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	<title>ADHS &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Zwischen medialen Mythen und Gender Bias – ADHS jenseits der Klischees</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Noomi Lucia Blumenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Aug 2025 14:07:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="wpb-content-wrapper"><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-0"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column text-lead" ><p><span class="TextRun SCXW126752907 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW126752907 BCX8">ADHS wird nach wie vor überwiegend mit Jungen und Männern in Verbindung gebracht. Bei Mädchen und Frauen bleibt die Störung deshalb oft unerkannt oder wird fehldiagnostiziert – eine Wahrnehmung, die auch durch mediale Darstellung</span><span class="NormalTextRun SCXW126752907 BCX8">en</span><span class="NormalTextRun SCXW126752907 BCX8"> begünstigt wird.</span></span><span class="EOP SCXW126752907 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><span class="TextRun SCXW254355215 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW254355215 BCX8">Da steht es nun, schwarz auf weiß: Aufmer</span><span class="NormalTextRun SCXW254355215 BCX8">k</span><span class="NormalTextRun SCXW254355215 BCX8">samkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Und ich bin vor allem eins: erstaunt. Ein paar Monate zuvor wurde mir der Verdacht von einer behandelnden Psychologin mitgeteilt. Auch das, zu meiner Überraschung. Ich hatte es einige Zeit vorher selbst vermutet und sogar einen Termin bei einem Psychiater gefunden. Dieser sprach fünfzehn Minuten mit mir, sah sich meine Grundschulzeugnisse an und konkludierte schließlich: es könne keine ADHS vorliegen, es scheine ich sei in der Schule konzentriert gewesen. Ich verließ die Praxis eingeschüchtert und beschloss mir keine Gedanken mehr darüber zu machen.</span></span><span class="EOP SCXW254355215 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="uncode_text_column" ><p><span class="TextRun SCXW53393461 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">Bei meiner zweiten Diagnostik teilte man mir mit, dass Mädchen</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> und Frauen</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> mit ADHS unter anderem oft nicht diagnostiziert werden, weil sie weniger negativ auffallen</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">, z.B. in der Schule.</span> <span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">Das war ein Augenöffner. </span><span class="NormalTextRun CommentStart SCXW53393461 BCX8">Trotzdem relativierte ich während </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">de</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">r Anamnese</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> sämtliche </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">meiner</span> <span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">Aussagen und Selbstbeschreibungen und verließ den Raum unsicher.</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> Als ich den Befund in der Hand hielt, konnte ich es nicht glauben. Als ich es meinen Freund*innen erzählte, konnte ich es noch immer nicht glauben. Ich </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">glaubte und verstand es erst,</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> als ich begann </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">die Geschichte der Diagnose zu recherchieren und </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">die Berichterstattung zu </span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">analysier</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8">en</span><span class="NormalTextRun SCXW53393461 BCX8"> und feststellte, wie eingeschränkt der mediale, gesellschaftliche und medizinische Blick auf ADHS lange war und noch immer ist.</span></span><span class="EOP SCXW53393461 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h2 class="fontsize-213217" ><span><strong><span class="TextRun SCXW75016895 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW75016895 BCX8">Stereotypen und Gender Bias</span></span><span class="EOP SCXW75016895 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></strong></span></h2></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode_text_column" ><p><span data-contrast="auto">Wie die meisten Menschen, bin ich mit einem sehr stereotypen Bild von ADHS aufgewachsen. Bereits in meiner Kindheit festigte sich das Bild vom im Unterricht störenden Jungen, der nicht stillsitzen kann, Lehrer*innen gegenüber frech oder sogar aggressiv ist und deswegen wahrscheinlich mindestens eine Klassenstufe wiederholen muss. Im Gegensatz zu diesen Stereotypen kann ADHS sehr unterschiedlich aussehen. Die Symptome müssen bereits im Kindesalter präsent sein, in mehreren Lebensbereichen auftreten und die Betroffenen im Alltag einschränken. Sie dürfen ebenfalls durch kein anderes Krankheitsbild erklärt werden. Hohe Impulsivität bzw. geringe Impulskontrolle, geminderte Aufmerksamkeit, aber starke Schübe von Hyperfokus bei Themen und/oder Aktivitäten, die von persönlichem Interesse sind, motorische Hyperaktivität &amp; exekutive Dysfunktion, welche sich z.B. in Schwierigkeiten mit (Selbst-)Organisation oder Prokrastination zeigen können – doch das sind klinische Beschreibungen. Die Erfahrung von ADHS beschreiben Betroffene oft als einen konstanten Chaos im Kopf oder eine immerwährende Unruhe.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Der Grund für die teils zwar wahren, aber irreführenden Stereotypen und den damit einhergehenden, fehlenden Diagnosen bei Mädchen und Frauen liegt unter anderem in der Historie von ADHS.</span></p>
<p><span data-contrast="auto">Wissenschaftler*innen gingen lange davon aus, dass ADHS eine Störung ist, die nur im Kindesalter vorliegt und sich auswächst. Sie ist daher erst seit 1992 mit der damals aktuellen Version der </span><i><span data-contrast="auto">International Classification of Diseases</span></i><span data-contrast="auto"> (ICD 10) bei Erwachsenen diagnostizierbar. Gegenstand der Forschung waren bis in die achtziger Jahre Kinder, und vor allem Jungen. Die Geschichte der Ausgrenzung von Frauen aus der medizinischen und psychiatrischen Forschung ist auch </span><a href="https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Frauen-in-der-Medizin-Darum-werden-sie-haeufig-benachteiligt-,medizin284.html"><span data-contrast="none">heutzutage</span></a><span data-contrast="auto"> ein großes Problem. Patriarchale Sozialisation und geschlechtsbezogene Vorurteile wie Erwartungen </span><i><span data-contrast="auto">(Gender Bias)</span></i><span data-contrast="auto"> verändern sowohl die Präsentation als auch die Wahrnehmung von ADHS-Symptomen bei Mädchen und Frauen: sie internalisieren ihre Unruhe eher, sind besser in der Lage Verhalten zu kaschieren oder zu maskieren – sich sozial anzupassen. Sie neigen zu Höflichkeit und Zurückhaltung und behalten Probleme eher für sich. Die Erfahrung von der Norm abzuweichen wird schambehaftet, der Selbstwert leidet. Natürlich wird diese Erfahrung nicht nur von Frauen und Mädchen gemacht, generell hat ADHS eine hohe </span><a href="https://adhs-deutschland.de/begleitstoerungen/die-begleiterkrankungen-bei-adhs-assoziierte-stoerungen-oder-komorbiditaeten"><span data-contrast="none">Komorbidität</span></a><span data-contrast="auto"> mit psychischen, wie physischen Krankheiten und Störungen. Kinder mit ADHS haben in bis zu 30% der Fälle eine Rechen- oder Leserechtschreibschwäche. Bis zu 50% der Erwachsenen mit ADHS leiden im Laufe ihres Lebens unter einer Depression oder einer Angststörung, auch Bluthochdruck ist dreimal so häufig. Das Stereotyp, nur Jungen oder Männer seien betroffen, teilt sich ADHS mit der Autismus-Spektrum Störung. Und nicht nur das, die beiden Diagnosen konnten bis 2013 nicht simultan gestellt werden, da man davon ausging, sie würden einander ausschließen. Mittlerweile ist dies widerlegt und Studien vermuten, dass die beiden eine </span><a href="https://www.medicalnewstoday.com/articles/audhd#overview"><span data-contrast="none">hohe Komorbidität</span></a><span data-contrast="auto"> aufweisen können.</span><br />
<span data-contrast="auto">Ob anerzogenes Verhalten, gesellschaftliche Erwartungen oder Komorbiditäten, meistens wird </span><span data-contrast="auto">eine</span><span data-contrast="auto"> ADHS als zugrunde liegende Problematik nicht erkannt, </span><a href="https://www.focus-gesundheit.de/magazin/gender-health-gap-adhs-wird-bei-frauen-oft-uebersehen"><span data-contrast="none">insbesondere bei Mädchen und Frauen</span></a><span data-contrast="auto">. Aber wie passt das zu den aktuellen Debatten um die sogenannte </span><i><span data-contrast="auto">„Modediagnose“</span></i><span data-contrast="auto"> ADHS?</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h2 class="fontsize-213217" ><span><strong><span class="TextRun SCXW72491651 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW72491651 BCX8">Über- oder Unterdiagnostiziert?</span></span><span class="EOP SCXW72491651 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></strong></span></h2></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode_text_column" ><p><span data-contrast="auto">Egal ob in Artikeln, Podcasts oder Reportagen – momentan wird viel über ADHS berichtet und diskutiert. Im </span><a href="https://www.swr.de/swrkultur/leben-und-gesellschaft/streit-um-adhs-ist-die-krankheit-eine-versteckte-begabung-forum-2025-01-31-100.html"><span data-contrast="none">SWR Kultur Forum</span></a><span data-contrast="auto"> wurde erst Ende Juli die Frage gestellt, ob es sich bei der Diagnose um </span><i><span data-contrast="auto">„eine Krankheit oder eine versteckte Begabung“</span></i><span data-contrast="auto"> handle und in der </span><a href="https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/gesellschaft/adhs-krankheit-astrid-neuy-lobkowicz-e022255/?reduced=true"><span data-contrast="none">Süddeutschen Zeitung</span></a><span data-contrast="auto"> spricht die Ärztin Astrid Neuy-Lobkowicz darüber, dass sie pro Monat 350 Anfragen zu einer Diagnostik bekäme. Oft kommt die Frage, oder gar Behauptung auf, es handle sich bei ADHS um eine </span><a href="https://www.3sat.de/kultur/kulturplatz/kulturplatz-vom-29-maerz-2025-100.html"><span data-contrast="none">Modediagnose</span></a><span data-contrast="auto">. </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Sieht man sich die Daten aus den 2000er und 2010ern an, lässt sich eine vermehrte Häufigkeit von Diagnosen feststellen. So stieg zwischen 2009 und 2014 laut </span><a href="https://www.aerzteblatt.de/archiv/adhs-in-deutschland-trends-in-diagnose-und-medikamentoeser-therapie-a54340f8-3a0f-4c2e-bc8f-56ba5d5fd14e"><span data-contrast="none">einer Auswertung von Krankenkassendaten</span></a><span data-contrast="auto"> die Menge an Diagnosen bei 18–69-Jährigen von 0,2 auf 0,4 Prozent. Ebenso fand eine in der </span><i><span data-contrast="auto">Cambridge University Press</span></i><span data-contrast="auto"> veröffentlichte </span><a href="https://www.cambridge.org/core/journals/bjpsych-open/article/attentiondeficit-hyperactivity-disorder-diagnoses-and-prescriptions-in-uk-primary-care-20002018-populationbased-cohort-study/E0818CCAE895FF273C7448756CFB0066"><span data-contrast="none">Studie</span></a><span data-contrast="auto"> aus dem Jahr 2023 einen Anstieg an ADHS-Diagnosen in fast allen Altersgruppen in den Jahren 2000 bis 2018 in England.</span><br />
<span data-contrast="auto">Eine andere aktuelle</span> <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0165032725008638?via%3Dihub"><span data-contrast="none">Studie</span></a> <span data-contrast="auto">im </span><i><span data-contrast="auto">Journal of Affective Disorders </span></i><span data-contrast="auto">konnte hingegen keinen Anstieg in der globalen Prävalenz von ADHS seit 2020 feststellen. Sie merkt ebenfalls an, dass es aufgrund der Covid-19 Pandemie und unzureichenden, hochqualitativen Studien zur Thematik schwer ist, aussagekräftige Ergebnisse zur Prävalenz von ADHS zu erzielen. </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Was jedoch in den in den letzten zehn Jahren enorm anstieg, ist die </span><a href="https://www.aerzteblatt.de/news/pravalenz-von-adhs-weltweit-nicht-angestiegen-nachfrage-nach-diagnostik-schon-20ea2623-4957-4438-aecf-bf28fe14e127"><span data-contrast="none">mediale Aufmerksamkeit</span></a><span data-contrast="auto"> für ADHS: zwischen Januar und Mai 2014 wurden global 5.775 Artikel zu ADHS veröffentlicht, im gleichen Zeitraum 2024 waren es 25.080 Artikel.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h2 class="fontsize-213217" ><span><strong><span class="TextRun SCXW23475743 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW23475743 BCX8">Einsamkeit, trotz Aufmerksamkeit</span></span><span class="EOP SCXW23475743 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></strong></span></h2></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode_text_column" ><p><span class="TextRun SCXW254402997 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">Die größere gesellschaftliche und mediale Aufmerksamkeit ermöglicht es Betroffenen </span><span class="NormalTextRun CommentStart SCXW254402997 BCX8">einfacher an Informationen zur Störung kommen, somit</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8"> beginnen</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8"> bisherige Stigmata </span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">sich zu lösen</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8"> und die Menge an Menschen, die vermuten unter ADHS zu leiden, steigt. </span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">Die Autor</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">*innen der Studie des </span></span><span class="TextRun SCXW254402997 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">Journal </span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">of</span> <span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">Affective</span> <span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">Disorders</span> </span><span class="TextRun SCXW254402997 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">vermuten dies ebenso. Somit verlängern sich Wartelisten, bis sie geschlossen werden – ein relevanter Aspekt der ohnehin bereits bestehenden medizinischen- und vor allem psychiatrischen Unterversorgung: Kosten müssen entweder vollständig oder teils selbst erbracht werden, nur eine Minderheit des medizinischen Fachpersonals ist auf ADHS spezialisiert und behandelt, wie bereits erwähnt, oftmals unter einem Gender Bias. Der Prozess zur Diagnose und Behandlung, wie z.B. durch Medikation ist dadurch stark erschwert, in den meisten Fällen dauert es Jahre von eine</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">m</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8"> Ver</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8">dacht</span><span class="NormalTextRun SCXW254402997 BCX8"> bis zur Behandlung.</span></span><span class="EOP SCXW254402997 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div><div class="vc_custom_heading_wrap "><div class="heading-text el-text" ><h2 class="fontsize-213217" ><span><strong><span class="TextRun SCXW105178728 BCX8" lang="DE-DE" xml:lang="DE-DE" data-contrast="auto"><span class="NormalTextRun SCXW105178728 BCX8">Von </span><span class="NormalTextRun SCXW105178728 BCX8">Verklärung</span> <span class="NormalTextRun SCXW105178728 BCX8">und</span><span class="NormalTextRun SCXW105178728 BCX8"> Veränderung</span></span><span class="EOP SCXW105178728 BCX8" data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></strong></span></h2></div><div class="clear"></div></div><div class="uncode_text_column" ><p><span data-contrast="auto">ADHSler*innen können durch ihre unkonventionelleren Denkweisen oft sehr kreativ und energiegeladen sein und besondere Problemlösungs-Kompetenzen aufweisen. Viele wollen diese Eigenschaften nicht missen und sich insbesondere nach einer späten Diagnose bestärken, ihr Sein frei und ohne Scham ausleben. Begleitet wird dies durch einen Perspektivwechsel, den Betroffene momentan zunehmend für sich schaffen. Statt ADHS als Störung zu bezeichnen, wird sie dem Konzept der Neurodivergenz zugeschrieben, dies</span><span data-contrast="auto"> lehnt </span><span data-contrast="auto">an das wesentlich ältere, </span><i><span data-contrast="auto">soziale Modell von Behinderung</span></i><span data-contrast="auto">, welches theoretisiert, dass psychische oder physische Einschränkungen bzw. Behinderungen durch soziale und gesellschaftliche Umstände erst zu Einschränkungen werden. So sieht das Konzept der Neurodivergenz neurobiologische Abweichungen nicht als krankhaft, sondern als Teil menschlicher Vielfalt. Der Begriff ist nicht neu, bereits 1998 schrieb der Journalist Harvey Blume im Atlantic zu Neurodiversity. Im Spektrum der Neurodiversität liegen ADHS, Autismus, Legasthenie, Dyskalkulie und Dyspraxie.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Sowohl das soziale Modell von Behinderung als auch Neurodivergenz werden von Betroffenen wie Wissenschaftler*innen diskutiert, insbesondere weil es Einschränkungen gibt, die Betroffene unabhängig von ihrer Umwelt beeinträchtigen. Die Konzepte werden allerdings auch als sinnvoll erachtet um psychiatrische, medizinische und gesellschaftliche Institutionen und Normen zu kritisieren und (Selbst-)Akzeptanz zu stärken.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Auch die Berichterstattung zu ADHS legt ihr Augenmerk auf diese Wandlung und die neu gefundene Bestärkung der Identifikation mit Neurodivergenz, interpretiert diese jedoch als </span><i><span data-contrast="auto">„Hype“</span></i><span data-contrast="auto"> um die Störung – eine fehlgeleitete Konklusion. Der Spiegel beschreibt in einem gleichnamigen, aktuellen </span><a href="https://www.spiegel.de/kultur/adhs-diagnose-wie-der-hype-um-hyperaktivitaet-zu-steigenden-zahlen-fuehrt-a-c0060b55-88e5-40fc-9656-a4afd662ce04"><span data-contrast="none">Artikel</span></a> <i><span data-contrast="auto">„die neue Attraktivität“</span></i><span data-contrast="auto"> der Diagnose. Dort liegt die Problematik; obwohl Betroffene ihre Erfahrungen mit ADHS zu leben, ADHSler*innen </span><i><span data-contrast="auto">zu sein</span></i><span data-contrast="auto">, von Scham befreien und positives darin sehen, vielleicht sogar Vorteile finden, lässt nicht darauf schließen, die Diagnose würde als etwas Begehrliches gesehen. Ein nicht zu vernachlässigender Teil der aktuellen medialen Berichterstattung und Atmosphäre legen dies allerdings nahe. Man könne so weit gehen, es als neustes ADHS-Stereotyp zu sehen – etwas womit man sich gerne und leicht identifiziert, eine beliebte Gruppenzugehörigkeit. Die Wahrnehmung und Verbreitung von ADHS in Kultur und Gesellschaft sollte auch medial analysiert werden, doch das muss scharfsinnig und emphatisch geschehen. Denn wenn eine ADHS bei vielen Betroffenen, zumeist Frauen, erst im Erwachsenenalter erkannt wird, und dies nur nach einem langen Weg des Ungewissen und Scham, kann die Diagnose wirklich so populär sein?</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
</div></div></div></div></div></div><script id="script-row-unique-0" data-row="script-row-unique-0" type="text/javascript" class="vc_controls">UNCODE.initRow(document.getElementById("row-unique-0"));</script></div></div></div><div data-parent="true" class="vc_row row-container" id="row-unique-1"><div class="row limit-width row-parent"><div class="wpb_row row-inner"><div class="wpb_column pos-top pos-center align_left column_parent col-lg-12 single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p>Titelbild unter Public Domain:<br />
Der Struwwelpeter: Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug Tafel 2, 1858, Heinrich Hoffmann</p>
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</div></div></div></div></div></div><div class="wpb_column pos-middle pos-center align_right column_parent col-lg-8 styleptrl--cc-module--col single-internal-gutter"><div class="uncol style-light"  ><div class="uncoltable"><div class="uncell no-block-padding" ><div class="uncont" ><div class="uncode_text_column" ><p><img decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-159021" src="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png" alt="" width="300" height="52" srcset="https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1-300x52.png 300w, https://www.politik-digital.de/wp-content/uploads/2020/05/CC-Lizenz-630x110111-305x53-1.png 305w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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