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	<title>Arbeitsbedingungen &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Schöne, neue Arbeitswelt?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 May 2014 13:22:21 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Arbeitswelt ist im Wandel. Man spricht von einer neuen Generation von Menschen, die flexibel, mobil und selbstbestimmt arbeiten möchte. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/y.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-139810" alt="y" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/y.png" width="636" height="299" /></a>Die Arbeitswelt ist im Wandel. Man spricht von einer neuen Generation von Menschen, die flexibel, mobil und selbstbestimmt arbeiten möchte. Die sogenannte „Generation Y“ gilt als innovativ und sinnsuchend, aber auch als verwöhnt und faul. Politik und Wirtschaft passen sich nur langsam diesen neuen Bedürfnissen an, um keine Wähler und Mitarbeiter zu verlieren. Und auch Arbeitnehmer nutzen die neuen Modelle nur zögerlich und arbeiten meist nicht weniger und effizienter &#8211; wie es der technologische Fortschritt verheißt &#8211; sondern sind überarbeitet bis hin zum Burnout.<br />
&#8220;Wir sind jung und brauchen das Glück&#8221;, schreibt die Journalistin und Autorin Kerstin Bund auf &#8220;<a href="http://www.zeit.de/2014/10/generation-y-glueck-geld" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ZEIT Online</a>&#8220;. In ihrem Buch “Glück schlägt Geld. Generation Y: Was wir wirklich wollen” beschreibt sie, wie Karriere heute neu definiert wird. Die<a href="http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/generation-y-im-pressekompass-so-wird-sie-definiert-a-964518.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Generation Y</a> – Menschen, die nach der Generation X, also zwischen 1980 und 1995, geboren sind – schert sich nicht um traditionelle Statussymbole wie einen Kleinwagen, hohe Gehälter oder Boni. Sie ist vielmehr interessiert an Selbstbestimmung und Flexibilität. Immer mehr Menschen kündigen ihre Festanstellung, um in eigenen Projekten mit Gleichgesinnten zusammenzuarbeiten. Das gilt aber nicht nur für die 20-30-Jährigen, sondern auch für ältere Menschen, die zum Beispiel ein Jahr lang das Hamsterrad gegen ein Sabbatical tauschen oder eine Teilzeitbeschäftigung wählen, um mehr Zeit für die Familie oder Hobbies zu haben.<br />
Überlegungen zur neuen Arbeitswelt gibt es schon länger. Im Jahr 2006 gaben Sascha Lobo und Holm Friebe ein <a href="http://wirnennenesarbeit.de/index.html?nr=20060928113212" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Buch</a> mit dem Titel “Wir nennen es Arbeit – Die digitale Bohème oder intelligentes Leben jenseits der Festanstellung” heraus. Ihr zentrales Argument ist, dass das Internet eine “Individualisierung 2.0” mit sich bringe. Durch die Mobilisierung des Arbeitsplatzes und neue Geschäftsmodelle gibt es immer mehr Selbstständige, die mithilfe von digitalen Technologien in selbstgewählten Strukturen arbeiten. Manch einer nutzt das Internet, um komplett ortsunabhängig sein Geld zu verdienen. Auf einer <a href="http://www.dnx-berlin.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Konferenz</a> im Berliner betahaus berichteten “Digitale Nomaden” einen ganzen Tag lang darüber, wie man am besten an weißen Sandstränden online über die Runden kommt.<br />
Die neue Arbeitswelt findet jedoch zum großen Teil noch außerhalb der traditionellen Strukturen statt. Die meisten Unternehmen reagieren langsam auf den Umbruch und fühlen sich von den Veränderungen bedroht: „Für manche Personalchefs sind wir ein Albtraum: Sie halten uns für verwöhnt, selbstverliebt und größenwahnsinnig. Es heißt, wir seien schlecht darin, uns zu hinterfragen, aber groß darin, uns selbst zu überschätzen“, schreibt Bund in ihrem Artikel. Ob die Generation Y nun verantwortungsvoll und leistungsbereit oder fordernd und selbstgefällig ist – irgendwie muss auf diese Entwicklung reagiert werden.</p>
<h3>Wirtschaft und Politik hinken hinterher</h3>
<p>Die soziale Plattform für berufliche Vernetzung XING hat passend zur neuen Arbeitswelt ein Themen-Portal namens „<a href="https://spielraum.xing.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Xing spielraum</a>“ gestartet. Unter dem Motto „Besser leben. Anders arbeiten“ finden sich dort seit Anfang Mai Experten-Interviews, Best Practices und Tipps zur „Orientierung moderner Wissensarbeiter“. In einem <a href="https://spielraum.xing.com/2014/04/wir-brauchen-neuen-sinn-in-unserer-arbeit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Interview</a> zum Thema „New Work“ sagt Ex-Telekom Vorstand Thomas Sattelberger auf „Xing spielraum“: „Ich glaube, dass durch den Wertewandel, der gekoppelt ist mit der Digitalisierung, immer mehr gesellschaftliche Teilbereiche auf Augenhöhe und damit demokratischer und teilhaberischer gestaltet werden.“ Sattelberger plädiert dafür, Begriffe wie „Personalkörper“ oder „Beschäftigte“ mit „Unternehmensbürger“ zu ersetzen. Damit zeige man, dass Menschen sich nicht nur passiv Arbeit nehmen, sondern ihr Kapital, ihre Fähigkeiten und Motivationen in ein Unternehmen investieren.<br />
Flexible Arbeitsmodelle sind in vielen Unternehmen nicht mehr die Ausnahme. BMW zum Beispiel notiert Arbeitsstunden seiner Mitarbeiter außerhalb des Büros und lässt sie dafür an anderen Tagen früher nach Hause gehen. Laut Bundeswirtschaftsministerium bieten bereits vier von fünf Firmen in Deutschland flexible Arbeitszeitmodelle an. Diese gelten jedoch vor allem für Menschen mit Familie. „In vielen Unternehmen gelten noch immer starre Arbeitszeiten und Präsenzpflichten. Statt Vertrauensarbeitszeit herrscht das Diktat der Stempeluhr“, kritisiert Sattelberger im Interview. Er beschreibt deutsche Konzerne als „erfolgsverwöhnte Ozeandampfer“, die herumschlingern und „nicht antwortfähig auf den disruptiven Wandel sind“. Wenn Unternehmen nicht umdenken, bekommen sie eventuell ein Personalproblem. Und auch das Innovationspotenzial kann leiden, wenn kritisch Hinterfragende aussortiert und angepasste Arbeitsbienen befördert werden. Dabei hat eine größere Souveränität der Mitarbeiter viele Vorteile. Studien haben ergeben, dass mehr Autonomie und Vertrauen Beschäftigte kreativer, produktiver und seltener krank anstatt faul macht.<br />
Wenn Unternehmen sich mit den Veränderungen noch schwer tun, wie reagiert dann die Politik? Obwohl einiges getan wird, vor allem im Bereich Vereinbarkeit von Beruf und Familie (wie zum Beispiel die Einführung des Elterngelds im Jahr 2007) , so gilt die Generation Y insgesamt als unpolitisch und hat keine eigene Lobby. Die heute 20- bis 30-Jährigen lassen sich politisch schwer einordnen und protestieren lieber im Internet als in den Institutionen. Wenn es eine Revolution der Arbeitswelt gibt, so ist sie still, schleichend und institutionell schlecht vertreten.</p>
<h3>Wie weit ist es mit der neuen Arbeit?</h3>
<p>Gleitzeit, Homeoffice, Elternzeit, Sabbatical,Teilzeit – alles beliebte und berechtigte Forderungen im modernen Arbeitsmarkt. Doch selbst wenn Unternehmen diese Optionen anbieten, werden sie oft nicht in Anspruch genommen.<br />
Häufig sind diese Konzepte noch nicht voll akzeptiert oder ausgereift. Homeoffice zum Beispiel erzeugt oft noch ein Gefühl des Kontrollverlusts beim Arbeitgeber &#8211; und die Angst der Heimarbeiter,von spontanen Besprechungen ausgeschlossen zu werden. Das Statistische Bundesamt stellte Anfang des Jahres fest, dass heute weniger Menschen von zuhause arbeiten als noch Mitte der Neunzigerjahre. Von Teilzeitbeschäftigten wird oft mehr erwartet als vereinbart und sie sitzen am Ende doch den ganzen Tag im Büro und machen einen schlecht bezahlten Vollzeitjob.<br />
Man darf auch nicht vergessen, dass nur ein kleiner Teil unserer Gesellschaft als Generation Y bezeichnet werden kann. Vielen fehlt es an Mut oder finanziellen Mitteln, um Neues auszuprobieren oder sich selbstständig zu machen. Um das neue Arbeitsmodell auszuweiten, müssen Unternehmen den Wunsch nach mehr Freiräumen und Selbstbestimmung institutionell umsetzen und Arbeitnehmer sich trauen, die neuen Möglichkeiten zu nutzen, um eine breitere Akzeptanz herzustellen. Die Flucht in die (oft prekäre) Selbstständigkeit durch mangelnde Alternativen des Arbeitgebers kann zur Seltenheit werden, wenn beide Seiten die neue Art zu arbeiten zur Normalität werden lassen.<br />
Bild: <a href="http://pixabay.com/en/signpost-migratory-character-62434/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pixabay/Hans</a> <a href="http://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><small>(CC0 1.0) </small></a><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Fairphone: Mehr als ein gutes Gewissen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nicolas Krotz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Mar 2014 12:18:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Zum Jahreswechsel 2014 erreichte die erste Generation des Fairphones ihre Kunden. Das &#8220;nachhaltige Smartphone&#8221; ist zwar noch weit davon entfernt, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/waage_groß.jpg"><img decoding="async" class="size-large wp-image-137959 alignnone" alt="waage_groß" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/waage_groß-630x418.jpg" width="630" height="418" /></a>Zum Jahreswechsel 2014 erreichte die erste Generation des Fairphones ihre Kunden. Das &#8220;nachhaltige Smartphone&#8221; ist zwar noch weit davon entfernt, fair hergestellt zu sein. Doch diese Hoffnung hatten die Gründer auch gar nicht. Es geht ihnen darum, Aufmerksamkeit für die Handels- und Produktionsstrukturen eines immer mächtiger werdenden Wirtschaftssektors zu schaffen – die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). Eine netzpolitische Dimension hat das Projekt auch. Diese sollte in der Debatte nicht verloren gehen.<br />
Jedes zweite Mobiltelefon wird heute in China zusammengebaut. Zum Symbol für unverantwortliches Verhalten gegenüber seinen Mitarbeitern – wie es in der herstellenden IKT-Industrie in China üblich ist – wurde das taiwanesische Unternehmen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Foxconn">Foxconn Electronics/Hon Hai Precision Industry,</a> das schon <a href="http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/tid-28278/foxconn-aus-china-die-grossmacht-hinter-apple-auch-gou-ist-detailversessen-und-bei-der-qualitaet-rigoros_aid_868040.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">seit 2006 in der Kritik steht.</a> Der &#8220;Gigant hinter Apple&#8221; zählt mit einem Umsatz von jährlich über 130 Milliarden Dollar zu den umsatzstärksten Unternehmen der Welt. Allein in China beschäftigt es mehr als 1,3 Millionen Menschen, die u. a. das iPhone unter schwierigsten Bedingungen zusammenbauen: extrem lange Arbeitszeiten bei schlechter Bezahlung, Beschäftigung Minderjähriger und ein geringer Arbeitsschutz trotz Verwendung <a href="http://www.focus.de/digital/handy/iphone/fest-verbaute-akkus-grotesk-umweltbundesamt-dringt-auf-verbot-von-iphone-und-ipad_aid_860093.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gefährlicher Chemikalien.</a> Immer wieder wird über <a href="http://www.chinalaborwatch.org/news/new-456.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Selbstmorde von Foxconn-Beschäftigten berichtet.</a>  Doch der ehemalige Apple-Chef Steve Jobs zeigte wenig Verständnis und <a href="http://www.telegraph.co.uk/technology/steve-jobs/7796546/Foxconn-suicide-rate-is-lower-than-in-the-US-says-Apples-Steve-Jobs.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">verglich 2010 die Selbstmordrate</a> bei Foxconn ernsthaft mit der Zahl der Suizide in den USA.<br />
Der Bau eines nachhaltigen Hightech-Geräts kann heute nicht unabhängig von der globalen Arbeitsteilung umgesetzt werden. Die Identität und Arbeitsweise der vielen Hersteller kleinster Bauteile sowie von Zwischen- und Rohstoffhändlern in der Versorgungskette sind nur schwer zu rekonstruieren.<br />
<figure id="attachment_138114" aria-describedby="caption-attachment-138114" style="width: 378px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/8454776149_1313917269_b.jpg"><img decoding="async" class=" wp-image-138114" alt="8454776149_1313917269_b" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/8454776149_1313917269_b-630x418.jpg" width="378" height="251" /></a><figcaption id="caption-attachment-138114" class="wp-caption-text">Eine Kleinstbergbaumine im Osten des Kongos</figcaption></figure><br />
Im Mittelpunkt der Debatte über die Rohstoffgewinnung stehen dabei die <a href="http://www.fairphone.com/wp-content/uploads/2013/11/Great-Recovery-Project-Periodic-Table.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer">für ein Smartphone notwendigen Metalle.</a> Einige dieser Metalle, z. B. Zinn oder Tantal, werden von Minen in Provinzen des östlichen Kongos geliefert. Die <a href="http://www.zeit.de/2011/02/Kongo-Rohstoffe" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Arbeits-bedingungen der Minenarbeiter</a> sind meistens sehr schlecht: Sie tragen keine Schutzkleidung, haben selten rechtliche und gesundheitliche Absicherung und erhalten nicht mehr als ein paar Euro am Tag.<br />
&nbsp;<br />
Im östlichen Kongo kommt hinzu, dass es u. a. aufgrund eines nicht vorhandenen staatlichen Gewaltmonopols bewaffnete Konflikte um die Kontrolle über die Minen gibt. Die Abnahme der Ressourcen durch externe Akteure wie Unternehmen kann zur Fortdauer der Konflikte beitragen, während ein regionaler Boykott die Lage der Zivilbevölkerung beeinträchtigen kann. Darüber hinaus hat der Bergbau Konsequenzen für die Umwelt. Die giftigen Seen, die durch Zinnminen entstehen, können das ganze Ökosystem beträchtlich schädigen, wie dies auch über <a href="https://www.milieudefensie.nl/publicaties/rapporten/mining-matters/view" target="_blank" rel="noopener noreferrer">indonesischer Regionen berichtet wurde.</a> Sind die Rohstoffe, die über den Weltmarkt bezogen werden, auf sozial und ökologisch nachhaltige Weise gewonnen worden? Schon beim Beantworten dieser Frage scheitert derzeit das Vorhaben, ein nachhaltiges Hightech-Gerät zu bauen.</p>
<h3><b>&#8220;Fair&#8221; – ein vielschichtiger Begriff</b></h3>
<p>Was also macht das durch Crowdfunding gegründete Fairphone-Unternehmen Fairphone B.V., das sich selbst als &#8220;social enterprise&#8221; bezeichnet, besser? Bisher fällt <a href="http://blog.faire-computer.de/fairphone-an-unfulfilled-promise/#more-586" target="_blank" rel="noopener noreferrer">die Bilanz nüchtern aus.</a> Um sich über die Bedingungen bei der Rohstoffgewinnung und bei der Fertigung ein direktes Bild zu verschaffen, hat das Fairphone-Team Reisen in den Kongo und nach China unternommen und diese <a href="http://www.flickr.com/photos/fairphone/">dokumentiert.</a> Das Team stellte fest, dass es bereits Initiativen gibt, die für bessere Verhältnisse und mehr Transparenz sorgen wollen – u. a. gefördert von Unternehmen wie <a href="http://responsibility.motorola.com/index.php/suppliers" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Motorola,</a> <a href="http://www8.hp.com/us/en/hp-information/global-citizenship/society/supplychain.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">HP</a> und <a href="http://www.intel.com/content/www/us/en/corporate-responsibility/conflict-free-minerals.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Intel.</a><br />
Auf diesen Zug ist Fairphone B.V. aufgesprungen und verwendet z. B. für seine Elektrolytkondensatoren Tantal aus konfliktfreien Minen im Kongo. Laut der Fairphone-Website hat sich die Situation der Minenarbeiter dort in den letzten Jahren verbessert. Doch die Herkunft der 28 verbauten Metalle neben Tantal und Zinn ist noch unbekannt. Fairphone B.V. kündigte an, die Versorgungskette Schritt für Schritt <a href="https://fairphone.zendesk.com/hc/communities/public/questions/200761987-Conflict-free-fair-materials" target="_blank" rel="noopener noreferrer">transparent machen zu wollen.</a> Selbst bei ähnlichen Unternehmen, die bemüht sind, weniger komplexe Geräte nachhaltig herzustellen, wird dies noch Jahre dauern (z. B. im Fall der <a href="https://www.nager-it.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">fairen Maus von Nager IT).</a> Das Ganze muss also als eine Art &#8220;Forschungsprojekt&#8221; betrachtet werden. Für den Zusammenbau der ersten 25.000 Geräte beauftrage Fairphone B.V. den chinesischen Auftragsfertiger <a href="http://www.ahong.com.cn/en/about.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">A’Hong.</a><br />
<figure id="attachment_138117" aria-describedby="caption-attachment-138117" style="width: 378px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/8744602234_1eb3286824_b.jpg"><img decoding="async" class=" wp-image-138117" alt="8744602234_1eb3286824_b" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/8744602234_1eb3286824_b-630x420.jpg" width="378" height="252" /></a><figcaption id="caption-attachment-138117" class="wp-caption-text">Das Fairphone-Team sieht sich Arbeitsbedingungen in einer chinesischen Fabrik an</figcaption></figure><br />
Über die Arbeitsprozesse in der Fabrik in Chongqing wurde ein <a href="http://vimeo.com/87670743" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Video</a> gedreht – was bei Foxconn undenkbar wäre. Die Beschäftigten von A´Hong <a href="http://www.zeit.de/digital/mobil/2014-02/fairphone-bas-van-abel/seite-2" target="_blank" rel="noopener noreferrer">arbeiteten ungefähr 60 Stunden die Woche</a> für ca. 210-300 Euro im Monat. Für die meisten anderen Auftraggeber gelten bei A’Hong längere Arbeitszeiten. Das Gehalt entspricht dem freiwilligen Mindestlohn in der Region. In den kommenden Monaten soll ein von Fairphone B.V. eingerichteter Sozialfonds von über 90.000 Euro an die Arbeiter der Fabrik ausgeschüttet werden.<br />
&nbsp;<br />
Das Endprodukt Fairphone beruht also auf vielen Arbeitsprozessen, die nicht vereinbar sind mit Konventionen der <a href="http://www.ilo.org/global/standards/introduction-to-international-labour-standards/conventions-and-recommendations/lang--en/index.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Internationalen Arbeitsorganisation.</a> Mit A’Hong hat Fairphone B.V. einen Hersteller gewählt, der von sich behauptet, die Situation der Beschäftigen verbessern zu wollen – und überhaupt bereit war, diese geringe Menge an Geräten herzustellen. Es werden keine Leiharbeiter oder Kinder in den Fabriken beschäftigt. Das sonst geringe Mitspracherecht der Arbeiter wurde für den Fairphone-Produktionszeitraum verbessert. Überraschen sollte es daher nicht, dass es viel <a href="http://www.taz.de/%21132260/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lob für das Fairphone-Projekt gibt.</a> Es zeige erstmals, was machbar ist, und übe Druck auf die großen Hersteller der Branche aus, heißt es wohlwollend von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen.<br />
<figure id="attachment_137890" aria-describedby="caption-attachment-137890" style="width: 305px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/9800393576_fb1a93cc93_b.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-137890 " alt="9800393576_fb1a93cc93_b" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/9800393576_fb1a93cc93_b-305x174.jpg" width="305" height="174" /></a><figcaption id="caption-attachment-137890" class="wp-caption-text">Das Fairphone der ersten Generation: Nachhaltig gebaut sind der herausnehmbare Akku und die zwei Simkarten-Slots</figcaption></figure><br />
Auf den großen Absatzmärkten (USA und EU) werden Smartphones gewöhnlich für ein Vielfaches der Produktionskosten verkauft. Der Börsenkonzern Apple macht enorme Gewinne mit seinen teuren Geräten. Fairphone B.V. legt daher besonderen Wert auf die Transparenz bei der Preiszusammenstellung. Auf der <a href="http://www.fairphone.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fairphone-Website</a> kann man sich die <a href="http://www.fairphone.com/2013/09/12/costbreakdown/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Kostenaufstellung des Geräts herunterladen.</a> Fairphone B.V. geht also noch einen Schritt weiter und hebt sich dadurch positiv von Herstellern wie Motorola, HP und Intel ab.<br />
&nbsp;</p>
<h3><b>Moderne Demokratie oder antike Dekadenz? </b></h3>
<p>Es wird schnell deutlich: Ein nachhaltiges Smartphone zu bauen, muss ein langfristiges Projekt sein. Der Einfluss, den z. B. <a href="https://germanwatch.org/de/4956" target="_blank" rel="noopener noreferrer">europäische Firmen</a> und Politiker auf diesen Prozess haben, bleibt in bestimmten Punkten begrenzt. Demokratische Subsidiarität verlangt von den Bürgern, dass sie sich organisieren und lokale Institutionen selbst regulieren. Es liegt zwar auch an den Chinesen, Indonesiern und Kongolesen, sich bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen und für eine gemäßigte Belastung der Natur zu sorgen. Doch das entbindet ausländische Abnehmer und Politik nicht davon, Transparenz zu schaffen und bessere Arbeitsbedingungen einzufordern. Die <a href="http://www.theguardian.com/sustainable-business/eu-reform-listed-companies-report-environmental-social-impact" target="_blank" rel="noopener noreferrer">deutsche Bundesregierung</a> lehnt hingegen den aktuellen <a href="http://europa.eu/rapid/press-release_STATEMENT-14-29_en.htm?locale=en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Vorschlag der EU-Kommission</a> für mehr Transparenz ab. Dieser sieht vor, große Unternehmen zu Berichten über ihre ökologische und soziale Auswirkung zu verpflichten, was bisher nur freiwillig geschieht.<br />
Sollen unsere &#8220;herrschaftsfreien Diskurse&#8221; mittels Geräten geführt werden, die auf Ausbeutung von Mensch und Natur beruhen? Demokratie ist historisch ein exklusives Phänomen und demokratische Teilhabe heute stark geografisch bedingt. Die digitale Vernetzung schließt nicht alle Menschen mit ein. Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digitale_Kluft" target="_blank" rel="noopener noreferrer">digitale Kluft</a> ist vor allem ein globales Problem. Mit einem aufgeklärten Eigeninteresse &#8211; also dem Wissen, dass die Entwicklung des  Gemeinwohls im Interesse jedes einzelnen liegt &#8211; fordert die globaler werdende Zivilgesellschaft eine demokratische Globalisierung. Dabei sollte sie sich nicht auf den Wirtschaftsstrukturen in der IKT-Branche ausruhen. Gerade weil die derzeitigen Produktionsstrukturen sich nicht über Nacht umwälzen lassen, fällt ihr die Aufgabe zu, die entscheidenden Akteure unter Druck zu setzen.<br />
Im antiken Griechenland wurde die Demokratie  durch die Unfreiheit vieler Sklaven ermöglicht. Schon heute zeigt sich, dass <a href="http://www.hamburger-wahlbeobachter.de/2014/03/social-media-verzerrt-den-politischen.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">digitale Medien zu mehr politischer Partizipation führen,</a> und der Einfluss des Internets auf unsere politische Kultur wird weiter zunehmen. Ein Vergleich zu den antiken gesellschaftlichen Verhältnissen drängt sich umso mehr auf, wenn wir künftig unsere Wahlen elektronisch abhalten. Stattdessen sollte sichergestellt werden, dass die für eine Cyberdemokratie notwendige Technik der Idee der Demokratie nicht zuwider läuft. Auch für eine reflexive Netzpolitik gilt es daher, sich des Widerspruchs zwischen demokratischer Verantwortung und nationalen Grenzen bewusst zu werden. Würde diese Reflexivität auf &#8220;Privacy&#8221; und andere negative Freiheiten beschränkt bleiben, läuft auch der Kulturwandel durch das Internet Gefahr, kein wirklich demokratischer zu werden.<br />
Bilder: <a href="http://www.flickr.com/photos/fairphone/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fairphone</a> <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">(CC BY-NC-SA 2.0)</a><br />
<img decoding="async" title="Klett-Cotta " alt="Buch-Cover von Marina Weisband " src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x110.png" width="403" height="70" /></p>
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