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	<title>Yesim Balci &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Yesim Balci &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Die veränderte Kommunikation im digitalen Zeitalter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yesim Balci]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Jan 2018 10:20:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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		<category><![CDATA[Veränderung der Kommunikation]]></category>
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					<description><![CDATA[In Zeiten der allumfassenden Konnektivität durch digitale soziale Netzwerke und der damit gesteigerten Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten stellt sich die Frage, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/digitale-Sprache.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-153969" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/digitale-Sprache-630x276.jpg" alt="Digitale Sprache" width="630" height="276" /></a>In Zeiten der allumfassenden Konnektivität durch digitale soziale Netzwerke und der damit gesteigerten Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten stellt sich die Frage, wie dies die Sprache und Kommunikation zwischen Empfänger und Sender im Allgemeinen beeinflusst hat. Zweifelsohne kommt es durch die hohe Dichte an virtuellen Interaktionen auch zu veränderten sprachlichen Formen. Das ist nicht zuletzt deshalb spannend, weil die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, unsere Welt konstituiert.</p>
<h3>Sprachliche Charakteristiken</h3>
<p>Die Sprache in den sozialen Netzwerken ist auffallend von Verkürzungen und Auslassungen geprägt und das Geschriebene wird immer informeller. So hat die Umgangssprache nicht nur in der mündlichen Interaktion ihren festen Platz, sondern vermehrt auch in der schriftlichen Kommunikation. Zu diesem Wandel haben besonders WhatsApp und ähnliche Kommunikationsdienste beigetragen, wo es auf schnelle Antworten ankommt. Charakteristisch für solch digitale Kommunikationsformen ist daher eine einfache, aber prägnante Ausdrucksweise. Die Kommunikation verläuft so oftmals eher in Fragmenten als in ganzen Sätzen, damit das Intendierte kurz und bündig auf den Punkt gebracht werden kann. Die dabei vorkommenden Ellipsen – also das Auslassen von Wörtern in Sätzen – seien nicht als Anzeichen für grammatikalisch falsche oder unvollständige Sätze zu bewerten, sondern als Ausdruck einer <a href="http://www.michael-beisswenger.de/pub/beisswenger_digikomm_preview.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„ökonomischen Produktionsstrategie“</a>, meint Prof. Dr. Beißwenger von der Universität Duisburg-Essen. Die Germanistik-Professorin Angelika Storrer spricht hier von einer <a href="http://informationszentrum-mobilfunk.de/wie-beeinflusst-die-digitale-kommunikation-unsere-sprache#header" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„interaktionsorientierten Schreibhaltung“</a>: Die laufende Interaktion ist zumal wichtiger als das geschriebene Produkt selbst.</p>
<p>Augenfällig ist die Verwendung von Anglizismen – besonders unter Jugendlichen. Auch die Zeichensetzung hat teilweise ihre ursprüngliche hochdeutsche Verwendungsweise eingebüßt: Der Punkt am Ende eines Satzes wird beispielsweise nur noch sporadisch verwendet. Stattdessen schmücken wir das Ende unserer schriftlichen Botschaften mit einem oder gleich mehreren Smileys. Wenn dann doch einmal der Punkt zum Einsatz kommt, nimmt er nun <a href="http://www.spektrum.de/news/wie-das-smartphone-unsere-kommunikation-revolutioniert/1445971" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eine andere pragmatische Bedeutung an</a>: „Der Schlusspunkt wird nicht mehr grammatikalisch verstanden, sondern als Signal für Aggression, schlechte Laune, Überdruss. Einen Punkt machen heißt: Mich nervt der Gesprächsverlauf, ich will das Thema hiermit beenden. Diese Verwendungsweise ist hochsprachlich weder erfasst noch vorgesehen&#8220;, erläutert Prof. Dr. Janis Androutsopoulos von der Universität Hamburg.</p>
<h3>Kommunikation mit Bildern</h3>
<p>Nun stellt sich die Frage, ob der Wandel der Sprache durch die digitale Kommunikation zu einer Simplifizierung führt. Der Sprachwissenschaftler Michael Beißwenger nimmt dabei eine <a href="https://www.goethe.de/de/kul/med/20693483.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">optimistische Sichtweise</a> auf die kommunikativen Veränderungen ein: Sprache stehe immer im Dienst der Sprecher. Dass die Sprache sich so verändere, dass sie weniger leiste als vorher, sei also nicht anzunehmen. Beispielsweise würde die Verwendung von Smileys eine digitale Unterhaltung bereichern, indem sie einen geschriebenen Text dialogischer macht –  quasi zur Kompensierung der ausbleibenden Mimik, Gestik oder Stimme.</p>
<p>Denn die digital geführte Kommunikation ist im Vergleich zum direkten Gespräch eingeschränkt. Eine Reduktion der Kommunikationsmöglichkeiten kann eine Kommunikation erleichtern, aber auch verkomplizieren, weil nonverbale Botschaften wie Tonlage, Mimik und andere wichtige Gefühlsregungen, die im persönlichen Gespräch mitausgetauscht werden würden, fehlen. Daher gehören heute GIFs, Videos, Bilder und Grafiken zum festen Repertoire aller sozialen Netzwerke. Die visuelle Kommunikation funktioniert auch deshalb so gut, weil sie direkt unsere Gefühle anspricht. Manche Bilder bringen uns zum Lachen und verfügen so über ein großes <a href="https://cleop.com/cleop-academy/artikel/visuelle-kommunikation-die-macht-der-bilder-teil-1/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Emotionalisierungspotenzial</a>. Das erkennen wir zum Beispiel beim Umblättern eines Magazins: Unser Blick fällt immer erst auf die Bilder in einem Artikel und dann auf den Text. Das erleichtert uns das Verstehen der zugrundeliegenden Botschaft. Während unserer digitalen Kommunikation können wir zum Beispiel anhand der verwendeten Emojis schnell zwischen positiven und negativen Nachrichten unterscheiden.</p>
<p>Insgesamt betrachtet bringen wir also die befreienden Aspekte der mündlichen Kommunikation wie die Umgangssprache in die mediale Schriftlichkeit ein und kombinieren diese miteinander. Auf diese Weise würden sich Online-Unterhaltungen immer mehr dem mündlichen Dialog annähern, <a href="http://www.michael-beisswenger.de/pub/beisswenger_digikomm_preview.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">erklärt Beißwenger</a>.</p>
<h3>Verändertes Format – Veränderte Beziehungen?</h3>
<p>Auch das Format der Unterhaltungen hat sich verändert. Denn bei den unzähligen Instant-Messengern haben wir es mit Konversationsfäden zu tun. Sie können immer wieder aufgenommen und fortgesetzt werden und verfügen – im Gegensatz zum herkömmlichen Gespräch – über keinen klar bestimmbaren Anfang oder ein Ende. So lösen sich die Grenzen zwischen Kontakt und Nichtkontakt immer mehr auf und die Konversation verläuft gefühlt in einem latenten Dauerzustand. Diese Besonderheit kann im Alltag das Gefühl von Verbundenheit verstärken. Das digitale Gespräch verliert dann aber möglicherweise an Geschlossenheit, Kohärenz und auch an Effizienz.</p>
<p>Das Format der digitalen Kommunikationsform macht es uns – im Gegensatz zur Face-to-Face-Kommunikation – zudem einfacher, auf Anfragen unverbindlicher zu reagieren. So halten wir uns die Möglichkeit offen, nebenbei noch andere Pläne zu verfolgen, weil online getätigte Zusagen zu Verabredungen jederzeit mit einem Klick zurückgenommen werden können. Verlust an Zuverlässigkeit oder neu gewonnene Flexibilität? Wie dem auch sei: Die Online-Kommunikation verändert auf diese Weise gewiss Beziehungen und auch die Art und Weise, wie wir sie künftig führen werden. Die (Dauer-)Erreichbarkeit hilft aus, wenn die räumliche Nähe zum Kommunikationspartner fehlt. Dieser Aspekt der digitalen Kommunikation könnte bald unser Verständnis von Privatsphäre und Intimität verändern.</p>
<p>Aber auch wenn wir uns in räumlicher Nähe mit unserem Kommunikationspartner aufhalten, schauen wir dennoch hin und wieder ganz selbstverständlich auf das Smartphone. Und das obwohl wir merken, dass wir uns nur schwer auf das Gespräch mit dem Gegenüber konzentrieren können, wenn wir zugleich Nachrichten auf dem Smartphone lesen. <a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/digitale-welt/phubbing-trend-warum-wir-staendig-auf-das-smartphone-starren/10041432.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jordan Grafman, Neurologieprofessor an der Northwestern University in Illinois kritisiert</a>: „Multitasking ist ein Mythos. Es scheint in mancher Hinsicht effizienter zu sein, aber es macht uns nicht intelligenter.“ So belegen Studien, dass diese Art der Vernetzung und des Multitaskings mit der zunehmenden Schwierigkeit einhergeht, sich über einen längeren Zeitpunkt hinaus konzentrieren zu können.</p>
<h3>Sprache konstituiert unsere Welt</h3>
<p>Die Reflexion über die eigene – auch digitale – Kommunikationsweise ist insofern sinnvoll, als dass die Art, wie wir Sprache gebrauchen, in beachtlicher Weise auch unsere Orientierung und das Denken beeinflusst: Die Sapir-Whorf-Hypothese – genannt nach den beiden Sprachwissenschaftlern Benjamin Whorf und Edward Sapir – führt beispielsweise zum radikalen Ergebnis, dass die Grenzen unserer Sprache letztendlich auch die Grenzen unserer Welt bedeuten würden. Angesichts dieser Betrachtungsweise erscheint die Beobachtung der eigenen Verwendungsweise der Sprache sinnvoll, um letzten Endes nicht den eigens gesetzten Grenzen zu unterliegen.</p>
<p>Was heißt das nun für unsere digitale Kommunikation? Ein erster Schritt wäre schon einmal getan, wenn der eigene Blick für die tägliche kommunikative Verkürzung in den digitalen Kanälen geschärft werden würde. Da einige Merkmale der digitalen Kommunikation der Geschwindigkeit geschuldet sind, wäre ein möglicher Ansatz, dem Geschriebenen wieder mehr Zeit zu schenken – etwa so wie beim Schreiben eines Briefes. Das mag auf den ersten Blick vielleicht übertrieben erscheinen – aber die bewusste Wahl der Wörter hilft uns bei der Erfassung und Sortierung der Gedanken. Und haben wir einmal einen analogen Gesprächspartner vor uns, wäre es sinnvoller – und sicherlich auch in dessen Interesse –, die digitalen Kommunikationskanäle einfach ganz beiseite zu legen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: &#8222;Microphone&#8220; von Free-Photos via <a href="https://pixabay.com/de/mikrofon-junge-studio-schreiend-1209816/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay</a>, CC0 Creative Commons, bearbeitet.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111.png"><img decoding="async" class="alignnone wp-image-151003" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110111-630x110.png" alt="CC-BY-NC 2.0" width="412" height="72" /></a></p>
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		<title>Algorithmen, die den Weg vorgeben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yesim Balci]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Jan 2018 08:58:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[Unser gesamter Alltag wird mit digitaler Technologie gestaltet, deren Kernbestandteil Algorithmen sind. Wir sind uns dessen kaum bewusst, aber Algorithmen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft size-large wp-image-153878" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Leviathan-Welt-630x276.png" alt="Leviathan by Thomas Hobbes; engraving by Abraham Bosse, gemeinfreiSonnenaufgang by qimone CC0" width="630" height="276" />Unser gesamter Alltag wird mit digitaler Technologie gestaltet, deren Kernbestandteil Algorithmen sind. Wir sind uns dessen kaum bewusst, aber Algorithmen bestimmen in immer stärkerem Maße unser gesamtes Leben. Sie beschleunigen und vereinfachen Entscheidungsprozesse und werden obendrein auch noch als objektiv betrachtet. Dabei treffen sie nicht nur mit uns, sondern auch über uns Entscheidungen. Angesichts dessen stellt sich die Frage: Wie positiv ist der zunehmende Einfluss von Algorithmen auf unser Leben?</p>
<p>(Teil-)Automatisierte Funktionen im Auto, die Auswahl von Datingpartnern in der Liebe, personalisierte Serienempfehlungen bei Netflix oder die Chronologie der Facebook-Beiträge: Sie alle sind algorithmisch festgelegt. Algorithmen als künstliche Intelligenzen sind in vielen Bereichen des Alltags nicht mehr wegzudenken. So finden immer mehr algorithmische Abläufe auch  automatisiert im Hintergrund statt und haben nun eine <a href="http://initiatived21.de/app/uploads/2017/08/01-2_denkimpulse_ag-ethik_digitale-ethik-ein-denkmuster_final.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">derartige Qualität</a> erreicht, dass sie sich selbstständig weiterentwickeln können – auch „Maschinelles Lernen“ genannt. Ein Algorithmus lernt dabei durch Rückkoppelung und Speicherung von Daten, durch Erfahrungen sowie durch Generalisierung des Gelernten. So generiert ein Algorithmus analog wie ein Mensch selbstständig Wissen aus Erfahrung.</p>
<h3>Suche nach Korrelationen</h3>
<p>Der Unterschied: Algorithmen haben Zugang zu wesentlich mehr Informationen. So haben sie die Fähigkeit, auch komplexe Zusammenhänge zu verarbeiten. Indem sie Daten miteinander verknüpfen,  können sie Rückschlüsse ziehen und Vorhersagen treffen. Dabei sind die von Algorithmen generierten Berechnungen mittlerweile so komplex, dass sie von Menschen <a href="http://www.bertelsmann-stiftung.de/index.php?id=5772&amp;tx_rsmbstpublications_pi2%5bdoi%5d=10.11586/2017027" target="_blank" rel="noopener noreferrer">nicht mehr nachvollzogen werden können</a>. Insbesondere bei selbstlernenden Algorithmen ist die zugrundeliegende Logik kaum zu erfassen. Eine weitere Differenz: Während Menschen in ihrem Erkenntnisprozess nach kausalen Zusammenhängen suchen, bieten Algorithmen ganz nach dem Big-Data-Prinzip lediglich korrelative Zusammenhänge zwischen Input und Output an. Damit liefern sie Schätzungen und Vermutungen und sind somit in ihren Entscheidungen ebenso fehleranfällig wie der Mensch es wäre, suchte er nur nach korrelativen Zusammenhängen.</p>
<p>Auch die Firma Kreditech verwendet einen solchen Algorithmus, der anhand der Daten aus Facebook und Twitter, aber auch umstrittenen Faktoren wie des installierten Betriebssystems, der verwendeten Schriftart und des Tippverhaltens der Antragsteller über die jeweilige Kreditwürdigkeit entscheidet. Denn mit der Zeit lernte der Algorithmus, dass Antragsteller, die eine bestimmte Schriftart installiert hatten, den Kredit gehäuft nicht zurückgezahlt hatten. Doch selbst der Geschäftsführer der Firma weiß nicht, welche Daten letztendlich ausschlaggebend für eine Entscheidung sind. Am Ende bleiben nur die Korrelationen, ohne sie wirklich zu begreifen. Das Szenario erinnert an eine Zeit vor der Aufklärung: Weil der Computer es sagt, mache ich das so. Bedeutet dieser Umstand nicht eine zunehmende Abkehr von der Welt des selbstständigen Verstehens und Denkens?</p>
<h3>Langeweile vorprogrammiert</h3>
<p>Das magische Gefühl, durch Zufall auf neue und ansprechende Musik zu stoßen, ist in Zeiten von Musikanbietern wie Spotify wohl nicht das Gleiche. Denn wir suchen nicht mehr aktiv, sondern erhalten passiv, was uns gefallen könnte. Der Algorithmus namens „Echo Nest“ berechnet anhand des Geschmacksprofils, einer Klang-Analyse und Texterkennung, was einem als nächstes gefallen könnte. Dazu dienen auch die Nutzungsdaten anderer User, die das gleiche Verhaltensmuster an den Tag legen, um auch hier wieder eine Vorhersage treffen zu können. Auf diese Weise produzieren sie mehr Ähnlichkeit und damit hören wir immer mehr vom Gleichen. Auch die Auswahl der nächsten Lektüre ist durch eine solche zielgerichtete, algorithmische Zuspielung von Inhalten und ein gewisses Maß an Datendeterminismus geprägt.</p>
<p>Die algorithmische Sortierung und Personalisierung zeigt Menschen eher Inhalte an, die ihnen auch gefallen oder denen sie zustimmen würden. So basieren die Phänomene der Filterblasen und <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=28235" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Echokammern</a> genau auf diesem Prinzip: Auf Grundlage des jeweiligen Surfverhaltens sowie der daraus abgeleiteten Interessen werden einem verstärkt bestimmte Inhalte und Themen zugespielt. Was zunächst recht harmlos und bequem klingt, kann aber weite Folgen für die politische Kommunikation nach sich ziehen. Denn wer sich immer wieder Ansichten hingibt, die sich nicht von der eigenen unterscheiden, wird in seiner Filterblase nicht mit anderen Meinungen konfrontiert. Allerdings legen neuere Untersuchungen die <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/twitter-datenanalyse-wir-hatten-eine-falsche-vorstellung-von-der-filterblase-a-1185406.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vermutung</a> nahe, dass der Effekt weniger ausgeprägt als zuvor erwartet ist.</p>
<h3>Algorithmen mit Bias</h3>
<p>Oft werden die durch Algorithmen generierten Entscheidungen und Vorhersagen als neutral oder unabhängig angesehen. Doch tatsächlich sind Prozesse algorithmischer Entscheidungsfindung in vielerlei Hinsicht von Menschen beeinflusst: Menschen setzten die Ziele, entwerfen die Prozesse und interpretieren die Ergebnisse. So gibt es beispielsweise <a href="https://netzpolitik.org/2017/algorithmen-die-wir-brauchen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hinweise</a>, dass die durch die Programmierer implementierten Daten zu diskriminierenden Entscheidungen führen. Menschen aus ärmeren Wohngegenden oder mit Erkrankung würden beispielsweise bei der algorithmischen Vorauswahl zu Bewerbungsgesprächen benachteiligt werden. Alarmierend, wenn man bedenkt, dass in Großbritannien und den USA bereits 60 Prozent solcher Entscheidungen von Algorithmen übernommen werden. Durch die algorithmische Reproduktion solcher Entscheidungen würden so Diskriminierungstendenzen weiter <a href="http://www.bertelsmann-stiftung.de/index.php?id=5772&amp;tx_rsmbstpublications_pi2%5bdoi%5d=10.11586/2017027" target="_blank" rel="noopener noreferrer">verstärkt</a> werden.</p>
<p>Noch deutlicher zeige sich eine Benachteiligung, wenn man in der Google-Suche unter dem englischen <a href="http://www.wiwo.de/technologie/forschung/ethische-algorithmen-wie-viel-weiss-das-roboterauto/19994720-2.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stichwort „professional haircut“</a> nach Bildern sucht. Zu sehen sind dann nur weiße Männer. Gibt man „unprofessional haircut“ ein, sieht man nur schwarze Frauen. Algorithmen schreiben also auch rassistische Vorurteile sowie soziale Ungerechtigkeiten fort. Statt zu größeren Teilhabechancen kann die Digitalisierung auch zu wachsender Diskriminierung führen. In der digitalisierten Wissensgesellschaft wird die Gestaltung von Technologie so zur elementaren Machtfrage. „Es ist äußerst wichtig, diese ‚handwerklichen‘ Probleme in den Griff zu bekommen. Wir brauchen eine Anpassung der Gesetze, etwa jener, die gegen Diskriminierung schützen. Es muss für ArbeiterInnen, Angestellte und KonsumentInnen möglich sein, festzustellen, ob sie automatisiert diskriminiert wurden und, sollte das der Fall sein, entsprechend Schadenersatz zu verlangen“, so der Algorithmus-Forscher Felix Stalder.</p>
<h3>Reproduktion sozialer Muster</h3>
<p>In den USA und Großbritannien kommen zunehmend Predictive-Policing-Systeme zum Einsatz – eine Software, die Polizeiarbeit unterstützt, indem sie voraussagt, wo es Straftaten geben könnte. Die  Algorithmen, die besonders kriminalitätsbelastete Orte prognostizieren sollen, erkennen soziale Muster – ähnlich wie in den bereits geschilderten Beispielen. Solche Muster sind aber beweglich und man sollte nicht beginnen, sie wie Naturgesetze zu betrachten. Gegen soziale Muster kann man etwas tun, indem man in die ökonomischen und sozialen Bedingungen interveniert und sie ändert. Zumindest besteht auf diese Weise die Wahrscheinlichkeit, Kriminalität zu senken. Werden jedoch solche Muster lediglich erkannt, dargelegt und reproduziert, ohne entsprechende Maßnahmen einzuleiten und z.B. auf kontinuierliche Prävention zu setzen, wird sich die Statistik damit nicht verändern. So verzichtet die Gesellschaft im Grunde genommen immer mehr auf ihre Handlungsfähigkeit und die Freiheit, Dinge verändern zu können. Bleibt die Frage, ob wir auf diese Freiheit tatsächlich verzichten wollen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Leviathan_by_Thomas_Hobbes.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Leviathan</a> by Thomas Hobbes; engraving by Abraham Bosse, gemeinfrei und Sonnenaufgang by qimono via <a href="https://pixabay.com/de/sonnenaufgang-raum-%C3%A4u%C3%9Fere-globus-1756274/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">pixabay</a>, CC0</p>
<p><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></p>
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		<title>Digitalisierte Pflege: Trost vom Roboter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yesim Balci]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Dec 2017 12:30:08 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt stetig und bereits jetzt bestehen Engpässe im Personal. Anreiz genug für den Einsatz von sogenannten [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/7399943754_070f3dd88d_z.jpg"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-153791" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/7399943754_070f3dd88d_z.jpg" alt="Paro – Mental Commit Robot by Amber Case via Flickr, CC BY-NC 2.0" width="621" height="451" /></a></strong>Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt stetig und bereits jetzt bestehen Engpässe im Personal. Anreiz genug für den Einsatz von sogenannten Pflegerobotern. Diese können nicht nur einfache motorische Aufgaben übernehmen, sondern kommen auch als Therapiemittel zum Einsatz.</p>
<p>Der Digitalisierung wird großes Potenzial zugeschrieben, die kommenden Herausforderungen im Bereich der Pflege zu meistern, indem diese die Versorgung der Pflegebedürftigen gewährleisten soll. Doch welche ethischen Aspekte müssen bei der Digitalisierung der Pflege berücksichtigt werden?</p>
<h3>Multiprofessionalität und personalisierte Behandlungskonzepte</h3>
<p>In der Anwendung als Assistenten werden Roboter bereits erprobt. Dabei übernehmen sie vor allem maschinelle Tätigkeiten, wie die zum Teil Zeit raubende Dokumentierung von Krankheit und Pflege. Forscher gehen davon aus, dass sie die Pflege durch den Menschen nicht ersetzen, sondern lediglich als Assistenzsysteme die professionelle Pflege unterstützen werden. So können sich Pflegekräfte wieder mehr auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren – nämlich die Kommunikation und Arbeit an Beziehungen. Die durch die Digitalisierung ebenfalls vorangetriebene Multiprofessionalität und Interdisziplinarität werde die Versorgung der Patienten erheblich unterstützen. Mittels systematischer Datensammlungen könnten beispielsweise im Rahmen der Versorgungsforschung Lerneffekte generiert werden. So könnten stärker <a href="https://www.aerztezeitung.de/pdf/Gp/stellungnahme_ethik.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">personalisierte Behandlungskonzepte</a>, durch den Einsatz von Big Data, zu einer besseren Gesundheitssteuerung der Patienten beitragen. Das Ergebnis seien Effektivitäts- und Effizienzsteigerungen.</p>
<p>In diesem Kontext bestehen aber auch die <a href="http://politik-digital.de/news/pfleger-butler-gouvernante-humanoide-roboter-in-der-altenpflege-153602/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ersten Bedenken</a> für den Patienten: Die Vernetzung zwischen Robotern und anderen Geräten sowie dem behandelnden Arzt bieten Möglichkeiten eines umfassenden Kontrollmechanismus. Durch die Menge der erhebbaren Daten entsteht ein zunehmendes Interesse an der kommerziellen Verwendung ihrerseits. Vor diesem Hintergrund werden Stimmen laut, dass das informationelle Selbstbestimmungsrecht in Gewahr sei, weil das herkömmliche Datenschutzrecht für Big Data im Gesundheitswesen nicht ausreiche. Zu dieser Einsicht kommt der Deutsche Ethikrat in einer kürzlich <a href="https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/medizinethik/article/948573/stellungnahme-ethikrat-fordert-besseren-schutz-gesundheitsdaten.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">veröffentlichten Stellungnahme</a>. Gesundheitsdaten könnten so als wirtschaftliches Gut betrachtet werden, die von bestimmten Leistungsanbietern bereitgestellt würden. Die Gefahr des Datenmissbrauches wie zum Beispiel die Preisgabe intimer Informationen ist dabei besonders groß.</p>
<h3>Zuwendungsroboter bei Demenzkranken</h3>
<p>Pflegeroboter übernehmen aber nicht nur maschinelle, sondern auch menschliche Aufgaben. So sind sie auch zu Beziehungen zu Menschen fähig: Die <a href="https://www.wegweiser-demenz.de/weblog-und-forum/weblog/toelle-maria/wagner-annette/beitrag-therapiehelfer.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Roboterrobbe „Paro“</a> kommt gezielt als Zuwendungsroboter bei Demenzkranken zum Einsatz. Inspiriert von der tiergestützten Therapie soll der Roboter auf der emotionalen Ebene das Wohlbefinden der Patienten fördern, indem er Schlüsselreize auslöst. Er wirkt entspannend, lindert Symptome, weckt alte Erinnerungen und dient als Kommunikationsbrücke zwischen Patienten, Angehörigen und Pflegekräften. In Deutschland wird er in mehr als 40 Pflegeeinrichtungen als Therapiemittel eingesetzt.</p>
<p>Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass solche Zuwendungsroboter die eigentlichen Ursachen ihres Einsatzes in der Pflege weiter verschärfen könnten – nämlich den Mangel an Zeit und Empathie der Pflege durch Menschenhand. Dieser Umstand ist besonders an den Fällen ersichtlich, in denen <a href="https://pflege-prisma.de/2017/04/20/deutschland-setzt-auf-psychopharmaka-statt-zuwendung/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Medikamente missbräuchlich eingesetzt werden</a>, um Patienten „ruhig zu stellen“, weil sie ansonsten den Betrieb der Pflegeheime stören würden. Die verstärkte Nutzung Big-Data-gestützter Ansätze sowie die technologische Vermittlung der Versorgung könnten die persönliche Zuwendung zum Patienten sowie das Nachkommen der moralischen Verpflichtungen der medizinischen Versorgung weiter reduzieren und so zu einem fortschreitenden entsolidarisierten Ärzte-Patientenverhältnis beitragen.</p>
<p>Auch liefe man auf die Gefahr hinaus, dass zusätzlich motorische und intellektuelle Fähigkeiten der Patienten degenerieren könnten. Adelheid von Stösser, Mitgründerin des Pflege-Selbsthilfeverbandes (Pflege-SHV), plädiert daher dafür, <a href="https://www.pflege-shv.de/uploads/pflege-shv/Buch-Artikelempflehlungen/Roboter-in-der-pflege_Artikel_AvS_072011.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">mehr echte Hunde für diesen Zweck ausbilden zu lassen</a>, anstatt in computeranimierte Tiere zu investieren. “Wer erlebt hat, wie positiv alte Menschen mit Demenz auf eine ihnen angenehme Berührung reagieren, kommt im Traum nicht auf die Idee, für die Körperpflege von Kranken Roboter einsetzen zu wollen“, so Stösser.</p>
<h3>Fragen, die bleiben</h3>
<p>Zweifelsohne werden Pflegeroboter – wie Paro – die menschliche Pflege nicht ersetzen können. Denn neben körperlicher Zufriedenheit bedeute Pflege vor allem Kommunikation, das Herstellen einer Vertrauensbasis und das Erkennen von Stimmungen und Bedürfnissen, so die Antwort der Rehabilitationspsychologin Johanna Meixner auf die Frage: <a href="http://dzd.blog.uni-wh.de/ihre-personlichen-meinungen-konnen-roboter-menschen-pflegen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Können Roboter Menschen pflegen?</a> Der Weg für den Einsatz von Robotern in der Pflege scheint aber bereits geebnet. Und ohnehin bestehen bislang wenige Beispiele dafür, dass eine technologische Entwicklung aufgrund ethischer Bedenken eingestellt worden wäre. Deswegen müssen wir uns nun gezielt überlegen, zu welchen Zwecken Pflegeroboter eingesetzt werden sollen. Schließlich wird von Seiten der Technikentwickler immer wieder betont, dass der Mensch im Mittelpunkt stehe.</p>
<p>Seit einigen Monaten diskutiert die Ethik-AG der Initiative D21  bei regelmäßigen Treffen ethische Fragen der Digitalisierung und hat zum Thema &#8222;Roboter als persönliche Assistenten für ältere Menschen&#8220; einen ausführlichen, systematischen <a href="http://initiatived21.de/publikationen/denkimpulse-zur-digitalen-ethik/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Denkimpuls</a> veröffentlicht.</p>
<p>Insgesamt jedoch fehlt eine breite, gesellschaftliche Auseinandersetzung darüber, in welchem Ausmaß Roboter in unserem Alltag überhaupt ein wünschenswertes Szenario darstellen. Dabei geht es auch um die Frage, wie wir altern wollen. An dieser Stelle könnte man sich zum Beispiel selbst die Frage stellen: Würde ich meiner demenzkranken Mutter eine elektronische Kuschelrobbe schenken?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Titelbild: Paro – Mental Commit Robot by Amber Case via <a href="https://www.flickr.com/photos/caseorganic/7399943754/in/photolist-9pgnK4-7uxjq4-cgUDt9-javGq-oPBmf-9pjqTE-hJYJo8-4rcVdi-jauL5-6gmCt-dzgwBC-gt64Lw-6cdW3M-6cdVTv-jaydj-a6q3yb-4ac6Tg-7v2ZDX-a8zf6C-g4MFPM-hTvZ4b-Zj2Rt-g4MLV9-6mifP3-6oX2Vf-cnHLMy-g4MM1N-6oSTV8-5dmDVG-6oSTG6-7vj3nJ-4e8tB5-dHaM8s-dHaMsE-u9Q3hN-6oX2XL-fEgjje-ururj8" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Flickr</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-NC 2.0</a>, bearbeitet</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-123698" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizens-305x531.png" alt="Creative Commons Lizenz" width="305" height="53" /></a></p>
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		<title>Konferenz: Digitale Bildung für alle – „Das Digitale gehört fest in die Lebenswelt von Kindern“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yesim Balci]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Dec 2017 10:52:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Microsoft]]></category>
		<category><![CDATA[Programmieren]]></category>
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					<description><![CDATA[Am vergangenen Donnerstag fand die Coding und Bildung-Konferenz „Code{affair} 2017“ in Berlin statt. Veranstaltet wurde die Konferenz von der Initiative [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/2990_thumb.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-153732" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/2990_thumb-630x275.jpg" alt="2990_thumb" width="630" height="275" /></a>Am vergangenen Donnerstag fand die Coding und Bildung-Konferenz „Code{affair} 2017“ in Berlin statt. Veranstaltet wurde die Konferenz von der Initiative „Code your Life“, die als Teil des Programms Microsoft YouthSpark fungiert und vom 21st Century Competence Center im Förderverein für Jugend und Sozialarbeit e.V. umgesetzt wird. Unter dem Motto „Programmieren geht uns alle etwas an“ gewährten Experten aus Bildung, Coding-Initiativen, Werkstätten und Wirtschaft Einblicke in den aktuellen Stand der Digitalisierung an deutschen Schulen und Bildungseinrichtungen.</p>
<h3>Programmieren noch nicht im Klassenzimmer angekommen</h3>
<p>Nach einer <a href="https://news.microsoft.com/de-de/microsoft-lehrplan-digital/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov</a> zufolge sind 93% der befragten deutschen Unternehmensentscheider und Lehrkräfte davon überzeugt, dass der Erwerb digitaler Kompetenzen entscheidend für den Erfolg in der Arbeitswelt von morgen sein wird. Welche Kompetenzen diese aber genau sein sollen, darüber herrscht große Uneinigkeit zwischen Lehrern und Unternehmern. Denn während fast jeder zweite Unternehmensentscheider zum Beispiel das Programmieren an Schulen befürwortet, finden nur 26% der Lehrer, dass es auch in den Lehrplan aufgenommen werden sollte. Während zwölf andere EU-Länder dies bereits planen, würde Deutschland an dieser Stelle noch große Chancen verschenken. Die Gründe sieht Thomas Bachem, Mitbegründer der <a href="https://code.berlin/de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Code University</a>, vor allem im föderalistischen Bildungssystem, in der noch immer zu geringeren finanziellen Förderung, sowie in der Verstaatlichung der Schulen. Zusammengenommen würden diese ein strukturelles Hindernis sowie ein Mangel an Innovationen an Deutschlands Schulen bedeuteten. Daher sei es besonders wichtig, dass die Schulen aktiv ihre Bereitschaft zur Aufnahme digitaler Themen zeigen, ergänzte Alexander Rabe vom eco-Verband der Internetwirtschaft e.V.</p>
<p>Viele Lehrer fühlen sich aber überfordert mit der Thematik. Ihnen fehle neben der Fachkompetenz vor allem eine erste Anleitung, so ein Lehrer einer Grundschule in Berlin. Kritisiert wird auch der bereits überfüllte Lehrplan. Abhilfe könnte hier eine fächerübergreifende Integrierung des Programmierwissens leisten: Indem in den bereits bestehenden Schulfächern wie Deutsch und Musik  über Sprache, Grammatik oder das Notenlesen Verbindungen geknüpft werden, könnten so leicht Zusammenhänge zur Sprache des Programmierens aufgebaut werden, schlug Thomas Schmidt von der <a href="http://www.code-your-life.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Initiative Code your Life</a> vor. So würde sich an der Gesamtzahl der Schulstunden nichts ändern. Nichtsdestotrotz bleibt der Bedarf an Weiterbildungen für Lehrer bestehen. Ein weiteres Beispiel zeigt, dass Coding auf spielerische Weise im Informatikunterricht mit Hilfe von Hardware-Erweiterungen für das populäre Videospiel <a href="http://www.hancl.de/cis/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Minecraft</a> erlernt werden kann. Viele der teilgenommenen Experten fordern daher, mit dem Programmieren bereits in der Grundschule oder gar im Kindergarten anzufangen.</p>
<h3>Programmieren oder digitale Kompetenzen?</h3>
<p>Ob aber auf diese Weise das Ziel, nämlich die Befähigung der Heranwachsenden an der kompetenten Teilhabe an einer digitalisierten Gesellschaft, erreicht werden kann, bleibt offen. Denn: Digitale Kompetenzen und das Programmieren bzw. „Coden“ sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Während beim ersten die digitale Mündigkeit vorangetrieben werden soll, also die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend sachkundig nutzen zu können, geht es beim Programmieren um die Vermittlung rein technischer Kompetenzen. Die beiden Bereiche bedeutungsgleich zusammenzuführen erweckt daher den Eindruck, der Ruf nach digitalen Kompetenzen fungiere hier eher als Deckmantel für den Auf- und Ausbau der technischen Fertigkeiten der Schüler.</p>
<p>Dass aber digitale Grundkompetenzen in nahezu allen Berufen der Zukunft von Bedeutung sein werden, darin waren sich die verschiedenen Teilnehmer in ihren Vorträgen einig. Viele gingen sogar so weit zu behaupten, dass das Programmieren die Sprache der Zukunft sei. Keine Kommunikation mehr ohne Coding-Fertigkeiten also? Julia Eckelhoff, Leiterin der Digitalwerkstatt in Berlin, in der Kinder an das Programmieren herangeführt werden, Roboter bauen und experimentieren, ist jedenfalls der Meinung, dass zumindest „das Digitale“ auch fest in die Lebenswelt von Kindern gehört. Eine Anmerkung der Leiterin blieb aber besonders in Erinnerung: Die meisten der Anmeldungen in ihrer Digitalwerkstatt würden  nur aus bestimmten gesellschaftlichen Schichten stattfinden. Auf die Frage, ob im Coden Potenzial für Integration und Inklusion gesehen werde, lenkte Thomas Schmidt die Aufmerksamkeit auf bereits laufende Coding-Projekte für Flüchtlinge. Inwieweit aber hierbei von Inklusion gesprochen werden kann, wenn Flüchtlinge unter sich das Coden lernen, bleibt fragwürdig.</p>
<p>Insgesamt gestaltete sich die <a href="http://www.code-your-life.org/Mitmachen/1343_CODE_affair_2017.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Veranstaltung</a> vor allem als innovationsfreudig. Verschiedene Verantwortliche aus den Bereichen Bildung und Digitalisierung kamen zu Wort und man konnte sich regelrecht vom Enthusiasmus der Vortragenden anstecken lassen. Dagegen blieben kritische Meinungen und Debatten seitens der Experten gänzlich aus. Eine kritische Betrachtung über den frühen Einsatz digitaler Medien in Kindergärten fand genauso wenig statt wie die Frage nach dem Nutzen von Programmierfähigkeiten für zum Beispiel künstlerisch-affine Schüler und Schülerinnen.</p>
<p>Titelbild: <a href="http://www.code-your-life.org/Mitmachen/1343_CODE_affair_2017.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Code your Life</a></p>
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