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	<title>Gedenken im Netz &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Gedenken im Netz &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Gedenken im Netz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[swieboldt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 1969 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gedenken im Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Gedenkstätte]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>&#34;Die letzten Tage&#34; - dieser Kinodokumentarfilm der Shoah Foundation,
gedreht vom Regisseur James Moll, ist ein aktuelles Beispiel dafür: Erinnert wird an den Holocaust auch
außerhalb der Gedenkstätten, etwa im Film. Wie sieht es damit im Internet aus? Wie weit hat sich
virtuelles Gedenken schon entwickelt?</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>&quot;Die letzten Tage&quot; &#8211; dieser Kinodokumentarfilm der Shoah Foundation,<br />
gedreht vom Regisseur James Moll, ist ein aktuelles Beispiel dafür: Erinnert wird an den Holocaust auch<br />
außerhalb der Gedenkstätten, etwa im Film. Wie sieht es damit im Internet aus? Wie weit hat sich<br />
virtuelles Gedenken schon entwickelt?</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Die Survivors of the Shoah <a href="http://www.vhf.org/">Visual History Foundation</a> wurde 1994 vom amerikanischen Starregisseur<br />
Steven Spielberg gegründet. Ihr Ziel ist es, die Aussagen und Erinnerungen der letzten Überlebenden und<br />
Augenzeugen des Judenmords aufzuzeichnen, solange das noch möglich ist. Mit Hilfe dieser Lebenszeugnisse<br />
soll ein digitales Archiv aufgebaut werden, auf das sowohl Wissenschaftler, Studenten und Schüler als auch<br />
Interessierte zugreifen können. Ferner sollen damit Museen, Ausstellungen und noch zu schaffende regionale<br />
Videoarchive unterstützt werden. Eine entsprechende interaktive CD-ROM für Schüler und drei Dokumentationen,<br />
darunter &quot;Die letzten Tage&quot;, wurden bereits produziert.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Für dieses ehrgeizige Projekt waren bisher mehr als 3.500 speziell geschulte, freiwillige Interviewer und 1.000<br />
Videofilmer unterwegs. Sie haben die Aussagen von über 50.000 Menschen aus allen Erdteilen aufgezeichnet, insgesamt<br />
sind dabei mehr als 100.000 Stunden Archivmaterial zusammengekommen. Hinter dem Projekt verbirgt sich aber weit mehr<br />
als reine Zahlenspielerei. Vielmehr verbindet sich damit eine andere Qualität historischen Gedenkens, die dem Thema<br />
angemessener ist. Es geht nicht um die so genannte objektive Geschichtsschreibung, sondern vielmehr um das subjektive<br />
Erleben, die Wahrnehmung des Einzelnen. Nirgendwo sonst ist es laut ZEIT-Autor Georg Seeßlen &quot;so notwendig, das<br />
individuelle Schicksal, das einzelne Menschen-Bild gegen die Mechanik und die Logik der Macht zu retten wie in der<br />
Geschichte des Holocaust&quot;.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die zentrale israelische Gedenkstätte <a href="http://www.yad-vashem.org.il/">Yad Vashem</a> in Jerusalem stellt die eigenen Aktivitäten<br />
auf ihrer Homepage ausführlich vor, und auszugsweise ist das dort archivierte Material online verfügbar, so dass ein<br />
kleiner Teil der Erinnerungsarbeit virtuell geleistet wird, auch wenn dort keine förmliche, virtuelle Gedenkstätte<br />
errichtet wurde. Ein Bestandteil von Yad Vashem ist beispielsweise die &quot;Halle der Namen&quot;, die die so genannten &quot;Seiten<br />
der Aussagen&quot; (Pages of Testimony) beherbergt. Dabei handelt es sich um von Freunden oder Verwandten erstellte<br />
Erinnerungsseiten mit den Namen, Daten und persönlichen Informationen ermordeter Juden, deren Andenken so auf eine<br />
persönliche Weise bewahrt werden soll. Ein halbes Dutzend von ihnen ist stellvertretend für die vielen anderen<br />
(Papier-) Seiten via Internet einzusehen. Sie sollen als symbolische Grabsteine dienen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">In naher Zukunft sollen alle diese Erinnerungsseiten zumindest online durchsucht werden können. Seit acht<br />
Jahren werden diese Seiten auf Computer umgestellt. Wegen der noch nicht abgeschlossenen Umstellungsarbeiten<br />
ist ein Internet-Zugriff, zum Beispiel für eine Namenssuche, zur Zeit noch nicht möglich.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ferner sind Exponate aus den Fotoarchiven abrufbar. Mit ihnen wird nicht nur die Verfolgung dokumentiert,<br />
gleichzeitig wird die Biografie der dort abgebildeten Verfolgten ausgeleuchtet. Auch hier wird das Bild des<br />
einzelnen Menschen erkennbar, sein Name, Beruf, Lebensweg. Er ist nicht eines von zahllosen gesichtslosen<br />
Opfern und Verfolgten &#8211; der Versuch der Nazis, alles auszulöschen, auch die Erinnerung an die Menschen, nicht<br />
nur ihre physische Existenz, dieser Versuch wird nachträglich zumindest ein Stück weit zunichte gemacht. Die<br />
Rettung des einzelnen Schicksals vor der Logik der Macht kann auch via Internet stattfinden.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Auf der Homepage findet man weiterhin eine besondere Fotodokumentation, die zwar weniger die individuelle<br />
Dimension der Opfer betont, aber einen Eindruck vom KZ-Leben vermittelt: das Auschwitz-Album. Es umfasst<br />
knapp 200 Fotos, die von SS-Soldaten 1944 aufgenommen und von einer Überlebenden nach der Befreiung in einer<br />
Baracke gefunden wurden. Dieses Album zeigt den ganzen Ablauf der Ermordung und Ausbeutung der ungarischen<br />
Juden mit Ausnahme der eigentlichen Tötung: von der Selektion an den Rampen über die Registrierung und Entlausung<br />
der Arbeitsfähigen, Plünderung der Habseligkeiten bis hin zum Weg der Opfer zu den Gaskammern, die im Hintergrund<br />
dunkel zu erahnen sind. Ergänzt wird das Album durch eine Luftaufnahme der US-Air Force, auf der sogar die<br />
Rauchschwaden der Krematorien erkennbar sind. Markierte Punkte auf dem Bild führen zu den dazu passenden Fotos<br />
des Albums, markante Orte wie die Rampe oder die Krematorien sind beschriftet. Dieses Album ist ein erschreckendes<br />
und im negativen Sinne beeindruckendes Zeugnis der Ermordung, beispielsweise die Fotos alter versehrter Männer,<br />
die die SS-Leute lakonisch als &quot;nicht mehr einsatzfähige Männer&quot; einstuften; die Fotos der Frauen an den Rampen<br />
während der Selektion, unterschrieben mit dem harmlosen Zusatz: &quot;Frauen bei der Ankunft&quot;. Die Arbeitsunfähigkeit<br />
und die Selektion waren gleichbedeutend mit Todesurteilen, während die lakonischen Kommentare belegen, dass es den<br />
Tätern kaum mehr abgerungen hat als ein paar nichtssagende Worte.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Homepages der meisten deutschen KZ-Gedenkstätten ähneln einander und bieten neben Basisinformationen für<br />
Besucher, wie Öffnungszeiten, Anfahrtswege und Auskünften über Führungen, meist ausführliche Informationen<br />
über Geschichte und spezielle Funktionen der einzelnen Lager. Die Aufmachung dieser Seiten ist dezent und sachlich,<br />
ohne aufwendige Effekte, also dem Thema in seiner Schlichtheit angemessen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Beispielhaft dafür ist die sehr übersichtlich und informativ gestaltete Homepage der <a href="http://www.infospace.de/gedenkstaette/index.html">KZ-Gedenkstätte Dachau</a>.<br />
Deren Bedeutung als Modell-Lager und Mörderschule der SS unter<br />
der besonderen Mitwirkung Theodor Eickes wird herausgestrichen, das Leben und Leiden der Häftlinge erschöpfend<br />
in knappen Texten mit Originalkommentaren der Häftlinge und jeweils einem passenden Foto dokumentiert.<br />
Neben Lageplan und Chronik des KZs wird auch der jeweiligen Opfergruppen gedacht.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Weit umfangreicher und bisweilen unübersichtlicher ist das Angebot der Gedenkstätte <a href="http://www.buchenwald.de/">Buchenwald</a>.<br />
Neben der ausführlichen Forschungsdokumentation über das sowjetische Speziallager 2, das sich dort von 1945 bis 1950<br />
befand, zeichnet es ein genaues Bild des Konzentrationslagers und des Lebens von Tätern und Opfern. Eine<br />
Übersichtskarte mit den einzelnen anklickbaren Gebäuden und ihren detailliert erläuterten Funktionen vermittelt<br />
eine plastische Vorstellung von dem Konzentrationslager, dessen Entwicklung mit seinen unterschiedlichen Opfergruppen<br />
&#8211; erst Kriminelle, politische Gegner und Zeugen Jehovas, dann Juden und Kriegsgefangene &#8211; aufgezeigt wird. Ferner<br />
werden die zahlreichen Außenlager berücksichtigt. Das Datenbankprojekt der Gedenkstätte greift dabei das Prinzip<br />
der Fokussierung individueller Schicksale auf: Ein Gedenkbuch der KZ-Opfer mit ihren biografischen Angaben ist im<br />
Aufbau und soll genauso digitalisiert werden wie ein Bildkatalog der rund 7.000 Fundstücke umfassenden archäologischen<br />
Sammlung.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ein weiteres Projekt dieser Art wird von der KZ-Gedenkstätte <a href="http://www.mauthausen-memorial.gv.at/">Mauthausen</a> aufgebaut.<br />
Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll jeder der insgesamt 200.000 dokumentierten ehemaligen Häftlinge in der dortigen<br />
Datenbank erfasst sein. Der computergestützte Nachweis ist häufig die einzige Möglichkeit der Opfer,<br />
Entschädigungsansprüche für ihren Aufenthalt geltend zu machen. Des Weiteren versprechen sich die Projektinitiatoren<br />
davon eine verbesserte Dokumentation bislang unbekannter Aspekte der Geschichte des Konzentrationslagers.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Gedenkarbeit verrichtet auch <a href="http://www.juedisches-berlin.de/homepage.htm">Jewish-Berlin-Online</a>, ein &quot;Servicemagazin für<br />
das jüdisch-berlinische Stadtgeschehen&quot;: Dort wurde eine virtuelle Gedenkstätte für die ermordeten und verschollenen<br />
Berliner Juden eingerichtet. Das Internetmagazin des Herausgebers Rafael Korenzecher verfolgt das Ziel, jüdisches<br />
Leben transparenter zu machen sowie Verständnis und Miteinander von Juden und Nichtjuden zu fördern. Eine Datenbank<br />
mit den Namen von über 55 000 Menschen ist Kernstück dieser Gedenkstätte, die eine Suchmaschine beinhaltet, mit der<br />
nach bestimmten Namen gefahndet werden kann.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Lesen Sie zu diesem Thema auch das <a href="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/mahnmal.shtml">Interview mit dem Politikwissenschaftler<br />
Dr. Erik Meyer</a> über die Perspektiven virtuellen Erinnerns.</span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Das Holocaust-Mahnmal: eine Geschichte voller Verzögerungen</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/gedenken-im-netz/das_holocaust_mahnmal_eine_geschichte_voller_verzoegerungen-883/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[swieboldt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 1969 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gedenken im Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Holocaust-Mahnmal]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Am 27. Januar 2000 sollte sie stattfinden: die Grundsteinlegung des Berliner
Holocaust-Mahnmals, des &#34;Denkmals für die ermordeten Juden Europas&#34;.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Am 27. Januar 2000 sollte sie stattfinden: die Grundsteinlegung des Berliner<br />
Holocaust-Mahnmals, des &quot;Denkmals für die ermordeten Juden Europas&quot;.</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Ein symbolträchtiges Datum, der<br />
Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers<br />
Auschwitz. Doch der Termin konnte nicht eingehalten werden. Also wurde stattdessen eine offizielle<br />
Feier anberaumt; ein &quot;symbolischer Akt&quot;, um den Willen zu bekräftigen, die vom Bundestag beschlossene<br />
Errichtung des Mahnmals voranzutreiben. Die geplante Fertigstellung am 27. Januar 2002 wird damit hinfällig.<br />
Dabei ist der verspätete Baubeginn nur der Schlusspunkt einer ganzen Reihe von Verzögerungen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Idee für das Mahnmal entstand vor zwölf Jahren. Die Publizistin Lea Rosh und der Historiker Eberhard Jäckel<br />
initiierten das Projekt in Anlehnung an die zentrale israelische Gedenkstätte<br />
<a href="http://%20www.yad-vashem.org.il/">Yad Vashem</a> in Jerusalem. Dafür fanden sie prominente Unterstützer,<br />
unter anderem Willy Brandt und Günter Grass. Im Herbst 1989 wurde der <a href="http://www.holocaust-denkmal-berlin.de/">&quot;Förderkreis zur Errichtung eines Denkmals für die ermordeten Juden Europas&quot;</a><br />
ins Leben gerufen. In den folgenden Jahren begann der Streit um die<br />
Opfergruppen. Sollte mit dem Mahnmal ausschließlich der ermordeten<br />
Juden oder aller Naziopfer gedacht werden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">1993 nahm sich der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl der Sache an. Er bekannte sich zu dem Projekt,<br />
sprach sich für eine rein jüdische Gedenkstätte aus. Die Bundesregierung stellte denn auch ein Gelände im<br />
Zentrum Berlins zur Verfügung: ein unbebautes Grundstück zwischen der Ebertstraße und der Wilhelmstraße<br />
nahe dem Brandenburger Tor.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Der erste Wettbewerb zur Gestaltung des Mahnmals im Jahre 1995 brachte aber einen Entwurf hervor, der wegen<br />
seiner Geschmacklosigkeit allgemein abgelehnt wurde: die sogenannte Grabplatte, eine 20 000 Quadratmeter<br />
große schiefe Ebene aus Beton mit den eingravierten Namen aller ermordeten Juden. Kohl legte sein Veto gegen<br />
den Entwurf ein. Der Bund, das Land Berlin und der Förderkreis &#8211; die Auslober des Wettbewerbs &#8211; bekräftigten<br />
zwar ihren Entschluss, nahe dem Brandenburger Tor das Mahnmal zu errichten; die Realisierung des Projekts<br />
kam trotzdem nicht voran. Stattdessen entwickelte sich eine öffentliche Diskussion über die grundsätzliche<br />
Möglichkeit und die konkrete Gestaltung eines solchen Mahnmals. Neben der Einbeziehung anderer Opfergruppen<br />
wurde vor allem die Frage diskutiert, ob der Judenmord überhaupt mit künstlerischen Mitteln fassbar und das<br />
geplante Areal der richtige Ort dafür sei.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Im Frühjahr 1997 wurde der zweite Wettbewerb ausgeschrieben, allerdings endete er im November desselben<br />
Jahres ohne eindeutiges Ergebnis. Wieder nahm sich Kohl der Sache an. Der Pfälzer erkor den Entwurf des<br />
amerikanischen Architekten Peter Eisenman &#8211; ein begehbares Feld aus 4000 unterschiedlich großen Betonpfeilern<br />
&#8211; und bat gleichzeitig um dessen Überarbeitung. Der nächste Entwurf vom Juni 1998, Eisenman II genannt,<br />
umfasste 2700 Pfeiler, wellenförmig angeordnet, mit den Namen der Hinrichtungsstätten versehen.<br />
Nach dem Regierungswechsel meldete Schröders Kulturbeauftragter Michael Naumann Änderungsbedarf an.<br />
Im Januar 1999 einigte er sich mit dem amerikanischen Architekten auf Eisenman III: Das Gedenkfeld mit den<br />
Betonstelen soll ergänzt werden durch ein &quot;Haus des Erinnerns&quot; und eine Holocaust-Bibliothek.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Im Juni 1999 beschloss der Bundestag aber den Bau des Mahnmals in einer anderen Variante: Eisenman II<br />
mit einem &quot;Ort des Information&quot;. Um ihn zu verwirklichen, wurde eine vorerst unselbständige Mahnmal-Stiftung<br />
gegründet &#8211; im Geschäftsbereich Naumanns, der sich explizit für eine andere Mahnmal-Variante ausgesprochen<br />
hatte. An der Spitze dieser Stiftung stehen der Kuratoriumsvorsitzende Wolfgang Thierse und als Stellvertreterin<br />
Lea Rosh. Über diesen Kompetenzwirrwarr hat sich Eisenman mehrfach beschwert mit der Forderung nach klaren<br />
Vorgaben.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Es warten noch andere ungelöste Probleme auf die unterfinanzierte Stiftung: Das vorgesehene Grundstück ist<br />
nicht vollständig in Bundesbesitz, denn ein kleiner Teil gehört der Wohnungsbaugesellschaft Mitte, die angeblich<br />
sechs Millionen Mark verlangt. Die Baukosten von bisher 20 Millionen Mark werden sich also noch erhöhen. Der<br />
Förderkreis hingegen hat zu Spenden aufgerufen und sich vorgenommen, mehrere Millionen Mark zu den Kosten<br />
beizutragen. Wie der Restbetrag zwischen Bund und Berlin aufgeteilt werden soll, ist noch unklar. Fest steht, die<br />
Mittel können erst im Haushalt 2001 verbucht werden, weil im Haushalt 2000 kein entsprechender Posten für<br />
Baumaßnahmen vorgesehen ist. Es ist also fraglich, ob die Errichtung des Mahnmals &quot;schon&quot; im Sommer 2001<br />
beginnen kann. Vor dem Jahr 2003 ist mit der Fertigstellung nicht zu rechnen.<br />
</span></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Das virtuelle Mahnmal</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/gedenken-im-netz/das_virtuelle_mahnmal-951/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[swieboldt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 1969 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gedenken im Netz]]></category>
		<category><![CDATA[Virtuelles Mahnmal]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Gedenkstätte]]></category>
		<category><![CDATA[Erik Meyer]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>politik-digital sprach mit Dr. Erik Meyer über die Perspektiven virtuellen
Erinnerns in Deutschland.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>politik-digital sprach mit Dr. Erik Meyer über die Perspektiven virtuellen<br />
Erinnerns in Deutschland.</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
Dr. Erik Meyer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sonderforschungsbereich 434 Erinnerungskulturen an der<br />
Justus-Liebig-Universität Gießen. Seine Forschungs- schwerpunkte sind politische Kommunikation, politische<br />
Soziologie posttraditionaler Vergemeinschaftungsformen und Cultural Studies. Er ist Gründungsmitglied der<br />
AG für <a href="http://www.spokk.de/">Sozialwissenschaftliche Politik-, Kultur- und Kommunikations- forschung</a>,  und forscht<br />
im Rahmen des Teilprojekts <a href="http://www.memorama.de/">Erinnerungskultur &amp; Geschichtspolitik</a>,<br />
in dessen Mittelpunkt die Frage steht, welche Auswirkungen Deutungskontroversen über die Vergangenheit auf<br />
allgemein-öffentliche Diskurse zur Bildung, Aushandlung und Revision kollektiver und nationaler Identität haben.<br />
Zwei exemplarische Deutungskonflikte im vereinten Deutschland werden untersucht: Die Neugestaltung der ehemaligen<br />
&quot;Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald&quot; und die Errichtung eines zentralen &quot;Holocaust-Memorials&quot; in Berlin.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica; color: #ff9900"><b>politik-digital:</b></span> Welche Vor- und Nachteile sehen<br />
Sie im virtuellen Erinnern gegenüber der herkömmlichen Gedenkarbeit?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Erik Meyer:</b> Gleichermaßen Vor- wie Nachteil virtueller Erinnerungs- und Gedenkangebote stellt die<br />
Möglichkeit der Differenzierung dar: Es können die verschiedensten Informationen vermittelt werden und die<br />
Rezipienten entsprechender Angebote sind in deren Auswahl relativ frei. Damit verbunden ist jedoch das Problem<br />
eines möglichen Bedeutungsverlusts der jeweiligen Informationen: Die Bestimmung dessen, was von Bedeutung<br />
ist, ist im Vergleich zu anderen Formen der Vermittlung tendenziell enthierarchisiert. Bereits die Bezeichnung<br />
solcher &quot;virtueller Gedenkstätten&quot; als &quot;Angebote&quot; deutet dieses Problem an und verweist darüber hinaus auf<br />
die Möglichkeit deren kulturindustrieller Kommerzialisierung unter aufmerksamkeitsökonomischen<br />
Gesichtspunkten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica; color: #ff9900"><b>politik-digital:</b></span> Welchen Stellenwert werden<br />
Internet-Gedenkstätten zukünftig einnehmen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Erik Meyer:</b> Der Stellenwert entsprechender Angebote wird weiterhin zunehmen, vor allem auf Grund<br />
ihrer Bedeutung für die politische Bildung: Die Form der Vermittlung stellt insbesondere bei der Arbeit mit<br />
Jugendlichen eine Chance dar, auch verlorengegangenes Interesse wieder zu wecken. Für das individuelle<br />
Gedenken im engeren Sinne dürfte die Bedeutung nicht besonders groß sein, da das Medium wenig zur<br />
kontemplativen Reflexion geeignet ist.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica; color: #ff9900"><b>politik-digital:</b></span> Können Sie einen gleichwertigen<br />
Ersatz für die jetzigen Gedenkstätten darstellen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Erik Meyer:</b> In diesem Sinne können sie konventionelle Gedenkstätten auf keinen Fall ersetzen, vor<br />
allem wenn es sich dabei um authentische historische Orte handelt, die gleichzeitig große Friedhöfe darstellen.<br />
Diese Umstände haben aber Pädagogen auch dazu verführt, beim Besuch solcher Einrichtungen vornehmlich auf<br />
die vermeintlich belehrenden Effekte der Betroffenheit zu vertrauen und die Möglichkeit einer entsprechenden<br />
&quot;Abstumpfung&quot; zu vernachlässigen. Daher geht es nicht um Gleichwertigkeit und Ersatz, sondern um spezifische<br />
Funktionen, die jeweils wahrgenommen werden können.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica; color: #ff9900"><b>politik-digital:</b></span> Wie kann erreicht werden, dass<br />
virtuelle Gedenkstätten tatsächlich reflektierendes Erinnern unterstützen helfen und nicht nur beim Surfen<br />
nebenbei konsumiert werden?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Erik Meyer:</b> Dazu bedarf es einer Einbettung des Mediums in übergreifende (didaktische) Konzeptionen<br />
statt dessen Nutzung als ausschließlicher Informationsquelle. Darüber hinaus stellen sich besondere<br />
gestalterische Aufgaben: Das Design entsprechender Angebote darf nicht versuchen, mit die Ästhetik<br />
konventioneller und kommerzieller Web-Sites um Aufmerksamkeit zu konkurrieren.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica; color: #ff9900"><b>politik-digital:</b></span> Welche Chancen sehen Sie für<br />
eine virtuelles Mahnmal in Deutschland und hätte dieses Vorteile gegenüber dem Realen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Erik Meyer:</b> Ein ausschließlich virtuelles Mahnmal ist nicht wünschenswert und hätte als alleiniger<br />
Ausdruck offiziellen Gedenkens wahrscheinlich nur geringe Realisierungschancen, da Monumentalität für die<br />
staatliche Symbolpolitik von besonderer Bedeutung ist. Die Vorteile entfalten sich erst in Verbindung mit einem<br />
Monument: So würde die Problematik, die derzeit mit dem insbesondere von Staatsminister Naumann geforderten<br />
&quot;Ort der Information&quot; verbunden ist (Raum- und Geldmangel), durch eine entsprechende multimediale Aufbereitung<br />
der Informationen erleichtert. Denkbar wäre hier auch eine Kooperation mit Spielbergs &quot;Shoa Visual History<br />
Foundation&quot;: Die dort auf Video vorliegenden Zeitzeugenaussagen könnten Bestandteil eines derartigen<br />
Informationssystems sein.<br />
</span></p>
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