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	<title>Amerikanisierung &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Amerikanisierung &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Postmodern Campaigning &#8211; Virtueller Wahlkampf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
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					<description><![CDATA[Zwei Bücher beleuchten die Cyberkampagnen im amerikanischen Wahlkampf 2000</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Bücher beleuchten die Cyberkampagnen im amerikanischen Wahlkampf 2000<br />
Wo auch immer heute Wahlkampf herrscht, wandert der Blick in Richtung USA, wo der moderne Wahlkampf und sein Paradigma &#8211; die „Amerikanisierung“ &#8211; entstanden sind. Vor einem halben Jahrhundert brach in den USA das Fernsehzeitalter und mit ihm die moderne Epoche der politischen Kommunikation an, in der das Fernsehen das wichtigste Kampagnenmedium darstellte. Dabei stand das Selling von politischen Programmen im Mittelpunkt, wobei die Wähler von der Richtigkeit bereits vorgefasster Programme überzeugt werden sollten. Das Fernsehen als <a href="http://www.dedig.de/dedig/03-online-services/Glossar.asp?Sortier=P" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Einweg-Push-Medium</a> kam dieser Strategie entgegen.<br />
<strong>Von der modernen Tele- zur postmodernen Cybercampaign?<br />
</strong> Seit Mitte der 90- er Jahre veränderte sich mit dem rasanten Zuwachs an Internetnutzern die Medienlandschaft. Mit einer Reichweite von 60 Prozent in den USA hat das Internet heute den Status als „Massenmedium“ erreicht, im Unterschied zum Fernsehen jedoch mit der Möglichkeit der Interaktion. Von dieser Entwicklung nahmen natürlich auch die Wahlkampfstrategen Notiz. Im Präsidentschaftswahlkampf 1996 nur am Rande genutzt, hatte das Internet 2000 seine eigentliche Feuertaufe zu bestehen. Der Wahlkampf fand nicht mehr nur übers Fernsehen statt, sondern wurde auch im Internet geführt. Wie gestaltet man aber Wahlkampf in dem neuen Medium und welchen Einfluss hat es auf die politische Kommunikation?<br />
Die Publikationen von Peter Filzmaier und Fritz Plasser sowie Manuela Baldauf setzen sich im deutschsprachigen Raum erstmals wissenschaftlich mit der Campaign 2000 auseinander, stehen sich aber in Anlage und Anliegen diametral entgegen: Manuela Baldaufs Wahlkampf im Web entstand als Diplomarbeit für das Fach Journalistik über die Internetkampagnen der beiden Präsidentschaftskandidaten.<br />
Peter Filzmaier, Politologe an der Universität Innsbruck, und Fritz Plasser, ebenfalls Politologe in Innsbruck und Leiter des Zentrums für angewandte Politikforschung in Wien, hingegen ziehen in Wahlkampf ums Weiße Haus eine generelle Bilanz über die Wahlkampagnen 2000. Das Buch bietet eine umfassende Aufarbeitung der Kongress- und Präsidenstchaftskampagnen. Dabei dokumentieren sie anhand reichhaltigem Datenmaterial den Verlauf der Wahlen von der Phase der Kandidatennominierung bis zur mehrmaligen Auszählung der Stimmen in Florida nach der Wahl und führen gleichzeitig in den institutionellen Kontext (Wahlsystem, Wahlkampfinanzierung, Medienlandschaft) amerikanischer Wahlkämpfe ein. Den weitaus größten Teil ihrer Arbeit widmen sie jedoch der Diskussion der medialen Wahlkampfstrategien. Ein unüblich grosser Abschnitt beschäftigt sich dabei mit dem Internet als neuem Kampagnenmedium. Sie sehen die Kampagne 2000 als Einschnitt in der Geschichte der politischen Kommunikation: „Analog zum Jahr 1952, als George Eisenhower zum ersten Mal einen zielgerichteten Fernsehwahlkampf führte, kann das Jahr 2000 als Beginn der Ära von professionellen Online- Wahlkämpfen bezeichnet werden.“<br />
In einem zunehmend fragmentierten Mediensystem wie dem der USA, indem Wähler, nicht zuletzt aufgrund ihres abnehmenden Interesses immer schwerer für Wahlkampfbotschaften zu erreichen sind, läßt sich, so die These von Filzmaier/Plasser, die Tendenz zum postmodern campaigning feststellen, in dem Kampagnenbotschaften an den Bedürfnissen der Wähler orientiert sind. Als <a href="http://www.dedig.de/dedig/03-online-services/Glossar.asp?Sortier=P" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pull-Medium</a> muss auch das Internet erst das Interesse der User erwecken, um effektiv kommunizieren zu können. Deshalb ist es ein typisches Medium der postmodern campaigns.<br />
Welche Bilant läßt sich aber nun über den Einsatz des Internets in dieser Kampagne ziehen?<br />
<strong>Das Internet im US-Wahlkampf 2000<br />
</strong> 56 Prozent aller Kandidaten für Kongressämter waren 2000 im Netz präsent, wobei zu bemerken ist, dass besonders bei einem zu erwartenden knappen Wahlausgang von Seite der Kampagnenmanager auf das Internet gesetzt wurde, was die hohen Erwartungen der Kampagnenmanager an das Medium unterstreicht.<br />
Neben der Kommunikation von Positionen und Neuigkeiten war das Internet vor allem als Medium zum Spendensammeln und Anwerben von Freiwilligen Helfern erfolgreich . Dabei liess sich feststellen, dass es vor allem unbekannteren Kandidaten gelang, das Medium in dieser Weise effektiv zu nutzen, wie z.B. Senator McCain, der nach seinem Überraschungssieg in den New Hampshire Primaries 25 Prozent seiner Wahlkampfspenden über das Internet sammeln konnte, im Gegensatz zu 0.5 Prozent, die sein Konkurrent Bush virtuell gesammelt hat (wobei dieser in absoluten Zahlen gemessen natürlich einen enormen Vorsprung hatte).<br />
Die Wähler waren nicht minder begeistert von dem neuen Medium: 40 Prozent der Gesambevölkerung haben das Internet zumindest gelegentlich zur politische Information genutzt und 14 Prozent gaben an, dass es eine sehr wichtige Hilfen für ihre Wahlentscheidung war.<br />
Das Internet, so das Fazit des Buches, ist fixer Bestandteil professioneller Wahlkampagnen geworden, wenn sich auch keine Auswirkungen auf das Wahlergebnis nachweisen lassen. Das Fernsehen als Hauptkampagnenmedium wird durch das Internet aber nicht ersetzt, sondern es verhält sich komplementär zu ihm. Weiter wird festgestellt, dass sich in den Kampagnen die oft geäußerte Hoffnung auf mehr Interaktivität und Beteiligung durch das Internet nicht erfüllt, sondern die starre Informationsvermittlung im Vordergrund steht.<br />
Während Filzmaier und Plasser einen breiten Überblick über die amerikanische Kampagnenlandschaft 2000 bieten, betrachtet Manuela Baldauf einen schmalen, ausgewählten Bereich: die offiziellen Web Sites der beiden Präsidentschaftskandidaten Gore und Bush. Mit Akkribie beschreibt sie, wie auf den Homepages um Spendengelder oder freiwillige Kampagnenhelfer geworben wurde, wie sich die Kandidaten multimedial auf ihren personalisierten Seiten präsentierten und wie die Wahlkampfthemen im Netz transportiert werden. Über eine genaue Beschreibung der Webseiten und einer Kategorisierung ihrer Bestandteile kommt die Arbeit aber nicht hinaus. Weder wird diskutiert, mit welchem strategischen Hintergrund die beschriebenen Elemente verwendet werden, noch werden die medienspezifischen Möglichkeiten diskutiert. So wäre es z.B. spannend gewesen, zu erfahren, welche Dynamiken Elemente wie E- Cards haben können, die durch die Netzwerkstruktur des Internet nach dem Virusprinzip verteilt zirkulieren (Viral campaigning) und als Selbstläufer eine Message nach dem Schneeballsystem schneller und ziegruppenspezifischer transportieren können als Massenmedien.<br />
Der zweite Teil der Arbeit ist dem Negativ Campaigning im Internet gewidmet. Baldauf untersucht dabei die Frage, wie Negativität, also Attacken auf den Gegner, auf den beiden Hauptseiten der Kandidaten vorkommt. In ihrer sehr ausführlichen Auswertung der über die beiden Webseiten verbreiteten Nachrichtenmeldungen kommt sie zum Ergebnis, dass der Trend zu vermehrter Negativität in amerikanischen Kampagnen, den auch Filzmaier und Plasser in dieser Kampagne feststellen, sich im Netz fortsetzt. Immerhin 44 Prozent aller verbreiteten Meldungen sind dem Negativ Campaigning zuzurechnen. Darunter dominiert allerdings mit 90 Prozent die Form des „Direkten Angriffs“, bei dem Positionen des Gegners oder dieser selbst ohne ein konstruktives Element attackiert werden. „Vergleichende Angriffe“, bei der die eigene Überlegenheit im Vergleich mit dem Gegner herausgestellt werden soll, finden nur in 10 Prozent aller Fälle statt.<br />
Dieser Befund stützt die Schlussfolgerung von Filzmaier und Plasser, dass in Wahlkampagnen die Chancen des Internets nicht genutzt werden, denn gerade die Möglichkeit der Verlinkung zum Gegener könnte den direkten Vergleich der Positionen fördern und dem Wähler wirkliche Entscheidungehilfen geben.<br />
Schade ist, dass Baldauf nur die Kandidatenseiten selbst auf Tendenzen zum Negativ Campaigning untersucht. Das Netz bietet gerade in diesem Bereich neue Möglichkeiten, wie beispielsweise animierte Online-Spiele, in denen man den politischen Gegner virtuell attackieren kann. In der Regel werden die Partei- und Kandidatenseiten aber von solchen Features freigehalten und auf Satellitenseiten, die über eigene Domainnamen von der Hauptkampagnenseite getrennt sind und mit einer eigenen Message ein anderes Zielpublikum erreichen wollen, ausgelagert, um das saubere und faire Image des Kandidaten nicht zu beschädigen. Im deutschen Wahlkampf beispielsweise dienten die Seiten nichtregierungsfähig.de (<a href="/edemocracy/wahlkampf/bundestagswahl2002/nichtregierungsfaehig2.shtml">politik-digital berichtetete</a>) und wahlfakten.de (<a href="/edemocracy/wahlkampf/bundestagswahl2002/wahlfakten.shtml">politik-digital berichtete</a>) diesem Zweck. Daher müsste eine vollständige Untersuchung des Phänomens Negativität im Netz sich auch und auf diese Seiten konzentrieren.<br />
Nichtsdestotrotz ist Wahlkampf im Web eine gelungene Beschreibung der Webseiten beider Präsidentschaftskandidaten, die den technischen Stand von Onlinekampagnen zu diesem Zeitpunkt detailliert wiedergibt. Viele der beschriebenen Features haben Modellcharakter und liessen sich gerade auch im deutschen Wahlkampf wiederfinden.<br />
Kritisch anzumerken ist, dass Baldauf keine kampagnenstrategische Deutung ihrer Ergebnnisse vorlegt und die Analyse der Web Sites anhand von Kriterien aus fernsehzentrierten Campagnen durchführt und dadurch die Möglichkeiten des Internet wie Interaktivtät und die Chance zur viralen Kampagnenführung zu wenig berücksichtigt.<br />
Filzmaier und Plassers Wahlkampf ums weiße Haus überzeugt durch empirischen Detailreichtum, was beim Lesen jedoch hin und wieder erdrückend wirkt. Auf der anderen Seite ist das Buch dadurch aber eine schier unerschöpfliche Quelle an weiterführender Literatur zum politischen System der USA, Wahlen, Kampagnenmanagement, Medien- und Wirkungsforschung. Nicht zuletzt präsentiert das Buch eine sehr umfassende Sammlung an aktuellen empirische Studien zur US- Wahl 2000, was, vor allem in Bereich Internetcampaigning mangels heimischer Daten eine wertvolle Basis für die Forschung in diese Richtung ist.</p>
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		<title>Bleibt alles anders?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch &#8222;Der Bundestagswahlkampf 1998 - Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis&#8220;.</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch „Der Bundestagswahlkampf 1998 &#8211; Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis“.<br />
<strong>Machtwechsel 1998: wie kam es dazu?<br />
</strong> Fernsehduell? Dazu hatte der Herausforderer Schröder den Amtsinhaber Kohl aufgefordert. Doch der verzichtete freiwillig, das TV-Duell wurde als „Personality-Show“ abgetan. Das war vor vier Jahren. Am 27. September 1998 kam es auch ohne eine vorhergehende Fernsehdiskussion zu einem Machtwechsel. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hatten Bundestagswahlen den Austausch der kompletten Regierung zur Folge. 16 Jahre lang hatte Helmut Kohl mit einer Koalition aus CDU/CSU und FDP regiert, nun übernahm Gerhard Schröder mit einem Bündnis aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen. So weit, so klar. Bleibt nur eine Frage: wie konnte es dazu kommen?<br />
Knut Bergmann hat die Antwort auf diese Frage zum Thema seiner Dissertation gemacht. 377 Seiten und 10 Kapitel lang ist sein Erklärungsversuch. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die beiden großen Parteien CDU und SPD und fasst die „kleinen“ Parteien in einem Kapitel zusammen. Bergmann untersucht Kandidaten, Kampagnen und Koalitionsstrategien, analysiert den Einfluss der Landespolitik und den der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Bundestagswahl. Schließlich geht er auf die angebliche „Amerikanisierung“ des Wahlkampfes und das endgültige Ergebnis ein.<br />
<strong>Kandidatenkampf und Strategiepläne bei den großen Parteien<br />
</strong> Was nach langweiliger wissenschaftlicher Arbeit klingt, liest sich wie ein spannender Krimi. Kohl ist geköpft, Schröder hat gesiegt. Detektiv Bergmann begibt sich auf Spurensuche. Chronologisch wird der Prozess aufgerollt. Wir erinnern uns beispielsweise an Lafontaine und Schröder und die „Strategie der späten Entscheidung“ der SPD. Die Landtagswahlen in Niedersachsen hatte Schröder selbst als Plebiszit über die Kanzlerkandidatur definiert. Er siegt, Lafontaine zieht zurück. In einer Fußnote zitiert Bergmann einen Kommentar Schröders zum Messerattentat auf Lafontaine während des Bundestagswahlkampfes. Dieses habe ihm in Niedersachsen zwei Prozent mehr an Wahlstimmen gebracht.<br />
Auf Seiten der CDU konkurrieren der „Kronprinz“ Wolfgang Schäuble mit dem Endlos-Bundeskanzler Kohl. Während die SPD eine erstaunliche Kommunikationsdisziplin an den Tag legt, gibt es bei der Union bis zuletzt Spekulationen und Diskussionen um die Kandidatur. Schuld am „Bild der Uneinigkeit“ sei letztlich die Tatsache, zu Kohl keine wirkliche Alternative zu haben, so Bergmann (44).<br />
Schröder will mit der SPD an die Macht, die CDU und vor allem der Vorsitzende Kohl hat zu viel davon. Daraus lassen sich die Strategien der Parteien logisch ableiten. Die SPD greift an. Sie will sich als „Markenprodukt“ (53) verkaufen, setzt auf die Begriffe „Innovation“, „Gerechtigkeit“ und „Neue Mitte“. Bergmann: „Die SPD setzt ihre langfristig angelegte Strategie sehr konsequent um.“ (79) Genau das Gegenteil ist bei der Union der Fall. Sie lässt sich in die Defensive drängen und schafft es nicht einmal, sich auf einen Minimalkonsens zu einigen. „Erkennbar wird eine Art parallele Wahlkampfführung des Bundeskanzleramtes und der Parteizentrale“ (103).<br />
Weder CDU noch SPD nutzen das Internet als effektives Kommunikationsinstrument. Während es die Sozialdemokraten noch nicht einmal zu einer eigenen Kandidatenhomepage schaffen, umfasst das Webangebot der Konkurrenz immerhin eine Reihe von Chats in der heißen Schlussphase. Trotzdem, 1998 kann von „Internet-Wahlkampf“ keine Rede sein.<br />
<strong>Wer koaliert mit wem und was machen die „kleinen“ Parteien?<br />
</strong> Sehr opportun auch die koalitionspolitische Lage der Sozialdemokraten. Sie geben sich als „Hahn im Korb“ und halten sich alle Optionen offen (128). Die CDU hingegen befindet sich in einem „koalitionspolitischen Dilemma“: die FDP bleibt nach wie vor einziger potenzieller Koalitionspartner. Diese „alternativlose Bindung“ macht eine Disziplinierung der Liberalen unmöglich.(134).<br />
Der große Coup gelingt der SPD mit der „Kampa“, der eigenständigen Wahlkampfzentrale. Die hat Symbolwert nach außen wie nach innen, wird selbst Gegenstand zahlreicher Medienberichte und unterstreicht somit das neue Image der Sozialdemokraten. (144) Wie bei der Strategie, so fehlt es auch bei der Wahlkampf-Organisation der Christdemokraten an einer einheitlichen Linie. Hier sieht Bergmann sogar eine Dreiteilung in Bundeskanzleramt, CDU-Bundesgeschäftsstelle und Bundestagsfraktion (165).<br />
„Bündnis 90/Die Grünen oder der Versuch, regierungsfähig zu werden“ überschreibt der Autor das Kapitel über den Wahlkampf der grünen Partei (167). Für ihn überwiegen die negativen Aspekte wie mangelnde Disziplin und Konflikte zwischen realpolitischen und fundamentalistisch orientierten Parteimitgliedern. Der Kardinalfehler unterläuft den Grünen mit der Forderung nach einem Benzinpreis von fünf D-Mark. Unter schwierigen Bedingungen – „beschränkte finanzielle Mittel, lange Regierungszeit, geringes Profil des Spitzenpersonals (…)“ &#8211; starten die Liberalen in den Wahlkampf (205). Der geht zum Teil auch gegen den eigenen Koalitionspartner CDU und wird von Bergmann insgesamt durchaus positiv bewertet. Auch die PDS steckt ´98 in einem „doppelten Dilemma“: bleibt sie in der Fundamentalopposition oder wird sie koalitionsfähig, und bleibt sie Regionalpartei oder dehnt sie sich gen Westen aus? Dem entkommt sie nicht, im Gegenteil. Das Scheitern vor Augen zieht sie sich auf halbem Wege nach Osten zurück (223).<br />
<strong>Der Einfluss der Landtagswahlen und das absolut dominante Problem „Arbeitslosigkeit“<br />
</strong> Einzig die Landtagswahlen in Niedersachsen können als voller Erfolg für die Sozialdemokraten gewertet werden. Schon eine halbe Stunde nach der ersten Hochrechnung verkündet der SPD-Bundesgeschäftsführer Münterfering die Kanzlerkandidatur Schröders vor den Medien (243). Ein strategischer Fehler unterläuft der SPD dagegen bei der Entscheidung zur Fortsetzung des „Magdeburger Modells“ nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (253), bilanziert Bergmann. Auch die vorhergegangene Hamburger Bürgerschaftswahl wird als „totaler Flop“ für die SPD bezeichnet. In Bayern triumphiert die CSU unter Ministerpräsident Stoiber. Schröder geht gelassen auf Distanz und lässt sich von dem Ergebnis der bayrischen Landtagswahl nicht irritieren (269).<br />
Im Gegensatz dazu ist der Einfluss der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Wahlentscheidung der Deutschen riesig. Der SPD wird mehr Kompetenz in Sachen Wirtschaftspolitik zugeschrieben als der unionsgeführten Bundesregierung. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht in dem Problem „Arbeitslosigkeit“ einen entscheidenden Faktor für die Wahlniederlage der CDU. Die Sozialdemokraten bauen auf Gefühle der sozialen Verunsicherung und Benachteiligung in der Bevölkerung und treffen mit dem Stichwort „Gerechtigkeitslücke“ den Nagel auf den Kopf. Die SPD weiß auszunutzen, dass mit dem „absolut dominanten Problem Arbeitslosigkeit“ die „Wirtschaftslage zu einem Faktor der Wahlentscheidung“ wird (300).<br />
<strong>Weder „Amerikanisierung“ noch erhöhte „Personalisierung“<br />
</strong> Abschließend räumt Bergmann noch mit zwei Thesen auf, die gerne in den Medien verbreitet werden. Weder sei ein Phänomen der „Amerikanisierung“ noch das der erhöhten „Personalisierung“ festzustellen. Vielmehr handele es sich um eine modernisierte Wahlkampfführung und der Grad der Personalisierung im Bundestagswahlkampf 1998 sei „nicht höher als in vergangenen Kampagnen“ (329).<br />
Spaß macht die Lektüre vor allem vor dem Hintergrund des laufenden Wahlkampfes. Denn bald ist man geneigt, die bisher geschehenen Ereignisse selbständig in die Kapitel einzuordnen und sich somit – logisch – ein Ergebnis herzuleiten. „Machtwechsel sind normalerweise nur dann möglich, wenn der potenzielle Nutzen eines Regierungswechsels die potenziellen Kosten deutlich übertrifft“ (338) und „der Wahlsieg der SPD war keinesfalls mittels eines Wunder-Wahlkampfes herbeigezaubert“ (344), meint Knut Bergmann. Wie sieht das im Bundestagswahlkampf 2002 aus? Ein Kapitel dieses Buches wird erst am 22. September geschrieben.<br />
(Seitenzahlen in Klammern)</p>
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		<title>Postmodern Campaigning &#8211; Virtueller Wahlkampf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
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					<description><![CDATA[Zwei Bücher beleuchten die Cyberkampagnen im amerikanischen Wahlkampf 2000</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Bücher beleuchten die Cyberkampagnen im amerikanischen Wahlkampf 2000<br />
Wo auch immer heute Wahlkampf herrscht, wandert der Blick in Richtung USA, wo der moderne Wahlkampf und sein Paradigma &#8211; die „Amerikanisierung“ &#8211; entstanden sind. Vor einem halben Jahrhundert brach in den USA das Fernsehzeitalter und mit ihm die moderne Epoche der politischen Kommunikation an, in der das Fernsehen das wichtigste Kampagnenmedium darstellte. Dabei stand das Selling von politischen Programmen im Mittelpunkt, wobei die Wähler von der Richtigkeit bereits vorgefasster Programme überzeugt werden sollten. Das Fernsehen als <a href="http://www.dedig.de/dedig/03-online-services/Glossar.asp?Sortier=P" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Einweg-Push-Medium</a> kam dieser Strategie entgegen.<br />
<strong>Von der modernen Tele- zur postmodernen Cybercampaign?<br />
</strong> Seit Mitte der 90- er Jahre veränderte sich mit dem rasanten Zuwachs an Internetnutzern die Medienlandschaft. Mit einer Reichweite von 60 Prozent in den USA hat das Internet heute den Status als „Massenmedium“ erreicht, im Unterschied zum Fernsehen jedoch mit der Möglichkeit der Interaktion. Von dieser Entwicklung nahmen natürlich auch die Wahlkampfstrategen Notiz. Im Präsidentschaftswahlkampf 1996 nur am Rande genutzt, hatte das Internet 2000 seine eigentliche Feuertaufe zu bestehen. Der Wahlkampf fand nicht mehr nur übers Fernsehen statt, sondern wurde auch im Internet geführt. Wie gestaltet man aber Wahlkampf in dem neuen Medium und welchen Einfluss hat es auf die politische Kommunikation?<br />
Die Publikationen von Peter Filzmaier und Fritz Plasser sowie Manuela Baldauf setzen sich im deutschsprachigen Raum erstmals wissenschaftlich mit der Campaign 2000 auseinander, stehen sich aber in Anlage und Anliegen diametral entgegen: Manuela Baldaufs Wahlkampf im Web entstand als Diplomarbeit für das Fach Journalistik über die Internetkampagnen der beiden Präsidentschaftskandidaten.<br />
Peter Filzmaier, Politologe an der Universität Innsbruck, und Fritz Plasser, ebenfalls Politologe in Innsbruck und Leiter des Zentrums für angewandte Politikforschung in Wien, hingegen ziehen in Wahlkampf ums Weiße Haus eine generelle Bilanz über die Wahlkampagnen 2000. Das Buch bietet eine umfassende Aufarbeitung der Kongress- und Präsidenstchaftskampagnen. Dabei dokumentieren sie anhand reichhaltigem Datenmaterial den Verlauf der Wahlen von der Phase der Kandidatennominierung bis zur mehrmaligen Auszählung der Stimmen in Florida nach der Wahl und führen gleichzeitig in den institutionellen Kontext (Wahlsystem, Wahlkampfinanzierung, Medienlandschaft) amerikanischer Wahlkämpfe ein. Den weitaus größten Teil ihrer Arbeit widmen sie jedoch der Diskussion der medialen Wahlkampfstrategien. Ein unüblich grosser Abschnitt beschäftigt sich dabei mit dem Internet als neuem Kampagnenmedium. Sie sehen die Kampagne 2000 als Einschnitt in der Geschichte der politischen Kommunikation: „Analog zum Jahr 1952, als George Eisenhower zum ersten Mal einen zielgerichteten Fernsehwahlkampf führte, kann das Jahr 2000 als Beginn der Ära von professionellen Online- Wahlkämpfen bezeichnet werden.“<br />
In einem zunehmend fragmentierten Mediensystem wie dem der USA, indem Wähler, nicht zuletzt aufgrund ihres abnehmenden Interesses immer schwerer für Wahlkampfbotschaften zu erreichen sind, läßt sich, so die These von Filzmaier/Plasser, die Tendenz zum postmodern campaigning feststellen, in dem Kampagnenbotschaften an den Bedürfnissen der Wähler orientiert sind. Als <a href="http://www.dedig.de/dedig/03-online-services/Glossar.asp?Sortier=P" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pull-Medium</a> muss auch das Internet erst das Interesse der User erwecken, um effektiv kommunizieren zu können. Deshalb ist es ein typisches Medium der postmodern campaigns.<br />
Welche Bilant läßt sich aber nun über den Einsatz des Internets in dieser Kampagne ziehen?<br />
<strong>Das Internet im US-Wahlkampf 2000<br />
</strong> 56 Prozent aller Kandidaten für Kongressämter waren 2000 im Netz präsent, wobei zu bemerken ist, dass besonders bei einem zu erwartenden knappen Wahlausgang von Seite der Kampagnenmanager auf das Internet gesetzt wurde, was die hohen Erwartungen der Kampagnenmanager an das Medium unterstreicht.<br />
Neben der Kommunikation von Positionen und Neuigkeiten war das Internet vor allem als Medium zum Spendensammeln und Anwerben von Freiwilligen Helfern erfolgreich . Dabei liess sich feststellen, dass es vor allem unbekannteren Kandidaten gelang, das Medium in dieser Weise effektiv zu nutzen, wie z.B. Senator McCain, der nach seinem Überraschungssieg in den New Hampshire Primaries 25 Prozent seiner Wahlkampfspenden über das Internet sammeln konnte, im Gegensatz zu 0.5 Prozent, die sein Konkurrent Bush virtuell gesammelt hat (wobei dieser in absoluten Zahlen gemessen natürlich einen enormen Vorsprung hatte).<br />
Die Wähler waren nicht minder begeistert von dem neuen Medium: 40 Prozent der Gesambevölkerung haben das Internet zumindest gelegentlich zur politische Information genutzt und 14 Prozent gaben an, dass es eine sehr wichtige Hilfen für ihre Wahlentscheidung war.<br />
Das Internet, so das Fazit des Buches, ist fixer Bestandteil professioneller Wahlkampagnen geworden, wenn sich auch keine Auswirkungen auf das Wahlergebnis nachweisen lassen. Das Fernsehen als Hauptkampagnenmedium wird durch das Internet aber nicht ersetzt, sondern es verhält sich komplementär zu ihm. Weiter wird festgestellt, dass sich in den Kampagnen die oft geäußerte Hoffnung auf mehr Interaktivität und Beteiligung durch das Internet nicht erfüllt, sondern die starre Informationsvermittlung im Vordergrund steht.<br />
Während Filzmaier und Plasser einen breiten Überblick über die amerikanische Kampagnenlandschaft 2000 bieten, betrachtet Manuela Baldauf einen schmalen, ausgewählten Bereich: die offiziellen Web Sites der beiden Präsidentschaftskandidaten Gore und Bush. Mit Akkribie beschreibt sie, wie auf den Homepages um Spendengelder oder freiwillige Kampagnenhelfer geworben wurde, wie sich die Kandidaten multimedial auf ihren personalisierten Seiten präsentierten und wie die Wahlkampfthemen im Netz transportiert werden. Über eine genaue Beschreibung der Webseiten und einer Kategorisierung ihrer Bestandteile kommt die Arbeit aber nicht hinaus. Weder wird diskutiert, mit welchem strategischen Hintergrund die beschriebenen Elemente verwendet werden, noch werden die medienspezifischen Möglichkeiten diskutiert. So wäre es z.B. spannend gewesen, zu erfahren, welche Dynamiken Elemente wie E- Cards haben können, die durch die Netzwerkstruktur des Internet nach dem Virusprinzip verteilt zirkulieren (Viral campaigning) und als Selbstläufer eine Message nach dem Schneeballsystem schneller und ziegruppenspezifischer transportieren können als Massenmedien.<br />
Der zweite Teil der Arbeit ist dem Negativ Campaigning im Internet gewidmet. Baldauf untersucht dabei die Frage, wie Negativität, also Attacken auf den Gegner, auf den beiden Hauptseiten der Kandidaten vorkommt. In ihrer sehr ausführlichen Auswertung der über die beiden Webseiten verbreiteten Nachrichtenmeldungen kommt sie zum Ergebnis, dass der Trend zu vermehrter Negativität in amerikanischen Kampagnen, den auch Filzmaier und Plasser in dieser Kampagne feststellen, sich im Netz fortsetzt. Immerhin 44 Prozent aller verbreiteten Meldungen sind dem Negativ Campaigning zuzurechnen. Darunter dominiert allerdings mit 90 Prozent die Form des „Direkten Angriffs“, bei dem Positionen des Gegners oder dieser selbst ohne ein konstruktives Element attackiert werden. „Vergleichende Angriffe“, bei der die eigene Überlegenheit im Vergleich mit dem Gegner herausgestellt werden soll, finden nur in 10 Prozent aller Fälle statt.<br />
Dieser Befund stützt die Schlussfolgerung von Filzmaier und Plasser, dass in Wahlkampagnen die Chancen des Internets nicht genutzt werden, denn gerade die Möglichkeit der Verlinkung zum Gegener könnte den direkten Vergleich der Positionen fördern und dem Wähler wirkliche Entscheidungehilfen geben.<br />
Schade ist, dass Baldauf nur die Kandidatenseiten selbst auf Tendenzen zum Negativ Campaigning untersucht. Das Netz bietet gerade in diesem Bereich neue Möglichkeiten, wie beispielsweise animierte Online-Spiele, in denen man den politischen Gegner virtuell attackieren kann. In der Regel werden die Partei- und Kandidatenseiten aber von solchen Features freigehalten und auf Satellitenseiten, die über eigene Domainnamen von der Hauptkampagnenseite getrennt sind und mit einer eigenen Message ein anderes Zielpublikum erreichen wollen, ausgelagert, um das saubere und faire Image des Kandidaten nicht zu beschädigen. Im deutschen Wahlkampf beispielsweise dienten die Seiten nichtregierungsfähig.de (<a href="/edemocracy/wahlkampf/bundestagswahl2002/nichtregierungsfaehig2.shtml">politik-digital berichtetete</a>) und wahlfakten.de (<a href="/edemocracy/wahlkampf/bundestagswahl2002/wahlfakten.shtml">politik-digital berichtete</a>) diesem Zweck. Daher müsste eine vollständige Untersuchung des Phänomens Negativität im Netz sich auch und auf diese Seiten konzentrieren.<br />
Nichtsdestotrotz ist Wahlkampf im Web eine gelungene Beschreibung der Webseiten beider Präsidentschaftskandidaten, die den technischen Stand von Onlinekampagnen zu diesem Zeitpunkt detailliert wiedergibt. Viele der beschriebenen Features haben Modellcharakter und liessen sich gerade auch im deutschen Wahlkampf wiederfinden.<br />
Kritisch anzumerken ist, dass Baldauf keine kampagnenstrategische Deutung ihrer Ergebnnisse vorlegt und die Analyse der Web Sites anhand von Kriterien aus fernsehzentrierten Campagnen durchführt und dadurch die Möglichkeiten des Internet wie Interaktivtät und die Chance zur viralen Kampagnenführung zu wenig berücksichtigt.<br />
Filzmaier und Plassers Wahlkampf ums weiße Haus überzeugt durch empirischen Detailreichtum, was beim Lesen jedoch hin und wieder erdrückend wirkt. Auf der anderen Seite ist das Buch dadurch aber eine schier unerschöpfliche Quelle an weiterführender Literatur zum politischen System der USA, Wahlen, Kampagnenmanagement, Medien- und Wirkungsforschung. Nicht zuletzt präsentiert das Buch eine sehr umfassende Sammlung an aktuellen empirische Studien zur US- Wahl 2000, was, vor allem in Bereich Internetcampaigning mangels heimischer Daten eine wertvolle Basis für die Forschung in diese Richtung ist.</p>
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		<title>Bleibt alles anders?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:41:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
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					<description><![CDATA[Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch &#8222;Der Bundestagswahlkampf 1998 - Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis&#8220;.</strong></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vier Jahre ist sie her, die letzte Bundestagswahl. Am 27. September 1998 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu einem Austausch der kompletten Regierung. Den vorhergehenden Wahlkampf analysiert Knut Bergmann in seinem spannenden Buch „Der Bundestagswahlkampf 1998 &#8211; Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis“.<br />
<strong>Machtwechsel 1998: wie kam es dazu?<br />
</strong> Fernsehduell? Dazu hatte der Herausforderer Schröder den Amtsinhaber Kohl aufgefordert. Doch der verzichtete freiwillig, das TV-Duell wurde als „Personality-Show“ abgetan. Das war vor vier Jahren. Am 27. September 1998 kam es auch ohne eine vorhergehende Fernsehdiskussion zu einem Machtwechsel. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hatten Bundestagswahlen den Austausch der kompletten Regierung zur Folge. 16 Jahre lang hatte Helmut Kohl mit einer Koalition aus CDU/CSU und FDP regiert, nun übernahm Gerhard Schröder mit einem Bündnis aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen. So weit, so klar. Bleibt nur eine Frage: wie konnte es dazu kommen?<br />
Knut Bergmann hat die Antwort auf diese Frage zum Thema seiner Dissertation gemacht. 377 Seiten und 10 Kapitel lang ist sein Erklärungsversuch. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die beiden großen Parteien CDU und SPD und fasst die „kleinen“ Parteien in einem Kapitel zusammen. Bergmann untersucht Kandidaten, Kampagnen und Koalitionsstrategien, analysiert den Einfluss der Landespolitik und den der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Bundestagswahl. Schließlich geht er auf die angebliche „Amerikanisierung“ des Wahlkampfes und das endgültige Ergebnis ein.<br />
<strong>Kandidatenkampf und Strategiepläne bei den großen Parteien<br />
</strong> Was nach langweiliger wissenschaftlicher Arbeit klingt, liest sich wie ein spannender Krimi. Kohl ist geköpft, Schröder hat gesiegt. Detektiv Bergmann begibt sich auf Spurensuche. Chronologisch wird der Prozess aufgerollt. Wir erinnern uns beispielsweise an Lafontaine und Schröder und die „Strategie der späten Entscheidung“ der SPD. Die Landtagswahlen in Niedersachsen hatte Schröder selbst als Plebiszit über die Kanzlerkandidatur definiert. Er siegt, Lafontaine zieht zurück. In einer Fußnote zitiert Bergmann einen Kommentar Schröders zum Messerattentat auf Lafontaine während des Bundestagswahlkampfes. Dieses habe ihm in Niedersachsen zwei Prozent mehr an Wahlstimmen gebracht.<br />
Auf Seiten der CDU konkurrieren der „Kronprinz“ Wolfgang Schäuble mit dem Endlos-Bundeskanzler Kohl. Während die SPD eine erstaunliche Kommunikationsdisziplin an den Tag legt, gibt es bei der Union bis zuletzt Spekulationen und Diskussionen um die Kandidatur. Schuld am „Bild der Uneinigkeit“ sei letztlich die Tatsache, zu Kohl keine wirkliche Alternative zu haben, so Bergmann (44).<br />
Schröder will mit der SPD an die Macht, die CDU und vor allem der Vorsitzende Kohl hat zu viel davon. Daraus lassen sich die Strategien der Parteien logisch ableiten. Die SPD greift an. Sie will sich als „Markenprodukt“ (53) verkaufen, setzt auf die Begriffe „Innovation“, „Gerechtigkeit“ und „Neue Mitte“. Bergmann: „Die SPD setzt ihre langfristig angelegte Strategie sehr konsequent um.“ (79) Genau das Gegenteil ist bei der Union der Fall. Sie lässt sich in die Defensive drängen und schafft es nicht einmal, sich auf einen Minimalkonsens zu einigen. „Erkennbar wird eine Art parallele Wahlkampfführung des Bundeskanzleramtes und der Parteizentrale“ (103).<br />
Weder CDU noch SPD nutzen das Internet als effektives Kommunikationsinstrument. Während es die Sozialdemokraten noch nicht einmal zu einer eigenen Kandidatenhomepage schaffen, umfasst das Webangebot der Konkurrenz immerhin eine Reihe von Chats in der heißen Schlussphase. Trotzdem, 1998 kann von „Internet-Wahlkampf“ keine Rede sein.<br />
<strong>Wer koaliert mit wem und was machen die „kleinen“ Parteien?<br />
</strong> Sehr opportun auch die koalitionspolitische Lage der Sozialdemokraten. Sie geben sich als „Hahn im Korb“ und halten sich alle Optionen offen (128). Die CDU hingegen befindet sich in einem „koalitionspolitischen Dilemma“: die FDP bleibt nach wie vor einziger potenzieller Koalitionspartner. Diese „alternativlose Bindung“ macht eine Disziplinierung der Liberalen unmöglich.(134).<br />
Der große Coup gelingt der SPD mit der „Kampa“, der eigenständigen Wahlkampfzentrale. Die hat Symbolwert nach außen wie nach innen, wird selbst Gegenstand zahlreicher Medienberichte und unterstreicht somit das neue Image der Sozialdemokraten. (144) Wie bei der Strategie, so fehlt es auch bei der Wahlkampf-Organisation der Christdemokraten an einer einheitlichen Linie. Hier sieht Bergmann sogar eine Dreiteilung in Bundeskanzleramt, CDU-Bundesgeschäftsstelle und Bundestagsfraktion (165).<br />
„Bündnis 90/Die Grünen oder der Versuch, regierungsfähig zu werden“ überschreibt der Autor das Kapitel über den Wahlkampf der grünen Partei (167). Für ihn überwiegen die negativen Aspekte wie mangelnde Disziplin und Konflikte zwischen realpolitischen und fundamentalistisch orientierten Parteimitgliedern. Der Kardinalfehler unterläuft den Grünen mit der Forderung nach einem Benzinpreis von fünf D-Mark. Unter schwierigen Bedingungen – „beschränkte finanzielle Mittel, lange Regierungszeit, geringes Profil des Spitzenpersonals (…)“ &#8211; starten die Liberalen in den Wahlkampf (205). Der geht zum Teil auch gegen den eigenen Koalitionspartner CDU und wird von Bergmann insgesamt durchaus positiv bewertet. Auch die PDS steckt ´98 in einem „doppelten Dilemma“: bleibt sie in der Fundamentalopposition oder wird sie koalitionsfähig, und bleibt sie Regionalpartei oder dehnt sie sich gen Westen aus? Dem entkommt sie nicht, im Gegenteil. Das Scheitern vor Augen zieht sie sich auf halbem Wege nach Osten zurück (223).<br />
<strong>Der Einfluss der Landtagswahlen und das absolut dominante Problem „Arbeitslosigkeit“<br />
</strong> Einzig die Landtagswahlen in Niedersachsen können als voller Erfolg für die Sozialdemokraten gewertet werden. Schon eine halbe Stunde nach der ersten Hochrechnung verkündet der SPD-Bundesgeschäftsführer Münterfering die Kanzlerkandidatur Schröders vor den Medien (243). Ein strategischer Fehler unterläuft der SPD dagegen bei der Entscheidung zur Fortsetzung des „Magdeburger Modells“ nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (253), bilanziert Bergmann. Auch die vorhergegangene Hamburger Bürgerschaftswahl wird als „totaler Flop“ für die SPD bezeichnet. In Bayern triumphiert die CSU unter Ministerpräsident Stoiber. Schröder geht gelassen auf Distanz und lässt sich von dem Ergebnis der bayrischen Landtagswahl nicht irritieren (269).<br />
Im Gegensatz dazu ist der Einfluss der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Wahlentscheidung der Deutschen riesig. Der SPD wird mehr Kompetenz in Sachen Wirtschaftspolitik zugeschrieben als der unionsgeführten Bundesregierung. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht in dem Problem „Arbeitslosigkeit“ einen entscheidenden Faktor für die Wahlniederlage der CDU. Die Sozialdemokraten bauen auf Gefühle der sozialen Verunsicherung und Benachteiligung in der Bevölkerung und treffen mit dem Stichwort „Gerechtigkeitslücke“ den Nagel auf den Kopf. Die SPD weiß auszunutzen, dass mit dem „absolut dominanten Problem Arbeitslosigkeit“ die „Wirtschaftslage zu einem Faktor der Wahlentscheidung“ wird (300).<br />
<strong>Weder „Amerikanisierung“ noch erhöhte „Personalisierung“<br />
</strong> Abschließend räumt Bergmann noch mit zwei Thesen auf, die gerne in den Medien verbreitet werden. Weder sei ein Phänomen der „Amerikanisierung“ noch das der erhöhten „Personalisierung“ festzustellen. Vielmehr handele es sich um eine modernisierte Wahlkampfführung und der Grad der Personalisierung im Bundestagswahlkampf 1998 sei „nicht höher als in vergangenen Kampagnen“ (329).<br />
Spaß macht die Lektüre vor allem vor dem Hintergrund des laufenden Wahlkampfes. Denn bald ist man geneigt, die bisher geschehenen Ereignisse selbständig in die Kapitel einzuordnen und sich somit – logisch – ein Ergebnis herzuleiten. „Machtwechsel sind normalerweise nur dann möglich, wenn der potenzielle Nutzen eines Regierungswechsels die potenziellen Kosten deutlich übertrifft“ (338) und „der Wahlsieg der SPD war keinesfalls mittels eines Wunder-Wahlkampfes herbeigezaubert“ (344), meint Knut Bergmann. Wie sieht das im Bundestagswahlkampf 2002 aus? Ein Kapitel dieses Buches wird erst am 22. September geschrieben.<br />
(Seitenzahlen in Klammern)</p>
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		<title>Bilder statt Worte: Interview mit Dr. habil. Werner Kremp</title>
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		<dc:creator><![CDATA[ahoef]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 1970 00:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Al Gore]]></category>
		<category><![CDATA[Amerikanisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Joe Liebermann]]></category>
		<category><![CDATA[Werner Kremp]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[E-Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[George Bush]]></category>
		<category><![CDATA[Präsidentschaftswahl]]></category>
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					<description><![CDATA[<br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">
<img src="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/usa/images/akademie.gif" heigth="73" aling="left" width="250" />
</span>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Mit der Wahl des jüdischen Senators Joe Liebermanns als running mate hat Al Gore
klare Zeichen gesetzt. Wie dieser Schritt im Vorfeld der &#34;Krönungsmesse&#34; des Nominierungsparteitages
einzuschätzen ist, welche Rolle Bill Clinton weiterhin zukommt und wohin die Amerikanisierung
deutscher Wahlkämpfe führen wird, fand Alexander Höf in einem Interview mit dem Direktor der <a href="http://www.atlantische-akademie.de/">
Atlantischen Akademie</a>, Dr.habil. Werner Kremp heraus.</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/archiv/edemocracy/usa/images/akademie.gif" heigth="73" aling="left" width="250" /><br />
</span></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Mit der Wahl des jüdischen Senators Joe Liebermanns als running mate hat Al Gore<br />
klare Zeichen gesetzt. Wie dieser Schritt im Vorfeld der &quot;Krönungsmesse&quot; des Nominierungsparteitages<br />
einzuschätzen ist, welche Rolle Bill Clinton weiterhin zukommt und wohin die Amerikanisierung<br />
deutscher Wahlkämpfe führen wird, fand Alexander Höf in einem Interview mit dem Direktor der <a href="http://www.atlantische-akademie.de/"><br />
Atlantischen Akademie</a>, Dr.habil. Werner Kremp heraus.</b></span><!--break-->
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><br />
<b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Herr Dr. Kremp, beginnen wir zunächst mit der gerade getroffenen Entscheidung<br />
Al Gores mit Senator Joe Liebermann als &quot;running-mate&quot; in die heiße Phase<br />
des Präsidentschaftswahlkampfes zu gehen.<br />
Die neuesten Umfragen zeigen, Gore hat seinen Rückstand auf George W. Bush<br />
von 17 auf 2 Prozentpunkte. Teilen sie die Begeisterung für Gores Wahl?<br />
Werden die Karten nun neu gemischt oder ist das ganze eher ein Strohfeuer?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Dr. Kremp</b>: Ich halte die Wahl von Lieberman schon für eine<br />
recht mutige und zugleich kluge  Entscheidung; sie gibt Gore einerseits die Chance,<br />
sich auf dezente Art von Clinton und seiner Skandalaura zu entfernen; zweitens hat er<br />
dem running mate Dick Cheney einen in außenpolitischen Fragen mindestens gleich<br />
kompetenten Mann entgegengesetzt; und drittens eröffnet er in dem unaufhörlichen<br />
Prozeß Amerikas, immer wieder neue ethnische Gruppen zu integrieren, eine neue Runde.<br />
Ob die positiven Umfragezahlen ein Strohfeuer sind? Ja, insofern es während des<br />
Wahlkampfs immer wieder Situationen gibt, wo bestimmte Events, wie die Parteitage,<br />
und bestimmte Aktionen der Kandidaten diesen beim Publikum kurzfristig eine mehr als<br />
durchschnittliche Aufmerksamkeit und Zustimmung sichern. Andererseits glaube ich,<br />
daß die Wahl Liebermanns doch so solide ist, daß eine hohe Zustimmungrate erhalten<br />
bleibt, wenn nicht herauskommt, daß der Moralist Liebermann in seiner Jugend oder<br />
sonstwie gesündigt hat.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Gerade an Amerikanischen Universitäten sind viele Mitglieder der Fakultäten<br />
jüdischen Glaubens und Liberale Intellektuelle gelten sicher nicht als<br />
Stammwähler der GOP. Wurde wie damals beim Katholiken Kennedy auch eine Art<br />
Tabu gebrochen oder wo sehen sie, wenn überhaupt, die Sensation der Wahl<br />
Liebermanns? Wäre die wirkliche Überraschung nicht beispielsweise eine<br />
schwarze Frau gewesen, wenn Amerikaner jüdischen Glaubens sowieso die<br />
Demokraten wählen?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Dr. Kremp</b>: Bevor eine schwarze Frau zur running mate wird, muß erst eine weiße Frau<br />
running mate  werden und, anders als seinerzeit Geraldine Ferraro, auch gewinnen.<br />
Und vorher war eben vielleicht dieser Durchbruch, ein jüdischer running mate, fällig,<br />
der ja nicht nur ein &quot;jüdischer&quot; Durchbruch ist, sondern auch ein Signal für andere<br />
Minderheiten.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Was erwarten sie von der bevorstehenden convention der Demokraten und welche<br />
Rolle wird Bill Clinton dort noch spielen? Kann Gore ohne Clinton gewinnen<br />
oder wird er ohne ihn verlieren?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Dr. Kremp</b>: Der Parteitag der Demokraten wird genauso eine &quot;Krönungsmesse&quot; werden wie der der<br />
Republikaner, vielleicht sogar noch pompöser (allein die Zahl der Delegierten ist<br />
doppelt so groß) mit noch mehr Zivilliturgie.<br />
Gore wird sich wahrscheinlich nicht ganz von Clinton trennen; er wird einen,<br />
vermute ich, sorgfältig orchestrierten Einsatz von Clinton vor bestimmten Wählergruppen<br />
(nicht alle sind ihm ja gram!) in bestimmten, weniger moralistisch orientierten Staaten<br />
versuchen; und dieser wiederum wird nicht nur und vielleicht nicht in erster Linie Gore<br />
unterstützen, sondern, was eben so wichtig ist, die demokratischen Kongreßkandidaten &#8211;<br />
so sie denn seine Hilfe wollen.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Zu George W. Bush müssen wir natürlich auch kommen. Ist er mehr als die<br />
personifizierte Rache der Familie Bush, die nun nach 8 Jahren wieder das<br />
Weiße Haus zurückerobern will. Immerhin hat er durchaus Erfolge vorzuweisen,<br />
die ihm keiner zugetraut hat. Wird er unterschätzt?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Dr. Kremp</b>: Bush hat eigentlich kaum etwas aus eigener Kraft geschafft, und sein record als<br />
Gouverneur ist mehr hinsichtlich der Zahl der Hinrichtungen in Texas eindrucksvoll als<br />
was seine Gesellschaftspolitik anbelangt. Gleichwohl war und ist es immer ein Fehler,<br />
bestimmte Leute zu unterschätzen; denn mindestens so wichtig wie die Person der<br />
Präsidentschaftskandidaten und eventuellen Präsidenten sind die Berater, die er sich<br />
wählt &#8211; und da hat er zumindest was die Außenpolitik anbelangt eine durchaus beachtliche<br />
Riege, nicht zuletzt aus dem Erbe seines Vaters, um sich versammelt.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Die Atlantische-Akademie veranstaltete gerade eine summerschool mit<br />
zahlreichen USA-Experten unter den Referenten. Dort gab es doch sicher neue<br />
Erkenntnisse zum aktuellen Wahlkampf: wie wird er eingeschätzt, vielleicht auch im Vergleich mit vergangenen<br />
Kampagnen? Welche Rolle kommt dem Internet zu?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Dr. Kremp</b>: Was diesen Wahlkampf von vorhergehenden unterscheidet, ist zum einen, daß noch<br />
nie so viel Geld dafür ausgegeben wurde, insbesondere soft money, das der Umgehung der<br />
Spenden-Grenzen für Kandidaten dient. Zum anderen ist es der erste Internet-Wahlkampf.<br />
Alle übrigen Unterschiede wird man erst am 7. November genau kennen, denn der heiße<br />
Wahlkampf beginnt ja jetzt erst.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Amerikanisierung von Wahlkämpfen ist auch bei uns spätestens zu den<br />
Bundestagswahlen ein vielzitiertes Schlagwort. Wie amerikanisch sind denn<br />
die bundesdeutschen Wahlen inzwischen und sehen sie hier ein Problem oder<br />
gar eine Gefahr? Die SPD erwägt ja inzwischen sogar Vorwahlen nach<br />
amerkanischem Muster.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Dr. Kremp</b>: Also: die sogenannte &quot;Amerikanisierung&quot; ist, egal ob bei Wahlkämpfen, bei<br />
Eßgewohnheiten oder in der Kulturindustrie, nur für romantisch-nationalistische<br />
Links- und Rechtsintellektuelle eine Gefahr. Ansonsten ist sie ein Faktum, das zu<br />
einer modernen Massendemokratie dazu gehört wie Fernsehen, Fast Food und Film.<br />
&quot;Amerikanisierung&quot; bei Wahlkämpfen heißt: mehr Personen statt Parteien, mehr Bilder<br />
als Worte, mehr symbolische Handlungen, Events und Auftritte als Diskussion über<br />
Inhalte (aber ganz unwichtig sind diese trotzdem nicht), und Fernsehen statt<br />
Plakatwerbung.<br />
Ob sich das amerikanische Vorwahlsystem auf deutsche Parteien übertragen läßt?<br />
Probieren wir&#8217;s doch einfach, anstatt zu theoretisieren. Man kann&#8217;s dann immer noch<br />
auch wieder sein lassen, oder die Prozeduren modifizieren.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Alle 4 Jahre stellt sich die Frage, ob sich für die<br />
Deutsch-Amerkanischen Beziehungen etwas ändern wird. Ist es für uns denn überhaupt von<br />
großer Bedeutung, wer in Washington regiert?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Dr. Kremp</b>: Es ist ziemlich gleichgültig, ob ein Demokrat oder ein Republikaner für die<br />
amerikanisch-deutschen Beziehungen zuständig ist; denn diese beruhen auf einem Set<br />
von Traditionen, Werten, insbesondere auch politischen, ökonomischen und<br />
strategisch-sicherheitspolitischen Interessen, das über die Vierjahresperiode hinausgeht.<br />
Nicht unbedeutend ist sicher, unabhängig von der Parteizugehörigkeit des US-Präsidenten<br />
wie des deutschen Kanzlers, die Fähigkeit beider, einen persönlichen Draht zu einander<br />
zu finden.<br />
Und ganz besonders wichtig, leider aber in der deutschen Politik oftmals übersehen,<br />
ist die große Bedeutung, die der Kongreß, insbesondere der Senat, in der Außenpolitik<br />
der USA spielt. Da wäre es gut, wenn man nicht nur den Präsidenten als Akteur hofiert,<br />
sondern auch die Mitglieder des außenpolitischen Senatsausschusses!<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Welche Bedeutung messen sie den im Oktober anstehenden &quot;debates&quot; zwischen<br />
den Kandidaten bei. Kann die offene Debatte zwischen Gore und Bush vor<br />
Millionen von Fernsehzuschauern den Ausschlag geben, wie beispielsweise 1960<br />
im Duell Kennedy vs Nixon?<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Dr. Kremp</b>: Das ist schwer vorherzusagen, da oft bestimmte Zufälle, Bild-Eindrücke, die Tagesform<br />
etc. eine Rolle spielen. Es könnte sein, daß beim Duell Gore-Bush Gore intellektuell,<br />
aber Bush emotional mehr Eindruck macht. Beim Duell Lieberman-Cheney sehe ich eher<br />
eine intellektuelle und emotionale Parität, vielleicht mit einem kleinen Vorsprung<br />
für den frischer wirkenden Lieberman.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b><span style="color: #ff6600">politik-digital:</span></b> Vielen Dank für das Interview<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Fragen stellte Alexander Höf</span></p>
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