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	<title>Arbeitsmarktpolitik &#8211; politik-digital</title>
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	<title>Arbeitsmarktpolitik &#8211; politik-digital</title>
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	<item>
		<title>&#8220;Es bestreitet niemand, dass es Umsetzungsprobleme gibt&#8221;</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/es-bestreitet-niemand-dass-es-umsetzungsprobleme-gibt-143/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[mullrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 May 2006 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Ich-AG]]></category>
		<category><![CDATA[Ralf Brauksiepe]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Hartz IV]]></category>
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					<description><![CDATA[<p class="fett">
Am Montag, 15. Mai,, war Dr. Ralf 
Brauksiepe, CDU-Bundestagsabgeordneter und Sprecher für Arbeit 
und Soziales der Unions-Fraktion zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation 
mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen zu den Korrekturen 
der Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt, Hartz IV Missbrauch und 
der Zukunft der Ich-AG.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="fett">
Am Montag, 15. Mai,, war Dr. Ralf<br />
Brauksiepe, CDU-Bundestagsabgeordneter und Sprecher für Arbeit<br />
und Soziales der Unions-Fraktion zu Gast im tagesschau-Chat in Kooperation<br />
mit politik-digital.de. Er beantwortete Fragen zu den Korrekturen<br />
der Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt, Hartz IV Missbrauch und<br />
der Zukunft der Ich-AG.<!--break-->
</p>
<p class="normal">
<b>Moderator:</b> Herzlich willkommen<br />
zum tageschau-Chat! Heute ist unser Chat-Gast Ralf Brauksiepe, CDU-Bundestagsabgeordneter<br />
und Sprecher für Arbeit und Soziales der Unions-Fraktion. Arbeitsmarkt<br />
und soziale Sicherung sind bei immer noch fast fünf Millionen<br />
Arbeitslosen weiterhin die Top-Themen und Herausforderungen an die<br />
Politik. Milliarden Euro fließen aus dem Bundeshaushalt für<br />
die Bewältigung dieser Probleme, sie scheinen aber kaum etwas<br />
zu bewirken. Wie immer darf es in unserem Chat um alle Themen gehen.<br />
Sie können Ihre Fragen jederzeit stellen, diese werden gesammelt<br />
und kommen alle in den großen Frage-Pool. Vielen Dank, Herr<br />
Brauksiepe, dass Sie ins ARD-Hauptstadtstudio gekommen sind. Beginnen<br />
wir mit dieser Frage:
</p>
<p>
<b>ursula meschede: </b>Haben Sie sich freiwillig gemeldet,<br />
als der Posten des Sprechers für Arbeit und Soziales vergeben<br />
wurde?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Es wird nicht gewartet, dass<br />
man sich meldet, sondern da gibt es natürlich Menschen in der<br />
Fraktionsführung, die sich Gedanken machen und auf mich zugekommen<br />
sind und mich gefragt haben, ob ich das machen möchte. Wenn<br />
man gefragt wird, ob man in diesem Kernbereich deutscher Politik,<br />
der über Erfolg oder Misserfolg der Regierung wesentlich mit<br />
entscheidet, Verantwortung übernehmen will, ist es klar, dass<br />
man eine solche Herausforderung annimmt. Ich habe das gern gemacht<br />
und habe viel Freude an meinem Amt.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Was qualifiziert einen für einen<br />
solchen Posten?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Da gibt es sicherlich unterschiedliche<br />
Zugangswege. Mein Zugang zu diesem Tätigkeitsfeld bestand insbesondere<br />
darin, dass ich in der vorherigen Legislaturperiode stellvertretender<br />
Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe unserer Fraktion war, und seit<br />
einigen Jahren Führungsfunktionen in der CDA, der Arbeitnehmerorganisation<br />
der CDU, bekleide.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Grundsatzfrage und doch konkret:
</p>
<p>
<b>Der Koelner:</b> Was ist daran sozial, wenn ein Arbeitnehmer<br />
nach einem Jahr erst sein Hab und Gut verkaufen muss, um eine Sozialleistung<br />
zu erhalten?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Wenn es so wäre, wäre<br />
das nicht sozial, aber es ist auch nicht so. Wer aus dem Bezug von<br />
ALG I herausfällt, erhält zunächst noch für<br />
mehrere Jahre einen so genannten &quot;befristeten Zuschlag&quot;.<br />
Erst danach beginnt für diejenigen, die arbeitslos geworden<br />
sind, der Bezug des Arbeitslosengeldes II. In der früheren<br />
Sozialhilfe hat es auch Bedürftigkeitsprüfungen gegeben<br />
und demzufolge auch die Anrechnung eigenen Vermögens. Die Vermögensfreigrenzen,<br />
also das, was nicht verkauft werden muss, sind im neuen SGB II,<br />
also &quot;Hartz IV&quot;, deutlich höher als in der alten<br />
Sozialhilfe. Ich weiß, dass der öffentliche Eindruck<br />
ein völlig anderer ist. Aber Tatsache ist, dass Hartz IV hilfebedürftigen<br />
Menschen deutlich mehr lässt als die frühere Sozialhilfe.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Fällt der Zuschlag, den sie erwähnt<br />
haben, in Zukunft nicht weg?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Wir haben uns im Koalitionsvertrag<br />
ehrgeizige Ziele bei der Reform von Hartz IV gesetzt und sind zurzeit<br />
dabei, diese parlamentarisch umzusetzen. Leider müssen wir<br />
davon ausgehen, dass trotzdem die Haushaltsansätze für<br />
Hartz IV überschritten werden. Auch dies zeigt, dass wir für<br />
den betroffenen Personenkreis heute mehr Geld ausgegeben als je<br />
zuvor. Über die Wege, auf denen wir die vom Haushalt vorgegebenen<br />
Zielmarken erreichen, werden wir in der Koalition noch sprechen<br />
müssen.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Das heißt die Zuschläge<br />
fallen weg.
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Es gibt zu diesem Thema bisher<br />
keinerlei Verabredung in der großen Koalition. Aber es ist<br />
klar, dass zusätzliche Einsparungen erforderlich sind, falls<br />
die bisherigen nicht ausreichen, um die im Haushalt vorgesehenen<br />
Ausgabengrenzen zu erreichen. Heute ist aber nicht der Zeitpunkt,<br />
um über einzelne Maßnahmen öffentlich zu spekulieren.
</p>
<p>
<b>Rodaj: </b>Warum werden die Stellen für Sozialbetrugs-Kontrolleure<br />
in vielen Städten aufgestockt, obwohl es keinerlei statistische<br />
Angaben zur Anzahl der Betrugsfälle gibt?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Es gibt natürlich Statistiken,<br />
die auf Fälle von Missbrauch hinweisen. Wir müssen mit<br />
dem knappen Geld, das von denjenigen erwirtschaftet wird, die täglich<br />
ihrer Arbeit nachgehen, sorgsam umgehen. Das sollte eine pure Selbstverständlichkeit<br />
sein. Weil wir sozial Schwachen helfen wollen, müssen wir gleichzeitig<br />
verhindern, dass sich Starke, die Hilfe nicht brauchen, gleichwohl<br />
als Schwache verkleiden.
</p>
<p>
<b>hollyday:</b> Durch eine schärfere Überwachung<br />
der ALG-Empfänger sollen ja unberechtigte Bezieher identifiziert<br />
und so Kosten gesenkt werden. Aber welche Summe wird eigentlich<br />
für die Überwachungsmaßnahmen benötigt? Und<br />
inwiefern ist das noch mit dem Datenschutz vereinbar?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Mit dem SGB II-Fortentwicklungsgesetz,<br />
das wir zurzeit im Bundestag beraten, werden die dazu erforderlichen<br />
Grundlagen geschaffen, wobei selbstverständlich die Erfordernisse<br />
des Datenschutzes beachtet werden. Es geht auch nicht darum, hier<br />
neues Personal einzustellen, sondern darum, den Menschen, die die<br />
Aufgabe haben, die vorhandenen Gelder dem Wunsch des Gesetzgebers<br />
entsprechend einzusetzen, auch in die Lage zu versetzen, den entsprechenden<br />
Mitteleinsatz effektiv zu kontrollieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> SGB-II-Fortentwicklungsgesetz ist besser<br />
bekannt als Hartz-IV-Optimierungsgesetz.
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Meines Wissens ist im Zuge der<br />
üblichen Ressort-Abstimmung innerhalb der Bundesregierung vom<br />
Bundesjustizministerium der Begriff &quot;Optimierungsgesetz&quot;<br />
abgelehnt worden. In der Sache geht es um das Sozialgesetzbuch II,<br />
diese Bezeichnung ist mir im Regelfall lieber als der Hinweis auf<br />
einen früheren Funktionsträger eines deutschen Automobilkonzerns.
</p>
<p>
<b>joan:</b> Gibt es unabhängige Studien über<br />
die Auswirkung der Ein-Euro-Jobber auf den ersten Arbeitsmarkt?<br />
Ich bin sicher nicht allein mit dem Problem, dass man meinen Arbeitsplatz<br />
als &quot;nicht nötig &quot; und als potentielles Hartz-IV-Jobber-Gebiet<br />
&quot;vorgemerkt&quot; hat.
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe: </b>Natürlich wird auch die<br />
Auswirkung von Ein-Euro-Jobs evaluiert. Dabei muss man sehen, dass<br />
es sicherlich Verdrängungseffekte bzw. Probleme im konkreten<br />
Einzelfall gibt. Um diese zu minimieren, sind bei den Agenturen<br />
vor Ort entsprechende Gremien eingesetzt worden, die darauf achten<br />
sollen, dass mit diesem Instrument wirklich nur zusätzliche<br />
Beschäftigung geschaffen und keine bestehende Beschäftigung<br />
verdrängt werden soll. Auch wenn das sicher nicht in jedem<br />
Einzelfall gelingt, halte ich es vom Grundsatz her für richtig,<br />
diese Jobs zu organisieren. Denn Arbeit, die in Deutschland nicht<br />
erledigt wird, liegt doch zum Teil in wahrsten Sinne des Wortes<br />
&quot;auf der Straße&quot;. In meinem Wahlkreis haben es sich<br />
viele Parteigliederungen zur Gewohnheit gemacht, regelmäßige<br />
Müllsammelaktionen durchzuführen, weil den Kommunen das<br />
Geld für eine bessere Sauberhaltung ihrer Städte fehlt.<br />
Ich betone aber nochmals, dass wir sehr auf die Zusätzlichkeit<br />
dieser Arbeitsgelegenheiten achten müssen.
</p>
<p>
<b>Dennis D:</b> Ist es bei dem Problem &quot;Hartz IV<br />
&quot; nicht so, dass sich die große Koalition erst jetzt<br />
Gedanken macht, wo die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern im Herbst<br />
anstehen, wo die PDS als Protestpartei wegfällt und somit die<br />
NPD als einzige Partei von Hartz IV &quot;profitieren &quot; könnte?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Das ist völlig abwegig.<br />
Hartz IV ist von der rot-grünen Bundesregierung eingeführt<br />
worden und war von Anfang an ein Kompromiss, in den auch der Bundesrat<br />
einbezogen war. Natürlich muss auch die große Koalition<br />
untereinander und mit dem Bundesrat bei der Reform von Hartz IV<br />
Kompromisse schließen. Wir haben das Thema aber nicht erst<br />
jetzt entdeckt, sondern schon im November im Koalitionsvertrag ein<br />
umfangreiches Maßnahmenpaket festgelegt, das wir seitdem schrittweise<br />
abarbeiten. Es ist für uns ein Dauerthema, das wir nicht erst<br />
neu entdecken mussten.
</p>
<p>
<b>Husemann:</b> Hand aufs Herz, Herr Brauksiepe! Was<br />
wird Deutschland in zehn Jahren noch von den Verhältnissen<br />
auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt unterscheiden?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe: </b>Sehr viel. Wir werden auch in<br />
zehn Jahren noch ein soziales Sicherungssystem haben, das allen<br />
Menschen bei Krankheit die notwendige medizinische Versorgung gewährt<br />
und das mit der gesetzlichen Rente, die in der Bedeutung zwar tendenziell<br />
abnehmende, aber immer noch zentrale Säule der Alterssicherung<br />
in Deutschland darstellen wird. Gerade weil wir unsere sozialen<br />
Sicherungssysteme nicht über Bord werfen wollen, müssen<br />
wir aber auch bereit sein, sie fort zu entwickeln, auch wenn das<br />
häufig schwer fällt.
</p>
<p>
<b>Guapo:</b> Ist es nicht so, dass man sich bei den<br />
Kosten von Hartz IV völlig verrechnet hat und jetzt ein Missbrauchs-Szenario<br />
aufbaut? Vor allem zu Lasten der Empfänger?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Richtig ist, dass sich Rot-Grün<br />
bei den Kosten vollkommmen verkalkuliert hat. Aber es geht nicht<br />
darum, jetzt ein Missbrauchsszenario aufzubauen. Es gibt Missbrauchsfälle,<br />
die bekämpft werden müssen im Interesse der Beitrags-<br />
und Steuerzahler und der Hilfebedürftigen, die zu Recht Hilfe<br />
empfangen. Um nicht mehr und nicht weniger geht es.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Im Rückblick: Die Maßnahmen<br />
für die Gesetze Hartz I bis Hartz III sind wissenschaftlich<br />
begleitet und geprüft worden. Für viele neue Förderungsinstrumente<br />
fiel das Urteil vernichtend aus. Beispielsweise für die Leiharbeitsmodelle<br />
PSA (Personal-Service-Agenturen). Bei Hartz IV explodieren die Kosten.<br />
Gibt es einen Hauptgrund, warum der Politik immer wieder solche<br />
Fehler passieren? Betonung liegt auf Hauptgrund.
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Nein, es gibt eine Fülle<br />
von Ursachen. Bei den Personalservice-Agenturen war es der politische<br />
Wille von Rot-Grün gegen unseren Willen dieses Instrument einzuführen.<br />
Es hat genügend Warnungen, nicht nur von unserer Seite, gegeben.<br />
Bei Hartz IV ist bisher ein wesentlicher Grund für den Kostenanstieg<br />
die Zunahme der Zahl der so genannten Bedarfsgemeinschaften. In<br />
meinem Landkreis hat sie im Jahr 2005 um ca. 60% zugenommen, und<br />
das ist kein Einzelfall. Die Kosten für Heizung und Wohnung<br />
sind gegenüber früher deutlich gestiegen, was nicht zuletzt<br />
damit zusammenhängt, dass das Verfahren für die Gewährung<br />
dieser Unterstützung für den Antragsteller leichter ist<br />
als beim früheren Wohngeld. Das sind aber nur zwei von zahlreichen<br />
Ursachen.
</p>
<p>
<b>tacko:</b> Sind nicht viele Elemente der Hartz-Gesetze<br />
vor allem auf Betreiben der Union im Bundesrat eingeführt worden?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Was die finanziellen Auswirkungen<br />
angeht, ist es der Union über den Bundesrat in der Tat gelungen,<br />
Schlimmeres zu verhindern. Was organisatorische Fragen angeht, gab<br />
es den Streit darüber, wer federführend für die Vermittlung<br />
der betroffenen Menschen in Arbeit zuständig sein sollte. Rot-Grün<br />
wollte eine zentralistische Lösung über die Bundesagentur<br />
für Arbeit, wir wollten die Federführung bei den Kommunen.<br />
Heraus gekommen ist als Kompromiss, eine Summe von 69 Optionskommunen<br />
auf der einen Seite sowie die &quot;Argen&quot; (Arbeitsgemeinschaften,<br />
Anm. der Redaktion), das heißt die Zusammenarbeit von BA und<br />
Kommunen als Regelfall auf der anderen Seite. Bei diesem Kompromiss<br />
gab und gibt es natürlich Schnittstellenprobleme, auf die wir<br />
ebenfalls mit dem SGB II-Fortentwicklungsgesetz reagieren.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Nach den bisherigen Erfahrungen: Sollte<br />
das Kommunenmodell bundesweit eingeführt werden?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> In der großen Koalition<br />
haben wir uns darauf verständigt, in den nächsten Jahren<br />
nach dem bisher gefundenen Kompromiss weiter zu verfahren. Für<br />
CDU und CSU bleibt allerdings die Federführung bei den Kommunen<br />
weiterhin auf der Agenda.
</p>
<p>
<b>arzt-im-einsatz:</b> Wie plant die Regierung, die<br />
Mehrkosten für das ALG II zu finanzieren?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Wir haben insbesondere die Absicht,<br />
die Mehrkosten soweit wie möglich zu begrenzen. Alles andere<br />
muss im Zuge der zurzeit stattfindenden Haushaltsberatungen entschieden<br />
werden. Klar ist, dass die große Koalition fest entschlossen<br />
ist, nicht in ihrem ersten Amtsjahr mit einer Rekordneuverschuldung<br />
zu starten.
</p>
<p>
<b>bärchenbrueck: </b>Herr Brauksiepe: Wieso wird<br />
eigentlich nur geredet und gegen Betroffene entschieden, anstatt<br />
sich auch mal um die korrekte Umsetzung zu kümmern? Meist sind<br />
Mitarbeiter der Arge´s überfordert, haben keinerlei Sachkunde<br />
und lehnen erstmal ab. Selbst Richtersprüche lassen diese Menschen<br />
links liegen. Warum passiert da genauso viel wie bei &quot;Fördern&quot;,<br />
nämlich nichts außer heißer Luft?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe: </b>Es bestreitet niemand, dass es<br />
Umsetzungsprobleme gibt. Diese zu beseitigen ist ja ein Ziel der<br />
jetzt laufenden Gesetzgebung. Darüber hinaus ist mein Eindruck,<br />
dass die Erfahrungen vor Ort sehr unterschiedlich sind und natürlich<br />
von konkret handelnden Personen abhängen. Wir wollen fördern<br />
und fordern verstärkt in Einklang bringen. Dabei muss auch<br />
klar sein: Das SGB-II bzw. Hartz IV regelt in erster Linie die Ansprüche<br />
für erwerbsfähige Hilfebedürftige. Es ist primär<br />
eine Grundsicherungs- und kein Arbeitsmarktförderungsinstrument.<br />
Wir können Menschen am besten fördern, indem wir die Rahmenbedingungen<br />
für wirtschaftliches Wachstum und damit zusätzliche Arbeitsplätze<br />
richtig stellen. Alle Prognosen der jüngsten Zeit bestärken<br />
uns in der Einschätzung, dass wir dabei auf dem richtigen Weg<br />
sind.
</p>
<p>
<b>peterhartz:</b> Was kommt nach der Ich-AG? Wird es<br />
ähnliche Existenzgründerunterstützung geben?
</p>
<p>
<b>m3:</b> Hallo. Wird die Ich AG fallen. Gibt es in<br />
Zukunft Förderung für Existenzgründung?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Die Ich-AG in der bestehenden<br />
Form läuft zum 30. Juni aus &#8211; das steht fest. Das Überbrückungsgeld<br />
als lange bewährtes Instrument der Existenzgründungsförderung<br />
ist zeitlich unbefristet. Wir haben uns in der großen Koalition<br />
darauf verständigt, Überbrückungsgeld und Ich-AG<br />
zu einem einheitlichen Instrument der Förderung von Existenzgründung<br />
aus Arbeitslosigkeit zusammen zu fassen. Daran arbeiten wir zurzeit.<br />
Ich hoffe, dass wir noch im Laufe dieses Sommers eine Nachfolgeregelung<br />
für die Ich-AG im Bundesgesetzblatt finden können.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Ihr Kommentar zum Vorschlag zur Vereinfachung<br />
von:
</p>
<p>
<b>Surfer:</b> Es wäre nicht schlecht, wenn alle<br />
Hartz VI Empfänger einen festen Betrag 600 Euro erhalten würden.<br />
Teure Bürokratie fällt dann weg.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Ist das ALG II zu kompliziert?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Natürlich müssen wir<br />
die Bürokratiekosten begrenzen. Auch dem dient das laufende<br />
Gesetzgebungsverfahren. Allerdings verstehe ich den Hinweis auf<br />
die 600 Euro nicht. Wir haben gerade beschlossen, den so genannten<br />
&quot;Regelsatz&quot; im Osten auf das Westniveau von dann bundeseinheitlich<br />
345 Euro anzuheben. Es wäre vollkommen unmöglich, diesen<br />
auf 600 Euro anzuheben.
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Zusammen mit Wohngeld käme das<br />
ungefähr auf einen durchschnittlichen Auszahlungsbetrag für<br />
allein stehende ALG-II-Empfänger hin &#8211; der liegt nach meinem<br />
Kenntnisstand nur etwas höher.
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Wenn wir mit öffentlichen<br />
Mitteln sorgsam umgehen wollen, dann können wir natürlich<br />
nicht das Wohngeld pauschalieren sondern müssen es an den tatsächlich<br />
entstehenden Kosten für Unterkunft und Heizung ausrichten.<br />
Bürokratieabbau kann nicht bedeuten, das Geld der Steuerzahler<br />
ungeprüft pauschal auszugeben.
</p>
<p>
<b>SGBII-Fallmanager:</b> Wie stehen Sie zur der Problematik,<br />
dass offenbar bei der Hartz IV-Gesetzgebung vergessen worden ist,<br />
die Zusammenarbeit im Bereich der Ausbildungsplatzvermittlung zwischen<br />
Agentur für Arbeit und Optionskommunen festzuschreiben. Die<br />
gegenwärtige Situation führt dazu, dass auf dem Rücken<br />
der Betroffenen Animositäten zwischen der Agentur für<br />
Arbeit und Optionskommunen ausgelebt werden (können).
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Uns ist das Problem bekannt.<br />
Ich muss aber noch mal an meine Feststellung erinnern, dass die<br />
Konstruktion der Argen und der Optionskommunen ein politischer Kompromiss<br />
war, der im Kern nicht zur Debatte steht. Es geht um die bessere<br />
Zusammenarbeit der Beteiligten. Dazu wollen wir diese im laufenden<br />
Gesetzgebungsverfahren verpflichten, soweit der Gesetzgeber dies<br />
überhaupt kann. Aber auch nach dieser gesetzlichen Verbesserung<br />
wird es natürlich nicht ohne den guten Willen der Verantwortlichen<br />
vor Ort gehen. Ich bin gern bereit, Fällen, wo Betroffene Opfer<br />
von Animositäten werden, nachzugehen.
</p>
<p>
<b>Miksch:</b> Ist es nicht ehrlich zu sagen, dass eine<br />
Vollbeschäftigung in diesem Arbeitssystem nicht mehr möglich<br />
ist? Wie reagiert man auf den stärkeren Globalisierungsdruck?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Wir halten am Ziel der Vollbeschäftigung<br />
fest. Dabei geht es mir nicht in erster Linie um abstrakte Zieldebatten.<br />
Wir müssen versuchen, so vielen Menschen wie möglich in<br />
Arbeit zu bringen. Und denjenigen, die keine Arbeit haben, die notwendige<br />
Hilfe zukommen zu lassen. Natürlich stellt uns die Globalisierung<br />
vor neue Herausforderungen. Aber wir nehmen die Vorteile der Globalisierung<br />
oft unbewusst und als selbstverständlich hin. Nach meiner Überzeugung<br />
birgt die Globalisierung mehr Chancen als Risiken.
</p>
<p>
<b>B?en: </b>Sie glauben also wirklich an eine mögliche<br />
Vollbeschäftigung?
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Es gibt Nachbarländer in<br />
der Europäischen Union, die nahe an der Vollbeschäftigung<br />
sind. Ich sehe keinen Grund, warum das in Deutschland prinzipiell<br />
unmöglich sein sollte, zumal Wirtschaftswissenschaftler mittlerweile<br />
auch bei mehreren Prozent Arbeitslosigkeit gleichwohl von Vollbeschäftigung<br />
sprechen. Das kann natürlich nur ein Fernziel sein. Aber durch<br />
Aufgabe dieses Ziels werden wir sicherlich dem Nahziel einer deutlichen<br />
Reduzierung der Massenarbeitslosigkeit nicht näher kommen.
</p>
<p>
<b>hunti:</b> Was sehen Sie persönlich als derzeit<br />
größtes Problem in Deutschland?
</p>
<p>
<b>Moderator:</b> Bitte begrenzt auf Ihr Spezialgebiet:<br />
Arbeit und Soziales.
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit<br />
mit all ihren Auswirkungen auf die Stabilität der sozialen<br />
Sicherungssysteme und den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt.<br />
Ich komme damit auf die Anfangsfrage zurück: Bei der Bekämpfung<br />
dieses Problems mitwirken zu können, ist die größte<br />
Herausforderung in meinem Amt.
</p>
<p>
<b>Moderator: </b>Das waren 60 Minuten Politik-Chat bei<br />
tagesschau.de und politik-digital.de. Vielen Dank für Ihr Interesse,<br />
und vielen Dank an Herrn Brauksiepe. Der nächste Chat ist an<br />
diesem Mittwoch. Dann diskutiert mit Ihnen die Grünen-Fraktionschefin<br />
Renate Künast ab dreizehn Uhr. Das Protokoll des Chats ist<br />
in Kürze zum Nachlesen auf den Seiten von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de zu finden. Das tagesschau-Chat-Team wünscht<br />
noch einen schönen Tag.
</p>
<p>
<b>Ralf Brauksiepe:</b> Ich danke allen, die mitgemacht<br />
haben und wünsche noch einen schönen Tag und eine gute<br />
Woche.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Dirk Niebel über eine neue Arbeitsmarktpolitik</title>
		<link>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/dirk_niebel_ueber_eine_neue_arbeitsmarktpolitik-252/</link>
					<comments>https://www.politik-digital.de/chattranscripte/dirk_niebel_ueber_eine_neue_arbeitsmarktpolitik-252/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[uheimann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Jan 2005 23:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Chattranscripte]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Dirk Niebel]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmarktpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesagentur für Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Hartz IV]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.politik-digital.de/uncategorized/dirk_niebel_ueber_eine_neue_arbeitsmarktpolitik-252/</guid>

					<description><![CDATA[<span class="fett"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span class="normal">
Am Mittwoch, den 26. Januar war Dirk Niebel, </span><span style="font-family: Arial,helvetica">arbeitsmarktpolitischer 
Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion</span>, von 13 bis 14 Uhr zu 
Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de. 
Der FDP-Politiker rechnete u.a.mit der Bundesagentur für Arbeit 
und Hartz-IV-Regelungen</span><span style="font-size: x-small"> ab</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">.</span></span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="fett"><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><span class="normal"><br />
Am Mittwoch, den 26. Januar war Dirk Niebel, </span><span style="font-family: Arial,helvetica">arbeitsmarktpolitischer<br />
Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion</span>, von 13 bis 14 Uhr zu<br />
Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de.<br />
Der FDP-Politiker rechnete u.a.mit der Bundesagentur für Arbeit<br />
und Hartz-IV-Regelungen</span><span style="font-size: x-small"> ab</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">.</span></span><!--break--><span class="fett"></p>
<p>Moderator: </span>Liebe Politik-Interessierte, willkommen im tacheles.02-Chat.<br />
Die Chat-Reihe tacheles.02 ist ein Format von tagesschau.de und<br />
politik-digital.de und wird unterstützt von tagesspiegel.de.<br />
Zum chatten ist der FDP-Bundestagsabgeordnete Dirk Niebel ins ARD-Hauptstadtstudio<br />
gekommen. Herzlich willkommen, los geht´s gleich mit dieser<br />
Frage:</p>
<p>
<span class="fett">itchy:</span> Herr Niebel, was haben Sie eigentlich<br />
gegen Hartz IV? Geht es Ihnen nicht weit genug?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel</span>: Ich habe vom Grundsatz her<br />
nichts gegen Hartz IV. Die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe<br />
und Sozialhilfe ist eine sinnvolle und überfällige Reform.<br />
Ich kritisiere bei Hartz IV die Umsetzung der Reform und dass durch<br />
diese Reform natürlich das Grundproblem des Arbeitsmarktes<br />
&#8211; zu wenig Arbeitsplätze zu haben &#8211; nicht gelöst wird.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator</span>: Was passt Ihnen konkret nicht<br />
an der Umsetzung?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel</span>: Ich bin der festen Überzeugung,<br />
die Bundesagentur für Arbeit ist mit dieser Aufgabe überfordert.<br />
Ich hätte mir die Zuständigkeit für die Betreuung<br />
der Langzeitarbeitslosen bei den kommunalen Trägern der Sozialhilfe<br />
gewünscht. Bei dem betroffenen Personenkreis ist der Verlust<br />
des Arbeitsplatzes meistens nur ein Problem von vielen. Für<br />
diese umfassende Beratungstätigkeit fehlt der Bundesagentur<br />
jede Kompetenz.
</p>
<p>
<span class="fett">Durchlaucht:</span> Herr Niebel, sind private<br />
Arbeitsvermittler eine bessere Lösung als dieses Geschwulst<br />
BA?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Private Arbeitsvermittler<br />
sowie die weite Einführung privatwirtschaftlicher Elemente<br />
in der staatlichen Arbeitsvermittlung wären die richtige Mischung.<br />
Ich bin allerdings der Ansicht, dass die Bundesagentur in ihrer<br />
jetzigen Form nicht reformierbar ist und daher aufgelöst werden<br />
sollte.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Was tun mit den 80.000 BA-Beamten<br />
und -Angestellten?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel: </span>Es sind 90.000. Auflösung<br />
heißt nicht Abschaffung, sondern ist ein Terminus Technikus.<br />
Durch die Auflösung der Behörde besteht sie eine juristische<br />
Sekunde lang nicht. D.h. es besteht auch die Selbstverwaltung mit<br />
Frau Engelen-Kefer nicht mehr (das wäre ein Mehrwert als solcher).<br />
Zweitens bestehen die behördeninternen Vorschriften nicht mehr,<br />
sondern es gilt das Gesetz. Drittens kann das starre öffentliche<br />
Dienst- und Tarifvertragsrecht eine sinnvolle Strukturverränderung<br />
nicht mehr blockieren. Wir schlagen ein Dreisäulensystem stattdessen<br />
vor: 1.) eine Versicherungsagentur, die nichts anderes macht als<br />
die Lohnersatzleistungen. 2.) eine schmale Arbeitsmarktagentur,<br />
die nur für das überregional Notwendige wie die Transparenz<br />
der gemeldeten Stellen sorgt und 3.) vor Ort in kommunaler Trägerschaft<br />
steuerfinanziert die aktive Arbeitsmarktpolitik (Bundestagsdrucksache<br />
DrS 15/2421).
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Lässt sich unter www.bundestag.de<br />
in der Datenbank schnell finden. <br />
Zwischendurch ein bisschen Selbsteinschätzung:
</p>
<p>
<span class="fett">Andreas Thieme:</span> Würden Sie sich<br />
selbst als Humanist bezeichnen? Zu welchem Flügel der FDP zählen<br />
Sie sich?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Ich würde mich, glaube<br />
ich, nicht als Humanisten bezeichnen, sondern als klassischen liberalen<br />
Freidenker, der sich allein aus diesem Grund in keine Flügelecken<br />
stellen lässt. Dennoch: Ohne Flügel kann man nicht fliegen.
</p>
<p>
<span class="fett">Anna:</span> Aus Ihren Konzepten schließe<br />
ich, dass die Menschen mit aller Kraft der Wirtschaft dienen sollten.<br />
Sollte nicht die Wirtschaft dem Menschen dienen?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Eine gut funktionierende<br />
Wirtschaft ist die Vorraussetzung dafür, soziale Sicherungssysteme<br />
überhaupt unterhalten zu können. Die Bundesregierung hat<br />
richtigerweise 500 Mio. Euro Flutopferhilfe angekündigt. Auch<br />
wenn Herr Fischer und Herr Schröder so getan haben, als sei<br />
es ihr eigenes Geld, handelt es sich hier um Steuereinnahmen, die<br />
nur aufgrund funktionierender Wirtschaftskreisläufe zu Stande<br />
gekommen sind. Sie sehen, beides bedingt sich gegenseitig.
</p>
<p>
<span class="fett">Freudenberg:</span> Und was sagen Sie zu denjenigen,<br />
die wenig Sozialhilfe erhalten, aber auch keine Chance auf einen<br />
neuen Arbeitsplatz haben trotz intensivster Bemühungen? Welche<br />
Perspektive haben diese Menschen denn?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Die Frage zeigt ein Grundproblem<br />
der Reform auf. Hartz IV schafft keine neuen Arbeitsplätze<br />
(außer vielleicht bei der BA). Um neue Arbeitsplätze<br />
zu schaffen und vorhandene sichern zu können, bedarf es weiterer<br />
umfassender Reformen im Steuer-, Arbeits- und Tarifvertragsrecht<br />
sowie den vermehrten Abbau bürokratischer Vorschriften.
</p>
<p>
<span class="fett">rasmuni II:</span> Was erwarten Sie von der<br />
Konzentration der EU-Kommission auf Wirtschaftswachstum, die Baroso<br />
angekündigt hat?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> So einseitig habe ich die<br />
Ankündigung Barosos nicht verstanden. Richtig ist aber, dass<br />
wirtschaftliches Wachstum ab einer bestimmten Steigerungsrate zu<br />
mehr Arbeitsplätzen, somit zu mehr Wohlstand der Bevölkerung<br />
und damit zu mehr Staatseinnahmen führt.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Eine Kernfrage für die<br />
Liberalen, würde ich sagen:
</p>
<p>
<span class="fett">Oberst_Schlag: </span>Sie fordern eine Lockerung<br />
des, ich zitiere, &quot;verkrusteten Arbeits- und Tarifrechts&quot;.<br />
Meinen Sie ernsthaft, mit der Lockerung des Kündigungsschutz<br />
und der Tarifverträge Arbeitsplätze zu schaffen?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel: </span>Das Kündigungsschutzgesetz<br />
hat sich, wie übrigens viele anderen Schutzgesetze auch, zu<br />
einem Arbeitsplatz-Besitzenden-Schutz verändert. Diejenigen,<br />
die draußen stehen, stoßen dadurch auf eine Barriere.<br />
Statt einzustellen wird lieber der Weg in Überstunden, Arbeitnehmerverleih<br />
oder Schwarzarbeit gewählt. Sicher ist allein der Kostenfaktor<br />
nicht ausreichend erklärend für die Arbeitslosigkeit.<br />
Aber dennoch dürfen die Kosten und Nebenkosten der Arbeit nicht<br />
außer Acht gelassen werden. Meiner Meinung nach ist es sinnvoller,<br />
dass Belegschaft und Unternehmensleitung sich auf Maßnahmen<br />
zur Arbeitsplatzsicherung und -schaffung einigen können, als<br />
Verbandsfunktionäre von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden,<br />
die die konkrete Situation des Betriebes überhaupt nicht beurteilen<br />
können.
</p>
<p>
<span class="fett">Ganuadar:</span> Fakt ist, dass viele deutsche<br />
Unternehmen doch unglaubliche Gewinne machen? Wie kann man die Arbeitgeber<br />
dazu animieren, mehr Arbeitsplätze hier zu schaffen, damit<br />
der Bürger auch wieder mehr davon hat und sich mehr leisten<br />
kann, was wieder die Wirtschaft stimuliert usw.?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Steuern zahlen kann nur<br />
der, der Arbeit hat. Deswegen ist es wichtig, Arbeitsplätze<br />
im eigenen Land zu halten. Im internationalen Wettbewerb kann es<br />
dennoch manchmal der Arbeitsplatzsicherung im Inland dienen, wenn<br />
auch in Auslandsarbeitsplätze investiert wird und dadurch eine<br />
Mischkalkulation möglich wird. Da wir niemals ein Billiglohnland<br />
werden und werden wollen, ist unsere Innovationsfähigkeit für<br />
zukünftige Arbeitsplätze das entscheidende Investitionskriterium.<br />
Hier ist die Politik &#8211; insbesondere der Grünen &#8211; gefordert,<br />
nicht immer nur Risiken, sondern auch Chancen zu sehen. Der Transrapid<br />
wurde in Deutschland erfunden und fährt in Shanghai, die Gentechnik<br />
wurde in Deutschland weitgehend mitentwickelt, genetisch hergestelltes<br />
Insulin kommt aus den Vereinigten Staaten, die sog. &quot;grüne&quot;<br />
Gentechnik wird von Frau Künast gerade nach Amerika vertrieben<br />
und, weil auch die Grünen mittlerweile in die Jahre kommen,<br />
steht zu befürchten, dass sie aus israelischer Stammzellenforschung<br />
entwickelte Medikamente gegen ihre Alterskrankheiten übers<br />
Internet in Deutschland bestellen werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Da verstehen Sie sich bestimmt<br />
gut mit Kanzler Schröder. Na, vielleicht doch eine SPD-FDP-Koalition<br />
2006?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Der Kanzler und sein Vizekanzler<br />
Joseph Fischer haben sich ja bereits im letzten Jahr die ewige Liebe<br />
versichert. Wir wollen Rot-Grün ablösen.
</p>
<p>
<span class="fett">Hartmut:</span> Herr Niebel, es ist bekannt,<br />
dass Sie jahrelang bei der Bundesagentur beschäftigt waren.<br />
Wie kann es sein, dass ich es so lange bei einem Arbeitgeber aushalte,<br />
den ich so ablehne bzw. die geleistete Arbeit der Mitarbeiter so<br />
in Misskredit bringe.
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Die Arbeit der Mitarbeiter<br />
wird von mir in keiner Weise kritisiert. Sie können auch Michael<br />
Schumacher in einen Mini setzen und er wird kein Formel-1-Rennen<br />
gewinnen. Die Strukturen der BA als zentral gesteuerte Großbehörde,<br />
insbesondere aber die informellen Strukturen sowie das, was ich<br />
als Arbeitslosenindustrie bezeichne, halte ich im jetzigen System<br />
für nicht reformierbar. Die Arbeitslosenindustrie aus Bildungsträgern,<br />
Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und auch aus öffentlichen<br />
Händen, die meistens in den Taschen der Bürger stecken,<br />
sind es über Jahrzehnte hinweg gewohnt gewesen, dass immer<br />
mehr Geld in das System gesteckt wurde, indem es umverteilt wurde.<br />
Die Effizienz dieser Veranstaltung bezeichnet sogar Bundesminister<br />
Clement als äußerst ungenügend.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Statement von:
</p>
<p>
<span class="fett">PQ:</span> Die Bundesagentur für Arbeit<br />
ist nur noch ein riesengroßer Verwaltungsapparat, welcher<br />
den eigentlichen Zweck, nämlich die Vermittlung von Arbeitslosen,<br />
verfehlt. Ich habe seit 4 Monaten nicht ein einziges Stellenangebot<br />
erhalten!
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Das Kerngeschäft der<br />
BA, die Vermittlung in Arbeit, an der ihre Effizienz, aber auch<br />
ihre Existenzberechtigung gemessen wird, ist dramatisch vernachlässigt<br />
worden. Allein zwischen 2003 und 2004 sind die Vermittlungen nach<br />
Auswahl und Vorschlag um 26,6 Prozent zurückgegangen. Rechnet<br />
man nur die Vermittlung ohne öffentliche Fördergelder,<br />
ist die Quote sogar deutlich über 30% gesunken.
</p>
<p>
<span class="fett">Oberst:</span> Die Konjunktur lässt Unternehmen<br />
immer weniger Spielraum für Ausbildungen, denn die sind für<br />
die meisten Firmen ein Zuschussgeschäft. Stimmen sie dem zu?<br />
Wenn ja, warum?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Grundsätzlich ja. Die<br />
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die auf den Arbeitsmarkt wirken,<br />
wirken natürlich genauso auf den Ausbildungsstellenmarkt. Also<br />
gibt es hier den gleichen Reformbedarf. Darüber hinaus ist<br />
es verständlich, dass bei über 40.000 Unternehmenspleiten<br />
nicht zu aller erst an die Einstellung eines Azubis für die<br />
nächsten 3 Jahre gedacht wird, sondern an das Überleben<br />
der Firma. Die faktisch bestehenden Mindestvergütungen lassen<br />
oftmals vor allem im Osten die Begründung eines Ausbildungsverhältnisses<br />
nicht zu. Selbst wenn der Azubi bereit wäre, für ein geringeres<br />
Geld einen Ausbildungsplatz anzutreten und der Ausbildungsbetrieb<br />
in der Lage wäre, bei einer geringeren Ausbildungsvergütung<br />
einen entsprechenden Platz zur Verfügung zu stellen.
</p>
<p>
<span class="fett">Kurti: </span>Herr Niebel, denken Sie wirklich,<br />
wenn ich mit meinem Diplom frisch von der Uni komme und nicht sofort<br />
einen Job kriege, dass ich irgendeinen &quot;zumutbaren&quot; Job<br />
annehmen muss? Das wirft mich doch in meinen Chancen zurück<br />
und eine Bewerbungsphase nach der Uni ist doch heute nur normal.
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel: </span>Grundsätzlich sucht<br />
es sich aus jeder Beschäftigung nach einem anderen Arbeitsplatz<br />
leichter als aus der Arbeitslosigkeit. Außerdem kann man bei<br />
jeder Beschäftigung zusätzliche Erfahrung sammeln und<br />
die Arbeitsmotivation belegen. Darüber hinaus ist es immer<br />
noch so, dass die größte Zahl von Akademikern in ihrem<br />
späteren Leben überdurchschnittlich gute Verdienstmöglichkeiten<br />
hat. Ist es dann gerecht, ein mit den Steuergeldern der Fleischereifachverkäuferin<br />
finanziertes ALG II zu beziehen, statt selbst etwas zum Lebensunterhalt<br />
beizutragen, wenn das möglich ist?
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Zweimal ähnlich:
</p>
<p>
<span class="fett">MiHi:</span> Meines Erachtens belasten Studiengebühren<br />
in erster Linie kinderreiche Familien im mittleren Einkommenssegment.<br />
Sie fallen nämlich beim BaföG durch und für die Erstausbildung<br />
sind immer noch die Eltern zuständig.
</p>
<p>
<span class="fett">hilfe, wir verbl?&#8230;.: </span>ad Studiengebühren:<br />
Gerade wurde festgestellt, dass alle Sozialsysteme zusammenbrechen,<br />
weil die Deutschen keine Kinder mehr kriegen. Wer kriegt denn jetzt<br />
noch mehr Nachwuchs, wenn ich jetzt auch noch das Geld für<br />
die Studiengebühren meiner Kinder auf die Seite schaffen muss.<br />
Wo bleibt denn die Familienförderung, gerade für Akademiker,<br />
die Beruf und Kinder gerne verbinden möchten, wenn es nicht<br />
in den sozialen Absturz führt?
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Da hat sich ja auch ihr Kollege<br />
Daniel Bahr entsprechend geäußert.
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel: </span>Das Konzept der FDP für<br />
Studiengebühren ist eindeutig auf nachlaufende Gebühren<br />
ausgerichtet. Das bedeutet, dass der Akademiker, wenn er einen entsprechend<br />
adäquat bezahlten Beruf hat, aus diesen Einkünften im<br />
Nachhinein seine Studiengebühren an seine ehemalige Hochschule<br />
zahlt. Dies verhindert eine Sozialauswahl während des Studiums<br />
und trägt den grundsätzlich besseren Einkommenschancen<br />
von Akademikern Rechnung. Es stellt sich die Frage, warum ein Hochschulstudium<br />
kostenfrei sein soll, also von allen Steuerzahlern bezahlt wird,<br />
wohingegen Kinderbetreuungsplätze kostenpflichtig sind, also<br />
von Eltern aller sozialen Schichten persönlich bezahlt werden<br />
müssen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Zum Thema angehende Akademiker<br />
in Jobs und in den ersten Berufsjahren:
</p>
<p>
<span class="fett">kieru:</span> Ich bezweifele, dass Akademiker<br />
später adäquat verdienen. Dies sieht man schon daran,<br />
dass Studierende für Praktika kein Geld mehr erhalten.
</p>
<p>
<span class="fett">Spejbl:</span> Ich denke, dass der Job der Ausbildung<br />
entsprechen sollte. Personalpolitisch wäre es für den<br />
Bewerber fatal, müsste er zwischendurch was Unterqualifiziertes<br />
machen. Welcher Personalchef stellt mit so einem Lebenslauf jemanden<br />
ein, zumal man ja in der Zeit gar nicht im eigentlichen Beruf tätig<br />
ist, also quasi raus.
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Also nach meinen Kenntnissen<br />
waren auch in der Vergangenheit Praktika meist unbezahlt. Zur zweiten<br />
Frage: Glauben Sie, für einen Personalchef ist es attraktiver,<br />
einen Akademiker einzustellen, der vielleicht monate- oder jahrelang<br />
nichts gemacht hat, als jemanden der &#8211; gegebenenfalls auch überqualifiziert<br />
&#8211; wenigstens irgendetwas gemacht hat? Volkswirtschaftlich richtig<br />
ist allerdings, dass es sich hier um eine Fehlallokation handeln<br />
würde, die vorzugsweise zu verhindern ist.
</p>
<p>
<span class="fett">Jkoeppern:</span> Ich möchte mich an dieser<br />
Stelle nicht FÜR Studiengebühren aussprechen, aber ich<br />
möchte aus meiner Sicht als Student zwei Punkte zu bedenken<br />
geben: 1. Viele Kommilitonen, die nur zum Spaß in den Vorlesungen<br />
sind, würden ihr Studium abbrechen und so mehr Raum für<br />
die wirklich interessierten Studenten schaffen. 2. Sobald der Student<br />
zahlt, ist er Kunde und hat seine Forderung nach einer höheren<br />
Qualität der Lehre mehr Gewicht.
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Beides ist richtig. Darüber<br />
hinaus führen nachlaufende Studiengebühren, die der Bildungseinrichtung<br />
direkt zu Gute kommen, zu einem Wettbewerb unter den Bildungseinrichtungen,<br />
der die Qualität von Lehre und Forschung erhöhen wird.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Noch einmal zur Klarstellung:
</p>
<p>
<span class="fett">Just: </span>Herr Niebel, das heißt, Sie<br />
betrachten die Enführung der Studiengebühren in erster<br />
Linie als &quot;Entlastung des Staates / der Steuerzahler&quot;<br />
und nicht als Möglichkeit der Verbesserungen der Universitäten.<br />
Sprich: Sollen die Studiengebühren auf der einen Seite die<br />
staatlichen Zuschüsse auf der anderen Seite ersetzen?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Nein, die staatlichen Zuschüsse<br />
auf der anderen Seite müssen bestehen bleiben. Die Studiengebühren<br />
sollen als Instrument des Wettbewerbs unter den Bildungseinrichtungen<br />
und damit einer Erhöhung der Qualität des Studiums betrachtet<br />
werden.
</p>
<p>
<span class="fett">homo ex macchina: </span>Was halten Sie davon,<br />
Absolventen deutscher Bildungseinrichtungen, die ins Ausland abwandern,<br />
für ihre Bildung bezahlen zu lassen?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Ich halte sehr viel davon,<br />
Absolventen von Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen <br />
die Möglichkeit zu geben, in Deutschland zu forschen und zu<br />
arbeiten. Dazu gehört, wie vorhin bereits abgesprochen, ein<br />
unverkrampftes Verhältnis zu wissenschaftlichen Neuerungen<br />
(Gentechnik, Transrapid,&#8230;). Allerdings ist auch der internationale<br />
Austausch von Kenntnissen in vielen Wissenschaftsfeldern Grundvoraussetzung<br />
für erfolgreiche Forschung und Entwicklung. Daher sollten wir<br />
statt Strafmaßnahmen eher auch das Studium für Ausländer<br />
in Deutschland attraktiver machen. Wer in Deutschland ausgebildet<br />
wurde, wird auch eher deutsche Technologien oder Verfahren im Herkunftsland<br />
anwenden.
</p>
<p>
<span class="fett">RegiBull:</span> Aber wie stellt man sicher,<br />
dass langfristig die staatlichen Zuschüsse nicht doch gekürzt<br />
werden. Das kann ja niemand mehr nachvollziehen?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Z.B. in Baden-Württemberg<br />
wurden in öffentlich-rechtlichen Vereinbarungen zwischen Land<br />
und Hochschulen die staatlichen Zuschüsse zunächst bis<br />
2006 festgeschrieben. Danach sollen weitere langfristige Vereinbarungen<br />
wieder abgeschlossen werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Parteifreund:</span> In der Webcam ist zu sehen,<br />
dass Sie ganz entspannt dasitzen. Ich frage mich, wer schreibt denn<br />
hier eigentlich?
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Das wollen wir mal aufklären:<br />
Damit unser Gast entspannt antworten kann, tippen wir für ihn!<br />
🙂
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Den Gast freuts&#8230;
</p>
<p>
<span class="fett">Ich:</span> Von was für einer Summe wird<br />
im Zusammenhang mit Studiengebühren eigentlich gesprochen?<br />
Ein Student zahlt ja heute bereits pro Semester 150-200€ für<br />
Verwaltung etc&#8230;?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel: </span>Die Summe soll nach unseren<br />
Vorstellungen von der jeweiligen Hochschule selbst festgelegt werden.<br />
Wie wir überhaupt den Hochschulen möglichst umfangreiche<br />
Autonomie gewähren wollen. Das war einer der Streitpunkte,<br />
an der die Föderalismuskommission gescheitert ist. Diese Semester/<br />
Verwaltungsgebühren, die derzeit zu bezahlen sind, haben nichts<br />
mit Studiengebühren im engeren Sinne zu tun, sondern beinhalten<br />
in der Regel die Verwaltungskosten für Immatrikulation, Prüfungen<br />
und gegebenenfalls den Grundbeitrag für das Studententicket.
</p>
<p>
<span class="fett">ArnoF: </span>Wie soll sichergestellt werden,<br />
dass die heute angepeilte Summe nicht in Zukunft ständig erhöht<br />
wird, wie es z.B. in Australien geschehen ist?
</p>
<p>
<span class="fett">Schwedenfan:</span> Aber es muss doch eine Begrenzung<br />
geben für die Summe, die die Hochschulen festlegen können?!
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Der Wettbewerb unter den<br />
Bildungseinrichtungen wird &#8211; vorausgesetzt die Hochschulen sind<br />
autonom, ihre Studierenden auszusuchen und die Studierenden sind<br />
autonom, ihre Hochschule auszusuchen &#8211; dafür sorgen, dass die<br />
Studiengebühren nicht ausufern. Grundvoraussetzung dafür<br />
ist allerdings die Abschaffung der ZVS.
</p>
<p>
<span class="fett">Laubenpieper:</span> Herr Niebel, Frau Pieper<br />
ist zuletzt in die Kritik geraten und einige aus den eigenen Reihen<br />
fordern gar ihren Rücktritt. Sehen Sie sich bereits als zukünftigen<br />
Generalsekretär der FDP?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Allein der Parteivorsitzende<br />
hat für die Funktion der Generalsekretärin oder des Generalsekretärs<br />
das Vorschlagsrecht. Frau Pieper ist Generalsekretärin. Der<br />
Bundesparteitag im Mai wird den gesamten Vorstand und das Präsidium<br />
der FDP neu wählen.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator: </span>Aber zutrauen würden<br />
Sie sich den Job?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel: </span>Ich habe in meinen 8 Jahren<br />
als Fallschirmjäger meine physischen und psychischen Grenzen<br />
so genau kennen gelernt, dass ich ziemlich gut abschätzen kann,<br />
was ich mir zutraue. Das sage ich Ihnen aber nicht alles.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Da wir zahlreiche Fragen zum<br />
Thema Bundeswehr und Dirk Niebel haben, hier noch zwei:
</p>
<p>
<span class="fett">Oberst:</span> Sie waren lange Zeit bei der<br />
Bundeswehr. Hat diese Zeit auf ihren politischen Kurs abgefärbt?
</p>
<p>
<span class="fett">Frank_29: </span>Bringt Hartz IV der Bundeswehr<br />
eine Schwemme neuer Anwärter?
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel:</span> Meine Zeit bei der Bundeswehr<br />
hat natürlich meine politischen Positionen mit geprägt.<br />
Ich glaube allerdings nicht, dass Hartz IV zu einer Bewerberschwemme<br />
führen wird, da die Bundeswehr 1. immer kleiner wird und 2.<br />
die Wehrgerechtigkeit schon heute nicht mehr gewährleistet<br />
ist und wir 3. in der sich entwickelnden Freiwilligenarmee eine<br />
sehr gezielte Personalauswahl zur Bewältigung des neuen Aufgabenspektrums<br />
unserer Streitkräfte brauchen werden.
</p>
<p>
<span class="fett">Moderator:</span> Das war’s, eine Stunde<br />
ist um. Vielen Dank für das große Interesse, wir haben<br />
jede Menge Fragen offen. Herzlichen Dank, Herr Niebel, dass Sie<br />
Zeit für den Chat hatten. Die Transkripte aller Chats finden<br />
Sie auf den Seiten der Veranstalter. Die nächsten Chats: DGB-Chef<br />
Michael Sommer kommt am Donnerstag, 3. Februar, Bundesverkehrsminister<br />
Manfred Stolpe am Mittwoch, 9. Februar. Beide Chats beginnen um<br />
dreizehn Uhr. Das tacheles.02-Team wünscht allen noch einen<br />
schönen Tag.
</p>
<p>
<span class="fett">Dirk Niebel: </span>Vielen Dank und Tschüss!</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>&#8220;Das größte soziale Problem in unserem Land ist die Perspektivlosigkeit von über 4 Millionen arbeitslosen Me</title>
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		<dc:creator><![CDATA[nhaenel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Jul 2003 23:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/klaumann.jpg" alt="Karl-Josef Laumann" align="left" border="0" height="116" width="98" /></b><span style="color: #000000"><b><b> 
Karl-Josef Laumann, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Union, ist am 
8. Juli 2003</b></b></span></span> <b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">zu 
Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de</span></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">.</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><img decoding="async" src="http://www.politik-digital.de/salon/photos/klaumann.jpg" alt="Karl-Josef Laumann" align="left" border="0" height="116" width="98" /></b><span style="color: #000000"><b><b><br />
Karl-Josef Laumann, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Union, ist am<br />
8. Juli 2003</b></b></span></span> <b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">zu<br />
Gast im tacheles.02 Live-Chat von tagesschau.de und politik-digital.de</span></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">.</span><!--break--><br />
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif; color: #000000"><b>M</b></span><b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">anu</span></b><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">:<br />
Wie bewerten Sie die heute erschienenen Arbeitslosenzahlen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl-Josef Laumann</b>:<br />
Ich bin der Meinung, dass die Arbeitslosenzahlen keine Entspannung für<br />
den Arbeitsmarkt bedeuten. Die traurige Realität ist, dass heute<br />
in Deutschland rund 300.000 Menschen mehr arbeitslos sind als vor einem<br />
Jahr.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Heinz Müller</b>: Herr Laumann, einige sehen in den neuen Arbeitslosenzahlen<br />
einen konjunkturellen Aufschwung, da ein doppelt so starker Rückgang<br />
zu verzeichnen war wie im Schnitt der letzten 10 Jahre. Stimmen Sie dem<br />
zu?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Nein, dem stimme ich nicht zu, weil dieser<br />
Rückgang auf ein sehr hohes Niveau &#8211; nämlich der höchsten<br />
Arbeitslosigkeit in Deutschland seit Kriegsende &#8211; bezieht.</span><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Arbeitnehmer</b>: Worauf führen Sie den Rückgang der Arbeitslosenquote<br />
im Juni gegenüber Mai zurück?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Auf einen stetigen Beschäftigungsanstieg,<br />
der rein saisonal zu begründen ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Rounm</b>: Wie stehen sie zu den Reformplänen der Bundesregierung<br />
in Sachen Steuer und Gesundheitsreform?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Bei der Gesundheitsreform versuchen wir ja<br />
gerade notwendige erste Reformschritte gemeinsam mit der Bundesregierung<br />
zu verabreden. Was ich höre, verlaufen diese Gespräche durchaus<br />
erfolgversprechend. Was die Steuerreform anbelangt, bin ich sehr gespannt,<br />
wie Schröder sie gegen finanzieren will. Eine Steuerreform auf Pump<br />
ist gegenüber der jüngeren Generation unverantwortlich.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wissen ist Macht</b>: Herr Laumann, schadet eine innerparteiliche Auseinandersetzung,<br />
wie jüngst wegen der Steuerreform geschehen, dem Image der Partei?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Natürlich hat das das Image der CDU beschädigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Rounm</b>: Sehen sie den Haushaltsplan für 2004 als verfassungswidrig<br />
an?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Der Haushaltsplan ist deshalb verfassungswidrig,<br />
weil die Verschuldung die Höhe der Investitionen übersteigt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wissen ist Macht</b>: Wie sehen Sie den Ausweg aus der Finanzmisere?<br />
Der Großteil der Union fand den Ansatz, auf Pump zu leben, doch<br />
gar nicht mal so schlecht, oder?!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Ich sehe den Ausweg aus der Misere zunächst<br />
einmal in einer Reform des Arbeitsmarktes und klare Finanzierungsperspektiven<br />
für die sozialen Sicherungssysteme. Dieses zusammen mit einer gegenfinanzierten<br />
Steuerreform würde sicherlich Impulse für Wachstum und Beschäftigung<br />
bringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Anni</b>: Sie haben sich auch für Steuersenkungen ausgesprochen.<br />
dies bedeutet für die Kommunen deutliche Mindereinnahmen. Glauben<br />
Sie dass ein paar Euro mehr im eigenen Säckel besser sind als intakte<br />
Schulen, Kindergärten, soziale Einrichtungen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Wir brauchen dringend eine Reform der kommunalen<br />
Finanzen. In den letzten Jahren haben Bund und Länder den Kommunen<br />
immer mehr Aufgaben zugewiesen, ohne ihnen die dafür erforderlichen<br />
Mittel am Gesamtsteueraufkommen des Staates zur Verfügung zu stellen.<br />
Außerdem rächt es sich jetzt gewaltig, dass Schröder die<br />
deutschen Großbetriebe und Banken durch die faktische Abschaffung<br />
der Körperschaftssteuer nicht mehr an der Finanzierung des Gemeinwesens<br />
beteiligt. Wir reden hier immerhin über 20 Mrd. Euro.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Rounm</b>: Durch was kann man ihrer Meinung nach die Konjunktur ankurbeln,<br />
ohne dies auf Kosten der nächsten Generation zu tun?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Karl-Josef Laumann</b>: Reformen am Arbeitsmarkt, Stabilisierung der sozialen<br />
Sicherungssysteme, gerade im Hinblick der demographischen Entwicklung<br />
und einer Aufgabenkritik auf allen staatlichen Ebenen um auch zu einer<br />
schlankeren Verwaltung unseres Landes zu kommen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Für viele Bürger sind die Unterschiede der<br />
Konzepte von Regierung und Opposition im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit<br />
kaum feststellbar. Können Sie in wenigen Worten die wesentlichen<br />
Unterschiede verdeutlichen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: </span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">1. Die CDU ist der<br />
Meinung, dass betriebliche Bündnisse für Arbeit, wenn sie der<br />
Beschäftigungssicherung dienen, auf betrieblicher Ebene durchgeführt<br />
werden müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Diese Abweichung vom<br />
Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung lehnt Rot-Grün kategorisch<br />
ab.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">2. Mittelständische<br />
Betriebe bis 20 Beschäftigte sollten für Neueinstellungen vom<br />
Kündigungsschutzgesetz freigestellt werden.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">3. Überprüfungen<br />
aller Schwellenwerte im Betriebsverfassungsgesetz auf Einstellungshemmnisse.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">4. Eine Zusammenführung<br />
von Arbeitslosen- und Sozialhilfe wo wir Fördern und Fordern stärker<br />
zusammenbringen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">5. brauchen wir eine<br />
Entkoppelung der sozialen Sicherungssysteme vom Faktor Arbeit.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">6. Stopp aller Frühverrentungsmodelle,<br />
weil sie die Beiträge zu stark belasten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>kai arbeitslos</b>: Sie wollen den Kündigungsschutz herabsetzen.<br />
Wie rechtfertigen Sie die massiven Eingriffe in die Arbeitnehmerrechte???</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Dieses</b>: zu 1: Nehmen Sie dabei nicht leichtfertig die Lockerung<br />
des Kündigungsschutzes in kauf?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Ich nehme keinen Arbeitnehmer mit unseren Vorschlägen<br />
seinen Kündigungsschutz, sondern alle unsere Vorschläge sollen<br />
nur für Neueinstellungen gelten&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">In der jetzigen Arbeitsmarktlage<br />
halte ich alles, was zu Einstellungen führt, für sozial.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Theo</b>: Meinen Sie nicht Herr Laumann, das Ihr Motto: &quot;Sozial<br />
ist, was Beschäftigung schafft&quot; zu einseitig ist?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Nein. Das größte soziale Problem<br />
&#8211; ich möchte fast sagen: gesellschaftspolitische Problem &#8211; in unserem<br />
Land ist die Perspektivlosigkeit von über 4 Millionen arbeitslosen<br />
Menschen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Heinz Müller</b>: Aber neu eingestellte Arbeitnehmer sollten doch<br />
auch Kündigungsschutz erhalten, oder etwa nicht?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"> <b>sozial eingestellt</b>:<br />
Es soll also zwei Klassen von Arbeitnehmern geben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Zwei Klassen von Arbeitnehmern gibt es heute<br />
schon, weil der Kündigungsschutz in Betrieben mit fünf Arbeitnehmern<br />
noch nie gegolten hat. Wir wissen aber, dass in diesen Betrieben nicht<br />
geheuert und gefeuert wird, sondern die Inhaber mit ihren Mitarbeitern<br />
sehr verantwortungsbewusst &#8211; gerade weil man sich persönlich kennt<br />
&#8211; umgehen. Und ich denke dieses Kriterium kann auch für Betriebe<br />
mit 20 Beschäftigten gelten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Rounm</b>: Wie stehen sie zu Betriebstarifverträgen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Ich bin kein großer Anhänger von<br />
betrieblichen Tarifverträgen. Es hat sich bewährt, dass wir<br />
in Deutschland die Tarifauseinandersetzung außerhalb der Betriebe<br />
führen und bislang auch gelöst haben. Ich sage deshalb klar<br />
ja zur Ordnungsfunktion des Flächentarifvertrages&#8230;</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">bin aber der Meinung,<br />
dass die Betriebsvertragsparteien aus Gründen der Beschäftigungssicherung<br />
auch abweichen können</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>ach Herr Laumann</b>: Halten Sie es nicht für übertrieben,<br />
den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit komplett zu streichen? In anderen<br />
Ländern funktioniert das auch!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Die CDU schlägt nicht vor, den gesetzlichen<br />
Anspruch auf Teilzeit zu streichen, sondern wir möchten diesen Anspruch<br />
begrenzen für Arbeitnehmer, die Erziehungspflichten für Kinder<br />
haben oder nahe Familienangehörige pflegen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Noch eine Nachfrage zum Thema Tarifvertrag:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Manu</b>: Was genau meinen Sie mit einer Ordnungsfunktion für<br />
einen Flächentarifvertrag?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Die Ordnungsfunktion liegt darin, dass unterschiedliche<br />
Betriebe einer Branche zumindest in größeren Regionen einheitliche<br />
Lohnbedingungen haben.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Noch eine Anmerkung zur Teilzeit:</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>wißbegierig</b>: Aber Teilzeit schafft doch auch Arbeitsplätze,<br />
oder?!</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Teilzeit ist ein gutes Instrument, vorhandene<br />
Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. Aber ich finde nicht, dass<br />
es hier auf ein Rechtsanspruch gegenüber dem Arbeitgeber geben muss,<br />
es sei denn, es geht um Pflege oder Kinder.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>heinz Y</b>.: Warum pochen Sie so auf die Beibehaltung des Meisterzwanges?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Weil sich der Meisterbrief insbesondere in<br />
der handwerklichen Berufsausbildung sehr bewährt hat. Das deutsche<br />
Handwerk bildet zur Zeit 500000 junge Menschen breit handwerklich aus,<br />
und ich fürchte, wenn wir den Meisterzwang aufgeben, dass mittelfristig<br />
die breite Basis handwerklicher Fähigkeiten unserer Arbeitnehmer<br />
abnimmt.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif">Wenn will noch ein<br />
Standortvorteil haben, ist es gerade dieses duale Berufsausbildungssystem.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Apropos Ausbildung: 70.000 Jugendliche werden &#8211; das<br />
meldet die Bundesanstalt für Arbeit heute &#8211; bei der Lehrstellensuche<br />
in diesem Jahr leer ausgehen. Eine dramatische Zahl, oder?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Diese Zahl macht mir große Sorgen &#8211; dadurch<br />
dass die Bundesregierung mit der weitgehenden Zerschlagung der Handwerksordnung<br />
zu großer Unsicherheit gerade im Mittelstand beiträgt, befürchte<br />
ich, dass die Zahl noch eher größer wird. Im Notfall bin ich<br />
dafür, dass wir jeden Ausbildungswilligen, der keine Lehrstelle gefunden<br />
hat, im Herbst auch ein über den Staat finanziertes überbetriebliches<br />
Ausbildungsangebot machen müssen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Vor allem in Ostdeutschland sieht es für Jugendliche,<br />
die eine Lehrstelle suchen, düster aus. Wie kann da der Staat helfen?<br />
Kann er überhaupt helfen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Der Staat hat gerade in Ostdeutschland schon<br />
in der Vergangenheit erhebliche überbetriebliche Ausbildungsplätze<br />
angeboten und in dieser Situation muss er dieses auch weiterhin tun.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Heinz Müller</b>: Wie wollen Sie Arbeitgeber davon überzeugen,<br />
mehr Lehrstellen zu schaffen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Indem durch eine verlässliche Politik<br />
gerade der Wirtschaft wieder eine verlässliche Grundlage für<br />
ihr Handeln gegeben wird.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Wissbegierig</b>: Herr Laumann, was würden Sie denn Ihren eigenen<br />
Kindern raten, um sich erfolgreich um eine Lehrstelle zu bewerben?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Sich persönlich bei Ausbildungsbetrieben<br />
vorzustellen und sich vor allen Dingen mit diesen Unternehmungen vorher<br />
ein wenig beschäftigen. Das persönliche Gespräch und die<br />
Tatsache, dass man sich mit seinem zukünftigen Arbeitgeber beschäftigt<br />
hat, macht immer noch einen guten Eindruck.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Manu</b>: Bestimmt die Politik wirklich die Wirtschaft? Ist es nicht<br />
eher andersherum?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Die Politik kann nur dafür sorgen, dass<br />
es Rahmenbedingungen gibt, die es der Wirtschaft ermöglichen, sich<br />
zu entfalten.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b><br />
Wissen ist Macht</b>: Sind die Jugendlichen also selbst schuld, wenn sie<br />
keinen Arbeitsplatz bekommen?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Zur Zeit haben wir in Deutschland objektiv<br />
gesehen zu wenig Arbeitsplätze. Allerdings bin ich der Meinung, dass<br />
einen jungen Menschen vorübergehend auch jede Arbeit zuzumuten ist.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Rounm</b>: Wie stehen sie zu einer Sondersitzung des Bundestages, wie<br />
es Angela Merkel am letzten Donnerstag dem Bundeskanzler angeboten hatte,<br />
während der Sommerpause?</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Karl-Josef Laumann</b>: Damit habe ich kein Problem, denn der Bundeskanzler<br />
sollte seinen vielen Ankündigungen endlich in Gesetzestexten ganz<br />
konkret dem Bundestag vorlegen.</span>
</p>
<p>
<span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><br />
<b>Moderator</b>: Unsere Zeit ist leider um. Vielen Dank an alle User<br />
für das Interesse. Vielen Dank Herr Laumann, dass Sie sich die Zeit<br />
für den Chat genommen haben. Entschuldigung nochmals für die<br />
Verspätung zu Beginn. Die Technik&#8230;</span>
</p>
<p><span style="font-size: x-small; font-family: Arial,Helvetica,sans-serif"><b>Karl-Josef Laumann</b>:<br />
Es hat Spaß gemacht. Beschäftigen Sie sich weiter mit Politik,<br />
schließlich geht es um unser aller Zukunft.</span></p>
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