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	<title>Zehn Jahre Online-Journalismus &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Zehn Jahre Online-Journalismus &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Mehr Online als Journalismus: Zehn Jahre Copy and Paste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Nov 2012 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zehn Jahre Online-Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[
                              1994 wagten sich die ersten deutschen Verlage und Sender ins Netz. Zehn spannende, aufregende Jahre – inzwischen ist Online ein etabliertes, lebendiges Medium. Mit einer Einschränkung: Journalismus spielt keine nennenswerte Rolle.
                            ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
                              1994 wagten sich die ersten deutschen Verlage und Sender ins Netz. Zehn spannende, aufregende Jahre – inzwischen ist Online ein etabliertes, lebendiges Medium. Mit einer Einschränkung: Journalismus spielt keine nennenswerte Rolle.
                            </p>
<p><!--break--></p>
<p>Herbert Riehl-Heyse schüttelte den Kopf. Sie wolle zu einem Online-Medium wechseln, hatte ihm da gerade eine junge Zeitungskollegin gebeichtet. Alles Mist, brummelte der große Riehl-Heyse und subsummierte in zwei Worten, was A-Class-Journalisten aus den alten Medien noch Ende der 90er-Jahre über Online dachten.</p>
<p>Und – höchstens in etwas mildere Worte verpackt &#8211; großenteils immer noch denken. Aus freien Stücken und journalistischen Erwägungen in eine Internet-Redaktion zu wechseln, gilt gestandenen Print- oder TV-Machern als undenkbar, jenseitig. Es gibt Ausnahmen wie Spiegel Online-Chef Müller von Blumencron. Es sind wenige.</p>
<p class="fett">Im Trüben fischen</p>
<p>Anfangs spielte bei der barschen Abwehrhaltung auch Unkenntnis mit &#8211; etwa, als Wolf von Lojewski zu &#8220;heute journal&#8221;-Zeiten einen ihm mühsam abgerungenen Online-Hinweis vor Millionen Zuschauern mit den Worten einleitete: &#8220;Falls Sie mal wieder im Trüben fischen wollen&#8230;&#8221;. Inzwischen ist das Netz als Phänomen bis zum hintersten Old-Media-Redakteur durchgedrungen. Nur – es entfaltet keinen Sex-Appeal.</p>
<p>Welch ein Unterschied zu den Anfangstagen des Fernsehens. Als die Bilder auch im TV laufen lernten, wechselten renommierte Hörfunk- und Printjournalisten in das neue Medium. Neben Unterhaltung stand Fernsehen in Deutschland von Beginn an auch für journalistische Formate &#8211; eine neue, elektrisierende Spielwiese für Reporter und Autoren.</p>
<p>Der Schwenk in die Gegenwart macht das ganze Ausmaß der onlinejournalistischen Versteppung deutlich. Überläufer wie Heribert Prantl oder Claus Kleber wird es nicht geben. Natürlich nicht &#8211; dazu findet zu wenig guter, originärer Journalismus im Netz statt.</p>
<p>Wirklich? Vielleicht sollte man sich darüber verständigen, was guter, ernstzunehmender Onlinejournalismus überhaupt ist.</p>
<p class="fett">Kopieren, dichten, kopieren</p>
<p>Ist es bereits Journalismus, die Meldung einer Nachrichtenagentur in ein Content Management System (CMS) zu kopieren? Wird Journalismus daraus, weil man eine eigene Headline erfindet, einen eigenen Vorspann dichtet? Ist es schon Journalismus, einen Print-Text oder ein Sende-Manuskript 1:1 ins Online-Angebot zu stellen? Ist es noch Journalismus, PR-Texte unredigiert ins Netz zu stellen &#8211; etwa Verlagstexte als Buchrezensionen? Ist es noch Journalismus, aus einer Handvoll mal mehr, mal weniger glaubwürdiger Internetquellen einen eigenen Beitrag zusammenzukopieren?</p>
<p>In allen vier Fällen lautet Ihre Antwort vermutlich &#8220;nein&#8221; oder &#8220;nicht wirklich&#8221;. Nur: Diese vier Szenarien decken beinahe die gesamte Spannbreite der Mainstream-Online-Publizistik ab. Informationen kommen fast immer aus zweiter Hand: Selber nachhaken, zum Telefon greifen, &#8220;auf Termine&#8221; gehen, mit Menschen reden, sich ein eigenständiges Urteil bilden aufgrund eigener Recherchen &#8211; für das Gros der Online-Journalisten nicht mehr als Theorie. Rundum eigenrecherchierte Geschichten zu produzieren, eine zentrale Fertigkeit jedes Journalisten, wird Onlinern nicht abverlangt. Schlimmer: Es gilt als Luxus.</p>
<p>Dass eigene Geschichten nicht oder höchstens sporadisch auftauchen, wird gerne mit &#8220;Klicks&#8221; begründet. Selbstgeschriebene Geschichten bringen keine Klicks. Heißt es. Mindestens aber zu wenige Klicks, stellt man die Mehrkosten für eigenproduzierte Inhalte in Rechnung. Hintergrund: IVW, das Zählsystem, mit dem die meisten deutschen Internet-Angebote ihre Zugriffe standardisiert messen lassen.</p>
<p class="fett">Ein 1&#215;1 des Klicks</p>
<p>Aus journalistischer Perspektive gesehen, bewertet IVW die Online-Inhalte auf absurde Art und Weise. Eine spannende, im besten Fall sogar Image bildende Story aus eigener Herstellung – ein Klick. Eine 28-teilige Bildergalerie über die &#8220;Arschbomben-WM&#8221; (zu bestaunen bei einem ehemals Grimme-prämierten Nachrichtenangebot) – 28 Klicks. Noch grotesker wird es, wenn PDA-Seiten ins Spiel kommen. Wer seine abonnierten Nachrichtenkanäle auf dem Handheld-Computer aktualisiert, generiert auf einen Schlag Dutzende IVW-konforme Klicks. Unabhängig davon, ob auch nur eine der heruntergeladenen Seiten jemals gelesen wird.</p>
<p>Dass die werbetreibende Industrie dadurch potemkinsche Reichweiten-Daten erhält – ihr Problem. Journalisten aber sollten beunruhigt sein, wenn ihr Output, wenn ihre Ideen letztendlich nur im Licht solcher Zahlenspielereien taxiert werden. Und eine Ecke weiterdenken. Man könnte sinnieren, welchen Weg die Süddeutsche Zeitung gegangen wäre – hätte sie ihre &#8220;Seite Drei&#8221; mit austauschbaren Belanglosigkeiten und Agenturtexten, nicht mit exklusiven Reportagen bestückt. Heute ist die &#8220;Seite drei&#8221; eine eigene Marke, ein geldwertes &#8220;Asset&#8221; &#8211; viele Jahre lang beharrlich mit hochwertigen Inhalten angefüttert und aufgebaut.</p>
<p>Spiegel Online, im Oktober seit 10 Jahren &#8220;auf Sendung&#8221;, geht im Rahmen seiner Möglichkeiten in eine ähnliche Richtung – eigene Autoren besetzen oft die besten Plätze auf der Homepage. Ist das ein Gradmesser dafür, wie es um Onlinejournalismus in Deutschland bestellt ist? Natürlich nicht. Spiegel Online ist nicht repräsentativ für den Rest der Branche. Wenn die Hamburger zum zehnjährigen Jubiläum für ihre Pionierarbeit und die redlich erarbeitete Marktführerschaft in ihrem Segment gewürdigt werden, sollte man das im Blick behalten. Ebenso, dass jede bessere Regionalzeitung pro Woche mehr eigenen Journalismus generiert als die großen deutschen Online-Angebote zusammen.</p>
<p class="fett">Subjektiv punkten</p>
<p>Sind Blogs die Lösung? Spätestens seit die US-Parteitage von Bloggern als offiziell akkreditierten Berichterstattern begleitet wurden, denken große Online-Medien über Weblogs nach, integrieren sie wie Zeit.de und tagesschau.de in ihre konventionellen Angebote. Der Charme solcher &#8220;embedded blogs&#8221;: Was das Muttermedium nicht darf – extrem subjektiv berichten, Themen abseits der gewöhnlichen News-Agenda anstoßen – macht das Blog erst zum Blog.</p>
<p>Der besondere Reiz liegt im Nebeneinander von traditionellem Journalismus und Weblogs. Etwa, wenn es um den amerikanischen Wahlkampf geht: Würde man auf klassische Meldungen und Analysen verzichten wollen? Wohl kaum. Wird das Bild schärfer, wenn die einschlägigen Blogs gelesen werden? Definitiv.</p>
<p>Somit bleiben die selbst ernannten Online-Qualitätspublikationen vor ihren Hausaufgaben sitzen: Ohne eigene und unverwechselbare journalistische Inhalte geht es nicht. Neudeutsch heißt so etwas USP, Unique Selling Proposition. Gute, exklusive Storys sind so eine USP. Nein &#8211; sie wären. Aber das ist das Thema für die nächsten zehn Jahre.</p>
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		<title>Archive: Geister der Vergangenheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Oct 2004 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zehn Jahre Online-Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Fehler]]></category>
		<category><![CDATA[Google Cache]]></category>
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					<description><![CDATA[Speicherkapazität und Langzeitarchivierung gelten als eines der ganz wichtigen Merkmale des Mediums Internet: Alte Inhalte können unbegrenzt neben neuen stehen und diese ergänzen. Die Praxis prägen heute Pragmatismus und Paid Content. Und sie birgt einige Fallstricke für Redaktionen und Nutzer, die diesen nicht immer bewusst sind.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Speicherkapazität und Langzeitarchivierung gelten als eines der ganz wichtigen Merkmale des Mediums Internet: Alte Inhalte können unbegrenzt neben neuen stehen und diese ergänzen. Die Praxis prägen heute Pragmatismus und Paid Content. Und sie birgt einige Fallstricke für Redaktionen und Nutzer, die diesen nicht immer bewusst sind.</p>
<p><!--break--></p>
<p class="normal">Spiegel Online hat im Archiv gekramt und gönnt seinen Usern zum zehnjährigen Bestehen ein Surferlebnis aus der Frühzeit des Web: Surfen wie 1996. Möglicherweise waren der Redaktion Design und Inhalte aus den allerersten Monaten doch etwas zu sparsam, um sie der Öffentlichkeit noch einmal zu präsentieren – oder die allerersten Webseiten sind schlicht nicht mehr vorhanden. Denn trotz theoretisch unbegrenzter Speicherkapazität: Bei vielen Online-Medien verschwinden Artikel auf die eine oder andere Weise.</p>
<p>                            <span class="fett">Die endlichen Archive<br />
                            <br /></span><br />
                            <br />Häufig landen sie ganz automatisch hinter dem Internet-Äquivalent einer Zollschranke, im kostenpflichtigen Archiv. Bei Spiegel Online etwa muss man für exklusive Internet-Texte nach drei Monaten, für Texte aus der Print-Ausgabe schon nach einem Monat löhnen. Die Süddeutsche Zeitung hält Zeitungstexte sogar nur sieben Tage auf der Website kostenlos bereit – dann verkauft sie der Verlag über sein Tochterunternehmen DIZ. Extra für die Online-Ausgabe erstellte Texte sind im Gegensatz zu Spiegel Online gratis.<br />
                            <br />Aber auch sie bleiben nicht ewig verfügbar, sondern – wie bei manch’ anderer Website – nur zurück bis zum letzten Relaunch. Aus dem alten Angebot sind laut Online-Chef Helmut Martin-Jung nur einige zeitlose Dossiers, etwa zu Wissenschaftsthemen, übernommen worden: &#8220;Wir sind ja kein Archivierungsunternehmen. Das hätte uns technisch ausgebremst, wenn wir die alten Artikel alle weiter vorhalten würden.&#8221; Das gleiche Bild bei stern.de: Artikel ab dem Relaunch im Dezember 2003 lassen sich über die Suchfunktion finden. &#8220;Darüber hinaus können Stern-Artikel über die G+J-Pressedatenbank kostenpflichtig recherchiert werden&#8221;, erklärt Redaktionsleiterin Barbara Hamm.<br />
                            <br />Das Argument: die Technik. Immerhin seien seit dem Relaunch vor gut zwei Jahren schon wieder rund 25.000 neue Artikel produziert worden, meint Martin-Jung.<br />
                            <br />Holger Meier, stellvertretender Chef von heute.de, argumentiert ähnlich: &#8220;Wir haben sehr viele Videos, die rauben uns die Platte.&#8221; Zwar seien beim letzten Relaunch &#8220;fast komplett&#8221; alle Inhalte gespeichert worden. Aber nur fürs interne Backup – für die Nutzer werden Inhalte nur gut ein Jahr vorgehalten: &#8220;Ausnahmen gibt es natürlich, wie zum Beispiel das Video von Saddams Festnahme.&#8221;<br />
                            <br />&#8220;Wen interessiert die fünfzigste Entwicklung der Gesundheitsreform?&#8221;<br />
                            <br />Nicht das Web ist endlich, aber offenbar Festplattenspeicher und Serverkapazitäten. Für die User macht das im Ergebnis wenig Unterschied. Nicht schlimm, findet Meier: &#8220;Das Tagesgeschäft ist irgendwann durch. Wen interessieren denn später noch drittrangige Themen von 1997?&#8221; Das Nutzerverhalten bestätige das, hat man in Mainz wie in München die Erfahrung gemacht. Martin-Jung: &#8220;Weder wir, noch irgendjemand sonst haben Lust, Sachen durchzulesen wie die fünfzigste Wendung in der Gesundheitspolitik. Das interessiert höchstens jemanden, der eine Doktorarbeit dazu schreibt.&#8221;<br />
                            <br />Also eventuell geplagte Minderheiten wie Medienwissenschaftler und Studenten, die sich mit dem Verfassen inhaltsanalytischer Diplomarbeiten plagen. Oder sollte es darüber hinaus von Belang sein, wenn sich in einigen Jahren die Frühzeit der Webmedien womöglich kaum noch nachvollziehen lässt, so wie heute einst auf 5 1/2 Zoll-Disketten gespeicherte Daten unlesbar, verloren oder nur mühsam rekonstruierbar sind?</p>
<p>                            <span class="fett">Mut zur Lücke<br />
                            <br /></span><br />
                            <br />Holger Meier von heute.de macht sich keine Sorgen über drohende Lücken im kulturellen Gedächtnis der Gesellschaft: &#8220;Ich wäre da nicht so kritisch.&#8221; Obwohl Printprodukte im Gegensatz zu digitalen Daten auch über Jahrzehnte und Jahrhunderten noch erhalten und lesbar bleiben: &#8220;Auch die Zeitungen haben ein lückenhaftes Archiv&#8221;, sagt er. Da würden Ausgaben nicht oder nur unvollständig abgeheftet. Und zunehmend würden auch Verlage ihre Archiv elektronisieren. Meier betont die Vorteile des XML-Formats, das es erlaubt, Texte bei einem Relaunch relativ problemlos von einem Design ins andere fließen zu lassen.<br />
                            <br />Der Webdesigner und Medienwissenschaftler Holger Rada sieht das ganz anders. &#8220;Mir macht es große Sorgen, dass Inhalt und Form voneinander getrennt werden. Beides gehört zusammen. Für die Lesbarkeit eines Textes und das Verständnis eines Beitrags sind typographische Gestaltung und Text-Bild-Relationen von großer Bedeutung&#8221;, sagt Rada. Er hat bereits 1999 in seiner Dissertation die Frühzeit der Online-Medien von 1994 bis 1999 analysiert. &#8220;Als ich aber für mein neues Projekt, eine Geschichte des Web-Designs, recherchiert habe, habe ich die bittere Erfahrung gemacht, dass das Design für die Online-Redaktionen überhaupt keine Rolle spielt.&#8221; So habe man sich bei heute.de nur für die &#8216;Artikel&#8217; interessiert. Rada: &#8220;Das Design ist Sache der Webmaster – wenn überhaupt.&#8221;<br />
                            <br />Wayback, Google Cache und die möglichen Folgen<br />
                            <br />Martin-Jung bereiten solche Archivierungslücken keine Kopfschmerzen: &#8220;Es gibt da ja eine Site, die das in verdienstvoller Weise für uns übernimmt.&#8221; Gemeint ist das Internet Archive, eine Non-Profit-Organisation, die den Sturz in ein Digital Dark Age durch das Abspeichern ganzer Websites dokumentierten will. Zumindest in dem Rahmen, den ihr Serverpark im alten Fort Presidio an der Golden Gate Bridge erlaubt. Mit der Wayback Machine des Internet Archive lassen sich die gespeicherten Sites durchsuchen. So kann man beispielsweise die Entwicklung der Stern-Website zumindest teilweise nachvollziehen.<br />
                            <br />Ähnlich funktioniert der Google Cache, in dem die Suchmaschine beim Crawlen einen Schnappschuss zwischenspeichert. Die Cache-Funktion zeigt die Seiten dann zumindest temporär so an, wie Google sie gefunden hat, auch wenn sie inzwischen geändert wurden: praktisch beim Suchen, aber möglicherweise folgenreich für Online-Redaktionen und private Webmaster.<br />
                            <br />&#8220;Das Abspeichern alter Seiten ist meinerseits erwünscht&#8221;, sagt stern.de-Leiterin Hamm. Das sehen nicht alle so. Denn Internet Archive und Google legen das Urheberrecht großzügig aus: Sie spiegeln Inhalte fremder Websites ohne Rücksicht auf Copyrights, es sei denn, ein Website-Betreiber legt ausdrücklich Widerspruch ein bzw. blockiert die Speicherung durch einen entsprechenden Eintrag in seiner robots.txt-Datei. So eröffnet sich ein Tummelfeld für Medienrechtler bis hin zu Abmahnexperten. In einer ausführlichen rechtlichen Bewertung folgerte der Jurist Martin Bahr 2002, &#8220;dass die Archivierung durch The Wayback Machine gegen geltendes deutsches Urheberrecht&#8221; verstoße. Der Google Cache sei hingegen als Proxy-ähnlicher Zwischenspeicher rechtlich gedeckt. Bahr sieht die durch die Wayback Machine &#8220;gerade auch in wissenschaftlicher Hinsicht [&#8230;] ungeahnte Möglichkeiten.&#8221; Aber er kennt seine Zunft und gibt zu bedenken: &#8220;Etwaige Urheberrechtsverstöße und Urheberrechtsverletzungen könnten auch nach der Löschung der Seite vom Webserver des Betreibers verfolgt werden.&#8221;<br />
                            <br />Versenden ist so eine Sache<br />
                            <br />&#8220;Es versendet sich viel&#8221;, meint Helmut Martin-Jung. Die Online-Leser seien nicht so aufmerksam wie bei einer Zeitung. Ruckzuck sind online kleine Tippfehler korrigiert, kann aus Militärquellen ein Armeepressesprecher samt Namen werden, sobald die zweite Agenturmeldung da ist oder aus 17 Toten zwölf Verletzte, drei Todesopfer und ein Selbstmordattentäter, sind doppelte Worte getilgt und fehlende Halbsätze ergänzt.<br />
                            <br />„Es versendet sich gar nichts&#8221;, sagt Holger Meier. Er meint das, was das Internet vom flüchtigen Medium Radio unterscheidet: &#8220;Es kommen täglich Mails von Nutzern. Wir überprüfen mögliche Fehler und korrigieren. Dann ist es Wurst, von wann der Text ist.&#8221; Auch Barbara Hamm freut sich über Mails aufmerksamer User. Das käme bei stern.de aber nicht sehr häufig vor: &#8220;Die meisten Fehler werden von der Redaktion selbst entdeckt.&#8221;<br />
                            <br />Und wenn sie nicht entdeckt werden? In den umfangreichen Archiven der Online-Magazine können sich potenzielle Zeitbomben verbergen: Was im Radio oder Fernsehen an Fehlern durchschlüpfen kann, bleibt im Netz weiter abrufbar.<br />
                            <br />Unsere Artikel erscheinen auf der Basis der zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Informationen&#8221;, erläutert Hamm. Beispiel: &#8220;Ein Konzern schließt 50 Filialen. Ändert sich der Stand der Dinge – der Konzern schließt nun 100 Filialen – so ist es unsere Aufgabe, die Entwicklung aufzuzeichnen. Somit wird ein neuer Artikel mit aktuellem Datum und dem Stand der Dinge verfasst und veröffentlicht.&#8221; Praxis bei stern.de, Alltag auch in vielen anderen Online-Redaktionen: Kleinere Operationen werden am lebenden Objekt durchgeführt, bei größeren wird ein neuer Artikel angelegt.<br />
                            <br />Aber viele Texte lassen sich im Archiv noch Wochen oder Monate später leicht aufspüren, auch wenn die Redaktion diese längst vergessen hat. Dank Wayback Machine und Google Cache möglicherweise sogar, wenn ein Artikel auf der eigentlichen Website längst nicht mehr online ist.<br />
                            <br />Ankläger aus dem Cache, Entlastungszeuge überschrieben<br />
                            <br />Ein Artikel im Online Journalism Review beschreibt die Beispiele aus der US-Praxis: Teilweise werden demnach dort in elektronischen Archiven nachträglich Namen korrigiert und Fakten geändert.<br />
                            <br />Ein Zwiespalt: Ohne nachträgliches Eingreifen werden Fehler womöglich dauerhaft weiter zur Verfügung gestellt – mit Folgen für die Nutzer, denen nicht auffällt, dass es sich um veraltete Informationen handelt, und möglicherweise mit gravierenden Konsequenzen für die Redaktionen. So kann ein Archiv-Artikel auch noch lange nach der Veröffentlichung juristische Angriffsfläche bieten, obwohl er doch zu diesem Zeitpunkt aufgrund der vorliegenden Informationen nach professionellen journalistischen Kriterien astrein schien (Meier: &#8220;Wir arbeiten so sauber, wie eine Nachrichtenredaktionen arbeiten kann.&#8221;).<br />
                            <br />Ein hypothetischer Extremfall: Ein Kläger hat mit einem Ausdruck aus Wayback Machine oder Google Cache ein mächtiges Beweismittel in der Hand. Die Redaktion hatte dagegen die umstrittene Textstelle innerhalb einer Stunde von der zweiten zur dritten Zwischenversion des Artikels entscheidend abgeändert. Leider kann sie dies nicht beweisen, weil auch die verbesserte Version wenig später überschrieben wurde und keine der beiden älteren wenigstens noch in elektronischer Version vorliegt.<br />
                            <br />&#8220;Auch wenn wir einen Artikel schon drei oder viermal aktualisiert haben, kann dann am Abend ein guter Korrespondentenbericht alles ersetzen&#8221;, sagt Meier. Wenn eine Online-Redaktion in solchen Fällen nicht aufpasst, bleibt zwar der Sachstand erhalten, aber die ursprüngliche Meldung verschwindet.</p>
<p>                            <span class="fett">Inakzeptabel für Nutzer?</span></p>
<p>Oder doch lieber nachträglich alle Fakten anpassen? Eine Sisyphos-Arbeit, die eigentlich niemand leisten kann. Und dann ließe sich wieder nachträglich nicht mehr die Berichterstattung nachvollziehen. Ein Dilemma – aber auch ein relevantes?<br />
                            <br />Die befragten Redaktionen sehen in der Praxis kein großes Problem. Natürlich, juristisch angefochtene Inhalte würden sofort aus dem Angebot entfernt, bestätigen sie. Beispiele aus der eigenen Berichterstattung kann oder will aber niemand nennen. Und auch Gefahren durch das Langzeitgedächtnis etwa der Wayback Machine fürchten sie momentan nicht.<br />
                            <br />Im WWW-Wirrwarr, wo Altes neben Neuem stehen kann, würden sich die Nutzer in den im Vergleich zur Gesamtheit des Netzes strukturierten Angeboten von Online-Medien gut zurechtfinden, meint man bei heute.de, stern.de und sueddeutsche.de. Zumal sich im eigenen Angebot direkte Links von aktuellen Meldungen auf ältere Artikel nur fänden, wenn diese noch relevant und nicht überholt seien.<br />
                            <br />Hamm, Meier und Jung-Martin sind sich einig: Dank Datumsstempeln in den Meldungen könnten Nutzer diese problemlos einordnen. Auch wenn das häufig jemandem, der durch interne oder externe Suchmaschinen auf einen Archiv-Artikel aufmerksam wird, wohl nicht so klar erscheinen wird. Kaum ein User kann auf Anhieb erkennen, ob ein Datumstempel nicht nur angibt, wann das letzte Mal ein Tippfehler in einer viel älteren Meldung korrigiert wurde. Medienwissenchaftler Rada kritisiert bei Online-Medien insgesamt einen sorglosen Umgang mit Texten und deren Urhebern: &#8220;Aus Nutzerperspektive ist das nicht zu akzeptieren.&#8221;<br />
                            </p>
<p class="fett">
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		<title>Diktatur der Quote?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[btueshaus]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Oct 2004 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zehn Jahre Online-Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Marktforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Page Impression]]></category>
		<category><![CDATA[Werbewirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Erst bilden sich überall kleine Klick-Pfützen. Schon zur Mittagspause meldet das erste Ressort statistisches Hochwasser. Und bis zum Ende des Tages vereinen sich die Top-Story und ihre zahlreichen Hintergrundartikel und Foto-Serien zu einem gewaltigen PI-Strom, der sich auf direktem Wege in die nächste Redaktionskonferenz ergießt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Erst bilden sich überall kleine Klick-Pfützen. Schon zur Mittagspause meldet das erste Ressort statistisches Hochwasser. Und bis zum Ende des Tages vereinen sich die Top-Story und ihre zahlreichen Hintergrundartikel und Foto-Serien zu einem gewaltigen PI-Strom, der sich auf direktem Wege in die nächste Redaktionskonferenz ergießt.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Seit zehn Jahren regnet es unablässlich Page Impressions auf die online-journalistischen Angebote Deutschlands nieder. Täglich, monatlich, jährlich immer mehr und besonders oft so viel wie noch nie. Gemessen wurden die Niederschläge schon immer. Vor allem immer genauer Nur landeten die Wetterdaten lange Zeit mit einiger Verspätung auf dem Tisch des Redakteurs.</p>
<p>Gegen Ende der ersten Dekade ihrer Arbeit halten immer modernere Messungstools Einzug in die Online-Redaktionsräume. Da stellen kleine bunte Kästchen Teaser dar, wechseln im Minutentakt ihre Farbe und bilden so etwas wie die digitale Landkarte der Portal-Startseite. In den Kästchen wiederum wuseln Zahlenkolonnen umher. So, als würden sie den Puls der im Teaser verlinkten Story messen. Um hier zu überleben, braucht man keine gute Kondition. Man braucht einen guten Start.</p>
<p>In Zeiten der Realtime-Quoten muss der komplette Teaser auf Anhieb stimmen, das Bild Aufmerksamkeit anziehen und der Text zum Klicken verlocken, wenn der Online-Redakteur eine neue Geschichte ins Rennen um die Gunst der User schickt. Gehen die Abrufszahlen in den Keller, wird die Geschichte entweder ausgetauscht oder der Teaser „veredelt“. Tilman Aretz von der Nachrichtenmanufaktur (produziert den<br />
                            <a href="http://www.n-tv.de/" target="_self" rel="noopener noreferrer">n-tv.de</a>-Webauftritt) fordert dann Schlagzeilen, die „griffiger, emotionaler, überraschender und irritierender“ sind. „Wenn wir der Meinung sind, dass wir optimierenkönnen, tun wir das“, stimmt Oliver Eckert, Redaktionsleiter bei<br />
                            <a href="http://www.bild.t-online.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bild.t-online.de</a>, zu. Neben den Headlines „überdenken und überarbeiten wir auch die Bildsprache“, um ein Thema dem User „einfacher und ansprechender zu präsentieren“.</p>
<p>In der Redaktion von<br />
                            <a href="http://www.sueddeutsche.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sueddeutsche.de</a> gibt es die Echtzeit-Messung erst in einigen Wochen. Chefredakteur Helmut Martin-Jung verspricht sich davon, „besser auf das reagieren zu können, was die Leser interessiert“. Allerdings wolle er sich „nicht allein davon leiten lassen“, sondern es „nur als zusätzliche Hilfe“ verwenden. „Sonst könnten wir Scharon und Konsorten ja von Haus aus ausblenden, denn die werden halt wenig geklickt.“ Ähnlich wie Aretz, würde Martin-Jung eine Überschrift nachträglich ändern. Er kritisiert gleichzeitig aber die Gefahr der zunehmenden Boulevardisierung: „Es ist eben so primitiv. Wenn nur das Wort Sex in der Überschrift auftaucht, dann wird der Artikel schon doppelt so oft geklickt.“ Die technische Neuerung in der eigenen Redaktion sei „Segen und Fluch zugleich“, so wie in „praktisch allen Medien, in denen man unmittelbar die Quote feststellen kann.“</p>
<p>„Wir orientieren uns am täglichen Rhythmus, in der Rückschau auf den vergangenen Tag“, erklärt Michael Maier den Umgang mit den Klickzahlen bei der<br />
                            <a href="http://www.netzeitung.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netzeitung</a>. Für Nachbesserungen an Teasern „nur nach journalistischen Kriterien“ gäbe es genügend „handwerkliche Erfahrungswerte“. Dennoch: „Jeder Journalist ist sein eigener Blattmacher geworden“, schätzt Maier die Auswirkungen dieser neuen Transparenz des Nutzerverhaltens auf die Redaktionsarbeit ein. Er warnt aber auch vor Leichtfertigkeit angesichts der Verantwortung. In einigen Portalen von Internetprovidern seien ihm oft “Pseudomeldungen begegnet, wo man schon riecht, dass sie aufgeblasen und marktschreierisch sind.“</p>
<p class="fett">Klicks gegen den Kostendruck</p>
<p>Doch die Zähltools alleine lassen noch keine Überschrift reißerischer, kein Teaserbild aufwühlender werden. Sueddeutsche.de-Chefredakteur Helmut Martin-Jung macht vor allem wirtschaftliche Faktoren dafür verantwortlich, dass Medienunternehmen im Internet wie sonst nirgendwo auf die Quote schauen. „Alle Online-Angebote stehen unter dem Druck zu beweisen, dass sie kostendeckend sein können.“ Die Möglichkeiten, die Zahlen zu verbessern, nutze man eben &#8211; so gut es gehe &#8211; aus. „Es ist der Zwang, Erfolg zu haben“.</p>
<p>Doch dieser Erfolg definiert sich nicht etwa über einen hohen Anteil an eigenen Geschichten, exklusiven Korrespondenten-Berichten oder multimedial vorbildlich aufbereiteten Artikeln. Am Ende stehen die Anbieter mit der größten Erotikdatenbank im Hintergrund ja doch wieder ganz vorne im Reichweiten-Ranking. Ausgedehnte Bilder-Serien stehen an jeder Ecke bereit zum nutzerinduzierten Durchklicken, winzig kleine Service-Themen werden in noch kleinere Informationshäppchen zerstückelt, plattes Entertainment kommt mit Foto-Galerien der besten fünf, schnellsten zehn oder reichsten 50 einer Gattung aus &#8211; wenn schon nicht das „Was“, so wird doch in Zukunft immerhin das „Wo“ eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung des onlinejournalistischen Erfolgs von<br />
                            <br />Portalen spielen.</p>
<p class="fett">Neues Messverfahren</p>
<p>„Dem Markt sollen transparentere Daten verschafft werden.“ So trägt die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) dem Wunsch der Werbewirtschaft nach differenzierterer Auskunft über die Seitenabrufe in Zukunft Rechung. Jörg Bungartz, bei der IVW zuständig für den Online-Bereich, erklärt die Gründe für die Einführung eines neuen Zählsystems: „Bisher wurden nur die Gesamtdaten veröffentlicht. Wer aber in den einzelnen Rubriken der Stärkste ist, kam bislang nicht deutlich hervor.“ Seit September gilt nun ein Katalogisierungssystem, pünktlich zum zehnten Geburtstag des Onlinejournalismus, dass „den neuen Charakter des Online-Mediums wiederspiegelt“.</p>
<p>Das Aus der Klickmaschinen? Im Gegenteil: Wieso sollten nicht auch Foto-Serien durch die Bedeutungsverringerung der PageImpressions endlich die journalistische Daseinsberechtigung erhalten, die ihnen schon immer zustand. Denn sie haben nun nicht länger maßgeblichen Anteil an der Bewertung der journalistischen Qualität eines Angebotes auf der Basis nackter Abrufszahlen. „Die Währung der Zukunft werden Visits bleiben“, wagt Bungartz eine Prognose trotz der zunehmend erschwerten Messbarkeit durch Cookie-resistente Internetsurfer. Andere Messverfahren setzen auf weichere, weniger genau zu bestimmende Faktoren wie die Verweildauer eines Nutzers im Portal.</p>
<p>Der Onlinejournalismus in Deutschland hat zehn Boom-Jahre hinter sich und stößt vielleicht schon bald an seine mittelfristigen PI-Grenzen. Spiegel Online-Redakteur Frank Patalong prophezeite erst kürzlich auf einer Frankfurter Tagung, dass die Leserzahlen von<br />
                            <a href="http://www.spiegel.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spiegel Online</a> durch einen täglichen Mehrausstoß von Meldungen kaum mehr zu steigern seien. Vielmehr ginge es nun darum, die Qualität des Vorhandenen zu verbessern.</p>
<p>Doch was hat die Statistiken explodieren lassen? Cicero-Redakteur Peter Littger kritisierte in seinem Artikel „Die Bild der Zukunft“, die Online-Redakteurstätigkeit stünde unter großem Einfluss einer ausgereiften Aufmerksamkeitsökonomie. Boulevardthemen gehörten nun einmal zum normalen Nachrichtenpektrum, entschuldigt sich der Berufsstand. „Am Ende kommt es auf die Mischung an“, sagt Spiegel Online-Chef Mathias Müller von Blumencron. Das sagt aber auch Oliver Eckert, der<br />
                            <a href="http://www.bild.t-online.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">bild.de</a> bestückt. Klar,<br />
                            <a href="http://www.spiegel.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spiegel Online</a> schiebt eher<br />
                            <br />selten mal ein reines Boulevardthema auf den Sonnenplatz der Startseite, als Aufmacher ganz nach vorne.</p>
<p>Sonnenplatz? Pardon, Schlechtwetterzone. Denn im „sichtbaren Bereich“ einer Seite entladen sich erfahrungsgemäß die heftigsten Klickgewitter. Der Onlinejournalist hat sich daran gewöhnt. Auch in Zukunft wird er dem Druck der niederprasselnden Quoten mit allen Konsequenzen ausgesetzt sein.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Kein Investmentbanker Modell</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tmrazek]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Oct 2004 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zehn Jahre Online-Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[Kooperationspartner]]></category>
		<category><![CDATA[Onlinejournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Spiegel Online]]></category>
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					<description><![CDATA[Mathias Müller von Blumencron ist Chefredakteur von Deutschlands erfolgreichstem Online-Nachrichtenmagazin. In unserem Interview spricht er unter anderem über die Relevanz von Blogs, eigene Fehler, Kooperationspartner und das Durcheinander mit der Rechtschreibung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Mathias Müller von Blumencron ist Chefredakteur von Deutschlands erfolgreichstem Online-Nachrichtenmagazin. In unserem Interview spricht er unter anderem über die Relevanz von Blogs, eigene Fehler, Kooperationspartner und das Durcheinander mit der Rechtschreibung.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Mathias Müller von Blumencron wurde am 23. Juli 1960 in Hamburg geboren. Nach einem Jura-Studium in Hamburg und Kiel und einem Jura-Referendariat absolvierte Müller von Blumencron die Hamburger Journalistenschule. 1989 wurde er Redakteur bei &#8220;Capital&#8221; in Köln und wechselte 1990 als Korrespondent zur &#8220;Wirtschaftswoche&#8221;, zunächst in Zürich, später in Berlin. 1992 kam er zum „Spiegel“ ins Ressort Deutschland II und wurde 1996 dessen stellvertretender Leiter. Im Oktober 1996 ging er als Wirtschaftskorrespondent des „Spiegel“ nach Washington, seit August 1998 berichtete er aus New York. Seit dem 1. Dezember 2000 ist Müller von Blumencron Chefredakteur von<br />
                            <a href="http://www.spiegel.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spiegel Online.</a></p>
<p>
                            <span class="fett">Mrazek:</span> Ihr Angebot gilt als Aushängeschild des deutschen Onlinejournalismus. Trotzdem scheint es immer noch ungewiss, dass selbst Sie – wie anvisiert 2006 – in die Gewinnzone kommen. Passen Internet und Journalismus zumindest von der ökonomischen Seite her nicht zusammen?</p>
<p>
                            <span class="fett">von Blumencron:</span> Doch &#8211; und wir sind auf dem Weg das zu beweisen. Die Wirtschaft erkennt, dass das Internet ein ausgezeichnetes Medium für Werbebotschaften ist. Mittlerweile orientiert sich die Hälfte der Deutschen im Netz; Nachrichtengucken bei Spiegel Online hat mittlerweile eine Reichweite von wöchentlich 1,6 Millionen Lesern. Die Zielgruppe ist exzellent, eine extrem gut gebildete und arrivierte Leserschicht, also ein sehr interessantes Publikum auch aus ökonomischer Sicht. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir demnächst die ökonomische Basis haben, um dieses Projekt zügig auszubauen.</p>
<p>
                            <span class="fett">Mrazek:</span> Dafür waren schon zehn Jahre Zeit &#8230;</p>
<p>
                            <span class="fett">von Blumencron:</span> Vor zehn Jahren bestand Spiegel Online aus einer Internet-Seite, die von einem Mann betreut wurde. Heute sind wir über 30 Redakteure, dazu Grafiker, Techniker, Producer. Überlegen Sie doch mal: Wie lange hat eine vernünftige Tageszeitung gebraucht, um in die Gewinnzone zu kommen, wie lange hat das Radio gebraucht? Für das Privatfernsehen ist es immer noch schwierig. Es ist ja nicht so, dass wir ein Investmentbanker-Modell sind oder ein Software-Haus, dass nach drei Jahren Gewinne abwerfen muss.</p>
<p>
                            <span class="fett">Mrazek:</span> Online-Redakteure gelten häufig in Medienhäusern als „fünftes Rad am Wagen“ – wie sehen Sie das?</p>
<p>
                            <span class="fett">von Blumencron:</span> Das sehen wir bei Spiegel Online überhaupt nicht so. Das wird sicher noch in manchen Bereichen so sein, etwa bei einigen traditionellen Verlagshäusern, aber das ist deren Problem. Und die Abrechnung dafür wird kommen – das Internet ist das Medium der Zukunft und wer da nicht investiert, ist auf Dauer draußen.</p>
<p class="fett">„99 Prozent der Blogs sind Müll“</p>
<p>
                            <span class="fett">Mrazek:</span> Stichwort „Medium der Zukunft“. Kürzlich erschien mit<br />
                            <a href="http://www.onlinejournalismus.de/buchtipps/blogs.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Blogs!“</a> ein Buch, in welchem einer der Autoren, Don Alphonso, behauptet, dass Blogs künftig „den Journalismus im Internet aufmischen“ werden. Sehen Sie das auch so dramatisch?</p>
<p>
                            <span class="fett">von Blumencron:</span> Ich glaube Blogs sind eines der Hype-Themen, die wir alle paar Jahre haben. Mal ist es Paid Content, 1999/2000 war es die Konvergenz von TV und Internet – alles wird eins, hieß es damals. Das sind schöne Phantasien. Und genauso verhält es sich mit der These, dass Blogs den Journalismus verdrängen oder grundsätzlich revolutionieren werden. Das ist für mich völliger Nonsens! Blogs sind wichtig, wenn sie gut gemacht sind und interessante neue Stimmen liefern. Aber so revolutionär sind sie in vielen Dingen dann auch nicht. Seit es das Internet gibt, gibt es auch interessante Autoren, die mit ihren Homepages im Netz sind; es gibt Kolumnen oder Tagebücher, die vom üblichen Stil etwa einer Tageszeitung abweichen. Aber heutzutage muss eben alles Blog heißen. Dazu kommt, dass 99 Prozent der Blogs einfach nur Müll oder zumindest journalistisch einfach nicht relevant sind. Es handelt sich um eine interessante Entwicklung, die aber den Journalismus nicht grundsätzlich verändern wird.</p>
<p>
                            <span class="fett">Mrazek:</span> Aber sehen sie in den Blogs nicht eine Chance, mit der sich der Onlinejournalismus weiter entwickeln kann? Der Redaktionsleiter von Handelsblatt.com etwa sieht in den Blogs eine Möglichkeit Formate unterzubringen, die sonst nicht im Blatt oder auf der Website Raum finden, sogar die Tagesschau experimentiert damit?</p>
<p>
                            <span class="fett">von Blumencron:</span> Selbstverständlich sehen wir darin eine Möglichkeit, wir nennen es nur nicht Blog. Wir haben eine Kolumne, die von unseren Korrespondenten in den USA betreut wird –<br />
                            <a href="http://www.spiegel.de/politik/0,1518,k-4951,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Bush-Messer“</a>. Darin zeigen die Kollegen, relativ unkonventionell geschrieben, wie die Stimmung der Amerikaner ist. Wir bieten auch Tagebücher von unseren Kollegen zum Beispiel aus Bagdad an. Dass im Online-Bereich verschiedene Stilelemente möglich sind oder auch etwas flapsiger als im Print-Bereich geschrieben wird, das ist nichts Neues, da ist schon so, seit wir Texte ins Internet stellen.</p>
<p>
                            <span class="fett">Mrazek:</span> Kurzum, wir werden also das Etikett „Blog“ bei Spiegel Online nicht sehen?</p>
<p>
                            <span class="fett">von Blumencron:</span> Henryk M. Broder, einer unserer wichtigsten Autoren, hat eine<br />
                            <a href="http://www.henryk-broder.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">eigene Website</a>, die man in den USA Blog nennen würde. Diese Seite betreibt er seit mehreren Jahren, sie finden dort tagesaktuelle Notizen, kleine Fetzen, Beobachtungen – sie ist also richtig bloggermäßig. Broder war kürzlich zu einem Blogger-Kongress in Wien (<br />
                            <a href="http://blogtalk.net/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BlogTalk 2.0</a>) eingeladen. Eine Woche vorher fragte er mich: „Sagen Sie mal, was ist eigentlich ein Blog?“ Mal schauen, vielleicht nennen wir irgendwann auch mal etwas Blog; nur um jetzt auf diesen Zug aufzuspringen, machen wir das bestimmt nicht.</p>
<p>
                            <span class="fett">Mrazek:</span> Mal etwas salopp gefragt: Nerven Sie manchmal die Blogs? Kürzlich wurde einem Ihrer Autoren unterstellt, dass er bei Wikipedia „abgekupfert“ habe, was in Teilen der<br />
                            <a href="http://www.industrial-technology-and-witchcraft.de/index.php?id=P6360" target="_blank" rel="noopener noreferrer">deutschen Blogosphäre</a> für einige Aufregung sorgte.</p>
<p>
                            <span class="fett">von Blumencron:</span> Ich halte Blogs, wie zum Beispiel das<br />
                            <a href="http://www.ojour.de/webwatch/bildblog.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BILDblog</a>, für ein interessantes Korrektiv. Wir gehen solchen Vorwürfen, ob die nun per E-Mail kommen oder in einem Blog geschrieben werden, sofort nach. Und wenn es stimmt dann ändern wir das auch auf unserer Seite und passen auf, dass so etwas nicht noch mal passiert. Als Korrektiv können Blogs also durchaus funktionieren. Wir sind nicht so empfindlich gegenüber Kritik wie das bei andere Medien in Deutschland gemeinhin der Fall ist. Wir stehen zu unseren Fehlern und versuchen aus diesen zu lernen.</p>
<p>
                            <span class="fett">„Halt ein bisschen bunter als in anderen Bereichen“</p>
<p>Mrazek:</span> Wenn sich Journalisten über Spiegel Online unterhalten, taucht immer wieder als Kritikpunkt das Stichwort Boulevardisierung auf. Sie sagten selbst kürzlich, dass ihre Leser im Büro &#8220;ruhig mal schmunzeln&#8221; sollen. Dagegen ist ja nichts einzuwenden. Aber wie verhält es sich mit folgenden Headlines? Ich habe zum Beispiel in einem Seminar zu Onlinejournalismus meinen Studenten einen Artikel von Markus Deggerich die Zitatüberschrift<br />
                            <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,290598,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;Fickificki one Dollar&#8221;</a> als Negativbeispiel dafür genannt, wie offenbar der Klickzahlen willen, schlagkräftige Headlines produziert werden. Für ebenso unpassend halte ich:<br />
                            <a href="http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,318216,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&#8220;New Orleans hält 10.000 Leichensäcke bereit&#8221;</a>.<br />
                            <br />Wie stehen Sie dazu?</p>
<p>
                            <span class="fett">von Blumencron:</span> Wenn ein hochgefährlicher Sturm wie Hurrikan „Ivan“ auf New Orleans zurast und dort Vorbereitungen dieser Art getroffen werden, dann finde ich das eine durchaus legitime Headline. Bei der Geschichte von Markus Deggerich, die ein Korrespondentenbericht aus Bagdad war, fand ich die Überschrift in dieser Form grenzwertig, aber durchaus machbar. Der Bericht hat das durchaus getragen, es war ja keine platte Geschichte die da folgte. Wir konnten damals sehr viel dazu beitragen, unseren Lesern die Atmosphäre in dieser Stadt näher zu bringen. – Die Beispiele finde ich falsch. Die ganze Diskussion um Boulevardisierung halte ich für eine der absurdesten in der letzten Zeit. Jede Tageszeitung hat eine Sektion Vermischtes. Und diese Sektionen haben wir auch, da geht es halt ein bisschen bunter zu als in anderen Bereichen. Was ist das für ein merkwürdiger Vorwurf? Wer unserer Seite vorwirft, dass wir generell eine Boulevard-Seite machen, dem muss ich sagen, da kann es um den Boulevard-Journalismus ja nicht so schlecht bestellt sein. Um auf die beiden Beispiele, die Sie genannt haben, zurückzukommen: Sicherlich kann man sich über die eine oder andere Überschrift streiten, sicherlich passiert der eine oder andere Grenzübertritt, wie das in jedem Medium passiert. Wir werden häufig von Lesern darauf hingewiesen, dass dieses oder jenes doch zu hart ist. Und wenn wir der Meinung sind, dann nehmen wir auf solche Leser-Mails dann auch Rücksicht und schwächen eine Überschrift ab. Möglicherweise haben wir die Überschrift in ihrer Härte so nicht wahrgenommen, weil wir eben ständig mit harten Nachrichten arbeiten.</p>
<p>
                            <span class="fett">Mrazek:</span> Bei den „harten Nachrichten“ bringen Sie ja auch Kooperationspartner wie die „Financial Times“, „Brandeins“, „Kicker“ und andere mit ein. Laufen Sie da nicht Gefahr, dass die Marke Spiegel Online verwässert?</p>
<p>
                            <span class="fett">von Blumencron:</span> Diese Bedenken höre ich jetzt zum ersten Mal. Wir haben eine sehr starke Marke im Internet und diese hält es aus, dass wir mit anderen Medien kooperieren. Das ist was Neues und da schauen Leute aus der alten, traditionellen Medienwelt schräg drauf und fragen: „Darf man denn das?“ Jaaa, man darf das! Stellt euch vor, ein „Geo“-Text steht auf Spiegel Online. – Warum? Weil es der Leser toll findet und ihn bei<br />
                            <a href="http://www.geo.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Geo“</a> nicht gefunden hätte. Wir haben eine Zusammenarbeit mit<br />
                            <a href="http://www.mare.de/mare/index.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„Mare“..</a> Das ist eine wunderschöne Zeitschrift mit tollen Reportagen, sie hat allerdings eine relativ geringe Verbreitung und es ist ein kleiner Verlag. Erstens verhelfen wir diesem Magazin zu mehr Bekanntheit, indem wir seine Geschichten bei uns reinstellen; zweitens bieten wir unseren Lesern damit exzellenten Lesestoff, den sie normalerweise nicht gefunden hätten. Ob das Stück nun von einem „Mare“-Autor kommt und in „Mare“ gedruckt wurde oder es aus dem „Spiegel“ kommt, ist den meisten Lesern ziemlich egal. Dem Leser kommt es darauf an, guten Stoff auf der Seite zu finden und den bieten wir ihm damit.</p>
<p class="fett">„Eigenartige Kultur was Fehler im Journalismus angeht“</p>
<p>
                            <span class="fett">Mrazek:</span> Es gab jetzt aber auch Geschichten von Kooperationspartnern, die fehlerbehaftet waren. Da können Sie ja keine eingängige Qualitätskontrolle mehr machen, da können Sie nur darauf vertrauen, dass Ihnen dieses Medien etwas Gescheites anliefert &#8230;</p>
<p>
                            <span class="fett">von Blumencron:</span> Genau so ist es. Wir haben unsere Kooperationspartner sorgfältig ausgewählt. Ich glaube es wäre vermessen zu sagen, dass wir bei Spiegel Online eine bessere Qualitätskontrolle als etwa bei „Geo“ haben. Da verlassen wir uns in der Tat auf die Partner. Natürlich, jeder macht Fehler; ob es der „Stern“, der „Spiegel“, die „Süddeutsche“ oder die „FAZ“ ist. Es ist ja in Deutschland eine ganz eigenartige Kultur was Fehler im Journalismus angeht. Fast jede amerikanische und britische Zeitung hat eine Spalte „corrections“.. Warum haben wir die in Deutschland eigentlich nicht?</p>
<p>
                            <span class="fett">Mrazek:</span> Wie sieht das Modell mit den Kooperationspartnern aus?</p>
<p>
                            <span class="fett">von Blumencron:</span> Wir versuchen ein, maximal zwei sehr hochwertige Kooperationspartner pro Ressort zu haben.</p>
<p>
                            <span class="fett">Mrazek:</span> Wie erfolgt der finanzielle Ausgleich mit den Kooperationspartnern?</p>
<p>
                            <span class="fett">von Blumencron:</span> Dazu möchte ich nichts sagen.</p>
<p>
                            <span class="fett">Mrazek:</span> Die Netzeitung wird demnächst, ähnlich wie bei einigen Suchmaschinen, eine<br />
                            <a href="http://www.netzeitung.de/ueberuns/307939.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">erweiterte Nachrichtensuche</a> anbieten. Man öffnet sich dem Netz. Bei Spiegel Online sind hingegen die meisten Artikel nach einem Monat nur noch kostenpflichtig abrufbar. Glauben Sie, dass Sie mit dieser Strategie Ihre große Resonanz beibehalten können?</p>
<p>
                            <span class="fett">von Blumencron:</span> Das glaube ich schon. Es kommt darauf an, was man hat und wie qualitätshaltig das eigene Produkt ist. Wir sind Bestandteil eines großen Verlagshauses und verfügen daher über entsprechende Ressourcen. Wir haben deshalb deutlich mehr Hintergrundstücke, tiefere Analysen, Reportagen, Features, Berichte von Auslandskorrespondenten. Die Netzeitung macht ein Nachrichtenprodukt. Da sind kurze, schnelle Nachrichten, die irgendwoher kommen und die in zwei, drei Absätzen zusammengefasst werden. Das hat von der Zusammensetzung her nicht so eine starke Identität wie das Produkt Spiegel Online. Deswegen ist es ganz natürlich, dass die Netzeitung diese Linkstrategie verfolgt, die wir ja bei<br />
                            <a href="http://news.google.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Google News</a> schon haben. Ein interessanter Ansatz, den wir aber erst mal nicht gehen werden.</p>
<p>
                            <span class="fett">Mrazek:</span> Was halten Sie speziell auf Ihr Medium bezogen von der Rückkehr zur alten Rechtschreibung?</p>
<p>
                            <span class="fett">von Blumencron:</span> Das wäre knifflig, weil wir zum Beispiel die Agenturen in neuer Rechtschreibung bekommen. Wir haben unsere Kooperationspartner, die ihre Inhalt ebenfalls überwiegend in neuer Rechtschreibung liefern. Der „Spiegel“ wartet jetzt erst einmal ab, wie die Reform weitergeht und ob die schlimmsten Fehler nicht noch korrigiert werden. Es soll ja einen „Rat für deutsche Rechtschreibung geben“, dessen Beratungen werden wir beobachten und dann entscheiden.</p>
<p></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Konkurrenz oder Ergänzung zum professionellen Journalismus? Teil I</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/zehn-jahre-online-journalismus/netzkulturneuberger_konkurrenz1-shtml-2790/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[cneuberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Oct 2004 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zehn Jahre Online-Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Qualitätskontrolle]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Studie]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie wird Onlinejournalismus den klassischen Journalismus verändern, wie wird er von den etablierten Medienformen bislang angesehen? In einer zweiteiligen Studie untersucht Christoph Neuberger, ob sich das Internet auch journalistisch gegenüber dem professionellen Journalismus behaupten wird können. Teil I befasst sich mit den Hintergründen und der Entwicklung des Netzes in den letzten Jahren.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Wie wird Onlinejournalismus den klassischen Journalismus verändern, wie wird er von den etablierten Medienformen bislang angesehen? In einer zweiteiligen Studie untersucht Christoph Neuberger, ob sich das Internet auch journalistisch gegenüber dem professionellen Journalismus behaupten wird können. Teil I befasst sich mit den Hintergründen und der Entwicklung des Netzes in den letzten Jahren.</p>
<p><!--break--></p>
<p>Solange der Journalismus auf die klassischen Massenmedien angewiesen war, also bis Mitte der neunziger Jahre, war redaktionelle Arbeit Mangelverwaltung. Die Vermittlungskapazität von Presse und Rundfunk reichte nicht aus, um jedem, der etwas öffentlich mitteilen wollte, die Möglichkeit dazu zu geben: Es gab nicht genügend Sendezeit und Frequenzen, nicht ausreichend Druckseiten und publizistische Einheiten.</p>
<p>Der Nachrichtenstrom musste in ein Rinnsal verwandelt werden. Diese Aufgabe wurde an Redaktionen, Verleger und Intendanten delegiert, die bestimmten, welche Nachrichten und Meinungen veröffentlicht wurden. Sie begleitete stets der Argwohn, dass sie ihre mächtige &#8220;Gatekeeper&#8221;-Rolle nicht neutral ausüben, sondern missbrauchen. Das Publikum kam nur selten zu Wort. Wer als Leser-briefschreiber seine Gedanken veröffentlichen wollte, war auf die Gnade der Redaktion angewiesen, die darüber entschied, ob die eingesandten Zeilen gedruckt wurden oder nicht.</p>
<p>Auch die Bewegung der Alternativmedien – aus der als bekannteste, professionellste und einflußreichste Publikation die taz hervorging – konnte dies nicht wesentlich ändern verändern.</p>
<p>In der Medienpolitik stand nicht umsonst jahrzehntelang die Kontrolle über den begrenzten Zugang zur Öffentlichkeit im Mittelpunkt. Egal, ob über Pressekonzentration oder Rundfunkregulierung diskutiert wurde, immer ging es um die Frage, wie unter den Bedingungen der Kanalknappheit Vielfalt und Ausgewogenheit gewährleistet werden können.</p>
<p class="fett">Das Nadelöhr ist im Internet an einer anderen Stelle</p>
<p>Ist im Internet nun alles anders, weil es ein unschlagbar billiges, flexibles und einfach bedienbares Publikationsmedium ist, sodass sich praktisch jeder öffentlich zu Wort zu melden kann? Nur scheinbar sind im Internet fast alle Hürden, die bisher den Weg in die Öffentlichkeit versperrt haben, beseitigt. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass auch hier nicht jeder allen alles sagen kann und nicht jeder alles lesen kann, was er lesen will.</p>
<p>Im Internet ist das Nadelöhr nicht verschwunden, sondern nur an eine andere Stelle gerückt: von der Anbieter- auf die Nutzerseite. Nun herrscht nicht mehr Knappheit an Vermittlungskapazität, sondern Knappheit an Zeit und Kompetenz der Rezipienten. Sie sind alleine mit der Aufgabe konfrontiert, aus der Überfülle an verfügbaren Informationen eine sinnvolle Auswahl zu treffen.</p>
<p class="fett">Drei Vermittlungsformen im Internet: Profession, Partizipation,<br />
                            <br />Suchalgorithmen</p>
<p>Der offene Zugang zum Internet wirft also zwei Folgeprobleme auf: die Auffindbarkeit von Informationen und die Prüfung ihrer Qualität. Auch im neuen Medium sind deshalb Vermittler notwendig, die für die Rezipienten diese Probleme lösen. Allerdings besitzen die professionellen Journalisten kein Vermittlungsmonopol mehr. Stattdessen gibt es im Internet ein Nebeneinander von drei Formen der Vermittlung öffentlicher Kommunikation: professionelle, partizipative und technisch gesteuerte Vermittlung.</p>
<p>Ihre Leistungsfähigkeit kann man jeweils danach beurteilen, wie sie das Problem der &#8220;Informationsflut&#8221; und das Problem des &#8220;Informationsmülls&#8221; bewältigen. Professioneller Journalismus wird vor allem von den klassischen Medien im Internet betrieben und nur von sehr wenigen reinen Online-Anbietern wie der<br />
                            <a href="//www.netzeitung.de%3E" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netzeitung</a> . Wie der Presse- und Rundfunkjournalismus ist er im Wesentlichen einseitig (also ohne oder nur mit geringem Nutzer-&#8220;Feedback&#8221;) und auf ein Massenpublikum ausgerichtet. Die<br />
                            <a href="//www.onlinejournalismus.de/forschung/studie_ilmenau.php%3E%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Online-Journalisten</a> unterscheiden sich in ihrem Rollenselbstverständnis, nach ihren Tätigkeiten und Qualifikationen kaum von den Kollegen in anderen Medienbereichen.</p>
<p>Das Problem des professionellen Onlinejournalismus: Er ist teuer, weil eine Redaktion unterhalten werden muss. Da die Nutzer selten zahlungsbereit sind und die Werbeerlöse gering sind, ist er im Netz kaum finanzierbar. Presse und Rundfunk begnügen sich deshalb oft mit Billigjournalismus im Internet, mit Tickermeldungen und so genannter &#8220;Shovelware&#8221;, also Beiträgen, die vom Muttermedium übernommen werden. Außerdem wächst die Neigung, journalistische Inhalte als verkaufsförderndes Umfeld für Werbung und E-Commerce zu betrachten. Dennoch: Professioneller Journalismus ist prinzipiell ein Garant für eine hohe Angebotsqualität. Das unterscheidet ihn von Suchmaschinen wie<br />
                            <a href="//news.google.de/%3E" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Google News</a> und<br />
                            <a href="//de.news.yahoo.com/%3E" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Yahoo Nachrichten</a>, die Nachrichten automatisch selektieren und gewichten. Sie können große Datenmengen verarbeiten, sind aber nicht in der Lage, deren inhaltliche Qualität zu prüfen. Außerdem können Suchmaschinen nur jene Beiträge auswerten und sortieren, die schon im Internet vorhanden sind. Sie selbst steuern keinen Content bei – anders<br />
                            <br />als der Peer-to-Peer-Journalismus , der auch<br />
                            <a href="http://www.ojr.org/ojr/workplace/1060217106.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">partizipativer Journalismus</a> oder &#8221;<br />
                            <a href="http://www.firstmonday.org/issues/issue6_10/deuze/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Open source</a>&#8220;-Journalismus genannt wird: Hier kann jeder schreiben, der sich dazu berufen fühlt.</p>
<p>Gemeint sind damit sowohl kollaborative Websites mit vielen Teilnehmern (wie<br />
                            <a href="http://www.slashodot.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Slashdot.org</a>,<br />
                            <a href="http://www.shortnews.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Shortnews</a> oder<br />
                            <a href="http://www.wikipedia.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wikipedia</a>)als auch Weblogs, die nur von einzelnen Personen betrieben werden, die aber untereinander eng vernetzt sind. Die &#8220;Blogosphäre&#8221; ist ebenfalls eine Gemeinschaft, in der unter Gleichen und ohne zentrale Kontrolle kommuniziert wird.</p>
<p>Ob Blogs und Peer-to-Peer-Communities die Bezeichnung &#8220;Journalismus&#8221; verdienen, ist eine derzeit heiß diskutierte Frage – etwa bei<br />
                            <a href="http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/on/17694/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Telepolis</a>. Die Anbieter selbst betrachten ihr Tun als neue Art von Journalismus, so das<br />
                            <a href="http://www.onlinejournalismus.de/forschung/weblogs.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ergebnis einer Befragun</a><br />
                            <a href="http://www.onlinejournalismus.de/forschung/weblogs.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">g</a>. Als Vorzüge im Vergleich zum traditionellen Journalismus sehen sie die subjektive<br />
                            <br />Perspektive, die Zugänglichkeit des Autors, die Aktualität sowie den<br />
                            <br />vielfältigen und intensiven Meinungsaustausch. Wenn ihnen Journalisten klassischer Medien das Etikett &#8220;Journalist&#8221; absprechen, so nicht zuletzt deshalb, weil sie damit den eigenen Beruf vor Konkurrenz schützen wollen, stellte das<br />
                            <a href="http://www.ojr.org/ojr/ethics/1017968389.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Online Journalism Review</a> schon 1998 fest.</p>
<p class="normal">Weiter zum<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkultur/neuberger_Konkurrenz2.shtml">zweiten Teil</a> des Artikels.</p>
<p>
                              <strong>Weiterführende Links:</strong>
                            </p>
<ul>
<li>
                                <a href="http://www.politik-digital.de/edemocracy/netzkultur/index.shtml#tab">Dossier: Der Bundestag untersucht die netzbasierte Kommunikation</a>
                              </li>
</ul>
<p class="normal">
                              
                            </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Konkurrenz oder Ergänzung zum professionellen Journalismus? Teil II</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/zehn-jahre-online-journalismus/netzkulturneuberger_konkurrenz2-shtml-2791/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[cneuberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Oct 2004 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zehn Jahre Online-Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie wird Onlinejournalismus den klassischen Journalismus verändern, wie wird er von den etablierten Medienformen bislang angesehen? In einer zweiteiligen Studie untersucht Christoph Neuberger, ob sich das Internet auch journalistisch gegenüber dem professionellen Journalismus behaupten wird können. Teil II befasst sich mit möglichen Zukunftsszenarien.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Wie wird Onlinejournalismus den klassischen Journalismus verändern, wie wird er von den etablierten Medienformen bislang angesehen? In einer zweiteiligen Studie untersucht Christoph Neuberger, ob sich das Internet auch journalistisch gegenüber dem professionellen Journalismus behaupten wird können. Teil II befasst sich mit möglichen Zukunftsszenarien.</p>
<p><!--break--></p>
<p class="fett">Sind wir alle Journalisten?</p>
<p>Der Medienwissenschaftler John Hartley von der australischen University Queensland hat im Juli 2004 auf einer internationalen Tagung in Erfurt die These vertreten, dass im Internet jeder ein Journalist ist (&#8220;everyone is a journalist&#8221;) und dass wir uns auf dem Weg in eine &#8220;redaktionelle Gesellschaft&#8221; (&#8220;’redactional’ society&#8221;) befinden. Diese Vorstellung ist naiv, weil sie den Journalismus auf den schlichten Vorgang des Veröffentlichens reduziert und seine spezifischen Leistungen ignoriert oder sie als in jedem Fall gegeben unterstellt, sobald sich nur jemand öffentlich zu Wort meldet.</p>
<p>Einen realistischeren Blick auf das Internet hat Hans Magnus Enzensberger in seinem Essay &#8220;Das digitale Evangelium&#8221; geworfen. Darin hat er von der eigenen utopischen Hoffnung Abschied genommen, dass neue Medien mit einem Rückkanal schon ihrer Struktur nach emanzipatorisch wirken: &#8220;Das interaktive Medium ist weder Fluch noch Segen; es bildet schlicht und einfach die Geistesverfassung seiner Teilnehmer ab.&#8221; Entscheidend ist nicht das technische Potenzial, sondern der Gebrauch eines Mediums. Nur wenig von dem, was im Internet publiziert wird, wird journalistischen Ansprüchen gerecht. Von den Kritikern werden vor allem zwei Einwände dagegen vorgetragen, dass auch Laien einen wesentlichen Beitrag zur öffentlichen Kommunikation leisten können.</p>
<p class="fett">Viele Augen sehen mehr, viele Köpfe wissen mehr</p>
<p>Einwand Nummer 1: Redaktionen von Presse und Rundfunk können kontinuierlich recherchieren und berichten. Dazu sind Laien in ihrer Freizeit nicht in der Lage. Dem lässt sich entgegen halten: Durch die Vielzahl der Nutzer, die ihr Wissen in den Communities teilen, wird dieser Nachteil wettgemacht. Je mehr Teilnehmer mitmachen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand Experte für ein Thema ist oder zur richtigen Zeit am richtigen Ort war – wie &#8220;Salam Pax&#8221; und einige andere<br />
                            <a href="http://www.diegegenwart.de/ausgabe33/warblogs.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Warblogger</a>, die während des Irakkriegs 2003 vom Ort des Geschehens berichten konnten.</p>
<p>Auch der US-Präsidentschaftswahlkampf 2004 liefert Belege für diese These: Dass sich John Kerry für John Edwards als Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten entschied, konnte man zuerst im Forum einer<br />
                            <a href="http://www.USAviation.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Luftfahrt-Website</a> lesen. Dort berichtete ein Mechaniker, dass das Wahlkampf-Flugzeug von Kerry, das in einem Hangar in Pittsburgh stand, gerade den Schriftzug &#8220;Kerry – Edwards&#8221; bekommen hatte. Und dass CBS-Anchorman Dan Rather auf gefälschte Dokumente über Bushs Wehrdienstzeit hereingefallen war, wurde in Weblogs wie<br />
                            <a href="http://www.rathergate.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Rathergate</a> aufgeklärt.</p>
<p>Das letzte Beispiel belegt auch die Wirksamkeit der „Watchdog “-Rolle des P2P-Journalismus, der etablierte Journalisten und Medien kritisch begleitet (wie in Deutschland der<br />
                            <a href="http://www.onlinejournalismus.de/webwatch/bildblog.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BILDBlog</a> die Bild-Zeitung).Dass auch nach dem Urteil professioneller Journalisten im Internet nicht<br />
                            <br />nur Belangloses und Minderwertiges publiziert wird, zeigt die große Bedeutung, die das Medium inzwischen als Recherchequelle besitzt – und das nicht immer nur zur Freude der Blogger: Als die Frankfurter Tabloidzeitung &#8221;<br />
                            <a href="http://www.ojour.de/logbuch/index.php?action=fullnews&amp;showcomments" target="_blank" rel="noopener noreferrer">News</a>&#8221; umfangreich aus Weblogs zitierte, ohne bei den Autoren um Erlaubnis zu bitten, erntete das Blatt heftige Kritik.</p>
<p class="fett">Geprüft wird nach der Veröffentlichung</p>
<p>Einwand Nummer 2: Die Angebote haben keine Redaktion, um die Nachrichten und Meinungen vor ihrer Veröffentlichung zu prüfen. Es gibt keine Qualitätssicherung, journalistische Normen werden fortlaufend verletzt. Auch dieser Einwand lässt sich – zumindest teilweise – entkräften: Die Besonderheit des P2P-Journalismus besteht gerade darin, dass die Prüfung von Informationen und Meinungen erst nach der Publikation stattfindet: Was veröffentlicht wird, gilt als vorläufig und unfertig, es soll infrage gestellt und diskutiert werden. Die anderen Nutzer sind aufgerufen, fremde Beiträge in einer offenen Diskussion oder auf Bewertungsskalen zu kritisieren und, falls nötig, zu korrigieren. An diesem Prüfverfahren beteiligen sich auch andere Anbieter im Internet, vor allem in der &#8220;Blogosphäre&#8221;. Der Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass die Qualitätskontrolle transparent ist und dass der oft an die Adresse von Redaktionen gerichtete Vorwurf, dass &#8220;hinter den Kulissen&#8221; manipuliert werde, nicht erhoben werden kann.</p>
<p>Wie effektiv diese in die Öffentlichkeit verlagerte Qualitätsprüfung ist – gemessen an journalistischen Standards –, ist bisher noch nicht gründlich untersucht worden. Viel dürfte davon abhängen, ob das Qualitätssicherungssystem gute Leistungen (durch Reputation, Bonuspunkte oder erweiterte Teilnahmemöglichkeiten) belohnt und schlechte bestraft.</p>
<p>Es muss die Bereitschaft gefördert werden, eigenes Wissen mit anderen zu teilen und vorgegebene Regeln einzuhalten. Reputation kann ein Teilnehmer z.B. nur dann erwerben, wenn das System über ein Gedächtnis verfügt, das seine Verdienste aus der Vergangenheit speichert und transparent macht. Über ein ausgefeiltes System verfügt etwa<br />
                            <a href="http://slashdot.org/faq/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Slashdot.org</a>. Letztlich kommt es aber darauf an, dass die Teilnehmer fähig und willens sind, niveauvolle Beiträge zu schreiben und zu würdigen.</p>
<p>Professioneller und P2P-Journalismus ergänzen einander Denkbar ist das Entstehen eines Öffentlichkeitssystems, in dem sich professioneller und P2P-Journalismus ergänzen: Die Vorteile des professionellen Journalismus sind die hohe Reichweite, die er über Presse und Rundfunk erreicht, sowie die gründliche redaktionelle Prüfung. Die Stärken des P2P-Journalismus sind die Informations-vielfalt, der intensive Meinungsaustausch und die Schnelligkeit.</p>
<p>Professionelle Journalisten nutzen Blogs und Communities als Recherchequellen. Hier finden sie Themenideen, Argumente und Informationen aus &#8220;erster Hand&#8221;, die sie weiter verarbeiten. Dadurch können sie zusätzliche Aufmerksamkeit auf die partizipativen Websites lenken. Die Laienkommunikatoren im Internet filtern ihrerseits die Medienberichterstattung, indem sie auf ausgewählte Nachrichten linken, und sie begleiten den professionellen Journalismus als &#8220;Media watchdogs&#8221;. Der P2P Journalismus wird deshalb keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zum professionellen Journalismus sein.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Zehn Jahre Onlinejournalismus</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/zehn-jahre-online-journalismus/netzkulturzeitleiste_10jahre-shtml-3148/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Oct 2004 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zehn Jahre Online-Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Immer wieder neue Meilensteine, Hoffnungen und Heilserwartungen – von denen die meisten schon ein Jahr später hoffnungslos veraltet, grandiosgeplatzt oder immer noch unerfüllt waren.
                            Die ersten zehn Jahre des Journalismus im WWW haben in dieser Hinsicht mehr als genug zu bieten. Was bleiben aus heutiger Sicht die entscheidenden Punkte? Ein kurzer Abriss der Entwicklung.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Immer wieder neue Meilensteine, Hoffnungen und Heilserwartungen – von denen die meisten schon ein Jahr später hoffnungslos veraltet, grandiosgeplatzt oder immer noch unerfüllt waren.<br />
                            <br />Die ersten zehn Jahre des Journalismus im WWW haben in dieser Hinsicht mehr als genug zu bieten. Was bleiben aus heutiger Sicht die entscheidenden Punkte? Ein kurzer Abriss der Entwicklung.</p>
<p><!--break--></p>
<p class="normal">
                              <strong>1994:</strong>
                            </p>
<ul>
<li>Aus dem Vorgänger-Browser „Mosaic“ wird der<br />
                              <a href="http://www.netscape.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netscape Navigator</a> – und die ersten traditionellen Medien wagen sich ins WWW. In Deutschland ist dies am 25. Oktober der Spiegel – einen Tag vor<br />
                              <a href="http://www.time.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Time Magazine</a><br />
                              </li>
</ul>
<p>
                              <span class="fett">1995:</span>
                            </p>
<ul>
<li>I<br />
                              <span class="normal">m Frühjahr sind<br />
                              <a href="http://www.taz.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">taz</a> und<br />
                              <a href="http://www.svz.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Schweriner Volkszeitung</a> die ersten Tageszeitungen mit WWW.-Auftritt. Immer mehr Medien folgen ihrem Beispiel</span></li>
<li>
                                <span class="normal">Start des reinen Online-Magazins<br />
                                <a href="http://www.salon.com/press/fact" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Salon.com</a><br />
                                <br /></span>
                              </li>
</ul>
<p>
                              <strong>1996:</strong>
                            </p>
<ul>
<li>
                                <span class="normal"><br />
                                <a href="http://www.tagesschau.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">tagessschau.de</a> geht online<br />
                                <br /></span>
                              </li>
</ul>
<p>
                              <span class="fett">1997:</span>
                            </p>
<ul>
<li>
                                <span class="normal">Beginn der Partnerschaft von<br />
                                <a href="http://www.zdf.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ZDF</a> und<br />
                                <a href="http://www.msnbc.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">MSNBC</a> in Deutschland<br />
                                <br /></span>
                              </li>
</ul>
<p>
                              <strong>1998:</strong>
                            </p>
<ul>
<li>
                                <span class="normal">Lewinsky-Affäre: Auslöser ist Gerücht im<br />
                                <a href="http://www.drudgereport.com" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Drudge Report</a>, der Untersuchungbericht von Sonderermittler<br />
                                <a href="http://www.house.gov/judiciary/1cover.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kenneth Starr</a> wird im Netz veröffentlicht und lässt die Modems heiß laufen</span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal">Das WWW hat erstmals Bedeutung für Bundestagswahl<br />
                                <br /></span>
                              </li>
</ul>
<p>
                              <strong>1999:</strong>
                            </p>
<ul>
<li>
                                <span class="normal">Portale setzen auf Content</span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal">Rund 400 Online-Medien in Deutschland (<br />
                                <a href="http://www.ard-werbung.de/mp/publikationen/fachzeitschrift/200007_03.phtm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Studie der Kath. Universität Eichstät</a><br />
                                <a href="http://www.ard-werbung.de/mp/publikationen/fachzeitschrift/200007_03.phtm">t</a>)</span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal">Gründung des alternativen Nachrichtennetzwerks<br />
                                <a href="http://www.indymedia.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Indimedia</a><br />
                                <br /></span>
                              </li>
</ul>
<p>
                              <span class="fett">2000:</span>
                            </p>
<ul>
<li>
                                <span class="normal">Mehr als 30 Prozent Internet-Nutzer in Deutschland</span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal">Parlamentskorrespondenten bei<br />
                                <a href="http://www.spiegel.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spiegel Online</a> und<br />
                                <a href="http://www.sueddeutsche.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sueddeutsche.de</a></span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal">Die<br />
                                <a href="http://www.netzeitung.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netzeitung</a> als reines Online-Nachrichtenmedium und die crossmedial angelegte Website der<br />
                                <a href="http://www.ftd.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Financial Times Deutschland</a> gehen online</span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal">Großer Relaunch von<br />
                                <a href="http://www.bild.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bild.de</a> wird immer wieder verschoben<br />
                                <br /></span>
                              </li>
</ul>
<p>
                              <span class="fett">2001:</span>
                            </p>
<ul>
<li>
                                <span class="normal">Terroranschläge am 11. September:<br />
                                <a href="http://www.onlinejournalismus.de/webwatch/11september.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Breaking News über Internet</a></span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal">European Journalism Award für<br />
                                <a href="http://www.telepolis.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Telepolis</a>. Grimme Online Award erstmals verliehen</span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal"><br />
                                <a href="//www.faz.net" target="_blank" rel="noopener noreferrer">FAZ.net</a> geht online, nachdem sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung lang Zeit gegen das Web als Medium gesträubt hatte</span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal">Tomorrow Internet und Focus Digital fusionieren zur<br />
                                <a href="http://www.tomorrowfocus.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Tomorrow Focus AG</a></span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal">Das<br />
                                <a href="http://www.zdf.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ZDF</a>und Provider<br />
                                <a href="http://www.t-online.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">T-Online</a><br />
                                <a href="http://www.t-online.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer"></a>vereinbaren Zusammenarbeit: statt ZDFMSNBC heisst es künftig<br />
                                <a href="heute.t-online.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">heute.t-online.de</a><br />
                                <br /></span>
                              </li>
</ul>
<p>
                              <span class="fett">2002:</span>
                            </p>
<ul>
<li>
                                <span class="normal">Der Dotcom-Crash trifft deutsche Online-Branche voll: Einsparungen, Entlassungen, häufig das Ende</span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal">Das Flashspiel „Bundesdance“ von<br />
                                <a href="http://www.sueddeutsche.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">sueddeutsche.de</a> ist ein Hit</span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal">Partnerschaft Tomorrow Focus mit<br />
                                <a href="http://focus.msn.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">MSN</a><br />
                                <br /></span>
                              </li>
</ul>
<p>
                              <strong>2003:</strong>
                            </p>
<ul>
<li>
                                <span class="normal">Weblogs widmen sich dem Krieg im Irak und dem beginnenden Wahlkampf in den USA</span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal">Google startet seinen automatischen<br />
                                <a href="Nachrichten%FCberblick%20" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nachrichtenüberblick</a> auch auf Deutsch</span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal">Weblogs gewinnen in Deutschland an Popularität – bei den Nutzern und in den Medien<br />
                                <br /></span>
                              </li>
</ul>
<p>
                              <span class="fett">2004</span><br />
                              <strong>:</strong>
                            </p>
<ul>
<li>
                                <span class="normal">10 Jahre Spiegel Online</span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal">Die<br />
                                <a href="http://www.netzeitung.de/ueberuns/307939.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Netzeitung</a> kündigt ihre News-Suche an, die auch andere Nachrichtenquellen erschließt</span>
                              </li>
<li>
                                <span class="normal">„Rathergate“: Blogger weisen US-Starjournalist Dan Rather nach, dass er auf gefälschte Dokumente über die Militärzeit von Präsident Bush hereingefallen ist<br />
                                <br /></span>
                              </li>
</ul>
<p>
                              <span class="fett">LINKS</span>
                            </p>
<ul>
<li>Vom Marketinginstrumet zum Webmagazin. Holger Rada veröffentlicht 2000 einen Aufsatz über den<br />
                              <a href="http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/on/8569/1.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Wandel der Online-Medien</a> in den ersten fünf Jahren.</li>
<li>Surfen wie 1996 &#8211;<br />
                              <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,313978,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Spiegel online von 1996</a><br />
                              </li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.politik-digital.de/zehn-jahre-online-journalismus/netzkulturzeitleiste_10jahre-shtml-3148/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Zehn Jahre Onlinejournalismus: Ein Interview mit Lorenz Lorenz-Meyer</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/zehn-jahre-online-journalismus/netzkulturinterview_l_meyer_1004-shtml-3149/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/zehn-jahre-online-journalismus/netzkulturinterview_l_meyer_1004-shtml-3149/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[thauswedell]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Oct 2004 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zehn Jahre Online-Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Netzkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschäftsmodell]]></category>
		<category><![CDATA[Weblog]]></category>
		<category><![CDATA[Professionalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach den ersten zehn Jahren im Online-Journalismus ist die Aufbruchstimmung und Risikofreude von einst verflogen: Online-Journalismus hat sich langsam aber sicher etabliert - die papierne Zeitung wird er jedoch so bald nicht ablösen, konstatiert Lorenz Lorenz-Meyer, ehemaliger Redakteur bei SPIEGEL-ONLINE und Professor für Online-Journalismus an der FH Darmstadt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">Nach den ersten zehn Jahren im Online-Journalismus ist die Aufbruchstimmung und Risikofreude von einst verflogen: Online-Journalismus hat sich langsam aber sicher etabliert &#8211; die papierne Zeitung wird er jedoch so bald nicht ablösen, konstatiert Lorenz Lorenz-Meyer, ehemaliger Redakteur bei SPIEGEL-ONLINE und Professor für Online-Journalismus an der FH Darmstadt.</p>
<p><!--break--></p>
<p class="normal">
                            <span class="fett">politik-digital</span>: Welche Erwartungen an das Medium Internet hatten Sie, als Sie mit dem Online-Journalismus begannen?</p>
<p>
                            <span class="fett">Lorenz Lorenz Meyer</span>:Ich habe ziemlich genau vor neun Jahren mit dem Online-Journalismus angefangen, damals für SPIEGEL ONLINE, das bereits seit einem Jahr im Web existierte, und seit ca. 2 Jahren bei Compuserve. Das Spannende zu jener Zeit war vor allem, dass es noch keine ausgeprägten Erwartungen gab. Es war alles neu und unbestimmt. Natürlich hatten wir ein paar Vorbilder und Anknüpfungspunkte, &#8220;Hot Wired&#8221; zum Beispiel und Joshua Quittner mit seiner Idee eines &#8220;Way New Journalism&#8221;, eines schnellen, persönlichen, extrem lesernahen Schreibens.<br />
                            <br />Für mich persönlich war es aber vor allem der Gedanke der Interaktivität, der mich faszinierte – die Vorstellung, in einen dezentralen Diskurs einzutreten und ihn publizistisch nutzbar zu machen. Einer meiner ersten Schritte im Internet bestand darin, mir einen Account bei der legendären kalifornischen Community &#8220;The Well&#8221; zu beschaffen, in der sich damals besonders viele Journalisten tummelten. &#8220;The Well&#8221; und andere US-amerikanische Foren wie &#8220;Cafe Utne&#8221; und &#8220;Salon Table Talk&#8221; wurden dann später Vorbild für das &#8220;SPIEGEL ONLINE Forum&#8221; und die &#8220;ZEIT Debatte&#8221;.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital</span>: Es sind so viele Hypes aufgetaucht und wieder verschwunden &#8211; was waren die größten Irrglauben der Branche?</p>
<p>
                            <span class="fett">Lorenz- Meyer</span>: Ich denke, man kann da nicht von DER Branche sprechen. Je nachdem, ob man die Journalisten betrachtet oder Leute aus den Verlagsetagen, sehen die Illusionen ganz unterschiedlich aus. Wir Journalisten haben zum Beispiel den gerade erwähnten Communities zu viel zugetraut, jedenfalls einige von uns, zu denen ich mich zähle. Wir haben auch den Aufwand unterschätzt, den es bedeutet, im laufenden Geschäft und unter hohem Zeitdruck aktuelle journalistische Inhalte wirklich „internetgerecht“ aufzubereiten, das heißt, mit Hintergründen, Archivmaterialien und Fundstellen im Web zu verlinken. Das hört sich in der Theorie wunderbar an, in der Praxis darf man froh sein, wenn man hier und da mal ein bisschen an der Oberfläche des theoretisch Machbaren kratzt.<br />
                            <br />Die Verlagsleute haben sich naturgemäß eher in puncto Erlösmöglichkeiten etwas vorgemacht, und tun dies meines Erachtens immer noch, etwa im Zusammenhang mit Paid Content-Modellen. Aber jeder Hype, den wir mitgemacht haben, die -zig erfolglosen Kooperationen mit irgendwelchen E-Commerce- oder Mobilservice- Anbietern, die Microsoft-Push-Kanäle, die hilflosen Versuche, mit Portalen, WAP-Diensten, obskuren Syndication-Partnern den wirtschaftlichen Durchbruch zu erzielen, all das hat auch positive Spuren hinterlassen. Nehmen Sie zum Beispiel die Push-Idee: sie erfährt zur Zeit mit den RSS-Feeds von Weblogs und Nachrichtensites eine grandiose Wiederkehr.<br />
                            <br />Insofern bin ich gar nicht mehr so geneigt, mich über die Hypes der späten 90er Jahre lustig zu machen. Den meisten lagen gute Ideen zugrunde, man hat nur deren Entwicklungsgeschwindigkeit überschätzt, und manchmal auch ihre Reichweite. Die Diskrepanz zwischen Hoffnung und tatsächlichem Erfolg ist meines Erachtens bislang am größten gewesen bei den mobilen Content-Diensten, Stichwort WAP oder UMTS. Aber auch das kann sich noch ändern und zum Positiven wenden.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital</span>: In welchem Maße hat sich Ihrer Einschätzung nach der Online-journalismus in Bezug auf die Professionalisierung in der Berichterstattung, der Schnelligkeit und der Qualität verändert?</p>
<p>
                            <span class="fett">Lorenz- Meyer</span>: Da, wo genügend finanzielle Mittel zur Verfügung standen und man mit einer gewissen Kontinuität am Ball geblieben ist, hat es zweifellos eine echte Professionalisierung geben: Das Niveau, das man von tagesschau.de, faz.net oder sueddeutsche.de erwarten kann, ist mittlerweile gleichbleibend hoch, obwohl einige der Redaktionen in der Medienkrise übel bluten mussten. Aber leider heißt das auch, dass dumpfe Routine eingekehrt ist in die Online-Redaktionsstuben. Von der Aufbruchstimmung und der Risikofreude der ersten Jahre ist wenig mehr zu spüren. Online-Journalismus in Deutschland hat sich vor allem beschränkt aufs Nachrichtengeschäft, die wenigen Ausnahmen, etwa Heises &#8220;telepolis&#8221;, sind marginalisiert, ein paar gute Formate wie die grandiosen Presseschauen der Perlentaucher oder das ebenfalls hervorragende &#8220;Altpapier&#8221; in der Netzeitung sind sekundäre Services, die vom geistigen Geschehen in den traditionellen Medien leben.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital</span>: Wird der Online-Journalismus den klassischen Offlinejournalimus im Bereich der Tageszeitungen auf lange Sicht ablösen, also das Ende der papierenen Zeitung bedeuten?</p>
<p>
                            <span class="fett">Lorenz- Meyer</span>: &#8220;Auf lange Sicht&#8221; ist ein sehr dehnbarer Begriff. Meines Erachtens hat die papierne Zeitung gegenüber der Internetseite immer noch das haushoch überlegene Interface: Sie ist besser transportabel und macht erheblich mehr Inhalte in kürzester Zeit auf konkurrenzlos übersichtliche Weise zugänglich, gibt dabei Aufschluss über Länge und Gewichtung der Beiträge, wie keine Website es könnte. Auf den bahnbrechenden Fortschritt bei den Computer-Displays warten wir nun schon seit vielen Jahren, und ich glaube, dass es auch noch viele weitere Jahre dauern wird, bis wir etwas in der Hand halten, das der papiernen Zeitung das Wasser reichen kann. So lange sollten wir Print und Internet als Partnermedien begreifen und uns daran machen, sie besser auf einander abzustimmen, statt sie gegeneinander auszuspielen.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital</span>: Auch der Online-Journalismus kostet Geld. Kann man mit Journalismus im Netz überhaupt Geld verdienen? Geht das nur mit bestimmten Inhalten, aber nicht mit Nachrichten?</p>
<p>
                            <span class="fett">Lorenz- Meyer</span>: Das lässt sich noch nicht wirklich absehen. Ich halte immer noch die Werbung für die wichtigste Erlösquelle. Außerdem entstehen nach und nach auch im Internet publizistische Produkte, für die die Nutzer bereit sind, Geld zu bezahlen. Hier müssen wir noch eine Menge Erfahrungen sammeln, sowohl in der Gestaltung dieser Produkte (Abonnements für Aktuelles oder Archiv, kostenpflichtige On-Demand-Recherchen und Themendossiers etc.) als auch in der Preispolitik: die Tatsache, dass beim Online-Kanal Kosten für Herstellung und Vertrieb kaum eine Rolle spielen, muss sich auch im Pricing niederschlagen, wenn man eine breite Käuferschaft ansprechen will. Aber dafür wird der Markt auf längere Sicht schon sorgen.</p>
<p>
                            <span class="fett">politik-digital</span>: Bedeuten Weblogs jetzt, dass endlich jeder Nutzer selbst zum &#8220;Sender&#8221; werden kann?</p>
<p>
                            <span class="fett">Lorenz- Meyer</span>: Weblogs sind schon jetzt kein Nischenphänomen mehr. Auch wenn in Deutschland die Zahl der Blogs nicht im gleichen Maße steigt wie in anderen Ländern, kann man getrost sagen: „Weblogs are here to stay“. Und sie sind wirklich das, was sich Brecht in seiner Radiotheorie erhofft hat: eine Ermächtigung für den Einzelnen, aus der Rolle des reinen Empfängers herauszutreten und öffentlich sein Publikum zu finden.<br />
                            <br />Für den professionellen Journalismus sind Weblogs jedoch vor allem ein mögliches Format: eine Art Kolumne, die permanent auf Sendung ist. Um so etwas im Zusammenhang eines journalistischen Online-Angebots zu umzusetzen, braucht man exzellente Autoren und/oder Themenfelder, die dauerhaft von Interesse sind. Sonst kommt dabei nichts anderes heraus als Privatbühnen für eine Reihe mehr oder weniger eitler Selbstdarsteller, die sich im Rampenlicht ihrer Marke sonnen.</p>
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