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	<title>Kriegsgewinner Internet? &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Kriegsgewinner Internet? &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Besucherrekord im chinesischen Netz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[wfang]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2003 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kriegsgewinner Internet?]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Medienfrühling in China hat begonnen. Während des Irak-Kriegs offenbarte das chinesische Netz sein Potential. Ein kritischer Erfolgsbericht von Dr. Weigui Fang.
                    ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Medienfrühling in China hat begonnen. Während des Irak-Kriegs offenbarte das chinesische Netz sein Potential. Ein kritischer Erfolgsbericht von Dr. Weigui Fang.<br />
                    <br /><!--break--><br />
                    <br />Am 20.03.2003 gegen 5.30 Uhr Ortszeit (3.30 Uhr MEZ) schlugen mehrere Marschflugkörper vom Typ &#8220;Tomahawk&#8221; am Rande Bagdads ein. Der erste &#8220;Enthauptungsschlag&#8221; des Irak-Kriegs sprengt auch die Grenzen der bisherigen Parteipropaganda in China. An diesem frühen Donnerstagmorgen scheint auch ein neues Zeitalter der chinesischen Medien eingeläutet zu sein. Ausländische Journalisten und Geschäftsleute, welche aufmerksam das politische Klima in China verfolgen, sehen den Medienfrühling als ein &#8220;Signal&#8221;, das in der ganzen Welt eine Nachricht wert ist.</p>
<p>Die News-Quellen sind natürlich nicht nur Reuters, CNN, el-Dschasira, sondern man findet Berichte aus allen Ecken der Welt. Diese mediale Offensive ist ja auch der Hintergrund von Bemerkungen mancher westlichen Beobachter, die sinngemäß lauten: Der Krieg wird lange genug dauern, um die ganze Branche auf den Geschmack zu bringen. Die Medien-Welt ohne CNN-Bilder ist für die Chinesen ein für allemal untergegangen.</p>
<p>Ob das stimmt, bleibt noch abzuwarten. Es stimmt aber mit Sicherheit nicht, wenn diese Voraussage etwa suggerieren soll, dass die chinesische audience von den CNN-Bildern besonders begeistert oder fasziniert ist. Mindestens in den Internet-Chaträumen hören wir oft Bemerkungen wie: &#8220;CNN hat mir endlich ein Verständnis von Pressefreiheit gebracht&#8221; &#8211; dies selbstverständlich im ironischen Sinne. Die Zeit ist prädestiniert für Aussagen folgender Art bei vielen Chat-Teilnehmern: &#8220;BBC braucht Breitband.&#8221; Oder: &#8220;BBC ist wirklich schamlos: Der Videofilm von der Plünderung in der UN-Zentrale in Bagdad wurde schon zigmal gesendet; es heißt aber immer noch &#8216;live&#8217; .&#8221;</p>
<p>
                    <strong>In einer Stunde mehr als 100 Millionen Pageviews</strong><br />
                    <br />In China ist das Internet gerade dabei, die Art der Nachrichtenberichterstattung neu zu definieren. Wie der Rundfunk im Zweiten Weltkrieg und das Fernsehen während des letzten Golfkriegs im Jahr 1991, wird das Medium INTERNET® wegen seiner &#8220;grandiosen&#8221; Berichterstattung über den Irak-Krieg in die Mediengeschichte eingehen.</p>
<p>Der Newsticker von<br />
                    <a href="http://www.sohu.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sohu.com.cn</a> veröffentlichte diesmal nur eine Minute nach Kriegsbeginn schon die erste Nachricht vom Ausbruch der Feindseligkeiten. Wiederum eine Minute später erhielten schon hunderttausende Nutzer von &#8220;Sohu&#8221; per SMS dieselbe Nachricht. Innerhalb einer Stunde wurden mehr als 500 Nachrichten gesendet, 1,3 Millionen Nutzer angezogen; es gab mehr als 100 Millionen Pageviews. Fast zur gleichen Zeit hatte<br />
                    <a href="http://www.sina.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sina.com.cn</a> die erste Kriegsnachricht gesendet und auch per SMS hunderttausende Nutzer erreicht. In den ersten 2 Stunden sind als &#8216;feed back&#8217; bereits zigtausende BBS (Botschaften auf den bulletin boards) von den Sina-User veröffentlicht worden. Neben &#8220;Sina&#8221; gibt es noch einen anderen Provider, der behauptet, die erste Kriegsnachricht gesendet zu haben, um somit als Nummer Eins bei den Online-News gelten zu können:<br />
                    <a href="http://www.xinhua.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">xinhua.org</a>. Am ersten Tag des Irak-Kriegs ist die Zahl der Pageviews, die Besucherzahl und -häufigkeit bei &#8220;Xinhua&#8221; jeweils um 309 %, 402 % und 454 % gestiegen. In dem internationalen general ranking ist<br />
                    <a href="http://www.xinhua.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">xinhua.org</a> mit einem Schlag vom Platz 500 auf Platz 101 gesprungen.</p>
<p>Begehrt sind die Provider nicht nur bei den chinesischen Netizen, sondern auch bei den Nasdaq Anlegern. Die vier großen chinesischen Provider haben in den Tagen nach Kriegsbeginn durchschnittlich mehr als 10 % zugelegt, wobei &#8220;Sohu&#8221; sogar 26% zulegte. Fast alle nähern sich damit wieder ihrem historischen Höhepunkt &#8211; und dies in einer Zeit, wo die New Economy sich immer noch im Keller befindet. In der Tat haben die kommerziellen Provider, die u.a. Kriegsnachrichten rund um die Uhr im Sonderabo per SMS bieten, prächtig von dem Irak-Krieg profitiert. &#8220;Sohu&#8221; hat z.B. in den ersten 2 Stunden nach Kriegsbeginn 20.000 neue Kunden gewonnen, die über die Service-Angebote &#8220;Brennpunkt&#8221; und &#8220;Golfkriegsberichte&#8221; SMS-News bestellen möchten. Umgerechnet heißt das mehr als eine halbe Million Yuan (ca. 65.000 Euro) zusätzliche Einnahme in kürzester Zeit. Im Dunkel liegen noch die Einnahmen aus dem Kampf großer nationaler und internationaler Unternehmen um einen Platz für ihre Werbung in den dem Krieg gewidmeten Websites.</p>
<p>
                    <strong>Ein Kunstwerk aus Amerika</strong><br />
                    <br />Im Jahre 1996 gab es vermutlich 40.000 Internetnutzer in China; ein Jahr später war deren Zahl bereits auf 250.000 angewachsen. Als man damals die Prognose stellte, dass die Zahl der chinesischen Netizen im Jahr 2000 die Millionenmarke erreichen und überschreiten werde, basierte diese Voraussage zweifellos auf dem festen Glauben an einen sich vervielfachenden Zuwachs. Die Prognose allerdings, dass es bis Ende 2001 drei Millionen chinesische<br />
                    <br />Netizen geben werde, erschien wohl selbst denen, die sie lancierten, allemal atemberaubend. Die Ende 2001 dann tatsächlich erreichte Zahl betrug allerdings 33,7 Millionen. Nach der neuesten Statistik hat Ende 2002 die Zahl der Internet-Nutzer in China bereits erneut um rund 25,4 Millionen zugelegt: man spricht jetzt von 59,1 Millionen Menschen, die in China das Internet nutzen. Es sind dies zwar nur 4,6% der Gesamtbevölkerung Chinas. Und ohne Zweifel bleibt bislang das Fernsehen die wichtigste Informationsquelle für die meisten Chinesen. Denkt man aber an die weiterhin unglaublich schnelle Zunahme der Zahl der Internet-Nutzer, so ist unbestreitbar, dass unter allen Medien das Internet in China am deutlichsten an Bedeutung gewinnt, wobei allein wegen der Struktur des Internet und der Fülle der Informationen eine Zensur bzw. eine totale Kontrolle des Informationsflusses fast aussichtslos ist.</p>
<p>Das Internet bildet in einem offiziell noch kommunistischen Land wie China die wichtigste Quelle der &#8220;alternativen Informationen&#8221; und verändert, von der Form bis zum Inhalt, mehr oder weniger auch die traditionellen Medien &#8211; einschließlich dem Parteiorgan People&#8217;s Daily. Wesentliche Momente eines realwerdenden Emanzipationsprozesses des lange Zeit als passiv geltenden Publikums lassen sich feststellen. &#8220;Kann jemand mir sagen, wo es in Amerika so ein Forum wie unseres gibt. Ich möchte es gern inspizieren&#8221;, so fragte neulich ein Teilnehmer in einem Kriegsforum. Antwort: &#8220;Das hier ist das chinesische Vorzeichen.&#8221; Das Neue zeigt sich natürlich nicht nur in jener zum Teil ganz sarkastischen Artikulation, wie sie folgende Passage aus einem Chatroom-&#8220;Gespräch&#8221; bei<br />
                    <a href="http://www.people.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">people.com.cn</a> dokumentiert (20.03.2003, 17:16-17:19):</p>
<p>Schöne Bilder von al-Dschasira: So eine Feuersbrunst! Die Aufnahmen können sich mit den Bildern des 11. September messen. Ein Kunstwerk aus Amerika!</p>
<p>Hatschi&#8212;Hatschi&#8212; Nee&#8230;</p>
<p>Geh zur Seite, steck uns nicht an mit deiner Sars!</p>
<p>Sars&#8230; Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass es sich hier um einen Test einer amerikanischen Biowaffe handelt?</p>
<p>Man findet inzwischen auch die Artikulation von Meinungen, welche die eigene Regierung bis hinauf zum Parteichef attackieren. Zweifellos: neue Einflüsse lösen nicht zuletzt dank dem Internet die alten, als rigide und autoritär dekuvrierten ab. Obwohl die &#8220;Meinungsfreiheit&#8221; in China schon längst de facto weit größer ist als es das Gesetz vorsieht, muss man zugeben, dass &#8211; abstrakt betrachtet &#8211; der in China erreichbare Grad der &#8216;Information Accessibility&#8217; und vielleicht sogar der &#8216;Source Credibility&#8217; durch das Internet eine neue Qualität angenommen haben. Hinsichtlich der Themen, Schwerpunkte, des Stils usw. zeigen sich Unterschiede zwischen offiziellen und inoffiziellen Stellen, selbst wenn die offiziellen in mancher Hinsicht zusehends den inoffiziellen nacheifern &#8211; im heftigen Kampf um die Aufmerksamkeit der User.</p>
<p>
                    <strong>&#8220;Die Sachen bei CCTV heißen auch &#8220;News&#8221;?&#8221;</strong><br />
                    <br />In China gibt es hauptsächlich zwei Sorten von Online-News-Anbietern: Die Websites der traditionellen Printmedien, mit<br />
                    <a href="http://www.peopledaily.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">peopledaily.com.cn</a> als einem ihrer herausragenden Exponenten, und die kommerziellen Provider mit<br />
                    <a href="http://www.sina.com.cn/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sina.com.cn</a> als führendem Markenzeichen. Was Online-News angeht, so zeigte schon eine Untersuchung aus dem Jahr 2000: Die Nummer Eins aus der Printmedien-Liga hat mit ihrer Online-Version &#8220;Peopledaily&#8221; durchschnittlich (in einem bestimmten Vergleichszeitraum) 1.890 Pageviews, während die privaten Provider deutlich höhere Werte erreichen: im Falle von &#8220;Sina&#8221; waren es 63.918, bei &#8220;Netease&#8221; 57.163, und bei &#8220;Sohu&#8221; 56.147 Pageviews. Mit anderen Worten: Die News-Besucherzahl von &#8220;Sina&#8221; betrug das 30fache des gleichzeitig bei &#8220;Peopledaily&#8221; verzeichneten Werts. Neue Untersuchungen haben ebenfalls gezeigt, dass die chinesischen Netizen vor allem die &#8220;alternativen Informationsquellen&#8221; bevorzugen. Nicht untypisch ist die folgende Diskussion in dem &#8220;Sina&#8221; Kriegs-Chatroom am 09.04.2003 (18:49 &#8211; 18:56):</p>
<p>Ach, wieder BBC. Wem kann man eigentlich noch glauben?!</p>
<p>·BBC ist nicht schlecht&#8230; aber nicht so gut wie Phönix [Hong Konger TV-Sender]. Natürlich viel schlechter als CCTV [China Central Television].</p>
<p>·Die Sachen bei CCTV heißen auch &#8220;News&#8221;?</p>
<p>·Die unterstützen doch nur die Diktatoren.</p>
<p>·Ja richtig! China und Rußland sind die Hauptdrahtzieher der Achse des Bösen.<br />
                    <br />·CCTV bietet nichts Wahres an. Wenn es doch mal was Authentisches ist, dann ist es auch schon lange überfällig.</p>
<p>·Nee nee, CCTV zeigt nicht wenig Authentisches, aber auch genau so viel Nonsens.</p>
<p>·Viel Nonsens! Viel Unwahrheit!!</p>
<p>·Gibt&#8217;s was Neues? Kucken wir mal den Sina-Newsticker&#8230;</p></p>
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		<item>
		<title>Das Netz zwischen Politik und Technik im Irak-Konflikt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[pfilzmaier]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2003 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kriegsgewinner Internet?]]></category>
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					<description><![CDATA[Ursprünglich als militärisches Kommunikatiosmedium in Katastrohenfällen eingerichtet, gilt das Internet heute als unabhängige Informationsquelle. Wurde das Netz dieser Rolle auch während des Irak-Kriegs gerecht?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ursprünglich als militärisches Kommunikatiosmedium in Katastrohenfällen eingerichtet, gilt das Internet heute als unabhängige Informationsquelle. Wurde das Netz dieser Rolle auch während des Irak-Kriegs gerecht?<!--break-->
                    </p>
<p>Wir leben in einer Medienwelt. Was wir über Politik wissen, zu wissen glauben oder nicht wissen, ist fast ausschließlich Produkt der massenmedialen Berichterstattung, insbesondere des Fernsehens. Kriege werden militärisch geführt, aber politisch und medial gewonnen bzw. verloren, weil die Mehrheitsmeinung der Öffentlichkeit über Sieg oder Niederlage entscheidet. Medienberichte sind Teil der psychologischen Kriegsführung, um den Gegner zu demoralisieren, und die Kampfmoral in den eigenen Reihen zu heben. Kriege sind zugleich hochprofessionelle Medienkampagnen, um die öffentliche Meinung zu kontrollieren.</p>
<p>Im Irakkrieg soll das<br />
                    <a href="/edemocracy/netzkampagnen/irak2.shtml">Internet</a> &#8211; als für die Öffentlichkeit über Landesgrenzen zugängliches Medium &#8211; informationspolitische Aufgaben leisten, welche das Fernsehen durch einseitige Propagandaberichte (in den USA und der arabischen Welt; in abgeschwächter Form auch in Großbritannien) und/oder aufgrund eines aus Ressourcen- und Informationsmangel entstandenen Defizits eigenständiger Berichte (im „Rest der westlichen Welt“) nicht ausreichend erfüllte.</p>
<p>Es ergibt sich die Ironie, dass zum Zeitpunkt der Errichtung des Internets dieses ein System darstellen sollte, das die Kommunikation von Computern in nationalen Katastrophenfällen sichern sollte. Den damaligen Hintergrund bildete die Angst vor Raketenangriffen durch die UdSSR, an ein ziviles und US-kritisches bzw. militärkritisches Internet in Zeiten der Kriegsberichterstattung dachte niemand.</p>
<p>
                    <strong>Politisch-technische Funktionalität</strong><br />
                    <br />Politik und Technik sind eng verknüpft. Für &#8220;Schurkenstaaten&#8221; bzw. die „Achse des Bösen“ gibt es keine Internet-Domains von den USA. Sowohl der Irak als auch Nordkorea haben keine eigene Top-Level-Domain erhalten. IQ- und KP-Adressen werden nicht vergeben. Die offiziellen irakischen Medien sind daher nur unter verschiedenen .net-Domains zu finden, wobei die Server nicht im eigenen Land stehen. Physisch befindet sich die Website des irakischen Fernsehens iraqtv.ws mit einer Adresse aus Samoa in Beirut, wo geschlossen die offizielle Medienlandschaft des Irak im Internet Gaststatus hat.</p>
<p>Iraq2000.com und uruklink.net teilen sich das „Hosting“ der Webauftritte aller Zeitungen, wobei die Tageszeitung &#8220;Babil&#8221; als einzige eine englischsprachige Ausgabe hat. Nach wenigen Kriegstagen waren nur noch die Nameserver für alle offiziellen Internetseiten des Irak, nic1.baghdadlink.net bzw. nic2.baghdadlink.net, mit akzeptablen Antwortzeiten erreichbar. Die Netzanbindung war ansonsten so schlecht, dass sämtliche auf uruklink.net geparkten Internetseiten von Regierung und offiziellen Medien durch Ablauf der Zeitlimits für den Seitenaufbau nicht mehr angezeigt wurden.</p>
<p>Die einseitige Informationsvermittlung im Irakkrieg war daher auch zwangsläufige Konsequenz ungleicher technischer Voraussetzungen mit politischen Hintergründen. Hinzu kam, dass der arabische Fernsehsender Al Jazeera allgemein unter aljazeera.net kaum, und auf seiner Ende März neuen englischsprachigen Web Site english.aljazeera.net nahezu gar nicht erreichbar war. Letzteres lag auch daran, dass der ursprüngliche Provider &#8211; eine US-Firma – aus offensichtlich auch politischen Gründen den Vertrag kündigte.</p>
<p>Analog zum 11. September gelang demgegenüber in den USA zweifellos der Nachweis der technischen Funktionalität des Internets. Obwohl das Netz zwischenzeitlich vom Ausfall einiger Internetseiten und einer Verlangsamung des Datentransfers betroffen war &#8211; die durchschnittliche Antwortzeit von BBC online ist beispielsweise von 0,47 auf 1,88 Sekunden gestiegen &#8211; , hat es in der „westlichen Welt“ den zweiten großen Test seiner fast 35-jährigen Geschichte bestanden. Nachrichtenportale wie<br />
                    <a href="http://www.cnn.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">cnn.com</a> verkrafteten Zugriffe in zweistelliger Millionenhöhe. Die 15 größten Internetseiten verzeichneten um über 40 Prozent mehr an Zugriffen, die Besucherzahlen lagen im Wochenvergleich über denen während des Anschlags vom 11. September. Am 11./12. September 2001 waren es neun Millionen stündlich im Vergleich zu ansonsten elf Millionen täglich gewesen.</p>
<p>
                    <strong>Kriegsschauplatz Internet</strong><br />
                    <br />Der Irakkrieg ist zugleich durch E-Mail-Kampagnen der USA gekennzeichnet. Irakische Regierungs- und Militärvertreter wurden von den USA in Verbindung mit Schutzangeboten aufgefordert, den Krieg aufzugeben und überzulaufen, Saddam Hussein die Gefolgschaft zu verweigern, Befehle zum Einsatz chemischer, biologischer oder nuklearer Waffen nicht zu befolgen usw.. In den USA sperrten zeitgleich manche Provider aufgrund einer &#8220;unpatriotischen&#8221; oder &#8220;anstößigen&#8221; Kriegsberichterstattung, beispielsweise durch Bilder von toten Soldaten, Internetseiten. Betroffen war u.a.<br />
                    <a href="http://www.yellowtimes.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">yellowtimes.org</a>, welche auch die speziell zum Irakkrieg gestaltete Seite<br />
                    <a href="http://www.yellowtimes.org/categories.php?op=newindex&amp;catid=4" target="_blank" rel="noopener noreferrer">newsfromthefront.org</a> betrieb.</p>
<p>Unabhängig davon ergab sich eine Neudefinition und Politisierung der Sicherheitsdebatte. Noch am Tag des Beginns der Angriffe auf den Irak wurde die Internetseite von<br />
                    <a href="http://www.iraqtv.ws/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Iraqi TV</a> von pro-amerikanischen Angreifern<br />
                    <a href="/netzpolitik/cyberwar/liste.shtml">„entführt“</a>. Eine pro-islamische Hackergruppe schlug zurück, und überschrieb im Zuge eines<br />
                    <a href="/netzpolitik/cyberwar/liste.shtml">„Massenhacks“</a> hunderte US-amerikanische Seiten. Der Nachweis eines kriegsmotivierten „Hackens“ ist einfach, denn im März 2003 konzentrieren sich die Attacken auf Ziele in den USA und Kanada. Fast zwei Drittel der weltweit gezählten digitalen Angriffe ereigneten sich auf Ziele in Nordamerika, lediglich 21 Prozent der Attacken galten dagegen Zielen in Europa. 2002 war das Verhältnis mit einem Anteil von jeweils etwa 30 Prozent ausgeglichen. Interessanterweise wurden weniger militärische als wirtschaftliche Einrichtungen angegriffen, doch Geheimdienste bewerten weitreichendere cyber attacks (d.h. Angriffe auf militärische Computernetzwerke, um deren Funktion zu manipulieren bzw. auszuschalten) als sehr ernstzunehmendes Bedrohungsszenario.</p>
<p>Die Diskussion über Regulierungsmaßnahmen und Überwachungsprogramme hat dadurch bzw. auch schon durch den 11. September einen Meinungswechsel erfahren, Kontrollrechte werden zunehmend wichtiger gesehen als absolute Meinungsfreiheit. Ein ursprüngliches Ideal des Internet war, dass es kaum von einer Regierung in traditioneller Form als &#8220;Staatsmedium&#8221; missbraucht werden kann. Sein anarchischer Charakter schützt politische Inhalte vor staatlichen Informations- und Nachrichtenmonopolen sowie Zensur o.ä.. Es ist nach den Terroranschlägen 2001 und der Kriegspropaganda 2003 schwieriger zu argumentieren, den virtuellen Raum möglichst radikal frei von staatlicher Einflussnahme und Regulierungen zu halten.</p>
<p>
                    <strong>Recherchemöglichkeiten für die (Fach-)Öffentlichkeit?</strong><br />
                    <br />„Die Öffentlichkeit weiß, wo sie danach [nach Bildern von Kriegsgefangenen und toten Soldaten bzw. Schreckensszenen des Kriegs] suchen muss: im Internet. Das mediale Monopol der Fernsehbilder ist durch die vernetzte Kommunikation via Web gebrochen: die US-Medientaktik wird ausgerechnet von einer einst vom Militär entwickelten Technologie durchbrochen“, war auf der Internetseite des österreichischen Fernsehens orf.at am 1. April 2003 zu lesen. Tatsächlich haben sowohl Zugriffe aus den USA auf europäische Internetseiten als auch „(We)blogs“, d.h. tagebuchartige Kommentare mit Verknüpfungen zu anderen Seiten an Bedeutung gewonnen.</p>
<p>Für die Mehrheit der US-Bevölkerung ergibt sich ein anderes und weniger idealistisches Bild. Zwar haben 77 Prozent der Internetnutzer das Netz auch für Kriegsinformationen genutzt, doch stellte auch für sie das Fernsehen die primäre Informationsquelle dar. Drei Viertel der Internetnutzer, d.h. ein größerer Anteil als unter den Nicht-Nutzern (!), sind klare Kriegsbefürworter. Nur vier Prozent suchen nach Informationen und Meinungen auf „blogs“. Naheliegend ist die Vermutung, dass das Internet lediglich für eine vorinformierte Fachöffentlichkeit zusätzliche Recherchemöglichkeiten für ein objektiveres Politik- bzw. Kriegsbild bietet. Die Bevölkerungsmehrheit wird durch das Internet auf<br />
                    <a href="http://www.cnn.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">cnn.com</a> genauso manipuliert wie durch das CNN-Fernsehen.</p>
<p>Peter Filzmaier ist Ao. Professor für Politikwissenschaft und Abteilungsleiter für Politische Bildung am Institut für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung<br />
                    <a href="http://polbil.uibk.ac.at" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(IFF)</a> der Universität Innsbruck<br />
                    <strong><br />
                      <br />
                    </strong></p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 24.4.2003</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                      
                    </p>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
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