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	<title>Anti-Terror-Datei &#8211; politik-digital</title>
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	<description>Information, Kommunikation, Partizipation</description>
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	<title>Anti-Terror-Datei &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>Persönlicher Datenschutz ist kein Thema</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Oct 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Big Brother Award]]></category>
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					<description><![CDATA[(Artikel, 26. Oktober 2006) Engagierte Streiter aus Bürgerrechts-, und Datenschutzorganisationen wollen mit der Verleihung des BigBrotherAwards ein Bewusstsein für den Umgang mit persönlichen Daten schaffen. In Bielefeld wurde der Anti-Preis nun zum siebten Mal verliehen. politik-digital.de zeigt die „Gewinner“ der insgesamt fünf Kategorien.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">(Artikel, 26. Oktober 2006) Engagierte Streiter aus Bürgerrechts-, und Datenschutzorganisationen wollen mit der Verleihung des BigBrotherAwards ein Bewusstsein für den Umgang mit persönlichen Daten schaffen. In Bielefeld wurde der Anti-Preis nun zum siebten Mal verliehen. politik-digital.de zeigt die „Gewinner“ der insgesamt fünf Kategorien.</p>
<p><!--break--></p>
<p>&#8220;Herzlichen Glückwunsch! Der Gewinner des Big Brother Award 2006 in der Kategorie &#8220;Behörden &amp; Verwaltung&#8221; ist die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK).“ So ähnlich mag es geklungen haben, als am 20. Oktober die Gewinner der Big Brother Awards 2006 in Bielefeld bekannt gegeben wurden. Die Kultusministerkonferenz der Länder ist zu der Ehre gelangt, weil sie bundesweit einheitliche, lebenslang gültige Schüler-IDs einführen und so Daten von allen deutschen Schülern zentral speichern und auswerten möchte.</p>
<p>In mittlerweile 14 europäischen Ländern und in den USA, Kanada und Japan werden jährlich im Oktober die<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">BigBrotherAwards</a> an die Vorreiter der Kontrollgesellschaft vergeben. Seit sieben Jahren auch in Deutschland. Engagierte aus Bürgerrechts-, Datenschutz-, und unabhängigen Netzorganisationen wollen mit dem „Anti-Preis“ Öffentlichkeit herstellen und durch Aufklärung über ihre Machenschaften zum Widerstand anregen.<br />
                            <br />
                            <strong><br />
                            <br />BigBrotherAward 2006: Die Preisträger</strong></p>
<p>Weitere Preisträger des<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2006" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Big Brother Award 2006</a> sind in der Kategorie Wirtschaft: SWIFT-Europe (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication), die den US-Behörden seit fast fünf Jahren über sein US-amerikanisches Operation-Center die Daten internationaler Banktransaktionen zur Verfügung stellt und selbst innereuropäische Daten zur Sicherung auf die Server von SWIFT-USA speichert.</p>
<p>Gleich zwei Preise wurden dieses Jahr in der Kategorie Politik verliehen: Die Mitglieder des vierten Landtags von Mecklenburg-Vorpommern werden für die gesetzliche Erlaubnis zur verdachtsunabhängigen Tonaufzeichnung in der Öffentlichkeit geehrt. Die Bundes-Innenministerkonferenz erhielt einen Award für die Einrichtung einer zentralen &#8220;Anti-Terror-Datei&#8221;.</p>
<p>Der Technik-Award geht 2006 an die Philips GmbH. Phillips hat CD-Brenner auf den Markt gebracht, die ihre Seriennummer auf den Rohling schreiben und damit eine Rückverfolgbarkeit gebrannter CDs zum Brenner ermöglichen. Der Hersteller begründet dieses Vorgehen mit der Notwendigkeit, Raubkopierer ermitteln zu wollen. Bislang ist es in Deutschland aber nicht strafbar, Privatkopien seiner CDs zu erstellen.</p>
<p>Den Preis in der Kategorie Verbraucherschutz bekam der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) für die gemeinsame Warn- und Hinweisdatei der Versicherungsfirmen, in der umfangreiche Daten von Millionen von Bürgerinnen und Bürgern enthalten sind. Die Jury begründet die Preisvergabe damit, dass ohne Wissen der Betroffenen nach geheimgehaltenen Kriterien und ohne ausreichende rechtliche Grundlage eine Bewertung der Versicherten durchgeführt werde.</p>
<p>Erstmals konnten die bei der Verleihung anwesenden rund fünfhundert Zuschauerinnen und Zuschauer entscheiden, welcher der Preisträgerinnen und Preisträger den Publikumspreis erhalten solle. Mit knapp einem Drittel aller Stimmen war der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) für seine Warn- und Hinweisdatei der Gewinner.</p>
<p>                            <strong>Schwarzbuch Datenschutz</strong></p>
<p>Rena Tangens und padeluun vom Verein<br />
                            <a href="http://www.foebud.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">FoeBuD e.V. (</a>Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs e.V.) gehören hierzulande von Beginn an zur Big Brother Gemeinde. Sie haben nun das Schwarzbuch Datenschutz herausgegeben, in dem alle deutschen Preisträger des BigBrotherAwards bis 2005 vorgestellt werden. Neben den Preisreden gibt es kompakte Informationen zur aktuellen Entwicklung im jeweiligen Fall.</p>
<p>Auf knapp 190 Seiten erfährt der Leser unter anderem von<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2005/.life/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Otto Schilys Datenschutzsünden</a>, über<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2002/.life/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Microsofts &#8220;Digital Rights Managements&#8221;</a>,<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2004/.local/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Videoüberwachung</a> bis hin zu<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2005/.cop/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">RFID-Schnüffelchips</a>. In den Beiträgen werden datenschutzrechtlich bedenkliche Fälle dargestellt wie beipielsweise von<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2005/.local/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Schulen, die die Namen von Erstklässlern zu Werbezwecken weitergegeben</a> haben, von der<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2004/.work/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Videoüberwachung des Personals bei Lidl</a> und so weiter.</p>
<p>Die Fakten sind so aufbereitet, dass sie sowohl für Laien als auch für Spezialisten geeignet sind. Insbesondere Letztere wird das Namens- und Sachregister freuen.</p>
<p>Zweifelsohne hat die Big Brother Jury mit ihrer Arbeit die Öffentlichkeit erreicht und im Einzelfall auch Erfolge. Nur was ist davon geblieben? Das Maut-System<br />
                            <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2002/.tec/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Toll Collect</a> etwa gibt es nach wie vor. Es avanciert mittlerweile sogar zum<br />
                            <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2006/0911/wirtschaft/0066/index.html?group=berliner-zeitung;sgroup=;day=today;suchen=1;keywords=Mautsystem%20als%20Exportschlager;search_in=archive;match=strict;author=;ressort=;von=;bis=;mark=exportschlager%20als%20mautsystem" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Exportschlager</a>. Gleiches gilt für Payback-Karten, elektronische Reisepässe und das Vorhaben der<br />
                            <a href="http://www.politik-digital.de/econsumer/verbraucherschutz/jpiegsa_eGK051125.shtml">elektronischen Gesundheitskarte</a> von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.</p>
<p>Während in den 90er Jahren die letzte in Deutschland durchgeführte Volkszählung enorme Proteste hervorrief, weil als Ergebnis der „gläserne Bürger“ befürchtet wurde, werden<br />
                            <a href="http://www.bmi.bund.de/cln_012/nn_122688/Internet/Content/Nachrichten/Pressemitteilungen/2006/08/Volkszaehlungsrunde.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">neue Anläufe</a> hingegen kaum wahrgenommen. Auch mit neuen Möglichkeiten im Internet &#8211; Stichwort Web 2.0 &#8211; scheint die<br />
                            <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,443539,00.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Sorglosigkeit im Umgang mit eigenen Daten</a> um sich zu greifen.</p>
<p>Scheinbar fehlt es an Bewusstsein und Verständnis für das Thema Datenschutz. Wie viel Prozent der Bevölkerung wissen eigentlich, wer George Orwell war? Steht sein Roman 1984 nicht nur auf den Lehrplänen der gymnasialen Oberstufe? Wie viele wissen, das „Huxleys Neue Welt“ mehr ist, als eine Musikhalle in Berlin Neuköln?</p>
<p>
                            <strong>Buch-Info</strong><br />
                            <br />Rena Tangens &amp; padeluun (Hg.)<br />
                            <br />Schwarzbuch Datenschutz<br />
                            <br />Ausgezeichnete Datenkraken der BigBrotherAwards<br />
                            <br />Mit einem Vorwort von Peter Glaser<br />
                            <br />broschiert, 192 Seiten, 13,90 Euro<br />
                            <br />Edition Nautilus<br />
                            <br />3894014946</p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Es gibt keine Patentrezepte gegen Terrorismus, auch niemals völlige Sicherheit&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/quotes_gibt_keine_patentrezepte_gegen_terrorismus_auch_niemals_voellige_sicherheitquot-128/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Sep 2006 21:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Dieter Wiefelspütz]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
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		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Videoüberwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Anti-Terror-Datei]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am 
Mittwoch, 6. September, <span style="font-size: x-small">war Dieter Wiefelspütz, 
innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, zu Gast im 
tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte 
mit den Nutzern über die neue Anti-Terror-Datei, Videoüberwachung 
und die Einschränkungen der Freiheit.</span></span></span></span></b>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="normal">
<b><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small"><span style="font-size: x-small">Am<br />
Mittwoch, 6. September, <span style="font-size: x-small">war Dieter Wiefelspütz,<br />
innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, zu Gast im<br />
tagesschau-Chat in Kooperation mit politik-digital.de. Er diskutierte<br />
mit den Nutzern über die neue Anti-Terror-Datei, Videoüberwachung<br />
und die Einschränkungen der Freiheit.</span></span></span></span></b><!--break--></p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen<br />
zu 60 Minuten tagesschau-chat. Zu Gast im ARD-Hauptstadtstudio ist<br />
heute der SPD-Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz. Er<br />
ist innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Mit Fragen zur frisch<br />
beschlossenen Anti-Terror-Datei und generell zur inneren Sicherheit<br />
sind Sie bei ihm also an der richtigen Adresse. Herr Wiefelspütz,<br />
können wir beginnen?</p>
<p><b>pedeto:</b> Waren die versuchten Anschläge der<br />
so genannten Kofferbomber eine willkommene Gelegenheit für<br />
die Regierung, schärfere Maßnahmen der Überwachung<br />
durchzusetzen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Die Frage enthält eine ziemlich bösartige<br />
Unterstellung. Mich hat dieses, nur durch einen Glücksumstand<br />
missglückte Attentat sehr betroffen gemacht. Junge Leute werden<br />
nach Deutschland eingeladen, um hier ausgebildet zu werden, werden<br />
hier herzlich empfangen und kriegen es in den Kopf, völlig<br />
unschuldige Menschen in Zügen &#8211; auch sie oder ich hätten<br />
es sein können &#8211; umzubringen. Dieser Umstand besorgt mich sehr.<br />
Selbstverständlich wird es keinen Missbrauch dieses Vorfalls<br />
geben. Wer sollte denn so verrückt sein?</p>
<p><b>Moderator:</b> Eine Folge dieser Attentatsversuche ist die nun beschlossene<br />
Anti-Terror-Datei (ATD). Eine Frage dazu:</p>
<p><b>MrPink:</b> Glauben Sie, dass sich durch die Anti-Terror-Datei<br />
tatsächlich die Sicherheit erhöht?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Es gibt keine Patentrezepte gegen Terrorismus,<br />
auch niemals völlige Sicherheit. Das Menschenmögliche<br />
muss getan werden. Die ATD, die wir gerade beraten, wird kein Wundermittel<br />
sein, aber ein weiterer Baustein, um uns im Kampf gegen Terrorismus<br />
besser aufzustellen. Nicht mehr, nicht weniger.</p>
<p><b>MrPink:</b> Welche Daten werden denn jetzt alle in<br />
der Anti-Terror-Datei gespeichert?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Es wird zunächst Grunddaten geben<br />
zur Identifizierung einer Person. Die sind für die abrufende<br />
Stelle sichtbar. Und es gibt nicht sichtbare Daten, die die Person<br />
weiter beschreiben. Diese unsichtbaren Daten werden nur als Treffer<br />
gemeldet, um dann anzufragen, ob man an die Daten herankommen darf.<br />
Der Personenkreis, der in diese ATD hineinkommen soll, wird sehr<br />
begrenzt sein. Und das ist in Deutschland zum Glück eine sehr<br />
überschaubare Zahl.</p>
<p><b>typerwriter:</b> Wie lange werden die Daten in der<br />
Anti-Terror-Datei gespeichert?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Solange die Gefahr besteht.</p>
<p><b>odysseus:</b> Was rechtfertigt diese Datei? Es werden<br />
eine Unmenge an Daten gesammelt und die eigentlichen Terroristen<br />
werden sich durch geeignete Maßnahmen doch nur der &quot;Überwachung<br />
entziehen&quot; und weiter in den Untergrund gedrängt? Braucht<br />
ein Selbstmordattentäter eine Krankenkasse, ein reguläres<br />
Bankkonto? Muss er mit Kreditkarte bezahlen und kann er nicht z.B.<br />
auch über wechselnde Internetcafes Kontakt halten?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Es ist sicherlich gelegentlich ein Wettlauf.<br />
Die Kofferbombenattentäter hatten wir nicht auf dem Schirm.<br />
Das ist etwas, was mich umtreibt. Wir sammeln nicht wahllos Daten.<br />
Die Arbeit ist aber auch nicht ohne Erfolg. Wir haben in Deutschland<br />
mehrere Attentate verhindert. Das interessiert die Öffentlichkeit<br />
weniger. Sicherheitsarbeit im Kampf gegen Terrorismus ist nicht<br />
perfekt, wir sind aber auch nicht hilf- und auch nicht machtlos.<br />
Richtig bleibt aber: Den Kofferbombenanschlag haben wir nicht verhindern<br />
können.</p>
<p><b>Bobbel:</b> Glauben Sie, dass es viele Verfassungsbeschwerden<br />
geben wird?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Das kann ich nicht ausschließen,<br />
dass der eine oder andere zum Verfassungsgericht geht. Warum denn<br />
auch nicht? Wir leben in einem Rechtsstaat.</p>
<p><b>Lennart:</b> Können Sie die Bedenken der Datenschützer<br />
verstehen? Nicht nur in Bezug auf die Anti-Terror-Datei, sondern<br />
auch in Bezug auf die Videoüberwachung?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir reden regelmäßig mit dem<br />
Datenschutzbeauftragten Herrn Schaar, den ich sehr schätze,<br />
obwohl er von den Grünen ist. Wir machen Sicherheitsarbeit<br />
in den Grenzen des Rechtsstaates und nicht außerhalb der Grenzen.<br />
Ich bin für einen klugen Einsatz auch von Videotechnik, aber<br />
gegen eine flächendeckende Videoüberwachung. Diese Auffassung<br />
hat übrigens auch heute morgen Frau Merkel in der Haushaltsdebatte<br />
vertreten. Sicherheitsarbeit muss man mit klarem Verstand und mit<br />
Augenmaß im Rahmen des Rechtsstaates machen. Die Herausforderungen<br />
neuartiger Bedrohungen annehmen, sie aber nicht mit Hektik und Panikmache<br />
beantworten.</p>
<p><b>Moderator:</b> Stichwort Videoüberwachung: Ihre Ausweitung ist<br />
noch nicht beschlossen. Wie sähe diese im Idealfall konkret<br />
aus?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Die Technik der Videoüberwachung<br />
darf nicht überschätzt werden, wenngleich sie ihren Stellenwert<br />
hat. Sie hat gerade bei der Aufklärung der Kofferbombenattentate<br />
sehr geholfen. Wir wollen aber die Videotechnik weiterentwickeln.<br />
Das muss ein intelligentes System werden und nicht so ein stumpfes,<br />
wie es jetzt noch ist. Sie glauben gar nicht, wie viele Stunden<br />
Durchsicht von Videobändern nötig waren, um die Attentäter<br />
zu identifizieren. Das müssen wir durch technische Weiterentwicklung<br />
erleichtern.</p>
<p><b>Klaus Trophobie:</b> Wie viele Bürgerechte (Datenschutz,<br />
Privatsphäre u.s.w.) würden sie denn opfern wollen für<br />
ein Gefühl der Sicherheit (mehr kann es ja nie sein)? Wenn<br />
man nach Amerika guckt, ist da ja von der Freiheit, die man verteidigen<br />
will, meiner Meinung nach, ja schon nicht mehr viel über.</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir leben in Deutschland zum Glück<br />
in einem Staat mit einem außerordentlich hohen Niveau an Freiheit<br />
und Sicherheit. Wenn es darum geht, möchte ich nicht tauschen<br />
mit Frankreich, England, Italien und schon gar nicht mit den USA.<br />
Wir leben hier freier und sicherer als in diesen Ländern. Es<br />
gibt im Rechtsstaat allerdings eine rote Linie, die wir niemals<br />
überschreiten dürfen, da wir uns sonst gemein machen würden<br />
mit den Verbrechern. Strikt verboten sind Angriffskrieg, Folter,<br />
Einsperren ohne Gerichtsverfahren, strikt verboten ist in Deutschland<br />
auch Guantanamo. Wir bekämpfen Terrorismus innerhalb des Rechtsstaates<br />
und nicht gegen den Rechtsstaat.</p>
<p><b>Lennart:</b> Es gibt eine einen schönen Aufsatz<br />
eines amerikanischen Soziologen. Der fragt: Wer überwacht die<br />
Überwacher? Wie wird also die Kontrolle überwacht und<br />
wer soll das ausführen? Ist der Datenschutz nicht schon zu<br />
schwach in Deutschland?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich will ganz deutlich sagen, dass für<br />
mich Freiheit als Wert noch ein wenig wichtiger ist als Sicherheit.<br />
Es kann aber durchaus sein, dass viele Menschen im Lande das anders<br />
sehen. Die BRD ist kein zentralistischer Machtstaat. Bei uns gibt<br />
es viele Menschen, die jeweils ein Stück Verantwortung haben,<br />
wir haben sehr viele Kontrollmechanismen, wir haben Gerichte, aber<br />
es wird im Einzelfall immer wieder möglich sein, dass auch<br />
Fehler begangen werden oder auch Skandale möglich sind. Wir<br />
leben nicht einmal ansatzweise in einem Polizei- oder Überwachungsstaat.</p>
<p><b>Moderator:</b> Noch einmal zurück zur Anti-Terror-Datei:</p>
<p><b>alice33: </b>Muss man insbesondere ausländische<br />
Studenten stärker überwachen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Es beschäftigt mich sehr, dass Terroristen<br />
in der aktuellen Situation durchweg junge Männer sind zwischen<br />
20 und 40, aus dem Nahen Osten stammen und häufig Studenten<br />
sind. Das beschäftigt uns sehr, dass aus diesem Kreis immer<br />
wieder im Einzelfall gefährliche Verbrecher auffällig<br />
werden. Wir wollen uns allerdings nicht abschotten von der Welt.<br />
Ich finde es prinzipiell großartig, dass ein Teil der Jugend<br />
der Welt in Deutschland studiert. So wie auch viele junge Deutsche<br />
im Ausland arbeiten, zur Schule gehen oder studieren.</p>
<p><b>typerwriter:</b> Wie sieht es in anderen Ländern<br />
aus &#8211; Gibt es dort schon solche Dateien? Wenn ja, gibt es Erfolge<br />
damit zu verbuchen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Jedes Land hat seine eigene Sicherheitskultur.<br />
Wir schauen sicherlich auch über den Tellerrand, aber ich bin<br />
ganz froh, dass wir hier unseren eigenen Stil entwickelt haben.<br />
Wir haben eine ausgesprochen demokratische und zivile Polizei. Es<br />
gibt aber auch in anderen Ländern Dateien.</p>
<p><b>Golem: </b>Wie steht es um Bemühungen eine europäische<br />
Anti-Terror-Einheit aufzubauen? Ein einheitliches Vorgehen dürfte<br />
doch viel größeres Gewicht haben.</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich stimme ihnen ausdrücklich zu.<br />
Aber Europa ist eine Schnecke. Immerhin: Etwas Bewegung ist da.<br />
Eine europäische Polizei gibt es freilich noch nicht, aber<br />
Datenaustausch.</p>
<p><b>Moderator:</b> Nach den missglückten Kofferbomben-Anschlägen<br />
kam es plötzlich sehr schnell zu einer Einigung auf die zuvor<br />
jahrelang umstrittene Anti-Terror-Datei. Welche Bedenken hat der<br />
missglückte Anschlag ausgeräumt?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich bin dezidierter Auffassung, dass es<br />
keinen Zusammenhang gibt zwischen den zwei Themen. Wir hätten<br />
in dieser Woche in derselben Weise über die ATD beraten, auch<br />
ohne die Attentate. Dieses Thema ist seit einigen Wochen eingespeist<br />
und wird sicherlich unter einer größeren Anteilnahme<br />
der Öffentlichkeit wegen der gescheiterten Attentate in Berlin<br />
durchberaten.</p>
<p><b>leiprecht: </b>Ist es angesichts der wachsenden Terrorgefahr<br />
in Deutschland nicht an der Zeit, unsere Kultur klar zu definieren<br />
und jeden Migranten darauf einen Eid abgeben zu lassen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Glauben sie, dass man durch einen Eid<br />
sicher ist vor Fehlentwicklungen eines Menschen? Allerdings: Ein<br />
Mensch, der sich wirklich zu hause fühlt in Deutschland wird<br />
niemals auf die Idee kommen, seine Heimat in die Luft zu sprengen.</p>
<p><b>Nutzer:</b> Setzt die Überwachung mittels einer<br />
ATD nicht am falschen Ende an? Müssten nicht vielmehr die Wurzeln<br />
der Terrorismus bekämpft werden?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich sehe hier kein „Entweder, oder“,<br />
sondern ein „sowohl, als auch“, Wenn Verbrecher unterwegs<br />
sind, muss ich sie stoppen, wenn ich eine Chance dazu habe. Gleichzeitig<br />
muss ich mir die Frage stellen: Was bringt Menschen dazu, Unschuldige<br />
in die Luft zu sprengen? Was kann ich dazu tun, diesen Sumpf, in<br />
dem das entsteht, trocken zu legen?</p>
<p><b>Horn: </b>Was wird ein Eintrag in der Datei konkret<br />
bewirken? Mit welchen Konsequenzen kann der Betroffene rechnen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Das kommt im Einzelfall darauf an. Jedenfalls<br />
wird die Sicherheitsbehörde wissen, dass sie einen gefährlichen<br />
Menschen vor sich hat.</p>
<p><b>daniela_schmidt: </b>Arbeitet die Bundesregierung<br />
zu wenig mit Muslimverbänden bzw. engagiert sie zu wenige Kulturexperten<br />
der arabischen/türkischen Kultur in Gremien und bei Entscheidungsprozessen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir organisieren jetzt die Islamkonferenz,<br />
die hoffentlich dazu beitragen wird, Defizite in diesem Bereich<br />
abzubauen. Muslime in Deutschland müssen ernster genommen werden.</p>
<p><b>Iezzi_Toronto: </b>Wie glauben Sie, wird das Ausland<br />
auf die momentane Entwicklung in Deutschland reagieren? Wie wird<br />
man die aktuellen Diskussionen in den Nachbarländern auffassen?<br />
Wohlwollend, da es um mehr Sicherheit geht, oder ablehnend, da es<br />
zu verschärften Kontrollen kommen wird?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Unsere Nachbarländer haben mit exakt<br />
denselben Problemen zu tun wie wir auch. Ich gehe davon aus, dass<br />
man wechselseitig großes Verständnis füreinander<br />
hat. Ich glaube, dass wir allen Grund haben, in Europa was Sicherheitsfragen<br />
angeht, enger zusammen zu rücken, weil wir alle im Wesentlichen<br />
die gleichen Probleme haben.</p>
<p><b>QuellQPur:</b> Wird es allgemein Informationen über<br />
diese Datei geben, also z.B. einen regelmäßigen Bericht<br />
über die Anzahl der Personen, welche dort erfasst sind?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Jeder Zugriff auf die Datei wird automatisch<br />
dokumentiert und archiviert. Der Bundesdatenschutzbeauftragte hat<br />
Kontrollmöglichkeiten. Wir werden nach wenigen Jahren die Datei<br />
evaluieren und prüfen, was sie gebracht hat.</p>
<p><b>daniela_schmidt:</b> Womit &quot;qualifiziert &quot;<br />
man sich denn dafür, in die Datei aufgenommen zu werden? Was<br />
wird kontrolliert und welches Verhalten wird als gefährlich<br />
eingestuft, sodass die Person in die Datei aufgenommen wird?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Das Entscheidende ist der Gewaltbezug.<br />
Wenn Wiefelspütz mit Gewalt seine Ziele in diesem Land durchsetzen<br />
will, kommt er in diese Datei.</p>
<p><b>Valentin:</b> Ich glaube, dass die Terrorgefahr gar<br />
nicht so groß ist. Ist es nicht eher so wie es in den USA<br />
war, dass die Angst vor dem Terror von den Politikern nur ausgenützt<br />
wird, die Privatsphäre der Menschen noch mehr einzuschränken?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich kann mit dem Begriff &quot;die Politiker&quot;<br />
überhaupt nichts anfangen. Ich bin seit 59 Jahren ein sehr<br />
freier Bürger dieses Landes und ich glaube es gibt weitere<br />
82 Millionen Bürger, die ähnlich frei sind wie ich. Was<br />
sagen sie denn den Angehörigen der Terroropfer von Madrid oder<br />
London über die angeblich nicht vorhandene Gefahr? Hat es in<br />
New York 3000 Ermordete gegeben oder was war das dort? In welcher<br />
Welt leben sie? Ich muss mich mit Wirklichkeit auseinandersetzen,<br />
das ist die erste Pflicht eines verantwortlichen Politikers.</p>
<p><b>emjay:</b> Der Große Lauschangriff hat gezeigt,<br />
dass Abhörmaßnahmen massiv und unverhältnismäßig<br />
missbraucht werden, das hat sogar das Bundesverfassungsgericht festgestellt.<br />
Wie können sie angesichts dessen glauben,, dass es mit der<br />
Anti-Terror-Datei anders läuft?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich kenne keinen einzigen Fall, wo der<br />
große Lauschangriff missbraucht worden wäre, ihre Behauptung<br />
trifft nicht zu. Das Bundesverfassungsgericht hat eine gesetzliche<br />
Regelung aufgehoben, aber nicht Missbrauch festgestellt. Selbstverständlich<br />
halten sich die Behörden an das Urteil. Wir sind doch nicht<br />
umzingelt von Missbrauch treibenden Staatsbediensteten. Wo haben<br />
sie ihre Vorurteile her?</p>
<p><b>pebcak:</b> Was meinen sie zum Recht auf informationelle<br />
Selbstbestimmung? Wie bekommt man Einsicht, welche Daten welche<br />
Behörden gesammelt haben? Und an wen sie weitergegeben wurden?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir haben nicht nur das Grundrecht auf<br />
informationelle Selbstbestimmung, wir haben inzwischen sogar ein<br />
Informationsfreiheitsgesetz. Ich bin für eine starke Stellung<br />
des Bürgers im Hinblick auf Auskunftsrechte. Wir werden aber<br />
nicht jedem Terrorismusverdächtigen darüber informieren<br />
können, wie wir uns gegen ihn zur Wehr setzen. Es geht im Übrigen<br />
um eine sehr kleine Zahl von sehr gefährlichen Menschen, aber<br />
auch deren Grundrechte sind zu beachten.</p>
<p><b>DDW:</b> Wird nicht die Wahrnehmungsschwelle der Behörden<br />
durch die Anti-Terror-Datei enorm sinken? Wird nicht dadurch jeder<br />
junge Mensch aus Nahost permanent verdächtigt?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir müssen uns auf diejenigen konzentrieren,<br />
die wirklich gefährlich sind. Menschen unter Generalverdacht<br />
zu stellen, ist kompletter Blödsinn, hilft uns aber auch überhaupt<br />
nicht bei der Sicherheitsarbeit.</p>
<p><b>OOo42:</b> Wird die Antiterror-Datei mit ausländischen<br />
Dateien abgeglichen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Nein, das ist nicht vorgesehen und auch<br />
nicht zulässig. Wir haben aber natürlich Informationsaustausch<br />
der Nachrichtendienste und Polizeien, so dass indirekt auch Informationen<br />
einfließen können in unsere nationale Datei.</p>
<p><b>Moderator:</b> Ein großes Thema bei unseren Usern ist die Rolle<br />
der Muslime. Dazu eine Frage:</p>
<p><b>Said:</b> Wie wollen Sie in der Regierung die gemäßigten<br />
Muslime stärken?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich bin der festen Überzeugung, dass<br />
die übergroße Mehrheit der über drei Million Muslime<br />
in Deutschland friedlich und gesetzestreu sind. Es gibt eine Reihe<br />
von Möglichkeiten, die Muslime in Deutschland ernster zu nehmen.<br />
Das ist vor allem auch Aufgabe von Integrationspolitik.</p>
<p><b>Iezzi_Toronto:</b> Wie schätzen Sie die Auffassung<br />
der Bundesbürger bezüglich mehr und schärferen Kontrollen<br />
ein? Hier in Kanada ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass<br />
man zum Beispiel bei der Aufnahme einer neuen verantwortungsvollen<br />
Aufgabe gründlich durchleuchtet wird. Muss in Deutschland vielleicht<br />
auch ein Umdenken erfolgen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> In sicherheitsrelevanten Bereichen wird<br />
auch in Deutschland sehr genau hingeschaut. Es kommt niemand mehr,<br />
um eine Beispiel zu nennen, auf das Rollfeld eines Flughafens, ohne<br />
eine gründliche Überprüfung seiner Zuverlässigkeit.</p>
<p><b>Dr.Ingolfsen:</b> Sehr geehrter Herr Wiefelspütz,<br />
sehen Sie die Sicherheitskräfte &#8211; BKA, BND und BfV &#8211; gut in<br />
Deutschland aufgestellt, oder bedarf es möglicherweise an Nachbesserungen,<br />
speziell auch in finanzieller Hinsicht?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir haben erhebliches investiert im Bereich<br />
unserer Sicherheitsbehörden. Ich bin schon beeindruck von der<br />
Qualität unserer Mitarbeiter in diesen Bereichen, aber wir<br />
sollten uns wechselseitig anspornen, noch besser zu werden. Insgesamt<br />
haben wir bei unserer Polizei ein bemerkenswert hohes Niveau. Denken<br />
sie bitte an die Art, wie sich die Polizei bei der WM präsentiert<br />
hat.</p>
<p><b>Moderator:</b> Direkte Anschlussfrage:</p>
<p><b>emjay:</b> Ist nicht laut Verfassung eine strikte<br />
Trennung von Polizei und Geheimdiensten geboten? Sie geben gerade<br />
zu, dass sie es aufweichen wollen.</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Das Trennungsgebot gebietet, dass organisatorisch<br />
Geheimdienste von der Polizei getrennt sind und das werden wir auch<br />
aufrecht erhalten. Aber es gibt eine gesetzliche Grundlage für<br />
Informationsaustausch. An diesen Grundlagen werden wir nichts ändern.<br />
Deswegen passt die ATD in dieses System hinein, ohne es zu verändern.<br />
Im Übrigen darf man das Trennungsgebot auch nicht überschätzen.<br />
Andere Rechtsstaaten kennen ein solches Gebot nicht. Der Chef von<br />
BKA und Bundesamt für Verfassungsschutz ist immer ein und derselbe<br />
Bundesinnenminister. Ist ihnen das schon einmal aufgefallen?</p>
<p><b>brownie:</b> Mal kurz weg von der ATD: Befürworten<br />
Sie einen Einsatz der Bundeswehr im Inneren? Unter welchen Bedingungen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Die Bundeswehr ist nicht die Reservepolizei<br />
des Landes. Wenn wir nicht genug Polizei haben, sollten wir mehr<br />
einstellen. Die BW darf schon jetzt beim Katastrophenschutz helfen<br />
(Elbehochwasser), sie darf bei der WM helfen, das ist alles kein<br />
Problem. Aber sie darf eben nicht als Polizei missbraucht werden.<br />
Daran werden wir festhalten.</p>
<p><b>cod:</b> Ich komme aus Leipzig und angesichts unserer<br />
stark frequentierten Bahnhofspromenaden eine Frage: Gibt es Überlegungen<br />
der Gepäckkontrolle vor dem Betreten von (so großen)<br />
Bahnhöfen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Das wird nicht leistbar sein. Die Bahn<br />
transportiert pro Tag über vier Million Gäste, es gibt<br />
über 5000 Bahnhöfe. Wenn wir die großen kontrollieren<br />
würden, was passiert mit den kleinen? Hier wird deutlich, dass<br />
uns auch Grenzen gesetzt sind. Wenn sie nur jeden Fluggast eine<br />
Minute genau überprüfen würden, könnten wir<br />
den Flugverkehr einstellen.</p>
<p><b>Moderator:</b> In Leipzig sollen künftig Hartz-4-Empfänger<br />
als Zugbegleiter eingesetzt werden, das Projekt wurde vergangene<br />
Woche vorgestellt. Setzt sich Bundesminister Tiefensee doch noch<br />
mit seinem Vorschlag durch, Hartz-4-Empfänger für die<br />
innere Sicherheit einzuspannen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich habe kein Problem damit, wenn mehr<br />
Sauberkeit organisiert wird auf Bahnhöfen, wenn gehbehinderten<br />
Menschen geholfen wird, den Zug zu betreten oder zu verlassen. Harte<br />
Sicherheitsarbeit kann aber nur von Profis geleistet werden.</p>
<p><b>Edda Peters:</b> Sie haben in &quot;Hart aber Fair<br />
&quot; vor weit über einem Jahr zugesagt, sich für eine<br />
neue Diätenlösung und für Offenheit bei zusätzlichen<br />
Engagements der MdBs einzusetzen. Mit welchem Ergebnis?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich setze mich weiterhin dafür ein.<br />
Das Thema ist leider vertagt worden. Darüber bin ich nicht<br />
sehr glücklich. Ich füge allerdings hinzu, seit dem 1.1.2003<br />
sind die Diäten nicht mehr angehoben worden.</p>
<p><b>Moderator:</b> Und noch einmal zu den Bahnhöfen:</p>
<p><b>Hurtz:</b> Ist es richtig, dass man auf deutschen<br />
Bahnhöfen nun jederzeit damit rechnen muss, dass man mein Gepäck<br />
durchsucht?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich fahre selber sehr viel mit der Bahn.<br />
Die einzige Veränderung, die ich festgestellt habe, ist der<br />
Lautsprecherhinweis, auf herrenloses Gepäck zu achten. Etwas<br />
anderes habe ich noch nicht gespürt. Da wird auch deutlich,<br />
dass es im Alltag ganz schwer ist, etwas zu bewegen. Vielleicht<br />
ist das aber auch gut so.</p>
<p><b>alice33:</b> Wie werden die Sicherheitskontrollen<br />
an Flughäfen zukünftig aussehen?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Wir haben erhebliches investiert in Deutschland<br />
um auf diesem Sektor besser zu werden. Es gibt auch technologische<br />
Entwicklungen. Wir haben inzwischen einiges erreicht, werden aber<br />
versuchen, weitere Lücken zu schließen. Ich kann nicht<br />
ausschließen, dass wir über die Mitnahme von Handgepäck<br />
an Board eines Flugzeuges neu nachdenken müssen. Die Sicherheitsdebatte<br />
ist dort aber noch lange nicht abgeschlossen. Bei Kontrollen müssen<br />
wir auch immer wieder auf die Würde der Menschen achten.</p>
<p><b>simpson:</b> Welche Klauseln gibt es, um die Terrorgesetze<br />
bzw. ihre Einschränkung der Bürgerrechte später wieder<br />
zu beenden? Gibt es Fristen oder soll ein neuer Status Quo geschaffen<br />
werden?</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich bin kurzsichtig, aber nicht blind.<br />
Schon gar nicht folge ich blind irgendeiner Politik, sondern ich<br />
habe einen eigenen Gestaltungswillen. Der Staat hat für die<br />
Sicherheit seiner Bürger zu sorgen. Diese Sicherheitsarbeit<br />
muss mit Augenmaß erfolgen, aber durchaus entschlossen. Ich<br />
bitte sie herzlich, Mörder nicht zu verharmlosen.</p>
<p><b>dersprecher:</b> Ist das grundlegende Problem nicht<br />
etwa die unzureichende Integration der ausländischen Bevölkerung?<br />
Wie kann es sein, dass Türken seit über 20 Jahren in Deutschland<br />
leben und zum Teil noch kein Deutsch sprechen? Der Staat muss doch<br />
eine solchen Parallelgesellschaft verhindern.</p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Haben sie schon einmal nachgedacht über<br />
die Gründe für die Parallelgesellschaft der Deutschen<br />
auf Mallorca? Ich will aber hier auch gar nicht ausweichen. Wenn<br />
Studenten kurzzeitig in Deutschland leben und hier sich terroristisch<br />
entwickeln, hat das nicht unbedingt etwas mit Integration zu tun,<br />
weil die auch gar nicht hier bleiben wollen. Ich betone aber ausdrücklich:<br />
Integration ist das ganz große gesellschaftliche Thema der<br />
Gegenwart und Zukunft! Wir müssen auf diesem Sektor deutlich<br />
besser werden. Das gilt für alle.</p>
<p><b>Moderator:</b> Das waren 60 Minuten tagesschau-Chat. Wir bedanken uns<br />
bei allen, die mitgemacht haben. Unsere Bitte um Verständnis<br />
an jene, die wir heute mit ihrer Frage nicht berücksichtigen<br />
konnten. Unser besonderer Dank gilt Dieter Wiefelspütz, der<br />
sich für uns Zeit genommen hat. Der nächste Chat findet<br />
am übernächsten Donnerstag, den 21. September, statt.<br />
Unser Gast ist dann ab 13 Uhr der CDU-Bundestagsabgeordnete Laurenz<br />
Meyer. Das letzte Wort gehört Ihnen, Herr Wiefelspütz.<br />
For more info please visit : <a style="text-decoration: none" href="http://www.howtopatentsomething.org"><font color="#555555">http://www.howtopatentsomething.org</font></a></p>
<p><b>Dieter Wiefelspütz:</b> Ich mach das unheimlich gerne,<br />
mich mit ihnen auseinander zu setzen. Das wichtigste ist, dass wir<br />
uns alle miteinander interessieren für Demokratie. Ich bedanke<br />
mich bei jedem, der sich beteiligt hat. Eine wunderbare Stunde.</p>
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