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	<title>Arbeitswelt &#8211; politik-digital</title>
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		<title>Schöne, neue Arbeitswelt?</title>
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		<pubDate>Tue, 20 May 2014 13:22:21 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Arbeitswelt ist im Wandel. Man spricht von einer neuen Generation von Menschen, die flexibel, mobil und selbstbestimmt arbeiten möchte. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/y.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-139810" alt="y" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/y.png" width="636" height="299" /></a>Die Arbeitswelt ist im Wandel. Man spricht von einer neuen Generation von Menschen, die flexibel, mobil und selbstbestimmt arbeiten möchte. Die sogenannte „Generation Y“ gilt als innovativ und sinnsuchend, aber auch als verwöhnt und faul. Politik und Wirtschaft passen sich nur langsam diesen neuen Bedürfnissen an, um keine Wähler und Mitarbeiter zu verlieren. Und auch Arbeitnehmer nutzen die neuen Modelle nur zögerlich und arbeiten meist nicht weniger und effizienter &#8211; wie es der technologische Fortschritt verheißt &#8211; sondern sind überarbeitet bis hin zum Burnout.<br />
&#8220;Wir sind jung und brauchen das Glück&#8221;, schreibt die Journalistin und Autorin Kerstin Bund auf &#8220;<a href="http://www.zeit.de/2014/10/generation-y-glueck-geld" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ZEIT Online</a>&#8220;. In ihrem Buch “Glück schlägt Geld. Generation Y: Was wir wirklich wollen” beschreibt sie, wie Karriere heute neu definiert wird. Die<a href="http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/generation-y-im-pressekompass-so-wird-sie-definiert-a-964518.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> Generation Y</a> – Menschen, die nach der Generation X, also zwischen 1980 und 1995, geboren sind – schert sich nicht um traditionelle Statussymbole wie einen Kleinwagen, hohe Gehälter oder Boni. Sie ist vielmehr interessiert an Selbstbestimmung und Flexibilität. Immer mehr Menschen kündigen ihre Festanstellung, um in eigenen Projekten mit Gleichgesinnten zusammenzuarbeiten. Das gilt aber nicht nur für die 20-30-Jährigen, sondern auch für ältere Menschen, die zum Beispiel ein Jahr lang das Hamsterrad gegen ein Sabbatical tauschen oder eine Teilzeitbeschäftigung wählen, um mehr Zeit für die Familie oder Hobbies zu haben.<br />
Überlegungen zur neuen Arbeitswelt gibt es schon länger. Im Jahr 2006 gaben Sascha Lobo und Holm Friebe ein <a href="http://wirnennenesarbeit.de/index.html?nr=20060928113212" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Buch</a> mit dem Titel “Wir nennen es Arbeit – Die digitale Bohème oder intelligentes Leben jenseits der Festanstellung” heraus. Ihr zentrales Argument ist, dass das Internet eine “Individualisierung 2.0” mit sich bringe. Durch die Mobilisierung des Arbeitsplatzes und neue Geschäftsmodelle gibt es immer mehr Selbstständige, die mithilfe von digitalen Technologien in selbstgewählten Strukturen arbeiten. Manch einer nutzt das Internet, um komplett ortsunabhängig sein Geld zu verdienen. Auf einer <a href="http://www.dnx-berlin.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Konferenz</a> im Berliner betahaus berichteten “Digitale Nomaden” einen ganzen Tag lang darüber, wie man am besten an weißen Sandstränden online über die Runden kommt.<br />
Die neue Arbeitswelt findet jedoch zum großen Teil noch außerhalb der traditionellen Strukturen statt. Die meisten Unternehmen reagieren langsam auf den Umbruch und fühlen sich von den Veränderungen bedroht: „Für manche Personalchefs sind wir ein Albtraum: Sie halten uns für verwöhnt, selbstverliebt und größenwahnsinnig. Es heißt, wir seien schlecht darin, uns zu hinterfragen, aber groß darin, uns selbst zu überschätzen“, schreibt Bund in ihrem Artikel. Ob die Generation Y nun verantwortungsvoll und leistungsbereit oder fordernd und selbstgefällig ist – irgendwie muss auf diese Entwicklung reagiert werden.</p>
<h3>Wirtschaft und Politik hinken hinterher</h3>
<p>Die soziale Plattform für berufliche Vernetzung XING hat passend zur neuen Arbeitswelt ein Themen-Portal namens „<a href="https://spielraum.xing.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Xing spielraum</a>“ gestartet. Unter dem Motto „Besser leben. Anders arbeiten“ finden sich dort seit Anfang Mai Experten-Interviews, Best Practices und Tipps zur „Orientierung moderner Wissensarbeiter“. In einem <a href="https://spielraum.xing.com/2014/04/wir-brauchen-neuen-sinn-in-unserer-arbeit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Interview</a> zum Thema „New Work“ sagt Ex-Telekom Vorstand Thomas Sattelberger auf „Xing spielraum“: „Ich glaube, dass durch den Wertewandel, der gekoppelt ist mit der Digitalisierung, immer mehr gesellschaftliche Teilbereiche auf Augenhöhe und damit demokratischer und teilhaberischer gestaltet werden.“ Sattelberger plädiert dafür, Begriffe wie „Personalkörper“ oder „Beschäftigte“ mit „Unternehmensbürger“ zu ersetzen. Damit zeige man, dass Menschen sich nicht nur passiv Arbeit nehmen, sondern ihr Kapital, ihre Fähigkeiten und Motivationen in ein Unternehmen investieren.<br />
Flexible Arbeitsmodelle sind in vielen Unternehmen nicht mehr die Ausnahme. BMW zum Beispiel notiert Arbeitsstunden seiner Mitarbeiter außerhalb des Büros und lässt sie dafür an anderen Tagen früher nach Hause gehen. Laut Bundeswirtschaftsministerium bieten bereits vier von fünf Firmen in Deutschland flexible Arbeitszeitmodelle an. Diese gelten jedoch vor allem für Menschen mit Familie. „In vielen Unternehmen gelten noch immer starre Arbeitszeiten und Präsenzpflichten. Statt Vertrauensarbeitszeit herrscht das Diktat der Stempeluhr“, kritisiert Sattelberger im Interview. Er beschreibt deutsche Konzerne als „erfolgsverwöhnte Ozeandampfer“, die herumschlingern und „nicht antwortfähig auf den disruptiven Wandel sind“. Wenn Unternehmen nicht umdenken, bekommen sie eventuell ein Personalproblem. Und auch das Innovationspotenzial kann leiden, wenn kritisch Hinterfragende aussortiert und angepasste Arbeitsbienen befördert werden. Dabei hat eine größere Souveränität der Mitarbeiter viele Vorteile. Studien haben ergeben, dass mehr Autonomie und Vertrauen Beschäftigte kreativer, produktiver und seltener krank anstatt faul macht.<br />
Wenn Unternehmen sich mit den Veränderungen noch schwer tun, wie reagiert dann die Politik? Obwohl einiges getan wird, vor allem im Bereich Vereinbarkeit von Beruf und Familie (wie zum Beispiel die Einführung des Elterngelds im Jahr 2007) , so gilt die Generation Y insgesamt als unpolitisch und hat keine eigene Lobby. Die heute 20- bis 30-Jährigen lassen sich politisch schwer einordnen und protestieren lieber im Internet als in den Institutionen. Wenn es eine Revolution der Arbeitswelt gibt, so ist sie still, schleichend und institutionell schlecht vertreten.</p>
<h3>Wie weit ist es mit der neuen Arbeit?</h3>
<p>Gleitzeit, Homeoffice, Elternzeit, Sabbatical,Teilzeit – alles beliebte und berechtigte Forderungen im modernen Arbeitsmarkt. Doch selbst wenn Unternehmen diese Optionen anbieten, werden sie oft nicht in Anspruch genommen.<br />
Häufig sind diese Konzepte noch nicht voll akzeptiert oder ausgereift. Homeoffice zum Beispiel erzeugt oft noch ein Gefühl des Kontrollverlusts beim Arbeitgeber &#8211; und die Angst der Heimarbeiter,von spontanen Besprechungen ausgeschlossen zu werden. Das Statistische Bundesamt stellte Anfang des Jahres fest, dass heute weniger Menschen von zuhause arbeiten als noch Mitte der Neunzigerjahre. Von Teilzeitbeschäftigten wird oft mehr erwartet als vereinbart und sie sitzen am Ende doch den ganzen Tag im Büro und machen einen schlecht bezahlten Vollzeitjob.<br />
Man darf auch nicht vergessen, dass nur ein kleiner Teil unserer Gesellschaft als Generation Y bezeichnet werden kann. Vielen fehlt es an Mut oder finanziellen Mitteln, um Neues auszuprobieren oder sich selbstständig zu machen. Um das neue Arbeitsmodell auszuweiten, müssen Unternehmen den Wunsch nach mehr Freiräumen und Selbstbestimmung institutionell umsetzen und Arbeitnehmer sich trauen, die neuen Möglichkeiten zu nutzen, um eine breitere Akzeptanz herzustellen. Die Flucht in die (oft prekäre) Selbstständigkeit durch mangelnde Alternativen des Arbeitgebers kann zur Seltenheit werden, wenn beide Seiten die neue Art zu arbeiten zur Normalität werden lassen.<br />
Bild: <a href="http://pixabay.com/en/signpost-migratory-character-62434/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Pixabay/Hans</a> <a href="http://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><small>(CC0 1.0) </small></a><br />
<a href="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png"><img decoding="async" class="alignnone  wp-image-139428" alt="CC-Lizenz-630x1101" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/CC-Lizenz-630x11011.png" width="441" height="77" /></a></p>
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		<title>Arbeit zwischen Misere und Utopie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion politik-digital.de]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2007 07:42:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[von André Gorz </b>Neoliberale und Keynesianer streiten sich über den Weg, der zu beschreiten ist, um Vollbeschäftigung wiederherzustellen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>von André GorzNeoliberale und Keynesianer streiten sich über den Weg, der zu beschreiten ist, um Vollbeschäftigung wiederherzustellen. In der Öffentlichkeit weitgehend Tabu ist hingegen die These vom &#8220;Ende der Arbeit&#8221;, die zum einen besagt, dass das Arbeitsvolumen der Industriegesellschaften dauerhaft sinkt und sinken wird, und zum anderen, dass die Art der Arbeitsplätz zu mehr Flexibilität tendiert (befristete Stellen, Zeitarbeit, Minijobs, Projektarbeit, neue Selbständigkeit).<br />
Die Rarifizierung der Arbeit ist ganz im Interesse der Unternehmen, da sie deren Verhandlungsmacht erhöht, und dies nicht nur, wenn es um die Löhne und Gehälter der Beschäftigten geht. Was leistet die klassische Lohnarbeit für die Beschäftigten? Zuerst einmal gibt sie ihnen Lohn und sichert damit ihren Lebensunterhalt, und dies auch indirekt durch Einbindung in die an die Arbeit gekoppelten sozialen Sicherungssysteme. Zum anderen schafft Arbeit die Gelegenheit, andere Menschen zu treffen, stellt Bindungen zu ihnen her, verschafft dem Arbeitenden Anerkennung und auch die Möglichkeit, sich mit anderen zu messen. Schließlich ist für manche Menschen Arbeit der Ort, an dem sie ihre Ideen und Anliegen verwirklichen können, sie also auf weitgehend freie Weise schöpferisch tätig sein können. Nennen wir diese drei Funktionen der Einfachheit halber die finanzielle, die soziale und die schöpferische Funktion der Arbeit. Obgleich immer mehr Menschen Wissensarbeiter sind und moderne Konzepte betrieblicher Organisation den Beschäftigten mehr Autonomie einräumen, haben nur wenige Arbeitende die Chance, ihre Arbeit als wirklich schöpferisch und damit befriedigend zu erleben. Für Gorz ist dies nicht einfach die Folge betrieblicher Organisationsformen, sondern eine Frage desRahmens: auf Grund der Verwertungsinteressen des Kapitals wird nur Arbeit angeboten, deren Produkte profitabel vermarktet werden können. Der Freiheit der Arbeitenden sind so enge Schranken gesetzt, wodurch es für die meisten eben nicht zur Zufriedenheit mit der Arbeit kommen kann. Die soziale Funktion wiederum der Arbeit ist nicht der Lohnarbeit im speziellen eigen, sondern der menschlichen Tätigkeit, also auch der &#8220;Arbeit&#8221; im Ehrenamt, im eigenen Haushalt oder im Sport.<br />
Grundsätzlich gibt es zwei Konzepte, wie das große Bedürfnis nach Familienarbeit und nach sozialen und politischen Tätigkeiten befriedigt und das Angebot auf dem Arbeitsmarkt offenbar überzähliger Talente nutzbar gemacht werden können: Zum einen können, so sehen Vorschläge z. B. des Soziologen Ulrich Beck oder der Manager Giarini und Liedtke vor, diese Tätigkeiten der herkömmlichen Lohnarbeit ganz oder teilweise gleichgestellt, d.h. aus Mitteln der Allgemeinheit bezahlt werden. Gorz lehnt dieses für ihn &#8220;koloniale&#8221; Ausgreifen der Lohnarbeit in andere Sektoren des menschlichen Lebens, in denen der Sinn der Tätigkeit und der Spaß an ihr Motivation genug sind, ab. Statt dessen schlägt er ein an keine Bedingung gekoppeltes Bürgergeld vor, das so bemessen sein sollte, dass es ein lebenswertes Leben ermöglicht. Jeder Bürger könne davon leben und sich zusätzliche Lebensqualität verschaffen durch Eigenarbeit (eigener Garten, selbst durchgeführte Reparaturen), durch Nachbarschaftshilfe oder die Teilnahme an Tauschringen. Jeder hätte dann die Chance, sich selbst in der gewonnenen Zeit durch von ihm frei gewählte soziale, politische und schöpferische Tätigkeiten frei zu entfalten.<br />
Gorz weiß, dass seine Vorschläge von vielen als Utopien bezeichnet werden, doch sieht er darin keinen Nachteil,denn er betrachtet Utopien als Vorstellungen, die die Realität transformieren sollen und können. Was er aber offenbar unterschätzt, sind die Widerstände, die einem Eckpunkt seiner Pläne, nämlich der Einführung eines existenzsichernden an keine Bedingungen geknüpften Bürgergeldes entgegengebracht werden. Zwar haben es Arbeitgeber und Konservative nicht geschafft, Arbeitslose in den Augen der Mehrheit der Deutschen als Faulenzer zu diffamieren, doch steht es für den Rezensenten außer Frage, dass viele arbeitende Menschen das bedingungslose Grundeinkommen als ungerecht empfinden und ablehnen würden, ganz zu schweigen von den hohen Kosten dieser Reform. Wohlgemerkt: Gorz\&#8217; Ziel &#8211; die Tätigkeitsgesellschaft &#8211; ist richtig. Er steht damit ja auch keineswegs allein da: fortschrittliche Manager, Sozialforscher und Pädagogen plädieren wie er für dieses Leitbild der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Doch es ist wohl geschickter und besser finanzierbar, mit derVerteilung der vorhandenen Arbeit anzufangen, d.h. auf die Lebens- und Leistungslust der jetzt vollzeit Arbeitenden zu bauen. Man könnte jedem Arbeitnehmer z. B. ein verbrieftes Recht auf eine Stundenreduzierung einräumen, wenn das lokale Arbeitsamt mindestens drei Arbeitslose mit ähnlicher Qualifikation seinem Arbeitgeber als Ersatz vorschlagen kann. Oder den Arbeitenden wird ein Recht auf lange Bildungsurlaube oder Sabbatjahre eingeräumt. Während dieser Abwesenheitszeiten vertreten Arbeitslose die Beschäftigten. So funktioniert es mit Erfolg in Dänemark. Arbeitgeber und Gewerkschaften könnten sich auch &#8211; unter dem Druck der Öffentlichkeit und der Politik &#8211; verpflichten, Produktivitätszuwächse in Zukunft ausschließlich in Arbeitszeitverkürzungen umzusetzen. Es ist bekannt,daß Arbeitszeitverkürzungen zu Produktivitätssteigerungen führen, so dass vermutlich ein für alle Seiten sehr segensreicher Kreislauf aus sich selbst verstärkendenArbeitszeitverkürzungen und Produktivitätssteigerungen entstehen würde. Das neue Wohlstandsmodell dafür steht bereit: der Zeitwohlstand.<br />
Fazit: Gorz\&#8217; Buch ist gedankenreich, ohne unnötige Rücksichtnahmen und im besten Sinne visionär. Freiheit, Würde und Glück des arbeitenden Menschen stehen im Mittelpunkt von Gorz\&#8217; Denken. Kleine Schwächen, wie etwa seine allzu positive Einschätzung des bisher auch nach dessen eigener Einschätzung mehr in der Theorie als in der Praxis fruchtbaren Wirkens des deutsch-amerikanischen Professors F. Bergmann (&#8220;New Work&#8221;), fallen nicht ins Gewicht. Frankreich, die Wahlheimat des vor den Nationalsozialisten geflüchteten Wieners Gorz, bietet wohl zur Zeit das beste Experimentierfeld für die Zukunft der Arbeit, da dort nicht nur innovativ gedacht, sondern auch gehandelt wird. Die Erfolge können sich sehen lassen: Auch wenn man die staatlich geschaffenen Jobs für Jugendliche (Emplois jeunes) nicht mitzählt, wurden dort 1999 454.00 neue Stellen geschaffen (Le Monde vom 20.05.2000). In den letzten 35 Jahren wurde nur einmal, nämlich 1969 eine annähernd so hohe Zahl neuer Stellen in einem Jahr geschaffen. Und ungefähr ein Drittel dieser Stellen geht nach amtlicher Darstellung zurück auf die gesetzliche Einführung der 35-Stundenwoche. Wie peinliche wirkt da der Kommentar mancher deutscher Journalisten, beispielsweise die Aussage des FAZ-Journalisten Barbier im sonntäglichen ARD-Presseclub, dass Frankreich sich auf eine Rezession einstellen müsse als Folge der Umsetzung der 35-Stundenwoche.</p>
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