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	<title>68er &#8211; politik-digital</title>
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		<title>&#8220;68er keine historischen Heroen&#8221;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephanie Torge]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Apr 2008 16:37:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
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		<category><![CDATA[Bündnis 90/Die Grünen]]></category>
		<category><![CDATA[Rupert von Plottnitz]]></category>
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					<description><![CDATA[Am Dienstag, 8.4.08, war Rupert von Plottnitz, Ex-RAF-Anwalt und ehemaliger hessischer Minister für Justiz- und Europaangelegenheiten von den Grünen, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über Aus- und Nachwirkungen der 68er, gesellschaftliche Missstände und über die heutige Studentengeneration.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Dienstag, 8.4.08, war Rupert von Plottnitz, Ex-RAF-Anwalt und ehemaliger hessischer Minister für Justiz- und Europaangelegenheiten von den Grünen, zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach über Aus- und Nachwirkungen der 68er, gesellschaftliche Missstände und über die heutige Studentengeneration.<!--break-->  </p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Herzlich<br />
willkommen beim tagesschau-Chat im ARD-Hauptstadtstudio. Aus dem Frankfurter<br />
Studio des Hessischen Rundfunks ist unser heutiger Gast zugeschaltet, mit dem<br />
wir über die Studentenbewegung und ihre Folgen sprechen: Rupert von Plottnitz,<br />
den viele als den Grünen-Politiker in Deutschland kennen, der 1995 in Hessen<br />
ein &quot;klassisches&quot; Minister-Ressort übernommen hat &#8211; für Justiz und<br />
Europaangelegenheiten. Hier sorgten Sie für liberale Reformpolitik &#8211; unter<br />
anderem dafür, dass Sitzblockaden in der &quot;Tradition gewaltloser<br />
Demonstrationsformen&quot; stehen. Ein Erbe Ihrer Zeit als 1968er?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Ich glaube, das wichtigste Erbe der 68er ist die Erkenntnis, dass<br />
Demonstrationen im öffentlichen Raum ein genuines Mittel der politischen<br />
Meinungsbildung und des politischen Meinungskampfes sind. Das war bis tief in<br />
die 60er Jahre hinein noch keine selbstverständliche Erkenntnis. Da galten<br />
Demonstrationen im Zweifelsfall als Störfaktoren und Störungen der öffentlichen<br />
Ordnung.
</p>
<p align="center">
<img decoding="async" src="/wp-content/uploads/rplottnitz300x.jpg" alt="Rupert von Plottnitz" title="Rupert von Plottnitz" height="215" width="203" />
</p>
<p align="center">
<i>Rupert von Plottnitz</i>
</p>
<p>
&nbsp;
</p>
<p>
<b>Hallooooo:</b> Jedes<br />
Medaillon hat zwei Seiten. Was sind Ihrer Meinung nach die negativen<br />
Auswirkungen &quot;Ihrer&quot; Bewegung auf die Gesellschaft und den Staat ?</p>
<p><b>Rupert von Plottnitz</b>: Sicherlich<br />
kritisch zu sehen ist das Verhältnis zur politischen Gewalt, wie es sich bei<br />
Gruppierungen wie der RAF herausgebildet hat.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Die<br />
folgende Frage an Sie ist zugleich eine, die viele User vorab als besonders<br />
wichtig bewertet haben:
</p>
<p>
<b>Dieter Cohnen: </b>Hätte es nicht den größten Teil der heute gern als<br />
Veränderungen der Gesellschaft durch die 68er bezeichneten Entwicklungen nicht<br />
sowieso gegeben? Auch ohne Institutionen-Marschierer?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz: </b>Das glaube ich nicht. Und zwar deswegen, weil es in den<br />
60er Jahren in vielen gesellschaftlichen und politischen Bereichen der alten<br />
Bundesrepublik noch reichlich vordemokratisch zuging. Das Beispiel<br />
Demonstrationen und das Verständnis davon habe ich genannt. Wenn es demokratischer<br />
zugeht seitdem, dann liegt es eben auch an der 68er Generation.
</p>
<p>
<b>79er:</b> Was bleibt von<br />
den Leistungen der 68er?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Der Abstand zwischen den Ansprüchen des Grundgesetzes und der<br />
Verfassungswirklichkeit ist deutlich geringer geworden im Vergleich zu den 60er<br />
Jahren.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Herr von<br />
Plottnitz, Sie dürften gerne etwas ausführlicher antworten!
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Gern: Man vergisst leicht, dass die Wahrnehmung demokratischer Rechte noch in den 60er Jahren vielfach auf Obrigkeit, staatliche<br />
Ressentiments und aggressive Reaktionen stieß. Das ist im Regelfall heute nicht<br />
mehr so der Fall.</p>
<p><b>felix:</b> Ich bin noch jung, deshalb<br />
kenne ich die 68er Bewegung nur aus dem Geschichtsbuch, muss aber sagen, dass<br />
das ganze für mich ein Riesenirrweg war: Freie Liebe, Auflösung der Ehe, gegen<br />
Traditionen und alte Werte, Kinderkriegen erst im Oma-Alter (weil die eigene<br />
&quot;Selbstverwirklichung &quot; wichtiger ist), die beiden Massenmörder Ho<br />
Chi Minh und Mao als Leitfiguren. Inzwischen sind die Alt-68er zu denjenigen<br />
krawatten- und anzugtragenden Spießern geworden, die sie seinerzeit immer<br />
bekämpft haben. Ironie der Geschichte?</p>
<p><b>Rupert von Plottnitz</b>: Also,<br />
Krawatten wurden zu meiner Zeit auch im Bereich der 68er getragen, vor allem an<br />
den Universitäten war das damals noch viel üblicher als heute. Und dass unter<br />
den 68ern von heute auch Spießer sein mögen, ist sicher nicht zu bestreiten.<br />
Das ändert aber aus meiner Sicht nach wie vor nichts daran, dass die 68er in<br />
erheblichem Ausmaß für demokratische Belebung der alten Bundesrepublik und für<br />
eine längst fällige offensive Auseinandersetzung mit den Missständen der<br />
damaligen Zeit gesorgt haben.</p>
<p><b>peter<br />
a:</b> Sehr geehrter Herr Plottnitz. Ich bin<br />
wirklich froh, dass es die 68er-Bewegung gab. Sicher war nicht alles richtig,<br />
was sie wollte und aktiv angegangen ist. Sie hatte ehrenwerte Motive. Sie<br />
wollte einen Neubeginn, ohne den berühmten „Muff von tausend Jahren&quot;. Eine<br />
bessere, sozialere und gerechtere Welt. Sicher war es damals cool, bei den<br />
68ern mitzumischen. Ein Lebensgefühl. Wie kann es sein, dass es nach vierzig<br />
Jahren keine Massenbewegung gegen „Heuschrecken&quot; oder den „gläsernen Bürger&quot; gibt?<br />
Kaum jemand reagiert noch? Geht es den Menschen noch zu gut, oder haben sie<br />
schon resigniert?</p>
<p><b>Rupert von Plottnitz</b>: Die Antwort<br />
auf diese Frage ist sehr schwierig. Denn in der Tat, es gibt ja auch<br />
gegenwärtig Fehlentwicklungen und Missstände, die allen Anlass zur Empörung<br />
gäben.<br />
Warum es heute im Gegensatz zu damals keine<br />
dauerhafte Massenbewegung dagegen mehr gibt, darauf weiß auch ich keine<br />
schlüssige Antwort. Allerdings gibt es ja durchaus auch Widerstand, in anderen Formen als damals. Wenn ich an Organisationen<br />
wie ATTAC z.B. denke oder an Umweltaktivisten bei Greenpeace oder<br />
vergleichbaren Gruppierungen.
</p>
<p>
<b>robert_mey:</b> 40 Jahre<br />
nach 1968 scheint die Studentenbewegung tot zu sein. Woran kann dies liegen?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Eine Rolle spielt aus meiner Sicht sicherlich, dass auch unter Studenten<br />
heutzutage Existenzangst eine größere Rolle spielt, als dass zur damaligen Zeit<br />
der Fall war. Studenten am Ende der 60er Jahre hatten in aller Regel keinen<br />
Anlass zu der Angst, brotlos leben zu müssen.
</p>
<p>
<b>antares:</b> wie ist es um das<br />
Durchhaltevermögen von 68er bestellt? Sind Sie / sie überhaupt noch sichtbar<br />
bzw. in einflussreichen Positionen?<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>: Wer<br />
sich in der Politik der Bundesrepublik umsieht, wird feststellen, dass in den<br />
Parteien  &#8211; namentlich bei den Grünen<br />
&#8211;  eine Reihe von Personen aktiv waren<br />
oder noch sind, die durch 68 geprägt wurden.
</p>
<p>
<b>MSchneider:</b> Inwieweit<br />
hatte die Gesellschaftskritik der &quot;Außerparlamentarischen Opposition&quot;<br />
überhaupt den Anspruch, den politischen Status Quo der BRD Ende der 60er zu<br />
reformieren, d.h. inwieweit ist von einem &quot;konstruktiven&quot; Protest zu<br />
sprechen und nicht von einem Protest, der den Geltungsanspruch des politischen<br />
Systems von vornherein ablehnte?</p>
<p><b>Rupert von Plottnitz</b>: Nach meiner<br />
Erinnerung ging es in den Anfängen dessen, was heute mit 68 gemeint ist,<br />
durchaus um die Forderung nach einer Demokratisierung der Gesellschaft, sprich<br />
um die Forderung nach Reformen. Erst mit der Heftigkeit der staatlichen<br />
Reaktionen auf diese Forderung kam eine Militanz auf, die so etwas wie den<br />
Systemwechsel wollte.
</p>
<p>
<b>smrtfasz:</b> Gibt es<br />
Gruppen welche Sie als &quot;Erben&quot; der 68er ansehen?</p>
<p><b>Rupert von Plottnitz</b>: In den<br />
Anfängen der Grünen gab es sicherlich Gruppierungen, die sich als Erben der<br />
68er verstanden haben. Denken Sie an jemanden wie Rudi Dutschke, der zu den<br />
Gründungsmitgliedern der Grünen gehörte. Für die SPD und Teilbereiche der SPD, insbesondere<br />
früher bei den Jungsozialisten, gilt sicherlich das gleiche.</p>
<p><b>Ping:</b> Haben sich die Rebellen von einst schlucken lassen? Oder<br />
wie ist es zu erklären, dass heute ein Oskar Lafontaine weiter links steht als<br />
die meisten Grünen? Sind die 68er dem Geschmack der Macht erlegen, haben sie<br />
sich kaufen lassen? Sind Ideale der &quot;Realo-Politik&quot; geopfert worden? </p>
<p><b>Rupert<br />
von Plottnitz</b>: Die 68er-Zeit liegt 40<br />
Jahre zurück. Inzwischen ist viel passiert, auch weil es die 68er gab. Nach<br />
meinem Eindruck, wurde da niemand geschluckt, allerdings hat sich die<br />
Erkenntnis durchgesetzt, dass der Weg der Parlamente und der Demokratie in<br />
Ländern wie der Bundesrepublik noch immer das probateste Mittel ist, um<br />
erwünschte gesellschaftliche und politische Veränderungen zu realisieren.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Hier ein<br />
kurzes User-Statement, keine Frage. Möchten Sie darauf dennoch reagieren?</p>
<p><b>chong:</b> Die &quot;68er&quot; haben genauso viel und genauso wenig<br />
geleistet wie Dutzende andere Gruppierungen der gleichen Generation.
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Es gibt überhaupt keinen Grund, die 68er zu idealisieren oder zu historischen<br />
Heroen aufzublasen, aber wo etwa im Bereich der demokratischen Kultur im Lande<br />
ihre ursprünglichen Verdienste lagen, habe ich ja versucht deutlich zu machen.</p>
<p><b>Moderatorin</b>: Sind Politiker der so<br />
genannten bürgerlichen Parteien beeinflusst von 1968 &#8211; woran sehen Sie das?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Auch wieder im Bereich der demokratischen Frage. Wenn sich am Ende der 60er<br />
Jahre die Einsicht durchgesetzt hat, dass erhebliche Teile des damaligen<br />
Demonstrationsstrafrechts keinen Bestand vor dem Grundrecht der<br />
Versammlungsfreiheit haben können und deswegen gestrichen werden müssen, dann<br />
liegt das eben auch an den so genannten 68ern.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Eine<br />
persönlichere Frage an Sie:</p>
<p><b>Daniel:</b> Stehen Sie auch heute noch zu ihrer Rolle als Verteidiger<br />
der RAF oder inwiefern hat sich ihre Meinung zu Selbiger verändert?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Im Großen und Ganzen stehe ich zu der Rolle, die ich damals als Verteidiger<br />
gehabt habe. Es gab sicherlich in dem ein oder anderen Verfahren verbale<br />
Schärfen, die auch mir heute fremd vorkommen. Aber wenn es die gab, dann im<br />
Wesentlichen deshalb, weil es solche Schärfen sehr wohl auch bei den übrigen<br />
Verfahrensbeteiligten, sprich Anklägern und Gerichten gab.
</p>
<p>
<b>al_capone:</b> Meinen Sie,<br />
dass die 68er den Überwachungsstaat nur ein wenig aufschieben konnten? Ist<br />
angesichts der modernen Gefahren eine solche Überwachung nötig oder wird<br />
überreagiert? Wie beurteilen Sie die Arbeit ihres früheren Kollegen Otto Schily<br />
und die seines Nachfolgers Wolfgang Schäuble? Insbesondere das Verhältnis von<br />
Sicherheitsgewinn zu Freiheitsverlust.
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Der wesentliche Unterschied der Gegenwart zur damaligen Vergangenheit liegt<br />
sicherlich darin, dass es technologisch ganz andere und neue Möglichkeiten der<br />
Überwachung von Bürgerinnen und Bürgern gibt. Was Schily und Schäuble angeht:<br />
Da gehöre ich zu den Skeptikern, weil ich glaube, dass sie zu häufig der<br />
Meinung sind, man müsse in der Auseinandersetzung mit dem islamistischen Terror<br />
auf rechtsstaatliche Sicherungen verzichten. Die aber gerade gilt es gegen<br />
diesen Terror zu verteidigen.</p>
<p><b>Daniel:</b> Die Rechte der Bürger werden heute mehr und mehr<br />
eingeschränkt. Doch anders als damals scheint sich heute kein Widerstand zu<br />
regen. Woran liegt das?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Das hat möglicherweise auch mit der Verbreitung der neuen Technologien und der<br />
dazugehörenden Medien zu tun. Der Wunsch und das Bedürfnis nach Intimität und<br />
Privatheit scheint weniger verbreitet zu sein als früher. Es gibt ja<br />
Zeitgenossen, die drängt es geradezu danach, sich mit ihren Intimitäten und<br />
Privatheiten in der öffentlichen Medienwelt zu präsentieren. Bei solchen<br />
Vorzeichen nimmt die Zahl derjenigen ab, die auch staatlichen Instanzen<br />
gegenüber Wert auf ihre Freiheitsrechte legen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Noch<br />
einmal zurück zum politischen Engagement von Studenten, das viele unserer<br />
Chat-Leser und -Fragenden bewegt:</p>
<p><b>DanielOL:</b> Nochmals kurz zurück zur derzeitigen &quot;Lage&quot; der<br />
Studenten. Sehen sie eher einen politischen/gesellschaftlichen Vorteil darin,<br />
dass Studenten heute weniger aktiv ihre Meinungen und Rechte vertreten oder<br />
können aus Sicht der Politik und Gesellschaft eventuell gar Nachteile darin<br />
bestehen, dass man es hier mit &quot;angepassten/ängstlichen&quot; Studenten zu<br />
tun hat?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Wenn ich an die Auseinandersetzung um die Studiengebühren, z.B. hier in Hessen<br />
denke, dann ist es ja durchaus nicht so, dass Studenten nur lethargisch auf das<br />
Zeitgeschehen reagieren. Aber richtig bleibt auch: Je weniger Menschen &#8211; ob<br />
Studenten oder nicht &#8211; sich für die öffentlichen Angelegenheiten interessieren<br />
und engagieren, umso schwieriger wird es für die Demokratie und umso leichter<br />
haben es geschworene Feinde der Demokratie.
</p>
<p>
<b>Jonnybla:</b> Was fehlt<br />
den heutigen Studenten, weshalb sie im Gegensatz zur den 68ern so unpolitisch<br />
sind?</p>
<p><b>Rupert von Plottnitz</b>: Einen<br />
wichtigen Punkt habe ich, glaube ich, schon genannt: Es gibt auch bei Studenten<br />
mehr als früher soziale Ängste und Existenzängste. Die könnten das Engagement<br />
für politische Aufmüpfigkeit und Kritik dämpfen.</p>
<p><b>emma:</b> Mit welchem Slogan würden Sie heute als Jugendlicher auf<br />
die Straße gehen?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Ein Experte für Slogans war ich nie, die sind mir im Regelfall zu kurz. Aber<br />
der Satz &quot;Demokratie und Rechtsstaat lassen sich nicht mit den Mitteln<br />
ihrer Feinde und Gegner verteidigen&quot; könnte mir schon gefallen.
</p>
<p>
<b>trubel:</b> Vielleicht bin<br />
ich zu jung &#8211; aber mir ist nie klar, was die 68er eigentlich als soziale<br />
Gerechtigkeit verstanden haben?</p>
<p><b>Rupert von Plottnitz</b>: Sie haben<br />
wahrscheinlich unter sozialer Gerechtigkeit die Beseitigung dessen verstanden,<br />
was auch heute zu Recht als Ungerechtigkeit wahrgenommen wird. Nämlich dass am<br />
oberen Ende der Gesellschaft ein neofeudaler Reichtum statthält, während am<br />
unteren Ende der Gesellschaft immer mehr Menschen Probleme haben, eine<br />
menschenwürdige Existenz zu führen.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Hier zwei<br />
kurze aktuelle Leser-Beiträge:
</p>
<p>
<b>kheptner:</b> Studenten<br />
von heute haben einfach kein Interesse.</p>
<p><b>chong:</b> Als Jugendlicher muss ich<br />
heute nicht auf die Straße gehen, sondern ins Internet.
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Dass Studenten prinzipiell interessenlos sind, das wäre aus meiner Sicht eine<br />
unzulässige Verallgemeinerung und mehr ein Vorurteil. Und ob mit den Mitteln<br />
des Internets mehr durchzusetzen ist als mit den Mitteln der klassischen<br />
Demonstration und Versammlung, den Beweis sehe ich noch nicht. Eine Anmerkung<br />
noch, das betrifft aber sicherlich nicht<br />
Länder wie die Bundesrepublik: Unter den Bedingungen der politischen Diktatur<br />
ist das Internet sicherlich ein sehr erwünschtes Widerstandsmedium.</p>
<p><b>Jonnybla:</b> Vielleicht liegt es daran, dass heutige Studenten keinen<br />
moralischen Konflikt mit der Vorgeneration haben und aufgrund des angespannten<br />
Arbeitsmarktes und des Bachelor-/ Mastersystems und der Studiengebühren keine<br />
Zeit mehr zur politischen Orientierung haben. Halten Sie diese Entwicklung für<br />
richtig?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Richtig ist sicherlich, dass die 68er ja nicht vom Himmel gefallen sind. Es<br />
waren im wesentlichen drei Punkte, die sie hervorgebracht haben: Zum einen die<br />
Verdrängung des NS-Terrors in der Gesellschaft der alten Bundesrepublik und die<br />
Repräsentanz von NS-Tätern in den Eliten der alten BRD, die<br />
Menschenrechtsverbrechen im Vietnamkrieg und undemokratische Reaktionen auf<br />
demokratische Versammlungen. Vergleichbare Punkte auf denen sich Widerstand<br />
heutzutage konzentrieren könnte, gibt es möglicherweise nicht mehr in gleicher<br />
Form.</p>
<p><b>Moderatorin</b>: Lassen Sie uns zu den<br />
Einflüssen der 68er auf die aktuelle Politik kommen!</p>
<p><b>72er:</b> Lieber Herr von Plottnitz, finden Sie, dass sich das<br />
politische System in seinen Grundfesten verändert hat, wenn man mal die<br />
Gewissensfreiheit des Abgeordneten im Fall Ypsilanti näher betrachtet? Haben<br />
die 68er den Einfluss von Lobbyisten und der Medien wirklich zurückgedrängt?<br />
Sind die abendlichen &quot;Talkshows&quot; ein Spiegelbild von<br />
Scheindemokratie?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Talkshows sind Diskussionen und keine parlamentarischen Entscheidungsgremien,<br />
das wird manchmal vergessen. Ansonsten dürfte eins der entscheidenden Probleme<br />
der Gegenwart darin bestehen, dass sich demokratisch legitimierte Politik mit<br />
ihren Mitteln und Möglichkeiten im Verhältnis zu mächtigen Markt- und<br />
Wirtschaftsinteressen immer weniger zutraut.
</p>
<p>
<b>grummthater:</b> Wie<br />
bewerten Sie in diesem Kontext die heutigen &quot;politischen Skandale&quot; &#8211; Reaktionen<br />
auf Guantanamo Bay und die Behandlung der G8-Gegner vor und während dem Gipfel?<br />
Sind das nicht auch ähnliche Gründe? Und warum bleibt dann solch eine<br />
Breitenwirkung aus?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Der G8-Gipfel ist ja ein Beispiel dafür, dass es dankenswerterweise nach wie vor<br />
kritische Wachsamkeit und kritische Reaktionen auf die aktuellen politischen<br />
Missstände dieser Welt gibt. Zu Guantanamo wird ja Gott sei Dank der Druck<br />
selbst in den USA inzwischen groß und größer, mit einem solchen Raum der<br />
rechtsfreien Willkür endlich Schluss zu machen. Man kann da nur hoffen, dass<br />
dieser Druck möglichst schnell die nötigen Erfolge zeigt.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Gäbe es<br />
die Grünen ohne 1968? Wäre Schwarz-Grün als Regierungskoalition ohne 1968 denkbar?</p>
<p><b>Rupert von Plottnitz</b>: Ich glaube,<br />
dass bei den Grünen zumindest in den Anfangsjahren viele Traditionen, die auch<br />
bei den 68ern eine Rolle spielten, virulent waren. Ich denke da insbesondere an<br />
die Forderung nach möglichst direkten demokratischen Entscheidungsformen. <br />
Ein Zusammenhang zwischen 1968 und Schwarz-Grün als<br />
Möglichkeit vermag ich zumindest noch nicht zu erkennen.<br />
<b></b>
</p>
<p>
<b>karl:</b> Sehr geehrter Herr von Plottnitz, würden Sie Herrn Köhler<br />
raten, Christian Klar zu begnadigen und wenn ja, mit welcher Begründung?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Zur Natur von Gnadenakten gehört, dass sie umso rarer werden, je öffentlicher<br />
und größer der Druck ist, der auf die jeweils zuständigen<br />
Entscheidungsinstanzen ausgeübt wird. Deswegen sehe ich ab von Ratschlägen dieser<br />
Art, wie sie hier nachgefragt werden.</p>
<p><b>Moderatorin</b>: Zwei Nachfragen zu<br />
neuen diskutierten Koalitionen:
</p>
<p>
<b>Unteilbar:</b> Grüne und<br />
CDU, was sagen Sie dazu? SPD und Linke &#8211; unvereinbar?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Grüne und CDU, da fehlt mir zumindest für Hessen bisher noch die Phantasie,<br />
schließlich ist der CDU-Landesverband in Hessen in besonders aggressiver Weise<br />
rechtskonservativ orientiert. SPD und Linke: Da gibt es inhaltlich vermutlich<br />
mehr Gemeinsamkeiten als beide erahnen, aber noch scheint das Bedürfnis, die<br />
Linke zu dämonisieren, bei der SPD insgesamt größer zu sein als mögliche<br />
realpolitische Vernunft, wenn es um potenzielle Bündnisse geht.
</p>
<p>
<b>studentin:</b> Sie kennen<br />
sich aus mit Protest gegen Staatsgewalt. Wie stehen Sie zur Debatte um den<br />
Boykott der Olympischen Spiele? Welche Form des Protestes gegen den<br />
Unrechtsstaat China ist sinnvoll?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Bei den Olympischen Spielen wundert mich am meisten, dass erst jetzt<br />
aufzufallen scheint, dass in China eine politische Diktatur das Sagen hat.<br />
Warum dorthin die Olympischen Spiele überhaupt vergeben worden sind, wissen<br />
wahrscheinlich nur die Sponsoren der Spiele. Ich selbst könnte mit einem<br />
Boykott gut leben, solange sich in der Situation der Menschenrechte in China &#8211;<br />
nicht nur in Tibet &#8211; nichts Entscheidendes ändert.
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Während<br />
des Chats haben wir unsere User gefragt: Ist den 68ern der Marsch durch die<br />
Institutionen gelungen? Hier die Antwort: 50 Prozent haben &quot;Ja&quot;<br />
gesagt, 50 Prozent &quot;Nein&quot;. Herr von Plottnitz &#8211; können Sie mit dieser<br />
Bilanz leben?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Bestens!
</p>
<p>
<b>Moderatorin</b>: Eine<br />
persönliche Frage zum Schluss: Gibt es etwas, was Sie sehr bereuen &#8211; was z.B.<br />
ist mit dem unkritischen Blick der 68er gegenüber Pol Pot und Mao Zedong?
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Das ist sicherlich ein wichtiger Punkt der Selbstkritik aus heutiger Sicht.<br />
Ich habe auch zu denen gehört, die die Kulturrevolution in China für einen<br />
Moment der Demokratisierung erstarrter Parteistrukturen gehalten hat. Das war<br />
ein böser Irrtum, den ich heute nur bedauern kann.</p>
<p><b>Moderatorin</b>: Das war eine<br />
interessante zeithistorische Stunde hier im tagesschau-Chat. Herzlichen Dank,<br />
Herr von Plottnitz, dass Sie sich Zeit für die Diskussion mit den Lesern von<br />
tagesschau.de und politik-digital.de genommen haben. Dankeschön auch an unsere<br />
User für die vielen Fragen, die wir leider nicht alle stellen konnten.
</p>
<p>
<b>Rupert von Plottnitz</b>:<br />
Einen schönen Gruß auch an die Moderatorin, einen Dank zurück und vielen Dank<br />
für das Interesse bei den Anfragenden.
</p>
<p>
&nbsp;</p>
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