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	<title>Voice of Civil Europe: &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Voice of Civil Europe: &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Deutsche wollen erweitern, Holländer buchhalten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Dec 2002 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Voice of Civil Europe:]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Erweiterung]]></category>
		<category><![CDATA[Föderation]]></category>
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					<description><![CDATA[Ergebnisse der Online-Umfrage Votes &#38; Quotes von politik-digital.de zur EU-Erweiterung, an der 559 Deutsche und Holländer teilgenommen haben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ergebnisse der Online-Umfrage Votes &amp; Quotes von politik-digital.de zur EU-Erweiterung, an der 559 Deutsche und Holländer teilgenommen haben.<!--break-->
                    </p>
<p>Holländer haben weniger Probleme mit dem Beitritt eines Landes mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung zur EU als Deutsche. Deutsche haben dafür weniger Probleme mit der EU-Erweiterung im Allgemeinen. Eine große Mehrheit der Deutschen und Holländer wünscht sich eine Föderation als Staatsform für Europa in der Zukunft.</p>
<p>Am 12. und 13. Dezember 2002 beraten die europäischen Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen über der Erweiterung der EU. Um auch die Meinungen der ‘normalen’ Bürger zu hören, hat<br />
                    <a href="http://www.democratisch-europa.nl" target="_blank" rel="noopener noreferrer">The Voice of Civil Europe</a>, ein Projekt von drei Organisationen, die Umfrage ‘Erweitern oder Scheitern’ durchführen lassen. Teilnehmer konnten entweder bei jeder Frage aus drei oder vier Antworten (Votes) wählen, oder selber eine Antwort (Quote) eingeben. In den<br />
                    <a href="http://www.politiek-digitaal.nl" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Niederlanden</a> nahmen 170, in<br />
                    <a href="/index.shtml">Deutschland</a> 182 und auf der deutschsprachigen<br />
                    <a href="http://www.europa-digital.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Europa-Webseite</a> haben 207 Besucher an der Umfrage teilgenommen. Diese letzte Gruppe werden wir im folgenden die ‘Europäer’ nennen.</p>
<p>
                    <strong>Holländer sind Buchhalter</strong><br />
                    <br />Etwa 60 Prozent der Niederländer meinten, dass die neuen Länder nicht beitreten dürfen, wenn ihre Finanzhaushalte nicht in Ordnung sind. Das ergaben die Antworten auf die Frage, ob Länder auch zugelassen werden sollen, wenn ihr Beitritt zu weiterem Kaufkraftverlust führen würde. Es gibt hier einen auffälligen Unterschied zwischen Holländern und ihre östlichen Nachbarn. Deutsche und Europäer sind flexibeler: 60 Prozent sind der Meinung, dass der Beitritt überhaupt nichts mit Preissteigerungen zu tun habe. Die Europäer haben kaum Angst vor Kaufkraftsverlust: 85 Prozent sagen, dass die neuen Länder einfach beitreten sollten.<br />
                    <br />Hat die niederländische Rigidität vielleicht etwas damit zu tun, daß sie als einziges Land die Stabilitätskriterien unter drei Prozent halten wollen?</p>
<p>
                    <strong>‘Will die Türkei eigentlich überhaupt Europa zugehören?’</strong><br />
                    <br />Bei den letzten Parlamentswahlen in der Türkei hat überraschend die gemäßigt-islamische Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) unter Reçep Tayyip Erdogan. gesiegt. Passt ein Land mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung aber überhaupt in die EU? Auf die Frage, ob es jetzt noch möglich sei, der Türkei eine Beitrittsperspektive zu geben, antworteten 60 Prozent der Holländer mit Ja. Dagegen fanden 64 Prozent der Europäer aber, dass der Sieg einer islamischen Partei ein falsches Signal sei. Diese Teilnehmer fürchten, dass die Türken ihren kulturellen Hintergrund wichtiger finden als die sogenannte “europäische” Kultur. 70 Prozent der Deutschen haben kein Problem mit einem türkischen Beitritt, aber 50 Prozent wünschen, dass für die Türkei unbedingt die finanziellen und wirtschaftlichen Beitrittskriterien gelten sollen. Ein Europäischer Besucher hatte allerdings Zweifel an den Motiven des Beitrittskandidaten: ‘Will die Turkei eigentlich überhaupt Europa noch zugehören?’</p>
<p>E<br />
                    <strong>uropäische Volkswanderung</strong><br />
                    <br />Was sind die Folgen der Erweiterung für den Arbeitsmarkt in den heutigen Mitgliedsländern? Darüber waren sich die Befragten nicht einig. Auf allen Seiten wurde in Quotes mitgeteilt, dass es schwer vorauszusehen sei, was passieren wird. Vielleicht blieben die Ost-Europäer im eigenen Land, weil die wirtschaftlichen Perspektiven dort besser werden. Vielleicht wollen sie aber die neue Freizügigkeit nutzen, um anderswo Arbeit zu finden. 36 Prozent der Holländer erwarten eine Zunahme der Arbeitsmigration und lehnen diese ab, weil es schon so viele Problemen mit der Integration gäbe. Fast die Hälfte der Deutschen ist der Ansicht, dass nicht allzu viele Menschen ihre Heimat verlassen werden, da der EU-Beitritt den neuen Ländern neue Perspektiven gäbe. Ein Europäischer Besucher war optimistisch: “Der notwendige Umbau unseres Arbeitsmarktes wird durch die Erweiterung beschleunigt. Der Arbeitsmarkt muss flexibler werden, hoch subventionierte Arbeitsplätze haben auch ohne Erweiterung keine langfristige Zukunft.”</p>
<p>
                    <strong>Streng zu uns selber</strong><br />
                    <br />Sind die wirtschaftlichen und finanziellen Kriterien für die Kandidaten zu streng? Die Mehrheit der Deutschen (67 Prozent) und 42 Prozent der Europäer meinten, dass strenge Kriterien der beste Garant für einen stabilen Europäischen Markt wären. Ein Holländer schrieb, dass die Kriterien in den heutigen wirtschaftlich schlechten Zeiten noch strenger sein sollten. ‘”Ohne wirtschaftlichen Erfolg wird die benötigte Legitimität der EU nie entstehen”. Eine Minderheit fand die Kriterien zu streng. Ein Deutscher schrieb: “Ja, wenn schon Deutschland einen blauen Brief bekommt&#8230;”.</p>
<p>
                    <strong>Kein Einheitsbrei, sondern eine Föderation</strong><br />
                    <br />Die Teilnehmer der Umfrage sind sich eining in der Beantwortung der Frage, wie die Europäische Union in Zukunft aussehen sollte. Europa soll eine Föderation werden. Eine große Mehrheit bevorzugt diese Option einem “Superstaat” oder einer “Zusammenarbeit”. In einer Föderation sollte dann zwar gemeinsam die Politik gestaltet werden, wie die Außen- und Sicherheitspolitik und die Wirtschaftspolitik. Aber genau wie in den USA sollte den Mitgliedern Raum gelassen werden für eigene Politik und eigenem Stil. Ein deutscher Besucher nannte schon einige Mottos: “Föderation mit gewollten Unterschieden. Es darf keinen Einheitsbrei geben, der durch Verwaltungen gelähmt ist. Weniger Staat, mehr Freiheit!”</p>
<p>
                    <strong>Voice of Civil Europe</strong><br />
                    <br />Die Ergebnisse dieser Umfrage werden auf einer internationalen Konferenz in Amsterdam am 12. Dezember präsentiert. Diese Veranstaltung wird organisiert von “The Voice of Civil Europe” und findet gleichzeitig zum EU-Gipfel in Kopenhagen statt. Das Ziel von<br />
                    <a href="/edemocracy/netzkampagnen/voiceeu1.shtml" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Voice</a> ist es, die Debatte über die Zukunft Europas auch außerhalb der Europäischen Institutionen zu führen und eine breite öffentliche Diskussion der Bürgerinnen und Bürger anzuregen.</p>
<p>
                      <a href="http://www.europa-digital.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.europa-digital.de</a><br />
                      <br />
                      <a href="/index.shtml">www.politik-digital.de</a><br />
                      <br />
                      <a href="http://www.politiek-digitaal.nl" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.politiek-digitaal.nl</a><br />
                      
                    </p>
<p>
                    </p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 12.12.2002</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                      
                    </p>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die kulturellen Grenzen Europas sind nicht klar zu definieren</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/voice-of-civil-europe/netzkampagnenvoiceeu2-shtml-2573/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Nov 2002 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Voice of Civil Europe:]]></category>
		<category><![CDATA[Atzo Nicolai]]></category>
		<category><![CDATA[Euro-Einführung]]></category>
		<category><![CDATA[Stabilitätspakt]]></category>
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		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Interview mit Atzo Nicolai, Staatssekretär für Europäische Angelegenheiten im niederländischen Außenministerium.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Interview mit Atzo Nicolai, Staatssekretär für Europäische Angelegenheiten im niederländischen Außenministerium.<!--break-->
                    </p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong><br />
                    <br />Wir wollen über die Vergrößerung der EU sprechen. Meine erste Frage bezieht sich auf kulturelle Aspekte. Die EU ist ja nicht nur ein wirtschaftliches oder politisches Projekt, sondern auch ein kulturelles. Was sind Ihre Hoffnungen und Befürchtungen im Hinblick auf die Erweiterung der EU? Welche kulturellen Inspirationen bekommen Sie/wir von diesen Ländern?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Die Frage der Erweiterung der EU sollte man aus einer gewissen Distanz betrachten. Es dreht sich hierbei um eine historische und kulturelle Entwicklung. Ich glaube, momentan wird versucht, Europa in gewisser Weise wiederzuvereinen. Wir hatten bereits Perioden eines mehr oder weniger vereinten Europas. Natürlich gab es immer das Paradoxon Europas als kulturellem Phänomen, dass nämlich die Essenz der europäischen Kultur in ihrer Vielfältigkeit liegt. Denn was ist die Essenz einer Sache, wenn die Essenz Vielfältigkeit bedeutet?<br />
                    <br />Interessant ist, dass wir in Europa auf einer abstrakten Ebene eine geteilte und gemeinsam erlebte Geschichte haben, auch wenn es historische Unterschiede und unterschiedliche Einstellungen, Bräuche und unterschiedliche kulturelle Hintergründe gibt. Damit haben wir zwei Ebenen, das ist meiner Meinung nach einer der spannendsten Aspekt Europas. Wenn man ein Stadium erreichte, in der alle Menschen in Europa zwei Identitäten besitzen, eine nationale und ein europäische, so wäre das eine großartige Sache. Vielleicht wären diese zwei Identitäten sogar besser als lediglich eine europäische Identität.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Was ist mit den Grenzen dieser Identität – Beispiel Türkei. Gehört auch die Türkei zu Europa? Europa ist mehrheitlich „christlich-abendländisch“ geprägt. Ist die Mitgliedschaft islamisch-gläubiger Menschen ein Problem oder eine Herausforderung für Europa?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Das ist ein schwieriges Thema. Die kulturellen Grenzen Europas sind nicht klar zu definieren. Einerseits sehe ich die Türkei in kultureller Hinsicht nicht als uneuropäisch an, doch gleichzeitig ist sie auch nicht im „Zentrum“ Europas. Das heißt, sie ist gewissermaßen am Rand. Aus kultureller Perspektive ist ein Mitgliedschaft der Türkei sicherlich möglich . Ganz im Gegenteil, wenn man die Werte betrachtet, die nun in der Türkei zumindest diskutiert, jedoch auch mehr und mehr implementiert werden, so muss man sagen, die Türkei ist relativ europäisch.<br />
                    <br />Ich gehöre nicht zu denen, die sagen: Das ist zuwenig europäisch, zuwenig christlich und zuviel Islam. Ich glaube auch nicht, dass das das eigentliche Problem ist. Die Diskussion dreht sich eigentlich um die Werte, die wir in Europa teilen. Meiner Meinung nach teilen wir bereits viele Werte in Europa und die EU teilt viele mit der Türkei. Aber wir müssen auch erkennen, dass es noch Differenzen gibt. Es gibt ein gutes Beispiel für den eingeschlagenen Reformweg, nämlich die Todesstrafe in der Türkei. Die Todesstrafe ist &#8211; mit Ausnahme von Kriegszeiten – abgeschafft worden. Aber es gibt noch einiges zu tun, aber mehr auf der praktischen Ebene als auf kultureller Ebene, so dass man nicht sagen kann, die Türkei gehöre nicht zu Europa.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Kommen wir zu einem anderen Aspekt – dem Stabilitätspakt. EU-Kommisar Romani Prodi hält ja beispielsweise sehr wenig davon, in Deutschland will man ihn wieder lockern. Die Beitrittsländer müssen während einer zweijährigen Übergangsphase am Europäischen Wechselkurssystem teilnehmen, um die Stabilität der landeseigenen Währung unter Beweis zu stellen. Danach müssen sie die strengen Maastricht-Kriterien erfüllen, um den EURO einführen zu dürfen. Gibt es einen Zweiklassen-Stabilitätspakt?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Ich denke, die Trennlinie liegt eher zwischen den großen und kleinen Ländern und der Frage, wie streng die Stabilitätskriterien ausgelegt werden sollen. Im Moment wird darüber heftig diskutiert. Die Ansicht Frankreichs oder Deutschlands, die Kriterien flexibeler auszulegen, halte ich für unglücklich. Denn die Position der Niederlande und meine ist eindeutig. Alle Länder sollten sich an die gemachten Vereinbarungen halten, egal ob es Luxemburg, Slowenien oder Frankreich ist. Denn für unsere Volkswirtschaften und das Vertrauen in die Politik der EU ist die Einhaltung der Stabilitätskriterien von entscheidener Bedeutung.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Der EURO ist Anfang des Jahres gestartet. Viele Menschen in Deutschland sind von der EURO-Einführung enttäuscht, weil sich vieles verteuert hat. Die neuen Beitrittskandidaten sind wirtschaftlich nicht so stark und nun fürchten sich viele Menschen vor einem weiteren Kaufkraftverlust. Verstehen Sie diese Ängste?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Ja. Auch in den Niederlanden waren viele über den EURO enttäuscht. Die zweite Enttäuschung ist die Diskussion, die wir nun über den Stabilitätspakt führen, beispielsweise die Diskussion in Frankreich und Prodis Kritik. Dadurch gibt es viele Sorgen und Zweifel. Doch ich denke, dass die Sorgen um die Stabilitätskriterien größer sind als jene um den Beitritt der neuen Länder. Und wir wissen, dass der Beitritt zu EU nicht gleichzeitig ein Beitritt zu Eurozone ist. Dadurch gewinnen wir Zeit und Möglichkeiten, eine Stabilitätsgarantie für den EURO zu entwickeln.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Zum Thema Beschäftigung: Wird es zu massiver Einwanderung von Arbeitskräften aus den neuen Mitgliedsländern kommen? Sollte es Übergangsfristen geben, die diese Einwanderung beschränkt oder sollten auch die Neumitglieder von Beginn an die Niederlassungsfreiheit haben?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Nun, einer der essenziellen Aspekte Europas ist der gemeinsame Markt, deshalb kann man Mitgliedsstaaten nicht davon ausschließen. Ich glaube, wenn ein Land in der EU akzeptiert wird, müssen wir auch die daraus entstehenden Konsequenzen akzeptieren.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Es sollte also keine Übergangsfristen bzw. Schutzklauseln geben?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Nicht generell, gibt es doch einen Zusammenhang mit der Diskussion über die Schutzklauseln. Die Niederlande befürworten die Schutzklauseln, d.h. die Möglichkeit, Länder auszuschließen, die gegen EU Interessen verstoßen. Wir sind froh über diesen Vorschlag der Kommission. Doch wir hatten viele Fragen diesbezüglich und auch Ideen, die über den Kommisssionvorschlag hinausgehen. Der letzte EU Gipfel beinhaltet mehr oder weniger unseren Vorschlag, bezüglich der Schutzklauseln weiter zu gehen. Ich glaube, mittlerweile haben wir ein gutes System. Damit haben wir eine guten Weg gefunden, den Beitrittskandidaten zu sagen: „Gut – ihr seid in den meisten Bereichen beitrittsfähig, doch noch nicht in allen Aspekten. Also schließen wir euch in einige Aspekten aus.“ Das gibt uns die Handlungsoption, die Niederlassungsfreiheit von Arbeitnehmern einzuschränken, ohne das prinzipielle Recht dazu zu verneinen.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Was ist mit den Agrarsubventionen? Bauer X aus Polen hatte sich schon gefreut. Bald würden sie kommen, die Subventionen, die seine Kollegen im Westen so reichhaltig aus Brüssel erhalten. Doch wird Bauer X noch zehn Jahre ein Bauer zweiter Klasse bleiben. Denn nur schrittweise, bis 2013, gelangen die Landwirte aus den Beitrittsländer an den vollen Satz der EU-Agrarsubventionen. Sind diese Landwirte fit für den Binnenmarkt?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Ja, ich glaube schon. Das wird sich zwar bis 2013 hinziehen, aber dann bekommen sie die gleiche Einkommensunterstützung. Ich glaube, sie habe die Möglichkeit, der Konkurrenz standzuhalten.</p>
<p>                    <strong>politik-digital:</strong> Aber sie bekommen nicht die gleichen Subventionen. Ich glaube daher, dass in diesen Ländern viele Bauern befürchten, dass sie keine faire Chance gegenüber ihren Kollegen in Frankreich etwa haben.</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Ich denke, sie habe eine Chance – vielleicht nicht sofort. Aber, wie Sie vielleicht wissen, sind die Niederlande überhaupt dafür, dieses System der direkten Einkommensunterstützung zurückzunehmen. In diesem Fall hätten wir dann gar kein Problem.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Glauben Sie, dass dieses System auf jeden Fall geändert werden muss?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Ja, absolut! Letzte Woche in Brüssel haben wir lediglich kleine Fortschritte in diesem Bereich erzielt, doch das war trotzdem ein wichtiger Schritt. Das finanzielle Abkommen führt zu einer Senkung der Einkommensunterstützung. Hoffentlich gibt es noch eine Diskussion über den Bericht des Landwirtschaftskommissars Fischler, in der größere Änderungen für das nächste Jahr geplant werden, was wir sehr befürworten. Wir können das auch erreichen – wir haben die Unterstützung Deutschlands, Schwedens, Großbritanniens und anderer Länder, vielleicht auch die der Neumitglieder. Andererseits sind natürlich alle neuen Beitrittskandidaten für das Subventionssystem. Ich hoffe also, dass wir es im nächsten Jahr grundlegend verändern können.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Bezüglich der Position ihrer Partei zur EU-Erweiterung – der Liberalen Partei – gab es in der Presse widersprüchliche Aussagen. Im Rahmen ihrer Regierungsbeteiligung unterstützen sie die EU-Erweiterung. Im Parlament waren dazu von der Liberalen Partei deutlich kritischere Meinungen zu hören. Können Sie dazu bitte stellungnehmen?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Außerhalb der Niederlande gibt es einige Missverständnisse darüber und auch über die Position der Liberalen Partei in den Niederlanden, weil die Liberalen vehemente Befürworter der EU-Erweiterung sind. Andererseits waren die Liberalen sehr strikt bezüglich des Abkommens über die Kopenhagener Kriterien. Das war wichtig für die Liberalen, und betrachtet man die Berichte der Kommission bezüglich der Fortschritte, so haben in vielen wichtigen Themen viele der Beitrittsländer noch Nachholbedarf. Trotzdem ist die Einschätzung der Kommission sehr positiv, da sie annimmt, das alle Probleme bis zum Beitritt gelöst werden können. Das stellt ein Problem dar. Die Liberalen haben darauf hingewiesen, dass Länder, die jetzt noch nicht beitrittsfähig sind, es vielleicht auch zur Zeit des Beitrittes noch nicht sind. Bei genauer Betrachtung muss man momentan sagen, dass nicht alle der Länder völlig beitrittsfähig sind. Das war die Stoßrichtung der Liberalen im Parlament und die Argumentationslinie der Parteispitze.– ich gehöre ja auch den Liberalen an, bin aber nicht im Parlament vertreten.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Welche Länder meinen Sie beispielsweise?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Im Parlament wurden unter anderem Polen, Lettland, Litauen und die Slowakei genannt.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Zum Abschluss eine persönliche Frage: Was ist denn ihre europäische Lieblingsspeise – die neuen Mitgliedsländer eingeschlossen?</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Das ist die schwierigste Frage, die Sie mir stellen: Blinis denke ich.</p>
<p>
                    <strong>politik-digital:</strong> Vielen Dank Herr Nikolai!</p>
<p>
                    <strong>Atzo Nicolai:</strong> Bye.</p>
<p></p>
<table cellpadding="2" width="146" border="0">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#FFCC33">
<div class="tidy-2">Erschienen am 07.11.2002</div>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>
                      
                    </p>
<p>                    <!-- Content Ende --></p>
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			</item>
		<item>
		<title>The People vs. Europe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Nov 2002 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Voice of Civil Europe:]]></category>
		<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Erweiterung]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerbeteiligung]]></category>
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					<description><![CDATA[Europa ist nicht unbedingt beliebt bzw. 'in'. Nicht nur bei nationalen Politikern, sondern auch bei den Bürgern wird die Entwicklung der EU kritisch beobachtet. Ursache dafür ist auch die Art und Weise, mit der Europäische Institutionen und nationale Regierungen die Bürger über das Thema EU informieren.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Europa ist nicht unbedingt beliebt bzw. &#8216;in&#8217;. Nicht nur bei nationalen Politikern, sondern auch bei den Bürgern wird die Entwicklung der EU kritisch beobachtet. Ursache dafür ist auch die Art und Weise, mit der Europäische Institutionen und nationale Regierungen die Bürger über das Thema EU informieren.<!--break--></p>
<p>
Ein gutes Beispiel dafür ist die Webseite der <a href="http://europa.eu.int/yourvoice">EUropäischen Kommission</a>: Es werden zwar Fragen an den Besucher der Seite gestellt, um Ihn so zur Mitwirkung anzuregen, aber gleichzeitig werden bereits ‘Antworten’ gegeben. Die Kommunikation orientiert sich aber überwiegend an den Interessen der EU-Institutionen, anstatt die Interessen der EUropäischen Bürger stärker zu berücksichtigen.
</p>
<p>
<b>Voice of Civil Europe</b><br />
<br />
Drei niederländische Organisationen versuchen daher, Bürger auf eine andere Art und Weise für ihre EUropäische Regierung zu interessieren. Der Verein Demokratisch Europa (<br />
<a href="http://www.democratisch-europa.nl%20">VDE</a>), die European Foundation on Social Quality (<br />
<a href="http://www.socialquality.nl%20">EFSQ</a>) und das Forum für Demokratische Entwicklung (<br />
<a href="http://www.forumdemocratie.nl">FDO</a>) gründeten vor zwei Jahren das Project Voice of Civil Europe. Ziel ist eine demokratische Kontrolle der Vertretung der Bürgerinteressen zu organisieren. Voice stellt nicht die Institutionen, sondern die Menschen und Ihre Interessen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Nicht mit Hochglanz- Informationen, sondern mit Debatten und Umfragen soll die politische Bürgerbeteiligung angeregt werden, die online wie offline stattfinden werden.
</p>
<p>
<b>Die Konferenz in Amsterdam zur EU-Erweiterung</b><br />
<br />
Am 12. Dezember, der Tag, an dem der für die Erweiterung entscheidene EU-Gipfel in Kopenhagen stattfindet, organisiert Voice parallel zum EU-Gipfel eine Konferenz in Amsterdam. Themen sind die verschiedenen Aspekte der Erweiterung der EU, beispielsweise Ängste der Bürger in und um die Entwicklung Europas, die Entwicklung einer Europäischen Identität oder die Ausgestaltung einer Europäischen Verfassung. Workshops, Debatten und Filme werden auf Englisch angeboten. Ein Höhepunkt soll ‘The People vs. Europe’ (das Aufstellen von Forderungen der Bürger an die EU-Institutionen) sein. Der ‘Umsetzungsprozess’ wird dann im Jahr 2003 beginnen.
</p>
<p>
<b>Input für die Konferenz seitens pol-di.net</b><br />
<br />
Mit dem Einsatz der Debattensoftware Votes &amp; Quotes liefern die Redaktionen von pol-di.net e.V.ihren Beitrag zum Projekt Voice. Auf den drei Webseiten (<br />
<a href="/index.shtml">www.politik-digital.de</a>,<br />
<a href="http://www.europa-digital.de">www.europa-digital.de</a> und<br />
<a href="http://www.politiek-digitaal.nl">www.politiek-digitaal.nl</a> ) wurden Besucher nach ihrer Meinung zu verschiedenen Themen bezüglich der EU-Erweiterung gefragt. Zudem hatten Sie die Möglichkeit, eigene Diskussionsbeiträge zu schreiben. In Kürze werden wir Ihnen die Ergebnisse mitteilen. Diese werden die Grundlage für die Diskussionen der Voice-Konferenz im Dezember bilden.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Quo vadis EU?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[clegner]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Nov 2002 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Voice of Civil Europe:]]></category>
		<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Erweiterung]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Konvent]]></category>
		<category><![CDATA[Niedersachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Osterweiterung]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Senff]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wsenff.jpg" alt="Petra Pau" align="left" height="95" width="71" /></b></span>
</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/wsenff.jpg" alt="Petra Pau" align="left" height="95" width="71" /></b></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Herzlich Willkommen im Chatraum von europa-digital.de und politik-digital.de!<br />
Gemeinsam mit der Niedersächsischen Staatskanzlei und dem Europäischen<br />
Informations-Zentrum Niedersachsen (EIZ Niedersachsen) laden wir Sie in<br />
den folgenden 60 Minuten zum Chat ein! Unser Gast ist Wolfgang Senff,<br />
Niedersächsischer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten.<br />
Herr Senff ist zudem stellvertretendes Mitglied im Konvent zur Zukunft<br />
Europas, der seit Februar 2002 tagt. Die Arbeit des Konvents soll hier<br />
auch das Hauptthema der kommenden Stunde sein. Wie soll Europa aussehen?<br />
Was kann der Konvent bewirken? Diese und weitere Fragen können heute<br />
gestellt werden. Weitere Informationen zu Herrn Senff finden Sie übrigens<br />
auf seiner <a href="http://www.wolfgang-senff.de/">Homepage</a>. Nun aber<br />
erst einmal: Guten Tag nach Hannover! Sind Sie bereit, Herr Senff?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Guten Tag, Berlin! Ich hoffe, wir haben eine spannende Stunde miteinander.<br />
Viel Spaß!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Eine erste Frage von uns vorab, Herr Senff: Warum brauchen wir einen EU-Konvent?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Die Europäische Union muss sich auf ihre Zukunft vorbereiten; das<br />
heißt, auf eine Mitgliedszahl von mindestens 25 Ländern. Dazu<br />
brauchen wir eine neue Zielbestimmung und neue Abstimmungsverfahren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Ein guter Teil der bei uns bereits eingegangenen Fragen beschäftigt<br />
sich mit der Türkei, daher würde damit gerne einsteigen. Hier<br />
die erste Frage:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>jonas:</b><br />
Wie ist Ihre Position zu dem Wahlsieger der Türkei, welcher ursprünglich<br />
sowohl gegen die EU, wie auch die NATO Politik gemacht hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Ich kann Ihnen nicht zustimmen, dass sich die jetzige Mehrheitspartei<br />
in der Türkei gegen Europa definiert hat. Im Gegenteil: Herr Erdogan<br />
hat immer klar gesagt, dass er für eine europäisch orientierte<br />
Türkei eintritt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sanchez:</b><br />
Herr Senff, glauben Sie, dass die deutsche Unterstützung für<br />
einen türkischen EU-Beitritt ein Votum durch die Bürger hat?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Es gibt keine deutsche Unterstützung für einen EU-Beitritt der<br />
Türkei. Der Bundeskanzler ist lediglich der Meinung, dass der Beitrittswunsch<br />
der Türkei nicht zu einer Hängepartie werden darf. Ich bin ganz<br />
sicher, dass in der heutigen Situation eine Volksabstimmung in den meisten<br />
europäischen Ländern und auch in Deutschland gegen einen Türkeibeitritt<br />
zur EU ausgehen würde.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>DaPhnE:</b><br />
Unter welchen Bedingungen kann die Türkei der EU beitreten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:<br />
</b>Es gibt zwei Diskussionsfelder. 1. Der geopolitische Ansatz.<br />
Das heißt, wir müssen die Türkei weiterhin in einem europäischen<br />
Sicherheitssystem halten. 2. Der gesellschaftliche und ökonomische<br />
Ansatz, also die Frage, ob die EU heute schon ökonomisch in der Lage<br />
ist, 70 Millionen weitere Einwohner zu verkraften, die nur einen Bruchteil<br />
des EU-Durschnitts-Einkommens in ihrem Lande erarbeiten. Damit ist klar,<br />
die Türkei muss sich ökonomisch weiter nach vorne entwickeln.<br />
Hinzu treten alle Fragen einer durchgreifenden und durchgängigen<br />
Demokratisierung der türkischen Gesellschaft. Die Türkei hat<br />
sich dort auf den Weg gemacht, ist aber bei weitem noch nicht am Ziel<br />
angekommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>EuroMan:</b><br />
Der Wahlsieger Erdogan fordert aber ein &quot;konkretes Datum&quot; für<br />
die EU-Beitrittsverhandlungen. Wird man dem in Kopenhagen entsprechen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Das kann man nur schwer vorhersagen. Ich persönlich rate davon ab,<br />
der Türkei Hoffnungen über ein konkretes Datum zu machen, solange<br />
in den Gesellschaften der europäischen Mitgliedsstaaten keine politische<br />
Mehrheit für einen EU-Beitritt zu erlangen ist. Das hätte enttäuschende<br />
und gravierende Wirkungen auf die Türkei selbst. Ich empfehle, diesen<br />
ganzen Prozess mit mehr Offenheit und Ehrlichkeit zu steuern.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Ich werde noch zwei, drei Fragen zum Thema zulassen, dann zu einem weiteren<br />
Themenfeld gehen. Bitte haben Sie Verständnis, dass nicht alle Fragen<br />
veröffentlicht werden können; es sind zu viele.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>DaPhnE:</b><br />
Was meinen Sie mit &quot;die Türkei weiterhin in einem europäischen<br />
Sicherheitssystem halten&quot;? Bewahrung der Menschenrechte und Schutz<br />
von Minderheiten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff</b>:<br />
Das europäische Sicherheitssystem wird durch die Nato begründet.<br />
Dort ist die Türkei ein unverzichtbarer und zuverlässiger Partner.<br />
Den müssen wir um jeden Preis erhalten. Die Frage der Menschenrechte<br />
und Schutz vor Minderheiten habe ich unter dem Stichwort &quot;Demokratisierung&quot;<br />
beantwortet.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Schiller Hameln:</b><br />
Sollte nicht die Türkei als strategisch-kulturell wichtiger Staat<br />
besser gefördert werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Wir fördern die Türkei heute schon strategisch militärisch.<br />
Gerade mit Deutschland gibt es einen massiven kulturellen Austausch. Allerdings<br />
stimme ich Ihrer unausgesprochenen Annahme zu, dass die Akzeptanz der<br />
türkischen Kultur in Deutschland noch förderungsbedürftig<br />
ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Wir bleiben beim Thema Erweiterung, wenden uns aber nun einer<br />
anderen Region zu.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>GO:LF: </b>Guten<br />
Tag Herr Senff, meine Frage wäre, was die Osterweiterung Europas<br />
für Konsequenzen für Niedersachsen haben wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:<br />
</b>Der Gewinn der Erweiterung besteht zunächst in Sicherheit,<br />
Frieden und Wohlstand für das erweiterte Europa. Also auch für<br />
Niedersachsen. Niedersachsen rückt in die zentrale geopolitische<br />
Lage, die wir heute schon wirtschaftlich nutzen. Das sehen wir z.B. an<br />
den vielen Logistikzentren, die sich bei uns neu ansiedeln.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>meci:</b><br />
Verliehrt Niedersachsen Subventionen durch die Osterweiterung der EU?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Das ist zu vermuten. Allerdings erst in vier Jahren. Bis dahin müssen<br />
wir unsere Unternehmen durch ein neues Fitnessprogramm auf die kommende<br />
Konkurrenz vorbereiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>AnSuMiSa:</b><br />
Mit welchen Einschränkungen muss das Land Niedersachsen durch die<br />
Osterweiterung rechnen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Das ist schwer vorherzusagen. Im wesentlichen wird es um die traditionelle<br />
Fonds-Förderung der Europäischen Union gehen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Oglum:</b><br />
Sehr geehrter Herr Senf, denken Sie nicht das durch die Osterweiterung<br />
den Deutschen mehr Arbeitsplätze durch die Polen weggenommen werden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Unterm Strich glaube ich nicht, denn es gibt beschränkende Zuzugsregelungen<br />
bis ungefähr 2011. Andererseits ist schon heute der Warenaustausch<br />
zu unseren Gunsten dramatisch gestiegen. Also werden Arbeitsplätze<br />
durch polnische Einkäufe bei uns gesichert.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Eine Nachfrage zur Antwort auf &quot;meci&quot;.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Schiller Hameln:</b><br />
Wer soll dieses neue &quot;Fitnessprogramm&quot; bezahlen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Ein solches Programm gibt es bereits. Insbesondere für kleinere und<br />
mittlere Betriebe. Es besteht aus mehreren Teilen, die aus Mitteln der<br />
EU des Bundes und des Landes finanziert werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>AnSuMiSa:</b><br />
Welches osteuropäische Land ist Ihrer Meinung nach beitrittsfähig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Die Kommission hat nach gründlicher Recherche zehn Kandidatenländer<br />
von 12 als beitrittsfähig deklariert. Ich habe keinen Zweifel an<br />
der Richtigkeit der Entscheidung.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>der schlaue<br />
fuchs:</b> Nach welchen Kriterien wurden diese bestimmt?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Nach Kriterien der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, der gesellschaftlichen<br />
Entwicklung insbesondere der Demokratisierung und nach der Fähigkeit,<br />
EU-Recht umzusetzen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Sa_lo:</b><br />
Und welche Länder sind das?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Polen, Ungarn, Tchechien, Slowenien, Slowakai, Malta, Zypern, Estland,<br />
Littauen und Lettland.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Dorothée:</b><br />
Und warum sind die anderen beiden Länder nicht beitrittsfähig?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Weil sie die oben genannten Kriterien nicht erfüllen. Insbesondere<br />
die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Das sind Rumänien und<br />
Bulgarien.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>K. Kieseheuer:<br />
</b>Wie sollen die Bürger eigentlich von der Osterweiterung<br />
überzeugt werden? Außer durch diesen Chat &#8211; gibt es eine Strategie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Leider in ganz Europa: Nein. Mit Ausnahme eines kleinen Landes in der<br />
Mitte Europas, das Niedersachsen heißt. Wir sind die einzige Region<br />
in Europa, die eine von der EU und dem Europäischen Parlament und<br />
dem Land bezahlte Kampagne seit Ende 2001 fahren, mit der wir die Bürgerinnen<br />
und Bürger von der Notwendigkeit und den Vorteilen der Erweiterung<br />
überzeugen wollen Informationen im Internet dazu unter: <a href="http://www.europa-wird-bunter.de/">www.europa-wird-bunter.de</a></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>aporü:</b><br />
Sie sagen auf Ihrer Webseite: &quot;Ich weiss, Europa hat ein Imageproblem<br />
und ich will helfen, es zu beseitigen. Nach meiner festen Überzeugung<br />
wird das nicht mit weniger, sondern nur mit mehr europäischer Politik<br />
gelingen.&quot; Was heißt denn das konkret???</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Das heißt, dass Europa klären muss, wer wofür zuständig<br />
ist. Wir müssen klar machen, dass es wichtige Fragen in unseren Gesellschaften<br />
gibt, die wir alleine nicht mehr lösen können. Verteidigung,<br />
Außenpolitik, innere Sicherheit, wirtschaftliche Zusammenarbeit<br />
und vieles andere mehr. Dazu brauchen wir neue Formen, siehe Konvent.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Eine vorerst letzte direkte Frage zur Osterweiterung, danach kommen wir<br />
zum Thema &quot;Konvent&quot;, wir kommen vermutlich auf das Themenfeld<br />
zurück.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>AnSuMiSa:<br />
</b>Wie lange dauert es Ihrer Meinung nach bis die osteuropäischen<br />
Länder (beispielsweise Polen) eine ähnliche Wirtschaftskonjunktur<br />
haben wie die westeuropäischen Länder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Die Konjunktur in Polen ist besser als die in den alteuropäischen<br />
Ländern heute schon. Aber Sie meinen vermutlich, wie lange es dauert,<br />
bis Polen von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit aufgeschlossen<br />
hat. Nach den Erfahrungen aus anderen Beitrittsrunden ist ein Zeitraum<br />
von 15 bis 20 Jahren notwendig.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Nun also zum Konvent. Weiss jeder, was damit gemeint ist? Bitte zuerst<br />
Verständnisfragen!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Renataschule:</b><br />
Was ist ein Konvent?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:<br />
</b>Konvent kommt aus dem Lateinischen und heißt &quot;Zusammenkommen&quot;.<br />
In unserem Fall handelt es sich um den Konvent zur Zukunft der Europäischen<br />
Union. Dort treffen sich aus jedem Mitgliedsstaat mehrere Vertreterinnen<br />
und Vertreter. Die Beitrittsländer sind ebenfalls dabei. Aufgabe<br />
ist, einen europäischen Grundgesetztext zu erarbeiten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Eine Nachfrage zum Wording der Veranstaltung: Wenn der Konvent mit &quot;Zusammenkommen&quot;<br />
übersetzt werden kann&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>WFroschi:</b><br />
Warum schreiben sie dann nicht Zusammenkommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Das müssen Sie die Regierungschefs der westeuropäischen Länder<br />
fragen. Die haben das Ding &quot;Konvent&quot; genannt. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>1337: </b>Sind<br />
sie in die Bildung dieses Konventes involviert?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Ich bin stellvertretendes Mitglied des Deutschen Bundesrates im Konvent.<br />
Die Hauptmitglieder sind Regierungsvertreter Außenminister Fischer,<br />
Stellvertreter von ihm ist Staatsminister Bury. Bundestagsvertreter Herr<br />
Prof. Meyer. Stellvertreter Herr Altmaier. Bundesratsvertreter Ministerpräsident<br />
Teufel, Stellvertreter meine Wenigkeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>K. Kieseheuer:<br />
</b>Wie wird man als Mitglied bestimmt? Warum ist Joschka Fischer<br />
einfach so abgesandt worden?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Die Mitglieder werden von den entsendenden Gremien bestimmt. Herr Fischer<br />
durch die Bundesregierung, die anderen durch Parlament und Bundesrat.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>aporü:</b><br />
Der Rauswurf von Peter Glotz aus dem Konvent war ja ein bisschen überraschend.<br />
Ist Joschka Fischer der bessere Mann? Und was sind eigentlich seine Aufgaben<br />
im Konvent? Bislang war darüber ja recht wenig zu erfahren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:<br />
</b>Herr Glotz ist nicht rausgeschmissen worden, wie Sie das auszudrücken<br />
pflegen. Herr Fischer ist als Außenminister selbstverständlich<br />
für die Europapolitik mitzuständig und kann ein stärkeres<br />
aktuelles Gewicht einbringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:</b><br />
Hier zwei Fragen auf einmal:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Anika &amp;<br />
Jaqueline:</b> Was ist ihr Ziel im Konvent?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>DaPhnE:</b><br />
Als Mitglied des Deutschen Bundesrates, welche Standpunkte vertreten Sie<br />
im Hinblick auf den Konvent?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Als Vertreter des Bundesrates liegt mir besonders daran, die Fähigkeit<br />
der deutschen Länder eigenständige Politik zu machen zu verbessern.<br />
Selbstverständlich bin ich als Europaminister brennend daran interessiert,<br />
den Fortschritt der Europäischen Einigung zu beschleunigen und ihn<br />
dauerhaft zu machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sanchez:</b><br />
Warum gibt es so einen Konvent erst jetzt, nach 40 Jahren EG/EU? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Bislang reichte es aus, die Euroäische Einigung im wesentlichen unter<br />
Mitgestaltung der nationalen Regierungen und des Europäischen Parlamentes<br />
voranzutreiben. Jetzt haben wir eine Größe erreicht, wo wir<br />
uns grundsätzlich neu aufstellen müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Eine Nachfrage zur Teilnahme von Außenminister Fischer.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>K. Kieseheuer:</b><br />
Haben die anderen Mitgliedsländer die Brisanz noch nicht erkannt,<br />
oder warum sind sie nicht so hochrangig vertreten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Ich bitte Sie, diese Frage dort zu stellen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>AnSuMiSa:<br />
</b>Meinen sie, dass eine europäische Gemeinschaft durchführbar<br />
ist, schließlich hat jedes Land doch andere Mentalitäten und<br />
Ansichten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:<br />
</b>Ich bin fest davon überzeugt, dass die gemeinsamen Chancen<br />
und Probleme eine sichere Grundlage für die europäische Zusammenarbeit<br />
bieten. Dabei ist wichtig, dass wir die Eigenarten der Nationen und Regionen<br />
erhalten und fördern. Wir Niedersachsen möchten auch in einem<br />
Europa gerne als Niedersachsen erkennbar bleiben. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Frau Uschi:<br />
</b>Gibt es ein spezielles Interesse Niedersachsens im Konvent?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Neben dem allgemeinen Interesse, das ich schon beschrieben habe, geht<br />
es für uns im wesentlichen darum, in unseren Dörfern, Städten<br />
und im Lande selbst handlungsfähig zu bleiben. Wir glauben nicht,<br />
dass die Europäische Union in viele Politikfelder bis zum letzten<br />
Dorf runterregieren muss. Das können wir selbst besser, denn wir<br />
kennen uns vor Ort besser aus.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>sanchez: </b>Hat<br />
der Konvent einen Zeitplan, bis wann er zu Ergebnissen kommen muss? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Ja, er hat einen Zeitplan. Wir wollen bis Mitte nächsten Jahres zu<br />
Ergebnissen gekommen sein. Wir werden dann &#8211; so hoffe ich &#8211; einen Verfassungsentwurf<br />
vorlegen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Molnar:</b><br />
Welche Ziele werden im Bereich von Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik mit<br />
dem Konvent verfolgt? Zur Zeit entsteht der Eindruck, dass beide Bereiche<br />
zu kurz kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Das sind im wesentlichen Politikfelder, die nach meiner Überzeugung<br />
im Bereich der Mitgliedsstaaten und nicht bei der Europäischen Union<br />
angesiedelt sein müssen. Allerdings gibt es Fragen, die nur im europäischen<br />
Rahmen geregelt und gelöst werden können. Z.B. die vorhin diskutierte<br />
Frage der Freizügigkeit im Arbeitsmarkt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Azkill:</b><br />
Spielen Schüleraustausche eine Rolle im Konvent?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:<br />
</b>Die Austausche selbst nicht. Aber wir haben im Juli dieses Jahres<br />
einen großen Extrakonvent mit der Jugend Europas veranstaltet, der<br />
sich ebenfalls mit der Zukunft Europas beschäftigt hat. Wir selbst<br />
veranstalten in Niedersachsen am 2. Dezember zu dieser Thematik einen<br />
eigenen Jugendkonvent. Informationen dazu im Internet: <a href="http://www.event.eiz-niedersachsen.de/">www.event.eiz-niedersachsen.de</a></span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ben: </b>Wird<br />
es einen Zweiten geben? Kann man sich dafür bewerben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:<br />
</b>Zu den jetzt behandelten Fragen sicherlich nicht. Dieses ist<br />
bereits der zweite Konvent. Ich habe Sie eben missverstanden. Ich spreche<br />
jetzt nicht vom Jugendkonvent, sondern von einem Vorläuferkonvent,<br />
der sich mit Fragen der Grundrechte beschäftigt hat. Einen zweiten<br />
Jugendkonvent wird es in Niedersachsen nicht geben. Aber wir werden in<br />
der Form des Konventes mit der Jugend Niedersachsens weiter die Fragen<br />
der europäischen Einigung diskutieren.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jasmin u.<br />
Nicole:</b> Welche Voraussetzung muss man erfüllen, um am Jugenkonvent<br />
teilzunehmen zu können?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Wir haben die Teilnehmer aus den Mitgliedern von Jugendverbänden<br />
für den Jugendkonvent in Brüssel ausgesucht. Für unseren<br />
Konvent in Niedersachsen am 2. Dezember können Schülerinnen<br />
und Schüler der Sekundarstufe II und Berufsschulen teilnehmen. Nähere<br />
Informationen gibt es unter den o.a. Adresse.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>europameister2:</b><br />
Gibt es eigentlich junge Abgeordnete im Europaparlament? Da sind doch<br />
nur alte Knacker, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:</b><br />
Das Europäische Parlament ist unter der Überschrift &quot;Hast<br />
Du einen Opa, schick ihn nach Europa&quot; gestartet. Diese Zeit ist längst<br />
vorbei. Gerade im Europäischen Parlament gibt es viele junge Frauen<br />
und Männer, die mit Begeisterung ihre Arbeit machen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>azkill:</b><br />
Nehmen am Jugendkonvent auch ausländische Schüler teil? </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:<br />
</b>Natürlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>vicky:</b><br />
Was sagen sie zum schlechtem Abschneiden bei der Pisa-Studie?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:<br />
</b> Wir müssen dringend mehr für die Bildung unserer jungen<br />
Leute machen. Den Eindruck hatte ich allerdings auch schon vor der Pisa-Studie.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wüste:</b><br />
Was sollte ihrer Meinung nach in dem Verfassungsentwurf an erster Stelle<br />
stehen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:<br />
</b>Die Grundrechte, die bereits von dem Grundrechtekonvent im Jahre<br />
2000 erarbeitet wurden, aber noch keine Rechtsgültigkeit haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Jasmin u.<br />
Nicole:</b> Welche berufliche Voraussetzung muss ich haben, um im<br />
europäischen Parlament zu arbeiten?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:<br />
</b>Das kommt drauf an, als was. Auf jeden Fall braucht man eine<br />
sehr ordentliche Fremdsprachenausbildung, die sich auf zwei bis drei Sprachen<br />
bezieht. Nähere Informationen dazu im Internet: www.eiz-niedersachsen.de</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>gaucho: </b>Welche<br />
sind die Amtssprachen im EU-Parlament?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:<br />
</b>Die Sprachen aller Mitgliedsstaaten, allerdings als normale Unterhaltungs-<br />
und Verhandlungssprache hat sich eindeutig die englische Sprache durchgesetzt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>chrima:</b><br />
Was kann ich persönlich dafür tun, die europäische Einigung<br />
voranzubringen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:<br />
</b>Engagieren Sie sich privat und beruflich wo immer Sie können.<br />
Nehmen Sie an Austauschprogrammen teil und pflegen Sie Städtepartnerschaften<br />
und tragen Sie zu Toleranz in der Gesellschaft bei.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Ben:</b><br />
Wie sieht ihre eigene Arbeit für Europa aus. Sind sie überwiegend<br />
in Hannover oder Brüssel? Haben sie einen festen Standort?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:<br />
</b>Mein Hauptstandort ist selbstverständlich Hannover. Von<br />
dort bewege ich mich zwischen Brüssel und Berlin.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Sehr geehrte Damen und Herren! Vielen Dank für Ihre Teilnahme<br />
an unserem Chat! Vielen Dank auch an die Adresse von Minister Senff! Leider<br />
konnten nicht alle Fragen gestellt werden &#8211; es waren zu viele. Weitere<br />
Informationen finden Sie auf den Internetseiten des Ministers. Wir wünschen<br />
allen Beteiligten einen schönen Tag!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Wolfgang Senff:<br />
</b>Ich bedanke mich herzlich für die vielen Fragen. Ich hoffe,<br />
sie ausreichend beantwortet zu haben. Ansonsten siehe oben. Ich wünsche<br />
Ihnen einen schönen Tag!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Moderator:<br />
</b>Im Namen von EIZ Niedersachsen, der Staatskanzlei, europa-digital<br />
und politik-digital vielen Dank an alle Beteiligten!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Weitere Informationen<br />
zu Wolfgang Senff:</b><br />
</span><span style="font-size: x-small"> </span>
</p>
<ul>
<li><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><a href="http://www.wolfgang-senff.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.wolfgang-senff.de</a></span></li>
</ul>
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