bürger bewertbar machten und zur globalen Gefahr werden könnten, wenn Institutionen auf die Idee kämen, Blockchain als Kontrollmöglichkeit zu benutzen. Er betont abschließend, dass viele Technologien, die in Europa kaum eine Rolle spielten, in anderen Teilen der Welt äußerst wirkungsvoll sein könnten.</p>
<h3>Gefahr des Onlineprangers<strong><br />
</strong></h3>
<p>Auch Rüdiger Weis sieht viele Vorteile in der Blockchain für die Entwicklungszusammenarbeit. Sie könne dabei helfen, alternative Vertrauensstrukturen zu schaffen, indem sie ermögliche, Daten zu verbreiten und gegen Änderungen zu schützen. Er erkennt ebenso wie Liban, dass dies besonders für Länder ohne Finanz- und Bankwesen von Bedeutung sein könnte: „Neue Konzepte in Ländern ohne bestehende Konzepte erlauben Möglichkeiten zur Entwicklung, in dem sich bestimmte Strukturpunkte und Technologielevel überspringen lassen.“ Ebenso könne sie in Ländern, in denen der Internetzugang einfacher als der Zugang zu Konten sei, eine Chance für finanzielle Selbstbestimmung und Teilhabe an Kryptowährungen sein. Er weist aber noch stärker als sein Vorredner auf die Probleme hin, die die Technologie mit sich bringt. Kritisch sei der exorbitante Stromverbrauch (der jährliche Verbrauch der für Bitcoin verwendeten Blockchain entspricht dem jährlichen Energieverbrauch von Dänemark), für den man Lösungen finden müsse. Außerdem mahnt Weis, die Gefahr des Onlineprangers für Privatpersonen nicht zu unterschätzen. Veröffentlichungen der sexuellen Orientierung oder religiösen Gesinnung, die sich kaum wieder aus der Blockchain entfernen lassen, könnten in manchen Gebieten der Welt gravierende Folgen haben.</p>
<h3>Blockchain in der Entwicklungsarbeit</h3>
<figure id="attachment_155077" aria-describedby="caption-attachment-155077" style="width: 246px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class=" wp-image-155077" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Digital-kontrovers-Personen-305x312.jpg" alt="Digital kontrovers - Blockchain in der Entwicklungsarbeit" width="246" height="251" /><figcaption id="caption-attachment-155077" class="wp-caption-text">Kathleen Ziemann und Rüdiger Weis sprechen über Anwendungsbeispiele von Blockchain in der Entwicklungsarbeit.</figcaption></figure>
<p>Konkrete Beispiele für Blockchain in der Entwicklungsarbeit führt außerdem Kathleen Ziemann an. Zum einen ermögliche die Datenbank eine Stärkung von Institutionen: Indem zum Beispiel das Katasteramt Grundbucheinträge digitalisiere und öffentlich zur Verfügung stelle, könne es Partizipation und Transparenz bewirken und Vertrauen schaffen. Zum anderen sei Blockchain beim Monitoring von öffentlichen Geldern der internationalen Zusammenarbeit interessant. Auch hier könne damit Transparenz und Nachvollziehbarkeit, wofür die Gelder vergeben werden, geschaffen werden. Und zuletzt können die Technologie dabei helfen, Lieferketten nachzuvollziehen und internationale Übereinkünfte einzuhalten. Konkret nennt Ziemann zum Beispiel das Kimberley Agreement, bei dem durch das Einspeichern von „Diamantenfingerabdrücken“ in der Blockchain, der Handel mit sogenannten Blutdiamanten verhindert werden könne.</p>
<p>Auch Liban sieht die Stärke der Digitalisierung insgesamt in der Freilegung von Wertschöpfungsketten. Jedoch erkennen beide Redner den „Point of Failure“ im Dateneintrag, also der Schnittstelle zwischen der digitalen und analogen Welt am Beispiel der Lieferketten. Wer die Daten prüft und in das System eingibt, kann so auch die Möglichkeiten besitzen, diese zu manipulieren. Das spreche aber nicht zwingend gegen die Technologie, sondern erfordere Lösungen in der analogen Welt, wie sie sich in der Entwicklungsarbeit bereits in Form von unabhängigen Prüfern und Authorisierungen finden ließen.</p>
<p>Auch wenn so deutlich wird, dass die Blockchain auch Probleme und Gefahren mit sich bringt und viele Projekte der Entwicklungsarbeit, die Blockchain nutzen, erst in den Anfängen stehen, lassen sich einige vielversprechende Anwendungsmöglichkeiten finden. Sam Liban ist deshalb überzeugt: „Blockchain ist die Pferdekutsche ohne Pferd, der Motor ist schon da. Entscheidend ist, was wir daraus machen.“ Ähnlich sieht es auch Professor Weis: „Die Technologie allein macht die Welt nicht automatisch besser. Aber in den richtigen Händen bietet sie viel Potential.“</p>
<p>Titelbild und Bild im Text: © Alle Rechte bei Reinaldo Coddou H. 2018</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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