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	<title>Spendenflut im Internet &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Spendenflut im Internet &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Ulrike von Pilar über &#8216;Ärzte ohne Grenzen&#8217;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/ulrike_von_pilar_ueber_039aerzte_ohne_grenzen039-257/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Jan 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Spendenflut im Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Tsunami]]></category>
		<category><![CDATA[Ärzte ohne Grenzen]]></category>
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		<category><![CDATA[Ulrike von Pilar]]></category>
		<category><![CDATA[Hilfsorganisation]]></category>
		<category><![CDATA[Flutkatastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Katastrophe]]></category>
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					<description><![CDATA[<span class="fett">
Am Donnerstag, 06. Januar, war Ulrike von Pilar, Geschäftsführerin 
der Hilfsorganisation &#34;Ärzte ohne Grenzen&#34; von 13 
bis 14 Uhr zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und 
politik-digital.de. Sie beantwortete Fragen über den Einsatz 
von &#34;Ärzte ohne Grenzen&#34; in der Tsunami-Katastrophenregion 
und anderen Krisengebieten sowie über den Umgang mit Spendengeldern</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="fett"><br />
Am Donnerstag, 06. Januar, war Ulrike von Pilar, Geschäftsführerin<br />
der Hilfsorganisation &quot;Ärzte ohne Grenzen&quot; von 13<br />
bis 14 Uhr zu Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de. Sie beantwortete Fragen über den Einsatz<br />
von &quot;Ärzte ohne Grenzen&quot; in der Tsunami-Katastrophenregion<br />
und anderen Krisengebieten sowie über den Umgang mit Spendengeldern</span><!--break--><br />
<span class="fett"><br />
<br />
Moderator:</span> Liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen<br />
im tacheles.02-Chat. Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de und wird unterstützt von<br />
tagesspiegel.de. Im ARD-Hauptstadtstudio ist heute Ulrike von Pilar,<br />
Geschäftsführerin der Hilfsorganisation &quot;Ärzte<br />
ohne Grenzen&quot;, zu Gast. Herzlich Willkommen Frau von Pilar.<br />
Ulrike von Pilar: Vielen Dank, dass ich kommen konnte!<br />
Moderator: „Ärzte ohne Grenzen“ haben zu so genannten<br />
freien Spenden aufgerufen, da für das Seebeben genug Geld aufgelaufen<br />
sei. Das können viele nicht verstehen: Wie kann man genug Geld<br />
haben ?</p>
<p>Ulrike von Pilar: Zuerst möchte ich mal sagen, dass wir von<br />
der Großzügigkeit der Spender völlig überwältigt<br />
worden sind und sehr dankbar sind für diese ungeheure Großzügigkeit.<br />
Wir haben in den ersten 10 Tagen nach dem Seebeben mehr als 30 Millionen<br />
Euro an Spenden erhalten. Das ist fast doppelt so viel wie wir im<br />
Jahr 2003 eingenommen haben. Aber als medizinische Nothilfeorganisation<br />
sind wir vor allem in den ersten Monaten nach einer Katastrophe<br />
tätig. Und die großen Programme, die wir im Moment in<br />
der Region haben, sind zumindest für diese erste akute Phase<br />
völlig finanziert. Wie weit wir darüber hinaus auch im<br />
Wiederaufbau tätig sein werden, ist im Moment überhaupt<br />
nicht abzusehen. Und deshalb wollten wir unseren Spendern das auch<br />
ehrlich mitteilen.</p>
<p>
<span class="fett">manne dumke:</span> Frau Pilar, was machen Sie<br />
mit eigentlich mit all dem Geld? Wird es eine Art Liste geben in<br />
der man nachlesen kann wofür Sie das ganze Geld ausgeben?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Es wird auf jeden Fall<br />
Berichte geben, darüber, wie das Geld ausgegeben worden ist.<br />
Übrigens kann man bereits jetzt erste Angaben dazu auf unserer<br />
Homepage finden. Im Moment werden von den Spenden in erster Linie<br />
medizinisches Material und Mittel zur Wasseraufbereitung sowie natürlich<br />
Personal wie auch Transportkosten unter anderem für die in<br />
Aceh eingesetzten Hubschrauber finanziert.
</p>
<p>
<span class="fett">Bertram:</span> Ihre Organisation lehnt weitere<br />
zweckgebundene Spenden für Asien ab. Welche andere Region benötigt,<br />
ihrer Meinung nach, ebenso finanzielle Unterstützung? <img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/transcripte/images/zzz_platzhalter.jpg" align="right" height="4800" width="6" />
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Dazu würde ich<br />
gerne zuerst sagen, dass wir nur zweckgebundene Spenden für<br />
diese Regionen für unsere Organisation ablehnen. Das gilt natürlich<br />
nicht für andere Organisationen. Die Regionen die weiterhin<br />
am stärksten unsere Unterstützung benötigen sind<br />
im Moment vor allem Dafur, Kongo, Uganda wie auch die Länder<br />
Westafrikas und viele andere, nicht zu vergessen Tschetschenien.<br />
„Ärzte ohne Grenzen“ arbeitet international in<br />
ca. 80%  aller Länder.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Da stark nachgefragt, im Doppelpack:
</p>
<p>
<span class="fett">berthold:</span> Frau von Pilar, wie verwenden<br />
Sie &quot;überschüssige&quot; zweckgebundene Spenden?
</p>
<p>
<span class="fett">Joerghell:</span> Was machen Sie jetzt nach<br />
dem Stopp mit Spenden, die speziell auf das Beben ausgeschrieben<br />
sind?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Im Moment wissen wir<br />
nicht, wie hoch genau unsere Ausgaben für diese Katastrophe<br />
sein werden. Unsere Budgets steigen täglich, demnächst<br />
dann hoffentlich eher wöchentlich. In sofern kann man diese<br />
Frage im Moment nicht beantworten, es wird sicher einige Monate<br />
dauern und so lange werden wir auf jeden Fall in der Region arbeiten.<br />
Nur als Beispiel: Wir haben inzwischen über 300 Tonnen an Material<br />
in die Region geschickt. Das alleine verschlingt natürlich<br />
riesige Summen. Wir werden uns aber verpflichten Spenden auch zurück<br />
zu überweisen, an Spender, die das möchten, und wir werden<br />
dann nach dem Ende der akuten Katastrophenphase die medizinische<br />
Situation in der Region evaluieren und feststellen, wie weit eine<br />
Beteiligung von „Ärzte ohne Grenzen“ an weiteren<br />
medizinischen Programmen notwendig ist. Wir werden uns immer bemühen<br />
besonders für Gruppen der Bevölkerung, die eher kaum Zugang<br />
zu einer vernünftigen Grundversorgung haben, da zu sein.
</p>
<p>
<span class="fett">MarkScholtz:</span> Ich habe an „Ärzte<br />
ohne Grenzen“ gebunden an die Flutkatastrophe gespendet. Seit<br />
letzter Woche geben Sie durch die Meiden bekannt, dass man entweder<br />
allgemein Spenden soll, oder an andere Hilfsorganisationen. Kann<br />
ich meine Spende nachträglich neutraler für Sie machen,<br />
auf dass Sie das Geld woanders einsetzen können, wo es auch<br />
sinnvoll ist? Was passiert mit dem überschüssigen Geld,<br />
was Sie vielleicht für die Flutkatastrophe nicht mehr ausgeben?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Das wäre uns eine<br />
große Freude. Viele Spender wissen ja nicht, dass sie mit<br />
ihrem Stichwort uns verpflichten (was ja auch richtig ist) das Geld<br />
in der Katastrophenregion auszugeben. Viele Spender haben uns geschrieben,<br />
dass sie sowieso erwartet hätten, dass wir das Geld in jedem<br />
Fall dort einsetzen, wo es am nötigsten ist, auch wenn das<br />
vielleicht nicht in jedem Fall Asien wäre. Insofern, ja, man<br />
kann ihre Spende jetzt umwidmen und wir bedanken uns dafür.<br />
Wir wären Ihnen auch dankbar für eine E-Mail mit Datum<br />
der Überweisung, Name und Adresse in dieser Sache. Und nur<br />
zu Ihrer Information: genau das versuchen wir mit vielen anderen<br />
Spendern zu erreichen, indem wir sie kontaktieren und dann überlegen,<br />
ob man die Spende umwidmen kann oder ob der Spender es doch vorzieht,<br />
das Geld zurückzuerhalten und es einer andere Organisation<br />
zur Verfügung stellt, was wir völlig verstehen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Zwei Fragen mit ähnlichem<br />
Tenor:
</p>
<p>
<span class="fett">tom:</span> „Ärzte ohne Grenzen“<br />
ist vom DZI (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen)<br />
mit dem Spendensiegel ausgezeichnet (eine Art Prüfsiegel).<br />
Prüfkriterium sind auch die Verwaltungsausgaben. Wie viel Prozent<br />
der Einnahmen werden für die Verwaltung in ihrer Organisation<br />
aufgebraucht?
</p>
<p>
<span class="fett">Dan41:</span> Wie viel von dem Geld kommt an<br />
&#8211; wie viel verschwindet in der Verwaltung?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> International hat „Ärzte<br />
ohne Grenzen“ sich selber Regeln gesetzt. Und die Regel bezüglich<br />
der Verwaltungskosten heißt, dass wir nicht mehr als 20% der<br />
Einnahmen in Verwaltung und Werbung und Fundraising investieren<br />
dürfen. In Deutschland liegen die Verwaltungskosten seit Jahren<br />
bei 15 % für Werbung, Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit<br />
und Fundraising. Die reinen Verwaltungskosten liegen ungefähr<br />
bei 4 %. Diese Ausgaben und unsere Finanzberichte werden zudem regelmäßig<br />
von Wirtschaftsprüfern überprüft
</p>
<p>
<span class="fett">Randolfine:</span> Wie kann ich mich anders<br />
als durch Geld engagieren?
</p>
<p>
Ulrike von Pilar: Das ist in solchen Katastrophensituationen in<br />
der Tat nicht so einfach, da die Art der Arbeit, die wir vor Ort<br />
leisten erfahrene und sehr kompetente Mitarbeiter aus verschiedenen<br />
Berufssparten erfordert. Natürlich in aller erster Linie Ärzte<br />
und medizinisches Personal, aber auch z.B. Logistiker und Verwaltungsfachleute.<br />
Insofern ist das in den Projekten für unerfahrene freiwillige<br />
Mitarbeiter nicht möglich. Wir haben aber immer wieder ehrenamtliche<br />
Mitarbeiter wie auch Praktikanten und Studenten, die uns in unserem<br />
Berliner Büro helfen. Aber im Moment sind die Kapazitäten<br />
da beschränkt. Manchmal machen freiwillige Helfer auch Informationsstände<br />
auf lokalen Veranstaltungen, das geht aber nur in Absprache mit<br />
dem Berliner Büro. Besonders wichtig erscheint mir aber, dass<br />
engagierte Menschen, die unsere Arbeit unterstützen wollen,<br />
mit dazu beitragen, dass die vergessenen Krisen und Konflikte nicht<br />
noch mehr in Vergessenheit geraten. Wer spricht heute noch von Tschetschenien<br />
oder Uganda?
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Wir wechseln das Thema und<br />
kommen auf die konkrete Arbeit von „Ärzte ohne Grenzen“<br />
zu sprechen:
</p>
<p>
<span class="fett">hugo:</span> Die Arbeit bei &quot;Ärzte<br />
ohne Grenzen&quot; ist für das medizinische Personal in den<br />
Krisenregionen sicherlich nicht leicht. Hat Ihre Hilfsorganisation<br />
Schwierigkeiten Ärzte zu finden oder gibt es genügend<br />
Bewerber?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Es gibt viele Mediziner,<br />
die gerne mit uns arbeiten würden, und die auch die den hohen<br />
Anforderungen genügen. Aber: Es ist in Deutschland außerordentlich<br />
schwierig, besonders für Ärzte, sich in ihren Kliniken<br />
oder Praxen für humanitäre Einsätze freistellen zu<br />
lassen. Auch deswegen, weil man sich bei „Ärzte ohne<br />
Grenzen“ in aller Regel für mindestens 9 Monate verpflichten<br />
sollte.<br />
Wir appellieren daher immer wieder an die verantwortlichen Chefärzte,<br />
das humanitäre Engagement als einen wesentlichen Aspekt der<br />
Arbeit eines Mediziners anzusehen. Leider kann man nur selten sagen,<br />
dass die Erfahrung in humanitären Projekten der Karriere förderlich<br />
oder hoch angesehen ist. Das ist auch deswegen sehr bedauerlich,<br />
weil ich noch nie einen Mediziner oder eine Krankenschwester getroffen<br />
habe, die nicht in hohem Maße von ihrer humanitären Erfahrung<br />
profitiert hätte, auch wenn die Einsätze oft sehr hart<br />
sind. Insofern suchen wir immer kompetente Mediziner, Pflegekräfte<br />
aber auch Techniker, die diese Herausforderung annehmen können<br />
und dann möglichst  auch für ein paar Jahre mit uns<br />
arbeiten können. Denn erfahrenes Führungspersonal für<br />
diese sehr schweren Projekte gibt es nie genug. Mehr Informationen<br />
dazu gibt es auf unserer Homepage www.aerzte-ohne-grenzen.de.
</p>
<p>
<span class="fett">malve:</span> Wie gut sind die Ärzte in<br />
den Krisengebieten ausgestattet? Verfügen sie über den<br />
gleichen Standard, der uns bekannt ist, oder haben die Ärzte<br />
nur die nötigsten medizinischen Instrumente und Medikamente?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Also ehrlich gesagt<br />
sind wir sehr stolz, dass unsere Ärzte meistens zumindest die<br />
nötigste Ausrüstung haben, weil schon das nicht immer<br />
selbstverständlich und leicht zu erreichen ist. Wobei man gleich<br />
dazu sagen muss, dass für die Arbeit in Konflikten und Katastrophen<br />
in armen Ländern oft eine ganz andere Grundausrüstung<br />
nötig ist, als wir sie hier kennen. Aber den technischen Standard<br />
eines Kreisstadtkrankenhauses  kann man in solchen Situationen<br />
natürlich nicht zur Verfügung stellen. Zumal unsere lokalen<br />
Kollegen, die immer noch den größten Teil der medizinische<br />
Arbeit leisten, mit einer Ausrüstung arbeiten müssen,<br />
mit der sie umgehen können.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Nach einer solchen Katastrophe<br />
herrscht vor Ort ein riesiges Chaos. Wie findet sich eine Hilfsorganisation<br />
zurecht? Wo setzen Sie an?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> „Ärzte ohne<br />
Grenzen“ hat in fast allen vom Seebeben betroffenen Ländern<br />
schon gearbeitet oder war sogar vor Ort. insbesondere in den beiden<br />
am schwersten betroffenen Ländern Sri Lanka und Indonesien<br />
kennen wir die zerstörten Provinzen von unserer früheren<br />
Arbeit. Insofern konnten wir da sofort einsetzen und unsere alten<br />
Kontakte mobilisieren. Ansonsten setzten wir uns natürlich<br />
immer sofort sowohl mit den lokalen Autoritäten als auch mit<br />
eventuell vor Ort bereits existierenden Organisationen in Verbindung.<br />
Besonders wichtig ist z.B. für uns der Kontakt mit dem Internationalen<br />
Komitee des Roten Kreuzes, aber natürlich oft auch schlicht<br />
mit dem nächsten Krankenhaus.
</p>
<p>
<span class="fett">Schweiztourist:</span> Guten Tag. Mich interessiert<br />
sehr, ob und wie Ihre Organisation den logistischen Aufwand bewältigt.<br />
Denn selbst wenn Sie mehr Geld haben, als Sie bräuchten, muss<br />
das medizinische Gerät ja erst in das betroffene Gebiet gebracht<br />
werden, von Personal und Helfern ganz zu schweigen. Wo kommen in<br />
solchen Situationen die Unterkünfte her, wie wird der Nachschub<br />
von Medikamenten gewährleistet? Ich jedenfalls stelle es mir<br />
sehr chaotisch vor.
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Wir haben in den letzten<br />
ca. 25 Jahren genau an diesem Problem heftig gearbeitet und haben,<br />
glaube ich, eine ganz gut funktionierende Logistik gerade auch für<br />
die Versorgung mit medizinischen Material aufgebaut. Die zentrale<br />
Idee unserer Logistik ist, dass wir an mehreren Orten in der Welt,<br />
vor allem an drei europäischen Flughäfen, vorgepackte<br />
Module haben, die Material für verschiedene Situationen enthalten.<br />
Z.B. gibt es einen so genannten Kit der Material für die medizinische<br />
Grundversorgung von 10.000 Menschen für 3 Monate &#8211; typischerweise<br />
für ein tropisches Land – enthalten. Von diesen Kits<br />
und Modulen gibt es um die 150, so zum Beispiel .auch ein Spezialmodul<br />
für chirurgische Operationen, für die Versorgung von Cholera-Patienten<br />
oder ein Hebammen-Kit. Ähnliches gibt es für die technische<br />
Ausrüstung eines Projekts, also Fahrzeuge, Computer, Funkausrüstung,<br />
Büromaterial, Zelte, Decken. Und das beantwortet dann vielleicht<br />
auch bereits ein wenig die Frage nach der Unterkunft. Es sind oft<br />
in den ersten Wochen wirklich Zelte, Matratzen und Schlafsäcke,<br />
aber es gibt dann immer einen Logistiker, der sich vorrangig um<br />
die Unterkunft und Versorgung der freiwilligen Helfer vor Ort kümmert.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Zwei Fragen zu den Gefahren<br />
für die beteiligten Helfer:
</p>
<p>
<span class="fett">heidi:</span> Wie gefährlich ist es für<br />
die Ärzte sich in politisch instabilen Krisenregionen zu engagieren?
</p>
<p>
<span class="fett">Randolfine:</span> Welche Gefahren bestehen<br />
für freiwillige Helfer in den Krisengebieten?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> „Ärzte ohne<br />
Grenzen“ versucht ganz besonders Menschen in Krisen und Konfliktsituationen,<br />
für die oft die Versorgung zusammengebrochen ist, zu erreichen.<br />
Insofern ist diese Arbeit nie nur ein Spaziergang oder Ferientrip.<br />
Aber „Ärzte ohne Grenzen“ nimmt natürlich<br />
die Sicherheit der Mitarbeiter sehr ernst und insofern gibt es in<br />
jedem Projekt spezifische Regeln und Vorkehrungen, um diese Sicherheit<br />
soweit wie möglich zu garantieren. Natürlich gibt es in<br />
diesen schwierigen Situationen durchaus Aspekte, die das Leben der<br />
Mitarbeiter ein bisschen ungemütlich machen können. Das<br />
fängt oft schon an mit dem Klima und den Arbeitsbedingungen,<br />
das kann durchaus auch besondere Gesundheitsrisiken einschließen.<br />
Wir müssen uns alle regelmäßig impfen und uns in<br />
vielen Ländern z.B. um Malariaprophylaxe und Ähnliches<br />
kümmern. Da in vielen dieser Länder die Infrastruktur<br />
nicht gut funktioniert, kann es durchaus ein Problem sein, von einem<br />
Ort zum anderen zu gelangen. Ich war selbst im August während<br />
der Regenzeit in Dafur und es war schon manchmal extrem schwierig,<br />
durch die Schlammlöcher zu kommen, so dass man oft für<br />
25 Kilometer 3 bis 4 Stunden braucht.
</p>
<p>
<span class="fett">Clburk:</span> Liebe Frau von Pilar, als Diplom-Psychologe<br />
würde mich interessieren, inwiefern, sowohl für Opfer<br />
in Krisengebieten als auch wegen der außerordentlichen Belastungen<br />
der Helfer, auch eine psychologische Begleitung stattfindet.
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Es gibt sowohl psychosoziale<br />
Projekte in vielen Krisengebieten wie auch eine psychologische Betreuung<br />
der Mitarbeiter.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Wegen der starken Nachfrage<br />
nach aktiver Mitarbeit, hier der entscheidende Link:<br />
http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/Mitarbeit.php
</p>
<p>
<span class="fett">schweiztourist:</span> Was ist mit dem Personal<br />
vor Ort, bekommen diese Leute Geld für ihre Arbeit?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Ja, die internationalen<br />
Mitarbeiter bekommen eine Aufwandsentschädigung und die Versorgung<br />
vor Ort. Aber hohe Gehälter gibt es bei uns nicht. Im Moment<br />
liegt die Eingangsstufe bei 600 Euro im Monat.
</p>
<p>
<span class="fett">Julius Roemmler:</span> Aus wie vielen Fachleuten<br />
besteht in der Regel ein &quot;Team&quot;, von denen wahrscheinlich<br />
mehrere in Katastrophengebiete geschickt werden?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Die Teams haben ganz<br />
unterschiedliche Größe, aber es ist eigentlich immer<br />
ein Mediziner, ein Logistiker, ein Verwaltungs- und Finanzverantwortlicher,<br />
ein Projektleiter/in und dann eben ein oder mehrere erfahrene Pflegekräfte,<br />
die dann die lokalen Mitarbeiter anleiten und organisieren, wo das<br />
nötig ist.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Experten kritisieren, in der<br />
Krisenregion würden sich die einzelnen Hilfsorganisationen<br />
nicht gut genug miteinander abstimmen. Viele wollten alles machen<br />
und es gäbe zu viele Trittbrettfahrer. Wie ist ihr Eindruck?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Als wir vor acht Tagen<br />
in Aceh unsere Arbeit begonnen haben, gab es viel zu wenig Hilfsorganisationen,<br />
genau gesagt drei, soviel ich weiß. Da war das größere<br />
Problem zu den von der Katastrophe betroffenen Menschen zu gelangen,<br />
da die Transportwege zerstört sind. Inzwischen sind natürlich<br />
sehr viele Organisationen vor Ort. Und da in Aceh selbst so viel<br />
zerstört ist, ist schon deswegen die Koordination nicht immer<br />
einfach. Aber wir wissen zumindest ziemlich genau, was wir zu tun<br />
haben. Das hängt ganz von der Regierung ab, aber im Moment<br />
wissen alle Regierungen, dass sie die Hilfsorganisationen unterstützen<br />
müssen und tun das auch.
</p>
<p>
<span class="fett">distelfink:</span> Die Armeen dieser Welt helfen<br />
auch kräftig mit. Gibt es eine Zusammenarbeit und wie gestaltet<br />
die sich?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> In einer Naturkatastrophe<br />
wie dieser kann das Militär Dinge leisten, die andere nicht<br />
leisten können und gebraucht werden. Und dann sind wir auch<br />
in regelmäßigen Kontakt mit denen. Ansonsten ist ja ÄOG<br />
dafür bekannt, dass wir eine gesunde Distanz zum Militär<br />
halten.
</p>
<p>
<span class="fett">Stephan:</span> Wie kooperativ sind die Regierungen<br />
der betroffenen Länder, in denen Sie helfen?
</p>
<p>
<span class="fett">UVP:</span> Wie bewerten Sie die Medien, die<br />
fast nur mediengerecht präsentierbare Katastrophen beachten?
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Wir setzen uns immer<br />
sehr dafür ein, dass auch über die vergessenen Krisen<br />
und Konflikte berichtet wird. Das ist natürlich nicht immer<br />
einfach. Aber im Moment sind ja wirklich alle Menschen so aufgewühlt<br />
und betroffen über das Ausmaß der Katastrophe in Asien,<br />
dass man vielleicht erst ab nächster Woche wieder erwarten<br />
kann, mehr über Dafur zu hören<span class="fett">.</span>
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Letzte Frage: Die Bundesregierung<br />
stellt 500 Millionen Euro zur Verfügung. Ist das nicht eine<br />
populistische Maßnahme? Mit einem kleineren Teil der Summe<br />
könnten womöglich viele neue Aids-Infektionen in Afrika<br />
verhindert werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Wir erwarten natürlich<br />
von der Bundesregierung, dass die Mittel für Aids Programme<br />
in Afrika gleichzeitig aufgestockt werden. Außerdem würde<br />
ich gerne noch betonen, dass viele Organisationen nach wie vor Spenden<br />
für Asien dringend benötigen und das wir deswegen Spendern,<br />
die für den Wiederaufbau in der Region spenden wollen empfehlen,<br />
diese Organisationen zu berücksichtigen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Unsere 60 Minuten Chat sind<br />
vorbei, vielen Dank für das große Interesse. Herzlichen<br />
Dank, Frau von Pilar, dass Sie sich die Zeit zum chatten genommen<br />
haben. Das Transkript dieses Chats finden Sie wie gewohnt auf den<br />
Seiten der Veranstalter. Der nächste Chat findet am Dienstag,<br />
18. Januar um 13 Uhr statt. Chat-Gast ist dann CSU-Landesgruppenchef<br />
Michael Glos.
</p>
<p>
<span class="fett">Ulrike von Pilar:</span> Ich bedanke mich für<br />
die interessierte Teilnahme und verabschiede mich bis zum nächsten<br />
Mal.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Tsunami-Frühwarnsysteme und das WWW</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/spendenflut-im-internet/netzkulturtsunami_int_hanka-shtml-3012/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/spendenflut-im-internet/netzkulturtsunami_int_hanka-shtml-3012/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[kbeutel]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Jan 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Spendenflut im Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Flutkatastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Katastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Tsunami]]></category>
		<category><![CDATA[Erdbebeninformationssystem]]></category>
		<category><![CDATA[Frühwarnsystem]]></category>
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					<description><![CDATA[
                            Dr. Winfried Hanka ist Seismologe am Geoforschungs-zentrum Potsdam 
                            (GFZ). politik-digital.de befragte ihn im eMail-Interview zur Rolle des Internets bei der Früher-kennung von Erdbeben und den Möglichkeiten das Internet als Warnsystem vor Naturkatastrophen zu nutzen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
                            <strong>Dr. Winfried Hanka ist Seismologe am Geoforschungs-zentrum Potsdam</strong><br />
                            <strong>(GFZ)</strong>. politik-digital.de befragte ihn im eMail-Interview zur Rolle des Internets bei der Früher-kennung von Erdbeben und den Möglichkeiten das Internet als Warnsystem vor Naturkatastrophen zu nutzen</p>
<p><!--break--></p>
<p class="normal">
                            <span class="fett">politik-digital.de</span>: Herr Hanka, es existiert kein Frühwarnsystem für den Indischen Ozean. Wie können sich Küstenbewohner der Anreinerstaaten über Tsunamis informieren?</p>
<p>
                            <span class="fett">Winfried Hanka</span>: Im Moment praktisch gar nicht. Es werden zwar von einigen Institutionen (darunter auch vom<br />
                            <a href="http://www.gfz-potsdam.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">GFZ</a>) automatisch Informationen über weltweite Erdbeben bestimmt und unmittelbar im Internet<br />
                            <a href="http://www.gfz-potsdam.de/geofon/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">veröffentlicht</a>, aber zum einem sind automatisch bestimmte Erdbebenmeldungen potenziell fehlerbehaftet und zum anderen erzeugen Erdbeben unter dem Meeresboden nur unter ganz bestimmten selten eintretenden Voraussetzungen Tsunamis. Beides ist für Laien gar nicht und auch für Seismologen nur sehr schwer allein anhand von automatischer Meldungen ohne weitere Informationen zu beurteilen.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital.de</span>: Das Problem in der Informationskette scheint in der Lücke zwischen Regierungsstellen und Betroffenen zu liegen. Ein Frühwarnsystem, wie etwa im Pazifik existiert nicht. Dennoch gab es zeitnah Informationen über das Seebeben. Wie kann ein Frühwarnsystem da helfen?</p>
<p>
                            <span class="fett">Winfried Hanka</span>: Zeitnahe Informationen über Erdbeben unter dem Meeresboden sind zwar eine wichtige Voraussetzung für ein Frühwarnsystem, aber allein bei weitem nicht ausreichend. Hinzukommen muss zum einen eine direkte Messung der Schwankungen des Meeresspiegels mit Hilfe spezieller Bojen um festzustellen, ob ein geortetes Erdbeben tatsächlich Tsunamiwellen angeregt hat. Fehlalarme müssen praktisch auszuschließen sein, denn sie verunsichern die Bevölkerung und führen zu hohen wirtschaftlichen Schäden. Zum dritten gehört zu einem Frühwarnsystem natürlich auch die eigentliche Warninfrastruktur vor Ort, das was Sie als die &#8220;Lücke&#8221; zwischen Regierungsstellen und Betroffenen&#8221; bezeichnen. Das ist, gerade in Entwicklungsländern, sicher der schwierigste Teil. Diese Lücke muss geschlossen werden.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital.de</span>: Wie findet man sich im Internet unter der Fülle von wissenschaftlichen Informationen zurecht? Gibt es eine zentrale Site, bei der alle neuen und wichtigen Informationen zusammenlaufen? Und welche Schlüsse kann der Laie aus Erdbebenwarnungen ziehen?</p>
<p>
                            <span class="fett">Winfried Hanka</span>: Es gibt in Europa die Site des &#8221;<br />
                            <a href="http://www.emsc-csem.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">European-Mediterranean Seismological Centers</a>&#8221; vornehmlich für Beben in Europa und im Mittelmeerraum wo Meldungen von Organisationen in diesem Raum zusammenlaufen. Global sind die Sites des &#8221;<br />
                            <a href="http://neic.cr.usgs.gov/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">National Earthquake Information Service</a>&#8221; der USA sowie des &#8221;<br />
                            <a href="http://www.prh.noaa.gov/pr/ptwc/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pacific Tsunami Warning Centers</a>&#8221; auf Hawaii zu nennen, die aber ausschließlich eigene Informationen veröffentlichen.<br />
                            <br />Aus Erdbebenmeldungen eine Information über Tsunamis abzuleiten ist wie gesagt für Laien nicht möglich. Trotzdem ist es sicher auch für Laien aus den unterschiedlichsten Gründen wichtig, über aufgetretene Erdbeben und deren genaue Epizentren und Stärke informiert zu sein.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital.de</span>: Wäre es z.B. möglich, ein globales Frühwarnsystem mit Hilfe des Internets aufzubauen, um rechtzeitig vor Katastrophen warnen zu können? Und wie müsste es Ihrer Meinung nach aussehen?</p>
<p>
                            <span class="fett">Winfried Hanka</span>: Das jetzige Erdbebeninformationssysten des GFZ beruht ausschließlich auf dem Internet. Sowohl die digitalen Aufzeichnungen der Seismometerstationen werden über Internet nach Potsdam übertragen, als auch die Ergebnisse der Datenanalyse über Internet verteilt. Aber bei einem richtigen Frühwarnsystem müßte man auf ein unabhängiges satellitengestütztes Intranet gehen, das absolut ausfallsicher ist und keinerlei Verzögerungen hat.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital.de</span>: Gibt es ein eMail oder SMS Katastrophenwarnsystem das, in Verbindung mit einem Frühwarnsystem, vor Tsunamis warnen könnte? Wäre damit eine solche Katastrophe vermeidbar?</p>
<p>
                            <span class="fett">Winfried Hanka</span>: Es gibt bisher nur japanische und US-amerikanische Tsunamiwarnsysteme im Pazifik. Diese warnen zwar auch im Internet, aber die Warnung der (eigenen) Bevölkerung erfolgt direkt, z.B. über Radio und Fernsehen oder durch Lautsprecherdurchsagen. Ob es dort auch einen allgemeinen Email- oder SMS-Service gibt, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich bezweifel es aber.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital.de</span>: Denkt man sich eine automatische &#8220;Internet-Tsunami-Warnmaschine&#8221;, welche Risiken birgt ein solches System? Wäre so etwas denkbar? Könnte also eine zentrale Warn-Website zumindest die gefährdeten Länder mit den notwendigen Informationen versorgen? Oder würde aber die Datenmenge eines globales Netzes permante Fehlwarnungen verursachen?</p>
<p>
                            <span class="fett">Winfried Hanka</span>: Die gefährdeten Länder müssen Teil des Warnsystems sein, sonst hat es wenig Sinn. Und eine Warnung sollte nur dann erfolgen, wenn diensthabende Experten die Ergebnisse des automatischen Systems geprüft haben. Fehlalarme sind wie gesagt ein großes Problem, speziell bei automatischen Systemen. Aber generell gilt, daß je umfassender die Messdatenbasis ist, desto eher können Fehlalarme reduziert werden.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital.de</span>: Vielen Dank für das Gespräch.</p></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Der Tsunami in Südostasien und das Internet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[pnoble]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Jan 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Spendenflut im Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Flutkatastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Katastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Tsunami]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Möglichkeiten des Internet wurden nach dem Eintritt der Flutkatastrophe schnell erkannt und genutzt. Die Einsatzmöglich-keiten von Weblogs und eMail kamen durch die Eigenschaften des Internet schneller zum Einsatz als die klassischen Medien. Phil Noble berichtet, wie das Internet in der unmittelbaren Zeit nach der Flutwelle genutzt wurde]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Die Möglichkeiten des Internet wurden nach dem Eintritt der Flutkatastrophe schnell erkannt und genutzt. Die Einsatzmöglich-keiten von Weblogs und eMail kamen durch die Eigenschaften des Internet schneller zum Einsatz als die klassischen Medien. Phil Noble berichtet, wie das Internet in der unmittelbaren Zeit nach der Flutwelle genutzt wurde</p>
<p><!--break--></p>
<p>
                            <br />
                            <strong>Was im Netz bisher geschah<br />
                            <br /></strong><br />
                            <br />Mit jedem neuen Beitrag im Netz wird die Gnadenlosigkeit des südostasiatischen Tsunami noch deutlicher. Das am schlimmsten betroffene Indonesien musste seine Todeszahlen drastisch nach oben korrigieren, was nach den Angaben von Reuters zu einem Anstieg der Todesfälle in den zwölf Nationen im gesamten pazifischen Raum auf mehr als 150 000 führte. Obwohl die Sturmflut sich gelegt hat, wird vor einem deutlichen Anstieg der Todesfälle durch eine<br />
                            <a href="http://www.reuters.com/newsArticle.jhtml?type=topNews&amp;storyID=7207349&amp;src=eDialog/GetContent&amp;section=news" target="_blank" rel="noopener noreferrer">mangelhafte Hilfe</a> für die Überlebenden gewarnt.</p>
<p>„Bis zu 5 Millionen Menschen sind gegenwärtig nicht in der Lage ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen“, gibt David Nabarro, der Leiter eines Krisenteams der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu bedenken. Erst langsam rollt die weltweite Hilfe als Antwort auf die Katastrophe an. Von Beginn an haben sich viele Freiwillige aus der Online-Welt dazu verpflichtet, Informationen für diejenigen bereitzustellen, die auf der Suche nach Antworten und Hilfe sind.</p>
<p>Blogs und eMails waren die erste Antwort und zeigten die Schutzlosigkeit der Menschen und die Auswirkungen des Tsunami</p>
<p>Die ersten Augenzeugenberichte aus Gebieten, in denen das Wasser über die Ufer trat kamen von einzelnen Usern per eMails und Weblogs; und für eine kurze Zeit waren sie die einzig vorhandene Informationsquelle, weil die Mainstream-Medien die verwüsteten Gebiete erst nach dem Abzug des Wassers erreichen konnten.</p>
<p>Ein solches Beispiel sind die eMail-Auszüge von Robert Stenehiem (gefunden auf der Webseite der<br />
                            <a href="http://seattletimes.nwsource.com/html/localnews/2002132497_bob28m.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Seattle Times</a>), ein in Seattle ansässiger und handelnder Seemann. Als der Tsunami auf die Küste traf war er im Urlaub in Phuket.</p>
<p>„Etwas sehr seltsames ist gerade passiert. Ich habe gerade in einem Restaurant nur einen Block vom Strand gefrühstückt. Halb fertig, bemerkte ich einen riesigen Exodus vom Strand, einen starken Verkehr von Fahrrädern und Autos in Höchst geschwindigkeit“, schrieb Stenehiem in seiner ersten eMail.</p>
<p>Die<br />
                            <a href="http://www.reuters.com/newsArticle.jhtml?type=topNews&amp;storyID=7207349&amp;src=eDialog/GetContent&amp;section=news" target="_blank" rel="noopener noreferrer">größte Rolle</a> für die betroffenen Länder spielt das Internet jedoch als Möglichkeit, Hilfsaktionen und Informationen über Vermisste bereitzustellen.</p>
<p>
                              <strong>Der Einzelne wendet sich ans Netz und sucht neue und innovative Antworten</strong>
                            </p>
<p>Schon kurz nach dem das Wasser zurückwich wurden die ersten Online-Aktionen sichtbar. In den meisten Fällen wurden sie von gewöhnlichen Menschen getragen, die durch die Nutzung des Internets Außergewöhnliches leisteten.</p>
<p>Eine der bedeutendsten Online-Hilfsaktionen wurde durch eine Gruppe von Online-Freunden ins Leben gerufen, die den „South-East Asia Earthquake and Tsunami blog“ (SEA-EAT) gründeten, ein Sammelsurium an Links über die verschiedensten Wege mit dem Ziel zu zeigen, wie den betroffenen Ländern finanziell und durch Kleiderspenden an Hilfsorganisationen geholfen werden kann.</p>
<p>Die zusammengewürfelte Internetseite und andere alternative Quellen wie beispielsweise<br />
                            <a href="http://www.lonelyplanet.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lonely Planet</a> wurden dafür genutzt, spezielle<br />
                            <a href="http://www.kansascity.com/mld/kansascity/news/nation/10515400.htm?1c" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dienste</a> anzubieten, die größere Mainstream-Seiten nicht bieten konnten, wie beispielsweise die Suche nach Vermissten Personen und kleinere Spendenaktionen.</p>
<p>Unzählige Beispiele zeigen, dass Einzelne sich über Online-Communities zusammenschlossen um irgendwie zu helfen. So auch Pim, ein Blogger aus San Franzisco, der sich als Übersetzer für thailändische Webseiten anbot und sogar zusagte, im Auftrag von Freunden und Verwandten in thailändischen Krankenhäusern anzurufen.</p>
<p>In Italien, so berichtet<br />
                            <a href="http://www.reuters.com/newsArticle.jhtml?type=internetNews&amp;storyID=7200252" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Reuters</a>, hilft ein italienischer Schuljunge auf seiner Webseite, die zuvor den Simpsons gewidmet war, die durch die Tsumami Katastrophe im Indischen Ozean Vermissten aufzuspüren. Valerio Natale, ein vierzehnjähriger Schuljunge berichtet von zwei Vermissten italienischen Urlaubern – Dario Collodi und Liliana Giordanino – die dank seiner Einträge auf der Webseite bereits gefunden wurden.</p>
<p>Für einige Familien ist das Internet sogar zur Erlösung geworden, berichtet<br />
                            <a href="http://www.nola.com/national/t-p/index.ssf?/base/news-0/1104389908103580.xml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Times-Picayune</a>. Chat Groups und Foren sind virtuelle Markplätze für diejenigen geworden, die sprichwörtlich auf der anderen Seite der Welt sind und mit anderen in Kontakt treten möchten.</p>
<p>Obwohl Blogger und einzelne Individuen in vielen Fällen die Hauptakteure bei<br />
                            <a href="http://service.spiegel.de/cache/international/0,1518,334850,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Hilfsaktionen</a> sind, haben auch NGO’s und organisierte Akteure ihre Vorteile aus der Nutzung des Internets gezogen.</p>
<p>
                              <strong>Online Organisationen stellen ihre Webseiten dem Krisenmanagement und der Soforthilfe zur Verfügung</strong>
                            </p>
<p>In einer ausgesprochen kurzen Zeit ist das Netz zu einem überdimensionalen &#8216;Krisenmanagement-Netz’ geworden. Online Händler, Diskussionsforen, Suchmaschinen, politische Parteien, Nachrichtenanstalten &#8211; nahezu alle Organisationen machen &#8216;etwas&#8217;’.</p>
<p>Ein großangelegter Aufruf zur Online-Spende wurde am Montag in die Netzwelt gesandt, als Amazon.com begann seine Webseite für eine Hilfsaktion des amerikanischen Roten Kreuzes für Tsumani-Flutopfer zu benutzen. Der Houston Chronicle berichtet, dass während der ersten vier Stunden mehr als 315 000 US-Dollar gesammelt wurden. Bis Mittwoch Abend hatten über 53 000 Menschen mehr als 3 Millionen US-Dollar gespendet. Bis Freitag stieg die Zahl noch mal auf 9 Millionen US-Dollar an.</p>
<p>Der in Seattle beheimatete Versandhändler benutzte seine Webseite bereits nach den Terroranschlägen von New York am 11 September 2001 dafür, Spenden für das amerikanische Rote Kreuz zu bewerben. Es kamen dadurch 6,8 Millionen US-Dollar zusammen. Das Rote Kreuz veröffentlichte Donnerstag, dass Online-Spenden die normalerweise durch Telefonsammlungen eingegangenen Mittel um<br />
                            <a href="http://www.chron.com/cs/CDA/ssistory.mpl/business/2969404" target="_blank" rel="noopener noreferrer">das Doppelte</a> überstiegen. Google setzte ebenfalls einen Link auf seine Startseite der &#8216;Wege zur Hilfe der Tsunami-Opfer’ zusammenfasst. Ein weiterer Klick bringt die Nutzer auf eine Seite mit Hilfsorganisationen, die von Unicef über Oxfam bis hin zu Amazon.com reichen, so die Washington Post.</p>
<p>Auf der Startseite von America Online (AOL) konnten Spender gestern Links zur Katastrophenhilfe durch &#8216;Network for Good’ finden. Diese internetbasierte gemeinnützige Organisation wurde 2001 zusammen von AOL, Cisco Systems und Yahoo gegründet. Auch die Startseite von<br />
                            <a href="http://www.apple.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Apple</a> ist den Spendenaufrufen der Hilfsaktion gewidmet.</p>
<p>Der<br />
                            <a href="http://www.newsday.com/business/ny-bzweb294098681dec29,0,7520349.story?coll=ny-business-headlines" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wunsch</a>, online zu spenden ist beeindruckend. „Wir konnten dieses Mal die größte jemals erhaltene Zahl von Online-Spenden verbuchen“, sagt Kris Torgeson, Sprecherin der Ärzte ohne Grenzen. Ausläufer der Spenden erreichten sogar Webseiten außerhalb des gewöhnlichen Fokus. &#8216;Catholic Relief Services’ wurde von Internet Traffic so überrannt, dass die Webseite zusammenbrach.</p>
<p>Eine neue Art der eBay Nutzung ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Menschen alles erdenkliche Geben.<br />
                            <a href="http://www.auctiondrop.com/QuakeRelief.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">AuctionDrop.com</a>, in Kooperation mit UPS, erlaubt es Nutzern Gegenstände mit einem Mindestverkaufswert von 75 US-Dollar und mehr abzugeben. Diese werden anschließend auf eBay versteigert, und alle Gewinne fließen an die Südostasien-Katastrophenhilfe von CARE.</p>
<p>                            <strong>Das Netz stellt eine unmittelbare Verbindung für Regierungen mit ihren überall auf der Welt verstreuten Bürgern dar</strong></p>
<p>Auch Urlauber waren unter jenen, die überrascht wurden. Fast 5000 Ausländer – die Hälfte aus Schweden und Deutschland – werden noch immer vermisst, viele davon in Thailand, wo bereits 710 Tote registriert wurden. Viele Regierungen wendeten sich rasch dem Internet zu, um neue Wege zu finden, wie sie mit ihren Bürgern auf den abgelegenen Inseln kommunizieren können. Auch Verwandte und Bekannte von jenen, die nach dem katastrophalsten jemals dokumentierten Tsunami vermisst werden, nutzen das Internet auf der Suche nach Angehörigen. In Hong Kong, Singapur, Australien, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Schweden &#8211; überall kämpfen sich Menschen durch Namenslisten von Opfern und durch virtuelle Schwarze Bretter um nach ihren Geliebten Ausschau zu halten. Und für eine handvoll Glücklicher führt das Internet tatsächlich zur Wiedervereinigung der Familien.</p>
<p>Ein zweijähriger schwedischer Junge, der benommen und alleine am Straßenrand in einem vom Tsunami verwüsteten Thai-Resort saß, wurde am Dienstag mit seinem Onkel zusammengebracht, der das Bild des Kindes im Internet entdeckte.</p>
<p>Viele Webseiten von Regierungen haben indes Namenslisten von Opfern der Katastrophe veröffentlicht. Die thailändischen Behörden alleine haben drei Webseiten eingerichtet:<br />
                            <a href="http://www.phuketitcity.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">phuketitcity.com</a>,<br />
                            <a href="http://www.disaster.go.th/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">disaster.go.th</a>,<br />
                            <a href="http://www.narenthorn.or.th/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">narenthorn.or.th</a>. Von den hunderten von Suchanzeigen, die hier veröffentlicht wurden, enthielten nur<br />
                            <a href="http://www.reuters.com/newsArticle.jhtml?type=internetNews&amp;storyID=7206530&amp;src=eDialog/GetContent&amp;section=news" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wenige</a> gute Neuigkeiten. Auf der Webseite der BBC hinterließen Dutzende eine Suchanzeige. Wieder andere sandten Kurznachrichten per SMS über den gesamten Kontinent, in der Hoffnung, die Vermissten zu finden, schreibt<br />
                            <a href="http://msnbc.msn.com/id/6766709/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">MSNBC</a>. In Schweden und Dänemark stellten Mobilfunkunternehmen für 48 Stunden Mobiltelefonate nach Südostasien gratis zur Verfügung, um es den Überlebenden zu vereinfachen, mit ihren Familien Kontakt aufzunehmen. Die schwedischen Unternehmen versandten darüber hinaus SMS an alle in Schweden registrierten Handys in Thailand und riefen die Besitzer dazu auf, sich bei ihren Familien oder der schwedischen Botschaft zu melden.</p>
<p>
                              <strong>NGO’s werden in der Nutzung des Internets bei Krisen professioneller</strong>
                            </p>
<p>Die Katastrophe mit globalen Auswirkungen könnte ein &#8216;neues Zeitalter’ bei der Nutzung des Internets durch NGO’s und andere gemeinnützige Organisationen im Katastrophenfall einläuten. Über Jahre hinweg hat das Internet bereits als Ausgangspunkt für Hilfsaktionen von internationalen Organisationen gedient. Die Organisationen haben sich in zunehmendem Maße den guten Willen jener zu Nutze gemacht haben, die über einen Anschluß an die neue Technologie haben. Das weltweite Wachstum des Internets könnte aber mit dieser Katastrophe einen wirklichen Beginn einer weltumspannenden Antwort auf Katastrophen durch NGO’s und gemeinnützige Organisationen sein.</p>
<p>                            <a href="http://www.technewsworld.com/story/39323.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tech News World</a> bereichtet von den jüngsten Ereignissen: „Nach den Anschlägen vom 11. September nutzen unzählige Gruppen und Firmen das Internet um Spendenaktionen zu koordinieren und Spenden für die Opfer zu sammeln.“ In jüngster Vergangenheit konnte das Rote Kreuz nach der Hurricane-Serie des Sommers wieder einen Anstieg der Online-Spenden für die Opfer feststellen. Dabei häuften sich Traffic und Spenden jeweils nach den jeweiligen Verwüstungen der einzelnen Stürme. Martin sieht die Spendenbereitschaft für den Verwüstung bringenden Tsunami als dem Ausmaß der Katastrophe angemessen an. Während die tropischen Stürme des Sommers innerhalb von zehn Tagen 19 Millionen US-Dollar einbrachten, konnte die Tragödie in Sudostasien in nur drei Tagen bereits 18 Millionen US-Dollar sammeln, berichtet Martin.</p>
<p>Unglücklicherweise handelt es sich nicht um die erste Katastrophe, von der die Menschen vor den Bildschirmen ihres Computers erfahren und auf die sie durch Spenden reagieren. Bereits nach den Terrorangriffen vom 11. September wuchs die Bereitschaft, online zu spenden. Verantwortliche von Hilfsorganisationen sagen allerdings, dass die Höhe der Online-Spenden stark angestiegen ist.</p>
<p>Das malaysische Nachrichtenportal<br />
                            <a href="http://star-techcentral.com/tech/story.asp?file=/2004/12/29/technology/9767868&amp;sec=technology" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Star-Tech Central</a> schreibt, dass das „Erdbeben und die Tsunami-Katastrophe das erste Ereignis seiner Art ist, das Blogger, Amateurfilmer und Hobby-Journalisten umfassend und direkt aus dem Katastrophengebiet einfangen, meist aus ihrem eigenen Hinterhof.“</p>
<p>
                            <a href="http://www.poynter.org/column.asp?id=31&amp;aid=76292" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Madan Rao</a>, ein Medienberater aus Banaglore in Indien, berichtet darüber hinaus, dass „fast genau vor einem Jahr ein tödliches Erdbeben den Iran erschütterte und auch damals das Internet von einer großen Anzahl von internationalen Nachrichtensender und Hilfsorganisationen dazu benutzt wurde, um Neuigkeiten zu verbreiten, den Informationsaustausch über Vermisste zu erleichtern und die Hilfsaktionen zu koordinieren.“</p>
<p>
                              <strong>Die Dunkle Seite – Online spenden, mit der Vorsicht vor Betrügern</strong>
                            </p>
<p>Die US-Bundesbehörden haben bereits seit dem 11. September Versuche unternommen, um gegen Betrugsversuche bei Spendenaktionen vorzugehen. Der &#8216;Patriotic Act’ erhöhte die Gefängnisstrafe für jene, die sich als Mitarbeiter des Roten Kreuzes ausgeben von einem auf fünf Jahre. Auch Internet-Nutzer sind sicherheitsbewusster geworden, obwohl falsche Hilfsorganisationen mehr denn je versuchen, über das Internet Spenden zu erschwindeln, so die<br />
                            <a href="http://www.nysun.com/article/6960" target="_blank" rel="noopener noreferrer">New York Sun</a>.</p>
<p>Wenn sie daran zweifeln, ob eine Organisation vertrauenswürdig ist, kontaktieren sie das nationale Verbraucherministerium, denn hier müssen sich alle eingetragen haben. Spender können ebenfalls durch einen Besuch bei<br />
                            <a href="http://charitywatch.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">charitywatch.org</a>, der Webseite des &#8216;American Institute for Philanthropy’, eine Liste von empfohlenen Wohltätigkeitsorganisationen für die Tsunami Hilfsaktion einsehen. Behörden raten Online-Spender dringend dazu, gegenüber Email-Spendenaufrufen misstrauisch zu sein und sich in jedem Falle eine anerkannte Hilfsorganisation herauszusuchen.</p>
<p class="normal">
                              <strong>Dieser Artikel ist eine gekürzte Übersetzung des &#8220;Special Report: Tsunami And The Web&#8221; von<br />
                              <a href="http://www.polticsonline.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PoliticsOnline.com</a>.<br />
                              <br />Der Text wurde von Richard Fuchs (politik-digital.de) übersetzt.</strong>
                            </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Welle des Voyeurismus im Netz</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/spendenflut-im-internet/netzkulturtsunamiwelle_dowe-shtml-2565/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Jan 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Spendenflut im Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[Flutkatastrophe]]></category>
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		<category><![CDATA[Katastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Tsunami]]></category>
		<category><![CDATA[Amateurvideo]]></category>
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					<description><![CDATA[
                              In der Berichterstattung über die Naturkatastrophe in Südasien eifert das Internet den klassischen Medien nach, statt nach eigenen Wegen in der Berichterstattung zu suchen. Videoclips im Internet befriedigen den Katastrophen-Voyeurismus des Betrachters, sind aber nur eine Verlängerung der TV-Berichterstattung. Andere Katastrophengebiete geraten aus dem Blickfeld, und dafür ist auch das Internet verantwortlich.
                            ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
                              <strong>In der Berichterstattung über die Naturkatastrophe in Südasien eifert das Internet den klassischen Medien nach, statt nach eigenen Wegen in der Berichterstattung zu suchen. Videoclips im Internet befriedigen den Katastrophen-Voyeurismus des Betrachters, sind aber nur eine Verlängerung der TV-Berichterstattung. Andere Katastrophengebiete geraten aus dem Blickfeld, und dafür ist auch das Internet verantwortlich.</strong>
                            </p>
<p><!--break--></p>
<p>Die Tsunami-Katastrophe in Südasien kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Internet weitgehend ähnlich fahrlässig mit der Katastrophe umgeht, wie die klassischen Medien. Innerhalb von Tagen sind andere Krisenregionen komplett von der medialen Bühne verdrängt worden. Zur Erinnerung: Rund 24.000 Menschen verhungern täglich auf der Erde, allein 6.000 sterben täglich weil sie keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Doch die Bilder von verhungernden Menschen besitzen nicht im entferntesten den spektakulären Nachrichtenwert wie Amateurvideos von der Riesenflutwelle. Auch das Internet fällt auf diese Mechanismen der Mediengesellschaft gnadenlos herein, etwa, wenn erste Websites kommentarfrei und massenhaft Amateurvideos zum Download<br />
                            <a href="http://source.candc.mirror.unitedemailsystems.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">anbieten</a> oder wenn Weblogs mit packenden Augenzeugen-Berichten aufgelistet<br />
                            <a href="http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3939310_TYP6_THE3919208_NAV_REF1_BAB,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">werden</a>.</p>
<p>Eine Aufrechnung von Todeszahlen mit anderen Katastrophen mutet schnell makaber an. Dennoch ist zu fragen, warum sich heute kaum noch jemand an den Hurricane Mitch 1998 (10.000 Tote), die Schlammlawine in Venezuela 1999 (30.000 Tote), das Erdbeben in Bam 2003 (40.000 Tote) oder andere<br />
                            <a href="http://www.neweconomics.org/gen/uploads/igeebque0l3nvy455whn42vs19102004202736.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Katastrophen</a> erinnert. Immerhin: Das Internet macht die Erinnerung leichter – wenn man danach sucht.</p>
<p>Die aktuelle Naturkatastrophe unterscheidet sich vor allem durch zwei Dinge von anderen Katastrophen, die das Geschehnis erst zum „Event“ für die Medien werden lassen: Zum einen sind in den betroffenen Gebieten überdurchschnittlich viele Ausländer betroffen, so dass diese Katastrophe auch für viele Menschen in der westlichen Hemisphäre näher als sonst erscheint. Zum anderen sind massenhaft Bilder von der Katastrophe vorhanden, weil Amateurfilmer ihre hochgerüsteten Digi-Cams oder Handys gnadenlos auf das Meer richteten, während ihre Angehörigen bereits um ihr Leben liefen. Und diese Bilder verbreiten sich dank des Internet rasant über den Globus und finden schnell ihren Weg in die Sender. Die Katastrophe fast als Live-Event. Erst durch die Sendung dieser unterschiedlichen Bild-Bits wird die Betroffenheit erzeugt, die jetzt zum beispiellosen Spendenaufkommen führt. Allein deshalb focussiert sich die Berichterstattung derzeit immer noch stark auf Thailand – dort waren die meisten Ausländer, dort wurde die Katastrophe am besten dokumentiert.<br />
                            </p>
<p>Auch die unzähligen Weblogs, in denen Augenzeugen ihre Berichte veröffentlichen, sind ähnlich unreflektiert, wenn nicht im größeren Zusammenhang gesehen. Das voyeuristische Auge des Mediennutzers erfreut sich an den Geschichten der nochmal Davongekommenen, erzeugt Betroffenheit und eine bislang nicht dagewesene potenzielle Nähe mit Opfern über Kommentarfunktionen und e-Mail-Austausch. Doch die Menschen in anderen Hungerzonen verfügen nicht über die Technik, noch über die Kraft, ihre Geschichten personalisiert im Weblog erfahrbar zu machen. Und: der Sekundenschrecken einer Riesenwelle ist leichter darzustellen, als das stille und lange Leiden eines Hungernden. Einziges Argument für Weblogs: In einigen Ländern korrigieren die Weblogger die beschönigenden Regierungsdarstellungen vor Ort und schaffen damit dann eben vielleicht doch so etwas wie eine<br />
                            <a href="http://www.faz.net/s/RubF7538E273FAA4006925CC36BB8AFE338/Doc%7EE0CDB8852EF2644B2A42C8EB1576446FA%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gegenöffentlichkeit</a>.</p>
<p>Die Presse sieht nun bereits das Jahr der Vlogger (Video-Blogger)<br />
                            <a href="http://online.wsj.com/public/article/0,,SB110470611254614746,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">heraufziehen</a>, da tausende von Videos im Netz kursieren. (<br />
                            <a href="http://www.thelastminute.typepad.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.thelastminute.typepad.com</a>;<br />
                            <a href="http://www.boingboing.net" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.boingboing.net</a>;<br />
                            <a href="http://www.waveofdestruction.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.waveofdestruction.org</a>). Der Weg der Videos in die Redaktionsstuben wird wie eine Heldentat gefeiert, (jlgolson.blogspot.com), gelobt wird zudem, dass die Internet-Bilder ungeschnitten im Netz einsehbar sind. Stolz wird von 640.000 Downloads eines bestimmten Videos auf der Seite<br />
                            <a href="http://www.jlgolson.blogspot.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">jlgolson.blogspot.com</a> berichtet. Warum ein Dreiminutenvideo der Katastrope medientheoretisch interessanter sein soll, als ein fünf Sekunden langer Ausschnitt, bleibt im Dunkeln. Die Netz-Öffentlichkeit will die klassischen Medien wie in einem Wettbewerb schlagen, ohne einen eigenen Zugang, eine eigene Form der Aufbereitung zu suchen.</p>
<p> Gleichzeitig erscheint es fast unmöglich, diesen neuen Zugang zu finden.Die Medien, auch Online-Medien wie politik-digital.de, können sich derzeit dem Sog der Bilder und Augenzeugen-Berichte kaum entziehen. Und die Sender und Websites werden weiter Bilder und Texte veröffentlichen, solange exklusives Material auf den Markt geworfen wird. Es gibt auch den richtigen Text zur falschen Zeit – derzeit würde man mit einem Dossier über die Sahel-Zone kaum auf Aufmerksamkeit stoßen. Und von Aufmerksamkeit lebt die Medienökonomie. „Only bad news are good news“ – so funktioniert eben der Medienreflex.</p>
<p>Was bleibt, ist die Erwartung, dass nach der ersten Schockwelle nun doch ein genaueres Auge auf andere Regionen geworfen wird, die vergessenere und weniger sichtbare Katastrophen erleben. Wenn etwa Deutschland sich mit seinem Vorschlag eines Schuldenmoratoriums für diese Länder durchsetzt, stehen die Chancen nicht schlecht, dass weitere Länder das gleiche für sich fordern &#8211; und Argumente auf ihrer Seite haben werden, denen sich die Gläubigerländer dann nicht mehr entziehen können. Auch die Hilfsorganisationen haben derzeit die Möglichkeit, ihre Notwendigkeit und die Kraft der Zivilgesellschaft vor Augen zu führen. Das mag motivieren, sich zu engagieren und für andere Schicksale zu interessieren.</p>
<p>Das Internet muss auch bei der Berichterstattung über Naturkatastrophen die Rolle einer Gegenöffentlichkeit gezielt anstreben – und einen Kontrapunkt zu Spendengalas auf SAT1 und CNN-Live-Berichterstattung im Stil der MTV-Rotation setzen wollen. Das mag weniger quotenträchtig sein; aber es verhindert, dass sich immer größere Teile des Internet schlicht in den Dienst einer bestehenden Medienökonomie stellen und dieser unkritisch nacheifern.</p>
<p>
                              <strong>Christoph Dowe ist Geschäftsführer von pol-di.net e.V. / politik-digital.de</strong>
                            </p>
<p class="normal">
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			</item>
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		<title>Indien hofft auf neue Medien &#8211; zu Recht?</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/spendenflut-im-internet/netzkulturtsunami_internetindien101-shtml-2723/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Jan 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Spendenflut im Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
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		<category><![CDATA[Indien]]></category>
		<category><![CDATA[Internetnutzer]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
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					<description><![CDATA[
                              Das Internet ist das wichtigste Instrument der Globalisierung von Medien und Kommunikationsmitteln in Indien. Um den Umgang Indiens mit dem Internet zu analysieren, müssen zwei Ebenen untersucht werden: die Ebene des Staates und die der Gesellschaft.
                              Der indische Staat hat sich stets dafür engagiert, durch eine Vielzahl von Maßnahmen ein Umfeld zu schaffen, das der Förderung des Internets im öffentlichen und privaten Bereich dient.
                            ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
                              <strong>Das Internet ist das wichtigste Instrument der Globalisierung von Medien und Kommunikationsmitteln in Indien. Um den Umgang Indiens mit dem Internet zu analysieren, müssen zwei Ebenen untersucht werden: die Ebene des Staates und die der Gesellschaft.<br />
                              <br />Der indische Staat hat sich stets dafür engagiert, durch eine Vielzahl von Maßnahmen ein Umfeld zu schaffen, das der Förderung des Internets im öffentlichen und privaten Bereich dient.</strong>
                            </p>
<p><!--break--></p>
<p class="fett">Unterstützung des indischen Staates</p>
<p>Mit der Ernennung einer Telekommunikations-Kommission initiierte die indische Regierung im Jahr 1984 die landesweite &#8220;New Computer Policy&#8221;. Dadurch öffnete sich die Sphäre der Massenkommunikation für private und fremde Investitionen. Die landesweite Kampagne bewirkte durch das Erscheinen des<br />
                            <a href="http://www.rediff.com/money/2003/jul/16spec.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">STD/ISD Booth</a> die Intensivierung des Fernsprechwesens in städtischen und ländlichen Gebieten. Zehn Jahre später wurde die nationale Telekommunikations-Kommission durch die „Telecom Regulatory Authority of India“ (TRAI) ersetzt. Durch unterstützende Maßnahmen der TRAI entstanden so genannte &#8220;joint sectors’ multinationaler Konzerne im Kommunikationssektor. Der Bereich der &#8220;Computer-Software-Aktivitäten&#8221; wurde in Bezug auf Devisen in weniger als zehn Jahren zum wirtschaftlich wichtigsten Bereich Indiens.</p>
<p>Die staatliche Förderung von Computern und Internet innerhalb der Regierung, im Geschäftssektor, im Erziehungsbereich und der Unterhaltungsindustrie bescherte der indischen IT-Industrie eine Wachstumsrate von 40% pro Jahr. Heute existieren Webseiten aller großen indischen Zeitungen, Universitäten, NGOs, Geschäftskonzerne, Regierungsabteilungen und einer Vielzahl weiterer öffentlicher Institutionen. Über 2.000 Computer-Ausbildungs-Zentren wurden Im ganzen Land eingerichtet. Diese qualifizieren seit 1994 jährlich 55.000 Berufstätige mit einer abgeschlossenen Computer-Ausbildung. Laut der „National Association of Software and Service Companies of India“ (NASSCOM) basierten die Entscheidungen für die Maßnahmen des Ministeriums für Informationstechnologie auf Prognosen, die einen immensen Wachstum an Internetnutzern (von 17.000 im November 1998 auf über 1 Million im Juni 2000) voraussagten. Zudem wurde prognostiziert, dass es bis 2003 elf Millionen Internetverbindungen und 23 Millionen Internetnutzer geben würde. Diese Prognose hat sich mittlerweile bewahrheitet.</p>
<p class="fett">Reaktion der indischen Gesellschaft</p>
<p>Ende März 2004 wurden in Indien 31 Millionen Internetnutzer registriert. Doch wer gehört zu den hauptsächlichen Nutzern des Internet innerhalb der indischen Gesellschaft? Welche Funktionen erfüllt das Internet für die Nutzer? Was sind die kulturellen und politischen Auswirkungen des Internets in Indien?</p>
<p>Glaubt man den ersten Untersuchungen Ende der 90erJahre, kamen die anfänglichen Internetnutzer aus den oberen und mittleren gesellschaftlichen Schichten. Der typische Internetnutzer lebte in der Stadt, war jung, gebildet, männlich und hatte leichten Zugang zu Computern an seiner Ausbildungsinstitution oder an seinem Arbeitsplatz. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2002 ergab allerdings erstens, dass nur 68% der Internetnutzer unter 30 Jahren alt waren, der Rest jedoch älter. Zweitens zählten etwa 60% zu den Besserverdienenden (über 10.000 Rupies [über 200 €] Einkommen pro Monat), während 40% der Nutzer weniger Einkommen bezogen. Drittens ergab die Untersuchung, dass das Internet von 90% der Bevölkerung für Kommunikation, von 50% zur Information, von 43% zum chatten, und von 27% bzw. 23% zur Unterhaltung und zum arbeiten genutzt wurde.</p>
<p>Gleichzeitig kann argumentiert werden, dass das Internet den gebildeten und mobilen gesellschaftlichen Klassen neue Möglichkeiten eröffnet hat, während sich bereits existierende gesellschaftliche Ungleichheiten in den Kategorien Klasse, Kaste, Geschlecht und Region verschärft haben. Das Internet hat keinen bedeutsamen Einfluss auf Arme und Analphabeten innerhalb der indischen Gesellschaft. Das bedeutet, das Internet beschleunigt den Prozess der postkolonialen Modernisierung, ohne einen bedeutsamen Einfluss auf existierende Machtbeziehungen zu nehmen.</p>
<p>Es ist interessant, dass das Internet als letzte Stufe der Modernisierung von Information und Kommunikation in der indischen Gesellschaft akzeptiert wird. Es wird außerdem als Indikator von Modernität und Mobilität anerkannt. Das Wissen um die Nutzung von Computern und Internet gilt mittlerweile als Status-Symbol.<br />
                            <br />Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass das dörfliche Indien das Internet und Computer als Möglichkeit für Modernisierung und Entwicklung aufgenommen hat. Die modernen Technologien werden von der Dorfgemeinschaft als Schnittstelle zwischen Lokalität und Globalität behandelt: Die Technologien kamen über Regierungs-Programme in die Dorfgemeinschaften. Die Regierung nutzt das Internet für eGovernment, die Händler für eCommerce. Die Dorfjugend, vor allem ihre männlichen Mitglieder, hält sich vorzugsweise auf Seiten zu Musik, Film und Unterhaltung auf. Das Internet hat also im Moment zwei Hauptfunktionen für das Leben der indischen Nutzer: erstens die Intensivierung von Lokalität im Hinblick auf die Alltagskommunikation und –Interaktion und zweitens die Vergrößerung des Informationspools jenseits nationaler und kultureller Grenzen.</p>
<p>Wie kann also der Einfluss des Internets im Kontext des indischen Modernisierungs-Projektes bewertet werden? Ende 2000 war Neu Delhi mit 3.190.616 Anschlüssen zum „cyber hub“ Indiens aufgestiegen. Diese Anzahl von Anschlüssen war drei Mal größer als die der Bundesstaaten Bihar, Madhya Pradesh, Rajasthan und Uttar Pradesh zusammen genommen. Trotz des wachsenden Abstands zwischen den führenden Städten und den zurückbleibenden Staaten wird erwartet, dass sich die Anschlusszahlen innerhalb der kommenden fünf Jahre alle sechs Monate verdoppeln. Das wären zehn Prozent der indischen Bevölkerung.</p>
<p>Das Internet ist also Vorbote eines Zeitalters, in dem die Informationstechnologie revolutioniert werden wird. Durch die Expansion des Internets in nahezu alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens hat das indische Modernisierungs-Projekt die Hürde zur Informationsgesellschaft überschritten. Modernisierung wird jenseits von „Westernization“ in Regierung, Wirtschaft, Bildung und Unterhaltung gefördert. Während durch das Internet einerseits homogene Informationen empfangen werden, fördert es gleichzeitig – mit Cyber Cafes, Internet-Netzwerken und eMail-Interaktionen &#8211; die Heterogenität von Kulturen. Für viele Internetnutzer bedeutet die Internet-Verbindung die erste Berührung als Individuum mit der Globalität. Diese Tatsache könnte für eine Gesellschaft, die mit den Herausforderungen der De-Kolonialisierung, Modernisierung, Identitäts- und Nationenbildung im Zeitalter der Globalisierung konfrontiert ist auf verschiedene Art und Weise sehr bedeutsam sein.</p>
<p class="fett">Dr. Manjula Rathaur ist Präsidentin des „Centre for Applied Sociology“ auf dem Vasant Kanya Mahavidyalaya – Campus der Banaras Hindu Universität in Varanasi, Indien und unterrichtet dort Soziologie. Als Gastdozentin war sie in Evanston (USA), Paris und Freiburg. Ihre speziellen Forschungsinteressen umfassen Medien und Gesellschaft, Frauen und Technologie sowie sozialer Wandel in ländlichen Gebieten.</p>
<p>Der Text wurde übersetzt von Ruth Streicher</p>
<p class="fett">
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			</item>
		<item>
		<title>Tsunami-Flutkatastrophe lässt virtuelle Kassen klingeln</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/spendenflut-im-internet/netzkulturtsunami_spendenflut101-shtml-3011/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[kfischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Jan 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Spendenflut im Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Flutkatastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Tsunami]]></category>
		<category><![CDATA[Hilfsorganisation]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Fundraising]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Spende]]></category>
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					<description><![CDATA[Neue Rekorde bei Online-Spenden in Deutschland: Unicef knackt erstmals die zwei Millionen Euro Grenze, was 20 % aller Spenden sind. Das DRK meldet 500.000 Euro übers Internet, die Welthungerhilfe 400.000 Euro. Werden Online-Spenden in Deutschland jetzt doch noch salonfähig?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Neue Rekorde bei Online-Spenden in Deutschland: Unicef knackt erstmals die zwei Millionen Euro Grenze, was 20 % aller Spenden sind. Das DRK meldet 500.000 Euro übers Internet, die Welthungerhilfe 400.000 Euro. Werden Online-Spenden in Deutschland jetzt doch noch salonfähig?</p>
<p><!--break--></p>
<p class="normal">„Sehr geehrter Spender, sehr geehrte Spenderin, unser Online-Spendenmodul ist zur Zeit nur eingeschränkt nutzbar, da unser System überlastet ist. Wir hoffen, Ihnen diese Spendenmöglichkeit ab morgen wieder zur Verfügung stellen zu können. Vielen Dank für Ihr Verständnis!“</p>
<p>Auf diese Meldung stößt schon seit Silvester, wer versucht, bei der „<br />
                            <a href="http://aktion-deutschland-hilft.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Aktion Deutschland hilft</a>“ (ADH), einem Bündnis von zehn deutschen Hilfsorganisationen, online zu spenden. Nicht nur die Spenden in Deutschland insgesamt schlagen alle Rekorde – bis zum 4.01.05 über 50 Mio. Euro allein in Deutschland – sondern auch die Online-Spenden. Noch nie wurde in Deutschland so häufig und so viel im Internet gespendet, wie als Antwort auf diese Naturkatastrophe.</p>
<p>So sind bei der „Aktion Deutschland hilft“ (ADH) zwölf Mio. Euro über den Spendenaufruf und über zehn Mio. Euro durch die Sat.1-Gala am 3.01.05 eingegangen.<br />
                            <a href="http://www.unicef.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Unicef</a> und das<br />
                            <a href="http://www.drk.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deutsche Rote Kreuz</a> melden bisher jeweils zehn Mio. Euro und die<br />
                            <a href="http://www.deutsche-welthungerhilfe.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Deutsche Welthungerhilfe</a> knappe 7 Mio. Euro an Spenden für ihre wichtige Arbeit in den Katastrophengebieten. Von den Spendeneinnahmen gingen bisher zwei Mio. bei Unicef, eine halbe Mio. Euro beim DRK und 400.000 Euro bei der Welthungerhilfe über das Internet ein. Damit konnte Unicef 20% aller Spenden über das Internet einwerben. Normal sind in der Katastrophenhilfe Größenordnungen von etwa 5%, die über das Internet eingehen. Zusätzlich konnte Unicef durch einen E-Mail-Spendenaufruf über 150.000 Euro einnehmen.</p>
<p>Auch in Österreich wird von Rekordeinnahmen über Online-Spenden<br />
                            <a href="http://www.networld.at/index.html?/articles/0453/542/101658.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">berichtet</a>. So habe die Aktion &#8220;Nachbarn in Not&#8221; innerhalb von 36 Stunden die Summe von 520.000 Euro über Online Spenden erhalten; allein das Österreichische Rote Kreuz erhielt 80.000 Euro. &#8220;So eine Dimension beim Online-Spenden hat es noch nie gegeben&#8221;, sagte Michael Opriesnig, Kommunikations- und Marketingchef des Österreichischen Roten Kreuzes. In der Schweiz wurde<br />
                            <a href="http://www.toponline.ch/area-1.rub-119.art-48043.tce" target="_blank" rel="noopener noreferrer">berichtet</a>, dass erstmals mehr als 50.000 Menschen bei der „Glückskette“ für die Flutkatastrophe gespendet hätten.</p>
<p>Auch die anderen Hilfswerke berichten über einen starken Anstieg der Zugriffe auf ihre Websites, die mit Online-Spenden einher gehen. So berichtet<br />
                            <a href="http://www.aerzte-ohne-grenzen.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ärzte ohne Grenzen</a> von bis zu fünf Spendeneingängen pro Minute, ohne deren Höhe im Moment quantitativ auswerten zu können.</p>
<p>Auch die Zugriffe auf die Websites der Organisationen steigen stark an. Allein Unicef verzeichnete in sieben Tagen über 180.000 abgerufene Seiten. Dabei kamen 42,5% der Besucher direkt auf die Homepage der Organisation, 42% über Links von anderen Websites und etwa 13,5% von Suchmaschinen.</p>
<p>Das Internet ist somit auch im Fundraising ein immer wichtigerer Kanal geworden. Mittlerweile werden, nachdem die Förderer Transaktionen im Netz immer mehr vertrauen, auch Spenden über die Websites der jeweiligen Organisationen in nennenswerter Höhe eingeworben. Ist dies der Durchbruch im deutschen Online-Fundraising?</p>
<p>Die Frage wird so einfach nicht zu beantworten sein. So unterliegt Fundraising in Katastrophenfällen einer Reihe von Besonderheiten: Menschen werden über die starke suggestive Kraft der Bilder emotional so stark angesprochen, dass sie ein Ventil suchen, um ihrer Emotionalität Ausdruck zu verleihen. Die darauf folgende Spende hat eine wichtige psychische Funktion, zeigt sie doch die Empathie, zu der Menschen fähig sind. In dieser Situation ist das Internet eine einfache und komfortable Möglichkeit, mit diesem emotionalen Druck umzugehen. Die Websites stehen prinzipiell – sieht man von den wenigen Zusammenbrüchen der Webserver aufgrund des hohen Traffics einmal ab – immer zur Verfügung und um eine Spende zu tätigen, muss in der Regel nur ein Formular ausgefüllt und abgeschickt werden. Fertig. Den Rest, d.h. den Einzug der Spende vom Konto der Spender, übernimmt dann die Spendenorganisation.</p>
<p>Wie der TNS Emnid-Spendenmonitor jedes Jahr auf’s Neue aufzeigt, sind Spenden auf Katastrophen der häufigste Spendenanlass. Dabei sind die Hilfsorganisationen auf die Berichterstattung der Fernsehsender und auch der Internet-Medien angewiesen. Sie produzieren und verbreiten die emotionalen Bilder, die notwendig sind, um den Wunsch zur Spende auszulösen. Ob sich Online-Spenden auch für die Aufbau-Projekte durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Hierfür lassen sich sehr viel weniger Menschen zu einer Spende bewegen, obwohl Aufbauprojekte in den ärmsten Regionen des Katastrophengebiets noch auf Jahre unserer Hilfe bedürfen.</p>
<p>Es gibt noch weitere Faktoren, die berücksichtigt werden müssen. Aufgrund der Beliebtheit der überfluteten Regionen als Reiseziele für Europäer sind neben den Einwohnern auch die Urlauber von der Naturkatastrophe betroffen. Viele Menschen, die heute spenden, waren bereits an den Orten und haben eine besondere Beziehung zu Land und Leuten. Als Urlauber, die wir alle auch sind, haben wir im Grunde genommen Glück gehabt, jetzt nicht betroffen zu sein. Es hätte auch uns, unsere Familien und unsere Freunde treffen können. Dies sind sicherlich Motive, welche zusätzlich Spenden mobilisieren.</p>
<p>Damit ist anzunehmen, dass für die Tsunami-Opfer auch Menschen spenden, die sonst nicht zu den klassischen Spendergruppen gehören. Wie der TNS Emnid-Spendenmonitor zeigt, spenden vor allen Dingen Frauen, Menschen über 60 Jahre und mit einer höheren formalen Ausbildung. Diese Gruppen gelten als nicht besonders internetaffin, auch wenn die Zahl der Internetnutzer in dieser Gruppe überproportional ansteigt. Urlauber in diesen Regionen sind in der Regel jedoch deutlich jünger und verfügen in der Regel über ein höheres Einkommen. Diese eher internetaffine Gruppe kann mit den emotionalen Bildern dieser Katastrophe angesprochen und zum Spenden bewegt werden.</p>
<p>Förderer, welche auf Naturkatastrophen mit Spenden reagieren, binden sich normalerweise nur schwer an eine Organisation. Sie spenden, wenn ein Ereignis eintritt, haben sonst aber kaum Beziehungen zu den Organisationen und deren sonstigen Leistungen.<br />
                            <br />Somit stellt sich erneut die Frage nach dem Durchbruch des Online-Spendens: Fundraising auf Katastrophen wird zunehmend über das Internet abgewickelt werden. Hier steht mit dem Internet ein einfacher und komfortabler Responsekanal zur Verfügung, der von den Spendern zunehmend auch genutzt wird. Einige Förderer werden hier Erfahrungen machen, die sie auf die Kommunikation mit ihrer Organisation insgesamt übertragen werden. Hieraus jedoch die Schlussfolgerung zu ziehen, dass auch für andere Anliegen Online-Spenden stark zunehmen werden, ist auf Grundlage der derzeitigen Entwicklung verfrüht. Dies wird sich nur dann einstellen, wenn die spendensammelnden Organisationen das Internet als Kommunikationskanal verstehen und in seinen spezifischen Eigenarten zu nutzen lernen.</p>
</p>
<p>
                              <strong>Kai Fischer ist Geschäftsführer und Marcus Beck freier Mitarbeiter der auf Online-Fundraising spezialisierten Agentur<br />
                              <a href="http://www.amm-gmbh.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">AMM GmbH</a> in Hamburg. AMM GmbH realisiert seit über sieben Jahren für verschiedene Organisationen Internet-Kommunikation und erstellt Konzepte für Fundraising-Projekte im Internet und zu Multi-Channel-Fundraising. Kai Fischer ist Fachautor und Referent auf verschiedenen Kongressen, Tagungen und Weiterbildungen im Fundraising.</strong>
                            </p>
<p class="normal">
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