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	<title>Amsterdam &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Amsterdam &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Auf den Spuren einer kritischen Netzkultur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:42:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücherreport]]></category>
		<category><![CDATA[Amsterdam]]></category>
		<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
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		<category><![CDATA[Gegenöffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Geert Lovink]]></category>
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		<category><![CDATA[Internetaktivist]]></category>
		<category><![CDATA[Medientheorie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett"><font size="2">Die Aufsatzsammlung <em>Dark Fiber        - Auf den Spuren einer kritischen Internetkultur</em> bringt die        Arbeiten von Geert Lovink aus 15 Jahren Medientheorie und Internet-Aktivismus        in einer bunt schillernden magical-mystery-tour zu Papier. Albert        Meirer hat diesen Klassiker der Netzkritik gelesen und für        politik-digital.de rezensiert.</font>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett"><span style="font-size: x-small;">Die Aufsatzsammlung <em>Dark Fiber &#8211; Auf den Spuren einer kritischen Internetkultur</em> bringt die Arbeiten von Geert Lovink aus 15 Jahren Medientheorie und Internet-Aktivismus in einer bunt schillernden magical-mystery-tour zu Papier. Albert Meirer hat diesen Klassiker der Netzkritik gelesen und für politik-digital.de rezensiert.</span><!--break--></p>
<p class="normal">Der virtuelle Veteran Geert Lovink hat schon manches erlebt. Zumindest im Vergleich zu unser einem, der ein Leben führt, voller &#8220;beklemmender Kleinlichkeit (&#8230;), Beinahe-Engagement, fortgeschrittenem Desinteresse, (&#8230;) elektronischer Einsamkeit, IKEA als kulturellem Ideal und Formen kollektiver Enttäuschung (&#8230;) in einer Gesellschaft ohne Ideen mit einem Netz ohne Eigenschaften&#8221;. So beschrieben von Lovink und Kollektiv in den frühen 80ern im losen Verbund der agentur bilwet. Nachzulesen in der Aufsatzsammlung Dark Fiber, die Lovinks Arbeiten aus 15 Jahren Medientheorie und Internet-Aktivismus in einer bunt schillernden magical-mystery-tour auf Papier gebracht hat. Intellektuelle und Aktivisten der Piratenradio und Hausbesetzer-Szene in Amsterdam fanden sich einst zu bilwet (Agentur zur Förderung der illegalen Wissenschaft) zusammen. Später war Lovink unter anderem Herausgeber der Medienkunst-Zeitschrift &#8220;Mediamatic&#8221;, eine treibende Kraft hinter dem utopisch anmutenden Projekt der offenen Stadt Amsterdam, de digitale Stad. Des Weiteren war er einer der maßgeblichen Initiatoren der Mailinglist nettime, die 1995 ans Netz ging; auch als Gegen-Öffentlichkeit zur neoliberalen &#8220;kalifornischen Ideologie&#8221; des Magazins &#8220;wired&#8221;.</p>
<p class="normal"><strong>Get informed or die trying</strong></p>
<p class="normal">Lovink ist darüber hinaus auch ein Weltreisender in Sachen Konferenzen und Vorträge, sowie kompetentem Eintreten für freie und sinnvolle Kommunikation jenseits von kommerzieller Verflachung oder staatlicher Zensur. Der Stil seiner Artikel ist stets offen, dialogisch, von Mailing-Listen inspiriert und praxisnah. Sein Engagement und seine Leidenschaft wirken ansteckend und verführen zum Widerspruch, zum Nachlesen, zur Reflexion. Manchmal geraten die vielgestaltigen Texte zu wahrhaft hybriden Gewittern an Metaphern und Theoremen. &#8220;Hybrid zu werden ist nicht die Wahl einer Generation, es ist eine technokulturelle Bedingung. Hybridität ist weder eine Ideologie noch ein Ziel. Sie ist schmutzige digitale Wirklichkeit. (&#8230;) Doch an einem bestimmten Punkt hören Taktik und Hybridität und andere Serenaden auf die Welt und ihre Komplexität, und es müssen Entscheidungen getroffen werden. Hier endet die Geschichte der transitorischen taktischen Medien nach 1989, und andere Dimensionen öffnen sich.&#8221; Auch in dieser Hinsicht darf man auf DARK FIBER III gespannt sein, das Lovink derzeit in Berlin verfasst.</p>
<p class="normal"><strong>Offene Stadt oder Hochsicherheits-Kaufhaus</strong></p>
<p class="normal">Vielstimmig und lesenswert sind all die Fallstudien von alternativen, selbst-organisierten Medienprojekten jenseits der Marktlogik. Hier berichtet der Autor lebensnah und analytisch von all den subversiven Strategien und soften Micro-Kämpfen. Auch von Niederlagen, Ausverkauf und Marginalisierung, jedoch ohne in einen Kult des Scheiterns zu verfallen. So bekommt man einige scharf gezeichnete close-ups einer Zeit zwischen cyber-utopia, dot.com-mania, new-economy-crash und business-as-usuall. &#8220;Die Kritik an der neo-liberalen Agenda wurde auf die emotionale Intelligenz-Ebene von Gruppen, die sich vom freien Handel bedroht fühlen reduziert. Hier wurde kein Wort über die Vernachlässigung sozialer Probleme, (&#8230;) Probleme von Bildung und Erziehung und dem Niedergang der Öffentlichkeit verloren, ein zentraler Begriff wenn wir den Ursprung und die Essenz des Internets verstehen wollen.&#8221;</p>
<p class="normal"><strong>&#8220;www.j´accuse.com&#8221;, die gesunde Wut der &#8220;virtuellen Intellektuellen&#8221;</strong></p>
<p class="normal">&#8220;Schnelle Expansion des Medienuniversums geht einher mit einer Implosion der Imagination. Während Horden junger Geschäftsleute die &#8220;digitale Revolution&#8221; in sich hineinlöffeln (&#8230;) sieht die kulturelle Situation in Wirklichkeit recht anders aus. Abgesehen von den aggressiven Informations-Eliten nahm das intellektuelle Klima einen defensiven Charakter an.&#8221; Die post-euphorische Phase der Netzkultur ermöglichte Lovink eine &#8220;schöpferische Zerstörung der Postmoderne&#8221;, im Sinne einer Abkehr sowohl von infantilem Technik-Fetischismus als auch von zwanghaften New-Age-Ökonomismus. Aber auch eine Überwindung melancholischer Ästhetizismen und düsterer Visionen geschlossener Bestimmtheit. &#8220;Das interaktive Design scheint den Kampf gegen die Schnittstellendumpfheit verloren zu haben. Es ist Lichtjahre entfernt von Bauhaus-Imperativen (&#8230;) ästhetischer Qualität, eingebettet in ein breites Spektrum sozialer, kultureller und politischer Voraussetzungen.&#8221; Den Kampf gegen die Dumpfheit gibt der Autor aber keineswegs verloren, denn er beharrt auf der Kraft des Negativismus, des kritischen Humanismus und der skeptischen Reorganisation sozialer Netzwerke und Bewegungen. Er entwickelte mit anderen aus der Praxis heraus einen komplexen begrifflichen Werkzeugkasten der sogenannten &#8220;taktischen Medien&#8221;, einer sich stets neu reorganisierenden Arbeitsweise kritischer Kulturpraxis an der Schnittfläche von Wissenschaft, Kunst und Politik.</p>
<p class="normal"><strong>Globaler Dorftrottel oder kollektive Intelligenz</strong></p>
<p class="normal">Tatsächlich war zur Zeit der Jahrtausendwende, als Dark Fiber zuerst in englischer Sprache erschien, der Höhepunkt neo-liberaler Hegemonie bereits überschritten, erste Risse deuteten sich an. Der Hyperinvestition folgte der Crash, der manchem ganz die Lust am Internet verdarb. Niemals, niemals, betont Lovink, hätten die Konzerne das Internet erfunden; es sei eine kulturelle Errungenschaft. Dennoch, die transnationalen Konzerne haben es durchdrungen und reorganisiert. Es wurde zur informellen Infrastruktur des beschleunigten globalen High-Tech-Kapiltalismus ausgebaut. &#8220;Ihr mögt nicht an der Ökonomie interessiert sein, doch die Ökonomie ist an Euch interessiert.&#8221; Diese Umwälzung der raum-zeitlichen Dispositive behandelt Lovink in zwei Kapiteln zu den &#8220;Zeitkriegen des 21. Jahrhunderts&#8221; sowie zu den verschiedenen neuen Formen der englischen Sprache auf unserem Planeten, den so genannten „englishes“. Sicherlich weist diese globale Vernetzung menschlicher Praxis über alle bestehen Formen der Unterdrückung, Armut, Unwissenheit und Ausbeutung hinaus. Digitale Güter, digitales Wissen strebt seinem Wesen nach auf das Teilen, auf grenzenlose Verteilung, auf kostenlose Vervielfältigung hin. Lovink plädiert daher für den Kampf gegen alle Formen &#8220;künstlicher Knappheit&#8221;, die nur durch staatliche Kontrolle oder fieberhaft koordinierte Strategien der Konzerne aufrechterhalten werden können. Er erarbeitet in diesem Kontext eine Fülle möglicher Tätigkeitsfelder für Netzaktivistinnen.</p>
<p class="normal"><strong>Illusionen oder Utopien</strong></p>
<p class="normal">Post-modernes rhetorisches Irrlichtern über „Simulacren“ oder digitaler Entkörperlichung sind Lovinks Sache nicht. Er reist lieber engagiert und analog über Grenzen und an Ränder und berichtet in mehreren spannenden Artikeln von seinen Erfahrungen in Albanien, Taiwan und Dehli. &#8220;Es entsteht eine digitale proletarische Klasse&#8221;, erzählt ihm die indische Medien-Aktivistin Shuddha Sengupta.<br />
Zum einen eine proletarisierte globale Call-Center-, Paket-Zusteller- und Reinigungs-Armee, die zu Hungerlöhnen vergleichsweise banalem Schaffen im Umfeld der digitalen Globalisierung ausgeliefert ist. Zum anderen eine durch die Monopol-Bildungen in der New-World-Order-Economy zunehmend proletarisierte Mind-Workers-Class. Ein zunehmend vernetztes und bewußtes &#8220;Cognitariat&#8221;. Und siehe da, darüber hinaus machen nicht mehr nur „Daten-Dandys“ online Zoff. Nein, auch normale Supermarkt-Angestellte bilden Kommunikations-Guerillas. Analoge Proletarier aller Couleurs machen digitalen Stunk jenseits langweiliger Gewerkschafts-Seminare. Sogar Arme, Unterdrückte, Ungehörte in aller Welt entdecken das Netz als Potential wahrhaftiger Kommunikation. Tja, all diese werden es sein, die das Netz wieder politischer und spannender machen, wetten?</p>
<p class="normal"><strong>&#8220;Angst und Verlangen des Netzwerks&#8221;</strong></p>
<p class="normal">Viele der aktuellen Debatten um das Netz lassen sich mit Hilfe der praxeologischen Werkzeuge Lovinks entmystifizieren und besser begreifen. Seien es die Kritik an Google, Phantasmen einer digitalen europäischen Renaissance oder der Wunsch nach einer &#8220;Kultur-Flatrate&#8221;. Sei es die Fassungslosigkeit angesichts gröberer &#8220;Infrastrukturprobleme&#8221; in Bangalore oder die Visionen eines virtuellen &#8220;creative archive&#8221;. Technik-pessimistische und technik-euphorische Erzählungen unserer Tage müssen so nicht mit dem Verweis auf vergangene Erfahrungen als belanglose mediale Kasperliaden abgetan werden. Durch Lovinks kritische Theorie &#8220;in Richtung einer politischen Ökonomie der Netzwerke&#8221; können sie als Modus und Ausdruck gesellschaftlicher Wandlungsprozesse wahrgenommen und gehandhabt werden.</p>
<p class="normal">
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		<title>Zwischen Freiheit und Politik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[dwoche]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 1997 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Amsterdam]]></category>
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		<category><![CDATA[Kommunalpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtportal]]></category>
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					<description><![CDATA[<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>&#34;De Digitale Stad&#34; Amsterdam wird erwachsen - Geert Lovink stellt sie vor</b></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>&quot;De Digitale Stad&quot; Amsterdam wird erwachsen &#8211; Geert Lovink stellt sie vor</b></span><!--break--></p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"> Über die neuen Medien wird viel<br />
geredet und geschrieben. Meistens geht es ums Geschäft. Nutzer sind<br />
Konsumenten und man verspricht ihnen das Blaue vom Himmel herunter.<br />
Eine Art geheiligte, mythische Aura wird um die »online-Menschheit«<br />
gezogen, und wenn wir den Cyber-Ideologen glauben dürfen, sind ihre<br />
Vertreter so etwas wie Halbgötter. </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die Amsterdamer Digitale Stad (<a href="http://www.dds.nl/">DDS, &quot;De Digitale Stad&quot;</a>)<br />
wurde innerhalb weniger Tage nach ihrem Start im Januar 1994 in<br />
geradezu metaphysische Proportionen hochgelobt. Es ist allerdings<br />
unbestreitbar, daß sie in den Niederlanden als eine Art Katalysator<br />
funktioniert hat. Für viele stellte die Digitale Stad &#8211; direkt oder<br />
indirekt &#8211; den ersten Kontakt mit dem Internet dar. Sie wurde schnell<br />
auch zu einem Symbol für die »Public domain«, den kostenfreien<br />
öffentlichen Raum des Cyberspace. Obwohl sie die Kluft zwischen<br />
Politikern und Bürgern nicht zu überbrücken vermochte &#8211; was eines ihrer<br />
wichtigsten erklärten Ziele und der Grund dafür war, daß die Regierung<br />
Geld in das Experiment steckte &#8211; spielte sie eine zentrale Rolle in der<br />
Debatte über die »Informationsgesellschaft«.<br />
In kürzester Zeit entwickelte sich das Projekt zu Europas größtem und<br />
berühmtestem öffentlichen Computernetzwerk, oder »Freenet«, wie die<br />
Amerikaner es nennen würden. In der Praxis bedeutet dies Unmengen von<br />
Telefonleitungen, eine freie E-Mail-Adresse für jeden Nutzer,<br />
Speicherplatz für die eigene Homepage, massenhaft Gelegenheit, Kontakte<br />
zu knüpfen und Information zu sammeln oder zu verteilen, und, vor<br />
allem, die Freiheit, unbehelligt zu bleiben von Zensur und Überwachung.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Im Juni 1998 verzeichnete die<br />
Digitale Stad über 79000 »Einwohner«, d. h. registrierte Nutzer, und<br />
viele weitere Besucher (oder »Touristen«). Es ist traurig, daß es im<br />
Gegensatz zu den meisten anderen kommunalen Internet- und Webprojekten<br />
in Europa an der notwendigen Nutzerschaft fehlt, und daß sie<br />
infolgedessen ziemlich inhaltsleer und in der Tat virtuell geblieben<br />
sind &#8211; zum Beispiel die unlängst eingestellte Internationale Stadt<br />
Berlin, die der Digitalen Stad direkt nachempfunden war, sich aber<br />
zunehmend zu einem Dienstleistungsunternehmen für Inhalte und Software<br />
entwickelte.<br />
Der Digitalen Stad hingegen ist es gelungen, eine vielfältige und<br />
lebendige Netzkultur zu entfachen. Das System ist mittlerweile so groß<br />
und kompliziert, daß kaum jemand &#8211; am wenigsten das Management &#8211; noch<br />
die Übersicht hat. Nach Ansicht von uns Betreibern ist der primäre<br />
Grund für den Erfolg der Digitalen Stad die Freiheit, die ihren<br />
Benutzern von Anfang an eingeräumt wurde. Das mag trivial klingen, ist<br />
es aber nicht, vor allem wenn man die zunehmende Kontrolle über die<br />
Internet-Nutzung an Universitäten und in Betrieben, vor allem außerhalb<br />
der Niederlande, in Betracht zieht.<br />
Die Digitale Stad ist nie unter dem Deckmantel »die normalen Bürger mit<br />
Hilfe der Informationstechnologie näher an die Politik heranzuführen«<br />
zu einem Verlautbarungsorgan der Stadtverwaltung geworden. Sie gehört<br />
nicht dem Behördenapparat, auch wenn viele das annehmen. Im Gegenteil,<br />
die Digitale Stad hat seit zweieinhalb Jahren von der Stadt keine<br />
Zuschüsse mehr erhalten. Die Stadtverwaltung ist jedoch weiterhin ihr<br />
größter Kunde.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Die simple Tatsache, daß Politik<br />
in unserem normalen Alltag eine eher geringe Rolle spielt, hat sich<br />
auch im Netz niedergeschlagen. Außerdem stellte sich schnell heraus,<br />
daß die Politiker weder willens, noch in der Lage waren, sich mit dem<br />
neuen Medium vertraut zu machen &#8211; Bemühungen in der Anfangsphase, sie<br />
online zu bringen und einen Kontakt zur Wählerschaft herzustellen,<br />
erwiesen sich als Zeitverschwendung. Auch die Bürger waren mehr daran<br />
interessiert, sich miteinander zu unterhalten, als sich in obskure<br />
Geplänkel mit engstirnigen Politikern zu verwickeln.<br />
Nina Meilof, die ihre Medienerfahrung beim lokalen Fernsehen sammelte,<br />
einem weiteren Erfolgssektor der Amsterdamer Stadtkultur, wurde von der<br />
Digitalen Stad eingestellt, um Diskussionen über lokalpolitische Themen<br />
zu organisieren. Da gab es zum Beispiel den &#8211; inzwischen gescheiterten<br />
&#8211; Versuch, die Stadt als einen &quot;städtischen Bezirk&quot; zu restrukturieren,<br />
sowie die kontroversen Landgewinnungsmaßnahmen im Ijsselmeer und das<br />
noch umstrittenere Projekt einer unterirdisch geführten<br />
Nord-Süd-Eisenbahn, oder den Ausbau des Flughafens Schiphol, der die<br />
gesamte Umweltbewegung mobilisierte.<br />
Zur Zeit laufen Experimente mit dem Beurs TV Kabelnetz, bei denen es um<br />
einen direkten Anschluß ans Internet geht.<br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica"><b>Subkultur statt Mainstream</b><br />
Von technischen Gesichtspunkten einmal abgesehen besteht das Hauptziel<br />
darin, die Unbeweglichkeit der gegenwärtigen politischen Rituale zu<br />
überwinden. Nina Meilof: »Ein entscheidender Vorteil der Digitalen Stad<br />
ist ihr anarchischer Charakter. Es gibt eine ganze Reihe von<br />
versteckten Nischen und Winkeln, zum Beispiel Cafés an weniger<br />
frequentierten Plätzen. Dann schaut man in eine der privaten Homepages<br />
und findet dort eine komplette Geschichte des betreffenden Cafés, mit<br />
dem dortigen Insider-Jargon, einer Geburtstagsliste und einem<br />
Gruppenfoto. Es gibt zum Beispiel eine Gruppe von Harley-Davidson-Fans,<br />
die sich in einem bestimmten Café treffen und auch einen Newsletter<br />
herausbringen. Solche Subkulturen sind natürlich weit interessanter als<br />
die Mainstream-Sites, die von großen Unternehmen oder Institutionen<br />
betrieben werden. Derartige Sites ›swingen‹ nie.« Aus diesem Grund<br />
sucht die Digitale Stad nach einer Art Balance, in der sich diese<br />
Subkulturen optimal entfalten können, ohne daß die politische Sphäre<br />
völlig vernachlässigt wird.<br />
Das funktioniert nur, solange das System unabhängig bleibt. Und das<br />
kostet Geld, viel Geld. Die Digitale Stad hat sich mehr und mehr zu<br />
einem Wirtschaftsunternehmen entwickelt, während gleichzeitig der<br />
Wunsch erhalten blieb, den gemeinnützigen Charakter des Projekts<br />
aufrechtzuerhalten. Die Strategie des Managements besteht darin, sich<br />
vor allem um eine Reihe zahlungskräftiger Großkunden zu bemühen und<br />
darüber hinaus Projekte an Land zu ziehen, die zum Konzept der<br />
Digitalen Stad passen. Das geht nicht immer ohne Reibungen ab.<br />
Es gibt drei zentrale Komponenten: Die Geschäftsführung versucht, Geld<br />
heranzuschaffen. Eine Innovationsabteilung entwickelt neue Technologien<br />
für Geschäftskunden. Und dann gibt es weiterhin den<br />
Gemeinschaftsaspekt, unter dem sich die Digitale Stad als eine Art<br />
soziales Laboratorium versteht. Doch das Bild einer »Virtuellen<br />
Gemeinschaft«, wie es Howard Rheingold in seinem gleichnamigen Buch<br />
beschwört, ist hier nicht wirklich angemessen. Die Digitale Stad hat<br />
sich eher zu einem vielgesichtigen Amalgam kleiner Gemeinschaften<br />
entwickelt, die gemeinsam das Ziel verfolgen, das System DDS als eine<br />
»offene Stadt« am Leben zu erhalten.<br />
Hier spielt das zentrale Interface eine Schlüsselrolle. Es ist dazu<br />
entwickelt worden, einen Überblick über die gewaltigen<br />
Informationsmengen zu ermöglichen. Entsprechend dem Namen des Systems<br />
gruppiert sich das DDS-Interface um die Begriffe »Platz«,<br />
»Gebäude/Haus« und »(Seiten-)Straße«, aber es zeigt keine Bilder oder<br />
Simulationen des tatsächlichen Amsterdamer Stadtbildes &#8211; wie viele<br />
vielleicht erwarten würden.<br />
Es gibt zum Beispiel »Plätze«, die sich solchen Themen widmen wie<br />
Umwelt, Tod, Sport, Bücher, Tourismus, soziale Aktivitäten, Regierung.<br />
Das Interface ist nicht in der Lage, die darunterliegenden Aktivitäten<br />
wirklich darzustellen. Diese Lücke füllen spezielle Info-Dienste und<br />
die DDS-eigene Zeitung »De Digitale Stedeling«.<br />
</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,helvetica">Wie hält sich ein Insider über<br />
die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden? Noch einmal Nina Meilof,<br />
die auch Herausgeberin von »De Digitale Stedeling« ist: »Ich erhalte<br />
die Zugriffsstatistiken der beliebtesten &quot;Häuser&quot; (d.h. Homepages). Die<br />
schaue ich mir von Zeit zu Zeit an. Zur Zeit entsteht gerade ein ganzes<br />
Netzwerk schwuler ›Häuser‹. Dort werden Fotografien attraktiver Männer<br />
gezeigt. Die sind natürlich ziemlich beliebt. Das ist eigentlich alles<br />
ganz normal: Autos, Drogen, wie man sein eigenes Gras anbaut,<br />
Musik-Sites mit umfangreichen Archiven. Es gibt auch einen großen<br />
Bereich, wo man Software bekommen oder austauschen kann. Einige dieser<br />
›Warez-Häuser‹ existieren nur für zwei Tage und verschwinden dann<br />
wieder. Und es gibt natürlich Netzwerk-Spiele, die sind ein Evergreen.<br />
Aber dann findet man auch mal eine Homepage über einen sehr seltenen<br />
Vogel, und es stellt sich heraus, daß das eine international berühmte<br />
Site ist, die von Ornithologen aus der ganzen Welt besucht wird. Andere<br />
Leute flippen über Design oder Java-Programmierung aus. Und es gibt die<br />
Linklisten. Und die Witzeseiten darf man natürlich auch nicht<br />
vergessen&#8230;«</span></p>
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